U V A y//i*,v/Ä i-Lijuj Wirket, so lange es Tag ist. Roman von Maximilian Böttcher. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Leise hatte er gesprochen. Er wußte, welchen Einfluß die äußeren Lcbensverhältnisse auf den Menschen ausüben, und war sich dessen sicher, daß Isabella lange, bevor ein Jahr ins Land ging, ihre Liebe jtt ihm als flüchtige Torheit erkannt haben würde. So sollte sein Vorschlag nur dazu dienen, ihr das Leid einer jähen Trennung zu ersparen, ihr ein langsames Verschmerzen und Vergessen ihrer Sehnsucht möglich zu machen. Und doch glomm auch in seinem Herzen noch die Hoffnung. Isabellas Brauen hatten sich zusammengezogen, ihre kleinen, scharfen Zähne sich in die Unterlippe gegraben. „Wenn du kein Vertrauen zu mir hast —" stieß sie in unwilligem Trotz hervor; —- sie wollte fortfahren: „Dann hat. ja auch die Wartezeit keinen Zweck, dann ist es schon am besten, wir machen gleich ein Ende." Aber sie bezwang die schroffe Entgegnung und sagte nur: „Doch vielleicht mußt du dich selbst noch prüfen ..." Heinz starrte zu Boden. „Mach mirs doch nicht io schwer," bat er. Sie nickte ein paarmal vor sich hin und ließ das Haupt dann auf die Brust herab sinken. „Gut," entgegnete sie, „ich will denn auch so zufrieden sein. Aber ein Jahr ist so furchtbar lang . . . -" „Nur, wenn man es vor sich sieht. Wenn man es hinter sich hat, erkennt man bald, daß es nicht viel mehr tu ar, als eilt gut gemessener Augenblick." „Dir scheint das Warten nicht sauer zu werden," schmollte Isabella. „Oder doch?" Sie maß ihn mit einem prüfenden Blick. „Ja . . ." lächelte sie wehmütig, „mein armer Heinz sieht auch ganz blaß und elend aus. Fürchtet er, seine Braut könnte ihm untren werden?" In ihren Augen blitzte cs plötzlich wie Triumph auf. „Das wäre gut .... o, das wäre sehr gut. So wird die Angst seine Liebe nicht einschlafen lassen." Im Nu wurde ihr Blick wieder zärtlich, hingebungsvoll. „Komm," lockte sie, „komm, Liebster, Mse mich noch einmal .... es ist so lange, bis wir nns wieder küssen dürfen . . . ." Dreizehntes Kapitel. Werner hatte mit der Uhr in der Hand den beiden eine Viertelstunde Zeit zur Aussprache gelassen. Als er dann wieder den Pavillon betrat, erstarb das schmunzelnde Lächeln, hinter dem er bei der bereits zurechtgelegten Gratulationsansprache seine Rührung zu verbergen gedacht, auf seinen Lippen, und mit dem Ausdruck grenzenloser Ueberraschung flog sein Blick zwischen Heinz und Isabella hin und her, deren blasse, schmerzbewegte Gesichter seinen jungen, phantasiebegabten Geist eher auf die Wirrnisse eistes tragischen Konfliktes, denn auf eine glückliche Verlobung schließen ließen. Isabella sah wohl, was in dem guten Jungen vorging, und gedachte mit einem Scherzwort über die Peinlichkeit der Situatiost hinweg zu kommen. „Tu hast dein Wasser wohl an der Quelle des Fichtenhöher Bnchenberges geschöpft?" fragte sie. Werner war noch immer so bestürzt, um eine plausible Ausrede Vorbringen zu können; so präsentierte er seiner Schwester das Glas wortlos und mit der Ungeschicklichkeit eines eben erst ist die Lehre gekommenen Piccolo. Auch Heinz Vollrath hatte sich inzwischen gefaßt. „Wenn wir unsere Horazlektüre nicht bald wieder aufnetzmen, werden wir heute nicht mehr allzuweit vorwärts kommen," wandte er sich an Werner. „Ach Gott," stieß der hervor und fuhr sich mit nervöser Bewegung durch das Haar, „eigentlich,steht mir der Kopf nach dem Vorgefallenen wenig nach der Zergliederung lateinischer Verse. Aber natürlich," verbesserte er sich rasch, „wenn S ie noch Lust haben . . . ." „Gewiß hab ich Lust. Sie kennest doch den Spruch, dest schon die Sextaner lernen: semper aequo animo." Isabella erhob sich; ein Frösteln überrieselte sie. „Mir ist kalt," sagte sie, „ich möchte ins Haus." Heinz eilte, ihr das weißseidene, schwanenpelzverbrämte Cape, das draußen auf einem der Korbstühle lag, über die Schultern zu hängen, und schweigend machte man sich danach auf den Wdgb „Was soll denn nun eigentlich mit dem Buben, dem Barti- kow, werden?" fragte Werner, nachdem man ein paar Dutzend Schritte gegangen war. Isabella zuckte die Achseln. Sie hätte gern Heinz, der dicht an ihrer Seite ging und auf den sie böse war, weil er ihr nicht den Arm bot, mit einem Blick um seine Meinung gefragt; aber sie fand nicht den Mut. Sie fürchtete, aus ihren Augen möchte Sehnsucht sprechen; und sie mußte ihm doch zeigen, daß sie imstande war, sich in die ihr zudiktierte Rolle zu schicken. „Oh ja, ja," schoß es wieder! in heißem Trotz in ihr auf, „sie würde es ihm schon zeigen. Ganz gleichgültig und kalt würde: sie sich gegen ihn stellen, ihn martern und quälen durch diese Kalte und Gleichgültigkeit, die er durch feine Bedingung leichtfertig hcraufbeschworcn hat. Welche Torheit, dieses Probejahr! . . . . So ewig lange währte das Leben doch wahrhaftig nicht, daß man eilt Jahr davon wegschenken durfte, ein Jahr, in dem man so glücklich sein konnte, so unendlich glücklich. Ein Jahr .... du lieber Gott! Wer wußte denn überhaupt, ob er nach so langer Zeit noch die Sonne sehen würde? O, sie würde schon Mittel und Wege finden, die Wartezeit abzukürzcn; sic würde schon. . . ." * |l| Heinz schritt mit leicht geneigtem Kopf dahin, wie es seine Gewohnheit war, wenn er über etwas nachdachte. „Ich glaube," erwiderte er endlich auf Werners Frage, „Sie dürfen nicht so streng mit Bartikow ins Gericht gehen. Er ist ja doch wohl kein bösartiger Schurke, sondern nur ein unglücklicher, blinder Tor, der von den Ideen und Hoffnungen, in die er sich einmal verrannt hat, nicht loskommcn kann. Ein Zur- Rechcnschaft-Ziehen scheint mir nach Sage der Sache ohnehin aussichtslos, und dann — um Ihrem Herrn Vater Unruhe und ~o30 — Soche zu ersparen, taten Sie vielleicht am Bestien, ihm den leidigen Vorfall ganz zu verschweigen." „Aber, mein Gott, ich kann mir doch eine so ungeheure ... Frechheit nicht ruhig gefallen lassen," begehrte Isabella auf. „Ich fühle mich ja dann schließlich meines Lebens nicht mehr sicher." „Bartikow wird gewiß nicht wagen, Sie noch einmal zu belästigen," entgegnete Heinz. „Ueberdies werde ich sehen, ob sich nicht Mittel finden lassen, ihn endlich zur Abreise aus unserm Ort zu bewegen. Immerhin müßten Sic, so lauge er noch hier ist, vorsichtig sein, sich nicht ohne Begleitung in die entlegenen Teile des Parkes zu begeben." In Isabella trieb der Zorn so hohe Wellen, daß sic einen Augenblick ihre Rolle vergaß. „Ein anderer Mann würde solchen Buben einfach fordern und Wer den Hausen schießen," stieß sic heftig hervor, „wenn . . . wenn . . . ." doch sie besann sich noch rechtzeitig genug, um den Nachsatz zu unterdrücken. „Zu solchem Schritte würde ich allerdings nie meine Zu- flucht nehmen," gab Heinz zurück, als handelte es sich hier nur unr die Behandlung einer unversönlichen, ganz allgemeinen Frage. Werner aber, der aus den Worten seiner Schwester einen versteckten Borwurf gegen sich herausgehört hatte, gleich als mangele ihni brüderlich-ritterliche Gesinnung, erwiderte: „Aber das ist doch Unsinn. Isabella. Für einen honorigen Menschen güt Bartikow überhaupt nicht als satisfaktionsfähig Gegen so einen könnte man doch höchstens mit der Reitpeitsche losziehen." Er sagte das so scharf pointiert, daß Isabella lachen mußte. Sie sah denn auch rasch ein, daß ihre Idee töricht gewesen, und das leise Gefühl unwilliger Geringschätzung, das sre gegen Heinz empfunden hatte, war im Augenblick mitsamt der zornigen Aufwallung in alle Winde verflogen. ,Wenn ich rhm doch jetzt mit einem zärtlichen Händedruck oder einein Küß meine Heftigkeit abbitten könnte', dachte sie; und wieder erschien ihr die Rolle, die sie spielen mußte, als abscheuliche Schranke. Im Vestibül, einem spilzbvgig gewölbten, reflektoriumartigen Raum, dessen Säulen und Wände mit braunen, weißspitzigen Geweihen übersät waren, fragte Werner: „Werden wir denn noch nach Forsthaus Lagowsee fahren, pde« schicken wir einen Boten, um absagen zu lassen?" „Herrgott," fuhr Isabella auf, „das hab ich ja ganz ver- tzesten. Natürlich müssen wir fahren. Papa würde ja wunder deirken, was uns passiert ist. Es ist ja auch übrigens die höchste Zeit, daß ich Toilette mache," schloß sie mit einem Blick auf die große Standuhr, deren altdeutsches Gehäuse eine Pfester- nische schmückte. : ; Heinz machte seine Abschicdsverbeugüng. »Wollen Sie sich uns nicht anschließen; Papa würde sich getvlß sehr freuen," fragte Isabella aus einem Gefühl tiefer Beschämung darüber, daß sie sich denk Gedan.keii cm die Souper- Veranstaltung gleich wieder mit so großem Eifer hingegeben.' „Mein Schwarzkittel würde schlecht zu all den Rotrocken passen," entgegnete Heinz mit gezwungenen? Lächeln. „Aber ich trag ja auch Schwarz," suchte Werner zu vermitteln. „Nein, wirklich — ich muß danken," lehnte Heinz ab. „Und nun kommen Sie, daß wenigstens noch etwas von unserer Arbeit wird." „Werde ich Sie nachher noch , sehen?" fing Isabella, während sie Hernz die .Hand reichte, noch einmal an. ; , Ter zuckte die Achseln. - ! „Ich muß gleich nach der Stuirde ins Torf zurück." Werner, der Rücksichtsvolle, war die drei Stufen zum Korridor bereits cmporgesprungeii und sah sich nicht mehr um. „Bitte," hauchte Isabella, Vollraths Hand mit innigem Druck fester fassend: „Ich kann wirklich nichts versprechen!" kam die bestimmte Antwort. * Mit zorniger Bewegung wandte sich Isabella der Treppe zu, m 3^x'en' H1* .ersten Stockwerk gelegenen Zimmern führte. >,ocun, dann nicht", dachte sie trotzig, wurde aber bald genug anderen Sinnes und trieb ihre Zofe so zur Eile an, daß die Toilette nach 55 Minuten vollendet war. Als Heinz und Werner nach beendigter Stunde wieder auf den ÄvrAdor traten, stieg Isabella schon die Treppe hinab. Sie fatz berückend schön, aus in dem enganliegenden hellroten Kostüm, Zdnga, rmmer drei Stufen hinter ihr, trug ihr einen Schulter- kragen aus Hermeliir nach. »Teufel auch," scherzte Werner, als er ihrer ansichtig wurde, ^.das ging ja heute mit einer Fixigkeit von Null Komma Fünf. Da muß ich ja Mächen, daß ich Ank tm'o Mantel kriege " Und eilends verschwand er. CIIUIU9 Eben fuhr draußen der Landauer vor. Der Diener in hell- gwmer L-vroe sprang vom Bock und stellte sich neben den Schlag. -Vie Schimmel ^abellas Lieblingspferde — knirschten schäu- niede/" biC unb bie Köpfe ungeduldig aus un5 uns. Werner kam: man trat auf die Rampe. , „ "Sollen wir Sie erst nach Hause fahren?" wandte sich Isabella noch einmal an Heinz. „Der Umweg ist nicht groß für ,"Trag' den Umhang in den Wagen," befahl Isabella, die noch an ihren Handschuhen knöpfte, dem Negerboy. Daun blickte sie Heenz mit strahlendem Lächeln an. „So sehen wir uns also doch noch, sagte sie triumphierend. . Heinz stand und schwieg, von einer Sturmflut widerstreitender Empfindung durchbraust. Isabella trat dicht an ihn heran. , hauchte sie, „sei nicht so kalt zu mir. Ich ertrag das Nicht. Spruch ein einziges lieb.s Wort." Heinz schüttelte den Kopf. „Ich darf es nicht." „Tanke, danke!" lehnte Heinz ab. Tie Geschwister stiegen ein. Der Diener schloß den Schlag und sprang auf den Bock. Tie Pferde zogen an. Heinz, die Gruße der Tavvnfahrenden erlvidernd, blickte dem Wagen nach, ms er hinter der hohen Tannenhecke, die den Vorgarten gegen die Straße abschloß, verschwunden war. ,„Hör mal," sagte Werner, sich im Fonds der Kalesche weit z-ii seiner Schwester hinübcrbeugend — damit Kutscher oder Diener scmc Worte nicht etwa verständen — „du hast doch Vollrath Nicht etwa einen Körb gegeben?" „Bist wohl nicht recht gescheit!" lachte Isabella. „Na, es kommt mir ganz so vor," entgegnete Werner. „Weißt du, wenn ich an deiner Stelle wär, ich tauschte mit Freuden nieine öde Luxusweibchenexistenz gegen ein Leben an der Seite dieses herrlichen Menschen ein, dem ähnlich zu werden, mein höchstes Ziel und Streben ist." Spruchs und zündete sich eine Zigarette an, von der das Hundert zwanzig Mark kostete. Denn, meint er auch bestrebt war, seinem verehrten Lehrer in allen großen Idealen nachzueifern ■— die Bedürfnislosigkeit in kleinen Dingen blieb vorläufig für ihn noch unerreichbar. — — — — — — — — Heinz schritt in trüben Gedanken. Er bereute es jetzt, daß er mit Isabella eine Prüfungszeit beschlossen hatte, anstatt mit raschem, hartem Entschluß ein Ende zu machen. Wohin gtng sein Weg? Welchen neuen Wirrnissen trieb er entgegen? Isabella würde die gestellte Bedingung, ihm ohne Herzlichkeit und Vertrautheit zu begegnen, nicht erfüllen. Sie würde ihn unter dem Einfluß ihres impulsiven Temperaments mit zärtlichen und sehnsnchsvollen Blicken und Worten locken, so oft sie ihn nur sah, frei und offen, wenn sie allein waren, heimlich und verstohlen und darum vielleicht mit um so betörenderem Reiz, wenn sie sich unter Zeugen befanden. Die Versuchung würde auf ihn einstürmen, und er durste ihr doch nicht erliegen. Eine Zeit unerträglicher Kämpfe würde für ihn anbrechen. würde dahinleben wie einer, der in blühender FrWinasocw'ck des Todes gewiß ist....... Als Heinz an die Gitterpforte kam, die vom Park in den Wald führte, irrten seine Gedanken zu Wilhelm Bartikow ab. Er fühlte jetzt keinen Zorn nrehr gegen ihn, keine Empörung, sondern einzig Mitleid. Gewiß — wie Martha gesagt hatte — nur Wilhelms unbesiegbare Liebe zu Isabella war schuld au. der Zerrissenheit seiner Seele, an der Zügellosigkeit seiner Wnuö". Heinz dachte mit Beschämung daran, daß er die Hand gegen ocn sinnlos Verliebten erhoben hatte. „Wer sich frei von Sünde fühlt, der nehme den ersten Stein auf", hatte der Heiland gesagt. Heinz klinkte eben die Pforte hinter sich ein, als ein Geräusch, wie von: Heranspringen eines Wildes aus dem Gebüsch an seiner Seite, ihn zusammenschrecken ließ. Doch ehe er noch den Kopf drehen konnte, die Ursache des Geräusches zu erspähen, fühlte er einen Stoß, der ihn taumeln machte, und gleichzeitig einen Schmerz in der linken Schulter, wie wenn ihm da eine glühende Nadel ins Fleisch eingedrungen wäre. Es kostete ihn Mühe, sich umzuwenden; der Schmerz in her Schulter, der sich «über die ganze linke Körperseite auszudehnen schien, lähmte ihn gleichsam. (Fortsetzung folgt// 331 Rheinische VMM. Bon Augrist Ammann. ' Jümlbeitrag der „Gieß. Fam.-Blätter".) (Nachdruck verboten.) Alics, uag die Natur hervorbringt, Pflanzen und Gestein, Tiere und Menschen, vergeht und entsteht beständig neu in unaufhörlichem Streben und Werden, und doch ragt auch die Vergangenheit aus unendlich vielen Spuren in das frische Leben hinein und erzählt uns gar mancherlei von alten und ältesten 'Zeiten. Die verschiedenen Erdschichten, die Steinkohle führen uns vielleicht Millionen von Jahren zurück, vor vielen Jahrtausenden sind die Berge und Flüsse entstanden, riesige, seltsam gestaltete Tierknochen lassen uns ahnen, welche Geschöpfe einst den Erd- doden bewohnten, uralte, Stein- und Bronzegerätschaften geben uns Kunde von dem vorgeschichtlichen Dasein menschlicher Wesen. Ringwälle und Grabhügel verraten ihre Tätigkeit, Denkmäler darstellende Felsblöcke und Opfersteine melden uns von Kültur und Religion. Solche finden sich noch in Menge im nördlichen Frankreich, Dolmen und Menhir dort genannt, auf die vorkeltische Urbewohner hinweisend. Auch in Deutschland hat man derartige Funde an verschiedenen Orten gemacht. Wenig geschichtlich Sicheres knüpft sich für uns an diese Dinge, nur das Tatsächliche, das die Wissenschaft zu ergründen gesucht hat und noch sucht, die Bilder und Vorstellungen aber, die sie in unserer Phantasie entstehen lassen, sind verworren und unbestimmt. Ebenso dunkel und rätselhaft ragen auf Sardinien und den Balearischen Inseln dreißig bis vierzig Fuß hohe, in der Mitte abgebrochenen Kegeln gleichende Türme hervor und reden zu uns in unverständlicher Sprache von uralter Zeit: es sind die Nurhags, über deren ursprüngliche Bestimmung wir nur Vermutungen hegen können. Auf Malta und Goggo finden sich Reste mächtiger, uralter Bauten: das Volk nennt sie torri (Türme) und sagt, die gewaltigen Steimnassen seien nicht von Rieien aufgetürmt worden. Auf die Eiszeit weisen uns die erratischen Blöcke zurück, verwittert, von Furchen und Ringen durchzogen, von Flechten und Moosen bedeckt, ragen sie aus der Heide empor; wahrscheinlich sind sie von gewaltigen Wassermassen dorthin getragen worden. Die Muschelhügel Dänemarks, Kjökkenmöddinger genannt, erzählen uns von einer die Küsten bewohnenden und von den Tieren des Meeres lebenden Urbevölkerung. Eine höhere Kultur verraten die im Anfang der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in einem ungewöhnlich trockenen Sommer in Schweizer Seen entdeckten Pfahlbauten. Beredter sind schon die egyptischen Pyramiden mit ihren Hieroglyphen und die asiatischen Milinschriften, die viele Ueber- lieferungen der Bibel bestätigt haben. Sie führen uns in die Historische Zeit. Zahlreich find die von den Röniern in Germanien angelegten Befestigungeil und Kastelle; viele Spuren und Reste von ihnen sind uns noch erhalten, wie die Heidenmauer in Wiesbaden und die Saalburg bei Homburg vor der Höhe. Der gewaltige Grenz- nnd Schutzwall, der Limes, der sich voll der Donau bei Regensburg bis nach Rheinbrohl an den Rhein hinzog, berichtet uns in seinen Trümmern von den Kämpfen der Römer mit den Germanen. Die zwischen Bingen und Bingerbrück über die Nahe führende sogenannte Drususbrücke ruht auf römischen Fundamenten, die vielleicht noch vor Beginn der christlichen Zeitrechnung gelegt wurden. Und wieder gehen wir einen großen Schritt vorwärts und schauen auf die Burgen, deren gewaltige Mauern die Höhen der rheinischen Ufer sowie die vielen Nebenflüsse des Rheines schmücken, sic gehören noch junger Vergangenheit an, ihre Entstehung reicht nicht viel über achthundert Jahre zurück. Wir können die Geschichte der meisten von ihnen bis zur Zeit ihres Ursprungs verfolgen, aber auch unter diesen geben nicht wenige nur mangelhafte oder gar keine Kunde von dem, was sie gesehen und erlebt haben, und mancher altersgraue Bau steht vor uns wie ein dunkles Rätsel, so der Kalsmunt bei Wetzlar mit seinem gewaltigen Wartturm. Die Burgen, die stolzen, uns so traulich anheimelnden Denkmäler des Mittelalters, die einen wesentlichen Teil des landschaftlichen Charakters des Rheins ausmachen, in dessen Fluten sic sich spiegeln, sind in der Zeit vom elften bis zum vierzehnten Jahrhundert entstanden. Fast alle haben durch Verwahrlosung und allmählichen Verfall' oder durch gewaltsame, oft mehrmalige Zerstörung gelitten; die Marksburg bei Braubach allein ist von dieser verschont geblieben. i Ganz neu ausgebaut und hergerichtet wurde Stolzenfels bei Kapellen. Nicht wenige sind von Privatleuten erworben und in wesentlichen Stand gesetzt worden, so Gutenfels bei Kaub und die Katz bei St. Goarshausen. Einige Burgen sind gänzlich verschwunden, wie im Wispertale. Auf der unterhalb der Marksburg bei Braubach sich erhebenden Höhe stand einst die Burg Rheinberg, keine Spur ist mehr von ihr vorhanden, wohl mögen sich aber unter 'der Bodenfläche, auf der jetzt die fröhliche Rebe gedeiht, noch Reste von ihr befinden. Tas am Fuße ^des Berges stehende Wirtshaus hat auf seinem Schilde den Namen der Burg bewahrt. Tas Wort Burg, das nickt mit „Berg" zusammenhängt, sondern von „bergen" herzuleitcn ist, also einen geschützten Ort bedeutet, wie auch die Grundbedeutung von „Garten" Einfriedigung ist?) wurde in der alten Zeit in weiterem Sinne gebraucht als jetzt; mail bezeichnete bannt jeden befestigten Ort. Deutliche Spuren hiervon haben wir lwch in den Wörtern „Bürg«" und „Bürgermeister,"") in den Ortsnamen Burg und vielen mit Burg zusammengesetzten Städtenamen, wie Augsburg, Magdeburg. Statt Burg sagte man auch Stein, woraus 'sich wiederunr llnsere zahlreichen mit Stein zusammengesetzten Ortsnamen erklären lassen, wie Idstein, Eppstein, die gewöhnlich nach ihrem Erbauer oder ersten Ansiedler benamt wurden; daher rühren auch die auf Stein endigenden Namen so vieler Adelsgeschlechter, Ivie Wolkenstein, Ottenstein, Wittgenstein iif.ro. Tie Burgen, des Mittelalters sind nicht etwa Nachahmungen römischer Befestigungsart, sondern selbständigem Plane entsprungen. Anfänglich waren sie aus Holz gebaut. Erst seit dem zwölften Jahrhundert, wo die Hauptzeit des Burgbaues beginnt, wandte man sorgfältig behauene Steine in horizontaler Lage an; im dreizehnten Jahrhundert finden wir Quarderbau und Anwendung von Buckelsteinen. Die kolossale Breite der Mauern erregt noch heute unser Staunen, wie auf der Fusten- burg bei Stromberg, dem an der Bingerbrück—Simmerer Bahn so romantisch gelegenen Städtchen. Die Anlagen der Burgen, die als Schutzwehr gegen Feinde dienten, oder Zollstätten waren, sowie ihre ganze innere Einrichtung waren wohl überlegt. Mächtige Umfassungsmauern, Gräben, Zugbrücken und andere Verteidigungsmittel umschlossen den Palas, das Hauptgebäude, und der Turm, Bergfried genannt, der einen Zugang in der Mstte hatte und drei-, Vieroder vieleckig war. Bekannt sind die schrecklichen Burgverließe, in denen unglückliche Gefangene in qualvollem Dasein schmachteten; die aus Rheinfels bei St. Goar sind noch in ihrer ganzen Schauerlichkeit erhalten. Mit dem Palas* 2 3) in Verbindung standen viele kleine Kammern, Kemenatengenannt, die Wohnstätten der Burgherrn und ihrer Angehörigen. Sie waren oft mit großem Luxus ausgeschmückt, mit Teppichen versehen und mit Blumen, besonders Rosen, geziert, aber fast alle überaus eng und klein. Wie anders sind heute unsere Ansprüche: Der Saal, der große Raum des Hauptgebäudes, wurde durch Kamine erwärmt, die den Kemenaten meistens fehlten. Wie anders ist es heute mit unseren vervollkommneten Heizvorrichtungen, Luftheizung in den Gasthöfen und vornehmen Privathäusern durch alle Räume! Wie eisig mußte damals bei rauhem Wetter oder gar zur Winterszeit der Sturm durch die Burgen fahren. Und doch hören wir aus jener Zeit weniger von Erkältungen und Rheumatismus als heutzutage. Durch die Dicke der Mauern entstanden da, wo Fenster angebracht waren, zahlreiche Nischen, die man mit Sitzen versah, lauschige Plätzchen für trauliches Geplauder. Kemenate hieß noch ganz besonders der vom Palas getrennte, in mehrere Teile zerfallende Wohnraum für die Schloßsrauen und ihre Dienerinnen. Im Hofe, neben der Küche, stand der Brunnen, über den gewöhnlich eine Linde ihr schönes Blätterdach ausbreitete. In größeren Burgen finden wir auch Kapellen. lieber dem obersten Stock des Bergfrieds befand sich in der Regel der Sitz des Wächters, der sein aufmerksames Äuge in die Ferne schweifen ließ, um die Annäherung willkommener Gäste froh zu verkünden, oder den Warnruf ertönen zu lassen, wenn sich verdächtiges Gesindel oder gefahrdrohende Kriegerscharen zeigten. Begehrte ein Fremder Einlaß und es war kein Wächter da, so ließ er entweder sein Jagdhorn erschallen, oder er zog den Türklopfer an, oder er schlug auf die Schalltasel, die namentlich in den Klöstern in Gebrauch war; sie bestand aus Holz, seltener aus Metall und hing in Ketten au der Pforte, daneben befand sich ost ein Hammer. Und wie freudig begrüßte man den Freund oder den wohlgesinnten Wanderer, die kamen, um die Stille des Burg- lcbens zu unterbrechen und zu erzählen, wie es draußen in der Welt zuging! Das waren Freudentage für die Burgbewohner und festlich wurden sie gefeiert. Aehnliche Anlagen wie die Burgen zeigten die Stadt- und Dorfbefestigungen, Schießscharten, Mauertürme, Tore zur Verteidigung mit mancherlei Vorrichtungen, wie Pechnasen usw. Schutz vor seindlichen Ueberfällen war zu jenen wilden Zeiten eine Hauptaufgabe jeder menschlichen Niederlassung. Wohl die schönste Fahrt, die man machen kann, um ein Bild von unseren Burgen in sich aufzunehmen, ist die von Rüdesheirn ober Bingen bis Koblenz. Burg reiht sich an Burg, bald auf der linken, bald auf der rechten Seite des Stromes, immer in anderer Lage und Gestalt, und während wir uns der herrlichen Landschaft erfreuen, erzählen sie uns beständig von alter deutscher Geschichte und versehen uns in eine traumhafte Stimmung. Tie stolzeste Lage der Burgen jener Strecke hat die Marksburg bei Braubach; von weither sichtbar erhebt sie sich 150 Meter über dem Rhein gewaltig auf einem .einzelstehenden Berge. Sic hat nach ihrer nun vollendeten 3) -/opTo-, hortus. 2) Früher Bürge- oder BWge-(Genetiv)meister und in noch älterer Zeit Burcmeister. 3) Das spätere Palast. 4) Vom mittellateinischen Caminata, eigentlich heizbares Zimmer. 332 Wiederherstellung den Reiz der anmutigen Gegend, die sie beherrscht, erhöht und an Interesse bedeutend gewonnen. Menn wir bei dieser Rheinfahrt die zahlreichen Burgen betrachten, nicht nur ihrer malerischen Lage wegen, sondern durch Blicke in die Vergangenheit ihre frühere Bedeutung und ihr ehemaliges Ausschell vor den Zeiten wilder Zerstörung mit geistigem Auge erfassen, wenn wir uns diese Ruinen vorstellen als großartiges Ganzes, in dem sich Menschen tummelten, mit den Türmen und Türmchen und zahlreichen Erkern, den Schwänen i nr Wassergraben, wenn wir sie so ganz durchempfinden, dann wird uns der Bollgenuß des Anblicks der rheinischen Burgen zuteil, der schöpferische Reiz der Erinnerung hat sie uns neu aufgebaut, und der Zauber von Sage rind Geschichte' zeigt uns die Ruinen, erfüllt und umgeben von unvergänglichen Blüten und Blumen. Senden wir zum Schluß noch einen Gruß der schon mehrfach erwähnten Marksburg, die das reizend gelegene Städtchen Braubach krönt. Noch vor 25 Jahren war es wenig bekannt und von Fremden selten besucht: jetzt ist es einer der beliebtesten Ausflugs- rind Ruhepunkte der rheinischen Touristen. Das Versmaß des folgendes Gedichtes ist das der spanischen Sequidille. Gin Städtchen ruhet traulich. Am Bergesrande Und schaut sich in den Fluten Am Rheinesstrande. Hoch oben ragen Der Marksburg Maliern, kündend Voll alten Tagen. Ein zweiter Berg daneben Trägt die Kapelle, Ten Menscheir Friede» spendend Und L-ebenshelle. Turch fleiß'ge Hände In edler Pflanzen Fülle Prangt das Gelände. Den Berg zur anderen Seite Nur deckerl Reben, Doch der Geschichte Geister Dort flüsternd schweben Und geben Kunde: Hier glänzten Rheinbergs Zinnen Weit in die Runde. Des Rheines Silberfluten Ziehen still und leise Aus dem Gebirg und murmeln Gar traute Weise, Verleihen den Reben Mit ihrem feuchten Hauche Gedeih» und Leben. Wenn ich auf deinen Pfaden, O Braubach, gehe Und deinen holden Zauber Mich grüßen sehe, Dann möcht' ich zaudern Bei jedem meiner Schritte Und mit dir plaudern. Du Garten an dem Rheine, Hier möcht' ich ioeilen, Ter Tage Kümmernisse Bei dir zu heilen, Ten Mut erneue» Und mich auf deinen Auen Des Lebens freuen. ipc. Gorkis kurze Autobiographie. Maxim Gorki, ivelcher kürzlich seinen 40. Geburtstag feierte, hat schon heute seine Autobiographie geschrieben. Diese Arbeit hat die Zeit des großen russischen Dichters nicht lange in Anspruch genommen. Ter Text der Autobiographie ist näm- lich folgender: Nachdem ich geboren und einige Zeit in der Welt herumgelaufen, wurde ich im Jahre 1878 zu einem Schuhmacher in die Lehre geschickt; 1879 fand mich in einem Zeichenbureau; 1880 ivar ich Küchenjunge auf einem Dampfboot; 1884 Lastträger; 1885 Bäcker; 1886 saug ich im Chor einer reisenden Operiltruppe; 1887 verkaufte ich Aepfel auf den Straßen; 1888 wollte ich mich selbstmorden, ließ es aber bleiben; 1890 wär ich Schreiber bei einem Rechtsanwalt; 1891 irrte ich zu Fuß durch halb Rußland; 1893 erschien mein erstes Buch. — Hier endet die Autobiographie Gorkis. Er sandte dieselbe an seinen Verleger, als dieser eine Gesamtausgabe seiner Bücher veranstaltete und Gorki um einige einführende Zeilen in das Werk bat. t Put melkende Kuh. Eilt Gerichtsausschuf; begab sich jungst auf eine Wirtschaft bei Köln, um sich vavon zu überzeugen, ob eine Kuh, die nach den. Angabeir des Verkaufens 12 Liter Milch täglich liefern sollte, wirk- llch nrchts tauge, wie der Käufer und Kläger behauptete. Der Verkäufer mußte die Kuh melken, allein obwohl er nn Schweiße feines Angesichts, von seiner stärkeren Frau durch unablässiges „dann treck doch, dann treck doch" aufgemuntert, arbeitete, floß die Milch nur spärlich. Der Anwalt des Klägers stellte das mit Genugtuung fest, erhielt aber in demselben Augenblicke von der Kuh einen mächtigen Schlag mit dem Schwanz ins Gesicht. Er erklärte darauf, daß er sich Schadenersatzansprüche gegen den Tierhalter vorbehalte. Man sehe ja jetzt, welche Bewandtnis es mit der gutmelkenden Kuh habe. Erbost über diese spöttische Bemerkungen erwiderte die Frau des Beklagten: „Dat gläuv ich, ävver für üch es dä ganze Prozeß de gotmelkende Kuh." Der Dichter auf der Hochzeitsreise. Von Mistral, dein proven?alischen Dichter, wird in einer Planderei des „Figaro" eine hübsche Anekdote erzählt. Paul Arena traf den Dichter einmal—es ist schon sehr lange her—in Italien. „Was machen Sie denn hier?" fragte er ihn.—- „Ich bin auf der Hochzeitsreise," erwiderte Mistral.—■ „Ja, wo ist denn Ihre Frau?" — ,, Die ist zu Hause ge- blicbem Wir sind nicht reich genug, um uns eine Hochzeitsreise zu zweien zu leisten; deshalb bin ich allein gefahren, aber ich schreibe ihr alles, was ich hier git sehen bekomme..." * Eine Kuriosität. „Einen Gruß von Mutter", sagte ein kleiner Junge zum Schlachter, „und sie schickt mich her, daß ich Ihnen den großen Knochen zeigen soll, den Sie ihr heute morgen mit dem Rindfleisch geschickt haben." — „Sag Deiner Mutter, das nächste Mal, wenn ich einen Ochsen ohne Knochen schlachte, will ich ihr eine Keule zum Geschenk machen," versetzte der Fleischermeister grinsend. — „Einen Gruß von Mutter," fuhr der kleine Mann fort, „und sie sagte, das nächste Mal, wenn Sie wieder ein Stück Rindfleisch mit einem H a m m e l knochen darin haben, möchte sie gern den ganzen Kadaver als Kuriosität kaufen." („Pick me Up.") Rösselsprung. Auflösung in nächster Nummer. neue sen uns hat ne ge dunklem! Grüs des Glut ne son neu Licht die aus macht haus die die tag won gott äff strahlet todes tc über und Siegend nein sich weiß uud tcn lind steigt Suite al der fei cs mit die le den und le abend preis To singen silld cs tag fee der von al lind da de ge aus ei durch Herren die den er sie neu tönt ge len uns wacht dem neu le Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Maikäfer. Redaktion: I. SB.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch, und Steindruckerei, R. Lauge, Gießen,