1908 Donnerstag den 26. MrZ HSf i i Ä»3gTL-'^ WkA^sWk4 Ketmuih Von Lonfen. Roman von Ursula Zöge von SR a it t e n f f eL (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Er hwlte sein Reiseschreibzeug hervor und schrieb au Wilhelm, um ihm darüber zu berichten. Ter Brief wurde länger, tote er beabsichtigt hatte. Es tat ihm so wohl, sich einmal aussprechen zu können. Er hatte bisher intimer nur an Luise geschrieben. Was er empfand und innerlich durchmachte, blieb unerwähnt — wie hätte sie das verstehen können! — Wilhelm gegenüber brauchte er die Worte nicht so achtsam zu prüfen. Zuletzt bat er, ihm Meinert zu schicken. Er wollte den Alten selbst in Königsberg abholen und dann mit ihm hierher zurüch- kehren. Es war darüber Mitternacht geworden, aber er konnte nicht schlafen. Eine große Unruhe bemächtigte sich seiner, sowie er innerlich mit sich darüber im Reinen war, hier seine künftige Wohnstatt ztt gründen. So mag dem zu Mute sein, der sich freiwillig zur Strafabbüßnng meldet und hinter dem die Ge- fängnistür ins Schloß fällt. Also hier! — Hier sein ganzes ferneres Leben, hier all sein Wollen und Können ausmündend in dem Ziel, ein Stückchen wildes Land der Kultur und dem Ertrag zugänglich zu machen. Sv etwas wie dumpfe Verzweiflung erfaßte ihn. Freudlos öde erschien ihm diese Lebensaufgabe, unwirtlich dies Haus mit seinen hohen, düsteren Staunten, durch welche es wie Moderluft zieht. Eins stand fest: Luise darf ihm nicht eher hierher folgen, als bis das HauS wohnlich geworden. Er berechnete, wie lange Zeit dazu wohl nötig sein weiche. Das war eine wohltätige Gedankenablenknng. Er sah im Geist ein Heer von Handwerkern in Arbeit, Maurer, Maler, Tapezierer, Dachdecker und Zimmerleute zogen ein und sie begannen hier das gemeinsame Leben. Tie Idee hatte noch etwas Gespenstisches, aber er ging ihr tapfer nach und allmählich spannen sich die Bilder hinüber ins Traumhafte. Er träumte fein ganzes Leben durch-, tote es vor ihm lag uNd wie es in dieser Einöde verlaufen must — nicht ganz unbefriedigend, !veil kütrstlich durch harte Arbeit und das Streben nach selbstgesteckten Zielen genährt, auch frei von den demütigenden Zufälligkeiten, beiten er daheim in seinen Gesellschaftskreisen ausgesetzt ivörc — aber doch ein Leben ohne Licht und Sonne, ein Leben in der Schattenwelt. XXIII. Am nämlichen Tage, da ihr Gatte Rothaide • verließ, siedelte Luise in die Pfarre über. Tiefe hatte ein freundliches Giebelzimmer, welches Frieda mit den Sachen der Mutter für die Erwartete eingerichtet und mit Blumen unb Bildern geschmückt hatte. Schon Tage vorher hatte das gute Mädchen Nur daran gedacht, wie sie der Schwester bett Aufenthalt im Hanse recht anheimelnd machen könne, und emsig trug sie herbei, was bisher wie ein. Heiligtum aufbewährt worden war — den schönen Nähtisch aus Nußbaumholz, den Glasschrank mit mancherlei Andenken, den mit rotem Tuch bezogenen Sessel, die kleine KoMmode, die Bücherbretter, ein Spiegeltischchen, Kästchen und Schalen. In zwei Meißner Vasen, Hochzeitsgeschenke befl Eltern, die bis letzt für unantastbar galten, prangten Nar- zissensträuße, und junges Birkenlaub iuar um den Spiegel gesteckt. Im Fenster standen blühende Topfpflanzen, und bet! leichte Frühlingswind blähte die buntgemusterten Mullgardiueit. Als alles fertig iuar, führten sie den Vater herauf. Er sollte erst seheir und prüfen. Frieda war es doch etwas bange geworden, ob sie nicht gar zu eigenmächtig gehandelt hättö — kann sein, er bezeichnet ein oder das andere Stück als zu heilig zum Gebrauch. Aber nein, er äußerte kein Mißfallen, im Gegenteil, mit stiller Rührung sah er sich in dem Hellen Raum um, betrachtete die einzelnen erinnerungsreichen Sachen und sagte freundlich: „Das habt ihr recht gemacht. Laßt sie hier Hausen. Ich meine, wer vergibt, soll ganz »ergeben, ohne Vorbehalt und ohne Knausern." So war denn Luise eingezogen und hatte die erste Nacht wieder unter ihres Vaters Dach geschlafen. Morgens blickte sie aus dem Fenster über die jungen Bäume, die Straße und den Erlenhang hinab auf die Wiese, an welcher drüben der Gartenzaun des Herrenhauses hinlief, sah das rostbraune, viel- gieblige Tuch durch die Baumkronen schimmern und hörte die Stare pfeifen. Es war alles so unverändert. In dies hochi- gelegene Gelaß hatte sie sich oft geflüchtet mit ihren unruhigen Phantasien und Wünschen — daß sie wieder hier war, erfüllte sie mit tiefer Genugtuung. T-as roar nun auch errungen tntb es blieb nur noch das eine — das eine. Sie hatte Zeit, hierüber nachzugrübeln. Zwar widmete sie dem Vater einige Stunden und erbot sich, Julchen im Fran- zöfischen und Klcwierspiel zu fördern — aber es war doch für sie ein jeder Tag reich an leeren Stunden. An Lochen konnte sie vorläufig nicht schreiben, da er noch, tote seine Karten meldeten, fast täglich seinen Aufenthalt wechselte, zum Lesen hatte sie keine Ruhe, Handarbeiten waren ihr verhaßt — so mangelte es ihr an Beschäftigung, und in dieser Untätigkeit wurde der Gedanke, an den „schmollenden Bruder" zu einer sie ganz beherrschenden Gewalt. Sein Fernbleiben empfand sie tote eine persönliche Beleidigung. Ihr Leben hatte sich so schön, so licht gestaltet — so wunschlos stand sie der Zukunft gegenüber — und nun drohte dieses Glück luicbcr getrübt zu werden durch eines Menschen Trotz. Nachdem sie mehrere Tage in ungeduldiger Spannung vergeblich gewartet hatte, schrieb sie ihm. Heimlich gab sie den Brief einem Boten mit — die Ihrigen sollten nicht wissen, daß sie sich dem- Eisenkops gegenüber so iueit herabgelassen hatte, ihn um sein Kommen zu bitten. Der Brief blieb unbeauttoortet. Vielleicht hatte der Bote ihn verloren ober vergessen. Sie schrieb also mit der Post. Keine Antwort. Tie Kränkung trieb ihr die Tränen des Unmuts in die Angen und in ihr wuchs und wuchs das ungeduldige Verlangen, den Störrischen zu besiegen. Wie durfte grade er so sein! — Er, der einzige, an dem ihr einst etwas gelegen war. Vater, Mutter, Schwester hatte sie reuelos ihrem' Künsh» 194 lerehrgeiz geopfert, den Bruder zu verlieren, hatte ihr leid getan, und nun war gerade er der Unversöhnbare. Noch einige Zeit und der Gedanke begann sie zu martern. Sie kannte und haßte biefeu krankhaften Seelenzustand, dein! sie schon zu oft unterworfen gewesen war, dies Hungern nach dem Versagten, diese schlaflosen Nächte, in denen die eine Vorstellung inti sieberuden Hirn festsaß und schmerzhaft aufzuckte, sowie der ersehnte Schlaf nahte. So hatte sie als Kind nach einem! Märchen lebe» voll Glanz und Pracht gelechzt, so hatte sie nach Ruhne gedurstet und um ibre verlorene Stimme gejammert, so hatte sic dem Gelieuiu.i nachgcweint und sich un« ihn in Sehnsucht verzehrt, so hatte sie, plötzlich in ihrer Liebe Schmach und Fehl sehend, in wilder Rene nach Vatcrsegcn. und Vergebung geschmachtet! — Sie fürchtete sich jetzt vor einer Wiederkehr dieses qualvollen Zustandes wie vor einer Krankheit und grub sich doch selbst immer tiefer hinein in die quälende, grübelnde Unruhe. Sie must auch dies Ziel noch erreichen, hinter welchem dann die vollkommene Glückseligkeit anhebt. Wie oft sie diese schon hinter den Zielen ihrer Wünsche zu finden gehofft hatte, vergaß sie. Die Ihrigen schoben es auf die Sehnsucht nach dem Gatten, daß sie nicht mehr so wohl aussah wie zu Anfang und allmählich zerstreut und unruhig wurde. Aber nrerkwürdigerweise empfand sie eben nur geringe. Sehnsucht nach dem fernen Geliebten und hatte die Befürchtung eines ihm bevorstehenden Unglückes ganz vergessen. Es war dies alles in den Hintergrund gedrängt worden durch den Gedanken an den Bruder. Ta trat ein trübes Ereignis ein, welches ihn zwang, nach Rothaide zu kommen. Der Pastor hatte wieder ...... jener Ohnmachtsanfälle, durch welchen er die Seinen niu,. . erstenmal in Sorge versetzte. Und wieder in der Kirche, auf den Stufen des Altars, an welchem er die Liturgie anstimmte. Grade in dieser Woche hatte er sich so wohl und rüstig gefühlt wie seit lange nicht. Es war, als sei eine schwere Last, die er bislang durchs Leben geschleppt hatte, von seinen Schultern gefallen, sogar seine Stimme gewann kräftigen Ton und sein Schritt Spannkraft. Ein leichtes, mit Schwindel verbundenes Unwohlsein, welches ihn schon tags zuvor erfaßt, hatte er deshalb auch nicht weiter beachtet. Run kam das Unglück so schnell und allen so unerwartet. Ta er das Bewußtsein nicht gleich wieder erlangte, trugen ihn einige junge Leute aus Wilhelms Sonntagsschule in das Pfarrhaus. Hier ivurde er auf sein Bett gelegt und alle Wiederbelebungsversuche, auf die man in der ersten Verwirrung nur verfiel, wurden, lange vergeblich, angewandt. Tie drei Töchter, Wilhelm und Edel- traut umstanden das Bett und warteten auf den herbeigeholten Arzt. Tiefer, ein alter Landdoktor, der seinen Wohnsitz in« benachbarten Hochwerth hatte, kan« denn auch beizeiten. Der Kranke kehrte zum Bewußtsein zurück, eine Untersuchung ergab Äußerste Herzschwäche. Still, ohne zu sprechen, aber mit dankbaren nnd freundlichen Blicken die Anwesenden betrachtend, lag er da, bis ein Suchen und Vermissen in sein Auge trat und er mit schwacher Stimme flüsterte:. „Mein Sohn!" — Luise, die nervös zitternd und verstört am Fußende des Bettes lehnte, fuhr auf: „Man muß nach ihm schicken — augenblicklich!" — raunte sie Edeltmut fast herrisch zu. Tiefe schien die Erregung natürlich zu finden, sie wechselte mit Wilhelm einige Worte und wandte sich dann zum Kranken: „In vierzig Minuten kann er hier sein," sagte sie. Der lächelte dankbar. Der alte Doktor verordnete einige Stärkungsmittel und vor allem die größte Ruhe. Nur eine, höchstens zwei Personen durften Mrzeit im Zimmer bleiben. Am Nachmittag wolle er wiederkommen. Er sah bedenklich drein, suchte aber die weinende Frieda durch die Bereicherung zu trösten, daß momentan keine Gefahr vorhanden sei. Tann ging er. Da es natürlich schien, daß Frieda beim Vater blieb, wurde Julchen in die Küche geschickt und Luise verließ mit Wilhelm das Zimmer. Er ging, sich auf seinen Stock stützend, über die Wiesen nach Hause und sie begleitete ihn ein Stück, ohne recht zn wissen weshalb. Sie war in fieberhafter Aufregung und sprach unzusammenhängend, so daß. er sie mitleidig ansah. „Fassen Sie sich nur, liebe Fran von Loysen, Ihres Vaters Leben steht in des gütigen Gottes Hand — nimmt er es sich, so können Sie sich sagen, daß Ihr Hiersein ihn« die letzten Lebenstage erhellt hat. Doch. wollen wir Gott bitten, daß er ihn uns noch läßt." Sie hörte kaum darauf. Tie Aufregung über das so nahe gerückte Wiedersehen mit dem Bruder überwog fast die Angst um das Leben des Vaters. Wann wird er kommen und wie wird das Begegnen fein ? — Ter großen Anspannung folgte plötzlich Erschöpfung, die Knie zitterten ihr, sie blieb stehen und stützte sich aus ein Holzstaket. Wilhelms Mitleid wandelte sich in Sorge. „Sie sind doch nicht krank?" — fragte, er — schattenhaft blaß, erschien ihm ihr Gesicht. „Nein — nichts — nichts . . . oder doch, wenn Sie wollen. Ich bin. Anfällen von Herzkrämpfen unterworfen." „Bitte, nehmen Sie meinen Arm, ich führe Sie wieder zurück ins Pfarrhaus." „Es geht schon vorüber und hat nichts zu sagen." Ehe er fein Anerbieten wiederholen konnte, war sie fort, Ihr war, als habe sie in« Torf einen Wagen rollen hören, Tas konnte er fein. Aber es war ein Fleischerwagen, der rasselnd daher kan« und an ihr vorüberfuhr. Im Flur stand eine Bank, auf diese setzte sie sich, angestrengt horchend und den Blick auf die Haustür gerichtet, die sie offen gelassen hatte. Traußen flogen die Schwalben durch die laue Luft und schwankten die grünknospenden Zweige der Linden in« Winde. Ter Himmel strahlte tiesblan über dem Scheunendach. Ich muß noch heute mit ihm ins Reine kommen, dachte sie, und zog hier drinnen in« Uhlen, dunklen Hausflur fröstelnd die Schultern zusammen, ja, ich muß, denn das halte ich nicht länger aus. Ich will endlich zu vollkommenem Glück durchdringen! — Ta siel ein dunkler Schatten auf die Steindiele — Kandidat Beckers breitschulterige Gestalt war ganz plötzlich in die Haustür getreten — er hatte den Wagen, der ihn geholt hatte, schon im Torf verlassen. Einen Augenblick stand er noch in vollem Lichtschein — sie sah das buschige, tiefschwarze Haar über der kantigen Stirn, das grobgeschnittene Luthergesicht erst von der Sonne beschienen, dann in den Schatten tauchen. Sehen konnte er sie nicht, er war zu geblendet und sie saß regungslos. Als er aber mit nur mühsam gedämpften, nngc- stümen Schritten an ihr vorübereilen wollte, schnellte sie empor und vertrat ihm den Weg. Sie hatte sich gesagt, daß sich dies Wiedersehen am leichtesten überwinden ließe, wenn sie ihm ohne Zeugen und wenn möglich mit froher Kunde entgegentreten würde, uird diesem Instinkt folgend, stieß sie jetzt mit heiserer Stimme hervor: „Tenke nicht das Schlimmste, Gotthard, der Vater ist. besser —" Weiter kam sie nicht. Er fuhr zurück, ein ingrimmiger Blick traf sie, ein Blick, aus dem Zorn und Verachtung ihr entgegenstammte, — dann, ihre ausgestreckte Hand nicht beachtend, hastete er die Treppe hinauf, die unter seinen wuchtigen Schritten knirschte und krachte. Leidenschaftlicher Zorn erfaßte nun auch sie. „Gotthard!" — schrie sie ihm nach, aber er kehrte sich nicht um. Er war nun oben beim Vater. Was sollte sie tun? Ihm folgen war unmöglich. Sie ging in die Küche, wo Julchen mit rotgeweinten Augen hantierte, und sah hier den Vorbereitungen zum Mittagessen zu, ohne zu wissen, wo sie war. Nach einer halbe:« Stunde kam Frieda herunter. (Fortsetzung folgt.) KsMMgM. Von Dr. med: Will). Kühn, Leipzig. Nachdruck verboten. Wenn der Frühling ins Land kommt «md die Tage länger werden, dann denkt der Mensch auch. mehr als int Winter an seine Gesundheit, und vor allen Dingen verläßt er die dumpfen Räume des Hauses, um sich mehr in der frischen Lust aufzuhalten. Wir wissen ja, daß das im Winter ebensogut geschehen kann, und wir sehen es an den vielfachen Betätigungen des Winter- sportes, daß es auch geschieht, aber die meisten Menschen tvarten doch zu bleiern Zwecke auf den Frühling, der ihnen im Freien größere Bewegungsfreiheit gestattet als der Winter, namentlich wenn es diesem an Schnee mangelt. Daun kommt auch die Zeit, in der an beit Arzt vielfach der Wunsch von Patienten herantritt, von überflüssigem Fett befreit zu werden. Aber dieser wird nicht immer in der Lage .sein, darauf einzugehen, denn cs ist nicht allzuselten, daß sich eine gewisse Fettleibigkeit bei völlig gesuitden Seilten entwickelt, und in deut Falle wäre es pflichtwidrig von ihm, wenn er zur Einleitung einer Abmagerungskur die Hand bieten würde. Außerdem ist wohl zu beachten, daß gerade bei der Fettleibigkeit die Berhältuifse oft sehr verschieden liegen, dem« cs gibt muskel- starke und muskelschwache, blutarme und blutreiche Fettleibige. Daher ist es falsche, wenn der Arzt überhaupt nicht um Rat gefragt, sondern auf eigene Faust eine Behandlung angefangen wird, die in irgend einem Buche zu finden ist oder nach der irgend ein Bekannter hat leben müssen. Wegen der großen Gefahr in Bezug auf Herz, Atmungs- und Berdauungsorgane müssen die Patienten dauernd unter ärztlicher Aussicht stehen, solange sie an der Fort- ISS kuren gesehen haben, foiirie toet das Turnen und die bannt verbundenen Freiübungen nicht näher aus. Bekannt ist auch die Behandlung durch Tabletten nut Schilddrüsensubstanz bei Fettleibigkeit, wie sie sich z. B. sn den gegen Fettleibigkeit em-psohlenen Geheimmitteln befindet. Zugegeben muß tonten, das; die Fettverbrmitung, also auch die ■ ■ - n" ■ uin 15—20 Prozent erhöht <_ - - < duß die Steigerung des Eiiergiettmsatzes, um 15—20 P wird, aber dieser Vorteil ivird dadurch ausgehol , Schilddrüsenpraparate eine giftige Wirkung ausüben und stärkere Eiw e i ßa uAscheidungen, Herzschwächezustäude und Ziickerharnrnhr dabei häufig austreten. , , , Ter Wert der Badeorte und der klimatischen Kuren, sowie der damit verbundene Geiiuß der Salze und Bttterwaner ist ebenfalls nicht allznhoch anzuschlazen. T;e Hauptsache begeht bei solchen Kuren darin, daß man mehr, Fußwanderimgen als in der Heimat unternimmt nnd. daß ferner die Mahl- zeiten lischt so reichlich und fast niemals so nahrhaft sind wie zu Hause. Auch Tampf- rmd elektrische Gluhlichtbader sind nicht stir immer imstande, dem Körper Wasser zu entziehen, wett der FettuMsah für die Tauer des Bades nur garrz uiibedeutend steigt und eine geriiige Abnahme des Körpergewichts durch reichliche Fliissigleitsaufnahme bald wieder eingeholt tont. Man hat also mit ihnen, sowie mit Sonnen- und Lnstbadern eine geeignete Muskelarbeit zu verbinde;!, um einen Einfluß auf den Fettumsatz auszuüben. ... . . Tie Hauptsache bei bei; Maßnalmmn gegen Fettleibigkeit besteht darin, daß man in die häuslichen Gewohnheiten eine für Fettsüchtige gesundheitsfördernde Ordnung brmgt und h..ier der steten Leitung eines Arztes ein richtiges Verhältnis zwischen Nahrungsaufnahme und Energienmsatz herstellt. VermZß^Se». 'Neber den Liebesroman des Herzogs von Abrlizzen ivird aus Neiv-Aork gemeldet: St. Augustin in em kleines Städtchen an der Atlantischen Küste von Florida, ^er Herzog ivar dort nur von einem Kainmerdiener begleitet und unter den; Namen Ludovieo Sarto in einem Holet abgestiegen. Bisher hatte er täglich Kabeltelegramme mit der schöiien Amerikanerin gewechselt. Es bewarb sich auch ein junger reicher Amerikaner an§ Washington, Billy Hüt, um die Hand des Mädchens. Er wurde von ihr weder abgewiesen noch sein Antrag angenommen, verkehrte weiter ;m Sause und die Freunde des Senators Elkins betrachteten ihn als den künitigen Brämigani. Kath. Elkins betrachtete einen kleinen Flirt als eine unbedeutende und ungefährliche «ache und ihre intimen Frenndinnen roifjeii kaum zu sagen, ob sie tm Grunde i.ireS Wesens den Herzog oder Hilt oder irgend einen anderen fi>..gen Atanii vorzieht. Dagegen betreibt die Familie, die wohl der Gedanke, mit dem italienischen Königshanse verwandt zu werden, schmeichelt, die Verlobung und ist zu jedem Opfer bereit, um Ye durchzusetzen. Es scheint, da» just der- unerschrockene, reie, ein wenig leidenschaftliche und offene Charakter von Kath. Elmm deii Herzog an die junge Amerikanerin sesselt; sie ist eine verwegene Reiterin, hat osi als solche Aussehen erregt und Preise errungen und ihre hohe, schöne und elegante Gestalt ist der voriiehmen Gesellschaft voir Washingtoii schon seit Jahren vertraut, ete ist ent Protolyp der amerikanischen Rasse und in ihren Anschauungen und ihrer Erziehung der strikte Gegensatz zu einer europäisch fangen Dame. Ihr Vater, Senator von Vlrginien, war früher sehr reich, aber das Verinögen ist zusammengeschmolzen und wird heilte auf n u r (!) etwa 8 Millionen geschätzt. Ihr Großvater mütterlicherseits Erlenator Davis soll nahezu 20 Millionen besitzen. Allem der alte Herr soll sich jetzt lvieder verheiraten wollen und die Familie Elkins lut alles, um eine solche Verbindung hintanzuhaltcn. * ® i e düpierten Deputiert en. Mehr als fünszig Abgeordnete, die mt§ allen Teilen Frankreichs zu beit Kammer- sitzungen nach Paris gekoinnteit waren, sind aui einen eigenartigen Schwindlertrick hineinqefallen. Unmittelbar nach dem Diner, wenn der Alensch mit gefülltem Magen am mildesten gesinnt ist, {teilte sich den Deputierten der Reihe nach eine junge Frau vor. Lue war eiiiiach, aber mit einen; geivissen Raffinemeiit geileider. Fhr schönes Gesicht und ihre pikante Gestalt strahlten einen Liebreiz aus, dem man so leicht nicht widerstehei; konnte. Die schone Um bekannte erzählte, daß sie auS einem Orte des Wahlkreises der, Deputierten herstainme uiid wußte zu ihrer Legitimation allerhand Einzelheiten und Familiengeschichten des Ortes zu berichten. 'Dann folgte eine tränenreiche Schilderung. Die Aermste teilte nut, da; sie'vor einiger Zeit mit ihrem dreijährigen Töchterchen nach der französischeii Hauptstadt gekommen sei, um dieses hter von einem berühmten Professor operieren zu lassen. Die Operation .et auch (Wt und glücklich verlausen, habe aber über 500 ,;rane» getostet. Jetzt stehe sie vollständig mittellos da und besitze teilten feuitmte mr Heimreise für sich und daS Kind. Die Deputierten l>Mit sich durch das traurige Los der hübschen Mutter leicht rühren und über fünfzig der Herren gaben ihr ein reichliches Reisegeld. Erst später erfuhren sie, das; sie einer rafssiiierten Schwindlerin zum Opfer gefallen waren. ' P,i d e l s i n d teurer w i e K i n d e r. In einer amerck kanischen Tageszeitung sinden wir folgende Annonce: Zweiganz vorzüglich dressirte Pudel, retnster französischer Ziicht gung mit langem, seidigem, weichem Haar, großen, schwatzen Augen, .ehr schaffung des Fettes arbeiten. — In« vorgerückten Mer ist es überhaupt sehr gefährlich, sich mit Entselttmgskuren einzulassm, denn es folgt ihnen mir gar zu bald ein dauernder Zusammenbruch der Tie häufigsten Grade der Fettleibigkeit sind solche, bei denen das Mrhergelvicht 15—20 kg höher ist als es dnrwsuMttlich im Verhältnis zum Altev, Geschlecht und Körpergröße fem sollte. Ausschlaggebend ist hier ebenso wie in geringeren Fallen, zu denen mail ein Gewicht von 5—15 kg über dem Durch;chmlt rechnet, in erster Linie, ob die Korpulenz sehr schnell, eingelreten ist und ob Bedingungen vorhanden fiitd, die das Fortschrettcu der Fettleibigkeit zu noch höheren Graden ivahrschcinlich inachen. Kommt die Eitelkeit, wie es bei Frauen häufig der Fall ist, in Frage, w sollte der Arzt derartige Falle nicht zuruckwetsen, toeil er dadurch einen Einfluß auf die gaitze Lebensführung der Pattenten gewinnt, was für diese von großem Vorteil ist, und außerdem folgen sie sonst anderen Ratschlägen, die oft zu. eineitu schweren und dauernden gesundheitlichen Schaden gereichen.„ , Tie Entfettuugssrage hat besonders dann eme große Wichttgkert, toenn es sich zugleich um Erkrankungen handelt. Tahin gehören in erster Linie solche der Zirkulationsorgane, und der Ausdruck „Fettherz" ist kein unbekannter. Eine Entfettungskur. wird i)ter in erster Linie am Platze fein, und das ist auch der Fall, toenn sonst das Herz überlastet wird, wie z. B>. bei Störungen m den Atmungsorgaueu, fotoie bei der Schrumpsuiere. Daß chromscher Gelenkrheumatismus oder Nervenschmerzen, luanchmal eme Rotte mitspielen, kann man sich schon daraus erklären, weil bei solchen die BewegungSfähigkeit gehemmt und der Fettansatz dadurch be- foxbcTt tvivb Was die Ursachen der Fettleibigkeit anbetrifft, so ist als dis häufigste und hauptsächlichste eine im Verhältnis zum Verbrauch andauernd zu reichliche Zufuhr von Nahrungsstoffen anzusehen. Bei den Wohlhabenden liegt gleichzeitig eine ungenügende Muskel- tätigkeit als Hauptgrund des Fettansatzes vor, aber auch eine beträchtliche Mnskeltätigkeit schützt davor häufig nicht, löte tott an den Brau knechten und Fleischern sehen, die bet dem übermäßigen Alkoholgenuß die Menge der zugesührten Mhlenhydrate selbst durch ihre schwere Llrbeit nicht vollständig ersetzen können. Man muß nicht denken, daß der Fettansatz auf einmal so sehr groß zu sein braucht, sondern es genügen schon 5 g am Tage, um das Körpergewicht innerhalb zehn Jahren, hauptsächlich vom tzo. bis zum 45. Lebensjahr, um 37 Pfund zu vermehren. In WirMchi- keit aber findet nicht selten ein noch größerer täglicher Fettansatz statt. Tie Veränderungen im Körper können sehr gefährlich fern, denn abgesehen von Fettherz leiden auch hie anderen inneren Organe, und besonders bedenklich ist die Fettleibigkeit der Alkoholtsten. Tas zu große Körpergewicht spielt zuweilen auch bei Fußleiden eine gewisse Rolle, denn es entwickelt sich ein mehr oder minder ausgeprägter Plattfuß mit Nervenschmerzen, ohne daß man an die Ursache denkt. , Für die Behandlung der Fettleibigkeit lassen sich m der Hauptsache zwei Grundsätze ausstellen, denn es handelt sich erstens um eine Beschränkung der Zufuhr von Nahrungsstoffen, dann aber um eine Erhöhung des Energieumsatzcs im Körper und damit um eine Erhöhung der Fettverbrenmmg. Zu dem letzten Zwecke dient in der Hauptsache die vermehrte Muskelarbeit- Nach welcher Richtung hin eine regelrechte Einschränkung der Trat stattfinden muß, läßt sich in schablonenhafter Mise nicht fest-- setzen, sondern ist Sache des Arztes, der 6et gewissenhafter Behandlung die Erhaltungskost eines Fettleibigen nach Kalorien veranschlagen ivird. Schnellkuren und energische Entziehungs- kur n sind ost unentbehrlich, namentlich dann, wenn energielosen Menschen gezeigt werden soll, daß auf Mein Gebiete noch etwas zu erreichen ist. Im großen und ganzen werden Fett, Kohlenhydrate und Alkohol in erheblicher Weise emzu- schränken sein, während man das in Bezug auf Eiweiß nicht Nötig hat. Tie Beschränkung der Wasseraufnahme ist oft von außerordentlicher Wirkung, da die Leute bei Trockenkost den Apvetit verlieren, weniger essen oder doch die Nahrungsbeschränkung wenigstens nicht fo bitter empfinden. Daß Mach. die Wafserentziehimg der Fettverbrenming Vorschub leiste, also direki cirtiettenb wirke, mutz nach den neuesten Nntersuchungen endgültig verworfen werden. , , . . , a , Was die Erhöhung der Muskelarbeit anbetrifft, so kvmmt da in erster Linie die Steigarbeit in Frage, tute sie sich tu den bekannten Terrainkuren nach Deutel wtederfmdek. «te hat den Vorzug, daß sie sich sehr fein abstuseu laßt und überall zur Verwendung kommen kann, wo sich eme gebirgige Gegend befindet. Dem Bergsteigen zunächst kommt das Rudern, wahrend Radfahren und Reiten weniger Einfluß ausuben. Außerordentlich interessant sind die abfälligen Urteile von dem früheren Frankfurter, letzt Wiener Prof. v. Noorden über Heilgymnastik und Massage als Entfettungsmtttel. Was selbst bei fleißigster Uebung und unter gewissenhafter Attlettung tu einer Stunde an Muskelarbeit, d. h. an Fettverbrenmmg, geleistet wird, ist nach ihm blutwenig. Wer wandern und Berge steigen kann, sollte sich nicht an Apparate .schmieden lassen. Ebenso steht es mit der Massage. Leider sprecht sich der Genannte über die Anwendung von Elektrizität und eselirtscher Massage, von der wir so günstige Resultate bei Entfettuugs- 196 — zutraulich und niedlich, mit langjährigem Pedigree, reinster Nasse, sind pro Stuck mit 8 Dollar zu verkaufen. Bedingung — gute Behandlung. — Und gleich darunter findet sich eine zweite Annonce: Ein Kind weiblichen Geschlechts, drei Monat alt, ist ohne Entgelt abzugcben. Wer darauf reslektirt, möge cS sich West street 22 'abholen. * Nicht erkannt? Hauptmann L. von der Zehnten war reif zum „Abgesägtwerden". Er war zwar kein schlechter Soldat, anch kein dummer Kerl, aber Bequem und nachlässig. Diese Eigenschaften machten sich nicht nur in den Leistungen seiner Kompagnie, sondern auch in seiner eigenen äußeren Erscheinung bemerkbar. — Die Besichtigung durch den gestrengen Divisionskommandeur naht. L. weiß, daß vom Ausfall sein Schicksal abhängt; er beschließt daher, einen letzten Versuch zu machen. Er kleidet sich von Kopf bis Fuß neu ein, Bart und Haare werden elegant gestutzt, das Pferd bekommt neues Sattel- nnd Zaumzeug. — Bei der Besichtigung klappt alles vorzüglich, die Zehnte wird bei der Kritik gelobt. — Alles ist sprachlos, am meisten Hauptmann L. Schließlich erleichtert er sein Herz zn einigen ihn auf dem Heiinwege begleitenden Herren durch die Worte: „Kinder, ich glaube, der Kerl hat mich nicht erkannt." Helden eintritt. Daß Goethe de§ öfteren zn Wort kommt ift er« Marita, bemi er, der Mann der Tat, die machtvolle Persönlichkeit, ,st der berufene Vorkämpfer für den Vermittlungsweg. Jedem der für höheres Strebe» empfänglich ist, namentlich auch der berair- wachsenden Jugend, empfehlen wir das von einer inneren Freudig. Fett getragene Bändchen. u — Ernst Ro § in e r, „Maria Arndt" (Sdimifripf (S. Fischer, Verlag, Berlin.) Geh. 2 Mk. - Luu' jehcl hat die unter dein Pseudonyin Ernst RoSmer bekannte Schriftstellerin in !^re>i Dramen das Verhältnis der Eltern gu den Kindern besonders daraufhin geprüft, wie es diirch das Erwachen der Liebe im einen oder anderen Teil gefährdet und verwandelt wird. In ilirmr luiigsten Werke „Maria Arndt" ist es eine Muller, die ihre Liebe und ihr Leben hingibt, iveit sie in dem Widerstreit zwischen der Liebe, die sie ans einer längst innerlich gelösten Ehe lockt, und deut Anspruch ihrer Tochter erliegt. Ein zarter, rührender, herbstlicher Haiich liegt über dem Werk, eine Mütterlichkeit und Innigkeit mit der schmerzlichen Süße der Resignation. Dabei ist die Gabe mit wenigen Strichen eine Gestalt hinzustellcii, unvermindert geblieben, und sie entwickelt das Drama lebendig und wirksam. N. W. Vld. Auflösung tu nächster Nummer. Else, Lese, Seele, Esel. Rätsel. Eine Stadt am Meeresstrand Aus der heii'gen Schrift bekannt. Spricht inan's etwas anders aus, Wird ein Kleidungsstück daraus, Das in ivarm' lind kühlen Tagen Bauersmann und Jäger tragen. Die Sage vom GänsSorrr. Aus der Einleitung zuni Katalog der Langsdorfer Geineindebücherei („Skizze von Langsdorf verfaßt von Lehrer Ad. Neirmaun s-j-1869] in den Jahren 1855—1860"). Es war eine mondhelle Sommernacht, der Langsdorfer Schäfer lehnte an seiner Hütte iind das Herz schmolz in Andacht vor der Größe und Güte des Schöpfers. Lautlose Stille! Da vernimnit der Schäler plötzlich zwischen den Lindenbergen, durch die „Franken" kommend, hoch in den Suiten den ängstlichen Ruf einer Kinder- ftimme: „Vater! Vater!" — Der Schäfer horcht erschrocken, sieht aber nichts. Eine atemlose Pause, luic zwischen Blitz und Donner, dann ertönt jener herzzerreiße Schrei ivieder. Der Ruf zieht sich über den „Gänsborn" hin, den, Feldheimer Walde zn. — Nun herrscht die tiefste Rtihe. Deut Schäfer gratist's, und „Alle guten Geister loben ben Herrn" entschwebt den zitternden Lippen. — §ur selbigen Stunde aber will der Huugeiicr Schäker, den die laue ommernacht auch nicht in seiner Hütte ließ, unweit seiner Hürden einen Mann gesehen haben, der ein völlig gesatteltes Pferd mn Zügel haltend, sich au! jenen Augstruf, den auch er vernoinmen, in den Sattel geschivungen unb gleich barauf einen Knaben in seinen Arm ausgenommen, mit dem er in sausendem Galopp davonspringt. Verschwunden ivar der gespenstige Reiter, ohne daß man den Hllftritt des Pferdes vernommen. Weni fällt da nicht die Goethesche Ballade voiii Erlkönig ein? Die weiße Fra« vom Schönberg. In einsamen Lüsten steht kreisend der Weih, Tiefunten ziehen die Wolken vorbei. Die sehen Schloß Schönberg im Waldgrund ruh», Die Ritter all schlafen in steinernen Truh'n. —- Verweht ist der Schloßkirche Helles Geläut, Doch wandelt die weiße Frau noch bis heut — Sie trägt einen Goldfchlüssel in der Hand Unb rosiger Lichtglanz umfließt ihr Gewand. Wenn um sind sieben mal sieben Jahr', Dann steigt sie zum Seegrund kristallen und klar; Tort wäscht sie ihr Linuenzeug silberrein Unb bleicht es in fiiiuuierndein Mondenschein. Begegnet am Weg ihr ein Sonntagskind, Dem gibt sie den Schlüssel als Angebind, Bis droben sich in der Somnvenduacht Am Schönberg die lichtblatie Flamme entfacht. Faßt Mut der Beschenkte und folgt er dem Schein, Tann dringt er in Schönbergs Gewölbe ein, Wo funkelnd in Gängen wohl bergetief Ter Reichtum gehäuft Jahrhunderte schlief. Wenn's Frühgeläute in Lißberg erschallt Unb rauscht der Morgenwind durch den Wald, Da schließt sich dem, der den M u t verlor, Unfindbar für immer der Wölbung Tor. Dr. Carl P u s ch. Literarisches. ~~ «Wer in der tvirklichen Welt arbeiten kann und in der tdealen . leben, der hat das Höchste erreicht." Dieser Spruch von Borne ist als Leilinotlo dem uon P. I. Tanger heransaeaebenen Werklein „Wollen und Wirke n" (Verlag von P. I. Tanger m Köln, 160 Seiten kl. Oktav, Leinwandband, Mk. 1.—) voran- gesetzt. Wir begrüßen mit Freude das Büchelchen, iveil eS für eme Aussöhnung der Gegensätze zwischen Materialismus und Idealismus mittels Sprüchen und Gedichten auserlesener Geistes- Aphorisme«. Tas Heiraten ist die erste Dummheit, die man begeht, wen» man vernünftig geworden ist. * Wirst man seiner Frau den Handschuh hin, hebt sie den Pantoffel auf. „ Biele Töchter Eva§ gleichen auch darin ihrer Stanunutter, daß sie durch einen Sündenkall zu ihrer ersten Toilette kommen. * Mit der Liebe ist cS wie mit einer Kinderkrankheit: je später sie kommt, um so gefährlicher ist sie. (Aus ben Blättern für Sporthumor,) Gssrsndheitspftegs. Das Tränen der Augen. Eine übermäßige Tätig- kert der Tränendrüsen t)t sowohl für den damit behafteten Menschen tote für feine Umgebung etwas recht Unangenehmes. Tenn ivcnn die Tränen auch zuiveilen eine wirklich befreiende Wir- kung am das Allgemeinbefinden haben, so ist häufiges Weinen doch recht wenig beliebt und wird eigentlich in jedem Dialekt der deutschen Sprache mit besondern Provinzialismen an beit w ^bstellt. Man denke nur an den schönen ostpreußischen Ausdruck „plinzen oder an das süddeutsche „flennen". Zum eigentlichen Leiden aber wird der Tränenüberfluß, wenn er auf irgendwelchen Veränderungen der Organe, mit denen die Aus- scheidung dieser Flüssigkeit zusammenhängt, beruht. Die Ursachen können sehr verschieden sein und abgesehen von dem bekannten Einfluß gemütlicher Aufregung in der Gegenwart von Fremdkörpern, dem Eingriff von beißenden Gasen, Entzündungen der Bindehaut, Verengerung des zur Nase führenden Tränenkanals usw. bestehen. Zuweilen ivird diese krankhafte Disposition zu einem chronischen Uebelstand, so daß die Augen schon bei ganz geringen Beeinflussungen, z. B. durch einen etlvas schärferen Wind geradezu überfließen. Daß damit eine ungünstige Wirkung aus das Auge verbunden ist ober wenigstens nach längerer Zeit eintreten kann, ist wohl begreiflich. Ueberbies aber ist der Zn- Mnd so unangenehm und beeinträchtigt selbstverständlich auch die Sehschärfe in so hohem Grade, daß das Verlangen nach einer Abhilfe schließlich geradezu leidenschastlich werden kann. Infolgedessen werden unzählige kleine Operationen ober andere Mittel dagegen versucht, und doch sind vollständige Heilungen nicht häufig. Bei einigen Patienten hilft freilich schon die Beseitigung von leichten Sehstörungen. Wenn aber die eigentliche Ursache im Tränenapparat selbst liegt, wird die Behandlung schwierig. Bei einer Verengung des Tränennasenganges wird gewöhnlich dessen künstliche Erweiterung angestrebt, indem man durch einen Einschnitt eine Sonde einführt und unter Umständen längere Zeit darin beläßt. Darauf tritt wohl nach Beseitigung der Sonde eine Erleichterung ein, aber sie ist nicht häufig von Dauer. Dr. Fergus hat jetzt in einem Vortrag vor der Medico-Chirurg. Gesellschaft in Glasgow die Ausschneidiing des Tränensackes ober schließlich sogar der ganzen Tränendrüse empfohlen; dies Verfahren soll denn auch einen sichern Erfolg gewährleisten. Redaktion: P. Witt ko. — Rotationsbruck unb Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Bnch- und Steinbruckerei, R. Lange, Gießen.