Montag den 23. Novemver [H 1*1 1908 — Nr. |84 iWW 4IIHM SÄä1- a 1-IlW iJCÄ-frl WA A Herr Lecoq. Kriminal-Roman von E. Gaboriau. Nachdruck Verbote». lFortsetzimg.) Mit eiitcmittoi blieb der alte Absinth stehen; ihin war ein Einfall gekommen. Wenn man die Wirtin verhaftete und verhörte? Wozu? Hat Herr Segmüller sie nicht zehnmal mit seinen Fragen bis aufs Blut gepeinigt, ohne etwas aus ihr heraus- Aubekvmiueu? Oh, sie ist. eine schlaue Fliege! Diesmal würde sie antworten, Mai wäre ihr begegnet und hätte seine zehn Franken Angeld zurückverlangt. . . Aber mir müssen zu einem Entschluss kommen. Wenn der Komplize noch nicht benachrichtigt ist, so ivird es jedenfalls nicht lange mehr dauern; tvir müssen also darauf gefaßt sein, cs auch mit ihm zu tun zu bekommen. Verflucht! rief der alte Absinth wütend; das beste wäre vielleicht, den Burschen wieder einzusperren. Niemals, antwortete Lecoq, nienmls! Ich will sein Geheimnis haben, und ich werde cs haben. Wir werden ja bald sehen, was er jetzt machen wird, wo er Geld und einen Plan hat; denn er hat beides, Alter, dafür will ich meine Hand ins Feuer legen! Juu selben Augenblick trat Mai in einen Tabaksladen und kam, mit einer Zigarre ine Munde, ein paar Augenblicke darauf wieder heraus. Die Besitzerin des Marienburger Gasthofs hatte also Mai Geld gegeben; der Ankauf der Zigarre bewies es klar und deutlich. 37. Kapitel. Mai war in das Gewirr der kleinen Straßen beiin Temple eingebogen. Bald darauf sahen der. alte Absinth und sein junger Kollege ihn stillstchcu; eine jener hartnäckigen Kleiderhandlerinnen,, die jeden Vorübergehenden als ihre Beute ansehen, hatte ihn angerufen. Mai leistete einen Augen bück schwachen Widerstand ; schließlich gab er nach und verschwand in ihrem Laden. Also hat er schließlich doch seine Kleider zu versilbern gewußt, brummte der alte Absinth. Aber tvozu? Er hat doch jetzt Geld ! Der junge Beamte schüttelte nachdenklich den Kopf. Mai bleibt in seiner Rolle, versetzte er, und vor allem liegt ihnr daran, das Kostüm zu wechseln. Das ist ja stets der erste Gedanke eines entsprungenen Gefangenen. Er schwieg. Mai kam aus dein Laden heraus, und zwar verändert vom Kopf bis zu beit Sohlen. Er trug jetzt eine Hose aus grober blauer Leinwand, dazu eilte Art Joppe von schwarzer Wolle, ein geivürfeltes Seidentüch um beit Hals, auf dein Kops eine hohe iveiche. Mütze, die er auf das eilte Ohr geschoben hatte. Er sah nicht vertrauenerweckender aus als Lecoq; man hätte sich wohl lange besonnen, wem von beit beiden man lieber in irgend einem Waldwiitkel begegnen möchte. Mai selbst aber schien über den Kleiderwechsel ganz glücklich zu sein; er fühlte sich offenbar in den neuerstandenen behaglicher. Nebrigens hatte er seine Tuchkleider nicht verkauft, sondern trug sie, in ein Tuch eingeknotet, unter dein Arne Er hatte also sein Kapital vermindert, nicht vermehrt. Nur seinen seidenen Zhlmdcr- hnt hatte er verkauft. Lecoq wäre gerne bei der Trödlerin eingetreten, tim sie aus- zufragen; aber er begriff, daß dies unvorsichtig sein würde. Mai drückte soeben seine Mütze auf den Kopf, mit einer Miene, die über seine Absichten keinen Zweifel ließ. Die ernstliche Jagd begann, und bald hatten die beiden Spürhunde alle ihre Erfahrung und all ihren Atem nötig, um ihr Wild nicht zu verlieren. Mai hatte tvahrscheinlich in England und in Deutschland gewohnt, da er die betreffenden Sprachen so ausgezeichnet beherrschte, aber sein Paris kannte er ganz sicherlich so gut wie der älteste Pariser; ohne jemals zu zögern, eilte er in bie krummen engen Gäßchen jenes Stabtteils, er wußte ganz genau, welche Häuser zivei Ausgänge hatten, er kannte bie dunklen Höfe, die burch schmale Gänge wieder mit anderen Höfen in Verbindung stehen. Zweimal hätte er beinahe die Beamten von seiner Spur abgebracht. In der Passage Frvpilton hing sein Entkommen an einem Haar. Wäre er noch eine Minute länger in der dunklen' Ecke geblieben, in der er sich hinter einem Haufen leerer Fässer verborgen hatte, so wären Lecoq und Papa Absinth weitergegangen. Die Verfolgung bot immer unangenehmere Schwierigkeiten. Es Ivar Abend geworden, und damit hatte sich der leichte Nebel erhoben, der stets den ersten schönen Frühlingstagen folgt. Die Gasflammen brannten in dem Dunst mit rotem Licht, ohne zu leuchten. Außerdem war es gerade die Stunde, uw diese Straßen am belebtesten sind; die Arbeiter kommen aus ihren Werkstätten, die Hausfrauen kaufen das Abendessen ein, hunderte von Kindern schwärmen um die Häuser herum, wie Bienen vor ihrem Stock. Mai wußte sich mit wunderbarer Geschicklichkeit jede Menschen- ausammlung, jede Stockung int Wagenverkehr zunntzen zu machen; aber ebenso geschickt blieben seine Verfolger ihm auf den Fersen. Schließlich verließ er das Gebiet der engen Straßen; die List hatte ihm nichts genützt, jetzt wollte er cs mit der Schnelligkeit, versuchen. Auf dem Boulevard Sebastopol angekommen, wandte er sich nach links, der Seine zu, und auf einmal fing er an zu, laufen Er rannte mit ungeheuerer Schnelligkeit, die Ellbogen au den Leib gebrückt, in stets gleichmäßigem Laufschritt, ohns nach links oder rechts gn sehen. So lief er den Boulevard Sebastopol hinunter, über die Place du Chatelet und die Brücken, und dann den Boulevard Saint-Michel hinauf. Bor dem Clunymuseum hielt eine Dvoschkenreihe. Mai blieb beim vordersten Wagen stehen, sagte einige Worte zum Kutscher und stieg ein. Im nächsten Augenblick fuhr die Droschke int Galopp ab. Aber Mai war nicht drin; er war ans der anderen Seite wieder ausgestiegen und nahm einen anderen Wagen, während der erste Kutscher, den er vorher bezahlt hatte, ahnungÄ- los weiterfuhr. Vielleicht glaubte Mai jetzt frei zu sein. Er täuschte sich. Hinter der Droschke, die ihn davonführte, hielt ein Mann sich an den Federn fest und lief ... cs war Lecoq. Der arme alte Absinth tvar schon auf halbem Wege vor dem Justizpalast ganz erschöpft hingefallen. Lecoq rechnete nicht darauf, ihn an dem Tage noch wiedevzusehen, denn er hatte genug zu 734 tuir, u'iit selber den Menden Lauf auWuhalten rind tarnte Nicht daran denken, Pfeile zu zeichnen. Mai hatte seinen» Kutscher befohlen, nach der Barriere d'Jtalie W fahren, und zwar mitten auf dem freien Platz zu halten. Dort pugekontmen, sprang er ans der Droschke und musterte mit einem schnellen scharfen Blick die Umgebung. Er sah nichts. Obwohl von dem plötzlichen Anhalten des Wagens Überrascht, hatte Lewa noch gerade so viel Zeit gehabt, sich unter denselben zu werfen, MndingS auf die Gefahr hin, unter die RSdtt zu Ginnten. Augenscheinlich beruhigt, bezahlte Mai die Fahri und ging ilt der Richtung der Rue Mouffetard wieder zurück. Mit einem Satz war auch Leeog auf den Beinen. Er eilte auf die Allee von großen Bäumen zu, die sich die äußeren Boulevards entlang zieht; da schlug plötzlich ein Pfiff an sein Ohr. Der alte Absinth! rief er, überrascht und entzückt. Jawohl, der alte Absinth, antwortete der biedere Alte, und zwar gut auSgernht, ums mehr wert ist. Das verdanke ich einem Droschkenkutscher, der mich da hinten aufgelescn hat. Auf diese Art konnte ich. . . Oh genug! unterbrach Lewq ihn. Genug! Wir müssen die Augen offen halten. Mai strich jetzt augenscheinlich, ungewiß was er tun sollte, nm die zahlreichen Kneipet» jenen Gegend, herum. Er schien etwas zu suche»; Nachdem er bei drei solche»» Spelunken durch die Fensterfcheibet» gesehen hatte, faßte er endlich einen Entschluß und trat in die vierte ein. Kaum hatte die Tür sich Hinte» ihm geschlossen, so waren die beiden Beamten schon am Fenster und spähten hinein. Mai durchschritt das Scheukzintmcr und setzte sich ganz int Hintergrund an einen Tisch, an welchem schon ein Mann saß. Beim Anblick des kräftigett Wuchses, der roten Gesichtsfarbe, des graumelierten Backenbartes, flüsterte der alte Absinth unwillkürlich: Der Komplize! EÄ sprach allerdittgs viel für die Meinung des alten Be- chnteik, und daher schloß sich Lewq sofort derselben an; sonst Hütte er geiviß Bedenken getragen, aus einer bloßen Ileberein- stimumng des Signalements bestimmte Schlüsse zu ziehen. Mai, dachte Lceoq für sich, hat zunächst alles Geld be- lemmett, das Frau Milner bei sich hatte; dann hat er sie beauftragt, dem Komplizen zu sagen, er solle ihn in einer Kneipe dieser Stadtgegend erwarten. Er -zögerte allerdings und suchte, ehe er hier eintrat, aber das ist ganz natürlich: er hatte ihr die Kneipe nicht näher bezeichnen können. Das; sie nicht gleich die Masken abwerfen, ist ebenfalls erklärlich: Mai ist nicht ganz sicher, ob er uns wirKich vor» seiner Spur abgebracht hat, und her Komplize fürchtet, daß Frau Milner beobachtet worden ist. Der Komplize - vorausgesetzt, daß er es wirklich, war —- hatte sich einer Verkleidung, in demselben Stil luie die Mais und Lecoqs» bedient. Er trug! eine sehr schmutzige Bluse,und auf den» Kopf einen grenlichen weiche»» Filzhut. Die Verkleidung war sogar übertriebe»»!. Sein Gesicht fiel unter all den wenig vertrauenerweckende»» Gesichtern in der Spelunke noch besonders! auf. Denn die Kneipe war offenbar eine richtige Berbrcchcr- Mhle. Trotzdem' schic»» Mai, den inan im stärksten Verdacht hatte, hei» höchsten Gesellschaftskreise»» auzugehören, sich darin ganz wohl zu fühlen. Er hatte sich eine!» „Stamm" und ein Liter vorfetzen lasse»»; Und er schlang das Essm Ärmlich -hinunter« spülte mit volle»» GlÜsert» -nach» und wischte sich die Lippe»» lieft. dem Rocküvinel ab. Unterhielt er» sich auch mit feinem Tischuachbarn? 'Das' konnte intot von außen durch den Spefsen-danwk.nnd Tabal8q«alm hindurch »richt erke»rnen. Ich iistuß hinein! erklärte Leeog' entschlossen. Ich werde «»ich iil ihre Whs setzen und zuhö-ven. Das ist doch »richt Ihr Ernst, sagte der alte Absinth. Wenn Die nut» erkannt würben! Sie iverde»» mich nicht erkennen. Man würde Ihnen übel »nitspieleu. Ich glaube wohl, sagte Leeog mit einer sorglosen Gebärde, daß. sie mir gerne einen kleinen Messerstoß geben würden, der sie vor» mir befreite. Aber was ist den»» dabei? Ei»» Kriminal- Vmnrter, der nicht auch »nal seine Haut zu riskieren weiß, ist bloß ein elender Spitzel. Sehen Sie nuv Govrol, ob der jemals Mrückgewichen ist! . . . Aber imsnerhin, Alter, bleiben Sie hier in der Nähe, damit Sie ihrien folgen könne»», falls sie etwa plötzlich fortgehe»» sollten. Scho»» hatte Leeog den Türkiwpf gedreht und war eingetreten. Wr fetzte sich an einen Tisch, ganz mrhe bei den beide»» Männern, »Md bestellte, mit unangenehm knarrender Stimme, einen Schoppen und eine Portion. Mgi Pud der Mann mit dem Filchut plauderten msteftiander. aber lute Fremde, die der Zufall znsammngrsührt hat, unb keineswegs wie Freunde, die sich am verabredeten Ort getroffeir habe»». Was für wunderbare Schanspieler! dachte Leeog. Ganz be- stinnnt ließe ich mich vvi» ihrem Benchnten fangen, wen»» ich nicht meiner Sache fo »»»»bedingt gdwiß wäre! Der Ma»»»» mit dem Filzhut führte das große Wort; er gab iiber die französische»» Gefängnisse die wertvollsten Ausschlüsse. Lecog hatte schnell gegessen, darauf diu Glas Branntweinj bestellt, und schien jetzt, mit dem Rucken an die Wand gelehnt, zu schlummern. Aber er hörte zu. Nach bei» andern kam Mai an die Reihe; er erzählte feine Geschichte genau wie er sie dein Richter stets vorgctrage»» Ijaite, von den» Mordabend bis zr» seiner Flucht; er vergaß nicht, den Verdacht zu erwähnen, den die Polizei wegen seiner vornehme»» Herkunst gehabt, und »vorüber er herzlich gelacht hätte. Er würde sich indessen sehr glücklich schätzen, erklärte er weiter, wenn er so viel Geld hätte, um »vieder nach Dentschla»»d gehen zu können. Aber er Hütte uickfts, und »mißte auch nicht, wie er welches kriegen könnte. Nicht einmal seine guter» Kleider, die er in dem Paket bei sich hätte, könnte er losiverdei». Hierauf versetzte der a»»dere mit einem Fluch, er wäre ein zu guter Kerl, um einen Kameraden ii» der Patsche zu lassen. Er feinte in derselben Straße einen anständigen Geschäftsmann, nutz er wollte genie Mai zu diesem hinbringen. Ohne ei»r Wort weiter zu sage», stand Mai auf imb rief: Vorwärts! ilnd sie »nachten sich auf den Weg, Lecog iminer hinter ihnen her. Als fie ans dem Hause, das sie Betreten hatten, wieder herauskamen, schüttelte Mai ein paar einzelne Füussranl'eu- stücke auf der flachen Hand. Er schien in böser Laune zu sein und brummte: Mas für Gauner, diese Hehler! So ivenig ihn» aber auch seine Kleider eingebracht haben mochten, die Dienstwilligkeit des Mannes mit den» Filzhnt verdiente eine Höflichkeit. Mai bot ihm ein Gläschen an, und sie traten znsamiuen in eine»» Likömusschank ein. Sie blieben wohl eine Stunde und spielten einen Likör nach dem anderen aus; als sie endlich gingen, begaben sie sich feilte hundert Schritte weiter in eine Weinstube. Als der Wirt sein Lokal schließen wollte und sie deshalb an die Luft setzte, suchten die beiden guten Geselle» Zuflucht in einem anderen Ausschank, der noch offen war. Bon diesen» giugs in einen dritten, vierten, fünften. Und so kamen sie endlich gegen ein Uhr früh ans die Place Saint- Michel. Aber da war es alle. Nichts »»ehr z» trinken. Alles zu. Die beiden Männer hielten Rat und wandten sich nach einein kurzen Gespräch Arm in Arm wie ein paar Freunde dem Fau- bourg Saint-Germain zu. Der Alldhol, bei» sie in beträchtlicher Menge getwssen hatten, schien seine Wirkung zu üben. Sie schwankten, gestikulierten und sprachen sehr laut, und zwar immer beibe gleichzeitig. Lecog konnte einige Worte von ihrem Spitz- buben-kanderwelsch erhappen; es war von „’ne seine Kiste zu schieben", und „Geld genug, »tut ’ne Woche lang alles auf den Kops zu stelle»»" die Rede. Des alten Absinths Zuversicht wurde bei»» Anblick der beiden Gestalten wankend. Das sollten ein paar vornehme Herren fein? Und er murmelte: Die ganze Geschichte wird schief gehen? Sein» Sie doch ohne Sorge! antwortete Lecog ihm: Ich begreife auch nicht, was die beiden listigen Gesellen mit ihren Manöver bezwecken. Aber einerlei! Jetzt, wo unsere beideck Bügel beisammen sind, bin ich des-Erfolges sicher. Sicher? Verstehen Sie? Wenn der eine Vogel wegfliegt, so wird uns dec andere bleiben, und Gsvrol soll schon sehen, wer von uns beiden recht hatte, er oder ich. Mittlerweile waren die beiden Betrunkenen langsamer gegangen. Wie sie so die prachtvollen Paläste des Fanbourg Saint- Gerinain musterten, konnte man ihnen die schlimmsten Absichten! zutrauen. Endlich blieben sie ü» der Rue de Barennes vor der ziemlich niedrigen Mauer eines großen Gartens stehen. Der Mann mit dem Filzhut sprach eifrig auf beit Anderen! Ei». Man fah an seinen (Wen, daß er Mai auseinandersetzte/ die Fassade des Hauses, zu welchem der Park gehörte, befände sich in der Rue de Gvenelle. Na mt? brummte Lecog. Wie weit werden sie denn die Komödie »och treiben? Sie trieben sie bis' znm NeberAettem der Mauer. Mai stieg auf die Schulten» seines Kameraden, zog sich empor, bis er rittlings ans der Mauer faß, und einen Augenblick darauf hörte man ihn in den Garten herabspringen. Der Mai»n mit dem Filzhut war in der Straße geblieben! und mßte auf. Korlsetzuug folgt.) Des Lyrano -e Vergerac phantastische Zugmaschinen. Da entschloß sich der unter» Phy- kurze Zeit den die Sonne Der Vollmond erleuchtete Chrano und seinen Genossen den Heimweg von Clamard nach Paris. Man war in lebhafter Gesellschaft gewesen, und gar bald drehte sich die Unterhaltung nur um die große „boule de safran“ (Safrankugel), die am wolkenlosen Himmel stand. Die verschiedenartigsten Erklärungen ihres Wesens wurden gegeben. Während einer den Mond für eine Dachluke des Himmels erklärte, hielt ein anderer ihn für die Sonne selbst, die durch ein Loch auf die Erde sehe, um zu beobachten, was man dort tue, wenn sie nicht da sei. Chrano dagegen meinte, der Mond sei eine Erde wie die unserige. Er fand mit seiner Ansicht nur Lacher. Da entschloß sich der unter» nehmende Held, selbst nach dem Mond zu reisen, dort Beobachtungen zu machen, und sie nach der Rückkehr zu veröffentlichen. Das Ergebnis war die Voyage de la Lune (um 1650), bereit Erfolg riesengroß war und den Namen des Verfassers in aller Mund braclste. Am eigenartigsten sind die Flugapparate erdacht, die er ausführlich beschreibt. In saft seherischer Weise hat er dabei die Anwendungsmöglichkeit gewisser naturwissenschaftlicher Prinzipien vorausgesehen. Nicht lange setzte unsern Helden die Frage, wie er nach dem Mond gelangen könne, in Verlegenheit. Eine kurze Zeck phh- sikalisckxn Studiums in einsamer Waldgegend lehrte thn bald das Rechte finden. Auf der Waldwiefe zog die Sonne den Morgentau sehr schnell an sich, so daß schon kurze Zett nach ihrem Aufgange das Gras völlig trocken war. Wen» Chrano also Flaschen mit Morgentau füllte und diese an sich band, so mußte die Sonne, die den Tau doch so gierig an stch zog, bte Flaschen, und damit seinen Körper, mitnehmen. Er hatte stch nicht getäuscht, denn als er so ausgerüstet sich den Sonnenstrahlen «ussetzte, ward er emporgehoben und flog der Sonne entgegen, höher und höher. Aber Chrano wollte gar nicht nach der Sonne; er wollte auf den Mond, und da an ein Abschwenken, ni dieser Richtung nickst zu denken war, wollte er lieber zur Erde zurück. Schnell zerschlug er einige seiner auftreibenden Tauflaschen und sank richtig tiefer. Wie groß war fein Erstaunen, als er nicht in Frankreich auf den Boden kam, sondern in Kanada. Dm Erklärung >var darin zu finden, daß die Erde sich während setnes Ausflugs unter ihm weggedreht hatte. Uiientinutigt begann der kühne Reisende einen neuen Versuch, nach dem Monde zu gelangen. Da er die erste Reise unterbrechen mußte, weil die Sonne ihn zu stark anzog, so baute er Mt einen Apparat, der ihn von der Sonne unabhängig machen sollte. Richtige Flügel galt es diesmal in Bewegung z!n sehen, und zwar sollte dto Be- wegung durch Federkraft erfolgen, nm den Flieger selbst zu entlasten. Von einem hohen Berge slog er auf; da er. aoer seine Maßnahmen nicht richtig getroffen hatte, fiel er mit feiner Maschine unsanft auf die kanadische Erde, daß er geschunden lüimkehrte und den Schmerz seiner Wunden durch Besttcichen init Ochfcnmark zu lindern suchte. Inzwischen chatten Soldatm seinen Apparat gesunden und gedachten, einen die feindlichen Fndianer eiuschüchternden Feuerdrachen daraus zu machen, indem sie mit answärtstreibenden Raketen die Kraft der Feder unterstützten. Von dunkelm Ahnen getrieben, kommt Chrano von seniem Schmerzenslager und gerade zur rechten Zeit, um auf der zum Anzunden fertigen Maschine Platz zu nehmen, aber zu spat, um die Ent- züudung zu verhindern. So erhebt er sich denn auf dem feuerspeienden Apparat in die Luft. Reihenweise brenne» die Raketen ab und die Maschine ist schon in beträchtlicher Höhe, als das letzte Pulver verpufft. Da aber geschieht das Wunderbare: die Maschine versinkt, dem Gesetz der Anziehung folgend, unter ihm, er aber fliegt durch die Stille der Nacht dem Monde zu. lieber diese wunderbare Erscheinung nachzuoenken, hat Chrano wahrend der Fahrt genügend Zeit und Muße. Tn findet er selbst die Erklärung: der Mond steht im letzten Viertel, und in die,er Zeit fangt er das Mark der Tiere auf; — imifite da nicht das Gestirn auch den in feiner Nähe schwebenden nut Ochsenmark eingeriebenen Chrano anziehen? I» riesiger . ^Lchwindigkelt nähert er sich dem Mond, und er hätte wohl bei der Landung, die doch nur ein Sturz war, den Tod gesunden, wenn Nicht oie Zweige einiger Bäume seinen Anprall gemildert hatten. Bon den wunderbaren Verhältnissen, die Chrano auf dem Monde antrifft, weiß er uns gar viel zu.berichten,und geschickt benutzt er jede Gelegenheit, um an den irdischen Verhalt,usstn, die ihm ganz und gar nicht hold waren, Kritik M üben. Besonders interessant ist die Begegnung nut entern -^nglmg, dessen Vorfahren einst den Mond verlassen hatten, um die Erde M bevölkern. Da sich die Sitten der Erdbewohner int Laust der qcit verschlechterten, so ward in einem Enkel der Wunsch rege, in das Mondland zurückzukehren, von dessen Herrlichkeiten ihm s'stn Ahu so viel zu erzählen gewußt hatte. Emm.Flugapparat wußte er sich in ebenso einfacher wie geistreicher Weise zu bauen. Wie ost hatte er nicht beobachtet, daß der Rauch 'wmernn die Höhe steigt; so füllte er denn zwei Behälter nut Rauch und verschloß sie luftdicht. Band er sich diese nun »»ter die AHfeln, so mußte er mit dm Behältern aufgekrieben werden, da der R R nach oben strebte nud bannt den Beeilter hob, dessm Wand er nicht durchdringen konnte. Der Erfolg gab seiner, Anna^ie recht, und bald war er nahe am Monde anittlangt, den schönen Meten erkennen konnte, von dem sein Vorfahr ihm so ost erzählt hatte. So beschloß er zu landen, band sich von seinen Behältern los und fiel dem Monde zu, dessen Anziehungskraft seine Geschwindigkeit mehr und mehr beschleunigte. Da bewährte sich le grand tour de sa robe, weil hierin der Wind sich fing und so bnS Kleid wie ein Fallschirm wirkte. So kam er beil auf dein Monde- an und zeigte wohl noch ost seinen Mitbürgern die ihm bienstbaren Kugeln, die weiter und weiter gestiegen waren, bis sie. in weiter Ferne als Sterne sichtbar blieben und das Sternbild der Wage bilden bis auf den heutigen Tag. Ganz anders war der Enkel dieses kühnen Fliegers, der Jüngling, beu Cvrano traf, von der Erde nach dem Mond gefahren. Der Fortschritt der Wissenschaft auf Erden hatte ihm ein viel sichereres, unabhängigeres Mittel gegeben, seine Fahrt zu bewerkstelligen. Zwei Quadratmeter Magneteisenstein behandelte er in einem chemischen Ofen. Nachdem er sie genügend gereinigt und gelöst (in der französischen Alchimistensprache purge, preeipite et dissout). hatte, zog er daraus die kristallisierte Anziehungskraft (1 attractit calcine, die er dann auf die Größe einer mittelmäßigen Kugel zusammenpreßte. Mittlerweile war auch ein glänzendes Eisengestelt angefertigt worden mit einem Sitz, auf dem er Platz nahm.. Warf er nun die stark magnetische Kugel nach oben, so zog sie den Eismkorb mit Riesengewalt nach sich. Indem er bte Kügel, sobald sie erreicht war, weiter und Weiter warf, konnte der Jüngling das Weltall durchmefsm und auch an den Mond, das Ziel seiner Wünsche, kommen. Bald war er dahin ans dem Weg. Wie Feuer schimmerte das Gestell im Sonnenfihr in; immer Wieder muhte es der emporgeworfencn Kügel folgen in fo großer Geschwindigkeit, daß der Flieger bald an die Laiiduug deinen konnte, die doch möglichst sanft erfolgen sollte. Auch dazu konnte er die Mgel gut gebrauchen. Er warf sie manchmal ftitwarts und rückwärts und verminderte so die Schnelligkeit der Fahrt. «Mio war er der Mondobersläche ganz nahe; da warf er nochmals die Wunderkngel Weit hinauf über sich, ließ aber bett sitz allem ihr folgen; er hatte durch einen Sprung auf den Sand sein Ziel erreicht, die Laildung sanft und sicher vollzogen. .. Leider gibt »ns Chrano neben feinen tvcmem Erlewtifleu auf dem Monde nicht an, wie ihn ein freuiwsicher Geist zur , Erde zurückbrachte. Kurz meldet er, datz m J.ccheu bei der Landung die Hunde ihn angebellt hätten, weil er noch den Mvud- geruch an sich gehabt hätte. Erst nach einer Reinigung durch ein Sonnenbad konnte er still seines Weges nach Frankreich lieben, nm dort seine Erfahrungen zu verofteuiucmn. Emen Riesenerfolg brachte ihm diese Arbeit, denn in vielen Auflagen erschien die Mondreise, die von jedermann „depuis le gentilhomme jusqu’au meine“ gekauft ward. ..... . An diesen Erfolg anknüpfend, venmcntttm.-e er bald eine Sonnenreise. Der Erfolg der Mondreise lMe ihm Femde gemacht, denen cs bald gelang, den Verfasser uw Gefängnis zu bringen. Dicsein zu entfliehen, erdachte er eilte neue Flugmaschine, die nach langem Studium Hub großer Arbeit fertig ward. Sie bestaub aus einem Kasten von (> Fuß Lauge und 3—4 Fuß Breite, dessen Deckel und Boden je eine kleine Oefsuung hatten. In die obere Oeffuung paßte genau auschließend ein semersei^I oben durchlöchertes Ktistallgefäß, dessen Wände , ich aus lauter konkav und konvex geschliffenen Glasern ziisanimensetzten. ~,ufe Maschine setzte der Erfinder auf dem Turm semeS GefangmsfeS . den Sonnenstrahlen aus, nahm selbst Platz darin, und wartete, ob kicki i 1-111.- Berechuiinaen als richtig erweisen wurden und er so K Freiheit erftingte/" Der Erfolg übertraf seine Erwariungeu. Die Glaslinsen führten SonnenstraWen m mannigfachen Brech- unaen in das Gefäß; hier ward so die Luft erwärmt, sie stieg i ch olwn und ttitwich durch die oberen Löcher. Die Luftverduii- mtVbdvhlte aber ein Nachströmen der Luft von unten; dadurch ward dem ganzen Apparat ein starker Auftrieb verliehen, und Chrano befand sich bald auf der Fahrt in die Freiheit. Em Segel hatte er auch mitgenommen, um seine Freimde eireichen.zu können; die Steuerung konnte jedoch nicht '» -t-at'gkeit tretm, da dem Fahrer in der Aufregung die Leine entfallen war So fuhr denn Chrano nach der Sonne und kam auch nach vier Mo nuten dort an. Seine Erzählung ist unvollendet, so.daß über die Art feiner Rückkehr nichts berichtet wird. Auch diese phantastische Erzählung fand viele Freunde Sicherlich hat aber.keiner der zahlreiche» scstr Mdciikm gewagt, daß Cyranos eine oder andere Idee eiiimal praktische Verwirklichung erfahren könne. Beachtenswert ist ttdensalls, Wie der Verfasser die Ausgestaltungsmöglichkeit gewißer damals wenig bekannter vlihsikalischer Prinzipien vorausahnte, wenn er sie auch übertrieben phantastisch darstellte. Als 1783 die. erp.e.chioiigolnere bei Paris in die Höhe stieg, da fiel Wohl niemandem ein, daßschon mehr als 130 Jahre vorher Chrano de Bergerac m seiner Phau- trtfie ieniand durch Rauch, d. h. durch warme Luft, oiv zum Monde stechen sah; verwandt ist ihr auch der gebrauch von Glaslinsen als Brenngläser auf der Reise zur Sonne. Mr Gebaute, den Bogelflng uachzuahiuen, ist uralt; man denke an ÄkaroS und Dädalos. Man wird aber auch an die ganz modernen Flug versuche des unglücklichen Oskar Lilienthal. erinner , bei: feii btden Versuchen den Tod fand. Dagegen blieb e» der neueften »eit Vorbehalten, Maschinen jur ,mii(Kl6eW«mnfl < Stelle der Feder Cyranos futb zwei starke Motore getreten. » io. ferner wie sich die Gefahren der Landung in oen Beschreibungen Cyranos ansprägep. Wie umständlich und wen ß 7S6 überzeugend sind seine ntannigfachen Auswege. Am modernsten mutet der Fallschirm an, den der Mantel des kühnen Mondfahrers bildet, nachdem dieser die Ranchbehälter von sich gelassen hat. Jedesmal aber muh der Flieger seine Maschine opfern, um eine Landung ermöglichen ju können, da es ihm nur unvollkommen gelingt, die Geschwindigkeit seiner Fahrt so zu verringern, daß eine Landung mit der Maschine möglich wird. Selbst die wunderbare Magnetkugel ergab ein zweifelhaftes Resultat ; sie stellte immerhin den Versuch dar, die Fahrgeschwindigkeit zu regeln. Bei der Sonnenflugmaschine ist dann zum ersten Male der Versuch der Lenkbarkeit gemacht. Soviel wird mau xnsauunenfassend sagen dürfen: Cyranos geniale Sehergabe hat es ihm ermöglicht, der Entwicklung um Jahrhunderte vorauszu- eilen und anzudeuten, was der Meuschengeist erst nach langer Entwicklung tatsächlich fertig bringen konnte. vermischtes. * Lernet Deuts ch! Eine kürzlich zu Dresden gehaltene Schulrede über die Geschichte des Fremdwortes int Deutschen endete mit dem folgenden prächtigen und warmherzigen Mahnrufe an die Schüler: Es hat in Deutschland noch int 19. Jahrhundert Gesellschaftskreise gegeben, in denen es als Zeichen von Bildung galt, reichlich Fremdwörter zu gebrauchen. Dies schien Kenntnis fremder Sprachen zu beweisen, uitd darauf hat man in Deutschland immer viel gegeben. Wer hettte auf Bildung Anspruch macht, von dem wird nicht verlangt, daß er Fremdworte in seine Rede tuische, nur daß er sie richtig anwettde, ineitit er nun einmal nicht imstande ist, sich deutsch auszudrücken. Ihr aber, liebe Schüler, ihr werdet die Zeit erleben, Ivo es als Zeichen höchster Bildung gilt, nur deutsch zu reden. Diese Zeit steigt mit euch herauf. Das hoffen jetzt viele Deutsche. Ihr seid die Träger dieser Hoffmlug. Und darum sage ich euch: lernet Deutsch, damit ihr nicht genötigt seiet, entbehrliche Fremdworte zu gebrauchen. Ihr seid es euch selber schuldig. Denn häufiger, als mancher denkt, kommt es vor, daß auch Männer sich lächerlich machen durch den falschen Gebrauch entbehrlicher Fremdivorte in Rede und Schrift. Lernet Deutsch! zunächst in den Stunden, die für dieses Fach angesetzt sind, aber auch in den andern. Sie dienen, jede in ihrer Art, dem hohen Zwecke, euch Deutsch zu lehren in Sprache und Gesinnung. Lernet Deutsch! damit ihr, die reichen 'Erben, nicht zu borgen 'brauchet bei dem Auslande, das euch darob nur verachtet. Lernt den Reichtum des deutschen Wortschatzes kennen! Er ist größer, als viele denken. Wer Fremdausdrücke gebraucht, ist selber schuld daran, wenn sein Wortvorrat .nicht wächst. Lernet Deutsch, damit eure Rede klar und bestimmt werde! Das verschwommene Denken flüchtet sich gern unter den Ivetten Mantel des Fremdwortes. Lernet Deutsch ! damit eure Rede rein und schlicht bleibe und nicht blende und gleiße in unwahren Farben. Lernet Deutsch! sage ich, damit euer Wort so echt sei wie euer Herz! * F a l fchc Tischgewohnheiten. Die allgemein verbreitete Sille, das Mahl mit dem Genuß von Reizmitteln wie Likör und Kaffee zu beschließen, wird in der bekannten medizin. Zeitschrift „The Lauert" einer interessanten Untersuchung unterzogen. Weder der Likör noch der Kaffee und die von den Herren nach gutem Diner so hoch geschätzte Import-Zigarre haben auf die Verdauung den günstigen Einfluß, den man ihnen in der Regel beimißt. Der Kaffee hat sogar auf die Verdauung eine hemnlende und verlangsamende Wirkung, die in der leicht verursachten Schlaflosigkeit sich spiegelt. Die Liköre aber, der Curayao, Cbartrenfe und Benedietiner wirken günstig gegen Blähungen, und sie sind daher nur dann nützlich, wenn man niehr Nahrung zu sich genommen hat, als es eigentlich nötig gewesen wäre. Die reineren Spirituosen, wie Kognak und dergleichen, haben weniger, auf die Verdauung als auf das Nervensystem Einslnß, und die den Nerven gebrachten Anregungen wirken der Verdauung eher entgegen und beeinträchtigen ihren regulären Ablauf. Dadurch jedoch wirken sie wiederum hemmend auf die Nerven zurück. Dieser eigenartige Parallelismus der Wirkungen scheint die französische Sitte zu rechtfertigen, die die Liköre gleichzeitig mit dem' Kaffee servieren läßt: aber damit komplizieren ich die Wirkungen und bekämpfen sich gegenseitig. Schwieriger md die Wirkungen des Tabaks zu prüfen. In manchen Fällen chernl er die Verdauung zu verlangsamen, in anderen zu beschleunigen. Man kann jedoch annehmtn, daß auf Leute, die unregelmäßig verdauen, der Genuß von Reizmitteln bei oder nach dem Dessert eher einen Nachteil als einen Vorteil ein» bringen. Die meisten Desserts sind schon an sich Reizmittel, und die Hinzufügung von Kaffee und Likör bedeutet nur eilte Neberspannung der Nerven. Die Sitte hat sich nicht aus körperlichen Erfordernissen heraus entwickelt, sondern muß als rein künstlichen Ursprungs angesehen ^werden. * D er kleine „Edeward" und das Erd beb en. Ein niedliches Geschichtchen weih die „Leipz. Ger.-Ztg." vonk Erdbeben zu erzählen. Als die Erde auch in Leipzig zu. wackeln begann, hielt eine Fran gerade das beliebte Scheuer- fest ab. Sie hatte den Küchenschrank, um ihn zu reinigen, ausgeräumt und das Porzellan ans etliche Stühle im Flur gestellt. „Edeward," hatte sie zu ihrem vierjährigen Jungens gesagt, der sich gelangweilt in der Wohnung herumdrückte, „Edeward, nu sei recht brav, de kriegst ooch was. Abber wenn de mer's Borzellan runderwerfst, dann kriegstes Dresche." Und Eduardchen ging, wie eine Katze um den heißen Brei, um das Porzellan herum, während seine Muttep putzte, wischte und scheuerte, was das Zeug hielt. Plötzlich, es war gegen zwei Uhr, vernahm die Frau ein Gerassel, und gleich darauf fielen einige Porzellansachen, die auf den wackeligen Stühlen gestanden, klirrend zu Boden. Natürlich waren sie sogleich entzwei. Wütend eilte die Frau mit dem nassen Scheuerlappen auf den Flur, packte den gerade dort anwesenden kleinen Eduard und schlug ihm den Lappen links und rechts um die Ohren. Und es nutzte denk Kleinen gar nichts, daß er immer wieder heulend beteuerte, er habe die Sachen nicht hernntergeworfen. Ain nächsten Tage las die Frau von dem Erdbeben, das ihr in der Hitze der Arbeit ganz entgangen war. Eduard bekam nun nachträglich als Schmerzenspflaster zwei „Strumpfsohlen"' (ent Leipziger Gebäck) mit Pflaumenmus. „Wann is'n Widder ä Erdbeben, Mutter?" fragte Eduard freudestrahlend, * Der gute Sohu. Was dem neuerwählten Präsidenten Taft von jeher bei seinen Landsleuten warme Sympathien eingetragen hat, ist sein ungeziertes freimütiges Wesen, das jeder Pose ausweicht und die rührende Kindesliebe, mit dep er an seiner greisen Mutter hängt. Als er im vorigen Jahr noch auf Cuba war und hart gegen die immer von neuem wieder aufkeimenden Revolntionsgelüste anzukämpfen hatte, umringte ihn eines Tages eine Gruppe wißbegieriger Journalisten, Taft aber winkte einen jungen Reporter ans Boswn, der ganz bescheiden im Hintergründe stand, zu sich heran, und dabei entschuldigte er sich höflich bei den anderen Herren: „Ich möchte,- daß dieser junge Mann nicht ein Wort von dem verliert, was ich sagen werde. Er schreibt nämlich für die -einzige Zeit, die meine Mutter liest, und ich möchte doch gerne, daß sie recht genan alle» erfährt, was ich hier tue." Im Laufe des Wahl- kampfes stellte kürzlich eilt Demokrat an ihn die Examenssrage, was er wohl einem Arbeiter raten würde, der arbeits- und ver- dienstlos Frau und Kinder am Hunger dahinsterben sieht „Das weiß nur Gott, nicht ich." Diese einfache, ehrliche Antwort, in der echtes Mitleid nachklang, hat ihn bei den Arbeitern populärer gemacht, als naheliegende klangvolle Phrasen es vermocht hätten. __________ Krcuzrätfel. I I I II__u I L In die Felder vorstehender Figur ind die Buchstaben a a a a aaccddddeeee g g hhiiilmmnnnttnnnoo r rssssttuu derart emzutrygen, das; die wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes ergeben: 1. Frauengestalt aus der griechischen Sage. 2. Römischen Kaiser. 3 Ein Mineral. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Zitaten-Rätsels in voriger Nummer: Gehorsa m ist des Weibes Pflicht auf Erdem Redaktion: E. Anderson. — Rotationsdruck uni Verlag bei Brühl'lchev UnwersuätS - Buch- und Siemdruüeret, R. Lange, Gießeid