1908 Donnerstag den 22. Oktober 8 SW .fei jiilW ’s: na rin 1I%Ee. Gigland war damals durch Lord Bca- eonsfield Rußland durch Schuwaloff vertreten. Speziell vor legerem &ifte Bismarck alle Achtung. Er äußerte sich denn auch dahin, daß er tat russischen Gesandten kaum um seine Aufgabe beneide, beim wie eine Meute würden sich die anderen Mächte auf um stürzen, uauz allein sei er gegen alle, und das sei ein immerhin sehr schwerer Standupukt. lieber Beaconsfield ließ sich der große Kvnz-ler dahin aus, daß er ihn ob seiner Zähigkeit bewundere, eine Zähigkeit, bei der es kein ffikidxn gab. Kurz darauf wurde Beazonsfield Bismarck gemeldet. Er empfing ihn mit aller Liebenswürdigkeit, ließ ihn Platz nehmen und ging bann sofort aus sein Ziel los. „Sie bringen uns entweder Krieg oder Frieden, lieber Lord," begann Bismarck feine Unterhaltung mit der ihm eigenen Offenherzigkeit. „Ich wünsche Ihnen den Frieden zu bringen," antwortete Beaconsfield, „aber sehr leicht ist es möglich, daß es auch der Krieg ist, wenn ich nämlich das nicht durchsetze, was man von mir verlangt." Acht Tage später sah es denn auch aus, als ob sich das letztere bewahrheiten sollte. ES Ivar am 18. Juni 1878, als man zu der Frage gelangte, ob die Türkei in Zukunft das Recht haben werde, die Balkcmpcifse zu befestigen. Durch den Vertrag von San Stefano hatte Rußland der Türkei nämlich die Verpflichtung auferlegt, daß dies nicht der Fall sein dürfe. Lord Beaconsfield erklärte runblueg, daß er einen Vertrag, der wieder einen gleichen Paragraphen enthalte^ niemals unterschreiben werde, weil er eS als eine Demütigung der Türkei ansche, daß man ihr verbieten wolle, Grenzlinien zu befestigen. Schuwaloff wollte jedoch ans nichts eingehen und hielt seine Forderung der Beibehaltung dieses Paragraphen aufrecht. Die Konferenz schien also an dieser Frage überhaupt zu scheitern. Am 20. früh ließ Beaconsfield Schuwaloff ein Ultimatum zustellen, nach welchem er ihm 24 Stunden Zeit gab, von seiner Forderung zurückzustehen. Schon in der 25. Stunde wollte er, so teilte er mit, wenn feine befriedigende Antwort eingelaufen sei, seine Koffer packen. Als am Nachmittag desselben Tages feine Antwort eingelaufen war, traf Beaconsfield alle Vorbereitungen zu seiner Abreise. Er lag schon in tiefem Schlummer, als es an seiner Hoteltür im „Miserhos" krustig pochte. „Wer kömmt denn so spät in der Nacht?", rief der Lord aus feinem Zimmer heraus. „Machen Sie bitte auf, ich bin cs, Bismarck," tönte es von draußen zurück und Beaeousfield öffnete. „Haben die Arbeiten des Kongresses Sie so ermüdet?", fragte Bismarck. 664 nachdem England noch die bekannten Vergünstigungen fftt die Türkei durchgesetzt hatte, zog Bismarck Beaconsfield nochmals ins Gespräch: „Ihnen hat die Türkei zu verdanken, daß sie noch am Leben ist, wir wollen sehen, itrie sie diese Erleichterungen ausnützt . . ." Bismarck ist längst tot, aber wenn er noch leben würde, einer seiner derben Ausdrücke wäre der Türkei sicher, denn mit Mühe und in der Nacht hat er einen Europakrieg abgewandt wegen türkischer Befestigungen, die heute noch nicht einmal auf dein Papier stehen. Nach dreißig Jahren. VeZmMehtLS. " Der Taufschein der Kaiserin. Kaiserin Auguste Viktoria, die am heutigen Donnerstag, den, Hochzeitstage ihres vierten Sohnes, ihr fünfzigstes Lebensjahr vollendet, hat in dem schlichten Herrensitz des alten Rittergutes Dölzig im Kreise So rau das Licht der Welt erblickt. Tas Taufregister jenes Dorfes verzeichnet diese Tatsache, wie wir dem „Berl. Tagebl." entnehmen, zufällig unter der Nummer 1858, der Jahreszahl der Geburt. Dec Wortlaut ist folgender: „Nr. 1858, den 22. Oktober 1858, früh 71/, Uhr: nomen: Auguste, Viktoria, Friederike, Louise, Feodore, Jenny, eheliches Mädchen. Vater: Se. Durchlaucht Herr Friedrich, Christian, August, Erbprinz zu Schlesivig-Holstein-Sonderburg-Augusten-- burg, Kirchenpairon, Erb- und Lehnsherr- aus Dölzig; Mutier: Frau Adelhaid, Viktoria, Amalie, Louise, Marie, Constanze, Erb- prinzessin zu Schieswig-Holstem-Souderbnrg-Augustenburg, geb. Prinzessin zu Hohenlohe-Langenburg. Den 30. November ge- taust. Tauizeugen: 1. Seine König!. Hoheit der Prinzregent von Preußen; 8. Ihre König!. Hoheit die Prinzessin von Preußen; 3. Seine König!. Hoheit Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen; 4. Ihre König!. Hoheit Prinzessin Friedrich Wilhelnr von Preußen ^Viktoria); 6. Ihre Durchlaucht die Herzogin von Schlesivig-Holstein-Sonder- burg->Augustenblirg; 6. Ihre Tnrchtanchl die verwilivete Frau Gräfin von Erbach-Schönburg, geb. Prinzessin von Hohenlohe- Langenburg." " Bluff — das ist augenblicklich auch solch ein Lieblingsmort so manches lieben Deutschen. Man schreibt von Dclcassö's Bluff, behauptet, man käme sich sehr geblufft vor, wenn man gezwungen werde, das und das zu glauben, und vermeidet es geflissentlich, darüber nachzudenken, daß wir eigentlich diese Engländerei gar nicht nötig haben, sintemalen unser deutscher Wortschatz noch immer über so bezeichnende Ausdrücke verfügt, wie Täuschung, Jrreführiing, Prahlerei, Spiegelfechterei, Herausforderung, Schreckschuß und dazu täuschen, irresühren, prahlen, heransfordern, abschrecken, ein- schüchtern. Wir haben sogar das gute deutsche verblüffen, das vielleicht mit dem englischen Worte stammverivandt ist: denn, ist man auch über beider Entstehung im unklaren, so hat doch die Erklärung die größte Wahrscheinlichkeit, daß die Wörter lautmalend das plötzliche Geräusch eines Falles oder Schuffes (bluff) wiedergeben; man denke auch an das volkstümliche „baff oder paff sein!" Ist cs da nicht töricht über die Maßen, daß mir uns einbilden, die englischen Formen sagten auch nur ein Tüttelchen mehr als unser deutsches verblüffen und seine Sinnverwandten? Und wie soll man sie eigentlich aussprechen, deutsch oder englisch? Seien wir doch gescheiter, lassen wir uns doch nicht verblüffen von des englischen Vetters Schlagworten, oder vielmehr — wenn es denn einmal sein muß — lassen wir uns ,verblüffen", aber nicht — „bluffen"! * Die Kanone als Schenkbüfett. Die Prohibitionsbe- tvegung in Amerika hat es zu Wege gebracht, daß man selbst in Distrikten, in denen jeder Verkauf alkoholischer Getränke streng verboten ist, geistige Getränke erhält, wenn man es nur richtig anzufangen weiß. In dem trockenen Distrikt East Liverpool, Ohio, legen z. B. die Einwohner, wenn sie eins trinken wollen, ein 25 Centstück _ in die Mündung einer Kanone am Krieger- Denkmal, dann wird ein Rnudgang um das Denkmal gemacht und bei der Rückkehr sindet man in der Mündung der Kanone ein halbes Pint Whisky vor! Täglich werden in dem Temperenz- städtcheu gegen 250 Pint Whisky verkauft. Die ehrlichen und trinkfesten Deutschen machen deshalb auch in ihren Bcrsamm- Hingen gegen die Prohibition Front, Reue Bücher. (Besprechung erfolgt «aw Aus . Eine Verpflichtung zur Besprechung und zur Ausbewahrung unverlangt euigesandter Bücher wird nickt übernommen.) Dr. R. G. Seuftner, Die offene Handelsgesellschaft unS die stille Gesellschaft. Stuttgart, Muthsche VerlagshaMrg Dr. R. G. Senf t n e r, Wie gründet man eine Gesellschaft m. b. H.? Stuttgart, Muthsche Verlagshandlung. Die Grenzboten, 67. Jahrg. Nr. 41 und 42. A- Holtz, Weltenträume. Leipzig, Walter Fiedler. A O. Weber, Graf Schim vou Pause, Satire. Berlin, G. Reecke. , B. G. Teubner^ Bibliothek für Alle, 1909 Bd. 1. Stuttgart, Zeller u. Schmidt. : . Rob. Schneider, Heinerblut, Ged. in Darmst. Mundart 2. Bd. Darmstadt, Heedt u. Gauß. E ck a r t, ein deutsches Literaturblatt. 1909. Nr. 1. Berlin« Schnftenvertricüsanstalt. Handbuch der gesamten Landwirtschaft. Heraus-, geber Dr. Karl Steinbrück. Hannover, Dr. M. Jänecke. „ Captain, Kursbuch der Passagierdampfer-Linien alle«? Meere. Berlin, Maritima. Souutagszeituug fürS deutsche Haus. 1909 Heft 5, Berlin, W. Vobach u. Co. Vom Urtier zum Menschen, ein Bilderatlas zur Ab- stammungs- und Entwicklungsgeschichte von Dr. Konrad @ u e tt * ther. Lief. 11—14. Stuttgart, Deutsche Verlagsaustalt. Fritz Jäger, Das menschliche Gebiß, seine Erkrankuirs und Pflege. Mit 24 Abbildungen im Text und auf einer Doppeltafel. („Natur und Geisteswelt". Bd. 229.) Leipzig. Edv.. Leh maun, Mystik in Heidentum und Christentum, Vom Verfasser durchgesehene Uebersetzung von Anna Grundtvig geb. Quittenbaum. („Natur und Geisteswelt". Bd. 217.) B. G. Teubner, Leipzig. H. Wedding, Das Eisenhüttenwesen. Mit 15 Textfigurcn. („Natur und Geisteswelt". Bd. 20.) 3. Ausl. B. G. Teubner, Leipzig. M. B. W e i n st e i u, Die Entstehung der Welt und dey Erde nach Sage und Wissenschaft. („Natur und Geisteswelt"< Bd. 223.) B. G. Teubner, Leidig. Goldene Leier, Perlen der Tonkunst. Herausgegeberr von C. M o r e n a. Berlin. Rich. Bong. Aerztlicher Ratgeber. Volkstümliche Halbmvnats- schrift für Gesunde und Kranke. II. Jahrg. Heft 1. Verlag des „Aerztlichen Ratgebers" Berlin W. 57, Bülowstr. 73. F. I. Äemmert, Telegraphenapparat, Anleitung zuv Selbstherstcllung. Ravensburg, Otto Maier. CH. Darwin, Die Abstammung des Menschen. Volksausgabe. Leipzig, Alfred Kröner. Kant, Kritik der reinen Vernunft. Volksausgabe. Leipzig, Alsrcd Kröner. Krupkes KonversationS-Lexikon der Börse und des Handels. Fünfte, neu bearbeitete und erweitert« Auflage. Berlin, Krupkes Konversations-Lexikon. G. Hildebrandt, Die Medaille, Berlin, Awes-Münzc. Süddeutsche Monatshefte, herausgegeb. von P. 9t,- Coßmann, 5. Jahrg. Heft 11, München, Südd. Monatshefte» G. m. b. H. Neue Revue, herausgegeb. von S. A. Bondy, 2. Jahrgang, Heft 2, Berlin, Verlag der Neuen Revue». Kreuz- uub Querrütsel. 1 2 8 4 1 4 hält Mancher für da? höchste Gnt, Doch heißts 8 4, sogleich sinkt ihm der Muh Ank 1 2 kurzweg manches Mädchen hört, 2 8 roiro oft von frevler Hand zerstört. Der Mächtigste der Erde hält der 8 2 Lauf, Halt' er auch Riesenarme, nimmer auf. Ausläsung in nächster Nummer: Altflöfung des Silbenrätsels in voriger Nummerr Eipel, Racine, Nazareth, Samae, TacituS, Rastalt, Iltisse. Ernst Rietschel. Redaktion: E. Anderson. — Rotationsdruck und Verlag 6ei Brüht'schrv UnwersilätS• Buch- und Steulüruckerer, 8L Lange, Gieße».