rrr. 96 |908 0 BBS itiÄ.Rjß Wirket, so lange es Tag ist. Roman von Maximilian Böttcher, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Wilhelm Bariikow, noch etwa dreißig, vierzig Meter von Bannemann entfernt, stand still, itnb während die Kolonne hinter ihm wie auf ein gegebenes Kommando Halt machte, sagte er laut und entschlossen: . „ „Ich -vill mit -den fremden Webern reden, will ihnen sagen ... "Ach, halten Sie Ihren Mund nnd scheren Sie sich nach Hause, aber schleunigst," unterbrach ihn der Forstmeister. Dann wandte er sich zu den Prokuristen um, die mit verlegenen Mienen vor ihrem Arbeitertransport standen. „Herr Frankenstein ist wohl in Berlin geblieben? fragte er. „Na gut, ordnen Sie Ihre Leute in Reihen zu vier Mann. Kuntze," befahl er einem Gendarm, „helfen Sie, daß die Sache vorwärts geht; Hermann, mein Pferd," rief er dem andern zu. Der brachte den Fuchswallach heran, und Bannemann schwang sich in den Sattel. „ Heinz Vollrath war unterdes auf die Streikenden, die wieder wie eine Maner standen, zugeschritten und sprach zu ihnen. Aber die Gesichter verrieten, daß seine Worte keinen Eindruck machten. „Die. Leute , sind in Reihen zu vier Mann angetreten," meldete,".Hände an der Hosennaht, der lange Gendarm Kuntze seinem Vorgesetzten. _ Bannemann richtete sich steiler im Sattel auf, nahm bte Zigarre ans dem Munde und rief: _ „Also noch einmal fordere ich Euch auf: macht Platz da. Wenn Ihr nicht gehorcht, ist das Widerstand gegen die Staatsgewalt, Landfriedenbruch; und Ihr habt die Folgen, die sehr böse sein dürften, zu tragen . . . Kuntze und Hermann an die Tote," befahl er. „Vor . . -" Mitten im Wort brach er ab, schien sich zu besinnen. „Weichen wir aus;" fuhr er dann fort, Tote rechts schwenkt — über den Bahnkörper hiniiber — marsch." Er ritt an, auf das Bahngeleise hinauf. Die Kolonne hinter ihm setzte sich langsam, Lögernd in Bewegung. Vorwärts . . schneidet denen, die Euch Euer Brot nehmen wollen, den Weg ab," rief Wilhelm Bartikow und stürmte über den Bahnkörper hinüber. „ Der Vorsteher, der bisher vor dem Stationsgebäude gestanden hatte, retirierte schleunigst in seinen Dienstraum. Bannemann, mitten auf dem Geleise haltend, zog seine Pistole. „Halt da vorn, augenblicklich," schrie er. „Wer sich einen Schritt von der Stelle rührt, auf der er jetzt steht, der >vird 'über den Haufen geschossen." ’ , t ■ Die Schönauer, die sich zu zwei weitreichenden Gliedern auseinander gezogen hatten, die Knittel und Stöcke hiebbereit, stutzten und standen kaum zwanzig Schritt von Bannemann entfernt. „Feiglinge!" rief Wilhelm Bartikow und riß blitzschnell einen Revolver aus der Tasche. „Vorwärts, wer Courage hat." Mit Krastanstrengnng versuchte er sich dabei von Heinz Vollrath loszureißen, der ihm nachgesetzt war und seinen Arm mit eisernen Griff umklammerte. Schulter an Schulter standen die beiden. „Wilhelm ..... Wilhelm," beschwor Heinz mit heiserer Stimme. Der Forstmeister überflog die Situation, in seinen Augen leuchtete ein fahler, flackernder Glanz auf. Die Pistole hatte er chußbereit erhoben. „ „ „ Bartikow zerrte sich, von Vollraths Faust gehalten, einen halben Schritt vorwärts. Pitsch! knallte die mit rauchlosem Pulver geladene Patrone. Heinz taumelte und griff sich mit der Hand an die Stirn. Blut. Aber es konnte wohl nicht schlimm sein .... „Gehen Sie tveg, Donnerwetter!" schrie Bannemann, vor dem Blick, mit dem ihn Heinz streifte, erbleichend. , Meuchelmörder!" schrie Bariikow, schwang seinen Revolver und rannte, da ihn Vollraths Arm nicht mehr zurückhielt, gegen den Forstmeister los. . Pitsch! knallte dessen Pistole zum zweitenmal. Wilhelm warf beide Arme über den Kopf und fiel dann mit einem gurgelnden Laut rücklings zu Boden. ; Bannemann schoß noch dreimal, ohne bte Pistole abzipetzen, traf einen in den Arm, einen in die Schulter und einen in den Unterleib. Dann schlug ihm ein sausender Knüttelhieb die Waffe aus der Hand. „Himmeldonnerwetter," schrie 58-annenmnn seine Gendarmen att, als er sich plötzlich int Rücken des Feindes sah, und versuchte den lahmgeschlagenen Ann mit schmerzhafter Grimasse gerade zu strecken, „warum haben Sie nicht auch geschossen? „Ich — ich —" stotterte Kuntze. „Der Herr Forstmeister haben teilten Befehl gegeben, fiel der dicke Hermann ein, der sich dem Blick seines Vorgesetzten gegenüber rascher zu fassen veriuochte. Heinz Vollrath kniete neben dem Jugend,reunde und druckte ihm die starr gewordenen Angen zu. Dann ivandte er sich zu dem Mann — es war ein Barthelscher Töpfer —, der mit dem Schuß im Unterleibe sich stöhnend am Boden krümmte. Die anderen beiden Verivnndeten hatten es für ratsam gehalten, im Walde zu verschwinden. .. . „Tragen Sie den Mann ins Stationsgebäude und bestellen Sie den Arzt," befahl Bannemann, aus den Töpfer deutend, seinen Gendarmen. Dann ritt er auf Vollraths zu. „Ich bin außer mir, daß meine Kugel Sie gestreift hat, sagte er. „Daß Sie sich aber auch so leichtfertig der Gefahr aus- setzten . . . -" , „Ja," entgegnete Heinz, der hochanfgerichtet dastand, .ohne den Blutstrom zu stillen, der ihm von der blassen Stirn rieselte, „ja es scheint, daß auch der beste Schütze einmal sein Ziel verfehlt." Er wandte dem Forstmeister bett Rücken und ging in den Marteraum, in den die Gendarmen eben den wimmernden Töpfer trugen. Schon ehe Dr. Schröder kam, war der Mann tot. Aber noch eilt drittes Opfer forderte dieser Frühlingstag. Pfarrer Reichardt befahl, daß man ihm seine Amtstracht anlege und ihm auf einen Wagen Hülse, damit er sich „den Besessenen entgegenstellen, und den Zorn des Himmels hevabilebcu. 382 könne auf ihre Häupter." So ungeheuer war der Aufruhr seiner Empfindungen, daß er in dieser Stunde das verlorene Sprach- Vermögen wiederfaud, seine Anordnungen mit lauter, klar verständlicher Stimme geben konnte. „Gelobt sei Gott," rief er, das hagere Greisenantlitz unter dem weißen Haar leidenschaftlich bewegt, und faltete die dürren Hande, „gelobt fei der Herr, der auch heute noch Wunder tut und mir die Kraft verleihen wird, diese Rotte au zerstreuen wie Spreu im Sturmwind!" Als er aber, angetan mit dem vollen geistlichen Ornat, das Barett auf dem Haupte und die Bibel im Arm, die Hand auf die Türklinke legen wollte, schwankte er und stürzte, zum drittenmal vom Schlage getroffen, an der Schwelle zusammen. Fest hielt der erstarrende Arm die Bibel ans Herz gepreßt. Acht Tage danach ließ Kommerzienrat Friedheim bekannt machen, daß die Frankensteinsche Weberei und die Barthelsche Töpferei in seinen Besitz übergegangen seien, und daß. er die Ausständigen auffvrdere, die Arbeit zu einem erhöhten Lohnsatz unverzüglich wieder aufzunehmen. 2 0. Kapitel. Meder brütete die Gluthitze des Hochsommers über den Landen; und Isabella sehnte sich nach dem Wogcnschlage der Nordsee. Im Nachwinter hatte sie Heinz zu liebe gern und ohne Besinnen auf die gewohnte Rivierareise verzichtet. Jetzt aber, da ihre Koffer und Körbe schon fast zehn Monate unberührt auf dem Schlvßboden stauben — etwas Unerhörtes in ihren: be- iveglichen ^fein — fing das „ewige Zuhausesitzen" doch an, rhr auf die Nerven zu fallen. Und Freiherr von Bannemann verstand es meisterhaft, ihre Phantasie unausgesetzt mit den Reizen des bunten, abwechslungsvollen Strandlebcns zu beschäftigen. „Geht cs denn nicht, Schatz, daß du ein paar Wochen Urlaub nimmst? Dur hast dir doch wahrhaftig in der: Jahren, die du nun hier int Amte bist, eine kleine Erholungsreise verdient," fragte sie Heinz wieder und wieder. Der aber blieb bei seiner einmal gegebeneir Antwort; „Ich fühle mich frisch — wovon soll ich mich also erholen?" „Traurig genug," gab Isabella verletzt zurück, „daß die Auch acht, ein paar Wochen mit mit zu tändeln, zu verträumen, ein paar Wochen nur mir zu gehören, nichts Verführerisches für otd) hat; traurig genug, daß ich dir schon jetzt so langweilig bin, getzt, wo wir kaum dreiviertel Jahr miteinander verlobt sind. Was soll da später werden?" In einem bitteren Lachen klang ihre Rede aus. Allzuleicht sprang — seit Wochen schon — in Isabellas «Stotteit ein spitzer Ton auf, so große Mühe Heinz sich auch gab, ihre häufigen Mißstimmungen mit Ruhe und Güte zu entwaffnen. Mer Isabella hatte, seit die Reisesehnsucht wieder mächtig in ihr geworden war, immer etwas zum Grollen und Zürnen in petto. War es nicht ihres Bräutigams „Rücksichtslosigkeit", seine ,/itbertrtebene Hingabe an seinen Beruf,: deretwegen sie ihm Bor- Würfe^ machte, oder beschuldigte sie ihn >:icht der „ungerechten Parteinahme" Mr seine Mutter, auf die sie immer schlecht zu wrechen war, so setzte sie ihm wieder mit ihrer Eifersucht auf Martha Bartikvw zu. Und oft ließ sie sich in der Zügellosigkeit ihres Temperamentes zu Kränkungen gegen ihn hinreißen. EinE Mittags zu Anfang des August war Heinz, dem man am 1. ^uli die Pfairstelle des verstorbenen Reichardt endgültig ragen hatte, bei einem, nur auf ein Stündchen berechneten Vwuch in Fichtenhöhe von einem Gewitter überrascht worden m'1 ^risdheims zu Tisch gebliebeu. Wieder hatte ihn Isabella mit Bitten, doch wenigstens auf vierzehn Tage mit ihr und ihrem Vater an die See oder ins Hochgebirge zil gehen, gemartert — so lange, bis der Kömmerzienrat ihr ungehalten ins Wort gefallen war: „Aber Kind, ist wirklich Unrecht vvtt dir, Heinz fortwährend zu quälen. Wollte Heinz jetzt, nachdem er vor kaum vier Wochen in ein höheres Amt aufgerückt ist, um Urlaub einkommen, so würde das einen schlechten Eindruck machen. Oder meinst du, er! soll seiner vorgesetzten Behörde Vorstunkern, daß er der Erholung bedürfe?" _ Verbrechen könnte ich darin nicht scheti", entgegnete Isabella achselzuckend. _ Heinz starrte auf das Muster des Tafeltuches, Friedheim zauste I seinen Schnurrbart und fuhr dann fort: „Auch mir würde die Tour, jetzt, tvo ich mit dem Ausbau und der Vergrößerung der Barthelschen und Frankensteinschen Betriebe alle Hande voll zu tun habe, wenig passen. Die ganze Reise- idee hat dir wahrscheinlich wieder Bannemann in den Kvpf gesetzt, *** t e' llTn seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern, als Unfrieden zwischen dir und deinem Bräutigam zu stiften." Isabella .rümpfte die Nase. „Natürlich. . . Banueinann ist immer Schuld. Und dabei danke ich Gott, daß ich ihn habe. Würde er sich nicht um mich kümmern, mir über manche öde Stunde hinweghelfen, ich möchte oft vor Langeiveile vergehen, nachdem meine Verlobung für "so viele Veranlassung war, sich peu ä peu von uns zurückzuziehen." „Ein Segen, daß wir „die vielen" los sind. Vivant sequen- teS,' gab der Kommerzienrat mit ärgerlichem Husten zurück. „Aber kommen wir lieber zu einem anderen Thema. Dies kostet mich meine ganze gute Laune." Und er begann, sich mit Heinz in ein Gespräch über Schulbauten zu vertiefen, die seit Mai im vollen Gange waren — weswegen die Kinder im Tanzsaal des „grünen Seidels" und „Weißen Rosses" unterrichtet würden. Gleich nach Tisch — das Wetter hatte sich verzogen, und der Himmel lachte wieder in strahlender Bläue — sagte der Kommerzienrat, er müsse nach dem Braunkohlenwerk, ivo eine Maschinenstockung eingetreten wäre. Ob er anspannen lassen solle, um mit Heinz zusammen zu fahren, und ihn am Pfarrhaus abzusetzen. . "Ach bitte," fiel Isabella ihrem Vater in die Rede, „laß mir Heinz noch ein Weilchen. Ich habe die ganze Woche nichts von ihm gehabt." „Versprichst du mir auch, nicht wieder zu zanken, du Krauskopf?" fragte Friedheim. „Alles, alles verspreche ich dir." Und sie fiel ihm um den Hals. „Ra, so bleiben Sie schon noch, Heinz", wandte der Kom- merzienrat sich an Vollrath, _ den es drängte, nach Hause zu kommen, und der deshalb auf dem Sprunge stand. „Ich reite dann nach Schönaus. Reiten ist ohnehin besser für mich als fahren; ich habe seit einiger Zeit eine bedenkliche Neigung zum Fettansatz. Und hoffentlich finde ich Sie bei meiner Rückkehr noch hier; ich trabe los wie ein Hunne und bleibe höchstens eine gute Stunde ans." Und er verabschiedete sich rasch. Als die Tür hinter ihm ins Schloß gefallen war, warf Isabella sich Heinz an die Brust, „(Sott sei Dank, daß ich dich endlich wieder mal nach Herzenslust küssen kann." Und sie wurde nicht müde, ihre blühenden Lippen wieder und wieder auf seinen Mund und feine Augen zu pressen, mit ihren Händen in seinem vollen Braunhaar zu wühlen. Einmal legte sie ihren Kopf an feine Schulter und schloß die Lider: „So möcht' ich einschlafen, du." Dann machte sie die Augen! wieder auf, sah ihn zärtlich an. „Du glaubst gar nicht. Liebster, wie süß dir die Narbe steht, die du der Bannemannschen Kugel verdankst. Weiß wie Marmor, zieht sie sich durch deine braune Stirn. Schmal und schnurgerade — wie ein Renomierschmiß." Mit dem spitzgeschnittenen Nagel ihres Zeigefingers verfolgte sie dabei die Konturen des Males. „Nicht doch," wehrte Heinz ab. „Ob ihr denn eigentlich nie der Gedanke gekommen ist," schoß es ihm durch den. Sinn, „daß Bannemann dich mit seinem „Fehlschuß" beseitigen wollte, um wieder freie Bahn zu haben für seine S3eroer6uugeit ?" Isabella setzte unterdessen das Spiel an seiner Narbe fort. Eben hielt sie ihre Hand dagegen und sagte: „Sie ist tzenau so lang wie mein Mittelfinger . . . aber ganz genau, wie darnach zugemessen. Spaßig! Weißt du übrigens, Schatz", filhr sie, ihren Kopf wieder an seine Brust schmiegend, fort, „als was du hübsch aussehen niüßtest mit dieser Narbe, - wozu überhaupt deine Figur famos Passen würde?" .Er zuckte die Achseln. „Zur Uniform eines Mrassieroffiziers", fuhr sie tändelnd fort, „herrlich müßtest du aussehen mit dem Adlerhelm auf denk Kops. Bloß einen forschen Schnurrbart müßtest du daun natürlich haben. Geht es eigentlich nicht, daß du dir einen Schnurrbart wachsen läßt? Natürlich nur Schnurrbart, keinen Backenbart etwa. Gibt es keine Pastoren mit Schnurrbärten?" „Wenn es welche gibt, — ich jedenfalls werde ihre Zahl nicht vermehren^, gab Heinz zurück. (Fortsetzung folgt.) Off dr Oberhesfische Liseboh. Bon Jean Schwöbel in Wtzitershaiu. (Nachdruck verboten.) Die oberhessisch Eiseboh Däi lüft bei dreißig Joahr etz schuh. Es eß häi, wann niet sichs betroacht, Hau off d'r Welt e reine Proacht. Mann so die ahle Leu verzahn. Was säi sich froiher müßte quähn! 383 gpiettu mer do mol wollt nach Gäise mache, Maß warn doas imstänliche Sache! Do steg mer off die Metternoacht, Enn hott sich off de Weg gemoacht, Enn des mer do noch Gäise kom, Do woarn de Küoche steif en lohnt. Doch hau do hott mer doas nant mih, En so en Weg tont kes mih gih. Hau sihrt mer mit d'r Eiseboh. Was eß mer do so hurtig do! Do kimmt mer hie in gourer Rouh'. Des Foahrgäld spoart mer o de Schouh. Däi Seit, däi gout sei bei der Kass, Däi setze sich eu ersetzter Klass. Doch wems domit nit gout tut Passe, Der setzt sich ernt die vierte Klasse. Wer gour kes hott, der tout sichs borje, Macht sich do drüber goar ke Sorge. „Aich kanns jo wirrer abgetrah", So tut er zou feint Nochber sah, „Beß deß mer macht Katossin aus, Do gets ach wirrer Geld ens Haus." Enn wann mer dann noch Gäise kimmt, Enn de Bahnhob sich en Oschei nimmt, Enn seht däi viele Dampmaschin, Däi sich bewege her en hin, Enn doas Durchenanner woist en !vill, Do stirr ent d'r Verstand bal stell. Wer so für honuert Joahr war do, Wenn der sehg hau die Eiseboh, Der tat ganz bas en sprachlich warn Enn sing vieleicht ach o se gärn (weinen) Eun geb drim all sei boares Geld, Wann he wer hau noch osf de Welt. Virm Joahr, do woarsch, ims Froihjoatzr rimm, Do num aich mersch mol fest en Sinn, Met dr Oberhessisch Boh se faohrn. Des Gäld dezou tat aich mer spaorn. Na Gasse aus do fuhr aich fort, Bo Fulda harr ich schu gehorrt. Ich docht, das Witt de entöl seh . . . Drum tat ich noch dem Bahnhof geh Enn sieg Hai enn ganz uhne Zoagc. Doch ent Wa do wollt mersch nit behoage, Weil aich fett Setzplatz kroch naut mih. Eß war se voll drinn; ich mußt stih. Eß woarn aach viele Leu ent Wa, Ee jeder weßt ach aut se sah. Dr e, doas war e Invalid, Der hatt en Gäiße Rente grit. Drim moachte e e recht Schmonzilmaul. Dr anner hatt verkäst sein Gaul, Enn en dr Eck do saß e Harr, Ter glabt, fir Wonner was e wär. Sei sch, däi wärn beim Militär. Mas met Ihr, was met Aelster wär? Ter eß Sergant en Fohneträger. De zwite, der wär Trommelschläger En ach Gefreiter enn feint Rang, Enns Kerlche dient noch goar net lang, Tie erschte Stufe härre sie all Enn der Kaiser als Feldmarschall. Dr anner sat aich sei nit sart, . Trim aß e e Steck Käsebrut, Hatt Angst, sei Moage, der lerr Nut. Noch saßt he sich e Primche eun Enn speuzt fest zou dem Wa enen. Enn nebig ent e Fraache saß, Däi war se deck aeß wäi e Faß. Säi hatt o 14 Faleröck, Ke Wonner, daß se war so deck. Ach Botterweiber säße do Enn viele Seit vo weit en noh. Off emol Hotts en Peff geto. Etz fuhr se fort, die Eiseboh! Se fuhr eß wäi nit recht gescheit Noach Rödgen; weßt Ihr, wu das leit? Doas leit bei Misig eit bei Trotz, En do häil der Zug osf emol o. Do gabs en Ruck, Ihr läibe Kenn. Ee Fraa stompt sich, de Kopp bal enn, Enn hau do hätt säi noch e Beul. E wär e betterbiß Gefeul. Doch niemand gab er guore Woart. Tie Eiseboh fuhr wirrer fort, Noch Boisig en Reiskirchen zou Enn dann nach Grimmerg uhne Roüh. To steg däi Fraa aus met ern Röck. Von do aus do gang es osf die Meck. Do könnt de Vugelsberg mer seh. Noch derts noch Nier-Gemünne geh. To git die Boh noch Kirchho ab. Enn fort gangs wirrer wäi ent Trapp. Jedoch hernoch bei Eh ri n gs h au se, Do sung se langsam o se laufe Do gangs off emol so bergoff, To wollt d'r Zug nit recht enofs. Do moacht se als „Aich hu so schwer! Ach, wann aich doch enn Alsfeld wäir!" Doch Halts grad noch e so geto, Doch wäi mer kumme en Alsfeld 0> Do gabs en klene Offenthalt, Darüber freut sich Jung en Alt. Aich aß e Portion Säwerworscht En trank e Schnäpsche für de Dorscht. Enn wäi nu jeder hatt sei Sach, Gangs wirrer fort noch Lauterbach. Dos tüt aich mer en Oschei nomme. Noch sei mer noch Salzschlirf gekomme. Ihr läibe Seit, ne, do eß schih! Do tat aich emol ens Bad higitz! Joa, docht aich, räche Leu, däi kinns! Noch kumme mer off die preußisch Grenz. Mer sahgs de grüße Grenzsta o. Noch kumme mer en Fulda o. Doch weil ich war de Marge srohi, Mar aich do ganz berwalifch mohi. Enn wäis noch weirer es gegattge, Enn was ich noch hu ogefange, Tas will ich hau naut mih erwähn. Off e anuermol tu aichs erzähn. Die reichste Frau der Welt. Aus New York wird geschrieben: Frau HettyGrleen, die mit ihren zweihundert Mil^ lioiren Mark wohl die reichste Frau der Welt genannt werden darf, hat mit ihrem früheren ärmlichen Leben gebrochen. Sie ist nicht mehr die fast geizige „arme alte Witwe", die mit wöchentlich vierzig Mark in drei kleinen Zimmern im ärmlichsten Stadtteil Newyorks ihr Leben fristete, sie dreht nicht mehr leden Cent zehnmal um, ehe sie ihn ausgiebt, und fie zankt sich nicht mehr mit trägen Dieiistboten herum. Hetty Green, die arbettfnmfte Millionärin ist aus einem Saulus eiwPaulus geworden. Sie hat ihre engen Stübchen in Hoboken, di« fie mit ihrer Tochter Sylvia bewohnte, verlassen und ist in eins der luxuriösesten Hotels von Newyork, das Plaza-Hotel, übergesiedelt; mit entern Wort, die „Witwe-Green," die in Amerika jedes Kind kennt, hat ihren Einzug in die Newyorker Gesellschaft gehalten. Während sie früher mit einem halben Liter Milch drei Tage auskam, bezahlt sie für ihre jetzige Lebensweise 60 000 Dollars jährlich., Tas alles hat Hetty Green um ihrer Tochter willen getan, und sie nahm keinen Anstand, den sie umringenden Berichterstattern zu erzählen, daß sie sich deshalb nur unter die Menschen mische, um ihre Tochter Sylvia an den Mann zu bringen. Wie ejder andere Mnlti- millionär gab fie in den Prunkräumen des Plaza-Hotels ein Diner für zwanzig Gäste, ein Tiner mit Palmen, Blumen, Fontänen, den auserlesensten Speisen und Minen, die auf,goldenen Platten dargereicht wurden. Fran Hetty Green sorgte selbst ocu für, daß die Nachricht von diesem glänzenden Festmahl auch gehörig in den Korridors des Hotels verbreitet wurde., Eine der seltsamsten Sonderbarkeiten, an denen die reichste Frau der Welt so reich ist, besteht darin, daß sie einige ihrer Lebensgruudsätze in Riesenbuchstaben gedruckt verteilen läßt. Und da Fraii Green ihre Tochter unter die Haube bringen will, kann man es begreifen, daß ihr letzter „öffentlicher Ratschlag" sich an die amerikanischen Erbinnen wandte. Sie apostrophiert die heiratslustigen Yankeetöchter solgendermaßen: „Heiratet keinen unnützen europäischen Titel, sondern führt lieber einen guten, anständigen und nüchternen jungen Amerikaner heim.", “Siefe neueste Maxime der exzentrischen alten Dame hat sie bei der großen demokratischen Partei der bereinigten Staaten lieb Kind gemacht, Michaile Blätter dieser Richtung drucken dies« Worte auf der ersten L>eite vor der Beschreibung über das Bankett von Hetty Green ab. Unnötig zn sagen, daß die Umkehr Hetty Greens, die wegen ihres 384 gesunden Menschenverstandes Vom Atlantischen bis znm Stillen Ozean, fast sprichwörtlich ist, bei den neugierigen Bankers, die sich mit den Liebhabereien ihrer oberen Zehntausend eingehend beschäftigen, erneutes Lächeln und Kopfschütteln verursacht hat. — E i n n e u e s S ch u tz m i t t e l f ü r O b ft b ä u m e gegen Parasiten hat M. Pickerrng von der Obstfarm in Woburn gefunden. Er verwendete bisher eine Paraffin-Emulsion mit Aetz-- natvon. Pickering hat dies Mittel verbessert, indem er basisches Kupferfulfat mit Ocl und Mass r emulgierte uild dann Natronlauge hinznfügte. Damit enthält diese Woburnmischung sämtliche Körper, die sowohl im Frühling als im Winter zur Wirkung gebracht werden sollen, und eine einmalige Bespritzung erzielt dasselbe, was bisher in drei Operationen erreicht wurde. * Der Schein trügt. Eines Tages fuhr iir einer New- yorker Straßenbahn eine Dame, die in ihrer Börse zufällig viel Geld hatte. An einer. Haltestelle bestieg den Wagen ein Herr, den sie auf den ersten Blick als einen Taschendieb zu erkennen glaubte. Als er sich neben sie setzte, dachte sie mit Zittern an ihre wohlgefüllte Börse und beschloß, sie auf das schärfste zu bewachen. Plötzlich legte ihr verdächtiger Nachbar seine Hand zur Seite. Sie fühlte sie heruntergleiten und ihre Börse berühren. In diesem Augenblick legte sie ebenfalls ihre Hand nieder und ergriff den Fremden beim Handgelenk. Er wehrte sich nicht, und sie war in einiger Verlegenheit, was sie nun beginnen sollte; doch sie dachte, daß, wenn er versuchen sollte, sich zu befreien, sie ihn am Handgelenk hatte, mit der Hand in ihrer Tasche. So saß sie ruhig da und wartete, daß ihr Nachbar die erste Bewegung machen sollte. Auf diese Weise fuhren sie eine lange Strecke dahin, als an einer Haltestelle der Fremde Miene machte, sich zu erheben. „Wenn Sic meinen Arm loslassen würden, gnädige Frau," sagte er kaltblütig, „möchte ich aussteigen." Bei diesen Worten erhob er sich halb, und zu ihrer Bestürzung gewahrte die Dame, daß seine Hand sich nicht in ihrer Tasche, sondern in der seines eigenen Ulsters befand. Das Kleidungsstück hing so herunter, daß seine Hand sich gegen ihre Börse gepreßt hatte, doch ohne diese berührt zu habe». Sie hatte ihn also ohne Grund beim Handgelenk festgehalten. Boller Bestürzung gelang cs ihr dennoch, ihm den Grund ihres Verhaltens darzulegen. Der Fremde lächelte und ging hinaus, während ein anderer Herr sich vorwärts beugte und sagte: „Wissen Sie nicht, wer das war? Das war der Millionär Rüssel Sage!" * Sturm und Drang. A.: „Wie weit ist denn Ihr Sohn mit dem Studium?" — B.: „Er scheint jetzt aus der Sturni- in die Trankperiode zu kommen." Wissenschaftliches. — T a s sch i e s e G c s i ch t u n.d s e i n e U r s a ch e n. Schon der Anblick im täglichen Leben gestattet, bei einzelnen Menschen wahrzunehmen, daß die rechte und linke Hälfte des Gesichts nicht symmetrisch sind. Cesare Lombroso hat derartige Verschiedenheiten «der wenigstens ihre erheblicheren Grade, als Entartnngsstigma, als Mißbildung, angcsprochen und sie dadilrch auf eine Stufe mit gewissen Anomalien des äußeren Gehörgangcs, des Gaumens usw. gestellt. Eine durchaus entgegengesetzte Ansicht vertritt auf Grund eines höchst reichhaltigen Untersuchnngsmaterials Richard Liebreich. Seme in den Sitzungsberichten der Pariser Akademie der Wissenschaften veröffentlichten Forschungsergebnisse lassen ihn annehmen, daß die unsyminetrische Entivicklung der beiden Gesichls- halften eine durchaus normale und ganz allgemein anftretende Erscheinung sei, die als unmittelbare Folge des aufrechten tztanges gedeutet werden müsse. Er gründet den ersten Teil seiner Behauptung auf Messungen an etwa 2000 Schädeln des Pariser Anthropologischen Museums des Jardin des Plautes, an 3000 des Eollegro Romano in Rom und an 400 der Medizinschule in Kairo, sowie auf eine Fülle von Ziffernmaterial aus Beobachtungen an Lebenden, so daß alle Rassen auch aus längst vergangenen, ia vorgeschichtlichen Zeiten berücksichtigt worden sind insgesamt lassen sich drei verschiedene Formen der Assymetric unterscheiden. Tie erste und weitaus häufigste ist durch Ben fchiedcnheiten der Backenknochen in beiden Gesichtshälften gekennzeichnet. Ter rechte stellt in seinem am meisten hervorstehenden E nahezu einen rechten Winkel dar, während der linke sich m etwas offenerem Bogen nach rückwärts und oben abbiegt. Dadurch nehmen die Ränder der Augenhöhlen rechts und link" Stellung ein, während sie rechts in der Ebene liegen stehen sie links in einer nach rückwärts gc- ueigten Flache. Ebenso wird der Oberkiefer unsvmmetrisch, so tritt rechts tiefer ist als links. ' Recht deutlich A arVer Mumie Rhamses des II. hervor. Bei leiten M Herren Form treten die gleichen Verschiedeu- umgekehrter Wege auf: was vorhin rechts zu beobachten war, erscheint hier links. Ebenso selten ist die dritte - die unregelniaßige Assymmetrie. Tie Ursache ist in dem Laae^d^Re^?^ Embryonallebens zu finden, tvo bei normaler Lage das Becken der Mutter euren Druck auf die linke Wange rr rLK r, auf rvchte des Kindes übt, wodurch die beiden ersteren Formell der Assymmetrie bedingt werden Die dritte Form entsteht bei Hochlage des Kvpfes, wo gar kein Truck ftattfindet, aber durch Vererbung eine undeutliche und regel- 2^miiietrte erscheint. , Ta nun die Lage des Kindes von den Maßen des Beckens und diese wieder von der Krümmung des rtin^eU des Rückgrats abhängt, die für den aufrechten mittelbar^ Ergebnis' bie ^«rie als dessen un- 178T swechsezwischen Schiller und Lotte 05- Herastsgegeben und erläutert von Wilhelm Flelitz. Mit Portrat von Lotte von Lengefeld. Fünfte Auflage 3 Baude. Gebunden Mk. 3 — lVeriaa der m a-Ucir?/' Buchhandlung Skachfolgcr in Stuttgart und Berlin') - Emitte von M^^Eußwurm, die Tochter Schillers, hat noch bei Lebzeiten '®'cr* dem deutschen Volke geschenkt, „als ein teures V-r- machtnis meiner seligen Eltern", wie sie in ihrem Vorworte sagt. Lie zweite bis fünfte Auflage wurde von Prof. Dr Fielitz herausgegeben und ergänzt. Zn den Briefen Schillers und Lottens de» wahren der Freundschaft und des Brautstandes, auf 9(u^0rt(be beschränkt hatte, traten auch ihre Briefe aus der Chezeit, und ferner wurde die Korrespondenz Schillers mit Karolinc, der Schwester Lottens, in die Sammlung auf- senvmmen. Lte vorliegende Eottasche Ausgabe bietet somit ein nfn-rtre.‘l.c§ Bild der einzigen großen Liebe Schillers r-n ÄbistMitigen intimen Geistesfreundschaft mit der Schwester der Geliebten. Dieser Dreiklang ist es, der dem Briefwerk einen über seine literarhistorische Bedeutung weit hinausgehenden eiüe^MnbiknaisM , ~'enP kein Romandichter vermöchte rlmJ.fanterc Handlung zu erfinden und dar-