Mittwoch den 22. Januar n?sj W s i 8. VS Kelmuth von LWlen. Roman von Ursula Zöge von Manteuffel. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) -Ohn'e sich nun noch .über das alles, was fie stäusmelnd vorbrachte, zu kümimeru, umfaßte er sie. und trug sie fast bis zur nächsten Fahrgelegenheit, hob sie in den Wägen und sagte den« sich verwundert umsehenden Kutscher: „Hotel Continental. Aber schnell! Ter Dau re ist unwohl." Dann sprang er in den Wagen und setzte sich neben sä. Er dachte, sie würde, sowie das Gefährt sich in Bewegung setzte, irgend einen sinnlosen Sprung aufs Pflaster riskieren, aber ihre anfbäumendcu Lebensgeister waren plötzlich gebrochen. Wie eilt Häuflein Unglück, haltlos, zufaiMneugesunken, lag sie in den Polstern. Der geliehene Mantel !var von ihren Schul- lern geglitten und hing unbeachtet halb über den Wagenschlag. In ihrem alten, schwarzen Afchenbrödelklcidchen sah sic wieder so erbarmungswürdig dürftig aus. Loyfen zog den Mantel herauf und versuchte ihn ihr wieder über die Schultern zu ziehen. Sie Vchtcte gar nicht darauf, sie hatte das Gesicht in beide Hände gedrückt und weinte. Das brachte ihn plötzlich um seine Fassung. Er nahm ihr die Hände vom Gesicht, küßte ihr die Tränen von den Augen, zog ihren Kopf an seine Brust und hielt ihre beiden eiskalten Hände in seiner warmen, gesund pulsierenden Hand. Eine Woge von Mitleid überflutete sein Herz. „Armes Tierchen!" wiederholte er nur immer, es fiel ihm nichts Besseres ein. Sie lief; cs alles geschehen —• ein. Balsam! für ihre Qual mußte darin liegen, denn nach und nach wurde sie ruhiger — endlich hob sie den Kopf und sah ihn lange an mit tränenheißen Augen: „Nicht alles habe ich verloren — dich habe ich noch — dich —" Seine Kameraden hätten ihm dies Ende spöttelnd Voraussagen können — er selbst hatte cs von Anfang an viel zu ehrlich mit dem „armen Ding" gemeint, um es für möglich zu halten, das; je ein Tag kommen könne, au dcni cr ihr von Liebe sprechen und um Gegenliebe werben werde, bis sie, mit fortgerissen von seiner Erregung, an seinem Halse weinte: . „Ja, liebe mach und lehre mich, mein Unglück vergessen!" 1, VII. • Wenige Tage genügten und mit der Verzweifelten, deren Zukunftstraum von Künstlerruhm für immer zerschellt war, ging eine merkwürdige Veränderung vor sich. Die leidenschaftliche Aufregung, welche sie seit Wochen beherrscht und ihre Niederlage iaus der Bühne mit verschuldet hatte, ergoß sich plötzlich in ein Neues Strombett. Dias Ziel, dem sie mit allen Sinnen zustrebte, hieß nicht mehr Ruhm, sondern Glück, lieber die Vergangene heil schien ein Vorhang gefallen, der auch die Erinnerung ab- schloß, und vor ihr stand nur noch der Mann,- den sie liebte, er allein bildete von Stunde au den Inhalt ihres Lebens. Die Umwälzung war so schnell gekommen, daß er, der diese! Liebe geweckt hatte, fast vor der Heftigkeit derselben erschrak. Was bei ihm ein. aus gutem Mitleid und Sinnlichkeit zufammeuis gesetztes Geftihl war, schien bei ihr eine lodernde Flamme, diff sie zu verzehren drohte. Dabei blieb sie immer die Schenkende. So dringend er es auch forderte, daß sie sich nun von ihm> auS der Misere ihrer notdürftigen Existenz herausheben, ihr LebM verschönen ließe durch äußeren Komfort, — es blieb alles Ivie bisher. An ihrem eisernen Willen scheiterte seine Forderung^ sie wies seine Hilfe und seine Geschenke zurück, sie lachte ißht! aus, sie verhöhnte ihn. Wie sie lebte, ob sie darbte, ob sie Hunger litt oder nicht, das ging ihn nichts an, das war ihre Sache nur Liebe heischte sie und gab auch diese doppelt zurück. Sie hatte von Reichtum und Uebcrfluß geträumt — ja —= aber nur als Beweis und Begleiterscheinung erlangter Berühmt-, heil wäre äußerer Glanz ihr erwünscht gewesen, an sich war ihr jeder Luxus entbehrlich, sie hatte ihn nie gekannt und stand der Armut mit trotziger Gleichgültigkeit gegenüber. Fran Jahn, welche au jenem Abend auch im Theater gewesen war und vom dritten Rang herab mit Schrecken die Vorgänge auf der Bühne verfolgt hatte, war gutmütig genug, sich aller Bemerkungen zu enthalten und die gescheiterte Sängerin, ass sie sich aut nächsten Tage im Geschäft wieder einstellte, auf ihrem. Posten zu belassen, als habe dieselbe niemals einen Anlauf genommen, eine unsterbliche Berühmtheit zu werden. Nach einigem Suchen fand Luisane auch wieder eine ihren Mitteln entsprechende Wohnung, ein elendes Stübchen im Erdgeschoß, aus dessen Fenster tniau in einen Holzhof blickte und kaum einen Streifen blauen Himimel sehen konnte. Hier richtete sie sich nun so gut es ging ein und wurde plötzlich erfinderisch, die Dürftigkeit des. Gelasses durch lallte r Hand sinnreichen billigen Tand zu verdecken,, nur um Loysen zu beschwichtigen, der es nicht leiden wollte, daß sie hier wohne und sie mit seinen Bitten, eine gesunde, freundliche Wohnung besorgen zu dürfen, wild machte. Also benutzte sie jeden freien Augenblick, den sie erübrigen konnte, malte, klebte, kleisterte und hämmerte, und versuchte den srendloseni Raum durch alte Tapetenreste, billige Kattnnbchänge, buntes, in Fächer und Rosetten gefaltetes Seidenpapier ein Helles Ansehen zu geben. Sie durchwühlte ihren Koffer, fand Tüllreste und eilt altes buntes Tuch, zog rote Fäden in phantastischen Mustern durch den Tüll.und drapierte mit beiden das Fenster. Auf dem Tisch lag eine int Ausverkauf erstandene billige Deckff und was sie au kleinen, bescheidenen Niedlichkeiten besaß, Albums, Perlmutkerkästchen, einig' Bildchen, eine Porzellanfigich und ein SchIveizerhänscheu, stellte sie auf. Aus einem Jahrgang! der „Gartenlaube", den ihr die verstorbene Base geschenkt hatte, schnitt sie die Illustrationen, kolorierte sie mit Hilfe eines .Kiluder- Malkaskens, umklebte sie mit Rahmen aus buntem Papier und schmückte die Wände damit. Tie Fächer ans Seiden Papier, einige ulte Schleifen, einige Schilfhalme wurden effektvoll hier und da zwischen den Bildern angebracht. Nach und nach nahm diese, emfigff Tätigkeit, mit der sie oft bis in die Nacht schaltete, eine fast krankhafte Ausschließlichkeit an. Es war, als habe es nie eine Luisanff gegeben, die sich in fieberhaftem Ebraeiz verzehrte und nun - 46 -*; fflV ihre Stinte lebte. Dieses Idol War zerschlagen' — ein )teuc§, bisher noch uugekauutes, war erstanden, ihm gehörte all ihr Tonten. Sie lebte nur noch siir ihm, lebte von einem Wiedersehen zum andern, verrichtete ihr Tagewerk im Haudschuhladew hkit derselben autonnllenhasten Sicherheit wie bisher und dachte dabei an ihn. Ob er kommen würde? Ob sie ihm zufällig begegnen mürbe? — Ob er sie noch liebe? — Und während sie rechnete oder die Kunden bediente und nie einen Fehler machte oder «ine richtige Antwort versäumte, ersann sie sich schon neue Ber- schöncrrmgei» ihres Zimmers, die aus nichts entstehe,« sollten . . . Denn er sollte cs hübsch und traulich bei ihr finden. Auch das, sie sich Sonntags von ihm Blumen schicken ließ, geschah nur um seinetwillen. In irdene Näpfe und Schalen, wohl auch in «ine mit Goldpapier überzogene alte Weinflasche gesteckt und so verteilt, Ivie sie am besten zur Geltung kamen, schmückten und durchdufteten sie das ganze Zimmer. Sie liebte Blumen nicht, hätte sie nie vermißt, aber aus seiner Hand empfangen, nahm sie dieselben wie etwas Lebendiges, in ihr Dasein Uebergegaugenes entgegen, hegte sie sorgfältig und beobachtete ihr Erblühen und Welken mit abergläubischer Angst: Wie lange wirst du leben? Wirst du seine Liebe zu mir überdauern? — So fragte sie die Blüten, denn von Beginn an quälte sie der Gedanke an das Ende dieses so wild aufgeschossenen Glückes. In den Laden der Jahn kam er fast nie mehr. Das war auch besser so, sie mußte ihm recht geben. Aber arme Augenblicke laute«, in. denen es nichts zu verkaufen und nichts zu buchen «gab, dann saß sie geisterhaft wie ein Gespenst in ihrer Ecke hinter dem Ladentisch und starrte mit glühenden Augen nach der Glas- tür. Die Ladeninhaberin, welche ihr hin und wieder einen mitleidigen Blick zuwarf, riet dann wohlmeinend: „Schaffen Sie sich doch einen Strickstrumpf an, Fräulein Becker, bann würden Sie Wicht so viel daran denken, daß es mit der Sängerei mal nid) jeht!" — Und das Mädchen schwieg und dachte unausgesetzt: Wird er fe)armen? Hat er mich schon vergessen? Er kam. Entweder trafen sie sich im Tiergarten oder wenn er fürchtete, dort Bekannten zu begegnen, in irgend einer Straße, Jdo er davor sicher war, oder nach Ladenschluß in ihrer Wohnung. Sah er hier mit Staunen, wie sehr sie es verstanden hatte, das armselige Stübchen auszuputzen und zu verschönern, und ließ durchblicken, daß ihm dies peinlich und beschämend sei, so versuchte sie, seine Bedenken wegzuscherzen, doch was sie lachend vorbrachte, war ihr bitterer Ernst: „Laß mir doch Meine hungrige Freiheit, Loys, weshalb willst du mich fesseln, kaufe», erniedrigen? Ich bin nicht deine Sklavin. Nimm mir das stolze Bewußtsein nicht, reich zu sein, schenken und beglücken zu können!" Tsas rührte ihn nun wieder. Sie konnte sehr reizend und sehr liebenswürdig sein in dieser neuesten Metamorphose ihres Wesens — aber beglückte sie ihn wirklich? Er hatte kein Werständnis für djas krankhafte Uebernvaß ihrer Leidenschaft, aber er fühlte sich immer wieder von ihr angezogen, seit ihr Wesen to plötzlich alle Schärfe, alle Härte verloren hatte und sie nur llvch für ihn zu existieren schien. Als er nun erst wieder zur Besinnung kam, begann ihn fauch schon Reue und Unbehagen zu quälen. Er meinte es zu gut Mit seinem „armen Ding", um sich nicht mit Besorgnis zu fragen, wie sie mir die unvermeidliche Trennung überleben sollte. Um ihretwillen versuchte er manche,! Tag fernzubleiben, aber dann erhielt er jedesmsal ein flehendes Briefchen von ihr. Sie mar immer am Rande der Verzweiflung, wenn ein erhofftes Wiedersehen scheiterte — und so tat er beim, was er noch vor wenig Wochen für eine Unmöglichkeit erklärt hatte — er kam um Nachurlaub ein, obwohl sein Arm so gut wie hergestellt war. Er unternahm Ritte und Fahrten mit Anne Marie, war auf Rennplätzen zu sehen und nahm alle Einladungen an. Er meinte, je mehr er sich zeige und an der Geselligkeit Anteil nehme, desto weniger werde »An erraten, was ihn hier festhielt. , Tsabei sank das Nebenleben, welches er führte, immer tiefer Ml den Grund jenes breiten Stromes herab, der sein Lebensschiff trug. SeriW Beziehungen zu dem armen Schattenwesen da unten konnte er unmöglich ins helle Licht seines Tageslanfes mit hinein nehmen, ja, um ihretwegen mußte, er wünschen, nie in ihrer Gesellschaft gesehen zu werden. I« diesen Tagen kant seine älteste Schwester, Marie Anne twN Recknitz, deren Mann ein Großgrundbesitzer in Schlesien war, nach Berlin. Sie hatte die Reise gern unternommen, um die Schwester zu besuchen und „Helmi" nach seinem Unfall wieder zu sehe«. So verschieden die beiden Schwestern auch waren, in der Liebe zu dem jüngeren, einzigen Bruder waren sie sich gleich. W wetteiferte eilte mit der andern, »nb auch der Wunsch, ihn bald und glücklich verheiratet zu sehen, war bei beiden gleich stark vorhanden. Frau von Recknitz war eine vielbeschäftigte Hausfrau und konnte nur drei Tage von ihrer Familie fern- bleiben, so wirr es natürlich, daß der Bruder sich ihr in diesen Tagen ganz widmete. Drei Tage lang wartete also Luisaue vergeblich auf ihn und sie wußte nicht einmial, was ihn abhiekt, ihr ein Lebenszeichen zu geben. Ein Billett, welches sie ihut schrieb, blieb mibemtfa wortet. 1 Am dritten Tag saß sie in der Mittagsstunde im Laden und packte eine Sendung Prager Handschuhe aus. Ganz spitz und hohläugig War ihr Gesicht in den Tagen des Wartens und der Zweifelsgual geworden. Mit zuckenden Händen schob sie die verschiedenen Päckchen in ihre Behälter, sprang dann zum Pult und suchte nach einem Bogen und Kuvert. Daran tu ar nichts Auffälliges, sie führte auch die Geschüftskorrespondenz. „Lassen Sie man den Brief an Meyer'n noch," sagte Fran Iah» aus der Hitilerstube tretend, „ich will mir's noch überlegen. Rechnen Sie mir doch mal im Buch die Außenstände zusammen." „Ja," sagte sie, nahm« das lange schwarze Buch vor, beugte sich tief darüber und schrieb auf ein weißes Billett: Ich sterbe, wenn du nicht kommst . . . Tu klirrte die Glastür und zwei Damen traten in den Laden, vornehme Tarnen, mit einem Etwas in Haltung, Stimme und Gesichtsschnitt, was Luisaue jaches HerMopseu verursachte — feine Stimme, seine Züge, namentlich bei der einen, die stattlich und blühend, gerade solche graublaue, dimkelbewimperte Augen hatte. Fmu Jahn stand schon auf ihrem! Posten, beflissen und diensteifrig. Ob sie Handschuhe eintausche? — Ter Herr Bruder habe nicht ganz die richtige Nunmuer getroffen? Aber natürlich tausche sie ein. Sie bitte die Damen nur zu wählen. , Ja, diese hier dürften besser passen. Ob die Handschuhe sonst ihren Beifall hätten? — So sehr, versicherte die eine Dame so liebens-! würdig, daß sie sich noch ein halbes Dutzend mitnehmen wolle. Während Frau Jahn suchte und verglich, sprachen die beiden leise und heiter zusammen. Tie von ihnen noch gar nicht bemerkte kleine schwarze Person am Pult beugte den verzansten Kopf tiefer und tiefer, strengte das Ohr zum äußersten an, daß ihr doch nichts entgehen möge. Allerlei Namen, kleine -vertrauliche Mitteilungen sing sie auf, es hatte «lies Bezug auf ihn, gehörte zu feinem Leben, blieb ihr aber ganz unverständlich. Sie zerdrückte das kleine Papiersetzchcu in ben Fingern und drückte die Zähne auf die Handknöchel, um ihre Aufregung zu meistern. Erst als die Blonde, Rosige sagte: „Wir wollen Troß und Hellmuth nicht länger warten lassen," fuhr sie aus und sah, daß vor dem Laden ein offener, hoher Wage« mit ungeduldig stjampsenden Pferden hielt, bereit Zügel ein hagerer, nachlässig dasitzender Herr führte. Neben diesem saß er — Lohse», Tie Damen verließen ben Laden und ein Diener, der bisher vor den Pferden gestanden, half ihnen auf den hohen Rücksitz. Lnisane konnte sich nicht länger halten; ehe die erstaunte Frau Jahn begriff, was sie beabsichtigte, hatte sie die Klappe dis Ladentisches aufzeschlagen und fuhr zur Glastür hinaus. — Tta stand sie, mit beiden Händen hinter sich ans Glas greifend und sah mit brennenden Augen em por. Loysen sah seh« verstimmt aus und blickte an ihr vorüber ohne Gruß. Sehr gegen feinen Willen hatte Anne Marie plötzlich hier halten lassen, ohne daß er etwas dagegen hätte sagen biirfen. Was denn? Die nach Bandes an die Recknitz geschickten Handschuhe hatten sich doch als zu groß erwiesen und sollten emgetauscht werde». (Fortsetzung folgt.) Uunft- und Denkmalspflege in Hessen. Obgleich im neuen Staatsvoranschlag für 1903 bei der Aufstellung der Anforderungen in den einzelnen Verwaltungs- zweigen mit größter Sparsamkeit zu Werke gegangen werden mußte, wird es mit der Pflege der Kunst und des Denkmals- wesens in Hessen auch im neuen Jahre nicht schlecht bestellt sein. Das neue Landesmuseum, das von den ersten deutschen Autoritäten als vorbildlich hingestellt wird, hat seine Anforderimgen von 62 800 Mk. im Jahre 1906 auf nahezu 100 000 Mk. im Jahre 1908 erhöht, worin für sachliche Ausgaben, d. i. für Vermehrung der kunst- und naturwissenschaftlichen Sammlungen, Unterhaltung, Beaufsichtigung -G 49 940 Mk. angesetzt sind. — Die Denkmalspflege erfreut sich in Hessen einer ganz besonderen Fürsorge», 47 Ausgabe dafür stieg von 16 000 Mk. im Jahre 1904 auf 87 500 Mk. im Jahre 1908, worunter 12 000 Mk. für ®e= Hütter für je einen Denkmalspfleger in jeder Provinz für Baudenkmäler, einen Denkmalspfleger für Altertümer und beweg- liehe Gegenstände und eine nebenamtliche Hilfskraft, die mit den Funktionen eines Landes-Urkundenpflegers bestellt war, in der Haus- und Staatsarchiv-Direktion. Unter den 25 500 Mk. für sachliche Ausgaben bestnden sich als zweite Rate für die Karmeliter-Klosterkirche zu Hirschhorn 5000 Mk., für das Rathaus zu Büdingen als erste Rate 3500 Mk. und für die Wiederherstellung der Katharinenkirche zu Oppenheim ebenfalls 3500Mk.; für letztere war schon in früheren Jahren ein StaatSzuschusi von insgesamt 214 390 Mk. zur Verfügung gestellt worden. Ein weiterer Betrag von 10 000 Mk. ist alljährlich für staatliche Aufwendungen in besonderen Fällen zur Erhaltung und Wiederherstellung, sowie zur Anfnahine nicht staatlicher Baudenkmäler, Altertümer und beweglicher Denkmäler, ferner für Ankauf von Denkmälern und Fundstätten, für Aiisgrabungen 2C. bestimmt. Als einmalige Ausgabe sind auch 1500 Mk. bestimmt für einen Jahresbericht über Denkmalspflege, der kurz alles das zusammenfassen und mit Abbildungen versehen weiteren Kreisen zugänglich niachen soll, was seit Erlast des Denkmalschutzgesetzes auf den, Gebiete der Denkmalspflege in Hessen geleistet worden ist, Ein solcher Bericht erscheint der Regierung notwendig soivohl mit Riicksicht auf den Nutzen, welcher der Sache der Denkmalspflege im Grostherzogtum daraus erwächst, als auch mit Rücksicht auf die Stellung, die Heffen den übrigen Staaten gegenüber als einziges deutsches Land, das ein Denkmalsschutzgesetz besitzt, einnimmt, und endlich auch aus wiffenschaftlichen Rücksichten. Sehr beachtenswert ist auch eine weitere Position im Etat des Ministeriums der Finanzen, in dem bei Kap. Bauwesen 9000 Mk. für Erhaltung und Restauration staatlicher Bau- und Kunstdenkmäler gefordert werden. Der Betrag wird, ivie in früheren Jahren, für eine größere Anzahl von Gebäuden, Schloß- und Burgruinen verwendet, die die Bedeutung von geschichtlichen Altertümern und Kunstdenkmälern haben und bereu notdürftige laufende Unterhaltung zu Lasten anderer Fonds geschieht. Es kommen hierbei hauptsächlich in Betracht: Burgruine Frankenstein, Klosterkapelle zu Lorsch, Schloßruine Alsbach, Echloßruine zu Auerbach, Schloßruine Starkenburg, Schloßruine Lindenfels, Schloß zu Hirschhorn, Burgruine Schadeck ^Schwalbennest), Burgruine Hinterburg bei Neckarsteinach, Kaiserpsalzkapellc in Wimpfen, Beste Otzberg, vorm. Abtei Seligenstadt, Wasserburg beiSeligenstadt, Burgrriine Staufen- berg, Burg zu Friedberg, Kapersburg, Schloßruine M ü n z e n b e r g, Burgruine L i ß b e r g, Schloßruine Ulrich- stein, Wartturm bei Nierstein, Schloßruine Landskcon, Schloßruine Schwa bsburg und andere Bauwerke. Die Kapersburg mit dem alten Rö m crka st e ll ist bekanntlich im Jahrel903 zum Zivecke der Erforschung und derSicherun'g gegen weiteren Verfall für die Großh. Hausdomänen erworben worden. Mit den Arbeiten zur Erforschung und Aufdeckung des Kastells nebst Bad, Kolonnenweg re. wurde schon 1906 begonnen. Das römische Bad daselbst ist nunmehr gesichert und mit der Aufdeckung und Sicherung des Kastells ist der Anfang gemacht. Darüber hat an dieser Stelle in Nr.165 u. 166 d. Fam.-Blätter, Jahrg.1907, Oberlehrer He linke-Friedberg erschöpfendgesprochen. Zur Deckung der Kosten wird jetzt als erste Nate der Betrag von 3000Mk.gesordert u. ferner zwecks systematischer Weiterführung dieser Arbeiten für eine Reihe von Jahren eine ähnliche Anforderung in Aussicht gestellt. Der Fürst der Diebe. Georg Manolescu, der „Fürst der Diebe", ist am Anfang des Monats in Mentons verstorben. Mit ihm ist eine der merk- w-ürdigsteu Abenteuergestalten der Gegenwart dahiligegangcn, deren (im Verlag T-r. P. .Langenscheidt in Gwß-Lichtcrfelde) er- schieneue Memoiren großes Aufsehen erregt haben und eine Fund- grübe für das Studium der Berbrecherseele geworden sind. Manolescu entfloh als Knabe Schule und Elternhaus und Jnnserte stehlend in den Straßen Konstantinopels. Er war mit 17 Jahren in Wien ein vollendeter Höchst,Mer. .Ein livviexter Diener saß auf dem Bock, wenn der „Fürst Lahovary" int elc> ganten Kupee bei den Pariser Juwelieren vorfuhr, um Reich- tiimer zu stehlen. Er war in London und Tokio zu Haust, in Berlin, Wien, Petersburg und Amerika, und die Gesamtsumm« seiner Diebstähle wird auf 2 Ve Millionen Franks beziffert. Er verspielte in Monte Carlo Hunderttausend^ unü grub aus den Goldfeldern Kanadas. Er heiratete mit 28 Jahren eine deutsche! Gräfin und wurde ivenig später als Dieb abgefaßt. Er scywamnr in dem goldenen Strom der internationalen Aristviratic und Halbwelt und brüstte, tags darauf in Ketten geschmiedet, schweren Freiheitsstrafen entgegen. Er tvnrde für wahnsinnig erklärt, entsprang aus dem Jrrenhause, nahm sein Abenteuerleben wroi der ans, wnrbo aulS neue verhaftet . . . um als . glücklicher Mensch, in zweiter Ehe mit einer Millionärin verheiratet, jetzr zu sterben. Tas sind ein paar Stichworte aus. dem Leben des rumänischen Hoteldiebs und Hochstablers, den die Welt als den „Fürsten der Diebe" kennt, fürchtet und bewundert. _ Eine seltsame Schicksalsfügung zeigt sich darin, dag Mano- lescu mr der einzigen ehrlichen Arbeit seines Lebens — beim Goldgraben in Alaska, wo er sich den Arm brach — zu Grunde gegangen ist. Nachdem fein Verleger sich des ganzllcy mittels los in Amerika Dastehenden angenommen und ihm die Mittel zur Reise nach Mailand und Existenz dort gegeben hatte, ver-, lobte sich Manolescu nach seiner Scheidung von seiner ersten Frau, einer deutschen Reichsgräfin, mit der Tochter eines Pa-, riser Ingenieurs, die ihriv mehrere Millionen in die Ehe bracht^ Seitdem" hat er sich nach dem Zeugnis des rumänischen rwnsuls in Mailand völlig vorwurfsfrei geführt, bis ihn sein trautet rechter Arm, der in mehreren Operationen stückweise abgenommeN werden mußte, auf das Krankenlager warf, von dem er nicht wieder aufstehen sollle. Er erreichte ein Alter von 36 V2 Zähren Versöhnend wirkt die Tatsache, daß die französische RegterunA. dem Hochstabler, der laut Urteil stoch ftir' ange Jahre aus Jran'kreich ausgewiesen war, iuiebenplt die Rückkehr nach Paris in den letzten zwei Jahren gestattet hat, uirt die nötigen Operationen von dortigen Autoritäten vornehMn in lassen. _______________ * Tanuusaltertümer. Der Kamm des Tamms trägt eine Reihe von Befestigungen der Ureinwohner: die Rmgwalle^ und solche der römischen Eroberer: die Kastelle , Tie Forschungen der letzten Jahre haben beiden ihre Aufmerksamkeit zugewandt. Ueber die Ringwälle hat Thomas (Frankfurt a. M^ eine Reihe ausgezeichneter Arbeiten geliefert. Vornehmlich ist. es der große Ringwall der Althöfer Mauer und der Gold- orube, der sich jetzt als weit größere Befestigungsanlage als der stattliche Altkönigringwall herausstellt, nmschll.At doch bet Wall eine Fläche von 1506 500 Quadratmetern! Ter Forsche» weist nach, daß die Bewohner dieser Anlage cn Holzgeb,mden mit ovalem ober kreisrundem Grundriß gehaust haben. Oü diese Siedelnngen aber dauernd waren ober ob die Einwohne» derNmgegend den schüssendm Wall nur m Zelten der Verfolgung als sicherste Zufluchtsstätte aufsuchten, bedarf noch der Aufklärung. Hameran nimmt das erstere an, und laßt die Stadtanlage zuerst von den Galliern, bann von den ebenfalls gallischen, Ubiern bewohnt sein; er ist nicht abgeneigt m ihr das vielerörterte Artannon des Ptolemäus zu sehen. Von romischcii Befestigungen int Taunus sind im letzten Jahre in dreien groger» Ausgrabungen gemacht worden. Bei dem von den beiden ^acobr ausgegrabenen Lager am Feldberg, das ^me Grundslache vost rund 6600 Quadratmetern bedeat, ist der 06O Meter westlich vom Kastell liegende große Militärfriedhof werter ausgegrabest worden; die Gräber sind durchweg Wandgräber, die in zwei Arteli zerfallen; solche, in deren Mitte ent oder mehrere Krüge zur Aufnahme von Flüssigkeiten standen, und solche, bet denen eine Urne mit der Asche des Koten den Hauptinhalt bildete. In dem iiördlich von Wiesbaden, gelegenen Zngnrantelkastelt wurden weitere Kellerwohnungen aufgedeckt. Em ^eU der Garnison scheint in diesen viereckigen Erdvertrefnngen, dec ein bis zum Boden herabgehendes Satteldach trugen, gewohnt zu haben Ferner zeigten die Ausgrabungen, daß tue große wg.; ExerzierhÄle sich noch weiter südivärts erstreckte und funf- schifsig Ivar. Auch auf der Saalburg waren die Grabungen sehr ergiebig. Bor allem stellte sich heraus, daß der links vor dem Dekumantor gelegene Bau, den man als Ausspann bezeichnete,- citteit anderen Grundriß hat als num bisher vermutete: man fand mitten im Gebäude einen atrmmahnlichen Hof. unter der Häuferanlage kamen Pfostenlöcher, Heizungen und zwer holz- versckmlte Brunnen zum Vorschein, die eine Menge von Fund- stücken bargen. Der beim Qnästorium liegende Brunnen wurde ebenfalls äusgegraben, desgleichen (als 79.!) der neuaufgefundene; beim Militärbad. Ganz nahebei kamen unter dem Erdwchr- gang vier kreisrnnde Backöfen zutage; man geht wogt nicht tetjl, wenn man in ihnen die Feldbäckerei sieht, und zwar ue des Lagers, das vor dem Steinlager bestand, und dessen Mauern au» .Holzrosten und Steinsetzungen bestanden. Unter , der erst tm Anfang des vorigen Jahrhunderts angelegten Usinger Lani>> straße svurde ein weiterer Teil des Tolichenums bloßgelegr^ ebenso fünf Gräber der Genossen des Dolichenuskults. BesonderA wertvolle Funde ergaben wie immer die Brunnen, in erster X.une — 48 schätzenswerte Holzgcräte und Ledersachen, unter letzteru 25 Schuhsohlen und fünf ganze Schuhe. Unter diesen befinden sich einige neue Typen mit prächtiger durchbrochener Arbeit. Von den vielen keramischen Funden seien die .Honigtöpfe erwähnt, die an Schnüren an der Decke aufgehängt wurden. Zwei tragen die Angabe des Gewichts: 5 und 6 Pfund. Die Ziegel haben Stempel der 4. Räterkohorte (diese aus Tirol und Bayern sich ergänzende Truppe lag lange ans der Saalburg in Garnison), der 8/ und 22. Legion. 123 aufgefundene Münzen stammen meist aus der Zeit von Domitian bis Hadrian. * S ch ulnnterricht v o r 4 0 0 0 I a h r c n. Der amerik. Orientalist Professor H. V. Hilprccht hat in der Nähe von Nipur Ausgrabungen veranstaltet und dabei 10 000 Keilschrifttafeln gefunden, die nichts anderes als Schultafelir darstellen. Die Tempelschüler in Babylon bedienten sich ihrer beim Unterricht. Ans dem Zustand dieser Schreibübiiiigen läßt sich, wie Dr. Max Maas in der Frankfurter Wochenschrift „Unischau" berichtet, ganz deutlich erkennen, ivie der Priester den Unterricht in einer solchen Tempelschule erteilte. Ailf der linken Seite der Keilschrifttafel wurde voiu Lehrer die Aufgabe uiedergeschricbcil. Ter Schüler kopierte sie dann rechts. War der Lehrer mit der Leistung zufrieden, so kratzte er die rechte Seite der oberen Tonlage ab. Die Abschrift des Schülers hat die vorgeschricbene Aufgabe des Lehrers auf vielen beschädigten Tafeln vervollständigen helfen. Die meisteir dieser uralten Schreibübungen cnt- halteii Rechenaufgaben, iit denen sehr oft die Zahl 12 960 000 wiederkehrt. Die Zahl scheiiit auf die Platonische hinzudeuten, und der Münchener Orientalist Professor Fritz Fominel hat sie durch die Phönixperiode zu erklären versucht, die aus Prä- zessionsperiodeii (500 X 25 920 — 12 960 000) gleich platonischen Jahren besteht. Die Schüler zu Nipur müssen also das Borrücken der Tag- und Nachtgleichen bereits gekannt haben. Hilpert weift auch darauf hin, daß viele Jahrtausende vergangen sein muffen, ehe man den Monaten des Jahres Namen gab. Die Sonne muß beim Frühlingsanfang damals int Zeichen des Krebses oder gar des Löiven gestanden haben, wenn die Monatsnamen Elul und Tammuz für Februar und März einen Sinn haben sollen. Ter Wiener Astronom von Littvio hat das Jahr 6770 v. Ehr. als den Zeitpunkt bezeichnet, in welchem der Frühlingspunkt im Zeichen des Krebses lag. Tie beideii Monats- Namen stammen also ans deut siebente,i oder achtelt Jahrtausend vor Christi Geburt. — Die verkaufte „Times". Die „Times", einst eine Weltmacht, die mit Königen und Kaisern auf gleichem Fuße verkehrte, die „Times", die Napoleon I. wegen ihrer Artikel gegen ihn verklagen wollte, die „Times", die eilt ewiges Fideikommiß der altberühmten, von Zola verherrlichten Familie Walter zu sein schien, nun geht sie in die Hände eines Zeitungsspekulanteil ja la Scherl ob. Huck über, und damit ist wohl die große Zeit ihrer Geschichte endgültig abgeschlossen. Was machte nur itt jetten älteren Tagen, da die „Times" wirklich noch die „Times" war, das Geheimnis ihrer in der englischeit wie in der Weltpresse durchaus einzigen Stellung aus? Mait findet hierauf keine andere Ant- lvort, als: ihr Prestige. Sie war weder die älteste der englischen Zeitungen (ihre erste Nuinnrer ist erst am 13. Januar 1783 erschienen), noch konnte matt sie etwa unbedingt beit anderen englischen Blättern überlegen nennen. Und dennoch konnte ein Geistlicher, .bet Archidiakon Denisen, einmal in einer Predigt sagen: „Wenn in England die Bibel etwas behaupten würde und die „Times" das Gegenteil davon, so würden von 510 Personen 500 der.„Timesch Glauben schenken." Ten entscheidenden Umschwung in seiner Geschichte verdankt — und das ist eine hübsche Ironie — dies deutschenhetzerische Blatt letzten Siitnes der Erfindung eines Deutschen. Die „Times" hieß ursprünglich „Daily Universal Register" und zeichnete sich von Anfaiig an durch die Kühnheit Und Freimütigkeit ihrer Redeweise aus. Damals, unter Walter I. Mimte man sie ihres Charakter wegen wohl den „T-onuerer"! Sein Sohn aber, Walter II., hatte die Einsicht, die ganze Tragweite der Erfindung der Schnellpresse zu erfassen, die Friedrich König damals erfunden hatte. Ztvei Jahre nach dem Tode seines BaterS, am 29. November 1809, druckte er zuin ersten Male mit Dampf und lief so allen Nebenbuhlern den Rang ab. Es war ein Riesensieg, und die Fühverstellung der „Times" war durch ihn Unendlich befestigt. Tie Zeit tunt äußerst bewegt, man wartete Mit Spannung auf Nachrichten vom Kontinente, wo der Ent- schetdungskampf gegen Napoleon int Gange war — und die „Ti- Mes 'ivkir es, die die Neugier aut schnellsten zu befriedigen imstande war. So wuchs das Blatt schnell. Walter II. selbst aber ward dabet Besitzer eines herrlichen Gutes und Parlaments-- Mitglied. Als Unternehmen ist die „Times" int Laufe des 19. Jahrhunderts ms Riesenhafte gewachsen. 1830, als noch die Stempelgebuhren in England bestanden, bezahlte Walter für die „<.ames an solchen allem 70 000 Psnitd, das heißt rund ein und eilte halbe Million Mark im Jahre. In dem Niesenhause der „Garnes werden die Maschinen und alles, was im Betriebe gebraucht wird, m eigenen Werkstätteti hergestellt — ausge- tommen das Papier. Bon der ungeheueren Größe der Ausgaben, die sich bht „Times' bis itr die neueste Zeit hinein gemacht hat, Redaktion: P. Witiko. — Rotationsdruck und Vertag der Brü um auf der Höhe zu bleiben, mag die Tatsache Zeugnis ablegen, daß der russisch-japanische Krieg, zu dem die Zeitung einen be- sondeven Tampsor mit drahtloser Telegraphie entsandt hatte, sie 50 000 Pfund oder 1 Million Mark gewstet hat. Tast cs aber der „Times" nicht gut ging, das war schon seit längerer Zeit betäniit. Tie stolze Dynastie Walter hatte sich vereits bequemen müssen, amerikanischen Eiitflnß bei ihrer Zeitung Rautn zu geben, der viel besprochene „Book Club" gab sich zwar als ein rein gemeinnütziges Unternehmen, hatte aber itt Wahrheit den Zweck, dem sinkenden Abonneutensiande der „Times" wieder auf die Beine zu helfen, und mut ist das Ende da und die „Times" geht einfach in den Pearson-Konzern ein. * F ü r 200 Millionen Tabak betrau ch t. Das österreichische Finanzministerium veröffentlicht jetzt die Statistik über den Tabakverbrauch im Jahre 1906. Hieraus! geht hervor, daß die Oesterreicher in dem betreffenden Jahr 'für 200 Millionen Tabak verbraucht haben, was einer Steigerung des Konsums um etwa 10 Millionen gegenüber dem vorhergehenden Jahre entspricht. — Interessant ist es, das; der -Verbrauch von Zigarren bedeutend gestiegen ist. Der Verbrauch von Rauchtabak hat sich dagegen verringert. Der Verbrauch von Schnupftabak während des Jahres 1906 ist im Verhältnis zum Verbrauch der anderen Tabaksorten nur gering; et beläuft sich auf etwa 300 000 Mark. * Was aus alten Stiefeln wird. Alte Stiefel pflegt man im Haushalt als durchaus unnütz wegzuwerfen. Die Industrie aber, die so leicht keinen Abfall umkommen läßt, sammelt sie wieder, um das alte Leder zu verarbeiten. Das Leder lvird zerschnitten und einige Tage lang in Chlorschwefet gelegt, wodurch es hart und brüchig iuirb; hierauf wird es gewaschen- getrocknet und schließlich gemahlen. Dann kann man aus diesem Pulver, das mit einem geeigneten Klebemittel vermengt ivird, eine hart- gummiähnliche Masse Herstellen, aus der Kämme, Knöpfe und dergleichen gepreßt werden. Literarisches. — „H ei ma tlieber" von Clara Schobest. (Mag^ deburg, R. Zacharias.) Zn dm lyrischen Jvnglenven, die widerlich sind ivie angefaültr Orangen, gehört Clara Schobest, eine Sondershäuser Lehrerin, nicht. Bon schlichter Art, peitscht sie nicht die Nerven ans und verliert sich auch nicht ins Artistische im ©tote Stefan Georges und seiner heute in unserer Jugend leider überhand nehmenden „Schule". Clara Schobest prunklose Lyrik macht uns vielmehr warm, macht uns weinen mit ihrem stillen Lebensleibe, und wir folgen ihr in ihre fromme Mädcheu- einsamkeit mit hiugebeubem Mitgefühl, in weltferne Enge und Friedsamkeit. Sie ist eine von denen, die aus den Martern und Sorgen des Lebens ihr Lied verdichten. Sie tändelt nicht und hak nichts von der Süße parfümierter Salons, in denen in. unmännische Weichlichkeit verfallene, gedaitkenlos im. Wort- ra tisch sich wiegende greisenhafte Jünglinge ihre müden Glieder recken. Clara Schobest hat sich durchgerungen zu der Anschauung, daß das Glück nicht „da draußen" liegt. Tas Kreuz auf Golgatha gilt ihr als „cwge Heimat für die Heimatlosen", -o. Goldene Worte. Glücklich ist nicht, wer hak, was er wünscht, sondern wer nicht wünscht, was er nicht hat. * Julius Ansonins, Ich kann leichter Zwanzigen lehren, iun5 zu tun gut ist, als einer von. den Zwanzigen sein und meine eigenen Lehren befolgen. Shakespeare. In der Einsamkeit frißt sich der einzelne selbst auf, in dec Vielsamkett fressen ihn die vielen. Nun wähle! __Nietzsche. Silbenrätsel. Die erste Silbe mein Kann Kaiser und ein Beitler sein. Ist die zweite gut bestellt, Es Jedcruiauu drin wohl gefällt. Ganz ist es eine große Stadt, Die viele reiche Leute hat. Auslösung in nächster Nummer Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummerr Lauierbach. b l'ickcn Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen-