Montag den 20. Juli 1908 N- TM riÄWH.! WWW O® wlHPIIk John Darrows Tod. Roman von Melvin L. S e v r r y. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Eine gewaltige Aufregung bemächtigte sich meiner kleinen Zuhörerschar, als ich so weit gelesen hatte, und ich selbst fühlte mich zunächst unfähig, fortzufahrcn Ragobah unschuldig! All unsere Kombinationen über den Haufen geworfen! John Darrows Furcht und Verdacht unbegründet, — und doch dies geheimnisvoll-schickliche Verbrechen! Wer war nun der Mörder? Oder war auch diese Vermutung falsch und hatte irgend ein unerklärter Zufall Herrn Darroivs Leben geendet? Alle diese Fmgen stürmten auf uns ein und fanden Worte in jeneir erregten Augenblicke!:. Florence und meine Schwester sprachen gleichzeitig durcheinander, und auch ich selbst vermochte nicht zu schweigen. Verhältnismäßig am ruhigsten war Maitland; als er sich wieder vernehmlich machen konnte, sagte er langsam: „Ich hübe so etwas geahnt. Mir wollte verschiedenes nicht mehr stimmen. Aber lassen Sie uns zunächst noch hören, was Herr Siddons weiter schreibt." Ein tiefes erwartungsvolles Schweigen folgte dem aufgeregten Reden, und so fuhr ich fort in der Verlesung des Briefes: „Wie die Sache lag, war es unmöglich, Ragobahs Verhaftung aufrecht zu erhalten. Er mußte freigegeben werden, doch sah ich kein Zeichen der Freude auf seinem finsteren, von Leidenschaften zerrissenen Gesicht, als diese Entscheidung fiel. Auch klang es merkwürdig, üls er mich beim Gehen um das „Vergnügen" einer privaten Unterredung in seinen: Hause bat. Ich habe diese Unterredung gehabt, und cs war mir ein merkwürdiges Gefühl, den Ort zu betreten, wo die Geliebte unseres toten Freundes so sehr gelitten hat. Ragobah empfing mich mit ernster Höflichkeit, lud inich zum Sitzen ein und sagte daim nach einem kleinen Schweigen: „Sie haben mir die Ehre angetan, Sahib, — denn ich empfinde es als solche, — mich für den Mörder von John Darrow zu halten. Ich habe Sie um diese Unterredung gebeten, um Ihnen zu sagen, daß ich all ineinen irdischen Besitz daruin geben und willig ein langes Leben voll Qualen ertragen würde, wenn ich in Wahrheit sagen könnte: „Ich, Rama Ragobah, habe John Darrow getötet!" Wer zu meinen: Schmerz muß ich sagen: Ich bin unschuldig! Seit mehr als zwanzig Jahren habe ich nur einen Vorsatz, einen Gedanken gehabt, — Rache zu nehmen an ihm, der mich um die Liebe des geliebtesten Weibes gebracht hat. Dieser Wunsch hat :nich verzehrt. Jahrelang habe ich nach der Spur des Verdammten gesucht, die er bei seinem Fortgehen von Bon:bah so geschickt zu verdecken gewußt hat, daß ich Indien vergeblich in allen Richtungen durchstreift habe, um sie zu finden. Erst vor wenigen Monaten gelang es mir zu erfahren, daß er unter seinem richtigen Namen — er hat ihn für längere Zeit abgelegt gehabt, wie ich jetzt weiß, — in Dorchester mit seiner Tochter lebte. Die Freude hat mich beinahe toll gemacht; jetzt sah ich die Vollendung meines Lebenswerkes vor mir! Und., nun denken Sie, was ich empfand, als ich endlich in Amerika gelandet war und Dorchester betrat, nur um zu hören, daß John Darrow wenige Tage zuvor durch Selbstmord geendet habe! In meiner aufkochenden Wut beschloß ich, mir ein anderes Opfer zu stutzen und seine Tochter zu töten. Auch dieser Plan ist niißlungen, — und ich bin jetzt froh darüber. Was hätte der Tod eines unschuldigen Biadchens meiner Rache genützt? Sie ist unbefriedigt geblieben, mein Leben ist verfehlt, und ich hoffe und glaube, daß es nun bald zu Ende geht. Schmerzen, wie ich sie seit Jahren erduldet habe, zerschneiden, die Wurzeln des Lebensbaumes." Tas ist alles, was ich noch zu berichten hatte. Nach dem Eindruck, den ich von Ragobahs Persönlichkeit und seinen Worten empfangen habe, halte ich es für vollkomnten ausgeschlossen, daß er bei dem Tode unseres Freundes doch die Hand in: Spiele gehabt und ettva durch einen Helfershelfer den Mord verübt hat. Kttnn ich Ihnen irgendwie noch diene::, so bin ich stets dazu bereit, doch glaube ich, daß die Spur des Täters nur dort in Amerika zu suchen ist." Niemand sprach zunächst, als ich zu Ende war. Bkeine Schwester hatte ihren Arm um Florences Schultern gelegt, als ich von Ragobahs Mordanschlag auf sie gelesen hatte, und saß noch in dieser Stellung. Maitland war der erste, der das Schweigen brach. „Es ist nicht anders," sagte er, „wir müssen uns mit dem Gedanken abfinden. Tie Ragobah-Spur war ein völliger Fehlgriff, obwohl uns — das können wir getrost zu unserer Rechtfertigung sagen — nichts anderes übrig blieb, als sie bis zu ihrem Ende zu verfolgen. Ich gestehe, ich bin noch niemals so enttäuscht gewesen wie über den völligen Fehlschlag unserer Berechnungen. Jedoch werde ich mit Fräulein Darrows Erlaubnis zun: ersten Ausgangspunkt zurückkehren und noch einmal von vorn ansangen." „Sie machen mich so sehr zu Ihrer Schuldnerin," versetzte Florence langsam, „daß ich die Rechnung niemals begleichen kann." „Es steht wohl fest, daß Ihnen eine Rechnung zur Begleichung nienmls zugeht," entgegnete er. Florences Wangen färbten sich, aber sie antwortete nur mit einem dankbaren Blick. „Sie sehen," fuhr Maitland fort, „:vas die Lösung unseres Geheimnisses so schwierig macht, ist die Tatsache, daß alle unsere Entdeckungen wohl von: größten Nutzen sein würden für die Ueberfiihrung des Mörders, daß sie aber ivertlos finb, so lange seine Person nicht bekannt ist. Da wir jetzt auch außer stände sind, einen Beweggrund für das Verbrechen zu finden, so sehen Sie, wie gering unsere Hoffnung auf Erfolg ist. ' Glückt es uns je, zufällig den Täter ausfindig zu machen — denn ich fühle, das hängt mehr vom Zufall, als von planmäßigem Vorgehen ab — so, denke ich, iverden wir ihn fctjoi: überführen können. Hier zum Beispiel," sagte er zu mir und hielt ein Stückchen Glas in die Höhe, das er nach seiner Angabe aus dem Ostfenster des Mord- zimmcrs geschnitten hatte, „hier ist etivas, das ich bisher weder Ihnen, noch. Fräulein Darrow gezeigt habe. Es kann uns zur .Aufspürung des Tä.tcrs .nicht das geringste helfen, aber, haben 446 D' Gtz eraus. (Original-Beitrag der „Gieß. Fam.-Bl"). I Sh dein Dorfe B.....an int ehemaligen hesfisch e u H i n t e r l a n d war beim Gabelhannes „Handschlag", ein Familienfest, bei dem in Anwesenheit einer Gerichtsperson die Ehepakten aufgesetzt git werden pflegten. In einem Protokoll wurde dabei festgelegt, was von beiden Teilen der Brautleute mit in „die Ehe eingewandt" wurde, voer tote wir heute sagen würden: was mt beiderseitigem Vermögen eingebracht wird. Nach Abschluß des Ehevertrags gab es eine echte Hinterländer Mahlzeit, Muckespeck und sauere Breuh (Brühe). Die Hauptsache aber, die dabei nie- I nrals fehlen durfte, war eine große Schüssel voll Branut- I wein, dem etwas Bienenhonig oder brauner Zucker bei- gemischt war mit eingeweichten Meck- und Weißbrotschnitten. /chüssel stand mitten auf dem Tisch, und mit hölzernen Löffeln wurden aus dem „seußeu Trunk" die Brocken gesucht. Tie ganze „Freundschaft" und auch die „gaure Noch- oern" waren gum Handschlag eingeladen. In dichten Reihen 1?:?L vil Tisch gruppiert, langten die Umsitzenden mit ihren Löffeln nach der Schüssel, und bald hatte jeder seine „Tröp- pelstraße", die sich wie ein Strahlenkranz auf der Tisch- platte abzeichnete. Je mehr gelöffelt wurde, umso lebhafter^ tarn die Unterhaltung in Fluß. Da sprach der eine von einem vorteilhaften Kuhhandel, der andere lobte seine Kinder, ein Dritter prahlte mit seinen dicken Kartoffeln, dw so drck und lang waren, daß man sie in Strohseile! bürden konnte. Oft gab es auch Gelegenheit zu allerlei Spöttereien, die endlich in Schimpfereien und Tätlichkeiten ausarteten. Wie dann aber gar der Eckleps den Stoffel- Hannes eine alte Sanfnase nannte, sprang dieser auf, erwischte den Schmäher an der Kehle und drückte ihn gegen dre Wand, bis sich das Gesicht dunkelrot färbte. In einem' ycu war die ganze Gesellschaft im Handgemenge. Wdiber, dre ftch ut den Streit einmischten, bekamen Rippenstöße! und Faustschläge, daß sie kreischend aus einer Ecke in die andere flüchten mußten. Durch die offene Stubentür wälzte sich der Knäuel in den Hausahrn und voit da in bett Hof. Ein wildes Ge- I gchörtcn selbstverständlich außer einem Onkel Tom, einem1 Marks enter kleinen Eva nsw. auch ztoei Bluthunde, und mif einen von dresttt hatte ich cs abgesehen. Gedacht, getan. Als ich zu der spaten Stunde an Burwells Tür pochte, stimmten Pompejus undi Casar em trefes Baßduett an, und Burtvell war in einer Minnte toxttjt. "vch sagte ihm, ich bmnchte zu Privatzwecken sofort einen »unb, und mein Freund gab mir den Cäfar mit. Dieser nahm! die Spur soglerch auf und folgte ihr stracks bis zum Wasser. Hier hob er feine dicke Schnauze in die Höhe und heulte ivie ergrimmt nber bfiy Aufhoren der Fährte. Der Mörder war aufs Wasser gegangen. Um zu sehen, ob er wieder ans Land gekommen sei, führte ich den Huno am Ufer auf und ab, fand aber nichts weiter von Interesse, als einen Erlenbusch, aus dem ein Stock geschnitten dem Verhalten des Hundes erkannte ich, daß der Mörder hier gewesen war, denn Cäsar nahm sofort eine neue iWte auf, dre nach dem Hause zurückführte. Mas ich auch austellre, ich konnte nichts weiter entdecken und brachte daher den Hund unverweilt seinem Herrn zurück. Zweifellos ist der Mörder auf einem Boot entkommen und hat den ausgeschnittenen Stock, die Bretter und überhaupt alles, was mit dem Verbrechen zusammenlKngt, mitgenommen. So viel ist klar, wir haben es mit feinem gemeinen Verbrecher zu tun, und ich wette, fasseit Iviv ihn je, so werden wir fehen, daß es ein Mann von ungewöhnlichen Geistesgaben ist. Aber," fügte er lächelnd mit einem -blick auf Florence hinzu, „ich habe als Detektiv bisher so wenig Positives ausgerichtet, daß ich fürchte, Fräulein Darrow wird wir den Abschied geben." Sie schüttelte den Kopf und sah ihn freundlich an. „Sie haben für mich getan, ivas ein Mensch nur zu tun vermag Unb was hat denn die Polizei ausgerichtet? Ich weiß nicht viel von den Fähigkeiten der Herren Osborne und Allen, aber Herr Gvddin steht doch im Rufe, einer der findigsten Detektivs in cinienfci zu fein. Urib )vüA Ijnt er in biefcnt Fall nu^geridjtet? ytein, idy verlasse mich nach wie vor auf Sie/' Maitland beugte sich nieder, um die Hand zu küssen, die Florence ihm reichte. Seine Augen leuchteten, als er den Kopf wieder hop. „Gut, ich werde versuchen, Ihrem Vertrauen Ehre zu machen. So lange Sie mit mir zufrieden sind, bin ich glückliche" (Fortsetzung folgt.) wir ihn je, so wird tvahrscheinlich das Beweismittel auf dem Glas genügen, um ihn dem Henker zu überliefern." Ich nahm das Glasstück aus seiner Hand, betrachtete es aufs genaueste und konnte nichts daran entdecken, als einen gelben Farbfleck. „Ja, ums Himiucls ivillen, Maitland," sagte ich cr- staniit, „was kann uns denn dieser formlose Fleck nützen, oder ist sonst noch etwas an deut Glas, das ich nicht sehe?" Er lachte über meinen Eifer und sagte: „Freilich ist nichts dran als der Farbfleck, var der Tod, der schloß ihn ein. Umsonst noch verzweiselte Gegenwehr. Es waren zu viele. Es half nichts mehr. Sie bringen ihn ein unter Hohn und Spott. Burgfriede gebrochen! Nun gnad' ihm Gott! Der Turm hoch über die Mauerwand Schaut weit hinaus ins üppige Land. Bon der Mauer herab Gefangner auch du Noch einen Blick in das Leben tu! Dann knarrt die Haspel, dir gähnt aus dem Schacht Des Burgverließes modrige Nacht. Drei ewige Wochen in Angst und Qual, Geschieden von Menschen und Sonnenstrahl. Es wird verhandelt am Burggericht Und Angst und Qual, sie reiten dich nicht. Wo du gefrevelt, an selbiger Stell', Da wirst tut gerichtet, du junger Gesell. Die Haspel knarrt, man zieht ihn empor, Aschfahl tritt er jetzt aus der Nacht hervor. Noch einen Blick in das sommrige Land, Dann rollt im Hose dein Kopf in den Sand. Dann klagt dein Herr utn den treuen Knecht. — Das Percat bekam dir schlecht! R. Strecker. Wie man. Gedichte lesen soll. Der Düxer-Bundes-Korr. entnehmen wir folgendes: Man glaube nicht, daß man Gedichte, die etwas zu sagen haben oder die eine Stimmung sind, nur einmal zu überlesen brauche. Das ist geradeso, als wenn ich flüchtig die schwarze Photographie eines farbenfrohen Gemäldes besehe. Nein, ich muß sie wieder und wieder lesen. Und in Stunden, in denen meine Seele zu ihnen gestimmt ist. In ein Gedicht heißt es sich hineinlesen. So lange mnß man eindringen über Stufen und durch Vorhänge schlüpfen, bis man endlich im Allerheiligsten steht, wo man die Dichtung wirklich verstehend genießt. Obwohl das eine Uebertreibung und unmöglich ist, denn dies Allerheiligste bleibt selbst dem Dichter nur eine Ahnung. Aber Mühe müssen wir uns darum geben. Denn uns erschauernd die Schönheit ahnen zu lassen wie er, dazu schrieb 'der Dichter sein Gedicht. Er schuf es nicht klar in dieser Absicht. Das Gedicht, das ein innerer Drang ihn schanen ließ, tief in seiner Seele, wurde ein anderes, als er es niederschrieb. Eine Sammlung von Worten, die er nicht mehr erkannte, wenn er die Augen schloß und ihr Urbild zu schauen versuchte. Darum sagt ein Dichter, Hanns Holzschuher: Meine besten Lieder hab' ich nicht gesungen, Meine besten Lieder sind in meiner Seele, Und so rein und klar, daß Worte nicht Ihnen Wesen geben können. 448 In den Worten liegt das innerste Wesen des Gedichtes! nicht, das euch der Dichter geben will. Sie sollen euch Führer sein zu seinem tiefsten Geheimnis. Das ist verborgen in ihm wie die Blüte in der Knospe. Sie müßt ihr aufblühen lassen in eurem Herzen. Der Dichter mit seinem Gedicht ist mir ivie ein Mensch, der eia kostbares Schmuckkästchen aus hellem Silber in seiner Hand hält. Künstlerische Zeichnungen sind darauf eingegraben, mit goldenen Zieraten ist es übersät. Viele drängen sich um ihn und bewundern laut das prächtige Gefäß. Einer aber ist unter ihnen, den treibt es, den Schatz zu erschauen, der solcher Bewahrung würdig. Lächelnd reicht ihm der Dichter das Kästlein. Es will ihm nicht leicht gelingen, das Geheimnis zu ergründen, wie es zu öffnen. Aber dem sinnenden Blick zeigt sich auf einmal wie durch Zufall die verborgene Feder. Der Deckel springt auf. Und nun leuchtet ihm auf matter Seide der herrliche Edelstein entgegen oder die köstliche Perle. Freut euch also an dem äußeren Geipande des Gedichtes, an seinen glanzvollen Bildern und an seinen tönenden Worten. Lest es euch laut vor oder hört es an von einer Stimme, die den Klang der tiefen Worte zu finden weiß Und die euch lieb und vertraut ist. Mer sucht die verborgene Feder zu finden, die euch das Geheimnis seiner letzten Schönheit — nicht erschließt, aber doch ahnen läßt. Nehmt es mit in eure Einsamkeit und in eure Träume. Die wachen Träume meine ich eurer Sehnsucht. Wenn euch aber nach lairten Tagen nicht die Einsamkeit lockt, und wenn ihr keine Sehnsucht und keine Träume habt, dann — lest keine Gedichte. Ihr würdet nur eure Zeit, eure kostbare Zeit wegwerfen. Ihr habt ja nie Zeit, wenn man euch. hört. V. S. Mehr. 2?mm siebtes. * E i n neues Spiel. Das Diabolo, das sich so schnell eingebürgert hat, hat einen Rivalen gefunden, denn aus London kommt die Künde von einem neuen Spiel, das den Namen „Netzball" führt. Es handelt sich hier um eine anmutige Abart des Diabolo, die die Vorzüge des altchinesischen Spiels beibehält, ohne dessen Nachteile, die Gefährlichkeit der in die Luft geschnellten Projektile, zu haben. An zwei Stäben, genau wie beim Diabolo, ist ein dehnbares Netz befestigt, das durch Anziehen der Stäbe den Ball in die Luft schleudert und beim Niederfallen wieder auffängt. Das Netz versieht dabei die Funktion einer Schleuder. * Auch eine Hosenrolle. In der Pariser Scala, einem Variotö, wird jetzt eine Sommerrevue aufgesührt, mit den üblichen mehr aus- als angezogenen Weiblichkeiten und den üblichen Anspielungen auf Tagesereignisse und besonders auf die Politik. Seit einigen Tagen ist in die Revue eine neue „Nummer" eingeschoben worden, die Fallisres' Reise nach London behandelt. Fallisres tritt in dieser Szene Hochselbst aus. Wer aber stellt ihn dar? Eine Dame; Fräulein Jeanne Bloch. Die Lavallitzre hat ja einmal in einer Revue Napoleon I. verkörpert. Warum soll Jeanne Bloch nicht Fallisres verkörpern? Das wird einer Dame schwer fallen, denkt man, denn Fallisres hat doch einen beträchtlichen Körperumfang; er kann nicht sehr ähnlich sein. . Im Gegenteil, er ist außerordentlich ähnlich. Man muß Üäinlich wissen, daß Jeanne Bloch einen noch weit größeren Umfang besitzt, als das gewichtige Staatsoberhaupt Frankreichs; das ist sogar ihre „Spezialität", und mit ihrer Dicke erzielt sie noch komischere Wirkungen, als mit der Unverfrorenheit, die gewagtesten Dinge als etwas Harmloses vorzutragen. Gerade harmlos sind auch die Witze nicht, die sie als Fallisres zu machen hat; aber der Hauptwitz ist doch der, daß eben Jeanne Bloch den Fallisres spielt! Wenn sich nur nicht die Polizei einmischt. * Was die Fran des Khedive gekostet hat. Der Khedive von Aegypten, der zurzeit in London zu Besuche weilt, besitzt keinen Harem wie etwa der Sultan. Allerdings gestattet ihm die mohammedanische Religion den Besitz von 4 Frauen; aber Abbas II. begnügt sich wie sein Vater mit einer einzigen. Seine Frau war ehemals eine zirkassische Sklavin und wurde wegen ihrer außerordentlichen Schönheit von der Mutter des Khediven einem türkischen Pascha für nicht ganz 1600 Mark äbgekaust. Der Khedive, der fünf entzückende Töchter und einen Sohn hat, soll seine Fran abgöttisch verehren. . chÜ Die kürzeste Art der Eheschließung finden wir Ist die Werbung des jungen Mannes dem Vater des .Mädchens genehm, so wird ein Zusammentreffen beider Familien vereinbart. Nach einigen Präliminarien drücken Braut und Bräutigam sich gegenseitig ein viereckiges Stück Butter ans die Stirn. Von diesem Augenblick ist das derart dekorierte Paar Mann und Weib. — Wer die älteste Tochter ehelicht, bekommt zugleich all ihre Schwestern mit in den Kauf; heiratet er die zweite, so wird er zugleich der Gatte auch der jüngeren Schwestern. Humoristisches. Ider Rechenstunde. Die Lehrerin fand' einige Schwrerigkelt, den Kindern die Subtraktion klar zu machen und wählte daher ein praktisches Verspiel. „Nehmt einmal an," sprach sie, „rch hätte zehn Dollars und ging in einen Laden, um mir ettvas dafür zu kaufen. Zuerst kaufte ich mir einen Hut für fünf Dollar. Dann gäbe rch zwei Dollar für Handschuhe aus und einen Dollar und fünfzig Cents für andere Dinge. Wieviel wurde ich dann nachbehalten haben?" — Einen Augenblick herrschte tiefste Stille. Dann fuhr die Hand eines Küaben in die Höhe.' „Nun, Tommy, rmeviel würde ich nachbehalten haben?" —! " haben Sre ^hr Geld nicht nachgezählt?" sagte Tommy entrüsteten Tones. 'Auf der Reise. „Was kostet's, wenn Sie den Koffer zum Bahnhof bringen?" 11 „Eine Mark." /»Fünfzig Pfennige ist auch genug." „Na lassen Sie 'n doch da stehn. Bis es Nacht ist, da trägt ihn einer ganz umsonst weg." Gesmrdhcitspslege. — Eine wichtige Maßregel ist: „Nicht essen, weiili man erschöpft, ermüdet oder aufgeregt ist'" Die warme Sommerzeit ermattet ohnehin; arbeitet man nun im Garten oder sonstwo, huldigt mau Spiel oder Sport, unter- nimmtinan Kahnfahrten, Radtouren, Fußmärsche usw., so werden auch die Verdauungsapparate ermüdet und unfähig, sogleich an eine starke Arbeit. heranzugehen, wie dies das sofortige Zusich- üehmen von Speisen, selbst den leichtverdaulichsten, erfordern wurde Man gönne sich bei der ungeheuren Wichtigkeit einer- gesunden Magentatigkeit stets erst eine genügende Zeit Erholung und Ruhe, stelle so die normalen Kräfte her und genieße auch dann noch Speise und Trank mit Bedacht. Direkt schädlich ist sofortiges Trinken kalter Getränke bei großer Erschöpfung. Ist der Durst sehr groß, so trinke man nur schluckweise, dadurch werden die Getränke rm Munde vorgewärmt und zugleich die Mund- schleunhaut erfrischt. Das Löschen des Durstes hängt nicht etwa von der Quantität der Getränke ab, sondern-von der Art, wie man ihn loscht : langsam, vorsichtig, schluckweise! Je mehr man trinkt, desto mehr schwitzt nian nnd bekommt dann neuen und größeren Albumblätter. V o r s r e n d e. Vorfreude ist das Morgenrot Vor der des Dunkels Schatten ivcicht. Vorfreude ist des Glückes Lenz, Den uns die erste Rose reicht. A. Ammann. * Die Freundschaft ist die heiligste der Gaben; Nichts Heiliger's könnt' uns ein Gott verleih'». Sie würzt die Freud' und mildert jede Pein. Und einen Freund kann jeder haben, Der selbst versteht, ein Freund zu sein. * Halt aus im Leid — Halt ein im Genuß. Rätsel. Des Wortes erstes Zeichen Mußt tausthen du dreimal um, Dann springen vier Gebilde Jin Kopfe dir herum. Ein jedes mit vier Zeichen Einsilbig ist gebarit. Bedrohlich blickt das erste Und ruft mit Hellem Laut. Das zivcite, des Feldes Zierde, Ein wogend stolzes Heer, Gesucht von Handelsleiiten, Geht über Land iind Meer. Im Berg und Tale das dritte Wohnt, ein gar froher Gesell, Hört nicht au! mit feinem Geplauder Und schaut dich an so hell. Das vierte aber scheue I Nie gibt es guten Rat, Und folgst du seinem Rufe, Reut meist dich deine Tat. A. A m in a n n. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Paradie §-d) e n. Redaktion: P. W itlko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch^ und Steindruckeret, R. Lange, Gießen.