Donnerstag den P. Juni 1908 W m *>-J1 pfimfr Ml Mß I l W ■ Wirket, so lange es Tag ist. Koman von Maximilian Böttcher. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Heinz saß vornübergebeugt, schwieg und atmete schwer unter dem Truck inneren Kampfes. Nach geraumer Weile strich er sich über Stirn und Augen, blickte seinen jungen Freund fest an und entgegnete: „Ich muß Ihnen dasselbe antworten, Werner, was Ihnen Ihr Vater geantwortet hat: Es handelt sich hier um Tinge, die Sie nicht begreifen, weil Sie noch zu jung sind, um in Menschenseelen lesen zu können. Und übet das, was mich bewegt, offen zu Ihnen reden, kann ich nicht." „O ... ich weiß wohl, was Sie bewegt," wandte der Jüngling eifrig ein; „Sie mißtrauen Isabella. Sie denken, Isabellas Temperament Paßt nicht zu Ihrem Charakter. Wenn Sie wüßten, wie Isabella sich geändert hat." Heinz, der aufgestanden tvar, schüttelte den Kvpf. „Glauben Sie denn nicht daran," fuhr Werner mit steigender Erregung fort, „daß ein großes Leid, ein Schmerz, der die Seele durch und durch rüttelt, einen Menschen von Grund auf umgestalten kann?" ( Heinz zuckte die Achseln. „Es kommt auf den Menschen an." Er nahm Werners Hand. „Glauben Sie mir doch, daß es' mir weh tut, Ihre Schtvester leiden zu wissen. Aber dieses Leid tvird sie über» winden, während sie....." „Und wenn sie es nicht überwindet, wenn sie für immer unglücklich bleibt?" fiel ihm Werner ins Wort. „Ein verfehltes Leben .... das ist doch nicht io leicht-" Seine Lippen zuckten, in seinen Augen stand Verzweiflung. Heinz Vollrath sah ihn erschreckt an. Tie Blasse auf seinem Antlitz vertiefte sich noch um einen Schatten. „Ich verstehe Sie in der Tat nicht; ich werde irre an Ihnen," fuhr Werner fast zornigen Tones fort. „Durch all Ihr Reden und Handeln sonst zieht sich der Gedanke: ,Alles begreifen heißt alles verzeihen.' Nur hier . . . -" Er brach ab, trat, wie wenn Trotz ihn gepackt hätte, aus Fenster und nahm seinen' Hut. „Leben Sie wohl," stieß vt hervor, und stürmte, ehe Heinz erwidern konnte, aus dem Zimmer. „Unsinn," dachte Heinz Vollrath. „Werner hat übertrieben. Isabella ist keine von denen, die unüberwindlich lieben, die von dein Schmerz des Entsagens unheilbar tief getroffen werden. Woran ihr Herz krankt, ist gewiß hauptsächlich verletzte Eitelkeit . . . ." Als er sie aber am Sonntag darauf in der Kirche sah — . mit keinem Gedanken hatte er sich auf ihr Kommen gefaßt gemacht —, wollte seine Hoffnung 'n Nichts zerstieben. Nein . . . - Werner hatte ivohl doch nicht übertrieben .... Wie zart und mager w aussah in dem schwarzen Seidenkleid, das sie trug, wie blaß ihre schmalen Wangen tvaren, und ein wie tiefer Zag des Grames nm ihren Mund lag. Mitleid überflutete Vollraths Herz, und seine Gewissenhaftigkeit fuhr wie ein Schwert durch seine Seele. Ihm war, als lähmte ihn Isabellas Anblick. Tie Angst stieg in'ihm auf, er würde nicht predigen können unter denr anklagenden Blick der schmerzvoll flehenden Augen, die an seinem Antlitz hingen. Krampfhaft bemühte er sich, an der Friedheimschen £>ge vorbeizusehen; aber immer wieder zwangen die dunklen, brennenden Augen seinen Blick zu sich zurück. Und nur mit Mühe brachte er seine Predigt zu Ende. Ten Nachmittag über lief er umher, und die Nacht wälzte er sich wie im Fieber auf seinem Lager. Mußte er zu Isabella zurück, müßte er Martha entsagen? . . In der Frühe des nächsten Morgens kam Zanga und brachte ihm ein schmales', dünnes Paket. „Muß ich machen, daß ich wieder fortzueilen," sagte der Schwarze. „Soll wissen niemand, daß ich gehe beim .Herrn Pastohr. Gnädiges Fräulein, ivas mich schickt, krank, von Nerven, int Bett. Großer Medizinmann aus Berlin kommt noch heute mit Tepesche." Als der Bursche gegangen tvar, öffnete Heinz das Paketchen. Ein Buch, dessen Blätter aus Clfenbeinpapier nur zum Teil beschrieben waren, lag darin. Auf dein ersten Blatt stand: „Reisetagebuch. Angefangen Ostende den 3 ten August 1900." Heinz überflog einige Seiten. Nur von Isabellas Liebe zu ihnt tvar da zu lesen, einen Tag wie den andern: Selbstanklage, Zorn- ausbruch, Verzweiflung, Leidenschaft und Hoffnung wechselten ab. Auf der letzten Seite stand, iit tmsicherer Handschrift mit Bleistift geschrieben: „Nicht länger traute um mich, als der Ton Ter Glocke, die mein Sterben kündet, schallt, Ter Welt zu sagen, daß mein Geist entflohit, lind daß bei Würmern nun mein Aufenthalt. Ja, siehst du diese Zeilen, denk' nicht mein, Tie sie geschrieben; denn so lieb' ich dich: Eh'r möcht ich ganz von dir vergessen sein, Als denken, daß du dich betrübst um mich. Wenn einst dein Blick noch fällt auf dies Gedicht, Nachdem mein Leib dem Staub zuräckgegeben. So wiederhol' selbst meinen Namen nicht. Laß deine Liebe enden ivie mein Leben. Sonst sucht die kluge Welt der Tränen ©ittn Und höhnt dich um mich, trenn ich nicht mehr bin. Isabella." Heinz legte das Buch aus detr Schreibtisch und durchmaß das Zimmer mit erregten Schritten. Schwer lag es ihm auf der Brust. Warum sandte ihm Isabella dieses Gedicht, das wie das Vermächtnis einer Verstorbenen anmutete, und dessen selbstlos-altruistischer Ton doch im Widerspruch' stand zu dem Egoismus, der sonst Art und Wesen ihres Charakters äusgemacht hatte? Nun und nimmermehr konnte sie sich doch so geändert haben, daß der Inhalt dieser Verse, die sie, toer iveiß, tvann und wo, einmal gelesen haben mochte, nrt der Sprache ihrer Seele sich im Einklang befand. 374 Oder hoch? Wußte er, tys die Wahrheit aufhörte, die Löge anfing bei Isabella? Kviinte er ihr Fühlen und Denken sehen, greisen, betasten, sondieren? Hatte er, dem Kopf und Herz immer übervoll gewesen von Berufsinteressen, jemals die Frauen studiert? War er nicht bis zu seiner Begegnung mit Isabella in der Liebe ein Neuling gewesen? Doch die Gewißheit hatte das vor seinem Augen sich stetig abrollende Kaleidoskop deS Lebens ihm gegeben, daß die' Erkenntnismerkmale der stille», reinen, selbstlosen Liebe der Seele und der wilden, lodernden, selbstsüchtigen Sinnenleidenschaft in ihren Abgrenzungen unklar, in ihren Unterscheidungen vielfach verwischt waren, und daß schwache, verweichlichte Naturen aus unglücklicher Liebe ebenso ost wie aus unbefriedigter Leidenschaft ihrem Dasein mit eigener Hand ein Ziel gesetzt haben .... Und wenn Isabella das Gedicht nicht nur geschrieben hatte, um ihn auf jede Art an's Herr zu greifen, wenn sie ..... Nein . . . er durfte den Gedanken nicht zu Ende denken. Ter Alp auf seiner Brust würbe schwerer. ,Du hast Isabellas Leben an das deine gekettet, nun füge dich. Und wenn da auch gewiß bist, daß d» kein Glück an ihrer Seite finden wirst, tu' deine Pflicht, folge der Stimme deines Gewissens, suche sie wenigstens glücklich zu machen!' Gegen Mittag ging er aufs Schloß und hielt beim Kommerzienrat um Isabellas Hand an, die ihm freudig gewahrt wurde, - 18. Kapitel. In dem Kampf, den Isabella nur Heinz Vollraths Besitz gekämpft, halte sie oft selbst nicht gewußt: liebte sie ihn denn überhaupt noch, oder haßte sie ihn? War sie nicht verächtlich, wenn sie ihn noch liebte? Mußte sie ihn nicht hassen, weil er ihren Bersöhnungsbrief ablehnend beantwortet hatte? Nur das eine stand fest bei ihr: Alles mußt du aufbieteu, feilt Mittel darfst du unversucht lassen, um ihn noch einmal zu dir zurückzulocken. Und wenn es gelang? .... Es gab Stunden, in denen es in ihr schrie: Wenn du ihn wieder in deinen Bannkreis gezwungen hast, wenn er kommt, dir noch einmal von Liebe zu sprechen, dann wirst du ihm ins Gesicht lachen, ihm antworten: ,Jch leiste dankend Verzicht. Ich wollte nichts, als Sie demütigen . . . Ter Mohr hat seine Schuldigkeit getan — der Mohr kann gehen. . . . Ich habe meinen Zweck erreicht, habe für die mir angetane Schmach Rache genommen.' Aber diesen Stünden wilden Anfbänmcns ihrer rief getroffenen Eitelkeit waren oft Stunden gefolgt, in denen die Sehnsucht nach Heinz über ihr zusammengeschlagen war wie eine lodernde Flamme, Stunden, in denen das Verlangen sie verzehrte, sich satt zu trinken an dieses Mannes Küssen, sich festzusaugen an seinen Lippen, ihm die Seele aus der Brust zu trinken mit ihren Küssen. Und nun, da sie ihr Ziel erreicht hatte, da Heinz Vollrath der ihre war, da sie sich dehnen und sonnen konnte im Triumph- gesühl seines Besitzes, kam es wie ein Siegesrausch über sie. Mit aller Glut ihres nach Zärtlichkeit dürstenden Herzens hängte sie sich an den Geliebten, und wenn ihr Stolz sich einmal aus- vecken wollte, angestachelt vom Gedanken an die alte Kränkung, so brachte sie ihn dadurch zur Ruhe, daß sie sich sagte: ,Tes Siegers schönste Tugend ist mildherziges Verzeihen!' .... Nachdem zwei Wochen ins Land gegangen waren, Wochen, an deren jedem Tage sie ihres Bräutigams Hände halten, ihren Kvps an seine Brust legen konnte', blühten ihre Wangen so rot wie nie zuvor. Heinz Vollrath aber empfand es wieder einwal deutlich, daß das Bewußtsein, einen anderen glücklich zu machen, eine warme Welle von Glück ausgießt auch über das eigene Herz. Nicht nur Isabella, nein, auch Friedheim und Werner brachten ihm so viel aufrichtige, gütevolle Herzlichkeit entgegen. So selbstverständlich es gewesen war, daß Freiherr von Banue- mann, der erst auf allerlei Umwegen von Ostende zurückgekehrt war, eine der ersten zur Versendung gelangenden Berlobungs- anzeigen erhielt, so sehr setzte es in Erstaunen, daß er, der zweimal abgewiesene Freier, sich nicht ans die schriftliche Gratulation beschränkte, sondern eines stürmischen Oktobertagcs selbst anss Schloß gefahren kam, mit einem aus Berlin verschriebenen Bukett Rosen ausgerüstet. Er traf es gut: Friedheim, Isabella, Heinz und Werner waren alle vier im Salon versammelt, ihn zu empfangen. An den Herren ging er zunächst mit einer Verbeugung vorüber, um mit zwei weitausgreifenden Schritten seiner Bohnenstaugenbeine vor Isabella hinzustelzen, deren Hand zu küssen und mit gefühlvoller Betonung zu sagen: „Es war mir Herzensbedürfnis, Ihnen,, gnädiges Fräulein, »teilte aufrichtigen Wünsche persönlich zu Füßen zu legen. Möge Ihr Gluck so schön und reich blühen wie diese Rosen . . . und auch wieder nicht wie diese Rosen, die leider allzu rasch verwelken werden, — sondern unverwelklich und frisch bis ins späteste Greisenalter." „Na .... nur kein z u spätes Greisenalter," lachte Isabella und so den Dust des Buketts ein. „Am schönsten denke ichs mir, von der Weltbühne abzutreten, wenn der Sommer des Lebens sich neigen will. Ein paar schöne Herbsttage allenfalls noch mitnehmen; aber nur kein Winter mit weißem Haar und Frost im Herzen." „O . . . ." versetzte Bannemann und küßte Isabella noch einmal die Hand, „ein jedes Lebensalter, auch das winterliche, hat seine Freuden. Fragen Sie nur Ihren Herrn Papa!" „Ich fühle mich aber durchaus noch im Frühherbst!" warf der Kommerzienrat mit lebhaften Protest ein. „Gewiß, gewiß," gab ihm Bannemann nicht eben geistreich Recht; „es kommt immer nur darauf an, wie man sich fühlt." Er verbeugte sich vor ihm. „Auch Ihnen meine herzlichste Gratulation, Herr Kommerzienrat." Danach trat er zn Heinz und bot ihm mit verbindlichem; Lächeln die Hand. „Ich denke, Herr Pastor, wir begraben die Streitaxt zwischen! uns. Es war ja schließlich nichts Persönliches, sondern nur ein' ganz allgemeines Anderer-Meinnng-Sein, was trennend zwischen uns stand." „Judas Jschariot!" flüsterte Werner seinem Vater ins Ohr, Heinz dachte Aehnliches; es kostete ihm Ueberwiudung, in' Rücksicht auf die Gastfreundschaft, Bannemanns Händedruck zu erwidern und ein „Gewiß, gewitz, Herr Forstmeister" über die Lippen zu bringen. — Auf Vollraths Wunsch sah Friedheim von der Veranstaltung! einer offiziellen Verlobungsfeier ab, obgleich Isabella darauf brannte, all ihren Bekannten vor Augen zn führen, was für einen Bräutigam sie hätte, und wie über die Maßen glücklich sie sich an seiner Seite suhle. Tamil sie aber doch ans ihre Kosten käme, gab der Kommerzienrat gelegentlich seines ans den letzten Oktober fallenden! sechzigsten Geburtstages ein Tiner zu hundert Gedecken. Und er hatte die Genugtuung, daß sehr viele von den Gasten, die er wertschätzte, besonders ältere Herren und Damen, $n ihm herau- traten, ihm die Hand drückten und anerkennend sagten: „Ein außerordentlich sympathischer Herr, Ihr zukünftiger Schwiegersohn. Und wie man hört, ein hervorragender Kauzel- rebner und aufopfernber Seelsorger." — „Ter Mann wird seinen! Weg machen. Wie rührend besorgt er um Isabella ist, und wie Isabella vor Glück strahlt. Nie habe ich sie so blühend gesund und frisch gesehen. Es ist ordentlich eine Herzerhebung/ wieder einmal eine Liebesheirat mitzuerleben. Man dachte, sh etwas gab cs gar nicht mehr in unseren Tagen." Natürlich wurden auch Stimmen laut, welche die Verbindung zwischen diesem armen Hilfs'prediger und der zukünftigen! Erbin vieler Millionen als eine Mesalliance bezeichneten. Aber der junge Graf Voß, der — wenn auch Leutnant bei den Garde- Ulanen — „bedenklich am Ausklärungskoller litt" •— wie sein! Vater das nannte —, beschwichtigte: „Meine Herren .... g.hen wir doch jeder ein Stück in unserer Ahnenreihe zurück, der eine mehr, der andere weniger, und wir werden finden, daß ünstr Stammbaum in nicht'besserem! Boden wurzelt, wie der des vielbeneideten Bräutigams. Und was die Vollraths betrifft, ,o sind sie Bauern seit nachweislich vier Jahrhunderten. Daß der Vater des Bräutigams erst als fünfter Sohn ।einer. Eltern auf dl; Welt kam, und hernach noch das böse Pech hatte, im Krieg .- 1870 kaput geschossen zu werden, so daß er sich mit einem Kramladen durchs Leben schlagen mußte, das wollen wir ihm doch wohl nicht zur Unehre anrechnen. Wäre er nicht ein gediegener, zuverlässiger Mann gewesen, der auch unter, den Haaren tüchtig was los hatte, dann hätten ihn die Fichtenwälder schwerlich zu ihrem Gemeindevorsteher gewählt und ihnt noch alle sonstigen Aemter aufgehalst, zu deren Verwaltung Gehirnmasse gehört." t (Fortsetzung folgt.) Dar ZugeMpiel. Eine Anregung zur Errichtung von Spielplätzen in Gießen. Von einem Gießener Le h r c r. A Ein Licht-Luftbad wird in aller Wrze die gesuudheitsördern- • den Anstalten Gießens um eine neue vermehren. Die stärkende und abhärtende Wirkung der Luft- und Sonnenbäder wird maucheut Bewohner unserer Stadt neue Kräfte zu ausgiebigerer Arbeit in seinem Berufe zuführeu. Wird, da nicht bei vielen auch der Gedanke rege: ■ / Wie kann man unsere Jugend durch vermehrten! Aufcnb-i 375 hast in Sonnenlicht und frischer Lust körperlich und geistig kräftigen ? In dankenswertester! Weise haben Verlag und Redaktion des Gießener Anzeigers vor kurzer Zeit durch Verteilung von Spielgeväten, durch Mitteilung von Spielregeln (Barkauf) an das Spielbedürfnis unserer Kinder erinnert. Aber alle Anregungen dieser Art fallen auf unfruchtbaren Hoden, so' lange nicht auch ein Spielplatz da ist, auf dem^man wpielgemte benutzen und nach Spielregeln spielen kann. , In den svlgenden Ausführungen sei daher kurz die Notwendigkeit des sopreles zur Ausbildung von Körper und Geist und damit zusammenhängend die Notwendigkeit der Beschaffung von Spielplätzen dargetan: Es ist eine bekannte Tatsache, daß hinsichtlich der verbreitetsten Bolkskrankheit, der Schwindsucht, die städtischen Bevölkcrungs- kreise weit mehr gefährdet sind als die ländlichen. Trotz aller sanitären Maßregeln: rascheste Entfernung aller Abfallstosse, Entwässerung des Untergrundes, Zuleitung guten Trinkwassers, Ueber- wachung des Verkehrs mit Nahrungsmitteln usw. usw., Maß- rcgeln, die die Städte in gesundheitlicher Beziehung' dem Lande weit vorauseilen lassen sollten, geht es hierin doch nicht so flott vorwärts, wie es sollte. Wieviel Blutarme weist wohl unser Gießen auf? Wie groß ist die Zahl der nervösen und übernervösen Kinder? Wie viele von unseren körperlich und geistig schwach- bcanlagten Jungen und Mädchen werden mit aller Gewalt durch eine höhere Schule gepreßt solange, bis endlich der Mechanismus des Körpers oder der des Geistes oder der beider versagt? Welche Erholung winkt unfern Kindern, wenn sie die tägliche Arbeit hinter sich haben? Die Straße, die Gasse — und bei den meisten: nur die Straße, die Gasse. Und auch da ist der Spielraum so winzig. „Mutter, ich will Dobch tanzen lassen?" „Ja, aber nur auf dem Trottoir, auf der Straße selbst ist's zu gefährlich." „Dann kann ich gleich hierbleibcu, denn da jagen einen die Schutzleute doch alle Augenblick fort." Eine ähnliche Erörterung wird im Winter die Frage jiädj einet kleinen Handschlittenexpedition Hervorrufen. Ueberall Hemmung, nirgends Freiheit in der Betätigung des Spieltriebs. Wie soll sich da. der Körper und Geist entwickeln können, wenn iede Regung eines selbständigen Wesens, Ivie sie das Kind im Spiel zeigt und wie es sie ausbilden muß zur Erzielung eines Charakters, im Keime erstickt wird? Schon der alte Goethe klagte, daß die Jugend zu sehr eingeengt würde. In seinen Gesprächen mit Eckermann lasen wir da neulich: „Ich brauche in unserem lieben Weimar nur aus dem Fenster hinauszusehen, um gewahr zu werden, wie es bei uns steht. Als neulich der Schnee lag, und meine Nachbarskinder ihre kleinen Schlitten auf der Straße probieren wollten, sogleich war em Polizeidiener nahe, und ich sah die atmen Dingerchen fliehen, so schnell sie konnten. Jetzt, wie die Frühlingssonne ste aus den Häusern lockt, und sie mit ihresgleichen vor ihren Türen gern ein Spielchen machen, sehe ich sic immer geniert, als waren sic nicht sicher, und als fürchteten sie das Herannahen irgend eines polizeilichen Machthabers. Es darf kein Mibe mit der Peitsche knallen oder singen oder rufen, sogleich ist die Polizei ^da, es ihm zu verbieten. Es geht bei uns alles dahin, die liebe äugend frühzeitig zahm zu machen, und alle Natur, alle Originalität und alle Wildheit auszutreiben, so daß am Ende nichts.übrig bleibt als der Philister." Und diese Worte sprach der 79 jährige Goethe, er sprach sie in einem Alter, da andere Menschen über die zunehmende Roheit, Pietätlosigkeit und Zuchtlosigkeit des Heranwachsenden Geschlechts zu eifern pflegen. Wie würde er wohl heute urteilen, wenn er Gießens Kinder, ihr Tun und Treiben beobachten könnte? Würde er nicht, wenn wir ihm alle Errmigenschasten unserer Kultur seit 80 Jahren aufzählen würden, fragen: Und wo und wie bildet sich die Fügend weiter? Ja, die Jugend! Zur Hebung der Pferdezucht zur Erzielung einer Pferdejugend, die kräftige Küvchen und gesunde Lungen aufweist, hat man Fohlenweiden eingerichtet. In ähu- lichem Sinne wie Vie Pferdezuchtvereine arbeiten die Gesellschaften zur Verbesserung unserer R i n d v i e h s ch l ä g c. Und in der Z i e - g e n z u ch t hat Gießen vielen Orten den Rang abgelaufen. Em prächtiger Tummelplatz in staubfreier Lust ermöglicht den jungen Geistchen beiderlei Geschlechts einen Sommeraufenthalt, Ivie wir ihn für unsere Kinder in ihren Freistunden nicht schöner wün,cheit könnend Doch für diese ist nach der Schulzeit ja ine Gasse da, da können sic sich tnnnnelu nach Herzenslust, soweit es die vielen Wagen, die Passanten und die Polizei gestatten. Nun liegt cs uns .vollständig fern, unseren Aufsichtsbehörden irgend welchen Vorwurf machen zu wollen. Sie hnt nicht mehr und nicht minder, als sie bei den heutigen Verkehrsvcrhaltmssett tun müssen. Vielleicht ist die Ursache davon, daß sich dem Spicl- trieb unserer Kinder so viel Hemmnisse entgegenstellen, m dem raschen Wachstum unserer Stadt zu suchen. Alle freien Platze innerhalb der Stadt und in deren nächsten Hingebung werden verbaut und so müssen denn gar viele Buben unb Mädchen heute noch viel mehr als früher ihre Freistunden in «midgafte, Muhlgasse usw. verbringen. Wo bleibt ein Spielplatz, Ivo bleiben Spielplätze für unsere Jungen und Mädels? Spielplätze, möglichst nahe gelegen, staubfrei, mit einigen schattigen Partien, groß genug, um auch mehreren Spielgruppen Platz zu bieten, wo sind sie? „Der Trieb ist ja den Kindern sreigcgeben, da können sie nch tummeln nach Herzenslust," sagte uns neulich ein Herr, mit dem wir die Frage iiach einem oder mehreren Kinderspielplätzen erörterten. — Richtig, der Trieb ist da und als Spielplatz fast ideal zu nennen, wenn — man dort ist. Man glaube doch nicht, daß die Kinder der Innenstadt erst einen Weg von s/z bis % Stunden machen werden, um auf den Spielplatz zu komuien. Die zum Spielen verfügbare Zeit geht ja bei manchem Kinde durch Hin- und Rückmarsch verloren. Mit diesem Platze ist also der Masse nicht gedient. Im Ostend, Nordend, Westeud und Südend mußten Plätze vorhanden sein, die den Kindertt ermöglichten (Feierabends und an Sonmagnachmittagen wohl auch dm Kindern über 14 Jahren) ihre Knochen zu kräftigen, ihre Muskeln zu stählen, ihre Lungen zu stärken. ______ „ Darum auf, ihr Bürger, die ihr mehr als 400 000 Mark iir ein Theater gespendet habt, vielleicht findet ihr auch noch Geldrestchen für die Zukunft unseres Volkes, für die Jugend, sorgt für Spielplätze, und die Jugend, die gesunde Jugend wird euch dereinst danken für das, was ihr für sie getan habt. Aber sorgt: bald, denn blasser werden die Rosen, die auf eurer Kinder Wangen: blühen — sollten, von Jahr zu Jähr. Geht an die Schulhöfe während der Schulpausen, und ihr werdet bald finden, wer erst kürzlich vom Lande hereinkam. Braune Haut, rote Wangen, blankes, gesundes Feuer in den Augen, ihr werdet alle drei Eigenschaften gesunder Kinder an vielen, vielleicht an sehr vielen, vermissen. Schulärzte, Heilkurse, Ferienkolonien usw., sie können wohl hier und da helfend einspringen, aber die Masse, die Masse geht langsam, aber stetig körperlich und damit seelisch zurück. Per boten wird unserer heutigen Jugend alles Mögliche, aber Ersatz für die Hemmnisse im Tätigkeitsbetrieb wird nicht g e boten. Und dieser Tätigkeiistrieb muß erhalten bleiben, muß gekräftigt und gefördert werden schon im ureigensten Interesse der Volks-, gesundheit. Sv sprach am 18. Februar d. Js. der Abgeordnete von Schenckendovff im Preußischen Abgeordnetenhause: „Jugendspiele und besondere Leibesübungen in frischer, freier Luft müssen in den Schulen obligatorisch eingeführt werden Diese Spielpflicht ist doppelt nötig angesichts der gesundheitlichen Schä- digungen, die der heutige 'Schulunterricht bei so vielen Kindern' zeitigt. Die Fürsorge für die Jugend dient der Erhaltung der Volksgesundheit, der wirtschaftlichen Bolkskraft und der nationalen Wehrkraft." Kulturminister Holle erklärte unter anderem hierzu: „AuA dem Schulspiel, dem Schulturnen muß allmählich das Volksspiek, das Bvlksturnen werden. Ich werde deshalb solche Schulleiter, die der Ansicht sind, daß obligatorische Spielnachmittage nötig sind, solche einführen lassen, und nach ein paar Jahren über die Erfolge benchren lassen." Der Minister ist dann weiter iwch der Ansicht, daß die Pflege körperlicher Hebungen eines der besten Mittel sei, die Jugend vor sittlichen Gefahren zu bewahren. Der Antrag v. Schenckendorffs wird einstimmig angenommen. Die geistig höherstehenden Städte, zu denen sich doch auch unser Gießen rechnet, sind stolz, auf ihre guten Schulen, cs sollte ihren Bürgern aber auch Herzensangelegenheit sein, ein ebenso gutes Jugendspielleben aufweisen zu können und zwar' ein Spiel- iebeu, das in alle Kreise der Bevölkerung eingreift. Und was der Riesenstadt London möglich war, nämlich trotz der Enge der für Bauten verfügbaren Räume Spielplätze für, die Jugend zu erhalten bczw. neu zu schaffen, das sollte auch Gießen mit feinem in nächster Nähe der Stadt befindlichen, zu , gedachtem Zweck etwa verfügbaren Gelände nicht unmöglich sein. Auch Gießen sollte und müßte Spielplätze schaffen und den zukünftigen Geschlechtern sichern. Vorhin schon wurde erwähnt, daß unseren Kindern .soviel verboten, aber so wenig geboten wird für ihren Drang, sich zu betätigen. Ganz eindämmen läßt sich ja diese Lust zum Schaffen nicht, Gott sei Dank! Aber wie oft wird am verkehrten Platz mit schlechten Mitteln zu schlechtem Zweck das von den Kindern, getan, was zu rechter Zeit in gesunde Bahnen gelenkt gesunde Ziele erreichen ließen, und hierzu würden Jugendspiele nur förderlich wirken. Darum ist es notwendig, daß sich Eltern und Gemeinde, Schule und Kirche der Jugend in ihren Freistunden mehr annehmen. Alle Versorger der Kinder sollten ihren Pfleglingen weitestgehende nützliche Anwendung und Hebung ihrer körperlich und geistig werdenden Kräfte möglich machen. Vielleicht wird dann noch manches sittlich gefährdete Kind durch Führung in gcftindere Lebensbedingungen vor den: sonst sicheren Fall bewahrt. Sorge deshalb jeder an seinem Teile dafür, daß Goethes Wort, wir müssen iLipnochmals! zitieren (s. n. S.), mit seiner bitteren Watrheit nicht zil spät nn unsere Herzen Pocht unb uns an klage, durch Lauheit und Lässigkeit mit Schuld zu tragen an so manchem! verkommenen Wesen, dem vielleicht nur die richtige Führung fehlte zunr Leben, jum wahren, guten Leben in körperlicher, geistiger und sittlicher Frische und Reinheit: ,,Jhr Khrt ins Leben uns hinein, ihr laßt den 9(rmett schuldig werden, dann überlaßt ihr ihn der Pein: denn alle Schuld rächt sich ans Erden." , Goethe. In wenigen Wochen feiert Gießen wieder sein Jugendfest. Da zieht dann alles, was Beine hat, hinaus in den Wald, um sich Zu erfreuen an Jugendspiel und Jugendlust. Wer sie dann ball- spielen, Wettlaufen, springen, klettern, turnen sieht, unsere Knaben und Mädchen, unsere Hoffnungen, unsere Zukunft, wer sich freut an ihrer Daseinsfreude, wer mit einstimmt in ihren Jubel, der unterstütze und fördere das Jugendspiel auch zu anderen Zeiten aufs beste. Anmerkung der Redaktion: Wir begrüßen es mit Freuden, daß unsere Bestrebungen bezüglich Förderung und Neubelebung des Spiels unter der Heranwachsenden Jugend zu obigen sehr beherzigenswerten Auslassungen den Anstoß gegeben haben. Es wäre wünschenswert, ivenn private Kreise, vielleicht auch der Bü r g er v er e in, durch Vorträge und Aussprachen sich anregend und die Stadtverordneten- Versammlung sich beschließend mit der Materie befaßten. Wir haben zwar den Trieb, Oswalds Garten und auch Kinderspielplätze in den Anlagen, aber die schönen Gärten, die früher die innere Stadt umgaben, von denen die meisten Bürger einen besaßen, sind verschwunden, für die Vergrößerung der Stadt benutzt, T. der 'Grundstücksspekulation anheimgefallen. Die Preise für die Bauplätze sind in die Höhe getrieben, so daß wir Anstatt einer Villenstadt eine solche mit sehr engen Straßen, fast keinen Plätzen und sehr wenig Hausgärten haben. Vor den Toren der Stadt sollte eigentlich überhaupt jedes Wohnhaus von einem Garten umgeben fein. Die Stadt hätte früher das ganze Gelände vor den Toren erwerben und ein entsprechendes Baustatut einführen sollen, dann wäre die Anlage von breiten Straßen in der Art der einzig dastehenden Gartenstraße, größeren Plätzen, einer Gartenstadt überhaupt, möglich gewesen. Wenn dafür ein Teil des Stadtwaldes, vielleicht der Hangelstein, hergegeben wäre, so hätte das nichts geschadet. Jetzt sind die Grundstückpreise so hoch, auch neuerdings die Kanalgebühren derartig, daß es den meisten Leuten zu kostspielig wird, sich einen kleinen Gärten um das Haus herum anzulegen. Wir haben also nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb der Tore recht enge Straßen und ivenige kleine Plätze und viel zu wenig Gärten. Es ist also eigentlich als eine Ehren- p f l i ch t d e r S t a d t v ä t e r anzusehen, daß sie für Hergabe von Spielplätzen sorgen, damit einigermaßen die seither begangenen Fehler ausgeglichen werden. Wissenschaftliches. — Die Trennung der Geschlechter im Lichte der Entwicklungsgeschichte. Wollte man alle Bucher und Schriften sammeln, die über das Problem Männlicher und weiblicher Wesens -und C h a -- ^/lkterunterschiede schon geschrieben wurden, eine stattliche Bibliothek käme zusammen. Denker und Dichter- aller Zeiten haben sich mit der Analysierung der körperlichen und seelischen Verschiedenheiten männlicher und weiblicher Natur beschäftigt und immer noch liegt das Problem in trefem Dunkel, toentt auch gerade in "den letzten Jahren von philosophischer und naturwissenschaftlicher Seite aus glanzende Schlaglichter auf das ganze Forschungsgebiet geworfen wurden. Eine Seite aber, die den meisten Gebildeten noch fremd ist, ist die stammesgeschichtliche Entwicklung der verschiedenen Geschlechter, und hier ist es zum Beispiel von höchstem Interesse, zu verfolgen, loie schon bei einzelligen Lebewesen individuelle Unterschiede austreten, die geradezu als männlich oder weiblich angesprochen werden rönnen und durch ihr Verhalten bei der Fortpflanzung (Kvn- tugalwn) schon charakteristische Merkmale der ver chiedeuen Geschlechter — das Aufsuchen und Werben des einen und das wehr oder weniger geduldige Warten des anderen Teiles — zelgen. Wie dann die Konjugation der einzelligen Lebewesen einen Vorläufer und Uebergang zur Befruchtung ilnd Fortpflanzung der höheren mehrzelligen und getrennt geschlechtlichen Wesen bildet, lehrt weiter die stammesqeschicht- nche Entwicklung der organischen Welt, deren Kenntnis, z § ™ Awrissen, zum geistigen Bermögensschatz jedes Gebildeten gehören sollte. Ein Werk, das auf die an- genehnstte, aber doch gründliche Art in das Stildiilm oll ^Aer Fragkn einfuhrr, ist der zurzeit im Erscheinen be- -^"^ratlas „Vom Urtier zum Menschen", Abstammmrgs- und Entwicklungs- MwÄ'te des Menschen, zusammengestellt lind erläutert von Lieferungen ä 1 Mark (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt), von dem iins die Lieferungen 2—4 vorliegen, die speziell die erwähnten Probleme ^m'beln. Die glänzende Ausstattung der vor kurzem hier augezelgten 1. Lieferung läßt sich auch diesen weitereil Lieferungen konstatieren. so daß heute schon dem Werk das Urteil ausgestellt werden kann, daß es eine der wertvollsten Erscheinungen auf dem S i S?" gutem Sinne populärwissenschaftlichen Lite- iUllll- VllvVl. . diloso p h i e. Einführung! in die Wissenschaft, ifc Wesen S« 1 Oberlehrer in Brom- Natur und ^ersteswelt . Sammlung wissenschaft- qÄ.s ^^inverstandlicher Darstellungen aiis allen Gebieten des M^ns186 Bändchen.) Verlag von B. G Teubner in Leip- öw. 1908. Preis in Leinwand geb. Mk. 1,25. — Tas Bänd- roen will den Leser nicht für ein bestimmtes System gewinnen" londern darstellen, welche Stellung die Philosophie im modernen emnimnit, es will die Philosophie als Wissenschaft nach ihren, ^lufgabeir und Methoden charakterisieren, ihre Be- deutung als. Welt-, und Lebensanschauung, beleuchten und ihre Stellung zur Religion klarstellen. Vor allem aber die erste An- U'lttng dein zu geben, der sich mit dem wissenschaftlichen Studium ds« Philosophie zu be,chaftlgen beabsichtigt, ist die Aufgabe, die sich bte, vorliegende Einführung in die Philosophie stellt. Der Hanptteil des Buches behandelt die philosophischen Grmidpw- bleme das Problem der Erkenntnis, die metaphysischen Probleme das asthetliche und das ethische Pwblem. Tie Lösungsversuche werden unter besonderer Berücksichtigung der Gegenwartsforschung gruppiert und charakterisiert und dabei die philosophische Literatur allgemeinen Charakters im Zusammenhänge dargestellt. Die wich- Kv die einzelnen Disziplinen werden nach jedem Abschnitt genannt, Monographien und Biographien der einzelnen großen, Philosophen unter dem Text verzeichnet. Literarische Verweise in den Anmerkungen nennen wichtigere Stellen ans den zugrunde gelegten Werken, um zu weiterer Lektüre anzuregeu. Ern Namenregister und ein Verzeichnis der schwierigeren philosophischen Fachausdrücke und der für ihre Erklärung wichtigsten Stellen erleichtern den Gebrauch. Kiu der ar-beit. —", Nicht bloß selbst photographieren, sondern bett PhotogWphie-Apparai auch selbst Herstellen ist der Wunsch so mancher Buben. Tie Mittel und Wege hierzu findet er ist dein 12. Bändchen deb Sammlung „Spiel und Arbeit", das O. Ma.y,er unter dem Titel „Photographie-Apparat" herausgegeben hat. (Verlag von Otto Maier in Ravensburg, Preis 80 Pfg.) Auf einem Modellbogen findet man alle aus Zigarrenkistchenholz zu sägenden Bestandteile ausgezeichnet und eine leichtfaßliche Anleitung lehrt deren Zusammenstellung. Der Apparat gibt Bilder im Format von 12:9 Zentimeter und funktioniert tadellos. Dabei hat er den Vorzug, nur wenige Pfennige zü kosten und dem Ver- ertiger bei seiner Herstellung großes Vergnügen zu bereiten, denn sie Arbeit ist anregend und mühelos. Jeder Knabe, der Laub- Äge Handzuhaben versteht, kann den Apparat nebst seinen Neben- apparaten leicht Herstellen. , An- nnd Einsichten. „Die Menschen würden voneinander laufen, wenn sie sich immer in äußerster Offenheit einander gegenüber erblicken sollten. Kant. * Schüler-sein-können erfordert eine gewisse ethische Qualität: eine Verirauensgrenze beS Spurens, einen Glauben. Walter Cale. * Freiheit ist nichts als die Möglichkeit, unter allen Bedingungett das Vernünftige zu tun. Goethe. Ziffernblatt-Rätset. Die Zahlen 1 bis 12 auf dem Ziffernblatt einer Uhr sind durch Buehstaben zu ersehen, so daß bezeichnen: 1—2 Ausruf, 1—3 Flüßchen, 1—4 Erfinder, 3—4 Fürwort, 3—6 Baum, 5—8 Befehl, 5—9 menschliches Organ, 6—9 Tier, 7-12 Stadt, 10—1 Namen, 11—12 Vorwort (Präposition), 11—1 Namen, 12—1 Ausruf. hb. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Liebfrauenmilch. Redaktion: P. Witt ko. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen'lMwersitäts-Vueh- und Steindruckerei. R.'Last'ge, Gießern