W Ä Samstag den P. Zanuax M II »MM ÄSZK^WMM« nilBMBwlMgwo 19 Kelmuiß Von LoVlen. Roman von Ursula Zöge von Manteuffel. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Sehen Sie, Fväulciir Luisane", sagte er freundlich, „wenn ich das höre, fühle ich immer wieder, daß ich mit Ihrer Lebensrettung eine gewisse Beantwortung fite Ihr ferneres Fortkommen auf mich nahm, die ich nicht einlöse. Das drückt mich geradezu." Sie wehrte heftig ab: „Nein! Nie! Ich weiß, daß Sie es gut meinen, aber ich wünsche völlig unabhängig von Ihrer Unterstützung zu bleiben!. Das tut mir wohl. Verstehen Sie? — Ich suchte den Tod nicht aus Hunger, obwohl mich hungerte, sondern aus Verzweiflung über meinen Verlust. Sie haben nun, da ich durch Ihre Vermittlung Heilung finde, keine Berpflich- tuttgcit mehr. Wollen Sie Sonntag nachmittag kommen? Ja?" ■— „Ich komme Sonntag nachmittag. Empfehle mich Ihnen!" VI. Es wurde Lohsen nicht ganz leicht, sein Versprechen zu halten, denn am Sonntag nachmittag war bei der Baronin Troß ein kleiner Kreis intimerer Freunde zum Tiner geladen und sie wollte es gar nicht glauben, daß er eine Verabredung habe. Aber viel zu sehr taktvolle Weltdame, um ihn durch eine Frage in Verlegenheit zu setzen, ließ sie ihn gehen, und so stieg er denn wirklich um drei Uhr die häßlich finsteren Treppen in dem schmalen, unsauberen Hinterhause empor, an seiner eigenen Identität zweifelnd. Tas sollte er, Hellmuth Loysen sein? — Und es handelte sich itidjt einmal um ein Hintertreppen-Abenteuer! In dem Hof hatten ein Böttcher und ein Schmied ihre Werkstätten, Pochen, Hämmern und der wüste Stimmenlärm fersender Weiber begleiteten ihn noch eine ganze Weile treppauf. Endlich war der vierte Stock erklomrnen. Eine mit brauner Farbe gestrichene Wohnungstür stand offen und auf weißem Blechschild las er: Witwe Schipcke. Möblierte Stuben. Er trat in einen länglichen, übelriechenden Borsaal. Kleiderschränke, Kisten und Komnroden beengten ihn, dazwischen mehr oder minder vergilbte, abgegriffene Stubentüren. Jede trug eine Nummer und ein mit Nägeln befestigtes Visitenkärtchen oder Papierstreifchen. An ihnen hingehend, las er die verschiedenen Namen: Emma Meier, Klavierlehrerin. — Anna Müller, Schneiderin. — Klara Weiß, Stickerin. So ging das fort. Vergeblich sah er sich nach einer uod> höher führenden Treppe um. Endlich, da niemand sich blicken ließ, ging er ins Treppenhaus zurück. Ter Sonntagnachmittag hatte wohl auch all diesen kümmerlichen Existenzen einige Stunden in frischer Luft gebracht. Er wurde nun tnti Winkel des Treppenhauses eine leiter- artige Stiege gewahr, die >ich, steil aufstrebend, im Tunket eines gähnenden, viereckigen Teckenansjchnittes verlor. Gütiger Himmel! dachte er, als diese Treppe unter seinen Schritten knackte. Oben ein Bodenraum, durch dessen Dachsparren der Wind pfiff rind vor ihm eine aus Brettern gezimmerte Tür -auf welche mit Rotstift: „Nummer 9" geschrieben war. Das ivar's also. Er klopfte an. Drinnen fiel ein Stuhl mit Gepolter nm, ein Riegel ward zurückgerissen, die Türt sprang auf und Luisane kam ihm erregt entgegen. „Sie sind doch gekommen!' Sie haben sich meiner Arm^ seligkeit nicht geschämt. Verzeihen Sie mir, daß ich bis jetzt an Ihnen zweifelte!" Sie nötigte ihn einzutreten, schloß die Tür: und schob ihm einen Stuhl hin. „Sehen Sie sich nicht zu viel um," rief sie hastig, „sonst zanken Sie noch, daß ich diese elende Baracke dem molligen Stübchen neben Frau Jahns Küche vorziehe. Begreifen ©lei nur: hier bin ich allein und frei." Während sie so sprach, lief sie zu dem' kleinen eisernen Kanonenofen, der kalt und leer dastand, warf eine Schaufel Kohlen hinein und legte Kienspan und brennendes Papier oben-- auf. Ihre Hände waren blau von der in der Mansarde herrschcn-i den Kälte, sie hielt sic dicht an die auflodernden Flammen. Er konnte doch nicht umhin, einen Blick umher zu werfen. Es war schlimmer wie er erwartet hatte. Der abgefallene Bewurf hatte an den Wänden wunderbare Wandkarten zurückgelassen, das Glas des schrägen Fensters war an zwei Stellen zersprungen und mit Papier überklebt. An einer Wand nand ein Schlafsofa, dessen alter grüner llcberzug vielfach geflickt war. Die große Lade unter ihm barg wohl alle Habe des Mädchens, denn ein Kleiderschrank war nicht zu sehen, nur eilte Truhe stand an der Wand. Vor dem Sofa stand ein runder Tisch, auf welchem Bücher, Noten, ein Nähkasten, Tintenfaß und allerlei Kleinig« leiten unordentlich durcheinander lagen. An der gegenüber-! liegenden Wand standen zwei Stühle mit Strohsitzen und da« zwischen ein schmaler Tisch, auf dessen oberer und unterer Platte Eßgeschirr und Kasserolen, ein Petroleumkocher und ein Teller mit Brot- und Wurstresten aufgestellt waren. Auch ein weißes Waschbecken und ein brauner Wasserkrug fanden dort Platz. Mitten in dieser armseligen Umgebung stand ein altes Piano, dessen Politur immerhin wie gleißender Luxus gegen alles übrige abstach Sier machte sich Luisane jetzt zu schaffen, kramte in den Noten und rieb die Tasten ab. „Nicht wahr, das wundert Sie?" — rief sie mit fieberhafter Lustigkeit — „wie kommt dir solcher Glanz in deine Hütte, werden Sie sagen. Ja! fällt Ihnen denn hier nichts auf? Vermissen Sie nicht Sachen, die Sie hier zu schon berechtigt waren? — Ich habe Ihnen doch gesagt, daß mir meine Base die. Einrichtung ihres Gaststübchens vermacht hatte. Wissen Sie? — Ich schlief in einem warmen Bett, id} besaß eine Kommode, einen Waschtisch und einen Kleiderschrank. Ta dachte ich eines Tages: Wozu das alles? Macht es mich glücklich? — Ich könnte mich mit wenige« begnügen und mir statt dessen einen wertvollen Gefährten in meine Einsamkeit holen. Ich verkaufte alles, Fran Schipckes altes Schlafsofa tut es auch . . . und ich habe mir dies Instrument gemietet.. Es ist gut — das ist mein Luxus!" Sie saß jetzt am Instrument und rang nach Ruhe, aber sie ” war furchtbar aufgeregt. Ihn hatten ihre Worte förmlich erschüttert. Er sah starr nach der Wand, an der an einem groben — 38 Eisennagel ein alter Strohhut, eine Jacke und das schwarze Wollentuch hingen. Endlich hatte er feine Rührung soweit be- tzwmigeir, baß er nachdem Mädchen Hinsehen und fragen konnte: „Werde ich nun ein Lied zu hören bekommen?" Sie nickte nur und blätterte in den Noten. Ihr Anblick sil dieser Umgebung hatte ettvas Rührendes. Sie trug ein blaßlila gemustertes Sommerkleid, dessen Mode um mehrere Jahre zurückstand. Er hatte fast vergessen, daß die jungen Mädchen solche Kleider getragen hatten und es erschien ihn« ganz wunderlich, eng und durstig gegen die herrschende bauschige Fülle. Gerade deshalb lag ein gewisser, fremdartiger Reiz in ihrer Erscheinung, Km/ sie sich so silhouettcnhaft fein und schmal gegen das Fenster avlwb. Tie halblangeir Aermel, die schmächtigen Mermchen, die kleinen mageren Hände, das scharfgerissene Profil mit der dunklen Haarwelle über der Stirn — es war alles wie ein Bild. Plötzlich schwirrte ein trillernder Laut durchs Zimmer, die Hände griffen in die Tasten — sie sang. Zuerst erschrak er und dachte: Armes Kind! — denn sonderbar rauh, wie verstimmt, klangen die ersten Töne — aber siehe da, wie wenn Schleier um Schleier von einem Bilde gezogen würde, so klärte sich der Ton ton Strophe zu Strophe und gewann an Wohllaut, eine Weichheit, eine Reinheit, ein unvergleichlicher Schmelz wirkten wie mit Zaubergewalt. Ob er wollte oder nicht, iob er musikalisch war oder nicht, es riß ihm am Herzen, es schmeichelte sich ihm in die Seele, alle die Töne griffen wie kleine, weiche liebkosende Hände nach ihm und rissen ihn daun mit sich fort in eine Erregung, die er vergeblich zu bemeistern suchte, bis er heiß und rot im Gesicht anfsprang und die Hände der Sängerin auf den Tasten festhielt: „Was fällt Ihnen ein, Fräulein? Hören Sie ans, sage ich, oder Sie machen mich ganz verrückt!" Mit einem Ruck sprang sie ans und sah ihn an mit Augen, In denen der Triumph funkelte. „Ernstlich? Wirklich? — Aber das wollte ich ja! Nur probieren wollte ichs an einem menschlichen Wesen, ob ich meine Macht noch besitze oder nicht. Ja! — Ja! — Sie find ja ganz rot, ganz verstört — ich feh's!" „Na, ich danke," sagte er mit trockenem Humor — „daß Sie mich so gewissermaßen als Versuchskarnickel benutzten." „Ach, das dürfen Sie mir nicht verargen. Habe ich Sie jetzt sentimental gesungen — ich finge Sie wieder heraus, verlassen Sie sich drauf! — Ihre Stimmungen find Marionetten in meiner Hand." „Nein!" — rief er und fiel ihr in den ausgestreckten Arm, „ich will nichts mehr hören. Nichts. Ich habe genug mit der ersten Probe. Sie sind eine große Künstlerin." „Das meinen Sie also auch. Ja, ich will eine werden, berühmt, gefeiert, reich, mächtig" . . . ein heftiger Hustenanfall schnitt ihre Ausrufe ab. Sie tourbe ganz blaß vor Schreck und tiefer Niedergeschlagenheit. „Ich fürchte, Sie muten Ihrer wundervollen Stimme für den Anfang zu viel zu" — sagte Loysen. Mit beide» Händen strich sie sich das Haar ans der Stirn Und raffte sich gewaltsam auf. „Ja, ja," sagte sie ausseufzenb — „aber das kann ich nicht ändern. Es ist stärker wie ich — das Singen meine ich. Doch hat der Husten nichts zu sagen. Ich bü. nun mal nicht sehr stark, habe oft Fieber — doch das wird auch schon alles wieder gut. Der Arzt hat es mir versichert . . , und dann — und bann —" Ihre Augen weiteten sich, als blicke sie tu ein Märchenland. Ihn - erfaßte das Mitleid stärker denn je, gemischt mit einer fast übermütigen, zärtlichen Rührung — aber schnell entschlossen stand er auf, reichte ihr nur kameradschaftlich die Hand und sagte scherzend: „Nun, nehmen Sie es mir nicht übel, loenn ich fliehe. Es ist das einzige, was einem armen Sterblichen zu tun übrig bleibt, der in bett Zanberkreis einer Sirene geriet. Poetisch gesagt, tote? Leben Sie recht wohl, Fräulein Luisane — ich wünsche Ihnen Viel Glück!" Als er die-steile Treppe hinunter ging, dachte er: So! einmal und nie wieder. Jetzt dachte er weder über die DmMheit, noch die unsaubere Dürftigkeit u!ach, die ihn umgab, wie er schnell und ganz in Gedanke!« verloren, fortging. Am nächsten Tage kämpfte er mit sich, ob er sie in Frau Jahns Handschuhladen aufsuchen sollte oder nicht. Es wäre gut, so sagte er sich, das närrische Geschöpf wieder im nüchternen Lichte der alltäglichen „Fronarbeit" zu sehen, um den gestrigen, beunruhigenden Eindruck zit verwischen. Er mußte das ihm ganz abhanden^ gekommene „arme Tittg" doch wieder in ihr heratts- finben. Dennoch ging er nicht, sondern machte einige Gesellschaften mit unb ließ sich von beit jungen Damen bebattcvn unS verwöhnen, t t , , „ . Mer einige Tage später trat er beim doch zu ber Zett, da Srntt Jahn, wie er nun schon wußte, ihre Mittagsruhe hielt, in bett Laben. Luisane saß am Pult unb rechnete. Als sie ihn erblickte, iuarf sie die Feder hin und sprang auf. „Endlich!" rief sie itngebitlbtg, „ich wollte Ihnen schon schreiben. Ich habe Ihnen so viel zu erzählen. Denken Sie sich!" — unb nun berichtete sie in hastigen, abgerissenen Sätzen, baß sie noch am selben Sonntag nachmittag bei jener berühmten Gesanglehrerin gewesen sei, bie ihr schon einmal bett Weg zur Buhne geebnet, baß sie von biefer einflußreichen Frau, bie es sich angelegen sein ließ, vielversprechende Talente zu fördern, auf das freundlichste empfangen worden sei, ihr Habe Vorsingen dürfen und von ihr nach altem gefragt worden sei, was ihr zu- gestoßeu. Daraus habe bie berühmte Frau versprochen, fick ihrer anzumhmen mit Rat und Empfehlung. „Sie wird die erste Staffel sein, auf welche ich meinen Fuß wieder setze — ich werde wieder singen und siegen. Sie aber werden sicherlich nicht unter denen fehlen, die mir Beifall spenden, nicht wahr, Sie kommen an meinem Ehrentag?" Mit fieberhaften Wangen und Augen stand sie weit über beit Ladentisch vevgeneigt da. Ihn berührte diese exaltierte Vorfreude kommenber Triumphe fast peinlich. Beschwichtigenb nahm er ihrem en Handschuh aus den Händen, den sie in ihrer Aufregung achtlos in bie Lange zerrte. , „Geben Sie acht, Fräulein, das Ding geht kaput auf bteje Art! Nun bleibt mir nichts übrig wie das Paar zu kaufen, ehe Frau Jahn beit Schaben merkt. Was kostet es?" Erschrocken unb ernüchtert sah sie auf bett kläglich zuge- richteten feinen Dameithaubschnh, den er gemütsruhig in bie Tasche steckte. Ihre schwarzen Brauen zuckten finster. „Geben Sie es wieder her!" — herrschte sie trotzig — „den! Schaden ersetze ich selber, wenn Schaden geschehen!" Statt der Antwort legte er ein Fünfmarkstück auf beit Ladentisch und steckte auch den anderen Handschuh ein. Sie schob das Geldstück heftig zurück — aber ganz plötzlich verklärte sich iHv Gesicht. Sie nahm bie Zahlung, warf sie in bie Ladeukafse und lachte. (Fortsetzung folgt.) Ms der Geschichte von Hungen. Bon Oberlehrer Dreher, Friedberg. -Nachdruck verböten. «Schluß.) Am 21. Sept. 1625 starb Ottos edle Geniahlin Ursula, Jhr Schwager Reinhard ließ sie am 23. Okt. in der Hungener Kirche prächtig bestatteit. Besonders prunkvoll verlief das Leichenmahl. v . Tie Hungener Stadtrechuung von 1626 bringt nur von Januar bis April auf bett Krieg bezügliche Einträge „für Salve- guarbien, als spanische Reutterei angekommen". Ten Kriegsstürmen zum Trotz ließ Gras Remharb 1629 parallel zur Stabtinauer beu Wall aulegen. Tie Untennühle (Johannesmühle) an der Horloff wurde in demselben Jahre erbaut. Damals gab es. auch ein Gymnasium zu Hungen. Es war eine Pflauzschnle für bie Staatsbeamten ber Grafschaft unb stand unter ber besonderen Fürsorge des Grafen Reinhard. Er sonderte bas Diakonat vom Gymnasium ab unb berief einen tüchtigen Gekehrten. Tie Schulbibliothek vermehrte er von Messe zn Messe um neue Werke. Am 16. Mai 1630, morgens 9 Uhr, starb Graf Reinhard im 58. Jahr an einer Lungenentzündung. Sein Sohn Moritz war bamals erst 8 Jahre alt (geb. 21. November 1622). Für ihn führte zunächst bie Gräfin Witwe, Reinhards zweite Geniahlin Elisabeth, die Regentschaft. Sein Erzieher und Berater war-der Rat und Amtinann Wilhelm Otto Sames aus Hungen. . Die Rechnungen ber Stabt Hungen von 1632 lassen an beit Ausgaben für Arme aus anderen Gegenden erkennen, wie siirch- terlich es dort zuging. Unter beu Alniofenempfängern finden wir auffallend viel kurpfälzische Flüchtlinge. Boni September 1634 bis Juni 1635 brach für Wetteran eine Schreckenszeit sondergleichen herein. Entsetzt floh das Landvolk iit die Städte, wo allein vor dem teuflischen Soldatenvolk Schutz zu finden luar.: Biele Dörfer blieben jahrelang leer; das solms-hungeuschs Tors Billingen „neun gaußer jar lang, da ist alles zu Hecken und streuch geworden". Die einst so blühende Wetterau lag bald als eine große trostlose Wildnis da. Durch die „ verfallenen Dächer ber verlassenen Ortschaften wuchsen Bäume/ unb Straßen wie Markt stauben so voller Gebüsch, daß man auf Hasen und Rebhühner jagen konnte (Wiesbaben). Außer ben Bewohnern von Billingen hatten sich bamals noch bie von Langd, Traishorloff, Utphe, Obbornhofen, Bellersheim und — 39 Bettenhausen nach .Hungen gerettet. Den ±8. Febr. Ib3j srel Benningshausen ins Land, „hat ut Hungen laubacher und Grunberger ampt auch sehr übel gehauset, Gott erbarme es. Bald stellten sich Hungersnot und Pest ein, oie unter. dem m Hungen zusammeugepserchten Menschenwirrwarr fürchterlich tinp räumten. „Anno 1635 hatte die Pest mächtig crasnrt. .Und ist Kriegswesen halber großer Unfridcn gewesen. Seiut viel bur- qer und bis; vf den 23. Hs. Juwir acht Rohtspersohnen ver- storben und noch biss dato übrig gewesen Ciriakus Kreutter . Christofs Gebhart . Adam Weber . Conrad hornig.' Den Winter 1635 hindurch hatte Feldmarschall Graf Mansfeld sein hauvtquartier in Hungen. Während der Belagerung von Hanau ’ durch den Kaisers. General Lambo, 1636 wurden an diesen auch von Hungen aus verschiedentlich Lieferungen gemacht Am 13. Juni gelang cs Landgraf Wilhelm vo,r He;sen-Kassel im Bund mit den Schweden, Hanau zu entsetzen. Zur Strafe dafür suchte im Juli und August 1636 die Götzische Armee das hessen-kasselsche Land heim. Ihnen mußte Hungen ebenfalls außerordentlich hohe Kontributionen an Vieh und Korn leisten Dadurch kam die Stadt in große Geldverlegenheit. S,e sah sich zu Anleihen genötigt und verkaufte 1638 sogar, da der Krieg immer wieder neue große Summen verschlang, „em -Klocken, uf der Ober-Pforten gewesen, hat gewogen 2 Ctr, 38 Pfd., ail Jsac Jude" für 16 Rtlr. 18 Alb. Das Jahr 1638 war überaus kostspielig. Die Anfordcruugen der verschiedenen Befehlshaber nahmen kein Ende. Im Frühjahr 1639 erschienen „Wallensteiner" (Wallenstein 1634 t) in Hungen und darnach Obrist Ramsdorf. Einer seiner Leutnants lag, um Geld einzutreiben, vier Wochen in Conrad Wecken Haus, lind ivie ließ er sich verpflegen! Er riß mit seinen Bedürfnissen an Brot, Käse, Eiern, Butter, Fleisch, Bier, Milch, Sauerkraut, Salz, Essig, Schmalz, llnschlitt zu Licht, Stiefeln, Geld für seinen Reitknecht, Heu, Hafer, Gerste usw. ein schönes Loch in den Stadtsäckel. Bitterste Not herrschte damals in Hungen. Alle Kassen waren leer. Deshalb mußten sich die Hungener, als Obrist Ramsdorf 1638 Gelder eintreiben ließ, sogar dazu entschließen, statt dessen ihr Bich herzugeben. Dabei aber rechnete der betreffende Offizier für ein Rind nur zwei bis drei Taler. Das Jahr 1640 ließ sich besser an. Wie das Hungener Kirchenbuch ausweist, wurde am 17. Nov. 1640 „einer Soldatenfrauen Kind, so zu Lang gelegen" getauft und am 27. Nov. „einem Kays. Soldaten ein Kind ,generofa'." Sie gehörten zu den Truppen des Erzherzogs Leopold, der am 13. Nov. von Grünberg über Hessen und Langd in die Nahe von Friedberg rückte, das von einer weirnarischen Abteilung besetzt !var. Die Hungener Stadtrcchmingen von 1641 haben nur einen Eintrag, der auf den Krieg hindeutet: „1 th. 4 Pf. dem Meister hat ein tobt Aß vor der Pforten weggethau, so die Kayserische liegen lassen". Im April 1646 bekam Hungen noch einmal kriegerischen Besuch von dem Reiterregiment Donop. Desgleichen zogen in diesem Jahr der schwedische General Wränget, Graf Königsmark und Turenne durch, auf Bayern zu. 1647 herrschte verhältnismäßig Ruhe, aber das Jahr 1648 stellte wieder beträchtliche Ansprüche au die Geldkraft der Stadt. Bald nach Beendigung des großen Krieges, 1651, ließ Graf Moritz einen Münzbau zu Hungen aufführeu. 1678 (30. Nov.) starb mit dem Grafen Moritz die Linie Solms-Hungen aus. Er hatte nur ein Älter von 56 Jahren erreicht und wurde in der Hungener Kirche neben seinem Vater beigesetzt. Eine Hälfte der Grafschaft Hungen ging nun an Wilhelm Moritz, Graf zu Solms-Greifenstein, über, die andere Hälfte an Heinrich Trajectin, Graf zu Solms-Braunfels. Ta aber Heinrich Trajecrin 19. Juli 1693 bei Neerwinden fiel, ward Graf Wilhelm Moritz (geb. 4. April 1631, t 9. Febr. 1724) jetzt Inhaber aller Lande Bernhardischer Linie. Wilhelm Moritz zog alsbald von Greifenstein nach Braunfels über. Er erbaute 1700 das Schloß zu Hungen, das heute noch den Stolz dcS Städtchens bildet. Im Hungener Schloß befindet sich ein „perspeetivischer Entwurf" davon aus dem Jahre 1710. Demnach hat,sich das Schloß selbst seitdem gar nicht verändert. Nur der Bergfried, der auf dein „perspeetivischen Entwurf" noch trotzig -gen Himmel ragt und von alten Zeiten träumt, ist nun dahin. Beim Ban der oberhessischen Bahn 1869 machten seine festen Fundamente viel zu schaffen. ' Während der Kriege Friedrichs des Großen bekam Hungen wiederum sein gut Teil ab. Die Kontributionen, Durchzüge, Fuhren und Einquartierungen hörten, wie uns die Kriegsakten im Hungener Archiv zeigen, gar nicht ans. Und die massenhaft vorhandenen Schadenverzeichnifse lassen erkennen, was die Bürgerschaft dabei alles über sich hat ergehen lassen müssen. Für die Stadt Hungen beliefen si ch z. B. 1761 d i e Lieferungen au Mnnd po r tion cn , Holz uu d „Fnt- tcrage" auf mehr als 26000 Gulden, während der Jan na r und Februar 1 762 allei n s ch o n ü b c r 5 0 0 0 Gulden Kr i e g s ko st e n verschlänge u. 1794 setzt für Hungen abermals ein kriegerischer Zeitab- schuiit ein. Die Akten auf der Bürgermeisterei geben darüber reichlich Aufschluß. 1794 kam das k. k. Feldspital in das Hungener Schloß. Die Toten, etwa 350, kamen auf die Pfingstweide, die Rekonvaleszenten nach Inheiden, Trais, Utphe, Bettenhausen, Langsdorf, Nonneiipod, Villingen und Röthges. 24. Sept. 1795 rückte das Spital vor den Franzosen ab, allein erst am 16. Juni 1796 trafen französische Truppen ein. Es waren Chasseurs, die 1 Tag und 1 Nacht im Oberpfarrgarten biwakierten und der Stadt 600 fl. kosteten. Wenige Wochen später zog General Ney au, derselbe, der im November 1812 den Beresinaübergang deckte und 1815 als erster mit seinem Korps zu dem von, Elba entflohenen Napoleon übertrat. Diesen General sahen die .Hungener bald mit gemischten Gefühlen scheiden. Hatte er doch von der Stadt nicht nur eine ansehnliche Lieferung mt Pferden und Mundportionen gefordert, sondern auch, da dieselben nicht schnell genug zur Stelle waren, 4 Bürger als Geiseln mitgeführt. Von den Kaiserlichen gedrängt, gingen die Franzoseir bis hiiZ-r die Sieg zurück, und so lagen beim den Winter 1796 über l > Ostern 1797 die k. k. Karabiniers vom Regiment Kaiser!zu Hungen. Im April 1797 setzten sich wieder Franzosen um Hungen herum fest und General Soult verlegte nm 23. sein Hauptquartier dorthin. Soult entschied später die Treikaiser- schlacht von Austerlitz. Wenn auch Soult bald auf Laubach ab- marschicrte, so dauerten doch für Hungen und das Land ringsum die kostspieligen Einquartierungen und Koiltributionen an Lebensrnitteln, Vieh und Geld, sowie andere Belästigungen fort.. Es wurden noch zweimal Hungener Bürger als Geiseln mitgeführt und am 3. Mai 1797 mußte jeder Bürger in Hungen bei hoher Strafe Gewehr und Degen an die Franzosen abliefern, wobei 78 Gewehre und 42 Säbel und Degen zusammenkamen. Nun tritt für einige Jahre Ruhe ein, bis mit den Kriegen gegen Napoleon wiederum all das Leid burchgekostet werden mußte, von dem inan sich noch kaum erholt hatte. Vom 3. bis 13. Jauuar 1806 finden wir 150 Mann preußischer Husaren vom Regiment Köhler zu Hungen im Quartier. Sie kosteten der Stadt ^100 Achtel Hafer, 32 Zentner Heu und 9 Fuder Stroh. Einige Tage spater (21. Januar) machten noch einmal 23 Mann von demselben Regiment für 1 Nacht in Hungen Halt. Ihnen folgten Mitte Februar 2 Kompagnien französischer reitender Jäger, die bis zum 11. März blieben und noch in demselben Monat (29.) durch französische Ärtillcrie ersetzt wurden. Diese rückte erst am 28. eept. ab, als Preußen nwbil machte und in Thüringen seine Truppen zusammenzog. 2 Tage danach wurde Hungen kraft der rheni. Bundesakte dem jungen Großherzogtum Hessen eiuverleibt, indem Bürgermeister nebst Gericht ihrem neuen Herrn den reuet» leisten mußten. Tie Bürgerschaft huldigte dem Großherzog erst im August 1809. 1806 (14. Okt.) stürzte die Pforte am E'bertor ein und 1807 mußte die Unterpforte wegen Gefahr des Em- sturzes abgetragen werden. 1808 marschierte auf der 180 c neu erbauten Landstraße ein ganzes französisches Korps durch Hungen nach Grüuberg. Dabei riß besonders die Verpflegung der Ofsi- ziere ein tüchtiges Loch in beit Stadtsäckel. 1808 fanden noch 6 französische Durchzüge iit der Richtung auf Friedberg, statt. Jedesmal blieb der Stab in Hungen und verursachte nutzer der Stellung zahlreicher Fuhren stets bedeutende Kosten. Beim ,Zug der Alliierten nach Frankreich kamen auch zahlreiche russische Truppen durch die Wetteran. Bald nach der Leipziger Völkerschlacht, nm 1. November 1813, erschien ein russisches Kommando von 48 Kosnken in Hungen und nm 2. zogen 2 Regimenter russischer Husaren ein. Am 3. November marschierten auch^preußtsche Truppen durch, mit klingendem Spiel. An ihrer Spitze, von der Bevölkerung lebhaft, begrüßt, General Bork, der Held von Tauroggen und Wartenburg. Es waren lauter Regimenter, dte zu Blüchers Armee gehörten. Hungen zählte damals 174 Hauser mit 940 Einwohnern (Zählung von 1815). Dte langen schweren Zeitläufte hatten seine Entwicklung gehemmt und es wtrNchaft- lich tief heruntergebracht. .Wenn auch 1836—44 ,die Straße Gießen-Büdiugeit erbaut wurde, uud 1841 (bis 48) em Kreisamt nach Hungen kam, zu neuem Leben erwachte der Ort erst Ende der 60 er Jahre des 19. Jahrhunderts. Tie Eröffnung einer selbständigen Telegraphenbetriebsstelle (1. Okt. 1868) und der Schienenstrang Gießrn-Geluhausen (1869) erschlossen als mächtige Pulsadern dem Städtchen daS frische Leben und Weben brn.men, Handel und Wandel. 1867 zählte Hungen noch 1)67 Em- ivohner, 1871 schon 1223 und 1880 1350.*) Tce Nebenbahnen von Hungen nach Laubach (1890) und Friedberg (1897) und die Einrichtung einer öffentlichen Fernsprechstelle (Sept. 189 0 trugen vollends dazu bei, den Landwirt, Gewerbetreibenden und Kaus- maml zu fördern. Der dadurch bedingte wachsende Wohlstand 'kommt heute in der rasch steigenden Bautätigkeit zum Ausdruck. Ueberall reges Streben. Eine neue, bessere Zeit ist endgültig sür Hungen angebrochen. *) Jetzt ca. 1600 Einwohner. T. Red. Gerhart yauptmaml m Griechenland. In den» Januarheft der „Neuen Rundschau" (©._ FstcherX veröffentlicht Gerhart Hauptmann seine „griechische Reise Wir drucken daraus folgenden Abschnitt ab, der dem Achilleion in Korfu, jetzt Eigentum des deutschen Kaisers, ecnst für die öftere. Kaiserin Elisabeth erbaut, gewidmet ist: Wir unternehmen am Nachmittag eine Fahrt über Land; es liegt in der Luft eine außerordentlich starke Helligkeit. Bigi d'Jndia-Kakteen säumen mauerartig die Straße. Wir sehen seltsam violette Aueutoneu unten am — 40 Wegrand, Blumen von neuem und wunderbarem Reiz. Warum will man den Blumen durchaus Eigenschaften von Steren oder von Menschen- undichten und sie nicht lieber zu Göttern machen! Diese kleinen göttlichen Wesen, deren köstlicher Liebreiz uns, als hätten wir einen seltenen Schatz erblickt, Ausrufe des Entzückens entlocken, zeigen sich in um so größeren Mengen, je mehr wir uns von der Küste entfernen, ins Innere des Eilands hinein. Der Blick weitet sich bald über Wiesen mit saftig grünen, aber noch kurzen Gräsern, die fleckweise wie beschneit von Margneriten sind. In diesen fast nordischen Rasenflächen stehen Zypressen vereinzelt da und eine südliche Bucht, der Lago di Calieiopolo, lacht dahinter auf. In der Straße, die eben diese Bucht mit dem Meere verbindet, erhebt sich ein kleiner von Mauern und Zypressen gekrönter Fels. Die Mauern bilden ein Mönchskloster. Ponticonisi oder Mausinsel heißt das Ganze, wovon man behauptet, es sei das Phäakenschiff, das, nachdem es Odysseus nach seiner Heimat geleitet hatte, bei seiner Rückkehr, fast schon im Hafen, von Poseidon zu Stein verwandelt worden ist. Wiesen und umgeworfene Aecker begleiten uns noch. Vollbusige griechische Frauen in bunter Landestracht arbeiten in den' Feldern. Kleine zottelige, unglaublich ruppige Gäule grasen an den Rainen und zwischen Olivenbäumen au steinigen Abhängen. Auf winzigen Eselchen, die an Mäuse erinnern, sind große Lasten gelegt und der Treiber sitzt auf der Last oder hinter der Last noch dazu. Wir nähern uns mehr und mehr einem Berggebiet. Die Oelwälder geben der Landschaft einen ernsten Charakter. Die tausendfach durchlöcherten Stämme der alten Säume sind wie aus glanzlosem Silber geflochten. Im Schutze der Kronen wuchert Gestrüpp und ein wildwachsender Himmel fremdartiger Blüten auf. Das Achilleion der Kaiserin Elisabeth ist auf einer Höhe errichtet, in einer Eiland und Meer beherrschenden Lage. Der obere Teil des Gartens ist ein wenig beengt und kleinlich, besonders angesichts dieser Natur, die sich um ihn her in die Tiefen ausbreitet. Und jener Teil, der zum Meere hinuntersteigt, ist zu steil. Großartig ist die Achillesverehrung der edlen Fran, obgleich dieser Zug in ihr durch die Künstler der Gegenwart, die ihm im Garten sowie im Innern des Hauses Rechnung zu tragen hatten, würdigen Ausdruck nicht gefunden hat. Das Denkmal Heines, eine halbe Stunde entfernt, unten am Meer, können wir, weil es bereits zu dunkeln beginnt, nicht mehr besuchen. Die unvergleichlich Edele unter den Frauengestalten jüngster Vergangenheit, die, nach ihresgleichen in unserer Epoche vergeblich suchend, einsam geblieben ist, vermochte natürlicherweise den kunstmäßigen Ausdruck ihrer Persönlichkeit nicht selbst zu finden. So schufen denn öde Handlangernaturen, um sie auch hier nur wieder im ganzen und großen zu ihrem Wesen den Gegensatz. Den Ausdruck dessen, dem sie entfliehen wollte. Und nur der Platz, die Welt, der erhabene Glanz und Ernst, in den sie entfloh, legt von diesem Wesen noch gültiges Zeugnis ab. ReNMifttztzss. * G u t geschätzt. Ein freundlicher Leser vom Lande schreibt uns: Vetter Peter hatte zwei gut gemästete Schweine im Stalle, und morgen sollte Metzelsuppe sein. Er besieht noch einmal mit Wohlbehagen die fetten Tiere, die sich grunzend auf die warme Streu niedergestreckt haben. „Morgen gibt es einen guten Tag," denkt er, „und wie gut tut es doch, ivenu man den Winter über hinterm warmen Ofen die Solberknöchelchen abschaben kann." Die Hände tief in die Hosentaschen vergraben, die wollene Winterkappe bis über die Ohren heruntergezogen, so steht er jetzt vor dem Hoftor, nm auf den Metzger Andres zu warten, mit dem er wegen der bevorstehenden Schlachtung noch einige Anordnungen zu. treffen hat. Der Andres hat aber wie gewöhnlich gegen Abend einen „gestaubt" und ist im Begriffe, beim Nachbar Roßwirt im Vorbeigehen noch ein Kännchen zu baafen, als ihm Vetter Peter zuruft: „Häk, komm a mol her! Du sollst mir a mol tnei’ Sau taxiern." Der Andres brummelt etwas von einem pressanten Gang vor sich hin, kommt aber bald darauf hinüber zum Peter. Mittlerweile war es schon düster geworden, so daß sichj Andres nicht gleich in der Hofreite zurechtfinden konnte. Er dosiert nach der Stallung zu, und Peter öffnet statt des Schweinestalles das Ziegenställchen seiner Mietsleute. Andres macht eine gar wichtige Miene, steckt den Kopf znnt Stall hinein und schließt dann wieder die Tür. Im Bewußtsein seiner unfehlbaren Schätzung klopft er dem Peter auf die Schulter und sagt: „Verrer Peter, du baust U barwarisch Schwächt, 's sein Kerle wät Esel!" * Das Heiratscafs. In Newyork existiert eilt Caferestaurant namens „Cafs Cupido", dessen Besitzer e§. sich zur Spezialität gemacht hat, solche Leute zu bewirten, die die Absicht haben, sich in seinen Räumen die Hand zum ewigen Bunde zu reichen. Er hat auch nichts dagegen, wenn heiratslustige junge Mädchen und Männev sein Lokal besuchen, um dort auf die Braut- resp. Bräutigamsschau zu gehen; nur muß er von den streng reellen Absichten der Kandidaten von vornherein fest überzeugt sein. Wie sich heruusstellte, geht das Geschäft ganz vorzüglich. Seit einigen Tagen erst eröffnet, hat das Restaurant schon achtzehn glückliche Paare zu seinen Kunden zählen können. Des Vögleins Dank. Hört ich nicht ein Vöglein singen? Ja, es fang znin letztenmal, Wollte seinen Tank nut bringen Für den letzten Sonnenstrahl. Aber keine Blätter rauschten, Bäum' und Sträuche waren kahl; kleine lieben Blumen lauschten, Denn sie starben allzumal. Doch das Vöglein ivollte singen, Eh' es schied auS unserm Tal, Wollte seinen Dank nur bringen, Für den letzten Sonnenstrahl. Hoffmann von Fallersleben, Goldene Worte. Was mühen ivir uns doch ab in unseren besten Jahren, lernen, polieren und teilen, um uns zu rechten Leuten zu machen, als fürchteten oder schämten mir uns vor uns selbst und wollten uns hinter Geschicklichkeiten verbergen und zerstreuen, anstatt das; es darauf ankäme, sich innerlichst nur recht zusammenzunehmen zn hohen Entschließungen und einem tugendhaften Wandel. Denn wahrhaftig, ein ruhiges, tapferes, tüchtiges und ritterliches Leben ist heute ivie ehedem jedem Alaune vonnöten. Jedes Weltkind sollte wenigstens jeden Monat eine Nacht im Freien einsam durchwachen. um einmal seine eitlen Mühen und Künste abzustreifeN und sich im Glauben zu stärken und zu erbauen. Eichendorff. * In jedes Menschen Charakter sitzt etwas, das sich nicht brechen lägt, — das Knochengerüst deS Charakters, und dieses ändern wollen, heißt immer, ein Schaf das Apportieren lehren wollen. _____________ Lichtenberg. Rätsel. Nimm ein Stück von bold sein Bestes verlieren erhalten. Auflösung einem Hummer, laß dann einen Mtz- und du wirst einen berühmten Mann in nächster Nummer. Auflösung des Zahlensp'els in voriger Nummer: 1 6 2 CO 4 4 2 1 6 3 5 4 3 2 1 3 1 6 4 2 CM 3 4 1 5 Redaktion: P. Witiko. — Rotationsdruck und Berlaa der Brühl'scheu Universitäts-Buck- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,