er ie ie t- r- te; :r jt te :=■ it it te t t it 3 it :t it > l t 15 ®BE K Donnerstag den \x. September W V Der Dorfkönig. Roman von Karl Böttcher- Chemnitz. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Da kam ein Wind den Berg hereingefahren, huschte blitzschnell über die Brücke und sauste wie toll irrt Mühlhose umher. Er riß in der Gesindestube die Tür auf und stob hinein, — er stieß int Herrensaale einen Fensterflügel zurück und huschte unter die Verlobungsgcsellschaft. Dann hob er sich, kletterte am .Haus empor und balgte sich mit dem Ecktürmchen. Er blieb Sieger und in seiner Freude tobte er im Türmchen umher und zerrte und riß an der Glocke, und als er endlich wieder durch bie Luken schlüpfte, trug er auf seinem Rücken leise, klingende, singende Klagetöne mit fort und am offenen Fenster des _ Herrensaales warf er sie ab — mitten hinein unter die Fröhlichen. Durch Erika ging ein Frieren. Ihr Bräutigam fühlte, wie die kleine Hand erkaltete. Vater Guttermann, der eben auf Oberst v. Horbachs Rede antworten wollte, fiel in sich zusammen. Der Weinkelch in seiner Hand kippte um, die harten Züge int Gesicht wurden schlaff. Auch in der Gesindestube hatte man das Läuten des Toten- glöckchens vernommen. Alle lauschten auf die wimmernden Töne. Elan bengte seinen Oberkörper vor und blickte durch die Türspalte starr ins Finstere. „Das ist für mich--das ist für mich!" sagte er, schaurig ächzend. Er richtete sich auf und bewegte sich ruckweise nach der Tür. Die Rechte am Ohr, so horchte er. „Ich komme — — ich komme!!" — Er wollte hinaus. Der Obermüller führte ihn an seinen Stuhl und drückte ihn nieder. * * * Am Abend des Neujahrstages fuhren Hugo und Irene Gntter- sttann schon wieder zurück nach Altengrün. Mazda erstattete Bericht. Nach Erledigung des Geschäftlichen sagte sie: „Nun noch etwas, Hugo! — Gestern nackt gegen 11 Uhr klopfte es am Dor. Die Hunde heulten furchtbar. Da ging der Verwalter hinaus und brachte eine Frau herein, — eine alte Frau!" „In der Silvesternacht?" „Ja — und sie ist blind." „Blind?!" „Man kann sonst nichts erfahren von ihr! „Wo ist sic?" . , , L r. „Gestern nacht hat sie in der Küche geschlafen, heute tst sie drüben neben der Geschirrkammer." „Recht so, Magda." i „Mr wollen doch hinüber gehen, Hugo," sagte ^reue. | „Heut abend noch?" i ' „Na ja, Hngo —. Eine alte Fran und blmd! Sie gingen hinüber. Die Alte hockte auf deut Bett und starrte mit ihren toten Augen nach den Eintretenden. „Mv kommt Ihr her, gute Frau?" „Wer sind Sie?" nrurmelte die Blinde. „Hugo Gutterntann — der Gutsherr." Wie sich die Alte erhob, — wie sie sich forttastete, das war unheimlich. „Wo wollen Sie hin, Beste?" „Fort — — fort." „Ich bitt' Sie, jetzt in der! Nacht?" „Fort — — fort!! — Ueberall Gutterntann!" Hugo wollte sie zurückhalteu, aber sie stieß ihn beiseite und mit eigentümlichem Instinkte tastete sie sich an den Mauerwändest hin und fand die noch offene Hoftür und verschwand int Dunkelns Das große, gestrickte, schmutzigrote Tuch, das sie in der Hand hielt/ war das letzte, was man von ihr sah. „Geh ihr nach, Hugo, — bitte!" Er zuckte die Achseln. „Sie wird erfrieren!" , „Das Frauenzimmer war mir unheimlich init ihrem feindseligen Gesichte voller Haß. — Sie mag sich auf einem änderest Gute einlogieren." , „Sie ist schon überall gewesen, wie mir die Leute heute erzählten. Ihre erste Frage ist stets gewesen: WM gehört das Haus? Und wie sie gehört hat „Guttermann" — ist sie fluchend sorlgegangen, bis sie ganz erschöpft zu uns kam." So berichtete Magda. Da ging ihr .Hugo nach. Er rief, schrie, pfiff. — Er ließ eine. Laterne bringen. Der Schnee war hart gefroren und keine Fußspur zu erkennen. Die Blinde blieb verschwunden. „Das arme Weib!" sagte Jrme. „Wieviel Kummer mag nötig gewesen sein, diese tausend Falten in das Gesichten graben?" . i „Blind und arm!" * * * Einige Tage später saßen die Geschwister mit Magda iirt Spitzhause. Es war recht gemütlich in dem kleinen Raum. Int Ofen lustig flackerndes Feuer, im Teekessel brodelndes Wasser. Magda und Hugo spielten Dame, Irene war mit Zurtchtest des Abendbrotes beschäftigt. Da stand plötzlich ein Vierter unter ihnen. „Ich dacht mir’3 doch!" schrie er und dazu ein furchtbarer Schlag auf den Tisch. Es war der alte Guttermann. Er faßte die beiden Mädchen hart ast und drückte sie zur Tür hinaus. Vater und Sohn standen sich allein gegenüber. Was sie miteinander gesprochen, wird nie jemand erfahrest/ doch es’ war ein harter nnd heißer Kampf. — Die beiden Mädchen standen draußen im Schnee, eng aneinander geschmiegt wie Schwestern. Die eine zitterte um den Bruder, die andere um dest Liebsten. „r, Da kam etwas herangeschlichen, am Buschsaum entlang. Erst ein Stochern auf dem Stoben mit einem. Stocke, dann ein paar 582 Schritts dann wieder das Stochern, und Tasten und! nun wieder ein paar Schritte. — Und jetzt stieg es auf die Stufen, lang und schwarz, — und jetzt stand cs auf der Treppe, unheimlich und düster. Von innen riß einer die Tür aus und ein anderer rief flehend: „Vater!"-- Guttermann schrie: „Fluch — du Ungeratener!" —- „Guttermann!"--klang es gellend durch die Nacht. „Marie — — du--Marie!" Der Alte schlug mit der Hand an die Türpfoste, daß die Eisenriegel glirrten. Der grelle Lichtschein siel von innen .auf fein Gesicht, — es war eine Grimasse. Dann raste er den Berg hinunter. 1 Die unheimliche Blinde trat eine Stufe zurück, strauchelte und siel vornüber. Sie wollte sich auf den Stock stützen, doch der rutschte ab und sie schlug mit dem Kopf auf den Stein. Ohne jede Bewegung blieb sie liegen. Sie war tot. * * * Ein paar Knechte trugen sie hinunter ins Herrenhaus. In bimt großen Zimmer ward sie aufs Ledersofa gelegt. Zwei Stunden spater kam der Arzt. „Ein einfacher Schädelbruch!" Wieder eine Stunde später war es still nnd finster im Hause. Doch nicht ganz. — Einen Wachsstumpf in der Hand drückte sich der Dorskönig aus der Frcmdenkammcr die Treppe hinunter in das große Zimmer. Er saß lange neben der Toten. Als der Morgen graute, tastete er sich in seine Kammer und schloß sich ein. Die tote Unbekannte wurde in einen Sarg gelegt und der Deckel aufgenagelt. Die Schläge hallten durchs ganze Haus. Beim letzten Nagel kam einer die Treppe herunter, einer mit schlotternden Knien uni) schlohweißem Haar. .Das war Vater Gutterniann. Die Geschwister sahen auf den Sarg, sie sahen ans den Alten, s— Sollte das wirklich ihr Vater sein? Und der Alte nickte, als wollte er sagen: „Ja, ich bin cs!" und er blickte immerfort auf den Sarg. Da kamen die Kinder zu der Erkenntnis: Die drin im Sarg nnd der dort, — der über Nacht weiße Haare bekommen, die gingen sich etwas an! „Was soll aus dem Tuche werden?" fragte die Heimbürgin und nahm vom Sofa ein großes, gestricktes, schwarzes Tuch. „Das Tuch!!" — Guttermann hielt es in der Hand. ’ : „Das Tuch muß mit in den Sarg!" ’ Und es half nichts. Der Sarg mußte wieder geöffnet werden und durch eine Spalte ward das Tuch hineingeschoben. Der Dorfkönig atmete auf. Guttermann, Irene und Hugo gaben der toten Blinden das letzte Geleit, und der Pfarrer schach: „Mr du auch seist, — wih wissen es nicht! Dir sei ewiger Frieden! — Wer dir im Leben je Unbill zngesügt, —• ihln möge Gott verzeihen ! Amen!" Der alte Guttermann drückte dem Geistlichen die Hand, zwei-, dreimal. Und als sie allein waren, fragte er ihn, ob cs möglich sei, daß sich jemand vor Kummer blind weinen könne. Der alte Pfarrer sah den Millionär von der Seite an mit stählernem Blick, und tiefes Erkennen, gepaart mit innigem Mitleid spiegelte, sich auf dem gütigen Antlitz. Dann sagte er: „Ich glaub es nicht, Herr Guttermann." — Da drückte ihm der Dorskönig zum vierten Male die Hand. 14. Kapitel. Am 11. Juli war ech am Jahrestag des Einzuges der Truppen in Dresden, als Ernst von Horbach mit Erika von Horbach, geborene Guttermann, von der Hochzeitsreise zurückkehrte. Sie hatten die Schweiz bereisen trollen, doch in einem kleinen Schwarzwalddörfchen waren sie hängen geblieben und genossen dort in diesem Weltwinkel ihr junges Glück. Ernst von Horbach tvar eine von jenen Naturen, die alles Neue reizt und außerdem noch eine von denen, die nicht eher ruhen, bis sie das erteicht haben, was sie sich in den Kopf gesetzt. Erika Guttermann Hatte er nun, er liebte sie auch nach seiner Weise, das heißt, er liebte in ihr das Kindliche, das Unberührte, er liebte das Diamanthaar und die Mandelangen. Erika Gutterniann hatte er nun. Aber etwas hatte er noch nicht, ihre Geldsäcke. Und unglücklicherweise hatte sich bei ihm der Gedanke eingenistet: Die mußt du auch noch haben! Wohl war am Tage vor seiner Verlobung im Gespräch mit dem alten Guttcrlnann die Rede von der Mitgift gewesen, tvohl hatte der Dorfkönig gesagt, daß er seine Tochter standesgemäß unterstützen werde. Der Begriff „standesgemäß" des Mchlfabri- kanten war aber etwas anders, als der Begriff „standesgemäß" des jungen Reiterofsiziers. Und der Einzug in das eigne Heim, der für andere junge Eheleute der Gipfel des Glückes ist, wurde für Erika der erste traurige Tag. Daran war ein Brief des Dorfkönigs schuld. Ernst von Horbach las ihn und warf ihn dann fluchend auf den Tisch. „Ernst--du!" — „Na, soll man da nicht sluchen?! — Tausend Taler will uns dein Vater pro Anno geben rind die Wohnung bezahlen. — — So ein Dreck!" Wenn er in Zorn tvar, wog er die Worte nicht. Erika schaute ihren Mann sprachlos an. Sie hatte nie Geld in den Händen gehabt, hatte nie mit Geld rechnen gelernt. Für sie waren tausend Taler eine Riesensumme. „So ein Dreck! — Langt gerade für die ersten vier Wochen !" und er nahm den Scheck, zerknüllte ihn und schleuderte ihn in -die Stube. Mit höhnischem Auflachen giug eh hinaus und warf die Tür krachend hinter sich zu. Erika war sprachlos. Sie stand im Zimmer mit schlaffen Armen und blickte nach der Tür. Als ihr die Füße schmerzten, setzte sie sich und blickte immer noch nach der Tür. In ihr rang sich eine Erkenntnis los, noch undeutlich und verschleiert, aber schon jetzt herb — — bitter herb. Sie ging nach dem Schlafzimmer. Das Mädchen teilte ihr mit, daß der Herr noch ausgegangen sei. Er war dreivicrtel zwölf Uhr nachts. Sie erwiderte nichts. Mechanisch ging sie zu Bett. Sie zog die Decke bis unter das Kinn und blickte starr in den blauen Betthimmel. — Dem Mädchen ward es bange vor diesen großen, verstörten Augen. . , Erika blickte noch im Finstern an die Decke. Ihr war wie einem Kinde, das man jäh aus seinem Märchentraume reißt. Anr anderen Morgen setzte ihr Ernst die Lage auseinander. Er sei gezwungen, ein seinem Namen und seiner Stellung entsprechend großes Haus zu führen. Sie solle ihrem Vater das schreiben und den jährlich zugedachten Zuschuß sollte er monatlich senden. Erika versprach es, und mit einem Schlage war Ernst wieder wie früher. Er nannte sie seine kleine, verständige Frau uud überhäufte sie mit Zärtlichkeiten. Sie war wieder glücklich und der gestrige Abend erschien ihr wie ein böser Traum. Doch als sie ihn um Wirtschaftsgeld bat, lachte er kürz und zuckte die Achseln. „Ich hab keins! — Mit den 1000 Talern hab ich gestehn abend einige Kleinigkeiten bezahlt." Da machte sie wieder die großen, starren Augen. Sie ging in ihr Zimmer und suchte die fünfzig Taler hervor, die ihr die Mutter am Hochzeitstage als Notpfennig übergeben! hatte. Daß dieser Notpfennig so bald in Aktion treten sollte, hatten allerdings weder Mutter noch Tochter gedacht. — Mit diesem Gelde wirtschaftete sie nun die nächsten Tage. Sie hatte einen flehendlichcn Brief nach Hause geschrieben, einen Brief, in dem all die Angst um ihr Glück ans jeden: Buchstaben leuchtete. Es kam keine Antwort. Ernst fragte täglich zehnmal, ob sie denn wirklich geschrieben habe, ob denn noch keine Antwort da sei? Ja, er schickte sogar aus den: Kasino Ordonnanzen, die ihm Nachricht bringen sollten. Die Antwort kam nicht und ihr Geld wurde alle. Da schrieb sie in ihrer Angst nach Altengrün an Hugo und daraufhin kam endlich am drittnächsten Tag ein Brief von ihrem Vater. Sie las ihn heinrlich und große Tränen rollten dabei aus ihren Augen. Sie verbarg das Schreiben vor Ernst und gab ihm nur den beiliegenden Scheck von wiederum 1000 Talern. Er fragte auch gar nicht danach, was der Vater geschrieben habe. Seine Hand zitterte, als er de:t Scheck in Enrpfang nahm. Erika sah, wie ein triumphierendes Lächeln über sein Gesicht huschte. Sie wandte sich ab.---. So ging es nun Monat um Monat. - Von Ernsts Seite das ewige Drängen um Geld, und von zu Hause die mehr als groben, beleidigenden Miefe. Das war nun ihre Ehe! Erika dachte in diesen Tagen viel nach über das Leben und über das Glück. (Fortsetzung folgt.) 583 Mqgamie in China. Nach chinesischem Recht darf jeder Ehemann nur eine Ehefrau haben, die mit ihm alle Ehren, Freuden und Leiden der Ehe teilt. Bekanntlich ist aber mit dem chinesischen Ahnenkult die Anschauung verbunden, daß den Eltern nach dem Tode von männlichen Nachkommen Opfer dargebracht werden müssen. Vornehmlich schon aus diesem Grunde muß in China jede. Ehe männliche Nachkommen haben. Das Gesetz, wie es in dem Taching-li-lu zum Ausdruck kommt, gestattet daher jedem Chinesen, der in seiner legitimen Ehe bis zum vierzigsten Jahre männliche Nachkommen nicht erzielt hat, eine Nebensrau zu nehmen, um zu verhindern, daß er ohne die erforderlichen männlichen Nachkommen bleibt. , So ist das Konkubinat in China gleichsam ein Ausfluß der religiösen Anschauungen. Wenn im Gesetz sich auch für die Nebenfrauen häufig der Ausdruck Sklavinnen findet, fo ist in Wirklichkeit von einem solchen unterwürfigen Verhältnis der Nebenfrauen zu dem pater familias in den wenigsten Familien etwas zu spüren, besonders wenn sie ihren Zweck erfüllt'und Söhne in die Welt gesetzt haben. Selbstverständlich hat die Nebenfrau aber auch dann weder die Vorteile, noch die Vorrechte der legitimen Frau, die für sie, wie ihr Beschützer der Herr, stets die Herrin und Gebieterin bleibt. Hält sie zum ersten Male ihren Einzug in das Haus ihres künftigen Gebieters, so hat sie sich beim Eintritt vor diesem wie vor seiner Frau niederzuwerfen, ebenso vor den etwa noch vorhandenen älteren Familien- mitgliedern des Hauses, während ihr wieder von Fremden und Dienstboten die nötige Achtung nicht versagt wird. Weitere Feierlichkeiten wie bei Eingehung der legitimen Ehe finden bei der Aufnahme einer Nebenfrau in eine Familie nicht statt; aber wie die Hochzeitsbräuche von vornherein den künftigen Ehebund einweihen, so hat sich -dem Gesetze nach auch die Nebenfrau, ivenw sie sich- wie vorge- fchrieben ist, jeden fünften Tag dem pater familias nähert, vorerst regelmäßig durch Fasten und Waschungen darauf vvrzubereiten. Ihre Anrede an ihren Herrn und Gebieter lautet nicht wie die der Ehesxau „Chang-fu", das ist Gatte, sondern; „Chia-chang", was soviel bedeutet als Familienoberhaupt. Stirbt die Ehefrau, so hat die Nebenfrau ein ganzes Jahr Trauer um sie zu beobachten, während bei ihrem Tode keine Trauer des Mannes und seiner Ehefrau um sie vorgeschrieben ist; nur die Kinder sollen drei Jähre um ihre leibliche Mutter trauern. Es ist indessen nur zu natürlich, daß, wenn die Nebenfrau nach dery Ableben der legitimen Gattin als einzige Frau im Hause des Mannes zurückbleibt, auch ihre Beziehungen zu diesem enger werden und dann nicht selten zu ihrer Erhebung als Gemahlin führen, wie solches ein Beispiel in höchsten chinesischen Kreisen zeigt. Auch am Kaiserhose ivird von Augenzeugen die Behandlung der Nebenfrauen als eine nichts weniger als erniedrigende geschildert, es ivird gerade im Gegenteil hervvrge- hoben, mit welch seinem Takte und großem Entgegenkommen die jetzige Kaiserin Ieh-Ho die. beiden Nebenfrauen ersten Ranges ihres Gemahls, des Kaisers, behandelt. Keinesfalls dürfen dem Gesetze nach schon zu Lebzeiten der legitimen Ehefrau Aendcrungen im Range der Frauen vorge- uommen werden. So wird auch, falls die Nebenfrau Söhne hat, von diesen die legitime Frau und nicht ihre eigene Mutter mit Ti-mu, „Mutter", bezeichnet; die Nebensrau wird mit „natürliche Mutter" von ihren Söhnen ange- redet. Da nie vorher abzusehen ist, ob die Nebenfrau dem Manne den erwünschten männlichen Nachwuchs dringen wird, so konnte die Zahl der Nebenfrauen auch nicht auf eine beschränkt bleiben; es hat sich als Gewohnheitsrecht gebildet, daß z. B. Beamte niederen Ranges nicht inehr als drei, Beamte höheren Ranges nicht mehr als fünf Nebenfrauen halten, wenn anders es auch wieder in den gebildeten chinesischen Kreisen als unschicklich angesehen ivird, ohne triftigen Grund überhaupt Nebenfrauen zu haben. In dem Halten mehrerer Nebenfrauen neben der Gattin, die bereits einen Sohn zur Welt gebracht hat, hat man den ersten Auswuchs der Institution des Konkubinats in China zu sehen. Trotzdem die Chinesen, wie der „Ostasiatische Lloyd" schreibt, es init Entrüstung zurückweisen, daß sie Polygamie treiben, kommt es nur zu häufig vor, dast in wohlhabenden Beamten- und Kaufinannskreisen die Zahl der Nebenfrauen je nach dem Reichtum des einzelnen größer joder geringer ist. Und der Hof? Geht er etwa mit gutem Beispiel voran? In jedem dritten Jahre werden von dem Vorstand des kaiserlichen Haushalts Töchter von angesehenen Mandschufamilien, Mädchen, die das zwölfte Lebensjahr erreicht haben, nach Peking in die verbotene Stadt berufen, damit aus ihnen die Zahl der kaiserlichen „Dienerinnen" ioieder ergänzt wird. Nicht mehr als sieben Nebenfrauen sind nach Gesetz und Herkommen deni Kaiser zugebilligt, die in fünf Rangklassen eingekeilt sind, aber nebenher läuft eine! große Schar von „Aufwärterinnen" und hübsch geputzten „Dienerinnen". Jede von ihnen ist stets mit einer roten Blume im Haar geschmückt. Aus ihrer Zahl darf sich der Herrscher nach Belieben seine nähere Umgebung aussuchen. Ohne Gnade wird aber jede „Dienerin" wieder in ihre Heimat gesandt, die bis zu einem gewissen Zeitpunkte kinderlos geblieben ist. Jinmerhin lehrt sie auch dann wohlversorgt in ihre Familie zurück und hat auch bei Hofe nichts weniger als eine schlechte Behandlung zu gewärtigen. Das sind wie gesagt Auswüchse. Im allgemeinen hat sich 'in China heute der Standpunkt durchgerungen, daß eine Nebenfrau nichts anderes bedeutet als die „Stütze der Hauptfrau" zur Fortpflanzung der Familie, bei der Erziehung der Kinder und zur Besorgung des Haushaltes, der, wo dir Eltern noch leben und viele jüngere unverheiratete Geschwister des Ehemannes vorhanden sind, nicht unbedeutend ist. Im übrigen hat die Nebensrau rechtlich allerdings! viele Pflichten, aber Rechtsbefugnisse stehen ihr nicht zu. Sie schuldet dem, der sie zu seiner Konkubine erhoben hat, vor allem Gehorsam und ist sein eigen. Gibt sie sich mit anderen Männern ab und wird sie dabei auf frischer Tat betroffen, so steht den: Manne, dem sie als Nebenfrau zugehört, das Recht zu, sie und ihren Liebhaber auf der Stelle zu töten, ohne daß ihn das Gesetz dafür bestrafen kann; treibt er sie selbst zum Ehebruch, so ist die Strafe für ihn geringfügig; wird sie von den Eltern des Mannes dazu! ausdrücklich veranlaßt — auch ihnen schuldet sie Gehorsam, — so wird sie trotzdem als Schuldige behandelt und §ur Strafe an irgendeinen beliebigen Mann, der das Meiste für sie bietet, verkauft. Tötet aber beim Ertappen auf frischer Tat der Ehemann die Nebenfrau allein und läßt er den; Liebhaber entwischen, so verfällt er der Strafe; läßt er dagegen die schuldige Nebenfrau am Leben, so hat er sie dem Gesetze nach dem Richter zu überantworten, der sie mit hundert Stockprügeln zu bestrafen und zu einem Monat Kangtragen zu verurteilen hat. In den Händen des Ehemannes ist die Nebensrau rechtlich nichts als eine Sache, die durch Kauf sein Eigentum geworden ist, und Über die er beliebig verfügen, sie somit auch verkaufen kann. Die Sitten und Gebräuche haben aber das Recht gemildert, und so kommt es heute nicht sehr häufig vor, daß ein Ehemann von diesem Verkaufsrecht Gebrauch macht. Er kann die Nebensrau aber jederzeit entlassen und darf die aus dem Zusammenleben hervorgegangenen Kinder behalten, während ihm dieses seiner Ehefrau gegenüber nur in sieben gesetzlich vorhergesehenen Fällen zusteht. Stirbt der Manu vor der Nebensrau, so wird erivartet, daß sie sich nicht verheiratet. Begeht sie dagegen aus Trauer Selbstmord, was nicht selten ist, so wird das als ein Zeichen der höchsten Tugend angesehen und hohe Ehren werden dem Andenken der Verblichenen erwiesen. Wie die legitime Frau, so sind auch die Nebenfrauen nicht selten ein Opfer der Launen der Mutter des Mannes, die das Recht für sich in Anspruch nimmt, sie zu erziehen und zu bessern. Hat das Schicksal sie in ein Haus geführt, wo solch ein „Drache" herrscht, so wird besonders das Leben der Nebenfrauen dort zur Qual, und Selbstmorde sind in solchen Fällen nicht selten. Nur die Mandschumädchen sind in China von dem allgemeinen Los der Nebenfrauen befreit. Sie dürfen nur dem Kaiser als solche dienen. Aber auch die chinesischen Familien der besseren Klassen pflegen ihre Töchter einem Manne nur als Hauptfrau zu geben, es mußte denn schon ein ganz besonderer Grund dafür sprechen, sie Nebenfrauen werden zu lassen. vermischtes. * „Weun der Herr Präsident zur Hofjagd fährt . . Im Septemberheft vou Velhagen u. Ktasings Monatsheften plaudert Karl Eugen Schmidt-Paris allerlei Geheimnisse der edeln Weidmannskunst aus, wie sie unter! Felix Faure, als die französische Republik einen höfischen Anstrich angenommen hatte, gehandhabt wurde: In Ram- — 584 — bonillet, dem Jagdschlößchen des Präsidenten, habe ich eures Tages entdeckt, wie es kommt? daß die hohen Herren gleich ein paar hundert Rehe, Hasen und Fasanen erlegen können. Im Walde liegt dort eine wunderhübsche Försterwohnuug, die mit allen großen und kleinen Nebenbauten fast wre ein großer Bauernhof aussieht, lind sie ist auch so was Aehn- liches^denn der Förster hat da einen riesigen Hühnerhof, rrnd l^ine Arbeit besteht int Grunde darin, diese Hühner und andere Tiere zu füttern. Die oerineintlichen Hühner aber, die auf dem Hofe herumscharren und in den kleinen Hütten rings um das Försterhaus wohnen, sind keine Gockel und Hinkel, sondern Fasanen. Natürlich sind sie so zahm ivie irgendeine Hühnerschar auf dem ersten besten Bauernhöfe, aber trotzdem sind es diese armen Tiere, die der Jagdwut des „Hofes von Frankreich" ausgeliefert werden. Am be- stimmten Tage werden sie in Körbe gepackt und an der zur Jagd vorgesehenen Stelle losgelassen, damit die Hofjäger sie "totschießen können. Die Tiere sind, wie gesagt, genau so zahm wie gewöhnliche Hühner und denken gar nicht daran, sich vor den Menschen, von denen sie bisher nur Gutes, nämlich Futter, erhalten haben, zu retten. Bei einer solchen Jagd muß der Jäger also genau ebensoviel Geschicklichkeit besitzen, wie wenn er sich vor den ersten besten Hühnerstall stellte und die auf der Hühnerleiter heruuterkletternden Hennen herabschösse. Das ist nicht alles, was ich in dieser Försterei von den Geheimnissen des modernen Hofjagdvergnügens erfahren habe. Der Förster hatte da einen großen Eber, der frei herumlief uud seinem Herrn wie den andern Hausgenossen folgte, wie jedes andere Haustier. Das Tier hieß Jacquot, und wenn man seinen Namen rief, kam cs heran. Ich fragte den Förster entsetzt, ob er am Ende gar seinen Jacquot den Jagdgästen des Präsidenten aus- liefere, und dieser Barbar erwiderte achselzuckend: „Was wollen Sie, gerade auf diese große Jagdbeute sind die Herren erpicht." Und als er sah, das uns das gar nicht gefallen wollte, milderte er den Tatbestand etwas durch die Erklärung, zu gewöhnlichen Gelegenheiten gebe er natürlich den Eber nicht her, wenn aber ausländische Potentaten, russische Großfürsten oder ähnliche hohe Herrschaften kämen, dann müsse schon etwas Besonderes geschehe!:. Und außerdem könne man die Eber doch nicht lange behalten, denn ivemt sie ein Jahr oder mehr alt seien, würden sie kollerig und könnten ihrer Umgebung gefährlich werden. Also ist auch wohl dieser arme Jacquot den gewaltigen Nimroden der Hofjagden zum Opfer geworden. Uebrigens wollen die Tiere sehr oft nichts wissen von dem drohenden Verhängnis. Als vor zwei Jahren der König von Spanien mit dem Präsidenten in Rambouillet jagte, flüchteten sich die armen Hasen immer wieder in die schützenden Körbe hinein, nicht weil sie das königliche Blei fürchteten, sondern iveil draußen Schnee lag und ein kalter Wind pfiff, während sie in ihren Körben warm beieinander saßen. Tie Forstgehilfen mußten die Tiere an Ohren und Beinen packen und direkt vor die Gewehrläufe schleudern. * Eine zeitgemäße Anzeige. In Aylesbury scheinen weitschauende Leute zu wohnen, die den Pulsschlag der Zeit genau fühlen und kommende Bedürfnisse im voraus ahnen. Auf dem Dache eines Automobilgeschäfts am Marktplatze von Aylesbury prangt nämlich" in großen weißen Buchstaben die Inschrift: „Hier werden Luftschiffe repariert!" 4 Eine hübsche Duellgeschichte erzählen Pariser Blätter. Einer, dem der Gedanke, sich zu schlagen, ganz und gar fremd war, war Edmond About, der bekannte französische Romancier. In einem Journalartikel hatte er sich durch einen Witz, den er nicht zu unterdrücken vermocht, eine Forderung auf den Hals geladen. In seiner Ratlosigkeit eilt About zu Grisier, dein berühmten Fechtmeister, um sich von ihm in die Elemente der Fechtkunst einweihen zu lassen, von der er nicht den Schatten einer Ahnung hatte. An About, dem Mann mit dem dicken Bauck) auf den kleinen Beinen, wurde indessen die Kunst Grisiers so jammervoll zu schänden, daß der Fechtmeister den Unterricht sofort wieder abbrach. Vor dem Abschied bat sich About noch ein im Fechtsaal hängendes Bild Grisiers zum Andenken aus. Grisier gab es dem hoffnungslose;: Schüler und erfüllte lächelnd auch seine weitere Bitte, als Widmung „seinem besten Schüler Edmond About, Grisier" darunter zu schreiben. Als die vier Zeugen, die About ganz kon:mentwidrig zu sich geladen, das Arbeitszimmer des Schriftstellers" betraten, prangte Grisiers Porträt mit der beredten Widmung bereits aus Abouts Schreibtisch. Angesichts dieser suggestiven Mahnung zeigten sich die Sekundanten der Verständigung durchaus geneigt. Die Sache wurde beigelegt, und das Duell unterblieb. * Kind eropf er für den Wodukult. Der Wodukult, jene Kette von geheimnisvollen Religionsbräuchen, die nach der Aussage verschiedener Landeskenner in der Opferung eines Kindes zu gipfeln scheint, beschränkt sich keineswegs auf die Negcrrepublik Haiti, sondern hat auch unter den Schwarzen und sogar auch unter vielen Weißen oder Mischlingen auf Kuba ihre geheimen Anhänger. Die Zeitungen voi; Havanna lenken jetzt mit allem Nachdruck die Aufmerksamkeit der Behörden auf das Wicderaus- tauchen der alten Hexen-Zeremonien, im Zusammenhang mit denen in Haiti sich Kindesopfer ereigneten. Allem Anschein nach suchen die schwarzen Geistesbeschwörcr jetzt nach einem neuen Opfer, und man warüt die Eltern in Stadt und Land, intf ihre Kleinen acht zu haben. In Los Cocos ist ein Kind nnr durch die Nn- erschrockenheit der Mutter gerettet worden, die kurz entschlossen mit dem Gewehre des abwesenden Gatten auf die „Brujos", die Priester des Wodukults, schoß. In Pelton konnte durch den Vater ein Kind aus den Händen der Priester gerettet werden, als es. bereits aus der Wiege entwendet war. In der Nähe von Batabano ließen die von den Landleuten verfolgten Hexenmeister auf der Flucht int Gebüsch ein kleines Kind zurück. Auf dem Lande mehren sich die Anzeichen von dein Wiedererstehen des' alten Zanberkultes und aus verschiedenen Gegenden lanfen Nachrichten ein, die den Behörden eine Warnung sind. — Prittz Emil von S ch o e n a i ch-C a r o l a t h. Vost Dr. Lorenz Krapp. Max Hesses Volksbücherei Nr. 481—482.. (Moderne Lyriker. IV.) Mit des Dichters Bildnis. Leipzig, Max Hesses Verlag. Brosch. 40 Pf. In Leinenband 80 Pfg< In der als geschlossene Gruppe in Max Hesses Volksbücherei erscheinenden Biographien-Sammlung „Moderne Lyriker", die bereits wertvolle kritische Einführungen in die Kunst und das Leben Detlev v. Liliencrons, Martin Greifs und Richard Tehutels gebracht hat, und deren ganz besonderer Wert in der Aufnahme zahlreicher, charakteristischer Gedichtproben besteht,, ist soeben ,eine eingehende, liebevolle Würdigung des künstlerischen Schaffens Prinz Emil von Schoenaich-Carolaths von Dr. Lorenz Krapps erschienen. Der kürzlich verstorbene Dichter ist als eine besonders markante Persönlichkeit der letzten Lyriker-Generationen bekannt. Sein Schaffen, dessen Anfänge noch den Einfluß Byronschen Geistes verraten, ist im Grunde echt deutsch, warmherzig und von vollS- tünckicher Schlichtheit und Gemütstiefe. Daneben spricht der faustische Drang nach Lösung der Lebensrätsel aus stark lciden- schaftlichcn, gedankentiefen Versen. Die Frucht seiner Lebenskämpfe aber ist eine echte, ergreifende Frömmigkeit, die seine letzten Lieder in reinen Harmonien ausklingen läßt. Die vor- licaende Monographie Dr. Krapps darf als eine wohlgelungene Einführung in die Geisteswelt des Dichters angescheit iverden, um so mehr als auch in diesem Bändchen der Künstler selbst in zahlreichen Probe;: seiner Gedichte und aus seinen Prosaschriften zu Worte kommt. An- und Einsichten. Die öffentliche Meinung tirteilt nicht, sie verurteilt oder ver- himmelt. * Georg v. Oertzen. Begeisterung ist alles! Gib einem Menschen alle Gaben der Erde und nimm ihm die Fähigkeit der Begeisterung, und du ver- dauuust ihn zum ewigen Tod. A. Wilbraudt. * Freiwillige Enthaltsamkeit und Mäßigung sind das sicherste Verivahrungsmittel gegen Ueberdruß und Erschlaffung. Wieland. Der Hochmut des Wissens ist dort zu Hause, wo eine beschränkte, einseitige und engherzige Richtung vorherrscht. E. Curtius. Charade. Erstes — gibt dir jeder gerne, ob ehrlich und weise bczweifl' ich. 8weites — in Holz und Gestein hebt es sich über dir. uchst du das Ganze? Bedeutend steht es in Städten und Dörfern, Aber beherrschend die Welt stand es nur einmal in Rom. Auflösung in nächster Nnmmer. Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Glänzendes Elend. Redaktion: E. Anderson. — Nomtionsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.