Nr. 127 1908 Samstag den 15. August MW WüSiix Sie sollen ihn nicht haben! Modelle aus der Zeit der Eisenbahnfurcht. Bon Johannes Proelß. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Unter den einst verfolgten Patrioten, die der neue König von Preußen in ein Amt berufen hatte, befand sich! Ernst Moritz Arndt. Much in Hessen war .es nun keinem Beamten mehr verwehrt, sich durch Singen des Liedes zu seinem Inhalt zu bekennen. Regierungsbaumeister Werner hatte es herzhaft mitgesungen. Seinem Schwager Hell aber ivarcn Tranen ins Auge getreten. Für solche Gesinnungen und ihr Bekenntnis hatte er fünf Jahr: lang der Heimat fern bleiben und das Brot der Fremde essen müssen! Und ihm war es' vor hunderten von Schicksalsgenossen Noch gut ergangen! Er hatte in der Fremde Dinge gelernt, die er daheim so nicht hätte lernen können — daheim, wo der Ausbau der Eisenbahnen durch die Kleinstaaterei bisher in so schmählicher Weise verzögert und gehindert war! Aber nun tagte die Neue Zeit, in der sich all die gehemmten Verkehrsunternehmen mit unaufhaltsamer Kraft entwickeln mußten! Fetzt kehrte er heim, ausgerüstet mit Kenntnissen, die er im Dienste der Heimat fruchtbar verwerten konnte und die er freudig in ihren Dienst stellen wollte, war doch nun endlich sein Jugendideal im Begriff, Wirklichkeit zu werden — das „ganze Deutschland" Ernst Moritz Arndts. Doch Hell hatte keine Zeit, sich dieser Stimmung lange hinzugeben. Nur einige Augenblicke beugte er sich, zärtlich zu seiner Braut, aus deren leuchtenden Augen warm ein stolzes Glücksgefühl strahlt; dann aber mußten sich beide denen widmen, die ihnen die erste Stunde des Wiedervereinigtseins und die Erinnerung ftn das vergangene Leid so- festlich verklärten. Werner hatte schnell Wein kommen lassen und mit den gefüllten Römern taten sie den Sängern Bescheid, die vorhin beim Gesang von Arndts Lied die Führung gehabt hatten. Auch der Spenderin der Rosen brachten sie nochmals ihren Dank. Es war Zugleich ein Verabschieden, denn schon meldete der Klang der Schifssglocke das Bevorstchen der Landung. Da schaute Hell auf: Bon Lichtern übersät glänzte durch das Abenddunkel das alte Mainz, aber links vom Schiff zog sich gleich einem Riesenwall die dunkle Schiffsbrücke hinüber nach Castel. Dieser Anblick weckte in ihm ein Gefühl des Grausens, das sich in tiefem Dank austöste gegen das Geschick, welches ihm vor fünf Jahren seine Flucht über diese Brücke gut gelingen ließ und ihm jetzt eine so glückliche Rückkehr in die ihm damals so drohend erscheinende Festungsstadt gewährte. Die Erinnernngen an jene Tage der Flucht ließen sich freilich nicht so leicht bannen. Aber der Lebensmut, der seine Adern durchströmte, war so stark, daß er: mit Käthe, die jetzt üuch an diese von ihr mit qualvoller Sorge durchlebte Zeit denken mußte, nur im Tone fröhlichsten Humors die Vergangenheit berührte. Nur im Tone fröhlichsten Humors: die Vergangenheit berührte. .Südlich sich selbst überlassen, gingen sie hinter Schwager und Schwägerin her nach dem Hause, das diese bewohnten. Hells Gepäck war unterwegs nach dem „Darmstädter Hof", wo er zu übernachten gedachte. _ Einer Fülle von Glückumständen hatte der junge Feuerkopf es damals zu danken gehabt, daß er den nach ihm fahndenden Schergen der politischen Geheimpolizei entgangen war! Ein früheres Mitglied der „Palatia", jener burschenschaftlichen Verbindung in Gießen, der er mit Karl Vogt angehörte, war als Akzessist int Ministerium in Darmstadt beschäftigt. Dieser bekam als solcher einen Erlaß zu protokollieren, darin das Ministerium die Herstellung von zwanzig neuen Einzelhaftstellen in den Untersuchungsgefängnissen von Gießen, Friedberg und Darmstadt „vertraulich" dekredierte. Es geschah auf Ansuchen des neuen Untersuchungsrichters der politischen Umtriebe, Georgi. Der Akzessist ahnte sogleich den Zweck dieser Einzel» Haftzellen, steckte den Erlaß in die Tasche, meldete sich krank, be- itachrichtigte feine Freunde und entfloh gleich diesen über die Grenze. So hatte auch Hell rechtzeitig von der drohenden Gefahr gehört.. Doch nicht ohne Abschied von Braut und Vater hatte er die Heimat verlassen. Sein Vater war Pfarrer in einem Torf bei Friedberg, der Vater Käthes Förster einer Standesherr- schaft in der Nähe. In einem Waldhüterhäuschen hielt Hell sich damals versteckt, bis er von Gesinnungsgenossen die heimliche Nachricht erhielt, daß am nächsten Tag zu einer bestimmten Stunde vor einem Wirts-Haus zwischen Höchst und Hattersheim ein Lastwagen mit Weinfässern stehen werde, dessen Fuhrmann ihn erwarte, um seinen blauen Leinenkittel und die übrigen Kleidungsstücke mit den seinen zn vertauschen. Das Schicksal mehrerer seiner Gießener Freunde, die auf der Flucht in Gefangenschaft gerieten, hatte zu äußerster Vorsicht gemahnt, und auf der Mainbrücke bei Offenbach und der Rheinbrücke nach Mainz standen Geheimpolizisten, die jeden, dessen Aussehen irgendwie an einen Studenten gemahnte, anhielten, und solche, die keinen Paß hatten, verhafteten. In die Rolle des Fuhrmanns hatte er sich gut eingelebt; mit dem Saft von frischen Nußschalen, die er zerstampfte, hatte er sich vorher Gesicht und Hals' braun gefärbt. Aber beim Passieren der Schiffsbrücke zwischen Kastel und Mainz, unter den Wällen und Bastionen von Kastel und Gustavsbnrg, beim Vorüberfahren an den Militärposten, beim Halten vor der Zollstation, wo der Inspektor ihm mit der Laterne mißtrauisch ins Gesicht leuchtete, als er auf Befragen sieh für beit Neffen des Fuhrwerksbesitzcrs ausgab, da hatte ihm doch das Herz vor Bangigkeit' mächtig geschlagen! Das urechte Fulder- Deutsch, über das er verfügte — seine Lust am Erzählen von Anekdoten aus dem heimischen Volksleben hatte ihn darin zum Virtuosen gemacht — war sein Retter gewesen. i j, Lachend gedachte jetzt Hell int Gespräch mit seiner Braut dieser Szene und wiederholte ihr die schlagfertige Antwort, die er dem.mißtrauigen Beamten gegeben. Erst als er damals auch die Mauern' von Mainz glücklich hinter sich hatte, war die Gefahr vorüber gewesen. 506 So heiteren Tones sich Hell in diesen Erinnerungen erging, i Küthe konnte sich beim Zurückdenken an jene Flucht eines Schauers nicht erwehren. Sie hängte sich scster in seinen Arm- „Ach, cs !var eine furchtbare Zeit!" flüsterte sie vor sich hin. „Aber Nicht wahr, Fritz? Diese Zustände kommen nie wieder?" — „Kannst du noch fragen? Seitdem ich die wackeren Mainzer Bürger ganz ungeniert auf dem Rhein Arndts Vaterlandslied habe singen hören, ist es mir, als atme ich wirklich die Frühlings- I lüft einer neuen Zeit, als sei alles in Saft und Trieb gekommen, I Was bisher Winterfrost in Banden hielt!" Er sprach so lebhaft, das; Käthe unwillkürlich an den wirk- ! liehen Frühling denken mußte, wobei ihr Blick auf die entblätterten I Bäume eines Gartens fiel, an welchem der Weg vorbeiführte. ! „Wie schade, daß nicht auch in der Natur gerade jetzt Frühling ist! Wir gehen dem Winter entgegen. Man fühlts!" Sie zog ihre leichte Mantille fröstelnd über den Schultern zusammen. „Du bist leicht gekleidet und es ist kühler geworden," sagte er besorgt und blickte zärtlich auf sie nieder. Dann nahm er seinen Ueberrock vom Arm und legte ihr ihn sanft um den Rücken. Dabei küßte er sie auf die Wange- Sie ließ es sich glückselig lächelnd gefallen. „Ist dir denn gar nicht kalt?" — „Ich fühle den Herbst nicht, der die Bäume entlaubt; ich spüre den Lenz, der meine Jugcndiräume wahr macht!" gab er heiter zurück. „Und wenn der Winter nun doch noch einmal die Herrschaft anträte?" — Er schüttelte den Kopf. „Es kann Za nicht sein, denke an das, was wir Heute erlebten. Diesmal behält der Dichter recht: es muß doch Frühling werden!" „Wenn aber doch erst ein Rückschlag kommt?" — „So wandern I wir zusammen aus! Dann sind wir längst Mann und Frau — unsere Hochzeit muß bald sein, Käthe! Das ist doch auch deine I Meinung?" Sie antwortete nicht. Aber durchdrungen von dem Gefühl, I daß im Schutz dieses Mannes ihr Glück für immer gesichert sei, was auch die Zukunft bringen möge, schmiegte sie sich inniger an ihn. Als Fritz und Käthe bei Werners am gastlichen Tisch I zwischen Schwager und Schwägerin saßen, kam wiederum die I Gegenwart ganz zu ihren) Recht. Nach dem einfachen Nachtmahl, bei welchem ein guter Tropfen Rheingauer nicht fehlte, überflog der Regierungsbaumeister «schnell die neue „Mainzer Zeitung" I und machte den. andern Mitteilungen aus deren Inhalt. „Donner- I Wetter! rief er plötzlich, „der Doktor Andree geht aber gehörig I ins Zeug! Ta hört mal!" Und er las mit warmem Interesse laut einen Artikel vor, | der mit den Worten anhob: „Heute lebt in Deutschland keiner j mehr, der nicht wüßte, daß die einzelnen Staaten unseres Vater- I müdes einzeln genommen, politisch wenig bedeuten" und dessen I Schluß lautete: „Aber noch viele Interessen sind zu bcrnck- sichtigen und dahin gehört auch unser Seehandel und unsere Schiffahrt!" ersten Rauchwölkchen kunstvoll von sich gestoßen hätte. — Das ist noch alles im Unklaren", erwiderte Werner. „Bisher hoffte man durch diplomatische Verhandlungen die jenseitige Regierung zu nötigen, den Damm wieder abzutragen. Ich muß mich vorläufig auf Berechnungen des Schadens beschränken, den uns die neue Strombahn macht, und auf Schutzmaßregeln gegen die Vcrsan- dung,^die dem Mainzer Hafen und unserer alten Fahrbahn jetzt „Wer bekämpft doch die Gewalt mit Gewalt! Ich habe heute viel au meine Flucht denkeir müssen. Erst vorhin wieder, als ich die Straßen von Mainz zum erstenmal wieder betrat! Damals galt es auch Gewalt gegen Gewalt, und Heimlichkeit gegen Heimlichkeit! Unsere Verfolger unterhielten auf Weg und Steg Geheimagenten, um uns zu fangen: unsere Freunde unterhielten im Geheimen die Flüchtlingspvst durch die Pfalz. Die Herren in Nassau haben in aller Heimlichkeit, wie du sagst, ihren Damm! zi« bauen begonnen — nun, vergeltet doch Gleiches mit Gleichem: antwortet auf den Fang dämm mit einem Staudamm, der daß Fahrwasser wieder ins alte Bett leitet!" „Ich habe auch schon daran gedacht, ob etwas Aehnliches nicht möglich wäre", erwiderte mit nachdenklichem Kvpfschütteln Werä ner. „Die Schwierigkeiten aber sind zu groß! Wir dachten air einen Damm von der Peters-An in der Richtung nach links/ etwas oberhalb des Biebricher Dammes. Aber meine Techniker haben mit mir berechnet, daß das gestaute Stromwasser doch dem tiefer gelegenen Fangwehr zufließen müsse." „Ei, so baut man den zweifellos berechtigten StaudamiN neben den Fangdamm, so daß beide zusammen einen Damm bilden, der gar kein Wässer mehr durchläßt, so daß aller Strom nach links abfließt. Paß' auf, dann werden sich die Herren in Nassau zu einer Verständigung schon bereit sinden lassen, die das Rocht gleichmäßig verteilt!" „Bravo! Eine kapitale Idee!" rief Werner begeistert, indem er aufstand und im Zimmer auf-und abzuschreiten begann. „Wirklich das Ei des Kolumbus! Zwar höllisch frech, aber fein! —• Nur die Ausführung!? Glaubst du, mau wird drüben ruhig zusehen, wenn wir auf der Peters-Au zu bauen anfangen! Dä müßte man schon den Hexenmeister zu Hilfe bitten, der die Teufelsbrücke bei Andermatt, wie die Legende sagt, in einer Nacht ett- baut hat!" „Geht auch ohne Teufelskünste! Denke doch nur daran, wie man in Belgien und Holland die Riesendämme und Deiche anfge- führt hat, die deir Wellen des Meeres die festen Ufer abrastgen!" (Fortsetzung folgt.) Leihgestern. Altes und Neues zur Geschichte des Dorfes von Ludwig Strack. (Originalbeitrag der „Gieß. Fam.-Blätter".) Werner seufzte auf. „Ich denke ganz wie dieser Doktor Andree, und dabei muß ich mich für unser Hessen-Darmstadt mrt den Nassauern wegen des Fahrwassers im Rhein herum- schlagen. Ist es nicht schmachvoll!" Ein anderer Artikel der Zeuung fiel ihm auf. „Da fieh." rief er zu Hell gewandt- „Die bclgiichen Eyenbahnen. Das geht dich an!" Seine Augen überflogen die Spalten; den Schluß las er laut: „Baut erst Deutschland wre Belgien seine Eisenbahnen fertig von Grenze zu Grenze, so wird seine politische Einheit nur noch eine Frage der Zeit )e,n und sein Wählstand muß einen unermeßlichen Aufschwung nehmen!" Unter frohem Lachen sagte da Hell: „Das ist ein Grriß von nur an die Heimat! Ich bin mit Doktor Andree befreundet wir hatten ja ein ähnliches Schichal — ich sandte ihm schon manchen ähnlichen Aufsatz! Aber was helfen solche Mahnung^' Nocy immer sind alle dentschen Bahnen Stückwerk! Sag' mal • rT“8cr; warum baut ihr bei eilch nicht die Bahnstrecken, die doch langst geplant sind? Was hindert eigentlich die Regierungen poch, «ert sie dem „Zollverein" angehörcn?" „Es sind dieselben Ursache)!, die drüben vor Biebrich deir Fangvamm ins Leben riefen. Jeder einzelne Staat will seine Bahnstrecken ;o bauen, daß er vor den Nachbarn im Vorteil ist Und w kommt cS zu keiner Verständigung über den Anschluß!" ™, "~a$ "(le deutsche Elend!" warf Hell mit bitterem Tone hin. Aber Frau Lotte ließ die ttübe Stimmung nicht aufkommen und, chrem Drangen folgend, machten die Herren cs sich bald auf dem Sofa bequem und zündeten sich Zigarren an, wozil ihnen Käthe das Feuer reichte. m „"Was wollt ihr nun eigentlich gegen den Gcwaltstreich der Nassauer Positives unternehmen?" fragte auf ciumal Hell, während er gedankenvoll den blauen Ringen nachsah, in denen er die Nachdruck verboten. (Schluß.)-^ Wir wollen sie uns noch kurz näher ansehen. Am malerischstes zeigt sie sich von der gegenüberliegenden Straßenecke aus. Im Vordergründe die stilvolle massive Kirchhofeinfriedigung mit dem großen Torbogen. Dahinter, mitten im Grün der Bäume, das neue Kirchenschiff, dessen beschiefertes Dach den Blick zu dem alten, unter staatlichen^ Denkmalsschutz stehenden Kirchturm mit den vier charakteristischen Ecktürmchen hinauflenkt. Es ist in oberhessischem Dorfkirchenstil erbaut und besteht aus einem Hauptschiff und einem zweijochigen Ncbenschiff auf der Südseite. Nach der Straße hin gliedert sich eine Vorhalle an, in deren Obergeschoß das Blaswerk der Orgel aufgestellt Ivorden ist. Sehr malerisch macht sich der in Fachwerk ausgeführte Sakristeianbau mit Turmaufgang im Osten, bei dem, wie schon erwähnt, die alte Freitreppe wieder verwandt worden ist. Ueberhaupt ist unter weitgehendster Berücksichtigung der Grundsätze der Denkmalspflege gebaut worden. Das Mauerwerk (Bruchsteine aus oberhessischem Basalt) ist dem des Turmes angeglichen ivorden. Vier Türen führen in das Innere, das ebenso wie das Aeußere einfach und schlicht, aber würdig gehalten ist. Es hat Raum für 727 feste Sitzplätze, die jedoch durch einen dritten Emporeneinban noch vermehrt werden können. Wenn wir durch den Haupteingang eintreten, so wird unser Augenmerk zunächst auf den wunderschönen gotischen Chor mit den alten Malereien gelenkt. Ec bildet eine kleine Kapelle mit massivem Kreuzgewölbe, der Altar der alten Kirche hat in ihm Aufstellung gefunden. Die Malereien! stellen Christus und 10 Apostel dar: Christus, Jakobus der jüngere und Simon Zelotes auf der Wand des Turmes, die dem Kirchenschiff zugewandt ist. Unmittelbar darüber schloß früher das Kirchenschiff mit einer Decke ab. Als es dann mit einem höheren Gewölbe versehen wurde, blieb an der Wand ein freier Raum, den man mit einer sehr primitiv gemalten Kreuzigungs- gruppe und der oben erwähnten Inschrift von 1692 ausfüllte. Da diese redoch sehr unschön bezw. verdorben waren, wurden sie über- 507 malt. Jetzt finden wir dort ein einfaches Kreuz Und den Spruch: „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott und Gott in ihm." Die Größe der alten Kirche im Querdurchschnitt ist durch einen Mauerabsatz markiert. Den Bartholomäus und Philippus sehen wir in dem Triumphbogen, der das Schiff mit dem Chor verbindet; Petrus, Andreas, Jakobus den Aelteren, Johannes, Thomas und Matthäus an den inneren Wänden des Chors. Die Apostel tragen die ihnen im Mittelalter eigentümlichen Attribute, die sich zumeist auf ihren Märthrertod beziehen und sie sind umgeben von bunten Blatt- und Rankenverzierungen. Die Malereien stammen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts (vielleicht 1575). lieber ihre kunstgeschichtliche .Bedeutung zu schreiben überlasse ich berufenerer Feder. Jedenfalls find durch Aufdeckung und Erhaltung derselben die Sehenswürdigkeiten in der Umgegend von Gießen um eine weitere ver- inehrt worden. Vor dem Chor steht der neue Altar mit einer Sandsteinplatte und einer Sandsteinstufe, im übrigen aus Backsteinen cmf- gebaut, verziert durch eine Leiste mit Aehren und Reben in ober- yesiischer Kratzarbeit. Links von dem Chorbogen steht die Kanzel. Rach Süden und Westen sind zwei größere Emporen eingebaut. Auf der Querempore (Westen) steht die wundervolle neue Orgel. Sie hat zwei Manuale, ein Pedal und 19 klingende Register und wurde ber der Prüfung von zuständiger Seite als ein Meister- werk bezeichnet. Das Kirchenschiff wird überspannt von einem foelß gestrichenen Tonnengewölbe aus Holz, das von kräftigen Eichensaulen getragen wird. Für die Giebelwand sind schöne bunte Fenster gestiftet worden. Im Chor hat man die alten sechs- ecklgen Scherben wieder angebracht, während die Fenster der Nord- und Südseite gewöhnliches Helles Glas haben. Das Ganze, farbenfreudig gestimmt und bis ins Einzelne künstlerisch ausgeführt, dars^als ecu Meisterwerk bezeichnet werden. Zu einer Baugeschichte gehören auch die Baumeister und Bauhandwerker, dre hier nicht fehlen sollen: £>o-1T VEMbistcr: Ludwig Hofmann, Kirchenbaumeister zu Her- R Bauführer: Bis zum 18. April 1907 Wilhelm Schudt E von da an Adam Trietsch aus Fränkisch-Krumbach. C. Bauhandwerker und Lieferanten: 1. Abermann und Kling, Bauunternehmer in Gießen: Erd- und Maurerarbeiten. 2. I. Atzbach, Gießen: Stcinmetzarbeiten. ^ohs Weller, Leihgestern: Zimmerarbeiten des Dachstuhls, des Vorbaus und des Sakristeianbaus. 4. ^ost Bößer, Holzhausen: Dachdeckerarbeiten. ~ 5. Heinrich Walz, Lieh: Klempnerarbeiten. 6. Julius Stohr, Gießen: Blitzableiteranlage. , Ludwig Wehrum, Leihgestern, und Friedrich Zeig, Griedel: Gestühl imd^K'anz?^"' Emporböden, Emporbrüstungen, Decken, .dcm^Gestiihl^"^ ®llf) nnb Kl'ck, Leihgestern: Dielungen unter Ott, Leihgestern: Schlosserarbciten. i i Luh, Gießen, Glaserarbeiten. r. .-P; 'S- Brück' Leihgestern, und H. Demmer, Wetzlar: Anstreicher- und Malerarbeit. Heizung Schaffstaedt, Gießen: Zentral-Niederdruckdampf- 13. Förster und Nicolaus, Lich: Lieferung der Orgel. an < ^rrmann Velte, Frankfurt a. M.: Wiederherstellung alter Malereien cm Chor und der Oelbilder au der Emporenbrüstung. Io. Karl Laux, Leihgestern: Gärtnerische Anlagen. ■ffi.?11 Psatulleren der Gemeinde Leihgestern zu ihrer neuen ' io =y 'lt eine der schönsten der Umgegend. Möge das neue Gotteshaus der Gemeinde reichsten Segen bringen! Möge sie einer solchen Kirche wert fein. Möge sie auch derer nie ver- die, oft unter schwierigen Verhältiiissen, dafür gesorgt Fi en, dast der Bau zu einem so glücklichen Ende geführt worden ist- Gott allein aber sei die Ehre! Line hübsche Schilderung der Landung bei Oppenheim sandte einer Berliner Zeitung ein Darmstädter Pri- ntnncr. Sie zeigt, löte stark Deutschlands Jugend mit dem Herzen an der großen Sache teilnimmt: „Eine große Ueberraschung war es, als wir in Darmstadt durch Telegramm erfuhren: Heute morgen 6 Uhr ist Zeppelin aufge- stlegen und hat die große Rheinfahrt angetreten. Schnell ging zum Bahnhof, um mit dem Zuge um 3A2 nach Mainz zu fahren. Dort fand ich bereits alles in großer Aufregung: Haufenweise standen dre Leute vor den Telegrammen, Automobile saustest dse Straße entlang, und ein Menschenstrom ergoß sich die Große Bleiche hinunter, dem Rheinufer zu. Tausende und Abertausende standen da und warteten. Zwischen 4 und 5 sollte Zeppelin nach Mainz kommen. Aber es schlug 4, 5, st?6, und immer war Uoch nichts in Sicht. Als gegen 6 Uhr der Ballost noch immer sticht erschien, ging ich nach Weisenau zu und fragte einige Vorbei- Sehende. Höchst verschieden waren da die Antworten: „Zeppelist ist umgedreht." — „Er ist mit seinem Luftschiff in den Rhein gestürzt." Am wahrscheinlichsten, weil es die meisten Leute sagten, fMen mir die Nachricht, daß Zeppelin Bei Nierstein gelandet sei. A so stwglichst schnell nach Nrerstem. Ich sprang auf die voll- gepfrvpfte Elektrische, um nach Weisenau zu fahren. Das war ein Leben auf der Straße! Rasend fahrende Autos verursachten einen schreckftchen Staub, Radfahrer fuhren mit ihnen um die Wette, die Kutscher hieben verzweifelt auf ihre Pferde ein — kurz, em Gedränge, daß jeden Augenblick ein schwerer Zusammenstoß geschehen konnte. In Weisenau begab ich mich im Eilmarsch nach Laubenheim, der nächsten Bahnstation, obwohl viele Leute behaupteteir, Zeppelin sei umgekehrt. In Laubenheim warteten schon viele aus °«n Zug. Endlich lief er ein; aber er war dermaßen überfüllt, daß man kaum Platz bekommen konnte. Der Packwagen war bereits ganz besetzt, selbst auf der Lokomotive standen Fahrgäste, und oben in einem Bremserhäuschen befanden sich nicht weniger als drei Mann. Ich konnte mir noch einen Platz ist einem, vollgepfropften Wagen vierter Klasse erkämpfen. Biel zu langsam für unsere aufgeregten Gemüter zog der Zug an den Wernbergen dahin. Als er dann in Nierstein hielt, prang alles schleunigst heraus. Bon Billettabgeben war keine Rede mehr, die ganze Menschenmasse ergoß sich über das Bahn- üblande. ^er-och fiel der, Bahndamm fo steil ab, daß einige rns Rollen kamen und unliebsame Bekanntschaft mit einem unten vorbeifließenden Bache machten. „Zehn Minuten nach Oppen- helNl zu liegt der Ballon auf dem anderen Ufer", hieß es. Jetzt gab es einen allgemeinen Wettlauf zum Landungsplatz der fliegenden Brücke, die, besetzt bis auf den letzten Platz, gerade langsant über den Fluß zu uns herankam. Und richtig, rechts an ber Brücke vorbei, lag das weiße Ungetüm, das Hinterteil uns zugekehrt, ruhig auf dem Flusse zwischen zwei Buhnen. Nach dem Uebersetzen hatte man noch etwa zwei Miautest zu gehen, bis man zu dem Luftschiffe gelangte, dessen Gondeln, nur etwa einen halben Meter vom Ufer entfernt, auf dem Wasser schwammen. In der Hintergondel waren nur drei Maschinisten, so daß ich die Vordergondel aufsuchte, wo ich den Grafen ver- uiiitete. Er stand dort im „ Gespräch mit seinem Neffen, dem jungen Grafen Zeppelin, und seinen Ingenieuren. Ich konnte mich vom, User aus an die Gondel lehnen, so daß ich alles aus nächster Nähe beobachten konnte. So oft Graf Zeppelist seist sympathischiH Gesicht dem Ufer zuwandte, ertönten begeisterte Hochrufe, so daß er öfter um Ruhe bitten mußte, um sich mit seinest Leuten verständigen zu können. Es war etwa ’/29 Uhr geworden, als plötzlich der rouimandierende General des 18. Armeekorps, Exzellenz von Eichhorn, erschien, um dcst Grafest herzlich zst begrüßen; er war auf die Künde von der großen Fahrt vost Hagenau nach Ludwigshafen und vost dort per Auto ast die Landungsstelle gefahren. Bei der Begrüßung fragte Exzellenz v. Eichhorn beit Grafen nach dem Grunde seiner Landung, worauf dieser antwortete: „Ich war auf der Fahrt sehr hoch gegangen.' und hatte hierbei und durch die Wärme der Sonne viel Gas verloren, so daß ich,beschloß, zu landen und die Abkühlung abzu- warten." Hierauf sah der junge Graf am Thermometer nach und rief seinem Onkel zu: „Onkel, es sind immer stoch 191/2 Grad." — „Dann müssen wir noch warten." Noch längere Zeit unterhielten sich die beiden Herren; ich hörte, wie Graf Zeppelin für die Kommandierung von Mainzer Pionieren seinen Dank aussprach. Als sich deren Ankunft etwas lange hinauszog, entfernte sich Exzellenz von Eichhorn, um das Uebersetzest zu beschleunigen. Unterdessen beobachtete ich, wie ein Herr dem Grasen einen Trunk edlen Niersteiner darbot. Hocherfreut nahm Graf Zeppelin die Gabe an, tränt, füllte dann ber Reihe nach jebent feiner Leute das Glas, schenkte sich das Glas dann nochmals ein, traut der Menge zu und rief: „Sehen Sie, so gehören wir zusammen." Ein begeisterter Jubel der Menge lohnte diesen großherzigen Zug. Noch öfter wurden Hochrufe ausgebracht und Deutschland, Deutschland über alles gefungen, bis endlich gegen zehn Uhr die Pioniere erschienen. Jetzt wurde alles abgesperrt, und da es sich ziemlich abgekühlt hatte, die Vorbereitungen zum Aufstieg getroffen. In beiden Gondeln flammte helles, elektrisches Licht auf, und die Pioniere begannen langsam die Vor- dergoudel herauszubewegen. Sobald sie ein wenig über dem Wasser schwebte, wurde auch die hintere Gondel vorgeschoben, bis das Luftschiff, durch Automobilscheinwerfer hell beleuchtet, ganz frei auf dem Wasser lag. Nach einigen Minuten atemloser Spannung hob sich der Ballon ein wenig, senkte sich dann wieder, und erhob sich dann zum zweiten Male. Höher und höher flieg! er rind als er etwa in 30 Metern Höhe schwebte, hörte man plötzlich ein Klingelsignal, dann arbeitete erst der vordere, dann der hintere Motor, die Schrauben begannen laut zu surrest und unter jubelnden Hochrufen der Menge und Sirenengeheul der Dampfer stieg der Ballon majestätisch immer höher, schlug dann einen Bogen und entfernte sich mit großer Geschwindigkeit in der Richtung nach Mainz zu. Rasch zerstreuten sich nun die Zuschauer, und auch ich wanderte, da die letzten Bahnzüge laugst abgegangen mären",. zu Fuß der Heimat zu. Unterwegs hielt ich aber in Geinsheim Rast.- Etwa V2I2 Uhr rief ein Gast am Fenster unserer Wirtsstube; „Da kommt er wieder!" Alles eilte hinaus, und' nun sahen mit bte Lichter, die dem Ballon auf seiner siegreichen, wenn auch leider letzten Fahrt leuchteten, in der Ferne sternenahnlich vorüberziehen." 508 Vermischtes. * Zeppelins Geschlecht. Generalmajor Konstantin von Zepelin, ein in Eberswalde lebender Vetter des Grafen^ Zeppelin, übermittelt dem in Eberswalde erscheinenden Preuß. Stadt- und Landboten ein Schreiben, aus dem wir folgende Stellen wieder- gcben: Meine Familie gehört zu den mecklenburgischen Familien, die seit dem 13. Jahrhundert dort Vorkommen. Ihr Name ist in Mecklenburg niemals anders wie Zepelin geschrieben, soweit man in Urkunden überhaupt ans Orthographie Rücksicht nahm: das (in vielen Berichten erwähnte) Dorf bei Bützow wird heute wie früher auch noch mit einem p geschrieben. Die verschiedene Schreibweise ganz naher Verwandter ist durch den sehr trivialen Umstand zu erklären, daß die Brüder meines Großvaters sich fast sämtlich verschieden schrieben. So z. B. finde ich in der preußischen Rangliste 1806 den Namen meines Großvaters „Zeplinn" geschrieben, und auch die beiden andern Brüder, von denen einer 1806 bei Lübeck ein Bein verlor und Invalide wurde, der andere als Major 1813 bei .Hochkirch fiel, schrieben sich jeder verschieden. Noch als Divisionskommandeur hat mein Großvater den im Taufregister des früheren Regiments Nr. 8 unrichtig eingetragenen Namen meines Vaters in die richtige Orthographie umändern lassen. Ich führe dies Küriosum nur an, weil cs kulturhistorisch nicht ohne Interesse ist und beweist, welchen Wandel die Bedeutung der Namensschreibung in Deutschland erfahren hat. — Der Teil meiner Familie, der noch heute int alten Stammlande auf den zum Teil seit mehr als fünfhundert Jahren im Besitze unserer Familie befindlichen Gütern sitzt, schreibt sich auch Zepelin, ebenso wie die Nachkommen des Bruders Meines Großvaters, der in dänische Dienste ging und der zuletzt als General die Leibgarde zit Fuß kommandierte. Die Mecklenburgischen Familien sind, da das kleine Land den jüngeren Söhnen zu wenig Raum für ihre Betätigung bot, viel in fremde, Namentlich dänische, schwedische, churhannoversche, preußische und kaiserliche Dienste gegangen. So waren Blücher schwedischer Körnet, Moltke dänischer Leutnant, ehe sie in preußische Dienste traten. So auch die Zepelins. Ein gemeinsamer Vorfahre von meinem Vetter und mir fiel als Kominandeur des dänischen Leibrcgimcnts zu Pferde in der Schlacht bei Höchstedt 1704. Da seine Fran dein bekannten hannoverschen Geschlechte der Oeynhausen angehörte, kämen Söhne und Enkel in hannoversche Dienste. Unser Urgroßvater war als hannoverscher Hauptmann in den Kriegen Friedrichs des Großen sehr schwer verwundet, so daß er aus dem Dienste schied und in die alte mecklenburgische Heimat zu- rückkehrte, um seine neun Söhne und drei Töchter dort erziehen zu lassen. Drei dieser Söhne kamen auf dem Umwege des russischen und österreichischen Dienstes nach Württemberg, wo ihre Nachkommen noch heute leben. Zwei von ihnen wurden Minister, der eine in den Neichsgrafenstand, der andere in den württembergischen Grafenstand erhoben. Der Großvater meines Vetters stand vorher als Offizier in kaiserlichen Diensten und wurde bei Marengo als Rittmeister schwer verwundet; er starb als württembergischer Gesandter in Wien. Sie haben sich alle drei der schwäbischen Schreibweise (Rüpplin usw.) entsprechend mit zwei p geschrieben. Wenn meine Familie hierin einmal „Ordnung schaffen" sollte, wird sie sich wohl dazu bequemen, nachdem die zwei p solche Runde durch die Welt gemacht haben, „unhistorisch" zu sein. * Ke i n e Bl e i s o l d a t e n m e h r f ü r Kn a b e n. Der internationale Friedenskongreß in London beschloß Stockholm als Kongreßstadt für das nächste Jahr zu wählen. Der Vorsitzende betonte, daß die Väter und Mütter viel für den Frieden tun könnten, wenn sie von vornherein ihre Kinder i nF riedensideen erzieh en würden. Wenn sie ihnen keine Bleisoldaten, keine Schwerter und keine M i - itiatur f Hitteit schenken würden. Wenn sie keine Sol- datenspiele dulden würden und wenn sie von vorne- herein ihren Kindern die Idee beibrächten, daß der Krieg etwas schrecklich grauenhaftes sei, das unter allen Umständen vermieden werden müsse. Den Fabrikanten von Bleisoldaten müsse das Handwerk ungefähr ebenso gelegt werden, wie den Verbreitern nnd Verfertigern aufhetzender Schriften und Pamphleten. * Gute Ablenkung. Erster Ehemann: „Welch ein Segen Kinder sind!" — Zweiter Ehemann: „Ja, nicht wahr? Seit meine Frau eins hat, hat sie keine Zeit Mehr Klavier zit spielen." * Kleiner Knabe (beim Schwimmunterricht int Bassin): „O, Muttchen, ich habe etwas Wasser 'runtergeschluckt! Wird da der Bademeister nicht böse sein?" Literarisches. — Das religiöse Problem steht lvie Jahrhunderte hindurch so auch heute noch Mit im Vordergründe des öffentlichen Interesses der gebildeten Welt. So sehr man es auch abzuleugnen oder mit hohlen Worten zu verschleiern sucht, keine Frage bewegt den Menschen so tief, regt ihn so intensiv zu immer neuem Nach- denken, zu immer neuen Versuchen der richtigen Beantwortung an, wie die über feine Stellung zu Gott. Besonders gilt dies für Deutschland, wo jede Konfession den rechten Ring zu besitzen glaubt und jede sich für verpflichtet hält, den ihrigen wie den der Gegner auf feinen Feingehalt zu prüfen. Jedermann fühlt sich berufen, in diesem Kampfe Stellung zu uehmen, aber ist auch leder dazu im Stande? Wie man über kein Problem urteilen kann, das man nicht gewissermaßen werden sah, so ist der Gegensatz der Konfessionen ein Brich mit sieben Siegeln für jeden, der ihn nicht aus seiner Entstehung heraus begriffen hat. Gerade . jetzt bietet sich eine besonders glückliche Gelegenheit, zu wirklichem Verständnis auf diesem wichtigen Gebiete zu gelangen.- Es hat nämlich in den Lieferungen 16—18 von U l l st e i u s Weltgeschichte, herausgegeben von Prof. Dr. I. v. Pflugk- Harttung und 25 Universitätsprofessoren, das Zeitalter der Reformation durch den Leipziger Theologie-Professor Brieger eine glänzende Darstellung gefunden. Der Forscher hat es verstanden, die Vergangenheit in beispielloser Klarheit für jedermann lebendig^ zu machen und den Leser in die große Zeit einzuführen.> Mit feinem Takt hat er besonders die sozialen und weltpolitischen Fragen, die den Gang der Reformation wesentlich bestimmten, ins rechte Licht gesetzt. Das meisterhafte historische Werk wird nicht verfehlen, auf die Leser tiefen Eindruck zit machen. Jeder Bücherfreund wird mit Entzücken die wundervollen Illustrationen betrachten, durch die sich Ullsteins Weltgeschichte in der deutschen Büchertechnik einen allerersten Platz gesichert hat. Aus den vorliegenden drei Lieferungen erwähnen wir neben vielen schwarzen Tafeln und Textillustrationen die farbigen Wiedergaben von Rubens „Ignatius von Loyola heilt Besessene" nnd Wouoer- männs „Lagerszene aus der Zeit der dreißigjährigen Krieges"^ Tröstlich eines abgefetztcn Professors. 21. November 1842. Mel.: „Nachts um die zwölfte Stunde". Ich bin Professor gewesen: Ntm bin ich abgesetzt. Einst könnt' ich Kollegia lesen, Was aber kaitn ich jetzt? Jetzt kann ich dichten und denken Bei voller Lehrfreiheit, Und keiner soll mich beschränken Von nun bis in Ewigkeit. Mich kümmert kein Staatsminister Und keine Majestät, Kein Bttrsch und fein Philister, Noch Universität. Es ist noch nichts verloren: Professor oder nicht — Der findet noch Angen und. Ohren, Wer Wahrheit schreibt und spricht. Der findet noch treue Genossen, Wer für das Rechte ficht, Für Freiheit unverdrossen Stets eine Lanze bricht. Der findet noch eine Jugend Beseelt von Tttgend tmd Mut, Wer selbst beseelt von Tugend Und Mut das (Sitte tut. Ich muß das Glas erheben Und trink' au! mein eigenes Heil: O würde solch' freies Leben Dem Vaterlande zuteil! Der Professor ist begraben, Ein freier Mann erstand — Was will ich weiter noch haben? Hoch lebe das Vaterland! H o f s m a n n v. Fallersleben. Mumenrätsel. Maßliebchen, Dahlie, Heliothrop, Hyazinthe, Reseda, Malve, Geranium, Immortelle, Hortensie, Lobelie, Eamelie, Aurikel, Jasmin. Aus jedem dieser Blnmemtamen ist ein Buchstabe zu nehmen, so daß die richtig gefundenen Zeichen wiederum den Namen einer Blume ergeben. T. L. (Auflösung in nächster Nummer.? Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Gigerl. Redaktion: P. Witiko. — Rotationsdruck und Verlag der B rühl'sche« Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen»