WM a KpiuIJ ZZIH »1 i rj UW WWW Baroneß Ilse. Novelle von Gerhard Walter. Nachdruck verboten. Ter Abend dämmerte. Das Feuer im Ofen, genährt von trockenen Tannenkloben, knisterte und prasselte und warf zitternde, spielende Lichter auf die Wand. Draußen flogen einzelne Schneeflocken hin und her vom Winde getriclen. Wie stille Feiertagsstimmung lag es über dem abgeschiedenen, rings von dunkelm Kiefernwalde eingefaßten Stück Erde. Cs Ivar ein einsames, tvcitgestrecktes Rittergut. Auf einer Anhöhe, das ganze Gelände beherrschend, stand das neue, aber im Stil einer alten Ritterburg erbaute Schloß Milgow. Einsam am Fenster lehnte der Kandidat. Heute, an dicsein Dezember-Abend, ganz nahe vor Weihnachten, war es noch stiller als gewöhnlich int Schloß. Die verwitwete Gräfin war mit ihren beiden Kindern schon abgereist auf das väterliche Gut, um nach alter Geivohnheit das Fest dort zu feiern, und der Kandidat und die Erzieherin sollten morgen nachmittag ihr folgen. Er träumte mit wachen Augen als er so in den dämmernden Winterabend hinaussah, in dem hier und da ans dem großen Wirtschaftshofe ein Licht aufleuchtete tu den Stalltüren, und durch dessen Stille aus der gluthell erleuchteten Tür der Schmiede jetzt das Klingen des schweren Hammers ge- d ä mpft herüberschallte. ES war ein sehr stattlicher Mann, dev Hauslehrer, breit von. Brust und Schultern, mit klaren, stahlblauen Augen und kurzem, blondem Vollbart. Besonders kandidatenhaft sah er gerade Nicht aus. Aber es lag etwas eigenartig Bezwingendes in seinem Gesicht und Wesen, und um seinen Mund ein Zug, der von vornherein für ihn einnahm. Er spielte, seit er die beiden Tnrmzimmer bezogen hatte, eine gewisse Rolle int Schloß. Die Kinder sichvärmten schon am zweiten. Tage für ihn; das'Stnben- mädchen und der Bediente sagten, als sie auf der Treppe einander begegneten, wie aus einem Munde: „Netter Kerl!" und der Bediente drohte der Lisbeth mit dem Finger: „Du —!" Und sie rief lächelnd, den Gang hinuntereilend: „I wo!" Die Gräfiit, eine noch jugendliche Frau, hatte ihn gern. Sie unterhielt sich über Tisch mit ihm und ging ihm nicht ans dem Wege, wenn sie im Park ihm begegnete, und die junge Erzieherin, Fräulein Effert, das schlanke, braunäugige, herzliche Mädchen, sagte eines Tages harmlos zur Gräfin: „Es ist mir gerade, als iucnit Herr Funke schon seit Jahr und Tag hier wäre." llnd die Gräfin lachte und sagte: ,sJa, er hat etn glückliches Temperament!" Jedenfalls war noch kein Hauslehrer allseitig so gut behandelt worden auf Milgow. Er stand am Fenster und rauchte. Die Glut der Zigarre schien wie ein kleiner, roter Stern durch die schnell zunehmende Dmtkelheit. .Prächtig so!" flüsterte er vor sich hin, „diese behagliche Winter- und Weihnachtsruhe." Und weich und warm legte sich ihnr die Advents-Stimmung ums Herz. , „Und diesmal nicht so einsam!" sann er Weiter. -Mn Mensch, der kein Vaterhaus mehr hat, und keine andere Zuflucht um die Weihnachtszeit als die Verbindungskneipe, ist immer übel dran. Diesmal bin ich doch unter Menschen, und sogar unter sehr feudalen Leuten. Es soll ja reizend sein auf Riepershagen. Solider, vornehmer Reichtum und gut adliger Ton. Das wird fdjmt gehen." Er horchte auf. Das dumpfe Rollen eines Wagens kam näher und naher. Jetzt fuhr er auf die Rampe herauf im kurzen Galopp der Pferde. „Fräulein Effert!" dachte er und streifte behaglich die Asche von seiner Zigarre. „Das kann ja reizend gemütlich werden. Ein Prachtmädel!" Er pfiff leise vor sich hin. Auf dem Gange wurden Schritte laut. Der Diener trat ein und stellte die Lampe auf den Tisch. „Fräulein Effert läßt fragen, ob der Herr Kandidat auf der Stube speisen wolle, oder mit dem Fräulein in der Halle," meldete er mit Anstand. „Natürlich mit dem Fräulein," antwortete er heiter; „ich werde gleich erscheinen." „Warum wollten Sie mich denn von Ihrem Angesicht verbannen ?" fragte er, an ihrer Seite Platz nehmend an dem großes Speisetisch, auf dem heute nur für zwei gedeckt war. Er !var int schwarzen Anzug wie immer. Das Fräulein lachte ihn freundlich an. Sie hatte etwas unendlich Sympathisches. „Ich wußte nicht, ob es Ihnen besonderen Spaß machen würde mit mir allein zu hausen. IW Vorgänger ließ sich in solchen Fällen das Essen immer ansÄ Zimmer bringen." „Törichter Kerl!" lachte der Kandidat; „ich rechne es dem Schicksal als eine Aufmerksamkeit an, daß es mich hier neben! Sie gesetzt hat." Sie sah ihn mit ihren braunen, tiefen Augen an. Wer es verstand, in ihnen zu forschen, der las aus dem Mick viel warme Freundschaft. Oder mehr noch. „Und morgen bin ich Ihr Reisemarschall!" fuhr er fort. „Da wollen wir aber auch ganz gute. Kameraden fein, nicht wahr? Zwei Stunden im Wagen; dann zwei Stunden Bummelbahst, dann wieder anderthalb Stunden per Achse: eine ganze Reise! Wissen Sie, ich freue mich riesig darauf. Ans gute Kameradschaft !" Er hob das Glas gegen sie. Sie stieß leise mit ihm an und! sah ihm wieder, ioie selbstvergessen, in das gute, freundliche Gesicht. „Lührssen, bringen Sie die Ente, und daun können Sie gehen!" wandte sie sich zu dem Diener mit anmutig hausmütterlicher Art und Würde. , Als er aus der Tür war, sagte sie ernst: „Ich freue mach ja auch auf diese kleine Fahrt a la Boheme; aber fällt Ihne»! dabei nicht etwas auf? Wenn Baroneß Ilse an meiner Stelle wäre, und Sie waren ein blaublütiger Kavalier, — glaubest Sie, daß man sie dann auch ohne „Elefanten" reisest ließe, Wie mau uns reisen läßt?" „Desto mehr Glück, daß wir beide nicht stiftsfähig sind! - gab er heirer zurück. „Aber bitte, machen Sie mir doch ein Bich von dieser vielbesprochenen Baroneß. Natürlich ein riesiger GraS!, affe, wie?" Das Fräulein lachte lustig auf. „Nein, ich sage Ihnen gar nichts! Sie sollen ihr ganz untwreingenontmen gegeniibertretot. Und bann sagen Sie mir Ihr Urteil." 782 „Nun, — qm vivra Verra!" gab es leichthin zurück. „Also ttuu das Programm für morgen! Darf ich Ihnen VorscWge Machen? Zunächst schlafen wir so lange wie möglich. Das ist einmal vornehm, und dann haben wir Ferien und nichts zu tun! Angenommen?" Sie nickte lächelnd. „Nach dem Kaffee hole ich Sie gu einem Spaziergang ab; da bummeln wir so sachte und einträchtig durch den Wald bis zum Frühstück, — bitte, befehlen Sie dazu eilt bischen 'was Gutes, — und daun, dann geht's los zu zweien!" „Mir recht!" sagte sie im fröhlichen Einverständnis. „Ich glaube, es gibt Schnee, hören Sie, wie es in der Luft heult. — Gesegnete Mahlzeit und gute Nacht!" Sie stand auf und reichte ihm die Hand, freundlich zu ihm dufschauend. Er hielt die zierlich-schmale Mädchenhand fest. „Darf ich denn nicht bei Ihnen bleiben, und Ihnen etwas vorlesen? Und nachher spielen Sie ein wenig, und der Schneesturm heult dabei ums Haus, und die Wetterfahnen kreischen, und die Eulen klagen. —" „Es geht ja nicht!" sagte sie; „ich möchte cs ja auch gern, aber —" „Dann gehe ich zum Inspektor!" sagte er; „aber das geht doch, wie?" Langsam hob er die kleine Hand der Erzieherin zu seinen Lippen; sie suchte ihm zu wehren, aber ohne Energie. Dann zog er ihren Arm unter den seinen und führte sie ritterlich bis an die Tür ihres Zimmers: „Gute Nacht!" Ihre Finger schlossen sich fest um die feinen. Und dann fast sie über ihre Arbeit geneigt; und zuweilen liest sie sie im Schatz ruhen und blickte sinnend in die Glut des Kamins; und einmal seufzte sie tief auf. Dransten ging der Schneesturm heulend ums Haus. Und untem beim1 Inspektor fast der Kandidat auf dem Sofa, rauchte aus langer Pfeife und fah zu, wie der ein Glas ausgezeichneten Arac-Grog braute, und mischte die Karten mit langsamem Behagen. „Prost, Herr Kandidat!" sagte der Inspektor und hielt ihm das Glas hin; „dast Sie sich nur nicht in das Edelfräulein verlieben; ich sage Ihnen, das ist ein kleiner Satan. Aber soviel sage ich Ihnen, es ist meines Wissens schon im Alten Testament verboten, ein Pferd und einen Ochsen zusammen zu spannen. Heute nennen sie das „Mesalliance". Prost! Sie geben." Und draußen heulte der Schneesturm ums Schloß und warf prasselnd ganze Wolken von Schnee über das Land und gegen1 die Fenster. Drinnen war es tief gemütlich. — „Guten morgen, Fräulein Effert!" — „Guten morgen, Herr Funke!" klang es frisch herüber und hinüber. Sie reichten einander fröhlich die'Hande. Draußen lag die Welt verschneit. Hohe Schanzen batte der Sturm in der Nacht aufgeworfen. Jetzt war's klar und licht. „Werden Sie denn durch kommen können?" fragte er besorgt Und sah ihr ins Gesicht, das unter dem weißen Pelzbarett heiter und vertrauend in die winterliche Welt hiiwus'sah. Sie war eine schlanke, elegante Figur, wie sie da auf der Rauche stand und mit beiden Händen sich mühte, den Schleier im Nacken zuzubinden. „Erlauben Sie, das kann ich tun!" sagte er bittend. Sie sah ihn von der Seite an, liest die Hände sinken und liest ihn gewähren. „Johann Berner ist mit dem Schneepflug zurückgekommen," sagte sie, „da können wir gehen, wo er Bahn gemacht hat. Sie haben Ihre Kürassierstiefel an, und ich bin auch gut versorgt. Mit einem Fuß Schnee nehme ich es schon auf. Wollen wir denn?" Er war mit dem Schleier fertig. Er hatte sich nicht beeilt. Sie hatte so reiches, dunkles Haar. „Vorwärts!" sagte er und schlug eine sausende Tiefquart Mit dem dicken Handstock. Weithin kein Klang und kein Laut in der großen Einsamkeit. Nur daß einmal eine Krähe von verschneiter Tanne aufflog und krächzend über das weiße Feld hintaumelte int1 schwanken, schweren Fluge. Aus der Fohlenkoppel hob sich dunkel der „Tannenbusch". „Schauen Sie nur da hinüber!" bat der Kandidat; „es sitzt sich so prächtig dort im Grünen ans bett Steinen, sind dann! erzählen Sie mir etwas, und ich rauche." „Jedenfalls bequem für Sie!" lachte sie. „Mir recht, wenn der Schnee nicht zu tief ist!" Sie hatte ihr Kleid hoch geschürzt Und schritt tapfer neben dem großen Kameraden aus. Ihr Gesicht, sonst von etwas zarter Farbe, leuchtete in frischem Rot, und die dunkeln Mähchenangen schauten mit fröhlichem Blick hinaus in die stille, Helle Welt um sie her. Nun kam, den Busch begrenzend, ein tiefer Graben, den die Nacht mit Schnee gefüllt hatte. „O weh," klagte sie, „dazu reichen meine Schnürstiefel Nicht aus!" „Mer meiner- ragte er, und schritt hindurch, bis über, die die Knie eiusinkend. Nun stand er drüben und reichte iHv lachend die Hände hinüber. „So, Fräulein Frieda —“ er hatte sie noch nie bei ihrem Vornamen genannt, „nun reichen Sie mir die Fingerspitzen; sehen Sie, es geht. Noch etwas mehr, bis ich Ihre Hände ganz fasse, — nun ziehe ich zn und Sie geben sich einen Schwung, — eins, — zwei, — drei!" „Halb zog er sie, halb sank sie hin", und drüben war sie und — lag in seinen Armen. „Lassen Sie mich los", bat sie und wehrte sich gegen seine Umarmung; aber ihr Hertz schlug zum Zerspringen. „Nicht böse sein!" bat er mit weicher Stimme: „es bleibt ja unter Kameraden". Sie machte sich los, lachte ihn eigenartig an und wandte; sich ab. „Da liegen die Steine, ganz frei vom Schnee, die überhängenden Zweige haben sie geschützt. Kommen Sie, da halten wir Rast!" Er ging voran. „Hier, setzen Sie sich zu mir aus den Stein," bat er; „er hat Platz für uns beide. Wir sind ja beide zwei einsame Menschen auf dieser Welt; halten wir oenit zusammen!" Er hielt ihr die Hand hin; tief gesenkten Hauptes legte sie die ihre hinein. „Sehen Sie mich an, Frieda!" Da schlug sie die Augen aus. Es lag alles in dem einen Blick. So schauten sie einander in! die Augen. Um sie her war die Welt wie tot. Dunkle Röte übergoß des Mädchens Gesicht. Und er neigte sich zu ihr: „Frieda, geh nicht fort! Bleib hier! Lehn' dich an mich!" Sie lag zitternd au seinem Herzen und hatte die Augen gs- schlvssen. „Max, was tust du?" klagte sie und tat doch die Augen nicht auf, „es wird dir leid werden! Ich bin ein ganz, ganz armes Mädchen." Er legte sein Gesicht an das ihre. Da richtete sie sich schnell auf. Mit brennenden Blicken sah er ihr in die verschleierten! Augen. „Hier hab' ich dir gehört," sagte sie, „und ich weist nicht, wie es kam. Und du weißt es auch nicht. Darum will ich kein! Versprechen von dir, hörst du? Du kannst ein ganz anderes! Mädchen bekommen; du sollst nicht mit Reue an den Tauneubusch denken! Willst du mich nachher noch haben: nun, bann weißt du, wo meine alte Taute wohnt —" Er halte sie an seine Brust gerissen. Und die Flammen schlugen über ihren Herzen zusammen, sind sie waren beide allein in der großen Einsamkeit. -- Sie waren vom Tisch ausgestanden. Draußen knallte der Kutscher mit der Peitsche. Sie entwand sich Maxens Armen und stürzte auf ihr Zimmer und warf sich in die Knie vor ihrem! Bett. „O Gott!" flüsterte sie; „wenn wir mir nicht nach Riepers- hausen gingen! Ich fürchte mich!" Als sie sich schnell anzog, fegte sie mit den Handschuhen eilt Briefiein zur Erde. Sie hob es auf und las es wieder durch und wurde blaß. Es war von Baroneß Ilse. „Wie sehr freue ich mich, Sie zum Feste wieder bei uns zu sehen! Außerdem bringen Sie ja einen! neuen Kandidaten mit, auf den ich, — nach Beschreibung meiner Schwester, — wirklich gespannt bin. Im allgemeinen finde ich die Herren Hauslehrer alle greulich. Hüten Sie Ihr junges Herz bei dem! langen tete-u-tete! Am besten wär's schon. Sie verlören den liebenswürdigen Schwerenöter unterwegs aus dem Wagen. Auf Wiedersehen! Ilse." Sie seufzte tief auf. Cs ward eine eigenartige Fahrt voll süßen, geheimen Zaubers und verborgenen Sehnens. Ihre Hände lagen unter der Wagendecke ineinander, und heimlich stahl sein Arm sich wohl einmal nm die Taille des hingebenden, wie im seligen Traum befangenen! Mädchens, die leise ihr Haupt an seine Schulter lehnte. Als fiel in dunkler Abendstunde dem Wagen entstiegen, da bot er ihr beut Arm, und, AN ihm aufblickend, lehnte sie sich darauf, — da tönte ihnen helles Lachen ans dem bullen Kutschschlitten entgegen, der sie von der Station» abholte. Frieda riß hastig ihren Arm aus dein seinen. Sie hatte, die Stimme der Baroneß Ilse erkannt. (Fortsetzung folgt.) Hussiten über ms! Von Richard Millner (Prag). Fünfzig Tage sind ein wenig viel für einen bösen Traum. Acht Wochen lang gellen. uns nun die Schreckenschöre der entfesselten Straßen in die Ohren, acht Wochen lang hat der Alpdruck einer qualvollen Verlassenheit und Vogelfreiheit über uns gehastet. Die Frist würde genügen, auch stärker^ Energien 783 brechen ueitb härtere WcherKüldsLLfie »;t bannen, aks sie das w lahrzehntelangen BerzwetflimMämpfeu zermÄMe Prager Dcntsckftuuts freiznnmchen imstande ist: Es ist mitunter eine große Sache um das Ringen ebenbürtiger Nationen, wenn Weltprobleine auf bent. Spiele stehen und mit die Evolution auf wirtschaftlichem oder kulturellem Boden die Entscheidungsschlacht geschlagen wird. Ta wettet sich die Enge eines schlaffen Zeitalters, da brechen ungeahnte Kraftquellen aus der Tiefe der Verborgenheit und der Weltgeschichte entschließen sich Aspekte, die von der Morgenröte rmes neuen Tages überstrahlt werden. Bon allen diesen Hochgefühlen eines ehrlichen und ehrenvollen Bölkcrzweikamvfes weiß der Prager Deutsche nichts, der hin- und hergestvßen zwischen der Wut eines rasenden Haufens und der ,Apathie einer dekadenten! Staatsgewalt schuh- und rechtlos für seine letzten Taseiusrechl- streitet. Der panische Schrecken, der in diesen Tagen die Stadt am Fuße des Hradscyru erfüllt hat, wird nur lem gänzlich Ahnungs- losen als Episode in der grossen Auseinandersetzung erscheinen, die put dem Anbruch der Verfassungsära zwischen den deutschen und 1 lawtschen Völkern Oesterreichs schwebt. Wer auch nur halbwegs belvandert in der leidensreichen Passionsgeschichte der in du'se stadt des Hasses versprengten deutschen Stammesmiuderheit ist, weist nur zu gut, dast es sich hier mit etwas ganz anderes handelt als ,das kriegsgerechte Äafftnkreuzcn antagonalev Bölker- ündwidualitäten. , isticht um Sieg oder Niederlage, nein — umi Sein oder Nichtsein wird in Prag gerungen. Darum, ob es einem hundertfacher Nebermacht wehrlos ausgelieferten Häuflein Preis- gegebener noch einmal gelingen wird, sich vor denk UutnMiig zu retten, oder ob diese heldenmütige Wnipferschar! endgültig zwischen den Mühlsteinen der nationalen Vergewaltigung zerrieben werden soll. Von allen Fundameuteu, auf die sich das komplizierte Ge- bäiide eines Staates stützt, ist wohl das stärkste und heiligste der Satz: wer Frieden hält und die Gesetze achtet, hat Anspruch auf die volle Schirmung seiner bürgerlichen Rechte durch den Staat. Die empörenden Szenen, deren Schauplatz die Hauptstadt Böhmens während der letzten Wochen war, sind eine blutige, höhnische Verfratzung dieses ersten aller staatsechaltenden Axiome. Ein Ausnahmezustand schlimmster Art ist über die in Prag angcsicdslten vierzigtausend Angehörigen jenes Volkes verhängt worden, das Oesterreich gegründet, in schweren Verfallszeiten znsammengehalten und durch den Rang seiner wirtschaftlichen und kulturellen Leistungen hochgebracht hat. Mit der Hetze auf den farbentragenden deutschen Studenten fing die Sache an. Ein altes, trauriges Kapitel in der Leidensgeschichte des deutschen. Prag, und eines in unendlichen Fortsetzungen dazu. Nur daß niemals zuvor den Farbenkoller eines verhetzten, sauatisieriten Pöbels so zügellos wie diesmal an dem letzten sichtbaren Wahrzeichen einer blühenden Stätte deutscher Wissenschaft in Prag sein Mütchen kühlen durste. Man muß diese wackeren Jungens gesehen haben, wie sie einzeln oder in kleinen Gruppen, eingekeilt von einer nach Tausenden zählenden Menge brüllender und stöckeschwingeuder tzxalta- dvs, mit zusammeugebissenen Zähnen und unbeivehrtcn Händen ihres Weges gingen, und ohne mit der Wimper zu zucken, sich anspucken, steinigen, zu Boden schlagen und mit. Füßen treten liessen. Kein Wort des Lobes ist zu hoch gegriffen für die Selbstbeherrschung und Disziplin dieser heldenhaften Avantgarde, die, sonst gewohnt, auf die leiseste Antastung ihrer Ehre mit deut ge- zückten Schlager zu reagieren, hier im Bewußtsein ihrer völkischen Mission das Aergste widerstandslos über sich ergehen ließ, nur der jesuitischen Berleumdungskunsti des Gegners nirgends auch nur die geringste Handhabe zu bieten, durch die ihre Sache ins! Unrecht gesetzt werden könnte. Auf der Stelle,■ in der nach wo chen- langer Duldung zum erstenmal ein Mitläufer der verhetzten Masse unter, dem Säbelhieb eines Schutzmannes zusammenbrach, hat die widerliche Theatralik der tschechischen Chauvinisten ein Grabmal errichtet, und Frauenhände haben Blumen auf den Platz gestreut, tvv sein Blut das Pflaster rötete. Die Orte, an denen das Blut wehrloser deutscher Studenten floß, sind Legion. Kein Denkmal wird sie ider Nachwelt weisen, kein rosiger Finger sie Mit Blumen schmücken. Wer ihr Blutopfer soll auch ohne steinernes Memento nicht vergessen werden; beult ihnen wird die Dankbarkeit und Liebe derer, füll die sie ihre Brust dem Feinde boten, Kränze flechten. Bei dein friedlichen Jubelfest eines akademischen Bildungs- festes war cs, wo die Orgien der wuttrunkenen Menge ihren Hche- puukt erreichten und ihre feigen Ueberfälle sich auch auf die Kommilitonen Volk tzseir reichsdeutschen Hochschulen ausdehuteu, die, dem Rufe der Gastfreundschaft folgend, nach Prag geeilt waren, den von aller Welt Verlassenen den Trost und die Gewißheit zu bringen, daß mtclj1 jenseits der schwarz^gclben Pfähle deutsche Kerzen für sie schlagein und deutsche Treue sich durch geographische Begriffe nicht bezirken läßt. Tie Kronzeugenschaft, die sie mit Leib Und Leben ihren verfolgten Prager Kommilitonen und damit zugleich dem gesamten Deutschtum Prags geleistet Haben, ist der wertvollste, ja vielleicht der einzige Gewinn, den jytr, in diesen schweren Tagen überhaupt zu verzeichnen haben. Traf uns doch stets schmerzlicher und kränkender als manches aridere das kühle Nichtverstehen, das man im Reiche draußen unserer dornenvollen! Mission entgegenbrachte. Es waren, bittere, herbe Gefühle, tue nnS durchzuckten, wenn wir die Deutschen des Reiches nach allem rontautischen Brauch ihre ShmpathieU an fremde Nationen, ast Buren, Rusten und Polen verschwenden sahen, während die && kretenen Stammesbrüder in Prag vergebens nach einem ivohl- tnenm'n Worte des Begretsens, nach einer wirksamen Tat der Hilfe lechzten. Wenn das letzt wirklich anders werden, wemk diese Tage ves schreckens tatsächlich ein, nnzerreißdaves Band zwischen dem Teiistchtum btesiettS und icnieitS von Bodenbach geknüpft haben loll.cn, dann danken wir diesen so innig ersehnten Wandel vor allein den tapferen Brüdern von Tentschlands hohen Schulen die trotz aller Schreckensbotschaften und diplomatischen Abmah- nuugen den Weg in die Höhle des böhmischen Löwen gewagt haben um, sich durch eigenen Augenschein von der Unhältbarkeit der hiesig en ZuWnde zu überzeugen und, zurückgekehrt, daheim Kunde zu geben von dem, was sie schauernd miterblickt und mitgelitten habeit. , Und dennoch war es mir ein Ansang, was sich vor den Äugen der rctchsdeutschcn Gäste abspielte, die im offenen Wagen voM Mob überfallen, und mit wuchtigen Stockhieben bewillkommnet wurden. Die wüste Studeutenhetze war nur das verabredete Signal »um allgemeinen Angriffskrieg auf alles, was deuffcher Herkunft oder Gesinnung verdächtig war. Nach den Studenten kamen die Firmenschilder daran, nach beit Firmenschildern die Fensterscheiben. Ate Straßen wurden nach deutschfprecheuben Passanten förmlich durchsucht, deutsche Frauen und Mädchen mit beispielloser Roheit angehalten und mvlestiert, deutsche Kinder auf dem Wege zur schule von dem würdigen Nachwuchs der Nation nach dein Vorbilde der Erwachsenen als Treibwild durch die Straßen gehetzt. Sogar die Wagen der elektrischen Straßenbahn wurden einer peinlichen Quarantäne auf „Burschen" unterzogen uud jeder Halbwegs Verdächtige schonungslos aus die Straße befördert, mochte er auch in Wahrheit ein harmloser Kaufmann aus Berlin oder . ßnr der Konsul des mächtigen britischen Weltreiches sein. Und all diese Schandtaten und Brutalitäten dürften die „unterem Zehntausend" Prags wochenlang als ihr unantastbares Privilegium betreiben, während die berufenen Hüter der Ordnung sich säst ausnahmslos in die Rolle passiver Zuschauer fügen mußten. Ob freiwillig oder nicht, das wird die Welt wohl niemals mit unwiderleglicher Bestimmtheit erfahren. Erst als der wahre Kern der Revolte durch den schütteren Deckmantel der Deutschenver- folgung brach, als die seroophile und antidynastische Note in dem Exzesse immer schamloser zum Ausdruck kam, als schwarz-gelbe Fahnen am Vorabende des Regicrungsjubiläums in derselben Stadt, in der sich Franz Josef I. nach dem Wunsche der Tschechen! krönen lassen sollte, in Fetzen gerissen nnb auf offener Straße bespien wurden, — erst da begann man in Wien zu erkennen, in welche Gefahr man durch unverzeihliche Schonung den Staat wieder einmal von jenem Volke hatte treiben lassen, das mit seinen sechs Millivnen nimmehr seit fünfzig Jahren ganz Oesterreich tyrannisiert und terrorisiert. Und mau verhängte über Prag das Standrecht. Vom Faustrecht zum Standrecht haben uns die Schrecknisse der letzten fünfzig Tage geführt. Der Deutsche in Prag wagt endlich wieder freier zu atmen und ohne Bangen vor dem Schlimmsten seiner Wege zn gehen. Aber es ist nur eine geborgte Friedens- panse, eine Freiheit ans Widerruf. Morgen schon können cs die einflußreichen Führer der Tschechen in Wien durchsetzen, daß die Ansnahmeverfügungen über Prag wieder ausgehoben werden, nud der Armee des Herrn Clofae die Bahn zur Vergeltung frei» gegeben wird. Was dann der Deutschen in der Nkoldaukatzitalo harrt, steht bei den Göttern. Vielleicht wird das schändliche Spiel von neuem beginnen. Vielleicht aber dämmert unterdessen auch in jenen verantwortlichen Volksführern, die das „goldene Mütterchen Prag" so heiß zn lieben vor geb en, die Einsicht auf, daß sie ihrer Vaterstadt einen mehr als zweifelhaften Dienst erweisen, wenn sie ihre ehrwürdigen, historisch geweihten Mauern wochenlang zu Zeugen zirzensischer Spiele machen, bei denen sich eine irregeleitete Menge an der Hetzjagd auf hilflose deutsche Studenten, Frauen und Mädchen für den Eingang realer, sozialer Errungenschaften schadlos hält. VeNMßssPSEL. * „Von Gottes GnadeI!." Nachdem sich der Sturm, den die Veröffentlichung der Kaisergespräche entfesselte, gelegt hat, darf man wohl auch auf Einzelheiten der Reichs- tagsverhaudlung eingehen, die keine aktuelle politische Be- deutung haben, aber doch nicht ohne Interesse sind. In seiner Rede vom 11. November sagte der Abgeordnete Heine: „Diese Fortnel „von Gottes Gnaden", die auch ursprünglich ein Ausdruck frommer Bescheidenheit war, ist jetzt ein Ausfluß des Hochmutes." Diese Ansfassung entspricht nicht den geschichtlichen Tatsachen. Die erste Einfügung der Worte: „Bon Gottes Gnaden" vor den Königstitel hat nichts mit religiöser Bescheidenheit und Demut vor Gott zu tun. Sie geschah durch Pipin den Kleinen, nachdem er sich der Zustimmung des Papstes zum Kronenraub versichert hatte. Sie drückte daher nur die Benutzung des kirchlichen Etn- flnsses zur Deckung des Kroncuraubes, die Hilfe der Kirche gegenüber den Anhängern des entthronten Königsgel chlechts aus nnd sollte die Berufung auf die Erbfolge, die Legitimität, 784 ersetzen. Sie sagte also: zwar nicht nach dein bestehenden Rechte, aber mit Hilfe der Kirche König der Franken. Die Sendung Pipins an den Papst Zacharias, dem die Frage znr Entscheidung vorgelegt wurde, ob es bei dem Zustande der fränkischen Kirche nicht besser sei, daß derjenige, der die Gewalt habe, auch den Namen eines Königs führe, ist von weittragender Bedeutung gewesen; sie hat den Anspruch der Kirche, Macht über alle Reiche und Könige der Welt zu üben, mächtig gefördert. Nur der Umstand, daß diese Entstehung der Formel in Vergessenheit geraten war, macht es, wie der Nat.-Ztg. mitgeteilt wird, erklärlich, daß diejenigen Fürsten, welche sich der Reformatio:: anschlossen, mit der Abschüttelung des Kirchenjoches nicht auch dies Zeichen kirchlicher Macht ablegten. Jedenfalls ist mit der Kenntnis dieses Ursprungs jede mystische Bedeutung der Formel unvereinbar. * Die Lebensdauer der modernen Gemälde. Aus Loudon wird berichtet: In einem fesselnden Vortrage in Bedford College untersuchte George Thomson auf Grund physikalischer und chemischer Versuche die modernen Malmittel und gab dabei lehrreiche Aufschlüsse über manche Mängel des modernen Farbenmaterials, die so manches Kunstwerk der Gegenwart zu schneller Farbenveränderung oder Farbenzcrsetzung verurteilen. Bei dem heute gebräuchlichen Scharlachrot und dem modernen Brünnen geht die rasche Farbzersetzung auf rein chemische Ursachen zurück. Die gefährlichsten Farben für die Unsterblichkeit unserer modernen Maler sind jedoch jene Farbengruppen, in denen Farbstoffe wie Bleiweiß, Chromgelb oder Verdigris enthalten find und die sowohl für Licht als auch für rein atmosphärische Einflüsse wie z. B. die Lust in größeren Städten sehr empfindlich sind. Sehr wichtig für die Erhaltung der ursprünglichen Farbenharmonie neuerer Bilder ist das Fernhalten der Feuchtigkeit; Experimente haben gelehrt, daß Bilder, die sorgsam trocken gehalten werden, ihre Farbeneigentümlichkeiten nicht verändern. Wenn es also gelänge, ein Firnis — oder Deckmittel zu finden, das die'Wirkungen der Feuchtigkeit fernhält, so würden die Werke dem schädigenden Einfluß des Schwefelwasserstoffes entgehe:: und wahrscheinlich auch längere Zeit den Lichteinwirkungen widerstehen. Aber fast keine der heute gebräuchlichen Firnisse oder Oele erfüllt diese Anforderung sie alle bedeuten einen nur sehr relativen Schutz gegci: die Feuchtigkeit. Dem Professor Laurie ist es nach längeren Versuchen gelungen, derartige Bindemittel, herzustellen und auch John Cocke aus Chelsea hat auf diesen: Wege einen wichtigen Schritt vorwärts getan. Es wurden dann interessante praktische Experimente vorgenommen, in denen auf verschiedene Weise präparierte Farbenflecken der Einwirkung von Schwefelwasserstoff ausgesetzt wurden, die :nit Leinsa'menöl, mit Kopal und nut Bernsteinfirnis geschützt n'arcn. Nach kurzer Zeit bereits zeigte sich die Wirkung auf die weißen Flächen, sie dunkelten stark nach, während die mit einem neuen Malmittel von Thomson übermalten Flächen ihre schneeweiße Farbe beibehielten. * S a r d o u u n d d e r S ch u st e r. Als Sardou noch als junger Mann, unbekannt und unberühmt, durch die Straßen von" Paris trabte, um seine Manuskripte unterzubringen und Literatnrunterricht, die Stunde zu vierzig Sous zu geben, war er gekleidet wie ein armer Student, aber immer tadellos beschuht. Das kam daher, daß der künftige Autor der „Chprieune" einen menschenfreundlichen und weitsich-- tigen Schuster gefunden hatte, der ihm einen unbegrenzten Kredit eröffnete. „Eines Tages", so erzählt Sardou dem Schauspieler Berton, „tritt plötzlich mein Schuster in meine Dachstube. Ich machte mich auf eine peinliche Szene gefaßt, denn ich war ihm noch immer meine letzten Schuhe schuldig. Mer nichts davon. Der brave Mann zog mit Seelenruhe zwei Paar Schuhe hervor, und als ich sie erstaunt betrachtete, denn ich hatte keine Schuhe bestellt, obgleich ich sehr nötig welche brauchte, sagte er: „Ich habe lange nicht das Vergnügen gehabt. Sie zu sehen. Ich denke. Sie kamen nicht zu mir, weil Sie mir Geld schuldig sind. Trotzdem brauchen Sie sicher Schuhe. Nun, da sind sie! Das eilte Paar ist standhaft und mit dicken Sohlen; das andere Paar besteht aus dem besten Lackleder. Damit kömren Sie in Gesellschaften gehen. Von Zeit zu Zeit werde ich nachsehen kommen, ob sie noch ganz sind, und wenn's not tut, werde, ich Ihnen stets ein Paar neue bringen. Beunruhigen Sie sich! nicht über die Bezahlung, 'sie sind ein Mann, der eine Zukunft hat, das habe ich Ihnen sogleich angesehen. Sie werden bezahlen, wenn es Ihnen gut geht'. Aber dazu muß n:a:x tüchtig Herumlaufen; ein schlecht beschuhter Mann kommt nicht vorwärts." Manches Jahr ging hin, bevor Sardorx seine Rechnung begleichen konnte. Aber als endlich dep ersehnte Erfolg eingetreten war, schuldete er seinem weitherzigen Lieferanten 1200 Frs. „Und die Erkenntlichkeit"^ fügte Sardou mit feinem Lächeln hinzu . . . * Die Todesstrafe im freien England. Da man in Frankreich die Frage über Aufrechterhaltung oder Abschaffung der Todesstrafe immer eifriger diskutiert, hat ein Korrespondent des „Matin" den langjährigen früheren Polizeipräfekten von London, Sir Robert Anderson, einen der ausgezeichnetsten englischen Kriminalisten um seine Ansicht befragt. Anderson schrieb die Tatsache, daß die Morde in England weniger zahlreich sind als in Frankreich, dem viel strengeren Strafvollzug der englischen Rechtspflege zu. „Wenn wir im Durchschnitt jährlich nicht mehr als 15—20 Mordtaten haben, so hangt das nur damit zusammen^ daß in England die Todesstrafe mit der äußersten Konsequenz durchs geführt wird. Sie werden mich nicht von dem Gedanken abbringew können, daß die sicher drohende Todesstrafe am häufigsten auf bett Verbrecher Einfluß hat. Nach meiner Ansicht wirkt die Ab-, schafsnng dieser Strafe unheilvoll auf die moralische Kraft der Nation. Mir Engländer machen aus der Justiz keine Frage des Gefühls. In Frankreich scheint sich mir diese Behandlung dep Frage immer mehr vovzudrängen. Wir beschäftigen uns vor alleitz mit dem Interesse der Allgemeinheit: das des Individuums kommt erst nachher. Außerdem muß die Bestrafung so rasch wie möglich erfolgen. Es ist völlig unnütz, einen Menschen Monate und Monate im Gefängnis zu halten, bevor man ihn verurteilt, wie das in Frankreich und besonders in Amerika geschieht. Jul Zeitraum von einem Monat nach dem Tage der Verhaftung wird bei uns ein Mörder vernommen, abgeurteilt und gehenkt. Immen nimmt die Gerechtigkeit ihren Lauf. So ist unsere alte Königin Viktoria, die weiß Gott ein mitfühlendes Herz hatte, während ihrer ganzen, zwei Menschenalter währenden Regierung niemals zu Gunsten der Verbrecher eingetreten. Glauben Sie mir, das ist ihr oft nicht leicht geworden, aber sie hat niemals die Entscheidung eines Gerichts annullieren wollen. Nach nuferer englische« Auffassung macht sich der französische Präsident nicht genügend vost seinen persönlichen Gefühlen frei; er beschäftigt sich zuviel mir dem Individuum, das meist der Gnade nicht würdig ist und vernachlässigt das Interesse der Allgemeinheit." Nach Ander?ans Ansicht wird die Abschaffung der Todesstrafe eine stavke Zunahme der Verbrechen zur Folge haben. Der Korrespondent bat dann noch den berühmten Kriminalisten, seine Meinung über die „Apachen" ihm mitzuteilen. „Ich halte das für eine Schande", sagte «:r Robert. „Diese Banditen diskreditieren Paris und ganz Frankreich, Wir habet: auch vor etwa 20 Jahren unsere „Garotters" gehabte Mehrere Monate energischer Bestrafung haben genügt, um ihren Eifer abzukühlen. Das Mittel, das wir damals anwandten, ist einfach irrtber sehr wirksam. Cs hatte überraschende Resultate!. Es ist die körperliche Züchtigung, verbunden mit Zivangsavbeiteiw Man füge jedes Mal, wenn ein Apache sich eines .Dolches oder einet» Revolvers bedient hat, der Gefängnisstrafe einige kräftige Peitschenhiebe zu. Ich zögere nicht einen Augenblick, Ihnen zu erklären, daß die „neunschwänzige Katze" das einzige Mittel ist, um Paris trott der: Apachen zu befreien. Ich gebe Ihne:: mein Mort: Parts wird bann in 6 Monaten keinen Apache:: mehr haben." Bilderrätsel. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer r Bahn, H a h n. Redaktion: E. Anderson. — SiotattonSöuid und Verlag bei Brühl'schev Untversttäts-Buch- und Slemüruckerei, R. Lange, Gieße».