M8 W 8W ZamsAg öen März IS W ckc Gratulation nicht inti mindesten vorbereitet gewesen, fächelte sie sich Kühlung zu, scl-aute mutiger um sich und begann dann, ihre längst ausgeklügelte, kleine Rede herzu- sagcu, des Inhalts, daß es allerdings eine etwas unliebsame llcüer- raschung fei, die ihnen ihr lieber Bruder bereitet habe, da sie sich nie eine Schauspielerin als Schwägerin gewünscht habe — aber schließlich, er mußte wissen, was er tat, und wenn er nur glücklich wurde — nicht wahr ? Das blieb die Hauptsache! — Er hatte ja schon längst die Absicht gehabt (hier log die gute Seele mit Todesverachtung) den Dienst zu quittieren und sich anzukaufen . . . Die Damen und die zufällig hier im Zimmer befindlichen Herren hörten mit höflicher Teilnahme zu — nur hier und da, so unter dem spitzen weißen Schnurrbart des Grafen Trauen zuckte ein fatales Lächeln. „Selbstverständlich," so schloß die Recknitz ihre kleine Rede, „können wir offiziell Hclmuths Wahl nicht billigen, und muß sich seine Frau erst einen Platz in der Familie verdienen, doch Wie kann man wissen, ob ihr das nicht bald gelingen wird?" Nachdem sie so die ganze Sache in ein mildes Licht gerückt hatte. Lehnte sie sich zurück, nahm dem Diener die hingehaltene Tee lasse ab und begann Von der kalten Fahrt zu reden. i£ie Zunächstsitz enden stimmten lebhaft bei. „Arme Frau," flüsterte indessen Graf Trauen der Balois zu, „fürchterliche Verlegenheit für sie, aber weshalb kommt sie auch, um Himmelswillen!" Die Ellenheims aus Hochwrrth waren noch fällig. Tie kamen immer sehr spät. Sie hielten das für vornehm und die Gesell- schaft war sehr damit einverstanden. Jetzt rauschte die Dame mit dem gewagten Profil, in starrer, glutroter Seide, diamanten- blrtzend, herein. Jsidorchen hüpfte zur tanzenden Jugend in den Saal. Die Baronin war hochgradig empört. Sie hatte es sich nun »nak in den Kopf gesetzt, dieser schneidige, schlanke Kürassier-Rittmeister müsse ihrer Isidore gut stehen. Nun fühlte sie sich förmlich beleidigt. Er hatte Isidore gesehen und war an ihr borübergegangen! — Ihr Zorn hierüber entlud sich naturgemäß auf die unschuldige Schwester des Delinquenten. Sich nach der ersten allgeuccinen Begrüßung gegen Marie Anne wendend, sagte sie, ihre schwarzen Brauen emporziehend, wie in großer Ber- fpunderung: „Ich bin noch ganz. betroffen, gnädige Frau! — Wie man sich nur so täuschen kann! Ihr Herr Bruder hat uns alle düpiert. Können Sie glauben, daß ich ihn bisher für sehr exklusiv, sehr Wählerisch gehalten habe?" Die arme Marie Anne beschloß, Konrads Ratschläge künftig besser zu befolgen, und sich nicht sobald wieder in der Nachbarschaft blicken zu lassen! Während die Schlitten mit klingendem Schellenspiel hierher geeilt waren, schritt ein einsamer Wanderer durch die sinkende Dämmerung von Jarowitz nach Rothaide. Es war Gotthard Becker, der den freien Abend benutzte, um seinen Vater zu besuchen. Der Schnee knirschte unter seinen Füßen. Er schritt kräftig aus, aber sein Blick war unlustig gesenkt intb die Hande hatte er auf dem Rücken verschränkt. So kam er in Rothaide au und erreichte die Pfarre, vor welcher die dickbeschueiten Linden ihre Zweige unter der weichen Last bogen. Er strich sich den Schnee von den Stiefeln, stampfte ein paarmal auf und trat dann ins Haus. Im Borflur brannte schon das Wandlämpchen. Er hängte den Matntel an den Haken, warf den Filzhut drüber und öffnete die Wohnzimmertür. Hier saßen seine Schwestern im Fenster und strickten, das junge, feingliedrige Julcheu und Friedas hausmütterliche Gestalt im grauen Wollkleide. Beide sahen bei /einem Eintritt freudig überrascht empor. „Kommst du zu Fuß?" — fragte Frieda, „cs ist noch Kaffee da, du sollst gleich eine warme Tasse haben." „Ich wärme ibn, wart' nur Bruder, das soll dir schmecken!" — ries die Kleine und sprang hinaus. Das kam ihm gelegen. Hastig fragte er: „Wie uimmt's der Vater? — Oder wißt ihr es noch nicht? Er hat sie geheiratet!" — Seine Zähne knirschten hörbar aufeinander — er hat um ihretwillen sein ganzes Leben ruiniert — aber das gehört nicht hierher. Weiß es der Vater und was sagt er dazu?" „Der Vater hat gestern die briefliche Mitteilung erhalten. Beide hatten geschrieben." „Nun? Weiter?" „Tu kannst dir doch denken, daß es den armen Vater furchtbar erschüttert, so alles wieder aufgewühlt hat, was doch mit der Zeit Kur Ruhe gckomlmeu war . . . und nun die Aussicht auf dies baldige Wiedersehen —" Ter Kandidat fuhr aus, seine Stirn überflog Röte. „Wiedersehen? Was? Sie will doch nicht? — Sic wagt doch nicht . . ." „Luise schreibt so flehend, Gotthard, sie ist krank vor Schn- suchs nach Vergebung . . . Sie hat vom Tode der Mutter nichts gewußt — nun furchtet sie, auch der Vater könne ihr genommen werden, ehe sie sich mit ihm ausgeföhnt . . ." Ter Bruder sah sinster vor sich hin. „Unb du denkst, er wird nachgeben? Nein, er muß festbleiben!" — sagte er drohend. Frieda legte ihm die Hand auf beit Arm. Ihre gelassene Stimme klang vorwurfsvoll, als sie sagte: „Mr müssen uns doch freuen, wenn Vater vergibt und sein reuig Kind aufnimmt." Er lachte bitter. „Reuig? Glaubst du an die Reue einer Kbmödiantin? Weshalb kommt ihr die Reue erst jetzt, wo sie eines Herrn von Lohsen Frau ist? — Eitelkeit ist's, die sich hier zeigen will in Glanz rind Ehren!" „Nein, jetzt bist du hart und ungerecht, lieber Gotthard, Luisens Reue ist echt, und wie ich Vater keime, wird er ihr vergeben." „Mrgeben müssen wir ihr alle, das ist unsere Pflicht," ries er ungeduldig — „aber sie in diesem: Hause aufnehmen . , . nein, das geht nicht. Das ist unmöglich. Sie hat ihren Platz zwischen euch beiden verwirkt, sie hat sich selbst ausgeschieden und bleibe nun, wo sie , ist! — Ich dürfte es nicht dulden, daß die geschminkten Lippen dieser — Künstlerin Jülchens Stirn berühren, daß etwas von dem Gifthauch ihres Lebens in das eure dringt. Was ändert es an ihrer Person, daß sie jetzt einen edlen Namen tragen darf? Machidas Geschehenes gut? Nein, sage ich dir . ." Tie Tür war leise aufgegangen, der Pastor stand auf der Schwelle, er hatte die tiefe, markige Stimme seines Sohnes gehört und sah nun unentschlossen und bänglich aus ihn hin. „Sprecht ihr von Luise?" — fragte er. Ter Kandidat fuhr herum „$nten Abend, Vater. Ja. Wir sprechen von ihr." „Gotthard .... weißt du es schon? — Sie will kommen , , .- sie fleht „Ich wundere Mich, daß sie wirklich den Mut findet, ja, sch wundere mich sehr." (Fortsetzung folgt.) Wie die IchMülMcher ihren Landgrafen empfingen. Humoreske in Vogelsberger Mundart. Von Hermann -irack. (Bei nuferem Preisausschreiben Nr. 1 mit dem ersten Preise ausgezeichnet.) Der Landgraf hatte schon manches ergötzliche Stücklein von seinen originellen Schwarzbachern gehört und darum beschlossen, sich bei ihnen zu Gaste zu laden. Damit sie aber nicht allzusehr in Aufregung gerieten und kopslos würden, ließ er ihnen vorher kund und zu wissen tun, sie sollten nur keine großen Umstände machen; als Mahlzeit nähme er mit einer einfachen Suppe fürlieb. Dessenungeachtet war, als diese Nachricht ein traf, die Aufregung keine geringe in Schwarzbach. Sofort ließ der Bürger- mcister den Gemcinderat durch den Ortsdiener aufs Rathaus berufen, um sestzustelleu, Ivie sie der» Durchlaucht die Suppe präsentieren wollten. Die Gemeinderatsmitglieder erschienen Mann für Mann; tetfjte doch jeder, daß eine wichtige „Berohring"') statt finden sollte. Ter Bürgermeister teilt der Versammlung sein Anliegen mit und fragt: „Wär mache m'rsch?" Doch keiner wagt, etwas zu sagen, nur manchmal unterbricht ein Räuspern und Krächzen die Stille. Ein so hoher Besuch wie der Landgraf hatte bei 167 Mrd in's Gasthaus fleieiiet. Hier wartet er in der Stube auf den bestellten Käse. Doch niemand macht Miene, ihm den auf- zutischen. Endlich, als ihm die Zeit zu lang ivird, fragt er den Bürgermeister, wo denn der Käse bleibe und lvarnm sic ihn nicht brächten. Der Bürgermeister macht große Augen. Unmöglich können sie doch die bei ihm ansgestapeltc Käsemasse herbeischassen. , , ,M'r Huh," sagt er, „alles Lesoargt, wann aachs Viertel nitt ganz voll woan cas; giht nett, bei mir Huh m'r 'n hin- 0^" Nichts Gutes ahnend, folgt ihm der Landgraf. Der Bürger- mleister führt ihn in seine Scheune und zeigt ihm die auf- gestapclte Käsemasse mit den Worten: „Hai eas, woas m'r Huh, mih woar nitt z' kriehe!" ., Ta bricht der Landgras in ein unbändiges Lachen aus, eilt zu seinem Wagen, und — fort ist er. Verblüfft sehen ihm die Schwarzbächer nach. Tas können sie nicht begreifen, alles, was sie nur an Käse hatten, habest sie herbeigetragcn; nun .hat der Landgraf den weder versucht, noch davon mitgenommen und ist fortgcsahren. „Aich versteh s . nach selwer nitt," sagt der Bürgermeister, „sost g'fann^) Hotts 'm doach, sost harre nitt so gelacht!" — Wiewohl diese beiden Besuche des Landgrafen so trage- komisch verlaufen waren, konnte sich's dieser, ein jovialer Regent, nicht versagen, seine biederen Schwarzbächer auch em folgenden Jahre mit seinen, Besuche zu erfreuen. Diesmal bestellte er keine Suppe, keinen Käse und dergleichen, sondern nur eme „Woas cs Erfröschnng?" fragen sich die Schwarzbächer. Auch der sonst so erfinderische Btirgernleistcr Weiß feinen Anfschlu» zu neben. Da hat e3 endlich einer der Gcmeinderäte, nachdem alle anderen sich schon vergeblich darüber die Köpsc zerbrochen, g^ "'""Erfrofchnng," sagt dieser, „eas gaor nant annersch, Wäf m'r "sin 'd Landgraf a Riwlvilchc«) offresche. 's allwecl Sommer, ean Haas;?-), ean he hott gewest an,ve,rc Wähk,-°) do eas ka WoNNer, wann's 'm woarm Word." ,,D' verstihst's!":l) ruft fröhlich der Bürgermeister, „oaiver wäi mache m'r doas?" , ,, „No, doas eas goar nant befsersch," erwiderte der Ba.geb.i, „wäi m'r nehame die Gemahn-Sprehe!" Ja' ^ni doautz!"M) schalit's in die Runde. — So kommt der Tag, au dem der Landgraf^erscheinen Wi l Bor dem Torfe stellen sich Wrgcrmeiftcr und Gemeinderat mt der Feuerspritze auf. Ter Landgraf kommt in Sicht, immer näher Schon ist er beinahe au. sie herangekommen und lüstet den Hut zum Gruße, da erschallt das Kommandowort des Bürger- mcisters: ^Gcvrcurer"") pompt! Fest drchf!" M W armdicker Wasserstrahl vor, von stcherer Hand :Wnt buc t «nf den Landgrafen. Schnell wendet sich dieser, nm aus »em Bereiche des schier endlosen kalten Strahles zu kommen, abu da tönt auch schon der Rus des Ortsoberhauptes von neuem. „Gc- breurer, vo' vorn horvc gcnunk; es; vo heanne ) offen. f Der ^Landgraf ist nicht wieder nach Schwarzbach gekommen.., i) Beratung, 2) tut eine, 3) ich, 4) euch, 5) sagen, c) und, ’) gehen, e) ihr es, ") bißchen, *°) Iroh, “) Heuschober, > Sm'ge, ", können ") geben, ") Hauten, 16) wundern, ") gefallen, ) Biß» clww ") heiß, Weg, -') versteht es, tut's, «) Gebrunder, 2t) hinten. _______ Das Liebesweh von StsrnfelS. (Bei unserem ersten Preisausschreiben mit dem z w e i t e n P r e! s t ausgezeichnet.) Zu Storntels hoch, im Rittersaal, War Fiedelklang beim Hochzeitsmahl. Es fiel der Fackeln roter Schein In dust'ge Frühlingsnacht hinein. Gefchästig trug der Abendwind Den Jubelklang ins Tal geschwind Und weckte tief im Gierbachgrund Ein Waldhorn noch zur selben Stund'. Die Braut schlich aus der Hochzeitspracht Mit Tränen in die laue Nacht, I Und folgte immer sehnfuchtsbang * Dem wehmutsüßen Waldhornklang. dest „SchwärzbächkM" noch sticht vorgesprvchen, geschweige denn gegessen — deswegen war guter Rat teuer. „No," sagt der Bürgermeister, „taut an2) Mäuler oss!" Doch trotz dieser Aufmunterung seitens des Vorsitzenden wird keine Bemerkung laut. , Dieser selbst starrt eine Weile still Vor sich hin, in sich versunken, als suche er den richtigen Gedanken. Plötzlich sährt er auf: . , r < , , ... . „Aich ") wills iidp) sahn °), wa> m'rf.ch mache! Wann he kimmt, ean6) setzt beim Tesch, dann gih') aich vör, ernt ihr giht ni’r all noach, an er histnern anern; jeder träht sein Teller voll Soppe, ean wäi aichs mache, so macht 'rsch6) nach! Horrersch verstahne?" ... .. . ,, t „So!" schallts ihm einstimmig entgegen, „d host recht, so mache m'rsch!" Auf ihr Oberhaupt konnten sie sich verlassen, da wußten sie, das verstand cs, den Nagel ans den Kopf zn treffen. Am festgesetzten Tage trisst der Landgraf ein. Boni Bürgermeister und seinen Getreuen empfangen, wird cr durch's Torf und in das erste Gasthaus geführt. Hierin ist alles gehörig vorbereitet. Der Bürgermeister eilt mit seinen Getreuen zur Küche, um die Suppe zu holen. Tas; sie diese selbst ihrem „Laudgrof" auftragen wollten, war abgemacht. Roch einen Blick wirst der Bürgermeister hinter sich, ob auch jeder im Besitze seiner Portion ist, dann kommandiert cr: „Vorwärts! Ritt scheniert!" , . ~ Einer hinter dem andern, den Teller mit Luppe vor sich haltend, marschieren sie zur Stube, darin Sr. Durchlaucht weilen. Da — an der Tnrschwelle, sie war arg hoch, gleitet der Bürgermeister ans und stürzt samt seiner Suppe zu Boden. Was nun tim, fragen sich die andern; aber nur einen Augenblick stehen sie verdutzt da. Sofort fällt ihnen der Beschluß ihres Oberhauptes ein, alles getreulich nachzumacheN — und plumps! plnmps! fallen sie alle zn Boden. „Kreuzdoimniv ! stiht off!" ruft der mittlerweile wieder anfgevichiete Bürgermeister, „woaS fällt auch ean? Glabt .ihr dann, ai .hätt's inet Fleiß tzrdvhn? 's woar m'r sekwer Laid gcnunk!" Schnell raffen fich die freiwillig Hin gefallenen aus der schwim- mendeir „Fleschbräuh" auf und blicken bestürzt den lachenden Landgrafen an. Der Bürgermeister faßt sich zuerst. „Herr Landgraf," fagt er, „neahmt's nitt für llewwcl! Soppe könnt Ihr noach kriehe, dranß cas noach a ganzer Kessil voll, däi kriehe fast doa die Sau!" Tankend wehrte der Landgraf ab, für diesmal hatte er genug Und — fuhr davon. Im nächsten Jahr wiederholt der Landgraf seinen Besuch. Wiederum sendet er vorher nach Schwarzbach die Meldung. Im voraus bestellte er ein Viertel (Pfund) Käse zum Frühstück. Der Oandkäse der Schwarzbacher war berühmt und sie bildeten sich darob auch nicht wenig ein. Mit Msicht hatte der Landgraf ein „Viertel" bestimmt, weil er nach der Menge Suppe, die ihm bei seinem ersten Besuche aufgetischt werden sollte, ahnte, daß er die Schwarzbächer hinsichtlich des Quantums nicht int Unklaren lassen dürfe. Tas hatten die Schwarzbächer auch los. Ter Bürgermeister läßt wiederum den Gemeinderat zusammenkommen und eröffnet ihm, was der Landgraf für diesmal wünsche. „Häiba.i brauche m'r goar nitt väil z' schwatze," sagte er, „he hott a Viertel Käs bestahlt; 's jo a dössi-) väil; m'r müsse seh', woaS m'r z'sanrme brcuge! Aich gläwe, deaß he sich die Prob' für sein Fraa ean Kean metneahme will, dann so kau krihre d'haam do nitt! Frouh10) sein «ich, deaß unser .Hah- vjertel") nitt so «arg grüß aas!"" „M'r Huh Soarge"4-) erwiderten die Gemeindcratsmitglieder, „'s wird doach nitt voll." „Ro," sagt der Bürgermeister, „woas m'r nitt Huh4-) kenn m'r nitt gcawe!"") , Ani andern Tage macht der Ortsdiener durch die Schelle bekannt, jeder Ortsangehörige habe seinen ganzen Vorrat von Handkäse zum Bürgermeister zu bringen, der Landgraf habe ein Viertel davon bestellt. Sofort tragen die Schwarzbächer an Käse herbei, was sie besitzen. Ten Anordnungen ihres Ortsobersten waren sie gewohnt, Folge zu leisten, und jetzt hatte cs sogar der Landgraf befohlen, da gibt's also kein Stränden. Aber dessen ungeachtet will doch der -Heuschober (das sogenannte Viertel) nicht voll werden. Der Bürgermeister aber tröstet sich: „'s eas doach a ordentlicher Botz"), ean wonnern1G) wird he sich doach driwer!" Tags darnach trisst der Landgras ein. Wiederum steigt er bor'm Dyrfe ab, von den Spitzen Schwarzbachs empfangen, Md 16s Und mit des Waldhorns letztem Hauch, Da starb der junge Förster auch; Die Burgirau fnm. im Ärauigeivand, Trug rote Rosen in der Hand, Die Rosen legt' sie aus die Brust Dem Liebsten, den sie lassen musst', Und drückte ihm die Augen zu. Heiß betend sür die Seekenruh'. Sie küßte ihm den bleichen Mund, Da brach ihr Herze noch zur Stund'. Verstummt war ihre Scelenqual — Und blühend zog der Lenz durchs Tal. Im Chor der Schlosstirch' senkten ein Sie still der Burgirau Totenschrein; Des Försters Grab man herit' noch sieht. Von milden Rosen übcrblühl. Dr. Carl Pusch. ZKsVm?ßehLss4 * D e r m ä ß i gc W e i n g e II 11 ß. Das schöne Studentenlied vom alten Noah stellt die tcmperenzlerischc Lehre auf: „Ein kluger Mann daraus erficht, daß Weingemiß ihm schadet nicht", aber für den Bruder Studio bedarf es einer solchen Versicherung in der Regel nicht, und für andere Leute gelten die Studentenlieder nicht als hygienische Autorität. Immerhin ist cs ein Zeichen von großer Selbstsicherheit, wenn das italienische Giornale Bini- colo eine Umfrage bei Aerzten und Hygienikern veranstaltet hat, um deren unparteiliche Ansicht über Schaden oder Nutzen des Weingenusses zu erfahren. Den Reigen eröffnet der Senator Giulio Bizzozero, der unter der Voraussetzung, daß es sich nur um reinen Traubensaft handelt, im täglichen Weingenuß nur Gutes sieht und lediglich verlangt, daß die genossene Menge sich nach der Konstitution des einzelnen richten muß. Unter diesen Bedingungen diene der Wein als Stärkung des Geistes für die regelmäßige Arbeit und gebe ein Gefühl von Selbstvertrauen. An zweiter Stelle äußert sich der in noch weiteren Kreisen berühmte Physiologe Angelo Mosso, Professor der Phy- fiologie in Turin, dessen Name in letzter Zeit besonders häufig in Verbindung mit der Eröffnung des Alpenlaboratoriums auf dem Monte Rosa erwähnt worden ist. Mosso teilt durchaus die | Ansicht seines Vorredners und bezeichnet den Wein als einen Nährstoff für den Organismus, der dessen Abnutzung verlangsamt. Er verweist insbesondere neben den physiologischen Erfahrungen auf die Tatsache, daß der Gesundheitszustand in der preußischen Armee während des Krieges 1870/71 besonders gut zu der Zeit gewesen ist, als die Truppen ihre Quartiere in Gegenden mit starkem Weinbau hatten; auch ivurde fcstgestellt, daß die Mitglieder von strengen Abstinenzgefellschaften den Anstrengungen des Marsches oder des Belagerungsdienstes weniger gewachsen seien als ihre Kameraden, die unter Einhaltung eines gewissen Maßes den „auf Flaschen gezogenen Sonnenschein" der Sotre tranken. Augusto Murri, Professor für klinische Medizin an der Universität Bologna, spricht die Ansicht aus, daß ein beschränkter Weingenuß nicht schädlich sei, im Gegenteil, sogar gesund, wenn er den individuellen Bedürfnissen angcpaßt ist. Nach seinen langen und mannigfachen klinischen Erfahrungen versichert dieser Gelehrte, daß Leute, die ihr Leben lang Wein getrunken haben, sogar im Greisenalter einen hohen Grad von Kraft anfweise», und daß es daher für die Wissenschaft angemessener ivärc, den Wert des mäßigen Wcingenusscs anzuerkennen, als.ihn glattweg zu verurteilen. Der Professor für ärztliche Diagnose, an der Universität Turin mit dem klangvollen Namen Bonaventura Graziadei bezeichnet den Alkohol sogar noch immer trotz allen Verbannungsurteilen der modernen Temperenz als eine Notwendigkeit für die Menschheit und folgert diese Behauptung allein daraus, daß alle Völker und Rassen ihre anregenden Getränke besitzen, von denen der Wein das. Prototyp sei. Cesare Lombroso, der berühmte Vertreter der kriminellen Anthropologie, ist mit dem Weingenuß weniger einverstanden, drückt sich aber doch insofern vorsichtig aus, als er ihn nur in den Fällen widerrät, wo es sich als unmöglich erweist, die Grenze der Schädlichkeit für die genossene Menge festzustellen. Auch der hervorragende Psychiater Professor Morselli aus Genua sieht die Wurzel des Uebcls wenigstens nicht im Wein, sondern in den Alkoholsorten „industriellen Ursprungs". In der gleichen Weise sprechen sich fast alle um ihre Meinung befragten Gelehrten aus, und sogar ein Abstinenzler, der seit zehn Jahren angeblich jedem Rückfall wider- standen hat, Dr. Silva aus Turin, gibt den Nutzen abgemessener Gaben von Wein sür Fieberkranke und Genesende zu, und eS fehlt ferner nicht an Stimmen, die sich gegen Uebertreibungen in der Mäßigkeitsbewegung wenden. * Z t g a r e t t c n s u ch t. Der Verbrauch an Zigaretteit steigert sich unaufhörlich und erweckt naturgemäß die Aufmerksamkeit der medizinischen Wissenschaft. Die nachteiligen Folgen gewohnheitsmäßigen Zigarettenrmlchens sind zu bekannt, als daß es besonderer Ausführungen nach dieser Richtung bedürfte. Gleichwohl ivird es den meisten, die ihr untertan sind, recht schwer, davon zu lassen. In erster Linie dürfte die Bequemlichkeit der Handhabung gegenüber den anderen Formen des Täbakranchens eine Rolle spielen. Aus diesem Gesichtspunkt wird mtch im „Lancet" ein Heilmittel für eingefleischte Zigarettenrancher empfohlen, das in seiner Einfachheit einerseits eine gewisse Resignation auszudrücken scheint, anderseits vielleicht doch das Richtige trifft. Der Zigarettensüchtige soll von dest fertigen Zigaretten, die er in rmunterbrochener Folge znnk Munde führt, zu den selbstgedrehten übergehen. Wenn er sich sein Gift jedesmal vor dem Gebrauch erst zurechtrollt, wird er von dem Uebermaß von 50 und mehr Zigaretten pro. Tag aus ein milderes Mas; hinabsteigen können. Letsrarifches. —■ Voltaire. Sechs Vorträge von David Friedrichs S t r a u ß. Neu herausgegeben und mit Anmerkungen versehest von Dr. Hans Landsberg. Zum ersten Male im Jahre 1870 erschienen, hat diese berühmteste deutsche Voltaire-Biographie, der. auch von französischer Seite, unter der Führung Ernst ReuanS, volle Anerkennung und hohes Lob gezollt wurde, bis heute ihre unvergängliche Frische bewahrt. Strauß ist der erste gewesen-, welcher der arg befehdeten und vielgehaßten Persönlichkeit Voltaires wieder zu ihrem Rechte verhalfen und sie von ungerechten Entstellungen und Legenden "befreit hat. Die unstreitig interessanteste literarische Persönlichkeit des 18. Jahrhunderts, die am meisten zersetzend auf die Kultur des ancien rögime gewirkt hat und im, Verein mit Rousseau und den Enzyklopädisten die große Revolution vorbereiten half, hat hier einen wahrhaft kongeniales Biographen gefunden.. (Verlag von Alfred Sröner in Leipzigs Regel« für Theaterbesucher. D komm nicht pünktlich wie die blöden Massen, Erscheine stets int letzten Augenblick Und setz' dich dann mit Lärm, mit möglichst krassem, Denn das i st s ch i ck! Wie lieblich ist des Klappstuhls holdes Knatternl Und steigt der Voryang und das Stück setzt ein, So plandre laut mit Vettern und Gevattern, Tenn das i ft sein! Und wenn du husten mnßt, o Abonnente, So lege nicht im Zwischenakte los. Rein, tue es im tragischsten Momente, DaS w i r k t s a m o s' Und wenn du klatschen tvillst, nicht lang gefackelt! Klatsch' nicht am Aktschluß, wie's der Pöbel lut! Rach jeder Arie klatsche, daß es wackelt, Da§ macht sich gut! Uud liegt dein Platz in des Parkettes Milte, Bleib im Foyer, bis sich das Volk zerstreut. Dann müssen alle auistehn aus dein „bitte", U it b siud e r s r e n t I Am Schluß des Stückes stürme mit Getöse Uud lautem Brüllen zur Gardrobe 'ran. Tritt Hühneraugen ab! Gib Rippenstöße! D a S z i e r t d e n M a n n! Benimmst du dich, wie ich's beschrieben .habe, So rücksichtsvoll, verstä'udnisreich und zart, Wird man bewundernd sagen: „Dieser Knabe Hat Lebensart. (Aus der ,,Jugeqd"i) Logogriph. Mit „c" erstrebts' der Sonne Nähe, Gepflegt von emsigen Laudmanns Hand. Mit „ü" birgt cs sich in der Tieie Und weilet biimtcii sestgebannt. Mit „a" durchmißt's das Reich der Lüste Und schmückt mit „o" der Frauen Leib. Nicht schwierig ist des Rätsels Lösung Und bringt dir etwas Zeitvertreib. G i e ß e n. M. Grüneba ti m Auflösung in nächster Nummer.? Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Pomade. Redaktion: P. Wittk». — Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Universitäts-Buch- und Steiadrnckerei, R. Lange, Gießen.