M8 m.rs «SU b Mahd ^WU! jöuö Wirket, so lange es Tag ist. Roman von Maximilian Böticher._ (Nachdruck verboten.) i (Fortsetzung.) Ein kleiner Streik, der in der Frankensteinschen Weberei aüsgebvochen war, brachte das Gespräch der Tischgesellschaft auf die soziale Frage: und Herr von Bannemann schalt auf die arbeitenden Massen. Und lag das Gefühl der Gegnerschaft schon seit Wochen Mischen ihm und dem Forstmeister lauernd in der Luft, so hatte Bannemanns Erbitterung in den letzten Tagen poch dadurch neue Nahrung erl-alten, daß das Ministerium ihn auf Vollraths Gesuch hiu tatsächlich angewiesen hatte, die lihm unterstellten Forsten den Armen in denr allgemein üblichen Mast wieder zugänglich zu machen, da die in Frage stehende Hoheit ohnehin auf den seinerzeit beabsichtigten Jagdbesuch im Fichtenwälder Revier inzwischen Verzicht geleistet hätte. Heinz dachte indessen nicht daran, sich mit einem vffen- kundigen Strcitsucher in eine müßige Auseinandersetzung ein- tzulassen: und als Bannemanu ihn schließlich mit herausfordernder Ironie fragte: „Nun, Herr Pastor, Sie reden jä keinen Ton. Und die Sozialpolitik ist doch sonst das Feld Ihrer ganz besonderen Vorliebe", gab ep mit "ruhiger Gelassenheit zurück. „Wenn Sie meine Älnsichten wirklich interessieren, Herr Forstmeister, so müssen Sie sich schon gelegentlich wieder zu Meinen Predigten bemühen —■ oder in meine Wohnung, lvv jch Ihnen auf Wunsch gern zu eingehender Aussprache zur Verfügung stehe. Auf keinen Fall scheint mir jedenfalls ein Diner die geeignete Stelle zur gründlichen Erledigung so tiefgehender Kontra Versen." Isabellas feine, zierliche Finger zerpflückten mit nervöser Hast eine der dunkelrvten Rosen, die vor ihr auf dem Tisch in xiner blitzenden Kristallschale standen. „Ich ... ich verstehe nicht", stieß sie unter allen Anzeichen großer Erregung hervor, „wie ein Mensch, der ein Herz in der Brust hat, nicht tiefes Mitleid empfinden muß mit der Not und dem Jammer der Armut. Gerade Sie, Herr Baron, der Sie doch nichts Ueberirdisches anerkennen, der Sie von keinem Gott und von keinem Fortleben nach dem Tode wissen wollen, gerade Sie müßten es doch nur richtig und in der Ordnung finden, daß jeder darnach strebt, sich für die kurze Zeit seines Erdendaseins, mit denr doch nach Ihrer Meinung alles aus ist, ein wenig Freude und Genuß zu schassen. Gerade Sie! Leute von Ihrer Art, für die es keine Religion und keine Duldung gibt, sind in ganz besonderem Maße mitschuldig an beit trostlosen Zuständen. Solche Leute wie Sie beschwören den Kampf bis aufs Messer mit Gewalt herauf." Auf Bannemanns Stirn, die sich tief gerötet hatte, schob der Faltenwulst sich auf und nieder. „Ta haben Sie die Früchte der geistlichen Bildung, deren Quell Sie Ihren Kindern erschlossen haben, Herr Kommerzienrat", rief er in stark mißglücktem ironischen Ton über die Tafel hinweg dem Gastgeber, zu. Dieser, der sich auf die Beschwichtigung drohender Konflikte wie kein zweiter bestand, schüttelte mit trübem Lächeln sein kahles Haupt. „Sie irren, Herr Forstmeister. Meine Kinder tragen Güte und Mitleid aus Naturanlage, als Erbteil ihrer Mutter in sich. Meine liebe, selige Frau konnte sich auch nie in Geben und Geben genug tun; — das Leiden eines Kindes vermochte sie bis zu Tränen zu rühren. Darum habe ich ihren Tod ja immer so tief empfunden." ■ ' ; • • Und er erzählte mit einem' leisen Anstrich von Sentimental!^ tat die Geschichte, die alle schon kannten, weil er sie so vst an den Mann brachte, wie er irgend Gelegenheit dazu fand: Im Dortmunder Kohlenrevier, wo er vor fünfzehn und mehr Jahren Direktor eines großen Bergwerks gewesen war, hatte eine Horde nächtlicherweise die Fenster seines Hauses mit Steinen beworfen, just um die Zeit, als seine Frau an den Folgen der gerade erst überstandenen Geburt Werners krank darniedevgelegen. Die Leidende war durch die Aufregung und Angst, in die der brutale Angriff sie versetzt hatte, in ein heftiges Nervenficbep verfallen und wenige Tage später gestorben. .... ■ . Mit einem schweren Seufzer schloß Friedheim seine Erzählung: und eine Weile herrschte Schweigen in der Runde; denn alle wußten, daß dieser Mann seine Frau unaussprechlich lieb gehabt hatte und ihren Tod nicht verwinden konnte. । < Gleich nach Aufhebung der Tafel nwllte Heinz sich empfehlen,; um Herrn von Bannemann, dessen Miene immer noch Zorn und Rache brütete, keine neue Explosionsgelegenheit zu geben. Aber Isabella bat ihn mit so bestrickender Liebenswürdigkeit, er möchte doch noch ein Stündchen bleiben, und sah ihn dabei mit einem so innigen Blick au, daß ihm das Mut heiß zu Kopse schoß und er sich gefesselt fühlte. Nachdem man in des Kommerzienrats, in mittelalterlichem' Stil ausgcstatteter Bibliothek den Kaffee genommen hatte, ging man in den Musiksalon hinüber, einen weiten, lichten Raunt, der in Tapeten, Möbeln und Dekorationen keine anderen Farben als Weiß und Gold aufwies und mit seiner taghellen, aus Milchglaskuppeln fließenden Beleuchtung in einem Feenschloß ehrenvoll hätte bestehen können. Zuerst spielte Werner, von seiner Schwester am Flügel begleitet, auf seiner kostbaren Violine ein Bachsches Präludium mit einer Tiefe und Kraft der Empfindung, die bei einem Siebzehnjährigen Wunder nehmen mußte. Seine Hörer waren dann auch baß gerührt, und! (faxe eine der beiden zu Gast geladenen Damen, eine etwas korpulente, int übrigen noch sehr ansprechende Bankiersfrau, so um die vierzig herum, konnte es sich nicht versagen, den „jungen Meister" in die Arme zu schließen und einen „mütterlichen" Kuß auf seine „geniale" Stirn zu drücken —. welchen enthusiastischen Huldbeweis er mit sauersüßem Lächeln entgegennahm. Heinz Vollrath, dessen klugen immer wieder von Isabella angezogen wurden, hatten den Eindruck, als würde sie durch den lebhaften Beifall, den das Spiel ihres Bruders fand, ein wenig nervös gemacht. Eine leichte Unmutswolke lagerte auf ihrer weißen Stirn, mit unruhiger Hast suchte sie ihre Gc- 298 des Lebens, könnte." „ , .- • .......— —,.«) vor." • S. rr „ draußen lockt und lacht das Meer in dessen ^Kellen man sich so schön austummelst Die PrsZetzfeier der Schtsarzbächer. Humoreske in Vogelsberger Mundart von H ermann S t r a ck. (Nachdruck verboten.) in einer Talschlucht liegt das DSrflci» Schwarz- bach. Dichte Laub-- und Nadelwälder krönen die schroff an das ^.al herantretenden umsäumenden Höhen. Hinter dieser hnrrfi d'e Natur bedingten Abgeschlossenheit bliebe.i die Schwarzbacher unbeleckt von Europas übertünchter Höflichkeit und bewahrten ihren sprichwörtlich gewordenen Grad von Intelligenz der lieft zum wenigsten in einer besonderen Hartnäckigkeit offenbarte.' Man nannte sie „Krakehler", insonderheit auch darum, weil sie, K Jte s'nmal etwas für recht hielten, nicht so leicht vom SÄ «”»i SE WSW Äisass1 »<*«•-»•» Einmal war ihnen aber doch das Glück günstig- sic behielten recht und gewannen den Prozeß. Und das !var ein ganz gewaltiger. - (igeu sw doch nut dem Fiskus, der nach ihrer .Ansicht schuhchm m ttuf bie Spitzen ihrer zierlichen Lack- lu-uycyen iino atmete schwer. müden^si VJ?“8 ift E ^mde", stieß sie mit einer seltsam müden Hast hervor, „daß unierems -dahinlebt zu nichts und als um verhätschelt und verwöhnt zu werden. ,^^man, elii Nippcsfig!Ürchen. Wie in Watte ein» «iift ms Glasspind gestellt kommt man sich ®te dehnte dre Arm«. , " c — - - - sangsnoten hervor und ungeduldig rief sie Werner, den die hatw "w ^"ukierssrau noch nicht aus ihren Augen gelassen ,,L-o komm doch, bitte, d» siehst doch, daß ich singen will." Uno sie sang. Zuerst zwei kurze Lieder eines neueren Kom- pomsten, die in ihrer ziellosen Effekthascherei nicht besonders mliprecheu konnten und auch für Isabellas Temperament und Stimmlage wenig paßten., Ter Beifall, der ihnen folgte, war, obwohl man ihn sehr forcierte, doch lange nicht so herzlich wie der, den Werners Violinspiel hervorgerufen. — Heinz be- teiugte sich gar nicht daran. der das nicht entging, biß sich auf die Lippen, und ihre Wangen, die sich beim Singen mit rosigem Hauch überzogen hatten, wurden mit jähem Schlage wieder tiefblaß. Halb zornig, halb trotzig warf sie den schönen Kopf zurück, so das; der, große Brillantpfeil, den sie im dunklen Haar trug, in tauwnd H-unken blitzte und sprühte, und sagte, ihren Blick au; Heinz richtend, mit einem gequälten Lächeln: „Schund, nicht? Mein Professor bildet' sich nämlich ein, Lie>e modernen Sachen seien nett, ivährend ich sie ganz abscheu- Hu) tUtO'C. .Nasch nahm sie das schon parat liegende Schubert-Albuin reichte es Werner an den Flügel und sang „Am Meer", und bl"tcnm61-11'°rjTte ctne Pause zu machen, „Den ^°"ders das letzte gelang ihr ganz vortrefflich; und aus d r Art, in der sie das Schlußwort zum Vortrag brachte, da^ ti-efwehmutige: ,,^m Geisterhauch tönt's mir zurück: dort Ivo du mcht bistz dort ist das Glück", konnte auch ein we- omplindendes Ohr leicht die Klage einer nnstüten, ^^Sehnsucht nach Ruhe und Frieden zerrissenen Seele heraus- An dem spontanen Beifall, der losbrach, schien sich Isa- b.e‘Irt04u berauschen. Ihre Brust wogte, ihre Augen glühten ein Lächeln der Glückseligkeit spielte um ihren Mund" ' ' Heinz sa,; wie betäubt. Isabellas Schönheit jagte ihm kinen Feuerstrom durch den Körper. Durch sein Hirn zuckte der Gedanke: „Vor allen diesen fremden Menschen könntest du frA,1.viUiaU s., Caa ....’S.' , • ,, . o a ii werfcii. " Er ballte | btv und hielt mit zusammengekniffenen Lippen den Atem an „Bist du toll?" fragte er sich, und zwnna sich, den Blick von Isabella abzuwenden. Da sah er daß Bannemann die hagere, lange Gestalt, an eine der marmornen Säulen gelehnt, die Arme übereinandergeschlagen, seine dunklen Augen mit mephistophelischem Ausdruck zwischen ihm und Isabella hm- und herschweifen ließ hie Hand: £eutnantö 0in$ Qilf Isabella zu und küßte ihr ‘ - 1 Wnz wunderbar, gnädiges Fräulein. Da kann se.dst die Herzog und die Lehmann iricht gegen an Schade mfach schade, daß sie in Verhältnissen leben, die Ihnen ver- ÄS, •*»$» i" di- O-ffmtHWt «»an j Berlin läge Ihnen zu Witzen ..." Isabella dehnte den schlanken Leib, als stünde sie nach ^intermonaten zum ersten Male wieder in der Frühlings- U-m';?11''/ •fO0te »Echie das schon, mir eine Welt zu Wen iTrn,r\^lt W und Tag liegt mir's im Sinn. «RrnWfAV * bürgte, nur eine einzige Saison lang. Mein Profeisor meint ;a auch, daß ich reüssieren würde. Aber mein Papa sonnt nur doch nun mal die Freude nicht." lbich- Isa, komm nicht wieder auf diese alten Schärfe^ di? r der Kommerzienrat mit einer Sw tmt 6U ,m tm Umgang mit seinen Kindern säst nie zu ben Machtspruch meines Tyrannen", ivais Ajiutiella nut bitterem Humor hin deten^die^E ^n, daß sich 'rasch zwei Parteien bil- unrb bcr künstlerischen Betätigung S uTÄ lebhaft diskutierten. Da heiligten der .inb?Ücn Rlt Debatte nicht rnthusiasten nutz t fetnc ti'rau eingefleischte Kunst- SÄSKSÄ - s»-KS=SS merzienrat scherzhaft mit dem Finger — wenn h„ - a d« wS.« M1-L S, imanh anderer Meinung war als sie, und versuchte nun SÄÄÄ H** Äi? ^lnfhlu%Xb STOt ^&e, red' ich immer ch „O, bitte, bitte." s„v glatte schlüpfrige Parkett des Konzertsaals oder der Buhne stehen Sie nicht fest genug auf den Beinen Und um sehr veruEm"" tm9C,t 5U kennen, sind Sie viel zu Frau König blickte Isa schelmisch an. • Sie müßten sich verheiraten. Natürlich mit wem Mann, den Sie lieb haben, recht von Herzen lieb Keine Kdnveiuenzehe. Um des Himmelswillen!" . , Asabella zog ein wenig die Schultern hoch: es war, als rieselte ent Frostschauer über sie hin. „Ich —ich fürchte mich so vor der Ehe", sagte sie leise, fast unhörbar ,,^a) muß immer an meine Mutter denken Sie lebte wohl heute noch, wenn sie nicht auch Werners Mutter ge- worden wäre Und ich hab’, das Empfinden, daß mich dasselbe Schicksal treffen wurde wie sie. Papa behauptet ohnehin immer, daß ich ,hr in allem und jedem gleiche. Nein! Ich habe Furcht. >zch mochte nicht jung sterben, ich möchte leben, leben, leben." .ber Kindchen, das sind ja Hirngespinste, mit denen Sie sich quälen", schalt Frau König. Isabella starrte eine Weile vor sich hin. Plötzlich hob sie cL •fT^eilm?ur8.c-n,lini> ließ sie suchend durch den Saal schweifen., Ais sie Heinz Vollrath gefunden hatte, der nur jtoet Schritte ent,ernt, neben dem Flügel stand und scheinbar angelegentlich ein in die Wand eingelassenes Marmorrelief betrachtete, ließ sie den Blick lange auf ihm ruhen. Dann sagte sie ganz laut: „Nein . ... ich will nicht heiraten. Nie will ich heiraten." „Sie ivissen überhaupt nicht, was Sie wollen", gab Fran König-zurück. 0 (Fortsetzung folgt.) 299 ein „lknfloht" sondergleichen war, int Streite. Tie Schwarzbacher dachten sich nämlich den Fiskus als einen sehr reichen Mann, dem auch die in ihrer Gemeinde liegendeit fiskalischett Gelände gehörten. Wegen einer Weggerechtigkeit über diese Gelände war der Prozeß entstanden und hatte mehrere Jahre gedauert. Eines Morgens, es war int Winter, traf die Siegesbotschaft auf der Bürgermeisterei in Schwarzbach eilt. Sofort läßt der Bürgermeister die Gemeinderäte rufen und teilt ihnen die frohe Nachricht mit. Schmunzelnd und selbstbewußt sehen sich diese an, als wollte einer zum andern sagen: „Gelt, das haben wir doch fertig gebracht!" Einige von ihnen machen ihrer frohen Stimmung durch einen kräftigen „Jucht"-Ruf Luft. In der Freude über den endlich gewonnenen Sieg wird eilt» stimmig beschlossen, daß iHv „Afsekoat" (Advokat) auch extra ein Paar „Gölte" (Gulden) erhalten solle. Für die große Mühe und die vielen Sorgen, die der Bürgermeister und die Gemeinderäte als die Vertreter der Gemeinde mit dem Prozeß gehabt hatten, meinten die Versammelten ,/dürfe nu aach a mol Ebbes aus d'r Gemahnskasse droff gih". „Voh d'r G'mahn (Gemeinde) Huh m'r d's ganz Jahr doach nant", sagen einige Gemeindevertreter zum Bürgermeister „ean (und do g'hirt sichs bei dösser Gelegenheit, deaß m'r haut a mol zäum allerwingste 'n g'mütliche Owend feiern dun. För woas — zäum Schinner — sei m'r dann aach G'mahneret?" „Joa", fällt ein anderer, mit Namen Andrees eilt, „alleweil — aich sei Uch (Euch) gout d'sür, etz Huh m'rsch 'n mol recht g'moacht! Soft kreischt doach. a jeder immer iS, koam eas recht z'mache, ean die Makler ( Bettler) Huh immer die grißte Mäuler. Säht m'r noach aut, so haßt's — der Kröscher (Kreischer = Schreier) woas will der?" „Recht host de'", sagt Gemeinderat Hannes', „m'r dörf fich's nitt iwwerlege; ich losse mich aach nitt wirrer wähn (wählen).t Der Prozeß hott m'r mih (mehr) Gedanke g'moacht, als ich Hoor off'm Kopp Huh; harre m'r nitt g'wonn — Hähts (Hieb) härre m'r griti." „Schweich ftöll!" entgegnete ihm sein Nachbar Hannverlöpp, ent sehr korpulenter Ratsherr, ,,D' beast's aach gern, wäi m'r all. Alleweil hosts'a grüß Maul, D' beast wirrer off drei Jahre gewählt woarn. Gelt, oawer, wann's göllt, do eas Dirsch annerscht: do lässt D', ean trippschst D'!" „Sto, ean Dau? Tou tonst aach Dein Mihliches (Möglichstes^" rntgegente ihm gereizt der Angeredete. _ „ So geht das Glas an den folgenden. Dieser, etwas vorsichtiger gemacht, tut nur einen gelinden Schluck und gibt sogleich dasj Glas weiter. „M'r mahnt. Dir schmegt'r (schmeckt) n nitt; wäi eas, Kasper?" „Ich huhu fit schun väil g'trunke," erwiderte der Gefragte, „oawer so noach alle mei Leabtag kann; ean doch Horre mir. so an bekahre (bekannte) Geruch!" Mit großen Augen hat die Bürgermeisterin von der Ofenbank aus dem Gebahren der Gäste mitzugesehen. „Ihr Kerle seid naut Gouls g'wuhnt!" ruft sie „Gcäbt mir amol d's Glons her!" Es geschieht, und sie trinkt. „No," fragt ihr Ehgemnhl, „wäi schmeckt'r Dir?" „Der schmeckt noach gar nicht so schlecht," meint sie. „Geabt d'mvl dons Glons her!" ruft jetzt der dicke Hann- velöpp. । •' 1 „Wont." sagt der Bürgermeister, „ich muß erscht zappe." Dann reicht er jjjm das frischgefüllte Glas, und Hnnuvelöpst trinkt fest. , „Kourz Krenk, woas c Zcuik! D'r Teuvel solls sause!" ruft er aus und gibt den Trink weiter an seinen Nachbar. „No, etz loßt'n schmecke, wäi ’r will, n kost is (uns) is Geald, «an getrunke wäre ’r!" sagt der Bürgermeister. „Ich woas nitt," murmelt Plötzlich Gemeinderat Hannes, der den ersten Trunk nach dem Bürgermeister getan hat, „cs wird mir so oanfüllig (einfältig); ich gläwe, ich muß mich iwergcawe (übergeben)." Er verläßt eilends die Stube. Ta geht die Tür auf, und herein tritt der Küccht des Wirts Gundrum von Gladenbach mit einem Faß Wein auf der Schulter. Sein Herr hatte ihn, nach dem, wie er meinte, die Schwarzbacher genug von dem delikaten Weine gekostet hätten, mit dem Fäßchen 300 echten Rotweins nach Schwarzbach geschickt. Wie die Versammelten den Knecht mit den: Fäßchen erblicken, rufen sie ihm abwehrend entgegen: „Behal'n, mir Huh g'nunk mit dem chäi! Härre mir den donne (drunten)!" ErstauntP lickt der Knecht auf das auf einer Bank zwischen zwei Scheiten liegende Fäßchen. „Ei", fragt er, „hott daun d'r Ortsdiener Wein gebracht? .Der hott jo doch d's Fässi stih gelasfe!" „Woas? — Sät leihts!" entgegnete ihm der Bürgermeister, auf das Fäßchen deutend. „Hier muß a Irrtum vorliege" meint der Knecht, „und der Ortsdiener muß sich vergriffe hawwe. Tas hier ist der richtige Mein, den hott mein Herr für Euch gegeive, den hott der Ortsdiener steh gelasfe." Jetzt geht den Schwarzbacher ein Licht aus. „Meßt Ihr, wvas mir getarnte Huhn?" ruft Gemeinderat Kasper, „Mestpull (Mistpfuhl) woarsch! 's hat mir glaich so au bekahure Geruch!" Jetzt erhebt sich ein Speien, Husten, und Krächzen, daß die Bürgermeisterin entrüstet drein fährt: „Schwernut! Kotzt m'r nitt die Stowive (Stube) voll. Moarn (morgen) eas Sonntoag, ernt ich Huhn fe erseht neücht (gestern) gerewwe (gerieben)!" , »An mol Mestpull g'truuke — htet Leawe nitt wirrer!" natit ber dicke Hauuevelöpp: „den dormelige Ortsdiener soll doach d r Leuwel hole. Wäi horte sich oawer gestählt (angestellt? — Innern Lach harre, ich soah's (sah es) 'm glaich vn." . ,„Lo»t d' Ortsdiener gih: 's eas a ahler Tappes," mahnt PeiMwiastlgend der Bürgermeister, „ean träft sich! — Hu mir die manze (Leiber) gedüngt (gedüngt), s' geawe m'r aach annern Kerle. Vorwärts, etz gilst's mt die aner Sorte. — Prost, Geb teurer' . Der saMeckt anerscht!" , VevmZschtes. * Die Besichtigung des Magens. Ein direktes Beschauen des Mageninneren ist einem Münchener Arzt, Dr. Riehl, geümgen. Damit hat ein Problent seine -osuitg gesunden, das die mediziitische Wissenschaft seit langem beschäftigt hat. Bisher hatte man nur die Grenzen des Magens durch eine in den Magen eingeführte Glühlampe auf der Bauchhaut sichtbar zu machen gewußt; die strekte Betrachtung, die ja jetzt schon bei den verschiedensten Äorperhöhlen mährend des Lebens ermöglicht tvird, ivar rnbezug auf den Magen ein frommer Wunsch geblieben. Dr. Niehl hat nun ein schlauchförmiges Rohr, wie es fc'erettS für die Speiseröhre benutzt wird, und durch dieses hindurch ein anderes mit einer kleineit Glühlampe versehenes Rohr vom Munde aus bis iit den Magen vorgeschoben. Durch eilt am Mundende des Leitungsrohres angebrachtes Seitenröhrchen mttrde alsdaitn der Mageit mit Wasser .ungefüllt und die Besichtigung des Magens ausgeführt. Es gelang dem Münchener Arzt auf diese'Weise, bei einem Manne mit gesundem Mageit größere Partieit der Magen- mände deutlich zu überblickctt und iit chtent Falle voit Magenkrebs die erkrankte Partie zu besichtigen. Dr. Riehl war imstande, die Färbung der Magenschleimhaut und chre eigenartige Faltenbildung zu erkennen und die Bewegung der Mageniväitde zu verfolgeit. Die ttenc Riethode bedeutet zweifellos einen wesentlichen Fortschritt (jur die Erkenntnig und Behandlttng voit Magenerkrattk- ungen; insbesondere dürfte die rechtzeitige, sonst oft schivterige Entdeckung des Magenkrebses dadurch einiger- waßen gesichert sein. Msde. — Die aktuelle Herrenmode. Der Sommer- Paletot hat zivei Grundformen: Eine ziemlich gerade, unten weite Form, deren Länge 4 cm oberhalb der Kuiee liegt, und eine mt der Taille anliegende, unten weite Form, deren Länge 6 cm unterhalb der Kniee liegt. Beide Formen sind vorn einreihig, die Knöpfe verdeckt, weniger durchgeknöpft, mit tiefliegender oberer Oeffnung haben hinten einen langen Schlitz mit Hakeit. Der l^lle Paletot, viel aus covert - coating gemacht, wird gesteppt, der schwarze oder bunMgraiie Paletot breit eingefaßt. Der helle Paletot tarnt Sammetkragen erhalten. Das Sacko marfiert die Taille scharf, ist jedoch voit mäßiger unterer Länge und 'Weite. Atlch das Sacko bat obere Oeffnung tlitd hinten einen längeren Schütz. Ganz tief offene, aus schwarzen oder dunkel- gratten Stoffen hergestellte. Sackos werden ebenfalls eingefaßt. Als Gesellschaftsrock wird das schwarze oder dtuikelgrane Rock-Jackett deut Gehrock vorqezogen und zwar tu eingefaßter Art. Es markiert gleichfalls die Taille scharf. Bon stärkeren Herren tvird der offene Rock mit langen Reversen bevorzugt. Alle Kleiduttgsstücke des Oberkörpers öffnen sich immer mehr, so daß das Ober- hemd wieder zur Geltung kommt. Alles Hoch- geschloffene ist unmodern. Die Hose ist, wenn nicht von -lnzugstoff, gestreift uitd etwas weit aut Knie und eng aut Fuß inid ohne Stauchmtg. Die Westen erhalten zumeist keme Kragen, d. h. sie sind mit Stehbrust und gut verlängert. Zu Anzugstoffett sind melierte brauite, grüne und graue Stoffe mit feinen Streifenmotiven, zu Westen weiße tlitd gestreifte Helle Stoffe modern. Für die Seebäderanzüge sind verschwomniene gestreifte gam Helle Flanellstoffe modern. Fürs Hans. — Erziehung. Es ist eine uralte Weisheit, daß das künftige Glück oder Unglück eines Menschen auf seiner Erziehung beruht. Utid iveitit es tatsächlich richtig ist, daß die Folgen der Gemütsbildu,>g für das ganze fiebcit eines Menschen von schwerwiegender Bedeutung sind, so kamt man nicht zeitig genug mit einer sorgfältigen und vernünftigen Erziehung der Kinder beginnen. Wie das aitzttstelleit ist, das lese ntait in dem beherzigenswerten Artikel nach, der in der Moden- und Familienzeitschrift „Mode und Haus", Verlag Johit Heitry Schwerin, Berlin W. 57, steht. LiterarSjÄ-ss. — Briese von Goethes M u t t e r. Ausgewählt mit» heransgegeben von Albert Köster. Mit einer Silhouette der Frau Rath. 11.—20. Taufend. Leipzig, int Jnfel-Berlag. Preis geb. Mk. 2.—. Es ist eilt gutes Zeichen für deit gefunden Sinn unsres Volkes, daß eine solche Santmlung in wenigen Monaten in 10 000 Exemplaren verbreitet werben konnte. Allerdings hat der Verlag, indem er dem schön gedruckten und gebundenen Buch einen erstann- lich niedrigen Preis gab, das seinige dazu beizutragen. Möge die fröhliche Frau Rath nun bei immer weiteren Taufenden Einkehr halten und ihnen Freude am Leben spenden l Das Haus im Spruch. Ter ist am glücklichsten, er fei Ein König oder ein Geringer, denr In feinem Haufe wohl bereitet ist. Goethe. O, wie glücklich ist der, dem Vater und Mutter das Haus schon Wohtbestellt übergeben und der mit Gedeihen es ausziert l * Goethe. Sieht man am Haufe doch gleich so deutlich, wes Sinnes der Herr fei l Goethe. Bilderrätsel. Auslösung in Nächster Nummer. * K i * n Auslösung des Logogriphs in voriger Nummer: Heim, Leim, Reim, Seim. Redaktion: I B,: E. tzen. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch-, und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.