1908 ew SUN Vfc Kelmuih von Lovsen. Roman von Ursula Zöge von Manteuffel. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) XXVI. Auf den großen Wiesen lag das Gras in breiten Schwaden hittgcmtiht, dazwischen ging die Maschine, deren fliegende Rechen tief untrgrjffeu und die grünen Halme in die Luft warfen, daß sie verstreut zu Boden fielen, um im Sonnenschein zu trocknen. Und die Sonne meinte es gut, sie brannte förmlich. Edeltraut schritt heiß und hungrig, aber frohgemut von: Schauplatz ihrer Tätigkeit, denn es war Mittagspause und die Arbeiter hatten die Wiesen schon fast alle verlassen. Das Klappern der Maschine verstummte, die Pferde wurden ausgespannt und fortgeführt. Die junge Gutsherrin schnitt ein gutes Stück Weg ab, indem sie einen mit weißen Margueriten und blauen Glockenblumen bewachsenen Grasrain benutzte, der gradaus zwischen Rapsund jungen Weizenfechern nach dem Hofe führte, und zwar bis tot eine kleine, in den Garten führende Holz-forte. Sie klinkte auf und durchschritt den Gemüsegarten mit seinen geraden, grünen Salat- und Bvhnenbceten und Jvhanuisbeersträuchen, dann kam sie in den Blumengarten. An einem Beet voll starkdufiender buntblühender Erbsen blieb sie stehen und atmete die süßen Gerüche ein. Zwei Schmetterlinge umgaukelten die Blüten und Bienen summten. Auch an einem runden, himmelblauen Beet wurde kurzer Halt gemacht. So schön waren die Vergißmeinnicht noch nie gekommen — eine leuchtende Frühlingspracht. Nach der hinter den Fichten u»t> Tannen versteckten Halle zu gehen, beabsichtigte sie nicht, Wilhelm war auf der Schäferei gewesen, das wußte sie, nachher wollte er im Zimmer rechnen. Wie sie das dachte, ging ihr ein freudiges .Empfinden durchs Herz — wie wohl und wie stark er jetzt doch war. Nach dem weiten Weg, den er M Fuß zurückgelegt hatte, auch noch die anstrengende Kopfarbeit. Das hätte er vor zwei Jähren nicht gebannt. Plötzlich stutzte sie. Bon der Halle heviiber klang Stimmengemurmel. Nein, sie tauschte sich — es war ja alles still. Immerhin, sie nmß nachschen, ob dort jemand ist. Auf dem schmalen, zwischen großen Rosenbüschen und Jasminsträuchen sich hinwindenden Weg kam sie mit ihrem raschen, leichten Schritte bis an die Tannenkulisse, wo sie durch eine schmale Lücke im Gezweig das Innere der Halle übersah — doch kaum hatte ihr Blick den lustigen,, traulichen Raum gestreift, als sie, wie von einer Wespe gestochen, zurnckprallte. Sie war so erschrocken, das Herz pochte gleich Hammerschlägen und ihre Suiee bebten. Erst nach einer Weile näherte sie das Gesicht wieder dem Durchblick, getrieben von der Hoffnung, ihre Augen möchten sie das erstemal betrogen haben.- Es blieb dabei. Wilhelm stand da, den Avnt um eine Frauengestalt geschlungen, die schlank und lang wie eine Weidenrute in dieser Umarmung lehnte — und während er sich zu ihr herabbeugt« mit tiefbewegtem Gesicht uild heißem Blich glitt ihre Hand liebkosend, streichelnd über sein Gesicht, — übe- sein Gesicht! Wie sie dann fortgclaufen war, wie sie daS Haus erreicht« und durch die Gartentür stürmte, daß diese klirrend hinter ihr zuschmetterte, wie sie herauf in ihr Zimmer kam, das wußte Edel« traut nachher nicht mehr. Sie war so bestürzt und verwirrt, daß sie sich in dem stillen Raum erst lange fassungslos umsah, als suche sic etwas, und sich dann ganz mechanisch auf deit Stuhl setzte, der int Fenster vor dem Nähtischchen stand, und von derck aus sie, wenn sie hiev oben arbeitete, den Hof übersehen konnte.^ Hier saß sie und starrte in die bläue Luft. Was war den- nur los? Nach und ttach gelang es ihr, des gedankenlosen, impulsiven Schreckens Herr zu werden. Es war ettvas gescheheit — eH Wada etwas in ihr Leben getreten, dessen Bedeutung sie sich nie vergegenwärtigt hatte. Wilhelm wurde ihr unken! Ein anderes Wort fand sie nicht dafür, suchte es auch gar nicht. Sv sehr floß ihr Leben in einem gemeinsamen Strom hin, daß das eben Gesehene tu seiner ganzen Tragweite ja noch gar nicht auszudenken' war. Wilhelm schied sich von ihr und ging andere Wege. Er! Undenkbar war's. Was sie nie zu tun vermocht hätte — et tat es! Ob sie schon lange so dagesessen hatte, ivußte sie nicht, aber jetzt wurden ihre ratlosen Gedanken auf die Gegenwart gelenkt — dort unten durch deit großen, sauber gefegten Wirtschaftshvf schwebte es daher — jene selbe Frauengestalt in enganschmiegendem, grauem Tuchklcid, Hütchen und Gerte in der Rechten, des Kleides Schleppe in der Linken. Rasch, hastend schritt sie direkt auf den Pferdestall zu und verschwand in der Tür. Fünf Minuteit später stieß der Kutscher von innen beide Flügel der großen Türe auf und heraus kant sie — hoch zu Roß, ivandte das Pferd nach dem Torweg und ritt in kurzem Galopp aus dem Hof. Me gebannt sah Edeltraut der entschwindenden Erscheinung nach. Sie hatte keine Ahnuim, wer diese Fremde sein könne und grübelte auch gar nicht darüber nach Das war ja völlig gleichgültig. Die Hauptsache war, daß sie überhaupt da war. Die graue, fast unirdische Gestalt wirkte beängstigend wie ein zwingender Traum. Es war eilte ganz törichte, der Aufregung des Augenblickes entsprungene Phantasie — aber sie glaubte die Unbekannte immer noch da unten zit sehen, eine Geistererscheinung der Zukunft, ein Ettvas, das sie einst gewesen Ivar und das nun schattenhaft und körperlos dort weiterspukte. Eine sonderbare Bor- ahnung erfaßte sie, daß diese gespensterhaftc graue Frau hier herrschen werde und daß das gar keine Fremde sei, sonderit der Geist einer, die einst Edeltraut von der Haide geheißen halte! Es koirnte keine andere sein, so träumte sie fieberttd, mit offenen Augen —• so vertraut und bekannt mit jedem Schritt da unten war ja nur sie selbst — sogar in Gang und Gestalt Ivar da noch immer so viel Aehnlichkeit geblieben.... Plötzlich erwachte sie. Der Zukunftsspuk zerrann. Nein, si« lebte ja noch und mußte dies ausdenken. Ein Traum war's wahrhaftig nicht gewesen — nüchterne Wirklichkeit. So hatte Wilhelm gestanden — und so, an seiner Seite, die Fremde. Sie sah das wieder deutlich vor sich und die leise murntelnden Sttmmen klangen in ihren Ohren, der frische Duft treibender, Heller Tannensprossen! . Wen sie zu umwehen. Sie schüttelte sich. Es! war doch einfach 234 entsetzlich. Eine sonderbare Lust, dem gepreßten Herzen durch Lachen Lust zu nrachen, überkam sie — aber sie konnte nicht lachen. Ti- Hofuhr schlug eins. Essenszeit? Was sollte sie nur anfangen? Heruntergehen? Wenn sie nicht kommt, schickt die Großmutter den alten Martens herauf. Nein, lieber freiwillig gehen. Sie glättete sich das Haar, so gut es in der Eile ging. Zum Umziehen war keine Zeit. Sic, die cs sonst nie unterließ, des Bruders Augen mittags durch ein Helles Kleid und eine vorgesteckte Blume zu erfreuen, ging in ihrern lodenfarbenen, weiter- festen Wirtschaftskleide hinab, erfüllt von banger Furcht vor deui Begegnen. » Aber er war gar nicht da. Großmama saß in argloser Verwunderung vor der Suppenterrine und glättete die Schleife ihrer blütenweißen Haube: „Kinderchen, was ist denn heute? Wilhelm laßt sich eben seine Suppe aufs Zimmer bringen und du kommst so spät?" „Heumachen," versetzte Edeltraut lakonisch. Sie empfand cs als eine Wohltat, daß der Bruder nicht zugegen tvar, und war heute dankbar für den Unistand, daß cs der guten Frau von Dahlen nicht gegeben war, seelische Erregungen im Antlitz des Nächsten zu deuten. „Wie heiß du bist, Kind, iß nicht zu. hastig," ermahnte sic. Damit hatte es keine Not. Sie zwang mühsam die Suppe herunter. Wenn die Großmutter keine Gedankenlescrin war, so beobachtete sie mit desto intensiverem Interesse, ob und wie man ihrer Küche Ehre antat. Die große Kunst, aus geringen Zutaten schmackhafte Speisen herzustellen, sollte auch gewürdigt werden, und niemand verstand dies liebreicher und liebenswürdiger als Wilhelm, und Edeltrauts prachtvoller Appetit ward auch als Lobpreisung angesehen. Daher aß sie mit Todesverachtung, obwohl ihr.die Bissen im Munde guvllen. Endlich war das einfache Mahl beendet, Martens trug ab und die alte Dame ging geschäftig mit Schlüssel korb und Weinflasche hinterher. Edeltraut stand da wie verloren. Was denn nun? Sie tannte sich nicht entschließen, in Wilhelms Zimmer hinüberzugehen. Hatte er sie etwa zwischen den Tannenzweigen gesehen? Dann fürchtete er ihr Kvmmcn ficher- lich ebensosehr, wie sie das Wiedersehen. Sie trat ins Familienzimmer und setzte sich hier in das tiefausgebauchte Fenster auf den Hvlzsitz. So verlor sie sich wieder in Gedanken. Eine andre! Eine andre! — Es blieb unfaßbar. War denn sie ihm nicht ein und alles, wie er ihr? Mit jeder Minute toiirbe die Ungewißheit quälender und das bange Wundern unerträglicher. WaS war das nur eigentlich, solch ein Gefühl, welches zwei wildfremde Menschen unwiderstehlich zu einander zog? Stemmt denn das so schnell, daß Sehen itnb Lieben eins ist? Wilhelm kannte ja bicse Dame gar nicht. Wie sollte er irgend jemand kennen lernen, der ihr nicht zu gleicher Zeit bekannt wurde? Oder doch? — Sie war ja in Berlin gewesen. Kam diese Frau etwa nicht zum ersteninal her? Ein abscheulicher Gedanke, den sie mit Entrüstung znrückwies. Sie hörte die Haustür gehen. Gleich darauf klopfte cs und ein stämmiger Mann, die Mütze in der Hand, schob sich zur Tür herein. Es war des Vorarbeiters Wohlgestalt, die in ihrer ganzen knochigen Kantigkeit dastand. „Der Inspektor läßt fragen, ob wir jetzt mit der Ricselwiese anfangen sollten, oder erst mal die kleine Wiese nm Kirchberg hauen? Das wäre Arbeit für'n Nachmittag." „Die kleine Wiese," entschied sie ganz mechanisch. Der Wackere sah die junge Herrin verblüfft an. Diese Gleichp- gültigkeit, !vv sich's um ihre Lieblingsaroeit des ganzen Jahres handelte? Für die Heuernte ivar sie immer Feuer und Flamme. Sie wird doch nicht heut früh voU der Sonne was abgekriegt haben? Sie sah so sonderbar aus. „Gehen Sie. Worauf io arten Sie noch?" — fragte sic mrgeduldig — „ich komme bald." Nun versuchte sie on die Tagesarbeit zu denken, aber es ivar ihr nicht möglich. Sic hätte jetzt müssen in Wilhelms Zimmer gehen und die Arbeitsstunden und Löhne des Vormittags in das Wirtschaftsbuch eintragen. Sie konnte sich nicht dazu entschließen. Langsam zog sie ans ihrer Tasche das alte, abgegriffene Notizbuch, in welches sie heute, am Wiescurand stehend, die Namen tmd Zahlen eingetragen hatte. Welch ein glücklicher Mensch war sie da gewesen! Und jetzt? — Ganz gleichgültig sah sie die Liste durch, bemerkte einen Fehler, aber hielt es nicht der Mühe teert, ihn zu berichtigen. Himmel, da klapperte ja schon das Kaffeegeschirrs So lange hatte sie hier gesessen. Martens' trat «in: „Der gnädige Herr läßt bitten, den Kaffee in seinem Zimmer in trinken" — vertraulich — „mir scheint, wir haben tvieder Sch-merzen." „Ich komme" — sagte sie und blieb sitzen. Erst als die helle Stimme der Großmutter rief, stand sie aus nuh trat in die Vorhalle. Hier blieb fie wider stehen, sah nach Wilhelms Tür hin und blickte sich dann ringsum. Da' hingen die Erntekränze an den Wänden, unb dazwischen alte, fast schwarz gewordene Bilder, Wappenschilder und einige Jagd- trophäcn. Es ivar ihr plötzlich, als sähe sie das alles mit ganz neuen Augen an, das und die schwarzrot gewürfelte Steindiele! und die tiefbraunen Türen und die alte Treppe, die sich so breit und gemächlich heraufwand in den Oberstock. Stent da nicht jener graue Geist die Stufen herab, die Hausschlüssel am Gürtel, und schob sie nicht mit ihren feinen, kalten Händen Edeltraut beiseite, um selbst hinter Wilhelms Tür ztt verschwinden? Die trocknen Aehren- büschel aber da oben schienen im geisterhaften Zugwind zu rascheln: Du bist ja gar nicht mehr du. Das dort ist fortan Edeltraut von der Haide! , Ungestüm stieß sic nun die Tür auf und trat ein. Frischer Kaffeegeruch füllte das Zimmer. Großmama füllte grade die Tassen. Wilhelm lag lang ausgestxeckt mit bleichem Antlitz auf seiner Polsterbank und Frau von Dahlen klagte: „Er hat wieder Nervenschmerzen!" — „Aengstige mir das Kind nicht, Großmama," sagte Wilhelm! lächelnd, „die Schinerzen gehn vorüber!" Ohne die Augen zu öffnen, streckte er der Schivester die Hand hin, ganz ruhig und selbstverständlich. Sie drückte ihnr im Bor-, beigehen die Hand. „Du Armer!" — sagte sic hastig — „ist cs sehr schlimm?'' „Oh, cs geht. Danke, Großmutter, du meinst es gut!" — Er nahm aus den Händen der alten Dame die gesiillte Tasse, „Edel, wo steckst du denn?" — fragte er dabei. Sie hatte sich gleich so hinter das hohe Köpfende des Diwans gesetzt, daß sie seinem Blick- entzogen ivar. „Edel geniert sich," sagte Frau von Dahlen gemütlich, „sie ist nämlich über Tisch im Arbeitskittel geblieben und ich kamt nicht behaupten, daß ihr Zopf sehr glatt ist." „Das alles möchte ich nun aber grade sehen," beharrte er, sich umwendend. Sie zog sich noch mehr zurück, so daß auch seine rückwärts tastende Hand sie nicht erreichte. „Ich bin furchtbar heiß und müde," sagte sie. „Aber Liebling, du hast -dick) auf den Wiesen übernommen. Morgen iverde ich dort sein." „Uebernonnnen! Ich!" — sagte sic nur spöttisch. „Sag mal, Großmutter, ist sie krank? Sie spricht mit sö veränderter Stimme." „Krank? '—- Sie hat ganz ordentlich gefuttert." „Gab cs Aergcr mit den Leuten?" fragte er. „Nein!" sagte sie kurz. „Ich hatte einen Verdruß in der Schäferei. Die Burschen hatten sich wirklich geprügelt, ich habe ihnen ordentlich den Kops gewaschen. Statür'Hd) ivar ein Frauenzimmer im Spiel." „Die sind immer im Spiel." Er stutzte ein wenig. Der Ton klang so fremd. Schweigend wurde das Vesperbrot beendet, und als die Großmutter das Zimmer verließ, sprang auch Edeltraut auf. „Ich muß auf di« Wiese!" — sagte sie. Es gelang ihm, ihre Hand zu fassen unb sie aufzuhalten. „Bleib doch," sagte -er bittend, „wenn ich Schmerzen habe, tut mir deine Nähe gut." (Fortsetzung folgt.) Die schlacht bei Bergen. Zum 13. April. (Original-Artikel der „Gieß. Fam.-Bl."). (Nachdruck verboten.) Etwa eine Stunde von Frankfurt, nördlich vom Main, erhebt sich eine Hochebene mit einem Wartturme, die „Berger Warte" genannt. Von dieser Höhe aus genießt das Ange eine entzückende Aussicht in eine fruchtbare Ebene, die südlich vom Main und nördlich von der Nidda durchströmt wird. Wohl 200 Städte, Dörfer und Höfe, unter ihnen Hanau, Offenbach, Darmstadt, Frankfurt, Homburg, Friedberg, breiten sich im Schoße der Ebene aus. Der Horizont wird begrenzt von der Rhön, dem Vogelsberg, Spessart, Odenwald und Taunus. Unterhalb der „Warte" liegt, von Obstbäumen und Weinbergen umgäben, der Flecken Bergen. Die Gegend bei Bergen eignet sich vorzüglich als Manövergelände. Mehrmals sanden hier Kaisermanöver statt, unter dem alten Kaiser Wilhelm I. das letzte im Jahre 1883. Um diese Höhe und den Besitz des Fleckens Bergen wurde im siebenjährigen Kriege am 13. April 1759 zwischen Franzosen und dem Herzog von Braunschweig, dem Verbündeten des Preußenkönigs Friedrich II., heiß gestritten. Das nächste Jahr wird uns die l50jähnge Wiederkehr des Tages der Schlacht von Berge» dringen. Da die Operationen des Herzogs Ferdinand von Braum- lchweia nach dem Main hin auch unsere Provinz Oberhessen, 235 insbesondere die Wetter«», vielfach berührten, haben sic lokalge- schichtliches Interesse. — Der französische Marschall Prinz Soubise muhte im Oktober 1758 die beabsichtigte Verbindung mit dem Heere des Marschalls Contadcs im nördlichen Hessen-Kassel als gescheitert betrachten und trat daher seinen Rückzug nach dem Main hin an, um seine vorjährigen Winterquartiere zwischen Lahn und Main wieder einzunehmen, zu deren Sicherung ihm Marburg, Gießen und Friedberg dienen sollten. Diese kleinere französische Armee unter Soubise zu zersprengen und vom Main abzudrängen, mußte das Ziel der künftigen Operationen des Herzogs von Braunschweig sein. Darüber war sich der Herzog klar; denn noch ehe Contadcs den Rhein erreicht hatte, schrieb er am 10. November 1758 an den König Friedrich II.: „Die Armee von Contadcs wird wahrscheinlich größtenteils wieder über den Rhein sich zurückzichen, während Herr von Soubise Anstalten trifft, sich hinter der Lahn zu halten. Ich hoffe ihn jedoch auch von dort zu vertreiben niib warte hierzu nur den Zeitpunkt ab, in welchem die Armee von Contadcs nicht mehr ini Stande sein wird, zu seiner Unterstützung herbeizueilen." Der König billigte des Herzogs Plan, konnte jedoch die.erbetene Unterstützung mit Rücksicht auf die eigene Lage nicht sicher in Aussicht stellen. Wenn Herzog Ferdinand nach einem Schreiben an den König vorn 31. Dezember 1758 sich als frühesten Termin den 20. Febr. 1759 setzte, zu welchem er mit seinem Heere an der Lahn ange- konunen sein könnte, in der Ueberzeugung, den Feind möglichst rasch in seinen Winterquartieren am Main zu überfallen, so war es geboten, sofort mit seiner Armee aus Westfalen auf- zubrechen. Innerhalb weniger Tage war die Lage des Herzogs noch ungünstiger geworden. Prinz Sonbise hatte sich am 2. Jan. 1759 der freien Reichsstadt Frankfurt bemächtigt. Obschon Frankfurt nicht besetzt werden durfte, ohne die Verfassung des Reiches zu verletzen, machte es Soubise doch möglich. Er hielt bei dem Magistrat um den Durchmarsch des Regiments Nassau an, der ihm auch bewilligt wurde. Aber kaum waren die Tore geöffnet, als 10 weitere französische Bataillone heranzogen, um sich in der Stadt niedcrzulassen. „Die gutmütigen, friedfertigen Stadtsoldaten streckten vor den Augen der gaffenden Bürger, die darüber ihre Verwunderung bezeugten und wie betäubt dastandcn, das Gewehr' und gingen nach Hause." Mit den französischen Gästen kam als Einquartierung in Goethes Elternhaus der „Königs- neutenant", Graf Thorane. Der Besitz der Stadt Frankfurt lvar für die Franzosen von bedeutendem Vorteile. Nicht nur gewannen sie dadurch einen der besten Waffenplätze, sondern auch die Verbindung mit den Reichstruppen in Franken, sowie mit ihrer eigenen Hauptarlnce am Niederrhein. Diesen wichtigen Stützpunkt nm Main den Franzosen zu entreißen, mußte beit Verbündeten schwer fallen. Aber noch befand sich der Herzog einem Gegner gegenüber, der seit Roßbach das Gespött der Soldaten geworben, dessen Truppen unter dem Eindruck der Schlacht bei Krefeld den Glauben an sich selbst verloren hatten. Wohl wurden in Frankreich die eifrigsten Vorbereitungen getroffen, um die Armee in Deutschland auf deu totonb von 120 Ö00 Mann zu bringen; doch erforderte die Hceresvermehrung Zeit und Geld, an dem Frankreich keinen Ucbersluß hatte. Beschränkt waren allerdings auch die Mittel, die dem Herzog Ferdinand zu Gebote standen, um fein Heer in die Verfassung zu bringen, die ihm erlauben konnte, sich mit seinem Gegner zu messen. Es fehlte vor allem an der Hinreichenden Bevölkerung in den Landen, aus denen sich seine Mannfchast rekrutierte. Die „alliierte" Armee bestand zur einen Hälfte aus hannöverschen Truppen, zur anderen aus Mannschaften, die in den Kontingenten der Länder Hessen-Kassel, Braunschweig und Bückeburg ausgehobcn wurden. In Wirklichkeit war sie nichts als ein im Solde Englands stehendes Heer, über dessen Kriegsoperationen in Deutschland der König von England mitsprach. Des Herzogs Armee war bedeutend schwächer als die seiner Feinde. Seine Lage war noch ungünstiger geworden, als Soubise von seinem Hofe abberufen wurde, und an seine Stelle der Herzog von Broglie als Oberbefehlshaber der Mainarmee trat. Die zum Vormärsche nach Frankfurt bestimmte Armee der „Alliierten" zählte 29 000 Mann. Sie wurde eiugeteilt in die Avantgarde unter dein Erbprinzen von Braunschweig, in die Kolonne zur Rechten unter dem Prinzen von Holstein und in die Kolonne zur Linken unter dem Prinzen von Isenburg. Die Avantgarde marschierte am 25. März über Hersfeld, Schlitz nach Fulda, wo sie am 28. Mürz eintraf. Die linke Flügelkolonne, bei der sich der Herzog Ferdinand befand, brach ain 2o. Mürz von Kassel auf, folgte der Marschroute der Avantgarde und traf am 30. März in Fulda ein. Die rechte Flügelkolonne marschierte über Fritzlar, Schwarzenborn, Lauterbach nach Stockhausen, 4 Stunden nordwestlich von Fulda. , . Bon Fulda aus machte der Erbprinz von Braunschweig ennge glückliche Unternehmungen über Gersfeld nach Meiningen hin gegen die Reichstruppen, die er bis Suhl und Schleusingen verfolgte. Mich auf dem rechten Flügel der Armee ivurden zu gleicher Zeit erfolgreiche Unternehmungen ansgesührt. Der Herzog von Holstein hob am 31. März ein feindliches Kommando von 500 Mann in dem Riedeselschen Flecken Freien« st e i n a u auf. Am 7. April unternahm der Herzog von Holstein von Stockhausen aus einen Streifzug nach Ulrichstein, wo sich ihin das von 150 Franzosen gut verteidigte, feste Bergschloß ergeben muste. Am 10. April brach die Armee aus ihren Kauiomlierungen bei Fulda auf: Die rechte Kolonne unter dem Herzog von Holstein aus Stockhausen über Grebenhain, Gedern, Ortcnberg, Selters, Stockheim, Lindheim, Altenstadt, Höchst, Eichen, Heldenbergen bei W i n d e ck e n. Die mittlere Kolonne unter dem Erbprinzen von Braunschweig nahm ihren Weg über Freiensteinau, Wolferborn, Büdingen, Langenbergheim, Marköbel auf der hohen Straße falte Römerstraße) nach dem sogenannten „Wartbaum" bei Windecken,*) dem Rcndezvousplatze des andern Tages. Die lint'e Flügelkolonne unter dem Prinzen Isenburg marschierte über Birstein, Wächtersbach, Gelnhausen, Langenselbold, Rüdigheim, Marköbel nach Windeckeu. Von hier aus sollten sich die Truppen am 13. April in der Richtung nach dem etiva 2 Vs Stunden entfernt liegenden Flecken Bergen in Bewegung setzen. In der Frühe, des Morgens am 13. April, au einem Karfreitag, ivar eine Abteilung hannöverscher Jäger und preußischer Husaren von Windecken aus über Vilbel vorgegangen, tote „fanden eine halbe stunde diesseits des letzteren Ortes die feindliche Leichte Truppen und jagten selbige nach weniger resistenz aus dem Gehöltze. . . auf ihre armer zurück." Der Feind wurde gehindert, sich aus ber Anhöhe, dem sogen. „Hohen Stein" festzusetzen, die der „Berger Warte" gegenüber» liegt, und die der Herzog von Braunschweig selbst besetzen wollte. Die Volontaires d' Alsace müssen im Vilbeler Wald nicht allzu heftigen Widerstand geleistet haben: beim sonst hätten die leichten Truppen der Verbündeten nicht schon um 8 Uhr auf der Höhe in der Nähe des „Hohen Steins" gestanden. Hier war ihre Lage sehr schwierig geworden, da die Avantgarde bet Armee noch nicht angckommen war. Die um 8 Vi Uhr eingetroffene Spitze der Avantgarde wurde zu ihrer Unterstützung verwendet; jedoch verhinderte das Geschützfeucr vom Wartfclde aus ein gemeinsames Vorgehen auf dem rechten Flügel. Der Erbprinz von Braunschweig bekam Befehl, das 'Dorf Bergen mit ber Spitze seiner Avantgarde zu nehmen und auf dem linken Flügel nach der O st s c i t e des OrteS hin vorzilgchen. Den Angriff tat General-Major v. Gilsa mit drei Grenadietbataillonen, deren vereinten Kräften es gelang, den vor der Ostseite von Bergen herziehenden hohlen Weg zu nehmen, den Feind aus den Hecken und Gärten vor diesem Orte herauszuwerfen und zum Rückzug in den Flecken zu nötigen. Die braven Grenadiere gaben kein Pardon, hieben alles nieder und eroberten sogar einige Kanonen. Es war bereits 9Vs Uhr; das Gefecht währte schon bald eine Stunde, und noch befanden sich die Grenadiere auf ihrem isolierten Posten. Nachdem sie ihren Führer, den Generalmajor v. Gilsa, der schwerverwundet wurde, verloren hatten, mußten sie, da sie den größten Teil ihrer 60 Patronen verschossen hatten, weichen. Um diese Zeit kam die links marschierende Kolonne unter dem Prinzen von Isenburg an. Sofort schickte ber Prinz ein Bataillon und zwei Schwadronen den weichenden Grenadieren zu Hilfe. Diese machen wieder Halt und dringen mit den Jsenburgischen Truppen sogar bis in den Flecken Bergen selbst vor. Als Broglie das Anrücken der Jsenburgischen Truppen wahr- nahm, sandte er durch die Hauptstraße von Bergen fünf weitere Bataillone nach der Ostseite des Ortes, und gleichzeitig gingen sechs Bataillone nach der Nordecke vor. Die vier Bataillone ber hessischen und braunsckiwcigischcn Grenadiere wurden heftig unter Feuer genommen. Prinz Isenburg rückte mit frischen Kräften zur Hilfe herbei. Es gelingt auch, den Feind zum drittenmal in den Ort zurückzuwerfcn. Aber dem Feuc der sechs feindlichen Bataillone von ber Norberte her können die verbündeten Truppen nicht Stand halten. Zum weiteren Unglück stürzt Prinz Isenburg tödlich getroffen vom Pferd:, Die Truppen, ihres Führers beraubt, geraten in Uuordnu' q und ziehen sich gegen 10 Vs Uhr in wilder Flucht zurück. Um 11 Uhr kam als letzte die Kolonne des Prinzen von Holstein über Gronau auf dem Schlachtfclde an. Durch das Eintreffen neuer Unterstützung wurden Versuche zum weiteren Vorgehen gemacht. Es gelang dies auch auf dem linken Flügel, wo es ber jetzt verstärkten Jsenburgischen Division möglich war, den Feind zurückzudrängen. Doch war dies kein bleibender Erfolg; denn, ein mörderisches Feuer vom hohlen Weg nach Vilbel zu, vom linken feindlichen Flügel her, nötigte zum Rückzug hinter die Deckung am „Hohen Stein". lSchlug folgt.) *) Der aus der Windecker Höhe, südwestlich vom Bahnhof, an der Hanau-Friedberger Landstraße stehende Lindenbaum, „Wartbaum" genannt, soll zur Erinnerung an die Befreiung Hanaus im 30 jährigen Kriege durch Landgraf Wilhelm V. von Küsst! gepflanzt worden fein. Auf dieser Höhe »lachte der Landgraf am 12. Juni 1636 mit seiner Armee halt und zeigte durch Abfeuern von Kauoneufchüssen den bedrängten Bewohnern Hanaus seine Ankunft an. — 236 Fürs Haus. * Die Palme ir.t Ztmmer. Eine Palme verlangt vor allem eine helle und warme Stube; die Temperatur soll nicht unter 8 Grad Reaumur kommen. Dann ist es auch ratsam, die Pflanze täglich zweimal mit lauwarmem Wasser zu spritzen und so oft wie möglich abzustäuben und vom Schmutz zu reinigen. Was das Gießen, anbelangt, so ist die Palme nicht zu uaß zu halten. An einer Palme zu schneiden, ist gar nicht notwendig, es ist vielmehr schädlich. Sollte es notwendig sein, daß die Palme verpflanzt werden muß, so ist es ratsain, sich an einen Gärtner zu wenden, der das besorgt und die Pflanze solange in Kultur nimmt, bis sie ordentlich durchgewurzelt ist. * ®er Spargel gehört immer noch zu den einträglichsten Kulturen, welche wir besitzen. Er bringt noch Geld, oft mehr als 600 Mark pro Morgen. Vorausgesetzt ist, daß die Kulturen richtig angelegt und richtig gepflegt werden. Mau legt ihn nicht mehr nach der alten Methode an, ivobei der Dünger vergraben und unwirksam gemacht wurde, sondern nach neuer verbesserter Methode. Es werden auch nicht mehr Beete bevorzugt, sondern Einzelreihen mit 1.25 Meter Abstand. * K ö IIigin Amalie von P o r t u g a l und das Korsett. Tie Königin-Witwe Amalie, welche mit großem Erfolge ärztliche Studien getrieben hat, ist eine Feindin des Korsetts. Obgleich sie als eine der bestangezogenen Damen gilt und Pariser Schneiderinnen ihren Geschmack loben, hat sie nienials ein Korsett getragen, seit sie bei Erfindung der Röntgenstrahlen sich selbst davon überzeugt hat, welchen ungünstigen Einfluß das Korsett auf den menschlichen Organismus ansübt. Sie dernon- striert dies auch öfters den Damen ihres Hofes vermittels Röntgenstrahlen. Die Königin ist der Ansicht, daß auch Frauen sich viel jn frischer Luft aufhalten und init Sport befassen sollten. Sie selbst ist eine vorzügliche Reiterin, Schwimmerin und Jägerin. Für einen sehr guten Frauenberuf hält die Königin den der Krankenpflegerin. Sie selbst hat öfters als Krankenpflegerin in Hospitälern gearbeitet und ist unter dem Volk Portugals sehr beliebt wegen ihres frischen Anfassens, wo sich Arbeit bietet und Hilfe nötig ist. * D i e Vorboten der Refo r nt o. tio u. lieber anderthalb Jahrtausende herrschte das Papsttum uiieiuge- schränkt über die Christenheit, alle gegen seine Institution gerichteten Bestrebungen siegreich zurückweisend. Erst gegen Ende des Mittelalters zogen sich schwere Wolken gegen die Papstkirche zusammen. Als erbitterter Gegner gegen St. Peters stolze Nachfolger erhob sich der Engläitder Johann Wiclef. Er erkannte nur die „Heilige Schrift" als Norm an, verlangte von den Dienern der Kirche ein Leben in apostolischer Armut und Demut, verurteilte deshalb aufs schärfste jeden weltlichen Besitz der niederen und höheren Geistlichkeit. Seine reformatorischen Ideen wurden von Huß ausgenommen und zum Teil praktisch durchgeführt. Freilich, Huß selbst mußte seinen Widerstand gegen die bestehende kirchliche Ordnung mit den! Tode büßen, aber die Bewegung, die sich auf feine Lehren stützte, nahm zunächst in seinem Heimatland Böhmen einen gewaltigen Umfang an und gefährdete zeitweilig aufs äußerste die Existenz "des Papsttums. Wie der Leipziger Kirchenhistoriker Professor Dr. Brieger ausführlich in Ulksteins Weltgeschichte schildert, verlangten die Hussiten Einziehung der reichen Kirchengüter durch die weltliche Geivalt, Zurückführung der Geistlichen zu einem apostolischen Leben, Bestrafung und Ausrottung aller öffentlich Anstoß gebenden Sünden, Beseitigung aller Satzungen, die der „Heiligen Schrift" nicht entsprachen. Zum erstenmal in der Geschichte kündigte ein ganzes Volk der Hierarchie den Gehorsam auf, sagte sich völlig los vom Papsttum. Der erste Versuch, diese Bestrebungen zrc unterdrücken, entflammte die Hussiten zum heiligen Kriege. Griffen sie anfangs nur zum Schutz ihres Glaubens zu den Waffen, so faßten sie ihre Aufgabe bald i!vch weiter. Sie glaubten, den Krieg in die Nachbarländer tragen zu müssen, um auch hier das „Reich Gottes" anfzu- richten und die Einheit der Kirche herzustellen. Ueberall waren ihre Sendboten anzutreffen, überall ihre Manifeste und „Ketzerbriefe", die den Abfall vom Papsttunr forderten und gleichzeitig dein leidenschaftlichen Sehnen nach einer „heiligen, göttlichen Einigung" Ausdruck gaben. Ursache un d Wirkung. „Seit wann ist der Baron denn wieder so sehr adelsstolz?" — „Seit er eine reiche Bürgerliche geheiratet hat." * Erne ferne Partie. Auf das Heiratsgesuch, das eine junge Dame in einer hannoverschen Zeitung aufgab, ging unter anderen folgendes Schreiben ein: geerte Dame auf ir heiratzgesuch erlaube ich mich, inen zu andworten, unt sie zugleich eine Personalbeschreibung von mich zu geben, ich binn also 25 jarre in die Welt inne, denn so lange iA eß schon her, das mir der storrch gebringt hatt. ich bin erster gebildeter Haußdiner in ein hiesiges großes hotell unt due di anneren haußdiner bevelen. ich verdine jedes monat 250 mark mindestennß, wovon ich aber noch 25 mark von abgeben must, für einen kleinen jungen von sechs monate, wo ich satter von bin. ich bin sehr solihde und gehe nur mitt meine frau aust. ich wige 176 funt ohne zeuch, un r/r Elhne manmren fon die fornemen Herrens gelernt/ aliso können sie sich dennken, das ich eine ser feihne Partie biNii. lallst sie miet heiraten wollen bitte inen um brif unter a b f 1 hauptpoßt hanofer. Hogagtuuksvoll E. P. Literarisches. ~; Laurids Bruun: Pau. Roman. Deutsch von Julia Koppel. — Verlag von Egon Fleischet & Co., Berlin P -35. Preis 3 Mk. — „Die Schlange, die Eva in einer Hellen, stillen Sommernacht lockte — das war niemand anders als Pan mit seiner Flöte. Er ist es, der uns arme Menschen von Ordnung und Gesetz fortlockt — fort von dem Sichern und Gewohnten — hinaus zu dem großen, befreienden Sündenfall." — Mit diesen Worten erklärt der Dichter den Titel seines Romans, dessen fortstürmende Hand- lnng sich in „so einer gesegneten, Hellen und stillen Sommernacht, da Pan sich aus seinen stillen Wäldern hervorwagt nild mit seiner Flöte auf Abenteuer ausgeht" — abspielt. Diese aufregende Sommernacht, die den Leser einspinnt in ihren nordischen Zauber und deren Geschehnisse ihn mit fortreißen, weiß der Dichter mit leidenschaftlichem Temperament hervorzuzaubern. Goldene Worte. Wohl bringt die Liebe uns zuletzt auch Leid, Denn eines muß ja vor dem andern sterben. Doch all die bittern Tränen, die ich weine, Sind durch den ersten Kuß vorausbezahlt. Hebbel. (Nibelungen.) Gut sei jeglicher Mensch, nicht jeder ein Künstler, und deshalb Sei man im Kunsturteil streng und im sittlichen mild. ?l. v. Plate«. Rätsel. Tas erste eilt im Meeresschlunde Dahin in riesiger Gestalt Und fliehet in der weilen Runde Des Menschen tückische Geivalt. In der Musik melodischen Klangen Ist vir das Ziveite wohlbetämii; Das ganze wird in irohen Sängen Von deutschen Dichtern ost genannt. Bon drei und vier will ich dir sagen, Es ist die Stimme der Natur; Sie spricht zu dir vom Strom getragen, Du hörest sie in Wald und Flur. Wie lueil’ in seinem Zauberkreise Ich gerne! Wie von Geisterhand Geleitet geh' ich still und leise Dahin, von süßer Lust gebannt. Ich lausche deinem sausten Worte Und suhle mich in andrer Welt, Geschützt in deinem trauten Horte, Wo keines Mißklangs Stimme gellt. Ich wiege mich in Wonneträumen Und atme Gottessrieden ein; Ich möcht in deinen stillen Räumen Für immerdar gebettet sein. A. Ammann. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Muse, Muße. Redaktion Nichtige Losungen unserer letzten Rätsel gingen uns zu von Philipp Schaum V. in Großen-Linden, ferner deren mehrere aus Gießen, Lich, Büdingen und Homberg. P. Witlko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.