M8 BT BSf UMW vro :-' W Wirket, so lange es Tag ist. Roman von Maximilian Böttcher. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Friedheim strich sich mit der weißen, wohlgepflegten Rechten, ün deren Ringfinger er Mei schmale Goldreife trug, über den großen, schwarzen Schnurrbart, und ein Lächeln leiser Verlegenheit huschte über seine scharfgeschnittenen Züge. „Es ist eine etwas gewagte Bitte, die mich zu Ihnen führt." K« ließ den Blick seiner großen, dunklen Augen, aus denen Geist und durchdringender Verstand sprühten, einen Moment forschend auf Heinz Vollraths Antlitz ruhen und fuhr dann in seiner verbindlichen, äußerst sympathischen Art zu reden fort: „Mein Sohn, dessen Gesundheit nicht die festeste ist, und den ich deshalb auf Anraten der Aerzte vor etwa Jahresfrist aus dein Askauischen Gymnasium in Berlin habe wegnehmen müssen, bereitet sich zu Hause auf die Maturitätsprüfung vor. Er ist ungewöhnlich begabt — ganz ohne väterliche Eitelkeit ge- sprvchen —, auch sehr gutartig, hat sich aber kürzlich mit dem Hauslehrer, der ihn seit dem Abgang von der Schule auf Fichtenhöhe unterrichtete, so bös überworfen, daß ich den Herrn bitten mußte, uns zu verlassen. Die Schuld an dem Streit lag wohl auf beiden Seiten, wenn auch allerdings. . . Doch — um es kurz zu machen — mein Sohn hat sich nun in den Kbps gesetzt, er möchte seine Studien unter Ihrer Seitens, Herr Pastor, weiterbctreiben, vorausgesetzt natürlich, daß Zeit und Neigung Ihnen gestatten, im Nebenamt noch ein wenig Magister zu spielen. Da Werner — so heißt mein Sohn — auf dem Askanischen Gymnasium bereits ein paar Monate hindurch die Bänke der Unterprima gedrückt hat und auch sonst, bei notorisch vorhandener Strebsamkeit, im letzten Jahre ganz tüchtig vorwärts gekommen ist, so wäre wohl ein schematischer Unterricht nicht mehr unbedingt von Nöten. Werner bedarf — wie er mir sagt —> nur einer sicheren Hand, die ihm die Direktive für seine Arbeiten gibt, und eines erfahrenen, seiner Kenntnisse gewissen Verstandes, der ihm den rechten Weg durch alle Fehler und Unklarheiten zeigen kann. Doch Sie, der Sie ja das Hindernis deS Abituriums und darüber hinaus noch manches andere Examenhindernis — wie ich hörte: spielend — genommen haben, werden meines Sohnes Schmerzen entschieden von selbst besser verstehen, als ich sie Ihnen schildern kann; denn ich habe leider nur das einjährige Zeugnis einer Realschule erobert, und auch das noch mit Mühe und Not." Der Kommerzienrat Friedheim schwieg, und wieder richtete er seine Augen, aus denen, während^ er von fernem Sohne gesprochen, Warmherzigkeit und starkes väterliches Gefühl geleuchtet hatten, forschend auf das Antlitz des jungen Geistlichen. Der sah sinnend ins Beete; eine ganze Flut einander widerstreitender Gedanken und Empfindungen ergoß sich durch seine Brust. War es sein Schicksal, das ihn in Isabellas, Nähe tief, dasselbe Schicksal, das ihn schon am Tage seiner Heimkehr mit dem schönen Mädchen zusammengeftihrt? Und wenn cfl dem lockenden Ruf folgte, zu welchem Ziel würde der Weg gehn? Zu Glück uud Freude? Zu Enttäuschung und Leid? „Zu Enttäuschung und Leid", warnte die altvertraute Stimm« in- ihm, die er noch nie völlig zum Schweigen gebracht hatte-. Schon wollte er das gestellte Anerbieten ablehnen, da wart es ihm bei einem flüchtigen Blick in Friedheims Gesicht, als sähen ihn nicht dessen, sondern Isabellas dunkle Augen an. Und er konnte der Sockuug nicht mehr widerstehen. „Ich bin bereit, Ihrem Sohne zu dienen", sprach er, und seine Stimme vibrierte leise; „doch werde ich mich täglich nur eine Stunde, höchstens einmal zwei Stenden für ihn frei- nmc&cn können." Der Kommerzienrat erhob sich und streckte .Heinz mit int- pulsiver Bewegung die Hand entgegen. „Nehmen Sie vielen Dank für Ihre Freundlichkeit, zugleich in Meines Sohnes Namen, Herr Pfarrer. Und nun will ich nicht länger stören, liefet Ihre Honoraransprüche, den Stu«--, denplan und den sonstigen modus procendendi haben Sie wohl die Güte, mir recht 6alb schriftlich Ihre Vorschläge zu machen." Er drückte Heinz nochmals die Hand und ging, Hut und Stock aus der Ecke beim Fenster zu holen. Jetzt erst^ hatte Heinz Gelegenheit, zu sehen, daß er auf deut linken Fuß stark lahnt ging. „Die Folge eines unglückliche» Sturzes mit deut Pierde, sgate der Kommerzienrat, als hätte er Vollraths Gedanken erraten. „Doch meine Reitpassion wird wahrscheinlich drum nicht eher nachlassen, bis sie mich mal den Hals gekostet hat. Also auf baldiges Wiedersehen, nicht wahr? Ich habe die Ehre." Er- verneigte sich, und verließ, sich fest auf seinen Stock stützend, das Zimmer. - Als die Tür hinter ihm ins Schloß gefallen war, fühlte Heinz das Bedangen, ihm nachzueilen und das gegebene Wort mit irgend einer Entschuldigung zurückzunehmen. Aber leuchtend und lockend erwuchs wieder vor seinem geistigen Auge Isabellas holdes, verführerisches Bild. Sechstes Kapitel. Seins fand durch die Erfahrung bald^ vollauf bestätigt, daß der Kommerzienrat ihm über seinen Sohn nicht zuviel Rühmens gemacht hatte. Werner war in der Tat ein ungewöhnlich begabter Jüngling, der nicht nur das, was 'es für die Maturitätsprüfung zu lernen galt, mit spielender Leichtigkeit erwarb, sondern auch für solche ethische und philosophische Fragen, die oft nod) reifen Männern Bücher mit sieben Siegeln bleiben, ein frappierend scharfes, gewissermaßen intuitives Verständnis an den Tag legte. Dazu kam, daß er starke musikalische Fähigkeiten besaß, fast jedes Musikstück, das er einmal gehört, aus dem Klavier nachzuspielen vermochte, mit einem Anstrich von Virtuosität die Violine incifterte und sich auch auf dem Gebiet der Lyrik mit Feinsinn und großem Formtalent betätigte. Gerade dieser Ueberfluß von Gaben aber, mit denen die Natur ihn ausgestattet, brachte es mit sich, daß sein Geist flüchtig und zerstreut über die Oberfläche der Dinge hinhuschte. 294 vom Vater Rhein. In Bildern aller Art, in Liedern ohne Zahl, in Sagen und Romanen ist der deutscheste der Ströme Germaniens, ist „Vater Rhein"' verherrlicht und gepriesen worden. Tie Wissenschaft hat ihnl Bünde in allen Dimensionen gewidmet, Reiseführer gönnen ihni dickleibige Kapitel, , Angesichts so unbestrittener Popularität konnte es fast Überflüssig! erscheinen, ivenn eine Zeitschrift, wie dre rn ihrer Vornehmheit einzig geartete „Leipziger Illustrierte" dem Rhein eine Sonder-Nummer widmet. Doch ein flüchtiger diirftigen, ihre Armut hinauszutragen in die Oesfentlichkeit, und die Notwendigkeit, vor vieler Augen und Ohren Dank sagen empfinden die meisten Jute eine harte Beschämung. ! und höchste Weihnachtsfrende kommt immer nur im Familienkreis zustande; und deshalb möchte ich in. jede ein-- I zelne Hutie, in jedes Stübchen, ivo Armut friert und darbt einen Chrtstbaum bringen, die Lente hinausschicken, rasch die Lichter anzunden, die Geschenke auspacken und dann niich eilig I miT und davon machen, ehe man noch ein Wort des Tankes an. mich rächten kann." Mit wahrem Feuereifer beteiligte sich Isabella an den Vorbereitungen, die getroffen werden mußten, um Vollraths Ge- I sanken in die Tat untzusetzen. Sie fuhr, nachdem sie dein | ^^??Erzienrat noch, einen Tausendmarkschein abgebettelt hatte> > Ix'., "ach Berlin, Einkäufe zu machen, und half bei der Aus- I sa-mückung der Christbänme, deren man nach der von Heinz । aufgestellten Liste snnfnndvierzig brauchte. Als die nennund- dreißig für Schönaue bestimtnten Tannen — auf Fichtenwalde! kamen nur sechs — in einem großen Schuppen der Glashütte, fix nnd fertig, mit Lichtern imd Flitterkram geschmückt, standen, klatschte Isabella wie ein Kind in die Hände und rief: „Nein, wie herrlich! Ein echter nnd rechter Wald von I ausgepichten Weihnachtsbäumen. Wollen wir nicht mal Probe brennen? Es mußte doch himmlisch aussehen, wenn dieser bunte Wald im Glanz von sechshundert Kerzen strahlt"; und nur i uiit Mühe konnte Heinz sie von ihrer Idee abbringen. * Natürlich war es auch eine ausgemachte Sache, daß sie zur Verteilung der Christbäume und Geschenke mit in die Hütten der Arntcn gehen, „den Christcngel spielen" würde, wie sie das nannte. Sie wurde sogar ordentlich böse, als Heinz ihr sagte, daß bei dieser sehr zeitraubenden Verteilung außer Kau- tor Nagel nnd den anderen vier Lehrern von Fichtenwalde und Schönaue noch einige junge Mädchen helfen würden. „Meist Gott", rief sie, nachdem sie die Listen der Familien durchge-i sehen, die sie mit Heinz und ' Werner besuchen sollte, „da kommen auf uns ja nur zehn! Und ich habe mich schon so furchtbar darauf gefreut, daß ich selbst alle fünfundvierzig Bäume anzünden dürfte." Doch brachte sie's am Heiligabend — sie hatte zur Feier des Tages ein weißes Kleid angelegt, und Heinz dachte: sie ist wirllich schön wie ein Engel — nicht einmal bis zunl zehnten Baum. Schon, nachdem sie unter den dritten die Geschenke gebreitet, trat ein Ausdruck starker Mspannung in ihre blassen Züge; und ehe die Diener aus dem Schuppen der Glashütte die fünfte Tanne herbeigebracht hatten, schmiegte sie sich fröstelnd in die Seidenpolsterung des Wagens und sagte mit zitternder Stimme: „Sie müssen mich entschuldigen, Herr Pastor. Ich kann da nicht mehr hinein. Ich kann Not und Elend nicht sehen. Und dann die furchtbare Luft in diesen niedrigen Zimmern, dieser abscheuliche Geruch. ■ Ich glaube, ich werde ihn in meinem ganzen Leben nicht wieder los." Sie drückte Heinz die Hand, sah ihn dabei mit ihren großen, dunklen Augen slehend an und fuhr heim, ihm und Werner, in dessen Blick zornige Geringschätzung sprühte, die weilere Verteilung der Christbäume nnd Gaben überlassend. Zwischen Weihnachten und Neujahr nahm Heinz zum ersten Mal an einer Gesellschaft bei Friedheims teil. Bisher hatte er jede Einladung mit irgend einem plausiblen Vorwand ab- zulehnen gewußt; denn er fühlte, daß er in diesen Kreis verschwenderischen Reichtums nicht hineinpasse; und auch diesmal wäre er sicher fern geblieben, wenn Isabella es nicht verstanden hätte, ihm die Zusage mit Aufwendung eines Uebep- maßes von Liebenswurdigket zu entlocken. Es war ein Diner „im engsten Kreise", wie sie scherzend sagte; von Fremden waren — den Forstmeister als ständigen Gast abgerechnet — nur zwei Geschäftsfreunde des twmmerzien- rates mit ihren Frauen und vier Berliner Garde-Kavallcric- Offiziere zugegen, die ein Zufall hergeführt hatte: die mit einem falschen Datum versehenen Einladungskarten zu einer Treibjagd, die erst am übernächsten Tage stattfinden sollte. (Fortsetzung folgt.) nirgends mit Gründlichkeit Kern nnd Tiefe suchte, und daß seine Kenntnisse oft ebenso rasch, wie er sie sich angeeignet, auch wieder zerstoben. Dazu kam, daß infolge der grenzenlosen Verwöhnung, in der er ausgewachsen war, ein starrer Eigensinn in ihm steckte, und daß er, trotz seines lebhaften Mitleids für die ärmeren Klassen, sich gern als ein Bevorzugter des Schicksals fühlte, bei dem es nicht so genau darauf ankäme, wenn er mal über einem lockenden Vergnügen seine Pflicht versäumte. Aber so gewiß es ist, daß der Hauch der frischen, reinen Lust unfern Körper stähl, und kräftigt, so gewiß ist es auch, daß der Anhauch eines durchaus reinen und wahrhaft großen Cha- i rakters, der täglich seinen Einfluß auf. uns geltend macht, wie j ein stärkender Strom in unsere Seele übergeht. Und zwischen I Heinz und Werner schlug liebevolle menschliche und pädagogische I Anteilnahme von der einen, Verehrung und Bewunderung von der anderen Seite bald die Brücke aufrichtiger Zuneigung von Herzen zu Herzen. Ta Heinz in Rücksicht auf den schwankenden Gesundheitszustand seines Schülers die Unterrichtsstunden meist auf dem I Schloß gab, so war bei dem lebhaften Interesse, das Isabella an ihm nahm, ein häufiges Zusammentreffen zwischen beiden I nur allzu natürlich. In der ersten Zeit fühlte fich Heinz bei diesen Begegnungen immer gedruckt und bellommen, und nicht allein infolge der I heftigen Leidenschaft, die er für Isabella empfand. Auch das Milieu, in dem sie lebte, die feenhafte Pracht der Gemächer, I die verschwenderische Art der Friedheimschen Wirtschaftsführung, welche dem Betrieb mancher kleineren Hofhaltung an Glanz I gleichkam, der Ueberfluß an Dienerschaft, die Flut von vor- I nehmen Leuten, die sich von Berlin her fortwährend über das I gastfreie Schloß ergoß, die Menge der eleganten Wagen, der Blutpferde und Rassehunde, dieser ganze unerhörte, kostspielige Bergnügungsapparat, und nicht zuletzt der märchenhafte Luxus, den Isabella in Kleidung und anderen Dingen auf sich selbst wandte, übte eine beengende Wirkung auf das schlichte Gemüt des in einfachen, beinahe ärmlichen Verhältnissen auf gewachsenen jungen Geistlichen aus und ließ ihn den sozialen Unterschied, der zwischen ihm und dem Mädchen bestand, wie eine tiefe, unüberbrückbare Kluft empfinden. Schwerer, als es sonst wohl geschehen wäre, vermochte er I fo einen Blick in Isabellas Seele zu tun, und Wochen vergingen, I bis er endlich anfing, sich über ihren Charakter klar zu werden. In vielem glich sie ihrem Bruder, so in der starken musikalischen Begabung, in der Impulsivität der Empfindungen nnd in der Neigung, den Tätigkeitsdrang auf allen möglichen Gebieten auszutummeln: sie fang, sie spielte Harfe nnd Klavier, sie malte, stickte, sie trieb jeden nur erdenllichen Sport und versuchte sich sogar mit schriftstellerischer Arbeit. Doch hatte sie nicht Werners scharfen Verstand, und die Flüchtigkeit und Willensschwäche, die in dem Wesen des Siebzehnjährigen noch I als auswttbare Keime steckten, hatten den Charakter der Dreiund- zwanzigjährigen schon mit tausend Wurzelfasern durchzogen und umstrickt. Es lebte in ihr ein seltsames Gemisch von aristo- I kratischer Exklusivität nnd temperamentvoller, fast zigeunerhafter Ungebnndenheit, offenbar eine Folge ihrer Abstammung j ten einer Mutter, die, aus altadligem Geschlecht gebürtig, ! ihren Trieb zum Theater nicht hatte zügeln können und bis zn I dem Tage, an dem sie Friedheims Fran geworden, ein mäßig angesehenes und noch mäßiger honoriertes Mitglied einer mitt- I lernt Provinzbühne gewesen war. „ r Em paarmal war Heinz Zeuge, wie Isabella einer bevor- stehenden Festlichkeit mit wahrhaft kindischer Freude entgegen- I Wh' um am Morgen darauf mit dem Ausdruck unsäglicher Miidig- ® .bu versichern, daß ihr das ganze gesellschaftliche Leben I vis m die Seele verhaßt und zuwider fei, und daß sie glücklich sein wurde, wenn sie nie mehr den Fuß auf eine dieser Veranstaltungen setzen brauchte, die mit all' ihrenr Glanz die öde Leere, die in ihnen gähnte, nicht verbergen könnten. Heinz Vollraths Plan, für die Armen von Fichtenwaldc I nnb Schönaue eine Weihnachtsbescherung zu veranstalten,'wurde von Isabella mit einer an Enthusiasmus streifenden Wärme I ®“jS«9rtften. Sollte diese Veranstaltung doch auch keine der I ^l'chen Masienbescherungen werden, deren sie schon genug mit- gemacht hatte, sondern etwas ganz Neues und Eigenartiges, .wobei “Jrl ’Va ste Reichtum, nein, auch ihre Persönlichkeit latkrafttg und htsisbereit einsetzen konnte. ."U.^be immer gefunden", hatte Heinz gesagt, „daß Weih- nachtsbescherungen, zu denen sich viele Geber und Empfänger vermmmeln, feine rechte Weihe und Freude in den Herzen der Beschenkteti aufkommen lassen. Es ist so bitter für die Be- 295 Blick in die am 9. April erschienene, Wer 100 Seiten starke Rhein-Nummer erbringt die tteberzeugung, das; I. I. Weber, der Verlag, hier etwas geschaffen hat, was nicht nur durch seine Reichhaltigkeit an wertvollen Beiträgen in Wvrt ulld Bild jeden Beschauer besticht, sondern das tatsächlich eine ebenso wertvolle wie originelle Bereicherung der Rhein-Literatur darstcllt. Her- vorgehoben sei: „Eine Frühlingsfahrt an den Rhein" von M. Bigge, Generalmajor j. D., „Im Moseltale", eine Schilderung von 91. Trinius, und „Fveud haben!", eine rheinische Plauderei von Leonore Nießen-Deiters. Anerkennung wird auch die Skizze „Morgen im Venn" der! gefeierten Klara Biehig und nicht minder der Heimats'gruß von Rudolf Herzog: „Im Bannkreise der Sieben Berge" finden. Arthur Rehbein führt den Leser in „Ruhmreiche Berge" (Das Bergische Land), indessen der leider so früh verschiedene Wilhelm Holz am er mit seiner „Heimat am Rhein" und der nimmermüde Johannes Trojan mit „Der Rhein" durch ihre stimmungsvolle Lyrik den textlichen Inhalt vervollständigen. Ueberboten wird dieser Teil des Heftes noch bei weitem von der Fülle der Illustrationen. Nur die bestechendsten Schmuckstücke der die Zahl 100 übersteigenden Abbildungen seien hier kurz erwähnt. Da ist: „Schloß Rheinstein" von Hartung, „Rüdesheim und das Binger Loch" von Prüll, „Bad Ems" und „Königswinter" von Professor Preißler, der auch „Das Sieben-- gebirge" und „Honnef von Rolandseck aus gesehen" sämtlich nach Originalaquarellen beigesteuert hat. Ferner fällt in die Augen: „Köln am Rhein" von Wielandt, „Zons" von Nikutowski, „Kleve mit der Schwanenbuvg" von demselben Künstler und „Vorabend von St. Martin in Düsseldorf" von Hermanns. Der Aquarellist Hermann Beunier hat „Das Bergische Haus" und eine Ansicht von „Barmen" zur Verfügung gestellt, indessen Fritz von Wille mit der nach seinem Aquarell „Das Dotenmaar in der Eifel" geschaffenen ganzseitigen Reproduktion die Reihe der Farbendrucke, unter denen noch „Der Königsstuhl zu Rhens" von Deiters und bin Bild von „Koblenz" von Hartung hervorzuhcben sind, schließt. Die übrigen Abbildungen, von denen eine große Anzahl von meisterlichen Darstellungen üt Photographieton, die farbig um- rahmt find, und der wertvolle kartographische Bestand besonders ins Auge fallen, namentlich hier aufzuführen, erlaubt der Raum nicht. Sie alle schaffen in ihrer Gesamtheit ein wundervolles Bild des Rheinstwmes, unterhaltend und belehrend zugleich. Auch spiegelt sich in dieser Nummer in Wort und Bild die gigantische Bedeutung des rheinischen industriellen Lebens. Der Leser gewinnt Einblick in das hastende Schaffen des vielgestaltigen Werk- stättenbetriebs am Rhein, er fühlt den Pulsschlag des rastlosen rheinischen Gewerbfleißes und lernt das dichtgesponnene Netz der Technischen Betriebe aller Art kennen. Ein Artikel: „Die volkswirtschaftliche Bedeutung der rheinisch-westfälischen Industrie" von Abg. Dr. Beumer, gibt Aufschluß und ziffernmäßige, Belege über die staunenerregende Machtentfaltung des industriellen Gewerbslebens am Rhein. Alles in allem stellt sich dieser neueste Beitrag zur Rhein-Literatur als eine Leistung dar, die bleibende Hochschätzung verdient. Em Dail in einem Damenklub in St. £oms.*) (Nachdruck verboten.) Cupido, der auch an den Ufern des Mississippi sein Wesen treibt, reibt freudestrahlend seine Hände! Ktzin Wunder! In den: Lande der Vernunft und der Dollar hat er sonst recht wenig Gelegenheit, seinem Gewerbe nachzugehen und denkt manchmal schon dran, sich ganz zur Ruhe zu setzen; aber nun auf einmal fühlt er wieder frische Tatkraft: Heute früh hat er durch ein Fenster auf einem Schreibtisch in der . . . th. avenue ein allerliebstes Billettchen liegen sehen und seine sehr scharfen Augen — er mußte lachen, als er dran dachte, daß die Menschen ihn blind nennen — konnten folgendes entziffern: „Der.....Damenklub, Präsident Ethel E. . ., gibt sich die Ehre Mr. Frank R... zu seinem am ..... Februar stattfindenden Ball einzuladen. Miß R. . . . wird Sie um 8 Uhr abholen." Kein Wunder also, daß Cupido sich freut! Ist doch der Damentlub, dessen „Präsident" Ethel R . ., die Tochter des „Major of the City", ist, gar vornehm, dessen Veranstaltungen immer viel von sich reden machen. Natürlich ist auch jetzt wieder der bevorstehende Ball, den die Damen den Herren geben, das Tagesgespräch der Jugend von St. Louis. *) Eine Gießener junge Dame, Frl. Joh. B., hatte die Güte, uns dieses niedliche Äufsätzchen, das der „St. Louis Times", einem in engl. Sprache erscheinenden Blatte, entstammt, für nns zu übersetzen. Sie meinte, und wir meinen dasselbe, daß es unsere Damenwelt interessieren !vird. Wie in den meisten amerikanischen Zeitungen, herrscht auch in der „St. Louis Times" die ausführliche Schilderung von Begebnissen in den Kreisen der „oberen 4Ö0" vor. Besonders sind cs alle Arten von Tamen-Klubs, über die ausführlich berichtet wird. Und diese Schilderung von der wirklich originellen, echt amerikanischen Veranstaltung des vornehmsten Tamenklubs von St. Louis, in gekürzter und etwas freier lleber- sctznng, spornt vielleicht, so ineint die liebenswürdige Einsenderin, unsere jungen Damen zur Nachahmung an! D!» Red. Anr Wend des. . . Februar schmücken sich die eilige» laden en Herren in ihrem Kämmerlein zu dem Fest, und selt- sani, diesmal haben die Danien sich mit der Toilette mehr beeilt, und ehe die Hetzren es sich versehen, fährt vor ihrem Haus ein elegantes Coups vor, ihm entsteigt der weibliche Bewerber mit einem großen Blumenstrauß bewaffnet! Natürlich beeilt sich der Herr, aber die Dame ist geduldig und plaudert in der Wartezeit mit der Mutter des Herrn über die mutmaßlichen Witterungs'verhaltnisse der nächsten Tage re. Endlich erscheint der „Herr ihres Herzens", sie überreicht ihm den Blumenschmuck, verspricht beinr Abschiednehmen seiner Mutier, ihn gesund und früh wieder zurückzubringen. Sie besteigen das Coups und sausen davon. 2(11 der Tür! des Klubhauses bezahlt die Dame den Kutscher, entläßt ihn mit großartiger Handbewegung und, führt ihren Herrn hinein in die „heiligen Hallen"! Am Eingang wird ihm noch das Portemonnaie abgenommcn, was er sich, weil es von zarten Händen geschieht, und zu dem edlen Zweck, ihn vor jeder Versuchung des Geldausgebens zu behüten, gern gefallen läßt. Kaum ist er im Saal, so wird er von Damen umringt, die ihm einen Tanz abbetteln wollen, und ift. das „Geschäftliche", das Tänzeverteilen, erledigt, da ertönt die Musik und alles wirbelt dahin! Was dann noch alles folgte, Essen, Reden, und vor allem die Ausschmückung des Saales, das zu beschreiben, ist nicht gut möglich. Es war eben der Höhepunkt der „saison"! Cupido aber denkt nicht mehr dran, sich zur Ruhe zu setz.. , da ihm die „St. Louis-Girls" so nette Gelegenheit gegeben hatten, sein Können zu beweisen, was er auch sicher gut tat; und nun wartet er nur auf neue Pfeile, denn seine gesamte Munition hat er an dem einen Wend verschossen. Ja, das ivfir’ ein Abend! VSVMZMSSL» * Setzmaschineübetrieb mittels drahtloser Telegraphie. Eine epochemachende Erfindung, die in einigen Wochen in London vorgeführt werden soll, kündigt der dänische Elektriker Hans Knudsen an. Er behauptet, einen Apparat erfunden zu haben, mittels drahtloser Telegraphie auf weite Entfernung auf einer gewöhnlichen Linotype-Setzmaschine Schrift zu setzen. Knudsen machte diese Ankündigung während der Vorführung eines von ihn; erfundenen Apparates für Fern-Photographie mittels elektrischer Wellen. In einem Raume war ein Sendeapparat aufgestellt, versehen mit einer scharfen Nadel, die über ein auf einer Glasplatte fixiertes Bild geführt wurde. Wenn die Nadel auf eine erhabene Stelle traf, wurde der Kontakt hergestellt, und es entstanden elektrische Wellen, die auf einer an der Wand befestigten Aufnahmeplatte ausgenommen wurden. Von dort teilen sie sich, auch durch die Wand, einem im nächsten Zimmer aufgestellten Empfangsinstrumente mit, das mittels einer Nadel bte Umrisse des Bildes auf eine geschwärzte Glasplatte überträgt. Mittels präparierten Papiers können dann Abzüge von dem Bilde genommen werden. . Knudsen erklärt, seine Erfindung sei noch verbesserungsbedürftig. * Was Zwirn einbringt. Die Hinterlassenschaft des im November vorigen Jahres verstorbenen Herrn Steward Clark, eines Teilhabers in der bekannten Zwirnfabrikfirma von Clark & Co. und I. & P. Coats, ist nunmehr gerichtlich mit 38945620 Mk. eingeschätzt worden, worin jedoch die ausgedehnten Grundbesitze, als der Erbschaftssteuer nicht unterliegend, nicht eingeschlossen sind. Die Höhe der von dieser Hinterlassenschaft den; Staate zufallenden Erbschaftssteuer übersteigt 5000000 Mk. ^Der dem Verstorbenen im Tode vorangegangene Bruder John hinterließ 10000 000 Mk., und der dritte der Brüder, der im Jahre 1902 starb, Wilhelm, 20 000 000 Mk., so daß die drei zusammen, die nebenbei ihr Geschäft mit sehr bescheidenen Mitteln in kleinem Umfange in Paisley ansingen, nahezu 70000000 Mk. hinterlassen haben, worin der Grundbesitz, der auch auf mindestens 20 000000 Mk. geschätzt ivird, nicht eingeschlossen ist. * Zu viel verlangt. Der Huberbauer, der die Prügel seiner Ehegenossin nicht mehr erdulden kann, entschließt sich endlich auf Zureden seiner Verwandten, sich von ihr scheiden zu lassen und begibt sich zu seinem Advokaten in die Stadt. Dieser nimmt den Sachbestand zu Protokoll. Der Huberbauer macht die üblichen drei Kreuze, 296 gibt feinem Rechtsfreunde einen Vorschuß und entfernt sich endlich, nachdem ihm der Advokat noch versprochen, die Scheidung rasch und energisch durchführen zu wollen. Kaum ist er aber draußen, geht die Tür der Kanzlei schon wieder auf, und der Huberbauer steckt ängstlich den Kopf hinein. „Herr Doktor," sagt er ängstlich, „— daß aber mei Frau ja nix davon erfahrt!" * Wie man nach Wunsch träumen kann. Der Psychologe Professor Verwon hat 'ein Buch herausgegeben, in dem er in interessantester Weise über die Untersuchungen plaudert, die er über die Träume der Menschen angestellt hat. Professor Verwon geht von der Ansicht aus, daß man durch Zuhilfenahme gewisser äußerer Momente sehr wohl feine Träume bestimmen könne. Der Psychologe hat eine Reihe interessanter Experimente an sich selbst vorgenommen von denen wir in nachfolgendem einige zitieren: Der Professor ordnete zum Beispiel an, daß sein Diener, während er selbst im Schlafe lag, das Zimmer mit einer helleuchtenden Lampe, die mit einem roten Lampenschirm versehen war, betreten solle. Dies geschah, und obgleich in festen Schlaf versunken, unterlag der Professor doch der Einwirkung des roten Lichts auf seine Pupillen. Dieses Experiment wurde mehrmals wiederholt, und der Professor träumte jedes Mal entweder von einem Sonnenuntergang oder von einem großen Feuer. Ein anderes Mal ereignete es sich, daß der Diener mehrmals Gegenstände auf den Fußboden des Korridors fallen ließ, und mit den Füßen gegen die Wände stieß; dies geschah jedoch aus einiger Entfernung, so daß das Geräusch nur gedämpft in das Schlafzimmer des Professors drang. Zugleich wurde im Schlafzimmer selbst eine Blendlaterne auf- und zugeschoben: Der Schläfer träumte von einer großen Schlacht, in der er deutlich den Donner der Geschütze zu hören und das Aufblitzen der Feuerwaffen zu sehen vermeinte. Das ganze Experiment dauerte nur wenige Sekunden, aber der Pro- effor hatte im Traume die Empfindung, wie wenn sich )te Ereignisse der Schlacht stundenlang hinzögen. All )ie Personen, mit denen er im Laufe des Tages zusammen gekommen, erschienen ihm im Traum als Kom- mtternten. Professor Verwon ist der Ansicht, daß die meisten Träume nur den Bruchteil einer Sekunde währen. Er hat hierfür auch den Beweis erbracht: Eines Tages träumte er nämlich, daß er in der Eigenschaft eines Sekundanten einem Duell beiwohne. Er sah deutlich den Kampfplatz, die beiden Gegner, Sekundanten, den Unparteiischen und den Arzt mit seinem Verbandskasten. Er hörte, wie das Kommando zum Feuer gegeben wurde, sah, wie einer der Duellanten fiel, sah sich selbst zu den: Gefallenen hinlaufei: und seine Wunde besichtigen. Dann erwachte er. Neben seinem Bett stand ein Freund, der mit feinem Spazierstock an den Bett- psosten geschlagen hatte, nachdem er, um den Professor aufzilwecken, „los" gerufen hatte. Das Geräusch, das der Stock verursachte, und der Ausruf des Freundes, der dem Klopfen unmittelbar voranging, hatten dem Schläfer den erzählten Traum suggeriert. Zwischen dem Ausruf und dem Klopfen lag aber kaum ein Zeitraum von einer halben Sekunde. as ist eine Eisenbahn? Die Antwort auf diese Frage gibt „kurz und bündig" eine Reichsgerichts- euffcheidung in folgendem lieblichen Satzgebilde: „Eine Eisenbahn ist ein Unternehmen, gerichtet auf wiederholte Fortbewegung von Personen oder Sachen über nicht ganz unbedeutende Raumstrecken aus metallener Grundlage, welche durch ihre Konsistenz, Konstruktion und Glätte den Transport großer Gewichtsmassen beziehungsweise die Erzielung einer verhältnismäßig bedeutenden Schnelligkeit der Transportbeivegung zu ermöglichen bestimmt ist, und durchs diese Eigenart in Verbindung mit den außerdem jur Erzeugung der Transportbewegung benutzten Naturkräften (Dampf, Elektrizität, tierischer oder menschlicher Muskeltätigkeit, bei geneigter Ebene der Bahn auch fchoil durch der eigenen Schwere der Transportgefäße und bereit Ladung u. s. f.) bei dem Betriebe des Unternehmens auf derselben eine verhältnismäßig gewaltige (je nach den Umständen nur in bezweckter Weise nützliche oder atlch Menschenleben vernichtende und die menschliche Gefundheit verletzende) Wirkung zit erzeugen fähig ist." — Das ist wenigstens „Klarheit". Literatur. — Deutschlands Stellung in der Weltwirtschaft. Von Professor Dr. Paul Arndt in Frankfurt a. M. („Aus Natur und Geisteswelt." Sammlung wissenschaftlich-ge- meinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens.^ 179. Bändchen.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. Leinwand geb. 1.25 Mk. — Daß wir im Zeitalter der Weltwirtschaft stehen, weiß heute jeder. Wir denken, wenn wir das ans-, sprechen, kaum daran, daß die Weltwirtschaft eines der grüßten Wunderwerke menschlichen Scharfsinns, menschlicher Geschicklichkeit und menschlicher Kühnheit, ein iiberaus kunstvolles, fein! gegliedertes und in seiner riesenhaften Größe kaum übersehbares Gebilde ist. Und andererseits suhlt der ungeschulte Geist, der nur einen kleinen Teil des Netzwerkes wahrnehmen kamt, der nicht sieht, wo es angefertigt und wie eS in Bewegung gesetzt wird, sich ihm gegenüber oft fassungslos und bedrückt. . So wird das vorliegende Bündchen, das in das Verständnis dieses großen Wirkens und Schaffens einführt, begrüßt werden. Es stellt zunächst kurz unsere wirtschaftlichen Beziehungen zum Auslände dar und behandelt dabei die Probleme der Produktion, des Handels, und Verkehrs, der Ein- und Auswanderung, der Anlage der Kapitalien und der Handelsbilanz, besonders aber das heute, ja aktuelle Problem der Kolonien. Daran schließt sich eine Darstellung der Ursachen der gegenwärtigen hervorragenden Stellung Deutschlands in der Weltwirtschaft und eine eingehende Behandlung der Vorteile und Gefahren dieser Stellung, die besondere Beachtung beanspruchen darf. Zum Schluffe skizziert der Verfasser die vielen neuen wirtschaftlichen und politischen Aufgaben, dir sich aus Deutschlands internationaler Stellung ergeben. In deut Buche selbst und in einem Anhang wird in einer Reihe von Ta-, bellen das wichtigste statistische Material dargeboten. Das Haus im Spruch. Also geht auch zu gründ diß Hans, Wo das Weib bleibet vil daraus. Fischart. Ein hauß is ein gut sicherheit, Ein zuflucht beid zu fräud' und leyd. Fischart. Mein Haus ist meine Burg. Engl. Sprichwort. Das Glück des Hauses. Das Glück der Welt. Inschrift auf einer Denkmünze (1674). Glückselig der, dessen Welt innerhalb des Hauses ist. Goethe. Logogriph. Mit ,,H1' trieb's manchen schon zurück, Der in der Fremde sucht sein Glück. Mit „L“ fügt Alles man zusammen, Was auseinander ist gegangen. Mit „R“ mollt's wohl schon mancher fügen, Doch ließ sich dies und das nicht biegen. Mit „S“ kannst du's im Haushalt seh'n, Recht süß schmeckt es und angenehm. Auflösung in nächster Nummer. Auflösting des Diamanträtsels in voriger Nununer: Redaktion: V. W i t t k o. — Rotationsdruck und Berlaa der Brühl 'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.