BW fl Mi mK W Tir^ M »» A^. X '•- 3 MWi»sM«s.x<8 AI8MIÜ Kelmuih von LoVlen. Roman von Ursula Zöge von M a n t e n f f e I, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Die Herrin desselben schob ihren Begleitern einladend eitrige Sessel zu, sie selbst stand, einen Storni aus den Kaminsims gestützt, das feine, blasse Gesicht fast gedankenvoll. We ein Bild sah sie aus in ihrem! langen, kupferfarbenen Phan- tasieklcid. „Entschuldiget, daß ich euch hierher führte, aber hier wird er uns nicht vermuten und ich muß mit euch sprechen. Troß will sich von mir scheiden lassen, er will es erzwingen und ich will nicht." Recknitz wurde zoknesrot, Loysen, bemi dies nicht unvorbereitet kam, sagte nur: „So sagtest du mir schon einmal." „Spür’ mal Annchen," sagte Recknitz väterlich, „rechne auf meinen Beistand." Marie Anne schluchzte: „Wie schrecklich! Tu tust mir furchtbar leid — wie hat er sich überhaupt verändert! Ich erkenne ihn nicht wieder . . . aber er hatte wohl — heute beim Tiner — zu viel getrunken ..." „Natürlich," brummte Recknitz, „lassen wir das. Morgen ivirb er wieder in Ordnung sein, Aber nun soll Annchen weiter reden." I „Weshalb er sich scheiden lassen will, werdet ihr erraten. Er hat den wahnsinnigen Gedanken, jene berüchtigte $ er fön' zu heiraten. Er will Skandal auf Skandal häufen. Ich aber habe eine unüberwindlichü Abneigung vor jedem dokumentierten Familienskaudal. Uebevlasscn wir jene Sensativnsgeschichten doch dem internationalen Taliniadcl. Bon der vornehmen Familie, wie von der vornehmen Frau spricht man nicht. Eine geschiedene Frau fällt entweder der Verleumdung oder dem Mitleid anheim. Ich weis; nicht, was ärger ist. Ich habe Edmunds Freiheit nie beschränkt — aber scheiden lasse ich mich nicht. Und nun komme ich zu dem, was ich euch sagen wollte. und worin ich eures Rates und eurer Hilfe bedarf. Ich halte diese ganze Schei- dnngsidee bei Edmund nicht für das Endresultat langer Herzenskämpfe, sondern für ein Krankheitssymptom. Ich halte ihn für geisteskrank." „Anne!"— schxie die Recknitz auf und wollte der Schwester ui» den Hals fallen — „arme Anne!" „Bitte — jetzt keine Rührungen. Wir haben wirklich nicht Zeit dafür," wehrte die kühl, „das, was dir neu nnb furchtbar erscheint, ist ein Gespenst, an welches ich mich durch täglichen Verkehr gewohnt habe. Ich sprach dir schon irrt Frühling davon, Helmuth." Ter fuhr leicht zusammen und irickte nur. Seine Gedanken waren noch ganz mit dem Borhergesagten beschäftigt. Er wußte jetzt, daß ex durch das, was er zu tun gewillt war, diese Schwester für iminer verlieren würde, urtb das war ihm sehr bitter. „Seit Jahr und Tag Ivirb der Wechsel seiner Stimmungen! auffällig," fuhr Anne Marie fort, „ihr dachtet heute, er hätte etwas zu stark diniert. Es war nicht der Fall. Ihr habt nicht acht gegeben. Er hat nur einige Gläser Rheinwein grx trunken. Ich gebe zu, daß er nicht immer so erregt und wech/ selnd spricht wie . heute. Seit einigen Tagen beschäftigt ihst die Jagd auf amerikanische Hirsche, die er der Wendtleben geben will, sehr stark. Ihr wißt, das; wir gar keine solchen! Hirsche in den Wäldern von Tobrau haben. Jener Herzog, bei welchem Ivir im Sommer zu Besuch waren, hatte ein Rudels Wapiti in seinem Wildpark, und jene schöne Halbwilde schoß einen davon, allen Jagdgesetzen zuml Trotz und zum größten Verdruß des Herzogs. Seitdem lebt in Edmunds Phantasie die Anlage eines ähnlichen Wildparkes in Tobrau, und diese Phantasie ist für ihn bereits Wirklichkeit geworden." Recknitz rieb sich in großer Bestürzung die Stirn. „Tas ahnte ich ja nicht — mein Himmel! Was tun?" „Tas ist, was ich euch fragen will. Ich fühlte mich nicht berechtigt, hinter dem Rücken meines Mannes einen Arzt gleichsam als Spion anzustellen, das widerstrebt mir. Ich konnte mich ja auch täuschen. Bisher habe ich nicht bemerkt, daß jemand an seinem Wesen Anstoß genommen hätte. Freilich in den Kreisen seiner speziellen Freunde nintimt man alles, was er sagt und tut, blindlings als erstklassige Mode-Neuheit hin." „Tu mußt einen Arzt befragen," sagte Recknitz entschieden, „Aber wie? Er müßte Troß doch sehen und beobachten. Dieser aber ist sehr mißtrauisch, — dies Mißtrauen ist mir an ihm ebenso fremd wie sein Wunsch, jene Person zu hei/ raten." „Könnte der Ar,Jch bin nicht krank." „Hattest du überhaupt die Absicht, uns etwas mitzuteilen? e— fragte Anne Marie. „Ich kam mit der Msicht her, aber die Zeit ist schlecht gewählt." „Viele fee re Stundest liegest vor uns. Ich sollte meinen, die Zeit wäre gerade passend dazu — und wenn es etwas ist „Worin wir dir vielleicht helfen könnten," — siel Marie (tone der Schwester ins Wort, „so kannst du gar nicht früh genug sprechen!" — Bei sich dachte sie: Edeltraut hat ihn nbgewiesen stnd ich will seine Fürsprecherin bei ihr fein. „Tanke, ihr könnt mir nicht Helsen. Ihr werdet euch nur strit einer Tatsache abzufinden haben." Er hat gespielt! dachte die Barvnist. Sie sah ihn von der Seite an, „Helmuth, mein ganzes Vermögen steht zu deiner Verfügung," sagte sie. Er nahm ihre Hand und Wßte sie dankbar. „Ja, so bist du, Anne. Ich danke dir — aber ich bedarf keiner Hilfe." „Aber so sprich- doch!" — drängte die Recknitz. „Ihr habt heute genug der Aufregung gehabt, deshalb will W euch mit mehr verschonen," „Tn hast jemand im Duell erschössen,!" — stieß sie hervor fc-- >,axme,r Helmi! Wie furchtbar I" — 159 — dumme Tier, wie man zu sagen Pflegt? Und wenn es denken kann, ja, wird es dann vielleicht nicht innerlich lachen über unsere Dummheit, wird es dann nicht mit Absicht so maschinenmäßig dahinleben? Denn dieses Pferd war doch auch einmal ein flinkes, lustiges Füllen, das in munteren Sprüngen um eine Mutterstute tollte, das mit anderen Gefährten auf der Wiese in raschem Spiel sich ergötzte. Wir Menschen, d. h. wir Menschen, die wir denken, nicht etwa jene größere Hälfte, die eigentlich auch nichts Besseres als eine' Maschine ist, getrieben durch Gesetze und Reglements, wir, sage ich, dünken uns mit Recht mehr als dieses Pferd, weil wir von Natur aus seine Beherrscher sind. Aber das kann uns nicht hindern, Parallelen zu ziehen. Jenes Pferd, nach seiner sorglosen Füllenzeit, mag manchen schmucken Reiter getragen haben, vor manche elegante Equipage gespannt gewesen sein. Dann kam wohl die Droschkenzeit, und schließlich winkte der Lastwagen und damit eine lange Zeit des monotonen Einerlei. Am Ende wird man dann sagen, daß es zu nichts mehr nütze sei, und niemand wird für den Gaul mehr etwas übrig haben. Jawohl, du, o Mensch, dünkst dich mehr und bist auch mehr. Aber sei offen: Ist jenes Pferdeschicksal nicht eine Art Abbild deines eigenen Lebens? Du hattest auch eine sorgenfreie Zeit, hast auch eine Jugend hinter dir, wo du dich mit Spiel und Speise zufrieden gäbest, wo das Leben dir nichts als ein Spiel war, wo du noch nicht zu denken brauchtest. Und als du ins Leben hinaustratest, lag da die Welt nicht auch rosig vor dir? Und dann ging eins der schönen Bilder nach dem andern fort, und nach Wanderungen lenktest du auch in eine so ruhige Bahn ein, wo du dein Pensum abarbeitest, ganz einer bestimmten Gesetzmäßigkeit nach lebst und äußerlich scheinst, als wolltest du, mit Verlaub, sagen: mir ist alles Wurst. Wie es in dir aussieht freilich, das mußt du ja selber am besten wissen, und das geht auch die Leute da draußen nichts an. Bist du mit dir selbst zufrieden, gut; bist du es nicht, können Aeußerlichkeiten dich auch nicht so machen. Denke aber immer daran, daß du wie jenes Pferd einmal nichts mehr nütze fein wirst! Aber mittlerweile sind wir in den Wald gelangt, und hier umgeben uns mancherlei Bäume. Da ist die neue Anpflanzung, wo die jungen Stämmchen sich vor dem Winde hin- und herbiegen, aber lange nicht brechen. Daneben erheben sich, pfeilgerade aufstrebend, schlanke, schon ältere Bäume. Aber diese alle, so schön sie auch dastehen, so grün ihr Laubwerk auch schimmert, erscheinen doch nur als Beiwerk, als Schmuck zu jenen, die das Mark des Waldes bilden, den uralten, knorrigen Eichen, die keinen Ästhetischen Eindruck mehr machen, die von keinem Winde mehr inS Schwanken gebracht werben, die jedes Jahr von neuem grünen und jeden Herbst die Blätter welken lassen. Auch hier immer dasselbe — alles Gesetz oder mich wohl in gewissem Sinne alles eine Maschine, sei es Mensch, sei es Tier, fei es Pflanze. Ja, man könnte wohl auch noch iveiter gehen in dem Vergleich, doch müßten wir alles auf seine Verhältnisse reduzieren. Alles wird, alles schießt -üppig hinein ins Leben, nm dann auszubrausen und im engen Pflichtkreise jedes ein Dasein zu führen, gesetzlich geregelt. Der Mensch ist nur die freiere Stufe, unter ihm geht es allmählich abwärts bis zum scheinbar toten Stein. Sogar das haben alle gemeinsam, daß die Gesetzmäßigkeit ein vorzeitiges Ende nehmen kann mit einem vorzeitigen Ende des Subjektes selbst. Mensch und Tier ist vor Tod, der Baum vor Sturm und Blitz nicht sicher. Ja, nun ist es wohl Zeit zur Heimkehr. Weißt du 'auch, was wir gefunden haben unterwegs? Die eine große Verwandtschaft in der Natur, die Gewißheit: alles, was uns umgibt, gehört §u uns und wir zu unserer Umgebung. Es geht doch ein einziger großer Zug durch die Welt. Eine einzige Weltordnnng, daraus bauten die Pythagoreer und die Eleaten und Heraklit. Auf dieser einzigen Weltordmmg, die freilich überall in anderer Gestalt erscheint, baut auch die gesamte Welt, II. Das war in gewissem Sinne doch ein beschämender? Gedanke für uns, der auf dem letzten Spaziergange uns! in den Kopf kam. Der Mensch nur ein Teil der Natur so gut wie das Tier, wie die Pflanze? Nur eine Maschine?! Ja, du hast recht, so ohne weiteres dürfen wir das nicht allgemein behaupten. Aber du gibst ja selbst zu, daß jener größere Prozentsatz von Menschen, der nicht denkt, der nur ißt, trinkt, arbeitet, schlaft unb in der noch bleibenden Zeit sich amüsiert, was meist wieder aus Essen oder Trinken besteht, daß jener Prozentsatz schon mit einer Maschine verglichen werden darf. Er arbeitet, weil er arbeiten muß, weil er es so kennt, weil irgend etwas ihn! zur Arbeit zwingt, und wie er arbeitet, das hängt eben von irgend einer Gesetzmäßigkeit ab. Solcher Gesetzmäßigkeit unterliegt schließlich auch das Essen und Trinken/ denn so wenig man dieses in eins fort betreiben kann, so! sehr gehört es doch zum Leben. Dieser Gesetzmäßigkeit, die den nicht denkenden Mensches zur Maschine (Maschine ist eben ein Ausdruck) macht, ist auch der Denkende unterworfen. Er arbeitet auch nach bestimmtem Reglement, manchmal oder sehr oft mit Unlust, er ißt auch, schläft auch in der Regel jede Nacht. DU siehst also, int eigentlichen Sinne bist bu auch — verzeihtz das böse Wort! - eine Maschine! Aber gib bich zufrieden, in physikalychem Sinne bist du jedenfalls eine Maschine, sogar eine äußerst komplizierte. Es fragt sich bloß, ob der Mensch eine solche bleibt oder! ob er aus sich selbst heraus sich zu etwas Besserem macht« Arußerlich bleibt er es, das ist keine Frage, er ist immer an Gesetze gebunden, und wo ein Gegenstand (und das ,ist doch der menschliche Körper) in Bewegung ist, da ist emtz Maschine in Tätigkeit. t . Nun sieh einmal jenen Vogel, der da so fröhlich zwib< schernd durch die Lüfte kreist! Nicht wahr, der ist freier als du, der ist nicht an die Erde gebunden?, Aber sein Jluci ist doch schon weiter nichts als die Tätigkeit einer Maschine. Und nun sieh, wie er zur Erde zurückkehrt und! dort ein Würmlein aufpickt. Ja, leben muß er, Nahrung muß er haben, und darum läßt ihn Mutter Erde nicht lo^ Und dort am Bache das Vergißmeinnicht! Nimm es aus der Umgebung heraus, pflanze es auf Felsboden. Dai wird es zu Grunde "gehen, denn es ist an die Gegend des Baches gebunden. Gebunden, hörst du? Gebunden ist alles/ auch du? , _ " Wenn dem so ist, toarum man dann noch von Freiheit überhaupt redet? O es gibt eine Freiheit, aber man nmst sie auch verstehen und dann lernen, sie §u erringen. Ditz Freiheit, daß man tun und lassen kann, was man will, das ist doch eine halbe Freiheit und damit gar keine. Denn! solche gar nicht, oder sie verdient wenigstens den Namen es ist eine äußere Freiheit. Ja, es gibt eigentlich eine! nicht, denn wenn du tust, was du willst, so bist du der Sklave deines Willens, deines Begehrens, bist also unsrer« So unfrei sind alle, die nicht denken. Sie vegetieren dahin, abgeschlossen für sich, denn sie sehen nur auf ihr eigenes Bestes. Sie sind also zweifache Maschinen, diö eine getrieben von einem Gesetz, einer Pflicht, die Zanders von ihrem Willen. Das Seltsame ist nur, daß diese beiden Maschinen wie mit Zahnrädern ineinander uber- greifen und sich' gegenseitig verbinden in schönster Har- monie — ans dem einfachen Grunde, weil es für jene Menschen nicht anders sein kann und so auch das An^ die Stelle jener zweiten „Maschine" muß bei den Denkenden natürlich ein Ersatz treten, der mit der Maschine der Gesetzmäßigkeit nicht harmoniert. Dieser Ersatz eben die wahre Freiheit, wie sie sich nach dem Vorigen ergibt. Frei mußt du dich selber machen, frei vor allein von deinem eigenen Ich. Dein Geist muß frei werden/ frei von allen eingeimpften Traditionen, von allen ^deen« Deine Seele muß frei schweben, an nichts gebunden sein und so alles wirklich frei von allen Seiten betrachten 160 können, auch dich selber be- und verurteilen lernen. I Dieser freie Geist kann nicht tun, was er will, aber er hat ja vorher die freie Wahl der Objekte. So kann dein äußerer Meusch die schwersten Pflichten tragen und du doch frei sein. Da außen die Maschine I laß ruhig ihren Gang gehen, die kann nur einmal stoppen. | Schluß folgt. VermisHtSS» . * In der Straßburger „Bauern-Schänke" befindet sich ein sog. Göttclbrief, ein originelles Stuck alten fluten Bauernbrauches aus dem Uirterelsaß. Der Brief ist einem Spitzentuch ähnlich, auf Papier gemalte Ornamente sind kunstvoll mit einer Nadel Mlsgestochen. Der rn der Mitte befindliche Spruch tautet: Heute bist du zarte Seele Aus der Sünden Laster-Höhle Durch die Tauf heraus geführt Halt dich forthin zu den Frommen So wirst du die Kron' bekommen Womit Gott die Seinen ziert. Solches wünschet von Herzen deine getreue Göttel Airna Maria Wautz von Gertweiler. Bist geboren worden den Löten Wintermonat 1825. Getauft worden in der evangelischen Pfarr-Kirch in Gertweiler den 20tcu Wintermonat 1825, und hast den schönen Namen Benjamin erhalten. * Ein Freund der Volk s v ernte h r u n g ist der amerikanische Millionär und General Auer von Milwaukee in Wisconsin. Er hat eine Anzahl tioit geräumigen großen Mietshäusern erbauen lassen, die, wie die Biblioteque Universelle et Revue Suisse mitteilen, nur au verheiratete Mieter abgelasseir werden, und zwar nur an solche, die Kinder haben. Dazu aber tritt die Vergünstigung, daß die Eltern mit jedem neuen Kinde eine Mietspreisermäßiguug gewährt bekommen, so daß die größten Familien fast umsonst wohnen. In anderen Häusern wohnen am rechten Flügel die Junggesellen, am linken die unverheirateten Mädchen und in der Mitte die glücklichen Familien, die zugleich für gesellschaftliche Zusammenkünfte zwischen den Unverheirateten sorgen und ihnen so Gelegenheit zur Ehe geben. * Tas Schauspielhonorar der Ochsen. Zu den Errungenschaften des modernen Theaterlebeus gehört schon seit langem, so erzählt die Comödia, das Auftreten von wirklichen Tieren, die das Szenenbild auf absolute Naturwahrheit stellen sollen und die vorher natürlich mit vielem Bemühen an den ungewohnten Raum, an ihre Rolle gewöhnt werden. Bet der jüngsten Aufführung des Ramuntcho von Pierre Loti hatten die Regisseure des Odßon eine schwere und undankbare Aufgabe, denn es galt, zwei Katzen zu dressieren, die au deut Abend das Bühnenbild verschönen sollten. Allein der Versuch mißlang, die rebellischen Mäusejäger konnten gegen das 'Lampenfieber nicht abgehärtet werden und man mußte von d m Versuche abstehen. Allein die beiden Ochsen, die jetzt auf der Bühne deS Odeons allabendlich die Pariser entzücken, zeigten sich gelehriger und fanden sich schnell mit ihrer Rolle ab. Ihr Besitzer, ein bekannter Mineralwasserfabrikant, ist auf die schauspielerische Begabung seiner Ochsen besonders stolz, umsomehr, da et aus ihrem Talente auch finanziell Nutzen zieht. Denn für! ihre Mitwirkung am Odeon beziehen sie ein Spielhonorar von 60 Frs. für den Abend. ■ * Di e nördlichste K irche der Welt. Ein paar Tagesreisen muß der Besucher von Hammerfcst schon daransetzen, wenn er später daheim sich rühmen will, das abgelegene kleine Gotteshaus besucht zu haben, das dem Nordpol am nächsten liegt. Inmitten von ein paar ärmlichen Fischerhütten erhebt sich das Kirchlein, roh aus Holz gezimmert. Das Klima dort oben ist natürlich nicht das mildeste und der Gemeindepfarrer Recklemvald hat feine geistliche Tracht mit dem Fellgewand der Eskimos vertauschen müssen, um seinen Amtspflichten genügen zu können. Es sind ihrer nicht allzuviele. Nur am Sonntag besuchen einige 70 pelsumhüllte Gläubige das Gotteshaus, die gesamte Einwohnerschaft jener kleinen weltfernen Kolonie, die in hartem Kampf als arme Fischer der spröden Natur ihren kümmerlichen Lebensunterhalt abrmgen. Eine weide Eiswüste trennt dies Häuflein unerschrockener Menschen von der Welt.' Neben der Kirche steht ein zweiter, bescheidener Holzbau, das Hospital, das der Pfarrer leitet, so gut es ihm seine medizinischen Kenntnisse ermöglichen. Denn bislang hat sich kein Arzt gefunden, der versucht hatte, in jenen eisigen Regionen sich eine Praxis zu gründen und so mußte wohl oder übel der Seelsorger versuchen, sich ärztliche Kenntnisse anzueignen. * Hieb. Chef (zum Lehrling, der feine Lehrzeit beendet hat): „Sie haben nun ausgelernt, Herr Meyer, von heute ab können Sie den anderen Herren helfen, das Mädchenpensionat drüben anzuseufzen!" Mode. — Mit der Wandlung in d er N a t ur hat sich auch in der Wamenmode ein Umschwung vollzogen. Wie wir der neuesten Nummer der Wochenschrift „Fürs Haus" entnehmen,- hat zunächst der Hut die ungeheuerlichen Dimensionen des Winters wieder abgelegt, der kleine Hut bildet die letzte Neuheit. Besonderer Beliebtheit erfreut sich die Toque, bereit Form aber breiter als lang ist, ferner der Hut ä la Napoleon, die Marquisform und der kleine Rembrandt. Ruf dem Gebiete bet Kleibermode macht sich die Neigung bemerkbar, zweierlei Stoffe zusammenzustellen, kariert und glatt, gestreift und glatt und auch zweierlei glatte Stosse in einer Farbe. Für die Sommerkleider wird Filettüll in jeder Farbe und den verschiedensten Mustern reiche Verwendung finden. — „Fürs Haus" bietet ber Hausfrau neben seinem sonstigen Unterhaltenden und belehrenden Inhalt auch Rat tit allen Bekleidungsfragen, sei es für Erwachsene oder Kinder, Ein Abonnement (1.50 Mk. vierteljährlich, „Salon-Ausgabe 1.75 Mk.) macht sich für jede Hausfrau reichlich bezahlt. Goldene Worte. Tas Denken ist keineswegs etwas Ursprüngliches, Erstes, ein Urquell aller Dinge, sondern das letzte höchste Ergebnis, die Spitze der Naturentwicklnng. * i&u.). Jordan. Wenn die Welt dir ivill den Sinn verwirren, Blick' zum eivigen Himmel auk, Wo nie die Sterne irren. T‘ Ueber sein Herz siegen, ist groß; ich verehre den -rapieien. Aber iver durch sein Herz siegt, er gilt mir doch mehr. Literarisches. — D e r d e u t s ch e W a l d. Bon Professor Dr. Haus H a u s 4 rath in Karlsruhe i. B. Verlag von G. B. Teubner in LciMg. Mit 15 Textabbildungen und 2 Karten. Geb. 1.25 Mk. — Von; des deutschen Waldes Pracht singen unsere Dichter und ihn durchstreift, seiner Schönheit sich zu freuen, groß und klein, arm und reich. Aber er hat nicht nur diese ästhetische Bedeutung, sondern anch eine große wirtschaftliche, und mancher Walchreund iutrix schon den Wunsch gehabt haben,. sich darüber, tote über bte Geschichte und die naturtvissenschastlichen Grundlagen deS Wawes unterrichten zu können. Dem kommt das vorliegende Bändchen entgegen, das alle diese Fragen über den heutigen Stand des Waldes uird seine Aenderungen im Saute der Zeiten, die volz- arten des deutschen Waldes, ihre Ansprüche an Boden, Klima usw.,- ihre heutige Verteiluilg, die Waldsormen und bte Waldwirtschaft, die geschichtliche Entwicklung des Waldeigentums, besonder^ der Gemeinde- und Staatswaldungen, ferner die Volkswirt,chaftliche Bedeutung der Walderträge und -arbeit und den gunstigm Eunlufj des Waldes auf Klinta, Fruchtbarkeit, Sicherheit und> Gesundhele des Landes behandelt. Doch wird neben ber wwtichaftuchen auch hier bte ästhetische Seite nicht vernachlässigt, vor allem die Wiege, der Waldesschönheit, wobei die Ausgaben des Staates, der Wald- eiqentümer und der Waldbesucher besprochen werden. So Wir» das Büchlein dazu beitragen, die Liebe zu.un,erem Walde zu vertiefen, indem es das Verständnis für seine Existenzbedingungen eröffnet. ______________ Rätsel. Mein Erstes ist kein Jüugliug mehr, Mein Zweites ein Verbrecher schwer,. Das Ganze ivar in früherer Zeit Bei Herrn ein Ding von Wichtigkeit. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: 1, MaSeagni. 2. Adriatiopel. 3. Regensburg. 4. Tübingen. 5. Fsolanr. 6. Neubukow. 7. Loreuz. 8. Urach. 9. Tartiui. 10. Hamster. 11. Edeuhall. 12, Rousseau. Martin Luther. Ulrich Zivittgli. Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitats-Buch- und Stemdruckerei, R. Lange, Gießen.