Donnerstag den 10. Dezemver W ii (BH- [iffi Der alte Musikant. Bo» Wilhelm Holz am er. (Nachdruck verboten.) Den Alteit hatte er fchoit zum Tanz aufgespielt — und letzt spielte er auch den Jungen, beit Enkeln, mit den: Frohmut und fast mit dem Feuer der Jugend. Und wo der alte Jakob Veit spielte, da ging's immer noch am lustigsten her, da Ivar am besten tanzen. Da war auch der rechte Genuß, der den Alten immer eine liebe Freude, den Jungen eine reine Erinnerung blieb, weil in allem das rechte Maß war. Denn dafiir sorgte schon der Veitjakob, und er genoß auch das Ansehen dazu. Er hielt auf Ordnung. Wenn er vom Orchester herunterstieg, sein schwarzbraun Samtkäppchen auf deut langen, grauen Haar und die große Stahlbrille auf der starken Adlernase, daun machte ihm jeder Platz, wie's nur oem Pfarrer geschah oder dem alten pensionierten Schullehrer Andreas Krafft, der schon der Eltern Lehrer gewesen war. Jakob Veit ging dann zu den Alten und machte seine Scherze mit ihnen — „Musikantenspäß" nannten sie's — und trank ihnen zu. Und er ging zu den Jungen, erzählte eine Schnurre und hing gefällig und unaufdringlich eine Lehre daran, die ihr Verhalten betraf. Daun nahm er auch gern das angebotene Weinglas, wenn er fröhliche Gesichter und helle Augen sah, stieß mit den Burschen an und mit den Mädeln und trank ihnen einen kräftigen Schluck zu. „Lustig fein", meinte er immer, „das sei das einzig Gute und Rechte — einem lustigen Burschen und einem fröhlichen Mädel, denen fei immer zu trauen — nur den Heimlichen nicht und den Kopfhängern. Tie könnten nie abwarten, bis der Tanz zn Ende sei, um sich dann fortzustehlen — die aber eine rechte Lust am Tanzen hätten und sich dabei so aus ganzem Herzen freuen könnten, denen käme kein anderer Gedanke^uud arger Wunsch." , Dabei ging sein Köpflein flink wie bet entern Starlem, und wenn "er so ein wenig einhielt und mit den Lippen leise schmatzte, sah er jeden und jede im Kreise herum an, liebenswürdig, scharf — denn e inmal mein le er, man Müsse mit der Jugend über alles reden — und reden können, das fei das Beste und einzig Richtige — und dann meinte er, nur bei einer offenen Rede könne man wirklich in dte Herzen sehen. Uni) er tat's allemal. Hiernach ging er beruhigt auf sein Orchester hinauf — denn er wusste, wie's bei der Jugend stand, und er kannte ihren Sinn. Er lächelte still vor sich hin, und beim nächsten Tanze sprang sein Bogen nur leichter und munterer über die Saiten. Dann sahen die Alten ans, lachten und lauschten; die Jugend aber ward noch fröhlicher. Betts Spiel ging dann allen ins Gemüt. Die Alten aber sagten: „Hort mal wieder den Beitjakob! — Wie der wieder — da hort nur mal! — Wenn der Beitjakob mal iiicht mehr geigen kann, dann stirbt er! Daun stirbt et - das Geigen ist sein Leben! Jakob Veit aber wußte, wie jetzt fein Spiel wirkte er blickte über die Brille weg hinunter und nickte da und dort hin — und husch war ihm ein Lauf oder ein Triller oder Doppelschlag aus den Fingern gesprungen, keck zwischen die Melodie hinein. Und dabei sprang sein Herz mit. Ja, dies Herz! — Das war das ganze Geheimnis von der Wirkung seines Spiels. Fröhlich hatte er sich sein Herz behalten, so recht kindlich und jung. Daß es immer nach dem Heiteren und Leichten verlangen mußte, und immer das Heitere und Leichte auch fand. So hatte er sich's behalten in allen Lebenslagen. Seine schönsten Freuden aber, die drückte er in Tönen aus, in ein paar ganz einfachen Tönen — in einem Triller, einem Lauf, einem Doppelschlag, wenn sie ihm wie lustige Lacher in die Stücke hineinsprangen. Und vieles von dem, was er spielte, war ja nichtssagend für sich, aber er sagte etwas damit. Das Unbedeutendste ward bedeutend in seinem Empfinden, und für alles hatte er die gleich innige Hingebung und Liebe. Er liebte die Musik und lebte sie, und vor jedem ihrer Töne hatte er eine so hohe Achtung, daß er jedem den gleichen Wert gab und die gleiche Sorgfalt an- gedeihen ließ. Und so war's gekommen, daß er alt und grau geworden war, aber jedesmal kinderjung wurde, wenn er seine Geige strich. Und das hatte sich ihm auch auf alles im Leben übertragen. Er sah die Welt mit den Augen seiner Jugend an, und nur selten kam sie ihm anders vor. Ebenso selten berührte ihn eine Veränderung tiefer. Er sah in allem Leben das Lichte — und fielen Schatten in seine Seele, wußte er, wo er eine Zuflucht finden konnte und fein Heil. Dann geigte er eben so lange, bis es wieder hell ward in ihm. Für alles hatte er einen Trost in der Sprache der Tone, und von manchem guten Wort, das er zu sagen wusste, konnte man beinahe behaupten, daß es sich aus seiner Musik herausgesormt habe. , So war er ein rechter Künstler, tote er seiner 9Jcit|u lebte, obgleich er nur ein simpler Musikant war. Die hohe Schulung war ihm ja wohl fremd geblieben, aber da er den Ausdruck des Elementaren voll erfaßt hatte und sich darin genügen konnte, empfand er nie eine Sehnsucht nach ihr. Er war glücklich. Ein altes Kind und ein jugendlicher Greis — und sein Lachen war zn allen Zeiten frisch tote Bergwasser und quellhell. , Niir dann schlich sich in neuerer Zeit 'Ctite leichte Betrübnis in sein Herz ein, wenn neue Noten kamen. Er sagte nichts zu den anderen, oder nur selten wenigstens zeigte er ihnen, daß er nicht so recht begeistert war. Das wollte nicht in seinen Sinn, was da neu kam. Es war ihm gar oft eine fremde Sprache, weltfremd sozn- sagen — und sein Herz blieb kalt von ihr. Er konnte e» nicht lieben — es war ihm kein Genuß. Damm verwarf er's in feinem Sinn. Und war er zu §flufe allenr, dann orholtM er sich, kramte, einen ganz alten Marsch oder Walzer hervor, spielte sich den und fang und pfiff abwechselnd dazu — so ganz allein in seinem Stübchen, wo- 774 hin niemand durfte, wenn er spielte. Unb dann fühlte er den warmen Sonnenschein draußen so wohlig — der Duft des Flieders quoll herein zu ihm ans seinem Garten — und die Welt war schön und voller Klarheit. „Die können ja nichts mehr, diese Jungen," sagte er oft zu sich, ganz heimlich, denn er war immer bescheiden gewesen und hatte wenig geurteilt. Alles lag bei ihm in der Empfindung. „Gott, das ist doch noch Musik, mein alter Walzer da, den ich schon meiner Liefe gespielt, da wir noch ganz jung waren und nur heimlich zusammenkommen dursten. Darum spielte ich ihn auch, als uns der Pfarrer znsammen- getau hatte — am Hochzeitstag — und ich war im siebenten Himmel. Ja, das ist doch noch Musik!" Und er sah zum Fenster hinaus und zum Himmel auf, und innig bewegt spielte er ins Abendleuchten: Goldne Abendsonne, wie bift du so schön. Und es löste scch ihm von der Seele Ivie ein tiefes, frommes Beten, ein seliges Weihcgefühl —. Jakob Veit war nun schon fiinsundsiebenzig. Wer er spielte noch tapfer die erste Geige in seiner Gesellschaft und war immer däbei, wo sie nur hingerufen wurde. Da dachten aber doch ein paar Freunde, ihm eine Hilfe zu geben, und eine jüngere Kraft zu engagieren. Es war ein ganz junger Mensch, kaum zwanzig, aber er wurde viel gelobt. Richard Vormann hieß er, jedoch im ganzen Dorfe wurde er nur kurz der „Rickes" genannt. Unter diesem Namen kannte ihn jedes Kind. Der „Rickes" hatte bei einem Theatergeiger in Mainz Stunden genommen, schon seit seinem zwölften oder vierzehnten Jahre, und er spielte großartig. Und wunderbare Sachen. Er werde sicher auch mal in ein Theaterorchester kommen. Der sollte nun den Jakob Veit manchmal ablösen, daß er ruhen könne. Beit sträubte sich zwar anfangs — „ihm geh's noch leicht von der Hand" — aber schließlich gab er sich doch darein. „Er hab's am End' ja auch verdient." Der junge Geiger kam. Veit stellte ihn zu seiner Linken. Vorerst mög' er mal zweite Geige spielen. Man konnt's dem „Rickes" ansehen, es war ihm nicht ganz recht. Aber er wollte sich dem Alten nicht widersetzen. Anfangs achtete Veit nicht aus den Kollegen. Oder Höchstens, daß er sich mehr zusammennahm und mit der heimlichen Absicht spielte, soviel tote möglich zu glänzen. Wer da achtete wieder der Jüngere nicht darauf. Nach ein Mar Tänzen aber, mitten in einem neuen Walzer, den der alte Beit gar nicht sonderlich liebte, sprang des Jungen zweite Geige srisch und keck in die erste. Und wie klang jetzt der Mnlzer, der vorher „gar nicht recht gewollt hatte!" Im Saale horchte man auf. Jakob Veit ward rot strich anfangs seine Saiten heftiger, ließ aber bald nach, als er merkte, daß er nicht durchdringen könne. Aergerlich Und mißmutig, spielte er fast leise weiter. „Faxen! — Damit will man einen alten Musikanten kalt stellen! Nichts dahinter kennen wir!" — sagte er zu sich selbst. Der Jüngere aber, plötzlich merkend, wie sein Spiel wirkte und wie sein grauer Nachbar verstimmt war, ließ die erste Stimme fallen und begleitete wieder in der zweiten. Aber mui war es kein Feuer mehr und keine Wirkung. Jakob Veit machte sich Borwürfe. „Was brauchte er sich auch so verstimmen zu lassen!" Aber wie er sich auch Mühe gab, er brachte seine Stimme und damit das ganze Stück nicht mehr in die Höhe — und er gab bald das Zeichen zum Schluß. So wiederholte sich's noch ein paarmal. Und als einmal Veit um Mitternacht ganz aussetzte, da wählte der Jüngere einen „Rheinländer" mit einem Violinsolo. Veit saß unten an einem Tische, sah und hörte zu. Die Jugend schien über alle Maßen befeuert. Der Ordner hatte seine schwere Not, Paare zum Pausieren zu bringen. Die Burschen und die Mädel schienen unermüdlich. Und alle Gesichter glühten. Das znachte der Rickes. „Brillant!" sagte ein Fremder ganz in Veits Nähe. „Sie meinen doch den neuen Geiger?" sagte der Wirt, „ja, der ist ganz ausgezeichnet, ganz ausgezeichnet!" Und als der Wirt fisch tundrehte, sah er den alten Beit. „Beit, den müßt Ihr Euch halten!" sagte er zu ihm. „Der kann's, hol' mich der Kuckuck, der kann's! Ein Mordskerl das! — da guckt nur mal (er wies aus die Tanzenden) — alles außer sich. Da könnt' man fast in seine alte. Tag noch was lerne, he?!" — scherzte er zu dem alten Musikanten und klopfte ihm auf die Schulter. /-Ja, ja," nickte der Veit. Aber ihm war's, als liefen ihm Tränen übers .Herz. Zum Weinen Ivars ihm. Er fühlte einen tiefen Schmerz — eine Qual und Unruhe. Ganz unglücklich Ivar er. Ganz dumpf war ihm. So armselig, so leer fühlte er sich. Ach Gott, als habe er nie eine Geige gehabt, nie einen Ton geliebt. Ja, er mochte jetzt die Musik nicht mehr leiden. Sie Ivar falsch und untreu. Sie hatte ihn noch verhöhnt dazn. Nein, seine Geige wollte er rein gar nicht mehr haben — und er hatte jetzt das Gefühl, sein Bogen müsse einen schweren Zentner wiegen, wenn er ihn wieder in die Hand nähme. Darum war jetzt so etwas in seine Seele gekommen, was er nie gekannt — etwas Zorniges nnd Hartes. Fast, als müsse er den neuen Geiger hassen. Er erschrak. Aber es ließ ihm keine Ruhe. Er stieg hinaus amfs Orchester, packte seine Geige ein und ging heim. „Er sei müd' und abgespannt, und er mühte jetzt Ruhe haben. Und nun habe er ja auch Ersatz." Und er ging heim. Der junge Geiger war ein bißchen betroffen. Es tat ihm so leid. Denn ihm war, als habe er den Alten vertrieben. Aber die anderen redeten's ihm ans. Traurig ging Veit heim. Der Jüngere aber spielte immer feuriger und wählte nur die neuesten Sachen. Er spielte sich in alle .Herzen ein. „Dagegen kann der Veitjakob daheim bleiben," hieß es da mal und dort mal. (Schluß folgt.) Das deutsche Bilderbuch. Von Dr. R i ch a r d D o h s e (Frankfurt). Seit vor einem Jahrzehnt etwa die Hamburger Lehrerschaft in Verbindung mit dem Hamburger Prof. Lichtivark die Reform der Bilderbücher und Jugendschristen durch Wort und Schrift angebahnt hat, ist die ganze Bewegung langsam aber stetig gewachsen und heute hat sie eine Ausdehnung erreicht, die beweist, wie aufnahmefähig nnd fruchtbar der Boden war, in den das Samenkorn gesenkt wurde. Allmählich hat sich inzwischen die ganze deutsche Lehrerschaft der Sache angenommen, dis Dresdner, Kölner, Elberfelder unb andere Lehrervereine haben nach Art der Hamburger „Prüfungsausschüsse" gebildet; ein Verzeichnis empfehlenswerter Äücher für die Jugend wird von den vereinigten deutschen Prüsungsausschüssen heransgegeben, eine „Jngend- schriftentoarte" ist entstanden n. a. m. Hand in Hand mit dieser mehr theoretisierenden Art des Arbeitens ging die Umsetzung der Joeen in die Praxis, d. h. einmal wurde die Ausgrabung und Neuherausgabe geeigneter Jngendschriften, dann aber auch die Schasfung einer „neuen" Kunst für die Jugend in die Wege geleitet, die sich die moderne Technik zunutze gemacht nnd dadurch, namentlich in der Farbengebung, ungeahnte Wirkungen erzielt hat. So eröffnete sich ein ganz neues und wenn auch schwieriges, so doch äußerst dankbares Schaffensgebiet für unsere dent- scheu Künstler. Bald griffen denn auch die Verleger die neuen Ideen auf, die Verlagsanstälten für solche neue Kunst wuchsen buchstäblich wie Pilze aus der Erde, und heutigentags steht man geradezu vor einem embarras de richesse, einer fast beängstigenden Häufung des Angebots. ' Da heißt es nun wiederum bei der Auswahl vorsichtig sein, denn das um jeden Preis Neue, Moderne, wenn es auch ans den ersten Blick vielleicht besticht und reizt, hält durchaus nicht immer einer genauen näheren Wertprüfung stand. Es liegen hier so unendlich große Schwierigkeiten vor, daß eine Sichtung des Materials hier tote auf keinem anderen Kunstgebiete vonnöten ist Sagt doch schon Theodor Storm, „daß ihm die ganze Schwierigkeit der Jugendschris! stellerei aufgegangen sei". Wie schwer war es nnd bleibt es in der Tat, wirklich zu bessern, wie leicht hingegen kann da grütrdlich verdorben werden, wo doch genützt werden sollte. Und gerade die Reform des Bilderbuches ist eine ganz besonders delikate Angelegenheit. Hat man es hier — 775 liefe Bücher zusammengefaßt. Ta ist zuerst ein lustiges Werkcheu „DeK macht Spatz" mit Versen von Franz Mähler und Zeichnungen von Otto Gebhardt. — Dann für die Kleinen ein prächtiges „ABO-Bilderbuch" zu dem kein Geringerer als Hans T h o m a die Bilder gezeichnet hat. Der Text, der die Zeichnungen begleitet und erläutert, ist außer einigen Fabeln von Wilh. Hey recht geschickt von Mathilde Coesier (Kassel) versaßt. Ein vorzügliches Anschauungsmaterial für das Kind, eine moderne Fibel in künstlerischer Ausführung. Da muß ja das Lernen und Erfassen des schtvierigen Alphabets ein« Freude für das Kind werden, denn jeder Buchstabe ist nun nicht mehr tot, sondern gewi t*it durch die Kunst des Zeichnens warm pulsierendes Leben; jeweils eine eigene Gestalt nimmt er an, die sich zwanglos dem Gedächtnis einprägt, weil sie mit dem Bnchüaben gewissermaßen zu einem harmonischen Ganzen verwä ',st. — „Gute Bekannte aus dem Tierreiche" führen uns zwei nette Bände vor Augen. Der Hahn, die Kuh, der Hund, das Schaf, Fuchs, Schwein, Katze usiv., sie alle sind in charakteristischen, wtmet eine besondere Gewohnheit oder Eigenschaft des Tieres trefflich hervorhebenden Vollbildern von Carl Kappstein vertreten. Dazu ein von Will). Kotzde zusammengestellter, ans gute, altbekannte Reime, Märchen und längere Ge- dichte zurückgreifender verbindender Text. — Das gut« Alte kommt auch in dem „Backe, backe Kuchen betitelten Bilderbuche zu schönster Geltung, denn was sonst verstreut in Lesebüchern, Sammlungen von Kmderreimen u. bergt sich fand, ist hier in ganz reizender Weye nach einheitlichen Gesichtspunkten gruppiert und mit Bildern von Franz Jüttner versehen. Bei seiner bunten Vwlptngrett läßt sich das Buch nicht gut in Einzelheiten zerlegen. Aber soviel sei gesagt: Hier ist es dem Künstler einmal voll- kommen gelungen, den richtigen kindlichen L.on zu treffen. Welch prächtiges Bild z. B. der Mond tnt Schaserrock, mit seinem langen Stock, die Pfeife im Munde, vergnügt und tüchtig darauf losaualmend, so daß sich der Rauch zu langen Wolken verdichtet. Schmunzelnd überblickt er seine Herde, die Schäfchen, jedes mit einem leuchtenden stern um bet» Hals. Und dazu das alte schöne Kinderlieb „Wer hat di« schönsten Schäfchen? die hat der golhne Mond. Dann das Bild: der winzig kleine Hans mit (euieinHolzpierdchen vor dem riesengroßen Schmied: „Acy lieber Herr Schntted Um was ich Euch bitt': Ich hab ein klein Roßletn, Ver nagelt mir's litt" - Wie gesagt, cm entzückendes Buch für Kleine und Größere, ein Werk, das geeignet ist, den L. , ... xit pirtpr crefunden — Hierher gehören schließlich aieu° Titel „Kindersang — Andern ‘ eilt erster, lieber Wegweiser zu Ritter deutschen Kunst zu werden. - """‘V, noch die unter dem gemeinsamen Titel - Heimatklan g" in je 2 Bänden vereinigten ■ - Ander- und Volkslieder und die Weihnachtsklänge", eine Sammlung deutscher Weihnacytslieder. Zu allen Bänden hat Ernst Liebermann einen ^Achmucl ge- liesert, der in seiner schlichten Schönheit eine treffliche Jcku stration zu den lieben, alten, vertrauten Weyen bildet. Al§ besonders stimmungsvolle Bilder seien aus der großen Fahl folgende hervorgehoben: Der einsame staniieitbaum WS»; WrVtoMlet.; Wißt b», «»« e “u- £ein stehen; Guter Mono, du gehst so stille, Ar erneut kühlen Grunde; Stille Nacht, heilige Nacht u. a. Der Ton- saü der von Prof. Bernhard L-cholz herruyrt, ist stet^> so eingerichtet, daß er sowohl zwei als dreistimmig gebraucht werden kann, so daß eine mannigfache Verbindung von Singstimmen und Klavierbegleitung eintreten kann. De^ icblicbte Hausgesana, an dem Vater, Mutter und bte Äi.tbei. fidi beteiligen sollten, ist in unserer überhetzten Seit brrngerö LJ Vileae bedürftig, und daher ist gerade dieses Scholzsch« NnteRehmen mit Freude zu begrüßen. Welche Quelle der Trenbe und des Genusses die Eltern den Kindern dadurch £Ä/tabefS’tat Hause erprobt. . Leuchtende Ktn- derauaeu sind der schönste Dank sür einige den Kleinen ttnb ihrer Erziehung zu Kunst und Schönheit gewidmeten Stunden. Zu solchen Stunden, verhelfen einem die drei Bücher in hervorragender Weise, und darum sackten s in keinem Hause fehlen, wo die Eltern darauf bedacht sind, tickt n^ den Geist des Kindes zu bilden, sondern wo sie auch nach Mitteln und Wegen suchen, aus Gemüt und Phantasie einzuwirken und ein allmähliches Verstaue nis für gifte deutsche Kunst zu wecken. So ermöglicht es also die Scholzschc. K'nderbmhereim der Tat, den Kleinen langsam, schritt sür Schritt, uugW doch mit der künstlerischen Erziehung der Kleinen und | 1 Kleinsten zu tun, ein Gebiet, das die größte Feinfühligkeit, I s ein stilles und eingehendes Sichversenken in das Gesnhls- leben des Kindes voraussetzt und verlangt. Gerade vor dem .Alter, wo der junge Geist imstande ist, wirkliche Poesie in sich i «ufzuuehmen, liegt die Zeit, wo weniger,ans bett Verstand geachtet werden muß als auf die Phantasie. ' Das intensive Sichhineinleben in die Phantcistewett de» ■ Kindes war daher Vor- und Hauptbedingung zur Schaffung 1 einer gesunden Kost für die Kleinen. Das Kind schaut tu der Tat gleichsam mit den Augen eines Dichters. Es nimmt bte umgebende Welt nach ureigenster Anschauung ans, und gerade daran sieht man, daß int Kinde schon die Empfänglichkeit für Poesie schlummert. Folglich mußte es die erste Aufgabe des Künstlers sein, diese Fähigkeit des Kindes, bte Welt nach eigener Anschauung mit Hilfe der Phantasie nus- zunehmen, in der Kinderseele zu wahren und zu vertiefen. Unter den vielen Verlegern nun, die sich nm eine vernünftige Reform des künstlerischen Bilderbuches und der Jugendschriften nach solchen eben erläuterten Grundsätzen verdient gemacht haben, ragt der Kunstverlag von Jos. Scholz in Mainz besonders hervor. Er hat es sich in erster Linie zur Aufgabe gemacht, nicht um jeden Preis „moderu" zu sein, sondern auch das gute Alte zu pflegen und es sür eine moderne Umgestaltung oder besser Ausgestaltung zu verwerten. So sind all die lieben alten Märchen mit shrcr unvergänglichen Wirkung auf das Kindergemüt anf- «egrifsen und der groß a,»gelegten Sammlung künstlerischer Bilderbücher, die der Verlag unter dem zusammen- sianenden Titel „Das deutsche Bilderbuch" herans- «iot, als Serie A eingefügt worden. Der Text ist in der Geaalt geblieben, wie er sich bei den Brüdern Grimm und anderswo findet. Aber welch reue Freude und Ueberraschung wird das Kind an den altbekannten Märchen erleben! Wie haben sic sich herausgemacht; welch schönes, farbeuprach- riaes Gewand hat ihnen der Künstler angelegt. Es ist fenr-er zu sagen, welchen von den sieben Ausgaben man den Vorzug geben soll, ob beit wnnderzarten und weichen Konturen der farbigen Vollbilder und Textillnstrationen, die die gerade auf diesem Gebiete rühmlichst bekannten Wiener Künstler Heinrich Lefler und Joseph Urban für Las „Marieukind" geschaffen haben, oder — um einen be- loudern in die Augen fallenden Gegenstand anzuführen — »en drastischen, stark sinnfälligen und einen prächiigeu Hu- xtor aufweisenden Bildern Arp ad Schmidhammers zum „Rotkäppchen". Eins haben alle sieben gemeinsam — und ist das Wesentliche —, sie werden sämtlich der Stint- utiing der Märchen durchaus gerecht und wirken in ihrer Larbenfrohheit in ursprünglichster Weise aus die Phantasie des Kindes. — Hinzu kommt zu dieser Serie A noch das Buch vom „Rübezahl", auch ein alter Bekannter, aber in völlig neuem Gewand. Sieg red Beck (Hirschberg) hat eine Anzahl von Sagen und Schwänken über den Berggeist des Ricseugebirges geschickt ausgewählt und wiedergegeben: Für den Bildschmuck hat Robert Ergels (München) in unübertrefflicher Weise gesorgt. So ist ein einheitliches Kunstwerk zustande gekommen, das der Jugend aufs wärmste empfohlen werden kann. Die Serie B der Scholzschen Sammlung ist dem Humor «ewidmet. Dafür konnte der Verlag kaum einen geeig- i! etc reit Künstler finden als den schon erwähnten Arpad Sck'midhammer. Dieser ist denn auch mit wahrer Lust und Liebe zur Sache an seine dankbare Aufgabe gegangen und hat zwei kleine Prachtwerke gesck affen, bte schon durch ihre »mschlagbilder die Kinder r.izen werden. Und erst der eiaentlicke Inhalt! Das ist etwas fürs Kinderherz! Bll die „Schlimmen Streich' von Hans und Grete, Liese, Fritz Und Ernst und Käte" sind h ganz ^köstlichen Initntg.it Reimen ohne jedes aufdringliche Moralisieren erzählt, und die Bilder sind so ergötzlich, daß auch em ^Erwachsener feine Freude daran haben n.nn. Das gleiche Lob laßt sich den Reimen und Zeichnungen Schmidhamme^ zu der Wunderlichen Weltreise des kleinen Bcucki spende>: Auch hier sprudelt es nur so hervor von tollen Witzen und Einfällen des Künstlers; auch hier lacht ei» drastischer Humor durch die Blätter, der daschter Un- alaub licke und Phantastische nt genialer ^tsc. m beit Bereich des für die kindliche Anschauungsivelt Möglichen tmd Wahrscheiiilichen zu rücken weiß. Endlich hat der Verlag in einer „Allerlei betitelten Serie ‘c verschiedenartige, für Kleine und Größere berech- 778 und Ohren zu öffueir, für all das Schöne, was die deutsche Kunst in Wort, Bild und Tw geschaffen hat. Und da hinzukoinmt, daß der Verlag auch in Bezug ans die äußere Ausstattung, was Papier, Druck und Reproduktion der Bilder betrifft, Mustergültiges geleistet hat «üb mit Geschmack vorgegangen ist, dabei aber, namentlich bei den Märchen- und Kinderliederbüchern, den Preis so niedrig gestellt Hat, daß die Anschaffung jedem mit geringen Geldopfern ermöglicht wird, so ist !das Scholzsche Unternehmen zugleich auch geeignet, künstlerische Kultur ins Volk zu tragen und so zu seinen« nicht geringen Teil rnitzuarbeiteu an dem schönen Bestreben unserer Zeit, auch den Minderbemittelten die Pforte zum Reiche der Kunst zu öffnen. Aus der Geschichte des Luxus. Die Liebe zmn Prunk imb Glanz des Lebens, zu beut Luxus, der dem starren Notweildigeu ein schönes Ueber- flüssiges hiuzugesellt, liegt tief in der Menschenseele begründet und hat auch aus bem Dunkel asketischer Jahrhun- derte immer tvieder hervorgeleuchtet. Die zahllosen Luxusgesetze des Mittelalters konnten den Trieb nach Schönheit nicht unterdrücken, aber sie ließen ihn sich nur in übertriebenen und wunderlichen Formen, ausleben. Es ist eine. Hauptau fgabe aller wahren Geisteskultur, diese Neigung zunt Luxus in die rechten Bahnen zu lenken und aus ihr die schöne Blüte der Kunst heroorsprießeil zu lassen. Diesen,. Gedanken vertritt Alexander von Gleichen-Rußwnrm, der Urenkel Schillers, in feinem bei Julius Hoffmann in Stuttgart erschienenen schönen Lebeusbuche „Sieg der Freude", durch das in feinsinnig abgeklärten Laienpredigteu eine Helle und reife Weltanschauung verllindet wird. Auf der Basis der von Schiller, Ruskin und anderen Geistesgrößen, gepflegten Ideen entwickelt er eine Aesthetik des "praktischen: Lebens, die durch die Macht der Schönheit all unser Dürr und .Handeln, Rede, Gebärde, Takt und Verkehr läutern >rud adeln sollen. Frei von aller Einseitigkeit, von jeder Auf- stelluug fester Regeln uitb Gesetze gewährt er durch eilte Fülle historischer Beispiels Einblick, in die geheime Entfaltung und Umformung der ästhetischen Begriffe. Er erläutert die Wandlung in den Anschauungen vom Luxus, die früher mit sozialen Standesunterschteden so eng verknüpft waren; er zeigt auch, wie der Begriff des Luxus endgültig nicht zu bestimmen sei, wie eine große Menge von Dingen, die vor Zeiten als sündhafte Ueppigkeit angesehen wurden, heute zum selbstverständlichen Gemeingut aller geworden sind. Ein Beispiel dafür ist die Geschichte der Gabel. Eine Venezianer Chronik aus dem zwölften Jahrhundert erklärte dieses Werkzeug für sündhafte Protzerei und seine Benutzung für höchst affektiert und sträflich. ' Als eine griechische Prinzessin den Dogen von Venedig heiratete, und die Gabel nach dem Abeudlande brachte, erregte sie damit allgemeines Entsetzen, beim die Frommen erklärten, es sei höchst unbescheiden wider Gott und den Menschen, die Nahrung nicht mit den Fingern aufzunehmen, sondern mittels eines zweizinkigen Instrumentes zum Munde zu führen. So stehen die rückständigen Elemente immer den Neuerungen gegenüber, durch die wachsender Wohlstaub die Sitten verfeinert. Jahrhundertelang kämpften die Luxusgesetze gegen den Gebrauch des Wagens und "die Gewohnheit des Fahrens. Dem rauhen Römersinn des Altertums erschien solch ein Fuhrwerk als ungeziemende Verweichlichung. Nur ausgezeichneten Männern wurde das Fahren als besondere Ehrung zugestanden. Lucius Methellus, der das Palladium der Vesta mit Verlust seines Augenlichts gerettet hatte, erhielt zur Zeit des ersten punischen Krieges die ganz einzig dastehende Erlaubnis, einen Wagen zu benutzen. Als die Sitte des Fahrens dann allgemeiner wurde und man anfing, die Gefährte kostbar zu verzieren, ließ der Zensor Claudius einen solchen Prachtwagen öffentlich verbrennen, um diese Ueppigkeit als einen Frevel zu brandmarken. . . . Im Jahre 1550 gab es in Paris nur drei öffentliche Personenfuhrwerke, doch vermehrten sie sich so schnell, daß dreißig Jahre später ein Erzbischof über die sündhafte Rode klagte, die zur Benutzung von Wagen verleite, und die Einfachheit der Prinzessin von Thon lobte, die sich nach alter Sitte von einem Diener auf dem Rücken tragen ließ, wenn sie Besuche machte. Lange Zeit fuhren nur Frauen in Wagen,, während jeder Herr sich einer solchen Verzärtelung geschämt hätte. Der Abbö Gedöh bezeichnete im 17. Jahrhundert das Fahren als eine soziale Gefahr und tat den Ausspruch: „Der Luxuswagen ist eilt ster- setzungsmittel im Innern der Gesellschaft." Doch wurde durch diesen Störer des gesellschaftlichen Friedens ein neues Moment des sozialen Luxus hervorgerufen, das bis dahin unbekannt gewesen ivar. Paris verdankte der Zunahme der Wagen die Pflasterung der Stadt und die Kanalisation, da man sich nun abgewöhnen mußte, alles und jedes ein» Saus dem Fettster zu werfen und gute Wege für die iriverfe unbedingt notwendig wurden. Der uralte Vorwurf, den man gegen die Wägen erhob, lebt heute ivieder in dem Kampf gegen das Automobil auf, und vielleicht wird auch dieser „Luxusgegenstand" des Verkehrs in Zuknnft eingreifende Verbesserung von Straßen und Fahrvrdnungen Hervorrufen, ehe er sich in das allgemeine Leben einbürgert und zu den Selbstverständlichkeiten des Lebens gehört. Auch in vielen anderen Dingen ist ein Luxus, der zunächst, nur das Privileg weniger Reicher und Mächtiger zu sein schien, zum alltäglichen Lebensbedürfnis aller, auch der Aermstenj geworden. Das gilt z. B. vom Fensterglas, von der Lampen- beleuchtnng, von der Fahrgelegenheit, wie sie heute durch die. Straßenbahn überall geboten wird, von der Briefbeförde- rung, vom Reisen und von Büchern. Neue diicher. Besprechung erfolgt nach Auswahl. Eine Verpflichtung zur Besprechung und zur Aufbewahrung unverlangt eingesandter: Bücher wird nicht übernommen.) S« der manu, Das hohe Lied» Stuttgart, Cotta. G. Hage, Bismarck. Darmstadt, O. Hobbing. Pascal Dav i d, Türkische Geschichten, Straßburg, Jos. Singer. F. Engel, Die liebe Familie, Kalender, Berlin, Harmonie. Karl Blüm leiii, Saalburgstlirme, Stuttgart, Loewes Verlag. A. Bettelheim, Ferd. v. Saar. Leipzig, Max Hesse. Baronin d' O r ch a m p s, Die Geheimnisse der Fran. Berlin- G. Rieckes. O. Sch w a r z, Steuersysteme dos Auslandes, Leipzig, Göschen, I. B. M üller-H er f uxt h, Gedichte, Offenbach, I. P, Strauß. Vorträge und Aufsätze über soziale Reformfragen^ 1. Bd. Heft 1 Arbeitstarifverträge, zwei Vorträge von Dr. 83, Zimmermann und Dr. H. Sinzheimor. Heft 2 Dringende Reform-* punkte der deutschen Arbeiterversicherung von Dr. F. Stier-Soml» mit einem Nachwort: Die Reform der deutschen Arbeiterveriiche- riittgr von Dr. M. Bicrmer. Gießen, Emil Roth. Die Kunst. 10. Jahrg. Heft 3, München, Bruckmamt. Dr. R, Strecker, Kants Ethik, Gießen, Emil Roth. Goethe-Gespräche auSgewnhlt und cingeleitet von 5$)rz Paul Lorentz, Dresden, L. Ehlermann. . A n s G o e t h e s P r o s a ausgewählt und erläutert von Prof. Dr. Karl Kiuzel. Dresden, L. Ehlermann. D e k l a m a t o r i u m für Haus und Welt, herausgegeb. Volk D. Schrutz. Leipzig, Max Hesse. Hessischer Gewerbe-Kalender für 1909, Mainz? I. Tümer. Deutscher evang. Volkskalcuder für Oesterreich. Bodenbach, Selbstverlag. Max Henning, Römische. Aslerrcligiou ober „Frankfurter Lümmekeien" ? Frankfurt a. M., Neuer Frankfurter Verlag- Deutsche Arbeit, Monatsschrift für das geistige Leben der. Deutschen in Böhmen. 8. Jahrg. Heft 3. Pra g, Karl Bellmanu. Kapselrätsel. Bernstein — Zigarrenkiste — Reijeuder — Wanderer — augen- blick! uh — Rhederei — Hungersnot — Verschwendung — Indigo — Habseligkeit. In vorstehenden Wörtern ist der Reihe nach je eine Silbe eines Zitates aus Schillers „Wallenstein" enthalien. Auflösnug in nächster Nummer. Auflösung des tiiagiscben Quadrats in voriger Nummerr E L B E L A 0 ^4 B 0 o T E T E Redaktion: E Anderson. — Roiavonsdruck und Verlag bei Brühl'lchev UntversuätS - Buch» und Stemdructerei, 8L Lange. Wietzen.