M8 Mittwoch -en P. Zuni BSf MWM DMA - SLWLÄAs PiMMUF «s b" M Wirket, so lange es Tag ist. I Kommt von Maximilian Böttcher., (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Friedheim schien verblüfft; schweigend zerrte er ein Weilchen an seineni buschigen Schnurrbart. T«ß schon seit Wochen eine Spannung zwischen Heinz und Isabella eingetreten war, hatte er wohl gemerkt, ohne sich doch weitere Sorgen darüber zu machen. Mein Gotz . . . auch die Verliebtesten mußten sich in einander einleben. . . Tas ivar überall so, wie hätte cs hier, unter diesen schwierigen Verhältnissen, anders sein können? . . . Uber daß die Spannung jemals zu so gefährlicher Straffheit gedeihen würde, hätte er denn doch nicht für möglich gehalten. Ja ja, die verteufelte Eifersucht. .... Er hatte Isabella schon längst sagen wollen, daß sie sich den Forstmeister mehr vom Halse halten sollte. Aber wie in tausend anderen Tingen, glich sie auch darin ganz ihrer seligen Mutter. Tie hatte ihn, trotz dller Liebe, die sie für ihn empsundm, ost zur Verzweiflung gebracht durch ihr Flirten und Tändeln mit anderen Männern, das immer harmlos gewesen zu sein schien — ein neckisches Spiel ihrer großen Gefallsucht..... Gern hätte er ein begütigendes Wort zu Heinz gesprochen, denn er hatte ihn lieber gewonnen von Tag zu Tag und fühlte doppeltes Mitleid mit ihm, weil er feine Schmerzen zu würdigen wußte: — aber — was sollte er ihm sagen, in Werners Gegenwart noch dazu? Schließlich streckte er ihm herzlich die Hand hin. „Nun denn, falls wir uns vor meiner Abreise nicht mehr sehen sollten, leben Sie wohl. Aber vielleicht .... ich will die Hoffnung itod) nicht aufgeben .... vielleicht kommen Sie morgen doch noch auf ein Stündchen, nach Beendigung der Abendschule, die sich ja int Notfall auch wohl mal ein wenig abkürzjen läßt." Am nächsten Morgen erhielt Heinz einen veilchenduftigen Brief von Isabella. Zanga, auf einem Maulesel reitend, brachte ihn. — „Heinz! Noch einmal, zum letztenmal, bitte ich dich, komm. Laß nicht ohne Abschied von dir gehen , Deine Isa." Dennoch, ob sein Herz auch noch so stürmisch drängte, hätte et der Verlockung schwerlich Folge geleistet, wäre nicht Werner noch in die Abendschule gekommen, ihn um seine Heimbegleitung zu bitten, wie er nur zu bitten verstand: halb mit altklug- humoristischer Weltweisheit, halb mit einer so aus dem Innersten strömenden Zärtlichkeit, daß ein Widerstreben unmöglich war. Als der Wagen, der die beiden ttach Fichtenwalde brachte, auf die Rampe rollte, stand Isabella, die Hand aufs Herz gepreßt, im Vestibül. „Würde er kommen?" .... Tie angstvolle Span- nung nahm ihr saft den Atem, trieb ihr Trünentropfen aus den glühenden Augen. „Tank, tausend Dank," flüsterte sie dem Eintretenden zu und umklammerte seine Hand. „Nicht dort hinein," stieß sie hervor, als Heinz, nachdem er Hilt und Mantel abgelegt, die Tür zu deit Gesellfchastsväumen öffnen wollte: „Bannemann ist da. Ter Mensch ist von einer, Aufdringlichkeit wie eilt Geschäftsreisender. Er geht einfach nicht, bleibt auf seinem Platz, so daß mau ihn wohl oder übel zunt Abendessen bitten muß. Mag Papa sich noch ein Weilchen weitet mit ihm langweilen. Ich muß dich allein sprechen: und wert weiß, ob sich nachher noch Gelegenheit daizu findet." Und sie nötigte ihn in Werners Zim-mer. „Bist du mir böse?" fragte sie Heigz. „Weil ich dich so gequält habe in all der letzten Zeit . v s durch Gleichgültigkeit, häßliches Betragen und" ihre Stimme senkte sich — „durch mein albernes Spiel ntil Bannemann." „Ich bin dir nicht böse", antwortete er; „du bist nun eins mal, wie du bist. Rur fremd bist du mir geworden." Isabella stieß einen Wehlaut aus; dann warf sie sich ihnt mit der heftigen Leidenschaftlichkeit, die ihm itichts Neues war, an seine Brust. Halb mit Lachen, halb mit Weinen stammelte sie, ihre weichen Hände fest um seinen Nacken schlingend: „Ach ... das ist ja nicht ivahr . . . das ist ja nicht wahr!" „Doch!" entgegnete et und versuchte vergeblich, sich auK ihrer Umarmung zu befreien. „Heinz!" rief sie, drohend und flehend, „Heinz, sei gut zu mir. Heinz, mein Liebster, habe Mitleid mit mir. Ich ertrag das« Leben nicht, so nicht. Ich vergehe... ich fomme um meinen Verstand. Ich muß ein Recht an dich haben." „Tas Recht kannst du nur in dir tragen — alles Aenßerliche ist Sdjein", gab er zurück. Voll Hohnes lachte sie auf. „Tann ist das Licht der Sonne auch Schein und der Frühling und die Wärme, nach der wir uns sehnen. Tenn du — du bist meine Sonne, mein Frühling, mein Licht", stammelte, sie, wieder in den Ton heißer Leidenschaftlichkeit verfallend, „Ich komme mir vor tote eine Gefangene, die man mit gebundenen Händen eingekerkert hat. . . . Ich iv i l l so nicht weiterleben . . . vor aller Augen will ich mich an deinen ArM hängen, dich ,bu’ und ,Liebfter' nennen vor aller Ohren. Ich will deine Braut sein. . . endlich. Tu sollst Vertrauen zst mir haben. Ich will nicht mehr um deine Küsse bettelst müssen. Ich tvill Anspruch haben ans deine Zärtlichkeit, die du mir immer versagst. Ich vergehe in Sehnsucht nach Liebe. Oft denke ich, ich möchte mich mit meinem Mund an deinen Mund hängen, dich küssen, bis kein Leben mehr in dir ist. — Dich küssen, bis du tot bist. . . dir das Blut aus ben Adern, die Seele aus der Brust, trinken mit meinen Küssen. Sprich ein Wort, bitte mich, und ich reise morgen nicht. Laß mich nicht reisen, tticht mit Bannemann reifen. Er stellt mit nach, umgarnt mich, jagt mich unaufhörlich, läßt mir keine Ruhe. Und mein Herz, von Sehnsucht nach Liebe gequält, ist wie ein müde gehetzter Vogel, der nicht mehr weit fliegen kann, der Frieden finden muß, fo oder so. Schütze mich doch, Heinz, vor Banuemamt, vor mir selber." Tränen starrte» ihr aus den Augen; sie gab Heinz frei, 354 itnb faitl, bas Antlitz in beit Händen bergend, erschöpft in einen Sessel, den Körper von Weinen geschüttelt. , Hu Vollraths Brost wallte Empörung auf, eine Empörung, in die sich leise Geringschätzung mischte. Also so schwach war die, die er liebte, daß sie ihn anrief zum Schutz gegen ihr eigenes, wankelmütiges Herz! Daß sie sich nicht schäntte, ihre Haltlosigkeit einzugestehen! lind wieder legte sich Heinz die Frage vor: Liebte er Isabella denn überhaupt? Lange ruhte sein Blick auf ihrer zusammengesunkenen Gestalt, die wie Espenlaub bebte, ihrem von Tränen überströmten Gesicht, das ihm weichlich und charakterlos, ein Abbild ihrer schwachen Seele, jeden edleren Reizes bar, erschien, lind vor sein geistiges Auge trat — es war ihm roiic ein Wunder — Martha Bartivows hohe, stolze Gestalt, deren Schultern die Bürde hundertfältigen ' Leides nicht zu beugen vermochte, Martha Bartikows reines, seeleuvollcs Antlitz, das ihn anmutete wie das Antlitz einer Heiligen. „Tu wirst mir schreiben, wenn wir fort sind", stieß Isabella hervor, indem sie mit hastiger, nervöser Bewegung die Tränen zu trocknen versuchte: „das eine versprich mir/daß du mir jeden Tag schreiben wirst." „Ich weiß nicht, ob Grund sein wird zum Schreiben", entgegnete Heinz. In Isabellas Antlitz trat ein Ausdruck leidenschaftlicher Feindseligkeit. „Nun gut. . . zwingen kann ich dich nicht. Aber, was immer geschehen wird — du — du — du trägst die Schuld an allem! Sieh zu, wie du damit fertig wirst!" Dicht vor ihm, so daß der Atem ihres Mundes ihn streifte stand sie, hoch aufgerichtet, iy.c eine der schmalen Hände auf die stürmisch wogende Brust gepreßt, die andere zur Faust geballt. Verschwunden war der Ausdruck der Schwäche aus ihrer Haltung, ihren Zügen. Tie Zahne. hatte fic in die Unterlippe gegraben, die bleiche Stirn unter der Pracht des Haares lag m drohenden Falten, ihre Augen glühten. So stand sie: ein Bild vollendeter, hinreißender Schönheit. . . . r Und wieder fühlte Heinz, Ivie sein ^>erz entgegenschlug, so stürmisch tote je — trvtz aller Empörung, aller Geringschätzung und allen Zornes, die er noch vor Minuten gegen sie empfunden hatte. Wie hatte sie doch gesagt?. . . ,Jch möchte meinen Mund an deinen Mund hängen, dich küssen, bis kein Leben mehr in dir ist, dir die Seele aus der Brust trinken mit meinen Küssen.....' Und er? — Spürte er nicht das gleiche Verlangen in diesem Augenblick? Drängte es ihn nicht, die schlanke Gestalt in dem weißduftigen Spitzengewand in seine Arnw zu nehnien, seine Finger in die weiche Seidensülle ihres Haares zil vergraben, ihren blühenden Mund zu küssen, bis kein Atem mehr von den blühenden Lippen strömte? Wollte er Ne uuist lieber tot sehen, als sie einem andern lassen? . . Alle Stimmen seines Empfindens tönten wild durcheinander War er Nicht wirklich schuldig geworden an ihr? Mit dem verfrühten Geständnis seiner Liebe hatte er den Feuerbrand ui ihre Seele geworfen und von ihr verlangt, sie sollte die Flammen, die ihr Herz verzehrten, in Zaum halten, bis es ihnr gefallen würde, zu sagen: Nun, Flammen, brennt frei heraus! Und er hatte doch gewußt, daß sie schwach und halt- los Ivar, durch eine Existenz des Luxus und der Verweichlichung und Verwöhnung. .Vielleicht', rief es in ihm, ,wenn du dich frei und offen an ihre Seite gestellt, von der ersten Stunde an, wenn du dich voll unerschütterlichen Vertrauens zu ihr be- lannt, ihr die Krasr zugetraut hättest, deren sie bedurfte, wenn du sie mit unermüdlicher, unverzagter Liebe und Güte und doch mit fester Hand gelenkt hättest, Schritt um Schritt, Ware ihre Seele groß und stark geworden, stündest du heute mit ihr an dem Ziel, an deni dein und ihr Glück hätte erblühen können., „Gehen wir!" schallte Isabellas Stimme in die Sturmflut seiner Gedanken hinein. „Wir haben uns ja wohl doch Es mehr zu sagen: — wozu also durch langes Fernbleiben Aufsehen erregen?" Mit gleichmütiger Miene, als wäre nichts geschehen, betrar sie, von Heinz gefolgt, das Zimmer, in dem der Kdm- merzienrat, Banneniann und Werner in müde sich hinschleppendem Gespräch beieinander saßen, und lächelnd sagte sie: „Ich bitte vielmals um Entschuldigung. Aber ich hatte mit Herrn Vollrath noch einige dringende Wohltätigkeitsan- ge( egen bei teil zu besprechen, deren diskrete Behandlung mir Bedürfnis war. m• '^/meister dreiste sie und Heinz mit einem flüchtigen Bim seiner stählernen Augen; um seinen Mund zuckte es. "Nun wollen wir aber zu Tisch gehen. Ich habe einen bittend" hunger", scherzte Isabella. „Darf ich die Herren $BeTb?ug”anU ÖW mif fic ä!l unb machte seine übliche Fräustiw?"^^ biC baden. Sie zu führen, gnädigeA Mit ihrem bestrickendsten Lächeln nickte Isabella ihm zu und legte ihre Hand in seinen Arm. . ', folgung aller darin enthaltenen Puncte, den jedesmaligen Rec- toveni und Pvocancellarimn unsrer Universität zu Commissariis perpetnis zu ernennen. । . P sollen nämlich I. alle Werbzeitcl, die vor An-- fang des Collegiorum herumlanseu. wie auch überhaupt allc We r- vungen zu Collegiis, ein für allemal verboten sehn: dergestalt, daß ein Studiosus, welcher sich dergleichen unterstünde, sofort relegirt, der Tvcent aber, wenn er daran Anteil genommen nist 100 ff. gestraft werden soll. — Unter nämlicher Strafe soll auch kein Tvcent ein Collegium Privatissimum über eine solche Wissen!- 355 schäft, welche von einem oder mevern Professoren im Sectioxs- Catalogo zu einem Collegio priuato angezeigt ist, zu lesen sich unterfangen: was aber ein Tvcent publice Und gratis liefet, darüber darf ein andrer Tocent ein priuatissimnm halten. Es soll II. ein jeder Tveent nach 14 Tagen, und nicht eher, seine Zuhörer in jedem Collegio sich auf einen besonderen Bogen (worauf der Tocent, ehe sich die Zuhörer ausschreiben, das Collegium, die Stunde und die Tage der Woche, woran es gelesen werden soll, nebst Bestimmung des gewöhnlichen Honorarii, oder daß es gratis gelesen werde, eigenhändig zu uotiren hat) aufschreiben lassen. Kein Toeeut soll III. ein Haupt-Collegium umsonst zu lesen sich unterstehen, bei Strafe von 50 fl. Tie kleinen Collegia aber, welche die Woche nur 2 oder 1 Stunde gehalten werden, sollen publiee und gratis gelesen und deshalb durch eine künftige Verordnung die Einrichtung dahin gemacht werden, daß ein jeder Professor alle halbe Jare eins dergleichen lesen muß. — Hört ein Studiosus bei dem nämlichen Tveenten dasselbe Collegium zum 2 ten oder 3 teu mal: so ist et von nun an für jede Repetition nur die Hälfte des gewöhnlichen Honorarii zu zaleu schuldig. Wenn sich IV. zu einem Collegio, welches bezahlt wird, 8 Zuhörer melden, so muß es der Tveent lesen: für eine geringere jAnzal aber kan er es, wenn er will, lesen. Jedoch sind zu einem medieinischen Collegio, oder auch zu den kleinern gratis zu lesenden Collegiis, 4 Zuhörer hinlänglich und darf sich der Tveent nicht weigern. — Ein jeder Zuhörer ist V. schuldig, das Honorarium in den ersten 4 Wochen dem Lerer zu zalen: und Ijiclmn ist keiner ausgeiwmmen, er habe dann a) seines Vaters halber, wegen den reciproci ein gegründetes Priuilegium, dergleichen aber die Gießer Stadtkinder nicht prätendiren können; oder er stehe b) mit dem Tveent n in naher Binisderivantschafi oder Schwägerschaft, welches aber von dem Tveenten abhängt, ob er ihm das Collegium frei geben will öder nicht; oder er beweise c) hei der Commission bedürfenden Falls seine Armut durch beglaubigte obrigkeitliche oder sonstige glaubwürdige Atteste, worauf bemfelbeit ein von beiden Commissaris unterschriebenes Attestat, nm sieh damit bei dem Tveenten legitimiren zu können, unentgeldlich erteilt werden soll. Hiebei aber stehet VI. keinem Tveenten frei, jemanden für sich für arm zu erklären, oder ihm zu gratifieiren, bei Strafe von 20 fl. für jeden Fall. VII. Nach Ablauf des zur Bezahlung der Colleg-Gelder be- ftimmten Termins von 4 Wochen sollen alle Tveenten innerhalb 3 Tagen die sämtlichen Zettel aller von ihnen zu Stand gebrachten Collegiorum an die Commission in originalst bei 50 fl. Strafe, einsenden. Hierauf sollen VIII. die Commissarii den Restanten einen nach den sich ergebenden Umständen abgemessenen billigen, jedoch kurzen, Termin zur Zalung des Honorarii anberaumen: und nach dessen fruchtlosen Ablauf mit dienlichen Mitteln fürsehr eilen, z. Ex. daß ihm der Besuch des Eollegii verboten, daß an feine Eltern, Vormünder, oder an die Landes Obrigkeit geschrieben, daß ihm die Stube versiegelt, tmß er inearceriert, auch bei beharrlicher Widersetzlichkeit, mit Borwissen des Senats, relegirt, und die Sache an des Studiosi Landes Obrigkeit berichtet werde. Und falls ein Studiosus es zur Klage kommen läßt: soll er dem Pedells von jedem Gulden 2 bis 4 kr. an Gebären zu erlegen schuldig sehn: Dem Seerelario aber sollen für ein Schreiben an die Eltern, Vormünder, oder die Obrigkeit 15 kr. gezalt werden. Ob Wir gleich übrigens zu unfern sämtlichen Professoren das Zutrauen haben, daß sie auch ihres Orts ihr Amt und Pflichten gegen die sich ihnen anverttaute Studiosos vollkommen erfüllen, und die Collegia treulich, fleißig und zum waren Bestech der Studiosorum lesen werden: so befehlen wir doch, um unsere Landesväterliche Vorsorge für das Wohl der Studiosorum noch näher erkennen zu geben, hiermit unvern Professoren ausdrücklich und ernstgemessen, daß IX. kein Professor, bei Strafe von 100 fl. rin Collegium, welches er tu dem Catalogo angezeigt hat, zu lefcn verweigern soll, wenn sich die vorhin gedachte Anzal von Zuhörern dazu meldet. . Bei nämlicher Strafe sollen auch X. die Collegia, an deni auf dem Leciions Catalogo bemerkten Termin, nicht nur pünktlich und ohne Staitfinduug aller Praetexle, angefangen, sondern auch bis ztt den Ferien fleißig gelesen, und nicht früher oder später geendigt werden. Zwar kommt es bei den Collegiis, welche über Compendia gelesen werden, darauf nicht an, ob solche 1 oder 2 Tage früher oder später geschlossen werden: bei beit „cursoriis", rxegeticis und andern Collegiis aber soll der Tveent pünktlich bis auf den. letzten Tag des Semestris lesen. Es sollen ferner XI. die Studiosi des Recht haben, bei der Commission über folgende Stücke, sich beschweren zu können: 1. toenn der Tveent, ohne erhebliche llrsache, oder aus bloßem Pväivxt einer Unpäßlichkeit, zu oft aussetzt. -• Wenn der Tveent mermalen, entweder gar zn spät in die Stunde kommt, oder gar zu früh die Stunde endigt. Wenn der Tocent bei einem Teil der Wissenschaft oder . . des Cvinpendii gar zu weitläufig bei einem andern dagegen gar zu kurz ist, daß sie nicht das Ganze nach einem gehörigen Ebenmaß erlernen. .4. Wenn der Tocent durch schriftliche Dictata ihnen viel Zeit . zum mündlichen Vorträge raubt. 5. Wenn der Tocent wohl gar das Collegium nicht zu Ende gebracht hat, oder ins folgende Semestre lesen will. Tie Punkte XI u. XIII besagen dann, daß bei Berechtigung von Beschwerden seitens der Studenten, sowie bei Todesfall des Professors, den Studierenden das Kolleggeld zurück- bezahlt werden soll. XII bestimmt, daß ein durch Krankheit des Professors unterbrochenes Kolleg im kommenden Semester fortzusetzen sei. Das Schriftstück ist unterzeichnet: Ex speeiali Commissione Serenissimi Fürstl. Hessische Präsident, Canzlar, und Geheime Räthe daselbst: F. C. Fveyh. v. Moser: A. P. Hesse. Der grshe Brand von 1447. Ein Bild aus Friedbergs vergangenen Tagen. Bon F. Dreher. Das war eine bitterböse Nacht vom 9. auf den IQ. Dezember 1447. Zwar hatte der Winter in diesem Jahre noch! kaum Schnee und Eis gebracht, dafür aber fegte ein wilder West von ben kahlen Taunuswaldungen daher und trieb tiefschwarze Wolkenballen vor sich hin. Kaum, daß der Mond oder ein Sterillein herabblinzelte. Kunterbunt wir- bclte das Stroh über die Pfützen vor dem „Steinernen Haus" auf der breiten Straße in des heilgen Reiches Stadt Friedberg. Wütend fauchte der Sturm in den morschen Schindeln der Dächer uub rüttelte so tüchtig die fest verschlossenen Türen nnb Läden, daß das lehmbeworfene Fachwerk und die Holzwände der Häuser in allen Fugen bebten. Hie und da riß er sogar ganze Fetzen aus den Strohschauben der hohen Dachstühle. Ein Höllenlärm. Als ob die wilde Jagd augcrast käme. Auf den stichdunklen Straßen kein Mensch. Ohn' Unterlaß baumelten die zivei armen Teufel am Galgen beim Mainzertor nach jedem Windstoß gemächlich hin und JEjer. Ein Wetter, daß nicht einmal ein Hund vor die Tür gemocht hätte, um sich wegen der allerorts verstreut liegenden Machen mit anderen seinesgleichen herumzubeißen. So aber war es bent Gärtner Heu gerade recht; ein übel beleumundeter Mensch, der vor nichts zurückschreckte. 1428 hatte ihm ein gewisser Schlangen Henne die eine Hand abgehauen. Mehrmals schon war er wegen Gesetzwidrigkeit zur höchsten Buße verurteilt worden. Und auch die Äollweberzunft hatte ibn einmal, da er barfuß vor der Zunft erschien, in eine Geldstrafe genommen. Darob sann seine schwarze Seele fortan auf Rache. Doch noch ein anderer Feind der Stadt lag auf der Lauer, nämlich die von Walbrunn, mit denen Friedberg damals in Streitigkeiten verwickelt war. Den Gärtner Hen nun hatten die von Walbrunn bald beredet, daß er in besagter Nacht Feuer an die Häuser legte. Bon Friedberg fort wollten sie ihm schon helfen. Für sein Leben hätte er nichts zu fürchten. Und so geschah es denn auch. Kaltblütig machte sich der Unhold an das teuflische Werk. Einen Strick hatte er schon am Tage zuvor bereit gelegt, damit er über die hohe Stadtmauer könnte. Die gut beioachlen und gesicherten Tore kamen ja für seine Flucht nicht in Betracht. Eilends huschte er, nachdem er seine Helfer zur Stelle wußte, im Schutze! der Dunkelheit wie ein böser Geist durch die Gassen und schleuderte mit sicherer Hand „gepulverte Wicken" auf die Dächer. Bald lohten gefräßige Flammen air allen Ecken und Enden auf, besonders beim Angustinerkloster. Feurio! Feurio! ruft es entsetzt. Die Hörner der Turmwächter, der helle Wiederschein der Gluten unb bas Gellen bei Sturmglocken bewirken einen heillosen Wirrwarr. Halb gelähmt vor Entsetzen irren bleiche Frauen zitternd umher, schreiende Kinder auf bent Arm. Doch auch den Männern pocht das Herz. Rasch hatten sie sich ja wie sonst an ihrem Sammelplatz eingefunden, die feuer- und kampferprobten Zünfte. Wo aber jetzt zuerst anpacken? Es brannte fast überall. Wie der Wind sprangen die knisternden Flämmchen von einem Giebel zum anderen; wie ein Sternenregen prasselten die glühenden Fünkchen hernieder und beißende, schwere Wolken wälzten sich nach dem Fanerbacher Tor. Man konnte meinen, der jüngste Tag sei da. Inzwischen hatte sich Gärtner Hen längst in Sicherheit gebracht. Unbelästigt, infolge der allgemeinen Bestürzung, war er an der Seer Mauer himmtergeglitten, wo ihn sein Verführer, Hans von Walbrunn, mit 22 Reitern in Empfang nahm. In rasendem Galopp ging es querfeldein, wie von Furien gehetzt. Nur fort, nur fort aus dem grellen Wiederscheiy 356 der Flammen. Die blinkenden Harnische und Waffen werden sonst zum Verräter. Und wirklich wurde der Trupp von den Wachen erspäht. Doch an eine Verfolgung war nicht mehr zu denken. Jni nächsten Augenblick schon hatte sie die Nacht verschlungen. Und als die Sonne am nächsten Morgen blutigrot im Osten aufstieg, war für Friedberg der bittere Kelch geleert. Nur hie und da noch eine leichte Rauchwolke aus den leergebrannten Stätten. „In den öden Fensterhöhlen Wohnt das Grauen, Und des Himmels Wolken schauen Hoch hinein." — Hunderte ohne Obdach, ohne Mittel.. Für die Stadt ein todbringender Schlag. Der Kuß. ' Einst herrschte zu Bagdad ein Kalife, der einen sehr klugen und witzigen Großvezier hatte. Dieser verstand cs, durch seinen guten Humor seinem Herrn manche träne Laune zu verscheuchen und ihn täglich durch seine lustigen Einfälle zu erheitern, und stand deshalb bei ihm in hoher Gnade. Eines Morgens saß der Kalife mit finsterer Miene auf seinem Divan und sagte zu dem eintretenden Großvezier: „Soeben erfahre ich, daß mein Oberjägermeister gestern meiner Tochter Fatme, als sie unverschleiert über den Korridor schritt, einen Kuß gegeben hat. Er ist einer meiner liebsten Diener, und es betrübt mich sehr, daß ich ihn wegen dieser Frechheit bestrafen muß. Was rätst Du mir zu tun?" „Er hat nur eine ungeheuere Torheit begangen", antwortete lächelnd der Großvezier. »Diese verdient keine Strafe!" „Wie?" rief der Kalife erzürnt aus, „Du nennst es eine Torheit, Fatme, dem Sterne meines Schlosses, einen Kuß zu geben?" „Verzeih', o Herr!" erwiderte der Vezier. „Zunächst ging Fatme unverschlciert über den Korridor, und daß der Oberjägermeister, der ihr begegnete, der Versuchung nicht widerstehen konnte, dem schönsten Mädchen von Bagdad einen Kuß zu geben, kann ich ihm nicht zum Verbrechen anrechnen. Dennoch beging er eine unverzeihliche Narrheit!" „Und worin besteht diese Narrheit?" fragte der Kalife. „Daß er Fatme nicht — zwei Küsse gegeben", entgegnet der Großvezir lächelnd. „Wenn Einem die Gelegenheit gegeben ist, ein schönes Mädchen zu küssen, und er sich mit einem Kusse- begnügt, scheint er mir einer der größten Narren zu sein, die es auf dein Erdboden gibt. Deshalb meine ich, erhabener Gebieter, solltest Du den Oberjägermeister bemitleiden und ihm verzeihen!" „Du hast Recht", rief der Kalife lachend aus. „Es sei ihm verziehen. ----------- A. Ammann. Literatur. — DerSchipkapaß. Roman Von Karl Hans Strobl. Verlag F. Fontane & Co., Berlin. Preis brosch. 5 Mark. — Der Schipkapaß Strobls ist ein Wirtshaus, nicht das in Gießen, sondern eins über den Bergen hinter Prag, das, gleich dem Gießener, zu einer Zeit gegründet wurde, da der russisch-türkische Krieg alle Gemüter in Aufregung versetzte. Die ersten Prager Studenten, die da hinauszogen, fanden eine Aehnlichkeit der Landschaft mit den Balkangegenden, eine Aehnlichkeit des hünenhaften Wirtes mit dem Verteidiger von Plewna. Seit jener Zeit führte auch das Wirtshaus Strobls den Namen Schipkapaß, der Wirt hieß Osman Pascha, und um im Stil zu bleiben, nannte man seine Gattin Suleika und seine Köchin Zoraide. Dieser Schipkapaß war wie auserlesen zum Schauplatz der toüstesten Kneipereien und zur stillen Zurückgezogenheit für solche, denen das „Balkanbier" lieber war als das Studieren. Das Buch Strobls behandelt in der Hauptsache die Geschichte des Studenten der Rechte Hans Schütz, der nach langem Bummelleben endlich den Entschluß faßt, zu arbeiten und seine Examina zu bestehen. Es schildert seine Erlebnisse mrt den berden Frauen, die seinem Handeln die Richtung geben. Die erste, die er gerade an dem Tage kennen lernt, ££..?i:,arifan9cit„ töiW M arbeiten, ist der Typus des „süßen Madels", das, hübsch und oberflächlich, alle Opfer verlangt und nimmt und keine Dankbarkeit FenttL Für sie ruiniert sich der Mann, bringt ihr pekuniäre und seelische Opfer und vernachlässigt seine Studien mehr denn je. Aber die lustige Midi mokiert sich über seine Schwerfälligkeit tmb verläßt ihn sehr bald um eines anderen willen. Schütz zieht hinauf nach dem Schipkapaß und bleibt dort wider Willen haften. Wunderbar schildert Strobl den Zustand des Armen. Die Bücher sind ihm fremd und furchtbar geworden, wie Berge stehen sie drohend vor ihm, die er niemals erklimmen, wie Riesenhindernisse, die er nie überwältigen kann. Sein Willen ist erkrankt und gelähmt, die völlige Lethargie scheint für ihn das einzig Mögliche. Da tritt fast unmerklich die zweite Frau in sein Leben, die arbeitende, verständige Gefährtin, die kluge, beratende Freundin, die ihn langsam weiter auf den rechten Weg führt, den Weg der Arbeit und der Gesundheit. Was dem Buch den besonderen Reiz verleiht — ist zweierlei: das bunte Studenteilleben mit Lust und Freud, das Strobl meisterhaft zu zeichnen versteht, und der grelle Kontrast zwischen Deutschen und Tschechen. Dieser gibt beut Buche den kulturgeschichtlichen Hintergrund, von betit sich die Einzelschicksale desto schärfer abheben. Strobl versteht es, mit gleicher Meisterschaft die burschikosen übermütigen Szenen auf dem „Balkan" zil schildern wie ein kluges, feinsinniges Gespräch zu führen, oder den Seelenkampf des müden nervösen Menschen zu malen, der sich auf dem Schipkapaß wie gefangen fühlt und nicht die Kraft hat, sich aufzuraffen. Der Leser lebt, leidet und liebt mit dem Helden, wahrlich das Beste, was ein Roman uns bieten kann! Erziehung. — Jugend-Universum. Monatsschrift füp Knaben zur Pflege eigentätiger Selbsterziehung. Geleitet von F. A. Miiller in Würzburg, Schießhausstraße 15. Verlag von Wolstein u. Teilhaber G. m. b. H. Frankfurt a. M. — Das „Jugend-Universum" sieht seine Arbeits-Basis in der Tatsache, daß die Erziehung der Jugend zur Selbständigkeit nur durch intensive Selbsttätigkeit erreicht werden kann. Es sucht ein System aufzubauen, dessen Durchführnng geistige und leibliche Förderung der Jugend anstrebt. Daß sich die Monatsschrift an die zu Erziehenden, allerdings unter Beihilfe der Eltern und Erzieher wendet, kann aus praktischen und ideellen Gründen gutgeheißen werden. Eine stattliche Reihe pädagogischer Schriftsteller hat sich zur Lösung dieser Aufgabe vereinigt. So bietet gleich die Nummer des 3. Jahrgangs eine Fülle guter und anregender Stücke: Einer in- strnktiven Arbeit, in welcher Johannes Forsch „das Geheimnis des Kinematographen" offenbart, folgt Paul Lang mit einem „hartnäckigen Problem", während H. Schreiber über „Erbsenarbeit", schreibt. E. Weber bringt ein Gedicht „Burg und Dorf", C. Schmitt eröffnet eine Reihe Pflanzenbetrachtungen mit einem Aufsatz über „Blumenlist". Man bezieht die Monatsschrift durch den Buchhandel für 4 Mark pro Jahr. ___________ An- und Einsichten. Man muß an die Möglichkeit be-3 Glückes glaube», um glücklich zu sei». * Markus Aurelius. Was nur de!» Meister der Kunst begreiflich ist: die Notwendig- keit, das Wesenilichste o?t ganz beiläufig zu sagen, um den schöne» Schein der Freiheit nicht ansznheben! Das Sprechenlernen der Kinder durch's Hören ist und bleibt mir geheimnisvoll. Wem> ein Erwachsener es sollte, er ivürde schlecht bestehen, er muß sich, um eine neue Sprache zu erobern, immer aui eine ihm schon geläufige zurückbeziehen können. Besonders verwundere ich mich darüber, daß Kinder schon so früh die Partikeln richtig zu brauchen ansangen. Wer ein Kunstwerk in sich ausnimmt, macht denselben Prozeß durch wie der Künstler, der es hervorbrachte, nur «»»gekehrt und unendlich viel rascher. Aus „Tagebuchlütter" von Friedrich Hebbel. Gleichung. a - (b + c) + 7, d 4- (e — i) = x. a — Musikinstrument, b — Vokal, c — weibl. Vorname, d = mythische Königin, e = Tageblatt, f — französischer Ausdruck für einen Zeitabschnitt, x — geistliche Würde. bb. Auflösung in nächster Nummer.^ Jicbmiio». P. Wittko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.