1908 MU Wi MMÄÄ ÄäQI Herr Lecoq. Kriminal-Roman von E. Gaborlaü, Nachdruck verboten. (3ortfeßung.) Ein einzigcsmal »uv habe ich sie in jener Zeit gesehen, unterbrach der Herzog sie. Aber das war wegen des alten Barons d'Escorval. Ich weiß, ich Weik. . . Chnpin hatte mir diese Unterredung nicht gemeldet, er hatte mir evoas vorgelogen. Ich befahl ihm, am selben Abend die Borderie schars zu betvachen und mir genauen Bericht über jede Bewegung zu machen, die in dem Hause vorginge. Aber ich mißtraute ihm und ging deshalb in später Abendstunde selber nach der Borderie, um das Haus der Nebenbuhlerin zu beobachten, und um zu sehen, ob Chnpin auf seinem Posten wirre. Chnpin war noch nicht da, aber es war auch noch früher, als er kommen sollte. Während ich, in den Schatten des nahen Gebüsches gedrückt, wartete, öffnete sich plötzlich die Tür der Borderie. Eine weibliche Gestalt erscheint auf der Schwelle. Ich erkenne sie, es ist Marianne. Sie späht in die Nacht hinaus, sie scheint ungeduldig zu sein. Offenbar wartete sie auf jemanden. Auf Iven? Mir war es nicht zweifelhaft: sie wartete auf ihren Geliebten, auf meinen Gatten. Sie geht nach- dem Wege hinunter, der an dem Hause vorüber- führt; sie geht diesen Weg entlang, ich sehe sie um die Biegung desselben versehwinden. Sic hatte die Tür hinter sich weit offen gelassen; ich konnte dem Drangt nicht widerstehen, ich mußte sehen, wie sie wohnte; ich glaubte bestimmt, ich würde meinen Verdacht bestätigt finden. Und in der Tat, wie ich in Acn ersten Stock hinaufgestiegen war, dessen Fenster ich von unten hell erleuchtet gesehen hatte, da fand ich einen luxuriös eingerichteten Salon, daneben ein Kabinett mit einem prachtvollen Bett mit seidenen Decken. Mit einem Schlage war mein Verdacht Gewißheit geworden. Wer konnte ihr einen solchen fürstlichen Glanz in einem Bauernhause bieten, als ein freigebiger, ein vornehmer Geliebter? — Und es schrie in mir nach Rache! , Da fällt mein Blick auf einen Kasten, der auf einem Stuhl neben dem Kamin steht. Deo Deckel ist zurückgeschlagen, es sind eine Menge Schächtelchen und Fläschchen darin. Ich nehme eins von den letzteren in die Hand: es trägt einen Zettel, worauf ein Totenkopf abgebildet ist. Ich sehe mich int Zimmer um. Auf dem Kaminsims steht eine Schale mit einer dampfenden Flüssigkeit. Ich koste; es ist Fleischbrühe. Hatte sie sie für sich selber oder für den erwarteten Besucher zurechtgemacht? Was gcht's mich an! Und, ohne mich weiter zu besinnen, schütte ich den ganzen Inhalt des Fläschchens, ein Pulver, in die Schale hinein. _ „ , Im selben Augenblick höre ich unten ein Geräusch. Marianne kommt zurück. Ich gehe leise in das Kabinett nebenan und lehne die Tür nur an. Denn ich wollte alles hören und sehen; ja! ich wollte mich an ihren Qualen weiden! Marianne tritt ins Zimmer. Sie ist heiter und fröhlich? geschäftig gcht sie ab und zu und deckt ein kleines Tischchen!. Sie deckt es für zwei Personen. Kein Zweifel mehr möglich; sie erwartet Martial. Wer warum trinkt sie denn ihre Fleischbrühe nicht? Doch! plötzlich fällt ihr's ein, daß sie die Tasse auf dem Kaminsims vergessen hat. Sie nimmt sie in die Hand, sie setzt sie mt di« Lippen, sie schlürft den ganzen Trank hinunter. Es war geschehen... Schon nach wenigen Minuten fing das Gist^ augenscheinlich an zu wirken. Marianne wurde bleich, Schweißtropfen traten ihr auf die Stirn, ihre Lippen färbten sich blau, sie sank auf einen Sessel und sah mit einem ratlosen Ausdruck um sich. O mein Gott, mein Gott! Wie leide ich! flüsterte sie. Ich in meinem Versteck — ich freute mich! Marianne Ivars früher meine Freundin gewesen, als ihr Vater noch Schloß Sair- meufe bewohnte. Wir hatten uns sogar sehr gerne, gehabt. Aber daran dachte ich nicht mehr. In mir jubilierte es: ich habe meine Rache! Ich trat ans dem Kabinett heraus; sic sollte wissen, daß sie an Gift starb, sie sollte wissen, wer es ihr gereicht! Du? rief sie mit weitaufgerissenen Augen. Du, Blanche? Ja, ich! Ich habe dir das Gift gegeben, du sollst wisse»/ daß man mir nicht ungestraft meinen Gatten raubt! Deinen Gatten? Aber du bist rasend. Ich habe den seit einem Jahr vor wenigen Tagen zmn erstenmal wieder gesehen, und nur auf die paar Minuten. Gewiß. Und das genügt auch. Ihr habt euch verabredet, für dieses niedliche Liebesnest! Liebesnest! Aber was sagst du? Ich erwarte hier den alten Baron d'Eseorval, den Vater meines Gatten Maurice. Oh! In jenem Augenblick war mir's, als fchwände die Erde unter mir. Mörderin! Mörderin, um nichts, um ein Phantom l Ich stürzte Marianne zu Füßen, ich flehte sie an, mit zu sagen, wie ich ihr helfen könnte. Ich zeigte ihr das Fläschchen, das ich wieder in den Kasten geworfen hatte; sie müßte doch ein Gegengift kennen . . . ' 3u spät. Zn spät. Nur einmal öffnete sie noch die Augen, als ich immer wieder rief, sie dürfe nicht sterben, sie solle mir verzeihen. Blanche, flüsterte sic. Ich verzeihe dir — aber unter einer Bedingung. Ich habe einen Sohn von Maurice. Er weiß nicht, wo er in Pflege gegeben ist. Schwöre mir, daß du das Kmd seinem Vater zuführen lassen willst. Ich schwöre cs dir, bei der Liebe Gottes. Mo ist das Kmd, sprich, sprich! Aber sie antwortete nicht mehr. Sie war tot. Ein Geväilsch an der Tür jagte mich empor. Um Gotteswillen, wenn man mich als Mörderin ergriff! Ich wollte fliehen, da steht der Chnpin in der Tür und grinst mich an. Aber das haben Sie gut gemacht, Fran Marquise, sagt er. Dann zieht er mich fort; wir müßten schnell verschwinden, ehe Leute kämen. Kaum find wir ein paar Schritte von der Borderie entfernt, da springt aus dem Gebüsch eine Gestalt ans uns los, ich sehe ein Messer blitzen, und Chnpin stürzte getroffen zu Boden. Am an- bereit Morgen hörte ich, er fei gestorben, Dort einen» Piemontesen, der ihm Rache geschworen, ernurbct. Ich atmete erleichtert auf; -er einzige Mitwisser meiner Tat war beseitigt. Wer ich ahnte nicht, tote viele lange Jahre des Leides mir Noch bevorstünden. Mein Vater starb. Sie söhnten sich wieder mit mir aus, wir zogen nach Paris. Ich war noch so jung, ich glaubte, mir könnte noch ein glückliches Leben beschieden sein. Freilich, die Reue wegen meiner Tat nagte beständig an mir, aber Marianne hatte mir ja verzeihen wollen, wenn ich ihren Sohn auffände. Ich glaubte, mit Hilfe eines tüchtigen Agenten müßte es gelingen. Leider entdeckte er schon bei meinem zweiten Besuch, wer ich war; er glaubte, Mitwisser eines mich kompromittierenden Geheimnisses zu sein, jedenfalls hielt er das gesuchte Kind für mein eigenes, und so sandte er jedes Vierteljahr eine Rechnung Mer 6000, 7000, 8000 Franken, für angebliche Auslagen, die ich ohne Widerrede bezahlen mußte, bis vor ein paar Jahren der Biairn starb. Aber das war verhältnismäßig eine geringe Unannehmlichkeit. Das schlimmste kam noch. Eines Nachmittages, bald nach nnferer Ankunft in Paris, wird mir gemeldet, ein junger Mensch aus dev Gegend von Montaignac wünsche mich in dringlichen Angelegenheiten zu sprechen. Er heiße Chupin. Ich fühlte, daß ich ihn empfangen müßte, da meine ganze 8ufünft davon abhinge, daß es mir gelänge, ihm die Lust am Wiederkomtmen zu bcnehnren. Er kam und bat um eine Unterstützung als Landsmann. Ich reichte ih!m ein Geldstück, sagte Wm aber, er solle sich niemals wieder entfallen lassen, das Hotel Sairmeuse zu betreten. Wer da nahm der Mensch einen ganz anderen Ton an: „Oho,' sagte er, „ich verlange nur, was mir zu kommt, oder vielmehr, was meinem verstorbenen Vater zngekommen wäre. In wessen Dienst ist er denn ermordet worden? Sein letzter Gedanke galt Ihnen. „Siehest du. Junge," sagte er zu mir, „es sind schreckliche Dinge in der Borderie vorge- faU-n. Die junge Frau Margnise hatte einen Haß gegen Marianne, und Marianne ist daran gestorben. Verstehst du? Verlaß dich drauf, so lange du schweigst, wird sie es dir an nichts fehlen lassen." Ich wußte, wenn ich schwach wurde, so war ich verloren; darum nahm ich alle Kraft zusammen und sagte dem Strolch: So, Sie denken. Sie wissen etwas von mir? Sie bedrohen mich? Hinaus mit Ihnen! Und lvahrhastig, ich hätte das Spiel gewonnen, ich sah dem Menschen an, daß er völlig verblüfft war. Wer in dem Augenblick, wo er aus der Tür hinaus gehen wollte, blickte ich zufällig zum Fenster hinaus und sah, daß Sie, Martial, gerade das Haus Betraten. Sie wären dem Burschen auf der Treppe begegnet. Bei diesem Gedanken verlor ich völlig den Kopf. Ich'eilte dem Chupin nach, schob ihn zu einer anderen Tür hinaus und drückte ihm eine Börse in die Hand. Bon Stund an bin ich die elendeste Frau auf der Welt gewesen. Keine Woche verging, ohne daß ich den Strolch auf dem Halse hatte. Ich will gar nicht von den Summen reden, die ich ihm auszahl en mußte, obgleich cs mir manchmal schwere Mühe machte, feine Ansprüche zu befriedigen, ohne daß es jemand merkte. Denn! dieser Chupin war wie ein Sieb. Mer das schlimmste war die Angst, daß Sie den Mann einmal zu Gesicht Bekommen könnten, und daß dann alles verraten wäre. Ungeachtet allen Geldes, das er mir abpreßte, sah er doch stets aus wie ein schmutziger, zerlumpter Bettler; er fühlte sich augenscheinlich nur in den Niedrigsten Kloaken wohl. Und dieser Strolch, kam morgens, Mittags, abends — ganz wie es ihm paßte, und ich mußte hin- eilen, um ihm das Geld zu geben, das er verlangte. Dor einigen Jahren befreite mich das Schicksal von diesem Menschen; er wurde bei einem Straßenkrawall erschossen. Offenbar hatte er seiner Frau und seinem Sohn von dem lukrativen Geheimnis nichts verraten. Sie bat mich einmal demütig um eine Gabe, sie hätte ost ihren seligen Mann von mir als seiner Wohltäterin sprechen hören. Ich weigerte mich, und die Leute ivarcti still. Endlich hatte ich ein bißchen Riihe , (Schluß folgt.) SüdMstaftikanische „MW". Einen sehr interessanten Artikel des Leutnants' v. Mrs- dorff aus Amimtts (Kalahari), Anfang 1908, finden wir im „Kolonialblatt". Im Gebiet der Kalahari ist die wichtigste Feldkost die Tschama, von den Hereros „Omatanga" genannt. Sie liefert dem Eingeborenen Nahrung und Trank. Die Tschama, eine wilde Melotte, ist ein Rankengewächs, dessen runde Frucht die Größe eines Kindskopfes erreicht. In Farbe und Zeichnung habe ich bis jetzt vier verschiedene Arten gesehen, die sich im Geschmack aber nicht unterscheiden. Es gibt Tschamafelder, durch die man kilometerweit reiten kann und wo Frucht an Frucht liegt. Will man schtiell den Durst stillen, so genügt es, an nicht zu heißen Tagen, wenn man die Frucht wie Slpfel- sinenscheiben in Stücke schneidet, die Kerne herausfchabt und das Fleisch genießt. Man muß aber stets erst vorsichtig kosten, ob es nicht bitter schmeckt. Eine andere Art des Genusses ist folgende: Man schneidet oben eins Scheibe der Schale ab, stampft das Innere mit einem Stock zu Brei und schlürft nun die gesammelte Flüssigkeit, oder man quetscht den gestampften Inhalt mehreren Früchte durch ein Tuch, am besten durch eilt Stück Sack. Es läßt sich auch so machen: Man schneidet die Früchts in Scheiben, löst die Kerne aus, wirft erstere in einen großen Topf und läßt sie nun auskochen. Dann wird das gewonnene Wasser abgegossen. Den meisten Saft liefern die kleinen gelben Tschama, in der Größe einer Zitrone. Diese sind häufig bis aus die Kerne ganz voll Wasser. Das Tschamawasser kann zum Kochen von Kaffee, Reis/ Erbswurst usw. verwandt werden. Es hält sich aber nicht in Feldflaschen, nach meiner Erfahrung am besten in Bierflaschen. Hat man frisches Fleisch, so genügt es, dieses in Stücke zu schneiden und zusammen mit den zerschnittenen Tschamas, Salz und (wenn vorhanden) etwas Speck zu kochen. Dies gibt dann eine, wenigstens mir sehr gut schmeckende Sauce und gutes Gemüse. Wenn vor der Regenzeit die Tschamas trocken und schwammig iverdeu, legt man sie in ein Loch, bedeckt dieses mit Sand, schüttet heiß« Asche darauf und läßt die Frucht braten ä la Aschkopf. Dann nimmt man sie herauf, drückt sie ab und drückt das angesammelte Wasser aus. Zu dieser Zeit ist es aber kein; Genuß, bei Hitze sich mit Tschamas begnügen zu müssen. Ochsen und Pferde gewöhnen sich so an Tschamas,- daß sie das Wasser gänzlich entbehren können. Ich hab« hier erst ein Pferd gefunden, das keine Tschamas fraß, obwohl es vier Tage ohne Wasser war. Es ist aber nicht eingegangen. Die Pferde wie auch das Wild fressen nicht die ganzen Früchte, sondern beißen sie nur mehr oder weniger au. Bei meinen Tieren, die gute Tschamapferde sind, habe ich bemerkt, daß sie frei weidend lieber Tschama fressen, als wenn diese ihnen im Freßbentel zerschnitten serviert wird. Den Beutel nehme ich aber nur in Gebrauch, ivenn wenig Tschama vorhanden ist, damit nicht so viel verloren gehl. Außer Simon Copper leben in der Kalahari Tausend« von Menschen, die Bak-Kalaharis, die das ganze Jahr hindurch mit ihrem Vieh die nötige Feuchtigkeit nur aus bett Tschamas und den angepslanzten Melonen „Magatan" beziehen. Dazu kommt allerdings für die Menschen die Milch der Kühe und Ziegen. Letztere brauchen die Tschamas gar nicht; sie begnügen sich, wie Klipp- und Steinbock, mit dem Laub der Büsche. Aber nicht nur der Säst und das Fleisch, sondern auch die Kerne der Tschamas dienen als Nahrung. Sie werden in heißer Asch« geröstet, von ihrer Schale befreit und dann gegessen. Es gibt noch eine Art Tschama, auf Namaqua d Gab,; von den Hereros Otura genannt. Sie ist gelb, etwas oval,- mit ziemlich weichen Stacheln bedeckt und wird etwas größer wie eine Apfelsine. Ich habe sie sowohl in der Namib ivis auch in der Kalahari angetroffen, im Sandfeld nur vereinzelt. Roh genossen, erzeugt sie leicht Magenbeschwerden und Durchfall. Man muß sie ebenfalls wie einen Aschkops in heißer Asche braten und dann nach dem Erkalten den Saft ausquetschen. Bon Pferden wird sie nicht gefressen, Bon den auf der Erde rankenden genießbaren Gewächsen ist noch eine Art wilder Gurke zu erwähnen. Der Bur nennt sie Kummer, der Hottentott Noa, der Herero Antiase. Ich habe sie, soweit ich im Lande herumgekommen bin, überall gefunden. Diese kleinen Gurken erreichen die Längs — 767 — eines Zeigefingers, werden etwa zwei Finger dick uttb sind mit weichen Stacheln bedeckt. Sie sind sehr saftig und geschält sehr ersrischend, haben auch nicht den faden Geschmack der Tschama. Wenn man sie unter Zusatz von Essig, Oes und Pfeffer in Scheiben schneidet, kann man sich ans ihnen einen schmackhaften Salat bereiten. Wer auch hier mutz jede Frucht gekostet iverden, ob sie nicht bitter ist, da von all den eben beschriebenen Melonen und Gurkeu- arten süße und bittere Exemplare nebeneinander Vorkommen. Meist sind sie im Sande gut, in Revieren inib in lehmigem Boden bitter. Pferde und Ochsen fressen die Kummern sehr gern. Ich habe häufig beobachtet, daß besonders erstere fic den Tschamas verziehen. An Bäumen und Sträuchern findet inan zuweilen ein Rankengewächs, dessen Blätter etwas an Wein erinnern, aber kleiner und tiefer eingeschnitten sind. Es ist dies das Miuro des Hottentotten und Omakunqu des Herero. Die reifen Früchte dieser Pflanze sind etwa fingerlange rote dicke Gurken. Noch grün werden sie von den Eingeborenen gepflückt und in heißer Asche geröstet gegessen. Eine Reihe von Pflanzen erinnert ihrem Geschmack nach mehr oder weniger an Kartoffeln. Zunächst gehört hierher eine von den Buren Onki, von den Hottentotten Ghaus, vom Herero Ösen genannte Pflanze, die man aber nach ihrem Aussehen zu den Zwiebeln rechnen kann. Ker Geschmack ähnelt jedoch dem der Kartoffel. Dieses Knollengewächs mit schmalen lanzettenförmigen Blättern wächst meist in Revieren oder auf rotem, selten und nur spärlich auf grauem und weißem Sand. Es wird in Asche geröstet und dann geschält genossen. Eingeborene kochen die Onkis auch gern in Wasser oder noch lieber in Milch zu einen: guten und sehr nahrhaften Brei. Eine größere Art Onkis, auf Nama Sun Sun, in der Hererosprache Owiture genannt, wächst nur im Sande, besonders tm Sandfeld, nicht aber in Revieren. Zubereitet und genossen wird sie wie die gewöhnlichen Onkis. Eiire für Nichteingeborene sehr schwer zu findende Feldfrucht ist die Ghabas, die bei den Hereros Owikandu heißt. Mir ist es noch nicht geglückt, selbständig eine zu finden, obwohl sie in hiesiger Gegend genügend vorkommt. Sie 'erscheint als eine Art Trüffel, in der Größe eiirer Kiuder- faust, und kennzeichnet sich im Sande nur durch eine kleine Erhebung mit einigen Rissen. Blätter sind nicht vorhallden. Sie wird in heißer Asche geröstet und schmeckt ganz gut. Eine merkwürdige Kartoffel brachte mir ein Feldherero in der Gegend von Epata; leider hatte er das Kraut fortgeworfen. Er nannte sie Omongorua. Zunächst befindet sich unter der Erde eine runde Knolle mit einer dünnen Schale wie bei jungen Kartoffeln. An dieser Knolle hängen wieder vier etwa acht Zentimeter lange Kartoffeln mit dünner brauner Schale an Wurzelfasern. In Asche gelegt, schmeckten sie wie geröstete Kartoffeln. Der Eingeborene sagte, daß diese Frucht im Sandfeld nur selten, dagegeil weiter östlich im Buschmannlande oft vorkäme. Sehr häufig findet man die Sandnüsse, von den Hottentotten Ngau, von den Herero Orabanui genannt. Sie wüchsen an Range,: auf der Erde. Die trockenen Blätter und Ranken sehen rötlich wie Buchenblätter ans. Die Nüsse selbst liegen in einer harten Schale, die reif aufspringt. Die Kerne sind braun. Man legt die Nuß in glühende Asche und röstet sie. Dann wird die Schale zerschlagen und der Kern entweder so oder in Wasser gekocht gegessen. Auch die Kerne einer Schote, die an einem niedrigen Busch mit kleinen Blättern wächst, dienen als Feldkost. Sie wird von den Hereros Omutina katjibera genannt. Im Sandfeld habe ich in der Nähe von Sandpützen oft große Hänfen ihrer Schälen getroffen - die Abfälle eines Herero- diners. Auch hier werden die Kerne entweder geröstet voer wie Mehlpapp mit Wasser oder Milch gekocht. Den Zucker ersetzen die von den Buren Corinden, au Nama Ngaus und von den Hereros Omanbinjere genamiteu kleinen roten Beeren, die einen etwa mannshohen Bu-ch mit kleinen schmalen Blättern bedecken, ^ch habe ihn überall getroffen. Seine süßen Beeren sind von den Eingeborenen ehr beliebt. Sie iverden frisch gegessen oder mit Milch getrunken. Noch grün, werden sie auch zur Herstellung von Honig- oder Zuckerbier verwandt. Ein Gemisch von grünen Ngaus, Honig oder Zucker und warmem Wasser läßt man vierundzwanzig Stunden gären; gut gekühlt, ergibt es ein sehr erfrischendes und nicht ermüdendes Getränk. Die Hefe wird immer wieder aufgehoben; man braucht bann die Corinden nicht mehr. Da im Sandfeld die Tschamas nur selten Vorkommen — ich habe auf mehreren Ritten zwischen Onibakaha und Epata nicht eine gesunden — hat die Natur dort eine andere wasserhaltige Pflanze geschaffen, die Wasserwnrzel, bei den Hottentotten Shubas, von den Hereros Omahue genannt. Sie ist ohne Hebung nicht leicht zu finden, da sie häufig unter Büschen wächst. Die kleinen, höchstens fußhohen Stauden oder Zweige, die sie über die Erde treibt, habe ich grün noch nicht gesehen, sondern nur ohne Blätter. Bricht man sie ab, fo geben sie eine milchige Flüssigkeit von sich. Man muß ziemlich tief graben, um die recht große Wurzel zu erlangen. Sie kann geschält oder geschabt genossen werden. Ich ziehe sie der Tschama vor, da sie einen pikanteren, ganz entfernt an Rettig erinnernden Geschmack hat. Eine Wurzel soll für einen Menschen genügen. Ich habe von Hereros gehört, daß sie 1904 während des Aufstandes nordöstlich Epata monatelang im Sandfeld gesessen und nur von Wasser- wnrzeln und Feldkost gelebt habe::. In der dortigen Gegend soll die Ourahue sehr häufig vorkommen. Heira, von den Hereros Omapia genannt, ist das Harz der Weißdornbäume. Die Eingeborenen essen es roh oder in Milch; Europäer sind vor dem Genuß zu warnen. Als ich am "Oranje einmal seit 42 Stunden nichts gegessen hatte, probierte ich diese Art Feldkost, was meinen Magen zu starkem Protest veranlaßte. Dagegen kann der Ansiedler, wie ich dies in Mamas sah, aus Heira und Kleie einen sehr guten und haltbaren — Fußboden verfertigen. MH Ersatz für Kaffee dienen die Kerne des bei uns so >ven:g beliebten Hakisdorns. Sie werden gebrannt, zerstampft und in Wasser gekocht als Kaffee getrunken. Auch die so gefürchteten Heuschrecken bilden geröstet ein gutes Nahrungsmittel der Eingeborenen. Weit gehen diese den Schwärmen nach, um sie früh und abends, wenn sie sich niederlasseu, haufenweise tu Säcke zu sammeln. Ich habe hier in: Laude auch schon Weiße gesehen, die behaupten, daß Sprinhühner gut schmecken. Auf diesen Genuß möchte ich aber doch verzichten. Damit ist die mir bis jetzt bekannte „Feldkost erschöpft. Man sieht, daß ein Eingeborener im Felde, selbst wenn er nicht in Schlingen, Fangpützen und Kniippelfallen — ©e* täte, die ich im Gebiet nördlich Epukiro häufig beobachten konnte — Wild erbeutet, genügend Kost findet. Wenn man weiß, wie fett die Hereros sind, die z. B. Leutnant oe Beaulieu gefangen hat, und wenn man bedenkt, wie hoch sw die liebe Freiheit schätzen, dann kam: man sich nichts wundern, daß sie das Leben im Busch den üblichen, oft mit falscher itub schlechter Behandlung neuerer Ansiedler gewürzten zwei Bechern Reis vorziehen. Wer auch ein genügsamer Orlogmann und Jager der weißen Rasse, der das Feld kennt, wird in diesem nicht Hunger und Durst leiden, besonders nicht hier im Gebiete der Kälahar:. Verkannte Genies. Vom „Dornenpfad des Ruhmes" hat Andersen in ein ent feiner tiefsinnigen Märchen gesprochen; zu allen 3eiten lind Helden des Geistes und der Forschung diesen fteimgcrt nächtlichen Weg geschritten, der sie bald frühes, bald spater zu Glanz innd Ehre führen sollte. In seinem Werk über die ^Rätsel des Seelenlebens", das jetzt bet Julius Hoffmann in Ä in deutscher Ueber^tzuna erscheint; «jmert arnine Flammarion an solches Märtyrertum per öfeofcen die zunächst dem Gelächter der Hnglaubigeu intti dem Hohn der Heberklugen preisgegeben waren Der M- rektor der Pariser Sternwarte, der in seinem Buch in tenftw ratnentvoll beredter Darstellung und mit einet Full 768 — VevmisMSEK. * Erstklassig! Diesem durch Urbersetzttug des englischen first dass entstandenen Modewort gelten die zornmütigen Ausführungen Wilhelm Schäfers in der von ihm heransgegebenen Monatsschrift „Die Rheinlande": Kann etwas deutlicher die Verlotterung unserer Sprache dariun als der übermäßige Gebrauch dieses Wortscheusals? In wörtlicher Nachahmung aus dem Englischen übernommen. Beispielen für die geheimnisvollen Phänomene der Vorahnungen, Träume, gegenseitiger psychischer Einwirkung und anderer seelischer Manifestationen eintritt, ectveist hier aus der Geschichte der Erfindungen nnd Entdeckungen, daß es >,noch andere Dinge int Himmel und auf Erden gibt, als unsere Schulweisheit sich träumt". Er selbst war Zeuge einer solchen wissenschaftlichen Ungläubiakeit, als am 11. März 1878 in der Pariser Academie des scieuces der Phonograph Edisons zum ersten Mal vorgeführt wurde. Als der Apparat nach beendeter Erklärung zu reden begann, erhob sich ein angesehener Akademiker und Gelehrter, Bouillaud, stürzte voll Empörung auf den Vertreter Edisons zu, packte ihn an der Gurgel und schrie: „Sie Schuft! Glauben Sie, wir lassen uns von einem Bauchredner zum Bestell halten." Auch sechs Monate später noch erklärte Bouillaud nach eingehender Prüfung des Apparats, er sei nach wie vor überzeugt, daß es sich nur um ein geschicktes akustisches Gaukelspiel handele, denn „man könne unmöglich altnehmen, daß ein schäbiges Metall den Klang der menschlichen Stimme wiedergeben rönne." Eine ähnliche Entrüstung hatte viel früher einmal in der Academie des sciences die Erltdeckmrg des berühmten Chemikers Lavoisier hervorgerufen, daß die Luft vornehmlich aus Sauerstoff uub Stickstoff bestehe. Der Erfinder des Aräometers Baume nannte diese Behauptung „ganz absurdes Geschwätz, um nicht noch mehr zu sagen. Galvanis bekanntes Froschschenkelexperiment, das einen so wichtigen Anstoß zur Verwertung der Elektrizität gab, wurde zunächst allgemein nrit mlgeheurem Gelächter ausgenommen. Der arme Erfinder schrieb selbst 1792: „Ich werde von zwei verschiedenen Parteien angegriffen, von den Weisen und von den Dummen. Den einen wie den aildern bitt ich ein Spott, und mail nennt rilich den „Tanzlneister der Frösche". Trotzdem iveiß ich, daß ich eine neue Naturkraft entdeckt habe." Der Erfinder der Gasbeleuchtung Philippe Lebon starb 1804 am Tage der Kaiserkrönung Napoleons, ohne die Ausnutzung seiner Idee erlebt zu haben. Man hatte derl Gedallken für verrückt erklärt, daß eine Lampe ohne Docht brelnlkll sollte, 1805 wurde dann die Gasbeleuchtung in Birmingham eingeführt, 1813 in London und 1815 in Paris. Als Franklin der königlichen Gesellschaft in London seine Erfahrungen über die Fähigkeiten einer Eisenstange, die Elektrizität der Atmosphäre abzuleiten, mitteilte imb die Prinzipien des Blitzableiters entwickelte, war ein Heiter- keitsausbruch die einzige Antwort und die gelehrte Ber- sammlilng verweigerte die Drucklegung des Bortrags. Noch ein halbes Jahrhundert nach der Erfindung des Fernrohrs weigerte sich der ausgezeichnete Astrononr Helvetius, Gläser seinen Instrumenten einzufügen, weil er fürchtete, sie könnten die Genauigkeit der Positionsbestinrnlilng hindern. Ms die ersten Proben mit der Eisenbahn gemacht werden sollten, wiesen die Ingenieure nach, daß die Lokomotiven unmöglich von der Stelle kommen könnten und ihre Räder sich nur immer um sich selbst drehen würden. Ja der französischen Deputiertenkamnler kämpfte der große Physiker Arago gegen die Einführung der neuen Erfindung. Er führte die Trägheit der Materie, die Zähigkeit der Metalle, den Widerstand der Luft dagegen an. Thiers meinte in derselben Sitzung: „Ich gebe ja zu, daß die Eisenbahnen die Beförderung von Reisen etwas erleichtern iveroeu, wenn der Gebrauch auf einige ganz kurze Linien in der Nähe großer Städte, tvie Paris, beschränkt bleibt. Man braucht keine weiten Strecken." Ja Bayern erklärte das königlich medizinische Kollegium, daß die Verwirklichung der Eisenbahn ein großes Verbrechen gegen die öffentliche Gesundheit bebente, denn eine so schnelle Bewegung würde bei den Reisenden Gehirnerschütterungen, bei den Zuschauenden aber Schwindelfälle erzeugen; daher sei es dringend zu empfehlen, an beiden ©eiten der Schienen Wände in der Höhe der Wagen aufzufiihren. wirkt es in unserer Sprache alberner als ein konfuses Fremdwort wirken könnte. Ein Billett, eine Ressource und Retirade, einen Konfektionär und einen Nationalliberalen r das alles läßt man gehen, weil unsere Vorliebe für Fremdwörter unausrottbar scheint; aber diese verruchte Verkuppelung, die weder deutsch noch fremd ist, sondern dem Sprachschatz unserer Geschäftsreisenden entstammt, ist auf die Dauer unerträglich wie eine Brummfliege. Solange sie in den Anpreisungen der Hosenhändler und Schnapsfabrikanten blieb, konnte man ihr entgehen, indem man deren Marktgeschrei nicht hörte. Heute aber, wo nicht nur Klosetts, sm- dern auch Bücher, Bilder, Gedichte und Romane erstklassig werden, wo dieses Mahnwort in Zeitungen und Zeitschriften auf jeder Seite steht, wo es in Besprechungen und Stadt- ratsjitzmigen mindestens dreimal vorkommt und von gut angezogenen unb mit Titeln behängten Leuten ohne Erröten in den Mund genommen wird: da ivird man wohl endlich mit einem Donnerwetter auf den Tisch schlagen müssen. Wenn einer seine Kartoffeln mit dem Messer schneidet, Röllchen trägt oder einen Gustav-Jäger-Rock an hat: ist ev der öffentlichen Verachtung ausgeliefert, aber diesen Wortkloß soll jeder „Mann von Bildung" in den Mund nehmen dürfen! Ja, wie wollen Sie das denn übersetzen? fragte mich neulich ein Beleidigter. Vielleicht „prima" oder „supcr- fein" oder „la"? Ist dies nicht widerwärtig: man ist schon so ans „Schwadronieren" gewöhnt, daß der Superlativ nicht mehr ansreicht. Das Gute, sehr Gute, Bessere, Beste, selbst das Allerbeste, ist zu wenig, dem Gipfel unserer Vollkommenheit mit der Sprache nahezukommen. Unsere „zeitgenössischen" Leistungen sind eben so „ungeahnt", daß unser alt- nrodisches Deutsch kläglich zurückbleiben muß. Die Sache wird die sein, daß wir uns nicht nur das „Erstklassige", sondern die Großmäuligkeit überhaupt etwas abgewöhnen, daß wir tvie zu schlichten Hosen und Röcken auch zu einer schlichten Sprache kommen müssen, die den Superlativ in jedem Sinn vermeidet, die ein gutes Buch, ein schönes Bild, einen braven Mairn und ein sauberes Zimmer kennt. Wir hören oft leichtsinnig sagen, nnfcce Sprache stände int Wohllaut vrelen anderen nach, besonders durch ihre Zischlaute. Man vermeide den Superlativ besonders in den Bildungen höchst und allerhöchst, genauestens und ergebcnst, unb man wird sich wundern, wie schöit und klar unsere Sätze auf einmal gehen. Oder ist „Schwadroniereu" wirklich ein deutsches Wort? * A. ; „Ihr Bulp ist in das Kovrektionshaus gekommen?" — B. : „Ja, leider! Der Bub' war so brav, tvenn er tvas g'stohlen g'habt hat, hat er's immer heim gebracht." * Neuer Börsen fluch. „Kassierer sollst de sein, und im Luftschiff sollst de durchgehen, und das Geld sollst de müssen wieder auswerfen als Ballast!" * Durchschaut. Hausfrau (zur Köchin): „Wie, schon wieder eitlen neuen Hut? . . . Aha, jetzt weiß ich auch, warum diese Woche auf dem Markt alles so teuer war!" * Vor Gericht. Richter: „27 Jahre waren Sie treu und ehrlich, und heute stehen Sie nun wegen Diebstahls dal" — Dieb: „Na, erlauben S', is dös nicht lang genug?" Bilderrätsel. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer» Januar Orgelpfeise Havel Aaresirup Niobe Nepomuk Elias; Johannes Kepler. Redalüom E. Anderson. — IRotaitunsöcud uni Vertag Den Brühl'scher, Universität- - Buch- und Slemdruckerei, R, Lange. Gieße«.