1908 w- II" XVIII. Loysen stand tot? seinem Oberst und meldete ihm seine Ber-^ lobung mit Fräulein Becker, Tochter des Pfarrers Becker und Mitglied des —theaters in Berlin. Zu gleicher Zeit teilte er dem Vorgesetzten seine Absicht mit, aus dem Dienst zu scheiden. Damit war für ihn das Schwerste gesagt und überwunden, das, was immer tote ein Schreckgespenst vor ihm gestanden hatte, den «ganzen Sommer hindurch. Was besagte die Veröffentlichung seiner Verlobung in Freundes- und Familienkreisen gegen das schwere Wort an dieser Stelle. Er schied sich damit freiwillig von dem, was schrnes Lebens Inhalt bisher gewesen war! — Jedoch die Szene und was sich in ihr abspielcn.musste, hatte er in ntonatelangen Vorkämpfen so oft durchgekostet und durch-, gedacht, das? seine Schmerzfähigkeit abgestumpft war und er durch die Verwirklichung des Gefürchteten ging: ohne äußerlichen Affett. Kurz und dienstlich war die Meldung und fest die stimme, die solches hervorbrachte. 1 Der ältliche, griesgrämige Kvmmandeur,, welcher nun mal von jeher für diesen Offizier ein warmes Winkelchen in tomeM verknöcherten Herzen reserviert hatte, stand wie verdonnert, steif und ftumlm. Das kam ihm tote ein Blitz aus heiterem Himmel. Niemals hätte er das für möglich gehalten. Was er jedem anderen im Regiment wohl zugetratit, bei diesem hier schien es zu W Undenkbarsten zu gehören, weil er so mit Leib unb Seme Soldat tDQt unb ihm tiic Uniform bas EhrenUeib nmv, in tvclctycm rv leben wollte und einst zu fallen hoffte... Als er 'dann endlich Worte fand, waren es erst beschwörende, als gälte es, eilten Irrsinnigen zum. Bewußtsein zu bringen, und dann sehr harte, sehr bittere Worte. „ , . Endlich war das überstanden und Lohscn stand wieder auf der Straße. Alles ringsum schien ihm verändert, weil er selbst als em anderer aus dem Hause kam, darinnen sich der Riß vollzogen, der mitten durch sein Leben ging. Er sah auf des Königs Rock herab, feiert er trug, und fühlte bereits kein Recht mehr darauf. Bruder ! Ich sage dir, wie eine Last hat dies alles auf mir gelegen, das fühl' ich jetzt erst, wo mir zu Mut wird, als hätte ich Flügel,. ■ Er konnte noch nicht weiter lesen, stand auf und ging tn großer Bewegung im Zimmer hin und her. . „Für dich« hätte ich ihn mir gewünlcht, — für dich! K-men andern wie ihn. Aber cs sollte nicht sein." , Mit einem Satz war sie an seiner Seite, das eben noch sroh erregte Gesicht tief enttäuscht. Sie nahm seinen Arm und hielt ihn zurück: , n _ „Was? Für mich? Und das hättest du gewollt? Sage mir, Bruder, lvas tat ich dir, daß du mich aus dem Hause stoßen. ^"Darüber müßte er lachen, strich ihr über die Wange und sah sie gerührt (an. In innigem Einverständnis gingen, ste dann, Lohsens Brief gemeinschaftlich weiter lesend, im ßtrnmer hm und her, und als.sie mit lesen fertig waren, standen ste noch lange schweigend im Fenster. Tas eben Durchlebte hatte einen erhebenden Einfluß auf ihre Lebensgeister, unb sie empfanden ihre Einigkeit und ihre schöne, starke Geschwisterliebe als etwas, das ihnen nichts rauben könne. Keürmth von Lovsen. Roman von Ursula Zöge von Manteuffel. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Fraii Jahn unterdrückte eilt Schluchzen. Sie hatte natürlich jedes Wort gehört und den Zusammenhang erraten. Es gab noch brave Männer in der Welt ... , , Ehe Loysen wieder auf den Bahnhof fuhr, schrieb er einest langen Brief an Wilhelm — dieser Brief war die erste Woyltat, die er genoß seit langen Tagen. Ihm war, als fielen Ketten Von ihm ab. Bon nun an ging er seinen Weg mit festem Schritt, ohne rechts und links zu sehen. —■ - Eimen Tag später erblickte Wilhelm von der Haide unter den eingelaufenen Briefschaften zum erstenmal nach langen Jahren wieder das große, weiße Kuvert und die martialischen Buchstaben. Sinnend wog er bett Brief in der Hand. „Helmuth hat geschrieben," sagte er. Edeltraut, welche am Abend vorher aus Berlin hetmgekehrt war, saß am großen Arbeitstisch und rechnete. Sie wandte den ^„Lies doch erst die anderen Briefe, laß diesen noch liegen," bat sie. 1 „Weshalb?" Sie stand auf und kam neben ihn. „Was soll er dir denn Erfreuliches schreiben? Es kann dich ja nur verstimmen. Ich habe dir gesagt, wie mich, das Wiedersehen bedrückt hat. Diese unaufgeklärte, trübe Sttmmung wird auch von seinem Briefe auf dich übergehen." Ja, liebe Edel, gerade deshalb durch! und zuerst. Er -nahm das Falzbein, schnitt auf und zog zwei Bogen heraus. Sie waren eng beschrieben. Edeltraut wandte sich av und seufzte: , . o ( „Wer so viel Worte macht, versucht etne un voraus verlorene Sache zu rechtfertigen." Ihr Bruder aber las mit stockender Stimme: „Lieber Wilhelm! Als erstem teile ich dir hierbei nut, daß Luise Becker heute abend meine Verlobte ward und zu Anfang des menen Jahres meine Gattin wird. Ich bitte dich, ihr als^solche seinen Platz in deinem großdenkenden Herzen einzuräumen.' Tas Papier entfiel der Hand des Lesers. Auf seinem ausdrucksvollen Gesicht wechselten Röte und Blässe, er war zu erschüttert, um gleich sprechen zu können. Schneller faßte sich Edeltraut und ergriff des Bruders Hand in freudiger Aulwallung: „Wilhelm, Wilhelm! Ich schäme mich vor diesem Mann! Ich habe ihm Unrecht getan!" , e r . Bon der Haide hob den Bogen auf und strich tote liebkosend Über das Papier. , , , o „Tas ist mein Helmuth!" sagte er tief aufatmenb, „das ist ganz er selbst. Ahnst du wohl, was er damit tut?" „Ein Großes, Gutes!" — rief sie lebhaft. „Er hat sich selbst geopfert." Sie setzte sich ganz nahe herbei und umfaßte ihn., >,Siehst du, Wilhelm, heute ernenne ich ihn zu meinem zweiten — 150 Gin quälendes, zielloses Hciustveh erfaßte ihn. Es war wohl das Heimweh nach dem Verlorenen, Herrlichen, das nie wiederkommt, rind ihm war, als sähen ihn alle, die ihm begegneten, schon so an wie einen, der für immer fortgeht. Er ging an den alten Häusern vorüber mit ihren Giebeldächern, Blumenfensterchen und schwarzem Fachwerk auf weißem Grund, er betrachtete die blauen und schwarzen schmalen Ladenschilder wie ein Frenider, der den Ort zum erstenmal sieht. Um den alten Brunnen auf dem Markt spielten ivie immer Kinder mit Murmeln, und saßen die Hökerinnen mit ihrem Krani. Bier Linden, krumm und knorrig und entsetzlich verstutzt, umstanden bett Brunnen, der nachts so laut und voll rauschte. Trüben ragten die Kirchtürme über die Hausdächer empor, von Dohlen umflattert. Alles das sah er und es schien ihn« zuzurufen: Geh! Tn gehörst ja nicht mehr zu uns! Er versuchte an den morgenden Dienst zu denken — aber dies altbewährte Mittel, jede Verstimmung zu verscheuchen, hatte heute die entgegengesetzte Wirkung. Einschneidender Schmerz burdy fuhr ihn, -daß er erschrak. Unwillkürlich sah er sie alle vor sich, die flotten, strammen Unteroffiziere, die dank ihm als die bester» Reiter imi Regiment bekannt waren, und er stand vor ihnen und sprach: Lebt wohl. Ich gehe und ihr seht mich nie wieder! — In seiner Wohnung fand er ein Billett aus Tobrau, welches ein Bote gebracht hatte. Anne Marie, die er in Wiesbaden wähnte, wo Trotz angeblich eine Badekur brauchte, schrieb ihm: Wir sind seit drei Tagen in Tobrau. Mehrere größere Jagden stehen auf Edmunds.Programm. Nicht auf dein meinen. Weshalb, wirst Du hiev erfahren. Kannst Du morgen Herkommen? Tn wirst Recknitzens hier vorfinden. Ich erwarte sie heute abend oder morgen früh. Anne Marie. Also ritt er am nächsten Tage nachmittags hin. Es patzt gut, sagte er sich mit zusammengebissenen Zähnen, da kann ich es ihnen allen mit einemmal sagen, und auch das wäre überstanden. Je mehr er sich dem altbekannten Waldgebiet näherte, desto wehr war ihm tzu Mut wie jemand, der einer schweren Operation entgegengeht. Heldenhafte Selbstbeherrschung kann das innere 'Grauen nicht bannen. Es wird einen Sturm geben, wilder als der kalte Herbstwind, der ihm entgegenbraust, und diesem Aufruhr wird er standhalten müssen. Ta wird niemand sein, der ihn entschuldigt, geschweige denn mit ihm sympathisiert. Er ritt in den Tobrauer Schloßhof, in welchem der Wind rin tolles Spiel mit den dürren Blättern trieb, die er den Platanen und Kastanien entriß und imi Wirbel umtrieb. Etwas Düsteres, Bnrgartiges hatte das Schloß,,und ein sonderbarer fahler Himmel, an welchem sich schwarze Wolkengebilde eilend hinschoben, stand Wer den Türmen und Dächern, die ein Viereck bildeten. Fra Tiavolo stieß ein zufriedenes, murmelndes Wiehern aus, die Begrüßung der gewohnten Raststelle. Er fühlte sich hier ebenso „zu Hause", wie es sein Herr bis heute getan hatte. Heute, so fühlte dieser, ist auch er äumi letztenmal als einer, der Herren- rechte genießt, hier. Daß übrigens die Trotz' hier ihr Hoflager aufgeschlagen hatten, darüber konnte kein Zweifel sein. Aus dem steinernen Portal kam der elegante Hausmeister grüßend geeilt, stnd in der Halle nahm einer dieser leichtfüßigen Lakaien beim Rittmeister Mantel und Palasch ab. Tie Herrschaft sei im kleinen Salon ßeimi Whist — damit glitt er lautlos vor dem Gast her, die flachen, teppichbelegten Stufen hinan. Oben in dem Loysen so wohlbekannten Jagdsanl brannte ein loderndes Feuer in dem mächtigen Kämin. Ticke Kiefernscheite, Tannenzapfen und Wacholderbüsche ivaren zu einem Berge auf- getürmt, aus welchem die Flammen mit weißem, brodelndem Rauch, prasselnd enchorsuhren. Es duftete nach Harz, und der Feuerschein verlieh dem Raum, so groß er ivar, eine trauliche Gemütlichkeit. Bor deM Karnin standen im Kreise Schaukelstühle und Niedere, altdeutsche Holzschemel. Tie Wände des Saales waren jms dunkelgrünem Grunde mit Jagdszenen aus dem 18. Jahrhundert bemalt. Tie Wölbung der Decke ward in der Mitte durch enteil umfangreichen, viereckigen Pfeiler gestützt, um diesen lief eine braune Holzbank mit geschnitzter Rücklehne und mit Polstern belegt. Zwei aus Geweihen kunstvoll verschlungene Lampen hingen an Ketten von der Decke. An den Wänden standen steiflehnige Stühle und dem Kamin gerade gegenüber eine aus dem Mittelalter stammende Anrichte, auf deren Borten und Aufsätzen alte, schöngearbeitete Krüge und Humpen standen und ein kupferner Samowar. Ser Saal hatte vier hohe Fenster, deren quer gestreifte, persische Vorhänge zugezogen waren und in schweren Falten herabsielen. Eine Türe, deren Flügel weit offen standen, gewährte Wnblick in ein anstoßendes, viel heller erleuchtetes Zimmer. Tas Licht glänzte auf der srifchpvlierten Tielentäfelung und auf den schweren Gvldrahmen der Gemälde an den lichten Wänden. Das itoU -dezr UeiM Sflte in welchem die Herrschaft beim, Whist sitzen sollte. Loysen kam leise näher. Er wollte weder angemeldet noch gleich gehört werden. Ungesehen wollte er sie sich erst alle betrachten, denn so zufrieden, heiter und seiner mit liebevoller Ungeduld harrend, wird er sie wohl nie imi Leben wieder vor sich sehen. Er trat auf die Schwelle, und, sich etwas vorneigend, spähte er rechts um die Ecke, dorthin, woher Stimmen-! gemurmel klang. Sie hatten sein Kdmmen nicht gehört, sondern saßen uM den grünen, zierlichen Spieltisch, die Karten in den Händen. Die kleine Gesellschaft gab ein sehr anmutiges Bild ab auf dem Hintergrund dieses in Goldbronze und zarten, lieblichen Farben leuchtenden Gemaches. Zuerst Anne Marie mit dem feinen hochfrisierten Kbps, in kupferrotem, schlank von der Büste herabrieselnden Modekleide, dessen spitzengefütterte Schleppe sich auf denn glatten Parkett kräuselte und fächerförmig ausbreitete. Sie hatte zwei weiße, silberflockige Chrysanthemen vorgesteckt. Ihr eben fast ausdrucksloses Gesicht erschien durchsichtig, wenn man es mit dem der Schwester verglich, die ihr gegenüber saß, ganz rosige Frische, das blonde Haar zu festem, glänzendem Knoten verschlungen. Sie trägt ein dunkelblaues Seidenkleid und hat auch zwei weiße Sternblumen angestcckt, aber bei ihr sieht das alles ganz anders aus, eine frauenhafte, mütterliche Stattlichkeit charakterisiert sie — daneben Conrad Recknitz, das Bild des wohlgemuten Familienvaters, und dem gegenüber Edmund Troß — der sieht schlaff und geknickt aus. Man weiß bei ihm freilich nie, ist das körperliches Unbehagen oder eine neue Pose, die er einem greisenhaften jungen Lord abgelauscht oder gar selbst freier! hat. Er spielt stumm und starrt, ehe er zugibt, lange in feine Karten, während Recknitz jede Karte zwar bedächtig, aber mit Energie auf den Tisch wirft. Auf einer Kvnsole au der Wand steht eine Uhr, deren Gehäuse aus Rosen und Amoretten in Meißner Porzellan ausgeführt ist. Sie schlägt fein und mit silbernem Wang und beide Schwestern blicken hin, sthen sich dann an und zucken die Achseln. Natürlich, sie erwarten den Bruder, sie freuen sich beide auf ihn. Es hatte einen so sonderbares Reiz für ihn, das noch etwas zu belauschen (Fortsetzung folgt.) Die geplante Gründung einer dsutsch-ameritanischen RepuM m der KeMon§Zeit?> Nach imgedruckten Quellen?) Nach dem Zusammenbruche der französischen Fremdherrschaft hatte der gemeinsame leidenschaftliche Wunsch nach Erhaltung und Stärkung der im großen Befreiungskriege bewährten nationalen Eigenart einen größeren Kreis von Patrioten im westlichen Mitteldeutschland zu enger geistiger Bundesgenossenschaft zusammengeführt. In Ausführung eines von Christian Gottfried Körner und E. M. Arndt ausgesprochenen Gedankens bildete sich in den Landschaften am Mittelrhein und unteren Main eine Reihe von „Deutschen Gesellschaften", die es sich znin Ziele fetzten, deutsche Art, Zucht und Frömmigkeit zu pflegen und der besonders in den früheren Rheinbundsstaaten noch fortbestehenden Hinneigung zu. französischer Sprache und Geistesart entgegenzuarbeiten. Je weniger bie. Verhandlungen des Wiener Kongresses dazu angetan waren, die im Kreise Arndts und seiner Gesinnnngs- genossen auf die Neugestaltung Deutschlands gesetzten Hoffnungen zu verwirklichen, in desto entschiedenere Gegiierschaft wurden die in jenen Gesellschaften vereinigten Deutschgesinnten gegen die leitenden Mächte des Kongresses-, namentlich gegen Oesterreich gedrängt. Als feit dem Ende des Jahres 1814 der Gegensatz zwischen Oesterreich und Preußen sich in der Art verschärfte, daß die Möglichkeit eines kriegerischen Zusammenstoßes recht nahe- gerückt schien, da reifte im Schoße jener Gesellschaften der Plan zur Gründung eines großen Gehcimbiindes, der sich über ganz Deutschland erstrecken und die Einigung Deutschlands unter Preußens Führung zu seinem Wahlsprnche machen sollte, lin- mittelbar nach der Begründung des Bundes ist dessen Leiter, Justizrat Karl Hoffmann in Rödelheim, mit dem Fürsten Hardenberg in Verbindung getreten, der die Pläne in vollem Umfange billigte und seine Ausbreitung in Süd- und Mitteldeutschland eifrig förderte. Die unglückliche Wendung der preußischen Politik nach dem Abschlüsse der Heiligen Allianz hat jedoch den intimen Verbindungen des preußischen Staatskanzlers mit dem Hosf- maunschen Geheimbunde ein jähes Ende bereitet. Als es int Herbst 1815 zu der von Berlin aus angeordneten Auflösung des Bundes kommen sollte, zeigte es sich aber auch, daß die Geister, die man zur Stärkung von Preußens Stellung gerufen,- !) Für die nachstehenden Mitteilungen konnten verschiedene im Berliner Geheimen Staatsarchive anfbewahrte Aktenbände der Mainzer Zeiitralnntersuchungskonnnifsion benutzt werden. Heber „Karl Jollen und die Gießener Schwarzen" wird der Verfasser ui einer in allernächster Zeit in Buchform erscheinenden, mit Quellennachweisen versehenen ausführlichen Darstellung handeln. 2) Dem Juliheft der „Deutschen Revue" entnommen, 151 nicht alsbald wieder zu bannen- waren. In dem Augenblicke in dein Preußen seiner nationalen Aufgabe und zugleich dem Koustttuttonaltsmus sich zu versagen schien, sehen wir einen guten Teil der Mitglieder jenes Geheimbundes in leidepschnftlichcr Ver- mtterung einer radikalen demokratischen Richtung sich zuwenden, für die der Keim in der politischen Stimmung dieses von den Ideen der französischen Revolution tiefgehend beeinflußten Kreises ohnehin vorhanden war. Am schärfsten spitzte sich die Gegnerschaft gegen die durch die Deutsche Bundesakte geschaffenen politischen Zustande Deutschlands in dem Kreise der Gießener „Schwarzen" zu, die mit jener Grupps radikaler Politiker, namentlich den beiden Brüdern Wilhelm und Ludwig Sncll, bcnt Advokaten Karl Heinrich Hofmann aus Darmstadt und dem Butzbacher Konrektor Weidig enge Beziehungen unterhielten. In den von den Führern der Gießener „Schwarzen", den Brüdern August und Karl Follcn, im Jahre 1818 entworfenen „Grundzügen für eine künftige Reichs- Verfassung" wurde geradezu grundsätzlich jede Anknüpfung an das hrstorrsch Gegebene abgelehnt; das einzige Heil wurde vielmehr von der Verwirklichung der Theorien des Contrüt social und von der Durchsetzung der republikanischen Staatsform erwartet. Das war die Antwort der heißblütigen Jugend auf die Festsetzung der „Deutschen Bundesakte", „der unwürdigsten Verfassung, die je einem großen Kulturvolk von eingeborenen Herrschern auferlegt worden war"?) Am 23 März 1819 ist der in den weitesten akademischen Kreisen als Werkzeug des russische» Despotismus verhaßte August von Kotzebue unter dem Dolche des Jcnaischen Burschenschafters Sand gefallen. Karl Fallen und seine „Unbedingten" erwarteten damals mit Zuversicht, daß diese Tat das Zeichen zu einer all- gemernen Volkserhebung nnd zur Aufrichtung des dentsch-christ- lrchen rj-rcrstaats geben werde- Um so grausamer war die Ent- tauschung der „Schwarzen" und ihrer alteren Verbündeten, als es sich zeigte, daß die breiten Volksmassen nach wie vor in voll- standlger Apathie verharrten. Als dann im Gefolge der Karlsbader Beschlüsse die Knebelung der Presse, die Unterdrückung der akademischen Freiheit und die Verfolgung der hervorragendsten Patrioten durch die Mainzer Untersuchungskommission ohne Widerspruch der Volkskreise im ganzen Bundesgebiet vor sich ging, da konnte anch Karl Füllens eiserner Starrsinn sich der Erkenntnis nicht lamger verschließen, daß seine und seiner Gesiiluungsge- nossen Rolle in Deutschland ausgespielt sei. Ein merkwürdiges Zeugnis dafür besitzen wir in einer unter den Papieren von Follens Vertrautem, dem Wetzlarer Gymnasialdirektor Ludwig Suell, beschlagnahmten Denkschrift, die uns mit Follens Plan bekannt macht, durch die gemeinsame Auswanderung der deutschen Demokraten nach Nordamerika die Grundlage für die Bildung eines deutschen Jdealstaats auf dcnl Boden der Neuen Welt zu Waffen. Von düsterer Resignation diktiert, stellt die Einleitung dieser zu Ende des Jahres 1819 verfaßten Denkschrift fest, daß eine Gesundung der deutschen Verhältnisse in absehbarer Zeit nicht zu erhoffen sei: „Statt Volkseinheit und allgemeiner gleicher Freiheit ist uns Volkszerstückelung und allgemeine gleiche Knechtschaft geworden. Ackerbau und Gewerbe sind durch übermäßige Steuern und Mauten niedergedrückt, die Geistesfreiheit ist nahezu vernichtet, Unabhängigkeit der Gerichte, Sicherheit des einzelnen, alle Rechte des Menschen nnd des Bürgers werden verhöhnt, und dieser ganze Inhalt des gemeinen Elends, das durch die Bundes- tagsbeschlusse vom September vollendet worden, wird durch eine Form zusammengehalten, die nur zur Unterdrückung jeder innerhalb derselben aufkeimenden Freiheit wirken wird." Steht somit fest, daß das Schicksal des Vaterlandes vom Lichte zur Finsternis und zum allgemeinen Verderben sich abgcwendet hat, so kann doch dieses Verhängnis den deutschen Patrioten weder im Glauben au stul Bott wankend machen noch in seinem Entschlüsse, „das Urbild der Menschheit im eigenen Volke zu retten und aufrechtzuerhalten . Da nun aber ein Wirkeil zum ivahren Wohle des Vater- landes auf deutschem Boden unmöglich gemacht worden, so gilt es, cm Auslande eine Freistätte zu suchen, für die nur die nord- amerikanischen Freistaaten in Betracht kommen können. An die Grniidung emer „alle Zweige des Wissens umfassenden deutschen Bndungsanstalt rn Amerika knüpft Fallen die weitgehendsten Hoffnungen. Sie soll erstlich den politisch Verfolgten eine Zuflucht gewähren, ferner unter den Deutschamerikanern die Liebe zu ihrer vaterländischen Art, Sprache und Bildung stärken und dadurch der Erhaltung des Deutschtums dienen. Wenn es ferner Follen als die höcknte Aufgabe des amerikanischen Gemeinwesens gilt, me »j,bee der Freiheit und Gleichheit in reinster Form ru verwirklichen, so muß „von Teutschland als dem Mittelpunkte der ganzen neueren Bildung auch für Amerika der tiefe geistige Gehalt ausgehen, der allein die Grundlage seines Weltstrebens ausmachen kann". Aus diesem Grunde wünscht denn Fallen auch, daß der nach Amerika auswandernden „Lehrergemeinde" sich auch andere aeutsche Auswanderer anschließcn und für die Zwecke der „deutschen Bildungsanstalt" tätig sind. „Auf diese Weise kann cs die Teutschen in Nordamerika zu einem auf dem Kongresse ^vtrcteneu Staate zu verbinden, der ein Vorbild für das Mutter- vielfacher Beziehung für seine Befreiung wichtig ®te Begründung und Erhaltung der geplanten 8) Treitschke, Deutsche Geschichte, I S. 708. deutschen Lochschule sollte von vornherein durch eigene Miller sichergestellt werden, deren Gewinnung Fallens Denkschrift in erster Linie dienen wollte. Als Mitgliedes der „Lehrergemesild^" waren außer Karl Fallen und seinen Genossen aus dem Kreise der „Schwarzen wohl zunächst die um ihrer freisinnigen Haltung willen verhängten Universitätslehrer, wie Oken, Fries und de Wette und die Brüder Wilhelm und Ludwig Sncll, in Aussicht genommen. 1 1 Sm Gießener Kreise rüstete man sich zu Beginn des Jahres 1820 schoil ernstlich zur Reise in die Neue Welt Ein unter den Papieren eines der „Schwarzen" gefundenes Gedicht gibt den Empfindungen, die Fallens Freunde damals erfüllten, stMmungsvollen Ausdruck. Wenigstens die Schlußstrophe dieses „Abschieds voin Baterlande" sei hier mitgetcilt: „Emneues Vaterland geh' ich zu finden. Wo Vater Franklins frische Seele baute. Die münd'ge Welt der eignen Kraft vertraute. Der Freiheit junges Licht sich !oill entzünden! Da drüben wächst sie auf zur jungen Eiche. Wir bringen Zunder zu den regen Flainmen, Zum neuen Kreuzzug, zum gelobten Reiche. Rom ist, wo freie Römer stehn zusammen!" Wenige Tage, nachdem Karl Fallen seine Denkschrift an y«£img Snell in Wetzlar gegeben hatte, wurde diese am 9. Januar 1820 bei.Snells Verhaftung mit dessen übrigen Papieren beschlagnahmt. Karl Fallen, der in Gießen über die Verfasserschaft der Denkschrift vernommen werden sollte, ergriff die Flucht und fand gleich zahlreichen andern freisinnigen deutschen Gelehrten ein Asyl in der Schweiz, wo er an der Baseler Universität von 1821 bis 1824 als Lektor der Rechtswissenschaft wirkte. Als Oesterreich und Preußen wegen seiner neuen politischen Umtriebe 1824 von der Schweiz die Auslieferung Follens forderte!!, flüchtete er nach Nordamerika und ist hier durch seine glänzenden Vorlesungen über deutsche Literatur fiir die Einbürgerung deutscher Wissenschaft '»mb Dichtung in den amerikanischen Kreisen tätig geiüefen. Während Karl Fallen, soweit wir sehen, auf den Plan einer deutschen Massenauswanderung nach Amerika nicht mehr zurückkam, nahm im Jahre 1833, als abermals jede Aussicht auf eine freiheitliche Gestaltung der deutschen Verhältnisse geschwunden schien, Karl Follens jüngerer Bruder Paul, damals ein vielbeschäftigter, in Gießen hochangcsehener Advokat, jenen Gedankest wieder auf. Eine vou den drei ehemaligen Gießener „Schwarzen", dem Pfarrer Friedrich Münch, dem Advokaten CH. von Burig, Paul Follcn, sowie des letzteren Schwager, Universitätsprofessor Vogt (dem Vater Karl Vogts) unterzeichnete Denkschrift vom Jahre 1833 gab der Ueberzengnng Ausdruck, „daß uns die Verhältnisse in Teutschland weder jetzt noch für die Zukunft gestatten, die Anforderungen, die wir als Menschen nnd Staatsbürger für uns und unsre Kinder an das Leben machen müssen, zu befriedigen." und daß „nur ein Leben, luic es in den freien Staaten Nordamerikas möglich ist, uns und unfern Kindern genügen könne". Die geplante „Auswanderung im großen" solle die tüchtigen deutschen Elemente zusaiMnenhalten und in Nordamerika ein echt volkstümliches Leben, ein von Kastengeist, Standesdünkel nnd dem Zwange kleinlicher Modesucht und- Verwöhnung freies, auf den wahren Geist des Christentums gegründetes verjüngtes Teutsch- land erflehen lassen. Das Ziel der Auswanderung sollte das damals noch nicht staatlich organisierte Territorium Arkansas sein. An die erste, von Münch und Paul Follcn geführte Aus- wanderungsgcsellschaft, die 1834 in einer Stärke von etwa fünfhundert Köpfen abging, sollten sich alljährlich neue deutsche Kolonien anschließen, bis diese endlich als ein eigener deutscher Freistaat an die Union angegliedert werden könnten. Die Verfassung der ersten Kolonie war bis ins einzelne festgelegt: namentlich war die Haltung von Sklaven bei Strafe der Ausschließung verboten. Der deutsch-amerikanische Mnsterfreistaat sollte, so hoffte man, auch auf die freiheitliche Entwicklung des alten Vaterlandes eine wohltätige Rückwirkung ausüben. Das mit so hochfliegendem Idealismus ins Werk gesetzte Unternehmen schlug infolge unzweckmäßiger Vorbereitung und unglücklicher Zwischenfälle völlig fehl. Paul Fallen sah seine Auswandererschar, von der er in Unfrieden geschieden, sich nach allen Richtungen hin zerstreuen und hatte eilte Reihe weiterer schmerzlicher Enttäuschungen erlebt, als er 1844 auf seiner Farm in Missouri dem Tropenfieber erlag. Friedrich Münch, zu dem sich bald auch sein jüngerer Bruder Georg, gleichfalls ein alter Gießener „Schwarzer", gesellt hatte, kämpfte sich tapfer durch. In hartem Ringen in der Wildnis von Warren County am Missouri gelangte er zu Wohlstand und Ansehen, wurde zum Staatsseuator gewählt, wirkte in erfolgreicher Weise für die Skla- venemauzipation und entfaltete daneben eine ungemein rührige literarische Tätigkeit. Als einer der volkstümlichsten und angesehensten Vertreter der alten Generation des Deutsch-Amerikaner- tums hat sich der tapfere Pionier den Unabhängigkeitssinn und den Idealismus seiner stürmischen Jugendzeit bis ins hohe Greisenalter und bis zu seinem Tode (1881) bewahrt. Hermann Haupt (Gießen). 152 Von der deutschen Vichter-GedachtimWung. Tas Jahr 1907 hat der Deutschen Dichter-Gedachtms- Stiftung in Hamburg ungemein große Fortschritte gebracht. Nachdem die Stiftung, die nur lüber ein sehr kleines Kapital verfügt und größtenteils auf Jahresbeiträge angewiesen ist, in den ersten Jahren nach ihrer 1901 erfolgten Begründung nur wenige Beitragende gefunden hatte, haben fid) ihr tnii un® tn noch vermehrtem Maße 1907 zahlreiche neue Mitglieder angeschlossen, so dass die Zahl der Mitglieder in diesen Werden Zähren Non etwa 1000 auf etwa 6500 gestiegen ist. T-ie Summe der Jahresbeiträge von Privatpersonen ist insolaedessen von etwa <000 M auf etwa 14 000 M. mti Jahre 1906 und nun 1907 auf M. auf etwa 14 000 M. in« Jahre 1906 und nun 190/ aus 25 500 M. cmporgeschnellt. Tazu kommen noch die Jahresbeiträge von Körperschaften und Magistraten nnd die Beitrage emer ganzen Anzahl voii Fürstlichkeiten. Hat sich doch un> Jahre 1907 der Deutschen Dichtev-Gedächtnis--Stiftnng nicht nur dm Kaiserin an- aeschlo'sen, sondern auch viele regierende BundesfurWu, an ihrer Spitze "die Großherzöge von Baden und Sachsen-Wemmr, der Hirsoar gent von Braunschweig, die Herzoge von Anhalt, Sachsen- Altenburg nnd Sachsen-Koburg-Gotha, sowie Prinz Hemrich und Prinzessin Irene von Preußen. Tee Stiftung hat die ihr zu- fließenden Jahresbeiträge größtenteils zur Unterstützung kleiner, ländlicher Volksbibliotheken verwendet und hat dafür im letzten Jahre eine Summe von 33864F2 M. ünsgegeben. Dafür hat sie 44 806 Bücher in 37 705 Banden verteilen können. Außerdent hat sie sechs neue Bande ihrer bekannten „Hausbücherei" gedruckt und hat von den schon früher erschienenen 21 Bänden dieser Sammlung 17 in neuer Auflage herstellen müssen. Während früher die erste Auflage "dieser Bücher auf je 5000 Exemplare bemessen wurde- (an sich schon eine ganz stattliche Zahl), ist sie letzt infolge des beständig steigenden Absatzes aus je 10 000 festgesetzt worden. Einzelne der früher erschienenen Baude sind bereits in 30 000, ja in 40 000 Exemplaren erschienen, und zusammen mit ihren „Volksbüchern", von denen die Stiftung 1907 10 neue Hefte druckte, hat sie bereits fast % Millionen Bände Herstellen können. — Ter Kassenabschluß der Stiftung weist infolge dieser lebhaften Steigerung ihrer Tätigkeit und infolge der regen Entwickelung der Ortsgruppen-Abteilung, die überall WerbemÄtelPunkte für die Stiftung zu schaffen sucht, einen Gesamtbetrag von je 144 218 M. 71 Pfg. in Einnahmen und Ausgaben auf, wovon mehr als die Wlfte auf die Verlags-Abteilung entfällt, die, wie es scheint, sich «u einer nicht zu unterschätzenden Einnahmequelle entwickeln wird. Andererseits ist bedauerlich, daß das eiserne Kapital der Stiftung stoch imtner erst 12 532,27 M. beträgt, so daß dessen Zinsen weniger als ein Drittel Prozent der Einnahmen ausmachen! Hoffentlich ersteht der Stiftung einmal ein Krösus, der diesem gemeinnützigen Unternehmen ein letztwilliges Vermächtnis zuwendet. Denn für das Jahr 1908 hat sie weitere große Pläne, und aller Voraussicht nach wird auch dieses neue Jahr eine starke Ausdehnung ihrer Tätigkit mit sich Bringen. . — 1907 hat die Stiftung neben einem Einfamilieuhause, das sie schon früher gemietet hatte, noch ein zweites beziehen müssen, weil die Zahl der Angestellten sich von 14 auf 28 vermehrte. Der Umkreis der Beziehungen der Stiftung macht es erklärlich, daß so viele Angestellte erforderlich sind: gibt es doch tatsächlich keinen einzigen Berufskveis, mit dem sie nicht in irgendwelcher Verbindung stände. VoM Fürsten bis zum Arbeiter dehnt sich ihr Mitgliederkreis aus; außerdem "findet ein lebhafter Briefwechsel mit Regierungen, Magistraten, Kreisausschüssen, höheren und Volks-Schulen, Babrikbüchereien, unzähligen kleinen Volksbüchereien usw. statt. in ausführlicher Jahresbericht ist in Vorbereitung. — Wir hoffen, daß es der Teutschen Dichtev-Gedächtnis-Stiftung in Ham- hurg-Großborstel auch in diesem Jahr gelingen möge, viele Tausende weiterer Mitglieder heranzuziehen —• beträgt doch der kleinste Jahresbeitrag, für den noch ein Band der „Hausbücherei" gewährt wird, nur 2 M. — stnd daß sie ihre hohe Aufgabe, unseren Dichtern durch Verbreitung ihrer Werke ein Denkmal in unser aller Herzen zu setzen und die schlichte Literatur durch Verbreitung guter Bücher zu bekämpfen, erfolgreich weiter betreibe! — Tie Drucksachen der Stiftung sind von ihrer Verwaltung in Hamburg- Großborstel (Generalsekretär Dr. Ernst Schultze) unentgeltlich zu beziehen. Von ebendorther kann jedermann später unentgeltlich den ausführlichen Jahresbericht für 1907 erhalten; eine Postkarte, auf der dieser Wunsch ausgesprochen wird, genügt. Mitgliedern wird der ausführliche Bericht ohne weiteres zugehen. Heiter die erste Stelle. Anders stellen sich die Verhältnisse, wenn nH.ni die Lasten des — Steuerzahlers vergleicht. Hier behaupten die Engländer die erste Stelle, denn jeder englische Bürger zahlt jährlich für die Armee zirka 16,80 Mk. Ter französische Steuerzahler folgt mit 13,85 Mk. der Deutsche schließt sich mit zirka 10,70 Mk. an. Ter Holländer zahlt 8,95 Mk., der Schweizer 7,75 Mk, der Italiener 6,90 Mk., der Amerikaner 6,15 Mk., der Oesterreicher 5,60 Mk., der Russe 5,30 Mk. für die Kriegsbereitschaft seines Vaterlandes. Wiederum ein anderes Bild ergibt sich, wenn man das Verhältnis der Ausgaben für die Kriegsmacht zu den anderen Staatsaufwendungen betrachtet. Hierin marschieren Deutschland und Oesterreich an der Spitze, ein gutes Drittel aller Staatsausgaben entfallen auf das Militär. Am wenigsten zahlen Italien und Holland/ die nur ein Siebentel ihrer Staatsausgaben der Armee zuwenden. * B e i d e n „Teuf e t anbete r n". Der englische Arzt Dr. A. Hume Griffith, der mit seiner Frau mehrere Fahre lang unter den Bewohnern Mesopotamiens seinen Berus ausgeübt hat, und von Mosul, das dem alten Niniveh gegenüber liegt, weit durch die umliegenden Länder herumgekommen ist, berichtet von einer merkwürdigen Sekte, die die Berge in der Umgegend von Mosul bewohnen. Es handelt sich um die Aezidis oder Teufelanbeter, bei deren Scheik er eine Woche zugebracht hat. Der Stamm zählt etwa 20 000 Köpfe. Die Leute wohnen auf Bergfesten und sind geschworene Feinde der Türken, die ihnen wegen der Unzulänglichkeit ihrer Wohnungen nichts anhaben! können, ließet ihre Religion breiten sie den Schleier des Geheimnisfes, und sie wollen nicht zugeben, daß sie den Teufel anbeten; aber es sind genügend Beweise für diese Annahme vorhanden. Ihre Priester sind ganz in weiß gekleidet, und führen immer einen Amtsstab bei sich, auf dessen oberem Ende ein Pfau aus Erz sitzt. Am, Eingang ihres Haupttempels ist eine Schlange abgebildet, die ständig mit Kohle schwarz gehalten wird und der alle die höchste Verehrung darbringen. Jeder Anhänger des Kultes küßt diese Schlange, bevor er den Tempel betritt. Die religiösen Riten, in denen der Hypnotismus eine Rolle spielt, werden sehr geheim gehalten und nur in der Zeit zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang ausgeübt.. Vor einiger Zeit bemächtigten sich die Türken des Heiligtums der Ueridu und versuchten sie zur mohammedanischen Lehre zu bekehren; da sie damit jedoch keinerlei Erfolge hatten- gaben sie den Yezidis ihr Heiligtum zurück. Die Teufelanbeter haben eine große Scheu davor, in die Städte herniederzusteigen, obwohl sie öfter zu dem englischen Arzt kamen, um sich von ihm behandeln zu lassen. *Darnedes Hauses: „Glauben Sie mit, nur der Verheiratete weiß,'was ein glückliches Leben ist!" Gast: „Ganz richtig, meine Gnädige — aber dann ist es zu spät!" Goldene Worte. Wenn man beim Stich der Biene oder des Schicksals nicht stille hält, so reißt der Stachel ab und bleibt zurück. Jean Paul. Freude, der man entsagt, schenkt oft Befriedigung höherer Art, schenkt Frieden. * Sean Paul. Frage nicht, auf welcher Seif sei Recht ober Unrecht. Wenn du schlagen stehst deinen Bruder, steh' ihm bei — und dann »lagst du lenes tragen. * Jean Paul. Wer heutzutage zu einer jeden Lüge pfeifen wollte, müßte stets einen gespitzten Mund haben. * Abraham a Santa Klara. Vor jedem steht ein Bild des,'was et werden soll: So lang et das nicht ist, ist nicht sein Friede voll. Rückert. Liebe und Freundschaft sind die schönsten Blumen des mensch- lichen Lebens. Wer sie zu pflegen weiß, kann nie ganz unglücklich werden. Goethe. vermischtes. C. K. UeBcr das Gewicht der Ausrüstung, die die Soldaten in den verschiedenen Heeren zu tragen haben, gibt die Minerva einen interessanten Vergleich. Am schwersten ist der russische Infanterist belastet, der ein Gewicht von über 59 Pfund tragen muß. Ihm folgt der Italiener mit rund 58 Pfund. Der deutsche Infanterist trägt 55 Pfund, der Oesterreicher 53 und der Franzose 52 Pfund. Am leichtesten ist die Ausrüstung des englischen Soldaten, die nur 50 Pfund Beträgt. In Bezug auf die M ar s chs chne lli g keit Behaupten die Jta- Rätsel. Trag ich dich stark auf meinem Rücken, Wirst ferne Länder du erblicken. Rim setz ein Zwillingspaar in meine Mitte ein, Und unentbehrlich werd ich dir gar oftmals fein. Gießen. A n g. M u h l. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des Rätsels in voriger Nummer: Rettig, Gitter. ' Redaktion: P. Witiko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.