M8 u! i Samstag oen 5. Dezemver W ■asw ■< i lii'i Herr Lecoq. Kriminal-Roman von E. Gaboriau. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) BiS zur Erledigung der mancherlei noch erforderlichen Förm- lichkeiten sollte der Baron heimlich in die von Marianne bewohnte Borderie gebracht werden. Er mar in der Dachkammer des Bauernhauses sehr schlecht aufgehoben, und sein Zustand war immer noch recht bedenklich, in der Borderie aber war ein mit allem Luxus vornehmer Leute eingerichtetes Wohn- und Schlafzimmer vorhanden. Der frühere Besitzer hatte einmal gehofft, hast Marianne seine Frau werden Böititie und hatte sie mit allen Bequemlich- leiten umgeben wollen, an die sie einst als Tochter des Schioßherrn Lacheneur getvöhnt gewesen war. Maurice d'EScorval eilte mit mir wieder über die Grenz« zurück. Endlich hoffte er daS Glück au der Seite seiner schönen jungen Fron zu finden. Boll Hoffnung betrat er die Borderie, er eilt die Treppe zum ersten Stockwerk hinauf und findet Marianne entseelt auf dem Bette liegen! Sie hatte den alten Bawn d'Escorval in der Nacht erwartet; einige Sachen, die er zu seiner Bequemlichkeit brauchte, waren schon vomusgeschickt worden, desgleichen der Arznei lasten seines Pflegers, des Abbö Midon. Als der Abbö kam, um nachzusehen, ob alles für die Aufnahme des Kranken in Ordnung wäre, fand er Marianne tot in einem Lehnsessel sitzen. An ihrem schmerzverzogenen Gesicht, an den starren Gliedern, erkannte er sofort, daß sie vergiftet fein mußte. Auf dem Tisch stand ein leeres Fläschchen, das Strychnin enthalten hatte. , . ., W§s mar da vorgegangen? War eZ denkoar, daß die schone junge Frau sich selbst das Leben genommen hatte? Sie hatte -mar viel Schweres durchgemacht, aber gerade jetzt war ia das Ungemach überstanden, sie erwartete nach langer Trennung ihren ^Cn 90>erÄ wär es denkbar, daß man sie etwa mit Gewalt gezwungen hatte, das Gift zu sich zu nehmen? Das Zimmer wrcs keine Spuren von Kampf auf. Man mußte ihr das Gift heimlich eingegebcn haben. Aber >ver war in die Borderie emgedrungen 'Noch mehr! Es fand sich, wenige Schritte von der Tur der Borderie entfernt, eine große Blutlache, und eine Blutspur war deutlich auf dem Erdboden zu verfolgen. Der verwundete Mensch mußte sich mühsam auf alle» Vieren enrlanggeschnppt haben. Mail folgte der Spur — sie führie zn Chupins Hütte. Der alte Wilddieb lag mit einem furchtbaren Messerstich '»der Seite tot in einem Winkel der Sttibe. Seine Frau mtb Kinder waren dabei, mit Hacke und Grabscheit den Lehmboden aufzuwuhlcn, sie suchten das Blutgeld, das er für die Gefangeuiiahme des alten Lacheneur erhalten hatte. Wer war Chupins Mörder? Auch das hat man Nicht genau erfahreii. Man glaubte ailfangs, Jean Lachermur habe die Tat vollbracht; dann erfuhr nran aber später, daß lener Balstmn, dem Chu Pin znvorgekonrmen war, sich gerühint hatte, c Y endlich den bei der heiligen Jungfrau geleisteten Schwur cm'M und brauche nun nicht mehr mit den Fingern zu essen. Unmittel- bar darauf war Balstmn verschwunden, und man hat ihn niemals! wieder gesehen. lieber den Tod der schönen Marianne ist nieinals der lvahi» Sachverhalt bekannt geworden. Noch viele Jahre lang aber sprach das Volk in jener Gegend von dem Geheimnis der Borderie. Und was wurde aus Jean Lach-eneur? fragte Lecoq. Kurz nach dem Tode seiner Schwester wurde auf den Mav- quis de Courtomieux, als er einen Spaziergang im Walde machte, ein Schuß abgefeuert. ES wurde zwar nur sein Hut von b« Kugel getvoffen, aber der alte Lierr verlor vor Schreck den Bev- stand uiid starb nicht lange daraus in völliger GeisteSumnachttm^ Einige Monate nach' dem Attentat stützte der alte Herzog de Saiv- mcuse auf einem Spazierritt in einen Abgrund. Man sagte, es set ein Unglückssall, aber es wurde doch vielerlei gemunkelt. Soviel ist sicher, daß nach dem Tode der beiden vornehmen Zerre« Jean Lacheneur plötzlich aus der Gegend verschwand. Man sagte, er sei wieder unter die Komödianten gegangen. Marquis Martial war durch den Tod seines Vaters Herzog geworden; er hatte sich seiner von ihm verlassenen jungen Gemahlin wieder genähert, und sie zogen zusammen nach Paris. Ich habe sie oft in ihrer prachtvollen Equipage über die Esplanade des Invalides fahre« sehen. . , -Zer alte Korporal hatte seine lange Erzählung geendet. Sems beiden Zuhöver saßen nachdenklich schweigend auf ihren Stühlen. Man konnte ihren Gesichtern ansehen, wie sehr das Gehörte sie beschäftigte. Endlich sagte Lecoq zum alten Tabaret: Kann ufy Sie auf einen Augenblick unter vier Augen spreckM k Gewiß, mein Junge; komm mit in die Bibliothek, da sind rott ungestört. Als sie in dem Bücherzimmer waren, fuhr er fort. Nun, mein braver Lecoq, was willst du tun? Witts sch tun will? Das Geheimnis der Borderie heraus- hriugen! Da liegt.der Schlüssel zu allent anderen, lind darum will ich wir durch Herrn Segmüller sofort Urlaub auswirke» lassen und noch heute abend nach Mvntaiguac und Schloß Sato- meuse abreisen. Ich habe geschworen, Mai sein Geheimnis zu entveißen, und ich werde es haben! Billigen Sie nicyt auch meinen Entschluß, Papa Tirauclair? Gewiß, mein Sohn. Du kannst mchtS Besseres tun; ja, du mußt es sogar tun! Aber vor allem, laß dir einen Rat gebeut Sei vorsichtig! . . „ . Lecoq nickte. Aber als er sich mit einem kräftigen Hande- druck und einem kurzen Dank voll Herrn Tabaret verabschiedet hatte und nun der Tür zuschritt, da blähten seine Nasenflügel sich auf, wie die eines Spürhundes, der eine schon verlöre«« Fährte wieder aufgefunden hat. 44. Kapitel. An demselben Bormittag, an welchem Sero» in Baba Tirau- clairs Wohnung der Erzählung des Korporals Bavois »»hörte, betrat der Herzog von Sairmeuse das Boudoir seiner Gemahls Die Herzogin empfing ihn, anf einer Chaiselongue ausgestreckl. mit einem stummen Kopfnicken, ohne eine Miene ihres blassen Gesichtes zu verziehen. Ich habe mit Ihnen zu sprechen, Madame, begann er in kaltem Ton, nachdem er sich aus einen Sessel niedergelassen hatte. Oh, ich bin sehr leidend! murmelte sie mit schwacher Stimme. Ich weiß es — aber es mutz sein! Blanche, das Geheim-- »ris ten Marianne Lacheneurs Tod droht sich aus der Vergangenheit zu erheben. Sie — müssen etwas davon wissen. Ich beschwöre Sie, seien Sie offen gegen mich, damit ich alles tun kann, nm wenigstens die Ehre unseres Namens zu retten! Mein Gott, was soll ich Ihnen sagen; ich weiß gar nichts. Dlanche, Sie sagen die Unwahrheit. Aber ich weiß schon KU Diel, deshalb müssen Sie offen gegen mich sein. Glauben Sie mir, ich weiß ganz genau, welche Frage Sie in diesen letzten zwei Monaten, während ich in der Einzelzelle als Artist Mai gt» sangen saß, sich fortwährend vorgelegt haben. Sie haben sich gefragt: Wie kam Martial in die Spelunke der Wittoe Chupin? In her Tat. . . flüsterte die Herzogin. Nun ja, und ich will Ihnen jetzt diese Frage beanttrwrten: Ich hatte Sie ein paar Wochen vorher in einem ganz einfachen Anzug aus unserer Straße Herauskimmen und in einen Fiaker steigen sehen. Ich kehrte gerade von meinem Morgenspazierritt zurück. Sie schienen mir verstört und in großer Eile zu sein; daher folgte ich Ihnen. Sie können sich denken, daß ich erstaunt war, als ich Ihren Wagen auf freiem Felde halten And Sie in ein Haus von höchst verdächtigem Aussehen eintreten sah, und zwar mit so schnellen Schritten und ohne jedes Zögern, daß Ihnen diesig Haus sffenbar von früher her bekannt sein mußte. Ich stieg vom Pferde, um mir die Schenke Näher anKuschen unb gab die Zügel einem Bummler zu halten, der da herumlungerte. Ich ging um das Haus herum, aber ich konnte nichts entdecken, was mir Aufschluß gegeben hätte. Es zu betreten, toöre natürlich das beste Mittel gewesen, nichts zu erfahren; man . hätte mir selbstverständlich irgend eine AuSrede dorgehalten, eine Wvtzltätigkitsgeschichte oder dergleichen. Ich ritt also nach Hause. ?lb« ich sandte Otto auf Erkundigungen aus; schon nach wenigen Stuntum kam er zurück und meldete mir: die Spelunke da draußen wird von der Witwe eines Sohnes jenes elenden Chupin aus Dorf Sairmeuse gehalten. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: die Züge des Bummlers, der mir mein Pferd gehalten hatte, waren mir gleich bekannt v-orgekommen; jetzt wußte ich, es war Jean Lacheueur. Von diesem Augenblick an 6«6e ich Sie auf Schritt und Tritt Kevbachten lassen. Oh, ich denke, ich hatte wohl ein Recht dazu; denn wo die beiden Namen Chupin und Lacheueur ins Spiel kamen, da mußte Gefahr für unser Haus vorhanden sein. Jeder Brief, der an Sie ankam, wurde von Otto geöffnet und von mir gelesen, ehe er Ihnen zu gestellt wurde. So erfuhr ich, daß Sie am Abend des Faschingstzmntags um zehn Uhr in die „Pfefferbüchse" Kimmen sollten. Sofort stand mein Entschluß fest; ich mutzte ihnen folgen, und natürlich konnte dies nur unter einer Verkleidung geschehen. Und nun, Madame, da Sie überführt find, mit den Chupins And wahrscheinlich auch mit Lacheueur in irgend einer Verbindung zu stehen, wollen Sie noch immer leugnen, daß Sie etwas von, Mariannes Ermordung wissen? Ja, ich leugne es, ich weiß nichts, gar nichts. Der Herzog war von seinem Stuhl aufgesprungen und ging -mit großen Schritten im Zimmer auf und ab. Dann blieb er vor seiner Gemahlin stehen und sagte, jedes Wort scharf betonend: Nun, Madame, fo muß ich Ihnen eine andere Frage stellen: löte verhalt es sich mit dem Kinde, das Sie hatten, ehe Sie «meine Fran wurden? Wie von einem Peitschenhieb getroffen, fuhr die Herzogin vvn ihrem Lager auf. Ihre bleichen Wangen waren dunkelrot geworden, ihre Augen schleuderten Blitze. Augenscheinlich suchte sie in furchtbarster Aufregung nach Worten, aber sie vermochte nur ein heiseres „Ach!" hervorzu stoßen. Vielleicht möchten Sie auch dies ableugnen, fuhr der Herzog fort, aber ich habe einen Beweis. Sehen Sie dies Papier hier; e® ist die Rechnung eines Privatdetektivs und lautet: Nachforschungen nach dem Kinde der Mm. de SairM.... Kosten für das dritte Quartal 18 . . 7000 Franken. Nun? Sie fragen vielleicht, wie ich zu diesem Papier komme. Sehr einfach: es war natürlich notwendig, Ihre Schatulle zu Untersuchen, nm hinter das Geheimnis zu Kimmen, das Sie vor mir verbargen. Ich hätte sie mit Nachschlüsseln öffnen lassen, über Sie haben mir die Mühe erspart: an dem Tage, als ich mit Ihnen üb« Ihren Besuch in der „Pfefferbüchse" sprechen wollte i— denn anfangs hatte ich die Absicht, ganz offen und im Ein verständnis mit Ihnen vorzugehen — da sand ich den SchlAssel in Ihrer Kassette stecken. Ich durchflog die Papiere und fand dieses, das mich natürlich im höchsten Grade interessierte. Nun, Madame, Sie werden meine Neugier wohl begreiflich finden; ich wünsch einige nähere Auskunft über dieses Kind! Bitte, nicht diesen spöttischen Ton! rief die Herzogin. Ja, ich habe ein Kind fachen lassen, viele Jahve tag. sogar, ab« es war nicht das meinige. Nicht? Und wessen Kind war es denn? Es gehörte Marianne Lacheneur. Ah! rief der Herzog ungläubig. Ja, oder wenn Sie lieb« wollen: Marianne d'Esrvrval, denn sie war die kirchlich angetraute Gattin des jungen Maurice d'Es-- corval. , D« Herzog war bleich geworden. Und woher wissen Sie das? Sie ganz allein? Und toie kommt es, daß Sie dieses Kind suchen ließen, dessen Dat« doch lebt, und was mehr ist, dessen Bat« mein Todfeind ist? Ich hatte ein Gelöbnis zu erfüllen, das ich einer Sterbenden . . . Im selben Augenblick erkannte die Herzogin, daß sie zu viel gesagt hatte. Ader das Wort war nicht mehr ungesprochen zu machen: sie schlug die Stabe vvrs Gesicht, sank auf die Chaise- longne nieder und sagte leise: Ja, ich hab's getan. Marianne . . .? Sic nickte stumm. Ich hatte es geahnt, sagte der Herzog mit lautlos« Stimme. Ja, ich hab's getan. Und Io ist es denn endlich heraus, dieses Geständnis, das jahrzehntelang auf mir gelastet hat. Ja, ick) tat's, ab« ich war wie rasend, nach dem Schimpf, den Sie an nns«em Hochzeitstage mir angetan hatten. Ich glaubte. Sie verließen mich, weil Sie fDZarianite liebten. Ich glaubte, Sie ständen mit ihr in Verbindung, als sie plötzlich wieder in der Gegerch «schien und sich in der Borderie niederließ. Ich wollte! mich an ihr rächen, vor allem aber wollte ich Gewißheit haben, ob Marianne Ihre Geliebte wäre. Ich machte den erbärmlichen! Menschen, den Chupin, zu meinem Spion. Er nahni mein Geld, ab« er bediente mich schlecht. Ich «fuhr von anderer Seite, daß Sie mit Marianne eine Zusammenkunft in der Nähe der Borderi« gehabt hätten, (Fortsetzung folgt.) vom St. Niklas. Am 6. Dezember ist der Tag des Heilige» NikblaiiZ, des frommen Bischofs von Myra, der noch heute als guter und gestrenger Kinderfreund, als Vorbote des weihnachtlichen Segens von Hans zu Haus zieht. Die Lebende «zählt, daß der wohl- tätige Bischof, b« ein Zeitgenosse Konstantins des Großen war, einst ztver Knaben einsegnen sollte, die von fernher zu seinem! Sitz wallsahrteten. Unterwegs aber wurden sie von einem ungetreuen Wirt «mordet und ihrer Habe beraubt. Durch eine Vision ward dem, Bischof die Freveltat kundgetan; er wandte sich betend an Gott, und durch des Allmächtigen Hilfe mürben die Ermordeten wieder lebendig. Seitdem gilt der Heilige Nikolaus als d« Kleinen liebster Gesell, und er wird dargestellt inmitten ein« Schar von frohen Kindern. Das lichte Bild des guten Bischofs hat nun freilich im deutschen Vullsglauben manche Wandlung erfahren. Altgermanischer Dämonenglaube formte seine christlich friedevolle Gestalt um und in ihm regte sich der sprunghafte Geist der heidnisch düsteren Wintergeist«, mit denen unsere Vorfahren die dunklen Sturrnesnächte bevölkerten. In mannigfachen Formen und unter mannigfachen Namen schreitet so St. Nikolaus durch das Volks- und Kinderleben. Als Niklas kommt er gar prächtig daher in seiner alten Würde, als Bischof angetan! mit Bischofsstab und Mitra. Sein Reitti« ist ein Schimmet ober ein weißer Esel, für den die Kind« .Hafer und Heu ober eine Mohrrübe in die Schuhe tun. Auch sonst ist er wohl ein lang- bärtig«, weißhaariger Greis, der einen großen Korb unten» Arm und ein Bündel Ruten in der Hand hat und am Niklas- Abend, dem 6. Dezember, von seinem Gefolge auf hölzernem Pferd durch die dunklen Sttaßen gezogen wird. Die Schul« wählten früher zum St. Niklas-Tag aus ihr« Zahl einen Bischof und zwei Dia ko ne, die sie im fei«lichen Geleit in die Kirche $um Gottesdienst führten. Danach wurde Geld eingesammelt, die „Bifchofsstcuer". In Wien hat sich im „Niccolo" die ehrwürdige BischosSgeftalt besonders gut «halten. Die Figuren, die Dort ihm als Spielwaren im Umlauf sind, zeigen den Heiligen, der irt feinem BischofSmantel und der mit Glasperlen besetzten Mitral gar vornehm dreinschaut. Alle Derbheit des VolKgeistes ist auf seinen Diener übergegangen, den Krampus, d« die Ruten für die unartigen Kind« trägt. Solch strafende Begleiter hat Nikolaus, wie Rudolf Reichhardt in seinem Buche „Die deutschen Feste in Sitte und Brauch" bemerk, auch in Deutschland gefunden, de» „Hans Trappt' im Elsaß, „Hans Muff" am Niederrhein, den 763 ^Klaubauf" itt Deutsch-Tirol und bett „Rmnpmtz" in Böhmen. Doch nicht selten überninrmt auch Niklas selbst die Rolle des Lindersänecks, die sonst seine Diener in gräßlicher Teuselsmaske, in Bvcksgestatt, mit klirrenden Ketten und ellenlangen Ruten fetteten. In der Umgegend von Fulda überwiegt in seinem Aus- tehcn noch daS Gw teste, das Grausig«; er hat einen langen Weißen Talar an, einen riesigen altmodischen Hut, einen langen jcluoarzen Bart und eine Kuhglocke, die er unaufhörlich ertönen küßt. Im Böhm-ertvald jedoch hat er sich ein Kopfkissen als riesige Mühe aufs Haupt gedrückt, das Gesicht dick mit Mehl beschmiert, ein Leichentuch als Geistergewand und eine riesige Nute. Noch schlimmer ist der Nuhtias oder Polterklas, der in rauhe Felle eingehüllt ist und gar wild tut, der Buhe graul itnb Pelze« märte mit seiner entsetzlich hohen Mütze und dem ungeheuren Sack, in den er die Kinder steckt. Die Sitte des Beschenkens der Kinder am St. Nitelaus-Äbend ist uralt. So heißt es schon im Solbergschen Rats-Jahrbuche vom Jahre 1515: „Der Gräfin Kn Händen am St. Nikolaus-Abend sieben Paar Messer, Taschen und Pfesserkuchen, 15 Gr. 4 Pf.; für Bilder, Reuter und anderes Rarrenwerk 5 Gr. 4 Pf." Anschaulich schildert Abraham a Santa Clara das strenge Verhör, das St. Klatts mit den Kindern anstellt, bevor er seine süßen Gaben, die Aepfel, Nüsse und Hutzeln, daö schöne Backwerk in mancherlei bestimmten Formen, das „Niko- lausgebäck", die Schiffchen aus Marzipan u. die Spielsachen verteilt, fragt der Nicola: „Wie sich die Kinder das Jahr hindurch erhalten haben? Ob sie gern beten? Den Eltern u. Präceptarubus gehorsam sein? Ob zum Exempel der Hänserl uni> der Paul nicht zu faul? Ob der Fränzerl nu-d Jgnazerl kein schlimmes Frazerl? Ob der Michel und Six vielleicht gelernt nix? Ob die Eatherl gern bei dem Rädert? Ob die Sabindl ^ern bei der Spindl? Ob die Liserl und Thereserl nicht etiva zwei junge Eserln? Dist alles fragt der Rieola." Die lärmenden UmMgc deS Niklas, das Geschrei und das Freudenjanchtzen, das sein Erscheinen itt den Kinderstuben begleitete, der sanze ausgelassene Spuk, der sich dabei entfaltete, boten der Kirche und Regierung bald ein Arrgernis, und man schritt mit Verordnungen gegen die Feier des NtklastageS ein, in item so viel altheidnische Vergangenheit tvieder auflebte. Ein Dekret des Herzogs Gustav Adolf von Mecklenburg von 1682 verbot, daß „dem gemeinen Brauch nach allerlei vermummte Personen unter dem Namen des Thristkindleins, Nicolai auf den Gassen u mb Harlan sscn, in die Häuser entweder mittig eingrrusfen Werden, oder sich such in dieselben hincindringen, weil solches ,,in Kockfinsterem HeDentum den Urftmrng feit". Der Laubanrr Prediger Äartinus Bofemus eiferte gegen di« Beschenkung der Kinder ernt Niklas tage; eS sei ein böser Brauch, daß die Eltern den Kindern etrotufc aufs 93«tt legen und sagen, «S hab« dies der heil. Nikolaus beschert, „weil dadurch die Kinder xum Heiligen geiviesen werden, da wir doch wissen, daß nicht St. Nikolaus, sondern das heilige Christkindlein uns alles Gutes an Leib und der Seelen bescheeret, welches wir auch allein darumb anrufen sollen." Besonder« wandte Man sich dann in der Zeit der Aufklärung gegen dieses „Belügen" feer Kinder, gegen diese „elenden Geschichten vom Helden Clauß, die der Aberglaube in dem verdorbenen Gehirn der Ammen und Wärterinnen gezeuget unb die Vernunft und Mühe wieder in Nichts