Donnerstag den 5. März 1908 gCTfflTiil s5w ZST^ gg&M W ■MW KIM Kelmuih vsn Lonlen. Roman von Ursula Zöge von Manteuffel. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Lohsen hatte das ganz fassungslose Mädchen aufgehoben und zum Sofa geführt. Hiev lehnte sie in den Kissen und weinte in die vorgehaltenen Hände. Er schenkte ein Glas Wasser ein und hielt es ihr an die Lippen. „Bitte, trink' doch! Ich habe dich erschreckt. Tas wollte ich nicht. Ich hätte bedenken sollen, wie zart und erregbar du bist." „Ach, laß! Wenn ich jetzt sterbe, so sterbe ich vor Glück! — Besseres könnt' ich mir nicht wünschen. Bist du's nun wirklich — wirklich? Ja, du bist's!" ' Eine Weile sah sie ihn aus brennenden Augen unverwandt an, als könnte sie es noch nicht fassen, daß er hier leibhaftig! neben ihr saß — aber plötzlich wich diese Ekstase ebenso leidenschaftlicher Abivehr. Sie zog ihr Kleid zusammen, stieß seine Hand zurück und drückte sich in die äußerste Ecke des Sofas. „Geh!" flüsterte sie hastig, „ich darf dich ja nicht Wiedersehen. Ich hab's geschworen!" Er legte beschwichtigend die Hand auf ihren Arm'. „Werde doch ruhig," bat er. Me aber drückte beide Hände vors Gesicht, wandte sich heftig ttb und lag so, über die Seitenlehne des Sofas gebeugt, in krampfhaftem Schluchzen. „Fort! Fort! Sieh nM nicht an. Wenn ich deine Augen sehe, breche ich mein' Gelöbnis — und ich will nicht :— ich will nicht! Vergiß die Schwäche, die mich dir zu Füßen warf — vergiß mich — wie ich dich —" schrie sie auf — „vergessen will, vergessen will ich!" Er schwieg und gab sich alle Mühe, ihr nicht zu zeigen, wie entsetzlich ihm ihre hysterische Aufregung war, dies Zucken und Zittern und das Maßlose in ihrem Gebaren. In dieser Umgebung, da alles an ihren Beruf mahnte, die halboffenen Koffer, aus denen Kleider, Federn, Bänder zu quellen schienen, die beiden hohen Ständer dort am Spiegeltisch, von denen blondgelockte Perücken wallten, dies über eine Stuhllehne geworfene, altfran- tzösische Kostüm und nicht zum mindesten ein aufdringlich süßes Parfüm — hier erschien sie ihm eben einfach theatralisch, und das um so mehr, als ihm ihre Aufregung unverständlich war. Jetzt sprach sie leise, in atemloser Hast, vornübergeneigt und beide Hände an die Stirn pressend: „Siehst du, Loys, — es ist so. Tu warst mein Leben und ich —• war dir nichts. Tu hast mich geliebt — eine kurze Zeit — und dann bist du gegangen und hast mich vergessen. In deinem Leben war kein Mum für mich. Aber immerhin, „ ich war so stolz auf meine Liebe zu dir. Da hörte ich vor einem halben Jahr, du ständest in« Begriff zu heiraten. Ich schrieb dir. Tu hast mir nie geantwortet —■ — du hattest ja schon meinen vorletzten Brief unbeantwortet gelassen. Nun begriff ich, weshalb. Tu warst an eine Frau gebunden, du liebtest eine, die deinen Namen tragen sollte und das Recht hatte, mich zu verachten. Tiefe Erkenntnis traf Mich mit furchtbarer Gewalt •— oh, wen» du nachfühlest könntest, was ich da durchgemacht habe. Nicht nur, daß alles aus war, für immer — nein, mit einem' Schlage zerriß die Illusion meiner stolzen Freiheit und ich mußte es erfahren, iuiti das schmeckt, im Schönsten, was das Leben mir geboten, in meinet! Liebe zu dir, Schmach und Fehl zu sehen! — Loys, auf der Erde habe ich gelegen und mich gekrümmt wir der getretene $8urnt, im rasenden Schmerz dieser Erkenntnis.... aber ich sage nichts mehr von dieser Stunde. Allmählich wurde ich ruhiger, . der Wahnsinn wich — aber die bittere Hefe blieb. Durch einejst Zufall kam mir einige Monate später die Gewißheit, daß du »och frei warst. In der Straßenbahn hörte ich deinen Namen« nennen. Man sprach davon, du werdest Brautführer sein bei einer im Herbst stattzuhabenden Hochzeit, man sprach den Wunsch aus, dich auch bald verlobt zu sehen. Also warst du es noch nicht und Momentan versetzte mich di« Gewißheit in einen Freudenrausch. Doch bald kau« die Vernunft, das schrecklich klare, erbarmungslos« Uebcrlegen ivieder. Ich hatte einmal der Wahrheit ins Auge geblickt und erkannt, daß ich zu den Verlorenen zählte, ich konnte meinen Blick vor der Zukunft nicht länger verschließen: Heuttz warst bit nicht nicht, was Mich auf ewig erniedrigen wird —i aber morgen kannst du es schon sein, Gatte einer anderen! —' Und da schwor ich mir — und den Schwur halte ich, daß ich aufa hören wolle, dich zu lieben, und nie wieder, nie! — mich mit einem Wort in dein Leben drängen wolle, und sollte dich selbst ein Zufall in meinen Lebensweg führen und das Wiedersehen! deine tote Liebe wieder anfachen . . . Also geh', verlaß mich!"- Ta war cs wieder, das große Mitleid mit diesem armen) exaltierten Geschöpf, jene Rührung, welche einst die Brücke zur Liebe geworden lvar. Wird es zum« zweitenmal so ausklingcn? Sollte er wirklich imstande sein, noch einmal für sie zu fühlen) was er einst für sie gefühlt? „Arme, gemarterte Seele!" — sagtzk er weich. „Tas bin ich, und du bist's, der mich martert mit dciistr' Stimme — bis zum Wahnsinn! — Geh!" „Höre mich doch an, Luise — ich habe ja noch gar nicht ge-, spwchrn. Sieh mir doch in die Augen, gib mir die Hand." Sie wich noch wilder zurück, grade wie damals am Fluß, mit diesem todunglücklichen, starren Augen und denr kreideweißest Gesicht. „Ich will nicht hören, nicht sehen. . . geh!" „Luise, ich kam, um dir meine Hand und meinen Namen attt zutragen. Was hast du mir darauf zu sagen?" „Du — mir?" . . . ein bitteres Auflachen „so kamst du also, nm mich zu verhöhnen!" „Ich kam, nut dich zu fragen, ob du der Bühne entsagen unbi mich heiraten willst," er fand den Ton weicher Herzlichkeit —- „liebe Luise, lvas ich eben sage, hätte ich längst sagen sollen." Ganz fahl war ihr blasses Gesicht, er hätte davor erschreckest können, hatte ihn diese hoffnungslose Unmöglichkeit, . an seine Worte zu glauben, nicht so gejammert. „Tn — willst —" sagte sie tonlos — „du willst" — sie reckte sich in die Höhe, steif und ganz automatenhaft, als richie sie sich an seinen« Blick empor, aber kaum stand sie, so lvarf sie sich auch schon auf die Knie und erhob die gefalteten Hände; — 146 sehe ihr fctyr Ähnlich. Plötzlich steht mir beider Bild Wiede« so lebhaft vor Augen — so etwas ivic milde Versöhnlichkeit kommt über mich. Jetzt eben, an diesem meinem Ehrentage!, vermag ich alle Bitterkeit zu löschen, die ich gegen jene nährte, dm mich bedruckten iinb mißverstanden. Tas dank' ich dir — last dir danken!" Er sah sie forschend an. „Und trugst du selber feine Schuld?" „Ich? Was tat ich ihnen? Ich ging ja!" „Du hast ihrer nicht wieder gedacht?" „So ich's vermeiden konnte, nein! Lohs, hatte ich das gesollt? .... und dann, was hätte es mit genützt.... wäre ich auch wieder heimgekehrt, lügen hätte ich nicht können, und wie elneit Hund hatte c r mich von der Schwelle des Elternhauses getagt — schönendem! Glück. , So saß sie eine Viertelstunde neben ihm, hielt seine Hand, ließ, ihn kaum zu Worte kommen, und turmhoch gingen die Wellen der frohen Erregung. Sie besprachen zuerst die Möglichkeit ihres Abganges vom! Theater. _ Bis zum neuen Jahr war sw der Berliner Bühne iioch verpflichtet. , „Als meine Verlobte darfst du die Bühne nicht wieder bc- Stielen/' fdßte ei'. „Ich will aueh nicht .... nie mehr. Aber wie cs anfangen? Wenn ich kontraktbrüchig werde —" „Tas laß meine Sorge sein. Das. auszuglerchen, dafür bm ljch jetzt da." „ r, . „Tn wolltest? Aber was frage ich noch.... du kannst ia alles! Oh, das Leben vor mir — das Leben an deiner Seite ! Mann werden wir es beginnen, Loys, Geliebter? Wann?" „Wohl auch schwerlich vor dem neuen Jahr." Sie stutzte ein wenig. „Wesm du mich frei machst — warum nicht eher?" , „Dn vergißt, daß ich noch kein „freier Mann" bist;". er sah zu Boden -— „nm die Schauspielerin zu heiraten, muß ich den Abschied nehmen." „Ach!" — sagte sie betroffen und nachdenklich. „Hast du das nicht gewußt?" L .. „Doch — doch. Ich habe nur eben nicht daran gedacht . . . Md jetzt hat der Gedanke so etwas Ueberwältigeiides!" „Wie meinst bit das?" „Nicht wahr," fragte sie statt der NutSvort, „letzt Hadder Gedanks etwas für dich, was dir mißfällt. Nicht Ivahr? «ngs Mr, ich bitte dich." „Tas wünschst du zu hören? Nun Svohl, es ist so. .. „Oh, mein Himmel!" — rief sie, ihre kleinen Hande ube-r seiner Schulter faltend, ihr Gesicht ganz nahe an dem seinen, „das macht mich nun wieher von neuem glücklich. Tu bringst tnir ein Opfer, nicht wahr? Es macht mich so stolz, cs hebt mich in meinen Augen. Tu gibst deine Laufbahn aus um meinetwillen. Lohs, Loys, das Lebetl wird so licht, so sonnig für uns beide — sticht wahr?" , . . Damit hatte sie diese Angelegenheit abgetan, nnb er,- in dem die frischen Wunden noch bluteten, rührte ivahrlich nicht wieder dran. „Und was wirst du nun tun, Geliebter? „Ich werde wahrscheinlich eilt Gut kaufen in Pommern oder Ostpreußen." r, ' „Ein Gut! Ein Schloß! Las; cs schpn und prächtig sein, Loys, — loder nein, laß es eine Hütte sein in der Einöde, ich will hir beweisen, daß ich mit dir überall glücklich bin." Er sagte nichts dazu, und auch sie saß, mit geröteten Löangen stnd halbgeöffneten Lippen da und sann ernenn beseligenden Traum stach. Endlich sagte sie: „ „Meine Phantasie hat schnelle Schwingen — unser Leben male ich mir aus, ich, Luise von Loysen —! — Weißt du, wenn ich das bin — es erscheint nur noch so märchenhaft — dann schreibe ich einmal an meine Eltern. Ich, Frau Luise von Loysen, lade sie ein, mich zu besuchen. . . hast du etwas dagegen, Loys?" — sie lachte liebenswürdig. „Im Gegenteil, ich Wunsche, daß es geschieht." „Ach, du ernsthafter Mann! — Tn weißt ja noch gar iiichts von Meiner Familie. Ich will dir jetzt, wo mir Groll undenkbar ist, von denen neben, die ich verließ und die mich verdammten. Mein Vater ist Geistlicher. Hättest du das gedacht? — Auf einer Landpfarre. Meine Mutter ist eine überaus talentvolle, musikalisch Kochbegabtee Frau, die Tochter eines Organisten von Ruf. Ich „Loys! — du wolltest! — Mich — die ich doch nur ein Unkraut war an deinem Wege! . . ." Er riß sie fast rauh empor: „Knie nicht vor mir, Luise! Wie kannst du! — Antworte tzÄr. Willst du meine Frau werden?" „Ich will! Ja! Ich will!" „Armes Herz — siehst du, so machen wir's noch gut. Tcs- halb bin ich gekommen .... und wenn cs dich glücklich macht, ist wein Zweck erfüllt." Sie weinte an seinem Halse und konnte nur unzusammen- hängende Worte sprechen. Er begriff ihre Erregung und ihre Fassungslosigkeit und wartete geduldtg, bis sich bet 'M lener Ucbcrgang von tiefster Verzweiflung zu strahlendster Glückseligkeit vollzogen batte, den cr so gut kaunte, und der bet ihr m so kurzer Zeit cintrat. Wie dunkle, drohende Wolken plötzlich zerreißen und entschwinden und die eben noch graue, reizlose -.and.chaft in Licht gebadet kaum wieder zu erkennen dalicgt, so bewirkte auch die Metamorphose bei ihr eine völlige Veränderung. Farbe kehrte in ihre Wangen zurück, ein Blitzen und Funkeln in die Augen, die Mausezähnchen schimmerten zwischen den rcizend gewölbten Lippen, die ganze Erscheinung ward getragen von vermein Bruder." > „Jetzt wirst du Friede mit ihnen machen. , „Liegt dir so viel daran? — Geliebter — morgen schreibe ich an meine Mutter!" t „ ... ... Es war ihm unmöglich, ihr eben zu sagen, daß ihre JJcuttei seit drei Jahren tot war. Mag sie schreiben, so wird ihr von dort die Nachricht zukommen, und dann ist es sein Ayit, ihr ein Trostwort zu sagen. Bis dahin muß er auch darüber schweigen, daß er iihr Vaterhaus kennt. Mag sie heute ungetrübt glücklich fern . . . „Wie lange bleibst du noch hier?" — fragte er. „Ich sollte morgen noch einmal anftvetm — es wird nicht geschehen, aber ick) muß den Tag noch hier bleiben, lind du. „Ich fahre mit dem ersten Zuge nach Berlin zurück. Laß ich hiev war, darf nicht bekannt werden. Ich sehe dich also in Berlin wieder. Frau Jahn! Ihrer besonderen Obhut empfehle ich auch ferner meine Braut." ' (Fortsetzung folgt.) Die Gießener Bürgergaröe. (Zum 6. März.) (Originalbeitrag der „Gieß. Fam.-Blätter".) Eine dritte französische Revolution, die Februarrevvlu ioit des Jahres 1848, hatte den Thron des Königs Loms Philipp gestürzt und Frankreich aufs neue mit einer Republik b^luckt. Ter Eindruck der französischen Revolution verbreitete Blitzesschnelle Lurch Teutschland und ermiuttgte auch hwr Radikale und Republikaner zu kühnem Vorgehen. Unter der Wirkungder sranMischen Ereignisse kam es in Süddeutschland, in Baden, Württemberg und Hessen, zu.erregtest..Volksszenen. beit ctften. Tfioeit des März traten in Hessen Manner aiw allen Lttanoen Li- sammen, um ihre Wünsche vor dem Thron ihres pursten anzubringen. Tie Bestrebungen des Volkes waren gerichtet auf Aufhebung der Zensur, Gewährung der P"ßfiei- b e i t auf E r r i cd tu n g von Sch m urgert ch te n ,. Berufung einüs deutschen Parlaments und Gründung e i n e r V o l k s b e w a f f n u n g. Nicht alle Regierungen gingen bereitwillig auf die vorgebrachten Wünsche ein, und es kam in manchen Staaten, wie in Bayern und Kurhessen zu tumultuartschen: Austritten, so daß ben Landesherren die Forderungen d«s Volkes aewissermaßen abgezwungen wurden. Hessen war einer der elften Staaten der den zeitgemäßen Volksbe^trebungen entgegenkam. Durch das Edikt vom 6. Mürz sagte Erbgroscherzog Ludwig (spatere I Ludwig HL) als Mitregent die Gewährung der Bitten, die, wie cs heißt, „in d:r gegenwärtigen kritischen Lage zu Unserer Kenntnis gekommen sind", seinen Untertanen zu. Tie landesherrliche Zusage bedurfte natürlich noch der Bestätigung seitensi der Stande, was jedoch nur eine formelle ^rage war, wodurch die vorläufige Inkraftsetzung der bewilligten Freiheiten nicht gehindert rourbe. Änter diesem. Gesichtspunkte hatte sich auch ut Gießen, bevor die Errichtung einer Bürgerwehr amtlich empfohlen wurde., in den ersten Tagen des März eine Bürger gar de gebildet. Bereits am 6. März tagte das „Komitee der vorläufig gebildeten Bürgergarbe" zwecks Gründung eines Generalrates, dem die Aufgabe zusiel, sofort das Reglement für das Korps zu entwerfen. Zur Beschlußfassung über die Vorlagen hmsichtlich der Organisation eines General r ates wurde vvm Obersten Vogt auf Sonntag, den 12. März eine allgemeine Versammlung der Bürgergardisten nnf den Platz vor der Aula emberufesi Gleich- zeitig wurde der Wachdienst ut der Weise geregelt, daß leben Abend um 8 Uhr 2 Rotten, abwechselnd in den verschiedenes Ist Kompagnien, unter dem Befehle esnes Leutnants die Wache bezr ge>. Am H3. März beschäftigte man sich.schon mit der Anschaffung von Kompagniefahnen ussd einer Korpsfahne,, und es »Ede dabet an den „patriotischen Sinn" der Bewohnerinnen Gießens. appeme" Sie wurden öffentlich anfgcfordcrt, etwaige Spenden ist ben bet Buchhändler Ricker und Kaususann E. Ferber aufliegenden Liften eisizuzeichnen. Auch war bereits die Gründung einer Vurger- garden-Kapelle in die Wege geleitet ___< Tie Bestimmung und Verpflichtung der Burgergarde fottle darin bestehen, wie die Statuten besagest „daß sie als zu i künfti g er Tei l der all geme tn en Vo l ksb e w a f fNung I für die Freiheit des Vaterlandes «iust^ehe, di« 1 öffentliche Sicherheit und die gesetzliche Ordnung! 147 aufte wenden; man solle geeignete Leute als Polizeidiener anstelle». „In einer Stadt, iuo bekannt ist, daß zwischen jedem Haus ein Abtritt schivebt, «velche überall Miststätten und unreine Straßen hat, kann sich die Bürgergarde nicht nur die Gesundheitspflege kümmern; sie kann auch «licht dafür sorgen, daß die Leute das richtige Gewicht an Brot erhalten." Gegen das Eingesandt Verwahrte fich der Kreisrat Prinz. Tie Bürgergarde sei 'von der Behörde bezüglich ihrer Lokaltätigkeit aufgefaßt worden als ein Organ zur Aufrechterhaltung öffentlicher Ruhe und Ordnung, wenn dieselbe eine Störung erleide. Ihre Dienstleistung nur die öffentliche und Privatsicherheit, zu wel- cher sich übrigens bei nächtlicher Patrouille gar oft Gelegenheit darböte, fei stets nur als eine freiwillige, höchst dankens- wcrte angesehen worden. Jeder, der den Pvlizeidienst kenne, werde zugeben müssen, daß mit vier Polizeidienern nach ,er- müdendem Tagesdienst eine geordnete nächtliche Patrouille unb Aufsicht _in einer ausgedehnten Stadt unmöglich zu führeir sei. Ohne die Stadt mit neue» drückenden Ausgaben zu belasten, sei es nicht möglich, zahlreiche und wirksamere Organe für beit Polizeidienst zu schaffen. Tie Tätigkeit der Bürgergarde wurde beständig der öffentlichen Kritik unterzogen. Tas Publikum rügte, sie sei oft nachts nicht da, wo sie sei» solle. So habe sie, tote ei» Kritiker in der Tageszeitung bemängelt, i» der Rächt vom 21./22. Juni einer Gesellschaft junger Leute (Handwerker) vor beni Hanse des Herrn Kaufmann Böhl» und des Herrn Uhrmachers Schmitt den Vortrag eines „recht schönen Männergesanges" (Ständchen) Verwiesen, während eine Viertelstunde später keine Bürgergarde zur Stelle gewesen wäre, um das wüste Geschrei verschiedener junger Leute, die sogar am Rathause, an der Hauptwache, vor- beigezogen wären, zu verhindern. „Jedenfalls wäre zu wünschen, wenn künftig ein besseres Billigkeitsgefühl die bewaffnete Patrouille bei Aufrechterhaltung der nächtlichen Ruhe leite." Tie oberste Leitung der Bürgergarde übernahm der Genera trat. Derselbe setzte sich zusammen aus dem Obersten der Garde, dein Bürgermeister und acht aus dem Korps gewühlten Mitgliedern. Die Wahl geschah durch Abstimmung mettelst Stimmzettels seitens aller Bürgergardisten. Präsident des Generalrats war anfangs Oberst, Professor Karl AÄgt, später Gymnasialprofessor Tr. Sotdan. .Es walteten innerhalb der BArgergarde Meinungsverschiedenheiten, ob ein Oberst nötig sei oder nicht, eilte Frage, die nach dem Ausscheiden des Obersten Wogt, der sich politisch mehr beteiligte, akut geworden war. Auf einen Antrag der Kvmpagnie Bardeleben hin. war allen Hauptleuten die Frage vorgelegt worden, ob die Wahl eines Obersten ferner ausgesetzt bleiben, und das Provisorium von dem Oberstleutnant, Büchsenmacher Großmann, weitergeführt werden solle. Nach mehrmonatlichem Provisorium einigte man fich und wählte zum Obersten der Bürgergarde den P o st m e i st e r Schön. Ter Eintritt in die Bürgergarde war ein freiwilliger; doch wird in beit verschiedenen Aufforderungen und Bekannt- machungen betont, daß es Ehrenpflicht eines jeden Bürgers fei, sich zu beteiligen. Immerhin gab es manchen, der fick) aus Bequemlichkeit dieser Pflicht entzog und lieber die Mühe des Wachens und des Dienstes auf die Schultern anderer wälzte. Freilich zog er sich dadurch die Mißbilligung der öffentlichen Meinung zu. Ter Eintritt in die Bürgergarde stand jedem nn- hescholtenen Gießener Einwohner nach zurückgelegtem 17. bis 50. Lebensjahre zu. Später konnte- der Eintritt erst nach zurückgelegtem 21. Lebensjahre erfolgen. Tie Mannschaften waren eingeteilt in Kompagnien, diese wieder in Rotten. Tie Korps zählten anfangs 9, später 10 Kompagnien in einer Stärke von, 800—1000 Man». Die Führung der Kvmvaanie übernahm ein Hauptmann, dem einige Leutnants untergeordnet waren. Jeder Hauptmann hatte in seiner Kompagnie die näm- rlche» Befugnisse, wie der Oberst im Korps. Jeder Offizier trug einen Dchleppsäbel, die Unteroffiziere kurze Seitengewehre. Unteroffiziere und Gardisten sollten französische Musketen tragen. Sammelplätze der einzelnen Kompagnien waren am W a l l - tor, vor der -rabakfabrik von G. Noll, in der Neustadt nm Prontenadenhaus, am Selters weg vor der Klinik, am Ü,ß?ttenweg am Bufch'schen Garten. Tie Schießübungen sollten wocheutuch zweimal aus dem Hardthvfe stattfinden; die Exer- Zierübungen wurden ans benii Trieb vvrgenommeu. Die Gardisten trugen eilte weiß-rote Armbinde, die Rottenführer eine Armbinde mit Rosette, die Leutnants eine einfache Armbinde uitö eilte Schärpe um den Leib, die Hauptleute nur eine Schrrpe. Tie Uniform bestand aus einem grünen Kittel und einer Mütze mit Kokarde. Dem Korps waren außerdem zwei Abteilungen Reiterei zugeteilt. Bei dem in Aussicht gestellten Besuch des Erbgroßherzogs wollte Hw Bürgergarde eine Ehrenwache stellen, und wurden deshalb die Gardisten, „welche schon mit der Handhabung des Gewehrs vertraut sind", zu einer llebung aus Mittwoch, den 29. März, nachmittags 4 Uhr, im Kascrneühos eingeladen. Tis Ausrüstung mit Gewehre» scheint sehr laiigsam vv» statten ge- gangen zn fein; den» aM 17. August macht der Bürgermeister Reiber bekannt, daß dieStadtkasse die Kosten der Anschaffung der Gewehre einstweilen vorlegen wolle. Um ans Beschleunigung der nötig befundenen Bewaffnung der Bürgergarde hinzuwirken, seien 600 Gewehre bestellt worden. Sollte der Empfänger den Kostenbetrag nicht auf einmal entrichten Wunen, so sei bei Uebergabe des Gewehres eine Anzahlung von 1 ft zu leisten, der Rest in monat- ltchen Abzahlungen von je 30 Kreuzern zu entrichten. Zur Anschaltung von Gewehren für unbemittelte Bürger seien die dafür gesammelten freiwilligen Gahxn bestimmt. Auf die ergangene Aufforderung waren zu diesem Zwecke bis zum 18. August: 803 ft, 5914 Kr. eingegange». Bei Errichtung der Bürgergarde lvar vorgesehen, daß jede! Kompagnie eine Fahne mit den hessischen Farben (rot-weiß) erhalte» solle. Sie Fahnen sollten die Nummern der Kompagnie, umgeben von einem Eichenkranz, trage». Außerdem war be- absichtigt die Anschaffung einer Gesamts ahne: schwarz, rot, gold, die in der rechten Ecke das hessische Wappen mit einem G führen sollte. Tie Beschaffung der Gesamtfahne verzögerte sich bis zum 17. September. Tiefe Fahne mußte gestickt werde» und erforderte die tätige Mitwirkung der Gießener Tarnen. Mit der Stickarbeit sollte gleich nach Pfingsten, am 16. Juni, begonnen, werden. Zu reger Beteiligung wurde durch einen besonderen Aufruf aufgesordert, der von 20 Tarnen unterzeichnet war. Zn näherer Auskunft erklärte» sich in de» einzelnen Bezirken bereit: am Walltor: Marie Faber, Christiane Grieb, Philippine Habe-? nicht, Antoinette Knorr, Marie Rühl; auf dem Selters Wege: Julie Balser, Elise Georg, Katharine Pimber, Auguste Rumpf, Cawliue Silbereise»; ans demi Neuenweg: Susanne Busch, Josephine von Grolmann, Marie Herbert, Pauline Münch, Minna Welcker; in der Neustadt: Marie Ferber, Minna Gail, Christine Loos, Luise Mittler, Marie Pistor. Die Abrechnung über die eingegangenen Gaben . zur Gesamt-, sahne ergab eine Einnahme von 536 fl. 50 KL., der eilte Ausgabe von 494 ft 19 Kr. gegenüberstand. Ter llebcrfchutz von 42 fl. 31 Kr. wurde dem Obersten der Wirgergarde, Post- meister Schön, „zum Zweck nützlicher Verwendung für das In-, ftitut der Bürgergarde" übergeben. , Tie Uebergabe und Einweihung der Fahne fand Sonntag den 17. September statt. Tas Hrogramnt sah Folgendes vor: Morgens 5 Uhr große Tag-Reveille. 10 Uhr Generalmarsch IO1/2 Uhr Appell sämtlicher Kompagnien und Aufstellung in Parade vor der Aula. Uebergabe der Fahne. Empfangnahme derselben unter dem Geläute aller Glocken, Festlied, vorgetragen von dem Sängerbund. Große Parade und Defilieren mit der Fahne vor den Stinten. Festzug durch die Hauptstraße». Ablieferung der Fahne in der Wohnung des Kommandanten. Nachmittags 3 Uhr allgemeines Volksfest. Böllerschüsse. — Für Frauen und Jung-, frauen, die sich durch Beiträge oder Arbeiten an der Bürger- gardenfahne beteiligt hatten, wurde Sonntag, den 22. Oktober, 8 Uhr abends, im Saale des Bufch'schen Garten ein Ball gegeben. Tie Bürgergarde war ins Leben gerufen worden in der politisch-unruhigen Zeit des „Krawalliahres", um Eigentum und Personen vor Gewalttätigkeiten zu schützen. Ihr gehörten alle Bürger an ohne Unterschied der politischen Richtung, darunter auch viele Studenten und Gymnasiasten. Tie Bürgergarde war nicht intimer ihrer Aufgabe gewachsen, namentlich bei den Rnhe- störungen anfangs Juli, und so konnte sich in der Stadt das Gerücht verbreiten, als schwebte» Verhandlungen über Heranziehung von Militär von außen, um die hiesige Militärmacht zu verstärken. Der Großherzogliche Kreisrat erklärte in einer Bekanntnvachiiug am 6. Juli an den Stadtvorstand, daß ihm von einer derartigen Absicht der höchsten Staatsbehörde nichts bekannt sei. Trotzdem: lege tr dem Stadtvorstand die Notwendigkeit dar, daß die Bürgerschaft sich kräftig der Handhabung! der Ruhe und Ordnung annehme. Ter Kreisrat wagte offen zu erklären: „daß die Bürgergarde, ob aus Gründen mangelhafter Organisation und Disziplin oder aus anderen, ist mir unbekanitt. keinen genügenden Schutz zu gewähren vermag. Davon liefern die letzten Ereignisse am 2. ds. Mts. einen nicht rrfreulichett Beweis: denn wenn die stattgefundenen Ruhestörungen und Eigentumsbeschädigungen von abends 9 Uhr bis weit nach. Mitternacht fortdauern könne», ohne daß eine wirksame Ein- idjrcitung erfolgt, dann mag wohl mit vollem Grunde behaup- ;ct werden, daß jenes Institut in der Art, wie es jetzt tat- ächlich besteht, nicht ausreiche, turn die Ruhe zu sichern und Schutz für Person und Eigentum zu verleihen". Aber auch ohne diesen öffentlichen Tadel war die Bürgergarde seitens! 148 bev Publikums dein Spott und der Verhöhnung ausgesetzt. Es lag dies in der Art ihrer Organisation und der Frettvülrgkeit des Beitritts, sowie in der Verschiedenheit der Altersklassen. Sie mußte äußerlich vor dem geschulten Militär abstechen. Tw Disziplin litt unter der persönlichen Bekanntschaft. Wenn auch die nötige Achtung dem Vorgesetzten gegenüber m den Statuten empfohlen wurde, so blieb doch das Verhältnis des Vorgesetzten zu dem Untergebenen ein vertrauliches, ein -Verhältnis lute da» zwischen jenem bai-erischen Hauptinann und seinen Untergebenen, der seinem Vorgesetzten im kritischen Augenblick zu sagen wagte. „Herr Hauptmann,' mer wolle Kehrt machen. Mit dem 1. November wurde durch Verordnung bie ttn Edikt vvin 6. März angekündigte Einrichtung einer gesetzlichen Bürg erwehr bestimmt, „da den seither bestehenden Vereinigungen feste Gestaltung und förmliche Anerkennung ab- ginge, sie daher nicht ben Zweck einer geordneten Bewaffnung erreichen konnte". Zwecks Überleitung der bestehenden Burger- garde zur Bürgerwehr wurde bestimmt: „Mir die Biirgerwehr, welche sich schon gebildet hat, kann die Anmeldung durch Ueberceichung einer Bestandsttste von Seiten des dernmligen Oberanführers stattfinden, welche die Wirkung persönlicher Er- klürimg des Einzelnen hat." Ein^ Vewrdnung des Großherzog- lichen Ministeriums des Innern vom 4. November bestimmt: „In den Garnisonsorten ist der Kvnlmandaiit der Garnpon von jedem Ausrücken der Bürgerwehr zu beitachrwstigen Zur Zu- famnicnbernfung der Bürgergarde mittelst der Trommel oder de^ Signallwrns dürfen die Signale nicht gegeben werden, welche für das im Orte befindliche Militär vorgeschrieben Und. Um den Plan einer Verbrüderung der Bürgerwehren von Gießen, Lich, Butzbach, Marburg, Wetzlar zu bewerkstelligen, wurde auf Sonntag, deti 26. November, eine Zusammenkunst nach Gießen VcmbTcbet. Tie Bürgerwc h r ist gegen das Ende des Jahres 1848 selten in Tätigkeit getreten. Es lag dazu fctum eine Veranlassung vor. Ruhig sah man dein Schlüsse des Jahres entgegen:. man harrte der Tinge, die der Völkerfrühling des Jahres 1849 bringen werde. -e-. Vermischtes. * Der menschliche Fuß als Greiforgan. Im tvürttembergischen anthropologischen Verein zeigte Geh. Rat Dr. v. Bälz, daß der menschliche Fuß, ähnlich wie die Hand, ursprünglich eilte Fähigkeit zum Greifen hat und heute noch, wenn diese Anlage nicht durch naturwidriges Schuhwerk ertötet wird, sie ausbilden kann.- Die bei uns- geltende Ansicht, daß der menschliche Fuß lediglich als Stütz- und Gehorgan dienen solle und daß eine etwa vereinzelt sich äußernde Fähigkeit zum Greifen ein Atavismus sei, ist die Folge einer auf die europäischen Völker beschränkten Betrachtungsweise. Bei andern Völkern ist diese Fähigkeit noch vielfach ausgebildet. Bedingt ist sie durch weiteres Abstehen und Kürze der großen Zehe, sowie Hebung gewisser Muskeln, die bei uns fast nur noch rudimentären Charakter haben. Der Fuß hat dann größere Aehnlichkeit mit der Hand. Diese Fußform findet sich vielfach bei den arbeitenden Klassen in Japan und besonders in Tongking. Die Chinesen nannten daher bezeichnend bei ihrer Eroberung Tongkings vor 4000 Jahren die dortigen Bewohner „Gabelzeher". Indessen ist die Anlage auch bei Europäern an sich vorhanden und kann auch da zu bedeutender Kraft und Geschicklichkeit entwickelt werden. Das zeigen nicht nur Ausnahmefälle von armlosen Menschen, die mit den Füßen schreiben (der Historiker Prof. Lohmeher in Königsberg war so ein Armloser. Red.) malen oder Violine spielen, sondern zahlreiche Fälle von Europäerkindern, die in Japan nach dortiger Sitte barfuß aufwachsen. Bekanntlich zeigt auch der griechische Fuß noch einen Abstand zwischen der großen und der zweiten Zehe. Der Fuß erhält durch diese größere Beweglichkeit auch einen viel sicherem und festern Auftritt. Entwicklungsgeschichtlich schließt der Redner aus diesen Beobachtungen, daß der menschliche Fuß, dieses charakteristisch menschliche Organ, nicht ans dem Umweg über die Affenhinterhand entstanden ist, sondern daß etwa von einer gemeinsamen Form nach der einen Seite die Affenhand, nach der andern der menschliche Fuß sich entwickelt habe. * Eine Besteigung des G a u r i s a n k a r. Dr. T. G. Longstaff ist von seiner großen Expedition in das Himalaja-Gebirge mit seinen Genossen Major G. Bruce Und dem Sekretär des „Alpine Club", L. Mumm, nach London zurückgekehrt und erzählt, wie aus London gemeldet wird, folgendermaßen von seiner Gaurisankar-Be- steigung: „Mit uns waren zwei italienische und ein Schweizer Führer, ein eingeborener Offizier und acht Scharfschützen des 5. Regiments. Ursprünglich war es unsere Absicht, das Ziel unserer Reise, den Gipfel des Ganrisankar, von der tibetanischen Seite zu erreichen, doch es stellte sich heraus, daß dies deshalb nicht möglich war, weil die heimische Regierung jedem Reisenden das Heberschreiten der Grenze verboten hatte. Unser Platt wurde demzufolge dahin geändert, daß wir uns ent-, schlossen, nach Zentral-Himalaja zu gehen, nach Garhwak, unt von da nach dem Trisul vorzudringen. Nach Durch- schreitung des Nishi-Tales begannen wir den Aufstieg. Nach zwei Tagesmärschen längs des Gletscherkanals stiegen wir am 7. Juni die Schneeabhänge hinaus und erreichten noch am Abend desselben Tages eilte Höhe von 20 000 Fuß, Als nach drei Tagen keine Besserung des Wetters eintrat,- mußten wir, gezwungen durch die härtesten Entbehrungen, bis zu einer Höhe von 11600 Fuß absteigen. Am nächsten Morgen erreichten wir die Höhe unseres ehemaligen Lagerplatzes, doch rasteten wir erst in einer Höhe von 21000 Fuß. Je mehr wir uns der Spitze näherten, desto mehr versanken unter uns die Bergriesen, mit Ausnahme des Nanda Devi, dessen gewaltige Südabhänge wegen der Steil- heit eisfrei waren. Nach zehnstündigem Steigen erreichten wir den Gipfel. Der Ausblick, der sich mir bot, rst fast unbeschreiblich. Ich glaubte, in die Hnendlichkeic zu sehen. Tausende Fuß unter uns waren gegen Süden die bewaldeten Hügel von Kumaon, während sich gegen Westen der Horizont ins Hnendliche schob. . * Ein Brieswechsel zwischen Sch ule und Haus. „Sehr geöhrter H. Lehrer! Ich entschuldrge freundlichst meinen Sohn Max. Derselbigte rst krankheitshalber geschäftlich verhindert, nicht in der Schule zu kommen. Mrt Hochachtung A. B., Milchgeschäft." — „Herrn B. ersuche ich um die genaue Angabe des Grundes, ans welchem Max die Schule versäumt hat. Daß er krank war und deshalb! im Geschäft helfen mußte, ist doch nicht anzunehmen. A. M., Lehrer." — „Geöhrter Herr Lehrer! Wenn Sie so was nicht begreifen, das sieht doch ein Blinder, daß meine Frau krank war und mein Sohn Max deshalb ms Geschäft helfen mußte. Deun in Bett liegen mit nasse Hm- chläg auf den Kopf und Halsentzündung m die ^-uße nebst eine Wärmeflasche daran wegen Schüttelfrost, da kamt der Mensch nicht Hintern Ladentisch stehen und Mrlch verkaufen, und Butter zu billigsten Preisen und das hat mein Sohn Mar getan. Aber Frühstücksmilch austragen m die Häuser, da is die Lina gegangen, wo schon aus der Schule is, und wenn Sie das nich einsehen, da thun mich vor die Jungens leid, wo zu Ihnen in die Schule gehen, was sollen die woll lernen? Es grüßt ^huen nut Hochachtung A. B., Milchgeschäft, billiger wie jcber Konkurrent — Tatsächlich vorgekvmmen. Nur wollen die „Hess. Schulbl." mts Schonung den Namen des Orts nicht nennen* Goldene Worte. Lew Lasten dir das Leden auh so trage! , Das mehrt die Krait und läßt den Mißmut weichen, Ein sröhlich Herz ist echter Mannheit Zeichen,- Tein siechen Schwächling nur geziemt die Klage. * Götter ahnen, Götter dichten, Götter menschenähnlich bilden Ist die Kunst, mit der der Mensch sich langsam anierzicht vom Wilden Bis zum sieggekrönten Meister aller Mächte seiner Erde, , Daß dereinst er selbst Erstiller seines GöttertrauincS werde. Wilhelm Jordan. Rätsel. Mein würzig belebender Wohlgeschmack Erquickt dich nach manchem schweren Gelag. Doch lieft du mich von Hinten nach Vorn, Bin ich in Diebes Ang ein Dorn. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Ost, Rost, Trost. Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiadruckerei, R. Lange, Gießen.