M8 Zamstag deu 4. Inli Wb M Z i ■ John Darrows Tod. Roman von Melvin L. Severy. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Als wir mit Florence allein waren, sagte Maitland zu ihr: „Ich glaube, die Gefühle, die Herrn Osborns Bemerkung in Ihnen erregt hat, und Ihre Ueberzeugung von der Verkehrtheit seiner Ansicht zn verstehen. Das; die Beamten zu dieser Schluß- solgerung kommen würden, dachte ich mir ja im voraus, und ich weis; sehr genau, welche Mühe sie sich's kosten lassen werden, ihre Behauptung zu beweisen." „Kann man denn nichts dagegen tun?" fragte Florence mit bittendem Ausdruck. „Darüber gerade wollte ich mit Ihnen sprechen," versetzte er. „Wenn Sie mir so viel Vertrauen schenken wollen, die Sache in meine Hände zu legen, so werde ich alles tun, was in meiner Atacht steht, die Wahrheit zu ergründen — unter einer Bedingung," und er schaute dabei in ihr Gesicht, das nun infolge der lange fortgesetzten Selbstbeherrschung bleich und starr aussah. „Und welche Bedingung ist dies?" fragte sie schnell. „Das; Sie meiner Leitung folgen und mir gestatten, Ihre Bewegungen in jeder Beziehung zu lenken, so lange Sie den Fall in meinen Händen lassen; mißbrauche ich je Ihr Vertrauen, so steht cs Ihnen frei, mich abzudanken, als wäre ich nur ein bezahlter Detektiv." Florence schaute ihn prüfend an; dann streckte sie ihm ihre Hand entgegen und sagte lebhaft: „Sie sind sehr freundlich ; ich nehme Ihre Bedingung an. Was soll ich tun?" Ich suchte Maitlands Augen, um ihm einen Wink zu geben, was er ihr raten sollte, aber ein Mann, der jede Lage mit solcher Schärfe aufzufassen und jeden Umstand so gut zu benutzen weiß, wie er, findet den rechten Weg ohne Führer. „Erstens," sagte er, „müssen Sie mit dem Doktor nach seinem Hause gehen und die Nacht über bei seiner Schwester bleiben. Ich selbst werde hier die Nacht verbringen. Zweitens wünsche ich, daß Sie Ihr äußerstes tun, die Ereignisse dieses Abends aus Ihren Gedanken Zu verbannen. Sie können natürlich Ihren Verlust nur im Schlafe vergessen, Sie müssen aber nicht beständig die schreckliche Szene in Ihrer Vorstellung wieder lebendig werden lassen. Am Morgen wird dann der Doktor kommen und mir meinen photographischen Apparat, mein Mikroskop und einiges weitere, was ich brauche, mitbringen," — er händigte mir einen Zettel ein, ans dem er J>ie Gegenstände verzeichnet hatte. „Wenn Sie gut geschlafen haben, werden Sie uns sehr nützlich sein können und mögen mit ihm kommen, wo nicht, müssen Sie rühig noch dort bleiben." „Ich befinde mich augenblicklich in einem Zustande ziemlich hoher Spannung," sagte Florence, sich ruhig an Maitland wendend, „aber wenn ich allein bin, wird mir die Möglichkeit, ihr Ausdruck zu geben, die ich hier nicht hatte, Erleichterung verschaffen." Maitland warf ihr einen schnellen Blick zu, dann sagte er: „Es wird spät. Ich hoffe, Sie schlafen gut und kommen morgen früh mit dem Doktor her. Bitte, sagen Sie, ehe Sie gehen, der Dienerschaft, daß ich die ganze Nacht hier bleiben werde, und daß niemand ohne Erlaubnis hereinkommen soll. Gute Nacht!" Sie reichte ihm ihre Hand, ohne etwas zu er- widern; dann küßte sie.Inbrünstig die Lippen ihres Vaters, nnd wir verließen zusammen das Sterbezimmer. 4. Kapitel. Warum Maitland die Nacht bei Darrows Leichnani zubrachte, oder womit er sich bis zum Morgen beschäftigte, kann ich nicht sage;:. Vielleicht wollte er sich auf diese Weise vergewissern, daß alles unberührt blieb, cs kann aber auch sein, er wollte verhindern, daß Florence Totenwache hielt. Bei der großen Geschicklichkeit, die mein Freund entwickelte, alles aus dem Wege zu räumen, was Florence an den traurigen und geheimnisvollen Tod ihres Vaters erinnern konnte, war mir damals die zweite Ansicht wahrscheinlicher. Als wir 'in meinem Hause angekommen waren, nahm meine Schwester Alice' die erste Gelegenheit wahr, Florence zu einem Glase Wein zu nötigen, in das ich eine gute Dosis eines Be- ruhigungsmittels getan hatte. Bald löste sich die furchtbare Spannung, und ehe eine halbe Stunde vorüber war, schlief sie ruhig. Mir war vor dem Augenblick bange, wenn sie erwachen und die Erinnerung an all die schrecklichen Geschehnisse des vergangenen Tages wie eine Lawine aus sie herabstürzen würde. Ich sagte meiner Schwester, dies würde ein kritischer Zeitpunkt für Florence sein, sie solle bei ihr bleiben und ihr sogleich nach dein Aufstehen einen von mir bereiteten Trank reichen, der ihre Empfindlichkeit herabsetzen sollte. Ich selbst erhob mich beizeiten und ging in Maitlands Laboratorium, dort das Gewünschte zn holen. Als ich zurückkam, war Florence wach, und ihr Befinden lvar zu meiner lebhaften Befriedigung besser, als ich zu hoffen gewagt hatte. Es war schon recht spät, als wir das Darrvwsche Hans erreichten und Maitland war offenbar bereits mehrere Stunden tätig gewesen. Als Florence hercintrat, sah er sie scharf an und schien mit ihrem Aussehen recht zufrieden. „Sie sind meinen Weisungen gefolgt, wie ich sehe, nnd haben geschlafen," sagte er, während er ihr die Hand gab. „Ja," versetzte sie, „ich war sehr müde, und das Schlafmittel des Doktors hat mir gleich geholfen." Hierbei warf sie einen gespannten Blick auf ein Netzwerk von weißen Fäden, das Maitland über den Teppich gezogen hatte und das diesen wie eilt ungeheures Schachbrett in Vierecke teilte. In Erwiderung ihres fragenden Blickes sagte er: „Französische Detektivs sind die gründlichsten auf der Welt, und ich bin eben dabei, ihre beste Nntersuchungsmethode anzu- wenden. Alle diese von den sich schneidenden Fäden gebildeten Vierecke sind numeriert von eins bis zweihundertachtundachtzig, und jedes umfaßt einen Quadratfuß Teppich. Jedes dieser Vierecke werde ich mit dem Mikroskop untersuchen nnd alles irgend Nutzbare, was so gefunden wird, sorglich aufbewahren. Den Fundort trage ich genau auf diesem Plan ein, den ich mir gemacht habe und der ebensoviel Vierecke wie der Teppich enthält, so, daß jedem Viereck auf dem Teppich eines auf dem Plan hiev entspricht. Sie können sehen, das; ich Türen, Fenster und Möbel 410 schon eingetragen habe. Ist eine Waffe vorhanden, und befindet sie sich auf dem Boden, so seien Sie sicher, sie wird gefunden, und mag sie auch noch so winzig sein. Die Wände, insbesondere alle vorspringenden oder winkligen Teile, und die Möbel werde ich mit gleicher Genauigkeit untersuchen, obwohl ich jetzt noch einige weitere Gründe zu der Annahme habe, daß die Waffe nicht hier ist." „Haben Sie etwas Neues entdeckt?" rief Florence, die ihre Aufregung über Maitlands letzte Bemerkung nicht zu bemeistern vermochte. „Sie müssen mir verzeihen," erwiderte er, „wenn ich erst eine Frage an Sie und den Doktor richte, ehe ich Ihnen antworte." Sie nickte, und er fuhr fort: „Ich mochte wissen, ob Sie mir glauben, daß wir die Lösung des vorliegenden Problems mit größerer Wahrscheinlichkeit erreichen, wenn wir nur eigenem Urteil folgen, oder ob wir die Hüter des Gesetzes oder, sonst jemanden ins Vertrauen ziehen sollen. Sie haben ziveifellos. bemerkt, wie Herr Godin grundsätzlich alles für sich behielt. Polizeiliche Methoden, bei denen alles vorschnell über einen Stimm geschoren wird, — ganz abgesehen von kleinlichen persönlichen Reibereien und der Sucht, sich hervorzutun, — können unsere eigene Arbeit nur hindern und uns jedenfalls, denke ich, in keiner Weife fördern. Was sagen Sie?" „Daß wir auf eigene Hand vorgehen wollen," erwiderte Florenee schnell, und ich stimmte ihr bei. „Dann," fuhr Maitland fort, „will ich Ihnen auf Ihre Frage von vorhin Antwort geben. Ich habe in der Tat etwas festgestellt, das tvoljl auf unfern Fall Bezug hat. Sie werden sich erinnern, daß ein Teil des zur Erneuerung des Krocketgrundes bestimmten Sandes unter dem nach Osten gehenden Fenster dort lag. Ein paar Anstreicher sind, wie ich höre, gestern morgen mit dieser Seite des Hauses fertig geworden, ehe der Sand fortgebracht und ausgebveitet wurde, die Fußspuren, die sie also etwa während der Arbeit darin hinterlassen haben, waren getilgt. Es ist aber, wie Sie wissen, etwa fünf Zentimeter hoch loser Sand unter dem Fenster liegen geblieben. Diesen Sand habe ich sorglich untersucht — von Fußspuren war nichts zu finden." Ich warf einen Blick auf Florenee; sie preßte die Lippen zusammen, und ihr Gesicht war totenbleich. „Es fanden sich jedoch," fuhr er fort, „Stellen, wo der Sand glatt gestrichen war unter dem Drucke eines rechteckigen Brettes. Diese Stellen prüfte ich mit peinlichster Genauigkeit und kam mit Hilfe des Maßstabes und auf Grund besonderer, von der Beschaffenheit des .Holzes herrührender Eindrücke zu dem Ergebnis, daß die glatten Stellen von zwei kleinen Holzstücken herrührten, und nicht, wie ich zuerst gedacht hatte, nur von einem. Ich fand weiter, daß das Verhältnis dieser beiden Bretter zueinander sich immer gleich geblieben war, und daß, wenn das eine herumgedreht worden war, das andere eine gleiche Wendung erfahren hatte. Dieser letzte Punkt scheint mir höchst bedeutsam, denn wenn man dazu die Tatsache nimmt, daß -die Entfernung zwischen je zwei Eindrücken desselben Brettes sich fast gar nicht veränderte, und etwa eine Schrittlänge ausmachte, so konnte ich vernünftigerweise reicht mehr zweifeln, daß jemand diese Bretter an seinen Füßen getragen hatte. Sie konnten nicht bloß hingeworsen worden sein, um darauf zu treten, denn dann würde ihr gegenseitiges Verhältnis nicht so charakteristisch und beständig gleich gewesen sein — wahrscheinlich wäre von Wendungen überhaupt nichts zu merken gewesen — und sicher würden beide nicht immer zufällig zur selben Zeit gewendet worden sein. Ich verschaffte mir ein Brett von dem Umfang der beiden zusammen, die meiner Annahme nach die Eindrücke auf denr Sand gemacht haben, und belastete es, bis es bett Sand genau ebenso zrtsammendrückte, wie es nach meinen Beobachtungen die Bretter getan hatten. Das Gewicht betrug einhundertfünfunddreißig Pfund, das heißt so viel, wie etwa ein fünf Fuß fünf Zoll großer Mensch wiegt. „Ferner machte ich noch eine sehr wichtige Entdeckung, nach- bem ich die Eindrücke, je nachdem sie vom rechten oder linken Brett herrührten, in zwei Klassen geschiedett hatte: daß nämlich der Schritt beim Vorwärtssetzen des rechten Fußes drei bis vier Zoll länger war, als beim Ausschreiten mit dem linken Fuße. Gerade unter dem Fenster zeigte der Sand einen tiefen Eindruck. Ich machte einen Gipsabguß davon; hier ist er," sagte er und brachte den wohlgelungenen Abdruck einer geschlossenen Hand zum Vor- fchein. „Es unterliegt," fuhr er fort, „nach der Stelle des Ein- drucks kaum einem Zweifel, daß er entweder zufällig von einem Menschen gemacht worden ist, der sich vor dem Fenster bückte, plötzlich das Gleichgetvicht verlor und sich nur durch plötzliches Ans- strecken feiner Hand vor dem Falle bewahrte, oder — tvas mir weit wahrscheinlicher ist — daß die Hand absichtlich auf den Sand gestemmt worden ist, um ihren Besitzer bei der Ausführung irgend eines besonderen Handgriffs zu stützen." Hier unterbrach ich ihn mit der Frage, warum er die letztere Ansicht für richtiger halte. „Ans verschiedenen Gründen," versetzte er, „die mir diese Annahme fast als sicher erscheinen lassen. Fürs erste stammt der Eindruck von der linken Hand. Zweitens ist es der Abdruck einer geschlossenen Hand mit den oberen Finger- knöcheln ztt nnterst. Ist es Ihnen je vorgekomtnen, daß jemand sich vor dem Fallen dadurch bewahrte, daß er die Faust ausstreckte? Sicher nicht. Wer das Gleichgewicht verliert, ist niemals völlig frei von einer Angstempfindung, mag diese auch ganz gering sein. Dieses Gefühl bringt sich durch das Spreizen der Finger zum unwillkürlichen Ausdruck. Hierzu kommt noch die Lage des Eindrucks im Verhältnis zum Fenster unb eine kleine Spur auf dem Sims und am Glas, deren genaue Prüfung ich erst mittels meines Mikroskopes vornehmen kann. — Ich bin unablässig bei der Arbeit gewesen, doch das ist alles, was ich herausbringen konnte." „Alles!" rief Florenee und sah ihn mit unverhüllter Be- tvunderung an. „Mir scheint es recht viel zu sein. Die Peinlichkeit und Schärfe der Beobachtung sind unübertrefflich. Aber, sagen Sie, Haben Ihre Wahrnehmungen Sie zu irgend einem Schlüsse geführt?" „Nein," erwiderte er, „noch nicht. Ich muß mich hüten, mich an eine Theorie zu binden, solange der positive Tatbestand erst so lückenhaft festgestellt ist. Höchstens könnte ich als bloße Vermutung hinstellen, daß Ihr Vater in irgend einer geheimnisvollen Weise von einer Person ernwrdet wurde, die etwa fünf Fuß fünf Zoll groß ist, beiläufig hundertfünfunddreißig Pfund wiegt und ein lahmes oder ein etwas verkürztes Bein hat, jedenfalls aber an einem Gebrechen leidet, das eine Ungleichmäßigkeit der Schritte veranlaßt. Auch möchte ich annehmen, daß die Füße der Person irgend eine stark ausgeprägte Eigentümlichkeit aufweisen, woraus sich am besten erklären würde, daß wirkliche Fußspuren mit solcher Sorgfalt vermieden worden sind. Weiter fordert der Abdruck der Hand hier zu Mutmaßungen heraus. Die Finger lang, dünn und sein, außer an den Nägeln, wo sich, mit Ausnahme des kleinen Fingers, unzweifelhafte Spuren ton der Angewohnheit finden, die Nägel abzubeißen; aber sonderbar genug hat man den Nagel des kleinen Fingers geschont und ungewöhnlich lang wachsen lassen. Ich frage mich, warum gerade dieser Nagel so gut weggekommen ist, und kann nur antworten: „Weil er einem besonderen Zwecke dient". Offenbar haben wir hier keine Arbeiterhand; die Gelenke sind zn dünn, die Finger zu zart, das Hautgewebe, das man sehr.gut erkennen kann, viel zu fein, kurz und gut, würde das nicht jeder für eine Frauenbund hatten? Wäre es wirklich so, dann hätten wir auch Frauenfüße, die man natürlich verbergen wollte, wozu die Bretter sehr geeignet waren, — doch das ist alles nur Mutmaßung und darf uns zu keinerlei weiteren Schlußfolgerungen verleiten. Wenn Sie mich ein paar Augenblicke entschuldigen, so will ich mein Mikroskop ein wenig auf dem Sims des östlichen Fensters in Anwendung bringen, ehe wir von unseren Freunden, den Polizisten, in Anspruch genommen werden, die sicher bald hier sind." (Fortsetzung folgt.) Goethes Ahnen. In den letzten Jahren hat sich die Forschung mit großem Eifer der Untersuchung voir Goethes Abstammung zugewandt und aus der Aufhellung dieser Familien- beziehungen neue Erkenntnisse für die Entwicklungsgeschichte seines Genies zu gemimten gesucht. So hat besonders der Gießener ProfessorSommer in seiner Studie über Goethes Wetzlarer Verwandtschaft auf die große Aehnlichkeit zwischeir der Großntutter mütterlicherseits und dem Eickel hingemiesen und manche psychischen Eigenschaften des Dichters gerade aus der Familie dieser Großmutter, dem aus Fraitkfurt stammenden Geschlecht Lind- heimer, herzuleiten versucht. Auf breitester Gruttdlage entwirft nun die Ahnentafel Goethes Dr. Karl Kn et sch. Er hat besonders aus Kirchenbüchern und Archiven ein umfassendes Material zusammengetrageit und alle die ver- schiedeiten Verzweigungen der Familiett, deiteit Goethe entstammte, soweit es irgend möglich war, zusammettgetragen und in einer Anzahl Fainilieittafeltt ausgezeichnet. Doch nicht einmal die Ururgroßeltern Goethes sind alle bekannt; hier versagen bereits die Quellen über die väterliche Familie, der Goethe den Nanten verdankt. Eine Generation weiter kennen wir statt 32 Ahnen bereit nur noch 23, dann statt 64 nur noch 34, statt 128 nur 41 usw.; in einem Fall ist Dr. Knetsch indessen bis in die zwanzigste Generation vorgedrungen. Von einer großen Menge 411 Goethescher Vorfahren war dabei kaum mehr wie der Name und die nackten Lebensdaten zu erfahren, von vielen nicht einmal der Beruf, Und doch sind einige allgemeine Feststellungen, die der Verfasser über Goethes Ahnen macht, voii Interesse. Die Mehrzahl gehörte dem kleinbürgerlichen Stande an. Wir finden viele Handwerker unter seinen Ahnen. Schneider und Barchentweber, Schmiede und. Kannengießer, Bäcker und Metzger, auch Kürschner und Drechsler, dann Fischer, Hecker, Böttner und Bender, Bierbrauer und Weinwirte, Bartscherer und Balbierer, Müller imb Steinmetzen, Krämer und Handels- Herrn; aus der Menge heben sich ein Kupferstecher und zwei Maler hervor, Geistliche und Juristen in ziemlicher Zahl erscheinen neben Universitätsprofessoren, Lehrern, fürstlichen Verwaltungsbeamten, Kanzlern, Rentmeistern inld Kellnern, Ratsverwandte und Bürgermeister vieler Städte nnb kleiner Gemeinwesen finb vertreten, einige Kriegsmänner, zwei Aerzte, ein Jägermeister treten auf. Eine ganze Gruppe von Abelsfamilien, deren Namen nur in den Goetheschen Ahnenreihen antreffen, hat später ihren Platz inmitten des Adels gefunden. Roch heute blühen die von Eranach, v. Heydwolsf, v. Lucanus, die Freiherrn von Lyncker und v. Rotsmann (früher Rotzmaul), die v. Scheibler und die Wolff v. Todeuwarth, während die Schausuß und anscheinend auch die von Lindheim und Schröter wieder verschwunden sind. Besonders aber hebt Dr. Knetsch die uon ihm gemachte Entdeckung hervor, daß ein Tröpflein Blutes von Lucrns Cranach dem Aelteren oder voni^ kursächsischen Kanzler Gregorius Brück und seinem Sohn Christian, der 1567 ein ffo schauerliches Ende fand, in Goethes Adern rann. „Was würde der alte Olympier wohl dazu gesagt haben, wenn er's noch erfahren hättet" Männer von überragender Bedeutung finden sich unter Goethes Vorfahren nicht, wohl aber eine Menge von interessanten und wichtigen Persönlichkeiten. Unter den deutschen Landschaften, die durch ihre Söhne und Töchter zum Entstehen eines Goethe beigetragen haben, sind in fast gleicher Stärke drei dem ' Volkscharakter nach grundverschiedene Stämme beteiligt, die Thüringer, die Schwaben und die Hessen. Aus der gesegneten goldenen Aue stammt bte eigentliche Goethesche Sippe, nach dein jetzt württem- berqischen Ländchen Hohenlohe gehen durch bte Famme Textor und Walther zahlreiche Fäden zurück, und ms Hessische, zumal in unser Oberhessen, weisen die Ahnen der mütterlichen Großmutter Goethes, der Anna Margarete Lindheimer. Zunge, werde Premierminister oder Jockey! Ein berühmter „Jockey" zu sein, trägt in England dieser Persönlichkeit mehr in Pfund Sterling ein, als dem Prenner- minister des Landes seine Tätigkeit erwirbt. Der Erste Mi- nister der Krone erhält 100 000 Mk. im Jahre, der „Jockey ober — ich spreche natürlich nur von dem ersten in feinem Fache — läßt sich für die Ausübung seines Berufes das Dreifache bezahlen. Und dabei hat er doch mehr freie Zeit als so ein Kanzler und viel weniger Plage und Schererei! Aob Sloan z. B„ der berühmteste „Jockey" seit den Zeiten des verstorbenen Fred Archer, bekannte jüngst, daß er vor fünf Jahren 2 Millionen Mark (100000 Psd. St.) Vermögen besaß. Er stand damals auf der Höhe semes Ruhmes und war König unter den englischen Jockeys, obschon er der Geburt nach Äinerikaner war. Dank seiner unehrlichen Methode des Reitens aber brachte er es dahin, dag ihm vom „Jockey-Klub" jegliche Rennbahn gesperrt wurde, und heute findet er als Einreiter einen kargen Unterhalt. Was den Jockeys zweiter Güte ihr Geschäft wert ist,, beweisen die folgenden Zahlen, die maßgebend sind, denn sie entstammen den Hauptbüchern der Herren Weatherby, die als die offiziellen Buchhalter der englischen Sportwelt 42 Mk. für j.ebe Seite ihrer Buchhaltung berechnen dürfen. Mäher, em bekannter Jockey amerikanischer Abkunft, ritt 353 Pferde m einem Jahre und gewann mit 103. Er erhielt 10o Mk. für jeden Sieg und 63 Mk. für die übrigen Pferde; demnach hatte er ein bestimmtes Einkommen von 26 565 Mk. Madden, ein anderer Reiter zweiten Ranges, vereinnahmte 40 837 Mark. Tom Cannon, ein anderer berühmter Jockey, erhielt 300 000 Mk. (15 000 Pfd. St.) im voraus von dem verstorbenen Herrn Baird, und verpflichtete sich damit, Herrn Bairds Pferde zuerst drei Jahre hindurch zu reiten. Alles in allem gerechnet, kann man ruhig annehmeu, daß jeglicher dieser drei „Jockeys" annähernd 400 000 Mk. einheimste, denn mit dem vom „Jockey-Klub" festgelegten Reitgeldern von 105 Mk. für jeden Sieger und 63 Mk. für jedes Pferd überhaupt, ist es ja bei weitem nicht abgetan. Der Eigentümer des siegenden Pferdes vergißt, honoris causa, den Reiter nicht, und belohnt den letzteren gewöhnlich mit einer anständigen Summe, die nach den Wetteinnahmen, die ihm selbst zugefallen, berechnet wird. Daß der Eigentümer des Pferdes, mag es nun siegen oder nicht, bedeutende Auslagen hat, braucht kaum erwähnt zu werden. Es ist berechnet wor- deu, daß jegliches Pferd ihm auf 50 Mk. wöchentlich für soge- naniltes „Training Fees", d. h. Ausbildungskosten für das Rennen, allein zu stehen kommt, und in diese Summe sind die Eintrittsgelder und was darum und daran hängt, nicht einbegriffen. Es ist also klar, der Pferderennsport ist nur ein Sport für die Reichen. Daneben wird von dem „Spor- ting Gentleman" mehr noch als von dem privaten „Gentleman" erwartet, daß er mit seinem Gelbe nicht karge, besonders dem Manne gegenüber, dessen Kaltblütigkeit im Reiten sein Pferd zum Siege bringt. Er mutz, uoblesse oblige, dem Jockey ein anständiges Geldgeschenk machen, und daher ist, nach einem großen Siege, eine Belohnung von 20 000 Mark (1000 Pfd. St.) für den Reiter des Pferdes nichts Ungewöhnliches. In einem Falle schenkte der Eigentümer des siegenden Pferdes die ganze Summe seines Gewinnes, 40 000 Mk., dem Jockey und hinterlegte außerdem ein Kapital bei der Bank of England, ausreichend, um dem glücklichen Jockey für den Rest seines Lebens 20 Mk. wöchentlich an Zinsen zu sichern. Zu einem der berühmtesten Wettrennen gehört das Derby-Rennen — bekanntlich das erste aller erstklassigen Rennen Europas — vom Jahre 1867, denn während eines Verlaufs schneite es wie im Januar. Aber .gleicy- zeitig war dieses Rennen das letzte Kapitel eines Romans der feinen Aristokratie Englands, denn der Eigentümer des siegenden Pferdes brachte durch seinen Sieg den Mann zum Ruin, der ihm seine Geliebte abgewonnen. Der Mann hatte schwer gegen das Pferd seines Todfeindes gewettet, konnte nicht bezahlen und gab sich als echter „Gentleman selbst den Tod. Ersterer gewann nahezu 3 000000 Mk. durch den Sieg seines Pferdes und schenkte dem Reiter 60000 Mk. Die »es Wettrennen ivird aber heutzutage noch von den alten Herren, die es erlebten, mit der Begeisterung besprochen, die damals die ganze Nation ergriffen hatte, denn die ganze Nation wußte heimlich, daß bei dem Wettrennen nicht nur Pferd gegen Pferd, sondern auch Manu gegen Mann stritt. „And the best man won" war nachher der Eutscheid des Publikums. Zum Schluß noch ein Erlebnis des ^ockeys Fred Archer, des besten Reiters der achtziger Jahre. Eines Tages übergab ihm der Stationsvorsteher zu Newmarket ein Paket, für das aber 3.50 Mk. Porto zu erlegen waren. Archer sagte: „Daraus falle ich nicht herein. Da will mm jemand einen Schabernack spielen; das Paket enthalt nicht» und ich soll außerdem noch mein gutes Geld embußen Er verweigerte das Paket Tag nach Tag. Endlich bezahlte der Stationsvorsteher selbst die Unkosten, auf sein eigenes Risiko, wie ihm Archer lachend zurief, und siehe da! das Paket enthielt eine wertvolle, mit Gold ausgelegte Reitpeitsche, um die 40 Fünfpfuudbanknoten gewickelt waren, also 4000 Mk. in deutschem Selbe. Das Gesicht Archer» kann man sich vorstellen; aber, bis zu seinem traurigen $obe — er beging Selbstmord — hat er mernals feststellen können, wer es gewesen, der ihn so freigebig bedacht hat. Ver'mrschLcs. * Der K a in pf gegen das Trinkgeld. In ^England ivird gegenwärtig ein energischer Feldzug gegen das Xruugelö geführt, das besonders in London zu einer wahren Plage geworden ist. Das ganze Leben in der Oeffentlichkeit Pt durch diesen Uebelstand beeinträchtigt, und die Schuld tragen die Amerikaner, die jeden Sommer in Scharen über den x-zean kommen und bereit übertriebene Freigebigkeit die Ansprüche außerordentlich m die Höhe geschraubt hat. In den gvotzenJRestaurants des West- End ist der gewöhnliche Satz des Trinkgeldes schließlich auf 20/o gestiegen, und jeder Gast gilt für einen argen UNauser, ber etwa ein Diner für 80 Mk. eingenommen hat und nicht 20 Mk. als Trinkgeld auf den Tisch legt. Man erinnert sich dabei, 412 * Ein M is s io nar! mrt Zwiebelsoße. Ei» Missionar, bet von einem wilden König, dessen Bekehrung ihm nicht gelungen war, getötet werden sollte, war höchst überrascht, als der König ihm seinen Entschluß kund tat, ihn zu schonen. Er stellte nur die Bedingung, daß er sich auf sein Pferd setzen und einem anderen König ein versiegeltes Päckchen überbringen sollte. Frohen Mutes machte der Missionar sich auf den Weg. Unterwegs begegnete er einer Wteilung englischer Matrosen, die ihm zu Hilfe gesandt worden waren und verlangten, daß er sie sogleich an Bord ihres Schiffes begleiten sollte, was er mit der Erklärung ablehnte, daß er den ihm gewordenen Auftrag ausrichten wolle. Der die Kdlonne befehligende Offizier, dem die Sache nicht ganz geheuer schien, wollte davon nichts wissen, und bestand auf der Untersuchung des Päckchens, in welchem er eine Anzahl kleiner scharfer Zwiebeln nnd einen Zettel folgenden Inhalts fand: „Hiermit zubereitet, wird er prächtig schmecken." Für die Stille. , — Schleie mit saurem Rahm. Die in Stucke zerteilten Schleie werden mit wenig Wasser, Salz, einer Zwiebel und einem Stückchen Butter weich gedünstet, woraus man die Brühe mit etwas in Mehl gerollter Butter verdickt, Samt tut man geriebene Muskatnuß, Pfesser und einige Zitronenscheiben dazn, sowie einige Löffel saueren Rahm, läßt alles unter fortwährendem Rühren aufkochen und quirlt die Sauce jnit 1 bis 2 Eidotter ab und richtet sie über den Schleienstücken. Körperpflege. 7- Das Geheimnis, kräftig und frisch bleiben von $& Schmidt. Fritz Würzens Verlag, Dortmund. Preis 1 Mk. — Dieses Büchleiit empfiehlt dazu die altbewährte Hantel in verbesserter Form. Nach allgemeinen Regeln für das Turnen zu Hause überhaupt gibt das Büchlein, durch Illustrationen unterstützt, Anweisungen für eine Fülle von Hebungen, von den etilfachsten zu schwierigeren fortschreitend, die tn unserem nervösen Zeitalter dem schassenden Alter ein willkommenes Gleichgewicht gegen die Einseitigkeit des Berufs, der Heranwachsenden Jugend eine Quelle nützlicher Unterhaltung sein werden. Erziehung. — Kind hüte dich vor Fen r und Licht! Märchen und Erzählungen. Verlag von PH L. Jung, München. Preis 30 Pfg. Eine furchtbare Anklage gegen nachlässige Eltern erhebt die Braud- slatistik. Danach sind während der letzte» 5 Jahre überaus zahlreiche Brandiälle durch Kinder veranlaßt worden. Welche Unsummen des Nationalvermögens in 15 Jahren durch Kinder in Flammen aufgegangen sind, beweist die Statistik des Verbandes öffentlicher Feuerversicherungs-Austaltcn in Deutschland. Der zufolge sind 15 000 Schadenfeuer durch Kinder verursacht worden; es ist ein Schaden von 36% Millionen Mark dadurch entstanden. Es besteht daher Veranlassung, daraus aufmerksam zu machen, daß es gesetzlich verboten ist, Kindern Feuer, Licht oder leicht entzündliche Stosse anzuvertrauen. Zu letzteren gehören auch die als Kinderspielzeug beliebten bengalischen Zündhölzer, und ist daher deren Abgabe an Kinder, besonders auf dem Wege des Verkaufes strafbar. Auch in den Familien find Zündhölzer so zu verwahren, daß sie den Kindern nicht zugänglich sind. In Schulen und zuhause sollten die Kinder auf die Gefahren aufmerksam gemacht werden. Sehr wirksam sind warnende Erzählungen auf diesem Gebiete. PH. L. Jung, München hat nun dieses Büchlein herausgegeben. Hermine Proschko, Emmi Giehrl, B. Hertel, M. Maidors u. a. haben an dem Buche milgearbeitet. ES ist geeignet zur Massenverbreitung in den Schulen, Kinderhorten, Erziehungsanstalten re. Goldene Worte. Nachahnumg fremder Eigenschaften und Eigentümlichkeiten ist viel schimpflicher, als daZ Tragen fremder Kleider; denn es ist das Urteil der eigenen Wertlosigkeit von sich selbst ausgesprochen. » Schopenhauer. Erscheint irgend ein großer Mann, so könnt ihr ihn daran unfehlbar erkennen, daß sich alle Narren gegen ihn verbinden, Swift. Auch der Genuß des Schönsten mag mich nicht zu befriedigen, wenn ich ihn allein für mich haben soll. Gras A. v. Schack. Nätfel. Mit a erstands aus der Volksseele Grund, Mit e ivirds erteilt durch Priestermund, Mit ie tut es als Stadt sich dir kund. H e i n r i ch G r c b, Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: E l b e — E l b a. Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen. daß England schon einmal, int 18. Jahrhundert war es', eine ähnliche Krisis durchgemacht hat. Damals war der Trinkgelder-Nufug so ausgeartet, daß ein Mann von mittlerem Vermögen nicht mehr daran denken konnte, eine Einladung zum Soinmeraulent- halt bei Freunden anzunehmeu, weil dieser Luxus ihn ruinieren konnte; auch bei der eiufachsteu Einladung mußte er mit einer erstaunlich hohen Summe für Trinkgelder rechnen. War die stunde der Abreise gekommen, so sah der Gast in der Halle des Hauses alle Bediensteten vor sich aufmarschiereu. Der eine reichte ihm den Hut, ein zweiter die Handschuhe, ein dritter den Stock, ein vierter den Mantel, und so ging es fort, und jeder erwartete wenigstens eine Guinee als Lohn für seine Mühe. Man erzählt, daß ein vornehmer Herr, der auf diese Weise „bedient" worden war, merkte, daß er auch nicht einen Schilling mehr in der Tasche halte, als er zu dem letzten Lakaien kam, der ihm mit erwartungsvoller Miene feine Handschuhe darbot. So machte er denn mit der Hand ein abwehrendes Zeichen und sagte mit freundlichem Lächeln: „Sie können sie behalten, sie sind keine Guinee mehr wert." * Deutsch beim Fußballspiel. Außer. einer Ber- deutschungstafel für das Tennisspiel hat der Allgemeine Deutsche Sprachverein auch eine solche für das Fußballspiel Herstellen lassen. Die Verdeutschungen flammen von Professor Dr. K. Koch in Braunschweig, der diese Ergebnisse seiner schwierigen Arbeit be- ' reitwilligft zur Verfügung gestellt hat. Abgesehen davon, daß die Kochschen Verdeutschungen von zahlreichen Sachkennern geprüft und gebilligt tootiben sind, sich auch schon im Gebrauche bewährt haben, besitzen sie dadurch noch besonderes Gewicht, daß der Zentralausschuß zur Förderung der Volks-und Jugendspiele in Deutschland sie anerkannt und ihre Benutzung empfohlen hat. Die Tafel beruft sich ausdrücklich aus diese Tatsache, die deswegen bedeutungsvoll ist, weil der Ausschuß in Spielangelegenheiten im ganzen Deutschen Reiche großen Einfluß ausübt. Die von ihm herausge- gebeuen Schriften, besonders die Spielregeln sind maßgebend; die Lehrgänge, die er alljährlich an verschiedenen Orten zur Ausbildung von Spielleitern einrichtet, wirken bestimmend auf . die Gestaltung der Spiele in Schulen und auch sonst ein. Kurz, er hat sich zu einer Art Spielbehörde entwickelt, und seine An- vrdmmgen tragen gewissermaßen amtliches Gepräge. Der Deutsche ist aber geneigt, Dinge erst dann als vollgültig enznsehen, wenn sie amtlich abgestempelt iuorben sind, und so wird die Anerkennung der Kochschen Verdeutschungen durch den Zentralausschuß gewiß auch ihrer allgemeinen Einführung die Wege ebnen. Ein Wort noch über die Anbringung der Fußballtafel. Dadurch daß die Fußballspieler selten feste Plätze mit stehenbleibender Ausrüstung (Malstangen, Grenzpfähle) haben, ist die dauernde Anbringung der Tafel auf den Spielplätzen sehr erschwert. Sie müßte jedesmal besonders zum Spiele mit hinausgenommen werden. Das ist aber recht unbequem. Es empfiehlt sich daher für Schulen, je eine Tafel in jeder der Klassen auszuhängen, deren Schüler das Spiel betreiben, und für Vereine Erwachsener, sie im Vcreins- zummer anzubringen, wo sie zugleich einen, wenn auch nicht prunkvollen, so doch kennzeichnenden Wandschmuck bilden wird. Bei Wettspielen dürfte sie nie auf dem Spielplätze fehlen. * Ein Doktor, der sich für Geld küssen läßt. Man weiß, daß es Männer gibt, die, besonders auf Wohltätig- festen, einen schönen Batzen Geld opfern, um von irgend einer hübschen Dame geküßt zu werden; daß aber Frauen Gold und Silber springen lassen, um einen alten Herrn küssen zu dürfen, das ist bis jetzt 'wohl noch nicht dagewesen. Gegenstand solcher Müsse, die die Damen schwer bezahlen mußten, war jüngst in Kansas City, wo alljährlich der nationale Kongreß der amerikanischen Homöopathen stattfindet, Doktor Biggar. Jeder Küß kostete 400 Mk. Dr. Biggar ist ein ehrwürdiger Herr mit weißen Haaren. Er hatte bei dem Kongreß die Aufgabe übernommen, Gelder für die Propaganda der Homöopathie zu sammeln. Es gingen nur kleine Summen ein, aber der Doktor hatte eine groß- ariige Idee; er nahm eine 100 Dollarnote aus der Tasche und sagte, sich an die Damen wendend: „Ich eröffne die Subskription und erkläre, daß ich jeder Dame, die soviel zeichnen wird, ivie ich gezeichnet habe, einen Küß geben werde." Die Doktorin Mabel Spencer erhob sich sofort und sagte, daß sie, nur um den Kuß, zu bekommen, gleichfalls 100 Dollar zeichne. Dr. Biggar reichte ihr galant die Hand und drückte ihr unter dem Beifall der Menge einen Küß auf die Wange. Als zweite trat eine alte Dame mit grauen Haaren an den Doktor heran, zahlte und ließ sich glemstalls küssen. Als der Doktor sah, daß die Küsse auf die Wangen nicht so heiß begehrt waren, lote er erwartet hatte, kam chm eme neue lichtvolle Idee; er verkündete, daß er der nächsten Subskribentin nicht einen väterlichen Küß auf die Wange, son- dern einen feurigen Kuß auf die Lippen drücken loerbe. Ein haWes Nutzend Frauen war augenblicklich zur Subskription bereit und bekam die Quittung in Küßform. Weitere Kußfreundinnen folgten, und Dr. Biggar hatte in kurzer Zeit 20 000 Mk. bei« lammen. Als die Subskription geschlossen war, ging Dr. Biggar, tn seiner oreude über den Erfolg zu feiner Idee, geradewegs auf ute erste Subskribentin zu und küßte sie, ohne, daß sie sich sträubte, ein zweites Mal, diesmal aber gratis.