Donnerstag den q. Zuni 1908 LÖTf li i» ^WOWM mm WKW »WR .. r . WMZ WWW MW Wirket, so lange es Tag ist. Roman von Maximilian Böttcher., (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) In einem immerwährenden Schwanken zwischen Hoffen und 'Zweifeln, Glücklichsein und Verzagen brachte er die nächsten Wochen bin. Gegen Mitte Juli begann ihn Isabella von neuem mit unaufhörlichen Bitten um die Bekanntgabe ihrer Verlobung zu quälen. „Ich bin um deinetwillen schon zum Gespött der Leute geworden", murrte sie. „Man munkelt, daß du meine vor aller Augen klar zutage liegende Neigung nicht erwiderst; und es passt mir nicht, mich noch weiter in der scheinbaren Rolle eines tvcib- lichen Ritter Toggenburg belächeln zu lassen. Wenn du durchaus auf deinem Eigensinn beharrst, so must ich mein Betragen gegen dich ändern, so must ich zusehen, dast ich dem albernen Gerede auf andere Weise, als ich's gern möchte, die Nahrung entziehen kann." Und da Heinz auf seiner alten Bedingung bestand, dast Isabella sich noch bis zum nächsten Frühjahr, vielleicht auch noch länger, prüfen müsse, so änderte sie ihr Betragen gegen ihn so gründlich und plötzlich, dast er sich sagte: Was sie dir angab, kann nicht der wahre Grund sein; nichts Aeusterliches, nur ein ganz starker seelischer Antrieb ist imstande, einen so jähen Wechsel hervorzurufen. Isabella ging keinem Vergnügen mehr, aus dem Wege — den 'einen Tag fuhr sie auf Besuch, den nächsten Tag empfing sie Besuch —, und das Reiten und Jagen, das sie während der letzten beiden Monate ganz eingestellt hatte, nahm sie mit einer so begierigen Leidenschaft wieder auf, als lväre sie durch die selbstauferlegte kurze Askese völlig ausgehungert. Oft sprengte sie, umgeben von einem Trost eleganter Kavaliere, unter denen sich meist auch Herr von Bannemann befand, gerade um die Zeit vom Schlosthof, wenn Heinz seines Weges daherkam, Werner Stunde zu geben, und das Kopfnicken, mit dem sie seinen Grust 'erwiderte, liest alsdann an freundlicher Herablassung nichts zu wünschen übrig. Oder vom Lawntennisplatz her tönte ihr helles Lachen in die Stille des Studierstübchens, in dem er mit Werner bei der Arbeit säst; und cs entging ihm nicht, dast dieser ihn dann wohl mit einem verstohlenen Blick innigen Mitleids streifte. Natürlich sagte sie „infolge dringender gesellschaftlicher Verpflichtungen" auch wiederholt die übernommenen Stunden in der Abendschule ab; und daß Werner mehrmals an ihrer Statt kam, Werner, der sich in Anbetracht seines mit Riesenschritten heranrückendeu Examens ohnehin kaum eine Stunde der Erholung gönnte, machte ihm ihr Fernbleiben doppelt fühlbar. Manches liebe Mal, wenn er sah, wie Werner sich mit aller Wärme seines jungen Herzens den Kindern hingab, wie er mit ihnen spielte, als wäre er selbst noch ein Kind, mit welcher Freude er ihnen die kostbarsten Spielzeuge aus seinen reichbeschenkten Kindertagen brachte, wie beim Erklären und Belehren seine Augen glänzten, seine Wangen glühten, dachte er in Bitterkeit: Ach, wäre doch Isabella tote er, und er lieber dafür wie Isabella! < i Ein Stachel zur dauernden Unruhe wär es ihm, daß der Forstmeister jetzt wieder fast täglich als Gast im Schlosse erschien, mit größerer Regelmäßigkeit noch als zu der Zeit, da das Gerede umging, die Verlobung des verschitldeteit Aristokraten mit der Tochter des reichen Industriellen stände unmittelbar vor der Tür. Und wenn der Kommerzienrat auch gegen Bannemann die Grenzen gemessener Höflichkeit jetzt fast noch enger zog als früher, so gab Isabella hingegen wieder deutliche Beweise dafür, dast sie ihren alten Verehrer vor beit anderen Kavalieren, die ihr die Kur schnitten, erheblich bevorzugte. Ja, bei einer im Schlostpark veranstalteten italienischen Nächt, an der Heinz teilnahm — einerseits, weil er Friedheim nicht fortwährend durch schlecht motivierte Absagen verletzen wollte, andererseits, weil ihn die in seinem Herzen wach gewordene Eifersucht gebieterisch zur Beobachtung der Geliebten trieb — liest sich Isabella in einen so offenkundigen Flirt mit dem Forstmeister ein, dast ein Getuschel darüber entstand, und dast Heinz, um den sie sich so gut tote gar nicht kümmerte, in Schmerz und Zorn das Fest schvn nach einem Aufenthalt von einer knappen Stunde toieber verliest. Und gewiß, hätte ihn ein äußerliches Band an Isabella geknüpft, oder nicht einmal ein äußerliches; wäre sie'nur heimlich, Wort gegen Wort, seine Verlobte gewesen, er hätte sich in seiner Entrüstung keinen Augenblick bedacht, mit ihr zu brechen. Aber wie die Dinge nun einmal standen, was sollte er ihr sagen, was sollte er ihr schreiben? Er hatte ihr volle Freiheit gegeben, zu tun und zu lassen, was ihr beliebte, er hatte das zu vielen Malen angebotene feste Bündnis ausgeschlagen, toieber und wieder. Ja, da sie ihm vorher angekündigt hatte, dast sie ihr Betragen gegen ihn von Grund auf ändern würde, „um nicht weiter zum Gespött der Leute zu' dienen", so vermochte er ihr nicht einmal den Vorwurf ztt machen, den sie nicht mit der Berufung auf seinen eigenen Willen/ seine eigene Schuld, hätte abweisen können. Aber alle diese Erwägungen hinderten nicht, daß die Eifersucht auf Bannemann sich tiefer in ihn hineinfraß, daß es Stunden gab, in denen sein Herz von Hast erfüllt war auf den Nebenbuhler, der nicht aufhörte, ihn bei jeder Begegnung mit geringschätziger Herablassung wie einen gesellschaftlich Minderwertigen zu behandeln. Wenn Isabella wirklich nur ein Spiel trieb, der Welt Sand in die Augen zu streuen, gab es keinen anderen Weg dazu, als das Getändel-mit Bannemann, den sie als seinen Widersacher kannte? Lehnte sich ihre Frauenwürde nicht auf gegen den Flirt mit diesem, den sie — wie sie Heinz einst spottend erzählt — schon einmal „mit einem gehörigen Korb heimgeschickt" hatte? Empörte sich ihr Empfinden, ihr Glaube, nicht gegen diesen Spötter, der aus seiner Abneigung gegen Religion und Kirche nie ein Hehl machte? - > Hundertmal rang er sich in Leid' und Trotz' zu dem Entschluß durch, dast zwischen Isabella und ihm alles aus sein müsse, dast er nicht !mchr an sie denken, ihrem Bilde keinen Raum mehr in seinem Herzen gewähren dürfe; — und hundertmal warf ihre Schönheit, die Sehnsucht, sie doch noch eiltet 346 Sflöc'3 als fein eigen in die Arme zu schließen, diesen Entschluß wieder über den Haufen. Kam doch immer wieder ein flüchtiger Moment, in dem ans ihren tiefen Augen ein verstohlener Blick glühender Leidenschaft zu ihm hinüberzuckte, einem flammenden Blitze gleich — ein Feuerstrahl, der — ob auch nie mit einem Wimperzucken von ihm erwidert — doch alle Qual in ihm verzehrte und seine leise sortglimmeude Hoffnung neu entfachte. Und Sonntags . . . wenn sie zwischen Weener und dem Kommerzienrat, der seine Kinder jetzt regelmäßig in die Kirche begleitete, in der Schloßloge saß, hing sie hingegcben an seinem Munde, trank sie jedes Wort, das er sprach, nicht mit dem Ohr allein, nein, auch mit dem Auge von seinen Lippen, war sie — so schien es ihm wenigstens — ganz eins mit ihm, strömte ihre Seele in die seine über. Aber außerhalb dieser kurzen Stunde, in der die Weihe des Gotteshauses sie umfing, war sie eine Fremde für ihn, und jedem Beisammensein unter vier Augen, das er jetzt oft ersehnte, wußte sie geschickt auszuweichen. Nur ein Mal sah er sie auf einen Moment allein in Werners Arbeitszimmer. In Hast und Eile flüsterte sie ihm da zu: „Ich habe eine Bitte an Sie. Nennen Sie mich doch, bitte, nicht „Fräulein Friedheim", sondern „gnädiges Fräulein", wie die anderen Herren. Herr von Bauneutann machte sich gestern lustig über Sie. Er fragte: „Hat der Hilfsprediger eigentlich nicht genügend gesellschaftliche Ausbildung genossen, um zu wissen, daß mau einer Dame unserer Kreise das Epitheton „gnädig" beilegt, oder unterschlägt er das Bsiwort aus frommer Pose?" Tas tat mir weh, und ich habe Sie in Schutz genommen, trotz meiner gegenteiligen Vorsätze. Aber nicht wahr, fortan erfüllen Sie meine Bitte — in Gegenwart von Zeugen wenigstens? Sie sagten einst selbst : Dagegen, daß ein Mann die Dame, um deren Liebe er würbe, gnädig nenne, Hütten Sie nichts einzuwenden . . ." Und ehe Heinz noch ein Wort erwidern konnte, war sie schon aus dem Zimmer gehuscht. Wie in halber Betäubung blieb Heinz zurück. Er wußte nicht, was ihn tiefer schmerzte: daß Isabella ihn wieder mit Sie angeredet, oder daß sie von ihm verlangt hatte, er sollte eine als vernünftig erkannte Gewohnheit ablegen, weil Bauuemaitu sie mißbillige, Bannemann, der ihn offenbar mit der Taktik des Lächerlichmachens bei der Erbin ausstechen wollte. Als am folgenden Sonntag, dem ersten im August, an dem dw Sonne wahre Fluten oon Licht durch die buntbemalten Fenster der Fichtenwälder Kirche auf das dunkle Holzgetäfel der Chöre, das rotbraune Gemäuer der Wände und das blanke Metall der bronzenen Kronleuchter goß, Isabellas Platz in der Schloßloge, leer blieb, zum ersten Mal seit vielen Monaten —, war es Heinz, als ob ihm eine Faust an der Kehle säße, jedes .Wort darin zu ersticken. Zum ersten Mal, seit er das Recht hatte, auf der Kanzel zu stehen, predigte er ohne Wärme und Begeisterung, und immerfort irrten seine Gedanken zu der Geliebten ab. War es schon so weit gekommen, daß sie nicht einmal mehr die Stunde des, Gottesdienstes für ihn „frei"-hatte? Was tat, was trieb sie jetzt? Spielte sie Tennis oder pirschte sie etwa mit dem Forstmeister als Jagdgefährten auf den starken Sechzehnender, den der Förster vom Lagowsee vor einigen Tagen in seinem Belauf ausgemacht hatte? Aber iwch brennendere Qual empfand er, als er am nächsten Tage Gelegenheit hatte, Isabella auf ein paar Minuten unter pter Augen zu sprechen. , „Ich muß Sie doch endlich einmal fragen", begann sie mit emem Lächeln, durch das Hohn und Herausforderung lugten, „wie Ihnen das neue Arrangement unserer Stellung zu einander gefällt? Ich habe doch wohl nun endlich den Ton getroffen, auf den Sie mich sich das Prüfungsjahr gestimmt wissen wollten?" „Gewiß", brachte Vollrath heiser über die Lippen. , Isabella sah sein Erblassen und den Schatten, der die Helle semes Blickes verdunkelte, und in ihren Augen glühte es auf tote heimlicher Triumph. «Weshalb ich Sie hier sozusagen abgefangen habe", fuhr sie lächelnd, tote vorher, fort, „— ich will Mittwoch, spätestens Donnerstag, mit Papa an die Nordsee, wahrscheinlich nach Ost- ende. l.nd wenn Sie mir auch vollständige Freiheit in allen menten Entschließungen und Handlungen anheimgegeben Haven, w hielt rch es, doch für meine Pflicht, Sie von meiner bevorstehenden Abreise zu verständigen." ~ haben keine Pflichten gegen mich", erwiderte Heinz. Sein Stolz, verstärkt von einem Zuschuß Bauerittrotz, der ihm durch Vereroung iw-Blute lag, bäumte sich hoch in ihm auf. re, denken , entgegnete Isabella, die Stimme von Erregung gedampst. „Jedenfalls — da ich mir's einmal vorgenommen habe, möchte ich Sie bitten, morgen abend noch einmal unser East zu sein. Papa wird Sie natürlich noch ganz besonders notigen. Aber ich wollte mein Gewicht schon vorher in die Wagschale werfen, Ihren Starrsinn, der sicher für eine Absage plädieren wird, hinabzuziehen." Wieder war es Heinz, als ob höhnische Herausforderung! durch ihre Worte bebte. . "®on Ostende aus", sprach Isabella rasch weiter, „wd totr etwa vier Wochen zu bleiben gedenken, werden wir ivahr- schemlich Anfang September nach Paris und von da aus über dte Schweiz zu vierzehntägigem Aufenthalt nach Meran gehen — jur Traubenkur. Und da somit immerhin der Oktober herau- rucken kann, bis wir uns Wiedersehen werden, so werden Sie mir gewiß noch vorher für wenige Stunden die Freude eines Beisammenseins gönnen ivvllen. Also nicht wahr, wir dürfen auf Sie rechnen?" Durch ihre Stimme zitterte befehlshaberischer Klang. „>zch Weitz es niegt; ich kann heute noch nichts versprechen", gab Vollrath zurück. Eine Weile schwieg Isabella, mühsam nach Fassung ringend „sliun gut", hauchte sie endlich. „Nur eins will ich noch sagen: Herr von Bannemann möchte Papa und mich gern nach Ostende begleiten — er ist auch nordseehungrig —, oder sich dort in einigen Tagen mit uns treffen, wenn er nicht rechtzeitig Urlaub erhält. Es steht in Ihrer Hand, ob ich's ihm gestatte, oder ob ich ihn abfallen lasse." „Ich habe mich ein- für allemal jeden Einflusses auf Ihre Entschlüsse begeben," entgegnete Heinz. Isabella starrte zu Boden, ihre weiße Stirn lag in tiefen Falten Tie feilten Flügel ihrer leichtgeschwungenen Nase bebten, aus ihrem blassen, zu undefinierbarem Ausdruck verzerrten -Ucunbe schien ein hartes Wort hervorspringen zu wollen, ein Wort, das alle Bande zwischen ihr und Heinz mit einem Schlage .hätte zerreißen müssen. Aber sie bezwang das Wort. Hochmütig warf sie den Kopf zurück, wandte sich um und ging aus dem Zimmer — ohne Gruß. i Als der Kommerzienrat während der Uitterrichtsstunde in Werners Arbeitszimmer kam, um auch seinerseits Heinz für den nächsten Abend zu einem „Mschiedsmahl" zu bitten — heute wäre man infolge einer Einladung nach auswärts leider besetzt —, erwiderte dieser bestimmten Tones, wenn auch offenbar in peinlicher Verlegenheit, daß er dankend ablehnen müsse, da er durch die Abendschule in Anspruch genommen, wäre, ( (Fortsetzung folgt.) Unsere Schule. Von Lehrer Brink. (Schluß.) Der Unterricht ist nur dann natürlich, wenn er in ersten Jahren, soweit es die Witterungsverhältnisse erlauben, int Freien erteilt wird. Da bekommt das Kind Anregung auf Anregung, da sieht es nichts als Leben und wird selbst gesund und lebendig erhalten. Da wird seine Vorstellungswelt in rechter Weise erweitert und geläutert. Da lernt es am besten Augen, Ohren und alle Sinne gebrauchen und schärfen. Da allein erhöhen ein munteres Spiel und ein lustiges Lied die Lern- und Arbeitsfreudigkeit der Kinder. Da kann es gar nicht zu einer Verminderung der Lebcns- unö Arbeitsfreudigkeit kommen. Da lernt man die Kinder itt^ ihrer Natürlichkeit am besten kennen und die erziehliche Behandlung am besten einrichten. Wenn dann das Kind gewachsen ist an Leib und Geist in der Natur ohne Zwana, dann möge nach einem Jahre etwa, was auch noch sehr früh ist, mit unserem lehrplanmäßigen Schreiben, Lesen und Rechnen begonnen werden. Schreiben und Lesen sind Fertigkeiten, die von reiferen Kindern spielend und in wenigen Monaten erlernt tverden, nicht tote jetzt in kaum drei Jahren. Lehrer Berthold Otto erzählt, daß seine Kinder mit neun Jahren noch nicht schreiben und lesen konnten, daß feine ältesten Mädchen von zwölf und elf Jahren noch nicht in die Geheimnisse des schriftlichen Rechnens cin- geweiht waren und wie sie das an einem einzigen Nachmittage lernten. Ich habe als zwölfjähriger Junge das griechische Alphabet in zwei Stnndeii schreiben und lesen gelernt. Die geistige Reife allein ermöglicht so etwas. Aber unsere Kleinen sind mit sechs Jahren für all diese Dinge noch gar nicht reif, rnmol sie oft Dialekt — 347 tcb'cit und die Hochdeutsche 'Sprache erst "erlernen müssen, was noch ganz besonders berücksichtigt werden muß. Kahle fordert vom Lehrer: „Einsicht wird bewirkt durch Anschluß an den geistigen Standpunkt und die Gesetze der geistigen Entwickelung des Kindes." Nach vierwöchent- licher Schularbeit ist die geistige Entwicklung unserer Kinder aber noch nicht soweit gewachsen, daß sie die apperzipic- renden Vorstellungen für die koinplizierte Analyse und Synthese der Schreiblesemethode schon hätten. Auch sind Hand und Augen noch nicht so geübt, daß das Schreiben der Buchstaben ihnen eine Lust bereitete. Daher lösen all diese Arbeiten bei den Kindern Verlustempfindungen aus und wirken hemmend auf Verstand, Gemüt und Willen der Kinder. Statt des Schreiblesens werde ein Zeichenunterricht als Vorkursus erteilt. Das Kind lerne hier die Dinge, von tvelchen es in .Haus, Hof, Garten, Feld, Wald "gelernt hat, in einfachen Strichen darstcllen, wiederholt und vertieft seine schon gewonnenen Vorstellungen und vervollkommnet sich weiter im Ausdrucke der deutschen Sprache. Der Zeichenunterricht wird erzielen: < : 1. Gewandhcit und Sicherheit der Hand, 2. Treffsicherheit im Augenmaß, 3. Genaue Auffassung der Natur, < 4. Umfassendes Sachwissen, ( * 5. Guten Geschmack und künstlerischen Sinn', f 6. Anregung des Verstandes, nicht Langeweile, 7. Schärfung des Urteils. Sie ivissen alle, wie ein Kind gern malt, weil es hier seiner Phantasie freien Lauf lassen kann, was ihm ganz besondere Freude macht und seinen Tätigkeitstrieb allgemein hebt. Unser Schreiblesen ist dem kleinen Kinde etwas Unbegreifliches, Unfaßbares; cs weiß keine der verlangten Tätigkeiten in seine Vorstellungswelt nntcrzu- bringen; daher sein Widerwille; wie ganz anders der Zeichenunterricht, in den das Kind voll tmb ganz aufgeht. Wir können durch das Hinaufrücken des Schreibleseunterrichts absolut nichts verlieren, durch Einstellung des Zeichenunterrichts an seine Stelle in den ersten Jahren aber ungemein viel gewinnen. Beim Unterricht im Freien soll das Kind auch wieder zu seinem Fragerecht kommen, das ihm der Stubenunterricht genommen hat. Das fragende Kind erst ist ein geistig arbeitendes und denkendes Kind. Ein Kind', das nicht zu fragen versteht, ist sprech- und geistesarm oder sogar krank. Der heutige Schulunterricht ohne Fragerecht der Kinder: schläfert deren geistige Kräfte mit der Zeit vollständig ein. Aus der Natur und aus dein Leben wird das Kinds auch seine Vorstellungen über die Zahlenbegriffe erhalten. Dann wird es später mit Freuden seine Aufgaben lösen und den Rechenstoff in schnellerer Zeit beherrschen als cs heute der Fall ist. Der Unterricht im Freien ist auch endlich für die Re- li g i o n s b i l du n g sehr wichtig. Die Natur ist die erste und beste Offenbarung Gottes. Sie brauchen wir, wenn ivir die Ehre Gottes rühmen wollen. Sie lehrt uns allein die Allmacht, Weisheit und Güte des Ewigen erkennen. Sie lehrt uns, im Geschöpfe den Schöpfer als Vater preisen. Sie zeigt uns die rechte Wartschätzung von „Mein" und „Dein". Sie ist also nicht nur eine reiche Quelle der Religiosität, sondern auch eine Quelle aller Sittlichkeit. Im Freien lernt das Kind an: besten verstehen, was der schöne Spruch sagt: Keinem Würmlein tu' ein Leid! Sieh, in seinem schlichten Kleid hat's doch Gott im Himmel gern! Wo läßt sich das schöne Kinderlieb: Weißt du, wieviel Sterne stehen? am besten veranschaulichen und singen als draußen? In der Schule ist der Religionsunterricht in den ersten Jahren weiter nichts als leeres Mauldreschen und papageiartig angelerntes Zeug, welches das Herz und den Willen vollständig leer lassen. Religion ist nicht lehrbar. Religion ist Empfinden des Herzens und ganzen Gemütes. Das ist nicht ohne Stimmung zu erreichen, lieber diese Stimmung verfügt unser Religionsunterricht in den ersten Jahren überhaupt nicht. Stinumlng allein kann nur die Natur und das Leben dem Lernenden tvie Lehrenden geben und Zeit und Ort heilig machen, daß ivir ausziehcn, !vas nicht hingehört, und in Andacht lauschen den Stimme», die zu uns eine Sprache reden, die kein Geschichtsbuch und Katechismus reden kan.n. Lernen ivir doch auch hierin unfern Herrn und Meister uachahmen, der all seine Lehren und Predigten auch aus dem großen Buche der Natur nahm. Das Gras, die Lilie, der Sperling, der Acker, der Sämann, der Sturm, sie geben ihm Stimmung und Gelegenheit, die herrlichsten Gleichnisse vom Reiche Gottes zu schaffen. Wollen wir's nicht versuchen? So haben auch die Psalmisten und unsere heutigen Dichter die Anregung zur Ehrung Gottes allein aus dem Buche der Natur erhalten. Begeistert ruft der Psalmist aus: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre; ihr Schall pflanzt seinen Namen fort!" Wenn wir solchem allein reiflich nachsinnen, so müssen wir doch bekennen, daß es merkwürdig ist, daß die Schule nicht auch diesen Weg zur Religiosität beschritten hat. Es ist höchste Zeit zur Umkehr angesichts des unsäglichen Mißerfolges der 1000 Religionsstunden, die unsere Kinder in der Schule erhalten. Berühmte Theologen und Pädagogen haben gleiche oder ähnliche Forderungen gestellt. Ich cr- erinnere nur an die Professoren Rein, v. Soden, Baumgarten, Pfleiderer ufto. Wenn weiter noch der gesamte Naturgeschichts'- und teilweise auch der heimatliche Geographieunterricht der Mittel- und Oberstufe im Freien erteilt iver- den, so muß auch weiter ein Geschlecht heranwachsen, das' seine Scholle und H e i m a t l i e b gewinnt und nicht mehr in die Großstadt abwandert; da muß ein Geschlecht heranwachsen, das auch körperlich gesund und stark wird und jederzeit eintreten und kämpfen wird für die heiligsten Güter unseres Volkes und Vaterlandes. Heute aber ist der Gesundheitszustand unserer Nation sehr zweifelhaft, und da braucht man sich nicht zu Wundern, wenn im" Deutschen Reiche, wie der frühere Staatssekretär Graf Posa- dowsky einmal auf einem Berliner Kongreß ausführte, für den Heeresdienst von 100 nur 57 tauglich sind, in Brandenburg 41, in Berlin nur 33. Für Lungenheilstätten wurden in letzter Zeit 30 Millionen Mark ausgegeben. Darunt hatte Graf v. Posadowskt) recht, wenn er behauptete, daß in Zukunft nur dasjenige Volk im Konkurrenzkämpfe auf dieser Erde bestehen wird, welches neben der geistigen Ausbildung seiner Kräfte auch die körperliche Pflege in keiner Weise vernachlässigt. Fangen wir doch auf dem Laude einmal alle damit au. Aber gerade eine Großstadt — Fr auk- furt a. M. — hat den Beweis geliefert, daß die Sache auch hier nicht unmöglich ist. Rektor Zimmermann an der Lersnerschen Schule dort hat von der Behörde die Erlaubnis bekommen, mit dem ersten Jahrgange Unterricht im Freien zu treiben. Die Kleinen besuchten dreimal in der Woche einen nahegelegenen Park, angrenzende Wiesen, Felder und Bauerngehöfte und haben einen sehr großen Schatz richtiger Vorstellungen gewonnen, die sic nun int folgenden Stuben- und Buchunterricht sehr gut zu gebrauchet! wußten. Lehrer, Schüler wie die Vorgesetzten waren mit den Erfolgeit überaus zufrieden. Freilich verlangt der Unterricht int Freien eine tiefe Kenntnis der Natur und der uns umgebenden Heimat, und wir werden hier noch vieles selbst zulernen müssen. Doch dürfen wir dabei nicht-so ängstlich sein. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg, und mit der Freude, welche diese zwanglose Arbeit erregt, wachsen die Schwingen. Wenn ich bisher die Richtlinien eines natürlichen Unterrichts glaube dargelegt zu haben, so möchte ich endlich noch" mit einigen Bemerkungen den Begriff der „Erziehung auf dem Grunde deutschen Volkstums" erläutern. Die deutsche Volksschule steht schon auf diesem Grunde; sie treibt wirklich gut deutsches Wesen. Doch müssen unsere — 348 - Liedaktion: P. Wittko. Rotationsdruck und Verlag der B rü h l'jchen Universitäts-Buch, und Steindruckerei. R.Lange. Gießen. Vchüler noch mehr als bisher in den Geist unserer Sprache und. beit Geist ihrer Schöpfungen eingeführt werden, muf>en werter bedeutend mehr mit beit Entrichtungen des Deutschen Reiches, des engeren Vaterlandes, der Stadt, des Dorfes bekannt werden, um später nicht so hilflos im praktischen Leben dazustehen. Wir haben eine Volksschule für die Armen und eine hohe Schule, das Gymnasium, für die Wohlhabenden. Das G y m n a s i u m ist n i ch t a u s d e u t s ch e m G e i st e, s o n - der« aus lateinischem und griechischem Geiste geboren und führt auch in diesen Geist ein, der heute noch immer als der Geist der wahren und bollen Bildung gilt und den Zugang zu den höchsten Stellen im Staatsleben öffnet. Die Volksschule oder auch manche andere deutsche Schulgattung bringe nur Unwissende und .Halbgebildete hervor. So ist nicht nur im Lehrerstande, sondern auch im ganzen Volke ein Zwiespalt entstanden. So steht meist immer der Vorgesetzte seinem Untergebeiien unnahbar gegenüber. Das deutsche Volk hat seine Mannhaftigkeit vergessen und verloren, behauptet Prof. Gurlitt in seiner Schrift über Erziehung zur Mannhaftigkeit. Die dentsche Einheitsschule kann und wird das deutsche Volk wieder auf gesunde Füße stellen. Mode. 5-K- Fr"avLgante Moden. Seit dem Jahre 1819, au du unsterbliche Fmu Bloomer eines Tages in einer seltsamen tfornt der Mannerkletdung, einer Jacke mit eng anliegenden Aer- /luem etwas über die Kme reichenden Rock und ein Paar turkbcher Pumphosen, in der Oeffentlichkeit erschien, hat kaum E Ereignis em solches Aufsehen erregt wie der Versuch jener M^n Parher Schonen, die kürzlich auf dem Rennplatz in einem recht auftalligen Trrectotre-Kostiim auftauchte. Aus diesem Anlaß plaudert eine englische Zeitschrift sehr unterhaltend von den Niannigfachen extravaganten Ideen, die in dem lueiten Reich der Mode bereits versucht worden _ finb. Tas Beispiel der Fran ?^/??iucr hat freilich mcht so viel Nachfrage gefunden, tute sie fettft gehvfst Hatte, als sie dem Rocke als dem Symbol der weib- licheit Schwache den Krieg erklärte, und nur im Sportanzug, aucf) rretm ^aitkteid einiger Londoner Amazonen, hat * ^!!triner bemerkbare Spuren hinterlassen Tobt ein Wiederaufleben des T-irectoire-Kostüms moglich^ist oder nicht, so bereitete erst vor wenigen Tagen eine London den Passanten eine neu/Uebmaschung ^ 'chritt stolz durch die Regent-Sweet im Kostüm unserer Großmutter, mit emer ganz stattlich ausgebildeten Krinoline! Sie hat damit eure Wette um 2000 Mk. gewonnen, aber kaum die Bahn Tie Wiederkehr der Krinoline, von der allerdings in den letzten Zähren schon wiederholt die Rede geiveseu ist Tie Neuerungsmcht der.Damenschneider erstreckt sich jetzt vor' allem dre Ausgestaltung der Automobilkostüme. Netierdinas iverden ganze Kostüme von dünnem weichem Leder gemacht, das in der dünner ist als manches Tuch. Diese Kostüme sind nicht nur «^«rA-^btlsport. sondern auch für die Bergsteigerin, für usw. sehr bequem, da sie sich mit einem Schwamm leicht abwaschen lassen und immer wieder so frisch aussehen als kamen fte eben aus der Werkstatt des Schneiders Die Er/a L^«L der Mvdeköniginnen macht sich aber besonders in den . ei8erc=n Aufwendungen für die Erfordernisse ihrer Toilette Kvstwn "?0 omw lan Ungewöhnliches mehr, daß ein «nn Kornetts zu>1000 Mk., Hüte zu o00—1000 Mk., Spitzenschleier zu 300 Mk., Taschentücher für $nrZtf';,,^rm6?e'JÜr >° 9Ttf' .bo§ P^r, das sind so einige Fostui iil der Kleiderrechnung einer modernen Dame, die eine Auh^rni int Reich der Mode sein will und der es s hr schwer fallen durste, mtt weniger als 60 000 Mk. int Jahr ihren Toiletteu- hei^tnfe ; hat doch jüngst erst Cecile Soccl, die Eanntc Pariser SchauMelerin, erklärt, eine Dame könne un- roonn ^,ahre elegant erscheinen, wenn sie nicht .0 000 Sil. für ihre Toilette ausgeben könne — sie selbst brauche im Durchschnitt 200 000 Mk. Eins der kostbarsten Kleider die LSadi ?Olbtn früh, war das der Frau Mackah, der Gattin ^^annten amerikanischen Millionärs, die 200 000 Mk dafür Ä» lÖoMgWn- mlt d" -s *** wr. «Ä . Literarisches. s» dr.»° m,d T-il bi*, »T. 1 | handelt ttt der ersten Halste beit deutschen Idealismus, während itf I u^lten Hälfte der Zeitraum vom Niedergang des Idealismus 1 btr ^^biOvart durch den Sohn des Verfassers zur gebracht wird Die Bearbeitung des Idealismus ist von d^ I geleitet, die schwierigen Systeme seiner Vertreter deni j P-E^"b'"s zugänglich zu machen und zugleich weitere I r/e Ct?e-$fent'. .welche die Entwicklung der Ethik und neueren Philosophie vor Stint in eigen- I ^lse beleuchtet Für die Philosophie Kants hat der °kleinere Schriften stärker als üblich berücksichtigt, I deren Inhalt über Fragen der Aufklärung, des Fortschritts des I mimClt6mH=ebCf'-tSf UII,b-bv 3ieIe? aUer Kultur uns den Jdeeu- I 6aitg Kants tiefer würdigen laßt. Der zweite suckn fm- mir ffo zerrissenen und zersplitterten Richtungen, die nicht I b r?™elm?P'r1?trre!!', ';u‘ett einheitlichen Gesichtspunkt zu | - • ~er Verfasser geht davon aus, daß der gemeinsame j Anuidzug der positivistische sei. Eitlen Beweis, das; das Blich I eJ?en ^^f^^s§en Idealismus vertritt, liefert die sorgfältige I ufrts ^Ä^Ute der Naturwissenschaften, soweit sie I NwGcb/fd!/Philosophie stehen. Spencer, Hartmann und I Nietzsche sind eingehend behandelt. In entern Ilm- und Vorblick I wird eine philosophische Kultur verlangt. Tas Ziel ist ein Neu- ^dealismus, zu dessen Anbahnung das Buch einen Betrag liefern fTnm jebent gelehrten Schwulst freie Sprache und Haie Darstellung machen das Buch wie schon die ersten beiden K Philosophie Machen Einführung für alle, die Interesse An- und Eittsichtcu. Verliebte tntd Verrückte sind beide von so brnufenbetn Gehirit, so bildiingsreieher Phantasie, die tvahrniiinnt, tvaS nie die kühlere Vermmst begreift . . Shakespeare (Sommernachtstraum). Schon so tausendfach betrogen, Annes, schivacheS Alenscheiiherz, Jnuner wendest du dich wieder Gläubig trauernd hinnnelivürts: Wie Arachne unverdrossen Täglich neue Netze svawit, Kreuzte auch durch ihre Fäden Täglich rauh des Schicksals Hand. ------------ Franz Frhr. v. Gaudy. Verfteck-Nütfcl. In jedem der folgenden Sätze ist der Name eines deutschen Dichters versteckt: 1. Setze dich hierher zu mir aus die Bank; leiste mir ein wenig Gesellschaft! 2. Tu wartest auf das Glück? Das ist falsch! Lege lieber mehr Gewicht auf dein eigenes Sonnen und Schaffen! 3. Da lobe ich mir doch den Walther; der ist ein Freund eines jeben gesunden Sports. 41 bc»kt nicht bei dem Worte „Hohentwiel" an den Roman „Ekkehard" von Scheffel? b. Wer kennt nicht ans Homers Odyssee die edle Nalisikaa? 6. Guter der ersten Freiheitskämpfer tvar Schill. Er siel in Stralsund. 7. Rudolf I. begründete die Habsburgische Hausmacht. 8. 2Jlcin Bruder ist an einer Bank in Kellinghausen angestellt. 9. Kürzlich besuchte ich mit meinem Sohne Philipp La Töne am 'Neuchüteler See. 10- Wenn ich daran denke — bersten könnte ich vor Aerger! 11. Mein Liebster! Mein Einziger! O komm doch recht bald zu deiner.... 12. „DaZ ist ja eine Kuh! Eine echte Kuh!" meinte der Förster, sie die eben erlegte Jagdbeute des Herrn Rentners Knaller besichtigten. 13. Der Getroffene taumelte zurück; er trug die Todestvunde int Herzen. 14. „Laß mich in Ruh, Landsmann, sonst gibts Keile!" 15. Ter Kyklop stockte plötzlich in seiner Erzählung; er halle Verdacht geschöpft. 16. Karl verwahrt jeden Psirsichkern, Ernst aber wirst alle weg. 17. Wo alles singt, kann ich allein nicht heule»! hb. ‘ Auslösung in nächster Nummer. Auslösung des Buchstaben-Tauschrätsels in voriger Nummer! Tie Unschuld. (Friedrich Hebbel.) Sie ist nicht, daß sie ewig lebe, Sie soll nur einen Tod erwerben, Ter sie mit Glorie umgebe, Diiimmuß sie an der Liebe sterben!