1988 Montag den 3. August N! W W M i I-IUW »Sä John Darrows Tod. Roman von Melvin L. Severy. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Als die Ruhe völlig wiederhergestellt war, nahur Maitland aufs neue das Wort. „Ich wollte eben sagen, als ich unterbrochen wurde, Herr Clinton Brown und Herr Charles Herne würden beide die Tatsache bezeugen, daß eine recht merkbare Zeit zwischen der Verwundung und dem Tode des Opfers vergangen ist. Ich werde Ahnen demnach den vollgültigen Beweis liefern, daß Herrn Darrows Tod nicht von dem Gifte, das der Angeklagte genannt, herrühren kann. Ich werde Ihnen zeigen, daß eine genaue chemische Analyse, die ich kurz nach dem Morde in meinem Laboratorium machte, keine einzige von den wohlbekannten Reak- tioneit jenes Giftes ergab. Ich werde Ihnen beweisen, daß John Darrow, nachdem er den Todesstreich erhalten hatte, auf seine Füße gesprungen ist; daß er sich an die Kehle fuhr; daß er nach sekundenlanger Anstrengung einzelne Wlorte hervorbrachte. Ich werde Sie davon überzeugen, daß er, wenn er in der beschriebenen Weise vergiftet worden wäre, den Tod gefunden hätte, ehe er auch nur seine Hand zum Hals erheben konnte. Wir haben mit größter Sorgfalt alles, was die Anwesenheit des behaupteten Giftes beweisen oder widerlegen könnte, untersucht, und es bleibt hier keine Möglichkeit des Zweifels übrig. Ich werde Ihnen weiter zeigen, daß das Kapuzineräffchen, von dem Herr Latour sagt, es sei getötet worden, noch am Leben ist; ich werde das Tier, wenn nötig, vorführen und Herrn Latour, oder wer es sonst sei, auffordcrn, es das angeblich gelernte Kunststück aussühren zu lassen. Ich werde Ihnen erklären, daß ich natürlich, da ich die Mitwirkung des Affen bei dem Morde leugne, bei meiner Befragung des Angeklagten nichts mir tatsächlich Bekanntes anführte, wenn ich von der Abrichtung des Tieres sprach und Einzelheiten vorbrachte, die Herr Latour als wirkliche Um» stände des Mordes anerkannte. Meine einzige Absicht war dabei, eine annehmbare Art und Weise anzugebcn, um zu sehen, ob sie der Angeklagte etwa als tatsächlichen Verlauf der Tat annähme. Ich verflocht damit die Tötung des Affen, obwohl ich wußte, daß er noch am Leben war, um zu sehen, ob mir Herr Latour auch hierin folge. Sie haben selbst gehört, daß er cs getan hat; daß er meine Angaben bestätigte, die eben bloße Vermutungen waren, und daß er auch den einen Punkt gelten ließ, der mir als falsch bekannt war. Ich werde Sie daher bitten, zu erwägen, wie völlig unwahrscheinlich es ist, daß eine solche Reihe bloßer Vermutungen genau den Tatsachen entspricht, wie dies Herr Latour behauptete, während Sie dabei den unleugbaren Umstand nicht aus denn Auge verlieren dürfen, daß Herr Latour in dem einen Punkte, itt dem mir die Wahrheit bekannt ist, unbedingt. eine falsche Aussage gemacht hat." Hier flüsterte Maitland Jenkins etwas zu, der seinerseits dem Sheriff oder einem andern Gerichtsbeamten leise eine Mitteilung machte. Gerade in diesem Augenblick hätte ich viel darun- gegeben, Godins Gedanken zu lesen, dessen Züge von einem Chaos von Gefühlen zu zeugen schienen. Maitland fuhr fort: „Herr Latour hat positiv erklärt, er habe mit Herrn Darrow in der Decaturstraße zwischen dem ersten und fünfzehnten März gespielt. Das ist nicht wahr. Erstens läßt sich nachweisen, daß Herr Darrow wohl gelegentlich in seinem: Hause Karten gespielt, daß er aber jedes Spiel um Geld, auch mit dem kleinsten Einsatz, verabscheut hat. Weiter wird Herrn Darrows Arzt bezeugen, daß Herr Darrow vom 25. Februar bis 18. März an sein Lager gefesselt war, und daß er ihn während dieser Zeit mindestens einmal und öfter zweimal täglich besucht hat. Ferner: Herr Latour versichert, er habe Herrn Godin bis zum Tage seiner Verhaftung niemals gesehen, und Herr Godin versichert, er habe bis zu jenem Tage Herrn Latours Wohnung nicht betreten. Ich habe hier eine Photographie und ein Phono- gramm. Tas Bild zeigt Herrn Latours Zimmer und diesen Herrn und Herrn Godin an einem Tische sitzend und offenbar in ernster Unterhaltung begriffen. Dieser Zylinder ist der Träger eines sehr interessanten Teiles von jener Unterhaltung. — Herr Godin wird gebeten, das Zimmer nicht zu verlassen!" Das letzte sagte er, als Godin auf die Tür zuschritt. Der Beamte, zu dem Jenkins vorher etwas gesagt hatte, legte Hand an den Detektiv und hielt ihn auf. „Wir brauchen pielleicht noch Herrn Godin," fuhr Maitland fort, „da er uns wohl manches erklären kann." „Ich lenke Ihre Aufmerksamkeit auf den Umstand, daß Herr Godin ausgesagt hat, bei der Nachforschung nach Herrn Darrows Mörder seien ihm gewisse Bücherbcstellzettel von Nutzen gewesen, die Herr Latour unter zwei verschiedenen Namen ausgefertigt hat. Er hat auch ausgesagt, er kenne nicht einmal die Titel eines der bestellten Bücher und habe eines davon „Die Gifte, ihre Wirkung und ihr Nachweis" nicht nur niemals gelesen, sondern nicht eininal von seiner Existenz etwas gehört. Ich werde Ihnen zeigen, daß alle diese Bücher mit Godins Wissen bestellt und daß die meisten von ihm gelesen worden sind. Ich werde außer Zweifel stellen, daß er insbesondere von biefcm Buch über Gifte nicht nur gehört, sondern daß er es auch gelesen, und daß er sein unverkennbares Zeichen auf Seite 469 neben denselben Abschnitt gesetzt hat, der dem Mörder Herrn Darrows die Art der Ausführung seiner Gewalttat au die Hand gegeben hat!" Godin fuhr auf, als hätte ihn einer mit dem Dolch getroffen, gewann aber bald seine Selbstbeherrschung wieder, als Maitland fortfuhr: „Hier ist der fragliche Band. Sie werden, bitte, den Daumenabdruck am Rande der Seite 469 bemerken. Es gibt nur einen Daumen auf der Welt, von dem dieser Abdruck stammen kann, und das ist der Daumen, der sich vor Ihren Augen auf diesem Briefe verewigt hat. Es ist auch derselbe Daumen, der diese Farbe auf dieses Glasstück gedrückt Hat." Aller Augen richteten sich auf Godin. Er war sehr bleich, jedoch seine Kiefern waren zusammengepreßt, und dabei spielte etwas wie ein trotziges Lächeln um seinen wohlgeformtcn Mund. Tie Zuhörer waren bei dieser schlier unfaßbaren Wendung der Tinge so aus den Geleisen des gewöhnlichen Denkens gebracht, 478 das; sie alles für möglich hielten. Ich fürchtete schon, eilt neuer Umsturz aller bisherigen Anschauungen könnte mich oder gar Maitland des Mordes verdächtig machen. Mein Freund fuhr fort: „Herr Godin hat erklärt, er spiele hin und wieder Karten, doch nur nm einen kleinen Einsatz, nur damit nicht alles Interesse fehle. Ich werde Ihnen zeigen, daß er ebensogut ein gewerbsmäßiger Spieler wie ein Detektiv ist, Am Morgen nach der Mordtat untersuchte ich genau jeden Fußbreit Boden auf dem Grundstück, besonders in der Nähe des östlichen Fensters. Als Ergebnis meiner Beobachtungen teilte ich Fräulein Darrow mit, ich müßte annetzmen, ihr Vater sei von einer Person getötet worden, die jedenfalls guten Grund habe ihre Fnßtapfen zu verbergen, und deren Gang hinkend sei. Das Gewicht dieser Person konnte ich auf etwa einhnndertund-- sünfunddreißig Pfund bestimmen und ihre Größe auf etwa fünf Fuß fünf Zoll. Auch äußerte ich die Ansicht, der Täter habe die Angewohnheit, seine Fingernägel abzubeißen und einen ganz besonderen Grund, den Nagel am kleinen Finger zu schonen und ihn ungewöhnlich lang wachsen zu lassen. Das war keine hohle Mutmaßung meinerseits, denn in dem feuchten Boden unter dem östlichen Fenster fand ich den vollständigen Eindruck einer geschlossenen Hand. Hier ist ein Gipsabguß davon. Schauen Sie ihn recht aufmerksam an! Sehen Sie hier die Warze über dem ersten Daumenglied und da die Unebenheit am dritten Finger, wo er offenbar einmal gebrochen ist! Herr Godin hat nach seiner Aussage die Darrowsche Besitzung nie betreten, außer an dem Mvrdabend zusammen mit den Herren Osborn und Allen, und doch stammt der Farbenabdruck auf diefent Stücke Glas von seinem Daumen; das Glas aber habe ich aus dem östlichen Fenster des Mordzimmers geschnitten, aus dem Fenster, durch das die Tat begangen worden ist. Dieser Gipsabguß ist von einem Eindruck im Boden unter demselben Fenster am nächsten Morgen genommen worden. Die Hand ist Herrn Godins Hand, und Sie werden bemerken, daß dieser Herr einen verunstalteten linken Fuß hat, und daß er stets beim Gehen etwas hinkt." Wir alle blickten auf Godin, um uns von der Wahrheit dieser Behauptungen zu vergewissern, aber der Herr schlug seine Arme.übereinander, so daß man seine Hände nicht sehen konnte, und streckte seine Füße, um sie ebenfalls außer Sicht zu bringen, möglichst weit unter den Stuhl vor ihm, während er uns in anscheinend höchst harmlos gutmütiger Weise anlächelte. Offenbar fiel es ihm noch gar nicht ein, das Spiel aufzugeben. Maitland zog wieder unsere Aufmerksamkeit durch die Worte auf sich: „Sheriff, verhaften Sie, bitte, Herrn Godin!" Ein erregtes Geflüster und halb hörbare Bemerkungen ließen sich aus allen Teilen des Raumes vernehmen, und cs bedurfte erst eines ernsthaften Eiugreifens des Vorsitzenden, bis wieder völlige Stille eintrat. Daun fuhr Maitland fort: „Euer Ehren, und meine Herren Geschworene, wir wollen unseren Fall für heute auf sich beruhen lassen. Morgen oder vielmehr am Montag werden wir darlegen, welchen Einfluß Herr Godin auf Herrn Latour ausübte, und was Herrn Latour zu seinem Geständnis bewog. Wir werden nachzuweisen versuchen, wie Herr Latour wirklich zu dem Glauben gebracht wurde, er Habe John Darrow ermordet, und wie man ihn durch Bestechung bewogen hat, sich zu einem Verbrechen zu bekennen, das ein anderer begangen hatte. Bon dem hypnotischen Einfluß Herrn Godins auf Herrn Latour habe ich unzweifelhafte Beweise, obwohl wir sehen werden, daß Herr Godin sich keineswegs ausschließlich auf diesen Einfluß verließ. Wir werden Ihnen auch zeigen, daß genügend Zeit blieb, Herrn Godin in stand zu setzen, die Schuldbeweise mit großer Geschicklichkeit und Schnelligkeit beiseite zu schaffen und doch noch mit Osborn und Allen sich bei der Untersuchung einzufinden. Kurz, wir werden vor Ihren Augen ein VerbrechM enthüllen, das in bezug auf den Scharfsinn des Planes und die Geschicklichkeit der Ausführung in der Geschichte dieses Gemeinwesens nicht seinesgleichen findet." Nachdem Maitland so geendet und dabei in seinen Schluß- wvrten durch Anwendung der Mehrheitsform eine höfliche Verbeugung vor Herrn Jenkins gemacht hatte, vertagte fich der Gerichtshof bis Montag, und ich eilte heim in der Befürchtung, ich könnte nicht der erste sein, der Jeanette die frohe Nachricht von der Unschuld ihres Vaters brächte; denn ich zweifelte keinen Augenblick, daß Maitland alle?, was er angeküudigt hatte, auch aufs bündigste würde beweisen können. Was zwischen mir und Jeanette an diesem Abend vvrging, brauche ich nicht zu erzählen. Es handelte sich da ihm Dinge, deren Erwähnung vor andern mir heute noch, wo ihr rosiger Hauch nur schwach durch den blauen Nebel einer fernen Vergangenheit schimmert, als eine Entweihung erscheinen würde. Was sollen auch Worte, die in keiner Weise eine Vorstellung von der wirklichen Bedeutung der Ereignisse zu geben vermöchten! Wollte ich sagen, daß ich durch ihre Dankesäezeugungen außer mir geriet, bis ich im Taumel der Freude sie mit meinen Armen umschlang und sie mit Küssen bedeckte — würde ich damit auch nur eine schwache Vorstellung von meinen Gefühlen geben? Nein, tausendmal nein! Darum scheint mirs das beste, gar nichts weiter davon zu sagen. Unsere Liebe kann ihre eigenen Geheimnisse bewahren. Wenn ich nur das eine hinzufüge, daß ich im Augenblick, während ich dieses schreibe, im Nebenzimmer eine Stimme höre, die mir damals zuerst so beglückende Dinge sagte, so weiß mau zur Genüge, wie wichtig jener Abend für mich geworden ist. Doch nun zur Vergangenheit zurück. . Jeanettes Befriedigung über die Wendung der Sache war, glaube ich, nicht größer als die Florences. In der Tat war Floreuee trotz ihrer ruhigen Weise so voll übermütiger Freude, daß ich mich sehr über die Veränderung, die mit ihr vorgegangen war, wunderte und endlich mir darüber bei Alice Aufschluß holen wollte. „Ich begreife," sagte ich zu ihr, „warum Florence bei ihrer Teilnahme und Liebe für Jeanette sich freut, daß Latour voraussichtlich freigesprochen wird. Ich verstehe auch, mit welchem Abscheu sie der Gedanke erfüllt haben mag, mit Godin nach den Bestimmungen des Testaments ihres Vaters in Beziehungen treten zu sollen, aber beide Gründe können wir noch nicht ihren jetzigen Zustand erklären. Wie erWrst du dir die Sache?" Alices' Antwort war etwas schleierhaft und gab mir nicht die gewünschte Auskunft. „Weißt du," sagte sie, „ich will die Eintrittskarten für den ersten Zirkus zahlen, der herkommt, nur um zu sehen, ob du die Rüssel an den Elefanten finden kannst," Was ich auch tat, ich konnte fie nicht bewegen, deutlicher zu werden, denn auf jede Frage erwiderte sie mit herausforderndem Lachen. Maitland besuchte uns und blieb fast den ganzen nächsten Tag — es war ein Sonntag — bei nns. Er schien Florences übermäßig freudige Stimmung weder zu teilen, no.ch zu verstehen, obwohl man leicht merken konnte, daß er von dem Gefühl der Genugtuung, das uns der Erfolg immer verleiht, nicht frei war. Mehr als einmal sah ich ihn einen Blick auf Florence werfen, in dem unzweideutig die Frage lag: „Was' bedeutet diese merkwürdige Veränderung? Warum soll es solchen Unterschied aus- machen, ob die Ermordung ihres Vaters durch Latours oder durch Godins Tod gesühnt wird?" Als er am Wend von uns ging, konnte man ihm ansehen, daß er noch keine befriedigende Antwort auf diese Fragen gefunden hatte. (Fortsetzung folgt.) Leihgestern. Altes und Neues zur Geschichte des Dorfes von Ludwig Strack. (Originalbeitrag der „Gieß. Fam.-Blätter".) Nachdruck verboten. Der Einsturz und Abbruch der alten Kirche zu Leihgestern im Jahre 1906, der Bau der neuen Kirche in den Jahren 1907 und 1908 Hachen den Blick auch in die Vergangenheit schweifen lassen, zumal einige neuentdeckte Inschriften die Fragen nach der Entstehung des alten Gotteshauses immer lauter werden ließen. Doch konnte man bis dahin hierüber keinerlei Auskunft bekommen. Eine Zufammenstellung der Nachrichten über Leihgestern oder eine Geschichte des Dorfes gibt es nicht, und die Leihgesterner Ortschronik ist erst im Jahre 1858 angefangen, worden. So habe ich mich mit Freuden der Mühe unterzogen und das zusammengetragen, was ich erreichen konnte und war erstaunt, mehr zu finden, als zu erhoffen war. Hoffentlich vermehren sich die doch immerhin noch spärlichen Nachrichten in der Zukunft. Von Vollständigkeit kann also vorerst keine Rede fein. Trotzdem will ich anläßlich der Einweihung der neuen Kirche, vielfachen Bitten entsprechend, den Einwohnern von Leihgestern und allen, die sich dafür interessieren, etwas davon Mitteilen, was man aus der Vergangenheit beS Dorfes weiß. Für spätere Geschlechter sei auch aus der Neuzeit einiges hinzugefügt.*) I. v Woher kommt der Name Leihgestern? Die Frage ist noch nicht entschieden. Die mannigfachsten Deutungen machen Anspruch auf Richtigkeit. Daß man auch früher schon Erklärungsversuche gemacht hat, zeigt ein Blatt in den Leihgesterner Kirchenakten, das nicht genau datiert ist, aber aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts stammt. *) Als Quellen komtnen das Leihgesterner Pfarrarchiv, Akten aus dem Großh. Haus- und Staatsarchiv in Darmstadt und aus dem Königl. Staatsarchiv in Wiesbaden in Betracht. Außerdem Wyß, Urkunden der Deutsch-Ordens-Ballei Hessen und Baur, Hessische Urkunden. — 479 — Es ist überschrieben: „Zur Chronik" und der Verfasser kommt zur folgenden spaßhaften Erklärung: Ein Dorf namens Hainchen hat früher etwa an der Stelle des heutigen Leihgestern, etwas weiter südlich gelegen. (Daher heute noch der Name Hainbrunnen.) Hsrnchen wurde aber von Kriegshorden niedergebrannt, und zwar so vollständig, daß ein Reiter, der es tags vorher gesehen hatte, als er am andern Tage wieder vorbeiritt, auch keine Spur mehr von ihm sah, und Verwundert nach der Gegend, wo es gestanden, hindeutend zu seinem Begleiter sagte: „Da lag's gestern." Daher, fährt der „Chronist" ernsthaft fort, nannte man das Dorf, das später hier aufgebaut wurde, „Lagsgestern", woraus spater „Leihgestern" geworden! Viele sprechen von einer Ableitung ans „legionis castra“ (Lager der Legion), zumal Leihgestern nicht weit vom Pfahlgraben liegt. Doch muß die Entscheidung den Sprachforschern überlassen bleiben. Ich begnüge mich damit, die früheren Schreibweisen des Namens anzuführen mit Angabe des Jahres, in dem die betreffende urkundlich belegt ist: Im Jahre 804 Leitkestre, 805 Letkestre, 823 Leitcastre, 1145 Leikestre, 1157 Legesteren, 1258 Leykestrin (»reit), 1271 Seit» gesterin, 1284 Leytkestern, 1304 Letgesteren, 1312 Leiegestrin, 1343 Leitgestern, 1470 Langkestern, 1558 Leidtgestern, 1564 Leihend Ley-) gestern, 1569 Leidtgestern, 1574 Leitgestern, 1647 Leygestern, 1694 Leyhgestern, 1796 Leyhgestern, später Leihgestern. II. Leihgestern in vorreformatorischer Zeit. Die erste urkundliche Nachricht von Leihgestern stammt aus dem Jahre 804 n. Chr-. In einer Urkunde wird bezeugt, daß ein gewisser „Walthelm" dem Kloster Lorsch seine Güter in Leitkestre vermacht. Von weiteren Schenkungen Leihgesterner Ländereien an dasselbe Kloster hören wir in den Jahren 805, 823, 824. Nach dieser Zeit wird Leihgestern erst im Jahre 1141 wieder genannt. Jetzt aber nicht mehr in Akten, die das Kloster Lorsch, sondern das inzwischen (1125) gegründete Augustinerkloster Schiffenberg betreffen. Die Gräfin Clementia von Gleiberg schenkt dem von ihr gestifteten Kloster ein großes Gut in Leihgestern. Diese Schenkung wird bald darauf in einer Bulle des Papstes Eugen III. bestätigt. Ein weiterer Freund des Klosters war Herr Adelbert von Peilstein. Er übergibt 1150 dem Kloster 25 Hörige an Leihgestern, die mit Namen genannt werden: Bernhart, Burgenza, Nicheza, Hadewich, Adelheit, Meh- Ihilt, Jta, Hebeza, Jmeza, Theodoricus, Nentere, Sigefriht, Hir- mendruht, Hellewich, Bernolt, Sophia, Wezel, Herman, Jrmen- garth, Gimderat, Megenburhe, Gerdruth, Bezelen, Methilt. Die Beziehungen zwischen Leihgestern und dem Schiffenberg müssen in dieser Zeit sehr zahlreich gewesen sein. 1230 erbaut Abt Albero den Klosterhof Neuhof 20 Minuten südlich des Dorfes, wohl einer der ältesten Höfe des Landes. Dieser Hof wurde mit Freiheiten und Privilegien ausgestattet, die oft die Veranlassung zu Streit wurden. So im Fahre 1235, wo Herr Hartrad zu Merenberg und Herr Wilhelm, Graf von Thuingen (Tübingen) den Streit schlichten wollen. Jedoch war der Friede noch nicht hergestellt. Dies gelingt erst 1237 dem Abt Albert von Arnsburg. Eine Urkunde vom 15. August sagt aus, daß man dahin übereingekommen, daß die Wiese „Rorehe", nm deren Besitz man gestritten hatte, dem Schiffenberg verbleiben sollte, wofür die Augustiner sich auf ewige Zeiten verpflichten, an drei Tagen in jeder Woche eine Messe in der Kapelle zu Leihgestern zu halten. Hier wird die Kapelle zu Leihgestern zum erstenmal erwähnt. Ein zweitesmal wird sie in einer Urkunde vom Jahre 1238 genannt, wo das Amt eines Klosterkämmerers eingerichtet wird, der für die Gleichheit der Kleidung der Augustinermönche sorgen und die Verwaltung der Kapellen zu Leihgestern, Steinbach und Garbenteich überwachen soll. Hierfür bezieht er Einkünfte aus den betreffenden Dörfern. Daß Leihgestern vor 1237 in kirchlicher Hinsicht zn Großen-Linden gehört hat, ist wohl möglich, ja wahrscheinlich, aber nicht nachgewiesen. Bon weiteren Schenkungen Leihgesterner Ländereien an das Kloster hören wir in bcn Jahren 1271, 1275, 1277, 1283, 1290, 1303, 1304. Hieraus im Einzelnen einzugehen, würde zu weit führen. Erwähnt sei nur, daß unter den Unterschriften als Zeugen öfter Leihgesterner Adlige vorkommen. So die Gebrüder Godschalk und Ernst; Si- srid; Ritter Ernst; Eckard von Leihgestern, cauonieus zu Schisfenberg; Johann, sohn weiland Johanns ritters, eanonieus zu Schiffenberg, Johann Edelknecht u. a. Im Jahre 1306 wurde der Neuhof auf 12 Jahre an Konrad und Herman von Aldendorf verpachtet unter Bedingungen, die für das Kloster sehr günstig waren. Die Urkunde hierüber befindet sich auf dem Neuhof. Aus den folgenden Jahren haben wir eine ganze Reihe von Nachrichten, die auch in Leihgesterner Gemarkung liegende Ländereien betreffen. Doch seien sie nicht einzeln ausgeführt. Interessant sind sie für den Germanisten wegen der alten Flurnamen. Es sei bemerkt, daß jetzt auch das Nonnenkloster Cella am Fuße des Schiffenberg Güter kauft und geschenkt bekommt. Der Friede zwischen der Gemeinde Leihgestern und dem Kloster Schifsenberg, der 1237 zustande gekommen war, scheint fast 100 Jahre lang bestanden zu haben. Das Kloster war in Verfall geraten und deshalb 1323 dem deutschen Orden übergeben worden. *) Ein Heiligenbild. Die neuen Herren verstanden es meisterhaft, die Rechte und Güter der Kommende zu wahren und zu mehren. Hierbei gerieten sie wieder mit Leihgestern in Streit. Den Einwohnern von Leihgestern wollten vor allem die Privilegien der Schiffen- berger nicht einleuchten, die sich z. B. auch darin zeigten, daß letztere einen Tag eher Getreide schneiden dursten als die anderen Grundbesitzer. Nach längerem, resultatlosem Streit wendeten sich beide Parteien an den Grafen Johann von Nassau, der am 2. Januar 1355 ein Schiedsgericht auf den Gleiberg berief. Außer den streitenden Parteien waren noch die Mannen und Burg- mannen, sowie die Schöffen von Gießen und Wetzlar als Schiedsrichter versammelt. In dem „Spruch" werden dem Schiffenberg seine alten Privilegien zugebilligt. Alles, was in der Umgegend von Gießen einen Namen hatte, war zu dem „rechtlichen Dag" beschieden worden, wie man aus den Unterschriften der Urkunde ersehen kann. Die Leihgesterner waren natürlich mit • dem Urteil nicht zufrieden und der Streit zwischen Leihgestern und Schiffenberg hat nicht aufgehört. Er läßt sich verfolgen bis 1670. Eine ganze Anzahl Aktenstücke des Wiesbadener Staatsarchivs diesen Gegenstand betreffend harren noch der genaueren Durchsicht. Während der Neuhof, auch „Muniche hob" genannt, früher auf Zeitpacht vergeben wurde, wird er 1356 dem Hermann Strube und Heinrich Stoppelnbein von Leihgestern nach Landsiedelrecht übertragen. Auch diesmal weiß die Deutsch-Ordenskommende es so einzurichten, daß sie nicht zu kurz kommt. Die Pachtbediugungen sind in der Hauptsache folgende: Von allen Saaten gehörte der Kommende die Hälfte. War es aber dem Pächter einmal nicht möglich, einen Acker zu besäen, so war sie berechUgt, ihren dadurch verlorenen Anteil an einem anderen Acker zu nehmen, ließen die Pächter aber einen Acker zur Wiese tverben, so gehörte der Ertrag der Kommende. Die Pächter mußten auf ihre Kosten den Hof int Stande halten. Jeder lieferte jährlich 200 Eier und beide zusammen 1 Schwein vor Ostern auf den Schiffenberg; alle Jahre mußten sie 6 Kühe und 6 Schweine der Kommende wintern. Aus dem letzten vorreforutatorischen,, dem 15. Jahrhundert sind mir nur 3 urkundliche Nachrichten, die Leihgestern betreffen, bekannt geworden. 1470 „thut Henrich von gotes gnaden Lant- grave zu Hessen rc. kunt, daß er verkauft hat Cunen, Graven zu Solms, seinem lieben Schwager und Getruwen seinen Zehenden zu Langkestern ime dorff und fette mit allen sinen angehorungen vor 1600 guter gülden Frankfurter werunge." Zwei weitere Aktenstücke aus den Jahren 1486 und 1489 betreffen denselben Zehnten. Viel wichtiger aber sind drei eherne Inschriften aus diesem Jahrhundert, die, wie Rady in feiner hessischen Kirchengeschtchte mit Freuden feststellt, den katholischen Glauben bekennen, nämlich die Inschriften der drei Leihgesterner Glocken, die heute noch ihre Stimmen erschallen lassen: Aus der Kappe der größten Glocke (im Dorf „Gemeindeglocke" genannt) steht: sub anno M°CCCCLH (1452). Weiter unten: sit aura pia dum rogat ista maria egt sua vox ba ba , potens repeUere satan □*) S. benedictus. Zu deutsch: Es sei die Lust rein (wörtlich: frommfrei von Dämonen), wenn die Glocke, mit Namen Maria, ruft. Ihre Stimme ist bam-bam, mit der sie den Teufel vertreiben tarnt. Eine für die Anschauungen und den Glauben der damaligen Zeit äußerst charakteristische Inschrift. Auf der zweiten Glocke (heute „Elfglocke" genannt) ist zu lesen: salve crax digna super omnia Elisabeth santa pro nobis omnibus ora in principio erat verbuni et verbum In deutscher Übersetzung: Sei gegrüßt, o Kreuz, das du über alles erhaben bist. (Hierunter ein erhabenes Kruzifix.) Heilige Elisabeth, bitte für uns alle. (Hierunter ein Heiligenbild.) Fm Anfang war das Wort, und das Wort. . Dies letztere, der erste Vers des Johannes-Evangeliums, ist im Mittelalter gegen Dämonen gebräuchlich und findet sich öfter auf Glocken, von denen man glaubte, daß sie mit ihrem Klang -die Dämonen (z. V. auch schwere Wetter) vertreiben könnten. Diese Glocke trägt keine Jahreszahl, ist aber wahrscheinlich einige Jahre älter als die beiden anderen. i Endlich lesen wir auf der kleinsten, der „Schulglocke": 0 rex glorie veni cum pace anno dotnini M°CCCCLIIII (1454), das heißt: König der Ehren, bring uns Frieden, eine Anrufung, die auf Glocken aus dieser Zeit häufig zu finden ist. (Fortsetzung folgt.) 480 Trübner. Wilhelm Trübner: PersonalieK und Prinzipien. Berlin, Bruno Cassierer. Trübner, der heute als Künstler an erster Stelle mit den Großen in der Malerei genannt wird, hat hier eine Selbstbiographie mit der Schlichtheit und Sachlichkeit geschrieben, die als ein Muster gelten kann. Mit lapidarer Einfachheit schildert er seine Heimat, seine Studienzeit, die Jahre seiner reifenden Meisterschaft und die heimlichen Kämpfe und Enttäuschungen, die allen großen Meistern beschützen sind, bis sie sich durchgesetzt haben. Für jene Sorte von „Kunstfreunden und Kunstkennern", die Trübners Kunst nicht „mögen" und deren soll es — leider — ja noch allenthalben geben, sei ein Satz hergesetzt, der die Zu- sammenhänge klarstellt. Er heißt: „Gleich zu Anfang meiner Künstlerianfbahn waren mir die vier größten Könner des Jahrhunderts: Feuerbach, Canon, Leibt und Thoma zu Führern und Leitsternen geworden." Thoma hat im wesentlichen die Landschaftskunst Trübners beeinflußt, Leibl seine Figuralmalerei. Wenn nun Trübner nicht ein blinder Nachahmer und Ausdeuter seiner großen Führer wurde, sondern sich zu eigener und selbstwüchsiger Meisterschaft entwickelte, so bedeutet das nicht etwa einen Abfall von den Vorbildern, wie das jüngst in einer großen Biographie Trübners gesagt wurde, sondern eine Weiterbildung jener großen Eindrücke zur eigenen Ausdrucksweise, die Erringung seines eigenen Stiles. Was aber diese „Personalien" ganz besonders wertvoll macht, ist, daß sie uns den Menschen und den Künstler Trübner in einer großen Harmonie zeigen, und daß das Menschliche sein Künstlerisches erhellt, bekräftigt und erweitert. Insofern ist dieser Teil der gesammelten Schriften Trübners geradezu ein klassisches Dokument für die Kunst, ihre Geschichtsschreibung und die Zeitverhältnisse. Die übrigen Schriften Trübners könnten, trotzdem einige schon ,or mehreren Jahren verfaßt sind und nun leicht überarbeitet wieder erscheinen, heute geschrieben sein. Ihr Inhalt ist heute noch gültig und treffend. In der „Verwirrung der KUnstbcgrisfe" und den: „Kunstverständnis von heute" wird mit starker Beweiskraft gezeigt, daß in künstlerischen Dingen dem Künstler und Kunstkenner/ und nicht dem Laien, zeige er sich auch noch so sehr als Kunstfreund, das Wort gehöre, wie dies in allen großen Kunstzeiten der Fall gewesen ist. In diesem Kampf um den Platz an der Sonne geht Trübner mit scharfer Waffe gegen die populäre Jnhaltskunst vor und vertritt das Reinkünstlerische. Unter scharfer Herausarbeitung dieses Begriffes — es ist geradezu prachtvoll, diese Partien in ihrer glänzenden Beweisführung nach- zrilesen — wird dann auch die blöde Sucht gegeißelt, im Kultus der Auslandskunst das Heil zu erblicken. Trübners Kunst ist eminent deutsch. Sie hat einzig die Tendenz „nach Herstellung guter Malerei ohne Rücksicht auf mteressante oder schöne Persönlichkeiten" und Gegenstände. Sie ist neben ihrer rein künstlerischen — im Gegensatz zur akademischen — Haltung sachlich. Sie erhebt sich über die bloße Wirklichkeitsdarstellung zum Kunstwerk. Von einer weiteren ^schriftlichen Aeußerung Trübners soll hier noch wegen ihrer Aktualität geredet werden. Es ist seine Schrift über „Das Heidelberger Schloß". Mit der Notwendigkeit, mit der heute immer wieder die künstlichen Surrogate anstelle der künstlerischen Leistungen treten, wird das Verhängnis seinen Laus nehmen. Wer hervorgehoben sei doch, daß es zu aller Zeit und auch tn dieser verzwickten Sache Männer gegeben hat, me sich ft et von Angst und ohne Furcht auf die Seite der guten Sache stellten. Wer die „Personalien und Prinzipien" liest — möchten sie jcmt viele und gründliche Leser finden! — wird erkennen müssen, daß ein freier, im höchsten Sinne künstlerisch denkender Mensch aus tiefen und langen Erfahrungen heraus, am Werk war und vom Besten gab zur rechten Zeit. Dr. B. Vermischtes. _ fs Das Z/itungsschiff. Um Irrtümern vorzuoeugen: Es handelt sich nicht um ein Schiff, das Zeitungen befördert, sondern um ein Fahrzeug, das aus Zeitungsmakulatur zusammen- geklebt ist, und mit dem ein alter Seebär, der Kapitän Georg W. Johnson die Meere befährt. Das seltsame Schiff, auf bem er vor einigen Tagen in den Hafen von Newyork einzog, besteht aus einem leichten Solzgestell und aus alten Zeitungen, die kunstvoll aufeinander geleimt sind. Johnson war am 6. Mai von Augiistine in Florida abgefahren und am 1. Juni, nachdem er -oO «eemeilen zurückgelegt hatte, in Savannah (Georgia) ein- getrosfen. Hier mußte er, weil er Sumpfwasser getrunken hatte uno mwlgedessen erkrankt war, eine Woche lang das Bett hüten, ^eme rTreunde rieten ihm dann, die geplante Fahrt von Savannah "E./rorsolk in Virginia aufzugeben, weil er mit seinem papiernen Aehiff das gefährliche Kap Hatteras hätte umschiffen müssen. Dem guten Rat gehorchend, packte er sein Papierschiff — eine vergrößerte und etwas vervollkommnete Nachbildung der von den Straßenjungen gebauten Papierschiffe — auf einen Dampfer, der rhp »ach Norfolk brachte. Hier aber vertraute er sich von neuem seinem originellen Zeitungsschifflein an, um nach dem 520 See- metlcn entfernten Newyork zu gondeln. Einem Redakteur des „Newyork Herald" erzählte er, wie er sein sonderbares Fahrzeug gebaut hat. Er schrieb zuerst an Newyork Herald", um seine ^zdee zu lancieren. Viele andere Blätter nahmen sie auf, und Johnsons „Schiffswerft" war in kurzer Zeit mit tausenden von Zeitungen aller Art angefullt. Nun baute er aus Holz das Gerippe eines 6V? Meter langen Schiffes und begann die äußere Armatur mit Zeitungsblattern zu bekleben, indem er Blatt auf Blatt leimte. Um das Schiff wasserdicht zu machen, brauchte er SEe Schichten von Zeitungen. Der Schiffsrumpf weist 39 olcher Schichten auf, das Deck nur 19. Im ganzen hat Johnson 3000 Zeitungen verwendet und zwar Zeitungen aller Partei- richtungen, um dem Schiff seine Unabhängigkeit zu wahren. Dürfen Frauen Hosen tragen? In Amerika ist die moderne Frauenbewegung bei einem Standpunkt angelangt, von dem es zur Ausartung ins Extreme nicht mehr weit ist. Die amerikanischen Frauen wollen nämlich eine gesetzliche Erlaubnis erwirken, daß ihnen öffentlich das Tragen von Hosen gestattet werde, wenn sie Beschäftigungen verrichten, die bisher dem männlichen Geschlechte zum größten Teile überlassen waren. Unlängst wurde eine Frau verhaftet, die sich neun Jahre hindurch in Mannerkleidung unbehelligt bewegt hatte, die aber auch von den Unbefangensten immer für einen Mann gehalten wurde. Von gewissen Leuten wird ttün behauptet, daß das Tragen der Männcr- kleidung kein derartiges Verbrechen sei, das mit Freiheitsberaubung ^straft werden dürfte, und in der Frage, ob Frauen unbehelligt Mannerkleidung tragen dürfen, bietet sich jetzt ein nationales Wblem,. das _ eigentümlicherweise bei dem Konvent der Repu- bspE/ tn Chicago und beim Konvent der Demokraten in Denver gänzlich unbeachtet gelassen wurde. Für die Hausfrau. Kreuz und quer durch den Haushalt. Naturkundliche Streifzüge für Lehrer, Hausfrauen und die reifere Jugend gemeinsaßlich dargestellt vou Schuldirektor Dr. Paul Wildseuer in Leipzig. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. Das Büchlein könnte man eine Naturkunde des Haushalts nennen. Von allem, was einem täglich umgibt, vom Brot, Salz, Feuer und Feuerzeug, vom Ofen, Kochgeschirr und allem andern Hausrat lernt man die Geschichte ihrer Herkunft, ihre Anwendung und ihre Bedeutung kennen. Der Verfasser versteht zudem interessant zu plaudern und selbst den alltäglichsten Dingen fesselnde Seiten abzugewinnen. Ohne daß je ein lebhafter Ton störend bervortritt, erwirbt man spielend eine Menge wichtiger uno nützlicher Kenntnisse. Gedanken Balzaes. Frauen haben in allen Lagen des Lebens mehr Ursache zu Schmerz und Kummer als Männer. Sie erleiden und ertragen mehr als diese. Ter Mann hat seine Kraft und seine Fähigkeit der Betätigung. Er beschäftigt sich, er denkt, er handelt, er eilt sich, er blickt voraus in die Zukunst, und all dies wird ihm zum Tröste. Die Frau aber bleibt zurück. Sie lebt gewissermaßen Aug in Auge mit ihrem Kummer, von dem sie nichts abzuwenden vermag. Sie steigt hinab bis in die Tiefen des Abgrunds, der sich ihr eröffnet oder den sie selbst aufgerissen hat, sie mißt seine Tiefe, sie sucht ihn zu umfassen und füllt ihn gleichsam mit ihren Wünschen, Gebeten und Tränen an?. * Es gibt Frauen, die, wenn sie glücklich wären, entzückend sein tnüßten. Das Glück ist die Poesie der Frauen, so wie die Toilette ihre Schminke ist. Es fehlt ihnen oft nur das, was die Frau zum zweitenmal erschafft, der Putz und die Zärtlichkeiten. Dreisilbige Charade. Ob auch die Jugendzeit entschwunden, Die Kinderspiele lang vorbei — Aus alten Liedern, duftumflossen, Sind dir bekannt die ersten Zwei. Wohin das Auge schweift ins Weite, Schaust du die dritte überall, Nur auf des Weltmeers blauen Wogen Ist solches selten nur der Fall. In deutschen Gauen liegt das Ganze — Das Finden wird dir wohl nicht schwer — Von seinen Bergen, Burgen, Sagen Verkündet dir manch' alte Mär'. T. L. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Preis — Reis — E i s. Redaktion: P. Wil «ko. - Rotationsdruck und Verlag bei BiLh l'schrv Universitäts-Buch- und Steindrnckerei R. Lange. Gieße".