bbit risua HÜ ■ K eiv3 >rt: gelt öev von HflC sie che, sich img )ont .ntte igcit Montag den 2. März |908 — Nr. 55 als der Tod. ßuifaite. Kslmuih von Lsvsen. Roman von Ursula Zöge von Manteuffel. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Er zog das ffrofje Schveibtischfach auf und schichtete drinnen Papiere und Bücher. Ta lag ein Paket Rechnungen, davon tvaren einige mich nicht bezahlt. Ter Rittmeister ivar ein sehr ordentlicher Haushalter. Tas hatte ihm Recknitz betzetten anerzogen und natürliche Anklage kam dazu. Tie Rechnungen wurden ausgesucht, die Anweisungen geschrieben. Tabei dachte er daran, daß Recknitz ihn gefragt hatte, ob er sein Vermögen jtim selbst in Verwaltung nehmen wolle, und er hatte lächelnd gesagt: bald! Ter Gedanke war schon wieder bitter, und ra,ch wandte er sich anderem zu itttb öffnete, wie auch jedes Jahr bei dieser Gelegenheit, das Fach, in welchem, sich die Andenken an feine Eltern befanden, des Vaters Epauletten, ein kunstvolles Mester, welches er immer in Gebrauch hatte, einige Bücher und eine Zigarrentasche. Sodamr von der Mutter in kleiner silberner Kassette mit Vexierschloß ein sehr schöner Schmuck von Diamanten und Saphiren, dem ein Zettel beilag, auf welchem sie selbst geschrieben hatte: Für meines kleinen Helmuth künftige Frau! — Es lagen auch noch einige Sachen drin, die sie selbst getragen hatte, ein kleiner Spitzenschal und das Geldtäschchen, welches sie damals, 1870, auf der Reise nach Frankreich mitgehabt hatte. Es war dem Sohn immer rührend, das alles anzusehen — heute empfand er beim Oeffnen mehr Verwunderung, denn ganz obenauf lag wie ein fremder Eindringling ein zusammen- gebrochener, an ihn adressierter Brief. Was war denn das urtb wie kam es hierher, in dies Fach) welches nur Heiligtümer barg? Das? Tenn mit abergläubischem Unbehagen erkannte er Luisens wunderlich wirbelnde, haarfeine Schriftzüge, die immer aussahen wie ein Gewebe aus Fädchen und Pünktchen. Wie er beit Brief herausnahm und das Fach schloß, kam ihm auch die Erinnerung. An dem Tage, da er seinen schlesischen Urlaub an- trat, in letzter Stunde war dieser Brief gekommen, er hatte die Schrift erkannt, sich geärgert und ihn, so meinte er, ungelesen zerrissen — doch in der Hast und Eile mochte er sich vergriffen haben, und der Bries war beim Abschließen der Fächer hier hinein- sgeraten. Und hier kam er hervor, just am Vorabend der Zeit, von welcher er sich Heilung v'ersprach. Eine Weile saß er müde, resigniert und starrte auf das unglückliche Kuvert herab. Tann griff er zum Falzbein, öffnete und las — fast hastig. Schon vor 'einem Jahr hatte er einen langen Brief, den sie ihm geschrieben, ungelesen verbrannt und unbeantwortet gelassen. Jetzt kam ihm's wie ein Aufatmen: Vielleicht enthielt dieser Brief irgend eine Nachricht, die ihn für immer von Vergangenem löste? — Sie war vielleicht längst verheiratet . . . Der Gedanke ließ alle seine Pulse hoffnungsvoll schlagen und erweckte zugleich leine sonderbare, der Eifersucht verwandte Verstimmung. Nun las er schon unaufhaltsam: Herr von Lohsen! Anders kann und will ich Sie nicht anreden, bis ich weiß, vb Sie meinen letzten Brief nicht erhielten, oder ihir unbeantwortet ließen, weil Sie Luisanen endgültig aus Ihrem Leben gestrichen haben. Ein Gerücht trug mir durch Zufall die Knude zu, Sie hätten sich mit einer Dame aus Ihren Kreisen verlobt. War das der Grund Ihres Schweigens? Das Leben hat mir so viel Bitteres gebracht — dieser letzte Gisttrvpfen fehlte ihm noch. Wenn es wahr ist, so habe ich fortan kein Recht mehr. Sie in Meinem Herzen mein zu nennen, das einzige Glück, welches Luisane je gekannt hat und je kennen wird. Ich habe bisher einem Wiedersehen entgegengelebt, und sei es auch nur, daß mein Auge Sie eines Tages unter den Zuschauern des Schauspiels erblicken dürfte. Jetzt hoffe ich, dies möge nie geschehen, denn Sie dort, an der Seite einer anderen zu sehen, wäre mir härter Langsam zerriß er den Brief und saß dann da, den Kopf in beide Hände gestützt. Wie konnte er nnv1 denken, sie werde ihm nicht treu bleiben. Er hatte es ja auch ganz genau gewußt, denn er kannte ihr Wesen. Sie gehörte zu denen, die, wenn überhaupt, nur einmal zu lieben vermögen. Für sie bietet das Theaterleben auch keine Versuchungen. Sie wird ihn nie vergessen und nie ein anderes Glück finden. Ihr Brief und diese Ueberzeugung erweckten in. ihm die Rührung, mit welcher er, der Starke, Gesunde, Reiche, einst des armen, trotzigen Dinges gedacht. Sein Auge feuchtete sich »nd dabei biß er in auflehnender Abwehr die Zäh«; zusammen. Er hätte in Zorn und Schmerz aufschreien mögen, und die Qual machte sich Luft in einem Stöhnen, welches den ganzen Menschen erschütterte. Nun wußte er auch, daß seine Seele keine Ruhe finden und daß er aus dem ersehnten Kriegsspiet wiederkehren würde wie er hineinging, vielleicht mit dem Entschluß im Herzen, der sein Leben zertrümmerte, XVII. Fran von Wahrendorf bewohnte mit ihren 6eiben, Töchtern ein kleines Quartier tu der Scharuhorststraße. Es lag im dritten. Stock und war einfach aber komfortabel eingerichtet. Berwandkl und Gesinnungsgenossen) die Verständnis für das aufopfernd werktätige Leben der drei Damen hatten, fanden gern den Weg hier hinauf. -vi Am 3. Oktober fand die Hochzeit des Rtttmeisters von Schnadewitz statt. Es war selbstverständlich, daß Loysen Brautführer und Fräulein von der Haide Brautjungfer sein mußten. Sie hatten das schon im Frühling als voraussichtlich mit Vergnügen erörtert und er hatte mit diesem, wenn auch kurzen, Wiedersehen gerechnet. Jetzt war es ihm- zu einem Schrecken und ihr zu einer peinlichen Erwartung geworden. Er hoffte, cs werde sich irgend ein, und sei es noch so fataler Zufall finden, der ihm die Unmöglichkeit von der Hochzeit Dieter, Schnadewitz' fern zu bleiben möglich machte, und sie erwartete eigentlich auch, daß er fehlen würde, aber er fehlte nicht, und stumm und verlegen begrüßte sie ihn. Er tat ihr leid, denn sie sah es seinem Gesicht an, daß er gelitten hatte in dieser ganzen Zeit, aber ihr Bedauern konnte beit Schatten nicht bannen, der ihr sein Bild trübte. Tie Hochzeit ivntbe auf dringenden Wunsch des Brautpaares. — 138 To still wie möglich gefeiert. Trotzdem gab es der Borbereitungen! genug und Edeltraut hatte sich hilfreich schon drei Tage vorher e'ngefundcn. Sie fühlte fich hier wie Tochter des Hauses und ward wie eine solche geliebt. Ties Brautpaar in der Nähe zu beobachten war ihr von höchstem Interesse und erfüllte sie immer wieder mit Verwunderung. Tiefe beiden Menschen, welche noch vor Jahr und Tag, obwohl entfernt verwandt, kaum etwas von ihrer gegenseitigen Existenz gewußt hatten, saßen jetzt Hand in Hand in einer lauschigen Ecke und sahen sich verklärt an. Sie tranken Bischoff ans demselben Weinglase und schnitten sich gegenseitig die Bissen zurecht, ohne äii wissen, vb die Brötchen mit Lachs oder Apfelsinennmrmelade belegt waren. Tas stille, unscheinbare Diakonissengesicht der Braiit sah gerötet lind ordentlich hübsch ans, und ihre Blicke hingen an bem Antlitz des Bräutigams, als könne sie sich daran nicht satt sehen. Es war ja wahr, das Glück hatte auch dessen igelhafte Stachlichkeit bedeutend gemildert, aber das Ganze wäre Edeltrant ebenso unverständlich geblieben, wäre er ein Adonis gewesen. Sie wandte sich seufzend ab. Frau von Wahrendorf, eine stille, schlichte Frau von jener echten Vornehmheit, welche keines äußeren Schildes bedarf, hört« diesen leisen Seufzer und zog das Mädchen an sich. „Liebes Kind," sagte sie, „Helene ist wahrhaft glücklich, mie du siehst. Ans all deinen Briesen sprach staunender Zweifel, aber jetzt bist du lvvhl überzeugt?" „Ueberzeugt ja — aber noch nicht aufgeklärt." „Solch ein Glück wünsche ich dir auch, liebe Edeltraut, dann würdest du es begreifen." „Mir? Aber damit wüßte ich absolut nichts anzufangen. Du kennst mich doch. Ich habe Wilhelm." „Natürlich, ich weist. Tein Bruder ist ja ein verehrungs- stiürdiger Mensch, aber er ist doch dein Bruder." „Liebe Tante Wahrcndorf, wir wollen nicht streiten. Wilhelm ist mein Glück. Ein Fremder, auch wenn ich ihn liebte, könnte nrir nie sein, was mir mein Brüder ist und ivar, seit ich denken kann." Frau von Wahrendvrf lächelte und ihre mütterliche Hand strich über das Helle Haar: „Ein ganz kleines Geständnis ist denn doch in deinen Worten enthalten." Es war der Borabend der Hochzeit. Ein Polterabend sand sticht statt, aber einige Verwandte und Freunde fanden sich zu- saniinen und die Hausfrau begrüßte bald diesen, bald jenen. Ganz zuletzt traf Lohsen ein. Er sah blaß und abgespannt aus, was bei seiner straffen Haltung und den sestgeschnittenen Zügen freilich nicht sehr bemerkt wurde. Edeltraut begrüßte ihn so freundlich und so unbefangen, wie sie nur konnte. Sie gab sich alle Mühe, in ihm nach wie vor Wilhelms besten Freund zu sehen, aber sie mußte ihn wider Willen beobachten. Immer war ihr, als müsse irgend etwas geschehen, etwas Erlösendes, etwas, das ihn wieder ihres Bruders ganz würdig mache, aber sie suchte vergeblich in Gedanken, was das wohl sein könne. Es gab ja nichts. Tie Vergangenheit stand unverrückbar still, sie konnte nicht ungeschehen gemacht werden — an diesem Felsen prallten auch ihre Gedanken iminer wieder ab, sie war jetzt so weit, wie er cs gewesen, nach der Begegnung mit Gotthard Becker. Was hals es ihm, so sagte sie sich, daß er vielleicht litt, bereute, und daß er doch noch genau derselbe Mensch war, den sie als ehrlichen Freund so warm schätzen gelernt hatte — der Name „Luise" stand lvie ein trüber Schatten zwischen ihn« und ihren: kameradschaftlichen Empfinden. Er tat ihr leid und sie machte sich.Vorwürfe, aber es blieb nun einmal so. Es war ihr immer zu Mut, als umgebe den Mann eine seltsam ungeklärte Atmosphäre. Er seinerseits empfand das erste Wiedersehen peinigend, bann aber fiel er in die müde Gleichgültigkeit zurück, die ihn jetzt fast immer erfüllte. Zwar sprach und lachte er, sagte zur rechten Zeit das Richtige, aß und trank und unterschied sich wenig von den übrigen Anwesenden — aber es geschah alles in der mechanischen Weise, die ihm zur Gewohnheit geworden war. Was hätte er vor einem halben Jahr darum gegeben, Edeltraut einmal in Gesellschaft, in Toilette zu sehen. Es hätte ja für ihn das größte Interesse gehabt, zu sehen, lvie sie sich bewegte, sprach und kleidete, ob sie sich auch hier ihre köstliche Natürlichkeit bewahre oder steif und wortkarg erscheinen würde, denn her Gedanke lag nahe, baß sie, losgelöst aus dem Rahmen ihres gewöhnlichen Lebens, etwas von ihrer für ihn idealen Gesamterscheinung eiubüßen werde. Er wunderte sich jetzt fast, daß ihm das alles einst — cs Mußte lange her sein! — wichtig erscheinen konnte, und lvenir er sich auch zwang, teilnehmend zu erscheinen, in Wirklichkeit bemerkte er weder wie sie aussah, noch wie sie sich gab. Ganz andere Fragen erfüllten ihn und nahmen all sein Denken in Anspruch. Am nächsten Tage fmt'bj die Trauung statt. Lohsen schickte seiner Brautjungfer ein wuiiderbar schönes Bukett von auserlesenen! Marschall-Niel-Rosen. Wie er an ihrer Seite durch die Kirchs schritt, blieb manches Auge auf diesem Paar ruhen. Sie paßten so wunderbar zu einander, diese beiden hohen Gestalten, vielleicht auch darin, daß sie beide ernst, fast unglücklich aussahen. Edel-, traut fühlte sich unbehaglich an seiner Seite, das NnauS-i gesprochene zwischen ihnen bedrückte sie und doch hätte sis eine Aussprache vermieden. Er wieder empfand einen Augenblick so etwas wie höhnische Bitterkeit, als er so an ihrer Seite einem Traualtar znschritt, dann aber gingen seine Gedanken sogleich ins gewöhnte Gleis zurück und er sagte sich: So, nun ist die Gnadenfrist abgelaufen! — Tenn da ihr: diese Feier zum ersten Mal nach beendeten! Manöver» nach Berlin führen würde, hatte er sie sich als das äußerste Ziel gesteckt, bis an welchem er sich frei fühlen und ganz seinen« Beruf angehören wolle. In dem Augenblick, da sein Kamerad am Altar mit schnarrender Stimme sein „Ja" sprach, verfiel dieser Freibrief, Helmuth von Loyfens Lebensweg macht« eine scharfe Biegung und lief in dunkle Tiefen hinab Ter um zwölf l!hr stattgehabten Trauung folgte im Hotel Imperial ein kleines Dojeuncr dinatoir, nach welchem alles auseinanderging. (Fortsetzung folgt.) Eine Mrdlandfahrt.') -(Originalbeitrag der „Gieß. Fam.-Blätter".) Mehr als die Götter Griechenlands und Iioms hatten mich schon in der Schule die großen Gestalten der Edda,, die Schil- derungen ihres Heimatlandes begeistert, und es war der Traum meines Lebens, dieses aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Ter Traum hat sich erst spät verwirklicht, aber ich bin dem Schicksal dankbar dafür und will diese Dankbarkeit beweisen- indem ich an der Hand meiner Eriiinerungen eine anspruchlos« Beschreibung der interessanten Reise gebe. Höchst willkommeii war es mir, daß sie tion Saßnitz ausging, denn es wurde dadurch Gelegenheit geboten, die mir noch unbekannte Insel Rügen kennen zu lernen. In Stralsund hielt ich mich einen Tag auf, besuchte das Grab Schills, die beideii großen Hallenkirchen imb das wundervolle Rathaus, von durchbrochenen Zinnen gekrönt, die sich wie feiner Spitzengrund vom blauen Sommerhimmel abhoben. Tie U.eberfahrt nach Rügen, vollzieht sich in 20 Minuten mit der Tampffähre, die Fahrt durch das wellige Hügelland interessiert nur an einer Stelle- wo die tief einschneidenden Seebuchten so nahe zuiammen- kommen, daß nur die Eisenbahn nnd eilte schmale Straße Platz finden. In Saßnitz sand ich nur knapp em Unterkommen, aber soviel Naturschönheit, daß mich diese Turftigleit nicht weiter anfocht. Der Ausflug nach Stubbenkammer mit seinen wunderbaren Kreideselsen nnd Buchenwäldern, der stille Herthasee zählen zu den schönsten meiner Reiseeindrttcke. Tis Ueberfahrt nach Bad Binz im Motorboot war so sturmifch- daß mir das Reisehandbitch über Bord gespült wurde und,der Schirm nachgefolgt wäre, wenn ich nicht schnell zugegriffen hatte. Der Strand in Binz ist sehr schön und bunt belebt, während ml Saßnitz des steinigen Ufers wegen nur wenig gebadet wird. Am 20. Juli versammelten sich die Teilnehmer der Nord- landreise auf denr Schisse und wurden von den Führern des Orientklubs miteinander bekannt gemacht. Wir waren 30 Herren und 8 Damen; das größte Kontingent stellte Leipzig, wo die Unternehmer her waren. Preußen, Oesterreich, Bayern waren ziemlich gleichmäßig vertreten; dazu kamen einige Hamburger — kurz, es war eine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft, ^«e Ueberfahrt nach Trelleborg war bei Windstille und ycrr- lichem Sonnenschein eine wahre Lustfahrt. In M a l m ö , unserer ersten Nachtstation, empfing uns ein deutscher, Gesangverem- der spater beim gemeinschaftlichen Mahl in einem hübschen Sommerlokäl Volks- und Vaterlandslieder zum besten gab. Andern Tags ging es nach Gothenburg, der zweitgrößten Stadt Schwedens mit bedeutender Industrie und großem überseeischen: Handel. Unter Führung des Direktors der Carnegie-Bierbrauerer und Zuckerfabrik machten wir zu Schiff einen Ausflug nach StYrsö, einem in den Schären reizend gelegenen Badeort, wo man am liebsten gleich seine Zelte aufgeschlagen hätte. Aber ein Verweilen beim schönen Augenblick gibt es nicht auf solche» Gesellschaftsreisen, man muß unaufhaltsam weiter. Jede Stund« ist eingeteilt. Wer zurückbleibt, hat es nur der besondere» Nachsicht der Reiseleitung und günstiger Konstellation der Züge zu verdanken, wenn er den Anschluß nicht völlig verliert, ^t» schön angelegten Bolkspark Slotsoaen und anderen gemern- nützigen Einrichtungen sahen wir die große soziale Fürsorge für die Arbeiterklasse Schwedens. Unter den herrlichen alte» Bäumen des Parks sahen wir die Familien behaglich schlendern- oder im Grase liegend einen bescheidenen Imbiß verzehren - *) Die vorstehenden anmutsvollen Reiseplaudereien würde» uns von einer Gießener Dame zum Abdruck freundlich» Überlassen, DrRed. — 139 einige spielten sogar Karten ans den überall zerstreuten Felsblöcken, die Kinder verhielten sich, mit nnserer lärmenden Jugend verglichen, auffallend ruhig. A l t o h o l ist hier sozusagen ausgeschlossen, denn man erhält jedes Glas Bier nur mit Zugabe eines Butterbrotes, was die Sache erheblich verteuert und einschränkt. Auf die berühmten T r o l l h ä t t a n - F ä l l e, die wir von Gothenburg aus besuchen sollten, waren wir sehr gespannt, und ich muß sagen, daß sie, wenn auch gewerbliche Anlagen manches geschädigt haben, doch noch soviel Großartiges bieten, daß alle Sinne sich daran satt trinken können. Ter Kontrast des oberen metallglatten Flußspiegels mit der tobendeu sich überstürzenden Wassermasse der drei Fälle ist einfach überwältigend. Für den Techniker ist der Götakänal, welcher Gothenburg mit dem Wencr- fee verbindet, von großem Interesse. Wir sahen mächtige Schiffe die Schleusen passieren, machten noch einen Rundgang um und auf schwebender Brücke über die Fälle, dann eilten wir zuin lecker bereiteten Mahle ins Grand-Hotel, das mit dem Blick auf die Fälle sehr malerisch liegt. Bedient wurden wir von eleganten jungen Taimen, die, wie in der Schweiz, oft aus den besten Familien stammen und aus Neu- oder Lernbegier solchen Kellnerinnenposten vorübergehend annehmen. Tas Hotel war so überfüllt, daß ich mit einem schnell hergestellteu Gelegenheitsbett vorlieb nehmen mußte; zum Glück hatte mich das Leben nicht zur Erbsen Prinzessin erzogen und so schlief ich trotz Turnerbett und Lärm der in schwedischem Punsch angeheiterten Gäste bald den Schlaf der Gerechten. Ani nächsten Tage erreichten wir Christiania, in waldiger Umgebung,, am Christianiafjord sehr malerisch gelegen. Auf die schöne Umgebung wurde auch für den kurzen Aufenthalt das meiste Gewicht gelegt, ob alle damit einverstanden waren, weiß ich nicht, aber daß die Fahrten auf dem Fjord und die Aussichten vom Sanatorium Holmeu-Kolmeu entzückend waren, weiß ich ganz genau. Diese sog. Sanatorien in Skandinavien sind in unserem Sinne nur Sommerfrischen, wo Sport aller Art getrieben wird, je nachdem, im Winter auch Schlittschuh Und Skiläufen usw. Ein Gang durch die Stadt führte zum Museum, tvo tvir das berühmte Wikingerschiff sahen. Es ist die Grabstätte irgend eines Häuptlings und seiner Mannen und hat sich, in die Tonerde eingebettet, manches Jahrhundert erhalten. Bor dem Museum stehen seit Jahren die Kolossalstatuen von Ibsen und Björnson, ein Beweis, daß Norwegen seine großen Dichter schon bei Lebzeiten zu ehren weiß. ' Die Fahrt von Christiania nach Drontheiin brachte die erste Uebernachtung im Zuge, die wegen der Enge der Wagen und des fortwährenden Durchlaufens der Bediensteten recht unangenehm verlief. Spätere Uebernachtungen in den großen durchgehenden Wagen gestalteten sich weit besser, da ein Seitengang vorhanden und die zu Betten umgeänderten Sitze viel breiter waren. Im allgemeinen sind die Eisenbahuverhältnisse in Skandinavien musterhaft, die Wagen 2. Klasse vornehm ausgestattet und sehr geräumig. Wir hatten stets einen fest abonnierten, Waggon, was auf der eilten Seite sehr angenehm war, auf der anderen aber jedes Zusammenkommen mit den Landeskindern ausschloß, so daß wir wohl das Land aber nicht die Leute kennen lernten. Auf den Stationen suchte ich mich durch dar- gereichtes Zuckerwerk mit den Kindern anzufreunden, aber sie waren so scheu, daß nicht einmal ein Händedruck von ihnen zu erlaugeu war. Tie Ankunft in Droutheim am frühen Morgen war, des schlechten Wetters wegen, einigermaßen verstimmend, auch die Zimmer nebst Verpflegung im Hotel Brittania, wohin sich der ganze Touristenstrom wälzt, recht dürftig. Zum Glück besserte sich das Wetter! und wir marschierten nach dem Hafen, wo wir freudig überrascht waren, ein deutsches Geschwader vorzufiuden. Nach Anfrage beim Kommandanten kam eine Dampfbarkässe, um uns an Bord des größten Kriegsschiffes — den Namen vergaß ich leider — abzuholen. Mit größter Znvorkomuienheit begleiteten uns zwei Offiziere durch alle Räume und erklärten das wunderbare Jneinandergreifen der Kräfte und Menschen. Ein Trinkgeld von 50 Mk., das wir den wackeren Matrosen spenden wollten, lvurde abgelehnt, aber eine kräftige Lobrede unserer Reiseleitung auf Offiziere und Mannschaft dankend quittiert. Am Nachmittag machte unsere Gesellschaft bei strömendem Regen einen Wagenausslng, während ich mir unterm Regenschirm die Stadt ansah, welche mit ihren breiten Straßen und hübschen Anlagen einen sehr gefälligen Eindruck machtz Auffallend und für den soliden Sinn der Norweger sprechend sind die vielen Sparbanken, weiter interessieren die großen Pelzgeschäfte und Juwelierläden. Ein Herr ans unserer Gesellschaft kaufte einen pfuudschweren silbernen Gürtel mit Runenzeichen und Darstellungen aus der alten Geschichte Norwegens, eine Spezialität der dortigen Silberschmiedeknnst. Andern TagS besuchten wir die berühmte Tomkirche, die schon im 11. Jahrhundert angefcmgeu, aber durch Feuersbrünste oft heimgesucht erst jetzt ihrer Vollendung entgegen geht. Tie Krönung der Könige im Tom ist Landesgesetz. Von Trontheim aus traten wir die sieben Tage dauernde Hin- und Rückfahrt nach dem Nordkap an. Einige wohl mit bänglichen Gefühlen, denn wenn auch die Leitung für ruhiges Wasser garantierte, so wär die Sache, wie sich in der Folge ans- wies, keineswegs sicher. Wir richteten uns schlecht und recht in unseren engen Kabinen ein, fühlten uns dagegen angenehm, überrascht durch die großartige Reichhaltigkeit der Verpflegung. Da ich zu den Toren gehöre, denen Speise und Trank wenig bedeutet, will ich nicht auf Cinzelheiteu eingeheu und nur bemerken, daß besonders die Fischspeisen stets erster Güte waren. Der nordwestliche Teil Norwegens lebt fast nur vom Fischfang. Wir sahen in Trontheim einen Heilbutt, der 70 bis 80 Pfund wog, und bei keinem Mahl fehlt der köstliche Salw in den verschiedensten Zubereitungen. Tie Vielesser in unsere» Gesellschaft kämen denn auch reichlich auf ihre Iistosten, wurden rund und fett, während wir weniger günstig Organisierten uns höchstens den Magen verdarben. ... ~ Ten Charakter der Landschaft, nicht die einzelnen Stationen, beschreibe ich nur uach dem allgemeinen Eindruck, der an Großartigkeit meine Erwartungen weit übertraf. Tie Berge, ähnlich den Dolomiten, sind nicht so hoch wie die Riesen der Schweiz oder Tirols, erscheinen aber gewaltig, weil sie ans dem ebenso gewaltigen Meer aufragen. Meist umkränzt nur schmale Vegetation ihren Fuß, aber an geschützten Stellen sproßt diese umso reicher und lieblicher. Ter Kdntrast der ernsten Schneehäupter, der blauen Gletscher, mit den reizenden Buchten, den zierlichen rot und lveiß gestrichenen Häusern, ist einfach entzückend. Brausende Wasserfälle stürzen sich ins verwandte Element, immer neue Inselgruppen tauchen empor, durch die der Tampfer jich oft nur mühsam durchwindet, die schönsten Fjorde tun sich auf, und da unser „Neptun" ein kleines Schiff ist, können wir auch ihre innere Schönheit genießen, während die großen Dampfer, die nicht darin wenden können, vorbeifahren, müssen, lieber allem strahlte die Sonne. Irr ihrer Herbheit war die Natur von einer ruhevollen Größe und in ihrer Schlichtheit so erhaben, daß es die kleine Kreatur — Mensch — fast zu Boden drückte. Selten ist der Horizont ganz klar, überall schwebt ein silbergrauer Tunst, der aber bei Sormenauf- und »Untergängen die schönsten Strahlenbrechungen und Wolkengebilde erzeugt. Tie eigentliche Mitternachtssonne sahen wir nicht — dies Glück wird nur wenigen zuteil — aber wir freuten uns der wunderbaren Gestaltungen, der reichen Farben von Himmel und Erde, der luftigen Mövenschar, die sich hinten über und neben dem Schiss herumtumruelte. Seltsam erregend wirkt die Helle Nacht, man plaudert oder träumt im Liegestuhl bis man plötzlich inne wird, daß man den Morgen herangewacht hat und schnell sein schmales Lager aufsucht. Ten ersten Halt auf der Fahrt machten wir an dem 57 Kilometer laugen Swartisengletscher, der frch fast bis ins Meer heruntersenkt. Einige unserer Gesellschaft bestiegen! ihn, ich arbeitete mich durch saudiges Geröll nur bis zum Fuße durch, erhielt aber als Aelteste der Gesellschaft für diese Heldentat einen Strauß und eine kleine Brosche, die später allerdings auch den Anderen verliehen wurde. Einen längeren Aufenthalt nahmen wir in T r o m s o e, wo wir das hübsch eingerichtete Museum für uordische Fauna , und Flora besuchten, em entsetzlich riechendes kolossales Walfischskelett int Keller ansahen und allerlei kleine Einkäufe in Geschäften wie bet den zahlreich erfchienenen Lappen machten. Einige Tage zuvor hatte König Haakon mit Gattin seinen Einzug in Tromfoe gehalten, wovon ettte stattliche Ehrenpforte noch Zeugnis ablegte. Einen Beweis für den hohen Kulturfortschritt im hohen Norden sand tch tn einem kleinen Buchlädcheu, wo in mehreren Exemplaren der Klavter- auszug der „lustigen Witwe" auflag! Den berühmten Linäenfjord, den Raftsund will ich nicht beschreiben, da die Reisehandbücher schon soviel darüber gesagt haben. H a m in e r f e st, die nördlichste Stadt der Erde, erreichten wir am 2. August, durchwanderten die hübsche, meist aus Holzhäusern bestehende Stadt und landeten an der Mertdtansaule^ von wo man einen weiten Blick über den großen, als Stapelplatz ftir nordische Erzeugnisse sehr bedeutenden Hafen hat. Eigentümlich berührt es, daß außerhalb, der Stadt auf kleinen Häusern und Hütten die Schafe n n d Z i e g e u d a s auf d e n D ä ch e r n wachsende Gras abweiden. Es wird wohl dort gesaet und gedeiht durch die Warme des Hanfes ganz gut, aber wie karg, wie trostlos muß der Winter sein unter einem Breitegrad, den die Sonne über zwei Monate ganz ausschließt! Die allerdings überall cingeführte elektrische Belency- tung ist doch nur ein trauriger Ersatz für das holde, be lebende Sonnenlicht! lSchluß folgt.) Vermiet? iss. — Im Zeichen des Harlekin steht in diesen Wochen unser gesellschaftliches Leben mit seinem bunten Maskentrmben. Scherz und Tanz überall! In ihrer neuesten Nummer zahlt ihm auch die „Soitntagszeitung fürs Detitsche Haus" ihren Tribut. Sie plaudert zu ihren Lesern über seinen Ursprung, erzählt in Reim und Prosa von Tanz und illustriert die jetzt frohe Faschings- stimmung. Außerdem bringt das Blatt den Anfang emes neuen Romans von Fr. Jacobfen „Hans int Glück", einen illustrierten 140 — Aufsak wer Liszt, die Fortsetzung: des Romans „Zaungast von Agnes' Harder und in der „Chronik der Zeit" Bilder und Berichte aus dem öffentlichen Leben. Die Beilage „Kindermode" bringt allerhand hübsche Neuheiten für Misere kleinen Lieblinge. (Verlag W. Vobach & Co., Berlin.) kfg. Elntfernung der Fettleibigkeitaufopera- t i v e in W e g e. In Wien hat man kürzlich den. Versuch gemacht, in einem Falle von zu großer Fettleibigkeit, ßet_ der die Anlage des Fetters in den BanchpaAien fo groß war, das; der Betreffende nicht sitzen konnte, dieses auf operativem Wege zu beseitigeil. Prof. Eiselsberg entfernte in 15 Minuten 6 Kilo, ohne daß der Patient hinterher besondere Beschwerden hatte. Das ist die größte Menge Fett, die durch Operation mit dem Mester auf einmal beseitigt wurde. — Diese ist gegenwärtig durchaus nnge» fährlich, wahrend im Mittelalter ent Bischof, der ferner Fettleibigkeit wegen nicht an einem Kreuzzuge terlnehmen konnte und sich deshalb operieren ließ, die Wegnahme des Fettes von, Bauche mit dem Tode bezahlen mußte. * D a s gemütlicheParlament. Aus dem Protokoll über eine der letzten Sitzungen der Skupschtina in Cet- tinje bringt die „Wiener Allg. Ztg." folgenden Auszug: Ministerpräsident Lazar Tomanowitsch hat soeben seine Rede über das auf den Fürsten Nikolaus geplante Attentat beendet. Der Präsident der Skupschtina erklärt, daß damit die Tagesordnung erledigt sei und daß er auf die nächste Tagesordnung die Beratung über das Budget setze. Bevor er jedoch die Sitzung schließe, bitte er die Abgeordneten, alle Anfragen an die Minister oder das Skupsch- tinapräsidium zu richten, die ihnen am Herzen lägen. — Aba. Dretzun: Ich bitte ums Wort! Ich möchte den Mi- nij er fragen, warum seit drei Tagen der Abg. Pajowitsch nicht mehr hier zu seh-en ist? Hat er sich vielleicht etwas zuschulden komnien lassen? (Gelächter auf der Galerie.) — Abg. Labud Petrowitsch: Ich möchte den Finanzminister über eine mich allein betreffende Angelegenheit befragen. Es wäre mir aber lieber, wenn ich dies unter vier Augen tun könnte. Da aber der Präsident verlangt hat, daß wir über alles, was uns am Herzen liegt, fragen sollen, so . . . (Schallendes Gelächter auf der Galerie.) — Präsident: Ich entziehe dir das Wort! (Labud Petrowitsch setzt sich) — Abg. Tokow: Ich möchte den Woiwoden Lukitsch (derzeit Minister des Innern) fragen, ob ich auf sechs Tage nach Hause fahren kann, und wenn ich zurttckkomme, ob ich noch Deputierter sein und Diäten ausgezahlt bekommen werde? — Ministerpräsident Tomanowitsch: Du varfst nicht fahren, Christo! (Christo Tokow setzt sich und zündet sich eine Zigarette an.) — Der Minister ironisch fortfahrend: Vielleicht braucht dich der Fürst. — Abg. Wlachowitsch (springt empört von seinem Sitze): Was soll das heißen, daß uns die Kerle am Plafond oben (Galerie) fortwährend auslachen? Das kommt davon, weil man uns das Mitnehmen unserer Revolver und Säbel in die Sitzungen nicht gestattet! — Präsident (läutet): Ich sehe schon, daß ihr nichts Rechtes zu fragen habt, und daß ich deshalb die Sitzung schließen... In diesem Augenblick fährt der Abg. Radowitsch von seinem Stuhl empor: Herr Präsident, warte noch ein bißchen! Denn zum Teufel, ich habe etwas sehr wichtiges zu fragen! Auf der nächsten Tagesordnung steht Beratung über das Budget. Ich bitte den Ministerpräsident, mir zu sagen: Wer ist dieser Budget! Ist das auch so ein von Belgrad angestifteter Verschwörer gegen unseren Fürsten? — Präsident: Schweige, Drago! Du hast nicht das Wort. Tie Sitzung ist geschlossen. * Geehrter Herr Lehrer! Entschuldigen Sic höflichst meine Tochter Marie, daß sie heute nicht in die Schule kommt, sie hat Geschwüre an den Füßen und im Genick und kann nicht drauftreten. Ergebenst K. F. Gesundheitspflege. Vom Schlafen. Gewöhnlich preist man diejenigen, welche nur wenig schlafen, und Männer lute Friedrich der Große, Napoleon, Wellington, Edison, Virchow u. a., die nur vier Stunden Schlaf brauchten oder brauchen, um sich vollständig auszuruhen, werden jungen Leuten, die gern lange schlafen, oft als Muster vorgeführt. Im allgemeinen richtet sich das Schlafbedürfnis nach der Körperkonstitution jedes Individuums; Woods Hutchinson tritt aber im „American Magazine" dafür ein, daß die erste Schlafregel lauten sollte: „Feder schlafe, so lange er kann." Der Schlaf ist nicht das Aufhören der physischen Tätigkeit, sondern die Ersetzung der zerstörenden Wirksamkeit des Wachens durch eine aufbauende körperliche Tätigkeit. Die Kinder schlafen viel, weil ihr Schlaf im höchsten Maße aufbauend ist, und wenn die Alten nur wenig schlafen, so geschieht das nicht daruni, weil sie keinen Schlaf brauchen, sonderst weil sie die Kraft des Wiederaufbaus verloren haben: ihre Schlaflosigkeit ist das sicher st e Zeichen ihres physischen Verfalls. Der beste hygienische Führer in Schlafangelegenheiten muß also lauten: „Man gehe zu Bett, wenn man müde ist und stehe erst dann auf, wenn man sich vollständig ausgeruht fühlt. Neun Stunden Schlaf sind nicht zu viel, und die Frau soll eine halbe oder eine ganze Stunde länger schlafen als der Mann. Nach dem amerikanischen Physiologen ist es nichts als ein törichtes Vorurteil, wenn man das zuviel Schlafen als eine Ursache der Schwächung des Körpers betrachtet; gerade das Gegenteil ist richtig. So lange man schläft, hat man eben ein Bedürfnis zu schlafen; das Aufstehen, bevor man den ganzen Schlaf beendigt hat, ist also weit eher eine Ursache der Schwächung des Körpers. Viele Frauen und Männer tun gut, wenn sie nach dem Essen ein ganzes oder ein halbes Stündchen schlafen. Ein Kind soll man solange« lsnur irgend möglich schlafenlassen. Es ist beinahe ein Verbrechen, wenn man die Kinder allzu früh aus den Betten reißt, um sie zur Schule zu treiben. Es ist auch nicht wahr, daß, wie man oft sagen hört, die ersten Stunden des Schlafes besser sind als die letzten; so lange man schläft, sind alle Stunden gleich gut. Weisheitsworte. Wenig große Lieder bleiben, Mag ihr Ruhm auch stolzer sein, Doch die kleinen Sprüche schreiben Sich ins Herz des Volkes ein. Schlagen Wurzel, treibe» Blüte, Tragen Frucht rind wirken wrt: Wunder wirkt olt im Gemüte Ein geweihtes Dichterwork. Bodenstedt. Worte Carlyles. Glückliche Zeit der Lindheit; heilige Natur, du bist allen eine ireundliche Mutter; du vergoldest die Hütte» der Arme» mit deut Glanz der Morgenröte und hast kür deinen Pflegling ein sanites Lager von Liebe lind unendlicher Hoffnung bereitet, worin erwächst und schläst, von den lüßesten Träumen umgaukelt. So lauge uns noch die väterliche Hütte umschließt, so lange schützt uns auch ihr Dach; der Vater gilt uns noch als Prophet, Priester und König, und wir leben in dem Gehorsam, der uns frei macht. Der junge Geist ist aus der Ewigkeit erwacht und weiß noch nicht, was wir unter „Zelt' verstehen; noch ist die Zeit kein schnell enteilender Strom, sondern ein klarer, sonnenheller Ozean. Jahre sind den» Kinde wie Jahrhunderte. Tas Geheimnis des Wechsels, jenes langsameren oder rascheren Verfalles und des unaufhörlichen Zu- snmmenslürzens des gesamten Weltgebäudes, vou dcu Grauitbergen an bis zum Mensche» oder der Eintagsfliege ist ihm noch unbekannt, und in einem stillsteheuden Weltall kostet er, ivas ihm später in dem eilenden Weltall für immer versagt ist: den Balsam der Ruhe. (Sartor Resartus.) Bilderrätsel Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Ä!a, Mai, Main, Mainz. Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.