m. N |908 IBBb WKM i • ’;a," versetzte sie, „ich weiß, aber sollten wir nicht die Polizei davon verständigen?" „Die Polizei?" rief ich „Ist es möglich Sie hegen einen Zweifel, daß Ihr Vater eines natürlichen -codcs gestorben ist?" Sic blickte mich scharf an und sagte mit Nach- druck: „Mein Vater ist ermordet worden!" Dieser Gedanke war für mich so überraschend und schmerzlich, daß ich im ersten Moment keine Antwort fand, und auch von den anderen ver^ suchte keiner das Schweigen zn brechen. Als hätte jedoch Florences letzte Bemerkung einen plötzlichen Entschluß in ihm geweckt, trat Maitland schnell und geväuschlosi zu dem Leichnam. Er untersuchte die Kehle, hob die rechte^Hand auf und betrachtete die Finger: dann trat er einen Schritt zurück und schrieb ein paar Zeilen in ein Notizbuch. Hieran? prüfte er die Rolltür und fand sie geschlossen, sodann die beiden Fenster an der Südwand, die ebenfalls, wie sich ergab, fest zugemacht waren. Er öffnete die nach dem Hausflur führende Tür ein wenig, und sie knarrte laut in den Angeln. Nachdem er dies alles notiert hatte, zog er einen kleinen Maßstab aus der Tasche, ging zu dem östlichen Fenster, maß die Oeffnung, sodann auch die Entfernung zwischen diesem Fenster und dem Stuhl, auf dem der Tote iwch saß, und verzeichnete die Ergebnisse wie zuvor in seinem Buche. Sein nächster Schritt setzte mich nicht wenig in Erstaunen und bewirkte, daß ich wieder Herr aller meiner Geisteskräfte wurde. Mit seinem Federmesser schnitt er einen Kreis in den Teppich um jedes Bein des Stuhles herum, auf dem Darrows Leichnam ruhte. So fuhr er geräuschlos und gründlich in seiner Untersuchuitg fort, aber ich folgte ihm jetzt nicht mehr so genau, denn ich hatte das lebhafte Gefühl, ich müßte Florence von ihrem Irrtum abbringen, und überlegte, wie ich dies am besten tun könnte. „Liebes Fräulein Darrow," sagte ich schließlich, „Sie legen zu viel Gewicht auf die letzten Worte Ihres Vaters, dessen Geist offenbar nicht in normalem Zustande war. Sie müssen wissen, er hat schon seit Monaten Perioden zeitweiser Geistesabwesend heit gehabt, und alle seine Vorstellungen trugen einen blutigen Charakter. Ueberlegen Sie doch einmal in Ruhe," sagte ich) als ich an ihrem Gefichtsausdruck erkannte, daß ich sie in ihrer Uebcrzcngung nicht im geringsten wankend gemacht hatte. „Ihr Vater sagte, er sei gestochen worden. Sie müssen aber cinsehen, daß dies physisch ein Ding der Unmöglichkeit ist. Wären auch alle Türen und Fenster offen gewesen, so hätte ein Mensch unmöglich das Zimmer betreten oder verlassen können, ohne daß wir ihn bemerkt hätten. Nun waren aber die Fenster scst geschlossen außer dem einen, das, wie Sie selbst sehen können, etwa fünfzehn Zentimeter offen und in dieser Lage durch die; Sperrvorrichtung festgehalten ist. Sehen Sie nicht, wie unhaltbar Ihr Gedanke ist? Ware Ihr Vater gestochen worden, so hätte er geblutet, aber ich bin so gewiß, als hätte ich ihn gründlich untersucht, daß nicht einmal eine Schramme an seinem ganzen Körper zu finden ist." Florence ließ mich ruhig ausreden und sagte dann mit müdem Tone, dem jetzt jede Kraft und Geschmeidig-, leit fehlte: „Ich verkenne gar nicht, daß meine Ansicht allem Anscheine nach nnfinittg ist: dennoch weiß ich, daß man meinen Vater ermordet hat. Die Wunde, die ihm den Tod- gab, i]t Ihnen entgangen, aber —" „Mein liebes Fräulein Darrow," siel ich ihr' ins Wort, „es ist gar keine Wunde da, verlassen Sie sich darauf!" ^etzt redete Maitland zum erstenmale seit Darrows Tode. „Wenn Sie die Kehle genauer betrachten, werden Sie etwas bemerken, was eine Wunde sein kann," sagte er und fuhr ruhig in seiner Untersuchung fort. Er hatte recht, es war dort eine ganz unbedeutende Verletzung sichtbar. Was mir bei meiner feiten Uebcrzeugung, auch die peinlichste Untersuchung könne hier nichts entdecken, verborgen geblieben war, das hatte auch Florences rascher Blick bereits bemerkt. Sie wandte sich jetzt an Maitland und fragte wieder: „Sollte nicht doch einer von nns zur Polizei gehen?" Maitland, der unter Umständen einer solchen Konzentration seiner Gedanken fähig ist, daß er feine Umgebung völlig vergißt, überhörte die Frage und Brown antwortete für ihn: „Es wäre mir nichts angenehmer, als diese Pflicht auf mich zu nehmen." Wer hat nicht schon erfahren, wie feinfühlig wir für Kleinigkeiten und die leisesten Mißtöne werden, wenn ein Schlag wie dieser unseren Geist aufs äußerste angespannt hat? Florences Vater, ihr einiger naher Verwandter, lag kalt vor ihr, nach ihrer Auffassung das Opfer eines geheimnisvollen, schändlichen Verbrechens, und doch entging ihr nicht die Ungereimtheit von Browns „nichts wäre mir angenehmer", wie ein schneller Blick und ein rasches Zucken um ihre Mundwinkel bezeugten. Es verschwand jedoch augenblicklich wieder und war zweifellos halb unbewußt. Ernst versetzte sie: „Ich wäre Ihnen in der Tat verbunden, wenn Sie das tun wollten." Maitland, der jetzt mit seiner Untersuchung fertig war, bemerkte, daß Brown sich entfernen wollte. Als der Maler auf dem Wege zum Hausflur an ihm vorüberging, legte ihm Maitland die Hand auf die Schulter und sagte: „Verzeihen Sie, aber tch ersuche Sie dringend, das Zimmer nicht zu verlassen!" Brown machte halt und die beiden Männer standen einander gegenüber wie zwei kampfbereite Krieger. 3. Kapitel. Maitlands Aufforderung an Brown, daS Zimmer nicht zu verlafsen, erschreckte uns alle. Sie klang mir damals wie ein kaum verhüllter Befehl, und ich erinnere mich, daß ich fürchtete, der Künstler würde so unverständig sein, sich nicht daran zu kehren. Hätte er in den nächsten paar Augenblicken sein eigenes Gesicht sehen können, so würde er eine Studie im Ausdruck haben machen können, wie sie sich ihm vielleicht bei jahrelangem Porträtieren nicht geboten hätte. Schließlich schienen die rasch wechselnden Vorstellungen, die sich auf seinem Gesichte spiegelten in dem einen bestimmten Gedanken aufzugehen, man habe ihn in Fräulein Darrows Gegenwart fast offen angeklagt, beim Tode sbres Vaters mitgewirkt zu haben. Als er Maitland, in dem er instinktiv seinen Nebenbuhler erkannte, ins Auge schaute, sah er einen Moment so düster und unheimlich aus, daß ihm wohl feder' auch das schlimmste Verbrechen zutrauen konnte. Florence war nicht minder überrascht als wir andern über Maitlands Dazwischenlreten, aber in ihrer Stimme ließ sic nichts davon merken, als sie ruhig sagte: „Herr Brown will aus meine Bitte einen Polizisten holen." Da ich sicher iw, daß Maitland me§ so gut wissen mußte, wie jeder andere von uns, so faßte ich ihre Bemerkung als eine höfliche Form für die Erklärung auf' „Ich bin Herrin hier!" c^^!^"bar sah es auch Maitland so an, denn er versetzte schnell: "Bch hoffe, Sie werden mich nicht für anmaßend halten ober meinen, ich verkennte Ihr Recht, in einer Angelegenheit Anord- nungen ju treffen, die so ganz ihre eigene ist. Mich treibt I allem der Wun,ch, Ihnen behilflich zu sein. Herrn Browns Ent- I Jernnng würde einen Fall, dessen Lösung schon so nur allzu schwierig ist, noch verwickelter machen. Wenn Sic freundlichst einen Bedienten zur Polizeistation schicken wollen, so will ich I xchnen, so bald wir Zeit dazu finden, auseinandersetzen, warum I id) mir die Freiheit genommen habe, in dieser Beziehung so bart- uäckig zu sein." ' ticruei die Detektivarbeit tun. Hier kommt auch schon des Doktors '■vü'Utj Cil. Einen Augenblick später ertönte die Glocke, und Doktor Ferris trat ein. Er ging auf Fräulein Darrow zu, indem er seinem Bedauern über ihr Unglück Ausdruck gab. Dann streckte er mir seine Hand entgegen. „Was haben wir hier'?" 'Ehe ich antworten konnte, hatte er Maitland bemerkt: er trat auf ihn zu und schüttelte ihm die Hand. „Liegt die Sache wirklich so ernst, wie man mir gesagt hat'?" fragie ^cr nach der Begrüßung. lieht es ganz so aus," versetzte Maitland langsam, „als standen wir vor dem dunkelsten Geheimnis, das mir je vorae- kommen ist." " . , "Dm," machte der Sachverständige. „Hat man die Lage be» LeMnanis geändert oder sich sonst mit ihm zu schaffen gc-. I macht?" „Seit meiner Ankunft nicht," erwiderte der Polizist Barker, fragte Doktor Ferris, zu Maitland gewendet. „uucj ist völlig unverändert. Ich habe mir einiges notiert und em paar Maße genommen, aber nichts verändert," versetzte Maitland. „Gut, sagte Doktor Ferris. „Kann ich diese Auszeichnungen lehen, ehe ich wieder gehe? Sie hatten mit dem Parkerschen, eyai.e zu tun urkd stehen, tvie Sie wissen, in dem Rufe, den Sacyen aus den Grund zu gehen. Vielleicht haben Sie ctivas bemerkt, was mir entgangen wäre." „Aic Notizen stehen czhnen zur Verfügung, Herr Doktor," erwiderte Georg. . Doktor Ferris untersuchte den Körper aufs gründlichste, was bei i elfter großen Erfahrung in der Leichenschau bald geschehen war. Aber trotz der Kürze der Zeit, welche die Untersuchung in Anspruch nahm, litt Florence, wie man aus ihrem Benehmen sehen tonnte, sehr darunter. _ Darauf nahm der medizinische Sachverständige Maitland beiseite, schaute sich seine Notizen an und führte'mit ihm einige Minuten lang in leisem Ton ein eifriges Gespräch, dessen Inhalt nnr unbekannt blieb. Als er kurz darauf fortging, begleitete ihn der Polizist. , Sobald sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, wandte sich Florence an Maitland und fragte in einer sichtlichen Spannung, die mich in Erstaunen setzte: „Hat er Ihnen seine Meinung gejagt?" . üibt den Tod Ihres Vaters einer bisher unbekannten Ursache schuld," entgegnete Maitland. Florence schien sich durch diese Antwort sehr erleichtert zu fühlen, obwohl ich den Grund dafür nicht entdecken konnte. Maitland trat nun noch näher zu ihr heran und sagte: „Wollen Sie mir jetzt gestatten, mein scheinbar seltsames Ver- halten gegen Herrn Brown zu erklären und zugleich diesen traurigen Todesfall ruhig und kühl zu erörtern?" Florence neigte zustimmend ihr Haupt, und er begann feine Auseinandersetzung: „Herr Darrow ist unter ganz merkwürdigen Umständen gestorben. Es gibt eine dreifache Möglichkeit der Erklärung dafür. Entweder hat sein Tod natürliche Ursachen gehabt, und seine letzten Aeußernngen waren die Folge einer Halluzination, unter der er litt. Oder Herr Darrow hat Selbstmord verübt, vielleicht unter der Wirkung irgend einer Wahnvorstellung, die dann auch feine letzten Worte für uns erklären würde, falls riefe nicht verzeihen Sie, daß ich es ausspreche, — daraus berechnet waren, uns absichtlich zu täuschen. Oder endlich: Ihr Vater ist ermordet worben, und seine Worte haben den Vorgang mehr oder weniger genau erklärt. Ich meine, damit sind alle Möglichkeiten erfchö pst." (Forisetzimg folgt.) ■ t ^lmm^hatte er zu Ende gesprochen, als Florence einem Diener schellte, sic teilte ihm eilig das Notwendige mit und schickte Gn zur nächsten Polizeistation. Ta diese nur wenige Straßen entfernt feg und der Bote feine Schritte beflügelte, so war bald ein Polizist zur Stelle. „Wir konnten," sagte er beim Eiw- Weten, „den ärztlichen Sachverständigen Ferris telephonisch in seiner Wohnung in der Fitzgeraldstraße erreichen; er wird sofort hier sein. Inzwischen bin ich nur hergeschickt worden, um darauf zu ' .jen, Körper vor seiner Untersuchung nicht angerührt bftB aUe§ im Zimmer genau so bleibt, wie cs zur Zeit dev Todes war. Hieß es nicht," fügte er zu Maitland leiser hinzu, „man vermute ein Verbrechen?" "®a'" versetzte Maitland, „das ist eine Auffassung, die sicher alle Beachtung verdient." ,,^ch dächte, der Sergeant hätte was von Mord gesagt, als er nach ein paar Spezialisten telephonierte. Sie sollen, denk ich, Das Genesen. Wohl ist den Kranken eine schwere Bürde anferlegt; I deiln Beschwerden aller Art und Schmerzen sind Begleiter der Krankheiten, und oft setzen sie dem Leben selbst ein mehr ober weniger plötzliches Ende. Aber ihnen verdanken lvir auch eins der schönsten unb wohltuendsten Gefühle: das Genesen. Vergessen sind die schweren, bangen Tage: stiller, ruhiger Friede lagert auf dem Ailtlitz, und der verlorene Glanz kehrt dem matten Auge wieder, während die neuerwachende ^Freude am Leben die Brust immer weiter spannt und neue .Hoffnungen das Herz erfüllen. Der Genesende geht einem neuen, sonnigen Leben entgegen. Mit dem seelischen Wiederaufleben geht die körperliche Erholung Hand in Hand; gesteigerte Eßlnst des Hungrigen und ruhiger, tiefer Scylaf tun das, ihrige dazu. Wie die meisteu unserer besonderen Empfindungen, Gefühle und Stimmigen in be- s fc i c 1 l t 11 i 1! i; ß b r s b b l i ß 403 sonderen körperlichen Veränderungen und Vorgängen ihre Grundlage und Anregung haben, so auch das Wohlbehagen des Genesenden. Durch die zehrende Krankheit ist der Körper abgemagert, zusammengeschrurnpft, also an Masse weniger geworden, und zwar in allen seinen Teilen ziemlich gleichmäßig. Hat die Krankheit aber den Körper endgültig verlassen und arbeiten die Organe wieder in harmonischer Eintracht, dann nimmt auch die Masse des Körpers, das Gewicht, wieder d. h. der Körper wächst, und zwar wächst er in seine frühere volle Form hinein. Und gerade dies Wachsen und Dehnen des Körpers, ruft das wohlige Gefühl und Behagen hervor, das der Genesende empfindet. Am stärksten ausgeprägt ist das herrliche Gefühl des Genesens nach den fieberhaften Erkrankungen. Diese lassen Len Körper verhältnismäßig schnell und stark abmagern, und so folgt ihnen naturgemäß auch ein verhältnismäßig schnelles und energisches Wachsen des Körpers. Aber auch da wieder mit Unterschied. Am kräftigsten setzt das Wachsen dort ein, wo das Fieber ziemlich plötzlich den Körper verläßt, wo die Krankheit krisenhaft endet. Das ist z. B. immer der Fall bei einer Lungenentzündung, in geivissem Grade anch bei Scharlach, Masern und anderen Krankheiten. Schott weniger beim Typhus, wo das Fieber meist ganz allmählich heruntergeht, das Wachsen verhältnismäßig langsam einsetzt und ebenso langsam fortschreitet, hier wird daher das Genesen weniger deutlich empfunden. Das Wachsen des Körpers nach einer überstandenen fieberhaften Krankheit kann aber auch noch durch besondere Umstände verzögert, die Empfindung des Genesens damit herabgestimmt werden. Es kommt nämlich gerade bei fieberhaften Erkrankungen nicht selten vor, daß im Verlauf der Krankheit das eine oder andere Orgap geschädigt wird und durch eine Funktionsstörung dauernder Schaden zurückbleibt. So wird bei dem akuten Gelenkrheumatismus, einer mit Recht sehr gefürchteten Krankheit, häufig das Herz in Mitleidenschaft gezogen. Es bleibt dann als Funktionsstörung ein „Herzfehler" zurück, ivenn auch mit der Zeit ein gewisser Ausgleich durch erhöhte Arbeitsleistung dieses Organs eintritt. Auch das Alter ist von Einfluß auf ein schnelles oder langsames Wachsen des Körpers nach einer Krankheit, denn der jugendliche Leib erholt sich schneller als der alternde. Ganz besonders aber spricht auch die allgemeine Körperbe- schaffenheit des Genesenden, die Festigkeit seines Organismus, mit; der von Natur aus Schwächliche genest langsamer als der Kräftige. Das Wachsen und Dehnen des Körpers wird überhaupt nur dann als ein wohliges Gefühl empfunden, wenn der Körper in all seinen Teilen wächst. Es gibt nämlich sogar eine Art von Krankheiten, die gerade auf dem Wachsen des Körpers beruht; das sind die sogenannten Neubildungen, von denen der Krebs am meisten bekannt und gefürchtet ist. Bei diesen Krankheiten handelt es sich aber um ein beschränktes Wachsen des Körpers an irgend einer besonderen Stelle (Magen-, Brust-, Lippenkrebs usw.). Das sind also Auswüchse, die ein ungezügeltes, wildes Wachstum des Körpers darstellen. Durch dies auf eine oder mehrere besondere Stellen des Körpers beschränkte naturwidrige Wachsen werden den übrigen Körperteilen die Lehenssäfte entzogen, so daß der Körper immer mehr abmagert. Solche .Manien stehen daher in ihrem Allgemeinbefinden nicht unter dem Zeichen des Wachsens und Dehnens, sondern unter dem der Schrumpfung und Zusammenziehung, und infolgedessen ist gerade dabei das Krankheitsgefühl sehr ausgeprägt. Denn wie jedes Wachsen und Ausdehnen des Körpers mit einem angenehmen, so ist umgekehrt jedes Schrumpfen und Zu- farnmenziehen mit einem unangenehmen Gefühl verbunden. Leider gibt es noch zahlreiche andere Krankheiten, die der Körper nicht überwinden kann. Es sind dies die meisten der chronischen Krankheiten, die vielfach durch vorzeitiges Schrumpfen besonderer Organe, ivie der Nieren, der Leber usw. bedingt sind. Solcheir und noch manchen anderen Krankheiten winkt nicht der Glücksstern der Genesung. . Hygienisches. — Winke für die Benutzung des Lichtluftbades dürfen jetzt willkommen sein. Im Hochsommer ist das Luftbad in der Frühe am erfrischendsten. Bei kühlem Wetter mag man die Mittagsstunden ausnützen. Es ist nicht unbedingt nötig, daß die Sonne scheint, wenn man ein Lichtluftbad nimmt. Auch das zerstreute Tageslicht wirkt belebend. Am wirksamsten freilich ist das Lichtluftbad bei Sonnenschein. Das Lichtluftbad^soll nicht der Schweißerzeugung dienen, wie das eigentliche Sonnenbad. Bei mildem Wetter soll man mit dem Luftbad beginnen nud die ersten 8—14 Tagen nur 10—15 Minuten ausgekleidet bleiben. Biele machen den Fehler, sich gleich stundenlang in die pralle Sonne zu legen. Dabei verbrennen sic sich natürlicherweise die Haut. Zwar vergeht die Rötung bald wieder, wenn mau lauwarme Waschungen macht oder in Essigwasser getauchte Umschläge auslegt; aber die Sache wird einem durch solche Unvorsichtigkeiten verleidet. Bei empfindlichen Personen kann das Lichtluftbad anfänglich sogar Fieber, Aufrcgungsz-ustände, Hautausschläge usw. Hervorrufen. Man soll cs dann entsprechend abkürzen, die heißesten Tagesstunden und zunächst die pralle Sonne vermeiden. Selbst bei warmem Wetter dürfen Anfänger nicht stundenlang aus- gekleidet bleiben. Das kann anch bei genügender Bewegung starke Erkältungen geben. Zum Lichtlustbade gehört ausgiebige Bewegung. Also sofort nach dem Anskleiden laufen, springen, spielen, turnen. Auch bei warmem Wetter ist cs weit vorteilhafter, sich tüchtig zu bewegen, als in der Sonne zu liegen nud sich bräunen zu lassen. Tas kommt allmählich ganz von selbst. Licht, Last und Bewegung zusammen verbürgen erst die gute Wirkung des Luftbades. Natürlicherweise soll mau sich nicht abhetzen, sondern ab und zu auch einige Zeit ruhen. Nach dem Ankleiden soll man so lange rasch gehen, bis man gut warm ist. Nur wenn auf die Abkühlung die Wiedererwärmuug (Reaktion) rasch und vollkommen erfolgt, bekommt das Luftbad gut. Wenn sich jemand nicht ausreichend Bewegung zu machen imstande ist, so sollte er auch an warmen Tagen nur so lange bleiben, als er bei ruhigem Sitzen ober Liegen kein Frösteln oder sonstiges Unbehagen verspürt. Bei trübem, windigem und kühlem Wetter braucht man das Luftbad nicht auszusetzen. Es ist dann besonders erfrischend und stärkend. Erkältung ist nicht zu befürchten, vorausgesetzt, daß man sich lebhaft bewegt und hinterher warm läuft. Die Sonnenstrahlen durchdringen auch die Knocheu bis zu einem gewissen Grade. Deshalb kann starkes Besonnen des Küpses Ko pfweh, Schwindel, Erbrechen und Ohnmächten Hervorrufen; ja mancher hat sich dadurch schon eine lebensgefährliche Hirnhautentzündung zugezogcn. Vom Mai bis August ist es empfehlenswert, bei hochstehender Sonne, also etwa zwischen 10 und 4 Uhr, Kopf und Nacken durch einen breitrandigen braunen Hut ober ein umgelegtes Tuch zu schützen. Weiße Mützen und Strohhüte genügen nicht. Bei Sonnenglut tut man gut, wenigstens ab und zu den Schatten aufzusuchen. Nervöse sollen im Hochsommer die heißesten Tagesstunden vermeiden. Vermischtes. — Die Gefahren des Schwimmens. Beim Schwimmen, dem schönsten und gesündesten Sport des Sommers, kommen immer wieder Unfälle vor, die Menschenleben kosten; ja, selbst die geschicktesten Schwimmer sind nicht davor sicher. Man hat verschiedene Gründe für den scheinbar unerklärlichen Plötzlichen Tod beim Schwimmen angegeben, so Krämpfe, Herzschlag, Ohnmacht uni) dergleichen und hat ganz besonders daS Baden unmittelbar nach der Mahlzeit als gefährlich hingestellt. Diese letzte Ausgabe scheint allein stichhaltig zu sein: tatsächlich hat die alte Volksweisheit, die auempsieUt, zwischen dem Essen und dem Baden ein bis zwei Stunden verstreichen zu lassen, wieder Recht behalten. Bor einiger Zeit wurde in der Münchener medizinischen Wochenschrift der genauere Zusammenhang zwischen dem Schwimmen und dem Zustand des Wagens erläutert. Es ist schon seit langem bekannt, daß daS einfache Eintauchen des Körpers ins Wasser die Arbeit, die zur Atmung nötig ist, um 10 Prozent erschwert. Durch das Schwimmen wird die Atmung noch um weitere 50 Prozent erschwert, und da überdies bei der großen Arbeit die Lungen viel mehr Lust verbrauchen, (51 Liter in der Minute gegen 42 beim Bergsteigen), ist das Zwerchfell nicht imstande, die hierzu nötige Arbeit ausznführen, wenn der Magen gefüllt, also durch Nahrung oder Gasmassen ausgedehnt ist, zumal der Druck, unter dem der ganze Körper steht, erhöht ist. Der Tod kann so eintreten, ohne daß der Schwimmer vorher irgend ein drohendes Anzeigen merkt, nud ohne daß an der Leiche irgend welche auffällige Veränderungen nachzuweisen wären. * Modernster Blumenkult. Aus London wird uns berichtet: Immer größer wird die Bedeutung des Florakultus im modernen Gesellschaftslcben, längst beschränkt man sich nicht mehr darauf, die kunstvoll geschmückte Tafel mit kostbaren Blüten und Buketts zu beleben, in jedem Salon stehen prachtvoll geformte kostbare Basen, in denen üppige Büsche exotischer Blumen ober große Sträuße duftender Rosen und mattvioletter, Veilchen in geschmackvoller Farbentönung prangen und ein Abbild neben von dem Farben- und Formensinn der Hausherrin und ihren Neigungen. Aber die neue Methode gibt sich nicht mehr damit zufrieden, den zarten oder berauschenden Dust, die grazilen oder phantastischen Formen reizvoller Blumengebilde zu bewundern und zu genießen, sie ist sortgeschritten zu einer Systematisierung verbindet mit dem Charakter einzelner Blüten -besondere Vorstellungen, setzt sic in Einklang mit den Wünschen und Sehnsüchten der Seele und beginnt so die Schönheiten der Blumenwclt praktischen Sinnes mit dem Alltag zu verknüpfen. Die eleganten Damen baden inmitten von quellenden Blütenknospen, die lässig auf der Wasserfläche treiben und ihren matten zarten Duft dem Wasser übertragen. Bewußt hält man die Wirkungen des Blumen- 404 duftes in Beziehungen zum Gemütszustand. In stillen Stunden der Erinnerung füllt der berauschende Duft müder Narzissen den Salon. Das lichte kindliche Gelb der Schlüsselblume mit ihrem warmen süßen Hauche herrscht in den Stunden froher Heiterkeit und den schwachen Charakteren, die nicht einzugreifen lieben in das Rad des Schicksals und sich treiben lassen von den Ereignissen, wird empfohlen, ihre Staunte mit Anemonen zu schmücken. Die schönen Modedamen, die in der Nacht vom Schlummer zarte Träume erhofft, bedeckt ihr Bett mit kleinen welkenden Veilchen, deren müder wehmütiger Duft die Phantasie in leise Schwingungen versetzt. Aber auch hierbei macht die Begeisterung für die scheinbar unentdeckte Wunderwelt der Blumen nicht halt; man drängt zu realeren Genüssen und ist jetzt so weit gekommen, Blumen zu verspeisen. Schon seit einiger Zeit beschäftigten erfindungsreiche Köpfe sich damit, für den anspruchsvollen Gaumen zartbesaiteter Feinschmecker gezuckerte Veilchen herzustellen. Nun ist ein neues Blumengericht in Mode gekommen, sorglich wird das Geheimnis der Herstellung noch behütet, um Unwürdige von dem Genüsse fern zu halten, aber viele Damen schwärmen bereits, so wird versichert, für das neue Gericht, das, anklingend an die Götterspeise der Olympier, den Namen „Ambrosia" führt. Der Kreis der Eingeweihten wird streng beschränkt und die „Zweifelhaften", die in die Geheimnisse dieses wunderlichen Blumenkultus noch nicht eingeweiht werden, müssen sich einstweilen mit gröberen Genüssen begnügen, mit Siosenülätter-Omelettes und Magnolien- Purees oder mit von kunstvoller Hand gebratenen Wasserlilien. * Briefe einer japanischen B r a u t. „Mein hochgeehrter Geliebter. . ." So drückt sich, wie wir im „Gil Blas" lesen, die junge Hyazinthe Negata in den an ihren Bräutigam gerichteten Liebesbriefen aus. Dieser Bräutigam einer hübschen Japanerin aus Nagasaki ist ein junger französischer Architekt namens Debrive, der viele Jahre im Orient gelebt hat. Auf einer Reise durch Japan lernte Debrive Hyazinthe Nagat kennen; er ergriff bei einer Schlägerei auf offener Straße ihre Partei, befreite sie aus den Händen junger Leute, die sie belästigten, lvarb um sie und verlobte sich mit ihr. Gegenwärtig weilt Herr Debrive in Paris, und Hyazinthe schreibt ihiil alle Tage. Hier einige Auszüge aus ihren Briefen: „Ihre Hyazinthe, mein hochgeehrter Geliebter, schickt Ihnen die Blume, deren Namen sie trägt. Diese Blume ist mir ähnlich, und Sie werden an mich denken, wenn Sie sie vor Augen haben werden. Die Bücher und die Zeitschriften, die Sie mir geschickt haben, habe ich empfangen. Aber ich war sehr erstaunt, als ich die Bildnisse der achtbaren Damen sah, die dort abgebildet sind. Warum sind alle diese achtbaren Damen in der Mitte des Körpers entzweigeschnitten?" Hyazinthe meint die Brustbilder, die in den illustrierten Zeitschriften zu sehen sind. In einem anderen Briefe drückt sich die kleine Japanerin folgendermaßen aus: „Wie seltsam kleiden sich doch die Frauen bei Euch! Warum tragen sie Vögel, hübsche kleine Vögel auf ihrem Kopf? Ist es wahr, daß man die Vögel tötet, um den Kopf der jungen Französinnen schöner zu machen? Wenn das bei Euch Sitte ist, wird Hyazinthe dasselbe tun, um den Augen ihres französischen Herrir angenehm zu sein. Aber Hyazinthe würde Blumen vörgezogen haben, schöne Blumen, die sie sich ins Haar gesteckt hätte." In einem andern Briefe plaudert Hyazinthe mit ihrem Verlobten von dem Phonographen, den er ihr geschickt hat: „Die sprechende Maschine ist wohl das hübscheste Ihrer Geschenke. Sie spricht und singt wie Männer und Frauen. Das erste Mal waren wir sehr erschrocken, jetzt aber hören wir sie mit Vergnügen an." Im Oktober dieses Jahres will Herr Debrive Frl. Nagata als Frau heimführen. Für die Hausfrau. — Die bange Frage der Hausfrau angesichts der stetigen Verteuerung aller E x i st e n z m i t t e l lautet augenblicklich: „Wie kann ich sparen?" Nun, die Antwort wird dahin lauten müssen, daß sie alle Dinge, die sie selbständig herstellen kann, nicht für teures Geld ein taufen soll. Besonders bei der Wäsche ist dies der Fall. Selbstanfertigung derselben lehrt und über Neuheiten informiert die im Verlage von John Henry Schwerin, Berlin W. 57, erscheinende Monatsschrift „Illustrierte Wäsche-Zei- tung". Der praktische Nutzen dieses Spezialblattes besteht M seinen Vorlagen für Damen-, Herren- und Kinderwäsche, Babhsachen, den zur Wäsche gehörigen Häkeleien usw., in dem ijsoer Nummer beigegebenetr Schnittmusterbogen, seinem Wascheberrcht, den Klöppelbriefen, abwechselnd mit Monogramm-Verschlingungen re. Literatur. 777 ®ine§ der lieblichsten Porträts Schillerst nach einem Gemälde von A. Graff, gestochen von I. G. Müller, bietet in künstlerischer Ausführung die 26. Lieferung von Professor Dr. Anselm Salzers Illustrierten Geschichte der ®, «rl‘Vu Lrteratur. (München, Allgemeine Verlags- geselhschaft m. 6., H., Preis 1 Mk.) Sie enthält dann noch als Fahrmtles etnen Brief Geibels an Bodenstedt und ein Bruchstuck des schönen Gedichtes von Annette Droste-Hüls- hoff „Walther". Den Text begleiten Dichterporträts. In dem Kapitel Lessing und sein Kreis begegnen wir der Reihe nach allen schriftstellernden Zeitgenossen Lessings, und bereit Anzahl ist sehr groß. Die Charakteristik, das Urteil und die Wertbemessung des einzelnen unter Hinweis auf das, !vas r^^blerstet hat, ist fein abgetönt und abgemessen. Jedenfalls hat der ftchere Takt, die Umsicht und die Belesenheit des Verfassers Anspruch auf Aiterkeimung. Das Bild aber, das Salzer von Lessing entioirft, ist unseres Erachtens in seiner Aus- und Durchführung eine Glanzleistung und wir können ihm zum Schluß.beistimmen, iveun er schreibt: „In Lessina lrefen die Strahlen der Bildung seiner Zeit zusammen und tnbem er diese zum Abschlüsse brachte, hat er den Grund für dse folgende Kulturepoche gelegt." Der nächste Abschnitt tst Wieland gewidmet und seinen Nachahmern. Mit Jnter- e,se verfolgen wir das Leben und Wirken des beweglichen Schwaben, der die ganze geistige Entwicklung seiner Periode von Klop stock bis zur Romantik durchlief und begleitete. Ein Banernroman. — Marie Schlumpf: Der Weibermaun. Roman. Mit, Vorwort von Ernst Zahn. — Verlag von Egon Ucischel u. Co., Berlin W. — Preis: 3.— Mk. Ein wahrhaft Gott-, helßcher Geist weht durch diese Erzählung einer einfachen Frau, die uns mit schlichten Worten schweizerisches Bauernleben, das Fühlen und Denken dieser freiheitsliebenden, aufrechten und geraden Menschen schildert, wie es sich in ihrem Herzen widerspiegelt.- Nur jemand, der mitten in diesem Leben stand, der eben so fühlte und dachte, konnte uns die Erhabenheit der Bergeswelt, den Charakter des Schweizervolkes so ins Herz schreiben. Nur kann' man dem zustimmen, was' Ernst Zahn, der Göschener Bahnhofswirt und Dichter, in seinem Vorwort sagt: „Das Buch ist eine Spur, wo eine tapfere Frau mit heller Stirn und mit einem für alles Schöne schlagenden Herzen gegangen. Es lohnt auch heutzutage noch der Mühe, einer solchen Spur mit sinnenden Augen zu folgen. Und daß viele Augen ihr folgen mögen, das ist der herzliche Wunsch, mit welchem ich das Buch begleite."' Es reut mich nicht. Von Karl Gerok. Mich reut kein Tag, den ich in Tal und Hügeln Durch meines Gottes schöne Welt geschwärmt, Umsaust im Sturm von seiner Allmacht Flügeln, Im Sonnenschein von seiner Gunst gewärmt. Und war's kein Gottesdienst im Kirchenstuhle, Und war's kein Tagewerk im Joch der Pflicht: Auch aus den Bergen hält mein Heiland Schule; — Es reut mich nicht. Silbenrätsel. Nus den Silben: ba, ber, ce, dith, do, e, en, ge, tu, le, nia, ni, o, o, gard, ran, ti sollen sechs Wörter gebildet werden. Die Wörter haben folgende Bedeutung: 1. Land, 2. Frucht, 3. Tier, 4. Fluß, 5. Insel, 6. Vorname. Stelle die gefundenen Wörter in der angegebenen Reihenfolge untereinander, so ergeben deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten und bereit Endbuchstaben von unten nach oben gelesen die Namen zweier Männer, die immer noch viel genannt werden. .Auflösung in nächster Nummer.f Auflösung des Zauberquadrats in voriger Nummer: v R A M A R E v A L A V E R S M A R N E A L s E N Redaktion: P. Witt ko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.