Somstag den Februar । H 1 's? n MW Kchnuih von Loysen. Roman von Ursula Zöge vo'n Manteuffel. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) - , Er wollte den Freund, dessen erregbare Nerven er kannte, nicht erschrecken, deshalb ging er leise zurück und kaue dann mit knirschenden Schritten, sporenklirrend, zwischen den stonifcrcn auf die Halle zu, so daß er schon aus einiger Entfernung gehört werden wußte. Daun trat er aus den Taunenzwcigen auf den sonnigen Platz vor der Halle, blieb stehen, salutierte und ries fröhlich: „Servus, alter Freund." Ter lehnte sich schon, Ivie ungläubig aufhorchcnd, vor. „Was?" rief er, „ja, träume ich, oder wach' ich? Bist du cS wirklich, lieber Mensch? Aber das ist ja eine köstliche Ncber- raschung! —.....Tausendmal willkommen!" Und mit einer mühsamen, aber energischen Bewegung erhob er sich, griff nach dem neben ihm lehnenden Stock und kam dem Gast entgegen, wobei er stark hinkte, aber fest auftrat. Die Freunde umarmten sich, Vorwürfe über langes Fernbleiben bekam Loyscn nicht zu Höven, obwohl er sie reichlich verdient hatte, nur frohes Fragen nach Ergehen, Glückwünsche zum Avancement. Tann saßen sic in der Halle auf einem Sofa und sprachen angeregt, als hätten |ie. sich gestern erst gesehen. Wilhelm hatte eine fast kindlich lebendige Art zu sprechen, so voll von warmer Teilnahme, auch Loyscn war froh bewegt, und beide litt cs nicht lange auf demselben Fleck. Sie schritten bald in den Garten hinaus und gingen die altgewohnten Wege- ab.- Loysen freute sich über die sichtlich gebesserte Gesundheit seines Freundes. Ja, cs war ihm eine große Ueberraschung, ihn'so beweglich und rüstig! zu sehen. Dazwischen warf er einen Blick nach dein Wohnhause "hin, welches auch ans dieser Seite mit Kletterrosen, Klematis und wildem Wein bewachsen war und eine von einem Rosentor überdachte Gartentür hatte. Er kannte doch noch von frithcr her alle Fenster und sah dorthin, wo er meinte, einen blonden Kopf sehen zu müssen. Aber hinter .den weißen und bunten Mullgardinen blieb alles still. Statt dessen hörte man von der W-iesenseite einen Hellen Anruf, gleich darauf sprang eilt gelber Schäferhund bellend herbei und Wilhelm sagte, stehen bleibend: „Jetzt kommt Ede Kraut!" Loyscn sah der Kommenden entgegen und sagte sich mit innerer Aufregung: das ist sie also! Das ist sie! Es war doch ein bedeutungsvoller Augenblick, dieses erste Begegnen mit ihr, die er vielleicht, noch ehe der Sommer vorüber war, sein Weib neunen durfte. Sie kam ohne Hut oder Schirm von der Wiese daher, bog in den Weg rin, auf welchem die beiden standen, blieb auch stehen, hielt sich die Hand schützend über die Augen und sah herüber — und Loyscn sah, halb ungläubig, aber nicht ohne Befriedigung, ein lichtes Rot ihr Gesicht überfließen —- dann kam sie heran und begrüßte ihn, das heißt, sie reichte ihm die .Hand und sah dabei Wilhelm an, dessen Gesicht noch die erste Freude des unverhofften Wiedersehens widerspiegelte. „Wie lange gehst du hier schon so herum?" fragte sic schnell. „Ach, laß mich doch, Kind . . . sich lieber, welch ersehnter Gast mir gekommen ist!" Sic wandte sich zu Loysen. „Wie glücklich er nun wieder ist!" sagte sie. mit lächeluder Verlegenheit, „schön, daß Sie ihm diese lleberraschung bereitet haben. Gestern war er gar nicht sehr wohl —" sie trat dicht an den Bruder und befestigte ein Beikchensträußchcn in seinen« Knopfloch. „Nicht mir, dem lieben Gast gib sie!" sagte Wilhelm heiter, er zog das Stränßchen heraus und steckte cs Loysen an die Uniform, „da sehen sic schön und festlich aus und duften ihm einen Willkomm zu. Ja, lieber Helmuth, laß mich's dir sagen, ich habe nie einen lieberen Giaft gehabt, wie dich, denn du kamst so gern. Mein Leben ist naturgemäß ein einsames gewesen, wenige besuchten mich, und wer da kam, der kam aus Mitleid — nur du nicht, und das tat so wohl." Loysen antwortete zerstreut mit einem Händedruck, die Gegenwart des Mädchens nahnt- seine Aufmerksamkeit in Anspruch. Sie stand vor den beiden Männern, die Hand auf den Kopf des zottigen Hundes gelegt, der aus wachsamen Augen aufschaute und bei der spielenden Berührung wedelte. Als ihre Veilchen so ohne weiteres an die helle Uniform des Gekommenen wanderten, hatte sich ihrer, wieder eine leichte Verlegenheit bemächtigt, nicht ganz frei von Unbehagen. Nun sah sie auf den Hund herab und sprach leise mit ihm, und sah in dieser Stellung sehr anmutig aus. Sic mochte, so rechnete er sich aus, jetzt zweiundzwanzig Jahre sein, hatte den Wuchs einer jungen Edeltanne und, wie cr vorhin bemerkt, den federnden Schritt, der eine gestählte, gesunde Konstitution beweist. Ihr rosiges Gesicht war länglich und rassig, ohne schön zu sein, ihr Haar hatte die'Farbe reifer Kornähren, und sie trug die glatten, gelben Flechten schlicht nm den Kopf gelegt. Ihr Anzug bestand aus einer weißen Kaschmirblusc und einem roten Rock, der straff von den schlanken Hüften herabficl. Mit dieser Haartracht und dieser Kleidung kam sie der Mode des Tages nach und sah doch aus wie das Bild eines ideaien Landmädchens. Ihr ganzes Wesen atmete Natürlichkeit und Heiterkeit, momentan durch die unerwartete Ankunft des ihr fast fremden Mannes etwas eingedäninit. „Es ist Vesperstündc," sagte sie zum Bruder, „ich wollte dich eigentlich abholen. ES ist doch wohl besser, du sitzt nicht länger in der Halle, die Luft ist frisch." «Das schadet nichts —" versetzte Wilhelm vergnügt — „ich diu eilt „Luftikus" und verbringe sogar im Winter manche Stunde in meinem Sonnenwinkel. Aber du hast recht, gehen wir nnn ins Haus — Liebling, sage Großmamachen, der Kaffee sei ein guter Trank, aber zwischen Männern dürfe auch eine Flascbe unscvcs alten Rüdesheimer oder Marcobrunner stehen!" „Wie froh er ist!" sagte sie wieder, und sah jetzt Loyscn aus klarem-Auge schier dankbar an, „ja, ich werde-es bestellen. Bitte, stehe nicht langer." Sic ging voraus und lief leichtfüßig ius Haus. „Kamst du geritten?" fragte. Wilhelm. „Ja? Ist dein Pferd abgesattelt?" . 'rum ■ 70 in dem Ker! steckt was, unb unter mir gibt er sein heißt er?" nicht sollen losen Fremden, (Fortsetzung folgt.) Wie Fra Diavolo." hm," sagte Wilhelm, „weißt du, der Name gefällt nur der Stalljunge mit dem Rappen. „Welch ein Staatsgeschöpf!" „Hm, hm," sagte itoillKlm, „weitzt du, oer mame gemui um - . beit Teufel hätte ich ungern zum besten Freund." Cr sagte das scherzend, aber in seinen Augen lag ein sinnen- Hessische Lattdesartsfteliurrg Darmstadt 185)8. infolge der günstigen Witterung und infolge des emsigen und einigen Hand- in Handarbeitens aller Zweige konnten die Bauarbeiten an den Ausstellnngsgebäuden so weit gefördert werden, das; die Hoffnung besteht, daß am Tage der Erolfnung \ — bem 23 Mai — eine fertige Ausstellung den Besuchern schon vom ersten Tage ab gezeigt werden kann. , Am weitesten vorgeschritten ist das mapwe Itadtijche Anv- Üellunqshaus mit dem gewaltig ausragenden Hochzeitsturm, dem Geschenk der Residenz an den Landesherrn, nut dem sie selbst sich ein Wahrzeichen für ewige Zetten geschahen haben dürfte Längst ist das gitterdichte Baugerüst des Hochzettsturmes gefallen und frei ragt das mächtige.monumentale Bauwerk Prof I M. Olbrichs in seiner charattertstychen Gestalt, gekrönt von dem in allen Farben schimmernden Kupferdach m btc Wolken unb schaut in die Lande, bis über die Grenzen des Reickes Katzenelnbogen hinaus den Ausblick ermöglichend, das bisher allein beherrscht wurde vom hohen Monument Ludewigs i., läßt bei klarem Wetter den Rhein in weitem Lauf Nlbern schun- mernd sehen unb die hohen Berge des Odenwaldes und des Vogelsgebirges als gleichgroße Brüder begrüßen. So schemr dieser einzigartige Turm alles um sich her zu beherrschen, dap man fast befürchten könnte, cr erdrücke seine Umgebung, bis man näher schreitend, sieh überzeugt, daß dies keineswegs der ,rau ist, daß seine Zugehörigkeit vielmehr gerade durch seine Gtgenarr Knechte zogen die Mütze Ta stand der Ernst. . . . I ‘ „Tn meinst, auf dem Teufel rette man direkt tu btc Holle — I 1 wo soll er auch anders hin —" versetzte Loysen ebenso. Wilhelm aber sagte nichts mehr hinzu, sonbern ließ das I Pferd absatteln unb in eine Box führen, woselbst Fra Tiavolo : schnaufte unb fauchte unb bas Logis mit weit vorgestrecktem Halse untersuchte. Tie Freunde gingen uu.it nach dem Hanse und wieder stieg Wilheltn die etwas erhöhte Anfahrt unter den Platanen rüstig heran, führte Loysen in die wohlbekannte ebenerdige Hausflur mit den Erntekränzen, der schwarz- und rotgetäfelten Diele und der in die obere Etage führenden alten, gewttndetteu Treppe. I Sein Zimmer lag rechts von der Haustür, lvar ein großes, I helles Eckzimmer mit drei Fenstern, anS denen man sowohl durch I die Platanenstämme auf beit Hof, wie seitwärts in eine Garten- I Partie blicken konnte. Auch in diesem Raunt war alles unver- I ändert — er tolar teils Krankenzimmer, teils Arbeitszimmer, I und hatte dabei so einen Anstrich von Künstlerheim. Ein mach- I tiger, mit Wirtschaftsbüchern unb Papieren bedeckter Schreibtisch I zeigte, daß der Gutsherr hier seine Geschäfte erledigte, ein ver- I stellbarer Kraulenstuhl unb eine lange Ruhebank mit Kopslehne, | daß cr hier an Schmerzcnstage» der Ruhe pflege — alles übrige I war licht unb sarbensreundlich. Bunte, feingemnstertc Mull- I Vorhänge hingen vor den Fenstern, die voll blühender Blume» 1 standen. Eine ganze Stubenecke war mit sehr sorgsam gepflegten I Palmen ausgefüllt, bereit Blätter wie grün lackiert glänzten. 1 Tische mit Albums unb Zeichnungen, Wochenschriften unb Büchern I belegt, stauben um die Ruhebank. Tie helltapezierten Wände | waren mit Bildern in anspruchslosen Rahmen bedeckt, selbstge- | malte Landschaften in Del- und Wasserfarben, ohne großen künst- I lerischen Wert, aber voll von sinnreichen Gedanken, unb in I zarten, wohltuenden Farben ausgeführt. In einet Ecke stattb eine Staffelei, niedrig gestellt, an.welcher I Wilhelm, wenn er Zeit itnb Lust harte, sitzend arbeitete ans j purer Freude am Festhalten all der Landschaftsbilder, die ihm seine ’ lebhafte Phantasie vorspiegelte. Loysen sah sich rings nm. Ter Raum war so traulich unb er begrüßte jedes bekannte Stück freudig. Darüber vergaß er beinahe die Gegenwart seines Freundes, der immer noch in gehobener Stimmung geschäftig hin- und herhumpelte, hier eilte Kiste Zigarren, dort Streichhölzer und Aschenbecher herbeiholend. Plötzlich ging es ganz unvermittelt wie int Krampf durch seine ganze Gestalt, cr wurde totenblaß, biß die Zähne zusammen und lieh sich mit leisem Stöhnen in einen Sessel gleite»: Erschrocken sprang Loysen herzu, doch der andere wehrte ihn mit einer Hand- beweguug ab unb lag dann mit geschlossenen Augen seine Schmerzen bekämpfenb, bis endlich wieder Farbe tu das blasse Antlitz trat unb er, aufblickend, mit ruhigem Lächeln sagte: „Ich sehe, btt feierst Erinnerungen und findest hier alte Bekannte wieder." „Wilheltn, ich fürchte, du hast den langen Gang büßen müssen." „ ! „Dias kommt vor, das kommt vor —" versetzte der schon wieder fröhlich — „gut, daß s i e nicht dabei lvar. Setze dich, mein Lieber — rauchst btt? Hier ist alles dazu. Ja. Jetzt hast bit meine Edel gesehen und ich sah dir's an, daß sie dir wohlgesiel. Solch ein gutes Lächeln wiar in deinem Gesicht . . . und dabei kennst du sie nicht einmal. Ich sage dir, Helmuth, Wir leben sehr glücklich miteinander. Das Kind habe ich mir so recht nach meinem Herzen erziehen dürfen. Welchen Reichtum hat Gott meinem Leben in ihr geschenkt! Tn weißt, daß sie unsere gute Mutter nie gekannt hat, denn diese starb bei ihrer Geburt,. und unser guter Baier ging wenige Jahre später heim. So blieben wir beide allein, unb wenn mir etwas durch Schmerzen, Einsamkeit und Trauer hindurch half, so war es der Gedanke, daß ich dem hilflosen, kleinen Wesen durch Liebe ersetzen müsse, ivas sie verlor. Großmutter sprach oft von einer Pension, aber ich konnte mich nie entschließen, das Kind fortzuschicken, und ich denke, daran tat ich recht. Losgelöst vom Heimatsboden wäre sie nie geworden, was sie ist, so ein glücklicher, zielbewnßter Mensch, so fähig hier, auch ohne mich, das Leben zn tragen und zu halten mit ihrer jungen Kraft.", . . „Was meinst du damit?"— „Ich meine, daß ich heute sterben kann und das Gut in den befteii Händen weiß, denn tatsächlich ist sie es, welche Rothaide v... .......sagte Wilhelm, „du weißt es, Helimtth, wenn mich je mein Gebrechen jammert,-so ist's, weil es mich von der Benutzung des Pferdes ausschließt — unb id} liebe diese Kreatur Gottes —" seine Hand glitt über den spiegeliwen Hals des Rappen, während sein Blick den kraftvollen, geschmeidigen Bau wohlgefällig musterte. ■ _ . (Jr ist, nächst dir, mein bester — So sprach sie. Ich habe nie wieder aus Verpachten gedacht, und was du Gutes bei uns siehst, draußen aus den Feldern unb drinnen im Hof, das ist ihr Werk unb bem steht sie vor .„Bewunderungswürdig," sagte Loysen. Weiter kam er uicht, denn' die Besprochene öffnete die Tür . verwaltet." „Wie ist das möglich!" — , = . „Tas will ich dir erzählen. Nach dem Tooe memcw Vaters, der mir den.alten getreuen Meinert als Stütze hinterließ, habe ich redlich versucht, meine Pflicht zu tun und Rothaide uns Kindern zu erhalten. Ich liebte cs, und deshalb gelootc ich mir, es nie zu verpachten. Es war aber ein schwierig Ting. Wochen- laug fesselte mich mein Leiden ans Bett, und weuil ich aufpaiw, kam ich nicht weit. Meinen ist pflichttreu, aber cr hatte mc selbständig gewirtschaftet- Manches Hebel wurde mir verschwiegen, weil der Doktor jede Aufregung verboten Hatter Dazu tarnen schlechte Jahre. Einmal zerstörten Unwetter die Saaten unb ein- mal vernichteten Neberschwemmungeu die Ernten, eine seuche räumte in der Schafherde ans - das bare Geld wurde knapp, das Gut ging in jeder Beziehung zurück. Die Sorge klopfte an die Tür. Nicht, daß ich dazu neige ihr anfzutuil, = Wilhelm lächelte - „du kennst mich! — aber ich sah em, daß so nicht weiter ging, und faßte schweren Herzens den Entschluß, mich »ach einem Pächter ümzusehen. Natürlich teilte ich der Großmutter und Edel diese Absicht mit. Letztere war. damals sechzehn ^ahr und voll von Lebenskraft, die Betätigung sucht, der Tat machte mir ihr Wesen damals einige Sorge. Ich glaubte, ich hatte sie zu lange in der Schulstube gehalten, aus Furcht etwas an ihrer Ausbildung zu versäumen. Nun glich sie Jungem, gärendem Most, von dem man noch nicht weiß, welchen Wein er geben wird. Bei -meiner Mitteilung geriet sie ganz außer sich. Zum erstenmal'lehnte sie sich gegen mich auf. Was? tief sie, wir iiijuf unserem eigenen Grund unv Boden zu r^cht- :, soll Rothaide durch habgierige Aussauger ent- Soll es mir passieren, daß ich auf unserer Wiese 71 dokumentiert wird, lind es zeugt von einer großen Meisterschaft - in der Losung baulich-architektonischer Fragen, sowohl vom Schöpfer des Turmes, dem es gelungen ist, ihn den Ans- stellungsbauten einzuordnen, ohne seine Charakteristik zu, ge- fährden, als noch mehr von Pros. Albin Müller,' der seine vorübergehenden Ausstellungsgebäude den ständigen anzupassen hatte, so daß die gesamten Bauten sich zu einem imponierenden harmonischen Ganzen vereinen. — Auch das städtische Anssiel- lungsgebäude ist schon zum größten Teile gerüstfrei und präsent crt sich in einem ganz eigenartigen Gewände, das der dunkel-; graufarbene Verputz der weiten glatten Flächen den Bauten verleiht Den nach englischer Art mit glatten schrägen Rasenflächen angelegten Hügel, auf dem d.iS Haus steht, sowie den massigen gemauerten Sockel selbst, umziehen schon die weißen Holzgerüste der Pergolen, an denen Kletterrosen sich später heraufranken und blühende Laubengänge Silben werden. Im Innern wird nun intensiv gearbeitet und außen an den Portalen und wo sonst noch feinerer künstlerischer Schmuck angebracht wird, haben bte Bildhauer ihre Ateliers — dichte heizbare Bretterbuden ^ auf- geschlagen und vollenden ihre Kunstwerke, während^ der Armut ungestört durch müßige. Zuschauer, die fast täglich zur Ma- thildcnhöhe pilgern, um die erstehenden Werke zu sehen. Vom übrigen Teil der Ausstellung bilden die weitaus umfangreichste und wichtigste Hälfte die provisorischen Ausstellimgs- gebäude Professor Albin Müllers, ein ganzer Komplex von Bauwerken, die sämtlich unter Dach sind und nunmehr, was bet dem Chaos der aussprießenden Umfassungsmauern nicht möglich war, eine Uebersicht und einen Schluß auf das Gesamtbild gestatten Die konstruktive Durcharbeitung des durch Prof. Aloni Müller gefertigten Bauentwurfs, die Kostenveranschlagung, sowie die Bauleitung über die besagten provisorischen AnS- stellungsbanten liegen in den Händen der Architcktenfirnia Mahr und Markwort. Der Umsicht dieser Herren au die ihnen gestellte, in Anbetracht der räumlichen Uiizusammengehörigkeit der einzelnen Bauteile oft recht schwierige Aufgabe, ist es in erster Linie zu verdanken, daß die, ea. 3600 Quadratmeter umfass enden, - zuni größten Teil zweistöckigen, teils . aus Holz mit Putz, teils aus Backsteinen massiv hergestellten Ausstelluiigsbauten in der unglaublich kurzen Zeit von drei Monaten erstellt, und noch vor Einbruch des Winters unter Dach gebracht werden konnten. DaS Müllersche Hauptausstellungsgebäude nimmt sich mit seinen hellen weißen Fassaden und den roten Ziegeldächern freundlich aus und verbreitet im Gegensatz zu dem etwas ernst-düstereii Aeußeren der Olbrichschen Bauten heitere Farbenfröhlichkeit. Einen herrlichen Uebersichtsblick über Die Ausstellung hat der Beschauer bon" der hinteren Terrasse des städtischen Ausstellungs- Hauses, in "bereit Achse der Keramische Hof . liegt, den man, von genannter Terrasse durch den charakteristischen doppelseitigen Anfgäng herabschreitend zuerst betritt und der geeignet sein dürfte, einen vorteilhaften Eindruck dessen, was des Beschauers itc6) harrt,. zu vermitteln, wird er doch sicher einen Schmuckhof der ganzeil Ausstellung bilden. Auch im Innern dieser Gebäude ist allerdings noch nicht viel zu sehen, bewundern nur muß man immer wieder die Art, wie bet Mchitekt feine Aufgabe gelöst, bereit Größe und Schwierigkeit darin bestand, eine Anzahl Räume der verschiedensten Art, Gestaltung und Raumverhaltmsse in "einem Bau zu vereinen, dabei jedes Winkelchen auszunutzen und das Ganze doch übersichtlich und harmonisch zu gestalten. Da sind neben den zierlichen Räumen der B ad-Nauh ei.iner Anlagen eine Anzahl kahler, glattwandiger Schul,ale, neben hohen Schwurgerichts- und Strafkammersälen, des Zustizpalostes zu Mainz kleinere vornehme Empfangs- und Direktorialdtenst- zimmer, prunkvolle Fürstenbäder und Blumenhöfe neben Kuiist- ausstellungsräumen und einer genauen Nachbildung des Le;e- zimmers im Offenbacher Schlosse, mit seinen Nischen, Ecken und Wölbungen. Alle Räumlichkeiten entsprechen genau den Masten und der Gestaltung der Wirklichkeit, werden doch die Jmten- eintichtungen genau so unter gebracht, wie sie später Verwendung finden sollen. Auf die interessanten Einzelheiten zurückzukommen, dürfte sich bald Gelegenheit bieten. Auch die Arbeiterhäuschen, die, 5 an der Zahl, eine Kolonie bilden, die al§' Arbeiterdorf gedacht ist, sind bis auf eins fertiggestellt und harren nur noch des Innenausbaues und der Anlage der Gärten. Die kleinen Häuser, 3 Ein- und 2 Zweifamilienhäuser, machen einen sehr netten und freundlichen Eindruck und enthalten trotz ihrer geringen Dimensionen Raume von 12 und noch mehr Quadratmeter. Neben dem Arbetterdorf ist Herr Fuchs mit der Anlage seines künstlerischen Gartens beschäftigt, von dem interessant ist, daß er einen neuen Versuch, das System des Tiefliegend zu lösen, darzustellen scheint, er ist „halb versenkt", Alles in allem ist, wie schon gesagt, der Fortschritt der Arbeiten sehr erfreulich und mit Gewißheit läßt sich sagen, daß die Ausstellung im Rahmen einer „Landesausstellung" außerordentlich reichhaltig werden wird und wohl geeignet scheint, die Blicke und Reiseziele Vieler wieder nach Darmstadt zu lenken. Zugenderinnerungen des Maiers Paul Meyerheim veröffentlicht das erste Heft (Januar) des neuen Jahr- ganges der „Meistet der Farbe" (E. A. Seemann, Leipzig. Jährlich 12 Hefte zu 2 Mk.). Als Kostprobe davon möchtest wir unseren Lesern die reizende Einleitung mitteilen: Die frühesten Erinnerungen an mein Elternhaus! reichen bis an die Märztage des Jahres 18 4 8. Wir bewohnten in Berlin das Haus am Leipziger Platz Nr. 4, dessen Fenster nach der Köuiggrätzer Straße, damals Hirschelstraße genannt, hinausgingen. Das Lager für uns Kinder war auf der Erde bereitet, die Schüsse krachten entsetzlich von der Straße her und die Eltern mit der Köchin schoben zwei dicht vollgestopfte Kleiderschränke zum Schutz vor die Fenster. Es wurde damals eine Bürgerwehr eingerichtet und mein Vater und seine ebenso friedfertigen Freunde mußten zu den Waffen greifen, den Zylinderhut schmückte eine große Kokarde, ein Seitengewehr, eine Patronentasche umgürteten die kampfesmutigen Leiber und eine wirkliche Flinte wurde mit herumgeschleppt. Alle diese Helden, deren Röcke enge, lange Aermel und faltige Schöße hatten, trugen Vatermörder und das moderne, große, schwarzseidene Halstuch, das sehr hoch hinaufreichte. Wenn die meisten von ihnen schöne Erscheinungen waren, denen man den Geist und das Künstlertum vom Gesicht ablesen konnte, so gaben meinem Vater seine stattliche Figur, sein üppiger, dunkelrötlicher Haarwuchs und rötlicher Schnurrbart ein militärisches Aussehen. Ein geschichtsforschender Freund will denn auch in den Danziger Annalen entdeckt haben, daß unser Urahne unter Gustav Adolf eilt schwedischer Zahlmeister gewesen sei, der sich Mejerjelm nannte und der an der Stelle gewohnt haben soll, an der unser großväterliches Haus in Danzig stand. Tie Haager Friedenskonferenz würde ihre Freude an diesen Helden gehabt haben, denen Tatenlust und -Durst nach kriegerischem Ruhm nicht anzumerken waren. Ich sehe sie noch alle vor mir, wie sie zwischen dem Potsdamer und dem Anhalter Tor -n wir Kinder immer hinterher — auf- und abpatronillierten, außer meinem Vater der Bildhauer Fritz Drake, der schüchterne Baumeister Strack, der Dichter Scherenberg und noch einige blutdürstige Freunde. Die heutige Königgrätzcrstraße war durch die alte Stadtmauer der Länge nach geteilt, außen lief die Hirschelstraße und innen die sehr ländliche und meist schmutzige Potsdamer Kommunikation, in der viele Seiler ihr Handwerk trieben. Ab und zu stand eine sogenannte Feuertiene, ein großer Bottich auf einem schweren, schlittenartigen Unterbau. Da das Wasser aus Mangel an Feuersbrünsten ewig in diesen Holzgefäßen stehen blieb, so wurden sie zu Aquarien für die niedere Tierwelt, und ich begann an ihnen meine frühesten zoologischen Beobachtungen, ebenso wie bei der Durchwühlung der großen, -alten Laubhaufen, welche die Feuertienen flankierten. Hier war eine wahre Fundgruppe für schöne Käfer, vom Mistkäfer bis zum dicken Nashornkäfer, und all dies kleine Ungeziefer war viel blutgieriger und stichbereiter, als die Heldenschar, die an ihm vorübermarschierte. Zu den Mahlzeiten versammelten sich die tapferen Männer in dem einen der von Schinkel erbauten Potsdamer Torgebäude, das mit dem gegenüberliegenden durch ein großes, schweres Gitter verbunden war. Hierher kamen die Frauen mit dem .Mittagessen; und meine Mutter, die stets eine Birtuosin in der Zubereitung von Königsberger Klopsen war, wurde mit Jubel begrüßt, wenn sie mit einem enormen Topf dieser ihrer Handarbeit bei den Kriegern erschien. Da mein Vater sich in seinem ganzen Leben nie um Politik und Weltgeschichte gekümmert hat, so teilte er uns auch nicht mit, was diese militärischen Uebnngen eigentlich zu bedeuten hatten. Damals war ich beinahe sechs Jahre alt; mein Brüder Franz, ein Rotkopf, war zehn ünd mein jüngerer Bruder, ein goldener Blondkopf, Richard, etwa vier Jahre. Wir drei repräsentiertes also das Schwarz-Rot-Gold jener denkwürdigen Zeit, ■MM Ji! diesem Tone plaudert der treffliche Künstler fort. Blättert utmt dann in dein .Hefte weiter, so findet inan wieder sechs meisterhafte farbige Kunstblätter, darunter eia Kindevbild von Fritz August von Kaulbach, dessen Lieblichkeit hinreißt, das tiefergreifende, weltberühmte Bild „Allein auf der Welt" von Josef Israels, Paul Besnards sprühendes Porträt der Madame Rsjane und eine färben-- glühende Stiinnntngslandschaft von Rüdisühli. Die Zeitschrift „Meister der Farbe" scheint eben int neuen Jahrgänge ihren Ruhm aufs neue befestigen zu ivollen. Jeder Kunstfreund, der sie abonniert, wird daran Freude haben. Wenn Frauen freien. . Auf eine mittelalterliche Sitte wollen sich die Amerikaner berufen, wenn sie als köstlichste Gabe des Schaltjahres für die Frau das schöne Recht in Anspruch nehmen, sich frei den Mailn ihrer Neigung zu wählen. Int Jahve 1228 gab das schottische Parlament die Verordnung, daß während der segensreichen Regierung der Königin Margareta es den Frauen gestattet sei, sich eiüewMann zur Ehe zu erküren, und in einer alten irischen Legende wird von St. Patrick berichtet, daß er den ihn bedrängenden Nonnen vergönnt habe, alle vier Jahre einmal das Kloster verlassen und sich einen Mann suchen zu dürfeu. Heute aber ist die Zeit, da J-rauen freien, nach der Meinung der Yankees erfüllt, und mit dieser dem Weibe gewährten Freiheit wird die letzte Schranke fallen, die noch die Frau von der Gleichberechtigung mit dem Manne trennt. Statistisch festgestellt' ist, daß jedes Schaltjahr eine größere Zahl von Eheschließungen aufzuiveisen hatte als die anderen Jahre. In den ersten drei Monaten des Jahres 1896 war eine Zunahme von 412 Eheschließungen in Newhork zu konstatieren; 1904 war die Ziffer noch beträchtlich größer. Von einigen Heldinnen dieses Jahres, die es ivagten, aus der den Frauen auferlegtcn Schüchternheit herauszutreten Und ihrerseits einen Antrag zu machen, geht jetzt wieder die bewnnoerte, zur Nachahmung anlockende Mär. Da war Miß Olga Petersen, eilte reiche Dame der Saltlake City, die Uu Sven Larsen einen Brief schrieb, in dem sie ihm ihre Hand antrug, und umgehend ein Telegramm mit dem einen Worte „Ja" erhielt; dann die bekannte Schauspielerin Zeffte Tul- bury, die ihrem Theaterdirektor während einer Tournee in Toledo einen Antrag machte und noch am selben Tage ihm ängetraut wurde, lind alle diese Ehen sind außerordentlich, find ungewöhnlich glücklich geworden. . . Natürlich sind auch die Ansichten hervorragender Persönlichkeiten eingeholt worden, die sich für und wider ausgesprochen haben. Der Soziologe Felix Somlo glaubt, daß Ehen, die durch die Initiative der Frau geschlossen werden, dem Ideal jedenfalls Näher kommen werden als die Mehrzahl der auf die jetzt übliche Weise eingegaugenen Ehen. Dagegen hält die bekannte Schriftstellerin Ella Wheeler Wilcox dieses aktive Vorgehen der Frau bei der Verlobung für im höchsten Grade nnwetb- licb und meint, das werde eine Verachtung des weiblichen Geschlechtes durch die Männer zur Folge haben. Eine ändere Frauenrechtlerin, die Präsidentin der Newhvrker Vcr- leinignng der Frauenklübs, Mrs. Belle de Revera, erklärt dagegen: „Den Mädcheit wird immer eingeprägt, daß die eigentliche Sphäre der Frau ein Heim mit Gatten und Kindern sei. Aber wie kommt das arme Ding dazu? Sie muß also das gleiche Recht haben, ihr Ziel zu erlangen, U>te der Mann." * Wegen ungenügenden Portos gehängt. In Lincoln, Amerika, würde der Neger Harrison Clarke infolge eines eigentümlichen Versehens gehängt. Clarke war, so lesen wir int „Hann. Cour.", wegen Mordes zum Tode verurteilt worden, aber die Beweise für seine Tat standen auf so schwachen Füßen, das; der Gouverneur von Nebraska am Abende vor dem Hin- richtungstage zu der Ueberzeuguug kam, daß eine Begnadigung des Verurteilten notwendig sei. Diese Begnadigung ließ er durch .die Post der Gesünguisbehörde mitteilen. Der Bureaubeamte, der den Brief zu übersenden hatte, hatte diesen ungenügend frankiert, der Brief erlitt dadurch eine Verzögerung, die zur Folge hatte, daß das Begnadigungsschveiben erst drei Stunden nach erfolgter Hinrichtung in die Hände der Gesünguisbehörde gelaugte. 72 — ; ■ Verse von Wilhelm Busch. M a h n u n g. „Helene," sprach der Onkel Nolte, „Helene, was ich sagen wollte I Ich warne dich als Mensch und Christ: O hüte dich vor allein Bösen! Es'macht Pläsier, wenn man cS ist, Es macht Verdruß, wenn maus gewesen l« Liebe. Ein Irrtum, ivelcher sehr verbreitet Uni) manchen Jüngling irreleitet, Ist der, daß Liebe eine Sache, Die immer viel Vergnügen mache. * Für manchen hat ein Mädchen Reiz, Nur bleibt die Liebe seinerseits. Verlob u n g. Das ist allerdings was Schönes, Dennoch mangelt dies und jenes. Traulich im Familienkreise Siht man da und flüstert leise, Druckt die DaNinen, küßt und plaudert, Zehne schlägt?, indes man zaudert, Mutter strickt und Vater gähnt, find ehe man was Böses ivähnt, Heißt es: „Gute Nacht bis morgen." H e i r a t. O wie lieblich, o wie schicklich, So zu sagen herzerguicklich Ist es doch für eine Gegend, Wenn zwei Leute, die vermögend, Außerdem mit sich zufrieden, Aber von Geschlecht verschieden, Wenn nun diese, sag' ich, ihre Dazu nötigen Papiere Sowie auch die Haushaltssachen Endlich 'mal in Ordnung machen Und in Ehren und bei Zeiten Hin zum Slandesamte schreiten, Wie es denen, ivelche lieben, Vom Gesetze vorgeschrieben. Dann ruü jeder ireudiglich: „Gott Sei Dank, sie haben sich!" 91 a h r u n g s s o r g e n. Die Sorge, wie man Nahrung findet, Ist häufig nicht so unbegründet .... Im Durchschnitt ist man kummervoll Und weiß nicht, was man machen soll. Goldene Worte. Wie gut klingen schlechte Musik und schlechte Gründe, wem, . man aus "einen Feind losmarschiert! Nietzsche. Dem Nüchternen macht die Gottheit alles schwer. * Horaz. Die Leidenschaft erhöht und mildert sich durchs Bekeimen. , Goethe. Gegen Verleumdung gibt es keinen Wall. Moliöre. Rätsel. Die erste Silbe ist mir lieb; Sie spricht von meinen Gängen, Wo ich des. Bach es Fall gelauscht Und muntern Vogelfängen. Wie war es ost so friedlich dal Natur nur hört ich reden Und träumte manchen schönen Traum Allein in meinem Eden. Ein großes Bodenstück will dir Tie zweite Silbe zeigen; Es gilt als wohlbestellter Mann, Wer viele nennt sein eigen. DaSs.Ganze kleidet feierlich Ten Träger hoher Würde, Und unser schönes Silbenvaar Wird oft zu einer Bürde. A. A m ina Nit Auslösung in . nächster Nummer. Auslösung des Rätsels in voriger Rümmer: Spargel. Richtige Rätsellösungen gingen uns zu von: Bäcker Bernet in Großen-Linden, Otto Artz in Langgöns, ferner mehrere aus Rodheim a. B., Bellersheim, Schlitz, Ortenberg und Hungen. Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lange, Gießen.