1807 'ifn "hOS « im» ÄM Zum neuen Jajjr. Ich steh' am Fensterkreuz und horche still. Vom Ratdaus tönen dumpfe Glockenschläge Und schweben durch die Lüste schwer und träge, Als ob das alte Jahr nicht weichen will. Ich weis?, das ist zum Träumen keine Stunde, Und doch, ein altes Sinnen iatzt mich an, Und wieder überfällt mich dieser Bann, Und tote Tage machen ihre Runde . . . V ei) höre Stimmen, seltsam und verivorren, Verblübter Flieder duftet wieder stark — Ich nabin ihn einst von eines Mädchens Sarg Und lieh ihn zwischen Blatt und Buch verdorren, , , Da fahr' ich auf. Holla l das ist em Jubel t Die Knaben schreien nebenan im Chor, Der Kleinste tut am laut'sten sich hervor Und möchte gerne in den Stiahentrubel. Jetzt singen sie den Neujahrsfestchoral — Wie fromm erklingen ihre Kinderstmimenl Wär ist, als wollt mit ihrem Sang verschwimmen Das alte Jahr mit seiner Lust lind Qual, Heda, herein zu mir, ihr junge Brut! Her mit dem Glas! Das neue Jahr soll leben Und allen Menschen Glück und Freude geben Und tief im Herzen ew'gen Jugendmut! Und rote Rosen im gelockten Haar Und Frieden dann und sanfte Seligkeiten! Wählt euch von diesen Gaben nur beizeiten — Es naht das Glück: Hier ut das neue Jahr. Ludwig JacobowSki. Die ylveker-Ktocke. Neujahrs-Novelle von O. E l st e r. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) „Das bedeutet ein Unglück," flüsterten die Mädchen. „Nctil, ein Glück!" sagte der alte Ackervogt, der schon dreißig Jahre bei der Herrschaft diente und die Sage von der Glocke kannte. „Wißt Ihr es nicht," fuhr er fort, „daß in dem tiefen Keller des Turmes eine große Spinne sitzt? Na, die Spinne hängt sich nun an das Seil der Glocke und kriecht daran auf und nieder, bis die Glocke in Schwingung versetzt ist — und die Spinne ist doch ein glückbringendes Geschöpf, das wißt Ihr alle" ... Und die Glocke ertönte noch immer in tiefen Akkorden! Inzwischen war der Graf vor der Tür angelangt, welche von dem Hauptkorridor in den Turm führte. Die Tür war verschlossen, aber der Schlüssel steckte in dem alten, wunderlich gesonnten Schloß. „Wer ist heute im Turm gewesen?" fragte der Graf. „Ich, Herr Graf," entgegnete Müller. „Ich habe die Uhr richtig gestellt ..." „Hast du den Schlüssel stecken lassen?" „Das kann wohl sein, Herr Graf... ich hatte so viel zu tim . . „Nun gut — so wollen tvir sehen, iver in dem Turme steckt! Bringt Lichter her!" Einige Diener hoben die Armleuchter mit den Kerzen hoch empor. Der Graf schloß die Tür zum Turm auf, das alte Schloß kreischte und ächzend drehte sich die schwere Eisen-' tür in den Angeln. Ein kalter Luftstrom, der aus dem dunklen Turme kam löschte die Lichter aus. „Laternen her!" rief der Graf. „Ich sehe die weiße Gestalt!" rief Komteßchen Loire, der fünfzehnjährige Backfisch und alle jungen Dämchen schrien laut auf vor Schreck, aber rührten sich doch nicht von der Stelle, sondern reckten in scheuer Neugier die Hälschen, um das Gespenst zu sehen. Wahrhaftig, da huschte etwas Weißes die Treppe hinunter, die zum Glockenstuhl hinaufführte, und flog aus den Grafen zu und schlang die Arme um seinen Nacken und schluchzte und lachte: „Papa . . . lieber Papa . . ." „Heinrika — du hier?" fragte der Gras. „Heinrika?! — 's ist Heinrika!" rief der Chor lachend zurück. „Sie war's! — Aber die Glocke schweigt jetzt. . Und wirklich nur noch einige ersterbende Töne erklangen da oben im Glockenstuhl — dann ein Summen und Tönen .... eilt leises Nach hallen und die eherne Zunge der Glock? schwieg . . . „Wie kommst du hierher, Heinrika?" Aber statt der Antwort schmiegte sich das junge Mädchen fester in die Arme ihres Papas und verbarg das Gesichtchen an seinem Herzen. „Da kommt noch ein Gespenst die Treppe herunter!" ries lachend ein junger Herr. Goldene Schnüre und Knöpfe blitzten in dem Schein der herbeigeholten Laternen auf und allgemeines lachendes „Ah!" ertönte, als der Rittmeister von Walden in den Lichtkreis trat und sich verbeugte. „Rittmeister von Melde»?! Wie kommen Sie hierher? — Waren Sie es, der die Glocks läutete?" „Ja, Herr Graf — ich erlaubte mir —" entgegnete der junge Offizier lächelnd. „Aber erklären Sie. . . und Heinrika war auch da?'' „Allerdings, Herr Graf. . . verzeihen Sie — aber wir hatten uns etwas zu sagen, !vas niemand zu hören brauchte.^ „Und da wählten Sie diesen Turm?' 77U Dem Grasen wurde die Sache klar. Er lachte gemütlich- Als er noch Oberst des Husarenregiments gewesen, in dem auch Herr von Melden stand, war dieser sein Adjutant gewesen. Er schätzte ihn und lud ihn deshalb öfter aufs Schloß. „Ja, Herr Graf," entgegnete Melden, „die Tür stand gerade offen — da traten wir hinein. Als aber eine naseweise Kamiiterjuiigfer ihr Näschen hereinsteckte, nm uns zu belauschen, schlug ich die Tür zu. Unglücklicherweise kann man die Tür von innen nicht öffnen — wir waren gefangen, Herr Graf, — mein Klopfen nützte nichts — man hörte mich nicht — die ganze Nacht konnten wir doch nicht in dem Turm bleiben — da kam mir der Gedanke, die Glocke zu ziehen, nm so die Befreier herbeizurnfen. Und Sie sehen, Herr Graf, es hat geholfen!" „Ja, Sie Schwerenöter," rief lachend der Graf. „Das ganze Schloß haben Sie zusammengeläutet! Aber wissen Sie, was es bedeutet, wenn diese Glocke in der lebten Stunde des Jahres läutet?" „Nein, Herr Graf." . . . „Daß sich ein Brautpaar im Hause befindet. . . aber ich sehe noch keines." . . . „Dem Mangel kann abgeholfen werden, Herr Graf," entgegnete der Rittmeister munter. „Ihr Fräulein Tochter hat mir eben gestanden, daß sie mich liebt — und so bitte ich um die Hand der Komtesse Heinrikä..." „Mädchen, ist das wahr?" fragte der Graf, die Hand auf den blonden Scheitel seines Töchterchens legend. Heinrikä nickte. „Nun, so kommt zur Großmama," rief der Graf, „daß sie eure Liebe segne, an bereit Verlobungstag die Sylvesterglocke zum letzten Male erklang." Unter Lachen und Jubeln führte mau das Brautpaar in den Saal zurück. Die Großmama streckte ihm lächelnd die Hände entgegen,, unb als bas Paar vor ber Greisin auf bie Sitte sank unb sich deren welke, zitternden Hände segnend auf die Häupter der Glücklichen legten, da erklang die Syl- vesterglocke von neuem — ber alte Müller war zum Glockenstuhl emporgestiegeu und ließ die Sylvesterglocke ertönen, daß ihr Klang weit hinausdrattg in die Neujahrsnacht. Neujahrsg danken. Bon Pros. Carl Ludwig Schleich. Nachdruck verboten. Ter Mensch ist eilt geborener Kataster-Beamter, eine Art Registrator der Natur, ein durchaus bureaukratisches Schöpfungs- Produkt. Muß er nicht alle Dinge dieser Welt, womöglich die außerhalb dieser einbegriffen, mit aller Sorgfalt sammeln, sichten, rubrizieren, klassifizieren und in die Riesenbehälter und Schubfächer der Wissenschaften, Akademien und Museen ordnungsgemäß einreihen, so daß jedes Ding dieser Welt und Ueberwelt gleichsam seine Personalakten besitzt, je nach dem Wechsel der Brillen der damit amtlich betrauten Kontrolleure umgearbeitet, vervollständigt und laufend geführt werden? Himmelhoch reichen diese Aktenregale tmscrer Ministerien für geistige und körperliche Angelegenheiten Der Natur. Unb kommt dann einmal ein Bohemien der Wissenschaft — wie etwa Fritz Mauthncr, der Scharfrichter der Sprache, der uns beweisen möchte, daß alle diese Sorgfalt überflüssig sei, weil alle Dinge durch die Fehlerhaftigkeit unserer Ausdrucksmittel falsch etikettiert sind, so sagt ihm sicher ein Ministerialdirektor der Ideen: „Schadet nichts! Eine falsche Ordnung der Dinge ist besser bis gar keine!" Geordnet, gesam- nitlt, eingeaktet aber muß unter allen Umständen werden. Wie eigentümlich: ohne den Menschen trüge nichts auf der Welt einen Namen, gäbe es keine Weltreiche, Erdteile, Tierreiche, keine Räume, keine Zeiten ! Mit dem Menschen erst ist also scheinbar Ordnung in die Sache der chaotischen Gleichgültigkeiten hineinge- kommen. Me ein eigenmächtiger Postbeamter ist jeder von uns stillschweigend der Ansicht, daß die Weit für ihn, nicht er für die Welt Vorhemden ist. Diese postalische Weltanschauung nennt man Anthropomorphismus, auf Deutsch: Der Mensch ist das Maß aller Dinge! Ja, er ist auch das Chronometer aller Dinge! Wäre etwa jemals ein Wesen außer ihm darauf verfallen, an der immer gleichmäßig rotierenden Scheibe der Ewigkeit kleine und kleinste Periödchen zu verzeichnen, die auch hier erst Ordnung in den sonst unsinnigen, zeitlosen Ewigkeitstaumel gebracht haben? Ob die Sache für unsere Erde ganz stimmt mit den rhythmischen Walzern der sich schwingenden oder auf dem Platze tanzenden Sterne, das ist Sache der großen Uhrmacher ä la Archimedcs, Cäsar, Gregor, Kopernikus und der verschiedenen späteren Direktoren der Sternwarten und soll uns hier nicht kümmern. Wir wollen hier nur konstatieren, daß die Natur eine solche Fülle verschiedenster Umlaufzeiten von Sternen um Sounenpunkte kennt, daß es eigentlich unbegreifbar ist, warum man aus der Erde von dem einmal vollendeten Lauf unseres tränenbesäeten Planeten nun unsere auch nicht fleckenfreie Sonne so viel Aufhebens macht! Für unsere in der Astronomie gerade nicht spezialistisch ausgebildeten höheren Töchter sei nämlich bemerkt, daß das uns fo hoch erfreuende Neujahr ungefähr einem Erdumlauf um ihre Majestät die Sonne entspricht. Wir, „die Wissenden dagegen", werden etwas verlegen in der Anerkennung, daß unser bürgerliches Neujahr seinen Ursprung einer seyr komplizierten Berechnung aus Sonn- und Mondphasen, Erddrehung und -kreisung, Tag- und Nachtgleichung usw. verdankt. Soweit meine Erinnerung reicht, ist ein bißchen Vergewaltigung der Tatsachen dabei, wie schließlich bei allen „absolut" wichtigen Angelegenheiten, die dem Prokrustes-Bett des Tatsächlichen angepaßt werden sollen. Wenn ich nicht irre, ist es ein Gregor oder gar Julius Cäsar selbst gewesen, der einige Stunden und Minuten und Sekunden gewalttätig kassierte, damit die Mit- und Nachwelt ja zur rechten Zeit Neujahr feiern könnte. Wenn am Silvesterabend Punkt 12 Uhr diesem oder jenem Zylinder- Hut der Garaus gemacht wird, dann schert sich die Erde den Teufel darum, ob sie gerade im Moment unseres Gläserklingens genau auf denselben Meck zurückgekehrt ist, von dem sie voriges Mal ausgegaugen ist. Sie hält sich nicht gebunden an den Knick des Punkt 12 Uhr nachts aufgebeulten Zylinders. Und übrigens, von welchem Ausgangspunkt der Erde rechnen wiv überhaupt den Umlauf? Genug, die Sache ist auch für Studenten und Kandidaten der Unsterblichkeit nicht so ganz aufgeklärt. Man soll nur einmal zu Neujahr darauf Hinweisen, wie menschlich, allzumenschlich eigentlich unser ganzer Zeitbegriff ist und zu welchen Philistern uns eigentlich die Wissenschaft erzieht, wenn sie uns zwingt, das ganze, große, herrliche Universum mit seinem Ozean wallender Sternwogeu anfzufassen als ein schnurrendes Uhrwerk, einzig aufgezogen, damit wir immer wissen, wieviel die Uhr sei und wann wir zu Neujahr uns zu beglückwünschen haben. Ter ganze Zeitbegriff ist uns also, glaube ich, ein bißchen aufsuggeriert, oder wenigstens haben wir uns alle geeinigt, die Vorschläge der alten Kirchenväter sunter Zuziehung sachverständiger, aber doch nicht ganz auf der Höhe unserer Bildung stehender Astronomen) in Bausch und Bogen anzunehmen. Unsere ganze Zeiteiuteilmtg ist eben, wie im Grunde alles Wissenschaftliche, nur eine Möglichkeit, die nicht immer die Wahrscheinlichkeit für sich zn haben braucht, um von der breitesten Allgemeinheit angenommen zu werden. Wird die Menschheit alt genug, um einmal alle Möglichkeiten durchprobiert zu haben, so wird sie ebenso lange Zeit gebrauchen, um festzustellen, was das Wahrscheinlichste ist. Dann käme aber die Dauer unserer Mutter Erde schon in Konflikt mit der Ewigkeit — so alt kann sie nicht werden. Sonderbar ist, daß nie jemand darauf verfallen ist, unfern Zeitbegriff festzulegen und aufzubauen auf eine Uhr, die jeder buchstäblich in seiner Brusttasche bei sich trägt, auch wenn er splitternackt ist — auf den Schlag unseres schönen warmen Menschenherzens, statt die Unheimlichkeiten von Mil- lionenmeilen-Umlausszeiten zur Einheit unserer verhältnismäßig kleinen zeitlichen Bedürfnisse heranzuziehen. Wenn wir den Raum nach Füßen, Schuhen, Fingerlängen messen, so könnte durchaus ebenso authropomvrph, das heißt menschen-größenwahn- sinnig der Schlag des Herzens zur Sekunden-Einheit benutzt werden, was noch den Vorzug hätte, eigentlich mit unserer Stunden- intb Sonnenaufgangsrechnuna völlig überein zn stimmen. Der Normalmensch hat 60 Pulsschrage in der Minute. Also ist ein Herzschlag gleich einer Sekunde, eine Stunde gleich 60 mal 60, ein Tag gleich 60 mal 60 mal 24 Herzschlägen und so fort, was für das Jahr die Kleinigkeit von etwa 31 Millionen Herzschlägen bedeutet In der Sylvestern achr wenn das neue Jahr schön wartend an der Zeitenschwelle steht —* wie viel schicksalsschwere Fragen werden da in Herz und Sinnen der Menschen wach. Tie Zukunft! Wer sie enträtseln, ihr den dicht verhüllenden Schleier vom Antlitz reißen könnte, und sei's auch nur für die Spanne eines Augenblicks! Umsonst, der Zukunft Dunkel enthüllt keine Hand. Unb all die schicksalsschweren Fragen holen sich, ins Gewand des Scherzes vermummt, ihre Antwort nur aus dem Reiche des Aberglaubens. Silvesternacht! Da guckt das verliebte Mägdlein klopfenden Herzens in einsamer Kammer beim flackernden Licht in den Spiegel und hofft des Liebsten Geist zu beschwören, sucht sein Antlitz neben dem ihren — 771 — im Glase. Da wirft sie den Pantoffel über bte Schulter. Das ist ein Mittel, das auch erproben kann, wer wessen well, ob er wohnen bleiben oder ausziehen soll, ob er ferne Stelle behalten, eilte Reise tun oder in den Stand der heiligen Ehe treten wird, ob der Schulbub versetzt werden oder setzen bleiben wird Es kommt nur auf die Fragestellung an und auf die Stellung des niederfallenden Pantoffels, ob er mit dem .Hacken oder der Spitze zur Tür weist. Oder man gießt Blei, ivahrsagt aus dem Kaffeesatz, trägt Kuchen auf, ,deren einer oie Ber-- lobung kündende Bohne umschließt; lagt auf wassergefulltem Becken aus Nußschalen geschnittene Lichter,chistchen segeln und zueinander treiben; läßt mit verbundenen Augen Lo,e ziehen und befragt die Karten nach Herzkönigs oder der Herzdame Sinn Doch man kann all diesen Silvesterscherz auch ebenso gut lassen, denn nur wunderlicher Zufall war's, ginge eine dieser also erlangten Prophezeiungen in Erfüllung. Breun aber die Glocken zu klingen beginnen, die Uhr zum zwölften Schlage ausholt und die Lichter zum letzten mal am Ehrlstbaum verlöschen, daun weicht aller nächtliche Silvesterspuk, den zagendes Zukunftsbangeu heraüfbeschwor, vor dem siegreich jubelnden Hoffen, das dem neuen Jahr entgegenfliegt. Und morgen kommt das Heer der Gratulanten. Wenn cs möglich wäre, mit Wünschen zugleich auch die Erfüllung zu verbürgen, so dürfte morgen jedermann ein Jahr beginnen, dem das Unheil nahezu fern bleiben würde. . Verwandte, Bekannte und Freunde versichern uns,, wie sehr ihnen unser Wohl am Herzen liegt, und unter den anderen Gratulanten, die Gefälligkeiten von uns in Anspruch nehmen und sich namentlich an unseren Geldbeutel wenden, sehen wir auch solche, von deren Existenz wir bisher kaum etwas wußten, die jedoch behaupten, daß sie sich nm uns in irgendeiner Art verdient gemacht haben. Oester als sonst in einer ganzen Woche ertönt bei vielen Leuten am Neujahrstage die Türklingel und in Briefen, Ansichts- und Visitenkarten regnen die Neujahrsgrüße ins Haus. Schier endlos ist die Flut von guten Wünschen, die sich über uns ergießt, und dabei bringt jede neue Post weitere Sendungen und, gewissenhafte Leute legen sich ein förmliches Glücksregister an. So stattlich auch das Heer der Gratulanten ist, die Zahl der Segenswünsche, die wirklich ernst gemeint sind, pflegt nicht allzugroß zu sein, und doch wiegt jeder dieser Wünsche Dutzende der bei dem Jahreswechsel üblichen wohlfeilen Redensarten auf. Allenthalben aber wird man den üblen Ausruf hören: „P rost Neujahr!" Sollten wir nicht endlich einmal allesamt gegen diesen merkwürdigen Nenjahrswunsch, der sich überall eingebürgert hat, Front machen? Weit seltener hört man die wenigstens etwas feiner klingende, aber noch undeutschcre Form „Prosit Neujahr!", in der das lateinische prosit (es nütze, sei dienlich) voll erhalten ist. Nun werden wir unseren Studenten wohl nicht so leicht ihr Prost und Prosit austreiben können, wiewohl schon manche das nicht gerade sehr anmutige „Zum Wohle!", andere das gefälligere „Wohl bekomm's!" zu sagen wagen und die österreichischen sich des freilich etwas sportmäßig klingenden alten dentschen Trinkrufs „Heil!" bedienen; aber sollten wir uns nicht befleißigen, uns statt jenes derben Zurufs am Neujahrstage eines würdigeren, dem Ernste des Jahreswechsels angemesseneren zu bedienen? Wie wenige wissen überhaupt, was sie mit „Prost Neujahr!" sagen? Die meisten antworten auf die Frage: „Was heißt denn eigentlich Prost?" nur: „Nun, eben Prost." Beim Schluffe der Mahlzeit („Prosit die Mahlzeit!") ist es schon verdrängt, denn „Prostemahlzeit" ist ins niedrig Scherzhafte oder gar Spöttische hinabgesunken. Allerdings ist ja auch die „Gesegnete Mahlzeit" in der in letzter Zeit mit Recht vielfach bekämpften Kürzung „Mahlzeit!" schon unter das Fußvolk geraten; aber mit welchem Gruß ginge das nicht so? Bei dem lächerlichen „Atjö" denkt sich keiner mehr etwas, und selbst die doch dem Dentschen viel mehr sagenden „Guten Tag, Guten Abend, Gute Nacht" sind leider ganz verblaßt zu ,,'ntag, 'nabend, 'nacht". Aber wer herzlich sein will, der spricht auch diese schönen Grüße deutlich aus, sagt vielleicht auch gelegentlich „Auf Wiedersehen" oder „Lebewohl"; und so sollte auch jeder Deutsche, der dem anderen von Herzen ein gutes, glückliches, gesegnetes neues Jahr wünschen will, es mit diesen Worten abtun und nicht mit dem kahlen, nüchternen „Prost". Wenn' mancher Süddeutsche zäh an seinem „Gut's neu's Jahr!" festhält, trotz alem Einstürmen des Prost, so sollte auch jeder andere Deutsche ihm nacheifern. Geloben wir uns doch einmal die zum neuen Jahre, aufzuräumen mit bisher immer noch vergebens bekämpften Atjö, mit dem ebenso nichtssagenden Mahlzeit und mit — Prost Neujahr! Bieten wir uns in deutschen Treuen beim Gehen wie beim Kommen einen „Guten Tag", nach dem Essen — aber auch nur dann — eine „Gesegnete Mahlzeit", und beim Anfänge eines neuen Jahres: Viel Glück zum neuen Jahr! oder: Ein gutes neues Jahr! oder wie es uns sonst gerade ums Herz ist. Auch hier könnte jeder etwas von dem zeigen, wovon doch jetzt so viel die Rede ist: Persönlichkeit! Tie „Gießener Familienblätter" können nicht nur dm meisten Gießenern, sondern auch Tausenden von Männern und Fraum aus anderen Orten Oberhessens schon seit Jahrzehnten von Jahr zu Jahr ihre Neujahrswünsche darbringen. Auch jetzt wünschen sie — und diese Wünsche kommen aus aufrichtigem Herzen —# daß sich das neue Jahr für ihre Leserinnen und Leser recht glücklich gestalten, ihnen allen viel Freude bescheren und sie vor Kummer und Leid verschonen möge. Und sie rufen ihnen allen zu: Glückauf z u m neuen Jahre 1908! Silvcst r-K träoke Nachdruck verboten. — Einen bekömmlichen, billigen Glühwein bereitet man auf folgende Weise: Ans ein Liter 'Apfelwein nimmt man ein kleines Stückchen Simmet, zwei bis drei Nelken und Zucker nach Belieben, dann eine viertel Flasche Heidelbeer- oder sonstigen leichten Trauben-Rotweiu (z. B. Linzer), läßt das Ganze gut aufkochen und serviert es heiß. Uebrigens kann man auch einen etwas kräftigeren Glühwein Herstellen, wenn man Apfelwein und Heidelbeerwein zu gleichen Teilen nimmt und mit den bekannten Zusätzen, wozu wir noch den Simmet empfehlen, versieht. Ein Punsch aus Apfelwein wird in derselben Weise hergestellt, nur gibt man kurz vor dem Servieren ein Weinglas voll guten Arrak oder Kvguak hinzu. — Guter S i l v e ste r pnn s ch. Vs Liter bester Arrak wird in einer Terrine mit 200—250 Gramm Zucker aufgelöst. Unter» des kocht man 1 Liter Notwein und 2 Liter Wasser, jedes besonders, in sauberen Töpfen, gießt beides kochend zusammen, läßt es iwch einmal anstvallen, — nach Belieben mit der Schale einer Zitrone, — gießt die Masse über den Arrak und Zucker und rührt alles gut durcheinander. Man nennt dieses Rezept auch 1. 2. 3. Nr. 1, den Arrak, kann man meist dtwas sparsamer nehmen, mit dem Zucker richtet man sich ganz nach Geschmack. — Bischof. In vier kleine bittere Pommeranzen werden tiefe Einschnitte gemacht, die Früchte auf Kohlenglut geröstet, dann in einen Topf 2 Flaschen guter Rotwein, einige Stücke Zimmt, eine geröstete Brotkruste dazugegeben, und 6—8 Stunden in heiße Asche oder sonst heiß gestellt. Dann wird der Wein durch ein Tuch in die Bowle gegossen, mit Zucker etwas versüßt, die Pommeranzen etwas ansgedrückt und warm serviert. — Selleriebowle (A me r i ka ui sehe). 3 bis 4 schöne Knollen werden abgeschält, in seine Scheiben geschnitten, dick mit Zucker bestreut, mit 1/2 Flasche Kognak oder Arrak begossen nd bleiben 10—12 Stunden fest zugedeckt stehen. Darauf wir er Saft abgegossen, vier Flaschen Wein zugegossen, nebst einer F^ ,..,e Selterswasser oder besser Champagner. Die Bowle auf Eis ge- — Silvester-Ananas-Bowle. Zu 2 Flaschen Moselwein zu 80 Pfg. nimmt man 160 Gramm Zucker oder 2 kleine Weingläser Zuckersirup. Tie Ananas wird fein geschält, , die Schale 01 Minuten in Wein ausgesogen, die Frucht in Scheiben aeschnitten und zu Wein und Zucker getan. Eine halbe Flasche Champagner dazu verbessert die Bowle sehr. Wo keine frische Frucht vorhanden, verwendet mau zu 2 Flaschen Weißwein mit 160 Gramm Zucker 20 bis 25 Gramm des Naumannschcn Ananas- extrakis. Es kostet diese Quantität ungefähr 4 Mk. Mnlerhullun ien am Äilv.6 aüeiid, Nachdruck verboten. Es heißt: Je heiterer die Stimmung in den letzten Stunden des alten Jahves ist, nm, so mehr Freude und Glück wird uns das Nene bringen. Biel Heiterkeit und fröhliches Lachen erregen bekanntlich „Orakelsp-eie". Um zu erfahren, was uns int neuen Jahre bestimmt tst, nimmt man kleine Tal er, stellt sie auf einen Tisch in einer Reihe und legt auf jeden Tel.er je einen der folgenden Gegenstände. — Einen Zweig der Myrte oder kleine Tanueuzweige — etwas Wasser — einen Schlüssel — ein Geldstück — eine Zwiebel — einen Briefbogen — einen Ring — eine Nummer — ein nach- gemachtes Mäuschen — Amor mit einem Pfeil usw. Einem Gast werden nun die Augen verbunden; ist dtes geschehen, so verstellt jenmrtb aus der Gesellschaft die Teller und die Person mit den verbundenen Augen wird an bett Tisch geführt -tun in einen Teller hineinzugreifen. Hat der Spieler nun die Myrte gefaßt, so bedeutet dies bei Ledigen baldige Hochzeit, bei verheirateten Leuten, zur Hochzeit geladen werden. Wasser bedeutet Taufe — Schlüssel, ein eigenes Haus oder Heim Zwiebel, Tränen — Briefbogen, lang ersehnter Brief — Rmg, Verlobung oder treue Freundschaft — Nummer ent Gewinn — Mäuschen, matt wird besto hleit — Amor, eine Braut oder Bräutigam int neuen Jahre bekomm eit usw. An diesem Spiel nehmen Tamett und Herren teil. . , , Eine weissagende Unterhaltung tst ferner folgende: Jeder Gast erhält ein Tellerchen mit etivas Salz; WeieS wtrd durch ein paar Tropfen Wasser angefeuchtet und bet dieser Gelegenheit muß sich der Betreffende einen Wunsch denken. Nun zählt man bis hundert; ist bis dahin das Salz aufgelöst, so gehr der Wunsch in Erfüllung. . ■ , Vergnügen bereiten auch Lose, aus welche scherzhafte Prophezeiungen, Berschen usw. geschrieben werden, yiatimid) muß die Gastgeberin diese vorher angefertigt haben oder Jemand aus der Gesellschaft bringt diesen! Scherz zur Nnterhaltuna mit. 772 Als Beitrag zur Unterhaltung mid Heiterkeit der Gaste bienen auch kleine scherzhaft Geschenke, Ivelche in originellen Atrappen verborgen oder auch nur gut tu Papier verpackt sind. Biel Spaß macht es, wenn jedes Paßet mit einer bestimmtett Adresse versehen ist; öffnet nun der Betreffende sein Pakt, so findet er auf 'der zweiten Umhüllung den Namen eines anderen Gastes ttnd muß das Paketcheir weiter geben. Auf diese Weise müssen die Empfänger die Pakete so lange wechseln, bis endlich zum Schluß das Geschenk an die richtige Adresse gelangt. Mait wickelt die Geschenke nicht alle gleich ein, sondern einige mehr oder weniger, damit schott ioähreird des Spieles hin und wieder ein Gast fein Geschenk erhält, wodurch die Neugier tind der Eifer der anderen Gäste ang-eregt wird. Ter Verräter im Himmel, 91 u 3 eine in uberhessi scheu Dörfchen. (Original-Artikel der „Gieß. Farn -Bl."). Um die Petroleuntlampe, die von der niederen Decke des Baitenrwirtshauses herabhängt, sitzt am langen Tisch die soim- tagabcndliche Tafelrunde. Während an dem einen Tischende von drei Teilnehmern der Gesellschaft Skat gedroschen wird, hält das tiitberc Ende eine ebenso eifrige Gesellschaft Solospieler besetzt. Der Skat wird mit Bier, das Solospiel mit Frucht- braiiutwein begossen. Die Mitte des Tisches nehmen mehrere Bauern ein, die vont Vieh, von der letztjährigcn Ernte und anderem mehr angeregt sich unterhalten, daneben aber aueh durch bewundernde oder höhnende Zurufe die Spieler zu stören suchen. Diese selbst bleiben die Antwort nicht schuldig. „Aach1) «äit uit verninftig Woart2) leßt sich ninn redde, wu bat tniseroatvlech Koartekrimer4) sein." „Woas willst bau5) daitn Berninftiges schwätze, Konrad, bau host dein LeabdoagG) nvach naut Gescheides gesaat/) aach wann kan Koartespäiler do fein." So uub oft noch viel liebenswürdiger versüßt man sich gegenseitig den Abend, bis gegen 11 Uhr, da nun doch bald Feierabend gemacht werden muß, die Karten dem Wirt zurück- gegeben, uttb Gewinn und Verlust im Spiel ausgeglichen iverden. Und nun beginnt das allsonntägliche Aitfzieheit des einen oder des anderen Teilnehmers der Tischrundc. Der Angezapste muß wohl oder übel stillhalten, nur nimmt er sich vor, seine Bedränger am nächsten Sonntagabend umso derber mtzupacken. Heute abend dauert das Rebespiel nur kurze Zeit. Die zwei ältesten Kampfhähne, der 82 jährige Hansjörg und der 86 jährige Mechil (Michel), der. Wirt des Hauses," fechten Hettle alle!!-. Mechil, dessen Augst vor dem Tode dorfbekauut ist, Ivill von Sterben und Begrabenwerden durchaus nicht gesprochen haben. Er gerät immer ins „Gärrit" (ins Weinen), wenn die Rede darauf gebracht >vird. Hansjörg, der mehr Mut besitzt, und sich gern an der Augst seines Kameraden weidet, zapft ihn deshalb au. „Mechil, dast de dr dann neulich oarg ivihH gedou, wäi de die Keallerdrebbe °) enoabfäilst l0) de hast de bub hun fonn dv- devon?" „Schwätz boach uäit so domm, itaoch") kan Boschdei?') hott mersch") gedohn, eich sein keallerhoart."H) „No, lvahßt de, Mechil, ou dr Reih beast15) de etz boach, bau beast dr Aeltst ein ganze Doarf, lang Zeit host bau naut mihn." „Aach, haal bau boach bei Maul, eich httn noach lang Zeit, wanns off meich onkimmt, mir prässierts näit." „Ei ja no, Mechil, so säd mr als, oawer berat "■) misse mr doch sein zan jeber Stomt ean unfein Aaler ;,7) mr kann jeden Doag oabgeraufe warn." „Ach, Hansjörg, etz sei rauhig,s) do devon, beafbe16i ntih Mr devon schwätze, beafbe äier20) kann's uns Herrgoatt ge- iwat21) wärn, deaß e ahm -,?) vergeasse hott. Ao wer mant r uäit auch, deaß uns Herrgoatt emol aan vergeasse kennt, eich glaawe's.20) Cs sein boach alleweil esoväile Mensche off dr Welt, deaß he se goar uäit all kenn kann. Maansl bau uäit nach, Hansjörg?" „Deich vergeßt he näit, Mechil, wann he weich uäit nach Vergeßt." „Ei no, wäi so daitn nach gleich zwin24) vergeasse ean so eme klaane Doarf, Haitsjörg; ivanit he meich nurz vrgeßt, doas raß80) mir groab genunk." „Deich vrgeßt uns Herrgoatt näit, Mechil, wann he meich näit aach vrgeßt, saan eich dr noacki emol; dann wann eich irschi enofs"7) muß, daun tierror2d) eich deich." Darob großes Lamento „Mechils", der in der Erregung ganz vergessen hat, daß diese Erörteruitg nur des Sonntagsver- L) Auch. 2) Wort. s) miserablen. 4) Kartenkrämer. 5) du. ’) Lebtag. ’) gesagt. 8) weh. 9) Kellertreppe. l0j hinabfielst. ) noch. Borste. 1) mir es. “) fcUcrhart. IS) bist. I6) bereit. ’’) Alter. ls) ruhig. 19) desto. i0) eher. **) geivahr. Ci) einem. “) r aubte es; *) zwei. ist. -') erst. ”) hinauf Pu den Htnrmelj. ,8) verrate. I gniigeits ioeg«t geschehen ivat'. Enter lautem Lachen aber t> abschiedete sich dte Tischgesellschaft von beut alten Gastwirt, de noch lange die Hellen Tränen über die gefurchtett Wangen rollen, tvv.il ihn der langjährige Freund nach dem Tode verraten will. VevmiWe«i * Kinder — sagt ein altes Sprichtvort — sind der Kitt der Liebe; aber das Sprichwort ist nicht immer ein Wahrwort. Tas sollte auch der Graf Heinrich v. M. erfahren. Er hatte eine sehr reiche Engländerin, die Marquise v. B., geheiratet. Ter Ehe entsprossen ein Knabe und ein Mädchen. Erz i e hu ngs fragen boten den Anlaß zu ernstem Zerwürfnis zwischen den Eltern; derMitep war für eine strenge Erziehung, die Mutter für Sanftmut itnb Milde. Am 29. Juni dieses Jahres führte eine Handlung deK SohiteS zu einem heftigen Zank, und als der Graf am nächsten Morgen erwachte, erfuhr er, daß seine Frau heimlich ihre Sachen gepackt und in der Nacht das Haus verlassen habe. Alle Nachforschungen blieben erfolglos, mtb als der Graf einige Tage später auf dem Polizeibureau erschien, um die Flucht zu melden, packten ihn zivei haitdfeste Poltzistett und warfeit ihn in einen Magen, der ihn nach demJrrenHause Billa Turing (bei Turin) brachte. „Wenn ich in der verhängnisvollen Nacht", so erzählt der Aermste jetzt in der Turiner „Stampa", „nicht wirklich den Verstand verlor, so hatte ich es nur dem Umstand zu verdanken, daß mein Geist so klar und so gesund mar, daß er den furchtbarsten Aufregungen und Erschütteningen Widerstand leisten konnte". Einen Tag nach seiner Einlieferung iuurbe der Graf von bem Anstaltsarzt besucht, und dieser erklärte ihn sofort für vollständig gesund. Wie war bis Ueberrumpelung möglich gewesen? Tie Gräfin hatte im Bause einer befreundeten adligen Familie ein Asyl gefunden, und diese Familie gab auf Wunsch der Gräfin skrupellos die Erklärung ab, daß dec Graf verrückt sei und für seine Familie eine Gefahr bilde; ein Arzt tat das übrige, indem er, ohne den Grafen je gesehen zu haben. <• Erklärung als den Tatsachen entsprechend bezeichnete. Altes war so bescheinigt» daß die anders lautende Diagnose be§ Oberarztes von Billa Turimr zur Freilassung beS Grafen nicht ans- reichte; es bedurfte dazu erst einer Beschwerde seiner Verwandten und einer von der Staatsantvaltschaft angeordneten Untersuchung durch einen anderen Arzt. Der vermeinte Irre wurde erst entlassen, als auch die neue Untersuchung seine vollständige geistige und körperliche Gesundheit bestätigte. Nun begann der eheliche Zwist des gräflichen Paares die Gerichte zu beschäftigen; der Graf strengte einen Prozeß auf Trennung der Ehe an und gewann ihn. Tom Manne, der kurz vorher noch als eine ernste Gefahr für seine Familie bezeichnet worden >var, vertraute man mit Zustimmung der Mutter die Erziehung der Kinder' an. In solcher Weise hat das häusliche Drama seinen Abschluß gefunden: die Familie, die auf Liebe gegründet war und ihren Ursprung auf Liebe zurückfähren konnte, ist wegen einer M e i n u >r g s v e r s ch i e. d e n h e i t über d i e P f l i ch t e « die Liebe gegen die Kinder auseinandergestoben und in Trüummc .gegangen. Goldene Worte, Wollt ihr, Elter», Gatte» und Lehr e v, eindrmge» mit euren 9iii le» und Lehren i» Kinder >mb Gatten, so senkt sie milde, a (l in ä () 11 ch und r uhig tu die sremde Seele. Bleiben iiicbt die Blumen deut Tau, der leise sinkt, geöffnet und lasten sich fülle», verschließen sich aber schon früh vor Platzregen, »och ehe er tobt? Jean Paul. DaS barte Wort schmerzt immer, fei'? auch ganz peri Sophokles» Schick' nicht in? Leden spähend deine Blicke, Da? Glück enuarteub mit her Sehnsucht Peilt, — Bau' dir zunr Glück mit cig'ner Hand die Brücke, Beglücke du, so wirst d» glücklich fein. Blüthgem T r o st. Hoch aus schwindlige» Stegeir Geh' ich mit mutigem Schrill; Kommt das Glück mir entgegen, Daitkk's ihm ein freundlicher Blick, Aber vertveigert's zu komme», Tu' ich, als mär' es mir nah; Ist auch die Stütze genommen, Bin ich dockt selber noch da! Grillparzer. CLarade. Halb bitt ich flammend mtb glültend, halb starr ich iit bitterster Rä((e| Suche tu Böhmen mich auf, wo mich die Elbe bespült, Auflösung in ttächster Nummer. Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck mtb Berlaa der Brühl'fchen llniverstlatS-Bucü- und Steindruckerei, 9L Lang«, Gießern