1807 MW? III Auf der eigenen Spur. Kriminalroman von Otto Boeder- (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Willst du dich nicht mir mtti-cr trauen?" fragte die Freundin mütterlich. „Ich will mich nicht in dein Geheimnis drängen und guäle ich dich eben, so geschieht's nur um dich . . . weil ich so gern dich schützen möchte. . . sieh, schon die nächste Stunde vielleicht gehört nicht mehr dir, ist deinem Willen nicht mehr untertan." Und als die halb Ohnmächtige immer noch schweigend verharrte und nur unmerklich mit dem Köpfe zu schütteln versuchte, während ihr die Zähne aufeinander schlugen, da sagte sic ihr dringlicher ins Ohr: „Ich weist, dast ein schlechter Mann Gewalt über meine Marie bekommen hat. Ich weist nicht warum und will cs auch nicht erfahren, willst oder kannst du es mir nicht sagen, Liebling? Doch ich weist, dast seine Prahlredcn, in denen er sich rühmt, die junge Frau seines Vaters um den Finger wickeln und sic zu Heimlichkeiten zwingen zu können, die gegen ihre Frauenehre gehen, nicht mein Geheimnis allein sind. Mein Vater weiß darum, die Kriminal- beHörde . . . das alles kam an den Tag bei einer Untersuchung, von der du ja auch schon erfahren hast. . . „Hilf Gott!" Mit einem schrillen Entsetzensschrei löste sich die junge Fran aus den Armen der Freundin. Wie irre starrte sie diese au, um gleich darauf wieder schutzsuchend deren Nacken zu umklammern. „Hermine", stöhnte sie dumpf. „Nette mich .... mein Himmel, sage mir Rat, damit mein Mann nichts erfährt. Ich stürbe vor Scham... ich könnte ihm nie in die Augen schauen . . . und er könnte mir auch nicht vergeben, er müßte mich verachten wegen des ihm gespielten Betruges . . . und doch schwöre ich dir, ich bin unschuldig. . . und ich habe meinen Mann lieb, so unsagbar lieb . . aber er kann nicht mehr an mich glauben, sobald er erfährt, was mich peinigt und mir jede Lebensfreude raubt." Sie weinte aufgeregt am Herzen der Freundin. „Wie oft, wenn er so gut und zärtlich zu mir war, habe ich mich schon zu seinen Füßen stürzen und ihm alles gestehen wollen, um der Qual ein Ende zu machen. Doch er must mich verachten, er kann und wird cs mir nie verzeihen, dast ich zur Verbrecherin an ihm geworden bin. . . gezwungen worden bin!" schluchzte sie wild auf. „Und der Gedanke, daß er mich verachten wird, er ist es, der mich krank macht, mir jede Lebensfreude raubt und mich schon so oft den Gedanken an Selbstmord hat fassen lassen... Ah! Wäre ich nur nicht so feige, hinge ich nicht so am Leben, das mir so süß erscheint, seit ich sein Weib bin. . ." Erschüttert starrte Hermine sie an. „Allgütiger, steht es so . . . kann er dir nicht verzeihen? . . . Gib mir Antwort!" heischte sie, durch ihv Mitleid fortgerissen. „Liegt eine Schuld auf dir, die kein Mann von Ehre seinem Weibe verzeihen kann und darf?" Tie Unglückliche nickte zuerst jammernd; dann aber, sich auf den Inhalt der Frage besinnend, schrie sie wieder auf und flammende Röte bedeckte ihre Wangen. „Wo denkst du hin!" stammelte sie in wildem Entsetzen. „Ich! Ich bin keine Time, Hermine", entrüstete sich Marie, „ . . . ich wäre eher gestorben, als so . . . so etwas an ihm zu tun und doch, es ist zu schrecklich, er kann mir es nicht glauben, daß ich schuldlos bin. . . und seine Verachtung treibt mich in den Tod!" „Um des Himmels willen, was geht hier vor?" fragte in diesem Augenblicke die tiefe Stimme des Fuhrherrn. Unbemerkt von den beiden Freundinnen war er schon vor einer Weile ins Zimmer getreten und hatte die letzten verzweifelten Selbstanklagen seiner Frau mitangehört. Wie er aber auf Marie zutrat, da schrak diese mit einem Entsetzensschrei vor ihm zurück. Völlig entgeistert wendete sie den Fuß zur Flucht; doch der trug sie nicht und hätte der eilends Hinzuspringende sie nicht mit starken Armen aufgefaugen, so wäre sie zu Boden niedergeschlagen. „Marie!" Eine Welt von Wehe lag in dem einen Ausruf des Mannes. „Steht es so um dich? Was kann ich dir nie verzeihen? Warum soll ich dich verachten müssen? .... Dich, Marie, die mir lieber als das eigene Leben ist?" Er bekam keine Antwort. Mit einem letzten ermatteten Versuch suchte die junge Frau umsonst sich seinen Armen zu entwinden, während sie zugleich aus unnatürlich großen, schreck- verstörten Augen die Freundin hilfesuchend anstarrte. Sanft faßte sie Hermine bei der andern Hand. „Marie, die beiden Menschen, die dich auf der weiten Welt am liebsten haben, sind um dich," sagte sie herzlich. „Ich kenne dein Geheimnis nicht. Doch ich kenne dich und ich weist, dast du keiner schlechten Handlung fähig bist. Tu magst unbedacht, unter fremdem Zwange auch unrecht gehandelt haben, doch nimmer hast du dich selbst verloren. Darum sprich!" Sie wendete sich erläuternd an den sie verstört anschauenden Hünen. „Sie werden meine Sprache eigentümlich finden, Herr Eilenburg. Halten Sie mich nicht für anmaßend oder zudringlich darum. Ich bin gekommen, um Marie vor größerer Pein zu bewahren." „Aber was geht nur vor!" rief der Fuhrherr rauh, indem er seine Frau zu einem Sessel geleitete, sie dort aus feinen! Armen liest und neben ihr stehen blieb. „Sage, Marie", wendete er sich direkt an diese, „!vas geht vor. . . was mußt du mir verbergen?" „Herr Eilenburg, cs handelt sich um einen Menschen, der aus irgend einer verborgenen Ursache Macht über meine Freundin gewonnen hat", sagte Hermine, entschlossen, nm jeden Preis nun die ganze Wahrheit ans Tageslicht gelangen zu lassen. „Und wer ist der Elende, der sich an mein Weib beran- gewagt hat?" „Ich glaube, es ist Ihr eigener Sohn", versetzte das MädcheN unbeirrt. Die Wirkung ihrer Worte übertraf ihre schlimmsten Befürchtungen noch bei weitem. Eilenburg stand zwar wie erstarrt, die Fäuste geballt, unablässig den pendelnden Blick zwischen den Freundinnen. Dann schien es, als wollte die in ihm geschäftige Wut ihn betören und zu etwas Gewaltsamen fortreißen. Sein =* ?M Blick gewann einen schrecklichen Ausdruck. Wie taumelnd trat er dicht an die junge Frau heran und erhob die Faust wider sie. „Tu — und der Bube . . . Was ich am liebsten habe und um tiefsten verabscheute, beides in einem Atemzug zusammen- geuannt. . . und verstrickt in geureiusame Schuld?" schrie er auf. Die Leidenschaft in ihm war so furchtbar, daß selbst die mutige Hermine sich wie gelähmt fühlte. Doch so rasch sie gekommen, so unvermittelt schnell verließ sie ihn auch wieder. Er. wurde unnatürlich ruhig und legte die Rechte auf seines Weibes Scheitel, ohne danach $u fragen, wie sie espengleich Unter seiner Berührung erbebte. „Fräulein, Sie wären besser fortgeblieben, als Unheil ins Haus zu bringen", sagte er grollend. „Den Glauben an meine Frau kann mir keiner raube» .... und hießen sie sie Ehebrecherin, sie brauchte nur zu lächeln und den Kopf dazu zu schütteln... Mud ich verlache die Beweise einer ganzen Welt. Mein Weib kann mich nicht betrügen, sonst wäre sie nicht mein Weib. Es ist nur ein Mensch, der mich zum Glauben daran zwingen könnte, sie hätte schlecht an mir gehandelt und mich um mein Liebstes betrogen — und das ist sie selbst, ihr eigener Mund!" Er neigte i» alter Zärtlichkeit sich zu ihr. „Du sollst nicht zittern, Marie", sagte er sanft „Du hast dazu keinen Grund. Ich bin dein Mann, dein Schützer, der dich lieb hat . . . ich bin nicht dein Richter. Ich weiß ja schon lange, daß dir was das Herz bedrückt und wie oft habe ich dich darum schon fragen wollen. Doch ich habe immer wieder gedacht, ich will mich nicht in dein Vertrauen eindrängen. . . Die Stunde, in der du mich brauchen wirst, wird kommen." Trotz ihres zitternden Widerstrebens faßte er ihre beiden Hände unf> hielt sie fest. „Komm, Marie", sagte er ruhig —, „und wäre es das schlimmste, sage es nur heraus. Es ist nichts so hart, was ich nicht mit dir teilen könnte. Geht's um den Burschen, ja?" sagte er ganz weich, und ins Ohr flüsterte er ihr: „Wenn du dich vor deiner Freundin scheust, so will ich sie bitten, daß sie fort geht Doch wie entsetzt wehrte Marie ab. „Nein, laß sie bleiben!" hauchte sie schwach, und es war, als ob sie sich vor einem Rllemsein mit ihrem Manne fürchtete: Tann begann sie zu berichten; langsam, klanglos, von häu- sigcu Schauern und Traneuergüssen unterbrochen. Vor Jahren, Tanzstunde besucht und in dem sentimentalen Backfrschalter, das sich für viele so verhängnisvoll erweist, ge- wesen, hatte sie einen jungen Menschen kennen gelernt, nicht viel älter als sie selbst. Als Herr von Eilenburg war er ihr d^^estellt worden, sie _ hatten zusammen getanzt und waren poch am selben Abend in flammende unreife Schülerliebe zueinander entbrannt. Tie Eltern hatten es natürlich nicht wissen dürfen, besonders der junge Adlige hatte Arrgst davor gehabt, zunml er seiner Versicherung gemäß der Erbe großer Güter war und m Gefahr stand, enterbt zu werden, kam vor feiner Großf- Mhrigkeitserklärung sein Liebesverhältnis mit einer Bürgerlichen heraus. Darum, wie überhaupt um die Zukunft, hatte Marie sich wemg gekümmert; sie hatte eben geliebt, wie ein liebepusseliges, unreifes Tiugchen lieben muß. Es war die von der Puppe auf Heu „Herrlichsten von allen" übertragene Liebe. Natürlich waren Briefe gewechselt worden — postlagernd mit vmheißimgsvolleii Merkworten, welche die Nachfragende zum heim- Nchen Ergötzen der Schalterbeamten nur unter heij^m Erröten hervorzustammeln vermocht hatte. Eigentlich waren an all diesen Brrewn bte Aufschriften das schönste gewesen, denn ihr Inhalt war bereits der Sechzehnjährigen von damals ziemlich abgeschmackt und abgeschrieben erschienen, wenngleich sie dies sich selbst nicht einzustehen gewagt hatte. Dagegen ihre Briefe! Musterauk- sätze „ einer lyrikbewauderteu höheren Tochter, gedrechselt und gequält und natürlich nur in lauten überschwänglichen Super- latiüen gehalten — und ebenso selbstverständlich, datumlos, denn eine höchst prosaische Ort- und Zeitangabe hätte das Nachtigalleu- geschlilchz dieser unirdischen Liebesepisteln nur zu entweihen ver- Uwcht. „Heute weiß ich's, daß diese täppischen Liebesergüsse in meinen Briefen eigentlich nicht die richtige Liebe waren. Ter Mann, an den ich sie schrieb, lebte weder in meinem Herzen, roch war er diesem teuer — er lebte damals gar nicht, wenigstens für mich nicht. Ich hatte nur aus allerlei Romanen Unklare Empfindungen aufgeschnappt, und die mußte ich von Mir geben, da handelte ich wie unter einem Zwange. Als darum mein Vater seine Stellung wechselte, wir nach Görlitz Übersiedelten und der papierire Herzeusbund plötzlich in die Brüche ging, da ertrug ich das viel leichter, als ich je geglaubt, ja ich muß gestehen", setzte fie mit flüchtigem Auflächeln, Hauber gar schnell wieder erstarb, hinzu, „mir tat das Herz nicht einmal weh, so oft ich es in meinen Briesen auch bei dem Gedanken an eine Trennuügsmöglichkeit hatte brechen lassen. Daun kam das Leben dazwischen", fuhr sie gequält fort. „Was ich erleben und erleiden mußte, das weißt du, Richard, in dieser Hinsicht bin ich offen zu dir gewesen. . . Ah! Es ist so unsagbar schrecklich, irre an denen zu werden, die man lieb hat, zu denen man aufgeschaut hat, wie zu etwas Vollkommenem'" stieß sie unter einem herben Seufzer hervor. „Begreifst du das?" unterbrach sie ihr Mann rauh, indem er ihre Hand packte und schmerzhaft fest drückte. „Marie, sieh, ich fasse es nicht! Du stehst in meinem Herzen so heilig, ich kann dir nicht ausdrücken, wie eigentlich. Doch in mir lebt ein Jammer, als müßte ich hinaus in alle Welt ftiiirmen, um nur nicht hören zu müssen . . ." Von der Seite zupfte ihn Hermine; mit vorwurfsvollem Blicke wies sie auf die eben wie vernichtet Sitzende. „Machen Sie's ihr nicht allzu schwer", mahnte sie leise. „Sie ist am Ende ihrer Kraft". Sie hatte noch nicht ausgesprochen, da trat das von ihr lang Erwartete ein. Mit einem dumpfen! Seufzer schlug das junge Weib ohnmächtig mit dem Kopfe gegen die Ottomane. Dies sehen und mit einem Aufschrei äußerster Bestürzung aus die Bewußtlose zueilen, sie anffangen und ftiifeeu war für den Fuhrherrn das Werk eines Augenblicks. Seine Donnerstimme ries das Mädchen herbei, das er schleunigst zum Arzt schickte. Ausgelöscht war in seinem Innern jedes andere Gefühl; nur die Liebe lebte eben noch* darin. Gleich einem Kinde hob er Marie auf und trug sie nach dem anstoßenden Schlaszinimer, nur sie dort unter Beihilfe der nicht minder bestürzten Hermine zu entkleiden und alles daransnsetzen, sie znm Bewußtsein znrück- äurufen. Doch erst der bald erscheinende Arzt vermochte bei der von tiefer Ohnmacht überwältigten die Lebensgeister neu zu erwecken. Tann lag sie schlaff und apathisch, mit geschlossenen Augen, das Gesicht nach der Wand gekehrt, einen herben Leidenszug um die schlaffen Mundwinkel und nur deren unter beit Atemzügen kaum, merkliche Bewegung verkündete, daß noch Leben in der jungen Frau war. Eilenburg war den Tränen nahe; er mußte fich gewaltsam zusamniennehmen, um nicht gleichfalls zusammenznbrechen, so weh und schicksalsbang io ar ihm zu Mute. Als ob er überlang Riesenlasten gehoben und unter deren Gewicht nahezu zusammengebrochen fei, so durchzuckte es seine Muskeln und machte ihm die Knie erzittern. Er konnte nur mit Anstrengung über fein junges Weib sich beugen; die Stimme versagte ihm, er konnte nicht sprechen. (Fortsetzung folgt.) A vent! Nun hat die alte, müde Erde sich zum Schlafe gerüstet. Ihres Schmuckes beraubt, träumen Matten und Gärten, Hain und Heide, Saaten und Keime vom neuen Lenze. Das alte Kirchenjahr ging still und ernst zur Rüste; die Klänge der Totensonntagsglocken sind verhallt. Nun hebt ein neues Klingen an, — cm Klingen, so zauberisch, so wundersam, >vie sonst keines in der Welt und keines im Jahve. Und das Klingen weht nicht nur über das kahle, sahle Land, fonberu in die Höfe, Häuser und Herzen he, hinein, und es macht das Müde frisch, das Alte und Kalte neu und warm. Auch was mit himmelabgewandtem Angepchte durch das Leben irrt, richtet sich auf, ivenn dieses Klengen wieder kommt, und sucht mit der Seele die alte Heimat. Wemr die frühen Abende die dunkeln Häuser umdämmern, bann mmmeln dee Mütter ihre Kinder um den traulicheir Ofen oder, wenn see's können, ans Klavier, eend die alten, herztrauten Lieder werden wieder neu — voie der Ros', entspremgen aus einer Wurzel zart, — von der stillen, heiligen Nacht, — von der fröhlichen, seligen, Gnaden bringenbeit Zeit! Die Kleinen, zählen hoss- nungsfroh und doch harrensbange die schleichenden Tage, und die Großen werden durch den Zauber gebender Liebe wieder jung. Wie ein Aufatmen geht es durch die , keuchende Hast des Tagestreibens, wie ein Heimatsgruß der Ewigkeit durch die Welt. Das ist der liebliche, selige Advent! Tie Zeit war erfüllt. Die Antike hatte sich ausgelebt. Man ahnte, daß etwas Neues, Großes, Gewaltiges kommen müsse. Von ihren sonnigen, reinen Höhen war die griechische Kunst niedergestiegen in den stickigen Tunst der Werkstattmache. Tie edle, seelenvolle, stolze Schönheit eines Pheidias, eines Praxiteles, eines Lysipp war zur seelenlosen Manier, zum lüsternen Sinnenkitzel, zur Platten Nüchternheit geworden. Und die Weisheit, die Wissenschaft waren denselben Weg niederwärts gegangen. Die großen, himmelan strebenden Gedanken eines Sokrates und Plato waren in starre, tötende Formeln eingezwüngtz — 711 worden Klugheit hatte sich in spitzfindige Klügelei, tiefe Weisheit, in oberflächliche Afterwissenschaft, ernstes, Lares, den Grund tzrchendcs Forschen in grübelndes, gespreiztes Spielen gewandelt. Sie selbstbewußte sogenannte Wissenschaft der Alexandriner war doch im besten Falle mir Sammeln und Sichten, nicht Suchen und Sehen. Tas Wissen und Können der Antike konnte nicht weiter, konnte nicht über sich selbst hinaus, — die Zeit war erfüllt. Erfüllt war auch die weit- und heilsgeschichtliche Bestimmung der römischen Staatskunst und der römischen Weltmacht. Wohl hatten eg die stolzen. Herrenmenschen der Siebenhügelstadt verstanden, die Adler ihrer Legionen sieggekrönt schier bis an die Marken des damals bekannten Erdkreises zu tragen und die Völker rings um das Meer, das der Welt Mitte sein sollte, teils in 'ihre Fron zn zwingen, teils fest an sich zu ketten. Aber die protzige Blüte barg den zehrenden Wurm; der Wcltmachtkoloß stand schtvank und schwer auf tönernen Füßen. In der ewigen Roma tobten die blutigsten Bürgerkriege; ein Machthaber wich einem andern Machthungrigen. Nur durch kurze Tage eines Scheinfriedens wurde der Krieg aller gegen alle unterbrochen; das unstete, unselige Volk ward mühsam nur durch Brot und Spiele gesättigt und betäubt. An die Tore des Reiches im Norden klopfte ein neues, junges Volk, dessen ungebändigter, keuscher Kraft das zerfressene, durchseuchte, feile und geile Römer- tum über kurz oder lang unterliegen mutzte. Wohl sonnten sich die jeweils Mäckstigen noch im Glanze der erträumten Weltmacht; aber schon störte das immer unheimlichere Rasseln der Sklavenketten und das immer dumpfere Pochen an die Tore den Traum. Uni) die Seelen der, Menge, die fern von den Höhen der Macht, der Kunst und des Wissens im Dunkeln wandelte, verzehrten sich in dämmernder Sehnsucht nach einem Neuen, 'nach dem „Lichte aus dem Osten". Wie ivar cs doch nebelgrau und wolkendüster geworden um den einst so sonnigen, leuchtenden, lebensfrohen Olymp! Tie Nichtigkbit der Gebilde, und der Geschöpfe menschlicher Phantasie, denen eine kindesgläubige Zeit strahlende Tempel gegründet hatte, war längst erkannt. Man lauschte den geistvollen Spöttern gar zu gern, die den zarten Schleier künstlicher Göttlichkeit von den menschlichen Leibern der Olympbewohner rissen. Tie Seelen aber, die einen Gott suchten, wandten sich von der Sonne des Olymp in das gespenstische, unheimliche, grauenhafte Dunkel assyrischer, ägyptischer und orientalischer Mysterien. Je krasser und unmenschlicher der Aberglaube, je toller und wahnwitziger seine Form war, um so mehr Anhänger fand er. Tie hochgebildeten, weltmacht- stolzen Männer der Antike standen meist im Banne der Hexe von Endor. Und wer sich ihrem Banne entzogen hatte, der lebte das nüchterne Dasein des flachen Tagesmenschen oder errich- rete einen Altar — „dem unbekannten Gotte". Die Antike hatte bewiesen, dass sie keinen Gott finden, keinen Frieden bringen, die Welt nicht weiter treiben konnte; — die Zeit war erfüllt. Durch die hohen Lieder der Seher des auserwählten Volkes fern im Osten klang aber die köstliche Kunde von dem Heilbringer, dem Bannlöser, dem Friedenfürsten ans Davids Stamme, der von Bethlehem her, der verachteten, ärmlichen Stadt, kommen würde, um die Hügel zu ebnen und die Tale zu erhöhen. Und sie alle, die unten in den tiefen Talen des Lebens müde wankten, hörten die Seherkunde mit. heißem Sehnen. Durch die Völker ging ein Ahnen, daß der Tag des Kommens nahe, daß die bange Macht im Schwinden; sei. Tas wirr der erste Advent der Harrenden Völker! Den« ersten Advente ist die das ersehnte Heil bringende Nacht gefolgt, lieber den Völkern, die im Dunkeln wandelten, ist cs hell geworben. Von Bethlehem her hat der Wunderstern die Welt und die Jahrtausende durchleuchtet. An der Krippe des von den Sehern Gekündeten haben Könige und Weise anüetend und verlangend gekniet; von ihm sind flutende Ströme rettenden Segens durch die Lande, durch die Herzen, durch die Geschlechter gegangen. Ter erfüllten Zeit ist die Zeit der Fülle, der Erfüllung gefolgt. Aber noch harren wir einer anderen Erfüllung, eines änderen, noch größer», eines ewigen Advents. Träume, spielende Phantasien sollen dem ernsten Christen fern und fremd sein. Eines aber ist unsere Hoffnung für und für. Wie nach langem, bangem Harren und Warten der Völker die Nacht kam, die das Licht entzündete, so wird, so hoffen wir, der Morgen kommen, der neidige Nebel scheucht, der Frieden, — vollen, tiefen Frieden bringt. Dann werden die Stimmen des Hasses schweigen ; und alle Völker und Stämme, Stände und Scharen werden sich finden und verbüni)en. Tann werden des Christbaumes leuchtende Lichter niemals verglimmen. Das wird der ewige Advent der Welt sein. Die Mode im 19. Jahrhundert.*) Seitdem die große Münchener Ausstellung von 1876 die Blicke des Publikums und der Künstler auf der Väter Werke lenkte, haben wir eine stilistische Hetzjagd erlebt, die uns in 30 Jahren *) Die Mode. Menschen und Moden im 19. Jahrhundert nach Bildern und Kupfern der Zeit. Nach Auswahl von Dr. Oskar Fische!; mit Text von Max v. Boehn. 1818 bis 1842 Ein schmucker Oktavband, 160 S. mit 166 Abbildungen und 36 farbigen Vollbildern. Gebunden im Stale der Zeit 6 M. München, Berlagsanstalt F. Vruckmanu A.-G.) durch alle Stile der Vergangenheit trieb. Nun sind wir mitten im Biedermeier angelangt, wir haben einen Augenblick Ruhe und da besinnen wir uns plötzlich, daß ja hier der Faden abriß, der unser Leben und unsere Kultur mit der Vergangenheit verband, daß wir nicht in der Ferne der Zeiten und Völker, nicht im 15. Jahrhundert, nicht in Japan und China nach dem Stil suchen müssen, auf den das Trachten der Zeit gerichtet ist, sondern daß wir da weiter zu bauen haben, wo Vater und Großvater aufhörten. So bemühen wir uns denn nm die stille feine Kultur jener Zeit, in der Großvater jung und Vater noch ein Kind war, und mit Ueberraschung entdecken wir, daß wir ja da zu Haufe sind und sehen nun freudig, wie sich aus dem Boden der Heimat schüchterne Anfänge eines neuen Stils zeigen, der im Alten wurzelt, der aber hoffnungsvoll in die Zukunft weist. In diese spöttisch „Beidermeier" genannte Zeit führt uns das vorliegende Werk, das uns in dem erstaunlichen Reichtum seiner Bilder einen tiefen Blick in jene nun entschwundene Welt tun läßt. Nicht nur Kleidung und Einrichtung zeigt es uns, nein, wir sehen auch wie man sich gab, wie man sich im Negligü uitb in Gesellschaft benahm, was mau schön sand und was guter Ton lvar. Die Auswahl der Bilder ist mit einer Sachkenntnis und einem Feingefühl getroffen, die der Fülle des Stoffes nur das Wertvollste und künstlerisch Beste entnahm, und die Reproduktion, in deren Dienst alle Hilfsmittel moderner Technik tätig waren, ist mit einer Sorgfalt ausgeführt worden, daß der Reiz und die Intimität der Originale völlig unangetastet geblieben sind. Der Verfasser des Textes hat sich nicht mit einer Paraphrase der Abbildungen begnügt, er hat vielmehr, indem er in großen Kapiteln der Politik, die Romantik, die Kunst und die Gesellschaft der Epoche schildert, die Illustration zu unterstützen versucht. Zeigt uns jene die äußere Erscheinung der Menschen, so entrollt er uns ein Bild ihres geistigen Lebens, und wie im Fluge erleben wir alles mit, was Anno dazumal die Köpfe bei Männer, die Herzen der Frauen bewegte. * Deutsche Schulbuben. Eine in Hessen wohnend!. Leserin erzählt der „T. R." folgendes Erlebnis: Mein kleiner zehnjähriger Freund, der mich öfters besucht, damit ich seine Kinderfreuden und Leiden mit ihm teilen kann, kommt eines Tages mit wichtiger Miene zu mir, seine strahlenden Augen verheißen eine frohe Kunde, und aus dem frischen Bubengesicht guckt das gute Gewissen heraus. Ich bin überzeugt, den^ ersehnten „Einser" im Lateinischen zu sehen oder sonst eine Belobigung. Aber ganz stolz schmiegt sich mein kleiner Freund an mich und sagt treuherzig: „Du, Tante, .jetzt wird unser ganze Klass' auf einmal fleißig, mer sitze da wie die Holzklötzcher un rihre uns nit." Ich will, innerlich etwas erstaunt, eben meine Befriedigung äußern, da sagt der siebe kleine Kerl ganz weich: „Weißte, unfern« Ordinarius sei Frau is so schwer kranc, und da dut er uns leid, mn da wolle mer ihn nit ärgere; wenn einer von de Bube sei Sach nit kann, dann gibt's in der Paus' en Masseabzug, mir verhauen en, so daß er dran denkt. Un unser Befchter, der kann nämlich, wenn er will, der fragt vor der Stund' die Schlechte die Aufgabe ab un lernt mit en die Wörter. Mer kennt cifach unser ganze Klass'nit wieder, aber — das is nur in de Stunde beim Ordinarius bei de annere Lehrer such mer luie immer, des könnte mer sonst nit aushalte." —>zch strich still über seine heißen Backen und dachte: „Gott erhalte dir dein treues, sonniges Kindergemüt." * Die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Goethe und Werthers Lotte. Zu dem von Karl Kiese erbrachten Nachweise der Blutsverwaudtschasi zwiicyen dem Dichter und Charlotte Busf nimmt jetzt Pros. Kekulö von Strabvnitz Stellung und bemerkt, daß zwischen beiden auch eine Verschwägerung bestanden hat. Charlottes ältere Schwester Karo- line (geb. 9. Juni 1751, gest. 13. Oktober 1815) heiratete nämlich tut Jahre 1776 Johann Jakob Dietz, Reichskammergerlchtz, Advokaten und Pwkuratvr, hessischen Hosrat (geb. 1. April gest. 28. April 1807). Dieser Johann Jakob Dietz war der Sohn des Reichskammergerichts-Advokateit und Prokurators sv- wie Hofrats Tietz (f 1752) und dessen Ehefrau Susarma Lind- Heimer, der leiblichen Schwester ber, Goetheschen mütterlichen Großmutter: Anna Margaretha Lindheimer. Ter Nachweis für tiefe Tatsachen findet auf der „Stammtafel der Famcke Bun- Kestner, Tafel 1", die Dr. Hans F. Helmolt tu beit „Famtlten- geschichtlichen Blättern", herausgiMben von Otto von A-cnel, veröffentlicht hat. Der gleichen Tafel tst zu entnehmen, daß bie Ehefrau des Heinrich Adam Buff (f 1795), also Äoitens Muite^ nicht, wie Kiefer angibt „Pfeiler" hieß, sondern „geister , baß ihre Vornamen „Magdalene Ernestine" lauteten, .daß ste am 23. März 1731 als Tochter bes hessen-barmstabti chen Mawrs Peter Ernst Fehler und der Dorothea Charlotte Klump geboren war uiib am 13. Marz 1770 gestorben ist. Zte Genalogte , bea Geschlechtes Kestner im „Genealogischen Hanbbuch bürgerlicher Familien" belehrt allerdings, daß Magdalene Ernestine Fehler am 13. März 1771, und zwar zu Wetzlar, gestorben tstl Tie Vcbschwäaerung Goethes mit Charlotte ist aber klar erwiesen .* Erne teure Hinrichtung. Wilden beuchs „Rabenstein e r i n", so plaudert das Wiener „Fremdenblatt", b-eson- sonders die Hinrichtungsszene, ist eine der kostspieligsten Sachen, die in jüngerer Zeit im Wiener Burgtheater da waren. So viel Geld für Verbandmateriale, Halbtote, Tote und deren Wegschaffung ist schon lange nicht in einem Stück ausgegeben worden. Denn nicht nnr die vollkommen Erschlagenen verursachten Aus- lagen für den Abtransport, auch die Schwerverwundeten, wie z. B. Jung-Welser im ersten Akt. Vier Mann müssen ihn auf der Bahre in die Waldburg bringen und dann wieder abtragen: das kostet per Knecht und Transport je zwei Kronen. Jawohl, das viele Blut geht ins Geld! Zum Glück läßt Wildenbruch nicht alle Personen auf offener Szene sterben oder verhauen, sonst könnten Hofbühnen mit kleinerem Budget die Sache einfach nicht mehr bestreiten. Und erst die Hinrichtung, 51t der es nicht einmal kommt! Tie kostet eilt Heidengeld. Denn in Augsburg waren die Justifikatiouen öffentlich. Wie sich das zil Tarstellungszwecken in Geld ausdrückt, kann man atts folgendem^ Kostenzettel ersehen: Kostenzcttel für die Hinrichtung in „Die Rabcnsteinerin": l (IV. Akt. — Verwandlung.) Die vier Solodamen in der Hauslaube (Loggia) . K 60,— § 60 engagierte Statisten und Statistinnen (Patrizier von Augsburg) ä 2 Kronen...... . „ 120,— ä 210 speziell ausgenommen? Statisten und Slalistinnen (Volk von Augsburg) a 1,20 Kronen „ 288,— | Der Freimann (Spielhonorar) .... . . . . „ 30,— g Stimme K 488,— | Also rnnd 500 Kronen werden im Wiener Burgtheater nach altem Augsburger Recht ausgegeben. Wahrhaftig, eine teure Justiz, die da Wildenbruch einführt. Die allgemeine Teuerung hat den Nacht' ,v ä ch t e r einer württembergischen Dorfgemeinde veranlaßt, seinen Wächterruf in folgender zeitgemäßen Weise zu „modernisieren" : Loset, was i eu will saga, Der Zucker und Kaffee hat ausg'schlnga, Der Ztgorl goht in d' Höh', Jext kriegat die alte Weiber loin Kaffee mch'. * Eine Zwittergeburt sondergleichen kam in einem elsässischen Dorfe zur Welt. Eine iverivolle, kaum vierjährige Kuh mußte ivegen Gebiirtswehen notgeschlachiet werden. Dabei kamen Zwillinge an den Tag. Das eine Geschöpf war schwach normal ausgebildet, dagegen glich das andere eher einer Schildkröte als einem Kalbe. '®ie Ohren sitzen hinter dem Halse, also nicht am Kopfe, das Maul ist schmal und ähnelt etwa dem eine Schweines. Die Beine sind verhältnismäßig kurz und haben Achnlichkeit mit denen eines Dachses oder einer jungen Fischotter. Auch in geschlechtlicher Beziehung bestehen noch Ziveifel. Trotzdem die Kuh erst im sechsten Monate trächtig war, hatte diese Mißgeburt doch ein Gewicht von stark 25 Pfund. Kunst. — Denkmäler-Gedanken veröffentlicht der Gießener Ehrendoktor Ave narius im 1. Novemberheft des Kun st - warts. Er sagt u. a.: Ist ein gefeierter Fürst gestorben, so tritt man schon raunend in Denkmalssacheu zusammen, während die Zeitungen noch von seinen letzten Stunden erzählen. Auch in Baden ist es jetzt ebenso, und auch die öffentlichen Aufrufe smd schon erschienen. Kommt es denn beim Erreichen von Malen fiir die „Ewigkeit" vor allem auf den Geschwindschritt an? .Ein „Denkmal", das bedeutet, scheints, all den Ausrufern gauz als Verstände, sichs von selbst: ein Standbild. Und zwar ein Reiter- stand bild. Muß es ein Standbild sein, ists dann nicht wenigstens an der Zeit, mit dem lächerlichen Brauche zu brechen, der die Bedeutung eines Mannes dadurch auszndrückeu glaubt, daß. er je nachdem zum Kopfe auch noch Rumpf und Beine, richtiger Rock und Hosen, aber als höchste Ehrung noch ein Pferd Hmzutut? War der Groß Herzog als Reiter groß oder rn anderer Beziehung? Aber warum müssen es überhaupt Stand- bilder sein? Zumal General-Standbilder, als wäre unser Uni- sorm-Denkmälerwesen durch die tausendfältige Wiederholung nicht nachgerade zu einem Riesen-Spielsoldaten-Backen immer aus ber« T» en Preßform geworden, so daß von einem wirklichen Per- sonltchkeit-Geben innerhalb ihres Schemas kaum noch die Rede rst. «turn gibt man den Bildhauerir nicht Gelegenheit zu Heien Schopsiingen? Den Bildhauern und den Architekten? Ein Relief, ent Mofaikgemälde am Sockel könnte das Werk dem Toten widmen und sein Ebenbild zeigen, vielleicht bei einer wichtigen Tat. Brunnen, Brücken, Erholuugshallen, wie gut ließen sie sich formen zu Denkmälern zugleich fürs Auge und von der schönsten Art fürs Herz von der meist erfreuenden, zu Denkmälern, die dem Beschauer zugleich irgend etwas Freundliches bieten, einen Trunk, einen Schatten, einen Ruheplatz, als weile der selber noch gütig waltend hier, dessen Bild sie schmückt. Aber es gibt ja noch tausend Möglichkeiten, sobald wir uns einmal von der albernen Zwangsvorstellung freimachcn, Denkmäler müßten so sein, wie sie in den letzten Jahrzehnten Deutschland bepflanzt haben. Unser großartig fachmännischer Kunstbetrieb hat uns gauz das Bewußtsein davon aus deut Kopfe gekünstelt, daß Kunst doch eigentlich von einem menschlichen Können auf jedwederler Art gestalteter Ausdimck eines Innenlebens sein kann, mit Meißel und Maurerkelle, mit Pinsel oder Stift, mit Schreib- oder mit jeder Art von Werte schaffender oder Werte erhaltender Kraft. Also kann man auf hunderttausenderlei Weise das Gedächtnis eines Großen ehren: weshalb tut man's immer wieder nur auf die eine? Für derr Weihnachtstisch. — Selbftbeschäftiguug der Kinder ist mit Fug und Recht, heutzutage die Losung. Das Kind soll sich mittels eigener spielender Tätigkeit zur ernsten Tätigkeit vorbereiten. Ein nettes Hilfsmittel hierzu bildet die in dem Spielverlag Otto Maier in Ravensburg erschienene Sammlung „Scher enar- beite n". Auf hellen Kartons sind allerlei Zeichnungen ausgeführt, die zuerst ausgeschnitten werden müssen. Diese Ausschnitte werden dann nach beigegebener Erklärung gefaltet und zusammengesteckt. Zu nicht geringer Ueüerraschung bilden sich aus diesen zusammengestcckten Stücken hübsche Figuren. Die erste Serie der Sammlung ist ein russisches Dreigespann, eine Troika/ ein Schlitten mit 3 Pferden, Pferdegeschirren, Kutscher, Passagiere. 2. Serie: ein Geschützzug mit Feldgeschütz und Besatzung, und als 3. Serie eine Menagerie mit allerlei wilden Tieren. --- Wie man ein S ch a t t en th e a t er Herstellen kann, ist in dem int Verlag von Otto Maier in Ravensburg erschienenen Büchlein „Schattentheater" von P. Widmaper gezeigt. Wir erhalten auf 16 Tafeln Figuren zum Ausschneiden eingerichtet^ zum Teil beweglich. Diese Figuren geben Vorstellungen, die nach den Herzen der Kinder sind, so z. B. Indianer bekämpft eine Schlange, Kasperl und der Teufel, Chinakrieger geht auf die chinesische Mauer los, Osterei, aus welchem ein Hase schlüpft u. n. Außer diesen Figuren enthalten die Hefte eine Anleitung, luie man die Figuren fürs Schattentheater benützt, sowie eine solche, wie man ein Schattentheater dazu errichten kann. Das 2. Heft von Schattenfiguren eignet sich besonders ats Weihnachtc- gescheuk. — Eine große Anzahl zum Ausschneiden geeigneter Schatte n f ig u r e n kann mau sich um 1 Mk. erwerben durch die im Verlag von Otto Maier in Ravensburg erschienenen Äus- schneidebilder von F. P. Messerschmidt in München. Es ist ein Verdienst, daß dieser Künstler der Jugend eine solch hübsche Gabe darbietet, gibt es für sie doch kaum ein größeres Vergnügen als das Schattenspiel. Diese Figuren sind umso amüsanter, als sie die Typen, welche die Landstraße bevölkern, darstellend Goldene Worte. Denke dir die Menschen, wie sie sein iollien, wenn du aus fie zu wirken hast; aber denke sie dir, wie sie sind, weint du iür sie zu handeln verjucht wirst. Schiller. In dem Kinde ist die Anlage und Bestimmung, in uns ist die Ersi'illnng dargestellt, welche immer unendlich weit hinter jener zurückbleibt. Das Kind ist uns daher eine Vergegenwärtigung des Ideals, nicht zwar des ersülllen, aber des ausgegebenen. --------------- Schiller. Rätsel. Sicherlich kennst du den Namen des Helden aus hehrem Geschlechte, Den einst Homeros besang als Schützer des heimischen Herdes: Zeichne den Namen des Jünglings, doch lösche die leisten zwei Silben, Borge stait ihrer ein Drittel vom Namen des trefflichen Mannes, Der zu Athen als ein Feldherr und weiser Gelehrter berühmt war, Teilst du.bett Flamen des klugen und tapfren Griechen verständig Und verbindest ein Drittel von diesem mit jenem zum Ganzen. Siehe, dann hast du sogleich ein herrliches Wunder der Neuzeit. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Kreuzrätsels in voriger Nunnner: S S H a c a r h i Sard inien Schilling Hai n 1 eite i i i ent n g e Stoftttfon: P. Witiko. — Rotationsdruck und Verlag bet Brühl'schon Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.