1907 -,S?: ifiütr:1 i ■ Aunken unter der Asche. Roman von M. Proßnitz (M. Nörenberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt. (Fortsetzung.) Ungeduldig wartete Beltliugen dann auf den Bescheid. Er atmete auf, als Franz mit der Nachricht kam, daß der Professor in etwa zwei Stunden da sein würde. Sein sorgender Blick flog zu Dagmar hin. Sie lag noch immer wie tot da. Kaum merkbar hob und senkte sich ihre Brust unter den schwachen Atemzügen. „ . , . . , Der Klammer Herr litt Höllenqualen. Das nut ansehen zu müssen und nicht helfen zu können! Was nutzte es, baff er sich jetzt die heftigsten Vorwürfe ob seines Jähzornes) seiner Rücksichtslosigkeit machte? Damit brachte er Dagmar auch nicht wieder ins Bewußtsein zurück. Ein leiser Seufzer zitterte plötzlich von ehren blassen Lippen. Langsam schlug sie die Augen auf. Sie sah ihn an, aber ohne ihn zu erkennen. Sorglich hielt Anna ihr ein Glas mit Wein an die Lippen. Mechanisch trank Dagmar davon, während ihre Augen noch immer fragenb, suchend umherglitten. Da fiel ihr Blick auf Veltlingeir. Wie leises Erinnern Wen es durch ihre Seele zu gleiten. Wiederum- sah sie ihn an, fragend, sinnend. Da wandte sie sich mit einer heftigen Bewegung zur Seite. „Geh' hinaus." Eine unaussprechliche Qual lag auf ihrem femgeschmttenen Antlitz. Sie hatte die Augen gesthlossen und doch perlten große Tränen unter den Lidern hervor. Veltlingen bog sich langsam zu ihr nieder. „Wie fühlst du dich, Dagmar?" Statt aller Antwort wiederholte sie heftig: „Geh fort! Ich will allein fein." Sie blinzelte zu ihm hm, ititb jals sie ihn Ängstlich und ratlos zögern sah, fuhr fte fort. „Anna kann ja bei mir bleiben." Ta ging Veltlingen still aus der Tür. Auf dem Flur begegnete er der Lindstrom, die, von ihrer Kammerjungfer unterrichtet, mit anscheinender Teilnahme nach Dagmars Befinden fixtgte. „Ich danke, Gräfin. Sie ist jetzt wieder bei Bewußtsein. Hoffentlich gibt der Arzt günstigen Bescheid. Aber verzeihen Sie gütigst, ich muß noch einmal ait ihn telephonieren." Er eilte in sein Zimmer und schloß sich ein, aber an den Professor telephonierte er nicht. Schwerfällig setzte er sich in feinen Schreibtischstuhl und bann zog er den Unheilsbrief aus der Tasche und las ihn — langsam — Wort für Wort. — Schon der Ort — Blanstädt — machte ihn stutzig, ebenso das Datum 8 8. (die Jahreszahl war vergessen), und je weiter er bann las, je klarer wurde ihm sein trauriger Irrtum, desto schwerer schlug sein Herz. Als er geendet hatte, saß er lange Zeit ftnnenb da. Und bann legte er plötzlich beide Arme auf den Schreibtisch — schwer sank sein Kvps vorüber. War es bie schäm, bte den stolzen Nacken beugte, ober bange Sorge vor der Zukunft? Wie lange Veltlingen so gesessen — er wußte es selber nicht. Als er sich endlich wieder emporrichtete, lag ein eigner Ausdruck auf seinem Gesicht, dessen welke Züge deutlich die Spuren heftiger seelischer Erregung trugen. Er wollte Frieden machen mit Dagmar — um jeden Preis. Der Wunsch war wirklich seinem Herzen, nicht seiner Furcht vor einem Skandal entsprungen. Mit diesem festen Entschluß kam ihm auch sein Selbstvertrauen wieder. Er war grabe im Begriff, sich eine Beruhigungszigarre anzuzünden, als Franz anklopfte und den Professor meldete, bet vorerst den Herrn Baron allein zu sprechen wünsche. Veltlingen empfing ihn kühl und höflich. Er wat wieder völlig der glatte Hofmann, der Mienen und Sprache gewandt beherrschte. Aber der Professor hatte eine verteufelt knappe Art, kurze, scharf pointierte Fragen zu stellen, und dabei sahen seine klugen grauen Augen den Gefragten fortwährend an. Dem Kammerherrn wurde ordentlich ungemütlich. Der Mensch sah einem ja durch und durch! „Hm," meinte der Arzt überlegend, „also infolge eines geringfügigen Disputes wurde Ihre Fran Gemahlin ohnmächtig? Und der Zustand währte eine halbe Stunde?" Veltlingen bejahte unruhig. Da stand der Professor auf. „Kann ich die Kranke jetzt sehen?" „Ich werde Sie hinführen, Herr Professor. < Ob meine Frau mich im Zimmer dulden wird, weiß ich allerdings nicht. Bei ihrer iiervösen Reizbarkeit . . ." Das sagte dem Menschenkenner genug. — Fragend sah Dagmar nach der Tür, als der Prosestor heretn- trat. Als sie bemerkte, daß Veltlingen draußen blieb, atmete - sie erleichtert auf, was dem Arzt ebensowenig entging, wie bte heftige Erregung, die sie nur mühsam beherrschte. Trotzdem gab sie auf alle Fragen klar und verständig Auskunft, sodaß der Professor sehr bald zu der Ueberzeugmtg kam, daß von nervöser Ueberreizung keine Spur vorhanden sei. Er verordnete Ruhe und Schonung. Für die nächsten acht Tage sehr wenig Gehen, viel frische Lust, wenn möglich em Draußenliegeii, und vor allem absolut keine gesellschaftlichen Anstrengungen. . , „, ,, „Die Ohnmachtsanfälle würden bann schwerlich wiederkehreu, meinte er mit beruhigendem Lächeln. Dagmar sah ihn sorgend an. . „ „Die Hoheiten wollten aber noch drei Sagt hter bletbeu „Das geht nicht," entschied der Professor kurz. „Ich werde das noch mit Ihrem Herrn Gemahl bereden." Er verbeugte sich abschiednehmend. _ , „ , „ . , Mit bitterem Lächeln sah die Kranke ihm nach. Wa» der Arzt nicht von ihrem Mann glaubte! Dem galt doch bte Huld der höchsten Herrschaften mehr, als die Gesundheit fetne^ Weibes. Aber diesesmal irrte Dagmar. Veltlingen war viel zu stolz auf die, nach Aussage des Arztes, unzweifelhafte Ursache von Dagmars Befinden, um nicht Ihrer Hoheit nut strahlendem Gesicht den Grund dieser Schonungsbedürfigkeit atizudeuten. Geschmeichelt und selbstbewußt nahm er bie herzlichen Glückwünsche der Herzogin entgegen. Von einer sofortigen Abreise wollte er jedoch durchaus nichts toiffen. So wurde die Abreise erst für den Nachmittag des andern Tages festgesetzt. Sehr zufrieden schritt der Kammerherr aus der Tür, er wollte nach Dagmar sehen. Aber je näher er dem gemeinsamen Schlafzimmer kam, desto langsamer wurde sein Schritt. Ruhe, unbedingte Ruhe, hatte der Arzt für Dagmar verlangt, vor allen Dingen gar keine Erregungen. Veltlingen hob energisch den Kopf. Bah, freudige Erregungen würden ihr schwerlich schaden. Und sie würde sich doch freuen? Mit weit geöffneten Augen lag Dagmar im Bett. Langsam strich fie sich von Zeit zu Zeit mit der Hand über die Stirn, als ob sie dadurch die Gedanken verscheuchen wollte, die unaufhaltsam auf sie einstürmten. Wieder und immer wieder überlegte sie sich Wort für Wort der Unterredung mit Magnus, und jedesmal bäumte sich ihr Stolz von neuem auf, wenn sie der Aeußerungen gedachte. Sie kam sich unsagbar erniedrigt vor, denn das, was Veltlingen ihr gesagt hatte, war nicht ein Ausfluß seines Jähzorns, nein, das war einfach seine Ueberzeugung gewesen. Und an der Seite dieses Mannes, der sie in der rohesten Weise verdächtigt — beschimpft hatte, sollte sie noch ferner leben? Sie preßte die Hände zusanimen. Nein, das war unmöglich, das tvürde sie nie und nimmer tun. Je mehr sie darüber nachsann und je ernstlicher sie sich prüfte, desto fester wurde ihr Vorsatz, sich von ihreiu Gatten zu trennen. Ein Zug eiserner Entschlossenheit lag plötzlich auf ihren sonst so weichen Zügen. Da trat der, dem ihre Gedanken galten, zögernd in die Tür. „Darf ich herein, Dagmar?" Sie sah ihn an, gleichgültig, kalt. Mochte er kommen. Je eher sie ifyn, ihren festen, unweigerlichen Entschluß kund- gab, je besser. Sie winkte Anna, sich zu entfernen. Mit ungewissen Schritten näherte Veltlingen sich ihrem Bett. „Ist dir jetzt besser, Dagmar?" Sie sah ihn verwundert an. Hatte er wirklich die Szene von vorhin völlig vergessen, oder bedeutete sein zufriedener, ruhiger Gesichtsausdruck etwas anderes? Glaubte er vielleicht, weil sein Zorn verraucht war, sollte ihre Empörung auch vorüber sein? Da hatte er sich verrechnet! Sie sah ihn feindlich an, als er ihr leicht über das Haar streichelnd mit leiser Stimme bat: „Dagmar, laß meine Worte von vorhin vergessen sein. Sie tun mir jetzt selber leid." „Auf wie lange?" frug sie schneidend. Ihre Augen blitzten ihn zornig an. „Für immer. Ich wollte, ich könnte sie ungesprochen machen." „Und die Unterredung mit der Lindström auch?" „Die erst recht." Das klang so «ernst und aufrichtig, daß Dagmar erstaunt zu ihm aufsah. Aber da kam von neuem die Empörung über sie. Und mit der Erinnerung an seine brutalen Worte stieg auch wieder die Verachtung in ihr empor. Diese Verachtung, die in dem gleichen Augenblick, wo sie entstanden war, die Achtung vor Veltlingen und damit auch die Liebe zu ihm getötet hatte. Ein Zittern ging durch ihren Körper. „Gib dir keine Mühe," murmelte sie mit halb erstickter Stin'.me, „nnch überzeugst du doch nicht. Ich — glaube dir nicht mehr. Und als Veltlingen erschrocken schwieg, fuhr sie hastig fort, „und nun laß mich dir auch gleich noch eins sagen. Es ist das mein fester, wohl überlegter Entschluß, Magnus. Wir werden uns trennen." Unwillkürlich hob Veltlingen abwehrend die Hand. „Ja, trennen," wiederholte Dagmar erregt. Große, rote Flecke brannten plötzlich auf ihren eben noch so blassen Wangen. Erschrocken dachte Veltlingen an die Warnungen des Arztes. „Beruhige dich, Dagmar," bat er ängstlich, „du darfst dich nccht so unnötigerweise erregen." „Unnötigerweise nennst du das," wiederholte sie bitter. „Ich halte es aber für durchaus angebracht, Klarheit in unser gegen- seitrges Verhältnis zu bringen. Und darum bitte ich dich noch einmal — gib mich frei —." Ter Kammerherr sah sie überzeugend an. Ihr jetzt den Ausspruch des Professors mitzuteilcn, schien ihm gewagt. „So ernste Sachen darf man nicht kurzer Hand entscheiden, Dagmar. Wenn du jedoch in acht Tagen noch aus deinem Wunsch bestehst. . ." „Willigst du ein?" fragte sie gespannt. , "Sv werde ich mich vielleicht überzeugen lassen." Sie atmete wre erlöst auf. „Und jetzt versuche zu schlafen, mein Herz, je kräftiger du dich fühlst, je ruhiger werden wir alles überlegen, «^ch werde Anna noch die Verordnungen des Arztes mitteilen." .&r ging. Sinnend sah Dagmar ihm nach. Was hatte er nur? Glaubte er nicht an den Ernst ihrer Worte? Davon würde sie ihn au überzeugen wissen.-- * Anna hatte recht gehabt. Die Sonne schien hell und warm es war wirklich das denkbar schönste Wetter. Weich und sanft strich der linde Südwind durch die Zweige der hohen alten Ulmen und Eichen. Es war eine außerordentlich milde Luft Dagmar lag, vorsorglich in Decken gehüllt, auf einem bequemen Licgestuhl draußen im Park, an einer besonders geschützten Stelle. Mit tiefem Behagen atmete sie den zarten Fliederduft ein, den der weiche Süd ihr schmeichelnd entgegen trieb Schön war die Welt doch!. Träumend sah >die Ruhende in die grünen Wipfel. Wie still und friedlich es hier war. Ein grenzenloses Sehnen nach Liebe, nach warmen, schützenden Armen quoll auf einmal in ihr empor. Ohne daß sie cs merkte, rollten plötzlich große Tränen über ihre Wangen. Nie meinte sie sich verlassener gefühlt zu haben, wie jetzt, wo die Erinnerung an Veltlingens Worte sie von neuem überkam, und mit ihr das Gefühl der Verachtung, eisiger Verachtung für ihn, auf dessen vornehme Gesinnung sie geschworen hätte. Mit leisem Austveinen schlug Dagmar die Hände vors Gesicht. Aber es waren keine milden, erlösenden Tränen, die da aus ihren brennenden Augen perlten, es waren Tränen bitter heißen Zornes. Verstört ließ sie plötzlich die Hände sinken und sah sich angstvoll um. War wirklich niemand in der Nähe? Sie glaubte doch eben ganz deutlich die Stimme des Pastors Müller zu hören, die da ernst und eindringlich sprach: „Die Liebe höret nimmer auf." Sie schüttelte traurig den Kopf. Nein, dem war nicht so. Bei ihr nicht. Ihre Liebe war tot . . . tot für jetzt und immerdar. Da half kein Sinnen und Grübeln. Wie weggewischt erschien ihr plötzlich jede freundliche Empfindung, die sie ehemals für Veltlingen gehegt hatte. Sie begriff auf einmal gar nicht, wie fie sich so hatte von ihm täuschen lassen, daß ihr nicht schon viel eher seine jämmerliche Selbstsucht, sein grenzenloser Ehrgeiz seinen wahren Charakter enthüllten ! Ihre Gedanken schweiften zurück zu jenem Teeabend, an dem Uchdorf ihr so ernst und eindringlich von den „echten" Perlen sprach, die er begehre! . . . Ohne eigentlich zu sehen, starrten ihre traurigen Augen auf den schmalen Weg, der sich zwischen dichten Büschen bis zum Teich hinzog. „Echte Perlen", wiederholten ihre bebenden Lippen. Ein bitteres Lächeln flog über ihr Gesicht. Jetzt, da es zu spät war, sah sie es ein — sie hatte ihre Hand nach Wertlosem ansgestreckt-- Sie faltete plötzlich mit beinah schmerzhaftem Druck die schmalen Hände. Ein Gedanke stieg in ihr auf — ein Gedanke — —•' Wenn Veltlingen sie frei gegeben hatte — dann . . . Ihre Brust hob und senkte sich in immer schnelleren Atemzügen. Frei . . . ein weicher, sehnsüchtiger Zug trat dabei in ihre Augen — — Ja, frei . . . frei . . . (Fortset-ung folgt.) Aus der StudenLenzeik. Er nnerungeu eines aiten Gießeners. (Fortsetzung.) Das verwundete Bein war, dank der raschen Qualsterschen Hülfe bald geheilt und ich konnte mit meinem Vatereine Ferien- tur nach Thüringen antreten. Das Ziel war Schmalkalden, wohin in Ssachen des Wo l f f von T o d t e n w a r t h' s ch e n Fiä m i l i e n st i p e n d i u m s ein Familientag einberufen worden wjar. Tie Stifterin „Iuliane Wölfin von Todten- wiarth",verheiratet mit dem Kaiserlichen Rat Brömer, errichtete 1575 mit ihrem Ehemann ein Testament, in welchem jenes Stipendium gestiftet wurde. Nachdem der Ersteren Nach- haß die Feuerprobe eines 'beinahe achtzigjährigen Prozesses iam Reichskammergericht mit den Erben ihres Mannes be-- standen hatte, sind heute mehrere tausend Familien an dem^Sti- pendium interessiert, an deren bedürftige Mitglieder fünfSti- pendien für Studierende verteilt werden. (Nebenbei bemerkt existiert in Gießen auch eine Todtenwarthsche Stiftung.) Mein Vater vertrat auf dem Familientag den ziemlich zahlreichen hessischen Teil der Familie. Wir fuhren mit der Main-Weser-Bahn nach Treisa und' gingen von dsa quer durchs Hessenland über Oberaula nach Hersfeld, von dsa andern Tags ins Werratal nach Vacha und Sülzungen. Unser Stipendinmsvetter, Landrat Wolff von TvdtenwMth in Salzungen, mit welchem mein Baier befreundet war, nahm uns gastlich auf. Er hatte! .zwölf Kinder, das Geschlecht wär überhaupt sehr ksirderreich, ein Vorfahre von ihnk ans dem 14, Jahrhundert hatte inhaltlich des von rniv bei 443 anderer Gelegenheit emgesehenen Familienbuchs 2 2 Söhne. Unter den Zwölfen befanden sich zwei hübsche Blondinen in meinem Alter. In deren Begleitung fuhren wir andern Tags in der landrätlichen Karosse zuerst nach der Todtenwarth, dem J-amilienstammsitze über der Werra bei Wernshausen, von da nach Schmalkalden. Während sich die beiderseitigen Väter mit den Vettern beim Familientag Herumbissen, amüsierte ich mich mit meinen liebenswürdigen Cousinen, denen ich mit meiner jungen Studentenherrlichkeit zu imponieren suchte, und mit denen ich mich bald gut verstand, aufs Trefflichste. Ich Hütte sehr gerne ihrer Einladung entsprochen, die Reise mit ihnen nach Wasungen fortzusetzeu. Mein Vater ließ mir auch die Wahl, aber er fügte bei: Wenn du mich allein nach Hause gehen lassen willst! Ms konnte ich doch nicht übers Herz bringen. So ließ ich denn wehmütig die Cousinen ziehen, und ging abends noch allein (mein Vater mußte wegen der Familienangelegenheiten zurückbkeiben) "über Liebenstein auf den Inselsberg. Bei herrlichem Mondschein kam ich an. Es war so hell, daß man Gotha liegen sehen tonnte. In weiter Ferne brannte ein Torf (das soll man bei dem großen Gesichtskreis dort öfter wahrnehmen können). Andern morgens war ich sehr enttäuscht, als ich mich im dicksten Nebel befand. Ich konnte meiner Instruktion eutsprechend nicht länger chleibeu, und traf pünktlich wie verabredet mit meinem Vater in Waltershausen zusammen, nicht ohne vorher, als ich aus der Nebelschicht herauskam, noch einen herrlichen Blick in die nördliche Ebene genossen zu haben. Mit der neuere au tat Eisenbahn fuhren wir nach Eisenach. Mein Vater hatte dort eine Zusammenkunft mit den drei Brüdern Freiherren von Gleichern-Rucswurm (einer derselben war der Gatte von Schillers Tochter Charlotte, der andere hatte eine Cousine von meiner Mutter zur Frau). ES handelte sich um den Rat meines Vaters in einer wichtigen Familienangelegenheit. , Wir nahmen im Rautenkranz ein oppulentes Mittagsmahl, ein, bei welchem Meine kredenzt wurden, wie ich als armer Studio sie nie gekostet, und wohl auch später kaum in ähnlicher Qualität über die Lippen bekomuten hätte, wenn ich nicht zufällig zehn Jahre danach als Accessist die Verwaltung eines Weingutes! erster Güte in Rüdesheim zu übernehmen Gelegenheit gehabt Hütte. Nach der Mahlzeit wurde ich fortgeschickt. Ich erhielt eine Empfehlungskarte an den Kommandanten der Wartburg, die mir dort alle Türen öffnete. Tie Wiederherstellung war noch nicht vollendet, aber doch schon weit vorgeschritten. Schwind war noch an der Arbeit. Ter Kommandant, Herr von Z., führte mich selbst scherall herum und stellte mich Professor v o ti R i t g e n vor, welchen ich als Gießener zuerst persönlich keimen lernte. Es war mir natürlich sehr interessant, ein Werk im Werden zu sehen, das nach seiner Vollendung mich durch seine harmonische Ausgestaltung und die herrliche Umgebung noch oft entzückt hat. Abends fuhren wir mit der Post nach Butlar, Betraten von dort die Vetternstraße, auf welcher wir in zwei Tagen über Geisa, Fulda und den Vogelsberg wieder in die Heimat gelangten. Es war eine Wegstrecke von beinahe 15Q Kilometer, die wir in diesen beiden Tagen und zwar 110 Kilometer zu Fuß zu- rücklegten. Tas kann man heutzutage in viel kürzerer Zeit und bequemer abmachen. Aber wieviel größer war der Genuß, die Gegenden zu durchwandern, an denen man heute beinahe gleichgültig vorüber führt. Tie auf jener Reise gewonnenen Eindrücke heften so getreu in meinem Gedächtnisse, daß ich beispielsweise nach 45 Jahren alle die gewandelten Pfade ohne Karten oder sonstige Hülfsmittel wieder finden würde. Die Pfade -sind geblieben, aber von allen Personen, mit denen ich damals in Berührung gekommen, lebt nur noch die eine von den beiden liebenswürdigen Cousinen und deren prächtiges blondes Haar, das dereinst wie ein Mantel sie umwogte, ist licht uitb weiß wie der Schnee. Tas Wintersemester 1853/54 brachte uns unter Anderen einen besonders lieben Gesellen. Er studierte Landwirtschaft und war nur kurz auf der Hochschule. Wir hatten ihn bald alle liebgewonnen, nicht nur wegen seiner geselligen Talente, sondern auch wegen seines tüchtigen Wesens und der treuen Anhänglichkeit an die Burschenschaft. Er hatte den Küeipuamen Strudel, der auch seinem lebhaften Wesen entsprach, der aber von einer besonderen Pisce Her rührte, welche er meisterhaft auf "der Guitarre vortrug und der die, Bezeichnung Naturstrudel beigelegt war. Ich habe, nie Jemanden kennen gelernt, der den Frauenherzen so gefährlich gewesen wäre wie dieser wenig ansehnliche und nicht eben schöne Brensch, dem nur der ausdrucksvolle Kvpf etwas Besonderes verlieh. Ich erwähne hier seiner vor Anderen, weil er unseren späteren Semestern die Rabenau erschloß, wo er das Hofgut des Freiherrn von Nordeck zu Rabenau verwaltete. Wir Jüngere haben dort viele frohe Stunden verlebt. Ich komme unten hierauf noch einmal zurück. .Tas Wintersemester schloß die Burschenschaft noch enger zusammen. Tie mannigfachen Angriffe von Außen, die Jso- liernng unserer Bestrebungen, die auch von unseren Lehrern wenig Unterstützung fanden, und die Beseittgung einiger störenden Elemente trugen hierzu bei. Bon Professoren sahen wir nur manchmal den Heinen Otto, die Quietsche, wie et vom Gymnasium her benamt war. Nach ' seiner Pensionierung hatte er sich an der Universität habilbi tiert. Er war die Karikatur eines Mannes, gelehrt und witzig. Auf der Kneipe aber war er die Zielscheibe des Spottes der wenig rücksichtsvollen Körona. Er trug selbst 'bie Schuld. Wenn ich berichte, daß er sich eines Abends unter der Vorspiegelung! eines Rendezvous mit der wenig lieblichen Tienstmagd in bett Hühnerstall locken ließ und dort für einige Zeit eingesperrt wurde, so wird man daraus entnehmen, weß Geisteskind er war. Trotz dieses Streiches ist er wiedergekommen. Tas freie Bier zog ihn (an. Er kam durch den Trunk immer mehr herunter und ist eines Tages in dem Chausseegraben zwischen Wieseck und Gießen erfroren pusgefunden worden. Für mein Studium war das Wintersemester 1853/54 grundlegend. Es drehte sich damals zunächst 'fast alles um das römische Recht, das in Deutschland Gemeingültigkeit erlangt hatte, und in einem Teile Deutschlands, wozu auch Hessen gehörte, noch volle Geltung hatte, soweit nicht einige deutschrechtliche Institute sich bett Flutwellen des römischen Rechts gegenüber burch ihre Eigenart unb innige Berbinbnng mit dem deutschen Volke und Rechtsbewußtsein siegreich behauptet hasten. Deshalb mußte der deutsche Jünger der Themis vor Allem das römische Recht kennen lernen. Es gab damals auf 'deutschen Hochschulen keinen geistvolleren Interpreten desselben, als den berühmten Rudolph Jhering (später in Oesterreich geadelt). Die Ludoviciaua konnte sich glücklich schätzen, den schon berühmten Verfasser des Geist des ,rö- m ischeuRechts für eine Reihe von Jahren an sich zu fesseln. Tie hessische Regierung hatte auch das ihrige dazu getan, um diese erste Kraft zu gewinnen, indem sie Jhering g a n z e 3 4 0 0 Gulden als Gehalt bewilligte. Jhering war gern in Gießen und hatte sich auch durch den Erwerb bet Eugelbachscheu (letzt Paskoescheu) Besitzung baselbst seßhaft gemacht. Wer , konnte es ihm aber verargen, baß er 1868 einem Ruf an Die Universität Wien folgte, wo er bei "einem Gehalt von 12 000 Gulden statt 50 bis 60 Zuhörer bereit Hunderte hatte. Dennoch ist er später bekanntlich wieder nach, Deutschland , zurückgekehrt. Jhering nun führte uns im Sommersemester 1853 in seiner Vorlesung über bie Institutionen in den Geist des römischen Rechts ein unb zeigte uns denn in meisterhafter Weise in seiner Pan- dektenvorlesung bie Bedeutung des römischen Rechts für oas deutsche Rechtsleben. , Ich muß mich leider mit diesen wenigen Worten über bie Bedeutung IHerings als Lehrer begnügen. Ans "seine Bedeutung für Gießen puf anderen Gebieten komme ich später noch einmal zurück. ' . „ Mancher Leser wird vielleicht nicht ganz mit Unrecht denken, der Verfasser hätte besser getan, über geringfügige Dinge nicht so viel Worte zu machen und seine Darstellung mehr ernsteren unb interessanteren Dingen zu widmen. Er möge aber gütigst bedenken, daß es nicht leicht ist, individuelle Erlebnisse in knapper und formvoller Sprache zu schildern und dabei den Weizen von der Spreu zu sondern. Dazu gehört mehr Zeit unb Talent, als ich besitze. Ich selbst habe beim Nicberschreiven unb gar oeim Lesen dieser Erinnerungen öfter die Empfindung gehabt: „O si tacuisses, philvsophus mausisses!" Ich bin auch gar , nicht gern in bie Oefsentlichkeit gegangen, allein ich glauote schließlich den motivierten Gesuchen der verehelichen Redaktion bs. Bl. mein Scherflein zu dem bevorstehenden Feste beizutragen mich nicht entziehen zu dürfen. m Dieses pro domo mit der Bitte um gütige Nachucyi! Ich hörte im Wintersemester zu den Pandekten Jhrermgs,' das davon ausgeschlossene E r b r e ch t bei P r o f e s s o r N e u n e r. Ich habe diese Abweichung von der systematischen Reihenfolge der Vorlesungen nicht bereut. Neuner war noch außerordentlicher Professor, war aber ein sehr tüchtiger Dozent. Bon seinem Buche, der Neves genannt, behandelte er den spröden «tost tu anziehender und anregender Weise unb machte uns durch fein liebenswürdiges und humorvolles Wesen die Vorlesung lieb. §s war seine letzte in Gießen. Er folgte tm nächsten mefter einem Rufe als ordentlicher Professor, ich meine nach Kiel, es könnte auch Rostock gewesen sein. Wir gönnten dem verehrten Lehrer den errungenen Erwig, noch mehr beinahe den bei der lange unb still verehrten Dame seines Herzens, die ihm -als Gattin nach der nördlichen Universität folgte. — , T!as Sommersemester brachte uns sechs tüchtige Mitglieder, die falle bei der Fahne geblieben sind, drei davon bis zu ihrem Tode. Ich war vorher in bie innere Verbindung ausgenommen worden. Ter Aufnahme ging eine Prüfung seitens des Sprechers, auf meine politische Gesinnung vorauf Das war die Fvlgd einer kleinen Bosheit seitens meiner Semeflergenossen, meiner guten Freunde, die mich iaufS genaueste kannten, die es aber ärgerte, baß ich mit zwei quasiverwandten unb leit ^aoicn b^ freunbeten Wingolsiten verkehrte. Ich leßte Glanbensbekamitnis ab, das von dem des Priifeuben fehl oei^ schieben war. Tenn er war ein starrer Republi aner, wahrend ich bie Einigung Deutschlands unter , einem Kaiser Mit einem Volksparlament nach englischem Muster erstrebte. Das mutzte nach unseren Prinzipien für die Aufnahme in die innere Verbindung genügen. Ich habe die kleine Genugtuung gehabt, bah, während itf) meinen Anschauungen im Wechsel der Zeiten treu ge- 444 — Meben bin, meine SemesteMmeraden später von ihren demokratischen Anwandlungeit zurückgekommen sind und daß mein Freund M., der dsaMalige Sprecher, dem es noch auf dem dreißigjährigen Stiftungskommers in Bingen sein RepublikaniI- mus nicht gestattete, sich her dem Kaisertoast zu erheben, später! beit ihm von dem preußischen König verliehenen Titel als Sani- tjAtsriat annahm und zu meiner Freude in aller Rüstigkeit heute noch führt. Auch in diesem, meinem dritten Semester, herrschte ein reges Verb indungsleb e n, die sogenannten Kränzchen gaben ernste Anregungen und die <Ä- weiterung des Gesichtskreises über die Spezialstndien, die beginnenden Wirren im Oriente die zum Krim kriege führten, lenkten unser Interesse auch auf die praktische Politik. Unsere Sympathien waren naturgemäß auf Seiten der Westmächte, nicht S" to aus Vorliebe für diese, sondern weil es sich um die G e g n e r -i äst gegen das absolutistisch regierte Rußland handelte. Wir verfolgten die Ereignisse mit dem größten Interesse und Mir ist der gänze Perlauf 'des Krieges von damals noch in genauester Erinnerung. Jene Gegnerschaft war aber nicht so intensiv, als daß wir nicht der heldenmütigen Verteidigung Sebasto- pvls durch Tottleben unsere ggnze Bewunderung entgegengebracht hätten, zumal dieser ein Deutscher war. Im Verlauf des Semesters knüpften wir Verbindungen mit den Jenenser Germanen an, die zur Folge hatten, daß zum Stiftungskommers am Schluffe des Semesters von diesen mehrere Mitglieder entsendet wurden. Auch dieser zweite große Kommers, den ich mitmsachte, verlief aufs Glänzendste. Ich gehörte zur D e k o r a t i o n s k o m m i s s i o n, deren Tätigkeit den Mitgliedern Kls Vorfreude einige herrliche Tage auf der Badenburg verschaffte. Diesmal wurden die Mitglieder und Gäste mit Wagen wach der Badenburg gebracht, v. G., der Baron ben annt, und ich empfingen die nahenden Wagen mit einem solennen Feuerwerk. — Ich besaß von meinem Urgroßvater her eine sehr hübsche kleine Schiffs-Salutierkanone, die dabei ihr Bestes tat, und noch bis in die späte Nacht der Umgegend verki'mdete, daß wir unser Stiftungsfest feierten. Leider ist Mir das wertvolle Erbstiick in dieser Nacht gestohlen worden und obwohl ich bereits um vier Uhr morgens das Verschwinden bemerkte, habe ich trotz allcp persönlicher und polizeilicher Recherchen niemals wieder etwas davon gesehen. (Fortsetzung folgt.) Das Esse» der Kmder. Bei der Erziehung der Kinder wird in vieler Beziehung viel gesündigt, und man glaubt kaum, wie vieles man vernachlässigt oder als belanglos betrachtet, was dennoch von außerordentlichem Einfluß ist. Greifen wir heute die Frage heraus: wie sich Kinder beim Essen benehmen sollen? In dieser Beziehung kann mail die traurigsten Erfahrungen machen, und besonders die Aerzte wissen genug davon zu erzählen, ivie viel Krankheiten) Namentlich des Wagens und der physischen Fiinktionen, der gänzlich falschen Art und Weise des Essens zuzuschreiben sind. Ist es schoi: nicht gleichgültig, wann und was ein Kind ißt, so ist es noch viel wichtiger,, zu beobachten, wie ent Kind ißt. Bon früh auf muß man seine Kinder an Ordnung in allen Dingen gewöhnen, also. auch in Angelegenheiten der Nahrungs- zufuhr. schon beim Säugling darf man sich keine Mühe verdrießen lassen, dann wird es überhaupt nicht geschehen, daß das Kind rn spateren Jahren au ßerhalb den wirklichen Mahlzeiten nach Nahrung verlangt. Es gibt Kinder, die tatsächlich fortwährend essen tonnen und auch fast 'fortwährend nach dem oder jenem t>ei> langen. Willfahrt eine Mutter solchen Anforderungen, etwa nur um Ruhe von den kleinen Geistern zu haben, so schädigt Ne die Kinder rörperlich und moralisch, vielleicht ohne sich dessen recht. bewußt zil sein. Ter kindliche Körper kann zwar tüchtig arberteil, aber selbst für den gesündesten Magen gibt es eme Grenze der Tätigkeit. Auch der Magen bedarf der Ruhe, da- safte sich genügend erneuern können. Dazu reicht die Nacht altern nicht aus, jedenfalls sollen auch die Kinder nur dann essen, wenn sie Hunger haben. Wir Menschen essen bekanntlich vrel zu vrel. Es ist bedeutend vorteilhafter für das ganze Ge- delhen,.wenn Eltern das größte Augenmerk niehr auf die Qualität der speisen lenken und namentlich beit Kindern nur solche Sachen vorsetzen, die rn geringer Menge boch möglichst viel gute PPP verdauliche Nahrungsstoffe enthalten. Nächstdem hat PI5P 'r'IT n?=auJ' Leben, wie ein Kind ißt. Man halte ihm stets die Weisheit vor: gut gekaut, ist halb verdaut. Man lasse es also rmmer nur kleine Mengen in den Mund neh- p ie s. tdurchkauen, und gewöhne es somit an ein lang- bedächtiges Essen. Tas Kind muß wissen, daß die Eft6 von Nahrung nicht etwa einer bloßen Fütterung Forderungen des Appetits ge- AM dem Geschäft des Essens lassen sich natürlich W Z^brungen über, dre Regeln des Anstandes verknüpfen, bet geschlossenem Munde. Jedes hörbare netoiA und Gabeln sind schon frühzeitig ges ;ttft zu handhaben, sobald das zunehmende Alter diese Werk- * zeuge gestattet. So drollig es sich iauch manchmal ausnimMt, wenn ein Kind sein Süppchen allein auslösfelt, so vergesse man doch nicht, daß schlechte Angewohnheiten sich nicht leicht wieder beseitigen lassen. Selbstverständlich dürfen Kinder bei Tische sich in keiner Weise auch bezüglich der Haltung des Körpers gehen lassen. Die Arme sind an den Körper anzulegen, die Brust muß gestreckt bleiben, die Beine haben Ruhe zu halten, und der Mund darf nicht etww über dem Teller liegen. In die Gespräche der Eltern hat sich ein Kind 'nie hineinzumischen, sondern es Muß ausharren lernen, bis es gefragt wird. Gerade bei Tische lassen sich eine Menge Erziehnngsmaßregeln zur Anwendung bringen, deren Vorteile erst'später richtig zutage tretem VeVMZschSss. * Kampf zwischen Tiger und Hund. Vor einiger Zeit fand, wie holländische Zeitungen berichten, ein interessanter Kampf zwischen einem gefleckten Tiger und einem gewöhnlichen Bastard-Cangruhund statt, bei bettt sich der Mut und die Geistesgegenwart des Hundes im schönsten Lichte zeigte. Der Demang (Ortsversteher) des Distrikts Djena, in der Residenz Rembang, hatte mit einem seiner Freunde eine Jagd auf Wildschweine veranstaltet. Die Jäger waren int Walde so postiert, daß von allen Seiten durch die Treiber die Meute nach jener Stelle hingetrieben wurde, wo sie standen. Plötzlich bemerkte der Demang einen Tiger, der allein von einem Hunde verfolgt wurde, während alle übrigen Hunde feige die Flucht ergriffen hatten. Der Demang erkennt alsbald am Gebell feinen eigenen Hund und bemerkt, wie der Tiger, der schon ziemlich lange verfolgt zu fein schien, endlich auf einem Baume feine Zuflucht sucht, während der Hund sich, unaufhörlich bellend, hinter dem Baumstamm aufstellt. Der Tiger ist vom Jäger nur auf Schußweite entfernt und deshalb beschließt letzterer, ihn aus dem Baume herunter zu schießen; er legt zweimal auf ihn an, doch beide Schüsse gehen fehl. Der Tiger, der wahrscheinlich das Pfeifen der Kugeln gehört hat und sich deshalb da oben nicht mehr sicher fühlt, will aus dem Baume springen, wird aber, unten von feinem Verfolger mit solcher Wut empfangen, daß er sich wieder noch oben zurückzieht. Inzwischen hat der Jäger Zeit gehabt, feine Flinte von neuem zu laden, aber obgleich er sonst ein vorzüglicher Schütze ist, geht auch der dritte Schuß am Ziele vorbei; der vierte dagegen trifft, jedoch nur den Ast, aus dem das Tier fitzt, das, durch die Erschütterung des Astes ratlos geworden, nun doch den gefürchteten Sprung wagt, unten aber von feinem Verfolger direkt an der Kehle gefaßt und hinten über zu Boden geschleudert wird; trotzdem bet Tiger dreimal bett Versuch macht, sich zu erheben, wirb er durch den wütenden! Hund stets wieder niedergedrückt, sodaß ihm schließlich der Atem ausgeht. Alle Anstrengungen, wieder auf die Beine zu kommen, mißlingen gegenüber der wütenden Kraft des Hundes, sodaß der Tiger schließlich buchstäblich erstickt und trotz seiner so viel gerühmten Beweglichkeit und ungeachtet feiner Riesen stärke durch seinen Feind getötet wird. * Ein Postkuriosum. Nach 30 Jahren ist ein in Berlin aufgegebener Brief als unbestellbar zurückgekom- men. Adressat war der damalige Steuermann F. Schröder aus Finkenwalde bei Stettin, der sich mit seinem Schiff „Australia" in Minantitlan-Mexiko befand. Seine Ehefrait sandte den Bries am 2. August 1877 von Berlin ab. Laut Poststempel kam der Brief am 20. August 1877 in Newyotk an. Sein weiteres Schicksal ist nicht bekannt. Am 2. Mai 1907 tauchte der Brief indessen wieder in Mexiko auf und wurde von der „Direccion General de Correros" nach Europa gesandt. Am 9. Juli d. Js. ist der Brief der Absenderin wieder zugestellt worden. Magisches Quadrat. In die Felder nebenstehenden Quadrates sind die Buchstaben B B BEEEEEILOOR BRR. derart einzutragen, daß die wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes bedeuten: 1. Fluß in Spanien. 2. Würziges Getränk. 3, Eine Kulturpflanze. 4. Russische Stadt. Auslösung in nächster Nummer.f Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Nohrenkopl' — Abolf — 8uahelr — ZTonsuI —Ara« — Aranit — Sibuatra — Ängroer. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckeret, R. Lange, Gießen.