1907 Ar. 143 Ireitag den 27. §ep!emker 33 LJ fj := I« WSfi Auf der cigenen Spur. Kriminalroman von Otto H o c ck e r-, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Schreckvolle Anteilnahme sprach aus den Zögest der' jungen Frau; sie schlug die Hände zusammen. „Die gute Frau Rat ist lot!" rief sie erschüttert, Tränen in den Augen. Hansemann vielte schmerzlich bewegt. „Ja, wir haben sie vor etwas mehr als einem Jahre veriloren. Ihr Herz machte ihr ja immer zu schassen, doch das; es so schnell mit ihr zu Ende gehen würde, ließen wir uns nicht träumen. Ja, es war ein harter Schlag, , der besonders anch meine Hermiste schwer traf. Sie wissen ja, Frau Marie, welch anschmiegendes, goldenes! Herzchen sie hat. Erst machte sich die einzige Freundin nnsicht- bar, und dann ging mit meiner guten Fran ihr die letzte Ber- traute, welcher sie sich schrankenlos zu offenbaren vermochte. Sie wird vor Frertdr außer sich sein, berichte ich ihr unsere heutige Begegnung. Aber tote konnten Sie es nur über das Herz bringen, plötzlich und ohne ersichtlichen Anlaß alle und jede Verbindung zu lösen? Hermine war wie vor den Kopf geschlagen; auch meine Frau und ich wußten! nicht, was jvir davon halten sollten, zumal Briefe, die wir in Ihre Görlitzer Adresse richteten, als unbestellbar zurückkamen." Sn den Zügen der jungen Frau trat ein gequälter Ausdruck immer offensichtlicher in Erscheinung. „Es ging uns nicht gut, Herr Rat!" meinte sie ausweichend. „Das ist doch kein Grund, darum mit alten Freunden zu brechen!" ereiferte sich dieser. Marie wich seinem Blick aus. „Papas Verhältnisse gingen zurück", berichtete sie mit niedergeschlagenen Augen. „Dann starb er. Unser Görlitzer Haus mußte verkauft werden. Auch meine gute Mutter, ging bald darauf schlafen und ich mußte mir mein Brot bei fremden Leuten suchen. Da blieb für Briefschreiben keine Zeit. Da kam ich hierher ins Haus — zuerst als Wirtschafterin —" „Nun, da hätten Sie sich unserer doch erinnern sollen", warf Hansemann herzlich ein. Die junge Frau wich seinem Blick noch immer aus. „Es ging so vieles vor, das läßt sich in kurzen Worten nicht sagen", meinte sie leise. Befangen schaute sie auf ihren Gatten, der neben sie getreten war und nun, mit einem herzlichen Liebesblick auf sie, ihre Hand suchte. „Marie wurde meine liebe, gute Frau — der Sonnenschein meines getrübten Lebens", meinte er einfallend. „Nun, das erzählt sie Ihrer Tochter wohl später einmal", lenkte er ab. „Heute sind Sie in amtlicher Eigenschaft erschienen, Herr Rat, darauf dürfen wir nicht vergessen, so sehr mich Mariens wegen diese unverhoffte Begegnung nach so langer Zeit auch freut." Die Mienen Hansemanns wurden ernster. „In der Tat, Herr Eilenburg, Sie haben Recht," versetzte er. Er wendete sich wieder an die junge Frau. „Jedenfalls müssest Sie mir versprechen, Hermiite recht bald einmal zu besuchest — nicht wahr. darauf dürfen wir zählen?" Er sprach mit soviel Herzlichkeit daß Marie zustimmend nickte und in die dargebotene Hand schwei-- gend einschlug. Ihre Miene blieb nuterdessen zurückhaltend. Es schien, als wollte sie die senkrechte Unmutsfalte zwischen ihren dunklen, in der Wurzel zusammengewachsenen Brauen noch vertiefen. SiS ließ sich auf ihrem alten Platze wieder nieder und blätterte voll nervöser Zerstreutheit in dem osfen auf dem Pulte liegenden, Hauptbuch. Nur zuweilen streifte sie durch die gesenkten Wim'-«. Pern den Beamten und dessen Gefolge mit kurzem, verstohlenem, wie besorgt anmutendem Blicke. „Zur Sache also", begann Hansemann, der sich inzwischen dem Fuhrherrn gegenüber ebenfalls niedergelassen hat'te. Er zwang sich, unwillkürlich das Wort wieder an Marie richtend, zu einem flüchtigen Lächeln. „Uns beschäftigt eine hochnotpeinliche Geschichte. Heute nacht ist in einer Droschke ein Mann gewaltsam getötet worden. Diese Droschke nun, deren Nummer durch einen Zufall kurz zuvor von dem Schutzmann hier fest- gestellt wurde, gehört Ihrem Gatten. Wir haben sie bereits im Wagenschuppen draußen vorgefunden und festgestellt, daß sie identisch mit dem unseren Nachforschungen geltenden Mietswagen ist. Nuit kommt die Verwickelung", meinte er, wieder zu Marie gerichtet, mit humoristischem Lächeln. „Sie erinnern! sich wohl, so pflegt Hermine sich auszudrücken, gehe ich mit ihr einen mich besonders beschäftigenden Fall durch." Nun kehrte er sich erläuternd an Eilenburg. „An meiner Tochter ist nämlich ein Dctektivgcnie verloren gegangen. Das Mädel entwickelt zuweilen einen verblüsfendeit Scharfsinn. So jung sie ist, hat sie mir doch schon manchmal zur Lösung des bewußten gordischen Knotens verhalfest... na ja, Art läßt nicht von Art! Ewig schade, daß sie kein Junge ist!" Er lächelte behaglich. „Nun kommt also die Verwickelung. Die Droschke haben wir, fehlt noch der Kutscher. Den glaubten wir gleichfalls schon zu haben. Dem Schutzmann hier gab sich der Wagenlenker heute nacht als der Besitzer der Droschke zu erkennen. „Nicht möglich!" warf die junge Frau unsicher ein, ohne den Blick zu erheben. „Mein Mann fährt nie eine Droschke, Letzte Nacht gingen wir kurz vor Mitternacht zu Bett und standen heute früh gemeinsam auf." „Da hätten wir also schon den besten Mibibeweis", bemerkte der Rat leichthin. „Die Droschke wurde gegen drei Uhr früh am Potsdamerplatz angehalten. Ihr Lenker sah übrigens ihrem Gatten in keiner Weise ähnlich. Es handelt sich vermutlich um einen jungen, bartlosen Burschen — so ist es doch, Nokohl?" Der Schutzmann tticktc eifrig. „Keine Spur von Aebnlich- keit!" versicherte er. „Sehen Sie, Frau Marie, da stecken wir schon mitten1 in bet Verwickelung", fuhr Hansemann jovial fort. „Der Ksttscher, der die Droschke eigentlich fährt, ist ein langjähriger Ange- stellter Ihres Mannes und zur Zeit bettlägerig krank —", „Sie meinen den alten Graßnick, fiel Marie in noch steigender Befangenheit rasch ein. „Er ist recht krank, der Aermste. Ich sah erst gestern abend noch nach ihm." „Meine Frau ist so ’ne Art Schutzengel meister Angestellten", 570 — warf Eilenburg ein. „Ja, habe dich nur nicht. Das kann man ruhig sagen, cs macht deinem guten Herzen nur Ehre. Das ganze Pcrscmal schwärmt für sie", schloß er, zu Hansemann gewendet. Also noch immer das alte fürsorgliche Hausmütterchen!" Der Rat nickte der leicht Errötenden freundlich zu. „Ich glaube, Sie haben alle Ursache, sich zu ihrer Wahl zu gratulieren, Herr Eilenburg. Eine bessere Fran konnten Sie gar nicht bekommen." „Will's meinen!" Der Fuhrhcrr schaute dabei zärtlich auf seine Frau, welche sich angelegentlich wieder mit dem Hauptbuche zu schassen machte. „In meinem Alter bleibt so ’ne Ehe immer ein Wagnis. Doch habe ich das große Los gezogen. Ich werde in meinem Glücke ordentlich wieder jung. Konnte cs auch gebrauchen, Herr Rat", setzte er voll treuherzigen Ernstes hinzu. „Bis dahin war mein Leben freudenarm. Meine erste Fran mußte ihr junges Leben an die Geburt meines Sohnes daran geben. Auch ein trübes Kapitel. Die beste edelste Frau .— und ihr Junge ein unverbesserlicher Nichtsnutz, der — —" „Richard!" Mit bleichgewordeuem Gesicht schaute Frau Eilenburg bittend zu ihrem Manne auf. Eilenburg lachte gezwungen. „Sie kann's nicht hören, ziehe ich über den Bengel los. Das ist der einzige Schatten in unserer Ehe. Weiß der Deubel warum. Doch der Max ist nun einmal ihr Vorzug. Wäre es nicht ‘mein eigen Fleisch und Blut und wüßte ich nicht, was ich au meiner Iran habe — mau möchte auf den Kujon ordentlich eifersüchtig werden!" Er lachte wieder auf, wie um die Wirkung der ungeivollt ihm entfahrenen Worte wieder abzuschwächen. Er konnte es indessen nicht verhindern, daß seine Frau sich erhob u nd mit umwölktem Gesicht, aus welchem der letzte Blutstropfen verschwunden war, sich zum Verlassen des Kontors anschickte. Wie er ihr den Weg vertrat, übersah sie seine ihr bittend eutgegengestreckte Hand. „Aber Mariechen, mußt doch Scherz verstehen. Weißt doch, baß ich es nicht schlimm meine", versetzte er fast demütig. Sie stand mit zuckender Lippe. „Es ist Unrecht von dir, so zu sprechen. Was sollen die Herren davon denken? Mit solchen Dingen treibt mau keinen Scherz!" verwies sie nicht unfreundlich, jedoch bestimmt. „Aber Frau Marie"/ begütigt nun auch der Rat vom Pulte her. „Lassen Sie sich die Einmischung eines alten Freundes gefallen Das war ein harmloser Scherz von Ihrem Maime; es steckt sogar heimliche Anerkennung dahinter. So kommen Sie doch und . bleiben Sie gemütlich. Sie waren doch früher ganz und garnicht übelnehmerisch." Dabei hatte er sich auch schon erhoben und drängte nun die junge Fran mit jovialer Ucberredung wieder zum Pult zurück. „Tun Sie's lieber meiner Hermine nach und beteiligen Sie sich an der Lösung des uns beschäftigenden Falles. Wer kann heute Nacht die Droschke heimlich aus dem Schuppen gezogen, daran den Ali gespannt haben... so heißt der Gaul wohl, Eilenburg ?" Dieser nickte. „Die Droschke ist gebraucht worden, ebenso wird der Äii sie gezogen Haben. Wer Droschke und Pferd aber heimlich aus dem Hofraum entfernt und unbeobachtet wieder dorthin zurückgebracht haben kann, das auszufinden, geht über meinen Verstand. Ich habe einen ziemlich leisen Schlaf und wäre sicherlich wach geworden, hätten die Hunde Laut gegeben. . . Du hast heute nacht auch nichts Verdächtiges gehört?" wendete ,tr sich fragend an seine Gattin. Diese verneinte stumm, ohne beit Fuhr Herrn dabei anzn- blicken; sie zürnte ihm anscheinend immer noch wegen seiner vorigen Bemerkung. „Nach Ihrer festen Meinung würdcü die Hunde keinen Ihrer Leute auf den Hof lassen?" „Ei wo! Zerreißen würden sie den Burschen. Noch nicht zeigen darf sich einer zur Nachtzeit, geschweige sich bemerkbar Wachen!" „Bliebe immerhin die Annahme, daß der Wageü schon vorher entfernt worden sein muß." Eilenburg geriet ordentlich in Eifer; er lachte ärgerlich. „Wofür halten Sie mich, lieber Herr? Lotterwirtschaft gibt es bei mir keine!, Wir führen genaue Kontrolle. Jeder ausfahrende Kutscher hat sich hier im Hofe zu melden. Die letzte Nachtschicht^ fährt um half Els aus, da ist entweder meine Frau oder ich hier int Kontor anwesend . . . hier ist das Buch, in das die Einträge gemacht werden. Er griff nach einem abgegriffenen Heft und schlug die letztbeschriebene Seite auf. „Da sehen Sie selbst. Gestern abend hatte meine Fran dujour. Hier sind ihre Einträge. Drei meiner Droschken wärest int Nachtdienstz Die letzte fuhr 10 Uhr '46 aus dem Hof . .- . also von yeimlichest Fahrten kann keine Rede sein. Ich kam gestern abend mit meiner Frau herunter und brachte dest Hunden ihr Futter und kettete sie los. Das war gegen 10 Uhr. Da waren die Leute schon beim Anspannen. Dann blieb ich noch eine Weile hiev im Kvutor; vielleicht unt halb 11 ging ich hinauf, um iwch ein Stündchen zu lesen. Nummer 3683 stand gestern abend sauber im Stall, wie geleckt, ebenso der Mi. . . unbemerkt ’rausge- kommeu ist also keine Katze. . . Nun gar das Zurückbringen! Da stehe ich einfach vor einem Rätsel! Daß die Hunde nicht die ganze Nachbarschaft wach gebellt haben, läßt mich an Zauberei glauben. Ich glaube sie gäben sogar bei mir selbst Laut, versuchte ich den Zaun zu überklettern, um den Torriegel von innen zurückzuschieben. Das läßt sich nämlich nicht von außen bewerkstelligen. Na, den Höllenspektakel, den die Bande da vollführen würde." (Fortsetzung folgt.) Aus der Keschfchts der Ludoviciana. Nachdruck verboten. II. Die medizinische Fakultät. Im Gegensatz zu heute pflegte die medizinische Fakultät an den Universitäten älterer Zeit die bescheidenste und an Zahl der Studenten und Lehrer weit hinter den anderen zurückstehende Fakultät zu sein. Nicht anders war es in unserem Gießen, wo die Fakultät mit einem Professor eröffnet wurde und noch mehrfach int 18. Jahrhunderts jahrelang nur ein Mitglied zählte (f. 1749—51; 1753 bis 1754). Längere Zeit wurden drei Professoren als genügend angesehen. Doch waren diese des öfteren nicht immer alle aktiv. Oft funktionierten sie zugleich als fürstliche Leibärzte und lebten deshalb meist am Hofe. Auch viele Jahre währende Krankheiten von Fakultätsmitgliedern ivurden hingenommen, ohne daß daran gedacht wurde, Ersatz zu schaffen. Wichtige Fächer blieben gelegentlich einfach unbesetzt, so z. B. von 1742—50 die Anatomie. Wie es mitunter um die Studentenzahl aussah, illustriert ein Vorfall aus dem Jahre 1651. Auf die Anfrage von Hofe aus nämlich, warum überhaupt keine medizinischen Kollegien im laufenden Semester gehalten würden, erfolgte die Rechtfertigung, das fei unnötig; denn zurzeit gäbe es überhaupt nur 2 Studenten der Medizin, von denen der eine krank sei, nnd der andere bei einem der Professoren! wohne. Im 17. Jahrhundert interessierten sich die Professoren zum Teil auch für andere Fächer und vielleicht mehr als gut war. — So war gleich der erste Professor der Medizin an der Hochschule überhaupt, Johann Münster aus Heilbronn, gekrönter Dichter. Jakob Müller (1625—37) versah zugleich die Professur der Mathematik, und welche von beiden ihm mehr am Herzen lag, zeigt wohl der Umstand/ daß er als Kriegsrat und Artilleriedirektor gestorben ist. Johann Tack (1650—76) bekleidete neben feiner medizini-, schen Professur jahrelang die der Physik und Beredsamkeit. IN letzterer Eigenschaft verfaßte er die ausführliche Beschreibung der Rückverlegung der Universität von Marburg nach Gießen. Ferner war es eilte sonderbare Bestimmung der Statuten, daß nicht nur der Einzelne ganz verschiedenartige Fächer vertreten mußte — ließ sich doch das bei der geringen Zahl von Dozenten nicht vermeiden —, sondern auch bei etwaigem Aufrücken in der Fakultät die Fächer wechselten, und so z. B. derselbe Mann erst Mineralogie und innere Medizin, dann aber Anatomie und Botanik lesen mußte. Das führt bereits auf eine andere Eigentümlichkeit, nämlich die, daß die Fächer Botanik, Zoologie, Mineralogie und Chemie, soweit dieser Ausdruck erlaubt ist, zur medizinischen Fakultät gehörten, Von der Botanik und Zoologie erst 1846, die beiden anderen Fächer zu Anfang des 19. Jahrhunderts abgetrennt wurden. So ist denn auch die Gründung des botanischen Gartens 1609 unter den Auspizien der medizinischen Fakultät erfolgt. Tas chemische Institut, das bereits in den ersten Jahren der Universität existiert, aber merkwürdige Schicksale durchzumachen gehabt hat, ist eigentlich ein Laboratorium zum Brauen von Mixturen, in dem Horst 1650 verspricht, in 6 bis 7 Wochen die Chemie zu lehren. Erst unt 1750 kann man von eigentlicher Chemie sprechen. Auch ein Lokal für Anatomie gab es in der ältesten Zeit bereits, aber im Kollegienhause selbst. Benutzt wurde es allerdings selten, da großer Leichenmangel herrschte. Eine Anatomie war für — 571 — die Mediziner ein großes Fest, zu dein durch besondere, lateinische Programme vorher LingLladen wurde, deren pomphaftem Latein man noch die ganze Freude ansieht. Eine Reihe davon von 1669—1709 besitzt die Universitätsbibliothek noch. 1615 nahm Horst die erste, 1617 die zweite Sektion einer Leiche vor. Sonst präparierte man auch Tiere, damit bei vorkommenden Fällen die Studenten besser vorbereitet an die menschliche Leiche träten, aber in der Regel ohne selbst dabei Hand anlegen zu dürfen. Im Unterrichtsbetrieb können wir ziemlich scharf zwei Perioden scheiden, einmal das 17. und 18. Jahrhundert, wo man noch ganz in alter Tradition befangen war, im wesentlichen Bücherweisheit vortrug und die Studenten fast ganz von eigenem wissenschaftlichen Forschen ausschloß. Ganz anders seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts, wo das Ex- veriment und klinischer Unterricht am Krankenbett zu ihrem Rechte gelangen. Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts bereitet sich dieser Umschwung schon vor, aber dein herrschenden Geiste nach gehört es doch noch zur alten Beit. In dieser nahm die Lehre von den Heilmitteln einen breiten Raum ein, legte man doch zum Teil den Haupt- wert aus die Quantität der eingeriebeuen oder eingenom- menen Mixturen. Eine große Rolle spielten dabei die Abführmittel. Wie aber zum Teil die Behandlung oes Stoffes gewesen sein muß, läßt eine Anzeige Valentinis vom Jahre 1702 ahnen, in der er versprach, er werde den Stoss so vortragen, daß man keine Anweisungen als Arzt aucy najchher gebrauchen könne. In den ältesten Zeiten war auch dm Theriakbereitung, die seitens des Universitatsapothekers Unter Aufsicht der Fakultät vvrgenommeu wurde, ein feierlicher Akt, bei dem große Reden gehalten wurden. ' Neben dem pharmakologischen Unterricht wurde relativ regelmäßig Anatomie gelesen, wenn auch mit Leichenmangel die Fakultät bis ins 19. Jahrhundert trotz allerlei Maßnahmen dagegen zu kämpfen hatte. Einen großen Fortschritt bedeutete es, daß 1700 der Bau eines eigenen Anatomiegebäudes, das aber außerdem noch Fruchtboden und Tanzsaal unter seinem Dache barg (jetzt das Reitinstitut) begonnen wurde, das 1720 vollendet war. Dazu hatte Prof. Michael Heiland (t 1693) 50 Gulden gestiftet, wodurch ein energischer Anstoß zu dem Bau gegeben war. Am 30 Oktober 1742 wurde der erste Prosektor (Friedr. Wilhelm Hensing) angestellt, der sehr bald eine hübsche Präparaten- sammlung angelegt hatte. Allmählich entwickelten sich aus der Anatomie Anfänge eines physiologischen Unterrichts, aber aus Grund welcher Anschauungen! Ganz fehlte eigentlich der klinische Uiiterricht. Valentini verspricht zwar 1696, er werde Kranke Vorführer,, 1702 will Möller die Kandidaten am Krankenbett unterrichten, aber nie ist es über die allerbescheidensten Versuche hinausgekommen. , , „ r 1742 erklärt sich Hert bereit, Chirurgie zlu lesen, wenn es verlangt wird. Geburtshilfe behandelt Alefeld feit 175o (Frauenkrankheiten sind schon in einem der ältesten Vorlesungsverzeichnisse als Thema genannt). Besonders aber Christoph Ludwig Nebel (1766-82) drängte auf Einführung von 5iebammenunterricht und Gründung einer Entbindungsanstalt. 1790 überwies denn auch Landgraf Ludwig X. aus dem ihm von den Landständen beim Regierungsantritt ver- willigten Geschenk 10 000 Gulden zur Erbauung einer Entbindungsanstalt. Ganz vereinzelt steht 1699 die Anzeige Valentinis da: Pathologie init Demonstrationen an Leichen. Erwähnt sei noch, daß 1702—03 Tillenius Physiologie und Pathologie des Auges, 1707—08 über Natur und Wirkung der Lebensmittel, insbesondere des Brotes und der Hülsen- srüchte, anzeigte, Valentini 1718—19 Geschichte und Wirkung der Heilquellen, besonders der in Hessen, behandelte, und 1774 Baumer zum ersten Male über venerische Krankheiten 18. Februar 1719 wird die Behandlung erkrankter Studenten durch Studierende der Medizin als Eingriff in die Rechte der Profession der Chirurgen untersagt. 1730 versagt im Einverständnis mit dein Landgrafen die Fakultät trotz bestandener Prüfung und Druck der Dissertation einem Scharfrichterssohn die Promotion zum Doktor der Medizin. Im Sommer 1787 kündigte Baumer ein Kolleg über lateinischen Stil an, weil er bei den Examina und Kollegien eigentümliche Erfahrungen hatte machen müssen. Als 1727 die Jagdgerechtigkeit der Studenten beschränkt werden sollte, erschien tmi 28. März eine medizinische Dissertation über den Wert der Jagd Ar die Gesundheit der Studenten. Mit dem Beginn des neuen Jahrhunderts nimmt die Fakultät einen überraschenden Aufschwung. Zunächst erfolgte der Bau der Entbindungsanstalt hinter dem botanischen Garten (das jetzige physiologische Institut) in den Jahren 1809—13. Doch noch ehe der Bau seiner Bestimmung übergeben werden konnte, mußte er nach der Schlacht bei Leipzig als Lazarett für russische und preußische Soldaten dienen. Erst am 15. November 1814 wurde die Anstalt wirklich eröffnet. Da sie zugleich Landeshebammenschule war — int Herbst 1816 sand der erste Unterrichtskursus statt — so stand dem Direktor in der Verwaltung auch ein Deputierter der Regierung zur Seite, ein Verhältnis, das erst 1890 gelöst wurde. Ebenfalls in das Jahr 1809 fällt der Beginn wirklichen klinischen Unterrichts. Tie Studenten haben seit diesem Jahre unter Nebel nämlich Gelegenheit, sich im Militär- hospitali n der medizinischen und chirurgischen Praxis zu üben. Und im Zucht- und Stockhause werden zuzeiten Uebungen in der Geburtshilfe hyrgenommen. In dasselbe Jahr fällt die Erösfnung der Balserschen Klinik, wo täglich von 1 bijs 3 Uhr Sprechstunden unter Beisein deb Studenten abgehalten werden. 1816 wird diese Klinik, dje bis dahin reine Privatanstalt gewesen war, akademische Anstalt mit Gewährung eines Staatszuschusses. Ferner eröffnete Rügen 1824 im Bürgerspitale eine medizinisch-chirurgische Klinik. Diese zwar erfreulichen, aber doch noch sehr bescheidenen Anfänge erfuhren 1826 eins recht willkommene Wendung zum Besseren. In diesem Jahre wurde die kürzlich neugebaute Kaserne, da das Militär infolge seiner uufteundlichen Haltung den Studenten gegenüber am 14. Mai 1821 nach Worms verlegt worden war, der Universität überwiesen und für die Kliniken und Sammlungen umgebaut. Am 21. Mai 1832 wurde die neue Anstalt (die jetzige alte Klinik) eröffnet und zwar als medizinische, chirurgische und Augenklinik. 1834 wurde eine Poliklinik anaegliedbrt und 1836 gegen entsprechende Leistungen der Stadt das Bürgerhospital mit der Universitätsklinik vereinigt. (Schluß folgt.) Wie die deutschen und wie die amerikanischen Frauen ihre Männer behandeln. Eine Französin, die in fast allen größeren Ländern Europas und Amerikas gelebt, und die LandessitteN „mit klugen Augen" beobachtet hat, schildert im „Matin", wie bei den verschiedenen Nationen die Frauen ihre Männer behandeln. „Schlafrock und Kuchenbäckerei oder der deutsche Ehemann" ist Has erste Kapitel überschrieben; es lautet also: „In Berlin hatte ich in der Familie des Professors Bilse Pension genommen. Seine Nachkommenschaft war zahlreich, Kinder jeder Altersklasse und von jeder Staturstaffelförmig aufgestellt; man hatte sie immer zwischen den Beinen, wie das übrigens in allen deutschen Familien der Fall ist. Professor Bilse und seine Frau bildeten ein ideales Ehepaar- und ich muß sagen, daß alle Haushaltungen, die ich in Deutschland kennen gelernt habe, denselben Eindruck der Zufriedenheit und häuslichen Glückes machten. In Deutschland bewune beit nicht der Mann, sondern die Frau. Madame Bilse blickte zu Herrn Bilse wie zu einem Gott auf. Sie sagte zu mir: „Ach- Wenn Sie ihn an seinem Hochzeitstage gesehen hätten, meinen Emmerich, das Myrtensträußchen im Knopfloch, mit der weißen Halsbinde und den frisierten Haaren!" Sie nahte ihm heimlich einen Schlafrock zu Weihnachten nnd bereitete ihm Grog mit Kognak. Sie besserte seine Hemden aus. lind wenn er etwas angeheitert aus der Kneipe heimkehrte, machte sie ihm keine Borwürfe, sondern eine Tasse Kaffee, was nützlicher war. Frau Bilse hatte ferne Zeit zu lesen oder an geistige Dinge zu denken. Sie wurde von den überall herumwimmelnden Kindern und von den Haus- srauensorgen, die in ihren Augen die Bedeutung feierlicher Handlungen hatten, vollauf in Anspruch genommen.. Sn- M- schastigte sich mit der Bereitung von Eierkognak, Pflaumcn- kompott und Spargelkonserven. Ihr Leben floß in der Küche dahin. Bei Professor Bilse aß man vormiüags nachmittags aß man wieder und abends aß man erst recht. Wenn die Leu sionäre von einem Ausflug nach einem schön gelegenen Orte sprachen, sagte die Frau Professor: ,^va, dahin konnte man einmal geh n . . . Tort gibt es gutes Bier!" Sie fragte Mich manchmal nach den französischen Ehen undwar vernünftig aenua die Pariserinnen nicht zu beneiden. Kopfschüttelnd fragte sie ob es wahr sei, daß bei uns die Matratzen mit Pflanzenfasern gestopft seien, und daß man Federbetten Nicht kenne, das war es, was sie an unserem Eheleben hauptsächlich inte- rcsiierte' Und sie bedauerte die Franzöfinuen bei dem Gedanken daß in Frankreich die „Versprechungen , die Verlobungen und die Jahrestage der Hochzeiten nicht besonders gefeiert werden; es gibt dort also — was sie gar nicht fassen konnte — so wenig Gelegenheiten, in Rührung zu machen und . .^. Kuchen 572 zu backen, was bei den deutschen Hansftauen aus etitS hinausläuft. In der blauen Küchenschürze war Frau Bilse nicht ganz ohne Reiz. In großer Toilette, mit dem spitzen Tirolerhut, der ivte ent Würfelbecher aussah, und mit bent. kurzen, grünlichen Rock, der den Bauch hervortreten ließ, verlor sie viel von ihrem Zauber. Professor Bilse aber merkte das alles nicht. Ich glaube übrigens, daß er nie daran gedacht hat, seine Frau richtig anzusehen. Sie aber sah ihren Mann immer an, sie betrachtete ihn sogar,. während er friedlich seine Pfeife rauchte, mit zärtlichem Gesichtsausdruck. lind ihre Blicke zeigten mir ihre ganze Seele. Ich kam zu dem Schluß, daß — alles in allem — das Glück der deutschen Frau beneidenswert sei: ihr Haushalt ist ihr Königreich — und ihr Gatte sorgt für reichlichen Nachwuchs. Ich habe mich immer gefragt, was eine Frau noch mehr wünschen kann." Nun, als Gegenstück dazu die amerikanische Ehe. Ich hatte geglaubt," so schreibt die boshafte Französin, „daß die Sklaverei abgeschafft sei: in Newhork habe ich entdeckt, daß es damit nichts ist. Es gibt noch Heloten: das sind die amerikanischen Ehemänner. In frühester Jugend schon lernen sie ihr hartes Metier, indem sie zuerst ihren Schwestern als Marterholz dienen. Der amerik. Boy muß allen Launen der kleinen Mädchen nachgebcn. Denn dte Frau in Amerika ist eine schreckliche Despotin und ist in den Vereinigteit Staaten an die Stelle der steinernen ober hölzernen Götzenbilder getreten, denen die Rothänte ihre Menschenopfer darbrachten. Für die Amerikanerin ist der Mann eine Geldverdienmaschine. Eine andere Daseinsberechtigung hat er nicht; ihre Sache dagegen ist eS, das Geld anszngeben. Man frage nur ein junges Mädchen, das mit einem braven Jungen in bescheidener Vermögenslage verlobt ist, wie es irgend einen Feiertag! mit seinem Liebsten verbracht hat: sie wird triumphierend antworten: „Er hat für mich soviel Geld ausgegeben!" Ein Vergnügen, das nicht teuer ist, ist für die Amerikanerin niemals ein Vergnügen. , Und wenn der arme Teufel auch an einem einzigen Tage fein ganzes Monatsgehalt draufgehen lassen mußte, ihr macht das keinen Kummer! Ist er verheiratet, so geht dieser unglückliche Mann schon am frühen Morgen in die Bank ober ins Geschäft. Während des ganzen Tages nimmt er sich kaum Seit, in der nächstgelegenen Var im Stehen ein Glas Milch zu trinken: feine Seit gehört dem Idol, und er hat fein Recht, auch nur ein Teilchen davon für seine persönlichen Bedürfnisse zu vergeuden. Abends kehrt dieser Gatte abgemattet und abgetrieben heim, d. h. fast immer in ein „boardiug-house", denn er hat nicht einmal einen eigenen Herd, da die Amerikanerin sich die Mühe, einen eigenen Haushalt zu führen, sparen will. Und seine Frau stellt ihm, zu seiner Erholung, „the com- bination" latus Seide ober schwarzer Wolle, worin unter einer Falbelrobe für 200 Dollars ihre ganze Unterwäsche besteht, in einem Waschbecken vor die Nase, auf daß er sie wasche, während sie selbst im Schaukelstuhl liegt und Ronmne liest. Das schlimmste ist, daß die Amerikanerinnen ihre Gatten, die sie zu Sklaven gemacht. haben, verachten — eben weil sie Sklaven sind. Sie werfen ihnen vor, daß sie nur für das Materielle zu haben feien, und dabei find sie selbst es, die die Männer zum Materialismus erziehen. Die reichen Erbinnen heiraten nur Männer, „wie sie in den französischen Romanen vorkommen", und machen dann an sich selbst die Erfahrung, was es Heißt, schlecht behandelt zu werden. . ." Vermischtes. * Studenten ulke in früherer Zeit. Ein origineller Spruch aus dem Jahre 1628 charakterisiert die Studenten verschiedener Universitäten folgendermaßen: „Vitebergenses Biersauf- fer, Jngolstadiens Balger, Erphordienfes Lauttenschlager, Heidel- bergenses Fechter, Lipsenses Vrcttspieler, Viennenses Sänger, Francofurdenses Pfeiffer, Colonienses Weinsauffer, Jenenses Ball- schläger, Marpurgenses fleißige Studenten." Aus dem Ende des 16. Jahrhunderts stammt das mehrere Hochschulen gleichfalls treffend bezeichnende Wort: „Von Jen vnd Leipzig ohne Weib, Von Wittenberg mit gefunbem Leib, Von Heimstatt ungeschlagen Weiß wol von Glück zu sagen." Die in ber zweiten Verszeile angegebene Warnung bezieht sich auf ein Wälbchen in ber Nähe von Wittenberg, ben sogen. „Spekt", in dem Jüngerinnen der Venus vulgivaga ihr Unwesen trieben. Luther sah sich Hierdurch veranlaßt, am 13. Mai 1543 eine scharfe „Ernste Vermahn- und Warnschrift an die Studenten zu Wittenberg" an die Tür der Schloßkirche anzuschlagen und hierin die leichtfertigen Studiosen auf die Gefahren des Umganges mit den „franzöfischten, gifftigen Dirnen" hinzuweifen. — In der „Buckeliade", einem jetzt sehr fetten gewordenen Epos aus dem Erlanger Studentenleben ber zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts, wird von einem recht appetitlichen Brauch erzählt, der u. a. bet Gelegenheit des Kirchweihfestes im Fleischmannshaine bet Erlangen üblich war: Wer kannte nicht die schmacklichen Bratwürste, die man vor Zeiten für einen Pfennig durchs Maul ztehen (!!), für einen Kreuzer aber sogar essen durfte? Heutigentags würde wohl nicht nur die gestrenge Polizei ein Veto gegen eine derartige „Harmlosigkeit" einlegen. — Welchen Vergnügungen int 18. Jahrhundert die Gießener Studentenschaft sich hingab, erzählt uns Magister L a u k h a r d u. a. int 1. Bande feiner Selbstbiographie „Leben und Schicksale". Besonders beliebt war „Tas garstige ober wüste Gesicht", über welches wir auf Seite 217 des zitierten Buches folgendes lesen: „Tas garstige oder wüste Gesicht war eine Larve von scheußlichem Aussehen,- welche an einem Bündel ziisammengerollter Lappen auf einer hohen Stange befestigt ward. Tiefe Larve nahm ein Student —■ ich selbst habe eine dergleichen gehabt •— trat des Abends spät vor ein Hans, lu'o die Leute, wie's in Gießen sehr gewöhnlich! ist, wegen ber Feuchtigkeit, im zweiten Stock logierten, und klingelte ober klopfte. Kam nun jemand ans Fenster, um zn sehen, wer da wäre, so hielt man ihm das wüste Gesicht Oor,- worüber dann die guten Leute zti Tode erschraken. Wir gou- bierten uns ober baß darüber." Wie entschulbigeub setzt Lank- Hard seiner Beschreibung hinzu: „Schusterjungen sind heute delikater und gesetzter." — August Jäger, genannt von Schlumb, der ungenannte Verfasser des kuriosen Romans „Felir Schnabels Universitätsjahre", eines jetzt sehr schwer zu erlangenden Buches aus dem Jahre 1835, unterrichtet auf S. 314 über das fegen. „Gosseurecht", welches damals in Göttingen, iinaufgeschrieben, bestand: „Tas Gossenrecht ist ein uraltes Herkommen, welches von den Studierenden auf das Genaueste beobachtet wird, und dessen Verletzung jedesmal ein Duell nach sich zieht. Vermöge desselben , kann Derjenige, welcher auf den Trottoirs — alle Straßen in Leinathen haben bereit, einige Nebengassen, wie klein Paris nsw. ausgenommen — die Gosse zu feiner Linken hat, verlangen, daß die Begegnenden ihm answeichen. Auch auf zwei nebeneinander Wandelnde erstreckt sich dieses Vorrecht, ein Dritter muß seiner Seits Platz machen. Hieran gewöhnt man sich so, daß mau oft außerhalb ber Stadt durch die fast unwillkürliche Behauptung des Gossenrechts in Colliswnen verwickelt wird." * A u s K a r l ch e u M i e ß n i ck s A u f f a tz h c ft. Der Sport.- Es gibt viele Spörbte, am häufigsten is ber Möbeltransport)^ aber nur in ber Zihzeit, sonst ist dos Automobihl betibter; weil alles beileibe hupt, wenn ein Auto tutet. Es gibt auch Rad- Straßengrabcn und Polizeiligen Strahfversühgungen, indem sie zu schncl faren un nicht getutet hoben, was Hupe genannt wird, weil aller beiseide hupt, wenn ein Auto tutet. Es gibt auch Rad- farspordt, der is billicher aber nich fein, indem dos doch bie Radfarer sogahr bie Lasst pumpen missen. Die Farreder fin vernickelt, mein grohser Bruder aber Hot seins versilberd und nu is er radlos. Zum Nuhdersport gehört Wasser un ein Par tüchtige Arme. Wenn si ruhdern, baß sie Treuen schwitzen fin si im Trening un dann faren fi Rehgatte, wo sie sich Preihse holen, mannigmal auch blos ’n Schnuppen. Ein schöhner Spordt is auch der Kletersport, wenn man nicht abstürzt, was aber auch nichts tut, weil man ba gleich tobt is ober wenichstens halb.; Die Kleterer haben Eispickel, aber nich ins Gesicht, sondern blohs in der Hand, indem daß sie Stuhfen damit hakken. Sie werden von Fürern an kurtzer Seine geführt, aber kenn eine Alwine kommt, fin fi futsch. Ter Turnspordt is sehr gefunt, habet kann nichts baffieren, darum rufen fi auch egal gut heil, indem es gut gegangen is, und sie heil geblieben fin. Tie Turner fin immer sehr luftig un haben 4 f in einem Gürtel, d. h. fergnügt, for- sichtig, follkommen und figilant. Sie ferloben sich auch manchmal un das nennen sie Freiübungen. Auserdem gibt es noch Fuß- ballspordt, wo sie Belle svumschleudern, un wie ferrickt laufen. Mannigmal sitzen sie auch -auf Ferden, dann is aber in Brasilien un heißt Polo. Ter Reitspordt is auch sehr beliebd,. sbeziell beis Rennen, ivo aber mancher sich tobt stürtzt, weshalb sie gleich einen Todtalisator hort haben. Am Anfang, das Heist ehs losgeht, starrt alles auf die Ferde, weßhalb man von Starrt spricht; wer zuerst hinkommt, hat gewonnen un kricht Geld. Es gibt auch noch einen Ansichtskartenspordt, aber Vater sacht, das toere kein Sport, das toere grohber Uufuch, womit das ich schliehse, * Also deshalb! A.: „Wie sind Sie dazu gekommen,- Vegetarianer zu werden?" — V.: „Ich war ein Jahr Gehilfe in einer Wurstfobrik." * Amerikanischer Humor. Des Rätsels Lösung. . Ein Frauenklub hatte einen Preis für dasjenige seiner Mitglieder ausgeschrieben, das die Aufgabe: „Wie mache ich meinen Mann am glücklichsten", in der kürzesten und erschöpfendsten Form lösen würde. Alle beteiligten sich mit Eifer an der Lösung, und während die eine das Problem von der poetischen Seite ausfaßte, nahm es die andere mehr von der religiösen. Ten Preis erhielt jedoch eine alte Jungfer, bereit ganzer Essay aus den bret Worten bestand: „Füttere das Viech!" Scherzrätsel. Nimm eine Heilste vom Ei, ein Viertel der saueren Gurke, Sind) uom Radieschen ein Stück, siehe, nun hast du ein — Weib. Auflösung in nächster Nummer. OrbMsHKr P« Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Büch- imb Stemdrnckerri, R. Lange, Gießen.