SM Ol 9Sä WWW 1907 - M. 31 Montag den 25. Aeßruar MeMMnilienbl M JatechüldmzÄaUMtGirßmrrAnMrKMUl-An;eiM Menschenleöen, die lügen. Roman von H. Ehrhardt, Veriasserin von „Mittellose Mädchen' Nachdruck Verbote«. (Fortsetzung.) -„Fühlst du Schmerzen, mein Lieb? Nein? Es wird nichts sein, du wirst nur erschrocken sein. Der Arzt wird wohl gleich kommen. Hanna! Süßes! nicht wahr, du fühlst dich nicht schlecht?" Er redete in heißer Angst ans sie ein, dabei bemüht, mit einem groben Hmrdtuch das rieselnde Blut an der Schläfe zu stillen. Hanna sah ihn an, ein eigentümlich mitleidig-zärtlicher Blick. „Ich fühle das Ende!" sagte sie angestrengt, „es ist auch gut so, ich hab' mir's gewünscht, es mußte so komme« Zu was noch weiter leben, wenn du fortgehst, zu was dann noch das ewige Lügen?" „Hanna! Du machst mich rasend, du darfst nicht von Sterben reden. Ich will ja bleiben, wenn du es willst." Sie lächelte, ihr altes, zärtliches bestrickendes Lächeln. „Küsse mich, ehe die Frau wieder kommt!" gebot sie. Er neigte sich zu ihr. Ihre blassen Lippen sogen sich fest an seinem heißen zuckenden Munde. Dann sank sie erschöpft zurück. Ihre Züge waren fahl, ihre verschleierten Augen blau umschattet. „Ich habe dich über alles geliebt —. Joachim, du weißt nicht wie sehr", flüsterte sie, „alles andere war Lüge, Lüge — mein ganzes Leben eine einzige Lüge". Sie atmete rasch und schnell. „Schwöre mir!" fuhr sie angstvoll fort, „daß du leben willst — ich kenne dich, ich weiß, du wirst dich töte« wollen — tu's nicht, bringe nicht Schande über mein Grab. Schwöre mir's." Joachim biß die Lippen zusammen. „Ich kann nicht!" stöhnte er. „Schwöre!" gebot sie feierlich, „rasch!' Ihr flehender Blick hatte die alte Macht über ihn. „Ich schwöre!" sagte er heiser. D ann warf er sich ln keiden- schaftlichem Schmerz neben ihr nieder. „Geh' nicht!" schrie er auf. „Hanna, Liebste — du mein einziges Glück." Ein seliges triumphierendes Leuchten breitete sich über ihr schönes Gesicht. „Dein Glück!" — wiederholte sie. Es waren ihre letzten Worte. Dann lüntfing sie erneut tiefe Bewustlosigkeit. Als wenige Minuten später der Landrat mit dem alten Sanitätsrat Reimann angefahren kam, stand der Freiherr von Tressenberg starren Antlitzes vor der Tür des Bauernhauses und neigte das Haupt vor dem Manne, dem er sein teuerstes Gut nicht hatte schützen können. Der Landrat vernrochte ihn nicht anzusehen, er stürzte an ihm vorüber in die Stube hinein, deren Tür der diensteiftige Bauer rasch öffnete, der alte Arzt folgte ihm. Jo- Franz, der vom Waldrande drüben die beiden Reitpferds geholt hatte, hielt sich laut schluchzend im Hintergründe. Nun fuhr in raschem Trabe ein Krankenwagen heran, dem eine barmherzige Schwester und ein Wärter entstiegen. Zu gleicher Zeit traten die beiden Herren über die Schwelle. Der Landrat ging gebückt wie ein alter Mann. Als er die zierliche Rappstutc bemerkte, deckte er die Hand über die Augen, „Fahren Sie mit mir, Baron!" winkte er dem jungen Osfi- zier. „Franz mag die Pferde nach Hause bringen." Tressenberg kam, sich ftmrnn verneigend, heran. Der Landrat stützte sich, nach Halt suchend, auf seinen Arni, da man die leblose Gestalt seiner Frau an ihnen vorüber in den Krankenwagen trug. Der Arzt stieg zu chr ein. Langsam fuhren sie davon. Die beiden Herren folgten, sie bald überholend. Es galt ja rasch in die Stadt zurückzukehren, um in der Wohnung alle nötigen Vorkehrungen für die Ankunft der Schwerverletzten zu treffen. Tressenberg saß da wie vernichtet und starrte durch das Fenster des eleganten kleinen Coupes. Es war dasselbe, in dem er damals mit Hanna gefahren, als sie von Hartptmann von Posecks Sterbebette kam. Ein heimlicl)er, sinnverwirrender Geruch von white rose, Hannas Parfüm, webte durch den engen Raum. Aufreizend eintönig klang das Rollen der Räder. Im Westen sank die Sonne wie ein feuriger, strahlender Ball, von goldenem Dunst umgeben. „Erzählen Sie, wie es kam!" brach der Landrat das dumpf lastende Schweigen. Und Joachim erzählte, was er erzählen durfte. Als er seinen kurzen Bericht geschlossen, stürzten dem unglücklichen Gatten die Hellen Tränen über die bräunlichen Wangen. Seine zuckenden Lippen vermochten kein Wort zu sprechen. Es blieb still zwischen ihnen, bis der Wagen vor dem Ständehause hielt. Ein fester Druck vereinte die Hände der beiden Männer. Joachim dachte einen Moment daran, daß er den ganz gebrochenen Landrat vielleicht nicht verlassen dürfte, bis die Verunglückte augelangt war, aber er war nicht imstande, sich länger aufrecht zu halten. Er war froh, daß er nun nach Hause fahren konnte. Wie ein Verzweifelnder wühlte er den Kopf in die duftenden Seidenpolstcr und weinte laut auf. In seinem Zimmer schloß er sich ein und ging dort die ganze Nacht ruhelos auf und ab ohne einen Bissen genossen zu haben, wie er zurückgekommen war, in der bestaubten Uniform mit den schrecklichen dunklen Flecken am linken Aermel seines Attilas. Draußen leuchteten die Sterne auf, enter nach dein anderen. Die unnatürliche Wärme des Herbsttages drängte durch die Nacht Nur wenig abgekühlt nach oben und führte den modrigen Hauch welkender Blumen mit sich. Eine dumpfe, beklemmende Ruhe lag in dem Atem dieser Nacht. Am Rande des dunkel umzogenen Horizont zuckten die gelben Blitze eines Herbstgewitters. Es donnerte ganz leise. In der Kaserne des Hufaren- Regiments bliesen die Trompeter die abendliche Reveille. Die feierlichen Klänge drangen durch das weit geöff- «chim blieb mit dem bäuerlichen.Ehepaar draußen vor der Tür. getragene« 123 #ete Fenster auch ftt das Zimmer, in dem Hanna Gerhardt ans spitzenüberrieselten Kissen richte. Vielleicht, daß chre Ohren doch die wohlbekannten Töne noch anfnahmen — sie wurde plötzlich unruhig und warf den Kopf hin und her. Die barmherzige Schwester, welche »eben dem Bett saß, neigte sich über sie und befühlte ihr Handgelenk. Ihre steife Haube raschelte leise. In einer Zimmerecke brütete der Landrat dumpf vor sich hin. Der Arzt war gegangen, sich eine Morphiumlösung zu verschaffen, falls die Kranke, welche eine schwere innere Zerreißung erlitten, arge Schmerzen haben sollte, was aber nicht anzunehmen war. Menschlichem Ermessen nach war die tiefe Bewußtlosigkeit ein langsamer Uebergang in eine noch tiefere, ans der es kein Erwachen mehr gibt. Der letzte Ton des Abendgebets war verhallt. Aus der Tiefe des Gartens führte die Nachtluft süßen feinen Resedaduft in das dämmerige Krankenzimmer. Es blitzte und donnerte jetzt seltener. Hastig und unaufhaltsam tickte die kleine kostbare Uhr auf dem Nachttisch. Sie übertönte die immer schwächer werdenden Atemzüge der jungen Frau. Sie lag jetzt ganz ruhig, im unsicheren Licht der Nachtlampe anzusehen wie ein wunderschönes Marmorbild. Die rotgoldenen Haarwellen umrahmten dunkel ihr blasses Gesicht, verdeckten die schmale weiße Binde über der Stirn und fiele» über die schneeigen Kissen bis zunr Fußboden nieder. An der schlaff über den Bettrand hängenden Rechten blinkte der Trauring. Der Arzt war längst wieder eingetreten, hatte flüsternd ein paar Worte mit dem vor Schmerz halb wahnsinnigen Landrat gewechselt, worauf dieser den Platz der Schwester einnahm, die sich neben dem Arzt am Fußende des Bettes niederließ. So durchwachten sie schweigend die lange Nacht. Als fahl und blei- .färben der erste Schein des neuen Tages durch die Fenster däm- plerte, starb Hanna Gerhardt. iX. Das Begräbnis der jungen, allseitig beliebten Landrätin gestaltete sich zu einer wahrhaft imposanten Kundgebung. Die ganze Stadt trauerte tief und aufrichtig. Die Kaufleute hatten in den Straßen, die der unabsehbare Leichenzug auf dem Weg zur Kirche und zum Friedhof.passierte, ihre Läden geschlossen. Alle drei Regimenter hatten ihre Musikkapellen gesandt, die abwechselnd Trauermärsche spielten. Hinter dem Leichenwagen mit dem unter Kränzen verschwindenden Sarge schritt der völlig gebrochene Landrat, von Ernst Kronau geführt. Adele fuhr mit Marga von Tressenberg und der alten Frau von Poseck, die cs sich trotz ihrer Hinfälligkeit nicht hatte nehmen lasten, ihrem Liebling das letzte Geleit zu geben. s „Warum hat Gott mich nicht sterben lassen statt ihrer? Ich ginge so gern zu meinem Walter!" wiederholte sie in hundert Variationen, ohne sich recht bewußt zu sein, daß ihr die Schwester des Mannes gegenübersaß, der ihr den einzigen getötet. Wie Dolchspitzen drangen ihre Worte in Margas wundes Herz, zweifache Qual darin weckend. Das war nun seine Mutter und sie konnte ihr nicht nm den Hals fallen und sagen: „Wie ich mit dir traure und weine, Mütterchen, denn dein Walter hat mich lieb gehabt und ich liebte ihn wieder". Sie blieb wie versteinert. Sie saß in der Kirche und konnte nicht beten. Der ergreifende Gesang des Liedervereins: „Ruhe sanft, schlaf wohl!" bei den: ein lautes Schluchzen durch die Kirche ging und selbst die weißbekleideten Hände der Offiziere verstohlen nach den Augen fuhren, ging eindruckslos an ihr vorüber. Sie merkte auch gar nicht, daß auf dem Kirchhof Joachim ihren Arm nahm, um sie bis zu der Gruft zu führen, in der Hannas sterbliche Hülle beigesetzt werden sollte, bis der Landrat ihr eine würdige Ruhestätte erbaut haben würde. Als Joachim so dastand und in die modrig riechende kalte Tiefe schaute, die fortan sein Glück bergen würde, überfiel ihn eine physstche Uebelkeit und leichenblaß zog er sich in die Reihen seiner Kameraden zurück. Rote Flecken tanzten vor seinen Augen. Er hielt sich mit Mühe auf den Füßen, Undeutlich sah er ein großes Etwas von verschwommenen Gestalten gehalten über der offenen Gruft schweben, sah ein Chaos von Grün, toeißen Blüten, schwankenden Palmzweigen und flatternden Bändern, das sich langsam senkte — verschwand. Ein Aufschrei zitterte durch die Kirchhofsstille. , Er kam aus Margas Munde. Das Mädchen machte eine Bewegung nach vorn, als wolle sie deut entschwundenen Sarge Nachstürzen, dann taumelte sie zur Seite und wäre auf die Erde gesunken, hätte der Rittmeister sie nicht stützend umfangen. Mit sanft ; Gewalt führte er die halb Ohnmächtige durch die Men- scheniuiilge, die sich scheu vor ihnen auftat. Joachim schenkte her Schwester fmim einen Blick, ganz flüchtig dachte er an die Neigung des älteren Mannes zu Margit, tarn der Hamm ihm einst gesprochen und an die Konsequenzen, die dieses Zusammentreffen nach sich ziehen konnte, aber im Moment hätte keine Macht der Erde ihn von dem Plage entfernen können, an der die so heiß geliebte Frau soeben hinabgesenkt worden war. Ihm schiens, als sei sie ihm noch körperlich nahe, so lange die steinerne Gruft- platte! sich noch nicht über ihrem Sarge geschlossen hatte. (Fortsetzung folgt.) Aas Medizinstudium der Ira«. Bei dem tiefgehenden Interesse, das die Entwicklung deS Frauenstudiums in weiten Kreisen findet, und gleichzeitig zur Information für die weiblichen Medizinstudierenden hat Professor I. Schwalbe es unternommen, den augenblicklichen Stand der Zulassungsfrage an den einzelnen deutschen Universitäten durch eine Umfrage klarzustellen. In Preußen werde» die Frauen im allgemeinen nur als Hospitantinnen zum Studium zugelassen, also nicht immatrikuliert. Mit Bezug tauf die Erlaubnis zur Teilnahme an Vorlesungen, Kursen usw. verhalten sich die medizinischen Fakultäten der »leisten preußischen Universitäten zurzeit grundsätzlich entgegenkommend, insofern als sämtliche Lehrer den Frauen ohne weiteres Gesuch den Zutritt zu ihren Vorlesungen xestatten. Ausnahmen werden nur in Kölligsberg gemacht, wo die anatomischen Vorlesullgeir für männliche und weibliche Zuhörer getrennt stattzufinden haben, in Kiel, wo das Fach de>r Frauenkrankheiten den Studentinnen ganz versagt ist, in Halle, wo die Zulassung von der Erlaubnis der einzelnen Lehrer abhängt — die allerdings regelmäßig erteilt wird, und in Göttingen, wo nur die Vorlesungen bis zum Physikum, der ärztlichen Vorprüfung, frei gegeben sind. I» Berlin verhalten sich verschiedene Dozenten gänzlich ablehnend, u. a. Professor v. Bergmann (Chirurgie), Orth (Pathologische Anatomie), Professor Waldeyer (Anatomie) re. Zugelassen werden die Frauen nur nach Einholung einer schriftlichen Erlaubnis von zahlreichen Professoren und Privatdozenten, welche die verschiedensten Fächer vertreten. Darunter befindet sich auch dir Z>ahnheilkunde und Frauenheilkunde. In Bayern welchen die Frauen a» den Universitäten in München, Würzburg und Erlangen immatrikuliert und haben alle Rechte der immatrikulierten männlichen Studenten. Als Hörerinnen werden reichsangehörige Frauen zum Studium der Medizin und der Zahnheilkunde nicht mehr zugelasseu; wenn also die für die Immatrikulation verlangte — bekannte — Vorbildung fehlt, können reichsangehörige Frauen an den bayerischen Universitäten Medizin überhaupt nicht studieren. Auslärrdische Frauen werden zum Studium in der medizinischen Fakultät als Hörerinnen zugelassen, wenn sie nach dem Ermessen des Rektorats und des Ministeriums ein dem deutschen Gymnasial-Absolutorium gleichlvertiges Reifezeugnis besitzen; die Dozenten pflegen dan» prinzipiell die Zustimmung zum Vorlesungsbesuch zu erteilen. In Sachsen liegen die Bestimmungen ähnlich wie in Bayern, ebenso in Württemberg. Baden gestattet gleichfalls die Immatrikulation. In R o st o ck werden die Frauen nur als Hörerinnen zugelassen. Eine besondere Erlaubnis verlangen die Dozenten nicht. In Gießen dürfen die Frauen nur als Hospitantinnen studieren; doch sind ihnen hier Anatomie und Physiologie versagt. Jena schließt die Frauen allenthalben aus, und die reichs-ländische Alma matev Straßburg hat die gleichen Bestimmungen wie Preußen. Die Universitätslehrer lassen die Frauen dort ohne weiteres an den Vorlesungen teilnehmen. Wie aus der vorstehenden Uebersicht hervorgeht,. haben drÄ Frauen in ihrem Bestreben, sich das Recht zum Medizinstudiunt auf den deutschen Universitäten zu erwerben, schon einen großen Erfolg zu überzeichnen. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, datz ihnen auch in denjenigen Staaten, in denen sie vorläufig nur als Hospitantinnen der Medizin geduldet werden, die Befugnis zur Immatrikulation gewährt wird. Die Zahl der Frauen, die bisher von ihrem Recht Gebrauch gemacht haben, ist nicht groß, die einst gehegte Befürchtung durch Aerzte, daß ihnen seitens der Frauen eine wesentliche Konkurrenz erwachsen könnte, hat sich bisher nicht verwirklicht nnd wird auch wohl noch geraume Zeit gegenstandslos bleiben. Nach den von den UniversitätssekretariateN gemachten Angaben find mt sämtlichen deutschen Universitäten im Wintersemester 1906-7 300 weibliche Medizinstudierende eingeschrieben, und zwar in Berlin 95, Bonn 4, Breslau 13, Erlangen 1, Freiburg 27, Gießen 2, Göttingen 11, Greifswald 1, Halle 10, Heidelberg 25, Königsbeitz 10, Leipzig 12, Marburg 7, Mirnchen 43, Straßburg 31, Tübingen 2, Würzburg 6. Von den gesamten Medizinstudierenden der deutschen Universitäten im Wni- tersemester 1906-7, 7219, bilven also die weiblichen einen Bruchteil von rund 4 v. H. Zieht man dabei in Erwägung, daß unter ihnen eine nicht geringe Zahl Ausländerinnen sich befindet, die in Deutschland nicht bleiben, so ist ein nennenswerter Zuwac!^ zu den etwa 50 in Deutschland approbierter praktizierenden Aerz- tinnen einstweilen nicht zu erwarten. „PrinzipieU sink/' — 1® schreibt Professor Schwalbe — „die Gegner des FrauenstudnmiÄ mehr und mehr znrückgegangen. Das Bedürfnis und die ist» rechtignng mancher Frauen zu einer beruflichen Betätigung kann nicht geleugnet ioerdeu. Die Frage, wie weit dir studierendes 123 Dis Modefarbe» der Zigarren. Von einem seit lausen Jahren in der Branche stehenden Fachmanne wird folgendes geschrieben: Seit einer langen Reihe von Jahren hat. so unglaublich es klingt, auch die Zigarren-, brauche ihre Mode — zum Leide der Fabrikanten und Händler und gewiß nicht zum Vorteile der Rancher. Daß man moderne und neue Fassons auf den Murkt bringt, ist recht Wohl zu begreifen; der eine Raucher liebt die Zigarre groß, der andere klein, der eine will sie schlank, der andere dick nsw. Die Fabrikanten sind eifrig bemüht, stets mit neuen Fassons heranszukommen, um jedem Raucher seine Lieblingsform in Zigarren liefern zu Wunen. Allerdings hat die Sucht, immer wieder neue Zigarren-, Eine Bauernhochzeit im Elsaß. Gelegentlich einer tollsaftigen Bauern-Doppelhochzeit, welche neulich in der elsäss. Gemeinde Durbach stattfand, hatte ein Freund von Volkstum und ländlicher Poesie reichlich Gelegenheit, seine Beobachtmrgen zu machten. Man vernehme, wie der „Durbachxr Bur" in den Stand der Ehe eintritt. Am Vorabend des Hochzeitstages wird bei Bräutigam und Braut der „Dschäppelhirsch" abgehialten,. eine Art Polterabend, eingeleitet mit Böllerschüssen, verherrlicht durch mächtige Platten Schinken und sonstiges „Schweinernes", befeuchtet durch den Göwr- trank, heu „Durbächcr Wann". An diesem Schmaus nehnien meistens ledige Burschen und ledige Mädel teil, er ist als eine Art Abschied atufzufassen, den Bräutigam und Braut den ledigen Altersgenossen, Schulfreunden und Kameraden spenden. In der Frühe des festlichen Tages krachts wieder von allen Bergen. Die Dorfmusikanten begeben sich zum Hause der Braut und erhalten dort von den Gespielinnen rotseidene Bändel um die Instrumente getvunden, den Strauß ins Knopfloch und den Ros- Marinzweig in die Hand. Es ordnet sich der Zug; jung und alt trägt den Rosmarin. Voraus schreitet die Musik; eS folgen die jugendlichen Verwandten und Bekannten, endlich die Braut und „'s Gfpiel". Unterwegs trifft der Bräutigcm („ohni Mußt"), geleitet von den zwei „Ehrenvätern" (Trauzeugen) ein und schließt sich an. Der Bolksmund sagt: ^Jetzt läuft er ihr 's letztmal nach." Die Stärkung in der Frühe wird „Morgensuppe" genannt. Es kommen wieder die Teilnehmer tont Abendschmaus und noch andere und sprechen der in den Hochzcitshäusern gereichten Suppe, dem Rindfleisch mit Meerrettich und dem „Winn" tüchtig zu. Nach der bürgerlichen Trauung folgt sofort die kirchliche; nach Beendigung des Hvchzeitsämtes geht das Paar in die Sakristei und bittet den Ortspfarrer freundlichst zur weltlichen Hochzeitsfeier, gleichzeitig wird ihm ein Rosmarinzweig überreicht. 9hm gehts „in Ritter". Slolzen Schrittes marschiert jetzt „er" geleitet ton den Ehrenvätern, vor der jungen Frau, „sie" wird ton den zwei Gespielinnen geleitet. Im „Ritterhof" erscheint mit Zahlendem Atrgesicht der „Herr Gasthof" arnd spendet unter Worten der Beglückwünschung den Ehrentrunk, besten alten Roten. «Samt ^gibt HchMeHoMeitsgesellschaft sofort in -en Tanzsaal. Das Paar und die Ehrenväter sowie „S Äspiel" tanzen drei Ehren- tänze. Hierauf werden den Gästen ton dem Paare und den Eltern ihre Plätze an der Tafel angewiesen, was ziemlich Zeit in Ait- spruch nimmt, da bei einer großen Hochzeit nicht selten 120 und mehr Gedecke bestellt sind. Am Ehrenplatz sitzt das junge Paar, vor ihm steht als Geschenk der Wirtsleute eine Prachttorte (oft in schelmischer Weise mit Zuckerkindcheu und Inschrift verziert) und ein schönes Glas, über und über mit Blumengewinden bedeckt. Es ist dies das Glas, welches die Braut den zur Beglückwünschung herbeigekommenen Gästen „zubringt". Immer und immer wird es gefüllt und „schnurrbärtige" wie „Rosenlippen" nippen unaufhörlich an diesem Brautglase; die Braut selbst benutzt ein besonderes Kelch- -glas. Abends wird die Torte und das Brautglas vom Paare mit heimgenommen, oder man schickt ihm die Sachen in seine Behausung. Die Tischkarte bei einer Durbacher Bauernhochzeit ist kräftig uitd reichlich. Von neunwdischen Schleckereien, von Fischen mit den „Kaiben-Gräten" nnb dem Geflügel „wo man sich hungrig dran ißt" oder gar von fremdländischer „Kaibewar" ist der Schwarzwälder im allgemeinen kein Freund. Gegessen wird um 1 Uhr eine Suppe, danit Rindfleisch mit Beilagen und Cottfleisch (Sülz) abgeschmelzt. (Pause, Tanz.) Um 4 Uhr gefüllten Schweinebraten und Bratwürstle mit Sauerkraut. (Pause, Tanz.) Um 6 Uhr: Gebeiztes („Beiz'z") d. h. Sauerbraten in brauner Sauce und eingenrachtes Kalbfleisch und breite Nudeln. (Pause, Tanz.) Um 8 Uhr: Kalbsbraten und Kotelette mit Salat. Hierauf folgt das Dessert (Torten, Gugelhupf, aber kein Obst). Wer will, kann zur Verdauung sich noch einen Kaffee genehmigen. Getrnitken wird als Hochzeitswein dazu ein guter, alter Weißherbst; aber auch die Klingelberger und Clevner des Ritterwirts bleiben nicht unberührt. Der Durbacher Bauer zieht diese gewohnten und bewährten Markert dem „Schampes", der so sündhaft teuer ist nmd zu süß für einen ehrlichen Winzermagen, entschieden vor. Bon Tischreden mag man bei ländlichen Hochzeitsfeiern nichts wissen; man ißt uitd trinkt brav, unterhält sich im privaten Gespräch, schwingt das Tanzbein tmd macht seine Scherze. Gegen Abend wird das Gedränge oft lebensgefährlich. Es treffen jetzt die Geschäftsleute aus Dorf und Stadt ein, dem Hochzeitspaar zu Ehren und dem Gastwirt zu Liebe. Die Einladung der nächsten Verwandten und Bekannten zur Hochzeit geschieht durch das Paar selbst, während die andern gewöhnlich durch junge „Ledige" geladen werden, häufig mit dem Spruche: Ihr sinn au höflig iglade Zu der Hochzeit von N. N. und N. N. Am nüni isch d'Kirch, No gähts in „Ritter" (oder sonst ein Gasthaus , Wo mr Euch ufwart Nach Freud un Beliebe. — Kumme aber au!!! Mr itolle Euch au diene. Sei 's in Freud oder Leid; Lieber üt Freud als in Leid. Doch zurück zur Feier. Es ist mittlerweile 8-2 Uhr geworden, der vierte Gatig ist in „Bearbeitung". Da schleicht flink und heün- lich ein lediger Bursche unter der Tafel zur Braut hin, und,— schwupp! — hat er ihr einen Schuh abgestreift, mit dem er sich dann, begleitet von Gelächter und Beifallklatschen der Gesellschaft, in die Küche begibt. Dort wichst er den Schuh blitzblank und präsentiert ihn dann dem Bräutigam mit den Worten:, „Was isch der Schuh wert?" — „Drei Liter Roten", lautet die Antwort, worauf sich der Schuhräuber schlenuigst in die Einschänke verzieht, um dort den Wein in Empfang zu nehmen. Nun wird das Brautglas in den Schuh gestellt, und der „Rote" macht die Runde um die Hochzeitstafel. Das nennt man „bett Schuhwein" trinken. Gegen Mitternacht gibts noch einige Ehretttänze, dann verabschieden sich Freunde und Verwandte, wünschen nochmals: .„Glück im Ehstand" und drücken, ehe sie gehen, den jungen Leuten ein Geschenk zur Aussteuer in die Hand. Die Musik spielt ein ernstes Stück, gewöhnlich ein schwermütiges Volkslied, zum Abschied, und der junge Hofbauer und d'nen Büri suchen ihr Heim ans. In dieser gemütlichen und gewiß nicht poesielosen Werse vollziehen sich alle großen Bauernhochzeiten in unfern „Weilt"- und „Wald"-Dorfe Durbach. Frauett durch das Akademische Studium an Seele und Körper Schaden leiden Wnnen, untersteht nicht mehr der generellen Be- urteilung in einer Zeit, wo für alle freies Spiel der Kräfte verlangt und zumeist gewährt wird. Selbstverständlich liegt aber in jedem einzelnen Falle denen, die für den Lebeitsgang eines Mädchens die Verantwortung tragen — den Eltern, Vormündern und auch Hausärzten — um so mehr die Verpflichtung ob, sorgfältig zu prüfen, ob ihre Schutzbefohlene geistig und leiblich stark genug ist, den schweren Anforderungen eines langjährigen Gymnasialunterrichts und Universitätsstudiums zu genügen und später im Bertlfsleben sich durchzukämpfen. Sehe jeder, wie er's treibe!" * Gleichzeitig mit der Veröffentlichung Prof. Schwalbes bringt die Medizin für alle das Ergebnis einer Rundfrage bei hervorragenden Persönlichkeiten, die sich über denselben Gegenstand geäußert haben. Prof. v. Bergmamr (Berlin) läßt sich, wie folgt, hören: „Ich bin ein ausgesprochener Gegner des Studiums der Medizin von Frauen. Weder körperlich noch geistig sind sie ihm gewachsen. Solange die Frauen nicht die Köche und die Schneider aus ihrem Gewerbe zu verdrängen vermögen und wenigstens diese Gewerbe als ihr Monopol in Anspruch nehmen/ werden sie auch neben den Aerzten ein kümmerliches Leben führen. Wäre es möglich, die Geschlechtsunterschiede aufzuheben, so könnten die Frauen vielleicht gute Aerzte werden. Aber das geht eben nicht. Gute wissenschaftliche Arbeiten Wnnen die Frauen gewiß leisten: die Kämpfe aber mit den Erregungen, Verantwortungen und Verzweiflungen eines Arztes will ich ihnen nicht zumuten; beim dazu schätze ich die Frauen viel zu hoch." Der bekannte Kviminalpsychologe Prof. Cesare Lombroso in Turin schreibt: „Abgesehen davon, daß sie viele Eigenschaften (Intellekt z. B.) in geringerem, andere wieder (Aufopferungsfähigkeit, Pietät, Selbstverleugnung, Geduld) in höherem Maße entwickelt hat, kann die Frau ein guter praktischer Arzt sein, und zwar ein ebenso- guter wie der Mann; ein besserer als er in der Kinderheilpslege, in der Geburtshilfe, ein weniger guter in der Chirurgie. Ihre wissenschaftlichen Leistungen sind gering und dürftig, ebenso wie ihre literarischen und sogar musikalischen, was ich in „La semme criminiele" und „Das Weib" nachgewiesen habe. Die materiellen Erfolge des weiblichen Arztes in Italien sind ungünstig, nicht so in Amerika. Die Mutterschaft wird ihre Karriere unterbrechen, nicht aber verhindern. Bei den Nonnen und Wärterinnen zeigt es sich, daß eine stärkere Emotivität den Dienst nicht beeinträchtigt." Prof. Gersuny, ein hervorragender Wiener Chirurg, teilt mit, daß die Frau als Gattin und Mutter wichtigere Pflichten als den ärztlichen Beruf hat. „Im übrigen halte ich es" — so schließt er — „für sehr gut, daß ton der Million Frauen, die wir in Deutschland zu viel haben, einige hundert den ärztlichen Beruf ergreifen." — 124 — formen zu erdenken, bereits häufig NebertreiVungÄr gezeitigt, doch können solche nicht aufkominen, weil sie wegen mangelhaften Zuges und Brandes der Zigarren gar bald aus dem Sortimente der Reisenden ausscheiden. Weit anders liegt die Sache aber mit den sogenannten Modefarben, welche grau, fahl, ja selbst grün sein sollen, nur nicht braun, was aber die einzig natürliche Farbe eines gut ausgereiften Tabaks ist. Lassen sie die nachfolgenden Zeilen einen Fachmann, der 25 Jahre lang in der Zigarrenbranche tätig ist, offen und ehrlich seine Meinung sagen über diese famosen Modefarben. Wie schon erwähnt, hat der natürlich ausgereifte Tabak eine braune Farbe, in den Nuancen vom Hellen Gelbbraun bis zum dunkelsten Schwarzbraun, wobei auch der Ursprung des Tabaks und die Tabakssorten eine Rolle spielen; diese braunen Farben haben den Borzug guter Bekömm- lichkeit und tadellosen Brandes. Auch sind durch die verschiedenen Färbungen die verschiedenen Qualitäten gegeben, so ist das hellere und mittlere Brann beispielsweise bei Sumatra- und Borueo- tabak eine leichte Qualität, während die dunkelbraunen Tabake durchschnittlich auf mittel bis kräftig schließen lassen. Die unteren Blätter der Tabakstan.de, die sogenannten Sandblätter, welchen $itr völligen Reifung infolge ihres tiefen Standes das Sonnenlicht nicht in genügendem Maße zugänglich ist, behalten eine graue, fahle Farbe, ähnlich wie es bei Fruchten der Fall ist, die zu ties hängen und.dadurch die Sonnenstrahlen entbehren, so daß sie häufig unreif geerntet werden müssen. Naturgemäß existieren an jeder Tabakpflanze nur wenige Sandblätter und diese minimale Kreszenz kann der enorinen Nachfrage nach den grau-fahlen „Modedeckblättern" mir in ganz geringem Maße genügen. Bon den Zigarrenhändlern werden die Zigarren aber mit „Modedeckern" verlangt; wie können solche nun durch die Fabrikanten beschafft werden? Ganz einfach: die Plantagenbesitzer lassen den Blättern, die als Teckmaterial in Betracht kommen, nicht mehr die Zeit, auszureifen, sondern die Blätter werden in halb unreifem Zustande abgepflückt, sind daher oft grünfleckig, und werden dann zu hohen Preisen abgcsetzt, entsprechen sie doch nun der Mode. Dem lieben Publikum, welches heutzutage fast nur noch mit den Augen, anstatt mit der Zunge, raucht, ist sein Wunsch erfüllt; es erhält, weil es die, sagen wir in diesem Falle „Närrin Mode" so erheischt, fahle, matte, ja sogar grünfleckige Zigarren uns ist von dem erreichten Ideal entzückt. Wirft sich nicht unwillkürlich die Frage auf: Ist es denn gesund, Zigarren zu rauchen, die mit unreifen Blättern gedeckt sind? Antwort: Nein, und abermals nein! Das Kunstprodukt der modernen Farben ist nicht allein nicht wvhlbe- kömmlich, sondern die Zigarren haben auch einen schlechteren Geschmack und Brand und — last not least — sind abssolut nickst leichter als eine Zigarre mit hübschem, braunem, gut ausgereiftem Deckblatt, welch letzteres, wie nachgewiesen würbe, weniger Nikotin enthält als das nicht zur Reife gelangte Blatt. Und nun noch die Preisfrage. Daß das „corriger la nature" den Plantagenbe- sitzcru sehr viel Geld einbringt, beweist der fortgesetzte Aufschlag des Rohtabaks. Infolge der übertrieben starken Nachfrage ist das unreife Deckblättermaterial im Preise derartig hoch gestiegen, daß sehr viele Fabrikanten beabsichtigen, ihre Preise zu erhöhen. Die Frankfurter Zigarrenhändler haben, nebenbei bemerkt, gegen einen Preisaufschlag energisch Front gemacht, um, soweit es in ihrer Macht liegt, deni Publikum eine Verteuerung des Rauchgenusses zu ersparen, möge das rauchende Publikum nun auch einsichtsvoll genug sein, dem wohlgemeinten Rate eines erfahrenen Fachmannes Gehör zu schenken und nur wirklich reife Zigarren zu konsumieren! Mögen die einsichtigen und vernünftigen Herren sich von einem Zigarren-Spezialisten, der die Zeiten mitmachte, wo es noch keine „Modefarben" gab und die Zigarren doch auch nicht zu stark waren, wohlmeinend belehren lassen; mögen sie unparteiisch und ohne Borurteil einmal selbst feststellen, daß sie eine hübsche braune, also ausgereifte Zigarre besser vertragen können, und daß diese in der Tat nicht stärker ist als die mit größtem Unrecht bevorzugte grau-fahle Ware. Sie werden und Mussen dann zu deni Schlüsse kommen, nur noch bravnie, reife Zigarren zu rauchen. VevMkscHtrs. * Der Kunstgenuß des Kindes. Im Laufe der letzten Jahre ist Vie! geschehen, um dem Kinde die Welt der Schönheit zu erschließen und durch die Schönheit auf das Kind erzieherisch ein- zuwirken. Inwieweit man bei Kindern überhaupt von Kunstverständnis reden kann, ist eilte Frage, die eigentlich an erster Stelle hätte beantwortet werden miissen, aber vorläufig noch der Entscheidung harrt. Allerdings ist der Versuch, ihrer Lösung näher zu kommen, öfters unternommen worden. Man legte zum Beispiel Kinder Bilder vor und forderte sie auf, sich darüber auszu- sprechen, doch kam man auf diese Weise nicht zum Ziele; denn entweder waren die Kinder iit der Art ihrer Beurteilung durch den Schulunterricht beeinflußt, oder sie waren befangen. Neuerdings hat Rudolf Schulze in Leipzig, aoie die Zeitschrift für Kmderforsihung mitteilt, einen neuen Weg eingeschlagen. Er studierte die Ausdrucksbewegungen der Kinder in dem Augenblick, wenn ihnen ein künstlerisches Bild zum ersten Male vvrgel-egt wurde. Er fixierte die Ausdrucksbewegungen mittels der photographischen Platte und unterzog sie später einer genauen Analyse. Ueber die Methode seiner Untersuchung macht Schulze in der Zeitschrift für Kinderforschung folgende genauere Angaben. Er legte die Photographieen verschiedenen Versuchspersonen vor und forderte sie zunächst auf, anzugeben, ob der Ausdruck der auf der Photographie befindlichen Kinder auf eine einheitliche Stimmung hinweist. Bei fast allen Bildern ließ sich eine solche Ueberein-, stimmung beobachten, so daß es wahrscheinlich war, daß die in den Kindergesichtern wiedergegebene Stimmung derjenigen entsprach, die dem Künstler vvrgeschwebt hatte, als er das Bild! schuf. Um dieser Beobachtung ein größeres Gewicht zu verleihen, bat Schulze die Versuchspersonen, die Stimmung der Kinder zu beschreiben und sich ein Bild auszumalen, das der betreffenden Stimmung entspräche. Wenn dies geschehen war, so zeigte Schulze den Versuchspersonen die zwölf den Kindern vvrgelegten Bilder und ersuchte sie, jedes Bild der Photographie zuzuteilen, die mn meisten die Stimmung des Bildes Wiedergabe. Es erwies sich nun, daß die meisten Bilder sehr schnell eingeordnet wurden, also eine eindeutige Beziehung zu der auf der Photographie ausgedrückten Stimmung hatten. Falsch war die Einordnung bei allen vier Versuchspersonen kein einziges Mal. Alle Photographieen stimmten darin überein, daß sie eine gleichmäßige intensive Aufmerksamkeit zum Ausdruck brachten; also bringen die Kinder den Bildern ein gewisses Interesse entgegen, das die Vorbedingung jeden ästhetischen Genußes ist, aber außerdem macht sich in den verschiedenen Photographieen der Ausdruck sehr mannigf-altigeir Gemütsbewegungen geltend. Für den Ausdruck der Lust und Unlust kommt besonders die Mundmuskulatur in Betracht, diese aber wird von Jugend auf in Zusammenhang mit den Geschmacksreizen geiibt. Daß bei der Betrachtung der Bilder derselbe Ausdruck von süß, sauer und bitter zur Geltung kam wie bei der Anwendung entsprechender Geschmacksreize, ergab die photographische Fixierung der Aitsdrucksbewegungen der Kinder nach dein Genuß von Zucker, Zitrone und Aloe. Es kann nicht bezweifelt werden, daß den Ansdrucksbewegungen der -Kinder beim Betrachten der Bilder lebhafte Gefühle entsprachen. Wie weit es sich nm ein rem! ästhetisches Verhalten der Kinder handelte, muß freilich dahingestellt bleiben. Hier werden weitere Untersuchungen Licht schassen müssen. ____________ Für die Frane». — Unter uns. Frauen-Gesprache und Bekenntnisse ton Silvia Brand. Mit dem Bilde der Verfasserin. Brosch. 1 Mk. Verlag von Rudolf Kraut, Dresdeii-A. 16. — Ein Büchlein voller Ratschläge für die Frauen, deren innerste Angelegenheiten in realistischer Form geschildert werden. Als Redakteurin während 25 Jahre an Dresdener Blättern hatte die Verfasserin Gelegenheit, mit dem weiblichen Teil aller Gesellschaftskreise in Berührung zu 'körnen und die Schwächen der Frauen zu studieren. Der ehrliche Wille ihren Mitschwesteru helfend beiznstehen, veranlaßte wohl die Verfasserin, ihre Erfahrungen niederzulegen. In zehn Skizzen werden Fälle im Eheleben vorgeftihrt, welche das Glück zu zerstören droheil, wenn nicht die Fran die guten Ratschläge befolgen würde, die die Verfasserin gibt. Die Sprache ist für alle Kreise der Gesellschaft verständlich. Kunst. — Geheimrat Wilhelm Bo des R e rn bra u d t w e r k, von dessen Lieferungsausgabe die zwei vorletzten Hefte (16 und 17) vorliegen, zählt seiner ganzen Anlage und seinem Inhalte nach zu den bedeutendsten Erscheinungen über diesen gewaltigen Minus. Der Text und die von innigem Verständnis geleitete Auswahl des Bilderschmuckes stellen „Rembrandt in Wogst mud Bild (RiM Bong, Kunstverlag, BcrUil W. 57, Preis pro Lieferung Mk. 1.50) an die Spitze aller djas-gieiche Thema behandelnden Publikationen, Die Lektüre des Textes bietet feinen: edlen, vornehmen Genuß. Die drei Photogravüren, die jeder Lieferung beigegeben sind, wie hier die „Kreuzabnahme" (St. Petersburg) — „»athseba tm Bade" (Paris) — „Predigt Johannes des Täufers" (Berlin) „Jacobs Segen" (Cassel) usw., sind meisterlich. Das für diese Kupferdrucke angeivandte „Rembraudwerfahren" sichert durch seine vollendete Technik eine getreue Wiedergabe der Gemälde Rembrandts. Eine große Anzahl von Textillustrationen nach Zeichnungen und Radierungen geben charakteristische Proben höchster Rembrandtscher Kunst und verleihen dem Werke dadurch noch cuteit besonderen Wert. HvMouyM. (Nachdruck verboten.) Als Farbstoff bin ich wohlbekannt, Doch auch als Fluß werd' ich geimttnt. Auslösung in nächster Nnmmer. Auflösung der Charade in voriger Nummer: Porzellantnrm. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Stetndruckerei, R» Lange,