Montag den Z4. Auni 1907 uff i!• JfäTS ~FTT^ WVk DA MM ■ tnsi rrneEnriiH BGinrararBtT !A s ffl ■HM W W Jun Ken unter der Asche. Roman von M. Proßnitz (M. Nöreiiberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt. (Fortsetzung.) Vorsichtig hatte Anna unterdessen ihre Herrin entkleidet und ihr die schweren Haarflechten gelockert. Aufgelöst fluteten sic über das spitzcnbesetzte Kissen, in tvelches Dagmar müde ihren Kopf drückte. Ermattet die Augen schließend, zog sie fröstelnd die seidene Steppdecke hölier empor. Leise ließ die Jungfer die Fenstervorhäuge herab. Gedämpft fiel das Licht der rosa Ampel in das Zimmer, mit seinem weichen Schein alle harten Linien verwischend. „Haben Bawnest sonst noch Befehle?" „Nein, Anna, ich danke." Achtsain ruckte das Mädchen die Zitrvnenlinwuade zurecht, daun ging es mit leisem Gutenacht hinaus. Kaunr wiar die Tür zu, so öffnete Dagmar die bisher ängstlich geschlossen gehaltenen Augen. Und sie hatte recht daran getan, diese Fülle vou Kummer vor ihrer getreuen Anna zu verbergen, der in dem starren Blick l!ag, den sie jetzt, ohne eigentlich zu sehen, durch das Zimmer schweifen ließ. An dem halb verwelkten Rosenstrauß blieb er endlich haften, und als hätte der ihr von neuem die ganze Tragweite ihrer Begegnung mit Uchdorf klargemacht, schlug sie plötzlich mit unterdrücktem Weinen ihre schlanken, edelgeformten Hände vorS Gesicht. Ein hartes, stoßweises Schluchzen schüttelte ihren Körper. O Gott, wie arnr und verlassen sie sich fühlte, wie grenzenlos allein' Nie in fall den Jahren seit sie hier am Hose war, meinte sie sich so einsam, so verlassen gefühlt zu haben. Sie weinte herzbrechend. , . , , , Langsam kehrte endlich ihre Ueberlegnng wieder, uud damit auch ihr unbestechliches, ehrliches Urteil, das da ernst und eindringlich sprach: „Ter Jugendtraum ist jetzt aus. Deu mußt du zu Grabe tragen. Deine Liebe zn Uchdorf ist tot, muß auch tot sein, denn du wirst tun, tvas dein Verstand dir rät. Du wirst die Hand des Kammerherrn annehmen und ihm eine gute Frau, eine teilnahmsvolle Gefährtin zn werden suchen. Ruhig wie ferne achtungsvollen Gefühle für dich sind, iverden es die deinen auch fein. Hörst du? Ruhig und verständig!" Dagmar holte tief Atem. Ein Zug Unbeugsamer Entschlossenheit trat in ihr Antlitz. Rasch erhob sie sich und eilte tat den Toilettentisch. Mit bebenden Fingern ergriff sie die ziselierte Truhe. Ein scharfer Kniack — das Kunstschloß sprang auf. Ohne hinzusehen griff Dagmar in das Kästchen. Wozu auch? Das war nicht nötig. Sie wußte ja, der oberste der beiden Briefe war der von Uchdorf. Fort Mit diesem letzten Erinne- rnugszeichen an vergangenes Glück. Morgen begann ein neuer Lebensabschnitt! _ w Mit zitternder Hand ergriff sie das Schreiben. Einen Augen- Uick Merte sie, vpn dM Mwidershchlicheu Verlangen gepackt. noch ein — einziges Mal die wenigen Zeilen zu lesen, gleich darauf hob sie energisch das Haupt. Fort mit dem weichest Empfinden, das tvar — und mußte aus sein. Mit abgewjandtem KVpf, ohne einen Blick auf beit Brief zn werfen, ließ TagMar ihn in die glimmenden Kohlen des KaminS fallen. Hell fliackerk das Feuer em!por, um gleich daraus ebenso dunkel toeiter zu glimmen wie vorher. Ta erst tvandte Dagmar den Blick, und während sie mit fester Hand den Feuerhaken in das Aschenhäufchen stieß, sprach sie hart: „Vorbei!" 2. Kapitel. Gedankenvoll saß Dagmar wenige Tage später tat ihrem! Schreibtisch und drehte eine ihrer Verlobungsanzeigeti zwischen den Fingern, tvährend sie sich nochmals die Stunde vergegenwärtigte, da Beltlingen nm ihre Hand anhielt. Hier an diesenk Schreibtisch war es gewesen, wo er ihr in einfachen, würdigen Worten seinen Namen bot. Ernst und still hatte sie ihm darauf die Hand hingestreckt, die er ergriff, um sie ritterlich an seine Lippen zu führen. „So bist du also mein, Dagmar, mein fürs Leben!" Schweigend duldete sie es, daß er sie tat seine Brust drückte. Ein Gefühl sicheren Geborgenseins kam über sie. Es ivar doch süß, von starken Armen beschützt zu werden! Unwillkürlich lehnte sie sich fester an seine Schulter, tvas ihn mit freudigem Stolz zu erfüllen schien. Mit ruhiger Selbstverständlichkeit führte er sie alsdanii zuM Sofa. Hand in Hand ließen sie sich dort nieder. Mehr und Mehr fühlte Dagmar ihre getvohnte Sicherheit zurückkehreu, während sie die tiötigsten Schritte besprachen, die sie jetzt tun mußten, Vorschläge und Atwrdnungen ihres Verlobten, denen Dagmar sich bereitwilligst fügte. . Scherzend hielt Beltlingen plötzlich mit seiner Rede tnne. „TagMar, verwöhne mich nicht frühzeitig durch Nachgiebigkeit !"• Sie lachte leise auf. „Nun, wenn ein wenig Eigeiisinn deine schlechteste Eigenschaft ist, das wäre nicht allzu arg." Ta umfaßte er sie plötzlich und drückte einen heißen Kuß auf ihre Lippen. „O, du holdes Geschöpf! Gottlob, daß die Angst von mir genommen ist, ein anderer könnte dir lieber fein. Ter Gedanke hat mich oft genug gepeinigt. Tu ahnst ja gar nicht, wie eifersüchtig ich sein kann!" . Er küßte sie von neuem. Wie belaubt durch seine plötzlich hervorbrecheude Leidenschaft saß Dagmar da. , Ihr Herz klopfte unruhig und schtver. Ta siel ihr Blick auf die ziselierte Truhe/ deren vergoldetes Wappen just ein verirrter Sonnenstrahl hervor- hob. Ein tiefer Atemzug hob ihre Brust und während sie sich leicht emporrichtete, antwortete sie mit einem schönen Lächeln i „Sei unbesorgt, mein Freund, ich bin eine echte Rolfsen, und deren Wappenspmch lautet: „In Treuen fest!" Dessen sei eingedenk, trenn dich jemals wieder die Eifersucht Plagen will. • „Ich vertraue deinem Wort," hatte er voll tiefem Ernst erwidert. 366 Mit ■ft'inn’utigern Lächeln totiitbfe sie ihr schönes Gesicht zu ihm hin und duldete seine Liebkosungen. Und wieder durchfuhr es sie mit leisem Schreck. Wie heiß er noch zu Kiffen weiß! — An alles das dachte die Sinnende jetzt. Wie int Fluge war ihr die Zeit seit jenem Ballabend vergangen. Kaum, daß sie Jur Besinnung kam in all dein Trubel, den naturgemäß das Besuche machen und empfangen mit sich brachte. Demr wenn die Herzogin sie auch in liebenswürdigster Weise wiederholt vom Dienst entband, so blieb ihr trotzdem tvcnig Muße, ihren Empfindungen nachzuhangen. Tagmär und ihr Verlobter wareit überein gekommen, daß sie noch bis zu ihrer! Vermählung die Stelle als Hofdanre bei- bchalkrn follte. Tä die Herzogin sich! in gütiger Weise bereit erklärt hatte, die Stelle der Brautmutter zu vertreten, so nahm Dagmar dankbar dies Anerbieten an. Mit lebhaftem Eifer betrieb mm die hohe Frau die Besorgung vvit Dagmjars Ausstattung. Eine ungewohnte und liebe Ab- wechslung, wie sie scherzend meinte. — Ter Kammerherr war stolz aus diesett Beweis fürstlicher Huld. Seiner Eitelkeit schmeichelte der schlecht verhehlte Neid der Gräfin Lindstrom auf seine Braut ebenso sehr, wie die Auszeichnungen, welche der Herzog Dagmar in reichem Maße zuteil werdeit ließ, bereit Schönheit und Anmut er stets bewuitdert hatte. Ter gegen Veltlingen geäußerte Wunsch des Herzogs war es auch, der den devoten KdmMerherrn veranlaßt hatte, seine Braut zur Teilnahme an einer Quadrille zu bewegen, welche die Leibulanen in ihrer neuerbauten Bahn reiten Ivollteu. Freundlich hatte Dagmar sich bereit erklärt, deut Wunsch ihres Verlobten zu folgen, wenn er wenigstens dabei den getreu- lichen Zuschauer abgeben wolle. Das versprach ihr Veltlingen natürlich mit Freuden, anscheinend beglückt, daß sie auf etwas so selbstverständliches Wert zu legen schien. Heute sollte die erste Probe fein. Tagmär richtete sich plötzlich erschwcken auf. Sie zog hastig die winzige, goldene Uhr hervor, ein Geschenk Bettlingens, deren Deckel ihre beiderseitigen Wappen zeigte. Himmel! Es war die höchste Zeit zum Umkleiden. Sie schellte eilig der Jungfer. — Als Tagmär nach kurzer Zeit int Reitanzng in ihren Salon trat, fand sie Veltlingen dort bereits ihrer harrend. Ein stolzes Leuchten ging über fein Gesicht, während- sein Blick ihre schöne Figur überflog. Selten schien ihm das vollendete Ebenmaß ihrer Gestalt mehr zur Geltung gekommen zit sein, als in diesem glatten, schwarzen Tuchkleid, dessen tadellos sitzende Taille ihre schönen, schlanken Formen ohne jegliche Indiskretion so geschickt hervorhvb. Ter Käinmerherr sah Dagmar mit so unverhohlener Bewuit- derung an, daß sie unter sanftem! Erröten den Blick senkte, was ihrem herben Wesen einen außergewöhNlichcit Reiz verlieh. Hingerissen trat der sonst so Ruhige auf sie zu und ehe sie sich dessett versah, preßte er seine Lippen voll Verlangen auf ihren Mund. Leise erschauernd ließ sie es geschehen. Da hielt ev plötzlich inne. 1 ,-Küsse mich wieder, Tag mär, mein süßes- sprödes Glück!" Mit einer überaus anmutigen Bewegung schlang sie zagend die Arme uM seinen Hals. Schüchtern streiften ihre Lippen feine Stirn. Gewaltsam zwang Veltlingen seine Aufregung nieder, hatte er doch mit sicherem Blick erkannt, wie sehr seine plötzlich hervorlodernde Leidenschaft DagMär erschreckt hatte. Scherzend drückte er seine Braut auf einen Stuhl. „Setze dich bis der Wagen gemeldet wird, mein Herz. Damit dich nachher die Pwbe nicht zu jehr anstrengt." Sie sah dankbar zu ihm empor, von diesem und jenem plaudernd. JKit scheinbarer Aufmerksamkeit hörte Magnus ihr zu, ^vch während seine Ohren sich unbewußt an dem' melodischen Klang ihrer Stimme erfreuten, verwünschte er im tiefsten Grunde seines Herzens die acht Wochen, welche ihn noch von seiner Hochzeit trennten. Ein leises Klopfen an der Tür ließ die Plaudernde plötzlich verstummen. Bescheiden trat Anna herein. „Baroneß, DettMann fragt an, ob Baroneß den Hoswagen befehlen? Um zwölf beginnt doch die Probe?" Fragend sah Tagmär zu ihrem Verlobten auf, der sich ärgerlich an die Zofe wandte: - „Ist Mein Coups denn nicht da?" „Nein, Herr Baratt." „Das verstehe ich nicht. Ich habe Franz doch Bescheid ge- sagt. Zum KNcknck noch Mal, wo steckt der Kerl?" Begütigend legte Dagmar ihre Hand auf Wettlingens ArM. -„Las schämt doch nicht, Magnus. Dann gehen wir die paar c chrttte. Bei dein herrlichen Wetter ist mir das sogar viel lieber," und während das Mädchen eilig die Sachen holte, trällerte sie scherzend: „Meitt Herr Marquis, ein Mann wie Sie — Sollte das besser versteh—he—he—heu . . Er nickte ihr versöhnt zu, aber eine kleine Falte blieb doch noch auf seitier Stirn. „Ich werde Frattz meine Attsicht sagen!" — Ms Anna mit dem pelzgefütterten Umhang zurückkam, ttat Tagmär rasch an den Schreibtisch, auf welchem drei herrliche la Fifance in einem! kostbaren venetianischen Glas, ihre dust- schwerett Häupter senkten. Vorsichtig zog sie die schönste Rose heraus, und befestigte sie .an ihrem Reitkleid. Mit zufriedettem Lächeln hatte DLagnus ihr zugesehen. „Wettn die Rose selbst sich schntückt . . tneinte er galant. „Schutückt sie atich den Garten," gab Dagmar mit bezeichnendem Blick neckend zurück. „Wird der Gärtner doppelt gern Solche Rose warten," vollendete er schlagfettig, mit leisem Selbstgefühl ihren Arns drückend, während sie die Treppe hinab schritten. — In der Reitbahn herrschte bereits reges Leben, als Veltlingen und Dagmar einttaten. Die breite, die ganze Längsseite der Baht: einnehmende Tribüne, zu welcher wenige Stufen hinauf führten, war dicht vott Zuschäuern besetzt. Sie bestanden größtenteils aus Damen und $>errett der Leibulauen oder solchen Personett, die irgend welche Beziehungen zum Hof hatten. Es war ein lebhaftes Reden und Winken, Lachett und Scherzen. Neckereiett und ernsthafte Ratschläge flogen zwischen den Sfteitent und Zuschauern hin und her. Der alte Grjaf Rehnen, der Vater der hübschen Ina, welche Hans von Schmieden sich zur Partnerin erkoren hatte, schien sich ein besonderes Vergnügen daraus zu machen, dann und wann den jüngeren Offizieren eine Bemerkung zuzurufeu, die zwar sttts ein deutlicher Beweis von dem allbekannten, treffenden Witz des Grafen waren, die Angeredeteit jedoch manchmal wenig zu erfreuen schien. Dem etwas schwerhörigen, wie die böse Welt behauptete, nur zeitweise schwerhörigetr Grafen, war das offen- bar ganz egal. Er kümmerte sich wenig um Liebe oder Haß der ihm entgegengebracht wurde, im Vollbewußtseitt des Sltt- sehetts, das er als einer der einflußreichsten Großgrundbesitze« der Provinz genoß. Augenblicklich lehttte er sich behaglich auf seinen Stuhl zurück. Sein glattes, rotes Gesicht sah höchst zufrieden aus, währettd seine kleinen, scharfen Augen unter bett halb gesenkten Lidern mit raschem Blick die Reiter und Reiterinnen musterten. Ta gewahrte ev bett Kämmerherren, der langsam die Treppe zuri Tribüne empor-, stieg. „Tag, Veltlingen, wo bleibt beim bie schöne Brau?" begrüßte er mit seiner lauten knarrenden Stimme den Gutsnach- barn. „Tnckwitz guckt sich schon die Augen nach ihr aus. Was ja auch ganz natürlich ist," fuhr er mit leisem Spott, nach einem Blick auf Veltliugens plötzlich verfinstertes Gesicht, fort, „beim ehe alle Teilnehmer versammelt sind, kann die Chose da unten doch nicht gut beginnen. Mir scheint der brave Duckwitz üben Haupt Regiefieber zu haben, trotzdem er von Hannover her den Rummel kennen sollte. Er wär ja wohl zwei Jahre auf Reitschule?" „Gewiß, Hevr Graf," bestätigte der Hauptmann von. Borgwardt mit verstohlenem Vergnügen. Er war dem ob seiner Reitkunst reichlich eingebildeten Duckwitz nicht gewogen, der sich mit ziemlicher Deutlichkeit um die Gunst des Adjutanten bemühte. „Ach du liebe Zeit," mokierte der Graf sich ungeniert weiter, „Ihre arme Gattin reitet mit dem langen Aschoff. Ter hätte ich auch neu ändern Partner gegönnt! Sehn Sie mal, der Mensch mag ja sonst neu ganz guter Kett sein, aber ich hab tut mal was gegen die Glasftttzen. Klemmen Sie ner Intelligenz nett Mvuokle ins Auge — und sie sieht dumni aus. Na — Aschwff steht der Scherben!" Tie Umstehenden lachten verstohlen. Der Graf war wirklich unbezahlbar, aber Gnade Gott demjenigen, dem er fein Wohlwollen entzog! Seine Meinung sprach er aus — und noch dazu recht unverhohlen! „Ich bttte die Herrschaften paarweise int Abstand von sechs Schritt anzureiten!" schallte plötzlich die Stimme des Oberleutnants von Tnckwitz durch die Bahn. „Herr Rittmeister und Baroneß habeit vielleicht die Güte zu führen?" „Habeit wir?" hneiute Sprenger gemütlich zu Dagmar, welche lächelnd ihr Pferd antrieb. ; Natürlich konnte sich Echaf Rehnen nicht versagen, als sie die Tribüne pafsiettett, dem dicken Rittmeister ein schertzeitdes? „Hiev wird wohl nach Gewicht numeriert?" zuzurufen, was. 367 tet mit einem vorwurfsvollen: „WÄ, Herr Gräf, ich bin doch orni wie ne Ksycheumpus!" unter allgemeiner Heiterkeit abzulehnen suchte. Als zweites Pasar ritten Aschoff nnd Frau von Bvrgwardt an. Dann kam Hans von Schmieden, der jeelenvergnügt mit feiner allerliebsten Partnerin plauderte. Fröhlich lachte Ina ihrem Vater zu. , (Fort-setung folgt.) Der Rhythmus. Bon Fri edri ch Ni etzsche. *) Wie die Menschen selbst in dem, was sic zur Erleichterung des Daseins erfinden, neue Mühsal und Arbeit auf sich laden,, und wie ernst das Leben aussieht, wenn Man auf dre Geschichte femev heitersten Züge blickt, davon gibt die Poesie und überhaupt dre kunstmäßige Behandlung der Sprache einen Beweis. Der milde Glanz, den die Dichter über die Welt wie einen 'Staub von Schmetter-, lingsflügeln zu legen wissen, ist ihr uicht wie von ungefähr! angeflogen. Tie Summe von Arbeit, welche die Menschen allem auf so etwas, wie der Rhythnius ist, verwendet haben, zeigt, wie schwer es sich lebt und wie ungeheuer der Trieb fein muß, diesem Gefühl der Schwere wenigstens für Augenblicke zu entfliehen. Ware das Leben zu allererst nur ein Problem der Er- kenntnis und lüge seine Schwere vor allem darm, daß es rätselhaft wäre, so könnte es, mit Schopenhauer zu rede», „fast als ein Hochverrat gegen die Vernunft erscheinen, wenn einem Gedanken, oder seinem richtigen und reinen Ausdruck, auch nur die leiseste Gewalt geschieht, iu der kindischen Slbsicht, daß nach einigen Silben der gleiche Wvrtklang wieder vernommen werde, oder auch, damit diese Silben selbst ein gewisses Hopsasa darstellen". Aber weil das Leben die Empfindung! so unregelmäßig erregt iiud deshalb schmerzhaft ist, so „folgen >vir jedem regelmäßig wiederkehrend en Geräusch innerlich und stimmen gleichsam mit ein. Dadurch werden nun Rhythmus und Reim teils ein Bindemittel unserer Aufmerksamkeit, indem wir williger dem Vortrag folgen, teils entsteht durch sie in uns ein blindes, allem Urteil vorhergängiges Einstimmen in das Vorgetragene, wodurch dieses eine gewisse emphatische, von allen Gründen unabhängige Ueber- zeugmrgskraft erhält". f Ter Zauber iin Rhythmus liegt in einer ganz elementaren Symbolik, vermöge deren wir im Regelmäßigen und Geordneteil ein höheres Reich, ein Leben über oder außer diesem nn- regelmäßigen Leben verstehen; ivas an uns es in der Gewalt hat, sich rhythmisch zu bewegen, das folgt dem Andrangen jenes symbolischen Gefühls und betvegt sich ebenso oder suhlt mindestens eine starke Innervation dazu., , Je erregbarer und ursprünglicher ent Mensch ist, um >o mehr wirkt der Rhythmus auf 'ihn — wie diu Zwang zum Nachbilden des Rhythmus uns erzeugt jenes „blmde, allem Urteil vorher gängige Eiustimmen". Es ist ein Zwang, der gewöhnlich mit Lust verknüpft ist, aber er kaiiir so plötzlich nn den Seelen reißen und sie überwältigen, daß er mehr noch entern schmerzhaften Krampfe gleichtommt. Selbst dieses schuierzhafte, »olgen und Sichfortziehenlassen wird aber für den, welcher mitten in der Not des Lebetts steht, noch als Reiz, Abztehuug, Entrückilng, Vergessen gelten Birnen — dessen sind sich tue Dichter und Musiker aller Zeiten bewußt gewesen; sie glaubten den Druck des Daserns zu erleichtern, selbst wo sie Schmerzen machten. Und so , nahmen sie selbst das Leben schwer und erfaßten ihre Küust mtt emem ungemeinen und verzehrenden Ernst, so daß nun wieder die Betrachtung ihrer jahrtansend alten Geschichte zum Ernste mahnt und zum Bilde des Lebens den letzten Strich hinzntnt: ist doch in ihm nichts tragischer, als daß gerade die Erleichterer und Beglücker des Lebens an ihm tiefer zu leiden, harter zu tragen hatten, als alle die Weltervberer und Weltvermchter. Vielleicht liegt dies darin, daß sie etwas wollen,, was dem Charakter des Daseins widerstrebt, daß sie an den Pfeilern der düsteren Notwendigkeit zn rütteln sich nnterfangen: sie tonnen über den Charakter des Daseins nur auf kttrze Zeit sich und andere täuschen — diese Täuschung ist 'ja dias Wesen der Kunst — aber dafür rächt sich an ihueii auch fortwährend das böse Gewissen und Wissen aller Mnstler, wie sie den Dingen eine Larve mit reinerem freieren Zügen aufsetzen wollen, die immer wieder herabfatleNj muß. Ja wenn Plato Recht hätte! Wenn der Mensch ent schönes Spielzeug in der Hand der Götter tonte! Wenn das säen Ms eine Kette edler Spiele und Feste angeordnet werden könnte! Wenn das Tjasein nichts aV ästhetisches Phänomen wäre! Dann würde der Künstler nicht nur der verünftigste, .weiseste Mensch sein, er fiele nicht nur mit dem Philosophen in Ems zusammen, er würde auch das leichteste Leben haben und dürfte mit gutem Gewissen wie Plato sagen: die menschlichen Tmge . *) In deil „Süddeutschen Monatsheften" veröffentlicht Erlist Holzer (Ulm) die Niederschriften der Vorlesungen, die Nietzsche als Professor der Philologie in Basel gehalten hat. Tie Arbeiten sind umso interessanter, als in der Ntetzscheliteratur der Philologe Nietzsche von den« Philvsophen ganz überschattet ist Und ft^on in der oben gegebenen Pivbe spurt man denn auch das Wesen und die Idee des TichterphilosopHeu. Im „L i t e r a r i führuugeti des Müu — über „Schauspiel-Musik". V6Nm;?ehLss. — Wie unsere Diene Amerika Entdeckte, vast rüber teilt W i l h e l M B ö l s ch e, der Meister populärer a.ar- stellung wissenschaftlicher Probleme interessante Vermutungen imd Tatsachen mit in einem Aufsatz, deu wir «m iinbm 9.nnh lind Meer "(Stuttgart, Teutiche Verlags-Anstalt) finocn. Durch scharffinnige Zusammenstellung und S^stung des spät- licken Materials kommt Boffche zu dem Reiultm, daß inneres heutige Honigbiene erst durch die „Bleichgesichter nach üord- amerika gekommeii ist ■— gab es doch kein emheiMiseaes Wort Mocks oder Sonia in der Sprache der nordamerikani>chen! JndimtE die sokar heute noch die Biene selbst älsche.whiw man's ffy, des weißen Mannes Fliege, bezeichnen. Daß abeU europäische Bienen tatsächlich söhnt fett dem 17. Jahrhundert künstlich in Nordamerika etngefuhrt Worden sind, laßt sich fetzr sogar mit Jahreszahlen beweisen. In das, eiigltsche Nordamerika geschah es, mit frühestem Datum, bereits 1638. Mehr als ein Jahrhundert später, erst .1763, meldet em anderes festes Datum dann, daß die Engländer sie nach Florida selbst gebracht haben. Fast 'um die gleiche Zeit fithrten die Spanier! Im „Literarischen Echo" lesen wir interessante Aus- sührnngen des Münchener Musikschriftstellers Dr. Edgar Jstel über „Schauspiel-Musik". Der Gedanke, in einem Schauspiel die Musik als selbständiges Elemeiit zu verwenden (als gelegentliches Stimmungsmittel kemlt sie schon Shakespeare), tauchte zum ersten Male Ende des 17. Jahrhunderts auf, als sich Fran von Maintenon zu einer Aufführung von Racines „Esther" in St.- Cyr von I. B. Moreau 1689 eine ans Chören, Rezitativen und Vorspielen bestelmide Musik schreiben ließ; doch besteht hier noch kein engerer Zusammenhang zwischen dem gesprochenen Ä-ext und der Musik. Diesen Schritt tat erst Jean-Jagues Rousseau nut bet Erfindung des „Melodrams" (das Wort in seiner jetzigen Bedeutung stammt von ihm), d. h. jener Zwischengattung, bet der Musik und Deklamation fortlaufend einander ablösten, wobei die Musik die Aufgabe hatte, den Inhalt des Textes vorzubereiteil oder zu illustrieren. Rousseaus „Pygmalion", jenes „kleine, aber merkwürdig epochemacheiide Werk" (Goethe), zu dem er selbst und etwas! später auch der deutsche Komponist Georg Benda (1722—1 luo) die Musik schrieb, war das erste eigentliche Melodram. Benda war es dann, der deut Melodram die seither übliche Form tn der Weise gab, daß er Musik und Textworte auch gleichzeitig ertönen, ließ, nicht nur abwechselnd. Bendas berühmtes Melodram „Ariadne auf Naxos" kaun demnach als das erste musikalisch-dramatische Werk gelten, das ganz mit der alten Operuschablone gebrochen hat. Sein Erfolg war für seine Zeit ungeheuer und hat über em halbes Jahrhundert hindurch augehaltcn. Zu seinen Nachahmern gehörten Beethovens Lehrer Neese, fermer Zumfteeg und der als Lehrer Webers und Meyerbeers bekannte Abt Vogler tn Darmstadt. Das einzige Melodrama Mozarts, eine „Semiramts", ist leider verschollen. Auch der junge Goethe zollte der neuen Kunstform mit feinen Monodrama „Proserpma" den Tribut, das leider nur minderwertige musikalische Bearbeiter gefunben .hat. Goethe gehörte übrigens itachmals (ebenso wie öerbcr, spater Deck und zuletzt Richard Wagner) zu den offenen Gegnern des Melodrams. Und doch war sein „Egmont" die Veranlassung für Beethoven, bte erste Schauspielmusik großen Stils mit Verivendung melodramatischer Wirkungen zu schreiben, die übrigens gelegentlich auch in der Oper („Freischütz", „HanS Heiling" u. a.) nicht gescheut wurden. Auch Webers „Preziosa"-Mnsik gehört hierher. Besonder» zahlreiche Komponisten hat aber der „Faust' herausgefordert (Fürst Radziwill, Robert Schumann, Lindpaiutiler, Lassen ujto.Y Schu- manu schuf außerdem die Musik zu Byrons „JKmtfteb ' Mendelssohn hatte die glückliche Jufpiration seiner „Sommernachi»traum.- • Musik, während seine Schauspielmusiken zu „Antigone nnd „Oedi- pus" von Sophokles allzu „liedertafelmaßig" Wirkern Zu dem einzigen Schauspiel seines frühv erstorbenem Bruders. Mikael Beer, deni „Strnensee", hat Meyerbeer die Musik komponiert. Die Aera Richard Wagners war dem Weitergedeihen der Schauspielmusn nicht günstig, erst-die neueste Zeit hat wieder eme größere Anzahl von Werken dieser Gattung hervorgebracht: EdwardsGr.iegs Musik zu Ibsens „Peer Gyut", Engelbert Humperdincks Musch zu Ernst Rosmers „Köuigskinder", dann die meist auf VeranlannngMax Reinhardts komponierten Musiken zu „Oedtpus von Max Schü lings, zu „Käthchen vou veübronn . von H"'is Psitzner, zu „Wintermärchen", „Sturm" nnd „KauMann von Beuedig von Humperdinck. An Gegnerschaft hat, es dieser Verbindung von Musik und Drama allerdings auch tu unserem Tage mcht ge fehlt, doch scheint es, daß einstweilen diese Modestrommig sich noch siegreich behanptct. sind großen Ernstes' nicht wert. — Och wist freilich dann eine! Kunst haben würden? Ob der Mnstler entstanden sein würde, wenn der Meiisch selbst ein Kunstwerk wäre? Ob nicht gerade das Dasein der Kunst beweist, daß alles Dasein ein unästhetisches, böses und ernstes Phänomen ist? Man erwäge doch einmal, was ein wirklicher Denker, Leopardi, sagt: Es wäre doch wahr-, lich zu wünschen, daß die Menschen keine Kunst nötig hätten. Schauspiel-Musik. — 368 — Redaktion Ernst Heß. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitatS-Buch- und Steindruckerei. R. Lange. Gießen. auch um ihre Ansicht gefragt, aber die gute Dressur, die sie zu Hause und tn der .Familie empfangen hat, läßt selten einen Widerspruch zu/' * Eine wendische Riesenhochzeit, wie sie immer seltener, werden, eine Hochzeit, die von dem Wohlstände der „Hochzeiter" zeugt, wurde nm verflossenen Dienstag in denn Dorfe Kotten, Kreis Hoherswerdä, gefeiert, woran nahezu 700 Personen terlnahmen. Zu dieser Festlichkeit wurden, nach der „Zittauer Morgenztg.", geschlachtet: zwei starke Rinder, acht Schweme und fünf Kälber. Verbacken wurden auf Brot über vier Zentner Roggenmehl. Zur Löschung des Durstes dienten achtzehn Hektoliter einfaches Bier und fünf Hektoliter Branntwein ! An Böhmisch- und Lagerbier wurden nebenbei zwei Hekto- • ^"Nschenkt. Den Tanz bezahlte der jedesmalige Bvrtänzer Wit 10 Mark pro Stunde. Tas ganze Dorf nahm' teil an der Feier, in allen Häusern wurden auch Kuchen gebackeir. Teile der Hochzeitsgesellschaft wurden dort mit Kaffee und Kuchen bewirtet. In die Felder neben» stehender Figur sind die Buchstaben a a, e e e e g ghhhhiiiijllll nnoooööpprrrr sssssttttuu derart einzutragen, daß die ivagrechten und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes ergeben: 1. Stadt in Dänemark. 2. Eine Zierpflanze. 3. Franzos. Revolutionär, Nummer. Auflösung der Charade in voriger Nummer: Waldteufel. sie aus Kuba ein. Von diesen ersten nachweisbaren Zentren hat dann im Ausgang des 18. Jahrhunderts eine durchaus änschau- liche Verbreitung stattgefunden: 1780 kam sie nach Ktzntuch), 1793 bis Newyork, 1797 überschritt sie nach Westen den Mississippi. Erst das 19. Jahrhundert bezeugt sie jals imj- portiert für Brasilien. In Montevideo war sie erst 1857. In dieser Daten folge liegt so viel Methode, daß miau sich ihrer! Beweiskraft kaum entließen kann. Einmal glücklich über das große Wasser gebracht, muß es der Kstlturbiene dann allerdings drüben ganz besonders gut gefallen haben, Sie verlor sich mit Lust überall möglichst schnell aus den Farmergärten in den freien Urwald hinein. Die Tropenhitze machte ihr gar nichts, ja gerade auf Kuba feierte sie Triumphe. In ivenigen Jahrzehnten stieg dort die Ausfuhr an Wachs von 81000 auf 1 281000 Pfund: das war schon zu Humboldts Zeiten und hat sich seither,, beständig weiter gesteigert. Sv ivird es dabei bleiben müssen, daß, entgegen andern, auf sehr dürftigen Angaben gestützten Hypothesen, auch unsre liebe Biene mit der gwßen Welle unsrer Hauptkultur, die von Ost nach West floß, geschwommen ist und daß auch ihr Amerika fltr sie von Kolumbus wirklich mit- ,entdeckt worden ist. i — Bodenkultur durch Elektrizität. Auf jede mögliche Art und Weise bemüht sich der menschliche Geisti die Natur zit zwingen, in reicherem Maße, als es ihr sonst be- lieben würde, ihre Früchte und Kräfte preiszugeben. Der Professor Lemstronl aus Helsmgsvrs hat, wie die Fortnightly Review berichtet, mit ausgezeichnetem Erfolge die Elektrizität in den Dienst der Bodenkultur gestellt, um Bodenfrüchte von besonderer Qualität hervorzubringen. Der vom elektrische,i Stroni durchzogene Erdboden zeitigte um 50 bis 120 Prozent mehr Erdbeeren, deren Früchte um 35 bis 40 b. H. ausgiebiger waren, als die gewöhnlichen. Die Kartoffel ergiab einen 20 v, H. stärkeren Ertrag auf elektrisch behandeltem Boden. Voraussetzung ist, daß der Boden an und fite sich fruchtbar sei, dann kann feilte -"^Rbarkelt in so. hohem Maße gesteigert werden. Bei un- fruchtbarent Boden bleibt auch die elektrische Behandlung ohne Erfolg Diese Methode des Professors Lemstrom verdankt ihre Entdeckung der von vielen Forschem bemerkten Tatsache, daß rn den Pvlargegenden, wo die Lust viel elektrizitätsreicher ist als in wn>eren Gegenden, der Erdboden viel fruchtbarer ist als bel uus Auch Versuche nut Beleuchtung der Pflanzen durch elektniches Licht haben em gutes Resultat ergeben und die Pflanzen zu außergewöhnlichem Wachstum gefördert. o.„, .Drc We ib e rscha tt a m P f i li g st t a g e i n R il ß l a n d. ^in iniieten,Rußland lebt die Sitte der Weiberschau am Psingst- bvch fort. „Bor einem Menschenalter", so schreibt der Borsen-Courier, „konnte man sie noch in der Hauptstadt selbst erleben. Wie em Slngei,zeuge aus der damaligen Zeit erzählt, li 'nachmittag der Sommergarten, ein be- ucbter Puch für Volksbelustigungen in St. Petersburg, gedrängt bon Junggesellen und Mädchen, die sich nach Fraiten oder nach Ehemännern umsahen. Tie Mädchen hatten dazu ihren bestell ^äelegt, der tn den meisten Fällen über die Verhältnisse km Ä niederen Standes ging. Bündel silberner Teelöffel, ^n itlberner, großer Kdchkessel, ein Samowar oder irgend ein an- r»^«Inkurtosts Wirtschaftsstück wurde gern in ausfallender Weise gebracht, als handgreiflicher Beweis, daß das Pfädchen ihrem Gatten etwas an Wertgegenständen mitzubringen imstande fcr Dw Jungen Manner flehen aber auch nicht zurück, sich das äleitttua mtnc6<,"s ®'*c Mädchen befinden sich in der Be- ■ ntR °^^^"es alteren Familienmitgliedes, da- mit ja auch alles mit Anstand vor sich geht Tie heirats- Junggesellen schlendent auf denk Festplatz hin und her und Ichauen sich die Kandidatinnen prüfend von allen Seiten an. Hat nun em junger Mann einen günstigen Eilidruck von rigendemem Ätadcyen erhalten, so wendet er sich keinesweas KW K den Gegenstsand seines Wohlgefallens, sondern es er- E^tenoe Nnterhaltuiig mit einer älteren M^E'oitsPersoii, gewöhnlich einer Frau. Er sagt ihr seinen Er legt 8^^F^ndffmd gibt eine Uebersicht seiner Habe ffhr' cht i me n^ tebene Fragen vor, die m'anchmal einen keine Verlmndte des Mädchens, lff Kff'i. eine vtrt Hetratsvernnttlerm, die entweder aus Freund- aÄtiöftS t'ää Rubelffage den wicknwn^. erörtert, abgewogen, wobei die Die $riifmig föuft n8JmKf1^a9sat,t,c? Tagesordnung bildet. U?ALL Literatur. mV—; Deut sch eir L iteraNirätla s. Bon Dr. Siegfried Robert Nagel, k. k. Prof, m -Ltehr. Wien, k. Und k. Hof-Ber- fflgs-Buchhandlung Carl Fromme. Preis Mk. 6.— Auf 47 Kurten entwirft der Berfasscr ein Bild der Enttvicklung, die deuflche Schrifttum vom 8. Jahrhundert an bis zum Jahre 1848 genommen hat. Ter Verfasser hat nahezu 2000 deutsche Dichter und Denker dieses großen Zeitraumes so gruppiert, daß die Entwicklung jeder deutschen Landschaft (wozu auch Deutsch- Oesterreich, die Schweiz, teilweise auch Holland, Dänemark, Deutsch-Ungarn, Deutsch-Rußland zählt), erkennbar Ivird. Die erstell drei Hauptkarten zeigen uns die Blütezeit der althoch- deutschen und mittelschdeutscheii Dichtung: zwei dazugehörige Nebenkarten sind der Verfallszeit, sowie den religiösen Vorläufern der Reformation gewidmet. Sechs weitere Karten beschäftigen sich 'mit der geistlichen und weltlichen Dichtung der Reformations- zeit, dem DraiNa, dem Humanismus, den Neulateinern und dem Verfall der Reforinätioiisdichtung. Die Zeit des dreißigjährigen Krieges Mit den Sprachgesellschaften und der Schlesischeit Schule uuluut fünf Karten in Anspruch, die neuere Literatur seit Gottsched 17 Karten, wobei den Brenier Beiträgen, den Stürmern und Drängern, den Göttingern, den Romantikern usw. Soudcr- karteit zuteil werden. Auf 14 kleineren Klarten ist das Leben der bedeutendsten deut>chen Dichter zur Darstellung gebracht. Ter Atlas, in dreifarbigem' Steindruck ausgeführt, mit einer gedrungenen sachlichen Einstihrung und einem Sachregister, ist ein eigenartiges Novum auf dem Gebiete der Germanistik -.77, Menschwerdung. Ein Blatt aus der Schöpfungs- geichichte. Von Dr. Ludwig Wilffr. 8°; VIII, 144 Seiten. 7 farbige Tafeln und 21 Textabbildungen. Verlag von Strecker und Schroder in Stuttgart. Preis geheftet Mk. 1.—. Wilffr besteht es, den Stoff für den Leser durch seine Schreibweise fesselud zu gestalten. Er wendet sich mit seinem Buche an die, ote den Kampf nicht scheuen und kein höheres lind edleres Ziel rennen, als den Urgrund aller Tinge zu verstehen und zur ungeschminkten, _ unverschleierten Wahrheit durchzudringen, int ffcheren Bewußtjeui, daß jede Erkenntnis und alles Wissen vonc Menschen tn unendlichem Mühen und vieltausendjähriger Anstrengung, aber mit eigener Kraft errungen ist. Ans der langen und wechselvollen .Entwicklungsgeschichte des Menschengeschlechts! ist mir ein einzelnes Blatt herausgegrifffn, allerdingA das wich--? tigste, auf dem die eigentliche Menschwerdung, der allmäh- liche Uebergang von tierähnlichen Vorstufen zur ältestbekamiteN Gestalt des wirklich diesen Namen verdienen den Menschen verzeichnet steht. _ Auflösung in nächster Kreuzrätsel.