Mttwoch den 24. April 1907 MU h a LpTiufe s MMj WDMW MMAWVM Ä Dem Irrlicht nach. Roman von Alexander Römer. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Villatte war zu Erna getreten und hatte sich auf das kleine Tabouret neben dem Kredenztisch, wo xr frither oft gesesscn, niedergelassen. Ernas Hände zitterten plötzlich, während sie den Kaffee eingoß, die Tassen klirrten leise aneinander. „Fräulein Erna, nun bin ich auch Ihr Bruder geworden, nicht wahr?" sagte er in gedämpftem, bewegtem Ton. „Wollen Sie Sylvia und mir Ihre Liebe und Freundschaft erhalte,:? Wir bedürfen ihrer sehr." Erna mußte ihn anblicken. Liebe und Freundschaft — Gott wußte, daß die in ihrem Hetzen für ihn und für sie lebten —sie war treu, wo sie einmal liebte, liebte sie immer. „Daran glaube ich auch so fest, wie an Gottes Allmacht," entgegnete er mit strahlenden Augen, „und Sie wissen es, Sylvia ist noch solch ein kleines, kindliches', unselbständiges Geschöpf. Sie sind anders, Erna, Sie stehen hoch über uns, wie unsere Vorsehung, wie unsere Weisheit, die allezeit besonnen bleibt und immer das rechte trifft. Sie haben Sylvia bisher geleitet zu allem Guten, bleiben Sie ihr, was Sie ihr waren, lassen Sie sie nie aus Ihren: Herzen." Erna schüttelte abwehrend den Kopf; seine Seele war so voll, er hätte heute die ganze Welt umarmen mögen, er ahnte nicht, was er von ihr forderte. Sie zwang sich zu einem Lächeln, das ihi: befriedigen konnte. „Sylvia hat jetzt Sie," sagte sie zögernd, „da braucht sie niemand sonst." „Doch — doch — sie braucht Sie, Erna. Ich — nun, Sie werden es mir zutrauen — mein ganzes Leben gehört fortan ihr. Sie soll nichts entbehren, wenn ich es schaffen kann, und schaffei: werde ich es allein. Für sie sorgen darf niemand als ich. Das .Sorgen für andere ist ja mein Lebenselement, ich habe es gekonnt und gedurft von früh auf, für die Eltern, für die Brüder — was ist das für eine Freude gewesen — und nun gar für sie! Zch habe es dem lieben Gott heiß gedankt, daß er mir so mein Glück schuf." Er sprach noch immer im Flüsterton in seiner tiefen Erregung, die nun zu Erna ausströmte. Es' war unter dem Bann der äußeren Formalitäten und gesellschaftlichen Anforderungen alles ü: ihm verschlossen geblieben, er hatte ja nicht einmal zu der Braut sich ansfprechen können. Aber Erna verstand ihn immer, sie war die erste, der dieser warme Strom entgegenquoll. „War das eine Freude, ein Ersatz?" fragte Erna sich. Gott zeigte ihr wohl, daß cs einer sein solle. Würde Sylvia diese Reden verstehen? Sie, die unter Roderichs Egoismus so schwer gelitten haben mußte. War sie imstande, Vergleiche anzustellen? Dam: mußten ihr die Augen airfgehen über solchen Kontrast. „Sic sind ein selbstloser Mensch, Villatte," sagte sic, „es gibt wenige von Ihrer Art. Im allgemeinen sind die Menschen froh. Wenn sie nur für sich allein zu sorgen haben. Und ich will cs Ihnen nicht verhehlen, das Glück, das Sic sich so rühmen, haben Sic recht ausgiebig gefunden. Sylvia ist eilte verwöhnte kleine Prinzessin." _ „Ja, das mag sein," meinte er, und es flog Ivie en: leichter Schatten über seine Stirn, „den Reichtum dieses Hauses kam: ich ihr freilich nicht bieten. Sie wird kein Reitpferd und teilte Equipage zu ihrer Verfügung haben, und manchen andern Luxus nicht. Aber daran hängt dozch das Glück nicht, und es wird auch ihr nicht daran hängen." Sein von der Gasflamme beschienenes' Gesicht sah zu ihr auf, der Ausdruck keimender Sorge spiegelte sich darin. „Nein, nein, Sylvia wird keine törichten Dinge verlangen," beeilte Erna sich hinzuzufügen, „sie wird und muß immer dankbar erkennen, wie gut es ihr geworden ist in der Welt!" „Ja, sehr gut," wiederholte er. „Ihrer Eltern Liebestat darf sie nie vergessen. Was wäre wohl ihr Los geworden unter der Obhut ihrer eigenen Eltern?" Er erhob sich mit sinnendem Ausdruck, Frau Zernial war zu Sylvia hineingegangen, diese mußte erwacht sein. Die Nähe dieser Mutter gab ihm jedesmal einen Stich. Hoffentlich blich Sylvia nicht lange unter ihrem Einfluß. Menn er die Professur in Leipzig erhielt, was in nächster Zeit zu erwarten stand, würde er verhüten, daß sie der Tochter folgte. Es war traurig, sh zu denken, aber sentimentale Schwäche war hier nicht am Platz. Die erste:: nüchternen, praktischen Erwägungen gewannen Raunt in seiner Seele. 8. Kapitel. Es waren die letzten schönen, sonnigen Oktobertage gewesen, als diese Ereignisse sich abspieltcn, dann wurde das Wetter rauh und stürmisch. Der Novemberhimmel war einförmig grau, es wurde kaum hell in tblen kurzen Tagen. Im Walldorfschen Hanse ging alles wieder im alten Gleise und doch war so viel verändert, an: meisten und ausfallendsten Sylvia. Ihr fröhliches Lachen, ihr Singen und Trällern auf Gängen und Treppen schien für alle Zeiten verstummt zu sein, und jeder im Hause vermißte es. Die bräutliche Würde machte sie ernst. Nur ihre Heinen tyrannischen Launen waren nicht gcschwnudeit, sie übte sie noch und mit unliebenswürdigerer Wirkung. Ter gute, liebevolle Bräutigam mußte sie fühlen, obgleich sie sie au ihm noch zum geringsten Teil guslicß. Er flößte ihr trotz feiner Milde und Nachsicht doch ungemeffeiteit Respekt ein. Erna wunderte sich oft, wie sie ihm cntgegcnlächeltc, gc-, duldig und freundlich war, wenn kurz vorher Ausbrüche übelster Stimmung erfolgt waren. Aber eine kühle, jeder leidenschaftlichen Regung ermangelnde Brant war sie. Villatte vermißte scheinbar nichts. Er sah sie nicht zu allen Zeiten, er sah sie nur unter dem Zwang einer gewissen Beherrschung,! und ihre keusche Zurückhaltung fesselte ihn. Die meisten Stunden wurden unter Beratungen über die Aussteuer und die Toiletten verbracht. Sylvia war immer sehr empfänglich für das letzte Fach gewesen, jetzt ging sie ganz darin auf. Sie entwickelte einen anerkenneuswerteit Geschmack aus dem Gebiet und überraschte stets durch ihre Erscheinung. 238 Mer Erna Nachte Mitunter mit Sorge an den künftigen Haushalt, w«m fie die ihr ungefähr bekannten Einnahmen des Bräuttgams mit diesem Aufwand verglich. Von Roderich war als Antwort auf die VerloLuugsänzeige ein Brief an Erna eingetrvffen, den sie niemand zur Einsicht -gab. Es war ein Schriftstück sehr aufgeregten, zerfahrenen Inhalts. „Es war ja unnröglich, ganz undenkbar, daß dies habe geschehen können — Sylvia dem Philister verkuppelt — wer sie dazu gezwungen habe — und wie Erna es habe geschehen lassen können." Erna wurde rot und blaß über dem Lesen und empörte sich über des Bruders Auffassungen und Ausdrücke. Ob er in seinem blinden Rausch Wohl die unglaubliche Torheit und Gewissenlosigkeit begangen hatte, an Sylvia ebenfalls zu schreiben? Erna fürchtete es, gewisse Anzttchen schienen es ihr zu vertaten — aber Sylvia machte sie nicht mehr zu ihrer Vertrauten. Sie war der Schwester gegenüber die Verschlossenheit selbst. Die einzige, welche in dieser Beziehung etwas verraten konnte, war Tante Cölestine, aber sie erging sich in so vieldeutigen Reden, war auch leider so wenig glaubhaft, daß Erna kaum hoffte, von ihr die Wahrheit zu hören. Sie schrieb daher beruhigend an Roderich, gab ihm so viel Aufklärungen, wie sie zu geben vermochte, und wies ihn nun auf seine ehrgeizigen Hoffnungen und Interessen hin, denen er ja freiwillig seine Liebe geopfert hatte. Roderichs spätere Briefe schwiegen dann über den Punkt, Vielleicht war er mit sich darüber ins reine gekommen. Seine Briefe über sich klangen wechselnd, ost sehr angeregt, oft pessimistisch und enttäuscht. Paris bot ihm nicht ganz, was er erwartet hatte. Der Kreis der Gönner und Freunde dort machte ihn nicht zu ihrem Mittelpunkt, wie er es in Dresden gewohnt gewesen, wo seines Vaters Reichtum ihm einen Hintergrund gab. Es waren da „eingebildete Lassen", „verschrobene Jdeenreiter", „fanatische Sektirer", der Neid gegen bcn Deutschen verhindere jede Geltendmachung, dem echten Genius zollte man auch da keine Ehrfurcht. Hendrichs, der Fischblütige, der es mit allen Kreisen halte, bringe ihn oft zur Verzweiflung. „Mir ist mitunter so zu Mut, als ginge ich am liebsten wieder nach Hause und machre als geduldiges Pferd in der Tretmühle den Vater glücklich," schrieb er eines Tages jui Erna. „Wenn nicht Sylvias tolle Verlobung vorläge! Sie in den Armen des andern zu setzen geht über meine Kräfte." So — nun, es war gut, daß der Vater es nicht wußte, wie Sylvia den Sohn, der auf dem Wege war, vernünftig zu werden, vom Elternhause fern hielt. Erna ersehnte übrigens Mehr als irgend jemand sonst das Ende dieser Brautzeit und den Tag der Heirat. Auf Ostern war sie festgesetzt, undVillatte hoffte — wie er aber nur Erna verriet, Sylvia sollte durch den Gedanken nicht gestört werden ■— daß bis dahin seine Ernennung zum außerordentlichen Professor an der llniversität Leipzig erfolgt sei und sie ihr neues Heim in der Nniversi- tätsstadt beginnen könnten. Sylvia hatte in jüngster Zeit ihre Gesangsübungen wieder vorgenommen, und alle die Sachen, die sie mit Roderich gespielt, hervvrgeholt. Es war das einzige, was sie in alter Weise Mit Leidenschaft betrieb. Zu Ernas Qual musizierte sie mit ihrer Mutter oft die ganzen Morgenstunden hindurch in der joberflächlichen, unsorgfältigen Weise, welche Frau Zernials Spiel charakterisierte. Sylvias Stimme war allerdings freier und ihr Vortrag seelenvoller als früher ; Erna frappierte es oft, welch ein veränderter Geist darin lag. Roderichs Arien, die ihr stets matt und ohne besondere Originalität erschienen waren, gewannen wirklich Feuer, so wie Sylvia sie saug, und Frau Zernial sprach neuerdings nur von Sylvias phänomenalem Talent und ihr'er Glockenstiinme. Bei dieser Art zu üben indes, die nur eine ganz falsche Ausbildung erzeugen konnte, dünkte es Erna recht unnütze Mühe und schlecht verwendete Zeit, die noch überdies den Hausbewohnern ein Martyrium auferlegte. Billatte war gar nicht musikalisch. Er hörte geduldig in seiner rücksichtsvollen Weise, welche stets anderer Interessen gelten ließ, einen gelegentlichen Vortrag Sylvias an, obgleich auch sein Ohr durch die unterlaufenden falschen Töne verletzt ward. „Quälen Sie sie nur nicht damit, Mama," sagte er dann wohl zu der Frau, welche er als Schwiegermutter zu achten hatte, „Sylvia soll ja gottlob weder Konzertsängerin noch Bühnenkünstlerin werden nnd wird bald andere Pflichten finden, die ihr zu dem schweren ^Studium nicht viel Zeit lassen." Fran Zernial warf bei solchen Reden den Kopf in den Nacken und machte — nach Ernas Meinung —. ein ganz impertinentes Gesicht. Die Abneigung zwischen ihr und dem Schwiegersohn war jedenfalls gegenseitig. „Siehst du," sagte sie dann später zu Sylvia, „jetzt spricht 8ev Herr Bräutiganr schon von dm Pflichten, während man zu Anfang die angebetete Götttn nur auf den höchsten Thron setzen wollte." Sylvia verzog ihr hübsches Gesicht in einer ihrer Umgebung wohlbekannten Weife. „Ach, wie langweilig ist das alles!" sagte sie. „Ich habe eine Ahnung, du und Armand, ihr werdet euch immer zanken." Sylvia fand in der Tat das Leben jetzt furchtbar langweilig. Sie hatte es gewußt, daß es nach Roderichs Abreise so werdest Würde. Der Brautstand hatte auch nichts daran geändert. Billatte verstand es nicht, sie zu unterhalten. Sie iv^r allemal froh, wenn er sich wieder an Erna wandte, welche ja für alle die gelehrten Tinge ein Ohr und ein Verständnis hatte. Es war ihr so gleichgültig, ob sie irgendwo wieder einen neuen Planeten entdeckt hatten oder ob Bismarck eine Rede gehalten und wieviel Sozialdemokraten in den Reichstag gewählt worden waren. Sie gerieten ordentlich ins Feuer, in Debatten dabei, auch manchmal über die sogenannte Frauenfrage — wie viel die Frauen leistest könnten und sollten. Sie hatte neulich — seit langer Zeit zum erstenmal wieder — laut herauslachen müssen, als Erma gegen die Nealgymnasim für Frauen eiferte und ganz rot dabei int Gesicht wurde. Es stand Erna schlecht, wenn sie rot wurde. Und Armand hatte da lächelnd seine Hand ans ihrm Arm gelegt und gemeint: „Sie tonnen nicht mitreden, Erna, Ihnen gab die Natur alles, was die Fran zu ihrem Beruf bedarf, den klaren Ber-, stand, das logische Denken und die praktische Tüchtigkeit. Es gibt aber viele Ihres Geschlechts, die das alles erst üben und lernen müssen." Armand hatte hübsche, schlanke weiße Hände, das machte sein Aussehen vornehm — Sylvia verweilte mit ihren Gedanken bei diesen Händen und erwog dann in einem müden, gleichgültigen Denken, ob Armand sie wohl für unwissend halte. Nun, es machte nicht viel aus — in ein Realgymnasium konnte er sie ja nicht mehr stecken. Einigemale hatte sich in Villattes vertrauendes Herz eine Sorge geschlichen. Bei dem Auswahlen und den Beratungen über die junge Einrichtung entwickelte Sylvia nach seiner Meinung zu wenig Bescheidenheit. Der Kvmmerzienrat hatte sehr großmütig und liberal die Anweisung gegeben, Sylvia reichlich auszustatten, und die kleine Prinzessin ging nun in den Möbel- magazinen, den Teppichlagent und Modemagazinen umher und wählte nur die allerteuersten Luxusgegenstände. Frau Friederike erhob in ihrer umständlichen und schüchternen Manier zuweilen einige Bedenken, ob es nicht für die Verhältnisse zu großartig, für des Kommerzienrats Annahmen etwas zu teuer sei. Frau Zernial schnitt solche Reden mit rücksichtsloser Schärfe ab. „Tas ist wieder deine enge Zaghaftigkeit, Friederike. Was das wohl bei deines Gatten Mitteln ansmacht! Ihr habt es ja doch noch viel eleganter in eurem Hause, und daran ist Sylvia gewöhnt." Billatte hatte dann Sylvia allein genommen und ihr fteuM lich bedeutet, daß es ihm peinlich sein würde, wenn sie irgend^ wie die vom Pflegevater ausgesetzte Summe überschreite. „Und überdies," hatte er hinzugefügt, „ich bin derselben! Meinung wie Mama Walldorf, es paßt nicht in unsere Verhältnisse. Wir werden kein großes Haus machen, dazu reichest meine Mittel gar nicht. Wir ivollen uns ein behagliches Nest für uns einrichten, wo es sich warm darin wohnt. Du hast noch keine Erfahrung, meine kleine Sylvia, und kennst noch nicht das Sprichwort: Was du nicht brauchst, ist eine schwere Last." Sylvia sah bann mit dem scheuen Blick eines gescholtenen Kindes zu ihm auf, der ihn stets im Ungeroiffen darüber ließ/ ob sie überzeugt und mit ihm einverstanden fei. Dieser Blick/ diese andauernde Verschlossenheit ihres Wesens beängstigten ihn allmählich. Sylvia aber dachte: „O, mein Gott, Mama Hat recht, er ist ein Philister!" Und sie schauderte Beim Gedanken au das behagliche Nest für sich und ihn allein. Das Wetter war noch immer schlecht, bis über Wetyft nachten hinaus. , Tie Reitpferde waren abgeschafft; seit Roderich fort war, fehlte es den beiden Mädchen an geeigneter Begleitung, UM Erna, der das Reiten sonst Vergnügen gemacht, gab es aus, um Sylvia mit gutem Beispiel voran zu gehen. Sylvia aver sprach täglich davon, wie fehr sie eS entbehre. (Fortsetzung folgt.) — 239 — Der Autobus auf dem «-Laude und rn der Stadt. Von Titan. Wenn ein neues Verkehrsmittel von der Technik geboren wird, knüpfen sich in der Regel ans der einen Seite überschwengliche Hoffnungen an seine Bedeutung und die Größe seines Vcrwen- dungsgebietes, während es von anderen stark konservativ veranlagten Menschen int Gegensatz hierzu wieder bedeutend unterschätzt Äehnlich ist es dem Autobus ergangen. Es hat zunächst längere Leit gedauert, bis es der Technik gelungen war, einen betriebssicheren AutobuS herzustellen. Heute haben wir ihn. Daran ist kein Zweifel. Die Motoromnibusse neuester Konstruktton, allen voran die deutschen Fabrikate, sind praktisch bewährte, betriebssichere Gefährte, eine Tatsache, an der der Umstand nichts ändert, daß hie und da einmal Störungen Vorkommen, Störungen, die bei einer technischen Neuheit in der Regel stärker bemerkt werden, als bei eingebürgerten Verkehrsmitteln. Die praktische Feuerprobe hat der Autobus in Loudon bestanden. In dieser an Straßenbahnen verhältnismäßig armen Stadt hat hier von scher der Omnibusverkehr eine sehr große Rolle gespielt. Hier war ein günstiger Boden für den Ersatz des Pferdeomnibus durch den schnellen Autobus gegeben. Seit über 2 Jahren sind viele Hunderte von Motor- omnibussen dort in Dienst gestellt worden, zum großen Teil deutsche Fabrikate, und die zahlreichen weiteren Bestellungen der in Frage kommenden Gesellschaften deuten darauf hin, daß die Zahl sich bald verdoppeltt annb verdreifachen wird. Dem Beispiel der englischett Hattptstadt folgend, ist dann im letzten Jahre auch in der deutschen Reichshauptstadt der Autobus als Verkehrsmittel eingeführt worden. Und er hat es verstanden, sich außerordentlich beliebt zu machen. Es ist ganz zweifellos, daß gerade in den verkehrsreichen engeren Straßen der Innenstadt der beweglichere „Bus" große Vorzüge vor der an starre Schienen- sträugc gebundenen Straßenbahn besitzt. Es kann mit ihm noch in Straßen ein regelmäßiger Verkehr aufrecht erhalten werden, die wegen ihrer großen Engigkeit das Einlegen von Schienen für (Ltraßenbahnwagenverkehr nicht gestatten. Er ist int Stande, im Fall eutf der Straße vor ihm ein Wagen zusantmenbricht oder sonst ein Hindernis entsteht, um dieses Hindernis herum zu fahren, wenn nötig unter vorübergehender Benutzung anderer Straßen. Wird sein eigener Mechanismus schadhaft, so daß eine Weiterfahrt nicht möglich ist, so hindert er jedenfalls nicht seinen Hintermann. Das sind zweifellos große Vorzüge, die um so mehr in die Erscheinung treten, je dichter der Verkehr an sich ist, Vorteile, die der -Omnibus gegenüber der Straßenbahn hat. In Berlin hat denn auch die Praxis alle diese Voraussetzungen in vollem Umfange bestätigt. Tatsächlich befördert der Autobus durch die. verkehrsreichen Straßen rascher wie die Straßenbahn. Allerdings steht den Vorteilen ein Nachteil gegenüber, oder ist vielmehr mit ihm eng verknüpft: die Unabhängigkeit vom Gleis läßt den Omnibus für die Fußgänger und die übrigen Wagen gefahrvoller erscheinen. Während man bei der Straßenbahn weiß, daß, wenn man sich nicht auf den Gleisen befindet, einem 'auch kein Straßenbahnwagen etwas anhaben kann, ist man beim Omnibus in dieser Hinsicht nicht sicher. Nun trifft diese Einwendung zwar für alles schienenlose Fuhrwerk zu, beim Autobus ist jedoch zu bedenkeit, daß er ziemlich schwer ist und mit sehr großer Geschwindigkeit führt und fahren muß, soll er nicht seinen Beruf verfehlen. Diese großen, schweren, schnellfahrenden Wagen haben bei schlüpfrigem Wetter gar oft starke Neigung zum Schleudern, und sind nicht immer mit der wünschenswerten Schnelligkeit zum Stillstand zu bringen. Dieser Umstand hat hie und da auch schon Unfälle verschnldet, was nicht verschwiegen werden darf. Der praktische Betrieb hat jedoch gezeigt, daß die Vorteile des Motoromnibusbetriebes für die großstädtische Bevölkerung so groß sind, daß ihnen gegenüber der eine Nachteil ohne weiteres in den Kauf genommen werden kann, zumal er durch entsprechende Bauart der Wagen, regelmäßiges Säubern des Pflasters und geschickte Führer wesentlich zu mildern ist. M liegt in der Natur der modernen Großstadt, daß die Interessen! der Gesamtheit der Bevölkerung, vor allen die Berkehrsinteressen, bett Rücksichten auf einzelne Aettgstliche oder Gebrechliche ganz entschieden vorangestellt werden müssen. Das mag manchem grausam klingen, aber bie Versagung guter, zuverlässiger und rascher Verkehrsmittel wegen der Möglichkeit einzelner Unfälle ist auch eine Grausamkeit gegen die Mehrzahl der arbeitenden, werktätigen Bevölkerung. Daß bie Bäume des Autobus in der Großstadt nicht in den Himmel wachsen, daß er nur dort in den Dienst gestellt wird, wo ein besonders starker Verkehr herrscht, dafür sorgen schon seine Betriebskosten. Diese sind so außerordentlich viel höher wie die einer gut gebauten elektrischen Straßenbahn mit Oberleitung, daß der Bus zu höheren Tarifen gezwungeit wird. Ein allgemeiner 10 Pfennigtarif ist bei den heutigen Benzin- und Gummipreisen ein Ding der Unmöglichkeit. Das hat man z. B. auch in Berlin erkannt, Zu seinem Leidwesen erkannt. Denn wenn irgend "möglich, hätte die Allgemeine Berliner Omnibusgesellschaft ihren Tarif für läitgere Strecken nicht auf 15 Pfennige erhöht, beim bamit erschwert sie sich den Konkurrenzkampf gegen die Straßenbahn ja selbst. Das Publikum zahlt die höheren Tarife natürlich auf bie Dauer nicht aus Begeisterung für den Autobus, sondern nur, wenn cs dafür greifbare Vorteile erhält, und diese kann er einzig und allein bieten durch schnelle Beförderung in engen verkehrsreichen Straßen und bie Schaffung von Verkehrsverbindungen, die aus irgendwelchen Gründen von der Straßenbahn nicht hergestellt werden können oder dürfen. Damit ist sein Berwen- dungsgebiet gekennzeichnet und begrenzt, solange es nicht gelingt, durch irgend welche technischen Errungenschaften die Betriebskosten zu erniedrigen, bie beiläufig zwischen 50 und 60 Pfennigen pro Kilometer (!) schwanken. Wie steht es nun mit dem Autobus auf dem Lande? So günstig wie man es vielerorts im ersten Augenblick angenommen hat, nicht. Die Wagen erfordern ziemlich gute Straßen, schlecht gebaute Wege werden bald in Grund und Boden zerfahren: die Unterhaltungskosten der Straßen steigen. Der obengenannte Satz von etwa 50 bis 60 Pfennige Betriebskosten für jedes zurückgelegte Kilometer gibt gleichzeitig Aufschluß, wie stark jeder Wagen durchschnittlich besetzt sein muß und wie hoch die Tarife sein müssen, um das Unternehmen in wirtschaftlicher Hinsicht befriedigend zu gestalten, lieber eilte Strecke von etwa 3 ober weniger Kilometer fährt der Landbewohner im allgemeinen nicht, das Berkehrsbe- dürfnis, richtiger noch das Fahrbedürfnis ist bei weitem nicht so groß wie in den Städten, auch nicht annähernd so entwicklungsfähig. Die Einrichtung eines regelmäßigen Antomobilverkehrs wird sich also nur in ganz bestimmten Fällen als lohnend erweisen, dort nämlich, wo ein starker Verkehr wenigstens zu bestimmten Stmiden des Tages regelmäßig sicher zu erwarten steht und die Straßen in guter Beschaffenheit sind. In vielen Fällen wird allerdings auch daun eine Nachrechnung ergeben, daß die Anlage einer Schienenbahn auch nicht viel teurer zu stehen kommt und weit billiger int Betriebe ist. Immerhin wird der Autobus in vielen ländlichen Gemeinden als Berkehrspionier wirken können. Schließlich ist er leicht beweglich: rentiert sich dort fein Verkehr nicht, so kantt er leicht einen anderen Dienst antreten, eine Möglichkeit, bie bei Schieucitbahnett fortfällt. Ein Mittelding zwischen Schsiuenbahn unb Autobus bildet bie gleislose Bahn an elektrischer Oberleitung, System Schiemann. Als reines Personenverkehrsmittel h t sie sich bisher noch nicht recht eingebürgert, wohl auch wegen der Betriebskosten, dagegen sind schott Erfolge dort erzielt worden, wo neben der Personenbeförderung die Beförderung von Gütern durch gleislose Motorwagen iu größerem Umfange erfolgen konnte. Würg Schaumburg. Am silbernen Hochzeitstage des Fürsteitpaares zu SHanm- burg-Lippe hat der Küfer (tote berichtet wurde) dem ^Fürsten Georg die Burg Schaumburg zum Geschenk gemacht. Sie liegt zwischen Rinteln und Oldendorf auf einer 186 Meter hohen Vorhöhe des" Pasch enüLrg es. Erbaut wurde sie im Jahre 1033 von Graf Adolf I. von Schaumburg, dessen Linie im Jahre 1640 ausstarb, nachdem sie im Jahre 1619 gefürchtet worden war. Teile ihres Gebietes mit der Schaumburg fielen an das Haus Hefsen- Kässel und erhielten den Namen „Grafschaft Schaumburg". An die Schaumburg knüpfen sich verschiedene kurhessische Erinnerungen. Daß sie heute noch existiert unb von ihnen Zinnen und Türmen nun wieder die silberne Nessel im roten Felde herabweht, das ist lediglich das Verdienst des kurfürstlich hessischen Oberförsters Karl Kayser (gest. 1859), der zn Beginn des vorigen Jahr- hunderts bas Forstrevier Bernsen, in dem bie Burg liegt, verwaltete. „Zur Verhütung von Unglücksfällen", fo dekretierte Kurfürst Wilhelm I. von Hessen, „hat der Abbruch der Schaumburg zn erfolgen." Entschieden dagegen protestierte Kayser. Mit dem damaligen Kitrprinzen Wilhelm, dem nachmaligen Kurfürsten Wilhelm II., feit Jahren befreundet, wußte Kayser diesen nicht nur, sondern auch dessen Gemahlin, die spätere Knrfürstin Auguste (eine geborene Prinzessin von Preußen und Schwester König Friedrich Wilhelms III.) für die Erhaltung dieses Andenkens aus längst vergangener Zeit zu gewinnen. Auch der damalige Direktor der Forstakademie zn Fulda, Forstmeister Joh. Christian Hundeshagen (gest. 1834 in Gießen), ein Freund Kaysers, trat bei der kurfürstlichen Cberbaiifeimniffion und dem Ober-Forsti- kolleginm in Kassel entschieden für die Erhaltung der Burg ein. Durch die Fürsprache der KUrprinzessin besonders wurde das bereits dem Untergänge geweihte Baudenkmal gerettet und restauriert, und bie um die Schaumburg liegenbeit Waldungen, bie unter der westfälischen Herrschaft arg devastiert waren, wurden unter der Leitung bes Oberförsters Myser in einen Mustersont umgewandelt. Kurfürst Wilhelm II. unb seine Gemahlin besuchten die Schaumburg und ihre Umgebung sehr oft. Man genießt von der Burg eine herrliche Aussicht auf bie Weierberge von Hameln bis Minden. Besonders durch eine Tur des Burghofes ist der Blick so großartig und überwältigend, daß ite „Htmmels-Pforte genannt wird. Auch in den Jahren, in denen die Kurfurstm Auguste getrennt von ihrem Gemahl in Bonn und Fulda lebte, besuchte sie öfter als Gräfin von Steinau in Begleitung Ujrer Tochter, der Prinzessin Karoline, die Burg. Bet diesen Besitchen nahm die uaturlicbenbe Fürstin, die eine treffliche Zeichnerin Mar, bezaubert von der herrlichen Gegend, zahlreiche Skizzen auf Ferner veranlaßte sie den Oberförster Kayser, auch den oberhalb der Schaumburg liegenden Pafchenberg aufzuforsten und auf seiner Höhe, die 1500 Fuß über dem Meeresspiegel liegt, 240 die Paschcrrburg zu erbauen, nachdem ihm vom Kurfürsten der Grund und Boden zum Geschenk gemacht worden war. Auch der Sohn der Kurfürstin Auguste, der letzte Kurfürst von Hessen, iveiste als Kurprinz gern ans der malerisch gelegenen Schaumburg und in ihrer Umgebung. Er hatte für dieses schöne hessische Nebenland an der Weser und fite seine Bauern, die noch das Sachseurotz auf den Knöpfen ihrer Linnenwämser trugen und mit den Alt-- hesseu weder Stammesart noch Verfassung gemein hatteit, tvegen ihrer stets lebhaft betätigten dynastischen Gesinnuitg eine besondere Vorliebe. Aus diesem Grunde erhob er auch seine ihm morganatisch angetraute Gemahlin Gertrude Falkeustein am 30. September 1831 zur Freifrau von Schaumburg und dann nm 10. ©ft. desselben Jahres zur Gräfin von Schaumburg. Noifchlägs sür BanLe» in Ländlichen Ortschaften. Das Großherzoglich sächsische Staatsministerium zu Weimar hat beit Schul- und Kirchenvorständen des Großherzogtums folgende beherzigenswerte Ratschläge übermittelt, die auch anderwärts von Nutzen sein werden. Die Erscheinung der in den letzten Jahrzehnten in ländlichen Ortschaften aufgeführten öffentlichen Bauten, iuie Kirchen, Pfarreien und Schulhäufer, läßt zum großen Teil die Aufnahme städtischer Bauweise erkennen und gibt deshalb zu den nach- stehenden Erörterungen Anlaß. Wenn es sich um den Neubau einer Dorfkirche, einer Pfarrei oder eines Schulhauses handelt, wird gewöhnlich ein Architekt oder.Baugewerksmeister herangchogen, dessen Tätigkeit ihren Schwerpunkt in der Ausführung städtischer Bauten hat. Dieser Techniker wird daher meist die ihm aus einer ländlichen Ortschaft zugehenden Aufträge in derselben Ausführung ivie die städtischen Bauten behandeln und damit Veranlassung geben, daß ein Mißverhältnis zwischen den Bauten .und der Oertlichkeit entsteht, tun sie errichtet werden. Bisweilen wird wohl auch von den ländlichen Kirchen- und Schulvorständen der Wunsch nach der Gestaltung eines Neubaues in städtischen Bauformen ausgesprochen, lveil die Meinung besteht, durch einen solchen Bau der Ortschaft einen besonderen Schmuck zu verleihen. Diese wohlgemeinte Absicht ist aber gewöhnlich nicht nur mit einer Steigerung der Bausumme verbunden, sondern sie verursacht auch höhere Unterhaltungskosten und hat außerdem zur Folge, daß der Neubau zu der Umgebung in einem beklagenswerten Mißverhältnis steht und den bisher einheitlichen Eindruck der Ortschaft vernichtet. Es erscheint daher angezeigt, daß beim Entwerfen von Dorfkirchen, Pfarreien und Schulhäusern dem beauftragten Techniker ausdrücklich die Beachtung der üblichen Bamveise zur Pflicht gemacht und nameittlich die Anwendung städtischer Bauformen untersagt werde. Bei Kirchenbauten wird zunächst festzustellen sein, was vonr alten Bau etwa erhalten werden kann, nnd danach wird sich die weitere Entwurfsbehandlung zu richten haben. Die Freilegung der Kirchen durch Beseitigung alter Kirchhofsmauern, nahestehender Gebäude oder großer Räume wird vorher genau zu prüfen sein, weil in vielen Fällen durch diese Freilegung die Erscheinung der Kirche nicht gehoben, sondern eher beeinträchtigt werden kann. Muß iein neuer Bauplatz gewählt werden, so soll er möglichst auf einer Anhöhe und so liegen, daß er in nicht zu ferner Zeit zum Mittelpunkt der Ortschaft werde. Die Pfarrei soll an die Kirche zwar nicht unmittelbar angebaut, aber mit dieser, wenn tunlich, zu einer Baugruppe vereinigt werden; doch mnß sich das Wohnhaus des Pfarrers mit seinen Nebengebäuden neben der Kirche nicht auffällig bemerkbar machen. Es wird daher, namentlich wenn die Pfarrei zwei Stock- iverke erhalten soll, sorgfältig zu beachten sein, daß die Gebäudehöhe im richtigen Verhältnisse zur Höhe der Kirche stehe. Die Schulhäufer erfordern nach den Vorschriften Helle und lustige Schulsäle, sowie genügende Wohnräume für den Lehrer. Durch entsprechende Anordnung des geräumigen Spielplatzes wird sich jederzeit ein Entwurf Herstellen lassen, dessen Einfügung in dem Bilde der Ortschaft keine Störung hervorruft. Da meistenteils ein zweistöckiger Bau auszuführcn sein wird, so ist Gelegenheit geboten, im Obergeschosse den althergebrachten Fachwerksbau zur Anwendung zu bringen. Die äußere Erscheinung aller Bauten wird nicht zum geringen Teil durch die Bildung des Daches. hervorgerufen. In Städten, wo Reihenhäuser aufgeführt werden und wo besondere Vorschriften über die Höhe der Bauten und die Lichtzuführung geboten find, ist die Anwendung flacher Dächer in Holzzement, Zinkblech oder Dachpappe meistenteils begründet. In ländlichen Ortschaften haben die flachen Dächer keine Berechtigung und ein einziges flaches Dach ist imstande, das Bild einer Ortschaft dauernd zu beeinträchtigen. Es iverden daher für die ländlichen Ortschaften die altbewährten Satteldächer in erster Stelle in Frage kommen. Als Dachdeckung dienen namentlich gebrannte Dachziegel in Form von Hohlziegeln oder Plattziegeln. Auch das Falzziegeldach kann zur Anwendung kommen, sofern es nicht flacher als ein sogenanntes Wiukeldach gelegt wird. Bei der Eindeckung mit Schiefer em- pfiehlt sich die sogenannte deutsche. Deckung. Durch Abwalmung der Satteldächerchnd durch Erkerbanten lassen sich die Dachformen sehr wechselnd gestalten. Anstatt der Hofmauern, die in Verbindung mit hohen Torbauten den Eindruck sicherer Abgeschlossenheit Hervorrufen, wird in ländlichen Ortschaften vielfach das bei städtischen Bauten vorgeschriebene Eisengitter znr Anwendung gebracht. Auch hierdurch wird eine Störung der ländlichen Bauweise verursacht, die leicht vermieden werden kann. Erscheint die Hofmauer zu teuer, so wähle man einen Lattenzaum zwischen Mauerpfeilern. Auch ein gewöhnlicher Zinselzaun fügt sich besser in das Bild einer ländlichen Ortschaft ein, als das eiserne Gitter, dessen Herstellung nicht etwa billiger ist als eine Hofmauer, die vom einheimischen Maurer aus Natursteinen hergestellt werden kann. Werden erst mehrfach Bauten in der früher üblichen Bauweise unter Verwertung der neuen durch die fortgeschrittene Technik gebotenen Hilfsmittel errichtet sein, so wird sich ergeben, daß diese Bauten nicht unwesentlich billiger herzustellen gewesen sind, als. die bisherigen Eindringlinge int städtischen Gewände, und es steht dann zu hoffen, daß die Bewohner der ländlichen Ortschaften selbst den Wunsch haben iverden, die Bauweise ihrer Vorfahren weiter gepflegt und gefördert zu sehen. VevMrsch>ts§. — Die Frau als Königin. Die nwderne Frauenbewegung, die so machtvoll vorwärts schreitet und um die Gleichberechtigung mit dem Mann auf allen Gebieten ringt, ist ja heute noch bekümmert, daß sie nicht alles schon erreicht hat. Einen kleinen Trost findet sie dabei in der Vergangenheit und Geschichte, ivv in vielen Fällen die Frau die Königin ivar und das weibliche Element herrschte, während der Mann nur etwas Nebensächliches darstellte. Die französische Schriftstellerin Jane Dieulafoh hat unlängst bei einein Bortrage in Paris das geschichtliche Material zu diesem Thema in interessanter Weise zusammengestellt. Bei den alten Aegyptern wird die Snveriorität der Frau bewiesen durch die religiöse Sage von Isis und Osiris, Bon diesen beiden Gottheiten ivivd die weibliche Isis, als unsterblich, ausgestattet mit ewigen Kräften geschildert, während Osiris sterblich ist. Im Tal des Nil hat man weitere Beispiele von der weiblichen Suprematie gefunden. In der neunzehnten Dynastie zum Beispiel ragte eine Frau, die berühmte Hatason, hervor, die gleichzeitig Hvherpriester, Verwalter der Provinzen und Oberinspektor der königlichen Güter war. Auch die Bibel erwähnt mehrere Fär'F von der „männlichen" Frau. So wird Debora als ein ,erer Feldherr geschildert, ebenso Mirjam, die Schwester von Moses, die Königin von Saba und vor allem Mhalie. Endlich muß man bei dieser Gelegenheit auch an bie streitbaren Amazonen denken. Allein auch bei anderen Völ- keru haben die Frauen ftüher eine dominierende Stellung eingenommen. Man denke nur au die japanische Königin Okinaga- Tasari-Himö, die nach dem Tode ihres Mannes mit dem Süßten Mute Kriege führte und Siege erfocht. Ans unseren eiten endlich haben Weltreisende von wilden Völkern berichtet, bei denen die Frau nnumschräNkt herrscht und der Mann nur eine Nebenrolle spielt. Mm prägnantesten tritt das in einigen baskischen Dörfern hervor. Hier hat der Mann nur etwas zu sagen während der Niederkunst der Frau. Sobald diese aber wieder das Bett verlassen kann, muß der Manu das Kind warten und pflegen. Die Vortragende schloß, worüber mau sich eines Lächelns nicht erwehren kann, mit einem feurigen Appell an die Frauen, nach Kräften dahin zu wirken, daß die heutigen barbarischen Zeiten für die Frauen aufhören und das ^weibliche Element wieder das wird, was ihm gebührt, Königin und Herrscherin, wie in den heroischen Zeiten. Bexn-Charade. (Nachdruck verboten.) Das Erste wird überall jetzt genannt, Doch ist es wahrscheinlich.noch uirbekannt. Das Zweite nennt dir einen Flächenraum, Der Dritten Schar ist zu zählen kaum. Nur Einen inmitten des Reigentanzes Erkennst du als unbewegliches Ganzes. Und hast du hieraus einen Adler entfernt, So bleibt, was der Tapezierer gelernt. Auflösung irr nächster Nummer. W. Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummerr Frage nicht, ivas das Geschick Morgen will beschließen; Unser ist der Augenblick; Laßt uns den genießen I Rückert. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.