AreiLag den 23. August 1907 ML! K i® !N Ä M Steuermann Worringer. Novelle von Luise Schulze-Brück. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Und morgen, da ist's vorbei! Tn hat er seine Vergeltung! Wie die Greta weinen mag und jammern! Mag sie doch, mag sie doch! In weitem! Bogen umging er die Helle des' Budenplatzesf In dein Wagenwinkel stand er noch lange- Mit heißem, trockenem Mund, mit häntmernd klopfendem Herzen, gierig und unaus!- gesetzt spähend- Und als der ganze Trupp wieder zunt Tanzboden ging, da schlich eine dunkle, schwere Gestalt hinter ihnen drein, stand außen an einem Fenster spähend und schauend- Es war schon graues, fahlÄl Morgenlicht, als Greta Worringer nach Haus ging- In einem' ganzen Schwarm lustiger Menschen. Sie ging schwer am Arm Georg Hessemers, schwer, müde, glücklich! — Ach, nun war's vorüber! Nun mußte sie heim! Sie schrak plötzlich zusammen- Sie hatte ihn vergessen, ihren Mann, ganz unb1 gar1 vergessen- Ob er zu Haus war? Mus sie wartete? Sie schüttelte sich plöM.ch vor Angst- Ihre Füße waren wie gelähmt, ihre Hände flogen- Am liebsten wäre sie heimgegangen zu ihrer Mutter- Ja, wenn sie allein gewesen wäre! Aber so ging das nicht- Was sollten die anderen denken. — Mit zitternden Fingern schob sie den schweren Schlüssel ins Loch- Kaum', daß sie ein „gute Nacht" mühsam horvorbrachte. Sie sah den Georg Hessenter gar nicht an- Seinen Händedruck fühlte sie nicht, huh, wie sie Angst hatte- I Aber drin war alles still- Sie horchte nach der Kämmest, vielleicht war er noch nicht da- — Sie hörte nichts. — Vorsichtig im Dunkeln tastete sie nach der Bodentreppe, mit brechenden Knien schleppte sie sich- Sie betete: „Ach Gott, lieber Gott, laß ihn noch fort sein! Hilf, lieber Gott!" — Und wie ein Blitz fuhr's ihr durch den Kopf, daß er nicht helfen wird,, daß sie heute nwrgen nicht zu ihm gebetet hatte, sondern in seinem Haus von Tanz und Lust geträumt- Und da, als sie schon den Fuß auf der Stufe hatte, ging die Tür- Sie schrie leise auf. D« stand ihr Mann int Dämmer- Seine Hand griff nach ihr, daß sie glaubte, ihre Schulter würde zersplittern, und zog sie in die Stube- — Ein heißer Atem wehte sie an. i Er schüttelte sie sinnlos, er keuchte heiser- Sie hörte gar nicht, was da in schrecklichen Beschiutpfun'gen Über sie strömte- Sie wollte schreien, Hilfe rufen. :— A-ber. kein Ton kam aus ihrer Ksthle! Sie rang nach Luft, nach Atem- IM grauen Morgenlicht war sein Gesicht fahl, verzerrt, entstellt, die Augen blitzten wild, sein Haar ging toirt- , , O Gott, er brachte sie W, ei! würgte sie- Lj >,Mach mich — net bot", rang sie aus- Das brachte ihn zu sich- Er lachte laut und schrill. — l ■ >,Dafor ferchst du dich, vor'm Dotmache? — Nä, brauchscht fei Aengscht ze hawwe uni bei bißche Lewe! — Awwer ich will her dafost sorge, baß es ber net ze wohl wirb! Daß bei sauwerer Schatz Net Vieh mit bir erum streiche kann! Ich leg der's, dir und ihm! Unb das Behänge mit bene Fetze, des heert uff." Er riß an dem dünnen, weißen Zeug ihrer Bluse, daß es in Fetzen herumslog — er zerrte den Gürtel auseinander und warf ihn in die Ecke — „DeMvelskraM, Sündezeug" — i „Loß mich Du duhscht mer weh," stammelte sie. < „Los; mich, loß mich!" höhnte er- „Des is dei Gebet alle Dag! — Ich hawwe dich zu viel gelosse! — Im Zaum und! Zügel miß mer dich Halde wie & wilde Gaul! Un ich will'sl Ich brch's Du svllscht mer spüre, wer dei Herr is!" , Sie zog den blauen Stoff um ihre bloßen Schultern hoch — Er lachte- ' „Aach noch! Hab dich aach noch! Des heert aach uff, des Gespreizt" — ' In Todesangst duckte sie sich zusammen- Mit einem Sprung war sie an der Tür, auf der Treppe, in der Stube oben- Ter Riegel flog vor, der Schlüssel kreischte im Schloß- — Und auf dem Bett kauerte sie sich zusammen, wühlte den KVpf in die Kissen in rasender Furcht- — Gleich würde er an der Tür sein. Sie lauschte! Wenn er kam, wenn er versuchte einzubringen, sprang sie aus dem Fenster- — Wer er blieb still. Sie hörte ihn in ber Stube unten auf- unb abgehen, hastig, schwer —■ abgerissene Worte, Flüche ausstpftend- Und sie grub sich tiefer in die Kissen. Ihre Gebanken flogen- — In wistreM Durcheinanber kreiste es in ihrem Kopf- Musik unb Lichter. Georg Hessemers Gesicht! war ganz nahe bei ihrem) unb sie fühlte seinen Arm an ihrer Schulter. Und dcann ihres Mannes rauhe Faust unb seinen heißem Atem. O, tote schrecklich sie sich fürchtete. — Was hatte sie beim getan? Nichts groß Unrechtes! Sich amüsiert wie die anderen alle, die da waren mit ihren Männern oder mit ihrem Schatz- Nur, baß ihr Manu nicht da war, und ber Georg nicht ihr Schatz. Ihr Schatz nicht! Aber sie hatte ihn lieb. _ Sal Das konnte ihr Mann ihr nicht nehmen, nicht mit all seinen wüsten Schimpfworten unb Trohungew — Aber sehen würbe sie ihn wohl nicht mehr, nicht oft, nicht mehr mit ihm reben bürfen, das hatte ihr Mann gesagt, unb was er sagte, bas setzte er auch burch- — Ach, es war alles vorbei, alles. Er nahm, ihr alles, was ihre Fveube war, was das Leben noch ein bißcheN hell machte- Sie würbe sich ducken müssen unter seiner Eifersucht, würbe kuschen müssen, demütig fein, tun, was er wollte- Es kroch ihr kalt ans Herz- — Sie richtete sich auf unb JaQ mit wirren Blicken in ber Stube umher- -— Hier oben würbe sie auch nicht mehr lange sein- —• Er hatte es gesagt. Er würbe sie zu sich zwingen, wie sie's heimlich schon lange gefürchtet- — Aber sie wollte nicht- — Nie unb nimmermehr! Ihr armer Kopf pochte, ihre Abern barsten beinah! Und sie fürchtete sich vor ihm, o so sehr- Ach, wenn ber Georg wüßte, was geschehen war- Wenn' fiel ühm es' klagen könnte. Er würde sie in seinen Arm nehmen, ganz sanft und weich, würbe sie Herzen und streicheln^ Wie sie sich auf einmal banach sehnte- Nach Mitleid, nach Siebe. Sie konnte nicht ohne den Georg leben, sie fühlte es auf einmal^ — Sie Möchte ein Loch in die Wand reiften, um zu ihm zuLommen, nM' ihm ihr Leib zu klagen- Dazu trieb sie ihr Mann, ihr 494 eigener Mann! Jmimö toller, immer wilder wirb eilen die Ge- I danken. Tie letzten fünf Jahre, die Jahre ihrer Ehe, flogen an ihr vorüber. Ja, sie hatte sich gewöhnt an den Mann. Sie f war nicht gestorben, wie man's in Büchern liest, aus unglücklicher Liebe- Sie hatte ehrlich versucht, ihm gut zn sein. _ Und sie wäre es geworden, wenn er ihr nur ein wenig geholfen hätte- Nur ein wenig daran gedacht hatte, wie jung sie war und wie lebensfroh. Er freilich, er hatte seine eigene Jugend vergejsen. Halt sie abgetan, tote man ein abgetanes Kleid fortwirft- Und doch war's noch nicht allzulange, daß er selbst ein wilder, toller Bursche gewesen- — Sie hatte oft genug davon erzählen hören. — Wer von da hatte er seine Geringschätzung der Weiber und seinen Argwohn- — Und weil in ihm alles ausgebrannt war, leer und finster, da sollte sie auch WM und Menschen gering schätzen- Es wallte auf in ihr- Alles bäumte sich tn ihr auf gegen ihn, gegen seine Art- Sie wollte leben, sich freuen an jedem Tag! Er sollte ihr nicht alles finster machen, alles verleiden, alles nehmen! Sie war nicht seine Magd, die sich alles gefallen ließ, und sie würde schon einen Weg finden- Ihre Mutter mußte ihr helfen- Die 'war ja schuld, schuld an allem. Die hatte sie so lauge überredet, so lange ihr die gute Partie vorgestellt, so lange gebeten, geweint, gezankt, bis die Tochter endlich müde geworden war, nachgegeben hatte- Was weiß Man auch groß vom Heiraten, wenn man achtzehn Jahre ist! Sie schauerte zusammen- — Trunten gingen wieder die Schritte ihres Mannes- Dm machte sich jetzt zurecht für die Frühfahrt- Wenn er nur erst fort wäre. ■— Wenn es nur erst Seit wäre, daß sie zu ihrer Mutter laufen könnte- — Sie wußte nicht recht, was ihre Mutter für sie tun sollte- — Aber nur erst fort, fort ans dem Haus- — Sie fuhr plötzlich aus einem unruhigen Halbschlaf in die Höhe- Es war heller Tag. Im Haus war alles still. Sie stand auf mit schweren Gliedern, ganz zerschlagen- — Mühsam zog sie sich an, schleppte sich die Treppe hinunter- Unten war alles aufgeräumt, sauber- — Er hatte sein Bett gemacht, Frühstück gekocht wie alle Tage- Und sie wußte — wie er da nichts versäumte, nichts vergaß, so würde er auch seine Drohungen wahr machen- Sie sah nach der Uhr. Es war schon fast acht. Sie hatte ein paar Stunden geschlafen- Um halb zehn kam er wieder zurück- Hastig trank sie einen Schluck Wasser. Den Kaffee rührte sie nicht an- Sie ging nach der Haustür. — Fort, nur fort- Sie drückte die Klinke nieder, aber die Tür ging nicht auf- — Sie zog, sie riß, umsonst. — Ach, er hatte sie eingeschlossen. — Sie stand eine Weck wie vernichtet- Eingesperrt wie eine Verbrecherin. Die Fenster waren freilich niedrig, sie brauchte nur einen Sprung zu tun- Aber er rechnete sicher darauf, daß sie nicht aus dem Fenster springen würde, der Leute wegen- — Was sie sich um das Geschwätz kümmerte! Mochten sie doch die Köpfe zusammenstecken und über sie klatschen, ihr war alles egal- — Sie ging in die Kammer und suchte ein paar Sachen für sich und das Kind zusammen- Sie kam nicht mehr zurück zu ihm- Daß er die Tür verschlossen hatte, das zeigte ihr klar genug, was sie von ihm zu erwarten hatte- Sie ließ sich nicht einsperren tote ein böses Kind oder eine Verbrecherin- Sie knüpfte das Bündel zusammen und stieg aus bem Fenster- Sie sah nicht einmal die Gasse entlang, ob auch niemand daher- käme- Fort, nur fort, das war ihr einziger Gedanke. Wie gejagt lief sie durch die morgenstillen Straßen zn ihrer Mutter- Die alte Frau war gerade aufgestanden und gab dem Kind sein Frühstück. Der Junge strampelte seiner Mutter entgegen. „Mamma! Mamma!" Sie riß ihn hastig an sich. „MeiDubche, mei lieb Bubche!" Und da kam ihr Leid über sie mit Bergeslast- Sie fiel auf einen Stuhl nieder und weinte laut, herzzerreißend auf. Er- fchrocken stand die alte Fran daneben- „Maria — Joseph! Greta, was is? Was is bassiert?" Aber sie fonute nicht erzählen, sie mußte sich erst ausweinen- Das Kind drückte sich ängstlich an sie- „Mamma, Mamma!" jammerte es- — Endlich erzählte sie- Alles, was geschehen war. Unter dem Erzählen wurde sie wieder ruhig- Es war ja jetzt vorbei, sie ging ja nicht wieder zu ihm- Tie alte Frau hörte unruhig zu- In ihrem Gesicht, das von Sorgen und Mühen hart und faltig geworden war, arbeitete es- Und nachher brach sie los: „Fvrtlaase? Dei'm Mann fortlaafe ? Bei mich komme? Biste net recht gescheit, Greta? Meinste, mer wär nor for'n Spaß verheirat, solang's einem bei'm Mann basst? Määnste, weil der Worringer entöl grob worde is, weil de uff der Mrb warst, dq kenntste jetzt em durchbrenne wie ä Zigeunern? — Määnste, du kenntst bei mir bleiwe — mei Tochter die ihr'm Mann forfe gelaafe is? Is das der Dank bafor, baß ich dich so gut verheirat hab, daß de daher kimmst wie ä Narr, mit fliegende Soor, und wie ä Mäcid, die aus'm Dienst läuft mit'm Bündel unner'm Arm? Määnste, ich wollt erlerne, daß dä Worringer kimmt int dich Widder holt mit Bvllezei un Gericht? Odder denkschte, des is so ääner, bä sei Fraa mir nix dir nix etoeglaafe läßt?" Greta Worringer hatte wie erstarrt zugehorcht. — Aber jetzt schrie sie laut auf: „Wibderhole! Mich widderhole!? Mich kann kanner widderhole! To müßt unse Herrgott im Himmel komme-" (Fortsetzung folgt.) Küne Sonderfahrt zur Wasserkante. Nachdruck verboten. Am 26. Juli trafen in der „Alsterlust" zu Hamburg auf Einladung des deutschen Flottenvereins 294 Volksschullehrer aus allen Teilen Deutschlands zusammen, um von dort aus eine Studienreise in den Shamburger Hafen, nach Kiel, den: Kaiser Wilhelm-Kanal, Helgoland, Bremerhafen und Bremen anzutreten. Bei dem Eröss- nungskommers hob der Leiter der Sonderfahrt, Dr. Gerhardt aus Berlin, als Zweck hervor, den deutschen Lehrern solle ein Anschauungsunterricht über Deutschlands Interessen zur See gegeben werden, damit durch sie das Verständnis für die Seeinteressen im dent- schen Volke geweckt und gefördert werde. Bereits in-der Frühe des nächsten Morgens begannen die Besichtigungen Hamburgs. Am neuen Bismarck-Denkmal hielt Dr. Gerhardt eine Ansprache, in der er dem Altreichskanzler als des Deutschen Reiches Schmied feierte. Erhebend klang aus den geschulten Lehrerkehlen das Lied „Deutschland über alles" von dem Hügel hernieder auf den Elbstrom, ein unvergeßlicher Moment für alle Teilnehmer. Sodann bestiegen wir an der St. Pauli-Landungsbrücke den geschmückten Dampfer „Delphin", um eine Hafenrundfahrt anzutreten. Ter neue Ozeandampfer „König Wilhelm II." der Hambnrg- Amerika-Linie, der soeben erst seine Probefahrt abgelegt hatte und nun feine erste Ozeanreife antreten soll, wurde eingehend besichtigt. Er ist ein Toppelschraubendampfer, der 2200 Perforien fassen kann, ist 150 Meter lang, 21 Meter breit und hat einen Tiefgang von 11 Meter. Er verkehrt zwischen Hamburg und Mexiko und kehrt innerhalb acht Wochen wieder zurück. (Bei dem Gang durch die riesigen Kaischuppen erhielten wir einen Begriff von Aus- uno Einfuhrhandel, der hier bewältigt wird.) Ein buntes Ge^ wirr von Dampfern und Segelschiffen, Fischerkuttern und Elbkähnen aus Böhmen, Passagier- und Frachtdampfern zog au unseren Augen vorüber. Besonderes Interesse erregten Krupps Riesenkrahu, der 180 000 Kilo Tragfähigkeit behüt, die riesigen Trocken- und Schwimmdocks der Firma Blohm und Boß und die bewegte Geschichte des „Kaiser Friedrich", der nun schon acht Jahre unbenutzt im tzawn liegt, weil die Schichau-Werft den Kontrakt nicht einhcelt. Fast hätte er als russisches Kriegsschiff die Schlacht bet Tsuchima mitmachen können, wenn den Russen nicht die Kaufsumme von 8 Millionen zu hoch gewesen wäre. Aus den Afrika- und Jndienfahrern kletterten mit katzenahn- licher Gewandtheit Neger und Araber im Takelwerk umher. Erstaunlich ist die Leistungsfähigkeit einer Getreidehebemaichine, die in der Stunde 80 Tonnen — 1600 Ztr. Getreide verlädt, wiegt und reinigt. Weiter ging die Fahrt an der überdachten Kriegsfchifsbauhalle vorbei; tosendes Hämmern und Klopsen herrschte auf dem neuen Panzerkreuzer Scharnhorst, der Ende August in die Kriegsmarine eingestellt wird und den großen Kreuzer Friedrich Karl ersetzen soll. Auf der unvergleichlich schönen Fahrt elb- abwärts bis nach Blankenese sahen !oir Hunderte von Segel- und Dampfschiffen, vom Ozeanriesen bis zum Fischkutter herab, sodaß wir hier einen Anschauungsunterricht über bas Thema „Deutschlands Seeinteressen" genossen, wie er besser und übersichtlicher nicht denkbar ist. Nachdem wir die Riefeuspeicher und Fischhallen bei St. Pauli und Altona passiert hatten, gestaltete sich die Fahrt immer malerischer, und eine Reihe von lieblich an den Elbhöhen gelagerten Ortschaften zog an uns vorüber. In herrlicher^ Lags zeigte sich endlich Blankenese mit dem Süllberg. Prächtige Parkanlagen mit vornehmen Villen fesselten das Auge. Rechts und links hört nun das hohe Elbuser auf, und der allmählich breiter werdende Strom durchfließt nur 495 —» noch flache Marschgegenden, die durch hohe Deiche gegen Ueberflutungen geschützt sind. Leider mußte hrer unser „Delphrn" kehrt machen und bald landeten wir in St. Pauli. Hatten wir auf der Hafen- fahrt den Welthandel Hamburgs angestaunt, so konnten wir jetzt bei dem Gang durch die Stadt und besonders bei der Besichtigung von Börse und Rathaus- den Reichtum und Glanz der alten Hansastadt bewundern. Die kostbare Ausstattung, der reiche Decken- und Wandschmuck, die wertvollen Bilder, Gemälde, Leuchter, Skulpturen geben Zeugnis von dem Kunstsinn und Reichtum Hamburgs. Die Sankt Michaeliskirche, das Wahrzeichen der Stadt, das im Sommer 1906 durch Feuer zerstört wurde, wird jetzt wieder ausgebaut, die Bürgerschaft hat dazu 31/2 Millionen Mark bewilligt. , , Um 5 Uhr erfolgte vom Hauptbahnhof mittels Sonder- zuas die Abfahrt nach Kiel. Ermüdet von den Besichtigungen herrschte anfangs bei der drückenden Schwüle in den engen Wagenabteilungen eine etwas gedrückte Stille, doch wir hatten zum Glück einen feuchtfröhlichen Bayer bei uns, der durch seine humorvollen Einfälle bald eine heitere Stimmung herbeiführte. Während der Norddeutsche immer bescheiden von „trinken wir noch e Treppche" spricht, vertröstete er uns stets auf das nächste „Moaßl", das wiederum auf der folgenden Station „eingenommen" werden sollte. Tas landschaftliche Bild Holsteins war nicht sehr abwechselungsreich, ohne nennenswerte Höhenunterschiede. Charakteristisch sind die Erd- wälle mit Hecken, die die Aecker einschließen, die sog. Knicks. Schwarzweiß gefleckte Rinder trabten schwerfällig und weit zerstreut auf den saftigen Weiden dahm, auch Heide uud Moor bekamen wir zu Gesicht. Je naher wir Kiel kommen, desto welliger wird das Gelände, Buchew- wülder bieten in ihrem dunklen Grün freundliche Ab'- wechslung, bis unser Auge beim Einlaufen in den Kieler Lahnhof von den gewaltigen Werftanlagen, besonders von den gedeckten Hellingen der Germaniawerft gefesselt wird. In Kiel wurden wir von einer Matrosenkapelle empfangen, unter deren Vorantritt es in flottem Marsche durch die Stadt zur „Hoffnung" ging, wo das Abendessen eingenommen wurde. Stadtrat Freyse übergab namens der Stadt jedem Lehrer als Geschenk des Magistrats ein Buch mit Ansichten von Kiel und dem Kriegshafen.^ Spat am Abend erfolgte per Schiff die Fahrt durch die Föhrde nach der Wiker Kaserne, um dort Nachtquartier für drei Tage zu beziehen. Nicht genug kann der freundliche Empfang, den uns Deckoffiziere, Maate und Matrosen hier bereiteten, hervorgehoben werden, und dies gab auch Anlaß zu lebhaften, „anhaltenden" Einzugsfeiern in den Kantinen. Am frühen Sonntag fand die Fahrt in die Föhrde statt. Sie bot eine schöne Gelegenheit zur Besichtigung des gesamten Hafens mit den Kriegs- und Handelsschiffen, Verkehrs- danipfern und Booten. Vor uns am Ausgang der Föhrde winkt der Friedrichsorter Leuchtturm. Doch unser Schiff wendet sich westwärts und wir gelangen bei Holtenau durch ein gewaltiges Schleusentor in den Kaiser Wilhelm- Kanal. Von uns Landratten wurde besonders die gewaltige Hochbrücke bewundert, die bei Levensau den Kaiser Wrl- helm-^Kanal überspannt. Sie hat 163 Meter Spannweite, 42 Meter Höhe vom Wasserspiegel und kostet 3 Millionen Mark. Wir konnten es nicht unterlassen ihr einen Besuch vbzustatten und genossen von der Höhe einen schönen Fernblick über den Kanal. Doch zu bald rief wieder der grelle Ton der Schiffspfeife zum Einsteigen und bald näherten wir uns wieder der Kieler Föhrde. Zur Linken erblickten wir den Leuchtturm mit Gedächtnishalle, sowie das Kaiser Wilhelm-Denkmal und nach kurzer Fahrt die Festung Frie- drichsort mit ihren umfangreichen Anlagen von Kasernen, Werkstätten und Festungswerken. Nach gemeinsamem Mittagessen erfolgte die Abfahrt zur Besichtigung des Artillerie-Schulschiffes „Schwaben" unter Führung des Kapitänleutnants Ruete. Tie Schwaben ist ein Linienschiff von 11800 Tonnen und 18 Knoten Geschwindigkeit, besitzt 660 Mann Besatzung und ist ausgerüstet mit schwerer, leichter und mittlerer Artillerie und Torpedolanzierrohren. In Trupps zu 10 wurden wir von Deckoffizieren und Maaten durch ein Gewirr von Gängen, Treppen, Winkeln, Schotten geführt; zuletzt wurden auch die Panzertürme und Ge- sechtsmasten bestiegen. In den Heiz- und Maschinenräumen erhielten wir einen Begriff davon,, welche ungeheure Kraftanstrengung notwendig ist« um einen solchen Panzerkoloß in Bewegung zu fetzest. Unseren Führern', den' „seÄ befahrenen Wasserratten" schien es inniges Vergnügen zu! bereiten, die erstaunten und verwunderten Gesichter der Landratten zu beobachten, die , noch nie so etwas gesehen. Unermüdlich hagelte es Fragen auf die Führer ein, und man kann es nicht rühmend genug hervorheben, mit welch ritterlicher Liebenswürdigkeit die §erreit unsere Wißbegier zu befriedigen verstanden. Gegen 5 Uhr gelang es den Schiffspfeifen endlich, die Landratten aus dem Schiffsrumpfe herauszubugsieren. An Deck wurde noch eine gemeinschaftliche photographische Aufnahme gemacht, etliche der unsrigen hatten sich dabei als kühne Reiter auf die 28 Zentimeterrohre geschwungen. Ein eigentümliches Gefühl überkommt einem, wenn man 'den Friß auf eine solche schwimmende Festung setzt und die vielen Riesenkanonen, die Panzerungen und Türme sieht, und unwillkürlich dachte ich an die Worte: „Lieb Vaterland, magst ruhig sein, fest steht und treu die Wacht am — deutschen Meer," besitzt doch unsere Marine noch mehr solcher Schiffe wie die Schwaben, die bereit sind, die Wacht am Meere zu halten; aber unsere Begeisterung sollte doch beim gemeinsamen Essen einen! starken Dämpfer erhalten. Kapitänleutnant Ruete wies mit hohem Ernst auf die Kriegsmarine anderer Völker, besonders auf die „Dreadnought" der Engländer hin. Er gab dann die verschiedenen Vergleichszahlen in Größe und Geschützzahl an und betonte, daß das Gefechtswort eines Schiffes für uns erst aus Vergleichen mit den Schiffest anderer Marinen hervorgehe. Wir hingen an dem jetzt uns überlassenen Sonntagnachmittag noch lange den ernsten' Worten des Seemanns nach. (Schluß folgt.) Eins ländliche Kleintinderschule. Rödgen b- Gießen, 20. Auch • Wie schon erwähnt, wurde die hiesige Kleinkinder^ schule feierlich eingeweiht- Die Feier begann bei, herrlichem! Sommerwetter nachmittags 3 Uhr mit einem Gottesdienst, in der buchstäblich bis auf den letzten Stehplatz,gefüllten Kirche- Nicht allein die Gemeindcglieder selber beteiligten sich zahlreich an der Feier, auch aus der Unigegend hatten sich Viele eingesunden, u- a. auch Freiin Marie von Riedesel zu Lauterbach, die Mitinhaberin des Patronates über die hiesige Pfarrstelle- ^-ie beiden übrigen Inhaber des Patronatsrechtsl: Frau Alice Fnhii- drich, geb- Freiin von Nordeck zu Rabenau, und Kammerherr von Schützbar gen- von Milchling waren leider verhindert. L-er allezeit hilfsbereite Posauuenchor von K'leinlinden begleitete den Gemeindegesang, Lehrer Rabenau von hier trug mit semer Masts ein trefflich eingeichtes mehrstimmiges Loblied vor- Den Schluß des Gottesdienstes bildete die Einführung der neuen schul-! schwester Elfriede Strack aus dem Mutterhaus Cecilienstist m Halberstadt- Aus deut Elisaüethenstift in Darmstadt, war em« Schwester leider nicht zu bekommen. — Man gmg m geordnetem Zug unter Vorankitt des Posaunenchors nach dem nahen Neubau. Mächtig schallte hier, unter Posaunenttang der Lobgesang der Gemeinde durch das stille Wiesental: „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren!" Es folgte die schlup el- Üebergabe- Der Schöpfer des schönen Baues, Baurat Drehm vost Gießen, wurde leider fern gehalten- An seiner stelle rwergab Kreisstraßenmeister Mohr den Schlüssel mit segenswunichen an den Vertreter des Kreisamtes Gießen, Regierungsrat xr- M e r ck, der seiner Freude Ausdruck gab, daß hier em „Werk sozialer Fürsorge" so gut gelungen sei, und versicherte, daß die Kreisbehörde zu solcher Arbeit stets gern und, willig dm Hand biete- Mit dem Gelöbnis, daß man solche Mithulfe stets gern annehme, empfing den schlüssel der Ortsgeistliche Pfarrer Groth und gab ihn weiter an Bürgermeister stein, um damit zu bekunden, daß man bei der Wohlfahrtsarbeit im neuen Heim die Mitarbeit des Gerneiuderats nicht entbehren möchte- Mit einer solchen Zusage gab der Bürgermeister den Schlüssel weiter an Pfar«r Euler aus Gießen, den^Stell- vertteter des Dekans- Er eröffnete das Haus nut dem segens- ivunsche: „Gott segne unseren Eingang!" Im Nu ivar oer geräumige Saal gefüllt, viele standen auch auf der Straße und im Hofe, um die nun folgende Ansprache des -Pekan-stellver- treters zu hören- Er führte ans, daß ReArveit, die indem neuen Heim zu tun sei, sich in. den Wtenft der H errnat--o,e- strebungen stellen wolle- Pflege an,den Kindern und, wills Gott, auch an den Kranken solle von dustM,Hause aus getrieben werden; an ihrem Teile solle diese, Arbeit nrrihelien, daß man auch auf 'hem Torfe sich wohl und dahernr fühle- solche Arbeit und alle, die dabei mithelfen, belahl der Redner dem schütz« Gottes- Teir Dank gegen Gott, den vorher schorr das von den Schulkindern gesungene „Niederländische Dankgebet" zum Ausdruck gebracht hatte, faßte das Schlußgebet des Ortsheistlichen noch einmal zusammen, und er klang aus im Gemeindelied: „Nun danket alle Gott!" — Tie Kollekte betrug 58-55 Mk. — 496 ' Viele besichtigten noch das' 'interessante Bauwerk- 'Es birgt int unteren Stock einen geräumigen Saal von 75 Quadratmeter rind einen Nebenraum von ca- 10 Quadratmeter: daneben noch ausreichende Abort-Anlagen- Im Dachgeschoß finden sich zwei geräumige und freundliche Wohnungen für die Kinder-Schwester und eine Kranken-Schwester, die hoffentlich über kurz oder lang in das Haus ihren Einzug hält- Außer für den Aufenthalt der Kinder soll der Saal auch noch dienen für Veranstaltung von Gemeinde- oder Fnmilien-Abenden, etwa in der Art, tote sie in Nr. 122 dec „Gießener Familienblätter" als wünschenswert bezeichnet werden- Es entspricht das auch dem! Wunsche einer der Patronats-Inhaberinnen der Pfarrei- Frau Alice Fühndrich hat einen größeren Beitrag für den Neubau gegeben mit der Bedingung, daß der Saal geräumig genug werde,. nm zur Veranstaltung von Familien-Wenden zu dienen- In diesem Sinne sprach sich auch die Predigt des Orts-Geistlichen in der Kirche aus- Auf'Grund von Sprüche Salomonis 16, V- 9 derbreitete er sich über „das Ziel der Arbeit in dem neuen Haus und den Grund für die Hoffnung, daß das Ziel auch erreicht wird". Das Ziel ist die Wohlfahrtspflege für Leib und Seele der Gemeindeglieder in dem Sinne, wie sie H- Schurey in Berlin und der Verein für Heimat-Pflege in Hessen betreibt- Unsere Hoffnung aber, daß wir dies Ziel auch erreichen, beruht auf der Erfahrung, daß uns Gott seither wider Erwarten schnell weiter geholfen hat, unb daß noch immer jede Arbeit gesegnet ivorben ist, die sich in den Dienst uneigennütziger Nächstenliebe stellt- Außer der genannten Geberin, die auch für die ersten Jähre Uns ihre Hilfe zugesagt hat, haben dem Werke'noch ihre Unterstützung . geliehen die beiden übrigen Inhaber! des' Patronates, ferner einige durch ihre Wohltätigkeit bekannte Bürger der Stadt Gießen und sonstige Wohltäter des Hesseulandes. Namentliche erwähnt sei die Bezirkssparkasse Gießen, die schon 1891 auf Betreiben von dem Hierselbst 'verstorbenen Pfarrer Windecker 500 Mk- beisteucrte, die mit Zins und Zinseszins sich in der Zwischenzeit auf etwa 800 Mk- angesammelt hatten. Auch fernerhin dürfen wir wohl auf die Mithülf e dieser Kasse hoffen- Leider konnte Direktor Döring unser Fest nicht mitfeiern- Pfarrer Windecker hat auch persönlich Opfer für die Sache gebracht- Auch S- K. H. der Großherzvg hat int vorigen Jähre eine Uamhafte Summe aus der Priuzessin Elisabeth-Gedächtnis-Spende bewilligt- Der Gemeinderat hat für die ersten drei Jähre dem Werke seine Unterstützung zugesagt, auch sonst ist uns aus der Gemeinde. manche Förderung bei dem Bau zuteil geworden- Tie fehlenden Geldmittel hat uns Großh. Oberkonsistorium zu günstigen Bedingungen geliehen, zu dem Feste selber hatte diese Behörde auch einen freundlichen Glückwunsch übersandt- Tie Kleinkinderschule wird bereits von einer zahlreichen Kinderschar besucht, und geivtß wird sich das geschaffene Werk auch sonst Mehr und mehr als ein Segen für die Gemeinde erweisen.' : Tie Bauarbeiten wurden in der Hauptsache durch hiesige Handwerker ausgeführt: die Maurerarbeiten durch Louis Wächter, die Zimmerarbeiten durch Philipp DM I-, die Schreiner- ärbeiten durch Philipp Arnold und Georg! Mandler ufw- Und alle haben durchweg schön gearbeitet, sodaß das Werk nun die Meister lobt- _ Was Baumeister und Handwerker da geschaffen haben, ist wirklich «ne Zierde für unser Dorf- ' ■ Vermischtes. * Warum sollen Pflanzen nicht in der vollen Sonne begossen werden? Diese jeden Gartenfreund interessierende Frage finden wir im „Kosmos", der bekannten naturwissenschaftlichen Monatsschrift, beantwortet wie folgt: Einmal, weil die Abkühlung der Pflanzen zu groß ist. Tas zum Begießen dienende Wasser hat in allen Fällen eine bedeutende niedere Temperatur als die von der Sonne bestrahlte Pflanze. Noch mehr wird letzterer durch die im Sonnenschein rasch vor sich gehende Verdunstung des benetzendeu Wassers Wärme entzogen. Sodann verdunstet in der vollen Sonne auch das Wasser an der Oberfläche des Bodens sehr schnell, und es bildet sich, zumal auf lehmiger Erde, eine zusammenhängende Stufte, welche den Zutritt von Luft und Wasser zu den unterirdischen Pflanzen- teilen hemmt. Tas Begießen der Pflanze mit zu kaltem Wasser ist aus dem zuerst angeführten Grunde schädlich, besonders aber auch deshalb, weil kaltes Wasser schwer und nur in geringen Mengen von den Wurzeln aufgesogen werden kann. Wir sehen daher manche tut ersten Frühling blühende Pflanze, welche ihr Wasser einem kalten, zeitweise sogar gefrorenen Boden entnehmen Müssen, mit Einrichtungen gegen zu starke Wasserabgabechurch Verdunstung geschützt, um nicht zu vertrocknen. Hierher gehören z. B. die blaugrünen Wachsüberzüge an den Blättern des Schneeglöckchens (Galanthus nivalis), der Narzissen und Tulpen, die starke Behaarung der Kuhschelle (Pulsatilia vulgaris und pratensis). Daß die Temperatur des Gießwassers diejenige der Umgebung um einige Grad übersteigen soll, ist bei wärmerem Wetter Mcht nötig. * Eiu eigenartiges' Ko ch r ez epk, angeblich englischen Ursprungs, finden wir im Fremden-Blatt. Es lautet: Man nimmt einen juitgen Herrn und eine junge Dame. Der junge Herr ist am besten roh, die junge Dame muß aber ganz zart sein. Man bringt den Herrn an die Mittagstafel und begießt ihn langsam mit einem Glas Portwein, und will man das Gericht sehr fein haben, fügt man etwas Champagner hinzu. Wird er rot, so setzt man ihn ins Gesellschaftszimmer, ist es im Winter, ans Kaminfeuer neben die Tame, tut eine Handvoll grünen Tee dazu, etwa drei Tassen für eine Person, und läßt sie leicht austvallen. Ist es Sommer, so stellt man sie an die freie Lust, etwas ans Fenster, jedenfalls möglichst weit weg, besteckt die Dame mit Blumen, setzt sie dann an das Klavier und rüttelt, bis sie singt. Man nimmt sie alsdann wieder weg, fetzt sie in eine Ecke ans Schachbrett und erhält sie den Abend über in gelinder Wallung. Man wiederholt dies' zwei- bis dreimal, und die Hauptsache ist, daß das Feuer stets unterhalten wird: ist es zu.stark, so läuft es über, ist es zu schwach, so gerinnen sie oder werden eiskalt. Wie lange sie am Feuer sein müssen, richtet sich ganz nach den Umständen: tut man viel Goldstücke hinein, so geht es rasch, mit Banknoten garniert nimmt sich die Schüssel besonders gut aus. Man richtet an —■ eine wahre Delikatesse für zwei Personen. Essig barf. nie dazu genommen werden, weil das Gericht ohnehin sehr leicht sauer wird. * „S i e b e n s ch l ä f e r". Eine heitere Geschichte hat sich' unlängst in Warschau zugetragen. In einer dortigen Institution besteht die Verwaltung aus sieben Personen. Eines Tages erschien frühmorgens im Bureau dieser Institution ein unbekannter junger Mann und überreichte dem Bureaudiener 7 Kuverts, die an die 7 Berwultungsmitglieder adressiert waren. Tie Kuverts waren nicht geschlossen, so datz der neugierige Bureaudiener, nachdem der Unbekannte das Bureau verlassen, nach dem Inhalt der Schreiben forschte. Er erblickte Gratulationskarten zum Namenstage. Der Bureaudiener hatte nichts eiligeres zu tun, als in einen! Laden zu gehen und ebenfalls Glückwunschkarten zu kaufen. Er adressierte diese an die 7 Verwaltungsmitglieder und legte jedem Verwaltungsmitgliede zwei Kuverts hin. Diese waren nicht wenig erstaunt, als sie die Glückwünsche lasen. Keiner feierte von ihnen an diesem Tage seinen Namenstag, daher die Bestürzung. Eins der Mitglieder ließ den Kalender holen und sah nach dem eigentlichen Heiligen dieses Tages. Auf dem Kalender standen die „Siebenschläfer" verzeichnet. Nun leuchtete den ehrwürdigen Männern ein, daß sie geuzt wurden. Man gab ihnen zu verstehen, daß' sie mehr passiv als aktiv in der Institution tvirken. Sie wurden zornig und kühlten ihr Mütchen an dem unschuldigen Bureaudiener. Die erzürnten „Gewaltigen" wollten anfangs den Bureaudiener entlassen, beruhigten sich jedoch später und ließen ihn weiter in seinem Amte. Der unglückliche „Gratulant" schwur aber, nie mehr seinen Vorgesetzten Glücks- Wünsche zu überreichen. Der Esel mit den Büchern. Eine Fabel. Ein simples, graues Eselein, Das trottete zur Stadt herein Mit Büchern schwer beladeit. Sein Herr schritt langsant nebenher, Ter war bepackt mit Weisheit schwer. Seltsame Kameraden! Ter Esel dünkte sich sehr klng, Weil er die vieleri Bücher trug, War stolz ob solcher Würde. Her ritt von seiner Ahnen Schloß Der Grai; unb dessen stolzes Roß Erblickt des Esels Bürde. Es blickte um und ries ihm zu: „Mein lieber Freund, was machst denn du? Welch albern Wesen treibst bu ? Trag' nur die Bücher stolz herum! Am Ende bist du grad so dumm! Ein Esel bist und bleibst du!" So geht es Liters. — Manchem Mann Kommt es nicht ans das Wissen ait, Es liegt ihm an den Bänden. Ist zwar sein Schädel hohl und leer, Er prahlt und rühmt sich um so mehr Mit bnchgeschmückten Wänden I Gießen. Robert Rosenthal, '.Redaktion: P. W i t t ko. — Rotationsdruck sind Verlag der ü h l 'schen Universitäts-Wuch-'nnb Steindruckerei, R. Lange,,- Gr eßen.,'