Samstag de» 23. Februar ytmaggriM Wmr/A v' Wfe I Pnotoer. auft H No»». G ii€sse IMMW i*! U !ÄS w! »? 1t MZ ■ Menschenleöen, die lügen. Roman von H. Ehrhardt. Dertasserin von „9)itttc((oie Mädchen" Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) „Woher weißt du, daß Marga um Posecks willen erkrankte? Sie war schon überreizt. Es kann nur das Entsetzen gewesen sein, daß ihr Bruder überhaupt einen Menschen tötete." „Beschönige mein Unglück nicht, Liebling. Ich weiß alles. Und ich verwind's nicht. Nie die Stunde, in der Schmieder mir Posecks Tod meldete und hinzusetzte: ,Er starb mit dem Namen Ihrer Schwester auf den Lippen'." Er schlug sich mit der geballten Faust an die Stirn. „Er hätte Marga glücklich gemacht und ich Unseliger mußte ihn töten." Sein Gesichr war tote versteint in Schmerz. Und Hanna ahnte, daß es nicht in ihre Macht gegeben war, diesen Schmerz zu lindern. „Warum auälst du dich mit Hirngespinsten?" rief sie angstvoll, , „du weißt am besten, daß du seinen Tod nicht wolltest. Laß nur eine Zeit vergehen und du wirst diese traurige Episode vergessen." „Nie!" Er richtete sich im Sattel auf und nun suchte sein flehender Blick nach Verständnis in den goldig grünen Franen- augen. „Hanna, ich muß es dir sagen, ich will fort von hier — ich werde den Abschied nehmen. Ich hab' mich schon zur Schutztruppe gemeldet nach Südwestasrika. Dort find ich vielleicht Vergessen und ein ruhmvolles Ende. Hier halt ich's nicht mehr aus, ich komme mir vor wie ein Geächteter. Verfolgt mich nicht Posecks Geist, so steht jener entwürdigende Verdacht vor mir, der mich zum Landesverräter stempelte. Alle Menschen auf der Straße sehen mich an, neugierig, scheu — mein ganzes Sündenregister les ich in den Blicken. Die Kameraden sind höflich und nett zu mir, aber ich fühl doch den Zwang heraus, das Mißtrauen, die heimliche Verachtung — Dinge, die all meinem Streben ein Ziel setzen. Und dann — ich kann die alte, gebrochene Frau nicht mehr sehen, der ich den Sohu nahm. Schon ihr allein bin ich's schuldig, St. so bald als möglich zu verlassen." „Und an mich denkst du gar nicht?" Hannas Antlitz hob sich geisterhaft bleich von dem tiefen Schwarz des Reitkleides ab. Seine Brust dehnte sich in einem befreiten Aufatmen. „Ich denke in erster Linie an dich, mein Süßes!" sagte er bebend vor Zärtlichkeit, „es wird gut für dich fein, wenn ich nicht mehr hier bin, du wirst zu deinem Gatten zurückkehren, er verdient es. Und dein Leben wird wieder sonnig und heiter und sorglos sein, wie es war, ehe ich in deinen Weg trat. Ich habe nur Schatten hineingebracht, Aufregungen, Kämpfe, die du nie gekannt —" „Und unsagbares Glück." „Das meinst du nur so. Es war doch Sünde, Hanna, wir hätten's nicht tun dürfen. Lieber offen hätten wir sein, gleich zu Anfang den Mut haben sollen, uns ein rechtliches Glück zu erkämpfen. Ich kenne den Edelsinit deittes Mannes jetzt, ich weiß, er hätte dich freigegeben, wenn du vor ihn hingetreten wärest und gesagt hättest:,Sieh, ich liebe ihn, laß mich glücklich werden.' Aber du wolltest es nicht. Ich war dir wohl doch mehr ein Zeitvertreib, eine Laune —" Ein Blick in ihr förmlich entstelltes Gesicht zwang ihn, abzubrechen. „Joachim, Geliebter!" Sie schrie es auf, wie zu Tode getroffen. Ihre sehr empfindliche Rappstute stutzte und wollte nicht von der Stelle. Sie waren gerade am Ausgange des Waldes und sahen • im Glanz der Sonne ein kleines Dörfchen vor sich liegen. Joachim wollte das noch immer wie festgenagelte Pferd am Zügel ergreifen, aber die junge Fran, im Moment sinnlos vor Schmerz und Verzweiflung, hieb mit der Reitgerte aus das zitternde Tier ein. Die Stute, solche Behandlung nicht gewöhnt, bäumte sich ker-zengerade in die Höh' und stürmte dann vorwärts. Mochte Hanna nun vielleicht gelähmt sein vor Schreck oder gleichgültig der Gefahr gegenüber, die Zügel des Pferdes glitten ihr aus bett Händen und sie stürzte im selben Moment, da die Stute noch einmal aufbäumend sich wieder beruhigte, aus dem Sattel. Regungslos blieb sie am Waldrande liegen. Ihr Kopf war gegen einen Stein gefallen. Aus einer Wunde an der Schläfe rieselte Blut in dünnen rötlichen Faden über ihre weiße Wange. Joachim, halb tvahnsimrig vor Augst, tvar zur Erde ge- sprungett, kniete neben ihr nieder und drückte fein Taschentuch an die kleine Wunde. Entsetzen in den Mienen, sprengte nun auch Franz, der weit zurückgeblieben war, heran und wollte sich aus dem Sattel schwingen. Der junge Offizier machte eine abwehrende Handbewegnng. „Sofort in die Stadt zurück I" befahl er heiser, „einen Arzt! Und den Herrn Laudrat benachrichtigen, gnädige Frau scheint schwer verletzt." Und Franz stob davon, wie von Furien gehetzt. Joachim warf sich wieder vor der Bewußtlosen nieder, neben welcher die Stute jetzt ganz ruhig nach Grashalmen suchte, als wäre nichts Besonderes geschehen. Hanna lag so unheimlich still da, daß den Manu ein Grauen faßte und er sich hilfesuchend umsah. Das erste Häuschen des Dorfes war nicht mehr iocit entfernt. Wenn er versuchte, die Verunglückte dorthin zu tragen? Er erhob sich, band die beiden Pferde fest und sich dann zu Hanna nieder. Mit einer Kraft, die man seiner feingliederigen Gestalt nie zugetraut hätte, nahm er die Bewußtlose in seine Arme und schleppte sie über das noch grünende Kleefeld dem nahen Hause zu. Hinter ihm her kam ein großer, blonder Mann gelaufen. „Jesses, Herr!" schrie er auf, „kann ich helfen? Dort ist ' mein Haus." Joachim wehrte ab. „Achten Sie auf die Pferde!" keuchte er, „und wenn der Arzt kommt, weisen Sie ihm den Weg." 118 Die Stimme brach ihm. Auf seiner blassen Stirn stand der Schweiß in dicken Tropfen. Dem Zusammenbrechen nahe, erreichte er die niedrige Haustür. Im Flur trat ihm eine stämmige, junge Bäuerin entgegen, die mit einem Korbe in der Hand, das Hans verlassen wollte. Als sie den vornehmen Offizier mit seiner leblosen Last plötzlich vor sich sah, taumelte sie mit einem gellenden Schreckensruf an die Wand. „Schreien Sie nicht so!" befahl der Freiherr rauh, „sorgen Sie lieber für ein Lager, worauf ich die Dame betten kann. Sie ist mit dem Pferde gestürzt." Sein angstverzerrtes Gesicht weckte das Mitleid und damit die Besonnenheit in der Erschrockenen. Sie raffte sich auf und die Tür öffnend, trat sie ihm voran in die niedere von Stickluft erfüllt- Bauernstube. Und während der Freiherr sich, selber beinah einer Ohnmacht nahe, mit der jungen Frau im Arm, auf dem großen Ledersofa niederließ, riß die Bäuerin eilig die Decke und einen Teil der hochgetürmten Federkissen von dem Bette, über dem an der verräucherten Wand ein Christusbild hing, darunter ein paar geweihte Palmzweige und ein Rosenkranz aus weißen Perlen. Hanna war noch immer bewußtlos. Ihr Kopf mit dem unheimlich blassen Gesicht fiel schlaff hintenüber, als ob die Wucht der rotgoldenen halbgelösten Haare ihn hinabzöge. Aus der Wunde an der Schläfe rieselte das Blut langsam in unregelmäßigen Streifen an der SB eilige hinunter über Joachims Hand, warm, klebrig, ein entsetzliches, schauderndes Gefühl in ihm weckend. Es waren tausend Stimmen in ihm, die schrieen und tobten vor qualvoller Angst und doch schien wiederum jeder Nerv seines Körpers gelähmt, so daß er untätig dasaß und auf das süße, regungslose Gesicht der heißgeliebten Frau stierte. Da war's ihm, als zuckten die rotbraunen Wimpern kaum bemerkbar. Und mit einem Schlage kehrte ihm das Bewußtsein zurück, daß er irgend etwas tun müsse, um der Verletzten Erleichterung zu verschaffen. Rücksichtslos riß er die Knöpfe des beengenden Reitkleides auseinander. E r legte das Ohr an ihre Brust. Schwach, aber doch deutlich, hörte er den Herzschlag. „Hanna!" Es war ein Verzweiflungsruf. Ob er wirklich bis zu ihrem Enipfinden gedrungen? Sie kniff die Lider leicht zusammen, ein leiser Schmerzenszug grub sich um ihre feinen Lippen. Langsam öffneten sich ihre Augen. Sie sah verständnislos um sich Vom Antlitz des Geliebten wanderte ihr Blick zu dem entsetzten Gesicht der jungen Bäuerin, die sich scheu herangeschlichen, und blieb dann an der niedrigen Balkendecke hängen. „Kommen's nur jetzt!" flüsterte die Frau teilnehmend, -„legen Se ihr lieb's Frauchen aufs Bett. Wir wollen sehen, daß wir! ihr wenigstens die enge Taille ausziehen können." Ein gequälter Ausdruck ging bei den Worten „Ihr lieb's Frauchen" über sein stolzes, junges Gesicht. Aber ohne die Bäuerin über ihren Irrtum aufzuklären, stand er vorsichtig auf und legte Hanna, deren Augen sich bereits wieder geschlossen hatten, auf die rot und weiß gewürfelten Kissen nieder. Mit äußerster Vorsicht zog die gutmütige Frau ihr die knappe Rcittaille aus: ohne die Augen zu öffnen, jammerte Hanna leise und schmerzlich vor sich hin, doch als die Bäuerin versuchte, ihr eine bunte Barchentjacke anzuziehen, hoben sich ihre Lider und ihr klar bewußter Blick wehrte entsetzt ab. „Nicht!" sagte sie matt, „so heiß! — Oh, erstickend —" ihre sich angstvoll vergrößernden Augen suchten das einzige Keilte Fenster. Joachim, der beiseite getreten war, verstand sie, ging leise hinüber und stieß kraftvoll die beiden verquollenen Flügel auf. Durch die blühenden Topfpflanzen auf dem Fensterbrett strich ein weicher, kosender Lufthauch und brachte einen Duft mit sich, einen Duft Von Goldlack und Reseden, einen bezwingend süßen, schwermütigen Duft, der die Luft in dem niedrigen Raume noch schwüler und beklemmender machte. In den Kronen der früchte- beschwerten Obstbäume draußen, funkelte das herbstliche Sonnen- gvtd, huschte geheimnisvoll an den Stammen entlang und streute tanzende Lichter über den grünen Grasboden. Die junge Fran richtete sich jäh empor, nach Lust ringend. ; ; „Wasser!" keuchte sie. ; ■ Die Bäuerin stürzte davon. Joachim aber nahm Hannas schwer atmende Gestalt in seine Urme und preßte sie in leidenschaftlichem, Jammer an sich, (Fortsetzung folgt.) Ein bayerischer Wosksdichter. Zu Maximilian Schmidts 7 5. Geburtstag. Von- Franz Wichmann. Der echte Volksdichter darf sich von keiner Moteströmung treiben lassen. Das „Volk", jene große Allgemeinheit, für di: er dichtet, ist dem launischen Wechsel des Tagesgeschmacks nicht unterworsen. Sein Denken und Fühlen bleibt immer das gleich:, auf dem natürlichen, jedem Menschen eingepflanzten Sittmgesetz basierend. Nach diesem richten sich auch seine künstlerischen Bedürfnisse. Von der Dichtung verlangt die Masse in erster Linie Schönheit. Unter Schönheit aber versteht das Volk noch immer jene ausgleichende poetisch« Gerechtigkeit, die, meistens im Gegensatz zur Wirklichkeit, die Tugend siegen und das Laster unterliegen läßt. Wer indessen nur diesen robusten sittlichen Instinkten Genüge tut, erhebt sich nicht über den Kolportageschriftsteller. Vom Bolksdichter im guten Sinne des Wortes verlangt man etwas anderes. Sein Schaffen soll auf den Leser, ohne daß dieser es zu merken braucht, veredelnd wirken. Er muß zugleich belehren und erziehen, »aber ohne zu langweilen oder nach irgend einer Seite Anstoß zu erregen. Nur durch eine ideale Objektivität Welt und Menschen gegenüber ist das möglich, und diese wird um so größer, je weniger der Dichter sich auf den Boden einer bestimmten Richtung stellt. Jede Tendenz außer der moralischen ist für ihn ausgeschlossen, und um sich verständlich zu machen, muß er nicht nur in den innersten Ide en kreis des Volkes :in- gedrungen sein, sondern auch seine Ausdrucksweise kennen, seine Sprache reden können. Das macht ihn ivieder zu einem eigentlichen Heimatkünstler, doch ist die Beschränkung nur eine scheinbare, denn durch die Dichtung wird eben das seiner Heimat Eigentümliche zum Gemeingut der Gesamtheit. Daß die mannigfachen und hohen Anforderungen, die an einen gediegenen Volksschriststeller zu. stellen find, solche nicht allzu häufig erscheinen lassen, ist begreiflich. In seltener Weste finden wir sie bei dem bekannten bayerischen Erzähler Maximilian Schmidt erfüllt und haben wir mit ihrer Auszählung eigentlich schon eine Charakteristik seines Schaffens gegeben. Doch ter 75. Geburtstag, den ter viel gelesene und oft gefeierte schlichte Poet am 25. Februar dieses Jahre-> mit der Rüstigkeit einer alten zähen Soldatennatur und immer iwch arbeitsfreudig begehst rechtfertigt wohl ein näheres Eingehen auf sein Leben wie auf seine Werke. Denn mag der Dichter in den letzteren noch so bescheiden zurücktreten, so bleiben sie ooch die bezeichnenden Ausflüsse einer aus dem Volke und für das Volk schassenden Persönlichkeit. Schmidts äußerer Lebensgang bietet keine sensationellen Ereignisse. Am besten hat er ihn selbst in dem humorvoll geschriebenen zweibändigen Buche: „Meine Wanderung durch siebzig Jahre", die zugleich mit der reich illustrierten, 32 Bände starken Ausgabe seiner gesammelten Werke im Verlage von Enßlin & Laiblin, Reutlingen, erschien, geschildert. Bon schwäbischen Eltern stammend, wurde ter Dichter 1832 im niederbayerischen Marktflecken Eschlkam geboren. Sein Vater, ter als Offizier in den Befreiungskriegen gekämpft, saß als Zollbeamter im Herzen des damals noch als ein „deutsches Sibirien" verschrieenen Bayrischen Waides. Die wilde Romantik de» Wildschützentums und Schmugg- lerwesens, die heute noch an der böhmischen Grenze ihre Blüten treibt, umgab den aufwachsenden Knaben, dem eine feingeoildete, phantasiebegabte Mutter zugleich Sinn und Freude an ter umgebenden, urwüchsigen Natur erweckte. Diese ersten unvergefsenen Eindrücke, die ihn später zum hervorragendsten Dichter seiner Heimat machen sollten, begleiteten den jungen Schmidt auch auf die Schulen und Erziehungsanstalten zu Kloster Metten, Passau und Hof, loohin der Vater 1846 als Hauptzollamtsverwalter versetzt wurde. Nachdem er dort das Realgymnasium besuchst bezog er in der Absicht, Ingenieur zu werden, das Polytechnikum in München. Doch er hatte vom Vater nicht nur den sonnigen Humor, sondern .auich dessen soldatischen Geist ererbt, und so trieb es ihn bald, die militärische Laufbahn einzuschlagen. Im Kgl. Kadettenkorps ausgebildet, machte er als Leutnant den Feldzug von 1866 mist erwarb sich im Treffen zu Helmstadt den Militärverdienstorden, war während des Deutsch-ftanzösst'chen Krieges! a'ls Adjutant in der Festung Ulm tätig und nahm bald hernach als Hauptmann den Abschied, um fortan das Schwert mit ter Feder zu vertauschen. Von da an floß sein Leben ruhig als das eines g!anz seiner schriftstellerischen Arbeit ergebenen Privatmannes dahin, der in München seinen dauernden Wohnsitz nahm, die Sommermonate aber stets, um Land und Leute eingehend zu studieren, im Bayerischen Walde oder in teu ober- bayerischen Alpen mit seiner Familie verbrachte. Schmidts literarisches Schaffen hatte bereits in seiner Leut- nantszeit begonnen. Wie er schon als Kind seine ersten poetischen Versuche für die in den Ferien zu Eschlkam mimenden Studenten gemacht, so wandte er sich auch jetzt zunächst mit Keinen Sing- und Lustspielen dem Theater zu. Begünstigt durch das Wohlwollen ter kunstsinnigen Könige Max II. und Ludwigs 11. gelang es ihm sogar, zwei Stücke auf te» Münchener Hoftheater zu bringen, bis ihn eine 1859 in den Bayerischen Wald untere nommene Reise plötzlich ganz neue Bahnen eiuschlagen ließ. Was en icjrt Sagen, Sitten, Gebräuchen und Liedern ter Walüler schon in der ersten Jugend kennen gelernt, brachte ihn auf den Gedanken, seine originelle Heimat poetisch $u verherrlichen nno 119 sie weiteren Kreisen bekannt zu machen. So entstanden seine ersten volkstümlichen Erzählungen: „Das Fräulein von Lichtenegg", „Der lateinische Bauer" und „Tie Christkindlsingerin", die, 1863 veröffentlicht, als interessante Kulturbilder aus dem bayerisch- böhmischen Waldgebirge sogleich allgemeine Aufmerksamkeit erregten. Der gesteigerte Erfolg, den bald danach „Birgitta" und „Glasmacherleut" fanden, zeigten dem jungen Dichter deutlich, daß er erst jetzt sein wahres Talent entdeckt hatte, und so blieb er, sich in weiser Beschränkung als Meister zeigend, fortan ausschließlich diesem neuen Gebiete getreu. . Man könnte jede der Erzählungen Maximilian Schmidts mit einem Museum in Buchform vergleichen. Alle erdenklichen Berufe und Industriezweige, soweit sie in den bayerischen Bergen zu Hause sind, werden ums da vorgeführt; das Leben der Jäger, Wildschützen, der Schmuggler, der Fuhrleute, der Fischer, Bergleute, Schiffer und Bildschnitzer lernen wir, in allen seinen Einzelheiten kennen, und als Dekoration wird gern die Geschichte früherer Zeiten hereingezogen, wie sie in Sagen und Sitten auf die Gegenwart noch fortwirkt. Auf diese Weise werden ganze Landschaften und Bevölkcrungsgruppen erschöpfend behandelt, ja manchmal — wie die originelle Sekte der Choden — für das große Publikum geradezu erst entdeckt, und das alles geschieht in so anziehender poetischer Gewandung, daß man während des Lesens die große Bereicherung des eigenen Wissens kaum merkt. Für die Jugend ist diese Art von Belehrung gewiß nicht zu unterschätzen, und in voller Würdigung der wissenschaftliches Bedeutung, die Schmidts Werke auf geographischem und ethnographischem Gebiete znkonnnt, hat das bayerische Kultusministerium durchaus recht gehabt, die Anschaffung derselben allen Schul- und Volksbibliotheken wann zu empfehlen. Auch für den Philologen können die Erzählungen Schmidts als ausgiebiges und untrügliches Nachschlagebuch hinsichtlich des Dialektes gelten. Während Auerbach seine Bauern noch ein unnatürliches Ldonversa- tionsdeutsch reden ließ, Karl Stieler den Norddeutschen manch: Konzessionen machte und Hermann von Schmid sich mit dialektischen Anklängen begnügte, bringt unser Dichter nach dem Muster von Reuter und Hebbel die Mundart seiner Bauern in unverfälschter Reinheit, erleichtert aber im Gegensätze zu dem plattdeutschen Dichter das Verständnis dadurch, daß er die Erzählung selbst in hochdeutscher Sprache führt. Der Dialekt bleibt ausschließlich auf den Dialog beschränkt, ist aber hier, je nach der Verschiedenheit der geschilderten Gegend, ein mit feinsten Nuancen wechselnder; und wer alle Schriften des Dichters gelesen, kennt nicht nur die bayerische Mundart, die es als abstrakten Begriff nicht gibt, sondern die zahlreichen vberbayerischen wie niederbayerischen Dialekte. — Das kulturhistorische Arrangement — wenn man so sagen darf — tritt uns immer gleich zu Anfang jeder Erzählung entgegen. Dieser besteht fast immer in einer kurzen Beschreibung von Land und Leuten, der sich harmonisch eine stimmungsvolle Schilderung der Landschaft anschließt. Doch ist Schmidts treffliche Naturmalerei nie phantastisch und überschwenglich, sondern steht immer auf festem, realem Boden. Durch geschickte Hervorhebung alles Charakteristischen erhalten wir stets ein überaus anschauliches Bild, gleichviel ob uns die Urwalbzanber seiner Heimat, die seereichen Vorberge der Alpen oder die majestätische Hochlandswelt geschildert werden. Ebenso wahrheitsliebend wie der Natur gegenüber, verfährt der Dichter mit seinen Menschen. Auch diese werden uns mit plastischer Genauigkeit innerlich wie äußerlich vorgeführt und Freunde der Kvstümkunde können in seinen Romanen die ausgiebigsten Studien über alle altbayerischen Volkstrachten, mögen dieselben noch bestehen oder von neuerer Mode fdjon verdrängt sein, machen. In einer Zeit des sich immer mehr entwickelnden Fremdenverkehrs, bei dem ja der Alpinismus eine besonders hervorragende Rolle spielt, muß deshalb auch auf den Wert der Schmidtschen Werke als Reisebücher hingewiesen werden, die zu der praktischen Nüchternheit eines Baedeker, Meyer, Grieben u. a. die angenehmste und unterhaltendste Er- Sänzung bilden. Man kann sagen, daß Schmidt in den bayerischen Alpen auch nicht den entlegensten Talwinkel unerforscht gelassen und überall Neues, Interessantes ans Licht zu ziehen gewußt hat. Nachdem es ihm in seiner wälderischen Heimat zu enge geworden, wandte er sich seit den 80er Jahren diesem weiteren Gebiete zu. Gleich der erste Versuch, den er mit bem großen, sarbenfrisch hingewvrfenen Hochlandsroman: „Ter Schutzgeist von Oberammergau" machte, war da ein Treffer, denn das Interesse an dem weltberümhten Pas- sronsdorf trug seinen Namen weit über die Grenzen seines bayerischen Vaterlandes hinaus in die Kreise, die ihn bisher kaum gekannt hatten. Rasch lolgte nun die lange Reihe jener erzählenden Kichtungen, die uns bald an den Chiemsee, den Ammersce, den Starnbergersee, bald in die Jachenau, das Jnntal, ins Berchtes- gadner Land, an den Wetterstein und auf den Gipfel der Zugspitze führen. Ter wachsende Erfolg trieb Schmidt auch an, seine derb humoristischen Gedichte „Altboarisch" herausgegeben und mit ernsteren Stücken, fast durchweg dramatischen Bearbeitungen seiner betiebtesten Romane,'sich neuerdings dem Theater zuzuwenden. Tas Ensemble des Gärtnerplatzthieiaters in' München, sowie die späteren Bauerntruppen vermittelten die Kenntnis von „Austrag- stüberl", „Leonhardsritt," „Torspsarrer" und „Fischerrosl von St. Heinrich" dem ganzen deutschen Publikum und es hat den Anschein, daß sie sich aus dem Repertoire aller besseren Volksbühnen bauernd behaupten werden. Was ihnen überall zum Siege verhilft, ist in erster Linie der frische, keck zugreifende Humor, der mit zahlreichen Episoden und Figuren in des Dichters sämtlichen Erzählungen zutage tritt. Diese seine fröhliche Laune, der auch mehrere kleinere Humoresken entsprangen, ist nie versiegt, wie in den großen Alpenromanen, so tritt sie uns auch in den späteren Geschichten aus dem Bayerischen Walde, „Chodenmädchen", „Mautner Flank" und „Am goldenen Steig", entgegen, und neuerdings sprudelt sie noch mit astter Frische in der vollendeten Volkserzählung '„Regina", die sich in den Dienst edelster Humanität stellt und ein ebenso schönes wie belehrendes Bild von der segensreichen Tätigkeit des roten Kreuzes im Krieg und Frieden entwirft. Damit kommen wir auf ein weiteres bedeutsames Element in Schmidts literarischem Schaffen, mit dessen berixenter Würdigung wir unsere Betrachtung beschließen wollen. , Es ist dies der pädagogische Wert seiner Schriften, der sich keineswegs in rein sachlicher Belehrung erschöpft, sondern seinen eigentlichen Schwerpunkt auf ethisch-moralischem Gebiete hat. Schmidt ist gewiß kein philiströser Sittenprediger. Ebensowenig, wie er sich einer politifcyen oder anderen Partei anschließt, spricht er jemals ein Tendenz in dürren Worten aus. Aber das Leben seiner Helden, der ganze Inhalt ihrer Handlungen lehrt immer eine solche in überzeugender Weise. Pflichttreue, Selbstvertrauen und Gottesglaube sind die höchsten Güter der Menschheit, die allein zu irdischem Glück führen. Mit diesen Worten könnte man des Dichters Lebensphilosophie kurz zusammenfassen. Schwarzseher sind seine Freunde nicht. Kopfhängerischer Pessimismus, Nörgelei und Zweifel führen bei ihm stets zu schlimmem Ende. Aber es gibt ein Radikalmittel gegen die;: bösen Feinde — die Arbeit. Als der Prophet ihres Segens tritt Schmidt überall auf. Aus den tragischsten Situationen zeigt sw noch einen rettenden Ausweg und nur wer arbeitet, feine Pflicht erfüllt, der darf auch mit Zuversicht beten. In der Ueberzeugung, daß Gottvertrauen und Glaube im Verein mit eigener Tätigkeit den Menschen das Heil finden lassen, daß auch der Swlecytest: noch durch einen Faden mit dem Himmel zusammenhängt und, wenn er nur selbst dazu tut, auch zur Erlösung reif wird, — liegt ein bedeutsames religiöses Element, das diese schlichten Dorfgeschichten gleichsam adelt und sie zur gesündesten geistigen Kost für die weitaus größeren Kreise des deutschen Lesepublikums macht. Am besten hat der Dichter die von ihm gepredigte Arbeitsfreude selbst durch fein überreiches produktives Schaffen betätigt Wir können nur hoffen, daß es noch lange nicht abgeschlossen ist, daß Maximilian Schmidt seine Lebenswanderung bald auf 80 -jahrr erweitern möge, und wenn wir zu feinem 75. Geburtstage noch einen ehrlich gemeinten Wunsch hinzufügen wollen, so kann es nur der fein, daß seine ebenso belehreiiden und veredelnden tote spannenden und unterhaltenden Werke von Jahr zu Jahr mehr zum Gemeingut des gesamten deutschen Volkes iuerben. Ferienkolonie» für selbstzahlende Kinder. Bisher haben die größeren Städte und Wohltätigkeitsvereine Mittel bereit gestellt, um kränkliche oder der Erholung bedürftige Kinder von minderbegüterten Eltern in der Ferienzeit in waldreiche Orte unter Aufsicht von Lehrern und Lehrerinnen unterzubringen. Dies hat sich als sehr erfolgreich erwiesen, die Kinder kamen gestärkt, mit neuer Lebenslust und oft mit erheblicher Gewichtszunahme in das Elternhaus zurück.. Diese Wohltaten können jedoch mangels Mittel nur einem geringen Teil der erholungsbedürftigen Kinder zugesührt werden. Es gibt jedoch sehr viele Kinder in der Stadt und auch auf dem Lande, die ebenfalls einen Aufenthalt in waldiger Gegend nötig,haben, deren Eltern auch für eine solche Kur die Kosten, wenn sie nicht allzu hoch wären, bestreiten könnten, die aber selbst den Aufenthalt nicht teilen können, weil sie durch Berufsgeschäfte oder andere Gründe verhindert sind. Der hessische gemeinnützige Verein zur Vermittlung von Land- nnd Kuraufenthalten in Darmstadt hat unter Berücksichtigung: dieses Umstands in seinem Verzeichnisse der Sommerwohnungen auch viele Adressen von Familien (Pfarrer und Lehrer) bekannt gegeben, bei denen Kinder ohne Begleitung gut und zu angemessenen Preisen aufgehoben sind, wo sie gleichaltrige Spielgenossen treffen und auch, wenn erforderlich, Nachi- hülfestunden erhalten können. Auch ist in Jugenheim a. d. Bergstraße auf Anregung des Vereins ein Heim, „Heimgarten genannt, errichtet worden, das Kinder ohne Begleitung aufnimmt und unter der Leitung einer Lehrerin und einer geprüften Krankenpflegerin steht. Diese günstigen Gelegenheiten werden icdoch noch nicht in dem Maße benutzt, wie sie es verdienen; mancher Familienvater, zumal wenn er mehrere Kinder hat, kann auch die Mittel hierfür nicht erschwingen, weil sie im Vergleich zu seinem Einkommen immer noch so hoch sind, auf der anderen Seite haben diese, erholungsbedürftige Kinder aufnehmenden, Familien auch nur für eine beschränkte Anzahl Kinder Platz, weil die Schul- serien in Hessen und den benachbarten Städten (Mannheim, Frank- surt a. M.) meist auf einen Zeitraum fallen. Der Odenwaldklub hat das besondere Verdienst, im vorigen Jahre die Schnlerwanderungen ins Leben gerufen zu haben. Diese — 120 — Schülerwanderungen, welche seither gewöhnlich 1—3 Tage gedauert haben, eignen sich jedoch nur für kräftige, den Anstrengungen gewachsene Kinder. Daneben besteht jedoch das Bedürfnis, schwächlichen Kindern einen längeren ruhigen Landaufenthalt zu bieten. Für Kinder dieser Art müßte für billiges Geld ein Aufenthalt in waldreicher Gegend beschafft werden. Für die Beschaffung müßte man die zurzeit von den Wohltätigkeitsvereinen und Städten eingerichteten Ferienkolonien als Muster nehmen. Es könnte dadurch recht vielen Kindern die Wohltat eines solchen Aufenthalts zngeführt werden, für die Eltern wäre die Geldfrage nicht so drückend, da der Ausenthalt mit verhältnismäßig geringen Mitteln durchgeführt werden könnte. Zur Erleichterung der Bestreitung der Kosten wäre es empfehlenswert, wenn die Schulleiter Spareinlagen, z. B. wöchentlich 50 Vfg. bis 1 Mk. annehmen würden, die eigens für diesen Zweck bestimmt sind. Die Kinder könnten sich nach Wahl den Odenwald oder den Vogelsberg erwählen. Ein solcher Aufenthalt wäre nicht nur ein Gewinn für die Gesundheit, auch die Heimatkunde und das Heimatsgefühl würden geweckt. Zur Ausführung eines solchen ilnternehmens müßten sich weiter entweder Lehrer aus den Städten oder auch auf dem Lande bereitfindcn lassen, aus Liebe zur Sache gegen angemessene Vergütung den Aufenthalt mit den Kindern zu teilen und die, Aufsicht zu führen; um zu erfahren, ob und wie viele Schüler sich an einer solchen Ferienkolonie beteiligen würden, müßten in den einzelnen Schulen schon jetzt dahingehende Unifragen ergehen, damit die nötigen Quartiere bereitgestellt werden könnten. Da die Unterkunft entweder in größeren Räumen oder auch einzeln in Familien geschehen würde und die Verpflegung in einfacher, aber guter Kost gereicht würde, so dürften die Tages- kosten ca. 2 Mk., keineswegs den Betrag von 2.50 Mk. übersteigen. Wenn der Plan in diesem Jahre noch zur Ausführung gelangen sollte, müßten die Vorarbeiten unverzüglich begonnen werden. Entsr der Aufgabe, die sich der hessische gemeinnützige Verein zur Vermittelung von Land- und Kuraufenthalten gestellt hat, ist er bereit, als Vermittler zwischen Angebot und Nachfrage aufzu- tretcn. Hygiene des Geistes in der ersten Kindheit. In der Frankfurter Zeitschrift „M o d e v o n h e u t e" plaudert ein Arzt über die Hygiene des Kindergeistes. Daß die lieben Eltern ihren Stolz darin setzen, ein recht kluges und gescheites Kind ihr eigen zu nennen, in er will ihnen das verdenken? In unser er intellektuellen Zeit werden nun einmal Vorzüge des Geistes über alles geschätzt, mlfo muß es auch richtig sein, seine Ausbildung so srüh wie möglich in die Hand zu nehmen. , Deshalb wird nach gutem alten Brauch dem Kinde allerlei beigebracht, schon wenn, es die ersten sprachlichen Schwierigkeiten überwunden, d. h. wenn es einigermaßen gelernt hat, seinem Denken verständlichen Ausdruck zu verleihen. Da lehrt es der eine ein Sprüchelchen, der andere ein Berschen, der dritte ein Liedchen u. s. f., und wenn es dann diese Dinge herplappert, in der Regel mechanisch, ohne einen Sinn damit zu verbinden, dann strahlt das, Antlitz des Vaters und der Mutter vor Wonne und es erntet die mehr oder wenig aufrichtig gemeinten Huldigungen der Freunde und Verwandten des Hauses ein. Je näher dann das sechste oder siebente Lebensjahr und damit der große Moment des Eintritts in die Schule heranrückt, ein desto höherer Aufwand von Zeit und Mühe wird verwandt, um das Maß des Wissens zu steigern. Jetzt wird bereits gröberes Geschütz ausgefahren: der Knabe oder das Mädchen soll doch nicht als ein kleiner Dümmling dem Lehrer oder der Lehrerin überliefert werden, sie sollen zeigen, daß sie schon bis zehn und darüber zählen, vielleicht schon einen oder den anderen Buchstaben lesen oder gar schreiben können. — Ist dies Verfahren nun wirklich so ganz einwanossrei? Ob vom pädagogischen Standpunkt, sei dahingestellt; vom medizinischen gewiß nicht. Das Organ, mit dessen normaler Beschaffenheit die Seelentätigkeit nm: einmal untrennbar verknüft ist, das Gehirn, kommt ebensowenig fertig zur Welt, wie irgend ein anderes. Von Geburt an wächst es vielmehr uno entwickelt sich allmählich, und mit diesem Wachstum uno mit dieser Entwicklung Hand in Hand gehen seine Verrichtungen, die stetig vollkommener werden. Nun ivird aber jeder scharfe und kühle Beobachter zugeben müssen, daß das Kind, wenn man es ruhig gewähren läßt, doch schon nicht zu unterschätzende geistige Leistungen vollbringt. Welch ein Unterschied zwischen dem ersten, dem sogenannten dummen Vierteljahr und dem acht- bis zehnmonatlichen Säugling, der seine nächste Umgebung schon kennt uno deutliche Zeichen des Bewußtseins verrät! Und dann wieder das etwa zweijährig's Kind, das schon einen gewissen Wortschatz besitzt, der sich mit jedem Jahr wesentlich steigert, bis das 5—7jührige, wenigstens im besseren Hause, über eine ganz ansehnliche Sprachgewandtheit verfügt. Läßt man diese Entwicklung ungestört, die sich gewissermaßen automatisch, wie durch Zuhören und.Nnchahmen vollzieht, so hat das Kind wahrlich seine Pflicht getan. Jedes Mehr ist vom Nebel, es bedeutet eine Ueberarbeitung des Gehirns, dem eine weise Schonung nvttut, damit s den Anforderungen der Schule nicht unterliege. Die meistgelesenen Bucher des letzten Jahres. (Oktober 1905 bis Oktober 1906.) Wiü tastljührlich hat das „Literar. Echo" von den bedeutendsten Leihbibliotheken deutscher Städte jetzt wieder Tabellen eingesordert, die die meistgelesensten Bücher des Jahres namhaft machen. In diesen Tabellen wurden nur solche Werke ausgenommen, die insgesamt mehr als dreimal genannt worden sind. Als meistgelesene Bücher wurden danach angeführt: Frenssen, Hilligenlei 121 mal Viebig, Einer Mutter Sohn .... 83 „ Böhme, Tagebuch einer Verlorenen . 83 , Herzog, Tie Wiskottens 69 v Heer, Der Wetterwart ..... 43 „ Stilgebauer, Götz Krafft . .... 38 „ Seestern, 1906 36 „ Ompleda, Herzeloide 32 „ Als meist gelesene Autoren ergeben die Tabellen in nahezu derselben Reihensolge: G. Frenssen. ..... C. Viebig ...... M. Böhme R. Herzog I. C. Heer ...... G. v. Ompteda E. Stilgebauer „Seestern" (Tr. F. Grautoff) . 128 . 91 . 84 . 71 . 48 . 46 . 38 . 36 mal H t# U tt tt tf Von den oben angeführten Büchern 'waren die von Stilgebauer und Böhme schon in der vorjährigen Statistik enthalten, und zwar an der ersten mrd zweiten Stelle. Die übrigen Werke kommen zum ersten Male vor, auffallenderweise jetzt erst auch der Roman von I. C. Heer der schon Ende 1905 an der 10. Auslage hielt (heute 19. Auslage). Von den andern hier zum ersten Male vorkommenden Büchern haben die noch int Jahre 1905 erschienenen von Frenssen und Grautoff ,(Seestern) das 100. Tausend überschritten, Clara Viebigs Roman hielt beim Abschluß dieser Statistik an -bler 18., derjenige Rudolf Herzogs an der 16. Auslage, von Omptedas „Herzeloide" liegt die elfte Aflage vor. Von den Erfolgbüchern der letzten Jahre kehrte „Jörn Uhl" noch 9mal. „Buddenbrooks" nur noch 4 mal wieder. Den ziemlich stark „lancierten" Roman „Im Lande der Jugend" von Traugott Tamm, der kürzlich am Bauernfeldpreis beteiligt wurde, nannte keine einzige Leihbibliothek, ebensowenig scheinen Handel-Mazzetsts „Jesse-Maria" (8)und F. W. van Ocstarens Jesuitenroman „Christus nicht Jesus" (2) das Interesse der Leihbibliotheksleser erregt zu haben. Beyerlein wuroe nur 4 mal mit „Jena oder Sedan", 1 mal mit „Similoe Hegewalt" verzeichnet. Von solchen Romanen, die die literarische Kritik zumeist als wertvoll bezeichnet hatte, brachte es beispielsweise Adam Karrillons „Michael Hehl" nur auf eine Erwähnung, desgleichen seine Mühle von Hu st er loh", der „Rosendoktor" von Ludwig Finckh auf4, Hegelers „Pietro der Cvrsar" auf 4, Ernst Zahns „Clari-Marie" auf 4, Max Geißlers „Moordorf" auf 2, Anselm Heines „Mütter" auf 2, Paul Kellers „Waldwinter" auf 2, Specks „Zwei Seelen" auf 1, Thomas „Andreas Vöst" auf 2. Charade. (Nachdruck verboten.) Eins, zwei und drei freut ungemein Tie Hausfrau, wenn es echt und fein. Wer solches zum Geschenke bringt. Der achte wohl, daß nichts zerspringt. Das Vierte ist bald schlank und schmächtig, Bald stark und in den Formen mächtig. Am Rathaus tst's oft hoch gestellt, Beim Schachtonrnier es niemals fehlt. Aus jenen Drei'« errichtet, stand Das Ganze im Chinesenland, Wo es als Zierde eigner Art Zu Nanking einst bewundert ward. n. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Diamanirätsels in voriger Nummer: K alt Saale Klavier Stier B e 1 r Redaktion: Erast Heß. — Roratwnsdruck und Verlag der Brüh l'scheu Unwersttäts-Buch» imb Steindruckeret, R. Lang«, ®t«ßÄ