AreiLag de» 22. Aeömar 1907 K Bi j W W W Menschenleöen, die Lügen. Novum von H. Ehrhardt, Verfasserin von „Diittellose Mädchen" Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) „Daß Schmieder Hauptmann geworden und gleich in den Generalstab versetzt wurde, wissen Sie natürlich!" meinte die kleine Frau ein wenig neidisch, ,cher bringt's noch zu was, so ein kolossaler Streber wie der ist. Ob er wohl in Berlin eine Frau finden wird, die sein Herz und seinen Ehrgeiz zugleich, besriedigt?" Der Rittmeister lachte leise auf. „Da kennen Sie den Schnrieder schlecht, der heiratet im Leben nur, wenn's mal seine Karriere unbedingt erfordert. Sonst hangt sich kein Mann, der strebt, an eine Frau." „Sehr liebenswürdig!" meinte Frau von Klast gereizt und kauerte sich im Sessel zusammen, wie ein zum Sprung bereites Kätzchen, „es gibt doch auch Frauen, die den Ehrgeiz ihrer Männer anfachen, anstatt ihn zu hemmen, wie Sie zu denken scheinem" „Trösten Sie sich, gnädigste Frau!" kam Tressenberg ihr zu Hülfe, „das ist es nicht. Streber sind immer große Egoisten, an denen keine Frau etwas verliert. Ein ehrgeiziger ManU aber braucht noch lange kein Streber zu sein, der rücksichtslos alles zu Boden tritt, was sich ihm in den Weg stellt, er kann und muß streben und ich denke, gerade eine liebende Frau kann ihn nur dazu anspornen." Der Rittmeister kniff ein Auge zu und zog ein spöttisches Gesicht. „Raspeln Sie nur nicht Süßholz, Baron, dann bin rch verloren, damit kann ich nicht konkurrieren, höchstens Graf Delow müßte mir Helsen." Der schöne Offizier wirbelte unternehmend das dunkle Bärtchen empor. „Immer los!" meinte er nachlässig und heftete einen vorwurfsvollen Blick auf die schöne Frau an seiner Seite, die chn so auffallend schlecht behandelte. Hanna machte ein ganz entsetztes Gesicht. „Um Gottes willen, fangen Sie nicht an, Graf. Auch noch auf Kommando! Man verdirbt sich ohnehin schon den Magen an all den Süßigkeiten." Alle lachten über ihre naive Offenherzigkeit, nur der Graf spielte den Gekränkten. Er klemmte sein Monokel ins Auge Und begann eine der flachshaarigen Oberstentöchter zu fixieren. Dann war die Zeit zum allgemeinen Ausbruch gekommen. Ein seltsames Empfinden hatte sich Joachims bemächtigt. Es drängte ihn mit magischer Gewalt zu der geliebten Frau, und doch atmete er jedesmal befreit auf, wenn eine dritte Person sich störend zwischen ihn und sie schob und ein verständigendes Wort vereitelte. Ihre leidenschaftlichen, fragenden Augen rüttelten an seiner Standhaftigkeit. Er hatte die alte Angst vor dem Unterliegen. Beinah schien es, als solle er wirklich gehen, ohne ihr ein Zeichen seiner unveränderten Gesinnung gegeben zu haben, als Hanna rasch auf ihn zutrrt. „Ich habe eine Bitte an Sie, Baron!" sagte sie ganz laut, „Ihre Schwester--", sie war nun dicht neben ihm und fuhr, mit gedämpfter Stimme, fort: „Gar keine Sehnsucht nach mir?" Auch er hatte sein Gesicht völlig in der Gewalt, so ruhig höflich wie sie blieb er, als er erwiderte: „Sehr, ich zähle die Stunden, bis ich ungestört mit dir sprechen kann." „Bei dir?" „Nein!" sagte er fast rauh, „fonim noch nicht, es geht jetzt nicht Sie musterte ihn betroffen, aber Zeit zu näherer Erklärung gab es nicht. „An dem ersten schönen Tage werde ich ausreiten, und dich bitten lassen, mich zu begleiten." Und laut setzte sie hinzu! „Vielen Dank, Baron, aber verraten Sie mich nicht." Er verbeugte sich mit dem Schimmer eines Lächelns auf dem ernsten Gesicht. ,-,Jch werde schweigen, gnädige Frau." Abends sagte Hanna ihrem Mann, daß sie beabsichtige, in nächster Zeit einmal nach Loßwitz zu fahren, weil Marga auf keinen ihrer Briefe mehr antwortete und sie sich selbst überzeugen wolle, was das eigentlich bedeute. „Ich habe Tressenberg vorhin gefragt, ob ich es wagen dürfte, und er meinte, sie würde sich gewiß sehr freuen. Sie sei wohl noch immer nicht völlig erholt und deshalb so schreibfaul. Ich darf doch fahren, Schatz?" „Aber gewiß, Frauchen! Folge nur deiuem guten Herzen!" IX. Hanna Gerhardt war wirklich ein Schoßkind des Glücks. Sobald sie etwas dringend wünschte, räumte das Schicksal ihr selbst alle Hindernisse aus dem Wege und es karn so, wie sie sich's gedacht hatte. Auch der geplante Ausritt mit Tressenberg, der gar nicht so leicht zu veranstalten gewesen, kam zustande. Am ersten schönen Tage, der ohnehin fiinf Tage hatte auf sich warten' lassen, mußte der Landrat zu einem Termin über Land, von dem er erst gegen halb fünf Uhr zurück sein konnte, und er redete selber seiner Frau aufs dringlichste zu, den herrlichen Oktobertag noch zu einem Ritt ins Freie zu benutzen. Hanna heuchelte zuerst große Unlust, ließ aber endlich doch zu, daß ihr Mann den Diener beauftragte, zu Rittmeister von Klast, zu Eppen und zum Grafen Delow zu gehen, ob sie gnädige Frau begleiten wollten. Als er zurückkehrte nahm Hamm sehr ruhig, doch innerlich zitternd, seine Meldung entgegen: „Die Herrschaften sind vor einer Stunde sämtlich nach Schloß Wroschen gefahren, um dort den Tag über zu bleiben." „Das ist wirklich ärgerlich!" meinte der Landrat nachdenklich, ,choch halt, Franz, gehen Sie doch zum Herrn Baron Tressenberg --" Hanna wollte auffahren, aber der diensteifrige Franz war bereits strahlend verschwunden. „Ich konnte ebensogut zu Hause bleiben!" schmollte sie, „ho, nun ist's vorbei. Vielleicht sagt er auch ab!" 114 Hanna fnft mit Ijcifi fdiimmcrttben, tvicl)cnt)cii klugen tut Sattel. Sie gab sich ganz der Wonne dieses ersten ungestörten Znsmnmcnseins hin. Herzbetörend war sie in ihrem Glücksraulch. Joachim hatte in der ersten halben Stunde nicht den Mut, mit r»:her Hand in ihre Seligkeit zu fahren. . Auch er kostete blutenden Herzens in dieser kurzen Frist noch jeden Retz ihrer Persönlichkeit aus. Er fand noch einmal all die süßen Worte für sie, welche nur die Liebe ersinnt und nur die Liebe versteht. Erst als sie in den Wald einbogen und das melancholische Düster der Baumschatten sich über sie senkte, kroch das schwarze Gespenst seines heroischen Entschlusses mahnend an den jungen Offizier heran, ©ein Gesicht wurde ernst, beinah finster. Nur mühsam folgte er ihrem Plaudern. In dem Bestreben, ihm recht vrel Ltebes und Angenehmes zn berichten, erzählte sie ihm von seinem einstigen Schützling aus der Weihnachtszeit und daß sie es seither übernommen habe, völlig für den Knaben zu sorgen. „Wie gut du bist, Liebes!" murmelte er weich Sie schüttelte freimütig den schönen Kops. „Ich bin nicht gut! Nein, schlecht, sehr schlecht sogar. Ich betrüge eigentlich alle Menschen, selbst die Menschen, die mich lieben, ich bin niemals wahr gewesen. Was ich Gutes tue, tue ich nur aus Egoismus. So schleckst bin ich." Ihr sorgloses Lachen drang als Mißklang in seine kämpfende Seele. , . „Warum ziehst du dich selbst gewaltsam herab? fragte er. Sie riß die Augen aus wie ein erstauntes Kind. „Aber wenn ich nun doch so bin!" lächelte sie. Dann sprunghaft, wie sie oft Thematas zu wechseln pflegte, sagte sie interessiert: „Da hat sich ja dein Bruder verlobt, ^zch las es gestern in der Schlesischen. Warum erzählst du mir so was nicht? Kannst bu mir nichts Näheres davon sagen?" Da ist nicht viel zu sagen. Seine Braut ist schwer reich, alles andere ist für ihn Nebensache. Er hatte sich ordentlich tn die Tinte geritten, wie er mir wörtlich schreibt, und hat es satt sich mit dem Alten in Loßwitz rumzuärgern, da nahm er die erste beste ,gute Partie'. Tochter eines adligen Großindustriellen, nicht mehr jung, weder hübsch noch geistreich, aber er hofft, eine sehr bequeme Frau an ihr zu bekommen. Was rhr an Reiz abgeht, dafür könne er sich ja außerhalb seiner Ehe ent- scküdigen. Außerdem habe er gerade schon genug gelebt. Nun siehst du, Lieb, das ist der Musterknabe, der mir zu Hause immer als Beispiel vor Augen geführt wird." Eine maßlose höhnische Bitterkeit rang sich aus fernen Worten ans Licht. Und diese Bitterkeit quälte einen Schmerz in ihm wach, einen großen, schreienden Schmerz. Er dachte an sein verpfuschtes Leben. Ein Granen kam ihm vor dem Schloß seiner Väter, von dem aus ihm nur Unglück geworden. Ohne das Erstaunen der jungen Frau über seine jähe Veränderung zu beachten, brach er los: . „Weißt du, daß ich es hasse, dieses ,zn Hause, oaß ich nur vorgenommen habe, Schloß Loßwitz nie mehr zu betreten? All die Meinen sind mir entfremdet. Nun auch Marga, der ich den Geliebten tötete. Ich mag sie nicht Wiedersehen, meine arme, kleine Schwester." Hanna war es siedend heiß in den Schläfen gestregen, bet dieser unerwarteten Eröffnung. (Fortsetzung folgt.) Iinsett in Rußland und Westasten Während der Revolutionszeit. Bericht über den Vortrag in der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. Wen hätte es nicht gelockt, von einem Augenzeugen einen Einblick in die Wirren zu erhalten, die zurzeit unser östliches Nachbarreich erschüttern? Zumal, wenn ein Redner angekunorgt ist, der so gut zu schildern weiß, als der Asienretseude Rudolf nabel (Dresden), dessen Bericht über Japan und Korea wahrend des japanisch-russischen Krieges bet den Mitgliedern der.„Geiell- schast für Erd- und Völkerkunde" noch tn bester, Erinnerung steht. Allerdings mußten die zahlreich Erschienenen Mosern eine Enttäuschung erleben, als der Vortragende über bte revolutto- näre Bewegung nur wenig Schreckhaftes zu bertajicn hatte. Ware der mit seinem Lübecker Dampfer beförderte Goldtransport tn Petersburg nicht unter starker militärischer Bedeckung zur Bank gebracht worden, und hätte er nicht Gelegenhett gehabt, den Schauplatz des Attentats auf den Ministerpräsidenten Stolypin aus der photographischen Platte sestzuhalten, in der Hauptstadt des Landes wäre von einer Unsicherheit des Verkehrs mcht das geringste wahrznnehmen gewesen. In Moskau dagegen fielen schon, die getroffenen Vorsichtsmaßregeln der Bewohner unanangenehm aus, und in Baku gaben Leichenfelder Zeugnis von bett wütenbett Rassenkämpsen, die zwischen bett muhamebamschen Tataren und den christlichen Armeniern geführt worden waren. Am schlimmsten sah es in Warschau aus, das den Eindruck einer soeben vom Feinde eroberten Stadt machte. Die täglichen spaltenlangen Berichte der russischen Zeitungen über Verorechen und Attentate zeigen jedoch in der überzeugendsten Weise, daß «s in Rußland keineswegs so „bombensichett ist, wie es den Reisen- bett auf den ersten Blick vielleicht erscheinen mochte. Nachdem Herr Zabel schon int Jahre 1901 mit der sibirischen Bahn Asien durchquert hatte, verließ er diesmal tu toamara biete Strecke, um aus der transkaspischen Strecke über Orenburg bett Ural zu überschreiten und die südöstlichste Ecke des astatischen Rußlands zn besuchen. Da der Ural im südlichen Bette durchaus Mittelgebirgschqrakter trägt und vielfach dem Thüringer Wald ähnelt, so überschreitet die Bahnlinie tn bequemen Serpentinen dieses Grenzgebirge zwischen Europa und Asten. Zufolge des „Geists der Unterschlagung, der tm Ehrenkodex des russischen Beamten steht", ist die Bahn tm Vergleich zu den aufqewandteu Mitteln unzureichend ausgefallen, so daß der wöchentlich dreimal verkehrende Luxuszug mtt etnei Geschwindigkeit von 25 Kilometern „dahinrast", während der benutzte Postzug es gar nur auf 20 Kilometer bringt. Die Bahn burchschnetdet vorerst die Kirgisensteppe, deren Einförmigkeit nur bter unb ba durch den Anblick der Jurten (Zelte) kirgisischer Auls unterbrochen wird. Die Bewohner, wetterharte, braune, untersetzte Gestalten, sind nomadisierende Viehzüchter und. untersiyeiden sich in Karakirgisen (schwarze, wilde Kirgisin) und »ta Nach Süden geht die Steppe unmerklich in Smzwuste über, bte außer einigen grauweißen Salzpflanzen hauptsächlich den ©oraut iiinb Kaiagalniksträucher hervorzubrtngen vermag, Tte russische Bahn Verwaltung ist, allerdings bis setzt nut geringem Ersolg, bemuhtt diese kümmerliche einheimische Flora zur Besestigung des Bahn bamnis nutzbar zu machen. Ueberhaupt wirken die entlang des Bahnkörpers entstehenden Stationshäuser als erste Kulturstätten in lenen trostlosen Gebieten. Mit dem Erreichen der Station Kasalinsk am Syr Darja (dem Jaxartes der Alten) tritt bte Bahn in das eigentliche Wüstengebiet ein, das als mss. Gouvernement Turkestan den größten Teil des turamschen . Tieflandes ein- nimmt Es ist ein zentrales abflußloses Gebiet, das versch-te- bene Wasserbecken enthält, die im Laufe der ^ahre ihre Lage andern. Hier war von altersher der Zug der großm Handelsstraße zwischen dem mittleren und östlichen Asien und Europa, hier der politische und merkantile Berührungspunkt der umliegenden Staaten, so daß das kaiserliche Wort: „Meere trennen utcht.son- bern verbinden", auch sür die Wüste Gültigkeit Hot- Das jßuften# gkbsitbestehtaüs der'nördlichen Kisil-Kunt (rote Wüste) un » bet südlichen Kara-Knm (schwarze Wüste). Ber Äauptort Turkestans ist heute Taschkent am Syr Dana. Er besteht aus zwei voll ständig getrennten Stadtteilen: der asiattsckwn und der russischen | Stadt. Während die erstere ein typisches Bild orientalischer Ban weise bietet, ist letztere, mehrere Kilometer von der alten ©tobt I entfernt, in durchaus moderner Art gebaut. Die handeltreibende sartische Bevölkerung, eine Mischrasse, gewahrt m ihrer bunten Kleidung ein anmutendes Bild morgenlanbischer.Ucanntg fattigfeit. Die Hauptbedeutung der Stadt liegt tn der Beherr- schuug des Getreidemarktes. Der alte Basar btetet bem Reisenden Gelegenheit, Pelzwerk, Teppiche unb fetbene Stoffe »» erstaunlich hohen Preisen einzukausen. Durch uralte künstliche^ Bewässerungsanlagen ist das Wasser des Syr Dana über die ganze Gegend geleitet worden, wodurch aus der vorhandenen ^AwW erde Wunder von Fruchtbarkeit hervorgelockt werden. Putsch von doppelter Faustgroße, Weintrauben, deren Beeren d e Dicke von Pflaumen erreichen, sowie Tomaten Arbusm (Mel ) werden hier in Menge auf Ren Markt ^brackft. Die S-oß Fortschritte in der Kultur hat das südlich von Taschkent gele- Natürlich sagte er zu. So befahl sie gleich um drei Uhr ihr Reitpferd und daß Franz sie begleiten solle. Zur bestimmten Stimde mar der Freiherr zur Stelle. Von Franz gefolgt, ritten sie zur Stadt hinaus, in der Richtung nach dem Walde zu, der im Besitz des Fürsten von P. sich meilenweit hinter St. ausdehnte. Der Tag war wundervoll. Wie ein- Riesen kuppel wölbte sich der tiefblaue Himmel über der herbstlichen Landschaft. Nicht das kleinste Wölkchen unterbrach die Einförmigkeit seiner Färbung. Nur die öonne breitete Goldglauz über das südliche Blau unb fiel in unzähligen Glorieu- strahlen zur Erde nieder. Die Luft zeigte jene Klarheit, wie sie nur schönen Herbsttagen eigen ist, alle Farben schienen satter, ausgeprägter, alle Konturen kräftiger, als im Dunstschleier heißer Sommerluft. Langsam schwebten die weißen ©ommertäben durch die fast unnatürlich warme Luft. Sie wehten wie lustige Wimpel an den Stämmen des Hochwaldes, verfingen sich zu dichtem Gespinst im Geäst niedrigen Strauchwerks und woben ein seines schimmerndes Netz über die braunen Ackerschollen. Auch um die Gestalten der Reiter schmiegten sich bte zarten gäben als herbstliche Mahnung. Doch wer denkt an bett Herbst, wenn der Himmel blaut unb die Sonne lacht, wenn das bunte Laub so farbenfrenbig leuchtet, die Luft so schmeichlerisch lau — 115 — gelte Ferghanagebiet, am Mittellauf des Syr Darja, gemacht. Gleich «ach der Eroberung hat General Kausfmann die Kultur der langfaserigen, amerikanischen Baumwolle in die Wege geleitet, und es sind damit solche Erfolge erzielt worden, daß Rußland allen Ernstes daran denken kann, sich durch den Ertrag dieses Gebiets in seinem Bedarf an Baurnwolle unabhängig vom Auslande LU stellen. In zwölfstündiger Fahrt bringt die Eisenbahn den Reisenden nach der altberühmten Stadt Dschengis-Chans und Timurs, Samarkand. Durch ausgedehnte Bewässerung mit Hülfe des Serasschan ist die Stadt in einen blühenden Obstgarten umgewandelt worden. Prachtvolle alte Bauten aus Timurs Zeiten, sowie das phantastisch bewegte Bild orientalischen Lebens in einer, selten anzutrefsenden Unberührtheit und Ungeniertheit lassen die Stadt dem Fremdling wie ein Märchen aus „Tausend und einer Nacht" erscheinen. Als alte Pflegestätte orientalischer Gelehrsamkeit ist Samarkand jetzt noch der Sitz von vier Kollegien, aus denen der Priesterstand, die Mullahs, hervorgeht. Heulende Derwische, die man aus den Straßen sieht, stehen etwa auf der Stufe von Bettelmönchen. Von alten Gebäuden ist 'besonders das Grab Timurs, ein mit Fahencemosaik geschmückter Kuppelbau, berühmt. Samarkand wird vom Emir von Buchara während des Sommers bewohnt, während ihm seine Hauptstadt Buchara infolge russischer Bevorrnundung verleitet worden ist. Rußland unterhält in Buchara zwar nur eine „Gesandtschaft", die aber jederzeit in ein Gouvernement umgewandelt werden könnte, ohne damit die jetzt herrschende Lage im geringsten zu ändern. Es scheut nur die Höhe d.er entstehenden Berwaltungskosten, um das Emirat endgültig seinem Reiche einzuverleiben. Buchara hat nicht nur Getreide als Ausfuhrartikel, sondern exportiert auch Pferde, Rinder, Kamele und besonders das eigenartige Fettschwanzschaf. Die Bahn bewegt sich nun längs der persischen Grenze am Nordabfall des iranischen Hochlandes entlang, der wie ein hohes Gebirge erscheint, durch die nur von wenigen Oasen unterbrochene transkaspische Steppe zum kaspifchen Meere. Ursprünglich den besten Hafen, Krasnowodsk, anlaufend, endigt sie nun auf der Insel Ilsun-Ada. Die Bewohner dieser Steppe, die Turkmenen, fallen durch ihren schlanken Wuchs angenehm ins Auge, ein Eindruck, der noch durch die übliche hohe Lammfellmütze verstärkt wird. Prachtvolle farbige Lichtbilder illustrierten den Vortrag in vortrefflicher Weise. Silvester im Hngadin. (Original-Artikel der „Gieß. Fam.-Bk."). Grauer Himmel und unendlicher Schmutz den ganzen November «und den grüßten Teil des Dezembers hindurch wecken begreiflicherweise die sich immer mehr steigernde Sehnsucht nach Sonne und Licht. Ern klarer Tag, den uns das Weihnachtsfest beschert nmd den Jo fort unfreundliches Schneegestöber ablöst, ist nur geeignet, dieses Berlangen noch zu vermehren. Rasch also den Koffer gepackt und, nachdem man noch den Reiz des heimatlichen Weihnachtsbaumes genossen, aus nach dem Hochgebirge! Zürich wird spät abends mit der üblichen Feiertagsverspätung erreicht und dort wird Nachtquartier genommen. Am folgenden Morgen bedecken enorme Schneemassen die Straßen. Es ist trüb und kalt. Die Fahrt längs der Südseite des Sees geht durch dichten Nebel und nur da, wo die. Bahnlinie unmittelbar! am User herführt,, sieht man, wie die dampfenden und wallenden Nebel dem Wasser entsteigen. Nach etwa einer Stunde siegt allmählich die Sonne. Das gegenüberliegende Seeuser wird hier und da in seinem strahlenden Schneekleide sichtbar und als der Zug den lieblichen Walensee erreicht hat, sind die Nebel verjagt und klarer blauer Himmel wölbt sich über den weißglänzenden Bergriesen, die das lange schmale Seebecken umschließen. Durch das von Sargans ab ziemlich weite Rheintal wird Chur um die Mittagszeit erreicht, und hier beginnt die schmalspurige rhätischc Bahn, die über Reichenau, dem Vereinigungspunkt des Borderund Hinterrheins, in dem engen Tal des wildflutenden Hinterrheins nach Thusis führt und dann dem Laus der brausenden Albula folgt. Seit Eröffnung der Albula-Bahn vor wenigen Jahren fährt der Postschlitten nicht mehr auf der alten, ins Engadin führenden Paßstraße. Der Vahnbau ist einer der kühnsten der Schweiz. Langsam arbeitet sich die mit dem Schneepflug bewehrte Maschine in die Höhe, oft überschreitet sie den Fluß auf schwindelnder Brücke, oder verschwindet in einem der zahlreichen Tunnel, deren etwa 40 in der Zeit von vier Stundest durchfahren werden. An den engsten und steilsten Stellen des Tales wird die Steigung durch eine Reihe von Kehr-Tunnel gewonnen. Uns neu ist die Eigentümlichkeit, daß die Tunneleingänge durch große Vorhänge verschlossen sind, die beim Herannahen des Zuges zurückgezogen werden. Der Zweck dieser Einrichtung ist, große Eisbildungen an diesen Stellen zu vermeiden. Nach dem Verlassen des großen, säst 6000 Meter langen Albula-Tunnels, in dem die Bahn den höchsten Punkt überschritten hat, wird bald Samaden und damit die Talsohle des 1800 Meter hohen Engadins erreicht. Wenige Minuten später läuft der Zug an dem lieblichen Celerina vorbei und daun, nach einem letzten Tunnel, in den Bahnhof von St. Moritz ein. Die Sonne ist schon ziemlich tief gesunken und wird bald hinter den westlichen Bergriesen verschwinden. Noch überflutet sie den tiefblauen Himmel, die weite, aus dem See ausgebreitete Schneefläche und die Hänge der gewaltigen Berge mit lichtem Glanz. Bald weicht das blendende Weiß einem zarten Rot, das immer tiefere, sattere Töne annimnit, um schließlich in ein lvarines Violett oder tiefes leuchtendes Blau überzugehen, während vom Tal ans bereits die Schatten an den Hängen in die Höhe eilen, die endlich auch am höchsten Kamm den letzten Sounenreflcx verjagen, und nun liegt ein bleiches kaltes Licht auf der ganzen Gegend. Kurz darauf erscheint der Vollmond im Osten und an Stelle des kalten Lichtes tritt ein helles Glitzern. Das Spiel der Farben auf den zackigen Riefen macht einen überwältigenden Eindruck. St. Moritz ist von Fremden überfüllt; vorzugsweise sind es Deutsche ptbtb Engländer, die die Freude des Wintersports hier genießen wollen. Alles dreht sich um den Sport, der große Manigfaltigke.it bietet. Fast. jedes der größeren Hotels hat seine eigene künstliche Schlittschuhbahn. Sie ist aufs sorgfältigste gepflegt, wird jeden Morgen mit einem Schabeisen geglättet und mehrmals anr Tag mit Besen gefegt. Etlvaige Risse im Eis werden abends mit Hülfe von Schöpflöffeln ausgegossen oder die ^auze Fläche wird frisch überschwemmt. Außerdem stehen große Eisbahnen auf dem St. Moritzer See zur Verfügung. Eine erhebliche Anzahl hervorragender Kunstläufer und Kunstläuferinnen lockt stets Zuschauer an. Ein ausschließlich von Engländern betriebener Eissport ist das Curling und das Bandy-Spiel. Ersteres ist ein ruhiges Spiel, das meist von älteren Herren gespielt wird, die sich zu einem Klub zusammengetan haben, in dem wohl auch um Geld gespielt werden mag. In dem eigens für dieses Spiel reservierten und gepflegten Eisring sind um einen Kegel MS Mittelpunkt konzentrische Kreise gezogen. Ausgabe des Spiels ist es, schwere runde, mit Griffen versehene Marmorsteine, die in ihrem Aussehen lebhaft an Wärmeflaschen erinnern, so zu werfen, daß sie über die Eisbahn gleitend innerhalb der Ringe zum Stillstand kommen. Die Spieler sind sämtlich mit Kehrbesen ausgerüstet, mit denen sie eifrig vor etwa zu schwach geworfenen Steinen herfegen, um eine Gleitbahn mit möglichst geringer Reibung zu schaffen. Das Bandy-Spiel wird auf Schlittschuhen gespielt und erfordert sehr flinke und gewandte Läufer. Die Spieler teilen sich in zwei durch farbige Schärpen kenntliche Parteien von je 8 bis 15 Personen und sind mit einem am Ende abgebogenen Swck ausgerüstet, mit den» ein schwarzer Ball von der Größe eines Tennisballes über die große Eisfläche geschlagen wird. An beiden Enden der Bahn steht ein kleines, auf einer Seite offenes Hüttchen als Ziel, und die Aufgabe der Parteien ist es, mit den Stöcken den Ball auf dem Eis hin ins Ziel des Gegners zu jagen. Es gilt also mit großer Gewandtheit und Schnelligkeit den über das Eis fliegenden Ball auszuhalten und durch die Reihen der Gegner dem Ziele der feindlichen Partei zuzujagen. Das Spiel wird mit einem Eifer und Ernst betrieben, als hinge davon das Wohl und Wehe des großen britannischen Reiches ad. Ebenso zahlreich wie die aus der glatten Eisbahn sich ab- spielenden Vergnügungen sind die auf der Schnees lache sich entfaltenden. Groß und Klein rodelt auf kleinen Schlittchen. Für Kinder und Ungeübte sind leichte und bequeme Bahnen geschaffen. Geübte Rodler benutzen aber die mehrere Kilometer langen, stellen und an schwer zu nehmenden Kurven reichen Schlittelbahnen, ans denen die flachen, mit 1, 2 oder 3 Personell besetzten Schlitten hinuntersaufen. Viele, Männer wie Frauen, fahren ^auf dem Bauch liegend, ben Kopf voran, mit einer unheimlichen Schnelligkeit zu Tal; dabei haben sie meift an den Fußspitzen einen mehr- zinkigen eisernen Kamm angeschnallt, mit dem gesteuert und im Notfälle gebremst wird. An den scharfen Kurven der Bahn müssen die äußeren Seitenwande hoch aufgeschauselt sein, da die schlitten wohl fast bis zu 2 Meter an ihnen in die Höhe fliegen. Besondere, zu anderen Zwecken nicht benutzte Bahnen werden mit großer Mühe und großem Zeitaufwand für die^ sogenannten Bobsleighs' gebaut. Diese fiito ganz niedere lange Schlitten, auf denen 4 bis 6 Personen, dicht hintereinander sitzend, Platz finden. Der gewandteste Fahrer sitzt an der Spitze und führt die Steuervorrichtung des Fahrzeuges, ein anderer, am Ettde, hat dle Bremse in der Hand. Zwischen beiden sitzen fröhliche Gruppen von Männern und Mädchen, und die mehrere Kilometer lange, steile und an Kurveli reiche Bahn wird mit Schnellzugsgeschwindig- ieit durchfahren. . Am heitersten ist wohl das Treiben an den sanften Berghängen, an denen der Skilauf geübt wird. Für den aus der Tiefebene und der Stadt Kommenden ist es verlockend, einmal einen Versuch zu wagen unfr, da der Ungeübte ebenso leicht wie sanft in dem weichen Schnee zu Falle kommt, so fehlt es nicht an belustigenden ©selten. Zumal der Versuch der Gestürzten, sich mit dem langen Ski aus dem tiefen Schnee wieder herauszuarbeiten und auf die Beine zu stellen, ist von einer herz er freiten- den Komik. Daneben kann man indesselt auch die Kunst ge-. - 116 tittHbter Skiläufer in hohem Maße bewundern, wie sie nach flotter Abfahrt im kurzen Bogen sich umdrehen oder wie sie von einer Schneeschanze aus in kühnem Sprunge durch: die Lust fliegen. Eine» köstlichen Genuß gewahrt eine Fahrt im großen, von einem guten Pferde gezogenen Schlitten, mag man nun dm entzückenden Weg längs des Silvaplaner und Silser Sees bis zur Paßhöhe von Maloja wählen oder es versuchen, über Pout- resina und an dem malerischen Morteratsch-Gletscher vorüber die Höhe des Bernina-Passes zu erreichen, der mit seinen enormen winterlichen Schneemassen einen geradezu unheimlich öden Eindruck macht. Freilich wird nicht jeder Schlitten so leicht die Paßhöhe erreichen wie die Schweizer Alpeupost, die mit einer Reihe hintereinander lausender Schlitten Tag für Tag die Verbindung nach dem Veltlin austecht erhält, oder wie die Fuhrleute, die allwöchentlich den roten Veltliner Wein aus Italien Nach dem Engadin bringen. Trotz des tiefen Thermometerstandes empfindet man die Kälte im Engadin durchaus nicht unangenehm infolge der intensiven Wirkung der Sonne auf der Schneefläche, der Trockenheit der Lust und der völligen Windstille, die meist im Tal herrscht, während oben an den scharfen Firsten hie und da leichte Schnee- massen vom Wind aufgewirbelt und wie in Wölkchen davongeführt werden, ins tiefe Blau des Himmels, in dem sie allmählich verschwinden. Wenige Tage des Aufenthaltes genügen schon für den gesunden Menschen, ihn die Körper und Geist erstischende Wirkung des Hochgebirges verspüren und die Sorgen vergessen zu lassen, und ich bin überzeugt, daß auch die Gesunden immer mehr von Jahr zu Jahr djas Hochgebirge zu ihrer Erholung aufsuchen werden, wie es ja Nerven- und Lungenkranke zur Heilung schon seit langem tun. Der Silvesterabend ist da. Eine einzelne Glocke läutet kurz vor Mitternacht das scheidende Jahr zu Grabe. Dann tiefe .Stille, bis wuchtige Glockenschläge die Jahreswende verkünden, und nun begrüßt das junge Jahr volles harmonisches Geläute aller Glocken im Tal, widerhallend von den majestätischen Bergriesen, deren weißes Gewand die strahlende Mondscheibe mit Silberglanz übergießt. Dr. H. Wandenmgs« i» deutsche» Gaue». Rominten. Im äußersten Osten Ostpreußens, dem Zarenreiche benachbart, liegt auf dem uralisch-baltischen Höhenrücken, durchflossen von der Rominte und ihren zahlreichen Zuflüssen, das Jagdrevier des Kaisers. Mehr als 120 000 Morgen mißt der prächtige Wald. Hügel und Niederung, Lehm und Sand, trockene Flächen und Bruch, Hoch- und Niederwald wechseln miteinander in anmutiger Vielfältigkeit. Ein zahlreicher, wohlgepflegter und geschonter Wildstand bevölkert den riesigen Forst. Elche gibt es nicht, aber prächtiges Rot- und Damwild lockt den Jäger. An einem bitterkalten Morgen trägt mich bet Schlitten, bespannt mit zwei leichten, munteren ostpreußischen Pferdchen, vom Bahnhof Goldap in den Forst. Mit furchtbarer Gewalt braust der eisige Ost aus den russischen Steppen über das kahle Hügelland, hier den Schnee ganz hinwegfegend, dort ihn zu mächtigen Dämmen zusammenwehend. Die kleinen Dörfer sind tief verschreit, kein Mensch ist auf der Straße zu sehen. Nur selten begegnet uns ein Fuhrwerk. Kutscher und Fahrgäste sind bis zur Stirn in Pelze in Decken gehüllt, das Haupt bedeckt eine große runde Pelzmütze. Bald fahren wir in den Forst ein. Die dichtgedrängten Barrmriesen brechen die Kraft des eisigen Windes: prächtig ziert den Weihnachtswald sein weißes Winterkleid. Häufig flüchten ganze Rudel Wildes, von dem Hufschlag unserer Pferde und den Glöckchen des Schlittens aufgescheucht, in die Tiefe des Forstes. Unendlich zieht sich der Wald hin. Immer neue Reihen seiner Waldriesen stellen sich uns entgegen. Bergauf, bergab geht die Fahrt, bald über Hügelrücken, bald über das Eis der weitgedehnten Brüche. Allenthalben zeigt der verräterische Schnee die Fußspuren des hungernden Wildes. Endlich, nachdem wir vom Waldrande aus 25 Kilometer zurückgelegt, haben wir die Mitte der Romintener Heide erreicht. Dort liegt in einer Waldlichtung auf beiden Ufern der Rominte das Dörfchen Teerbude. Ein weltverlassenes Holzhauerdorf war .es bis vor. wenigen Jahren. Heute weisen seine dunkelrot gestrichenen zierlichen und sauberen norwegischen Blockhäuser und der am Eingang des Dorfes in demselben Stil errichtete kaiserliche Automobilschuppen den Ankömmling sogleich auf den fürstlichen Gast hin, der fett mehreren Jahren dem Orte das Gepräge feines persönlichen Ge- fchmacks aufgedrückt hat. Gar idyllisch lebt der Waldarbeiter in den sauberen Blockhäusern. Mit der Wohnung empfängt er das vollständige Mobiliar, ans Tannenholz, ebenfalls im nordischen Stil verfertigt. Zwei Zimmer, dazn die Küche und eine Dachkammer enthält jedes der niedlichen Häuschen. Und für diese ganze Herrlichkeit — einschließlich des Mobiliars — hat der glückliche Mieter nur 40 Mark im Jahr zu zahlen. Da möchte ihn wohl mancher großstädtische Arbeiter und Beamte beneiden! Auch sonst hat der Kaiser gut für seine Rominter gesorgt: eine Kleinkinderschule verwahrt dem Waldarbeiter die Kleinen, wenn er, der Vater, im Walde, fern von seiner Wohnung, seinem Tagwerk nachgeht. Vom Rande der Lichtung, auf dem hohen Ufer der Rominte erbaut, von einem prächtigen Bestände mächtiger Baumriesen ein» geschlossen, schaut das kaiserliche Jagdschloß Rominten auf das Dorf hernieder. Norwegische Zimmerleute haben es im Stil der mittelalterlichen Bauten Norwegens aus den Stämmen der Romintenschen Heide zusammengefügt. Phantastische Drachen ragen über die Dachfirsten hinaus. Dem Abhang zunächst liegt das Blockhaus des Kaifers. Es hat die Abmessungen einer kleinen Villa. Ein überdachter Gang verbindet es mit dem nach der Waldseite gelegenen, etwas kleineren Hanse der Kaiserin. Grell heben sich die Gebäude in ihrem roten Anstrich und mit ihren zackigen Drachenköpfen ab von der weißen Schneedecke und dem tiefe» Dunkel des Waldes. Neben dem Schlößchen liegt die Kirche, eine getreue Nachbildung der altnordischen Holzkirchen. Ein hohes, spitzes Schindeldach und ein hölzerner Dachreiter krönen den merkwürdigen Bau. Das Innere macht mit seinen hölzernen, rotbraun gestrichenen Wänden, mit feinen romanifietenben Bauformen, den überall verwendeten Drachenmotiven und dem reichgeschnitzten Holzgestühl einen fremdartigen, aber doch warmen, behaglichen Eindruck. Vorn, links vom Altar, stehen die Stühle der kaiserlichen Familie, dicht neben den Bänken der Dörfler, von denen sie keine Schranke trennt. Das einfache Innere des Jagdschlosses schmücken stattliche Jagdtrophäen. Hier hätt der Kaiser mehrmals im Jahre Einkehr. Ein reger Verkehr herrscht bann in diesem stillen Erdenwinkel. Zahlreiche Dienerschaft und ein großes Jagdgefolge begleiten den kaiserlichen Jäger. Eine Zeit angespanntester Tätigkeit hat der Förster zu bestehen. Jetzt nützt er die Beobachtung des Wildes seines Reviers, der er das ganze Jahr über abgelegen hat. Früh morgens um drei Uhr schon hat er an den Jagdtagen im Schloß den Rapport zn erstatten, wann und wo in seinem Revier der stolze Hirsch auf seinem Morgengang auf die Waldlichtung heraus- tritt, der Kugel des Jägers ein sicheres Ziel bietend. In aller Frühe bricht der Kaiser mit seinen Jagdgenossen auf. Ueber Stock und Stein geht es im rüstigen Marsch durch die Heide. Keine Rücksicht gibt es auf den alternden General oder Höfling. Hält er das rüstige Weibwerk nicht mehr aus, bann mag er sich zu- rückziehen. Prächtige Geweihe erbeutet der Kaiser hier in jedem Jahre. Reichliche Gnadenbeweife läßt das kaiserliche Jagdglück die Förster gewinnen. Aber wehe ihnen und dem Forstmeister, wenn der belauschte und angesagte Hirsch den Kaiser foppt, dann setzt es ein kräftiges Donnerwetter ab aus kaiserlichem Munde; „Glauben Sie, ich käme zu Ihnen zur Visite?" Einen ansehnlichen Touristenverkehr hat das kaiserliche Jagdschloß dem stillen Dorfe gebracht. Ein geräumiges Gasthaus ist entstanden. Dort labt nur ein einfacher Imbiß nach der anstrengenden Fahrt. Aber auf unsere Frage nach Bier und Wein sehen wir verlegene Gesichter. Der Wirt hat sich durch Zwistigkeiten mit einem bei ihm einquartierten Hofbeamten die Ungnade des mächtigen Hofmarschallamts zugezogen. Bald darauf hat er die Konzession zum Ausschank geistiger Geträirke verloren- und nun müssen wir armen durchfrorenen Reifenden dafür büßen. Wv die Frau die erste Geige spielt. Ist des Mannes Brummbaß oft vonnöten: Wo die Frau als Dirigent sich fühlt, Geht so gern das Glück des Hauses flöten. DiaMEtriitfeil. (Nachdruck verboten.) In die Felber nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a a a beeeeiikkllll irr ss t t v derart einzutragen, daß die wagerechten Reihen Folgendes bedeuten : 1. Einen Consonanten. -] 2. Möchte Niemand gern 5 werden. 8. Deutschen Fluß. 4, Ein Musikinstrument, 5. Ein Thier. 6. Babylonische Gottheit. 7. Einen Consonanten. Die senkrechte und wagerecht« Mittelreihe ergeben das Gleich« in nächster Nummer. Auflösung Auflösung des Bilder-Nätsels in vorletzter Nummer r Anmut machet schön das Weib. Redaktion: Traft Heß. — Rotationsdruck und Verlao der Brühl'icken UnwerktätS-Bueb» und Stetndruckeret, R. fcanae. Gieße»