, als =gten nsere . mit Bre- >hen- tmen H- ceibt , die ivoll örfe, ider- hrer igeit sich aub- gers geil me den- vor- and- Litnb laie- p armen ka- ein- iebe Vers ond- Die chen 'gar liefe aus- esen liefe iens lern seli- mde uffs Leise fach» geht. *** en. 1907 Uj1' M L»-a' MAZ 5® M Auf-der eigenen Spur. Kriminalroman von Otto Hoecker- (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 3- Kapitel. Kaum feine Stunde spater befand sich Rat Hansemann in Begleitung seiner beiden Detektivs und des Schutzmanns Rokohl, welcher in der verflossenen Nacht Wachtdienst auf dem Potsdamer Platz verrichtete, wieder unterwegs. Diesmal galt die Droschkenfahrt dem fernen Norden von Berlin- Ter von dem Rat an die Reviere gesandte Sammelruf hatte seine Wirkung nicht verfehlt- Rokohl hatte die von ihm gemachten Wahrnehmungen gemeldet und war unverzüglich nach dem Polizeipräsidium beschieden und dort von dem Rat eingehend vernommen worden- Daraufhin hatte der letztere die sofortige Fahrt nach der Wohnung des Fnhrhcrrn Gottlieb Knake angcordnet- Unterwegs ließ sich Hansemann von dem Schutzmann nochmals eingehend Bericht erstatten; dabei wurden seine beweglichen Mienen zusehends vergnüglicher- „Würden Sie den Betrunkenen von heute nacht wiedererkennen?" fragte er gespannt- „Zuversichtlich, Herr Rat," versetzte Rokohl- „Ich habe ihm genau genug ins Gesicht sehen müssen- Es war ein unangenehmes Stück Arbeit- Ter Mann roch entsetzlich nach Alkohol, sozusagen nach Schnaps, Herr Rat- Das wunderte mich, zumal er so fein an- gezogen war- Solche Herten trinken doch lieber Champagner oder sonst was... ist denn eigentlich was nick; richtig?" erkundigte er sich respektvoll. „Ich hatte heute nacht schon so'n Gefühl, als ob die Sache nich ganz stimmte." „Inwiefern denn?" erkundigte sich Hansemann- „Na, mit dem Begleiter- Tas ging kurios zu, Herr Rat. Unsereiner erlebt doch viel- Aber ich wurde aus der Geschichte nicht recht klug." „Vorhin im Bureau sagten Sic mir doch, der Begleiter habe ebenfalls einen sehr respektablen Eindruck gemacht? Er war ebenfalls im Gesellschaftsanzug, nicht wahr?" „Gewiß, Herr Rat, aber," — der Schutzmann stockte; er schien verlegen und nicht recht zu wissen, wie er fortfahren sollte- „Ich weiß nicht, ob's auch beidemal derselbe war." „Nanu?" Hansemann schaute kopfschüttelnd auf- „Was sagen Sie dazu, Walden?" Ter ihm gegenübcrsitzende Detektiv, welcher bisher zerstreut durch das Wagenfenster auf die Straße geschaut hatte, fuhr nervös auf. „Ich?" Er lächelte matt. „Ter Schutzmann täuscht sich wohl," gab er leiser, als es sonst in seiner Art lag, zurück- „Er machte mir gegenüber vorhin schon solch eine Andeutung. Er fragte mich nämlich, ob ich heute morgen nicht auf dem Potsdamer Platz gewesen sei, weil ich einen modefarbenen Ueberrock trage-" ■ Hansemann stimmte in sein kurzes Auflachen ein- „Na, seien Sie so gut, Rokohl, Sie wollen mir doch nicht meinen zuverlässigsten Detektiv in die Tinte reiten?" scherzte er- Ter Schutzmann war rot geworden. „Ich — das h^ißt stotterte er und schaute verwirrt auf den neben ihm Sitzenden- „Der Herr hier 'sicht wirklich ähnlich aus - . . bis auf den Bart, der fehlt freilich - . . und er spricht auch nicht so geziert. Mer mit dem Paletot, das stimmt allemal-" „Ja, cs ist ein Kreuz mit diesen hellen Ueberröcken^ jedermann trägt sie. Ich habe selbst so'n Instrument im Schrank hängen-" Tcr Rat wurde wieder ernst. „Mit anderen Worten also, sstokohl — Sie haben sich den Mann ziemlich genau betrachtet, er hat ein schneidiges Aeußere, etwa wie 'n Offizier in Zivil?" „Genau so," bestätigte der Schutzmann nachdenklich. „Nur schien er mir das zweitemal kleiner zu sein - . . und dann mit dem Bart, das stimmte auch nicht. Es fiel mir gleich auf, aber ich dachte mir nichts dabei- Erst später bei ruhigem Nachdenken Hütte ich darauf schwören mögen, daß der Begleiter das erstemal einen Schnurrbart getragen hat und dann plötzlich einen Vollbart." „Ich glaube. Sie täuschen sich," warf Walden ein- „Sie sagen selbst, der Mann hat den Paletotkragen aufgeschlagen gehabt; vielleicht trug er darunter ein Tuch, das sich im Tnnkel wie ein Bart ausnahm-" „Sü wird es auch sein," meinte Hansemann, der sich inzwischen aus dem Wagenschlag gebeugt und dem Kutscher die Weisung erteilt hatte, zunächst nach dem Leichenschauhaus zu fahren. „Es kam Ihnen so vor, als sei der Begleiter nüchtern gewesen, Rokohl?" fragte er weiter- „Vollständig nüchtern, Herr Rat- Ich schaute ihm nach, wie er fortlief, da ging er schnurgerade. Ich sah ihn noch bei der Bahnhofsrampe, da stand er still - . . mit noch einem anderen. Gerade unter einer Laterne standen sie- Mir gings ganz dumm durch den Sinn, als sei's zweimal derselbe Mensch." „Tas macht die Dunkelheit," warf Hansemann ein- „Wie er nun zurückkehrte, wußten Sie nicht recht, was von ihm halten-; Kam er denn gleich wieder zurück?" „Darüber mögen zehn Minuten vergangen sein, eher noch mehr- Es war eine Schandarbeit mit dem Betrunkenen. Er schlug tote wütend um sich- Ich bin gewiß ein kräftiger Mensch, doch ich konnte mit ihm nicht allein fertig werden- Auch als der Kutscher mir schließlich auf mein Geheiß beisprang, hatten wir noch einige Minuten zu schieben, bis wir den Mann endlich in der Droschke hatten-" „Und dann kam der Begleiter wieder?" „Wenn cr's wirklich war, Hwr Rat. Er wußte freilich gut Bescheid, was vorher sich begeben hatte, jedoch " „Tie Sache erschien Ihnen hinterher nicht ganz koscher, fiel Hansemann ein- „Wie lange hatten L>ie denn diesen mysteriösen Begleiter zuerst gesehen?" „Tas spielte sich sehr rasch ab- Vielleicht kaum eine Mr- "E„Nun, dann dürften Sie zu eingehender Beobachtung kaunk Zeit gefunden haben,, zumal Sie Ihre Aufmerksamkeit dem Trunkene« zuwenden mußten," warf Walden mit spöttischer Betonung ein- „Wo in aller Welt sollte auch im Handumdrehen ein Doppelgänger auftauchen- Das bilden Sie sich wohl nur ein." „Es ist jedenfalls im höchsten Grade unwahrscheinlich," bestätigte auch der Rat- Er achtete nicht auf die hartnäckige Miene 558 — bcs Beamten, noch dessen mit wenig freundlichem Ausdruck dem jungen Detektiv zugetvandten Seitenblick, sondern fuhr in seiner Fragestellung fort: „Haben Sie sich den Kutscher genau angesehen? oder kennen Sie ihn etwa persönlich?" „Nein- Ich Bin, in Berlin N. fast gar nicht bekannt. Ich schrreb ihn doch auf, weil er sich mit seiner leeren Droschke stundenlang auf dem Potsdamer Platz herumtrieb, da mußte er mir seinen Namen nennen- Ich sah übrigens den im Wagen hängenden Tarif nach, da waren Namen und Adresse ebenfalls vermerkt-" „Also ein junger, kräftiger Mensch", erkundigte sich Hansemann. „Wie sieht er aus?" „Das kann ich nicht sagen, denn er hatte den breiten Kntschev- kragen aufgeschlagcn- Er machte nur einen solchen Eindruck, weil er so ne helle, piepsige. Stinrme hat - . . und dann hat er Kräfte wie n Junger-" ,silm nochmals darauf zurückzukommen- Ten Begleiter würden Sie eher wiedererkennen?" „Ich denke wohl, Herr Rat - . . vielleicht sogar beide", setzte er, 'wie geärgert, mit starker Betonung hinzu, als er ein spöttisches Lächeln in den bleichen Zügen des Detektivs wahrzunehmen glaubte. „Wenn ich auch nur Straßendienst verrichte, Herr Rat, Augen habe ich darum doch im Kopf - . . und den Mann von heute nacht greife ich aus Tausenden heraus, ich brauche ihn nur sprechen zu hören - . besonders das „r" schnarrte er immer herunter- „Um so besser- Jedenfalls war dieser Begleiter auch nach seiner Wiederkehr auf den Trunkenen nicht gut zu sprechen?" „Wütend war er auf ihn- Er stellte ihn als Lumpen hin. Er will friihcr bei ihm gewohnt haben-" „In der Turmstraße 128?" fragte Hansemann dazwischen- „Das sagte er nicht- Jedenfalls aber gab er dem Kutscher diese Adresse an-" „Sie können nachher gleich einmal dort vorsprechen," wendete der Rat sich an Walden- „Wahrscheinlich ist die Adresse indessen nur fingiert-" „Ganz meine Meinung," pflichtete der Detektiv bei- „Ich habe das. zuständige Polizeirevier bereits in Kenntnis gesetzt, um Nachfrage nach einer in dem gedachten Hause etwa abgängigen Person zu halten-" „Vortrefflich", anerkannte der Rat- Er wendete sich Rokohl . wieder zu- „Was sagte der Mann sonst mich?" „Sie waren zusammen in einer Gesellschaft- Dann will er den Trunkenen auf dem Nachhauseweg in der Tiergartenstraße aufgelesen haben." Tie ist lang," brummte Hansemann- „Genauer drückte cr sich nicht aus?" „Nein, Herr Rat- Letzte Nacht war übrigens großer Ball bei einem Finanzmann, der ein großes Haus in der Tiergarten- straße macht — ich glaube, er heißt Selkenbach-" „Kommerzienrat Selkenbach, der bekannte Generaldirektor der Kölnischen Bank", fiel Hansemann bestätigend ein, „den kenne ich sogar persönlich". ^„Jch kenne ihn auch, wenn auch nicht gerade vom Sehen," warf Walden trocken ein- Sein Vorgesetzter tauschte mit ihm einen bedeutsamen Blick; dann ließ der Rat ein leises Pfeifen hören; er schlug dem Tetektiv aufs Knie: „Na, sagen Sie mal. Sie Nimmermüder, haben Sie wirklich schon Erfolg in der Ihnen vom Kollegen Kneift aufgebürdeten Maulwurssarbeit erzielt?" , Hsiß glomm es in den stolzen, kühnen Augen des jungen Tetektives auf. „Wir werden Ueberraschungen erleben, Herr Rat", wisperte er, „es braut sich da eine Skandalaffaire allerersten Ranges zusamrnen." „Und Sie meinen auch. . . der Bewußte . . ." „Ter zuerst", stimmte Walden lächelnd bei- „Ich hoffe ihn demnächst schon zur Strecke zu bringen." Hansemann blickte kopfschüttelnd durchs Wagenfenster. „Das wird Sensation machen- Wenn das am grünen Holz des Giftbaumes geschieht, was soll am dürren werden? Tas setzt Wehklagen, wenn die Geschworenen ihren Verlust merken-" In den Augen Waldens blitzte es wieder bedeutsam auf. „Es wird Heulen und Zähneklappem in den Reihen gar Hochstehender setzen," deutete er an- Er beugte sich dicht zum Ohr seines Vorgesetzten- „Tie Sache wächst sich zu einem richtigen Hofskandal aus-" „Alle Wetter!" entführ es dem Rat; er schlug dem anderen auf die Schulter- „Sie sind doch n Tausendsasa, Walden. Na, ich halte Ihnen den Daumen- Glückts Ihnen da, kommen vre n gutes Ende vorwärts, das meinte auch Kollege Kneift". Er drückte dem eben fast fanatisch Blickenden die Hand und kehrte sich Rokohl wieder zu. „Doch um auf den besagten Handel zu- rückzukommen. Im Selkenbachschen Hause fand also Gesellschaft „Ja, ich sprach mit Kollege Martin darüber- Ter hatte in jenem Revier Nachtdienst- An die zweihundert Wagen fuhren vor; es dauerte bis zum ftühen Morgen- Kommerzienrat Selkenbach wohnt oberhalb der Hitzigstraße, da nahmen die meisten Wagm den Weg über die Brücke durch die Lützowstraße-" „Höchstwahrscheinlich- Bis^ zu ihrem Standorte von heute nacht ist es eine gute halbe Stunde- Da will es mir nicht einleuchten, daß der Trunkene, sollte er sich wirklich unter den Geladenen befunden haben, in seinem Zustande nicht schon eine frühere Fahrgelegenheit benutzt haben sollte- Es befinden sich eine ganze Anzahl Droschkenplätze an der Tiergartenstraße." „Tie mögen in verwichener Nacht von den Festgästen stark in Anspruch genommen worden fein," warf Detektiv Nix ein, der bis dahin einen aufmerksamen Zuhörer abgegeben hatte- „Das glaube ich nicht- Im Selkenbachschen Hause verkehren zumeist Leute, die auf eigenen Gummirädern durchs Leben fahren-" „Ganz recht, Herr Rat," fiel Walden ein- „Uebrigens dürste kaum ein Droschkenkutscher den Betrunkenen angenommen haben-" Er wandte sich an Rokohl. „Sie erzählten uns ja selbst, daß es Ihrer Intervention bedurfte, um den Kutscher zur Fahrt zu beivegen-" „Schließlich ist des nebensächlich," meinte Hansemann auf das Kopfnicken Rokohls hin. „Wir müssen vor allem in Erfahrung bringen, wo unser Mann seinen Rausch abbekommen, also sich zuvor aufgehalten hat- Von dr^an können wir weiter schließen-" „Vielleicht setzt man sich am besten mit Selkenbach in Verbindung?" schlug Nix vor- „Das könnte man tun; es bedürfte nur einer vorsichtigen Nachfrage —" „Tie von dem Kommerzienrat vielleicht übel ausgenommen werden könnte," siel Walden rasch ein- „Ich möchte Vorschlägen, vorderhand von derartigen Seitensprüngen abzusehen. Hansemann nickre- „Sie haben Recht wie immer, lieber Walden. Ich denke, es wird .ohnehin nicht schwer fallen, die Identität unseres Toten festzustellen. Im Notfall bleibt uns der Auslveg einer direkten Erkundigung noch immer- Uebrigens dürste die Gesellschaft bei Selkenbach in verwichener Nacht im Tiergartenviertel nicht die einzige gewesen fein- Auch in dieser Hinsicht muß man vorsichtige Fühler ausstrecken." Er brach ab, da die Droschke eben durch den düsteren Torbogen des Leichenschauhauses fuhr und nun vor dessen Portal anhielt- (Sortierung folgt.) Itt' Krhaltmrg d.s Iorfrs. Vortrag, gehalten auf der 2. Jahresversammlung des Bundes Heimatschutz von Robert Mielke. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Allerdings ist hier noch eine andere Frage von Wichtigkeit zu erörtern. Wie weit sollen wir an Stelle der verminderten Bodenschätze Ersatz aus anderen Ländern zu- lassen? Auch hier steht die Holzfrage obenan. An unseren alten Bauernhäusern bewundern wir die außerordentlich dicken Eichenbalken, die dem Bau erst Charakter geben. Bei den stark verminderten Eichenwaldungen in Deutschland hat man darum zur Kiefer greifen müssen — nicht nur in jüngster Zeit. Abgesehen davon, daß die Benutzung starker Stämme durch den Verbrauch als Grubenholz sehr eingeengt ist, bleibt auch die künstlerische Wirkung des verhältnismäßig dünnen kiefernen Fachwerkes sehr hinter dem Eichenholz zurück. Auch die leichte Vergänglichkeit, Rissigkeit und die Notwendigkeit eines häufigeren Anstreichens legen die Frage nach einem Ersatz durch eingeführtes Eichenholz nahe. Sollen wir dieses zurückweisen, weil die heimatliche Bauweise nur mit heimischen Baustoffen arbeiten darf? Wenn man diesen Grundsatz bis zu seinen letzten Folgerungen festhalten wollte, dann würden wir uns eine ganz unnötige Beschränkung auferlegen, die auch von unseren Vorfahren nicht anerkannt wurde. Das Nächstliegende ist gewiß das billigste; aber dadurch, daß es durch jahrhundertelangen uneingeschränkten Gebrauch auch eine gewisse stetige Einheit ’ z-n- 'chast hatte hren nrat die che." jeute ein- den 'chon nden :&e." stark der hren eben zens men ja scher auf Er- nen, eiter 8er- igen men gen, eber die uns lens im ieser eor- rtal idcs ich- der zu- ren lich en. schacht 8e- en- ng ehr ch- :en inen, len atz nn af- cnt >er e- eit 559 — den sogenannten öffentlichen Baugrund, d. h. die und Veränderung von Straßen in den ländlichen da aber diese dadurch, daß sie die Dorf- und Flurvöllig unbeachtet ließ, in demselben Sinne zer- auf die ländlichen Siedelungen wirkte wie die regelte Anlage Orten; straßen störend Baupolizei durch die Vorschriften für Feuersicherheit auf die Bauernhäuser, so war sie ein immerhin zweifelhafter Gewinn. Wirksame dörfliche Bauordnungen, die das geschichtlich gewordene Bild der Ortschaft achteten, sind nicht geschaffen worden' man begnügte sich mit den Baupolizei-Ordnungen für größere Gebiete. zwischen Land und Külturbauten herbeigeführt hat, drängt es auch bei eintretendem Mangel zu einem Ersatz durch gleiche Stoffe, der in unserer verkehrsreichen Zeit leicht ermöglicht ist. Auf den Nordseehalligen ist ein aus Walfischrippen errichteter Zaun üblich, der gewiß nicht einheimischen Ursprungs ist und doch zur charakteristischen Erscheinung geworden ist. Wenn also das aus Rußland bezogene Eichenholz gut und preiswert ist, soll man es ruhig verwenden. Das ist jedoch keineswegs eine Hauptfrage für die Erhaltung unserer Dörfer. Wichtiger als das Schwinden eines einheimischen Baustoffes ist die Aufgabe, Surrogate und andere neuzeitliche Ersatzmittel von geringer Dauerhaftigkeit zu vermeiden. Es ist nur ein von literarischen Quellen gespeistes Vorurteil, wenn dem Verblendziegel oder dem glasierten Ziegel das Fachwerk und die Schindelkleidung weichen müssen. Da ein bäuerliches Haus, das ja zumeist allein steht, allen Angriffen des Klimas und des landwirtschaftlichen Betriebes gewachsen sein muß, so dürfen wir zu der Jahrhunderte alten Erfahrung mehr Vertrauen haben, als zu den neueren Ersatzstoffen, die trotz ihrer zeitlich beschränkten Dauer schon eine Proletarierhafte Verkümmerung zeigen. Nach den Erfahrungen, die man im Königreich Sachsen genracht hat, stellt sich zudem die Benutzung der alten Baustoffe (Fachwerk, Holzverkleidung, Schindeln) erheblich billiger als die gerühmten Surrogate. Von großer Wirkung würde es zweifellos sein, wenn Abbildungen guter neuer Bauten mit den Herstellungskosten auf dem Lande verbreitet werden, etwa durch Aushang an öffentlichen Orten, wie Gasthöfen, Amtsräumen, Schulzimmern. Hätte jener Bauerngutsbesitzer in Mitteldeutschland, der sich auf seinem alten, unveränderten Hofe einen mehrstöckigen italienischen Nenaissanccpalast aus Berblend- ziegeln mit Sandsteinbossierung hat errichten lassen, solche Vergleichstafeln zur Hand gehabt, dann würde er vielleicht nicht jene grobe Geschmacklosigkeit begangen haben. Können wir von den bisher erwähnten Mitteln: Milderung der Feuerversicherungen, öffentlich zugängliche Bau- bezw. Beratungsstellen und Hinweis auf gute alte und neue Bauernbauten den erschreckenden Tiefstand unseres Kunstempfindens mildern? So wenig diese zu unterschätzen sind und so hoch die Mitwirkung unserer Bauschulen, die ja schließlich doch für die Bedürfnisse der ländlichen Baukunst etwas übrig haben werden, zu bewerten ist, eine griindliche Umkehr kann nur durch Rückkehr zu der Gepflogenheit örtlicher Bauordnungen gesichert werden. Wir besitzen solche in Deutschland bereits sür größere Bezirke; sie gehen aber meistens nur von allgemeinen technischen Erfahrungen aus und verbinden eine merkwürdige Vorliebe für Neuerungen mit einer bedauerlichen Mißachtung der bestehenden Dorf- und Hausformen. In Preußen bildet das Allgemeüke Landrecht den Ausgangspunkt, zu dem eine Reihe von Bestimmungen über einzelne Teile des Hochbauwesens, besonders über die Feuerpolizei kommen. Im übrigen beschränkte man sich in den polizeilichen Bestimmungen auf allgemeine Gesichtspunkte, die zwar die Verschiedenheit des Klimas, des Baugrundes und der Lebensgewohnheiten etwas berücksichtigten, aber nur für größere Gebiete, Provinzen, Regierungsbezirke und Kreise — nicht für einzelne Ortschaften. Nicht in Betracht gezogen sind die örtliche Bauweise, der Grundplan des Dorfes und die Feldflur. Eine spätere Verordnung von 1875 Einfachste WshnrmgsS«rrst. In einem Artikel über „Proletarische Lebenskunst" behandelt Göhre eingehend das Problem der Arbeiterwohnung vom ästhetischen Standpunkt aus. Bon der Forderung strengster Selbstzucht ausgehend, mahnt er die Arbeiterschaft, nicht in das erste beste „Quartier" einzuziehen, sondern der Wohnungssuche dieselbe Sorgfalt zuteil werden zu lassen, wie das bei der Wohnungseinrichtung der Fall sein muß. Letzteres ist ein überaus wunder Punkt im nationalen Kulturleben. Gerade in den einfachsten sozialen Verhältnissen ist es eine große Knust, wirtschaftlich zurechtzukommen, und mit dem wenigen, was zur Verfügung steht, viel zu leisten.- Die Frauen dieser Kreise sind in den allerseltensten Fällen für die Lebensführung, die ihrer in der bescheidenen Ehe erwartet, wirklich vorgebildet. Jede Künst will gelernt sein; die schwere Kunst der einfachsten Lebenshaltung glaubt jeder von Hause mitbekommen zu haben. Und sie ist auch darnach. Wenn wir immer nur wirtschaften und dahinwursten wollten, wie wir das bei Vater und Mutter gesehen haben, dann würde der Kulturfortschritt bald zum Stillstand verurteilt werden. Wie vieles Unzulängliche, Unpraktische, Unrationelle, Schädliche haben wir von unserer Elterngeneration übernommen. Bor allem im Wohnwesen! Die meisten Arbeiterfrauen, denen das Wohnen schon ohnehin durch die herrschende Wohnungsnot und Kleinwohnungsteuerung erschwert wird, haben gar keine Ahnung davon, wie man eine kleine Behausung zu einem wirklichen schmucken, traulichen „Heim" macht. Göhre liest ihnen ordentlich den Text und gibt schließlich gute Ratschläge, die auf Einfachheit, Solidität und Sauberkeit hinauslaufen. Damit ist es aber auf die Dauer nicht getan. Es muß mehr gefchehen. Ebenso wie man für- weit weniger wichtige soziale Schäden Veranstaltungen und Vereine geschaffen hat, sollte man auch für die praktische Hilfeleistung bei der Wohnungsgründung in unbemittelten Kreisen Sorge tragen. Es ist sehr leicht von Göhre gesagt, daß Arbeiter nicht Muschelmöbel und plumpe Edelholz-Imitationen kaufen sollen, sondern Stücke aus einfachem, gediegenem, farbig gestrichenem Tannenholz. Wo gibt es aber derartiges Mobiliar zu kaufen? Dort, wo Es sollte darum unsere größte Sorge sein, Ordnungen für jedes Dorf und daneben Wege- und Flurordnungen für g rößere Gebiete zu schaffen. Natürlich nicht in der Weise, daß diese von einer Stelle aus oder durch den bautechnischen und juristischen Berater der Regierungen entworfen, sondern von der Gemeindevertretung geschaffen und von den letzteren nur bestätigt werden. Allgemeine Grundsätze könnten diesen Ortsstatuten gern mit auf den Weg gegeben werden, die das Geschichtliche in den Dorfund Ortsbildern darstellen. Zaghaft dürfen sie indessen nicht sein. Sollen sie ihren Zweck erfüllen, dann müssen sie wie unsere alten Dorfordnungen auch gewissen Einschränkungen der Willkür unnachfichtlich entgegentreten. Das Allgemeininteresse legt uns überall Schranken auf; nur auf dem ästhetischen Gebiet sind wir schrankenloser Willkür überantwortet. Aus seinem Dorfe wandert der Bauer nicht von Ort zu Ort; die Hofstätte, welche ihn geboren, wird ihn in den meisten Füllen auch sterben sehen. Das Bauungetüm, das hier inmitten seiner schlichten Höfe errichtet wird, hat er zeitlebens vor Augen. Wie wir es in so vielen Fällen erlebt haben, wird es erst zaghaft, dann mehr und mehr nachgehvlt und schließlich sieht er die Verwilderung des Geschmackes in seiner Umgebung gar nicht mehr. Er muß sich vor solchen Aeuße- rungen moderner Unkultur schützen können durch eine Bauordnung, die für die städtische Siedelung schon lange eine Richtschnur — wenn auch keineswegs immer die beste — geworden ist. Natürlich darf sie nicht zur Hemmung ausarten; dagegen aber schützt sie die Forderung, daß sie nicht von Fernstehenden, sondern vvn der Gemeindevertretung selbst aufgestellt werde. (Schluß folgt.) 660 Arbeiter zumeist ihre Sachen kaufen, sicher nicht'. Und anderwärts auch kaum, es sei denn, daß hier und da ein Kleinmeister einmal einen einfachen Schrank oder Tisch der genannten Art baut, der natürlich im Preise mit dem üblichen Massensabrikat, und im Aussehen mit dem verlockend polierten Fourniersachen nicht konkurrieren kann. Einmal hat man einen Anlauf dazu genommen, das Problem billiger und doch künstlerisch wertvoller Möbel für den einfachsten Haushalt zur Lösung zu bringen. Es ist bei diesem Anlauf geblieben, weil man — es handelt sich um das Preisausschreiben des Rheinischen Wohnungsvereins — es nicht verstanden hatte, sich auf das Mveau, das hier in Betracht kommen mußte, herabzusenken. Es kamen in Preis und Ausführung Möbel zur Erscheinung, die allenfalls für den besser situierten Mittelstand, aber nicht für einfachste Wohnverhältnisse brauchbar waren. Darin liegt der größte Teil des Wohnungselends, soweit es selbstverschuldet ist, daß unsere Arbeiter nirgends eine Stätte haben, wo das Solide, Einfache und Billige gekauft werden kann. Sie sind dazu verurteilt, Unbrauchbares zu erwerben und ihre bescheidenen Wohnräume damit zu verunzieren. Vielleicht erleben wir es noch, daß sich Abzahlungsgeschäfte bilden, die den eben gekennzeichneten Uebelständen abzuhelfen gewillt sind. Das wäre wirklich ein wirtschaftlicher Fortschritt, eine soziale Tat. Bon „einfacher Wohnungskunst" reden gar viele. Mer sie ermöglichen helfen — da beginnt erst das eigentliche Problem. Vermochte«. — Mehr Heimatskunde. In den „Blättern für deutsche Erziehung" stößt Archivar'Dr. Brüning aus Aachen folgenden Schmerzensschrei aus: „Ich bin in Danzig auf dem Gymnasium gewesen, aber niemals habe ich im Unterricht etwas von der bedeutenden mittelalterlichen Geschichte und von den Kunstwerken dieser Stadt gehört; ich bin in Allenstein auf dem Gymnasium gewesen, aber niemals wurden wir Schüler auf die dortige prächtige Stadtkirche und bischöfliche Burg aus dem 14. Jahrhundert hingewiesen; ich bin in Hohenstein auf dem Gymnasium gewesen, aber kein Lehrer machte uns darauf aufmerksam, daß man sich in den Mauern der alten Ordensburg befinde, und daß wir Altpreußen dem deutschen Ritterorden so unendlich viel zu verdanken haben, und dessen Geschichte so ruhmvoll und herrlich sei, wie nur irgendeine. Das galt alles nichts. Aber der geringfügigste griechische oder römische Quark wurde uns jeden Vormittag aufs Frühstücksbrot geschmiert. Ja, es ist mir bei einer Fahrt an Marienburg vorbei passiert, daß einer der Mitreisenden den Kopf durchs Fenster steckte und beim Anblick der Burg fragte: „Was is denn das fürn oller Kasten?" Ich fuhr nicht vierter, sondern zweiter Klasse, und der Fragesteller war ein Gutsbesitzer aus Litauen, der mit dem Einjührigen- zeugnis das Gymnasium zu Insterburg verlassen hatte. Bon der Geschichte der Burg, von Tannenberg und Heinrich von Plauen . . . keinen Schimmer! Als ich dann die Vorlesung des Professors Lohmeyer in Königsberg über Heimatsgeschichte besuchte, war es immer nur ein kleines Häuflein, das sich Bei* dem ausgezeichneten Lehrer zusammenfand; niemals sah ich einen von einer anderen Fakultät. In Rom, Athen und bei den Lappen, Da späh'n wir jeden Winkel aus. Dieweil wir wie die Blinden tappen Umher im eigenen Baterhaus; Ist das nicht eine Schmach und Schande Dem ganzen deutschen Baterlande! Das hat Karl Simrock gesagt." * Aus fürstlichen Toilettengeheimnissen. Königin Wilhelmina von Holland ist eine leidenschaftliche Freundin des Kölnischen Wassers, das überhaupt in den vornehmen Frauenkreisen Hollands besonders bevorzugt wird. Sie pflegt das Wasser ihrer Morgentoilette regelmäßig mit Kölnischem Wasser zu parfümieren, dessen Reinheit sie, wie erzählt wird, vorher selbst über der Lampe Prüft. Königin Wilhelmina ist übrigens die glückliche Besitzerin eines besonders lieblichen und zarten Teints, und sie schreibt diesen Vorzug selbst der spartanischen Lebensweise und dem reichlichen Aufenthalt in frischer Luft zu, den sie in ihrer Kindheit genoß. Auf ihrem Ankleidetische findet sich kein anderes Parfüm, als Rosenwafser, und nur dies, mit etwas Glyzerin gemischt, verwendet sie zur Erhaltung ihrer guten Gesichtsfarbe. Diese gut verbürgte Tatsache hindert übrigens nicht, daß in den Hofkreisen das Gerücht umgeht, die Königin gebrauche eine ganze Batterie Pariser Schönheitswässer zur Pflege ihrer Haut. Noch enthaltsamer im Punkte der Parfüme ist die Königin von Spanien. Sie glaubt nicht an den Nutzen der Verwendung von Parfümen zur Verschönerung der Hautfarbe und begnügt sich gleichfalls mit sparsamer Verwendung von Kölnischem Wasser. Ein Verwandter der damaligen Prinzessin Ena bezeichnete daher ihren Toilettentisch als recht uninteressant, da von den tausend Geheimnissen und Niedlichkeiten, die sonst den Ankleidetisch einer Dame zu zieren pflegen, nichts zu entdecken war. Ganz anders steht es um die Zarin, die eine raffinierte Toilettenkünstlerin ist und, wie es heißt, jährlich 80 000 Mk. allein bei einem großen Pariser Parfümeriehause zu bezahlen hat. Ihr Lieblingsparfüm aber ist Veilchen. Es wird Flasche für Flasche von Chemikern der Petersburger Akademie nachgeprüft, bevor er für die Zarin auf Vorrat gelegt wird. Findet sich auch nur die geringste Fälschung, so ist der Vertrag der Zarin mit der Fabrik ohne weiteres hinfällig. Die Seife der Zarin wird von einer anderen Pariser Firma hergestellt, und zwar nach einem Rezepte, das geheim gehalten werden muß und für keinen anderen Kunden verwandt werden darf. Auch die deutsche Kaiserin gebraucht eine eigene Seife, die sie für die Hautpflege für wohltätig hält, und der Erfolg scheint das insofern zu bestätigen, als die Kaiserin um ihrer schönen Schultern willen bekannt ist. Literarisches. — Die Bedeutung des Stichwortes für den Schauspieler, das ihn mit einem Schlage auf die Bühne ruft und in das gespannte Seelenleben der darzustellenden Persönlichkeit hineinreißt, ist außerordentlich. . Schon die Erwartung dieses Wortes übt die stärkste Wirkung, indem sie die Bühnenkünstler mit Kulisfenangst, Erregung oder Ungeduld erfüllt. lieber solche Szenen hinter den Kulissen inet6 Mbert Vorsee im 1. Hefte des Jahrgangs der Zeitschrift „Moderne S'u tt ft" (Verlag Rich. Bong, Berlin W. $7, Preis des Vierzehntagesheftes^ 60 Pfg.) mit Humor zu plaudern. Ferner sei ans dem Hefte noch hervorgehoben der Aufsatz Künstlerische Zimmereinrichtungen von Bruno Paul. ____________ Goldene Worte. Als ob wir ewig auf dieser Welt blieben, so ernst und schwer und griesgrämig nehmen wir alle Dinge und berauben uns der Freude und des Glücks und die andern des Anblicks eines frohen Gesichts. Und doch sind wir nur einen Augenblick hier, einen so winzigen Augenblick, daß es nichts Großes wäre, wenn er durch den Gedanken mt_ die Ewigkeit mit einem einzigen ununterbrochenen Lächeln angefüllt würde. Paul Garinr Tauschrätsel. Magd Band Die Anfangsbuchstaben nebenstehender Wörter sind mit anderen Buchstaben Enkel tyittqt Mund Elba Sichel Saul Raub Asche Gabe derart zu vertauschen, daß man eben- soviele nette Wörter erhält, deren AnBase Tiger Alster fangsbuchstaben den Nameit eines Astronomen ergeben. (Auflösung in nächster Nummer.' Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer: Nie stirbt ein großer menschlicher Gedanke, Wie tief ihn auch des Lebens Wust begräbt, Stets kann er brechen seines Lebens Schranke, Weint er nur noch in einer Seele lebt. Raupach. Redaktion: P. Witt ko. — Rotationsdruck und, Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.