IksiLag den 21. Juni MU Jun Ken unter der Mche. Romän von M. Pro kn iß (M. Nörmberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt. ^Fortsetzung.) Als hätten die Perlen die Erinnerung ntit doppelter Macht herauf beschworen, so stürmten jetzt die Gedanken auf die Baroneß eilt. O wie schwer tvar es ihr anfänglich geworden, sich deut steifen Hofzeremoniell zu fügen und wie ungeduldig hatten sie oft die kleinen Eigenheiten der Herzogin gemacht! Verzweiflungsvoll rang sie dann wohl heimlich die Hände in dem bitteren Gedanken: Warum muß ich dies alles erdulden, weshalb überhaupt noch leben? Niemand zur Freude, mir selber zur Last. Ohne Vertrauen auf eine bessere Zukunft, ohne Hoffnung auf Glück! Tenn das wär ja das Schlimmste von allem, diese heiße Sehnsucht nach Uchdorf, an den sie noch immer wie an etwas Unerreichbares und Schönes dachte. „Das harte, unerbittliche Schicksal reißt euch voneinander, Wein Kind, nicht sein eigner Wille." Sv hatte der Vater sie damals zu beruhigen versucht. „Er war der Sieger, indem er ohne Zagen das Band löste, was euch beide in Not und Sorgen gezerrt haben würde. Glaub mir, er handelte wie ein Ehrenmann, und laß dir das zum Trost gereichen." Ta hatte sie bitter gelächelt. Nein! das würde sie nicht verwinden, nie im Leben! Tie Bitte sprach Uchdorf in seinem .Abschiedsbrief ebenfalls vergeblich aus. Törichtes Ting welches sie damäls' war! Die Zeit heilt alles — auch die tiefsten Wunden, freilich — manch eine ver- harrscht schwer — und — schlecht. — Mit festem Willen hatte Dagmar endlich gesucht, sich in ihr Geschick zu finden, die neue Stellung auszufüllen. Daß ihr diese vornehmlich durch die gütige Fürstin erleichtert wurde, hatte sie zuerst kaum gemerkt, wie sie denn auch den offenkundigen Huldigungen der Herren eine sonderbar stille Gelassenheit entgegenzusetzen verstand, die ihr gar bald den Beinamen '„frappierter Sekt" eintrug. Daß sie trotz alledem, oder vielleicht grade deshalb, bald zu den beliebtesten Erscheinungen der Hofgesellschaft gehörte, lag nicht zum geringsten Teil an der ruhigen, gleichmäßigen Höflichkeit, welche sie den Damen gegenüber, auch dann noch klug festhielt, als sie längst der unbestrittene Liebling bei Hose geworden war. Von der Herzogin-Witwe ersichtlich bevorzugt und von dem Regierenden stets mit Auszeichnung behandelt, was schon wiederholt zu müßigem Geschwätz Anlaß gab, nahm Dagntar seit Jahren eilte bevorzugte, viel beneidete Stellung ein. Ah, und doch fühlte sie sich oft so müde, so grenzenlos daseinsmüde! Ach, sie glaubte schon ganz genau zu wissen, wie ihr Leben sich abspielen würde. Ein Weilchen blieb sie vielleicht noch Hofdame, dann gab sie ivohl den Bewerbungen irgend eines alteren gutgesiellten Mannes Gehör. Ewig in so abhängiger Stellung wie jetzt, war doch gar zu schrecklich. Und eigentlich konnte sie doch mit gutem Gewissen eine Ehe eingehen, wenn der Mann mit ihrer Hjand zufrieden war. Ein Herz konnte sie ihm freilich nicht geben. Das. lag still und tot in ihrer! Brust. Sie schauerte zusammen. Huh, wie kalt es war! Unwillkürlich griff sie nach dem mit Holz gefüllten Kvrb und warf ein paar Stücke in den Kamin. Umsonst — sie brannten nicht an. Ungeduldig stocherte sie mit dem Feuerhaken in der Asche herum. War denn kein Funke tnehr darunter verborgen, bet da zündete? !"' ! Ta trat die Jungfer leise in das Zimmer. Sie brachte einen großen Strauß köstlich duftender Teerosen. Mit leichtem Lächeln betrachtete Dagmar die herrlichen Blumen, wahrend sie die Karte des Absenders achtlos zwischen den Fingern drehte. Sie kannte sie ja zur Genüge, diese zierlichen Lithographien, die da in den Nwdernsten Buchstabenformen den Namen des Kammerherrn Sr. Hoheit, Magnus Baron von Veltlingen trugen, der seit der Erkrankung des Oberhofmeisters Grafen Kliehm gleichzeitig dessen Ressort versah. Ah und sie wußte auch ebenso genau was diese neuerlichen Blumensendungen besagen wollten. Tiefe Blumen des. eichen Kammerherrn, die sie gerade so gleichmütig hinnahm wie seine sonstigen Huldigungen, Huldigungen, ivelche den schlecht verhehlten Neid ihrer Kvllegin, der Gräfin Lindstrom, erregten. Mit einer elastischen Bewegung erhob Dagmar sich jetzt, in unbewußtem Behagen ihre Glieder dehnend. Ein höchst angenehmes Gefühl war der Besitz eines , reichen, heiratslustigen Anbeters doch! Sie hob den Strauß empor. Die arme Gräfin, wie würde die sich wieder über den ärgern! — Zu derselben Zeit saß Gräfin Fredine Lindström in ihrem Ankleidezimmer vor dem breiten hohen Kristallspiegel. Ihre großen, hellblauen Augen folgten aufmerksam den flinken Fingern ihrer Jungfer, die ihr mit vielem Geschick die Ueberfülle des rotblonden HaareS kronenartig zu befestigen wußte. „Tie Agraffe muß noch etwas mehr in die Mitte." Gehorsam, wenngleich mit heimlichen Seufzen, schob bfe! Zofe den Brillantstern tiefer in beit lockigen Scheitel. Befriedigt nickte die Gräfin ihrem Spiegelbild zu, während ein trium- phierendes Lächeln ihre vollen Lippen umspielte. Wie hatte doch der Herr von Borgwardt heute während der Präsentation! des. neu ins Regiment versetzten Rittmeisters mit einem bezeichnenden Augenwiuk auf diesen, ihr scherzend zugeflüstert? „Achtung, Gräfin! Wahren Sie Ihr Herz. Ter Uchdorf ist nicht nur eines riesigen Majorates, sondern auch ein feiner Schönheitskenner. Mit ihrem berückendsten Augenaufschlag hatte sie dem Warner zugenickt. O die kluge Hofdame spendete ihr sinnbetörendes!. Lächeln nicht nur den unverheirateten Kavalieren. Ter Himmel behüte! Wer würde so einseitig sein. Schien nicht auch die liebe Sonne über Gerechte und Ungerechte? Und der gewandte Adjutant hatte unleugbar großen Einfluß auf Seine Hoheit. . . Nachdenklich blickte die Gräfin vor sich nieder, während die Jungfer ihr vorsichtig das schwere blaßgrüne Seidenkleid überstreifte, dessen tiefer Ausschnitt die vollen, runden Schultern kaum! verhüllte. Nicht ohne Ueberlegung hatte sie dies mattschimmernde — 358 — Gewand für bett heutigen Abend gewählt. Wüßte sie doch nur zu gut, wie vortrefflich es sie Neidete. Das hatte ja sogar der Kammerherr von Veltlingen noch bemerkt, der doch sonst neuerdings nur Augen für Dagmar Rolfsen zu haben schien, diese kühl hochmütige Blonde, die auS ihr'er marmornen Ruhe zu bringen der nervösen, aufgeregten Gräfin bisher zu ihrem Aerger nie gelungen war. O wie fie die haßte, mit der ganzen Glut ihres leidenschaftlichen Herzens. Diese Dagmar, die unter 100 Fällen 99 mal siegte, wenn sie mit ihr absichtlich oder unabsichtlich in die Schranken triat, sei es, um die Huldigung der Herren oder irgend einen Einfluß bei maßgebenden Persönlichkeiten zn gewinnen. — Zornig faltete die Sinnende die Brauen. O, sie hatte es nicht vergessen, in welcher auffallenden Weise der Kammerherr von Veltlingen Dagmiar plötzlich den Hof zu machen begann, als wenn er gar nicht ahne wie weitgehende Hoffnungen die Unbemittelte Gräfin auf die Auszeichnungen setzen zu können glaubte, mit denen er sie bisher so ausschließlich bedacht hatte! Was in aller Welt uwchte ihn zu der Aenderung seines Be- aichmcns veranlaßt haben? Um dieselbe Stande ging der, dent ihre Gedanken galten, in nervöser Unruhe in seinem luxuriös ausgestatteten Arbeitszimmer auf und pb. Er war bereits völlig für den Hofball angekleidet. Leise klirrten bei dem hastigen Umhergcheu die Orden durcheinander, die üt langer Reihe die Brust des noch iurmer stattlichen Miannes zierten. Wohl hatten die Zeit und eine stürmisch verlebte Jugend mit unauslöschlichem Griffel sein Antlitz gezeichnet, aber wer ihn jetzt sah, wie er mit leichten elastischen Schritten umherging, das Gesicht vor innerer Erregung belebt, der gab ihm sicherlich nicht fünfundfünfzig Jahre. Freilich zeigte das imbarmherzige Tageslicht allemal deutlicher die vielen Falten und Fältchen, welche der gewandte Kammerdiener, für Wendbeleuchtung, mit soviel Geschick fort zu — täuschest wußte. Geräuschlos trat er jetzt ein, Hut und Pelz seines Gebieters! über dem Arm. In strammer Haltung blieb er an der Tür stehen und während er den unruhig Umhergehenden verstohlen beobachtete, glitt ein spöttischer Zug über sein glattrasiertes Gesicht. Na, der Herr Baron schien ja in hier netten Aufregung zu sein. Wenn das' nicht wieder mit dem Bukett zusammen hing, wsts er, Franz Meier, vorhin im Schloß abgeben mußte, dann wollte e r Hans heißen! Warum sein Herr grade heut so aufgeregt war? Das Vlumenschicken war dem doch grade nichts Neues! Wer mit der Baroneß Rolfsen schien ja nun wirklich ernst werden zu sollen. Na, ihm, Franz, war das jedenfalls tausendmal lieber, ivenn die Frau Baronin wurde, als die hochnäsige Gräfin Lindstrom. Wenn die Baroneß übrigens glaubte, einen besonders ruhigen Gemahl zu erhalten, so irrte sie sich gewaltig. Das ernste, 'gemessene Wesen des Kämmerherrn konnte zuweilen in recht Überraschende Lebhaftigkeit ausarten. Davon hatte sein getreuer Franz jerst vorhin wieder einest sehr deutlichen Beweis gehabt. Und wenn der Hektor hätte reden können! Der verkroch sich auch nicht ohne Ursache bei dent Marschtempo seines Herrn unter den breiten eichenen Diplomaten! Mit, leisem Klingen Hub die Nistbare Bvonzeuhr, ein Geschenk Seiner Hoheit, plötzlich ast zu schlagen. Ter Kantmerherr fuhr erschreckt herum. „Schon ein halb acht? Ich hatte den Wägen zu ein Viertel bestellt!" herrschte er den Diener an. „Befehl, Herr Baron," log der mit unbewegtem Gesicht, r,ich habe den Wagen auch um ein Viertel auf acht gemeldet." > Veltlingen fchlüpste eilig in den bereit gehaltenen Pelz. -,Die Blumen bestellt?" Jawohl, Herr Baron. Baroneß ließen bestens danken." r,Bestens?" ,Lawvhl, Herr Baron." Aergerlich faltete der Kaminerherr die Stirn, während er hie breitett teppichbelegten Stufen herabschritt. „Frappierter Sekt!" Die Bezeichnung paßte wirklich für hie blonde TagMar! Er schnalzte leise mit der Zungehm fe aber eine gute Marke wars, etwas für Kenner! — Behaglich lehnte er sich unter solchen Gedanken in die silber- grauen Polster seines eleganten Coupss zurück. Ter Dienest schloß den Schlag. Fort rollte d,as gutbespannte Gefährt. Als der Kammerherr bald darauf, noch etwas atemlos von deM schnellen Treppensteigen, in das Vorzimmer der Herzogin^- Mutter trat, fand er das Gefolge schon vollständig versammelt. Et raschem Blick streiften seine Augen Dagmar, deren Linke käsirg den Strauß gelber Rose» hielt. Ein Zug der Befriedigung tzlitt über sein Antlitz. .Er war grade int Begriff, sich seiner Auserkorenen zu nähern, als auch schon die Flügeltüren geöffnet ivurden und unter den ehrfurchtsvollen Verbeugungen aller Anwesenden die Herzogin am Arm ihres Sohnes in das Zinlmer trat. Ter Herzog, dessen vor zwei Jahren durch den Tod getrennten Ehe mit der Fürstin Isabella zu Salm-Hartungg drei reizende Söhne entsprossen, Ivar eine stolze, gebietende Erscheinung, dessen kluge, geistvolle Züge jenen leisen Ausdruck herrischer Strenge trugen, welche den Frauen so oft gefährlich wird. Dazu kant eine gewisse überlegene Ruhe, die nur dazu beitrug, den Reiz seiner Persönlichkeit zu erhöhen. Da ihm drr Ruhnr eines feinen Schönheits- und Frauenkenners eigen war, so wurde naturgemäß schon deshalb seinem Urteil ein besonderer Wert beigelegt. Verstohlen spähte darum jetzt die Gräfin Lindström unten ihren anscheinend tief gesenkten Lidern zu ihm hin. Ein leiser Triumph fchwellte ihre Brust, als sie den Ausdruck des Erstaunens gewahrte, mit welchem der Herzog einen Augenblick ihre blendende Erscheinung streifte, um gleich darauf mit kaum merk-, barem Lächeln einen Blick des Einverständnisses mit seinem Adjutanten zu tauschen, den die Gräfin, allerdings gänzlich falsch, für Bewunderung hielt. — Tann begaben sich die hohen Herrschaften in feierlichem' Zug in den Rittersaal, wo die Geladenen bereits ungeduldig auf das Erscheinen des Hofes warteten. (Fortsetzung folgt.) «Hessischer Werem für läMiche «Heimaipflege^ Wohlfahrt- und Kunilpfl-ge. Bei der in Butzbach laut 17. l. Mts. abgehaltenen Hauptversammlung dieses, seit einem Jahre in Hessen bestehenden Vereins machte der Vorsitzende Kveisvat Fey-Friedberg folgende Mitteilungen über Zweck und Bedeutung, sowie seitherige Wirksamkeit des Vereins, die im ganzen Lande Interesse finden dürften: „Vor kurzem, vor einigen Tagen ist unser Verein ein Jahr alt geworden. Er ist also noch ein Knabe. Aber er hat in der Zwischenzeit doch schon erfreuliches Wachstum gezeigt und wenn es so weiter geht, so kann er ein recht kräftiger Bursche und, da er im Wettertal geboren ist, ein echter Wetterauer werden. Allerdings gehört er zu den ruhigen Knaben, er hat bis jetzt iwch wenig sich vernehmen lassen. Er besitzt auch noch t?in eigenes Bereiusorgan. Aber wir hoffen, daß, wenn es erst dem Vereinst Vorstände möglich geworden ist, mehr dauernde Mittel zu beschaffen, iuentt die Zahl der Verwandten und Freunde, die sich für beit Knaben dauernd interessieren, erst größer geworden ist, daß wir dann in irgend einer Form' auch zu einem be- fonberen Blatte kommen. Wir hoffen, baß das für uns fein Nachteil ist, wir glauben, auch ohne Bereinsorgan vorwärts zu kommen, da wir auf "die Unterstützung der gesamten vaterländisch gesinnten Presse in Hessen für unsere Bestrebungen hoffen. Möge, sie dem! Knaben freundlich und wohlwollend gegenübersiehcu. Nun wirft sich die Frage auf: Was soll der KNabe werden/ welchen Beruf soll er erfüllen? Die Satzungen sagen über den Zweck des Vereins, daß der Verein dazu dienen soll, die auf die Förderung der ländlichen Bevölkerung gerichteten Bestrebungen in Hessen zu unterstützen nnb zu pflegen und für sie einen geq meinsamen Mittelpunkt zu schaffen. 1 Unser Verein ist 'ins Leben gerufen worden, nm mancherlei Schwierigkeiten, unter denen die ländlichen Verhältnisse undj die ländliche Bevölkerung leiben, mildern und, wenn mögliche beseitigen zu helfen. Er will Freude und Glück, Zufriedenheit; und Wohlergehen auf deut Laude zu seinem Teil fördern, er, will diejenigen, welche gleichen Sinnes sind und Gleiches anstreben/ sammeln, damit sie ihre Kräfte gemeinsam in den Dienst der! Sache stellen können. Ter Verein will gleichsam einen Aus- stellungs- und Austauschmarkt schaffen für die zahlreichen idealen und großen Werte, welche einzelne Vereine entweder auf einzelueN Gebieten und in bestimmten Richtungen bereits geschaffen haben/ er will aber fauch auf den, von anderen Vereinen nicht ge-. pflegten Gebieten nützliche Einrichtungen füv die ländliche Be-- völkerung, für ihre Wohnstätten, für ihre Felder und Wälder; anregen und fördern, er will auf Schäden aufmerksam machen/, die eiitgetreten sind oder drohen, damit die nötige Whülfe —i sei es von Stapt aber Gemleinde — ernteten kann und er will die/ seines Erachtens nötigen Mittel zur Whülfe jn Erwägung ziehest und in Anregung bringen. Er will helfen durch werktätige! Arbeit nicht durch unfruchtbare Kritik. In den Vereinen, bti einzelne Gegenstände der ländlichen Heimatpflege, Wohlfahrt- undl Küustpflege fördern, erblickt der Verein liebe Verwandte, die hoffentlich das neu Heranwachsende Kind in Gnaden ausnehmen werdest.^ Ein solcher Verwandter, der Historische Verein zu Butzbach, hat seine Beziehungen zu uns gewiß nicht zu beklagen gehabt, wav es doch gerade unser Verein, der bei der Beschaffung der Mittel für das schöne Heimat- und Trachtenmuseum zu Butzbach wesentlich! mitgewirkt hat. . I Bei unserer Arbeit aber bedürfest wir der MithUlfe vor 359 Mcm der Lian db'e wohn er selb ff. Es handelt sich dabei keineswegs um die Landwirtschaft treibende Bevölkerung allein, die Bereinstätigkeit soll auch gelten dem auf dem Lande wohnenden geiverblichen Arbeiter und deut Dvrfhandwerker. Mr bedürfen also der Mithülfe der ländlichen Einwohnerschaft, insonderheit in erster Linie der Mithülfe der auf dem Laude lebenden Geistlichen, Lehrer und Beamten. Wir bedürfen aber unbedingt auch der Mithülfe der Freunde unserer Sache in den Städten. Mieviele auf dem Lande Herangewachsene wohnen in den Städten? Mieviele in der Stadt Geborene und Erzogene finden auf dem Lande den Jungbrunnen der Erholung und Erfrischung. Darum haben wir auch die Städte nötig zur Erfüllung unserer Aufgaben. In einer vor einiger Zeit versendete«: Drucksache haben wir unter beit Ausgaben, an deren Losung der Verein mitwirken will, folgende hervorgehoben: Erhaltung der Neigung der Landbevölkerung zum bäuerlichen Berufe. Vorkehrungen gegen den Arbeitermängel. Beseitigmig der Mißstände im Gesindeverding- wesen. Fürsorge für die Landarbeiterfamilie. Förderung der Dorfhandwerker. Pflege guter geselliger Unterhaltung in volkstümlicher Weise. Einrichtung von Gemeinde- und Bürgerabenden. Jugendfürsorge. Hauswirtschastliche Unterweisung der Mädchen. Verbesserung der Krankenpflege und der Armenpflege. Verbesserung des Gast- und SchanIwirtschaftswesenI (Beschränkung der Zahl und Beseitigung der Auswüchse). Pflege der heimail, und Dorfgeschichte, des heimatlichen Sprach- und Liederschatzes. Heimat- und Kunffpflege zur Wahrung der Eigenart der Land-, bevölkerung und ihrer Wohnstätten. Betonung dieser Pflege in beit Landschulen. Erhaltung ländlicher -Sitten und Gebräuche. Erhaltung der Volkstrachten. Förderung der Heimatmuseen. Gestaltung der Bauten und Dorfanlngen in den für das Land passeiu- den Formen. Schutz zur Erhaltung der Naturschönheit der Ge- Nkarlungen; Belebung und Förderung des Verständnisses hierfür, insbesondere auch in der Landbevölkerung selbst. Schutz der Landorte gegen Ueberflutung mit künstlerischem und literarischem Schund. Einen Teil dieser Ausgaben habe ich mit gütiger Mithülfe einer Anzahl Herren, die gleichzeitig Mitglieder unseres Vereins sind, bei dem ersten Heimatpflege- und Volkstrachtenfest in Butzbach praktisch zu lösen gesucht. Auch das zweite Heimatpflege- nnd Volkstrachtenfest ist 'einein Teile dieser Aufgaben gewidmet tvordeu. Unsere Feste sollen nicht vorzugsweise der gesellige:: Unterhaltung dienen, sie sollen edle Gesinnungen der ländlichen Bevölkerung stärken, gute Sitten und Gebräuche ihrem Wert Nach erkennen lassen, zum Festhalten an Erprobtem aneifern und das, was an künstlerischen: und dichterischen: Sinn und Gefühl in der ländlichen Bevölkerung, durch die unmittelbare und dauernde Berührung mit den Vorgängen in Gottes weiter Natur und durch die Abhängigkeit von den Naturereignissen, in reichem Maße — bei sehr vielen ganz unbewußt — vorhanden ist, seinem Werte nach zur Würdigung bringen. Sie sollen mit- helsen, den fite im der Volkskunst, der im Dorfhandtverkerstande, in: Bauernstände verborgen liegt, zu entwickeln, ans Licht zu ziehen und zu kräftigen: Stamme zu entfalten. So steht unser Verein vor Aufgaben, die viele Zeit und viele Mühe in Anspruch nehmen und die ohne reichliche Geldmittel nicht durchführbar sind. Unser Verein steht glücklicher Weise nicht allein, er wächst heran unter dein Schutze eines mächtigen Ahnen „des deutschen Vereins für ländliche Heimat- und Wohlsahrtpflege". Wir wollen nur ein Zweigverein dieses Vereins sein, und Hand in Hand mit ihn: unsere Ausgaben lösen. Wir wissen alle und werden nie ver- gefsen, was wir diesem Ahnen verdanken.^ Unsere Beziehungen zu ihn: stehen unter der Devise „In Treue fest". Wer unser Verein besitzt noch weitere sehr nahe Berwaichte, er besitzt noch eine jüngere Schwester, das ist die „Bereinigung der Frauen und Mädchen zur Förderimg ländlicher Einrichtungen, Gebräuche und Volkstrachten". Bei Gründung dieses Vereins! ging man von der Ansicht aus, daß Einrichtungen, Gebräuche und Sitten, insbesondere auch die Tracht, welche wesentlich vorn weiblichen Geschlechte seither in dem Sturnte der Zeiten treu bewahrt und gepflegt worden sind, auch ferner durch dieses selbst geschützt und gepflegt werden sollen, daß der Schutz dieser Güter deut Verständnisse der Frauen näher liege ass dem der Männer. Tie Erhaltung der Trachten, die Gestaltung der sogenannte!: Spinnstuben gehört in die H ä n d e d e r F r a u e n .und nicht in die der Männer. Sowohl die Tracht, als die Sitten Und Gebräuche in den Spinnstuben bedürfen bei allent Festhalten «an dem Althergebrachten Aenderungen im Lause der Zeiten, für welche die Frauen besseres Verständnis haben als! die Männer. Deshalb sollen die sogen. Trachtenvereine bei uns nicht aus Männern sondern aus Frauen bestehen/ zumal auch die Männer die Tracht bei uns nicht inehr tragen, ja ihr mitunter nicht freundlich gesinnt Ivaren. Das ist allerdings durch unsere Trachtenfeste anders geworden. Sie haben den fiünstwert, den Schönheitswert der Tracht wieder ins rechte Licht gerückt- Wenn wir bei allen Kreisen der Bevölkerung die richtige Unterstützung und Verständnis finden, dann wird die Tracht, bleiben. Die Erfolge zeigen sich jetzt sclwn in Erfreulicher Weise. lieber unsere Vereinswirksamkert tf$ kurz Folgendes zu berichten: Unsere Tätigkeit konnten wir erst beginnen, als wir Geld hatten, als der Ueberschuß des ersten Heinratpflege- und Ä trachtenfestes feststand. Wir haben nähere Verbindung mit dem „Deutschen Verein für ländliche Wohlfahrt- und Heimatpflege in Berlin" angeknüpft und uns auch mit unseren Nachbarvereinen ins Benehmen gesetzt zunächst mit den: badischen Verein. An diesen: sowohl, wie auch am dem württembergischen und'dem thüringischen Heinmtpflegeverein haben mir treffliche, uns wohlgesinnte Freunde. Es handelt sich für uns in Hessen nur darum, den: Verein, der in Oberhessen bereits über eine erfreuliche Mitgliederzahl verfügt, auch in den anderen Provinzen weitere Ausbreitung zu schassen. Die Gründung von Bezirksgruppen ist in Aussicht genommen. Zu der im Dezember v. I. in Darmstadt unter den: Vorsitze des Kämmerpräsidenten Haas tagenden General- versannnlung des hessischen Verbands ländlicher DarlehnskasseN und Konsumvereine, bei der die Verwendung von Mitteln der ländlichen Darlehnskasscn und Konsumvereine für einzelne Wohl- sahrtszwecke zur Besprechung stand, war der Vereinsvorsitzende eingeladen und beteiligte sich bei den Verhandlungen. Der Jahresversammlung des deutschen Vereins in Berlin wohnte der stellvertretende Vcrcinsvorsitzende Graf Oriola an. Im J:u- terefse der Ortsgeschichte haben mir uns an den Landesbcrbandi der Kriegervereine „Hassia" wegen einer Sammlung besonderer Erlebnisse der Veteranen von 185p und 1870/71 aus den einzelnen Orten, soweit solche noch nicht niedergeschrieben sind, und nur mündlich überliesert werden, gewendet und unsere Mitwirkung hierbei zur Verfügung gestellt. Ter He raus gäbe eines Hessischen Trachtenbuches und der Ver- besserüug der Bauweise auf den Dörfern sind w:v näher getreten. Zwei Preisausschreiben unseres! Vereins, das eine zur Förderung ländlicher Dichtkunst und Erzählung s k u n st, das andere zur Pflege und Besserung ländlicher Musik haben eine sehr lebhafte Beteiligung und besten Erfolg gefunden. Der Verein will jede Gelegenheit benutzen, um die Richtung seiner Bestrebungen durch einzelne Beispiele zu ertönten:. Diesen: Willen verdankt die Veranstaltung der heutigen öffentlichen Vorträge ihre Entstehung. Leider konnten wir ein weiteres Gebiet, dessen Erörterung deut Vorstände sehr an: Herzen lag, nicht mehr behandeln, das istdie Fänge der Leutenot auf dem Lande. Wir wissen es wohl, daß gerade diese Frage überaus wichtig ist, wir sind uns klar darüber, in welcher Weise die Arbeitgeber» auf dem Lande unter der Landflucht und Arbeiterknappheit zu leiden haben. Jusosen: unser Verein auf die Schönheit und den Wert des Landlebens aufmerksam macht, wird er dadurch ja wohl an sich schon dazu beitragen, die ländliche Bevölkerung meyr an das Land zu fesseln. Aber es müssen auch positive Mittel ergriffen werden, und über diese sich klar zu werden, soll die nächste Ausgabe des Vereinsvorstandesi sein. Wir schätzen die . Städte, mir sind überzeugt, daß Shadt und Land aufeinander atm gewiesen sind, wir sind mit unseren Freuichen in den Städten der Ansicht, daß die städtische Bevölkerung Zuzug und Ersatz haben muß durch die ländliche Bevölkerung, aber wir huldigen hier dem. Grundsätze „leben und lebenhassen"! Es dürfen nicht städtische Einrichtungen, Ivie z. B. die Verbreitung massenhafter Arbecks- flellenangebote auf dem Lande durch sehr exakt arbeitende znrn tralisierte städtische Arbeitsnachweise getroffen werden, welche d:e Landflucht aufs kräftigste zu fördern verinögen. Wie dieser städtische zentralisierte Arbeitsnachweis überhaupt gestaltet werden muß, damit er dem Lande nicht auf die Dauer recht schädlich werde, das zu ermessen ist keine leichte Aufgabe. Ich glaube mir ein Urteil hierüber aus folgenden Gründen erlaubet: zu können: Ich hatte seinerzeit Gelegenheit in Darinstadt mit Hülfe zahlreicher Vereine die jetzt noch bestehende „Zentralanstalt! für Arbeits- und Wohnungsnachweis" ins Leben zu rufen Tantals bestanden in Deutschland überhaupt erst wenige (ca. 6) zentralisierte ArbeitsnaHweise und im Wohnungsnachweis waren wir, glaube ich, die ersten, die diese Angelegenheit mit dem Arbeitsnachweis verschmolzen. In einem rein ländlichen Kvetse, den: K'reise Erbach, habe ich später ebenfalls, einen Arbeitsnachweis ins Leben gerufen und diesen nun mit dem von mir gegründeten zentralisiertet: Arbeitsnachweise in Verbindung gebracht. Da hatte ich genügei:d Gelegenheit, mich darüber zu vev- geivissern, welche Folgen die unvermittelte Berbreckung der Stellenangebote des zentralisierten Arbeitsnachweises auf d«N Land« haben kann. Diese Verbreitung muß sehr nach Prüfung und Wahl erfolge::. Wer unser Verein ist überzeugt, wir werden uns mit den Städten in dieser Frage einigen können, w:r wessen, baß an der Spitze dieser Städte verständige und erfahrene Soz:alpol:t:ker stehen, die dem Lande, auf dessen Produkte d:e städtische Bevol-- keruug angewiesen ist, keine Wunoen schlage::, sotwen: Wunden heilen wollen. Wir wissen, daß d:e Städte en:ci: BevolkerungA, Nachschub von dem Lande nie werden ganz entbehren können, möge aber auch gerade unser Verein dazu beitragen, das Verstund- nis für ländliche Dinge bei der städtische:: Bevölkerung mehr z» verbreiten und zu vertiefen. Die städtische Bevölkerung! ist uns deshalb alSMitg lieb er unseres Vereins ebenso willkommen wie nötig, sie gehört sozusagen zum Gleichge- — 360 wicht in unserem Verein. Mr würden einseitig sein, wollten wir das DerTcnncn. Ich Litte Sie alle aus Stadt und Land, die sich heute so überaus zahlreich hier versammelt haben, namens des Vereins, feien Sie nicht nur seine Mitglieder, sondern auch seine Mitarbeiter, und ich darf Sie auch bitten, seine eifrigen Werber. Wir bedürfen der werbenden. Kräfte, sie sind für unser Wachstum Lebeusbedingung. S. K. H. der Groß Herzog bringt unserem Vereine das wärmste Interesse entgegen. Allerhöchstderselbe hat auf die Meldung von Gründung des Vereins im vorigen Jahre folgende Depesche an den Bereinsvorstand gerichtet: „Bin sehr erfreut über Gründung eines Vereins für ländliche Wohlfahrts- und Kunstpflege in Hessen. Werde diesem Verein stets mit größtem Interesse folgen. Möge Gottes reichster Segen auf demselben ruhen. Ernst Ludwig." Beherzigen ivir diese Worte unseres Landesherrn. Alle Freunde unserer ländlichen Sache und alle die bei ihr beteiligt sind, bitten wir, bei unserer Vereinssache mitzugehen rmd nicht am Wege stehen zu bleiben und zu deuten: die tverdens schon machen. Stillstand am Wege, wo eine beachtens- werte Bewegung, zu der man naturgemäß als Mitglied gehören sollte, entsetzt, ist 'Zurückbleiben, ist Schaden für die Sache. Wirken wir darum alle mit, daß unsere Äereinstätigkeit der ländlichen Bevölkerung in Hessen zum Segen gereiche. Mag auch unsere Arbeit vielfach nicht richtig erkannt, vielleicht verkannt werden, so soll uns dies nicht beirren, nicht allein an der Vereinssache fefijiirxatten, sondern auch mit Begeisterung für sie einzutreteu. Darum schließe ich mit der Bitte: Werden Sie nicht »rüde int Werben und Wirken für die Vereiussache!" Die Frrtimeu des Kaisers. Unter diesem Titel veröfseittlicht die „Zeit am Montag" einen längeren Artikel, dem!vir Nachstehendes entnehmen: Zu den Intimen des 'Kaisers gehören nicht nur Militärs!, sondern auch Gelehrte, Techniker und Künstler. Wenn er sich mit diesen Auserwählten auf einer Nordlandfahrt an Bord seiner Yacht „Hohenzolleru" befand, fühlte Wilhelm II. sich ganz in feinem Elemente. Sein Behagen erreicht bann den Gipfelpunkt, und auch seine Umgebung ging gelegentlich ein ganz klein wenig heraus aus der unterwürfigen Art, die sie sonst zur Schau trug. , Ter Kaiser hat eine sogenannte Karussel-Tischorduung ein» geführt, die es jedem der Teilnehmer a;t den Nordlandfahrten, ermöglichen soll, einmal zu seiner Rechten zn sitzen. Heute dem Chef des Marinekabinetts und morgen dem Marinemaler, einem früheren Zeichenlehrer, der es iich vor dreißig Jahren in seiner vierten Etage mir Tenrpelhoser Ufer nicht träumen ließ, daß er zu dem Herrscher des deutschen Reiches in ein Onkelverhältnis! treten würde. Er steht nämlich als „Onkel Hermann" dem Monarchen sehr nahe, hütet sich aber, ebenso indiskret zu sein, tvie Onkel Chlodwig es war, der jeden Tag in seinem Tagebüch notierte, was er [im Tratsch und Matsch auffing. Mr die Intimen des Kaisers herrscht vielmehr das ungeschriebene Gesetz, im Ge- gensatz zur Eidesformel, alles zu verschweigen, was! sie wissen, und nach außen hin nichts von dem verlautbaren zu lassen, was sie zu hören und zu sehen bekommen. Sie dürfeit trotz ihrer Vertrauensstellung nie vergessen, was sie dem Respekt vor einem gekrönten Haupte schuldig sind. Die Hoheuzollent lieben es, kräftige Witze zu machen, verzeihen es aber selten, wenn einer diese Wrtze schlagfertig erwidert. So will es die Zeremoitialvorschrift, mtd die wird trotz der -„Intimitat", die nnterivegs herrscht, voit ihnen weitigstens nicht durchbrochen. Trotzdem geht es manchmal auf diesen Reisen recht lustig zu. Die Lustigkeit, versteigt sich gelegentlich bis zum „Bierulk" — bis zu leibhaftigen Bierzeitungen altgewohiiter Art, dte mit Zeichnungen und Verseil sehr hoher Persönlichkeiten Versehen sind. In der Fidelitas tut sich der Sprößlinq eines alten Adelsge,chlechtes, in dessen Familie das Amt des Theaterleiters Uit fünfzig Jahren mit einem „von Sachkenntnis ungetrübten «lia'7 verwaltet wird, besonders hervor. Er ist ein geschickter Prestioigltateur, der reine Belachmi oder BoSco und Bierzeitungsredakteur — ohne Examen — und amüsiert „König Artus' Tafelrunde" auf das köstlichste. Gehört er doch zu der heiligen Zahl der Drei, die cs wagen dürfen, „Majestät" auch Mikdschwitzchett zu erzähleii. Die anderen Zivei sind „Pod", der größte Schweine-- züchter Neu-Deutschlands, und Generaldirekwr Ballin, der im Leben auch ein „Schweineglück" gehabt hat. Er genießt das beneidenswerte Privileg, frei von der Leber reden und gelegentlich auch hie manchmal pikant gewürzte» Scherzcheu von der Hamburger Börse vortragen zu dürfen. Und Majestät, alle die Eigen- miten der Vorfahren in sich vereinend, auch die des Präses des Taba^Kvllegiums Friedrich Wilhelm I., klopft sich dann auf die und ist vergnügt. Die Umgebung ist es in solchem Falle pflichtschuldtgst auch < . kursieren viele Geschichtchen, die zu erzählen ivissen, ioie schwierig es ist, die Grenze zwischen der Vertraulichkeit zu ziehen, mit der ein Herrscher einen feiner Intimen begnadet, Redaktion t Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der V r und der Möglichkeit, feilte Persönlichkeit durchzusetzen. Ist Norwegen wars. Eül herrlicher Sommertag, wie ihn nur der Norden kennt, nicht zu heiß. Klar, freundlich, anmutig, „taufrisch" — wie es die moderne Lyrik nennt. Die „Hobenzollern" dampft lustig vorwärts, der Wunsch von oben lautet „anlegen" — damit man den Dag im Freien zubriugen könne. Es wird ein kaltes Tejeunerchen zurecht gemacht („Otto Bellmann" bemerkt ein echter Berliner in der Umgebung des Herrschers, der das Berlinerische, wenigstens int Dialekt liebich' nt(an bootet aus, der köstlichen Landschaft entgegen. Majestät gibt die Order ans, sich zu lagern. Wer so groß ist der Respekt vor beut Hofzeremoniell selbst unter den Intimen, daß es keiner wagt, unaufgefordert sich zur Seite des doch so jovialen und lebensfrohen Herrschers niederzulassen. Endlich bestimmt Majestät selber den dazu geeigneten „Onkel", den er seit seiner Jugendzeit kennt, und so fröhlich ist feine Stimmung, daß er feem „Onkel", feer sein kahles Haupt entblößt, seinen Hut, einen Sommerstpohhut,' mit feen Worten aufstülpt: „Na nu, Onkelchen, tragen Sie mal inzwischen feie Krone." Bon diesem gottlosen Geiste beeinflußt, zwirbelte der begnadete Reisegenosse seinen „Schnurr" in die Höhe und wagte feen Scherz: „Es ist erreicht." „Na, na, na, machen Sie es nur nicht. zn toll, Onkelchen," ertönte prompt die Antivort hierauf, begleitet von einem merkbaren Seitenpuff. VersMeHKes. * Erinnerungen feer ältesten deutschen Aerz--- t in. Dr. Med. Franziska Tiburtius, die erste deutsche Aerztin, die, wie wir jüngst berichteten, im Begriffe steht, von ihreü Praxis zurückzutreten, veröffentlicht in der Monatsschrift „Die Frau" persönliche Erinnerungen aus „den Jugendtagen des Fraueiistufeiums". Es handelt sich dabei um feie 70er Jahre fees vorigen Jahrhunderts. Wie weit doch diese Zeit schon hinter uns liegt! Damals war von Frauenstudinul noch herzlich wenig die Rede, und Franziska Tiburtius Mußte allerdings das Gefühl eines vollständigen Sprunges ins Tunkte haben, als sie int Herbste 1871, 27 Jahre alt, nach Zürich ging. Es studierte dort nur noch eine Deutsche, die spätere Dr. Emilie Lehiins; sonst bestand feie Kolonie studierender Frauen ausschließlich aus Russinnen, und über diese Kolonie weiß Fran Tiburtius eine Menge interessanter Sachen mitzuteilen. Ter Professor Olivier übernahm nach anfänglichem Zögern ihren mathematischen Unterricht, sagte aber offen, et könne sich nicht allzuviel davon versprechen, und' sie dürfe cs ihm nicht übel nehmen, ivenit er feie Stunden als aussichtslos! jaufgäbe. Sie 'ging feen Pakt ein und — wurde nicht wieder weggeschickt. ?lls feie „Jungfer Dr." später an feer Poliklinik des Professors Whß tätig war, war sie int ganzen bei feen Kranken wohl gelitten und ihre Besuche waren erwünscht. Minder angenehm waren feie Kollegien bei Johannes Scherr, feer es vortrefflich verstand, feie Frauen durch feie Art seines Vortrages „herauszugraulen". In Deutschland stand man damals dem medizinischen Studium der Frauen noch 'fast durchweg ablehnend gegenüber, und der damals in Dresden, dann in München tätige Professor Winckel handelte gegen feie Anschauungen seiner sämtlichen deutschen Berussgenossen, 'als et feie junge Aerztin zur Wirksamkeit an seiner Entbindungsanstalt zuließ. Musik. — Die lustigen Weiber. Das zum Preise von 50 Pfg. im Verlage von Ullstein u. Co., Berlin, erschienene Heft 8 feer „Musik für Alle" ist 'ganz feem Meisterwerk Nicolais gewidmet. Ans "dieser lustigen, von Uebetmut überschäutnenden Oper sind feie schönsten und inelodischsten Stücke ausgewählt. Gleich feie erste Szene, das Komplott feer beiden Frauen gegen feen liebe» durstigeit Falstaff kennzeichnet feie kecke Stimmung des ganzen Werkes. Mehr noch kommt der Humor in feer folgenden Szene, Falstaff int Äaschkvrb, zu seinem Recht, feer Eintritt Falstaffs, feine Unterhaltung mit den Frauen, seine Angst vor der eifer» fuchtigen Gattin und feilte endliche Beförderung in feen Waschkorb bieten launiger Charakteristik eine Menge Stoff. Ebenbürtig reiht sich hier das famose Trinklied Falstaffs an, weiter der parodistische Trauermarsch und das feie besten italienischen erreichende Bussodnett zwischen Falstaff und Fluth. Zarte lyrische Töne werden in bett Szenen Anna und ihre Freier angeschlagen. Die Schlußpartien schildern in bisher unübertroffener Weise den Zauber um feen Spuk fees 'mitternächtlichen Waldes. Falstaff wird für seine Liebesabenteuer bestraft ttnb muß Besserung geloben. _____________ Rätsel. An eines Stromes schönem Strande Liegt die Stadt, feie ich jetzt mein'. Zwei Zeichen tausch'; ich ivar int Stande Und bäte gleich: „Schenkt davon ein!" oi. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummerr Morgenstunde hat Gold int Munde. l'schon Universttats-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.