Ionmrskag den 19. Dezemö 1907 888 »M ^WW IW MM WiM^ HK«®® SJjjWffRWT BMsh 'Ww fWW ■iegi i... Tfki-r; Me rechte Kand. Eine Weihnachtsgefchichte Von Reinhold Ort mann. (Nachdruck verboten.) Schluß. Walter wußte ihm nichts zu erividern, und eine Weile fuhren sie schweigend zwischen den weiß verhüllten Feldern hin. Damr unterbrach der Jüngere die peinliche Stille. „Und warum könntest du nicht auf Greifenhagen bleiben, Egon? — Ich habe doch bis jetzt eigentlich nur ben Verwalter für dich gespielt. Und da ist, tvie ich meine, Platz für uns beide." Egon machte eine abwehrende Geste mit der Linken. „Laß! — Ich kann dir nicht erklären, warum es unmöglich ist. — Daß ich dir nicht im Wege sein würde, glaube ich wohl. Aber da sind noch mehr Leute in meiner Mutter Hause. Und so klein ich auch geworden bin, seitdem man mich zum Krüppel geschossen hat — für einen waschechten Toggenburger bin ich doch wohl nicht aus dem rechten Holz geschnitzt." Er starrte finster gerade vor sich hin, mit einer tief ein- geschnittenen trotzigen Falte zwischen den starken Brauen. Walter aber blickte zur Seite, und unter feinem- sandgelben Schnurrbart war ein ganz eigenes Zucken. „Ist es — ist cs wegen Erika?" fragte er endlich. „Nimm getrost an, daß cs ihretwegen wäre. Und dann laß uns nicht weiter davon reden!" „Nur noch eine einzige Frage, Egon — und du darfst mir deshalb nicht bös fein. — Geschah es auch um ihretwillen, daß du damals nach deinem letzten Besuche so plötzlich den Entschluß faßtest, dich für die Kvlonialtruppcn zu melden?" „Du fragst wahrhaftig wie ein Beichtvater. — Aber meinetwegen — innter der Voraussetzung natürlich, daß cs unter uns bleibt: ja, cs war um ihretwillen. So ein wilder, närrischer Kerl war ich noch Vor wenig Monaten, daß ich meinte» der Korb, den ich mir da geholt hatte, müsse wenigstens einem halben hundert Hereros das Leben kosten. Daß ich ihr damit im Grunde nur recht gab, kam mir gar nicht in den Sinn. Ich habe mir Vorgenommen, die Tante niemals zu Verlassen, solange ich ihr Von Nutzen fein kann", sagte sie. „Für dich aber wäre Greifenhagen mit seiner Stille und seinem ewigen Einerlei nicht der rechte Ort. Du bist für den Kampf geschaffen, für den aufregenden Wechsel und das volle, rauschende Leben." Na, und so weiter, wie ein Weib eben redet, wenn es eine bittere Pille verzuckern will. Mit dem Kampf und dem Wechsel und dem vollen, rauschenden Leben ist cs ja jetzt glücklich vorbei. Aber mit dem Freien auch, denn um einen Krüppel abzuweifen, brauchte sie nicht einmal mehr auf solche Ausflüchte zu sinnen. Und du wirsts ja am Ende begreifen, daß es mich nicht lockt, meine Tage auf Greifenhagen hinzubringen." Nun wäre ja vielleicht der rechte Zeitpunkt für Walter dagcwesen, von seiner heute erfolgten Verlobung mit Erika zu sprechen. Sie hatte ihn doch ausdrücklich darum gebeten. Aber er sagte trotzdem kein Wort darüber, und nachdem sie wiederum ein paar Minuten lang stumm nebeneinander gesessen, sprach der junge Offizier weiter: „Auch das wirst bn verstehen, weshalb ich zunächst mit dir allein reden ivollte. Ans die Dauer können wir der Mutter! die Geschichte mit dem Arm ja nicht verheimlichen, aber da es der Zufall nun einmal gefügt hat, daß ich gerade am Weihnachtsabend auf Greifenhagen eintreffen muß, läßts sich doch Vielleicht einrichten, daß sie wenigstens heute noch nichts davon erfährt. Ich möchte, daß sie für ein paar Stunden eine ganz ungetrübte Freude an meiner Wiederkehr hätte. Und du wirst mir ein bischen dazu behilflich fein, indem du den anderen einen entsprechenden Wink gibst, während ich mich zunächst auf eine halbe Stunde in mein Zimmer zurückziehe. Morgen oder übermorgen muß es ihr daun eben auf eine möglichst schonende Weise hergebracht werden. Tu bist damit einverstanden — nicht wahr?" Walter wandte sich ihm zu und drückte ihm schweigend dis Hand. Und Egon meinte, noch nie so viel Siebe und lautere Herzensgüte auf einem Menschenantlitz gesehen zu haben, als sie sich in diesem Moment auf dem schmalen, unschönen Gesicht seines Bruders spiegelte. * Der Schlitten hatte auf Walters Geheiß an der Garterck tür ocs Gutshauscs gehalten, wo, niemand seine Anfahrt erwarten konnte, ohne Von irgend jemandem gesehen zu werden. Als Walter sich den vorderen Räumen zuwandte, kam ihm Erika entgegen, die am- Fenster vergebens nach dem Ankömiu- ling ausgeschaut hatte. „Wie — du bist allein?" sagte sie, tapfer bemüht, ihre Erregung $it verbergen. „Er ist also nicht gekommen?" Walter zog sie in das nächste Zimmer unb drückte die Tür hinter sich ins Schloß. „Ja, Erika, er ist gekommen," erwiderte er Voll tiefen, ober ruhigen Ernstes. „Aber cs ist anders gekommen, als wir es gehofft haben. Du darfst nicht erschrecken, wenn du ihir siehst, denn er — er besitzt nur noch seinen linken Arm." Erika taumelte zurück, und die Hände griffen unwillkürlich, eine Stütze suchend, nach den: Pfosten der Tür. „O mein Gott — o mein Gott! — Und das habe ich —1 ich Verschuldet!" „Nicht doch, liebste Erika! — Du darfst dich nicht mit törichten Selbstvorwürfen quälen, für die wahrlich nicht der geringste Anlaß vorhanden ist. Egon würde unter allen Umständen seinem Tatendrang gefolgt und nach Südwestafrika gegangen sein. Er selbst denkt gewiß nicht daran, dir irgend ein Verschulden an seinem Schicksal beizumessen. Unb er trägt es ja auch mit mannhaftern Mute. Natürlich ist es mit seiner solbatischcu Laufbahn zu Ende, und er wirb, wie ich denke, statt meiner bie Bewirtschaftung Von Greifenhagen übernehmen." Es blieb ungewiß, wieviel das junge Mädchen Von dem Vernommen hatte, was er zu ihr sprach. Sie war auf einen Stuhl nieder geglitten und hatte bas Gesicht in den Händen Verborgen. Als er auf sie zutrat und liebkosend ihre Schultes — 750 — berührte, fuhr sie wie tu einem heftigen körperlichen Schmerz zusammen und schluchzte: „Daß es sv kommen mußte! — Ach, wäre ich doch tot!" _ „Tu mußt stark und gefaßt sein, Erika! Denn Egon >vill, daß die Mutter heute noch nichts von seiner Verstümmelung erfahre. — Aber auf eine Frage hätte ich gern noch offene und ehrliche Antwort von dir gehcibt. — Als du Egons Antrag zurückgewiesen hattest, war es dir da wirklich ernst mit denr, was du ihnr als Beweggrund anführtest, und würde deine Antwort vielleicht anders gelautet haben, wenn du dich nicht durch DankcSpslicht an meine Mutter gefesselt geglaubt hättest — wenn du ihm frei hättest folgen1 können, wohin sein Tatendrang ihn trieb?" Tie Schultern des Mädchens bebten noch heftiger, aber sie antwortete nicht, auch als er seine Frage noch herzlicher und dringender wiederholte. Ta ließ er ab, sie zu bestürmen, denn vielleicht war ihm auch ihr Schweigen Antwort genug gewesen. Er bat sie nur noch einni-al, Egon nichts von ihrem Entsetze,t zu zeigen und sich der Amtsrätin gegenüber nicht zu vcr- raten. Tann liest er sie allein. * Es war, wie Erika gesagt hatte: die Amisrätin Harring- haus war so schwachnervig nicht, das; eine freudige Aufregung ihr irgendwie zu schaden vermocht Hütte. Sie hatte nicht einmal eine allziigrvße Erregung gezeigt, als man ihr die Mitteilung von Egons unerwarteter Ankunft gemacht hatte, und als sie dann die Stimme ihres Lieblingssohnes gehört, als sie seinen starken Arm um ihre Schulter gefühlt hatte. Nur aus ihrem schönen Matroiwngesicht war zu lesen gewesen, was sie in jenen Augenblicken empfand, nur in einem leisen Beben ihrer Rede hatte es sich verraten und in einigen Tränen, die langsam aus den erloschenen Augen über ihre Wangen rannen. Und der fromme Betrug, durch den sie für die Dauer dieses Abends getäuscht werden sollte, er war bis jetzt fast über Erwarten gelungen. Egon hatte es mit großer Geschick- lichkeit einzurichten gewußt, das; er ihr immer nur seine linke Körperseite zukehrte. Und den anderen war kein unvorsichtiges Wort entschlüpft, das den Argwohn der Greisin hätte wachrufen können. Nach altem Herkommen und in den seit Jahren bränch- lichen Forncen war bis zu diesem Augenblick die Bescherungs- feier tu dem nur von den hundert Kerzen des Christbaumes beleuchteten Jagdzimmer verlausen. Die zu beschenkenden Dorfkinder standeik unter der Führung des Lehrers am unteren Ende der großen Tafel und sangen mit ihren Hellen Stimmen die lieben, alten Weihnachtslieder, die in unverwischbarem Reiz durch die Jahrhunderte wandern. Bon den Gutslcuten Hütte unschwer jeder den bestimmten Platz gefunden. Und unter beut hohen Tannenbaum fast die Amtsrätin würdevoll und gütig, von dem Glück ihres Mutterherzens sichtbar umstrahlt wie von einer Gloriole, die jedermann mit doppelter Ehrfurcht vor ihr erfüllte. Eben hatte Egon sich zu ihr hinab geneigt, um in heiterem Tone eine von ihr gestellte Frage zu beantworten, als über all das fröhliche Geschwirr hinweg eine Helle Kinderstimme laut wurde: „Ach seht doch: der Herr Harringhaus Hat ja man bloß noch einen Arm!" Und dann war's urplötzlich sekundenlang grabesstill. Die Matrone hatte mit einer blitzschnellen Bewegung ihre beiden Arme um den jungen Offizier geschlungen, und dann war sie von ihrem Stuhl emporgefahren und mit einer zu statuenhafter Ulkbeweglichkeit erstarrten Miene des Schmerzes, wie sie ergreifender noch keiner gesehen hatte von allen, die hier int Lichtschein dieses Weihnachtsbaumes versammelt waren. Walter hatte dem Lehrer ein Zeichen gemacht, und der hatte es verstanden, so wie auch die Gutsleute ohne besondere Ausforderung begriffen, daß ihres Bleibens nicht mehr sein durste. Ganz still schoben sie sich alle hinaus, die Kleinen wie die Großen, und die vier Menschen, von denen jeder seinen voll gentcffenen Anteil hatte an dem großen Kummer, waren allein. „Nimm dir's nicht zu Herzen, Mutter!" wollte Egon wiederholen, was er vorhin dem Bruder gesagt hatte. Aber diesmal verschlug es ihm die Rede, und es war wie ein verhaltenes Schluchzen in seiner Stimme. Die Amtsrätin aber, die ihn iwch immer mkt beiden Armen umklammert hielt, sagte: „Der rechte Arm! — Nun bist du iwch ärmer als ich, mein armer, armer Junge! — Tast es auch der rechte fein mußte! — Was willst du nun beginnen? — Und ich bin blind, daß ich dir nicht ersetzen kann, was sie dir genommen haben." „Tu kannst es nicht, Mutter!" klang es da ruhig, fest und voll unendlicher Liebe an ihrer Seite. „Aber eine andere kau ns, und sie ist bereit, es zu tun, sofern ich mich nicht ganz in ihr getäuscht habe. — Willst du meines Bruders rechte Hand fein, Erika, wie du die meiner Mutter gewesen bist? — Ich bitte dich darum von ganzem Herzen. Tenn ihm kannst du ja geben, was du mir nimmer hättest gewähren können — die wahre, die große, die alles überwindende Liebe!" * Eine Viertelstunde später wurde« die verschüchterten Kinder noch einmal in das Jagdzimmer geführt. Und sie fanden darin alles, wie sie es vorhin gefunden hatten. Auch auf dem Gesicht der Amtsrätiu war wieder der verklärende Schiniiner stillen! Glückes, und an ihrer Seite standen eng aneinandergeschmiegt zwei junge Menschenkinder, die sich vorhin scheu gemieden hatten. Da mochten sie beim wieder mit ihren Hellen Stimmen aus vollen Herzen singen: „O du fröhliche, o du selige, Gnadenbringende Weihnachtszeit!" KeiMcrLpstege durÄ die HriegerMrnns. Bon Major a. D. L i n d st e d t (Rudolstadt). Nach einem Bortrage. Nachdruck verboten. Kriegervereine — nicht in dem engen Sinne, daß nur die gemeint sind, bereit Mitglieder Kriege mitgemacht habcm, sondern alle, die des Kaisers Rock getragen und sich ihre aitständige patriotische Gesinnung bewahrt haben, aber doch mit der Einschränkung, daß nur die dörflichen Kriegervereine gemeint sind. Heimat in dem Sinne, daß damit der Ort gemeint ist, von dem aus der Rekrut zur Einstellung ins Heer gelangt ist, für unsere heutige Betrachtung mit der Einschränkung, daß ich dabei nur das Dorf im Auge habe ober das Land im Gegensatz zur Stadt. Zu einer Pflege des Heimatsverlangens sollen die Kriegervereine beitragen können? Wie wäre es möglich? Heißt es doch schon in Schillers Wallenstein: „Der Soldat hat aus Erden kein bleibend Quartier." Ja, das war damals im dreißigjährigen Kriege, so wird mir eingewvrsen werden; damals wurde der Soldat angeworben, und er ließ sich da auwerben, wo ihm die reichste Beute winkte, wo er am besten bezahlt wurde. Haben denn nun die damaligen Zeiten gar feine Aehnlichkeit mit den jetzigen? Ich meine doch. Der Reservist hat ans Erden kein bleibend Quartier, d. h. er läßt sich bei feiner Entlassung da anwerbeit, wo er am besten bezahlt wird, ohne nach seiner Heimat zu fragen, iit der er nach znrück- gelegter Dienstzeit sehnsüchtig, aber meist vergeblich zurückerwartet wird. Woher kommt das? Als Antwort auf diese Frage will ich einen Mick in das Leben eines Kompagniechefs tun lassen — meinethalben in das meinige. Elf Jahre alle Jahre dasselbe Bild bei oder vor Entlassung der Reserven. Der Hauptmanit, der wirklich Freud und Leid mit seinen Leuten geteilt hat — wie doch meistens —, stimmt in die Freude nicht ein, der die scheidenden Reservisten lauten Ausdruck geben. Für beit Kompagniechef fällt ob ber Trennung von den meist liebgewordenen Gesichtern eilt Wcrmutstropfen in das letzte beim Abschied geineiusam genossene Glas Bier; der letzte Händedruck — wieviel Arbeit und Sorge, aber auch wieviel Freude schließt er ab! Dieser Abschiedsstunde gingen andere mich recht betrübende Stunden und Erfahriiiigen voraus. Ehe wir zum Manöver anL- rückten, kamen Reservisten, die bis zu ihrer Einstellung aus dem Lande gelebt hatten und baten mich: Herr Hauptmann, legen Sie doch bei dieser oder jener Behörde, bei diesem oder jenem! Arbeitgeber ein gutes Wort für mich ein, daß ich hier im Dienst bleiben kann. Wenn tch dtefen oann mein Befremden aussprach. daß sie nicht in ihr Heimatdorf zurückwollten, so erhielt ich btc Antwort: Ich finde dort keine Arbeit, meine Stelle ist besetzt. Diese Bitte mag als ein Zeichen des Vertrauens meiner Leute zu mir gelten, denn sie wußten, wieviel ich vom Landleben hielt, sie wußten, daß ich gegen keinen Unteroffizier so deutlich wurde, wie gegen den, der aus dem reichen Schale seines Wörterbuches einen Rekruten „dummer Bauer" titulierte, sie wußten, daß ich gerade den ländlichen Soldaten an Sonn- und Festtagen gern Urlaub in ihre Heimatdörfer gab, um sie in steter Fühlung mit ihren Angehörigen jit wissen. Und nun die Bitte: Tun Sie etwas für mich, daß ich hier bleiben kann! Was blieb mir übrig, als gegen meine bessere Ueberzeugiiiig den Wün- fchen zu entsprechen. Haben mich nun jene Reservisten belogen, als sie sagten: Ich finde auf meinem Dorfe keine Arbeit? Damals — also vor zwanzig und mehr Jahren war es möglich. Es mochten wohl jüngere Brüder herangewachsen fein, die den Eltern in der Landarbeit Helsen tonnten. Die Nachfrage nach Kutschern und Knechten war damals und vornehmlich da nicht so groß, wo größere Güter fehlten, und die Industrie nur ihren natürlichen Entwicklungsgang nahm. Mag ich nun die Begründung mit mangelnder Arbeit aus dem Land gelten lassen oder nicht, es gab noch andere Gründe z u r L a n d f l n ch t. Zuerst das ewig Weibliche. Ja, wenn meine Leute Goethes Ausspruch recht verstanden hätten: Das 751 ewig Weibliche zieht uns hinan! Die Silbe „bin" wird jedoch meistens verschluckt, es bleibt bloß „an", bis die traurige Er- fahrnng gemacht wird, das; das ewig Weibliche weder hinan-, noch an-, sondern hinabgezvgen hatte. Mehr als einmal hörte ich Kker aus dem Muude meiner Leute: Ach, hätte ich doch! Ja, te ich mich doch nicht verblenden lassen von jenem Mädchen, das mir die Annäherung so leicht machte, das mir meine Urlarib- ftuuben so munter vertändeln half, und das mich schließlich abhielt, in mein Dorf zurückzukehren; denn dahin wollte sie nicht, dahin paßte sie auch nicht, dahin ging sie nicht — und so wurde ein Teil meiner Leute in der Stadt festgehalten. Doch ich lviil nicht nngalant gegen das weibliche Geschlecht sein. Auch mancher Reservist, der dein Weiblichen abhold geblieben ist, ist landflüchtig geworden; höchstens zur , Kirmes beehrte er sein .Heimatdorf mit seinem Besuche. In ihm hat sich während seiner zwei- bis dreijährige«; Dienstzeit eine Wandlung vollzogen. Ihm, als einen; von der ländliche«; Arbeit in die Kaserne kommeirden Rekrut, war anfangs nichts so schwer gefallen, wie sich hi«ieii;zusi«;dei; tu die auf die Minute.berechnete Zeiteinteilung und in die Schnelligkeit, mit der jedes Kommando ausgeführt iverden mußte. So lange er bei seiner ländliche;; Arbeit war, blickt er mit einer gewissen, vornehmen Ueberhebung auf den hastenden Fabrikarbeiter, der auf die Minute sein Haus verließ, nn; rechtzeitig in der Fabrik zu sei«; — er, der ländliche Arbeiter, hatte feine Eile, wenngleich er länger und schwerer arbeite«; «nutzte als der Fab-riker. In; Lause seiner Soldatenzeit hat er sich auch an Pünktlichkeit, Schnelligkeit und an das Zusammenleben mit Altersgenossen gewöhnt. Die Eiuzelarbeit auf den« Laiche schützte er nicht mehr so hoch — er, der bis dahin bei der ländlichen Arbeit — allein mit seinen Pferde;; »der Kühe;; — sich wohl und stolz gefühlt hatte, fand in der gemeinsamen Fabrikarbett nichts so Abstoßendes mehr. — So bleibt auch mancher Reservist ohne Iveiblichen Anhang in der Stadt. Er macht das «vahr, «vaS ich aus Wallensteins Lager zitierte, er läßt sich aniverbcn, «vo er scheinbar am meisten verdient, ohne zu bedenken, daß die Ausgabe«; i>; der Stadt die höheren baren Einnahmen stets übersteigen. Während ich an de; Zusammenstellung dieser Gedanke«; saß, veröffentlichten die „Zeit- fragen" eilt Gedicht von einen; Bauer Kowarzik, eine Mahnung an untere in der Armee dienenden Bauernsöhne, von dem ich einige Werfe zitiere: Sohu, der du treu wie deine ?lhnen. Dem Kaiser dientest ritterlich, Laß dich befitmmen und ermahnen: Es ruft dein alter Baier dich! Was willst du in de«; öden Mauern Boll fader Lust und banger Qual? Kind eines wahre«;, d e «t t s ch e«; Bauern, Dir frommt allein das Hei;nattal! , Kehr wieder heim zu deinen Liebe«; Und sei ein Landmann recht und schlicht; Dein Dorf ist, was es war, geblieben I«; Arbeitsegen, Glück und Pflicht. Wirf in die rauhe Furche wieder De«; Samen, der von Gott geweiht; Die schweren Schollen egge nieder, Daurit die volle Frucht gedeiht! Und dengele der Sense Schneide, Wenn dir i>a8 Korn entgegenreift. Und weise z«; der anbern Freude, Wie stark dein Arn; die .yalme greift. Sing mit bei; jungen Schnitterinnen, Kommt ihr vom Felb int Abendrot; Die beste aber sollst du mimten. Die keusch im Kuß die Lippe bot. Dan» lenkt die Scholle deine Schritte, Ihr gilt bei«; Kampf, ihr gilt dein Sieg. Dich drängt nur eins aus unsrer Mitte — — Gott schütze dich — Tod oder Krieg! Solche Mahnung eines Bauern uitb alten Soldaten ist allen aus der Seele gesprochen, die an ländlicher H e i m a t p f l e g e Mitarbeiten wollen; aber sie gilt auch Kriegervereiitlern, deren Aufgabe es sein soll und muß, der Landflucht entgegenzutreten — da die Kriegervereine nicht nur dazu da sind, bei Paraden mitzuwirken, Feste zu feiern, sonder«; auch dazu, das Fundament unseres Staatswesens zu st ü tz e«; — das Land als Urquell deut sch e r Kraft. Die Arbeit der Kriegervereiite darf nicht erst einsetzeit, wem; der Bauernsohn Soldat ist, sondern muß beginnen, ehe er es wird, solange er noch als Bauernbursch auf dem Dorfe ist. Die Bursche«;, vo«; beiten es in dem Liede heißt: „Die beste aber sollst du mimten, die keusch im Kuß die Lippe bot", machen uns keine Sorge — eilt deutscher Baueritsohn hält auch in Kaisers Rock seiner Liebsten die Treue, er singt nicht nur das alte, schöne Lied: „Steh' ich in finstrer Mitternacht so einsam auf der stillen Wacht, dann denk' ich an mein fernes Lieb'", sonder:; er empfindet cs, und dies Empfinden führt ihn sicher nach feiner Dienstzeit in fein Dors zurück. Aber die anderen! Ich wies schon darauf hin, daß eine Wandlung in der Lebensauffassung während der Soldatmzeit in dem von; Lande gekommenen Rekruten eingetreten sei. Tas Zusammenleben mit gleichaltrigen Kameraden ist ihm fast zum Bedürfnis geworden. So etwas muß ihm auch auf dem Torfe geboten iverben. Er muß wissen, daß der Kricgcrvcrei» ihm diese Möglichkeit eines kameradschaftlichen Weiterlebens gewährt. Tementsprechend muß aber auch die Tätigkeit der Kricger- vereiue aus den Dörfern fein. Lassen Sie mich einmal untersuchen, wie diese in den meiste«; Fällen ist. Gewöhnlich findet allmonatlich eine Versammlung statt. In dieser werden die Beiträge eingezogen, die Auweseiiheitsliste geführt, die erforderlichen Bekanntmachungen veröffe«;tlicht, und dazu wird Bier getrunken. Solche Monaisversainmlungen habe«; nichts Anziehendes, Lebe«» muß in die Bude kommei;! Das läßt sich überall erreichen, wie es schon in vielen Bereiireu erreicht ist, die keine Versammlung ab halten, ohire daß irgend etwas Belehrendes, Patriotisches, Heiteres zum Vortrag kommt. Ja, wer soll denn so etwas vortragen? wird mir emgeworfc«; werden. Dieser Einwurf ist vielleicht nur berechtigt in einzelne«; Dörfern im Osten. -Sonst finden sich Pfarrer und Lehrer, auch wem; sie nicht Soldat gewese«; sind und als Gäste cingelaben werden, Reserveoffiziere, aber auch sonst Helle Köpfe wohl irr jedem Dorfe oder in der Nachbarschaft. I«; Thüringe«; haben sich deshalb mich sogenauirte Ortsgruppen gebildet — Kriegervereine ans vier und mehr Dörfern, in denen abwechselnd solche Vortragsversamm- l u n g e» abgehalten und gern m:d zahlreich besucht iverben. Sollte sich aber trotzdem nicht immer jemand finden, der frei vortragen kann, so «virb Vorgelegen, dir; Stoff fehlt es nicht. Besser ist es ja immer, wem; „erzählt" iverben kann, an; besten Selbsterlebtes. Ich denke dabei zuerst an die Veterarrerr, die Feldzüge mitgemacht haben und aus diesen in einfacher, wahrheitsgetreuer Weise ihre Erinnerungen zrin; besten geben, bann an solche Alte, die von früherem, fast vergessenem Exerzier- und Garnisonleben berichten im Gegensatz zu der; Jüngeren und Jüngsten, die von den unvermeidlichen stete«; Neuerm;gen in Bewaffnung und Ausrüstung, von Buren- und Japanertaktik, von; Signalisiere«; und Telegraphieren unendlich viel zu erzähle«; haben. Gerade die jüngsten Kameraden müssen in de«; Vereine«: auch zu Worte kommen, wenn mir fie an uns fesseln wollen. Endlich darf auch der Humor nicht fehlen — ein Spaßmacher, der in seinem militärischen Leben mehr erlebt hat, als hundert andere, finbet sich auch meiftenS — und meistens iverben die Vorgesetzte«: den Stoff dazu liefern, in erster Linie: Hauptmann und Feldwebel, das traute Elternpaar der Kompagnie. Doch nun zur Hauptsache: Zu diesen Versainmlungen lasse ich, soweit mein Einfluß reicht, die jungen, noch nicht militärpflichtigen Burschen einladen — sie fihen an einem besonderen Tische und Hörer: nur zu — und tote, mit welch gespannter Anfnrerksamkeit! Dadurch gewöhne«: sie sich an militärisches Leben und fühle«: fich darin nicht so frenrd, wenn sie des Kaisers Rock auziehem Unwillkürlich werden bann ihre Gedanken heimwärts geführt, wen«: sie lutn int praktischen Dienst das erlernen, was sie in ihre«; dörfischen Kriegervereinen bereits aus Kameraden Munde gehört haben. I«; vielen Gegenden ist es scho«: Sitte, in den Kriegervereinen sogenannte Rekrutcn-Ab- schiedsabende — nicht Abschiedsbälle — zu begehen, in denen die zur Armee abgehenden Rekruten auf die Versuchungen hingcwiefeu werden, die ihnen in der Garnison entgegen treten. Auf solche Weise lassen sich meines Erachtens die Fäden vom Dorfe in die Garnison und umgekehrt spinnen, mit denen unsere ländlichen Rckrute«: nach ihrer Entlassung wieder in ihre Heimat zurückgezogen werden. Außer diese«; Monatsversarmnlungen gibt es bekanntlich auch größere Festlichkeiten, Kaisers Geburt s t a g, Setz a n -, Stiftungsfest. Auch sie tonnen dazu dienen, bei: Dorfbewohnern etwas von dem zu bieten, was in den Städten reichlich vorhanden ist, auf bei: Dörfern oft vermißt wird. Solche von Kriegervereine«: ausgehende Festlichkeiten dürfen nicht bloß in einem Tanzvergnügen bestehen, cs müfse«: Familienabe«: d e sein, in denen Gedichte und theatralischeDar- ft e 11 u u g e n zur Vorführung gelangen und auch gesunder Humor zum Ausdruck kommt — ähnlich den Kompagniefestlichkeiten an Kaisers Geburtstag. Ich habe es während meiner Hauptinanns- zeit für zweckmäßig gefunden, den Leuten, die zu den Kom- pagniefestlichkeiten ihre Schwestern oder Schatze mitbringen «ooll- ten, Urlaub zu deren Abholung zu erteilen. Dieses anständige weibliche Element war ein willkommenes Gegengewicht gegen die städtischen Nachtschmetterlinge, die nur zu üppig meine Leute umschwärmten. Daß solche Festlichkeiten auf den Dörfern von Kriegervercinen ausgehen, ist meines Erachtens geboten, sie müssen die führende Rolle übernehmen. Nicht aus Neberschähung des Kriegervereiuswesens stelle ich diese Forderung, sondern weil ich dabei noch ein anderes Ziel in: Auge habe: Solle«; die Mo- natoverfaminlungen wie auch die größeren Festlichkeiten den Zweck der Verbreitung von Bildung vereint mit den allgemeinen Aufgaben der Kriegervereiue erreichen, so müsse«: die Vorstände in engere Verbindung mit den sogen. Spitzen der Behörden trete«:. Wirken Geistliche, Lehrer, Arbeitgeber tätig in den Vereine«: mit, so iverbc«: letztere sich auch dankbar beweisen: sie werde«: dem kirchlichen Lebe«: nicht fern bleiben und auch Jntcresse für die allgemeinen Aufgaben der Gemeinde zeigen. 752 Durch solches gegenseitiges Geben und Nehmen werden alle Gutgesinnten zusammengeführt, sie lernen sich dadurch besser verstehen, die Trennung durch die Verschiedenartigkeit der Stände und Lebensbedingungen, die in manchen deutschen Dörfern zu Klagen Veranlassung gibt, wird überbrückt, die Kameradschaft in ihrer wahren Bedeutung des gegenseitigen Verstehens, Helfens und Tragens tritt hell hervor, sowie es in den stadtcschen Verhältnissen nicht möglich ist. So geleitete Kriegervereine gleichen dem Sauerteig, sie haben werbende und bewährende Kraft, alle.anständigen ehemaligen Soldaten heranzuziehen und zusammenzuhalten, sie beleben den Heimat sinn, ist der angeregt, die Heimat f r en d e, die sich zum Heimat stolz entwickeln darf und naturgemäß zur Heimat liebe führt. Solche Heimatliebe in die Kinderherzen gepflanzt und tveiter gepflegt bis in die Jahre, Ido das ewig Weibliche die Herzen der jungen Männer hinanzieht, und um solche doppelte Liebe die Treue zu unserem himmlischen und irdischen Herrn gerankt, das wäre ein Zukunftsbild, das allerdings wohl der genialste Künstler nicht auszumalen vermag, dessen Verwirklichung wir aber dennoch erstreben müssen — wir alten Soldaten. Tun wir das, dann sind wir die festesten Stützen unseres Vaterlandes. Bor dem Feste. Tas tvar eine Reihe von häßichcn, ungelmütlichen Tagen. Der Himmel dicht mit Wolken umflort. Man merkte überhaupt kaum, daß es Tag ward. Und die dumpfe, unheimliche Stim- mung, die über der Natur lag, machte ihre Wirkung auch auf das Gemüt der Menschen geltend. Dazu fitst vom Himmel fast tagaus tagein trübseliger Regen. Und die Straßen überwog eine dichte, zähe Schlammschicht. Und dazu ging der Wind nicht ganz gelinde. An der Küste, auf den Meeren ward er zum Orkan und forderte manches brave Seemannsleben znm Opfer. Ja, cs waren häßliche, ungemütliche Tage. Und sie hatten eure böse Gefolgschaft! Schnupfen, Husten, Erkältungen aller Art und sonstige Krankheiten. Und die Seele, die nach Licht und Luft verlangt, hoffte an jedem Abend, daß der nächste Morgen ein fröhlicheres Gesicht zeigen, daß ans Dunst und Wolkenflor endlich die liebe Sonne sich sieghaft emporringen und man wenigstens auf ein paar Stunden den blauen Himmel sehen möge. Und so kams denn auch. Jetzt haben wir prächtiges, klares, leichtes Frostwetter, Sonnenschein und damit auch die alte Lebens- und Schaffenslust wieder. Ter Schnee läßt freilich noch auf sich warten, und ein Weihnachtsfest ohne Schnee ist nun doch einmal nicht das richtige. Wie viel schöner aber machen sich jetzt die Weihnachts- eiukäufe, als in dem greulichen Schlackerwetter, unter dem wir so lange zu leiden hatten. Bereitwilliger greift jetzt selbst die Hand ins. Portemonnaie, wenn sie nicht dazwischen immer wieder das Taschentuch zu der vom Schnupfen geplagten Nase führen muß. Und wie gemütlich kann man sich jetzl etwas recht Hübsches für alle seine Lieben besorgen, ohne Furcht vor Katarrhen und ähnlichen Scheußlichkeiten. Es gibt für unsere Frauen doch nichts Schöneres, als so recht con amore Weihnachtseinkäufe zu machen. Eins natürlich vorausgesetzt: daß das nötige Geld im Portemonnaie ist. „Tu' Geld in deinen Beutel!" Dieser Rat des zwar niederträchtigen, aber welterfahrenen Jago behält seine volle Gültigkeit. Was gibt es doch für entzückende Dinge in, den Auslagen unserer Kaufleute. Und was für reizende Sachen drinnen in den Läden. Aber es ist bekanntlich int Leben häßlich eingerichtet, daß bei den Rosen gleich die Dornen steh'n. Und die Dornen dieser Rosen sind, daß sie nicht umsonst zn haben sind. Im Gegenteil, es ist merkwürdig: je hübscher sie sind, desto, mehr kosten sie. llttb man glaubt gar iticht, mit welcher unheimlichen Geschwindigkeit so eine Banknote klein gemacht ist, die doch zu verdienen weiß Gott Zeit und Mühe genug kostet. Indessen, Geben ist seliger dem: Nehmen. Und gerade zur Weihnachtszeit gibt mau das Geld doppelt gern aus, weiß man doch, daß man durch die Geschenke geliebte Herzen fröhlicher schlagen und teure Augen heller blitzen macht. Also frisch ans Werk! Wer noch nicht vorgesorgt hat, für den bleibt nur noch wenig Zeit. Weihnachts-Literatur. — Von Otto Julius B i e r b a u m , dem Dichter zahlreicher verliebter und launenhafter Gedichte und köstlicher Lieder, die er unter dem Titel »Irrgarten der Liebe" znsammengeiaßt hat, sowie manches geistreichen, kecken, saft- und kraftstrotzenden Liebesromans, liegt zum Weihnachtsfcste eine recht niedlich anSgestatlele Studentenkomodie für die Opernbühne vor, betitelt „Der 'ilitfcit'- fiten", herauSgegeben von einem neuen Berliner Verlag, Karl LurtmS, der besonderen Wert ans gefällige Buchkunst zu legen scheint. Diese neueste Dichtung Bicrbaums ist ganz durchtränkt von dem prächtigen germanisch Scbeffelschen Bierhumor. Flüssig und anmutig zugleich sind die munteren Verse, tanzsroh hüpsen die Versinke durch alle vier Akte und es wirbelt und prickelt und kribbelt m Unten, wie die Schaumperlen int Sektglase. Durch und durch mustkalisch sind sie, ganz int Genre von Oskar Strauß, dem glücklichen Komponisten von Bierbaums „Lustigem Ehemann", so sangbar, daß man bei lauter Lektüre unwillkürlich in den Gesangston des Lahrer Reichskommersbuches gerät. Tie Vertonnng wird darum fraglos nicht lange auf sich warten lassen, und die Komödie wird dann gewiß ihren SiegeSzug über die deutschen Opernbühnen antreten. Und ebenso flüssig und anmutig und echt obendrein ist hier wieder Bierbaums Humor, wie nur in seinen besten Schöpfungen, und dabei erhebt er sich doch ivesentlich über den Bierwitz. Und auch der alte liebe und heitige, hier aber in neckisch frohes Gewand gehüllte, gar nicht boshaft-bissige Bierbaum'sche Zorn gegen Phi- listrosilät und pedantische Federiuchserei, gegen hergebrachte falsche Scham und pimplig spröde „Wohlerzogenheit" lmd üble „Korrektheit", seine köstliche Verhöhnung steifer „Gesellschastlichkeit" blitzt hier aus jedwedem feuchtfrohen Verse, Und was das erfreulichste ist, sein trotziger Spott vermählt sich^nicht mehr mit orgiastischer Keckheit. Er ist der alte heitere Kumpan, aber lachend ist er ein wenig weiser geworden und maßvoller in seinem Auibegehren gegen prosaische Ledernheit, gegen stumpfes Banausentum und trockene Leidenschaftslosigkeit. Tie ganze Dichtung ist von bezwingender Liebensivürdigkeit. Sie schildert den Befreiungskampf der Leipziger flotten Burschen des Jahres 1767 gegen die Unterdrückungs- und öden Schuhriegelungsversuche der „Meisen", der Leipziger Stadtpolizei, und lüän ergötzt sich immer an!s neue an den ausgelassenen Stretchen jener liebes- und ktmstfrohen jungen Studiosen und ihrer niedlichen und lieblichen „Scharmanten". Tas hübsche Bückelchen wird zum Weihnachtsfeste asten der Duckmäuserei abholden fidelen deutschen Bundkappen eine willkommene Gabe sein. -o — Heinrich von Kleists' sämtliche Werke. Mit einer biographisch-literarischen Einleitung von Fritz Baader. Gebunden 3 Mk. (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt). — Die ein«- bändigen Klassiker-Ausgaben der Deutschen Verlags-Anstalt haben viel Verbreitung gefunden. Kann doch auch der weniger Bemittelte mit diesen Bände>l sich eine wohlfeile nnb einheitlich ausgestattete Ktassikcrbibliothek nach und nach anschaffen. Es ist freudig zu begrüßen, daß «tun auch Heinrich von Kleists Werke in der gleichen Publikation veröffentlicht sind. Haben wir doch immer mehr gelernt, aus' ben inneren Widersprüchen nnb äußeren Konflikten dieses Dichterlebens das Unvergängliche, wahrhaft Klassische seines Schaffens herauszulösen nnb den kostbarsten Gütern unserer Literatur anzureihen. Was den Wert dieser einbändigen Kleist-Ausgabe erhöht, ist die ausführliche biographisch- literarische Einleitung von Fritz Baader, die das „Problematische^ im Wesen des Dichters zu entwirren, die Kraft nnb Tiefe seiner künstlerischen Begabung auszndrücken versteht. — Frauen no Vellen („Hausbüchevei" Band 22 — Novellenbuch Baud 5). Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtms- Stiftung in Hamburg-Großborstel. 198 Seiten. Preis gebunden 1 Mk. — In diesem Buch kommen vier unserer besten deutschen Tichterinneit zu Worte. In grundverschiedener Weise, abwechslungsreich in Stimmung nnb Gehalt, behandeln doch alle vier Novellen den gleichen Gedanken: die Frauenseele zu öffenbaren, sie uns menschlich nahe zn bringen in ihrer höchsten Macht, der Liebe. Die Liebe geht als Grnndton durch das ganze Buch; die Mutterliebe, kraftvoll verkörpert in Cl ara Vieb ig s großzügiger Novelle „Brennende Liebe", in der die Mutter zur Brandstifterin wird üus Liebe zu ihrem Sohn: die Liebe zur heimatlichen Scholle, wie sie stark und wahr aus der Erzählung „Um den Hof" von Lulu von Stranß und Torney, der Schöpferin echter Baue rüge st alten, zu uns spricht; die Liebe und Zuversicht zum- Leben, die das wunderbar feine Seeleir- gemälde „Eine Nacht" von L o u Andreas Salomo in lebensvoller Darstellung wiederspiegelt. Und wie mtfft-ntig und gemütvoll erzählt endlich Marthe Renate Fischer, wie sich zwei reine, brave Menschenkinder „Auf dem Wege zum Paradies" befinden. Sonniger Humor, strahlende Lebensfrende, aber auch ernster Kampf um Lebensglück nnb Frieden durchzieht dies Buch. — Das Interesse an unserer Riesenbergwelt fördert in sehr hübscher und anregender Weise Spemanns Alpen-Kalender, der für das Jahr 1908 nun zum drittenmal erscheint. (Preis 2 Mk.) Mit der gleichen Liebe nnb Sorgfalt tute bei seinen beiden Vorgängern ist auch in dem vorliegenden Jahrgang die Auswahl von Bildern und Text getroffen worden, und es wird gewiß jedem Freunde der schönetr Berge das Herz attfgehett, der ihn durchblättert. Magisches Quadrat. In die Felder nebenstehenden Quadrates sind die Buchstaben EEEEFFHHNNRRT U U Z derart einzutragen, daß die wagerecbten uitb senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes bedeuten: 1. Eine Stadt. 2. Braucht der Bäcker 3. Geographische Bezeichnung. 4. Tier mit wertvollem Pelz. Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversilätZ-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.