1907 Samstag den 20 Iprik Mlf a QäTH LMM «WWWk'- lZW MMZWj M I Aem Irrlicht nach. Roi»air von Alexander Römer. Nachdruck verboten!. (Fortsetzung.) Roderich blickte sie cm, als sei sie eine Fremde. War das seine nüchterne, pedantische Schwester Erna? Ihre Wangen brannten, ihre Brust hob sich stürmisch, sie war wirklich schön in diesem Augenblick. < „Schwester", sagte er halb verletzt, halb bestürzt, aber sie riß sich plötzlich los und eilte hastig aus dein Zimmer. Er stand lange in Gedanken versunken, die Augen auf die Tür geheftet, hinter welcher sie verschwunden war. Dann trat er langsam an das Fenster und bog die Vorhänge zurück. Er streifte dabei mit dem Aermel die welken. Kränze und Ruhmes- twphäen, die seine Eitelkeit in der Eck aufgebaut hatte, sie raschelten mit unheimlichem Klang, wie Totengerippe, und ihn überrieselte ein Schauder. Hatte Erna Recht, fand der Mensch nur in der Liebe das Glück? Woher-- kam Erna diese Kenntnis? Doch nicht bei ihr und den Rätseln, welche sie in ihrer Seele barg, vermochte er zu verweilen. Sein Ich war ihm stets ain nächsten. Er stand an einem Scheideweg, und er fühlte es. Vor ihm ausgebrcitet lagen des Lebens Güter — er hatte die Wahl, zu greifen nach rechts oder nach links. Noch war sein Herz jung, frisch und stark, er spürte das erste Erwachen darin, ein wundersames, heißes, selbst den Egoismus erstickendes Gefühl. Er hatte den Fensterflügel geöffnet und breitete die Arme in die Nacht hinaus. Der Himmel war jetzt sternenhell, wie gewaltig wölbte sich da oben das lichtbesäte Firmament, wie klein, wie winzig klein war der Mensch. Aber dieses Schwellen und Sehnen da drinnen war nicht klein, cs durchbrach die enge Hülle der Körperlichkeit und streckte sich zum Erfassen des Ewigen, Und in. dieser Stunde war es ihm, als sei der Odem dieses Ewigen Liebe und einzig Liebe. Sie kam als ein Strom von Licht und Glück Von ba oben, aus jede«! Winkel des Weltalls und verflüchtigte sich in ungezählte einzelne Ströme, die in die kleinen Menschenherzen einzogen, sie erweiterten und emporhobcn, aus der Armseligkeit tind Enge des Erdendaseins heraus. Liebe — Liebe war Glück! Vielleicht nie wieder würde dies Gefühl eiuzieheu in sein Herz, so nie wieder — und sie, nach der er sich in dieser Stunde so unermeßlich sehnte, lag, nur durch Wände von ihm getrennt, unter demselben Dach, in fiebernden Träumen von ihm — ihre Kindcrseel« an die seine hin- gegeben, der Erlösung, des Rufes zum Glück, zu namenloser Erdeuwvnne harrend aus seinem Munde. Warunr hatte er sie aus seinen Armen gelassen, sie hinausgewiesen in eine liebe- leere Oede durch sein kühles Zurückweichen? Warum wollte er mit dem Morgengrauen weit fort gehen von ihrer Seite und sie unter vielerlei Versuchungen zurüch- lassen, warum? Der Nachtwind >Mh und kalk und seine Stirne Ivar heiß. Er empfand nichts von dem Kontrast; seine Glieder! bebten vor Frost, er achtete des nicht. Vor ihm stieg ein Bild herauf, dem er bisher nie Raum gegönnt hatte. Das Bild eines friedvollen Glücks im Kreise der Familie mit seinen nüchternen Pflichten und ernsten Sorge»/ aber sie an seiner Seite, sie mit ihrer Liebe, ihren lachenden, süßen Augen. Nur einmal im Leben empfand das Herz so, konnte es so den Entsagungsmut fassen, so zu allen Opfern! bereit sich fühlen — nur einmal, in der Jugend, unter d-enx Zauber einer ersten Liebe. „Sylvia, Sylvia!" Er rief ihren Namen laut in die Nacht hinaus. „Wie ist es möglich, daß du mir das angetan hast!" Wie lange er so gestanden und geträumt hatte, er wußte es später nicht, ein Windstoß schlug das Fenster zu und schreckte ihn auf. Jetzt fühlte er die Kälte, die ihn durchrieselte; er zog die Vorhänge zusammen, er griff nach dem warmen Plaid und hüllte sich hinein. Es war recht unsinnig, sich noch eine Erkältung zu holen kurz vor der Abreise. Aber wollte er denn noch reisen morgen, nein, heute schon? denn es war langer nach Mitternacht. Da standen die gepackten Koffer, da läge» die Empfehlungsbriefe, die Paßkarte, die Telegramme der Freunde. Was er lange vergebens vom Vater gefordert, die Erlaubnis! und die Mittel zum Reisen, es war ihm endlich gewährt worden, Freiheit, goldene Freiheit winrte ihm, die Erfüllung seiner ehrgeizigen Hoffnungen, ein Leben, wie es ihm taugte. Und das alles sollte er jetzt hinwerfen, sich freiwillig) in der Enge begrenzen. Wenn er die Einwilligung zu dieser Heirat von dem Vater forderte, dann mußte er im übrigen sich ganz seinen Wünschen fügen und alle hochfliegenden Träume fahren lassen. Nein — cs ging nicht. Er warf sich halb entkleidet auf sein Lager, sein Blut siedete heute abend, auch er war krank, es war notwendig, daß er in andere Strömung kam. Er mußte reisen. 7. Kapitel. Erna war erst gegen Morgen eingeschlafen und erwachte spät. Sie fuhr erschreckt aus wirrem Traum empor. Sie war in Sümpfen und Mooren umhergeirrt und hatte VillatteS Hand gehalten — cs dünkte sie so, obgleich sie ihn nicht sah. Die Angst um ihn hatte ihr Herz gepreßt, wenn sie bei jedem Schritt zu versinken meinte. Nun wich der Alp — es war ein Traum gewesen — wie spät war es denn? Gleich neun Uhr! Sie erschrak und kleidete sich hastig an, so spät kam sie nie hinunter. Ob Roderich abgereist war? Er hatte mit dem Achtuhr-, zuge fortgewvllt, seltsam, daß niemand sie geweckt hatte. Sie öffnete die Tür zu Sylvias Zimmer, ihr Bett war leer. Das war auch iwch nicht Vvrgekommcn, daß Sylvia die Frühaufsteherin war. Ob sie iwch von Roderich Abschied genommen hatte? Erna ging mit zitternden Gliedern hinunter. Unten im Frühstückssalon fand sie den Vater allein. „Ha, ha, Mädchen," rief er ihr wohlgelaunt entgegen, „du hast heute gut ausgcschlafen! Na — hattest eS wohl nötig nach dem gestrigen Wirrwarr." — 230 — „Ist Roderich abgereist?" war Ernas erste Frage. „Nun natürlich, vor einer Stunde schon, ich brachte ihn selbst nach der Bahn. Er tat ordeuinch ein bißchen abschiedswehniütig — ist aber eitel Verstellung, er sliegt mit vollen Segeln aus dem Nest. Laß ihn — es mag gut sein, wenn er sich die Hörner erst gründlich abläust, er wird nachher schon zahm werden. In ihm steckt genug — es wird schon herauskommen." „Ja — dn bist sehr stolz aus deinen Sohn." „Und bist du es etwa nicht ans deinen Bruder? Wenn ich es dem Jungen selbst auch nicht gezeigt, denn seine eigene Meinung von sich selbst ist ja allenfalls groß genug, ich weiß doch, was er wert ist. Ich denke, wir erleben noch allerlei an ihm." Ter alte Herr sah sehr vergnüglich aus, während er seine Zigarre ansteckte, und Erna wandte sich ab und seufzte. War sie denn eine Kassandra? Warum fehlte ihr, ihr allein in diesen! Hause, diese glückliche Gabe, sich selbst und alles zu ihr Gehörende zu verherrlichen und im goldenen Licht zu sehen? „Hast dn Sylvia gesehen?" fragte sie den Vater. „Sie war nicht mehr in ihrem Zimmer." ^.Sylvia?" Der Kommerzienrat blies de» Rauch in regelmäßigen Ringen vor sich in die Luft und antwortete zerstreut. Er war mit seinen Gedanken noch bei Roderichs Zukunft. „Ja so — sie ging zur Mcmia, glaube ich, wo sie wohl ihr Herz ausschütten und mich anklagen wird. Mir wich sie scheu aus, die kleine Hexe. Ich hoffe, sie wird zur Vernunft kommen jetzt, da Roderich fort ist. Zu dir inr Vertrauen sei es gesagt, das Ivar auch ein Grund für mich, den Jungen jetzt gerade fortzuschicken, die Stine legte es ganz hübsch darauf an, eine Liebelei hier im Hause zwischen den beiden ins Werk zu setzen, und das hätte gerade noch gefehlt. Warst du denn bei oer Szene zugegen, welche Stine oben bei ihrer — na, ihrer Tochter anfgeführt?" „Ja, Papa — teilweise. Die arme Sylvia Ivar sehr erschüttert; es war auch «in bißchen viel für sie gestern. Ich nahm Tante Cölestine mit auf inein Zimnier und hörte da von ihr ihre Lebensgeschichte." „Sage lieber, ihre Lügenchronik. Na, lassen wir das. Aber ich bin sehr aufgebracht, daß sie ihre Enthüllungen gemacht hat, ohne meine Erlaubnis, das hätte noch ein paar Tage Zeit gehabt. Ich habe dem Doktor Villatte übrigens gestern abend noch ein paar Worte geschrieben." „Was hast du ihm geschrieben, Papa? Darf ich es wissen?" Erna würgte ihre Semmel hinunter, aber ihr blieb jeder Bissen im Halse stecken. „Nun, der arme Mensch mußte doch irgend eine Nachricht haben; du lieber Gott, solch ein Verliebter steht ja wohl Höllen- gualen aus." „Aber was für Nachrichten konntest du ihm geben? Hat Sylvia sich irgendwie ausgesprochen?" „Nein, gar nicht. Sie war ja ganz verstört, das dumme Mine Ding, hatte mich offenbar mißverstanden, imd wenn sich ihr nun dazu noch eine ganz unerwartete Mutter an den Hals wirst, und solch eine Mutter, da wundert cs mich nicht, wenn ihr der Kopf wirr geworden ist. Sie ist aber im übrigen Line ganz schlaue kleine Person und durchaus nicht unverständig, wo es sich um ihren Vorteil handelt. Sie weiß ein behagliches Leben sehr zu schätzen. Ich glaube nicht, daß sie den Doktor ausschlägt." । „Also aus solchen Gründen, aus Berechnung soll sie ihm ihr Jawort geben — Papa? Doktor Villatte verdiente wohl Besseres." Der Kommerzienrat sah über seine Brille hiniveg einen Augenblick scharf in seiner Tochter Gesicht. „Hm," meinte er dann, „ich bin schon zu lange in der Welt, habe meine besonderen Ansichten über die Frauenzimmer — von deinem Kvliber gibt es lvenige. Die meisten sind Schlingpflanzen, die sich vom Winde hin und her wehen lassen. Der Villatte ist gründlich in Sylvia verliebt, und sie ist gut geartet, es wird schon gehen. JhreCapricen hat sie sowie so und würde sie zeigen, auch wo sie den Mann v«i> götterte." Erna sah auf ihren Teller und schwieg. Es packte sie «ine Angst, sie könnte sich verraten, der Vater kannte sie zu gut. Im übrigen irrte er sich diesmal hoffentlich in seinen Annahmen, es war nicht denkbar, daß Sylvia ihr Jawort gab. . Sie erhob sich, um zur Mama zu gehen. Sie wvllto Sylvia selbst aushorchen. Wer als sie zur Mama kam, war Sylvia nicht mehr bei ihr. Die Kvmmerzienrätin beendete eben ihre Morgentoilette, welche schon viel Zeit in Anspruch nahm, und empsing ihre Tochter verhältnismäßig heiter. Sie erzählte, daß Sylvia bei ihr gewesen sei und sich bei ihr ansgeweint hätte. „Dn hättest es 'mit ansehen sollen, Erna, es Ivar rührend, wie sie mich liebt. Cölestine hat ihr ja gestern gesagt, daß sie ihre Mutter sei. Wer sie hat vom ersten Denken an nur mich als solche betrachtet und kann nun ihr Gefühl nicht plötzlich ändern. Sie ftnn heute morgen, um mir das zu sagen. Mir hat das wohl getan, Erna, und das ist doch kein Unrecht. Ich fand damals, daß es eine harte Strafe für Cölestine sei, mir ihr Kind lassen zu müssen. Wenn sie sich jetzt ck>ie Liebe, die ihr gebührt, erst erobern soll —" Erna ertappte sich auf einer zitternden Ungeduld, die sonst nicht zu ihren Fehlern gehörte. Die Mutter erschien ihr so liebenswert in ihrer milden Erfassung von der Schwester Schuld und jeglichem Mangel an Haß oder Triumphgefühl. Aber hatten die beiden denn nur von der neugefundenen Mutter gesprochen und Ivar von dem Bewerber und der bevorstehenen Entscheidung zwischen ihnen gar nicht die Rede gewesen? Waren Billattes Antrag und Sylvias Gedanken ganz verdrängt? „Ich möchte Sylvia gern sprechen," sagte Erna beklommen; „du weißt, Mama, es liegen noch andere Dinge vor, über welche sie in sich klar iverden muß." „Ach ja, dränge sie nur nicht! Sie wollte schreiben, wie mich dünkt — ich habe es wirklich nicht recht gehört, was sie darüber sagte. Aber es wäre ja gut, wenn sie sich verheiratete und hier in Dresden bliebe." Die Mama nahm die Heirarsnngelegenheit sehr nebensächlich, sie dachte auch nur an sich und Sylvias Liebe zu ihr. Um sein Herz, nm sein Glück kümmerte sich hier niemand. Sylvia war nach ihrem unruhigen Fieberschlaf sehr früh erwacht und ihr erster Gedanke galt Roderich. Tante Cölestine —- nein, ihre Mutter — wie würde sie sich gewöhnen, sie so zu nennen — hatte ihr ja gestern gesagt, daß Roderich heute reise. Sie fühlte den schneidenden Schmerz von gestern wiederkehren, den diese Nachricht ihr verursacht hytce. Er liebte sie also gar nicht, er ging und verließ sie, eS kümmerte ihn nicht, was aus ihr wurde. Sie erhob sich leise von ihrem Lager und horchte an Ernas Tür. Drinnen war es still, Erna schlief noch, aber unten im Haufe war schon Leben. Sie sah nach der Uhr, es war sieben, sie kleidete sich langsam au und horchte auf jedes Geräusch. Ta wurden Koffer geschleppt, der Kutscher schirrte die Pferde an, sie hörte das Stanrpfen der Huse. Da klang auch Roderichs Stimme. Sie erbebte bis in die Fußspitzen, er erteilte Befehle, sein Ton war barsch. Sie lüftete den Vorhang, die Sonne schien hell auf die Gartenbeete, wo noch Spätrvsen blühten, es war «in schöner, klarer Morgen, und ihr war zum Sterben zu Mut. Von hier aus konnte sie den Abfahrenden nicht sehen, aber drüben aus dem Zimmer der Jungfer konnte sie den Platz vor der Haustür bis zum Ausgangstor überschauen — sie schlüpfte aus den Korridor und öffnete des Mädchens Gemach. Es war leer, die Inhaberin schon unten beschäftigt. Sie trat ans Fenster. Da — da stieg der Vater in den Wagen und Roderich nach ihm. Roderich sah blaß und finster aus und hüllte sich in seinen großen Mantel, ihn schien zu frieren. Und ihre Glieder bebten auch wie Espenlaub. Sie hörte des Kutschers Anruf an die Pferde, hörte den Magen davonrvllen, sie sah alles nur wie durch einen Nebel.. Als sie sich umwendete, blinkte ihr etwas Weißes entgegen. Es war ein Brief, der auf dem Tisch der Jungfer lag. Sie nahm ihn mechanisch in die Hand und las die Aufschrift; „An meine liebe Schwester Sylvia." Das waren Roderichs Schriftzüge. Sie nahm das Billett und eilte damit hinüber in ihr Zimmer. Die Buchstaben schwammen vor ihren Augen, sie nahm sich gewaltsam zusammen, sie mußte wissen, was er ihr noch zu sagen hatte. „Willst Du mir mein süßes Schwesterchen bleiben," schrieb er, „inü> Dich um nichts grämen und sorgen, wenn ich fern bin. Ich muß heute schon reifen und konnte Dich nicht mehr Wiedersehen. Es mochte auch für uns beide besser sein so. Ich gehe schönen, verlockenoen Zielen entgegen. Deine guten Wünsche lvevden mich geleiten, ich gedenke Deiner allezeit. Int übrigen folge Deinem Herzen und übereile nichts. Das Haus meiner Eltern bleibt Dir eine Heimat, so lange Du es wünschest, das versicherte mir der Vater noch heute morgen. Leb wohl, leb wohl! Das Reizendste, was ich in Paris finde, sende ich mit nächster Post meinem Schwesterchen. Dein treuer Bruder Roderich." Sylvia saß totenbleich und ließ langsam das Matt zu« Erde sinken. — 231 — „Dein treuer Bruder Roderich," wiederholte [ie, und schlug dann wild die Hände vor das Gesicht. Ihre nicht an Beherrschung gewöhnte Natur krümmte sich unter diesen schmerzenden Schlägen. Dieses Haus, bisher ihre sonnige Heimat, wo stets alle ihre Wünsche erfüllt waren und sie sich als verhätschelten Mittelpunkt gefühlt, erschien ihr nun. so öde und fremd — nein, nein, sie wollte, sie konnte es nicht ertragen, hier die lästige Fremde zu sein! Und die Mutter, welche sie gestellt gefunden hatte, konnte ihr keine Heimat bieten. Ein Frösteln, ein Gefühl von Grauen überkam sie, wenn sie an die heftige, zerfahrene Art dieser Mutter dachte, die keinerlei Behaglichkeit zu geben verstand. Ihr weichliches, verwöhntes Empfinden zog sich scheu und schaudernd zusammen Lei der Aussicht, daß sie all das, was ihr Leben bisher so reizvoll und sonnig gemacht, aufgeben und entbehren solle. In der Mutter unordentlichen, meist wüst aussehenden Räumen zu hausen, die seltsame Lebensweise, an welche diese gewöhnt war, zu führen, ohne Dienerschaft, mit unregelmäßigen, selbstberei- teten Mahlzeiten, das war entsetzlich! Ta dämmerte langsam, wie aus weiter Ferne, eine schlanke, freundliche Männergestalt herauf, die sie vergessen hatte — Armand Billotte! Er liebte sie, er wollte sie heiraten und aus all diesen Wirren herausnehmen. Er war ein guter, edler Mensch. Sie saß eine Weile regungslos und dachte nach — eine Ungewohnte Arbeit bei ihr. Gestern, als der Vater ihr von dem Antrag gesprochen, hatte sie nicht daran gedacht, ihn zu heiraten, o, wie ganz anders hatte sie gestern die Welt und ihre Zukunft angesehen — seitdem war ja alles umgeworfen, war ihr ganzes Glück versunken. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als Doktor Villatte zu heiraten. (Fortsetzung folgt.) Are KprimstuKe im Wogelsöerg. Skizze von A. K. Nachdruck verboten. -Wieviel ist nicht schon für und wider die Spinnstube geschrieben worden! Wohl die weiften, die sie nicht aus eigener Anschauung kennen, sind mit ihrem abfälligen Urteil rasch bei der Hand. Wird doch die Spinnstute heutzutage vielfach als die Wurzel der überhandnehmenden Roheit und Sittenlosigkeit pus dem Lande betrachtet. Und in der Tat, wer von den mancherlei Schattenseiten und Auswüchsen, die meist allein zu den Ohren der breiten Oefsentlichkeit gelangen, gehört hat, ist versucht, diesem wegwerfenden, verdammenden Urteil zuzustimmen. Wir wollen diese Schattenseiten wahrlich nicht vertuschen. Wer es wäre mu- gerecht, darüber die idealen Gesichtspunkte und, die vielen Lichtseiten zu vergessen, ungerecht schon deshalb, weil jedes einseitige Urteil allemal falsch ist. Nicht «ine Beseitigung der Spinustube etwa durch polizeiliches Verbot ift es, was nottut, — denn dann würden wir die Jugend dem Wirtshaus und der Gasse überliefern, und es wird uns nicht gelingen, etwas besseres an ihre Stelle zu setzen, — sondern eine gründliche Reformation derselben. Ihr allein kann von einsichtigen Leuten das Wort geredet werden. Doch der Leser mag selber entscheiden. Ich will ihm nicht Minuten, nun schleunigst ins Gebirge zu wandern, um zu ver- strchen, sich aus eigener Anschauung ein sicheres Urteil zu bilden. Das wird ihm schwerlich gelingen; und wenn es ihm auch gelänge, einigemal da und dort in der Spinnstube zu Gast zu jein, so wäre er am Ende nicht klüger als zuvor. Er kehrte vielleicht mit den denkbar unsinnigsten und verkehrtesten Vorstellungen zurück. Denn das angeborene Mißtraue!« und die Zurückhaltung der Landbevölkerung den Fremden gegenüber erschwert solch eigene Anschauung sehr, ja macht sie fast zur Unmöglichkeit. Und doch würde gewiß auch der Städter gern einmal einen Blick tun in diese eigenartige Einrichtung des Landvolkes. Dazu -mögen ihm die nachfolgenden Ausführungen verhelfen, die sicherlich das Interesse aller finden werden, die für Volkskunde Sinn und Verständnis haben. In eine ganz andere, ihn fremd- inxtig anmutende, poesievolle Welt wird damit der Leser versetzt. Er folge mir im Geiste in ein „Spinnhaus", d. h. das Haus, in dem die Spinustube gehalten wird. Wir treten in das Wohnzimmer, das oft das einzme des Hauses ist. In der Mitte des Zimmers hängt von der Decke herab di« Hängelampe, nm welche die „Spmnmädchen" einen jtreiä nuten. Dw Bursegen Haben sich zum Teil in ihre Reihe gedrängt, um zu scherzen und zu necken, oder sie sitzen um den Tisch, mit Kartenspiel oder Merhand Schnitzarbeit beschäftigt. Soweit ihre Kreuzer reichen, tvird dazu kmch geraucht und Bier oder Branntwein getrunken. Doch ist das für die meisten ein Luxus, den sie sich nur Sonntags leisten Wunen. Auch gemeinschaftliche Spiele, bei denen, das Ein- 18[en eines Pfandes durch einen Kuß wie überall eine große Roll« hielt, sowie lustige, meist zweistimmig« Gesänge unterbrechen di« Arbeit. Tie Spinnstube ist die rechte echte Pflegestätte des VolM- «esangs aus dem Lande. In der guten alten Zeit gab es getrennte Burschen- und Mädchenspinnstuben, Gesellfchasteu von junge» Leuten einerlei Geschlechts; ein oder mehrere Jahrgänge vereinigten sich zu einer Spinnstube. Heutzutage gibt es auch in den meisten Dörfern des Vogelsbergs, wo sich die alten Sitten doch am längsten und zähesten erhalten, keine getrennten Burschen- spinnstuben mehr. Während früher die Burschen erst abends um 9 Uhr die Spinnstube ihrer Mädchen aussuchten, vorher aber einige Stunden lang ihre Spinnstube für sich hatten, kommen sie jetzt sofort mit beit Mädchen in gemeinsamer Spinnstube zusammen, nur daß sie statt um 6 Uhr sich erst gegen 8 Uhr des Abends einsiuden. Die Spinustube dient einem doppelten Zweck. Was ihn Name sagt, soll sie vor allem eine gemeinsame Arbeitsstätte sein, in ter die Mädchen — früher auch die Burschen — für ihre Familie oder Dienstherrschaft fleißig das ihnen aufgegebene Pensum spannen. Gesponnen wurde Flachs und Wolle. Doch da der Flachsbau fast ganz verschwunden ist, wird auch das Flachsspinnen immer seltener. Früher galt es als ein Ruhm für eine junge Braut, wenn ihre Eltern ihr ganze Kisten und Kasten selbstgesponnener und selbst- aewebter Leinmand und Kleider als Brautgabe spenden konnten. Wenn unsere heutige Dorfjugend einmal selbst in die Lage kommt, Töchter ausstatteii zu müßen, dann wird die Fabrikware die Stelle des Selbstgespoimenen einnehmen. So wird auch das „schäfftig" Gewand, das Alltags- und Arbeitskleid des Bauern, trotz seiner Unverwüstlichkeit immer mehr der neumodischen Fabrikware Platz machen müssen. Auch die Schafzucht hat sehr nachgelassen, die mancherlei sanitären Vorschriften gegen die Viehseuchen sind mit der Grund, weshalb in gar manchen Dörfern keine Schafherde, dieses Idyll des Landlebens, mehr zu sehen ist. Man muß sich vielfach auch die Wolle zum Spinnen kaufen und vom Kausen ter Wolle bis zum Kaufen des Garnes ist nur ein kleiner Schritt. So gibt es heutzutage schon viele junge Mädchen, auch in den einsamen Dörfern, in dem oberhessischen „Sibirien", die das Spinnen gar nicht mehr lernen. Wer nicht spinnt, hakelt oder strickt oder näht. Es ist lebhaft zu bedauern, daß das Spinnrad immer mehr auch aus den Spinustuben verschwindet. Denn bei dem Schnurren der Räder läßt sich gar traulich plaudern. Ein Stück Poesie geht damit auch der Spinustube verloren. Auch mancher Anlaß zu harnilosem Scherz und Stecken hört damit auf. Die Burschen pflegen den „Knecht" oder auch den Rocken vom Spinnrad abzuhängen, daß die Mädchen nicht mehr weiter spinnen Wunen und diese Dinge mit einem Kusse wieder einlösen müssen. Aber nicht nur Arbeitsstube ist die Spinnstube, sie dient auch in gleicher Weise ter Geselligkeit für die ledige Jugend. Sie sind nichts anderes als die „Tanzstund", „Gesellschaften", „Bälle" u. dgl. der Jugend auf dem Lande, nur daß alles viel ungenierter und ungezwungener als bei diesen zugeht. Doch soll damit keineswegs gesagt werden, daß die Geselligkeit nun ausarten müßte; daS gehört in einem ordentlichen Spinnhause doch zu den Ausl- nahmen. Neben Neckerei, Scherz und Spott hat hier ter „Dorfklatsch" eine Heimstätte, ganz wie bei den „Kaffeekränzchen" der Stadtdamen. Hier ist auch die Gelegenheit, wo „Bekanntschaften" angekuüpst untezu „Verhältnissen" verdichtet werden, wo Bursch und Mädchen sich täglich sehen und in freiem, ungezwungenem Verkehr nach ihren Vorzügen und Fehlern kennen lernen. Welche Poesie hastet dadurch ter „Spinustube" an. Wer darüber genaueres lesen will, ter greife zu den Werken des bekannten neuesten Volksschriftstellers H. So hnrey, der in lieblichen Erzählungen, z. B. in „Rosmarin und Häckerling", bäuerliche Liebesgeschichten aus Niedersachsen,, und anderen diese Idylle unerreicht lieblich und lebenswahr schildert. Doch das Leben in teil Spinustuben fließt nicht ganz so eintönig und gleichförmig dahin — die Spinustube hat auch ihre „Feste", Höhepunkte im Leben ter Landjugend, die bann auch mit Tanz und Gelage gefeiert und gründlich genossen werten. Solche Festtage sind: Die Eröffnung der Spinustube, der „Eanzog" oder die „Jnweihing", die „lang Stocht", der Abend des 21. Dezember, der „Scheidowe t" (Scheideabend) am Abend des 2. Christtages, ■ weil am 3. Feiertag als am „Schirztag" dus Dienstpersonal wechselt, d. i. „schirzt" (= schürzen). Das ist ein festlicher Tag. Die Spinnstubengesellschast gibt den Kameraden das Geleit von der alten zur neuen Herrschaft, oft von Dorf zu Dorf; in feierlichem Zuge tragen die Burschen die Kasten, die Mädchen die Körbe unter fröhlichen Gesängen und befördern so die Habseligkeiten der DienM b t.n zur neuen Herrschaft, wo sie mit Branntwein, Wurst und Brot bewirtet werden. Wehe dem, ter sich bei solcher Gelegenheit knauserig zeigt. Natürlich wird auch der „Noujohrschowet" festlich begangen. Das größte Fest ist aber die „Faßnacht", die m manchen Dörfern von Dienstag bis Freitag gefeiert wird. Am Montag werden die Kuchen, deren Zahl meist 20—30 betragt, gehauen. Die Mädchen stiften dazu das Mehl, außerdem Kaffee, auch Sauerkraut und Speck, die Burschen Branntwein und Bier $u festlichem Gelage. Aut Haupttage, dem Fastnachtdienstag, geht es vom frühen Mittag bis zum frühen Morgen hoch her. Der Tanz — meist nach der Ziehharmonika — tritt hier vor allem in seine Rechte. , ,, Wieviel kommt doch darauf an, in welchem Haufe die Spinn- stnbe gehalten wird. Wieviel kann der „Spinnherr" und di« „Spinnsrau" doch wirken, daß der gute Ton gewahrt wird, wenn ste.au? Zucht und Ordnung halten. In ter Wahl des Spinnhauses liegt eine große Gefahr und zugleich sehr ost die Ursache des Verfalls. Die fogeuannten „Wauterspiunstuteu", die ursprüngliche Art, werden immer feltener und je wohlhabender 232 ein Dorf ist, desto weniger findet man sie. Bei ihnen wechselt das Hans von Woche zu Woche unter den Eltern der Mädchen und Burschen sowie der Dienstherrschasten. Diese nehmen bte Spinngesellschaft unentgeltlich auf und, weil sie selbst einen Sohn oder eine Tochter dabei haben, sehen sie auch allermeist ans Zucht rind Ordnung und haben auch mehr Respekt bei den jungen Leuten. Doch diese Art Spinnstnben verschwinden mehr und mehr. Biele Familien geben sich nicht mehr dazu her, sie furchten den Schmutz, den Lärm und die Unruhe, die unausbleiblich wären; man kann's ihnen kaum verdenken. Da geht es denn im Herbst, etwa von Martini, wenn die Feldarbeit beendet ist und die Dreschmaschine das Dorf verlassen hat, auf die Suche nach einem Spinnhanse. Natu^emätz sind es meist die Armen und Aermsten, die ost nur eine Stube ihr eigen nennen, und meist mcht dre besten, die sich bereit finden, die Spinngesellschast aufzunehmen. Denn das ist ein einträglich Geschäft: Licht und Brand ward von der Spinnstube gestellt; zu Neujahr und Geburtstag werden Spinnherr und Spiunfrau mit schönen Geschenken bedacht und festlich bewirtet: bei den Gelagen an den Festtagen der Spinnstube sind sie ständige Gäste; voll dem gespendeten Branntwein oder Bier trinken sie mit; die Eltern und Herrschaften müssen ihr Fuhrwerk für Holzholen oder für landwirtschaftliche Zwecke versprechen. Kein Wunder, daß sie sich in Abhängigkeit fühlen von ihrer Spinngesellschast, daß sie es kaum wagen, ein ernstes mahnendes Wort zu sagen, daß sie sich schon viel Siirnt und Ueber- Mi!t gefallen lassen. Tie unausbleibliche Folge davon ist, daß die besten Bauernfamilien immer mehr ihre Kinder von der Spinustube fernhalten, weil sie sie nicht in guten Händen wissen, und in den reichen Bauerndörfern wird in nicht zu ferner Zeit die Spinnstube nur noch von den Kindern aus den geringen Familien und aus Knechten und Mägden bestehen. Ganz vev- schwindm lvird sie aber 'auch da nicht, weil die Herrschaften ihre Dienstboten an den langen Winterabenden nicht gern, um sich haben, ihnen nie ein Heim an ihrem Familientische bieten würden, weil sie sich in der "freien offenen Aussprache beengt fühlen, ihnen aber auch kein besonderes Zimmer heizen wollen Auch Stolz und Hochmut mag sein gut Teil dazu beitragen, daß die „dicken" Bauern ihre Kinder nicht mehr teilnehm-en lassen — denn auch auf dem Laude werden die Klassenunterschiede immer gröber. Zur Reformation der Spinnstube ist darum das vor allen Dingen notwendig, daß sie nur in den besten und gediegensten Familien mit Aussicht und Zucht untergebracht werden, daß die Eltern darauf ihre größte Aufmerksamkeit richten, daß aber auch die guten Elemente aus beit besten Häusern sich nicht in. Hochmut und Eigendünkel zurückziehen, sondern durch ihr Beispiel er» ziehe risch bessernd und fördernd auf den Ton der Spinustube entwirren. Tie einzelnen Sitten und Gebräuche sind von Dorf zu Dorf verschieden. Allgemein aber darf man sagen, daß die Spinnstube gegenwärtig im Niedergang begriffen rst. Ihr Aussterben aber ist nicht zu wünschen. Vielmehr tut eine Veredelung allenthalben gründlich not, die freilich nicht von der Polizei, auch nicht von Pfarrer und Lehrer ausgehen kann. Da müssen einsichtige Eltern, denen das sittliche Wohl ihrer Kinder am Herzen liegt,, selbst das Beste dabei tun. Wären die Spinnstuben, was sie in der guten alten Zeit waren und was sie sein sollten, waltete überall der rechte Geist in dem Spinnhanse und der Spinngesellschast, dann wären sie die idealsten Jugendvereine auf dem Lande, wie man sie sich nur wünschen kann, und könnten mit den „Jünglings"- und „Jnngfrauen-Bereinen", die man heute aller- wärts zu gründen sich bestrebt, getrost konkurrieren. Denn in ihnen fänden wir dann alles vereint, was die J-reunde der Jugend für sie erstreben, edle Geselligkeit und Beschäftigung, Arbeit, Lust und Freude. Freilich bringt der tägliche ungezwungene Verkehr beider Geschlechter auch mancherlei Gefahren und Versuchungen mit sich, wenigstens für alle, die keinen inneren sittlichen Halt haben; und wenn auch die Spinnstube selbst sich noch fast überall in den Schranken der Sittlichkeit sich bewegt, so \ darf man doch nicht verkennen, daß sie in ihrer heutigen Form nicht ganz unschuldig ist an dem gegenwärtigen moralischen Niedergang der Dorsjugend. vermischter. * R o m a n, Originalität und B ü ch e r m a r k t. Einen interessanten Vergleich zwischen deutscher und englischer Scbrist- stellerei zieht der Schriftsteller Pros. Dr. A. E. Schönbach in einem Artikel „Des Schriftstellers Lebensfahrt" in der Monatsschrift „Hochland", indem er den Beobachtungen des Engländers Lorimer seine eigenen gegenüberstellt. Was den Roman als buchhündle- riscben Zugartikel angeht, herrschen iimDeulschland und England ähnliche Verhältnisse. „Nichts entscheidet die Uebernahme eines Werkes durch einen tüchtigen Verleger als dessen Werk, das heißt die Verivertbarkeit aus dem Büchermärkte. Welche Qualitäten ein Roman besitzen muß, um den Buchhändler, der sein Geld dabei riskiert, zur Annahme des Manuskriptes zu bestimmen, darüber bietet Lorimer etliche sehr gute Bemerkungen. Gewiß muß ein Roman, sagt er, originell sein, aber doch nicht zu originell. Es gibt Leute, meint er mit einem echt englischen Vergleich, die so sehr an konservierte Milch gewohnt sind, daß sie irische Milch von der Kuh weg gar nicht mehr vertragen, weil ihnen der Geschmack der Borsäure fehlt. Alles ivirklich Originelle, dürfen wir hinzufügen, bereitet der Aufnahme Schwierigkeiten; man muß sich damit erst abftnden, es den Organen assimilieren ; das Ueberraschende dabei wird zuerst als unangenehm empfunden; es fordert Anstrengungen. Das erklärt sowohl den Widerstand, den alle großeii Neuerer in der Kunst- entivicklung finden, als auch den Erfolg, der Werken beschieden ist, welche gerade die dem Gaumen des Publikums genehme Mischung von Altem und Neuem aulweisen. Ein Romaii, will er die Massen der Leser geivinnen, muß der Hauptsache nach in den herkömmlichen Geleisen verlausen; er soll freilich auch an bübschen Pimkten vorübersühren, die noch nicht bekannt sind, und darf gelegentlich eine interessante Wendung plötzlich nehmen, allein nicht , zu oft; denn dadurch würde die angenehme kleine Spannung gestört, mit welcher das kaufende große Publikum dem Laufe der Erzählung folgt. Starke Gemütsbewegungen sind unbequem, und das Widerstreben, das z. B. dem bebentenben Buche „Jesse und Maria" entgegengebracht wurde, versteht sich gewiß daraus, daß die Verfasserin aus diese Bedürfnisse der großen Lesermasse keinerlei Rücksicht nahm. Lorüner behauptet sogar, ein gewisser TurchschnittS- eriolg werde einem Roman dadurch gesichert, ivenn ein originelles Werk, daS dem Publikum gefüllt, darin nacvgebildet sei; er empfiehlt daher dem Anfänger, seine Erzählung dem Verleger deS Autors anzubieten, den er eben nachgeahmt habe. Ta werde es sich sofort weisen, ob die Prozentsätze von Ueberlieserung und Originalität bei der neuen Arbeit sich in dem richtigen Verhältnis befinden, das guten Absatz Vorhersagen läßt." * Ein Bettler kriegt in einem Bauernhause ein Stück Brot, das er mit den Worten in Empfang nimmt: „I sag' Euch iausendinal Dank." — „Tas ist zuviel," erwiderte die Bäuerin. „Nanu," entgegnete der Bettler, „so gebt mir für den Nest noch 'n Käs." Reife». — Billige Reisegelegenheit nach den Gest ade tt des Mittel meeres bietet die „Vereinigung für deutsche Mittelmeerfahrten". Für dieses Jahr ist ein Besuch der ethnographisch, künstlerisch und landschaftlich hervorragendsten Stätten des westlichen Mittelmeerbeckens geplant. Die Mise soll mit 16. Juli in Marseille beginnen und über Barcelona und Palma auf den Balearen nach Algier, Tunis und Carthago und über Sicilien (Palermo, Mvnreale, Taormina, Messina) nach Salerno, Neapel und Rom und schließlich über Corsica nach der Riviera gehen und am 3. August in Genua enden. Ein französischer Dampfer ist für die Fahrt gechartert. Es handelt sich dabei um kein geschäftliches Unternehmen und nur dadurch ist es möglich "geworden, den Preis der ganzen nennzehutägigen Rundfahrt einschließlich der guten und reichen Verpflegung, der Wageu- fahrten, der Unterkunft am Laude, der Führung, etwaiger ärztlicher Behandlung re. auf 315 Mk. zu beniesten. Die „Vereinigung für deutsche Mittelmeerfahrten", ein freier Bund von Damen und Herren aller Stände, hat das Ziel, den echoluttgs- bedürftigen Kaufleuten, Beamten, Lehrern usw. Seereisen nach dem Süden zu erschwinglichen Preisen und in aller Bequemlichkeit, ohne besondere Vorstudien zu ermöglichen. Unseren Lesern, die sich für die Fahrt interessieren, empfehlen wir, sich Prospekte kostenlos von dem Schriftwart der Veremignug, Lehrer O. Hinz in Charlotteubnrg, Kirchstraße 35, kommen zu lassen. Charade. Nachdruck verboten. Wenn wir die ersten Zwei innig beklagen, Müssen wir auch noch der Dritten entsagen. Die alle Herzen mit Freude erfüllt. Ader wenn jene urplötzlich erständen Und zu der Drillen zusammen sich fänden — Himmel I Welch' schaurig-phantastisches Bild t Nimmer erschau'» wir in Wahrheit das Ganze, Alaler nur schildern's in farbigem Glanze, Altmeister Goelhe besang es im Lied. Auch ein französischer Meister der Töne Schuf aus Akkorden ein Abbild der Szene, Die unS mit Schauder bewegt das Gemüt. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Bilder-RätselS in voriger Nummert Auf hoher See wirft niemand Anker. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UnwersitätS-Buch- und Steindruckeretz R. Lange, Gtetze»