1907 ZMilrosH deu 19, Avni LZ8 k^r'W S3 w MH MsÄRMW K«WW MWW I I «MW Nsr'-WMIilW Jucken unter der Asche- Roman von M. Proßnitz (M. Nöreuberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt. 1. Kapitel. Mit der ihr eigenen ruhigen Freundlichkeit trat Tjäginar von Rolfsen an den herzoglichen Wagen, dessen Schlag der Lakai dienstbeflissen öffnete. „Ich möchte noch eine halbe Stunde spazieren fahren, Tett- mann!" „Sehr Wohl, Baroneß!" Sorgfältig legte der alte grauhaarige Diener die Decke über, während die Hofdame nochnmls nach oben winkte. Dort stand Frau von Borgwardt, die Gattin des herzoglichen Adjutanten am Fenster, ihr blondes Elslein auf dem' Arm, und sah der davon- fahrenden Freundin nach. . ! - Es war ein liebliches Bild, die zierliche junge Frau mit ihren Leiden hübschen Kindern, denn wie gewöhnlich stand Harro, der dreijährige Stamimhlalter, neben der Mutter auf einem Stuhl und driickte sich das Näschen schier platt an der Fensterscheibe, u'mi die braunen Hottepferde von Tante Dagmar ordentlich zu begucken! L1' Noch ein letztes fröhliches Nicken und Grüßen — fort rollte öer Wagen! — । Dagmar lehnte sich tiefer in die weichen Polster des offenen Landauers, während ihre Gedanken bei der Freundin weilten. Ein Zug von Sehnsucht glitt über ihr schönes, kluges Gesicht als sie des trauten Familienlebens gedachte, welches sich dort, ihren Blicken geboten hatte. Wie gut die Gatten einander verstanden! Und dann die beiden reizenden Kinder! — Ein leiser Seufzer stahl sich über Dagm'ars Lippen. Es war doch etwas- Großes und Schönes, um so ein echtes, warmes Familienglück! Nur daß es nicht jedem beschieden war. — Ah bah! Fort mit den sonderbar weichen Gedanken! Energisch richtete die Sinnende sich empor. Grade zur rechten Zeit, um den Gruß einer ganzen Reiterschar zu erwidern, welche unter lustigem Lachen und Sprechen die Jägerallee herunter- getrabt kant. Mit aufmerksamem Blick überflog Dagmar die Offiziere. Rittmeister von Sprenger und Oberleutnant von Hagclitz verneigten sich mit jener leichten Vertraulichkeit, wie sie bei langjährigem gutot Kvnnen ganz natürlich ist. Ober- leutnant von Duckwitz und Rittmeister von Aschoff grüßten offenbar den herzoglichen Wagen, ohne die Insassin zu erkennen, während der flotte, lustige Hans von Schmieden höchst fidel Mit der Hand winkte, indem er übermütig rief: „Welch Glück, Baroneß!" Unwillkürlich lachte Dagmar leise auf. Dieser Schlingel! Ob er sich wohl je im Leben so benehmen würde, wie es der sogenannte gute Ton verlangte? Ach das konnte von dem anch Nur jemand erwarten, der ihn weniger gut kannte als Dagmar! Aber wer war der andere Offizier, der neben Schmieden ritt? Er kam ihr eigentümlich bekannt vor. Wer nwchte es sein? Wenn man wie sie acht Jahre in derselben Stadt als Hofdame lebte, lännte tnian doch jeden Offizier der Leibulanen! Sie hatte doch so scharfe Augen! Sonderbar, wer mischte das ge> wesen sein? Ohne daß Dagmar es bemerkt hatte, befand sie sich schon' auf dem Weg nach beut Schloß. Sie zog die Uhr aus dem Gürtel. Wahrhafttg schon fünf! Da war es auch die höchste Zeit heimzukehreu. Freilich begann der Hvfball erst um acht Uhr, das Gefolge versammelte sich jedoch, auch wenn man wie Dagmar heute nicht Dienst tat, schon eine halbe Stunde vor, her in den Räuinen der Herzvgnt-Witwe. Wlzuviel würde alsv i nicht mehr aus ihrem geliebten Dämmerstündchen werden. ' ! und wie gern sie so still mtb versonnen am Kamin saß und träumend in die rote Glut starrte! . . . Eilig stieg sie die Treppe zu ihrer Wohnung empor, wo die Jungfer ihr gewandt die Sachen abnahm. „Es fehlen nur noch die Kerlenschnüre, Baroneß, alles andere legte ich schon heraus." „Es ist gut, Anna, ich werde sie holen. In einer Stunde' will ich umgekleidet werden." Geräuschlos schloß die Jungfer die Tür. Langsam wandte sich Dagmar dem Spiegel $it Ernst und prüfend betrachtete sie sich. Also das war im Lause der Jährd ans der schönen Dagmar, dem Stern der Mattstedter Geselligkeit geworden! Wo war der srohe glückstrahlende Ausdruck der Augen, das heitere Lächeln geblieben? Ja, die Gestalt war grade so schlank itttb ebenmäßig, die Haltung rwch ebenso leicht, und graziös wie damals, zu jener unvergeßlich schönen Zeit, da das junge und liebliche Töchterchen des Regiments-Kommandeurs der erklärte Liebling aller verheirateten und unverhei--! rateten Husaren gewesen war — damals, wo alle einstimmig! die anmutige Bescheidenheit der reizenden „Dagmar" zugestauden l, Ms könne sie den Faden ihrer Gedanken abschtveiden, fuhr sie mit der Hand durch die Lust — vorüber! — Vorüber! — Leicht gesagt zu den Erinnerungen — schwer! ausgeführt in Wirklichkeit. Dia kmn'en die kleinen Geister der Beris gangenheit und fingen an zu wispern und zu flüstern, wahrend Dagmar mit raschen Schritten am ihren Schreibtisch ging, um die zierliche kleine Truhe zu öfflten, die ihre größten Kdstbach, leiten — zwei Briefe — jeder von einer andern Hand hech rührend — und eine alte herrliche Perlenschnur enthielt. Mit lautem Knack sprang das Kunstschloß endlich auf. Wahrhaftig cs hatte sie Mühe gekostet, die sonderbare Mechanik spielen! zu lassen. Dagmar lächelte trübe. Wer ihr das früher gesagt hätte, daß sie so selten die Truhe öffnen würde, daß der dazu nötigt Kunstgriff ihr fast aus dem'Gedächtnis kam. — Ach, wenn doch lieber die Erinnerung an den Geber ihr entfallen wäre! dlber init greifbarer Deutlichkeit steht der Leutnant von Uchdorf vor ihren geistigen Blicken. Sie sieht wieder den kleinen kurzgc- halten en Schnurrbart tiber den weißen Zähnen — fühlt di«! heißen Blicke seiner braunen Augen, die so klar und deutlich sagen: „Dich lieb ich, nur dich allein — du mein alles, nteine Dagmar!" Hah! wie die Farbe seiner Augen wechselt! Jede Seelen, regung laßt sie anders — bald Heller, bald dunkler ausfeheir, immer aber erscheinen sie ihr gleich schön! -5 — 354 — Er hatte ihr nie „Sen .Hof gemächt", wie man so sagt, aber wo sie war, dsi war er auch. Mit erstaunlicher Geschicklichkeit verstand er auf fast allen gesellschaftlichen Veranstaltungen mit ihr zusammen zu treffen. Sein strahlender Blick grüßte sie zuerst, wenn sie ins Zimmer trat. Ob die andern diese heimliche Zwiesprache merkten? Dag-- mar wußte es nicht. Es Ware ihr auch gleichgültig gewesen, denn daß sie jeder um den Geliebten beneidete, hätte sie in ihrem seligen Stolz nur natürlich gefunden. Was fragte ihr Herz danach, daß er einer der Reichsten unter den Kameraden war? Und dann kam das Regimentsfest — ein großer Kostüm- ball, zu welchem zahllose Einladungen ergangen waren. Erdrückend voll wars in den großen Räumen. Da trat Dagmar, schön wie ein Märchen, in den Saal, mit leuchtenden Augen, die Wangen von rosigem Schimmer überhaucht. Ein glitzernder blaßblauer Stoff umfloß in Weichen Falten ihren schlanken Körper. Ihre langen, goldblonden Haare, deren aufgelöste Pracht fast bis auf den Saunr des Kleides reichte, waren von Perlenschnüren durchflochten. Sie aber hörte nicht das erstaunte Flüstern, Vernahm nichts von dem beifälligen Gemurmel — sie sah nur ihn. Und was seine Augen ihr sagten? Liebe — Liebe — Liebe. — Da stieg dem kühlen Nixlein ein feines Rot in die Wangen nnd das Rot iviard zur L>he — und die Augen gaben seinen Augen Antwort :--- hold und wunderselig . . . Sacht wandte sie sich nach einiger Zeit und schlich vorsichtig in den Palmensaal. Der lag weitab vom Lärm des Festes, hinter dem Wintergarten. — Und der eine, der es merkte, tat ebenso. . . Kein Wort sprachen die beiden anfangs. Dann beugte er, der ihre hohe, schlanke Gesisalt um ein Beträchtliches überragte, sich langsam nieder und küßte sie, so ehrfurchtsvoll wie inan ein Heiligtum berührt, und doch so heiß und leidenschaftlich wie es nur glühende, voll begehrende Liebe kann . . . „Laß uns wieder %it den andern gehen," bat sie endlich leise, „man könnte sonst unsere Abwesenheit bemerken." Er lachte froh. „Was schadet das, mein Schatz? Lange dauert-es ja doch 'nicht mehr, dann erfährt es die staunende Welt, daß die stolze Baroneß Rolfsen, eine einfache Frau von Uchdorf werden will." Sie blickte ihn strahlend an. , „Wart, du Böser, zur Strafe sollst du noch drei Tage dein Glück geheim halten. O das wird ein Hauptspaß, wenn dann die Leute kommen und mir zum Geburtstag gratulieren wollen und wir sagen dann ganz ehrbar: „Ach, Sie meinen wohl zur Verlobung?" Sie lachte silberhell. „Aber fomm, jetzt müssen wir wirklich gehen." Er zog sie nur fester an sich. , /»Nein, mein Herz, noch nicht, denn" — er lauschte — „jetzt wrro grade die Quadrille gespielt. Nachher, wenn der Walzer klmgt. Lachend summte er die Melodie ihres Lieblingstanzes: -„Liebchen, &min mit in das duftige Grün." ,, blieb sie. Ach wie gern! „Liebchen, komm mit in das duftige Grün," war Ms seine fröhliche Antwort auf ihr Mahnen — bis der Walzer klingt. - Walzer erklang. Ob es grade der erste war nach jener Quadrille? Wer von ihnen hätte mit dem andern darum gestritten? Und als er dann ertönte, gingen sie in den Saal Md tanzten zusammen. O himmlisches Gleiten und Wiegen! Langsam! kehrte DagMar in die Wirklichkeit zurück und n^uute. Wie konnte msin nur in so kurzer Zeit so unendliches Glück durchkosten, wie sie es eben empfunden hatte? Im Voll- gefuhl ihres Glückes hätte sie jubelnd die Arme ausbreiten Nijögen. Wie schön, wie wunderschön war doch das Leben' Tie Geigen lockten imd sangen zum Tanz. Rascher rollte den beiden Glücklichen das Blut durch die Adern. Feuriger ward sein Blick, zärtlicher ihr Lächeln. Glückselige Gegenwart — voll ausgekostet! „Auf die noch glücklichere Zukunft." Mit siegesfrohem Lächeln hob er Bei Tisch die Sektschale M ihr hin. Leise klirrte das feine Kristlall zusammen — Dagmars Glas ging in Scherben. — „Auf morgen," suchte er i)ie plötzlich Erblaßte zu trösten. Da kachelte sie gläiibig zu ihm auf. ( ft u, das schöne „Morgen" kam. Ter Oberst gab Uchdorf bewegt die Härlde seines einzigen Kindes. Wenn er auch im Grunde fernes Herzens froh war, die Zukunft TagMarÄ durch diese in lebet Hinsicht glänzende Partie gesichert zu sehen, so b.ettl ..sartlicheii Vater, doch schwer, schon so bald m die Hochzeit, sie sollte in acht Wochen sein, zu willigen. -,Eiu ' stück, daß ich euch noch die zwei Tage bis zu DagMars Geburtstag für mich habe," hätte er halb wehmütig gemeinf „Nachher ist doch so viel Trubel, daß man kaum zur Besinnung kommt." Zwei volle Tage in Glück und Frohsinn hatte das heiM- liche Braiitpaar genossen. Tann kant Uchdorf am Morgeii ton Dagmars Geburtstag schreckensbleich angestürzt. Er war bettelarm! — Sein Vater, welcher zusammen mit seinenl Vetter, denk Majoratsbesitzer von Uchdorf, die Verwaltung des großen Fannlien- stiftes leitete, mußte mit diesem für die Unterschleife ein- treten, welche der Rentmeister feit Jahren in überaus geschickter Weise begangen hatte. Er verlor dabei fast fein ganzes Ver-- mögen. — Tas war die Hiobspost, die Uchdorf brachte. Es waren schreckliche Stunden, die nun folgten, denn mit eiserner Energie bestand Tagmars Vater darauf, daß die Verlobung aufgehoben wurde. Lange faßen die beiden Männer in tiefernstem Gespräch zusammen. Und als sie aufstanden, liefen dem Oberst die hellen Tränen in den Bart. »Es ist das einzig Richtige, Uchdorf. Ich weiß, was es Sie kostet, diesen Schritt zu tun, und ich achte Sie darum nur noch höher. Glauben Sie mir, ohne Geld ist eine Offiziersehe nur ein glänzendes Elend — und außerdem müßten Sie min- destens zwölf Jahre bis zum Rittnieister erster Klasse lvarten. Ich ioerde Tagmar das auseinander zu setzen suchen. Schreiben Sie ihr." • Mit festem Händedruck schieden die beiden Männer voneinander — auf Nimmerwiedersehen — denn noch während seines sofort angetretenen Urlaubes erhielt Uchdorf feine Versetzung nach Ost- Afrika und bei seinem Abschiedsesseil fehlte der Oberst. Eine anscheinend. leichte Erkältung zwang ihn aufs Krankenlager, von welchem er sich nicht mehr erheben sollte. Vierzehn Tage später, als Uchdorf längst lauf dem großen Wasser schwamm, gaben die trauemben Husaren ihrem hochverehrten Kommandeur das letzte Geleit . . . Völlig betäubt durch die Wucht der Schicksalsschläge staud Tagucar da. Sie fror bis ans Herz ... so miitterfeefatnllein! — Auf Einladung ihres Vormundes, des Grafen Heringen, blieb sie während der ersten Hälfte des Trauerjahres in dessen Hause. Teil Bemühungen seiner liebenswürdigen Gattin hatte sie auch ihre jetzige Stellung als Hofdame zu danken, die es ihr ermöglichte, in standesgemäßer Weise ihren Unterhalt zii erwerben. Da die Herzogin ein verblüffend hohes Gehalt zahlte,^ war sie int Verein mit dem geringen väterlichen Erbteil doch, bei einfachen Ansprüchen wenigstens, vor Sorgen geschützt. Dagmar seufzte. Vor Sorgen ja. Tas war aber auch alles. O wie dies ewige Einerlei sie manchmal ermüdete! Vorlefen — Besuche machen — oder empfangen — mit der Herzogin spazieren! fahren — wieder vorlefen —■ Theater — ober wie heute Hofball — und da mußte man erscheinen! Gedankenvoll nahm Dagmar jetzt die Perlenschnüre aus der Truhe. Dann drückte sie den Deckel nieder. Mit einem eigentümlich hellen scharfen Knack schnappte das Schloß zu. Langsam ging Dagmar zum Kamin, wo sie sich in den bequemen Polsters- stuhl sinken ließ. (Fortsetzung folgt.) AieIuöUäums-ZusstkCungeKmWannheim1W7. (Original-Artikel der „Gieß. Fam.-Bl."). Das eigentliche Ausstellungsgebiet für die diesjährige große Mannheimer Gartenbau-Ausstellung, deren Gesamtleistung dem Professor Länger- Karlsruhe übertragen wurde, ist, abgesehen vom Friedrichsplatz, die Augusta-Anlage und das seitlich davon tiefer gelegene Baugelände. Wie fast in ganz Mannheim, so sind auch die für die Ausstellung bestimmten, verhältnismäßig kleinen Flächen rechtwinkelig, und in diese Rechtecke sind wieder kleinere als Soudergärten hineinkonstruiert, eine Schachtelei ohne Ende. Gewiß muß man mit beit gegebenen Verhältnissen rechnen, aber wenn der große Vergnügungspark mit für die Gartenbau-Ausstellung benutzt worden wäre, fo hätten die einzelnen Abteilimgen mehr auseinander gezogen und dadurch hätte eine ruhigere, größere Wirkung erzielt werden können. In dem Katalog steht, es lasse sich darüber streiten, ob die Attraktionen in eine Ausstellung gehören oder nicht; ich meine jedoch, man sollte sich darüber klar fein, daß ein Juxplatz nicht in die Ausstellung gehört, wenn letztere ihren eigentlichen Charakter bewahren soll und besoitders, wemt der Raum so beschränkt ist wie hier. Die Hamburger Ausstellung von 1897 war großzügig. In das wellige Gelände mit See, großen Rasensiächen und schönen! Baumgruppen, fügten sich die Blumenbeete, die Obst- und Nutzbaumpflanzungen zwanglos ein, und die mächttge Blumenhalle war zeitweise sehr wirkungsvoll und harmonisch mit blühenden Pflanzen .ausgeschmückt. Auch die Ausstellung in dem schönen — 355 Parke der Orangerie zu Darmstadt 1904 war vollendet in der Wirkung. Die Ausstellungsbeete, Treibhäuser, Sondergärten waren so geschickt angebracht, daß das Gesamtbild des streng angelegten Parkes völlig gewahrt blieb. In Mannheim ist der Friedrichsplatz am wirkungsvollsten, obgleich anzunehmen ist, daß er unter normalen Verhältnissen ohne Hauptrestaurant und Absperrzaun ruhiger und großzügiger wirken würde, da daun ja auch die Architektur der umgebenden Häuser mehr zur Geltung käme. Gleich am Eingang sind zu beiden Seiten zwei große Rosenbeete, die nach Farben obgestimmt sein sollen; dieser Genuß steht den Besuchern zur Zeit der Rosenblüte noch bevor. Nm das große Wasserbecken und an den Rändern der Rasenplätze waren Tulpen gepflanzt, deren Blütenpracht leider dahin war, von deren Wirkung man sich aber noch annähernd ein Bild machen konnte. Auf der Augusta-Anlage sind einzelne dekorativ angelegte Blumen- und Rosenbeete. Ans Ende der eigentlichen Ausstellung ist ieiit Reklame-Pavillon der Sunlightgesellschaft hingestellt, der seine Wirkung zwar in keiner Weise verfehlt, sympathischer wäre es aber, wenn dieser Pavillon zur Aufnahme von Blumen, nicht zur Reklame von Seife diente. Seitlich von der Anlage, etwas niedriger, liegen vertiefte Farbengärten, die zurzeit gerade uichts besonderes boten. Noch etwas tiefer zwischen zwei Alleen, im äußeren Winkel begrenzt von den Hallen für gewerbliche, Obst-, Palmen- und wissenschaftliche Ausstellungen, befinden sich die .Sondergärten. Den richtigen Eindruck von diesen Gärten hat man noch nicht, da an vielen Stellen noch gebaut wird und viele Pflanzen durch die ungünstige Witterung in der Entwicklung gehemmt sind. Zwischen den parallel laufenden Baumreihen ist zunächst der zwanglos angelegte Garten von Goos und Könemann, die ihre schönen bekannten Staudengewächse vorführen. Daneben befindet sich der größte dieser Gärten von bcnt bekannten Keramiker Prof. Laug er, durch niedrige Mauern und Hecken eiugeteilt rn verschiedene Abteilungen, die teils wirkungsvolle Teppichbeete, teils Laubengänge enthalten. In der größten mittleren Abteilung ist. ein offenes Sommerbad aus Marmor und ein Badehaus für den Winter. Plastik und Keraniik sind verschiedentlich angewandt. Die Idee ist ganz interessant, aber das Ganze wirkt nicht einheitlich genug, zu sehr abgebuchtet. Das Gleiche gilt von dem anstoßenden Garten von Professor Behrens. Von der Terrasse des erhöht liegenden Gartenhäuschens überblickt man die Anlage. In der Mitte ist ein großes Blumenbeet, seitlich davon Rasen und daran grenzend stehen streng geschnittene Kulissenwände von -phuia, die je drei Gänge bilden mit kleinen Springbrunnen am .Ende. Ringsherum zieht sich ein weiß gestrichenes Holzgitter, das die Hecken überragt. An Reiz fehlt es dieser Anlage gewiß nicht, aber wer Arbeiten von Behrens kennt, wird sich eine Vorstellung davon machen können, wie geometrisch streng sein Naturtheater gehalten ist. Die von der Darrnstädter Ausstellung her so vorteilhaft bekannte Firma Heinr. Henkel, Darmstadt, die in der Züchtung von Wasserpflanzen ganz hervorragendes leistet, hat den Versuch gemacht, auf ihren Platz ein japanisches Gärtchen hinzuzaubern mit Teichen, Brücken, Pavillons, vielen Blumen, namentlich am Wasserrande, um den Effekt der Spiegelung zu geben, und auf dem Wasser, mit figürlichem Schmuck, Vasen und einer graziösen Wandelhalle als seitlichen! Abschluß. Natürlich kann dieser Miniaturgarten nicht den Reiz eines echten japanischen Gartens haben, über viel Anregung kann der Besucher doch daraus schöpfen. Auf der anderen Seite des Mittelweges ist noch ein von hohen Mauern umgebener Hausgarten von Professor Schultze-Naumburg,. eine rein dekorative Blumenanlage von Professor Bil- l i n g zu beiden Seiten der Haupttreppe zur Ausstellungshalle und ein Ziergarten von Gebrüder Röthe, Bonn. Meine Betrachtungen möchte ich kurz noch einmal dahin zusammenfassen, daß mit mehr oder weniger Geschick auf Wirkung in Fornr und Farbe hingearbeitet ist, daß die gegebenen räumlichen Verhältnisse aber einengend ivirken, und daß die Künstler dadurch über Gebühr zu rechtwinkeligen, geschachtelten Anlagen, hingedrängt wurden. Ganz anders verhält es sich mit der i n t e r n a t. Kunstaus -- st e l l u n g. Jeder Aussteller ist durch verständige Wahl des Platzes gewürdigt worden. Meines Wissens hängt nicht ein Bild über dem andern. Dem Leiter der Ausstellung, Professor Ludwig Dill-Karlsruhe muß unumwunden Anerkennung gezollt werden für die große Sachkenntnis und Unparteilichkeit, welche ihn geleitet Haben, und für den intimen Reiz, den er der Ausstellung in hohem Grade zu verleihen wußte, wie ich es bisher noch nicht gesehen habe. Die Ausstattung der Räume ist sehr mannigfaltig und wurde nach Entwürsen des Erbauers Herm. B i l l i n g, sowie verschiedener anderer Künstler ansgesührt. Ludwig Dill hat beim Hängen der Bilder nach Möglichkeit dastir gesorgt, daß die Stimmung und namentlich die Farbengebung derselben zum Raum paßt. Unterstützt wurde sein Vorhaben dadurch, daß einzelne Künstler "tote die Bildhauer Hahn und Bermann, die Räume für ihre Werke selbst ausgestattet haben. , , ' Zu beiden Seiten des prunkvollen, mit echtem Material, meist Marmor, ausgestatteten Treppenhauses befinden sich unten und oben Ausstellutiasräume. Hinter dein Trevvenbau ist der große Kuppelsaal, an den sich beiderseits im Erdgeschoß noch einige Räume Leihen, die provisorisch speziell für die Jubiläumsausstellung errichtet find. Im Kuppelsaal sind meist große Tafelgemälde aufgehängt. Dort sind unter anderem der aus einer Abbildung in der „Jugend" bekannte auf Rot gestimmte „Herbst" von E. R. Eichler, die in ruhigem Ton gehaltenen auf Braun gestiminten „Wallfahrer" von Egger-Lienz, das sehr dekorativ behandelte Kolossalgemälde „Rückkehr von der Kreuzigung" von Arth. Melville, London. Außer zwei prächtig gemalten Ochsen mit Hirt von dem bekannten Tiermaler Hrch. Zügel und dem schön abgestimmten, bei uns bekannten Bilde „Hessische Bauer n" von Karl B a n tz e r, Dresden, möchte ich ein in diesem Saale befindliches Bild von Haus Bühler, Karlsruhe, das koloristisch und zeichnerisch große Vorzüge hat, erwähnen und etwas eingehender schildern. Zwischen rötlichen Felsen hindurch blickt man auf das blaue Meer, auf dem in weiten Bogen lichte Wellenlinien kreisen, die nach den: Hintergründe zu immer enger werden und die Fläche goldig erschimmern lassen. Anr Horizonte zieht sich ein schmaler Landstreifen hin und darüber wird ein Stück Himmel mit rötlich gefleckten Wolken sichtbar. Im Schatten auf dem rechten Felsen sieht eine scharf gezeichnete, nackte Jünglingsgestalt in bronzefarbenem Ton, den Blick verlangend aus das ferne Land gerichtet. In zwei schmalen Seitenfeldern sind zwei goldige Figuren schwach angedeutet. „Deni unbekannten Gott" nennt der Künstler die Komposition. Der Kopf eines Malers von Ivan Thiele, Paris, in Saal 3 ist technisch ausgezeichnet, breit behandelt, von kräftigem Kolorit. Von Karl Haider, Schliersee, hängen in diesen: Raume zwei streng gezeichnete, sehr sein ausgeführte Landschaften. Vielen Malern fehlt der Glaube an das, ums sie schaffen, man sicht ihren Werken an, daß sie Herumtasten und probieren. Ilmgekehrt ist es bei Ed. von Gebhardt, der mit drei Stndienköpfen vertreten ist, in diesem Raum mit dem vorzüglich ausgeführten Porträt eines Mannes mit langem Haar in goldigem Ton. Von Hans Thoma sind drei Bilder ausgestellt, der aus früherer Zeit stammcn.de „Wasserfall", zeichnerisch sclstm, wirkt etwas sehr wie ieiit alter Meister. Koloristisch felyr schön ist das Porträt eines Mädchens im Sessel von Ernst Oppler, Berlin, Kleid altrosa, Hintergrund duukelgrau, Sessel schwarz mit grünen und braunroten Flecken, Strümpfe schwarz, Boden dunkelrot. Der Kopf ist leider schlecht durchgeführt. Dieser Künstler hat im Raum 30 noch „Tie Spinnerinnen" in malerischem Kostüm, ein Bild von riihioer Wirkring. Sehr schön ist im Saal 11 auch „Die Porträtfitzung". Han.' Hanner, Dresden, zeichnet sich durch eine ernste, strenge Auffassung aus; davon zeugt in Raum 4 das Bildnis seiner Schwester, der Kops auf Schwarz, mit einem Bl'ätenkranze umgeben, und „Junge Menschen", Akte eines sich gegenüberstehenden jungen Paares, auf schwarzem Hintergrund, in Saal 26. Interessant ist auch von Adolf Heng-eler, München, ein „Kind in Weiß", wuf einer Wiese sitzend. Ein anderes von ihm, „Amor mit Blumenkorb", mit rosa Blumen bekränzt, im Saal 12, wirkt auch ungemein reizvoll. Ein Bach zieht sich durch die blumige Landschaft, im Hintergründe sind Schneeberge. „Mrs. Cunninghams Graham" von John Lavery, London, hat eine schöne Stellung, ist breit gemalt und ruhig in der Wirkung. Von diesem vorzüglichen englischen Porträlmaler ist in Saal 10 noch „eine schöne Fran". Das Bild hat wenig Farbe, ist aber vornehm in der Wirkung, auf goldiges Grau gestimmt. Sein drittes Bild in Raum 27, betitelt: „Die Hängematte", ist auch wirkungsvoll komponiert. Eine junge Dame in lichtem Gewände liegt lesend in grüner Matte, ganz im Schatten des grünen Laubes; eine Lichtung gewährt einen Durchblick in sonnige Landschaft. Fernand Khnopff hat in einer besonderen Abteilung seine strengen Zeichnungen ausgestellt und den vorzüglichen Marmorkopf einer Engländerin mit schwach getonten Lippen und Augenbraunen. Namentlich das Profil sehr anziehend. Nebenan sind die Wände gelb und weiß gestreift. Von diesem Hintergründe heben sich die Werke Franz von S t u ck s mit ihren lebhaften, sprühenden Farben sehr gut ab. Sein „Christus im Grabe" erinnert im Aufbau an Böcklin, läßt aber kalt. Bekannt ist sein Bild „Liebesschaukel", das schön in der Farbe auf Gold und Blau gestimmt ist. Seine Bilder sind koloristisch äußerst fein, ja geradezu raffiniert, laiber zu sehr auf Effekt berechnet, dagegen wirken seine Skulpturen in ihrer edlen, strengen Form direkt klassisch. Raum 8 gehört Henri Evenepoel mit 12 Bildern. „Henriette", ein kleines Mädchen in schwarzgrüner Kappe und gleichfarbigem Kleide auf rotbraunem Hintergründe wirkt sehr anziehend, und nur das Letzte fehlt, um es als alten Meister gelten zu lassen. Dasselbe gilt noch mehr von dem Bilde „Die Loge". Drei schöne Landschaften in ruhigem Ton hängen in Saal 10 von Alfred East, London, Herm. E i ch f e l d, München und Hans Schrödter, Karlsruhe, sowie das gute Porträt einer Reiterin in Schwarz von Will). Nicholson, Plocmsbury. Die „Lautenschlägerin" von Friede. Fehr, Karlsruhe, sitzt im Vordergrund im Lichte mit dem Rücken dem Zuschauer zugewaudt, ist in goldigem Grün g ehalten, die Zuhörerin und alles klebrige befindet sich im Schatten, wodurch eine ruhige Stimmung erzielt ist. Von Franz Hoch, München, hängt im Saal 13 eine Landschaft „Abend", die auf Blau-Grün gestimmt ist und angenehm ruhig wirkt. „Der rote Hut" von Harrington Mann, Glasgow, stellt ein Brustbild dar, das in gedämpften Tönen lebhaft in der Farbe und doch nicht schreiend wirkt. Ein „Damenporträt" von Franz v. Lenbach kommt einem Rembrandt nah-, es ist auf Gold gestimmt, bräunlich mit wenig Rot. Bon demselben Meister sind noch drei Köpfe ausgestellt, besonders möchte ich auf „Ernst von Possart als Richard III" Hinweisen. Den Einfluß Michel Angelos empfindet man bei den drei im Saal 15 befindlichen Bildern von Karl Hofer, Rom. Me drei sind monumental aufgefaßt. Der Raum 16 ist einfach und edel ausgestattet mit warm getönter Täfelung aus Birnbaumholz. Hier hängt auch das bekannte reizvolle Bild „Schneewittchen" von Viktor Müller, München. Zwei Köpfe von ihm in Raum 13 möchte ich noch kurz erwähnen, von denen der eine rote etwas an die venetianischen Meister erinnert. Professor Jos. Hofmann, Wien, hat den Raum 17 ganz Weitz gehalten, nur die Eingänge sind mosaikartig gestreift. Darin nehmen sich die ausgestellten Gegenstände der Wiener Werkstatt gut aus und besonders gut stehen darauf die drei in der Farbe raffinierten Entwürfe zu Mosaikbildern von Gustav Klimt, Wien. Sein vor zwei Jahren in der Berliner Sezession ausgestelltes Damenporträt war aber doch feiner als die hier ausgestellten, wenigstens für meinen Geschmack. Der von dem Bildhauer Cipri Adolf Bermann, München, für 15 seiner Skulpturen selbst ausgestattete Raum 18 ist in Silber und Weiß gehalten. Die Arbeiten sind meist 'ans hellgrauem Marmor, darunter die Büsten von bekannten Persönlichkeiten wie Emanuel v. Seidl, Franz v. Lenbach, Engelbert Humperdinck, Ernst v. Häckel. Raum 20 ist gleichfalls von dem Hauptanssteller, dem bekannten Bildhauer Herrn. Hahn, München, eingerichtet. In 45 verschiedenartigen Gegenständen zeigt er die Vielseitigkeit seines Könnens, er hat Reliefs, Büsten, Brunnen, Statuetten, Denkmäler und Plaketten ausgestellt. Die Wäiide des schönen Treppenhauses sind mit gelbbraunem Und braunviolettem Marmor bekleidet, die Decke ist grünlich-weiß. In der Mitte hängt ein mächtiger Kronleuchter, der mit blauer Emaille verziert ist. Die seitlichen Galerien sind auch mit Bildern behängt, leider kann man aber bei einzelnen nicht genügend zurücktreten. Erwähnen möchte ich das in goldigem Ton gehaltene Temperagemälde von Meinhardt Jacoby, Berlin, bett, schon Abgetönten „Abendfrieden" von Karl Schmoll v. Ersen- Werth, München, sowie die wirkungsvollem Blumen „Phlox Volt Karl Moll, Wien. In dem angrenzenden schönen, von dem Architekten Prut- scher, Wien, entworfenen Raum 23 fallen vor allem die prächtigen, harmonisch abgestimmten Landschaften in Temperamanier von Ludwig Dill, Karlsruhe, auf. Besonders möchte ich ein wundervolles, unter den Besuchern der Ausstellung allgemein bekanntes Bild erwähnen, das den Titel „Der alte Schimmel" trägt. Der alte Schimmel steht gesattelt in ruhiger Porträtstellung im Schatten vor einem lichten Hintergründe, der aus Wasser, hellen Häusern und lichtem Himmel besteht; seitlich schließen Bäume das Bild ab. Das Ganze ist in gedämpften Tönen gehalten. Schön in der Farbe und streng in der Zeichnung sind auch zwei Bilder von Karl Anton Reichel, Salzburg, namentlich ein. Mädchenbildnis auf Goldgrund. Wand und Teppich des nächsten Raumes 24 sind blaugrün, darauf stehen die effektvollen, farbigen Gemälde von Otto Hierl- D e r o n e o, München, sehr gut. Bon Hugo von Habermann, München, hängt im Saal25 ein weibliches Bildlnis aus dem Jahve 1875, das an die Mal- weise von Belasquez erinnert und mir sehr gut gefällt, dagegen kann ich Mich nicht mit seiner modernen Manier mit den tiefen schwarzen Schatten 'befreunden. Schön in der Wirkung ist eine Landschaft von Austen Brown, Edinburg, die ganz licht gehaften ist. In Form und zeichnerisch schön und ruhig in der Farbe ist "dias Gemälde von Maurice Greiffenhagen, Glasgow, „Tie Sohne Gottes und die Töchter der Erde". Wilh. Trübnev, Karlsruhe und seine Frau haben in Saal 26 eine Abteilung für sich. Seine Sachen sind von früheren Ausstellungen alle bekannt, von Frau Trübner waren mir zwei Gemälde von Schloß Hemsbach neu. Bon Gust. C o u r b e t, Paris, ist ein „Bauernjunge im Wald" ausgestellt, das Bild wirkt lebhaft, aber nicht unruhig. Von Georg S au ter, London, Möchte ich das sehr reizvolle Bild „Unter dem Eingang" erwähnen und das in Saal 28 befindliche „Morgenbesuch", eins der delikatesten Bilder in der ganzen Ausstellung, auf Schwarz Md Gold gestimmt. Gustav Schönleber, Karlsruhe, der seit Jahren schön ab- gestimmte Landschaften,-meist bei bedecktem Himmel malt, ist Mit verschiedmartigen Sachen vertreten, im Saal 27 hängen vier davon. Einen feinen Effekt erzielt auch die im Katalog nicht auf- gefuhrte Landschaft von Thanlow. • N