Mf iPÄjkfil,1! n MW USB UMU Wein Wanne. Eine Novelle von Eduard Engel. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) . Ich weife nicht, was ich getan Hütte, wäre dieser gräßliche Männe in dem Augenblick still gewesen. Aber er schrie ärger als zuvor, er machte mir Nervenschmerzen, wie man sie empfindet, wenn man die schrillenden Töne des Schieferstiftes auf eineck Schiefertafel hört. Ich hielt mich nicht länger: „Machen.Sie, daß Sie sortkommen mit dem Schreihals, gleich, Höven Sre? Mein Gesicht muß ungewöhnlich drohend ausgesehen Haben, denn sie wich scheu zurück. „Nehmen Sie es mir nicht übel, sagte sie nur noch und wickelte das schreiende Kind fester in das dünne Tuch. Sie suchte in der Tasche, während sie sich zum Gehen wandte, steckte dem Jungen ein Weißes Kügelchen in den vvM Schreien verzerrten, hätelichen kleinen Schnabel und verließ mrt einem letzten Jammerblick mein Zimmer. Mir war, als sollte ich sie doch zurückrufen, um ihr wenigstens eine Mark oder zwer zu geben; vor Merger über das Geschrer hatte ich nicht eher daran gedacht. Aber da w!ar es schon zu spät: ich hörte sie letze die Tür des Vorzimmers einklinken und wußte, sie war verschwunden, sie scmrt ihrem Männe. Mir war eine Last !vom Herzen, und dennoch war ich mit mir gründlich unzufrieden. Ich! trat ans Fenster und blickte über die noch ganz kahlen, knvspenlosen Rüstern krönen auf die Straße. Drüben auf dem Bürgersteig an der Mauer des Botanischen Gartens ging sre Wieder der Stadt zu, die kleine, schiefe, häßliche Person mit ihrem quarrenden Balg. Sie lief mehr als sie ging, als liefe sie ,vor erneut Verfolger; doch sah ich -niemand hinter ihr. Und seltzam, ich sah auch ihr schwlarzes Umschlagetuch nicht mehr Aber da war sie schon nicht mehr milt den Blicken zu erreichen; fte war an der östlichen Biegung der Potsdamer Straße angelangt und verschwunden. Ich hatte sie doch nicht so ohne einen Pfennig svrtgehen lassen sollen! Und jetzt gab ich auch die Hoffnung auf, iwch eine annehmbare Wirtschafterin zu bekommen. Am besten, du fährst heute schon mit dem .Mendschneilzug; aoev dann micht du nach Gotha telegraphieren und dich anmelden — ich trat an den Schreibtisch, um meine Depe;chle zu schreiben. Halt, Was war das? Dort im Vorzimmer — Himmeldonnerwetter, ist denn heute die ganze Hölle mit schreienden Quarrhälsen gegen mich lvsgelassen? Hatte ich sie nicht eben auf und davon laufen sehen, dort unten auf der Straße? Oder War dies nur noch ein nervöses Nachklingen im Ohr von vorhin r Aber nein, dazu war es doch zu lebendig: dasselbeKchämmerliche Kindergeschrei wie vor wenigen Minuten drang schneidend und schntetternd tmd quiekend durch die offene Tür aus dem Vorzimmer,. „Ta soll doch gleich ein —" rief ich und stürzte dem Geschrei nach, prallte aber dicht bei der Tür mit der sanften Lene zu- sammeu, die von der Küche her auch das Geschrei gehört haben mußte. Hei, wie wunderbar geläufig es jetzt mit dem Zusammen- hang von Sprechen und Denken bei ihr ging! Und Wte ihre faselige Phantasie arbeitete. . . . . „Jetzt pack ich sofort meine Sachen und geh noch m diesen Stunde aus dem Hause." „Ich halte Sie ja nicht, Seite!" „ „Nein, wo solch ein verlassenes Frauenzimmer Ihnen Ihr Kind auf so 'ne Weise aufhängen muk da bleib ich nicht em« Stunde länger. Das ist aber'n Geschmjack. Nu ich danke. „Sie sind wohl reinweg verrückt geworden, Lene? Was geht mich das Kind an!" ■ «. „So! Jetzt wollen Sie Wohl auch noch em schwärzen Umschlag ein ch auf dem schmalen alten Ledersvfa meines Vorzimmers, auf das ich meine Lexika zum Abstaubeu gelegt hatte. Es schrie, daß es kirschrot im Gesicht wurde und ballte wie in einem heftigen Schmerz die Fäuste zu- sammen. Mit den Beinen strampelte es ungebärdig um sich, und ein Band meines Böthlingschen Sanskritlexikons schwebte in Gefahr, auf die Erde geschleudert zu werden. Wenn dies noch eine Weile so weiter ging, so hatte sich der Unhold selber über! den Sofarand gestrampelt und stürzte zu Boden, den Kopf voran. Tas ftmnte ich unmöglich länger mit ansehen. „Sette," sagte ich so sanft kund bittend, wie unter diesen Umständen möglich, „dem Kinde muß etwas fehlen, sehen Sie doch! einmal nach, Sw verstehen sich doch besser darauf, als ich" Aber damit hatte ich sie offenbar an ihrem empfindlichsten Punkt getroffen. „Was, ich soll mich besser auf Kinder verstehen als Sie? Wieso? Ist das Ihr Kind oder meins? Ich bin ein anständiges Mädchen, Herr Professor, und Kinder sind nicht mein Fall!" „Ja doch ja doch, Seite; ich bitte Sie ja bloß nachzusehen, damit der Bengel nicht so schreit!" . „So, also ein Beugel. Also wissen Sie das doch wenigstens. Und dann werden Sie wohl auch das andere wissen," und sie wollte nach der Küche entwischen. . „Lene, ich glaube, das Kind ist krank: wollen Sie ihm nicht ein bißchen helfen?" . , ... Sette drehte sich verächtlich ab. Ta hielt ich mich nichts länger. Ich war auf die Rlabemnutter und auf den Männe und die ganze unerhörte Geschichte sicher mindestetts so wütend wie die Seite, und ich hatte wohl mehr Grund dazu, als sie; aber am Ende war das Kind doch kein Stück Holz und kein junger Hund —> ein lebendiges Wesen konnte man nicht so elend umkommett lassen. ,^aetzt scheren Sie sich augenblicklich in Ihre Küche, und dann schleunigst zum Hause hinaus. Mit einem Satan wie Sie, deck einen armen unschuldigen Wurm lieber sich totschreien läßt, als einen Finger drum rühren, will ich! nicht länger meine Wohnung teilen./z , „Ach du meine Güte, ich gehe ja schon. Sie können sich msti Ihrem Herrn Sohn ganz ungestört amüsieren. Und trachena schlug sie die Tür zur Küche ins Schloß. Ich wack allein mit dem schreienden Kinde. Und dieses Ungeheuer, diese Cäcilie Wirzbinska, diese Raoenmutter hatte sich bei mit vermieten wollen! Eine Verbrecherin. Kinderaus- setzung! Darauf steht mindestetis lebenslängliches Zuchthaus! Wenn ich ihr jetzt noch nacheilte! In einer Droschke mußte ich sie noch eiuholen, tmd ich öffnete den Kielderschrank, um den Ueberzieher, — aber das Kind schrie so herzzerreißend, daß ich es nicht fertig brachte, es mit der fürchterlichen Seite h-ter allein zu lassen. Gins Stunde früher oder später War w gleichgültig: die Polizei mußte mir das Kind vom Halse schaffen. 166 — Dur dergleichen gab es Waisenhäuser oder so etwas. Was für ein Interesse hatte ich daran, ob die Mutter von der Justiz gepackt würde oder nicht! Und es war g!ar nicht sicher, daß sie dumm genug gewesen war, den geraden Weg die Potsdamer Straße hmaufzulaufen! Wollte sie sich schnell in Sicherheit bringen, so brauchte sie nur in irgend eine Seitenstraße einzubiegen, dann wieder ut eine und fio fort und dann «konnte man sie suchen! ^etzt nur das Kind beruhigt und dann znm Polizeiamt damit. ^m Vorzimmer war es kalt: vielleicht schrie das Kind nur deshalb so arg! Ich iilahm es behutsam in meine Arme mitsamt dem Tuch. Beinahe hätte ich es fallen hassen; es war mir doch: unheimlich, solch einen kleinen lebendigen Menschen auf beit Armen 3ii halten, zum erstenmal in meinem Leben. Ich wagte Nicht, herzhaft zuzugreifen, auch znppelte es mit allen seinen Gliedmaßen. Dabei nmr es nun schpn purpurn im Gesicht ge- ivvrden vom Schreien, das ihnt jetzt wie ein heiseres Röcheln und Wunmern aus dem schmerzverzerrten Mäulchen drang. Zwei obere Vorderzähnchen, wie blaßweiße Perlen, hatte der Bursche. Er mochte neun bis zehn Monate alt sein. Ich trug ihn in mein warmes Arbeitszimmer und legte ihn auf die in der Ecke stehende Chaiselongue, auf daö große Tigerfell, den einzigen Schmuck meines Zimmers, das Geschenk eines Inders mtter meinen Zuhörern. Ter Junge schrie in einem fort. Was nur Konsistorialrats unter ntir denken mochten! Ob ich mir nicht doch bei der Frau Rätin Mat holen sollte, wtts ich mit dem kleinen Racker anzustellen hätte? Dünn aber sah ich mit meines Geistes Angen das Gesicht der frommen Dame, das fte bei meinem närrischen Anliegen aufstecken würde. Jetzt stand ;te jedenfalls schon in ihrem steifseidenen schwarzen Sonntagsstaat mit dem Goldschnittgesäugbuch nntcrm Arm, bereit zur Fahrt nach dem Dom, und wartete ungeduldig auf den säumigen Gemahl, der trotz geistlichem Amt und konservativer Gesinnung — seine liberale „Bvssische" las und Sonntags immer besonders >pät damit fertig wurde. Nein, nur nicht zu ihr um Rat! — Hätte ich nur erst den Bengel still! Sein sinnloses Schreien, arich jetzt in dem fast überwärmen Zimmer, brachte mich in Helle Verzweiflung. Ich tat ihm nichts, höchstens Liebes, und dennoch schrre er. Weshalb er nur schrie? Ohne Grund schreit doch kern lebendes Wesen. Es muß ihm etwas weh hüt. Aber was? Z", den „Fliegenden Blättern" hatte ich mal eine urkomische Geschichte gelesen von einem schreienden Bengel, just so einem wie dieser, bei dem sich herausstellte, als man ihn aufwickelte, daß ihn eine stutzige Lichtputzschere kniff. In diesem Fall brauchte es ja Nicht gerade eine Lichtputzschere zu sein, eine Stecknadel tut e„> auch, ^zene nichtswürdige Person, jene Rabenmutter war gewiß leichtsinnig genug, auf eine lose Stecknadel mehr oder.weniger nicht sonderlich zu achten. , db>u Schreien sah mich der Junge wütend an, ganz !yie „sm ihn vorhin, und sträubte sich aus Leibeskräften gegen meine Annäherung. Woher er nur die Kraft zum Schreien und Strauben nahm? Solch ein winziges Wichtlein! Aber das yalf ihm nichts; ich faste ihn trotz Winden und Sträuben und begann, ihn ans seinem elenden Wickeln und Röckchen heraus- dürftig und vielfach geflickt, aber immerhin Nicht zerrißen und, den Umstünden nach, sogar reinlich. Die Mutter hatte ausgesehen wie das hungrige Elend, ihr Junge hingegen war Nichts toeniger als mager. Ein draller Strolch, ordentlich mit fiettten Fettpolstern und wohlhäbigen Wülsten an Beinchen und Aermchen., Ein wunderliches Schauspiel für mich, zum erstenmal solch kleines Menschlein nackt zu sehen, so hilf- sLs und so rührend Seine Muskelchen erzitterten alle vom Scyreten, die kleine Brust hob und senkte sich unter den bfct» ®'mm ö?1 ^as Fieber glühte auf seiner Stirn. Warum kannst du noch Nicht sprechen, armer Schelm? Aber wie sollte er. Er konnte ja noch nicht denken, war ja nur wie ein netneä dummes Tier, etwa wie ein qnickendes Ferkelcheu. Nicht denken, also auch nicht sprechen; nicht sprechen, also auch nicht VvHlvil ♦ er wirklich kein bißchen denken konnte? Fühlen tat er doch und sehr stark, einen Schmerz oder was sonst! Und fühlte er ihn, dachte er ihn dann nicht auch? Und wenn er mich so zornig abwehrte, dachte er nicht, daß ich ihm fremd, nicht seine Mutter sei? Das war doch ein unverkennbares Zeichen der „Negation , der regelrechten Kantischen Kategorie der Negation hatte er mindestens schon in seinem Denkvermögen. Und Fichteschen Ich und Nicht-Jch mußte er auch schon etwas unter diesem blaßroten, von feinen Aederchen überzogenen Schädelchen weghaben. _ Höchst seltsam! Ich wischte ihm mit der Hand den Fieberschweiß von der mißen Stint und den sickernden Speichel vom Munde, und Mau: plötzlich hörte er auf zu wimmern: ich war mit meinem kleinen Finger auf seinen Lippen unversehens verweilt, und gierig begann das arme kleine Schluckerchen daran zu saugen. Die Freude dauerte aber nicht lange: nach wenigen saugenden Zügen wandte er das sich wieder verzerrende Gesichtchen ab und begann aufs neue sein klägliches Wimmern. Hm, das war mir doch sehr auffällig. Gattineber war dieses nun die Kantische Kategorie vom „Dasein und Nichtsein", die sich aus seinem Bewußtsein losgerungen, ober die von der „Möglichkeit und Unmöglichkeit". Er wirtschaftete sich in diesem warmen Arbeitszimmer des Sprachphilosophen schon recht niedlich in die Nebergrisfe des Denkens hinein! Und noch etwas anderes war mir dabei anfgedämmert; ich hatte endlich erraten, was dem armen Tropf fehlte: Lunger hatte er! Weiter nichts. Und Hunger tut weh, und Selbstbeherrschnug im fremden Hanse zu üben, das konnte ich wirklich nicht von ihm verlangen. Herr du meines Lebens, und ich war ans sein angeblich unvernünftiges Geschrei wütend gewesen. Was gab es denn Vernünftigeres für ihn, als zu schreien? Und was Dümmeres, als die so einfache Grantmatik dieses Geschreis nicht sogleich zu verstehen? Mir keimte ein Gefühl empor, als hätte ich dem kleinen Mitbürger da ein herbes geistiges und leibliches Unrecht getan, und das wollte ich sühnen. (Schluß folgt.) Wis eine dnüsche S st dümg in dcn Hsmrarken cntst-ht. Mit dem Abschlüsse des Jahres 1906 konnte die Ansiedluugs- kommission in Posen auf eine zwanzigjährige Tätigkeit zurückblicken. Die Tatsache hat einen der besten Kenner der Ansiedlnngs- arbeit veranlaßt, der Ostd. Korr. einen Einblick in die Wirksamkeit der Kommission zu gewähren. Er schreibt: Ein Gut ist gekauft und in die Verwaltung der Ansiedluugs- komMission übernommen, der alte Herr zieht von dannen, und den polnischen Jnstleuten nnd ihren Scharwerkern wird mit» geteilt, daß ihr neuer Herr die Ansiedlungskommission in Poien ist. die durch den staatlichen Gntsverwalter vertreten wird. Zunächst geht die landwirtschaftliche Benutzung int alten Gleise weiter, soweit nicht die Notwendigkeit, lebendes, auf anderen Gütern überflüssig gewordenes Inventar zu verwerten, zu Aenderungen führt. Man wird solche Verschiebungen begreifen, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Ansiedlungskominission int letzten Jahre 683 Besitzungen bewirtschaftete nnd teilweise besiedelte. Es gilt nunmehr die B e s i e b l u n g des (st n t e s vorznbereiten. Die Grenzen werben sestgelegt, unwirtschaftlich« Grenzen beseitigt, Absplisse verkauft, störende Enklaven nach Möglichkeit zugekauft. Der Acker, oft genug vernachlässigt, wird rein gemacht uttb, wo erforderlich, brainiert, die Wiesen werden melioriert. Gräben werden gezogen und die Wege gebessert, in vielen Fällen chauffiert und gepflastert. Ist Wald vorhanden, so wird Bauholz gefällt, für den künftigen Ban der Ansiedlergehöfte werden Feldziegeleien angelegt und Feldsteine für die Fundamente gegraben und angefahren. Das Grundbuch des Gutes wird bereinigt, alle Lasten nnd Eintragungen beseitigt. Oft genug ist dies mit Schwierigkeiten verbunden, so wenn alte Kirchengerechtsame sich im Grundbuche durch den Wechsel der Zeiten hindurch gerettet haben, oder russische Grundbesitzer ihre Rechte int und am Flußbett des ewig seinen Lauf wechselnden Grenz- flusses, der Prosna, haben eintragen lassen. Eine besonders eingehende Prüfung verlangt natürlich die Frage der öffentlich-rechtlichen Gestaltung der neuen Ansiedlergemeinbe, die fich aus dem Gut bilden soll. Wird die Gemeinde aus sich heraus lebensfähig sein, oder muß versucht werden, sie einer Nachbargemeinde anzugliedern? Können die Kinder der künftigen Ansiedler in einer bestehenden Schule Aufnahme finden, ober ist die Neubegründung eines Schulsystems nötig und vor allem durchführbar? Finden die Ansiedler Platz in der Kirche ihres Kirchspieles? Muß auch nach dieser Richtung hin etwas für sie getan werden? Ist vielleicht gar die Gründung eines netten Kirchspiels an gezeigt? Die Grundlage für die Entscheidung aller dieser Fragen ist die Zahl der Stellen, die ans dem Gute geschaffen werden können. Als beste und praktischste Steile hat die Ansiedlungskommission die erkannt, die mit zwei Pferden bewirtschaftet werden kann. Sie bietet genügende Arbeitsgelegenheit für den Bauern, seine Frau und seine Kinder und nötigt ihn nur in der Zeit, in der seine Kinder noch jung sind und nicht bei der Arbeit helfen können, zur Inanspruchnahme fremder Arbeitskräfte. Diese sind nicht nur teuer, sie gefährden auch den deutschen Charakter des Dorfes, da der ledige, sich direkt dem Arbeitgeber verdingende Knecht oder die Magb in den An» sieblungsprovinzen selten ist, der landwirtschaftliche Arbeiter vielmehr, wie es sich beim Großbetrieb herausgebildet hat, der verheiratete polnische Justmann ist, der mit seinen erwachsenen Kindern oder den seinerseits angenommenen ledigen Arbeitern — den Scharwerkern — sich vermietet. Die Zweipferdestelle ist natürlich verschieden groß je nach Bödenbeschaffenheit und Klima, sie kann zwischen 50 und 80 Morgen wechseln. Häufig bieten benachbarte wohlsitnierte Bauerndörfer einen Anhalt für die ri(6y tige Bemessung der Stellengröße. Wenn irgend möglich, erhält jede Stelle etwas „Grünland", b. h. Wiese und Weide, worauf der Bauer besonderen Wert legt. Eine große Freude kann man ihm bann noch mit einem Strich Torfstich machen, ber das nötige billige Brennmaterial für den langen Winter liefert. Holz- bestände, die etwa zur Stelle zugelegt werden, haben nur kurze Lebensdauer, sie sind bald genug in den Ofen gewandert, unbekümmert darum, daß der Boden als Ackerland nichts bringen kann, und sein dem Spiel des Windes ausgesetzter Sand nur eine Gefahr für den Acker bildet. Neben diesen Ganzbauernstellen legt die Ansiedlungkommission aber auch Stellen für Halb- — 167 — bauern und Arbeiter ans. Ein langgehegtes Ideal, das; der Halbbauer anstatt des teuren Pferdes mit seinen Kühen den Acker bearbeitet, hat sich freilich nicht in die Praxis nmsetzen lassen. Denn wenn der Ansiedler (z. B. aus Hessen) zu Hause auch sein ganzes Leben lang mit der Kuh vor dem Wagen zu- srieden gewesen ist, — als Ansiedler ist ihm das nicht vornehm genug, da müssen es Pferde sein! Arbeiterstellen sind da am Ort, wo auch in der landwirtschaftlich ruhigen Zeit Arbeitsgelegenheit sich bietet, in der Nähe von Städten oder Forsten oder wo industrielle Nebenbetriebe der Landwirtschaft, wie Brennereien, als genossenschaftliche Betrieb« fortgesetzt werden. Sie erhalten ein paar Morgen Land, auf denen Futter für eine Kuh und ein Schwein gebaut werden kann. Ein großes Dorf ist dann auch imstande, einen Schmied und einen Stellmacher zu ernähren. Andere Handwerker werden nur da angesetzt, wo die weite Entfernung zur Stadt es rechtfertigt. Denn nicht nur diese Gemeinde soll ja deutsch werden, ihre Glieder sollen auch das deutsche Handwerk und das deutsche Gewerbe in ihrer Stadt stärken und heben. Auch ein Krug ist vielleicht am Platz. Ist er in: schönen alten Gutspark erbaut, oder ist das Herrenhaus dazu eingerichtet, so tvird er oft genug ein Ausflugsort für Spaziergänger und Vereine der benachbarten Stadt. Und der Bauer selbst bedarf auch eines Ortes, wo er sich mit seinesgleichen aussprechen kann, namentlich wenn ein Vertreter der „hochverordneten" Regierung, etwa gar der Landrat selbst, einen der vielen Termine abgehalten hat, die die heutige Rcgicrungs- kunst mit sich bringt. In solchem Falle hat ja bekanntlich der Bauer stets das Bedürfnis, seine ungehaltene Rede noch an den Mann zu bringen. Stehen nun Stellengrößen und Stellenort fest, so müssen die Stellen noch bewertet werden, es müssen auch Flächen ausgeschieden werden, die zur Dotierung von Gemeinde, Schule und Kirchs dienen, und die es ferner erlauben, zu einzelnen Stellen Zulagestücke zu geben, wenn damit berechtigten Wünschen Ansiedlungslustiger entsprochen werden kann. Endlich handelt es sich, um die Verwertung der alten Gutsgebäude. Manch schöner massiver Bau, auf de» der Besitzer so stolz war, und der für die Ewigkeit bestimmt schien, fällt der Spitzhacke zum Opfer, da er für den kleinivirtschaftlichen Betrieb unverwendbar ist, und sich auch kein anderer Zweck findet, dem er geividmet werden könnte. Besondere Schwierigkeiten bieten die Herrenhäuser. Ihre schöne Lage im alten Park, ihre Türme und Hallen, Holztäfelungen und Parketts, — nichts hilft ihnen ihre Pracht. Wie wären sie begehrt, ständen sie an einer anderen Stelle des deutschen Vaterlandes und nicht hier im fernen Osten, wo deuffches Heimatsgefühl erst wieder von unten herauf, vom Bauernstand herauf, erzogen werden soll! Sie werden ausgeboten für ein Butterbrot, aber alle heimischen gemeinnützigen Anstalten, wohltätigen Vereine und Gesellschaften, die in der Lage sind, sich größere Heimstätten zu errichten, haben ihren Bedarf gedeckt, und vergeblich sucht man unter beit Deutschen nach Liebhabern schöner Landsitze in einem Lande, wo der polnische Besitzer sich ganz von dem Verkehr mit dem deutschen Nachbarn zurückgezogen hat, und leider bei so manchen noch ansässigen deutschen Besitzern der Boden zur Ware geworden zu sein scheint. Das Ergebnis der Vorarbeiten bildet der Teilungsplan. Draußen in der Natur werden die. neuen Bauernstellen durch die weißen Grenzsteine und die Furche gekennzeichnet, diese, wie die heilige Furche der altrömischen Kolonisten vom Ochsenpflug gezogen, — hier aus dem prosaischen Grunde, weil das Ochsengespann ruhiger geradeaus von Stein zu Stein zieht als das heimische Pferd. Eine Tafel kennzeichnet jede Stelle, sie deckt sich mit der Nummer des Teilungsplanes, der die Größen und Werte der Stellen und außerdem die allgemeinen Angaben für die Besiedlung enthält und nach dem der den Verkauf leitende und die Besiedlung durchführende Dezernent der Ansiedlungskommission und der Gutsverwalter arbeiten. Ein Auszug aus dem Teilungs- plan mit den für die Ansiedlungslnstigen wichtigen Angaben toandert nun mit der Zeitung der Ansiedlungskommission, dem Neuen Bauernlande, hinaus als Beilage zu den Kreisblättern und zu den Vertrauensmännerit, und zwar je nach Beschaffenheit und Lage des Gutes nach den verschiedenen Gegenden des deutschen Vaterlandes. Denn sehr verschieden sind die Ansprüche der des künftigen Ansiedlers: — der Heimat ähnliche Verhältnisse, ähnlichen Boden, wie er ihn zu bewirtschaften und zu bestellen gelernt hat, das möchte er wieder haben, dann aber mehr davon, als ihm zu Hause seine Mittel zu erwerben gestatten. Beide Wünsche kann ihm die Ansiedlungskommission erfüllen. Der wechselnde Boden der Ansiedlimgsprovinzcn enthält Flachen, die wie die kuMvische schwarze Erde dem besten Boden der Magdeburger Börde gleichartig sind, er hat Lehmboden, sandigen Lehm und lehmigen Sand bis zum leichtesten Boden, der von der Ansiedlnngs- kommission nur höchst ungern und nur aus dringenden politischen Gründen gekauft wird. Aber auch in der für den Ansiedler so wichtigen Preisfrage kann die Ansiedlimgskommission trotz der gewaltig gestiegenen Bodenpreise dem Ansiedlungslnstigen noch entgegenkommen. Noch ist die Rente so billig, daß der Ansiedler, der genügendes Kapital zum Gehöftaufban und zur Jn- ventarbeschaffung (4000 bis 8000 Mk.) besitzt, eine Vollbauernstelle erwerben kann, di« ihm gutes Gedeihen und wirtschaftliches Vorwärtskommen sichert. Unterdessen bereitet sich der Gutsverwalter p!uf den Besuch und Zuzug der Ansiedlungslustigen vor. Da der Großbetrieb zunächst in vollem Umfange weitergeht, sind die Arbeiterwohnnngen noch besetzt und es muß anders für Unterkommen gesorgt werden. Es werden also in Ställen und Scheunen, die irgend entbehrlich sind, Notbauten eingerichtet und aus einzelne» Äusiedlerstellen Scheuern, der Stellengröße entsprechend, aufgestellt, die in größerer Anzahl vergeben oder auch in eigener Regie ausgesührt, billiger werden, als der Ansiedler sie selbst Herstellen kann. Die Gaste komme»! Bei vielen, den meisten von ihnen ist nicht die Lektüre des Neuen Bauernlandes di« Veranlassung gewesen, daß sie die oft weite Reise in den Osten nicht scheuten, sie sind dem Rufe ihrer Verlvandten und Freunde gefolgt, der beste Beweis dafür, daß auch der westfälisch«, der oldenburgische Bauer und wie die Stämme des deutschen Volkes alle heißen, sich wohl- sühlen und gedeihen können im Lande der Warthe und der Weichsel. Wie lauge hat es gedauert, bis der erste Sachse die Niederlassung in diesem Lande wieder wagt«, in , dem Lande, das dem Deutschen „im Reich" als das Land des ewigen Winters und der Wölfe gilt. Dort „an den Grenzen der Kultur, wo der Mensch wird zum Masnr", wollte so lange kein loestdeutscher Bauer sich uiederlafsen, dort, wohin schon einmal die deutsche Bölkerwoge sich ostwärts gewälzt hatte, lvo di« trotzigen Ordensschlösser der deutschen Ritter und die Backsteingotik der alten Dorfkirchen noch heute Zeugen der große» kolonisatorischen Tätigkeit unseres Volkes im Mittelalter sind. „Im Dienst der heiligen Jungfrau" zogen Fürsten und Edle gegen Polen und Litauer, ihnen folgte der Bürger und Bauer, um das dem deutschen Wesen in harter Arbeit zu eigen zu machen, was des Schwertes Schneide erworben hatte. Heute gilt's demselben sarmatischen Gegner, der den Traum der Herrschaft des weißen Adlers,von,der Ostsee bis zum schwarzen Meere träumt. Aber vertauscht sind die Feldzeichen! Nicht im Glaubenseifer, vielmehr zur Sicherung feiner stattlichen Existenz führt Preußen für Deutschland.bett Kampf um bie Ostgrenze bes Reiches, um bem Polentum einen Damm zu setzen unb es fern zu halten von seinem weiteren Vorbringen gegen Westen. Umgekehrt haben es bie Polen verstanden, ihre nationalen Bestrebungen auf das engste mit der Religion zu verknüpfen. Daß dem polnischen Volke die Religion genommen werden soll, lehrt Presse unb Kanzel und findet bereitwilligen Glauben im schlichten Gemüt, das sich seinen Gott unb bie Jungfrau nicht anders als Polnisch sprechend vorstellen kann. Drum seid willkommen, ihr Bauernsöhne ans All- deutschland, ihr sollt hier im Osten, int Lande der Warthe, bie Väter eines neuen beutschen Volksstammes werben, bet unter neuem Himmel in neuem Lande sich zu einem neuen Glied der deutschen Völkerfamilie auswachsen soll, wie eines aus eitern Vorgängern einst jenseits der Weichsel in Ostpreußen entstand. Eins MKfnrischs Bansrnhochzoit. Masurens Völkchen hat ja so manche Eigentümlichkeit in seinen Sitten und Gebräuchen aitfzuweise», bi« mau in reindeutscheit Gegenden nicht kennt. Ganz besonders kommt das auch auf bem Laude gelegentlich ieiner großen Bauernhochzeit zur Geltung. Schon einige Zeit vor dem Hochzeitstage werbe» die Hochzeitsgäste durch einen Boten — Proszek genannt — «ingelade». Der Pvoszek ist mit lebenden ober künstlichen Blumen, je nach der Jahreszeit, unb bunten Bändern geschmückt. Von Haus zu Haus geht er, sein Sprüchlein hersagend: Der Herr Bräutigam usw. lassen bitten, «n dem betreffenden Tage zur bestimmten, immer schon recht früh angesetzten Zeit zu erscheinen, wohl auch schon .um Vortage, zum Kränzeflechten! Ein wohlhabender „Wirt" — so werden hier die Bauern genannt — ladet nämlich fast alle Beisitzer seines Dorfes zur Hochzeitsfeier ein. Da bie Verwandt!chaft gewöhnlich auch keine zu kleine ist, so findet sich am Hochzeitstage stets eine recht stattliche Anzahl von Gästen ein. Schon am Vorabend versammeln sich bie geladenen jüngeren Mädchen und Männer im gastlichen Hochzeitshause, um Kränze unb Buchstaben zu flechten (über den Ehrenplätzen des Brautpaares werden dessen Anfangsbuchstaben aus Kränzen gewunden). Ten jungen Mädchen wird dabei zur Stärkung „Fladen" (Blechkuchen) gereicht, die jungen Männer erhalten einige „Weiße" (selbstpräparierten Kartoffelschnaps). Auch am Hochzeitstage, ehe es zur Kirche geht, wird schon tüchtig Grog, Bier unb Schnaps herum gereicht. In vielen Dörfern ist es Sitte, daß der Lehrer des Ortes! das Brautpaar „ausführt", d. h. es wird durch Gesang, (siebet und Ansprache auf den heiligen Trauakt vorbereitet. Die Ftthrt zur Kirche ist meistens eine recht ungestüme. Nach der Rückkehr wird Kaffe getrunken und. dazu Fladen gegessen. Erst etwa nm 12 Uhr nachts beginnt das eigentliche Hochzeitsmahl. Das Menü ist stets ein sehr mannigfaltiges unb reichliches: gekochtes Schweine- und Rindfleisch, Klopse, Sauer- Whl, Fische, Pflaumenmus mtb dicker Reis mit Zucker und Kaueel (Simmet). Rach dem Essen tvird in einem großen Lössel für die Köchin gesammelt. Hat jemand seinen Anteil dazu erlegt, so wird es laut und in Begleitung eines Tusthfes seitens der Musik mit vielen Uebertreibungen verkündigt. Die „Musik" wird vielfach allerdings nur durch eine HarmoniSa vertreten. Getanzt, gespielt, getrunken und gegessen wird bis in die Vormittcigsstuudm des nächsten Tages hinein. Jede Mutter unter den Gästen bekommt dann noch ein gehöriges Stuck Fladen „für die ft'ittber" mit nach 168 Hause. Beim Nachhausegehen werden tue am Orte wohnenden Gaste für den Nachmittag wieder eingeladen, der m allen Gebotenen die Fortsetzung des ersten Tages bildet. Bm größeren Hochzeiten tvird sogar noch am dritten Tage gefeiert. Em Test der Hochzeitsgäste fährt mit dem jungen Paare mit ms neue Henn, um auch hier zu feiern. Zu einer solchen Hochzeit, die m diesen Tagen im Kreise Ortelsbiirg gefeiert wurde, waren „nur" folgende! kleine Vorbereitungen getroffen worden: ein Schwein von 3 Ztr. geschlachtet, 107 Kuchen gebacken, die in zwei Reihen durch eme Stube hindurch ausgestellt waren, eine Tonne Fische, .8 Achtel Bayrisch, 2 Viertel Braunbier, ein Fäßchen Rrmi, 60 Liter Spiritus, ein Fäßchen Likör und eine Anzahl Flaschen Wem usw. beschafft. __________ Bon der Wiege bis zum Gdübe. Sitten und Gebräuche im Vogelsbergs. (Original-Artikel der „Gieß. Fam.-Bl."). Obwohl schon vieles liber obige Tinge in der heimatlichen Presse zur Veröffentlichung gekommen ist, so ist dem Leser jedoch noch manches unbekannt, namentlich sind es Gebräuche bei Familienfesten, an denen der Gebirgsbewohner zäh hängt und die er trotz unserer fortgeschrittenen Zeit nicht entbehren ino» In nachfolgendem sei hierüber einiges mitgeteilt: Erblickt ein Kind das Licht der Welt, so wird die glückliche Mutter bald von allen Frauen und Jungfrauen ; des Dorfes besucht. Bei diesem Besuche halten sämtliche Personen um die Patenschaft an, indem der Spruch: „Ich wünsch' auch Glück zu dem Kleinen, dir zur Gesundheit und mir zur Got" von allen gesprochen wird. Jede der Besucherinnen überreicht als Gabe 2 bis 3 Vogelsberger Zwiebäcke. Hieraus wählen die Eltern aus dieser „Menge" die Gevatterschaft aus, etwa 5 bis 10 Paten. In der Woche vor der Taufe geht der Vater des Neugeborenen zu den auserwählten Paten und sagt die Gevatterschaft zu, tvobei er mit Wurst, Brot, Schnaps und Kaffee tüchtig bewirtet wird. Nun kommen die Vorbereitungen zur Taufe. Zwei Tage vor ihr erscheinen die Patinnen, backen Küchen, säubern das Haus, breunen Kaffee und dergl. mehr. Am Tauftage bringt jeder Pate oder jede Patin eine Flasche guten Branntwein, 1 Pfund Kaffee und Zucker, sowie für die Mutter 4 Mark in bar. Sämtliche Frauen, die die Wöchnerin besucht haben, werden zur Feier geladen. Sind schon ältere Kinder im Hause, so werden auch die Paten dieser Kinder geladen und die „isevatterleute" des vorletztgebo- renen Kindes müssen ebenfalls eine Flasche „Schnaps" und eine Mark stiften. Eine jede geladene Frau schenkt 50 Pfg. Tie Jungfrauen tragen am Tauftage als Patinnen einen Myrtenkranz. Beim Taufakte müssen alle Gäste zugegen sein. Fällt die Taufe in das Winterhalbjahr, so folgt tn derselben Woche ein „Strickkranz". Am darauffolgenden Sonntage findet im engeren Kreise eine Nachfeier, sogen. „Nachkindbett" statt, wozu die Paten und die „Kaffeeköchinnen" der Hauptfeier geladen werden. An dem Sonntage nach der Taufe findet gewöhnlich der erste Kirchgang der Wöchnerin statt, wobei sie von den Patinnen begleitet wird. Ta der Kirchgang morgens vorgenommen wird, so reiht sich ein Mittagessen (Sauerkraut und Schweinefleisch) an. Jeder Pate hat das Recht, am Täge der heil. Taufe noch nahestehende Personen wie Geschwister, gute Freunde zu laden. Bon Weihnachten bis Neujahr sinden die bewußten „Gevattertage" statt, die mit einem Mittag- oder Abendessen (Sauerkraut, Schweinefleisch, Krapfen) emge- leitet werden. Ist das Kind 4 bis 5 Jahre alt, so wird es von den Patinnen gekleidet. Es bekommt sämtliche Kleidungsstücke. Bei ihrer Neberreichung findet eine Ferer statt Beim Eintritt in die Schule erhält das Kind von heu Goten (Paten) Schiefertafel, Griffelkasten und Lesebuch. Gelegentlich der Konfirmation schenkt jeder Pate 10 Mark und beteiligt sich an den Feiern in der Kirche und im Elternhause. Tritt der „Petter" oder dre „Gote" in den Ehestand, so gibt es 10 Mark zum Hochzertsgeschenk, womit die Verpflichtungen ihr Ende erreichen. — Ber Krankheiten wird der Kranke von allen Dorfbewohnern besucht. Sfirbt er, so wird in der letzten Nacht (in einigen Dörfern noch Sitte) im Totenhause gewacht, ivobei es mitunter recht lebhaft zugeht, da auch hier der Schnaps nicht fehlen darf. An der Beerdigung nehmen fast sämtliche Bewohner teu. Schon vor ihrem Beginn versammeln sich die Leidtragenden im Sterbehause, wobei Schnaps herumgereicht wird. LiLerat«r. ■— Im Märzheft der Neuen Rundschau (S. Fischer, Verlag Berlin) spricht Hugo von Hofmannsthal, der Dichter von „Der Tor und der Tod", über den „Dichter und diese Seit"; er legt die Bedingungen des dichterischen Schaffens dar und analysiert jdne Wünsche des modrenen Lesers. Alfvü» Kerr berichtet über eine Reihe moderner Lustspiele, wobei besonders Bernard Shaw eine ausführliche Würdigung erfährt. Felix Pvppenberg läßt sich über eine Reihe neu erschienener Romane und Novellen aus. Albrecht Wirth erörtert Pie Lage unserer Kolonien, Karl Jentsch den Ausfall der Wahlen, Friedrich Glaser die Frage der Geldnot. Die belletristischen Beiträge des Heftes! bestehen in dem Roman der Helene Böhlau „Düs Haus zur Flamm'", einer humoristischen Reiseerzählung von Joh. B. Jensen, einer Novelle aus dem Automobilsport von Otto Rung und Ge-, dichten von Max Dauthendey. Eine Reihe von Briesen des englischen Dichters Krats, die über das, künstlerische Schaffen wundes bare Aufschlüsse geben, werden hier zum ersten Mab deutsch veröffentlicht. Episode. i .Von eure alde Frankfvrder. Wie ich mit määne Hernr Kollege Dem scheene Franksort fuhr entgege, .bat rmnerwegs, wie fich's gebihrt, E Mann die Fahrschei' revidiert. Da siug von määne Kameüade ; De Name dhu ich net verrate) Mich Aeäirer, ob dann Frankfort net Wie München e Perwnsperv hätt? „Ei fieilich!" haww ich druff erwiddert, ,Sbor is ihr Wert jetzt sehr erschittert. Denn bei uns fährt der Zug wie fei! — Direkt in Wartesaal enei!" Berstett-Nätsel. (Nachdruck verboten.) Man suche ein Sprichivort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer". Andernach — Rapskuchen — Berggipfel — gefällt — Vergißmeinnicht — Weitsichtigkeit — Vom bürg — Stammhalter — Damenkrieg. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Scherz-Arithmogriphs in voriger Numnter: Anna — Lena — Alaun — „alle" — Ella — Null; das Schlüsselwort heißt: „Ulanen." Auflösung der Preisrätsel in Nr. 196 der Fumilienblütter: I. Äöurgszng-RebuS. Run ist sie da, die Weihnachtszeit, SDiit ihrer Pracht und Herrlichkeit. Eiagegangeu sind 24 richtige Lösungen. D,e ausgesetzten Preis» erhatteim $e(ene Ulthokf in Gießen : Constanze v. Franken, Lexikon des guten Tones und der feinen © i11e. 2 Walter Leun in Großen-Lmden: Zwei technische Werke „Aus Natur-und Geisteswelt". 3, Ernst Schäfer m Kinzenbach: Paul Kaiser, Pam $ C Kati Leib in Mainzlar: Paul Kaiser, Paul Gerhardt. II. Rösselsprung. Im Hellen Glanz der Kerzen Erglänzt der WeihnachlSbaum l Was wir im tiefsten Herzen Zu wünscheu wagten kaun>, Was uns recht lieb und nützlich ist Hat heut' beschert der heit'ge Christ. Eingegangen sind 42 richtige Lösungen. Die ausgesetzten vier ^tC’l. Frau Lim Lindner in Grüiiberg:DieSpielschachteh ein lustiges Bilderbuch für kleine Leute. . .... hpr 2. Fritz Ritzel in Gießen: C. Falken horst, „Aus der Zeit der Entdeckinrg Amerikas." , . gitl 8. Heinrich Piper m Gießen: S p o r t u n d S p r e l. b, Bilderbuch.^er Q n $ in Steinbach: Zwei religionswissensch. Werke, „Aus Natur und Geisteswelt". Die Preise können in der G es ch ästs st e l le „Gießener Anzeigers" in Empsang genommen werden. ~ Redakuonr Ernst Heß. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scben Universitäts-Buch- und Sreindruckeret, «„Lange. ®te8**