Mf InterhsldMKdiM M MchmerAnzeiM OttMl-Aiyeiger) Mi MM Jun Ken unter der Asche. Roman von M. Proßnitz (M. Nörenberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichllich verfolgt. (Fortsetzung.) „Sieh dich vor, Magnus, daß das, was du die praktyche Lösung der sozialen Frage nennst, nicht zum sozialen Schaden wird. Sicherlich wird man dir nicht frei und offen Opposition machen, aber heimlich glimmt der Hassesfunke fort unter der Asche scheinbarer Unterwürfigkeit, bis er vielleicht dereinst mit andern zur Flamme wird, zur vernichtenden Vvllswut, die dann blindlings alle bestehenden Schranken niederzureiizen sucht! Dag- Mar schwieg. Mit ehrlichem Erstaunen sah Beltlingen sie an. „Wie schön du bist!" Unnrutig zog sie die Brauen zusammen. Das war alles, was er auf ihre Ausführungen zu antworten für gut fand? Ein großer Zorn stieg plötzlich in ihr auf. Waren ihre Mele, ihr Herz ihm wirklich gar nichts, liebte er nur ihren schonen Körper? „ ., Ein erstickendes Schamgefühl guvll langsam trt ihr empor. Einen Zug tiefer Pein .auf dem erblassten Gesicht, erhob sie sich mit einer hastig gemurmelten Entschuldigung und eilte, tote verfolgt, in ihr Zimmer. Aengstlich verschloß sie dort alle Türm, ehe sie sich mit unterdrücktem Schluchzen auf ihr Ruhe- $Ett Ach^ sie fühlte es mit erschreckender Deutlichkeit, ihr Ber- trauen zu Beltlingen hatte einen argm Stoß erlitten! Sie weinte bitterlich. Da rüttelte der, dem ihre Tränen galten, unwirsch pn der Tür. . „ , ,, „ „ , , „Oeffne, Dagmar!" Sie fuhr iah empor, beide Hande auf das angstvoll klopfende Herz pressend. „Oeffne!" erklang es noch einmal befehlend. Sie glitt leise bis zur Tür. „Laß mich doch ein Weilchen allein, Magnus, ich bitte dich, tönte es schüchtem zu ihm hin. Es war gut, daß Dagmar nicht den Ausdruck des Zornes sah, der jetzt auf seinem Gesicht lag. Schweigend wandte er sich zum Gehen, doch als Hektor schtvanzwedelnd an ihm emporzuspringen suchte, erhielt er einen Fußtritt, daß er laut aufheulte. Tas schien Beltlingen iwch mehr zu empören. Pfeifend sauste die rasch ergriffene Gerte wiederholt auf den Rücken des Hundes nieder. Was war zu viel für Dagmars erregte Nerven. Die öffnete Mit raschem Entschluß die Tür. „Nun?" erstaunt und spöttisch sah Beltlingen sie an. „Um Gotteswillen, halt ein, Magnus! Ich kann es Nicht sehen, wenn du so unblarmherzig zuschlägst!" Flehend ergriff sie seine schon wieder zttm Schlage erhobene Hand. D>a warf er die Reitpeitsche hin. . , .„Warum reizest du mich so wahnsinnig? Sie verschwieg ihm klüglich ihre berechtigte Gegenfrage: K,Kühlt die Mißhaitdlrmg einer wehrlosen Kreatur wirklich deinm Zorn?" Ihr Schweigen besäilftigte ihn schnell, doch üls er sie Mit leichtem Scherz in feilte Arme ziehen wollte, wtch fte thm aus. „Jetzt nicht," hat sie leise. . Er sah sie verblüfft an, langsam schien der Aerger tn ihm aufzusteigen. Da zwang sie sich ihm freundlich zuzunicken, ehe re dus dem Zimmer ging. Na, denn ein anderesmal," brummte Beltlingen vor flch.- hin, "tritt an seinen Schreibtisch tritt) zündete sich eine Zigarre an. Aber so leicht schien die wirkliche Versöhnung doch nicht zu CUt Stoum merklich zog Dagmar sich von ihm zurück, wich sie seinen Liebkosungen aus. Aber sie hatte damit nicht das Rechte getroffen, das weckte nur noch mehr seine Leidenschaft. Es herrschte eine dumpfe Gewitterschwüle zwischen ihnen. Das blieb auch so rn den nächsten Tagen, und Dagmar fühlte mit Bangen, tote sehr die Spannung zunahm. . , , Mit wahrer Erleichterung begrüßte fte daher den Besuch des Pastors, der in allerlei dörflichen Angelegenheiten zu ihr kam, als der, welcher das Ohr des Herrn Barons sicher nicht der- Sie lächelte schmerzlich. Litt sie selbst doch nicht wenig untep der Entfremdung, die seit dem unglückseligen Vtorgen zwischen iHv und Magnus herrschte. Sie konnte sich noch immer nicht des Unbehagens erwehren, daß sie stets von neuem beschlich, wenn sie seiner „Lösung der sozialen Frage" gedachte. Was halfen da alle Vernunftsgründe, die ihr gar em* dringlich vorhielten, daß Magnus auch nur em Mensch und folglich menschlichen Irrungen und Empfindungen unterworfen sei? Sie fühlte es nur zu deutlich, nie würde fte totcber mit bet bedingungslosen Achtung zu ihm aufsehen können, tote bisher, und ebenso wußte sie, daß er dies empfinden und sie entgelten lassen würde. , Mit peinlicher Achtsamkeit bot sie ihm nach tote vor den Mund zum Kuß, streichelte auch wohl die Wange des darob anscheinend Hochbeglückten, aber er fühlte trotzalledem, daß etwas zwischen ihnen stand. Und das, was er wünschte, war es nicht. — Tas alles machte ihn ärgerlich und ungeduldig, wahrend ihn andererseits ihre Zurückhaltung verletzte. Und aus diesem Gefühl heraus wurde er härter und herrischer, nicht nur zu den Unterti °ebC?,3d} will sehen, ob ich meinen Mann von der notwendigen! Erfüllung Ihrer Wünsche überzeugen kann, Herr Pastor, «w haben gewiß recht mit Ihren Bitten, aber ich glaube nicht, daß ich ihm doch noch eine Gemeinbediakonisstn abbetteln kann. Und sie aus eignen Mitteln, gegen den Willen meines Mannes anzustellen, halte ich nicht für recht. Hoffentlich gelingt es mir, wenigstens den Bau des Schulhauses bewilligt zu erhalten. D.er Pststor verabschiedete sich. Zn der ^reppenhalle h.lte Beltlingen ihn ein, sein Nichterscheinen mit wichtigen Arbeitest entschuldigend. Müller.lächelte leise. „Ich glaube, meine Bitten haben an Fhter Frau Gemahlist einen viel geschickteren Anwalt." .. Beltlingen sah dieses Lächeln wohl, und er begriff auch, daß 414 — der Geistliche damit' einen Zweifel an den Vorgeschichte:: Arbeiten ausdrücken wollte, aber er begleitete ihn trotzdem, der Leute wegen, biS an den Wagen. Um der Leute willen ließ er ihn auch stets durch den Schloßkutscher den kurzen Weg nach Hause fahren. Mit scharfem Blick betrachtete Beltlingen sein Gespann. Wie ungeduldig das Handpferd hin und her scharrte! Der Kammerherr liebte cs, sich dann und wann für einen Pferdeverständigen auszugeben. Rasch trat er jetzt auf das unruhige Pferd zu. „Oh, oh, so — so ist schön!" Er klopfte ihm schmeichelnd den Hals. Tann fuhr seine hagere Rechte streichelnd den Rücken entlang. Aber da hatte er die Rechnung ohne die kitzliche Stute gemacht. Ehe der Kutscher noch ein warnendes Wort sagen konnte, schlug sie quietschend hinten aus, daß der Kies nur so umherstob. Mit leisen: Wehllaut griff sich der Kammerherr an den Arni . . . „Um Gotteswillen, Magnus!" rief Tagmar ängstlich, als Beltlingen leichenblaß in sein Zimmer trat. Matt sank er auf sein Ruhebett. Ihren und des Dieners vereinten Bemühungen gelang es endlich, dem Baron den Rock abznstreifcn. Als sie das Hemd cmporhob, sah sie sosort, das; der Arm eine starke Quetschung hatte. Das bestätigte auch der eiligst aus Greifswald hcrbcitele- phonierte Professor. Er empfahl Ruhe und Schonung. „Die Pflege sei ja in den besten Hände:,." Ach Dagmar glaubte in den nächsten Wochen oft verzagen zn müssen, denn Beltlingens Laune war, obgleich er wenig Schmerzen hatte, die denkbar schlechteste. Nichts war ihm recht zu machen! Rücksichtslos schalt er mit seiner Frau herum, von den verblüffenden Deutlichkeiten gegen Franz ganz zu schweigen. 1!nd grade die machten Dagmar das Herz so schwer. Denn mehr und uiehr fühlte sie deswegen ihre Achtung und damit auch ihre Neigung zu ihm schwinden. Er merkte diese Entfremdung wohl und cs erbitterte ihn, daß sie statt der früheren Zärtlichkeit nur kühle Freundlichkeit für ihn hatte. Und aus diesem Zorn heraus war es ihm eine Freude, ihr die schüchtern vorgetragenen Wünsche des Pastors abzuschlagen. Aber als sie das ohne Gegenrede hinnahm, war es ihm auch nicht recht. Mitten in diese Verstimmung kam die Hofansage. Sie wurden zu der am 20. März anläßlich des Geburtstages Ihrer Hoheit der Herzogin-Mutter statt finden den Galatafel befohlen. Am liebsten hätte Tagmar es gesehen, wenn sie abgesagt hatten. Aber davon wollte Beltlingen natürlich nichts wissen. Hoffte er doch bei dieser Gelegenheit sondieren zu können, ob er Aussicht lauf die Nachfolgeschaft des Grasen Klichm habe. Auch sonnte seine Eitelkeit sich im vohaus an dem Aufsehen, welches er mit Tagmar zu machen gedachte. Es verdroß ihn daher nicht wenig, daß sie sich inbetreff der Toilettenfragen so gleichgültig verhielt und durchaus ein schon einmal getragenes Kleid anziehen wollte. Eigenhändig teilte er deshalb Lupowsky seine Wünsch: mit. .Acht Tage vor ihrer Abreise traf die Sendung ein. Der Schneider hatte sich selbst übertroffen. Dagmar war überrascht und gerührt durch diese Fürsorge ihres Mannes. Sie dankte ihm mit Herzlichkeit. Würmer als sonst leuchteten ihre Augen. Beltlingen sah entzückt zu ihr hin. „Wenn der Herzog dich so sehen könnte," meinte er nachdenklich. Sie blickte ihn verständnislos an. „Dann würde er jedenfalls ebenso entzückt sein wie ich." „Ach," machte Tagmar gleichgültig, „auf ein bißchen mehr oder weniger fürstliche Huld konimt cs doch wirklich nicht an." „Doch!" betonte der Kammerherr ernst. Sie lachte sorglos. „Nun, durch meine Künst wirst du sicher nicht Exzellenz." „Allein dadurch nicht. Helfen kannst du aber auch dazu. Du weißt ganz gut, wie sehr der hohe Herr für Frauenschönheit empfänglich ist. Und eine Bitte aus deinem Munde ist er vielleicht eher geneigt zu erfüllen. Ich überlasse das natürlich ganz deinem Takt!" Er schwieg und tupfte sich erregt die Stirn. Sie war ihm feucht geworden. Dagmar hatte aber auch wirklich eine ganz sonderbare Art, ihn anzusehen. Durch und durch ging einem der Blick. Wenn sie doch wenigstens antworten wollte! Diese lange Pause machte ihn förmlich nervös. "Ich hoffe, du hast:nich verstanden, mein Herz?" „Völlig," erwiderte sie kält. ' , ' „Uitb du wirst dich nach meinen Wünschen richten?" ä^ch weiß, was ich zu tun habe," entgegnete sie hart. Beltlingen crhib sich. „Ich danke dir, Tagmar." Eh wollte einen Küß lauf ihre Stirü drücken, aber Dagmäp bog sich zur Seite. Es wäre ihr unmöglich gewesen, jetzt eine; Liebkosung von ihm zu ertragen. Tie Röte des Zornes stieg ihm ins Gesicht. „Keine Szenen, wenn ich bitten darf!" sprach er mit vor Aufregung heiserer Stimme. „Ich hoffe, du merkst dir ein für allemal, daß ich die Form unter allen Umständen gewahrt haben "will!" „Tie du selber so oft außer acht läßt," hätte sie ihm am liebsten entgegen gehalten. Aber sie schwieg. Wozu diese nutzlosen Gegenreden? Um einen Schein blasser erhob sie sich und schritt aus der Tür. . . Doch kaum war sic hinaus, so bemächtigte sich ihrer wieder das gräßliche Schwindelgefühl, was sie in der letzten Zeit so oft plagte. Grüngelbe Funken tanzten plötzlich vor ihren Augen., Mit Mühe die Chaiselongue erreichend, sank sie schweratmend dort nieder. Wie lauge sie da gesessen, sie wußte es nicht. Jedenfalls! hatte der Anfall dicsesmal länger gewährt als sonst. Sie fühltej sich überhaupt seit einiger Zeit recht elend, was sie ans die heftigen Erregungen der letzten Woche schob. Aber wozu Magnus! davon sagen? Nervöse Frauen konnte er nicht leiden. Ta schwieg sie lieber. Oh, sie hatte es allmählich gelernt, das Schweigen und Bcr-t schweigen! Und sie wußte, grade zu dem letzteren würde sie in der Residenz noch mehic Veranlassung haben. Denn sie wollte es nicht, nein, um keinen Preis wollte sie es den andern eingestehen, daß zwischen ihr und Magnus nicht alles so war, wie es sein sollte! Ein trauriges Lächeln zuckte über ihr Gesicht, Dagmar Nolfsest als — Schauspielerin . J . (Fortsetzung folgt.) Ans der Studentenzeit. Er'nnermrge» eines alten Gießeners. (Fortsetzung.) Mas Ne inneren Einrichtungen der Universität an- langt, so ist inan da sehr konservativ! geblieben. Mein Baier erzählte mir, daß zu seiner Zeit das De kau at> welches jährlich wechselte, dem jüngsten Professor der Fakultät das erstemal zwar angeboten wurde, daß er es aber dankend ab lehnen mußte. Zu meiner Zeit galt dies, wenn ich recht bo- richtet, bin, noch gerade so. Wie es heute ist, weiß ich nichts Tie Doktorpromotionen waren zu meiner Zeit nach den Faküle täten sehr verschieden. Für die Klandidaten der Jurisprudenz,; welche die Fakultätsprüfung mit der Mindestnote g u t bestanden hatten, bot _ die Erlangung der Doktorwürde keine Schwierig- keit. Tie Dissertation wurde erlassen und die Note der Prüfung als diejenige der Doktorprüfung entsprechend in das Diplorst laufgenommen. Wenigstens. wurde dies so mit den beiden Kandidaten, die mit mir mündlich geprüft wurden, nach deren Mit-, teilung gehalten. Auch von anderer Seite wurde mir dies be-- stätigt. In Heidelberg w,ar allerdings die Erlangung der Doktor-- würde noch leichter. Ein Bekannter von mir, Dr. C., war int Gießener Jiakultätsexamen gründlich durchgefallen. Er reiste so-, fort nach Heidelberg und kanr nach wenigen Wochen von dort alss wohlbestallter Doctor juris utriusque zurück. Weggefallen ist das ehrwürdige I n st i tut des Nniversi-! täts giert ch ts. Zu meiner Zeit blühte es'noch, obwohl seine! Kompetenz durch die Gesetzgebung von 1849 bereits arg beschnitten war. Nach Erlaß der Reichsstrafgesctzgebung fristete es nur noch ein kümmerliches Dasein, bis es mit der Einführung der Straf- und Zivilprozeßordnung solvie des Gerichtsverfassnngsk gesetzes aufgehoben wurde. In den fünfziger Fahren stand ihm der Universitätsx- r i ch t e r Negierungsrat H. vor, der sich wegen seines UeberflusseI Ian Haarinangel trotz dessen künstlicher Verdeckung (seine Perücke ergraute mit den Jahren) seitens der Studentenschaft einen ziemlich despektierlichen Spitznamen gefallen lassen mußte. Ter Ulniv erst tüt ssekretälr war akademisch gebildet, aber es wurden an seine Weisheit keine großen Ansprüche gestellt. Wenigstens war der damalige Inhaber des Amtes, Herr Prinz,; sehr beschränkt, und wurde deshalb nicht selten von den Studierenden zum Besten gehalten. Ich erinnere mich, daß ihm eines Tages in seiner Stammkneipe, der Brauerei König (später Röhrle), eilt Rätsel ausgegeben wurde. „Herr Prinz was ist das: Es ist schwarz, von Eisen, steht auf deM Herde und es wird dariuf gekocht?" Er sann hin und her und bat sich dann Bedenkzeit! aus. Andern Tages erschien er freudestrahlend und erklärter „Meine Herrn ich haü's, das ist ein Moppen"! „Ach Herr Prinz,; das haben Sie nicht allein geraten!" „Auf mein Ehrenwort, ich habe es ganz allein geraten!" Er konnte nicht begreifen^ warum diese feierliche Erklärung eine so stürmische Heiterkeit erregte. Seine Hauptaufgabe war, die jeweiligen Studentenver^ zeichnisse zusammenzustellen, und er betrachtete es als eine Ehrenpflicht, dafür zu sorgen, daß die Zahl bet Studenten nicht unter 415 - dreihundert sank. Tas tvar manchmal gar nicht so leicht., In dieser Beziehung wenigstens erwies et sich als" sehr, findig. Er ist als betagter Junggeselle gestorben, deshalb wird die Nennung seines Namens 'Niemanden verletzen. Alle U n i v e r s i t ä t s b e a m t e n tat g en die vorgeschriebene Tienstunisorm. Dunkelblauer Wafsenrock mit goldenen Knöpfen und statt dessen im gewöhnlichen Dienst —nach Belieben— hechtgrauer Paletot. Dazu hechtgraue Beinkleider und Degen. Als Kopfbedeckung diente der Dreimaster, im gewöhnlichen Dienst statt dessen dunkelblaue Mütze. An hohen Festtagen, insbesondere Großherzogs Geburtstag und Namenstag, traten an die Stelle der hechtgrauen Beinkleider weiße. Daher der Name „Weißer Hosentag". Tie Fsarbe des Kragens und eines Bundes um die Dienstmütze zeigten d,as Ressort des betreffenden Ministeriums an, dem die Beamten unterstanden. Das war für die Universität hellblau. Tie Stufenleiter der Beamtenhierarchie ergab sich nach österreichischem Muster aus dem Rockkragen und wurde durch kleine goldene Rosetten zu beiden Seiten des Ktagens angezeigt. Mit dem Ratsrang erschien eine breite goldene Borte, am Kragen. Tie höchsten Stufen begannen mit einer noch breiteren Goldborte, sodaß nur ein ganz schmaler Streifen Tuch oben sichtbar blieb, an deut man .gerade noch das Ressort erkennen konnte. Tie Zwischenstufen wurden für diese höheren und höchsten Stellungen durch silberne Rosetten angedeutet. Tie Universitätsprofessoren blieben von dem Uniformszwang verschont. Nur der Kanzler, damals Professor Bimbmim, trug Lei repräsentativen Gelegenheiten als Bertreter bet Regierung die Uniform mit der breitesten Goldborte. Alle aber unterlagen dem von Ludwig III. erlassenen sogenannten edictum barbarnm, d. hi nur der Großherzog und die Offiziere durften Schnurrbärte" tragen, den Beamten war cs untersagt. „ , . , .• In der späteren Regierungszeit Ludwigs III. emanzipierte man sich allmählich von diesem merkwürdigen Verbote. Tie Dienst- uniformen blieben aber bis zum Regierungsantritt Ludwigs IV. (1877) Tie Uniform der niederen Bediensteten ist heute noch dieselbe wie früher. Sie unterschied sich von denjenigen! der Beamten dadurch, daß es feine Borten an den Stagen gab und daß Knöpfe und Rosetten von weißem Metall waten. , Nut daran und am Degen konnte man beispielsweise den Uuiversitäts- sekretar von dem Pedellen nnterscheiden. Von den fr e tenj Künsten war die Frau Musika zu meinet Zeit am Uebelsten beraten. Der gute Musikdirektor H. war alt und kränklich. Er dirigierte den Akademischen Gesangverein und hatte es in seiner langjährigen Tätigkeit nut bis zur mehrmaligen Ausführung der Glocke von Romberg und des Vaterunsers öon Spo hr gebracht. Ter Verein zahlte etwa 100 Mitglieder unb bestimmte seine Geschicke selbständig. Er wählte feinen Präsidenten aus den Reihen der Professoren und die Vorstandsmitglieder aus den vier Stimmen, sodaß der Vorstand aus zwer Damen und zwei Herren gebildet wurde. Die Zugehörigkeit des Vereins zur Universität war von Alters her begründet. Tie letztere stellte die Räume für die wöchentlichen Proben, die Vereiusfahne zeigte deren Farben und ihr Wappen. Ter Musikdirektor wurde aus den der Universität für musikalische Zwecke bewilligten Mitteln, allerdings sehr kärglich, besoldet und führte den Titel eines Unr- versitätsmusikdirektots. Zn meiner Zeit erhielt guch der zum eisernen Bestand des Vereins gehörige Vorstand des! Soprans, Fräulein Hiepe einen Zuschuß von 100 Gulden aus diesen Mitteln. , Ter Verein hat von jeher bei der alljährlichen Feier des Universitätsfestes mitgewirkt und Hat vor einigen Jahren daS Fest feines hundertjährigen Bestehens als äkade- mischet Gesangverein gefeiert. Seit den letzten fünfzig Jähren hat et sehr tüchtige Dirigenten gehübt und es in dieser Zeit zur tadellosen Wiedergabe der bedeutendsten Tonwerke gebracht. Zu meiner Zeit bestsand noch der Universitäts-Marshall, unmittelbar neben dem alten Universitätsgebände auf dem Bränd, er konnte bequem etwa 30 Pferde ausnehmen, und enthielt damals deren noch eine stattliche Anzahl. Dazu gehörte die Dienstwohnung des Universitätsställ- Meisters, dias Quergebäude am oberen Ende des Brandes, das erst bei Herstellung der Landgrafeustraße abgebrochen worden ist. Noch jetzt besteht die offene sowie die dahinter liegende gedeckte U n i v e r t i t ä t s - R e i t b a h n am' Brand. Tic letztere wurde früher auch lnanchmal zu öffentlichen Schaustellungen her'gegeben. Bor Erbauung des Leibscheri Saales fanden beispielsweise dort öfters die T h e a t e r v o r st e l lu n g e n> statt, und ich kann mich erinnern, dort auch einer Vorstellung von „Englischen Reitern" beigewohnt zu haben. Früher spielte auf der Universität das Reiten eine größere Rolle, wie heutzutage. Bei der Beschränktheit der Verkehrsmittel gehörte es zum guten Ton, diaß der Student reiten, konnte, und es spielte dies auch bei dem Renommieren eine größere Rolle tote heutzutage. Zu meiner Zeit begann schon das Renommieren mit Chaiseufährten. Ter Unterricht int Fechten und Tanzen lag bis kurz bot meinet Studentenzeit seht im Argen. Ta war ein kutzer, dicket alter Mann mit Hängebackeii, namens Batt ho l em a i, bet den Titel eines Univerfitäts-Fecht- und Ttanz-i Polizeistrafe aber n e sucht ungeschaut. (Fortsetzung folgt.) hat cs, wie mir scheint. Ich muß die Schilderung ____. ____ dieses Instituts einem Erfahreneren überlassem Ich habe nur immer die vergitterten Dachfenster auf dem alten Schloß mit einet Art Sehn-, lehr er 8 führte, der wjahre Hohn auf einen solchen. Mik seinem Tode änderte sich dies in erfreulicher Weise. An seines Stelle tvat R ö se, der Vater. Et war"ein stattlicher Mann und erteilte einen vorzüglichen Fechtunterricht, sodaß inan gern die Hiebe mit in den Kauf nahm, die er anszuteilen pflegte, wenn et glaubte, daß der Schüler Nicht genügend auf seinen Lehret achtete. Tie Eleganz seines Auftretens im Klubsaale bei Leitung der Quadrillen ist unerreicht geblieben. Ich denke, daß ich im Bisherigen das Gießen der damaligen Zeit als die kleine Stadt, in welcher die Universität mit ihrest Professoren und etwa dreihundert Studenten iioch die Hauptrolle spielten, mit seinen Besonderheiten zur Genüge geschildert habe. Wenn ich dabei manchmal vielleicht des Guten zu viel getan, so bitte ich, dies der Redseligkeit des Alters zugut zu halten und der Absicht, ein Bild von den Zuständen zu geben, die meist recht verschieden tioit den heutigen sind. lieber das Carzer konnte ich nichts berichten. Ich habe es leider nicht kennen gelernt. Ich wollte um diesem Fehler abzuhelfen, wenigstens einmal ft ~r" - sitzen, allein mein Vater ohne Grund, mdjt gelitten. der Leiden und Frendeir Aus d§n Tiefen der Ktwässrr II. Von R. H. F r a n e 6. Wir haben kürzlich bei einer Empfehlung des Franesschen Prachtwerkes über das Pflanzenleben*) am Schluß unseres Artikels davon gesprochen, wie schwierig die Atmung für Wasserpflanzen ist. Der Verfasser fährt dann fort: Auch die Ernährung ist im Wasser anders; teils leichter, teils schwieriger als auf ibtem Festlande. Dazu kommt noch bei einem Teil der Wasserpflanzen der allerdings variable Salzgehalt, der das Leben sicherlich nicht erleichtert. Mit allen diesen Verhältnissen müssen bieientgen Landpflanzen rechnen, die sich dem Wasser anvertrauen ivollen. Die Formulierung dieses Satzes scheint zwar in einem gewissen Widerspruch zu stehen mit der Angabe, daß alles Pflanzenleben emst dem Wasser entstieg. Der Widerspruch ist aber nur scheinbar. Denn wir müssen annehmen, daß schon die niedersten Pflanzen, daß das Gewächs schon auf der Organisationshöhe der Pilze dem Wasser Valet sagte und den Kampf mit der Trockenheit anfnahm. Erst als die Lebensform der Blütepflanzen erreicht war, gab es wohl wieder Flüchtlinge, die in das Urelement zn- rückbegehrten und mit großer Mühe und hundertfachen Organl- sationsäiiderungen sich ihm zum zweitenmal ailpaßten. . Diese nachträglichen Anpassungen lassen sich unfern heutigen Wasserpflanzen, den Wasserrosen, Laichkräutern, Wasserlinsen, Tausendblättern, Seegräsern und wie sie alle heißen, leicht vom Leibe absehen. Ja, man versteht ihre eigenartige Gestaltung sogar mir bann, wenn man sie von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet. Ein Viertelstündchen Kahnfahrt über einen stillen, pslanzenreicheii Teich wird dadurch zum fesselndsten Anschauungsunterricht. Da sehen wir vor allem, daß es eine wohlgezogene Grenze zwischen Wasserpflanzen und Sumpfgewächsen gibt. Das Röhricht am Teichrand, die Schwertlilien und Riedgräser unterscheiden sich noch durch gar nichts von den Bewohnern der Wiese; sie wurzeln auch fest im Schlamm und streben mit Üppigem Wachstum auch stets über den Wasserspiegel hinaus. Die ersten richtigen Wasserpflanzen sind die Wasserlinsen, die zu Tausenden den Strand nmsäunien. Die sind aber auch gleich gehörig angepaßt. Sie verzichteten sogar auf die Blätter. Die kleine hellgrüne Linse, die sich ans dem Wasserspiegel ausbreitet, ist nämlich ein (Stamm, der die Funktionen eines Blattes über- nommen hat; daher entsprießen ihm auch die Wurzeln, die aber nicht danach streben, den Grund zu erreichen, sondern zufrieden sind, alle Nahrung aus dem Wasser zu saugen. Da haben wir die erste typische Schwimmanpassung. Dieses Pflänzchen opfert fast seine ganze Eigenart den Anpassungen zuliebe. Auch bte Wurzel ist ihm ziemlich nebensächlich. Darum wirft es fxe bcreit- willigst ab, wenn dazu Gelegenheit ist. Die Nahrung Wirb nut dem ganzen, ins Wasser ragenbeit Körper aufgenommen; sowie daher das Pflänzchen ganz ins Wasser versinkt, wird es wurzellos. Die winzige Wolffia arrhiza, die mit etwa 1 I.j Ti mimet er Länge die kleinste aller deutschen Blütenpflanzen A, entbehrt der Wurzeln vollständig. Sie entwickelt auch nur höchst selten Blüten und ist überhaupt kir markanteste aller bekannten Wafsir- anpüssungcn. Alle normalen Pflanz norgane, Blatter, Wurzeln, Blüt'n, sind bei ihr mit Rücksicht auf bte Lebensweise verschwunden, übrig bleibt nur ein verzerrter Stamm,, eine kleinwinzige Linse mit der Fähigkeit, sich durch ungemein rasch wach ende Seitensprosse zu vervielfältigen. Untersuchen Wir diese beschei- *) R H Francs, Das Leben der Pflanze. I. Abteilung: Das Pflanzenleben Deutschlands und der Nachbarländer (umfaßt 26 Lieferungen ä 1 Mk. mit insgesamt 3c>0 Abbild, sowie 50 tafeln). (Stuttgart, Verlag des „Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde", 416 densten Wesen etwas näher, so sehen wir, daß die Anpassungen auch das innere Gefüge des Körpers verändern. Die Linse ist merkwürdig dick angeschwollen — dies rührt von zahlreichen, großen Luftblasen her, die ihr Inneres erfüllen. Dieses „Luftgewebe" sichert ihr Leichtigkeit zu und gewährleistet ihr zeitlebens das Schwimmen, so wie den Plaukiouwesen ihr Oel- gchalt oder ihre „Ausleger". Die Schwimmblätter bewährten sich so trefflich in der Praxis, daß die Natur wiederholt auf sie zurückkam. In manchen Teichen mit wärmerem Wasser findet sich häufig ein zierliches Lebermoos, goldgrün, wie ein winziges Hirschgeweih geformt, stets zu vielen Hunderten frei auf dem Wasser schwimmend. Man nennt es Riccia. Auch bei ihm ist die Ersinderidee der Luftblasen angewcndet. Große Lufträume enthalten auch die schwimmenden Blätter der Wasserrosen, des Froschbisses und anderer Wasserpflanzen, wobei die Anpassung meist so weit geht, die Blätter flach und scheibenförmig zu gestalten, wodurch auch sichere Balance ermöglicht wird. Durch diese Lufträume wird jedoch zugleich der notnoendige Gaswechsel gesichert; dieselbe Anpassung wirkt nach zwei Fronten. Hat die Pflanze nicht genug Luft im Wasser, so nimmt sie einfach in ihrem Körper einen Vorrat davon mit in die Tiefe hinab, manchmal so viel, daß 70 Prozent ihres Volumens Luft sind. Sowie wir aber die Wasserlinsenzone verlassen haben, tritt uns in neuen Pflanzenformen eine nicht minder wunderbare Anpassung entgegen. Da blühen Wasserranunkeln, reizende Ge- schöpfchen, die zwei Lebensformen in einem Körper vereinigen. Sie sind kräftig genug, die Spitzen ihrer Triebe über den Wasserspiegel zu erheben, was eine ganz ansehnliche Wachstumsleistung ist. Diese in der Lust lebenden Teile sind nun vollständig verschieden von den untergetauchten. Die über dem Wasser stehenden Blätter sind dem Schwimmen angepaßt (sie haben daher breite Flächen), die unter Wafler befindlichen aber der Nahrungsaufnahme und dem «.m Wasser so erschwerten Gasaustausch. Sie strebten also danach, ihre Oberfläche außerordentlich zu ver- größern, und erreichten dies durch weitgehende Zerschlitzung und Verzweigung. Nebenbei wurde dabei noch der Nutzen erzielt, daß vorbeischlüpfende Tiere oder Wasserströmungen und Wellen die Blätter nicht so leicht zerreißen können, als wenn sie sich Mit einer breiten Fläche dem Hindernis entgegenstellen würden. Diese Zerschlitzung der Wasserblätter, die den Kiemen der Fische entspricht, tritt uns bei weiterer Untersuchung der Teichvegetation immer wieder entgegen. Die unterseeischen Wiesen des Tausendblattes sind das duftigste und zarteste Spitzengewebe, das undinengleich der leisesten Strömung wogend folgt. . Das Blätterwerk ist hier in einen Doppelkamm feinster Fasern aufgelöst; bei dem etwas selteneren Hornblatt unserer stehenden Gewässer sind sie immer wieder gespalten, dadurch ist das ganze Pflänzchen in einen starrenden Busch eleganter Nadeln verwandelt. Der noch seltenere Tannwedel, der zuweilen mehrere Meter lang dahinflutet, nimmt gar die Wuchsform eines Schachtelhalmes an, mit dem ihn der Unkundige fast immer verwechselt, und stellt um seinen Stengel dichte Ringelreihen von kleinen, grünen, fadenförmigen Blättchen. Und will die Zerschlitzung nicht gehen, so erfolgt die Durchbrechung der geschlossenen Mattscheibe, wie bei der außerordentlich merkwürdigen, daher auch in den botanischen Gärten zu findenden, ursprünglich madagassischen Gitterpflanze, bei der die Zwischenräume der Blattrippen leer bleiben; oder das Blatt paßt sich dem Fluten und Wallen an und löst fich in ein endlos flatterndes Band auf. Anc geringsten noch bei den Nixkräutern der Seen Ost- und Westpreußens, schon ausgesprochener bei manchen Arten der vielgestaltigen Laichkräuter, aber in geradezu klassischer Vollendung bei der herrschenden Blütenpflanze im seichten Wasser aller Seegestade, dem Seegras. Man kann fich gar keinen Begriff machen, wenn man es nicht selbst gesehen hat, in welchen Massen das Seegras die Watten im Nörchen und die Lagunen im Süden besiedelt, dadurch beweisend, daß seine zu langen Bändern ausgezogenen, ungemein schmiegsamen und elastischen Blätter eine vortrefflich sich bewährende Anpassung an die aus Ebbe und Flut sich ergebenden steten Strömungen und die windgepeitschten Wellen sind. Wären die Blätter nach Art der Landpflanzen breit und massig geformt, wie bald wären sie zerfetzt und die Pflanze aus dem Boden gerissen! Es bleibt ja auch das Seegras nicht von diesem Schicksal verschont — jeder heftige Sturm entwurzelt Tausende davon (die Kanäle Venedigs sind stets erfüllt von diesen Massen). Aber wie wunderbar: die Natur machte hier aus der Not eine Tugend und verstand es, die Lebensgefahr zu einem neuen Daseinsvorteil zu wenden. Sie gestaltete die meisten Wasserpflanzen brüchig und schwach wurzelnd und gab ihnen dadurch die Gewähr massenhafter Verbreitung, die den einzelnen Unglücksfall rasch wieder wettmacht. Die vom Sturm losgerissenen Wurzelstöcke treiben mit der Strömung und verpflanzen das Gewächs bis in die entlegensten Gebiete, sogar mit Vorliebe gerade in die geschützten und — da sie dort zur Ruhe kommen — auch vorteilhaftesten Winkel des Geländes. So machen auch die Laichkräuter, der Wasserfenchel, die Schwertlilien, der Kalmus; durch solche Brüchigkeit segeln mit der Strömung das Hornblatt, die Wasserpest, die Bruchweide oder die reizenden Armleuchtergewächse. Sie machen es dadurch wieder wett, daß für die meisten von ihnen das Wasser gerade kein geeigneter Ort zur Vermehrung durch Blüte und Frucht ist. Fast alle echten Wasserpflanzen find kleinblütig. Das ist bei den zeitlebens Untergetauchten, fo beisden Seegräsern, bei Horn- und Tausendblatt, die unter Wasser blühen und fruchten, wohlverständlich, ebenso daß sie ihre Blüten nur auf die unumgänglich notwendigen Geschlechtsorgane beschränken. Sehr verwunderlich ist jedoch, was denn gewisse untergetaucht lebende Wasserpflanzen dazu antreibt, ihre Blütenköpfchen um jeden Preis aus bem Wasser herauszustecken, wie es das Froschkraut tut. Sie bringen fich dadurch in sehr schwierige Lebensverhältnisse; die ungemein empfindlichen Blüten sind tausend neuen Gefahren ausgesetzt durch, Stechen des Wassers, Wellenschlag und Wind; dabei sind die Aussichten auf Jnsektenbesuch vermindert, denn die Wasserfläche ist denn doch ein gefährlicher Tanzboden für die leichtbeschwingten Blumenliebhaber. Es dürfte dies ein Punkt sein, wo man tief hineinsieht ;in die Maschinerie des Naturgeschehens. Das „Herkommen", die Gestaltungsregel ist in diesem Falle stärker als die Anpassungskraft, und dies spricht dafür, daß die Lebenskräfte durchaus nicht so ganz autonom, so selbstschöpferisch seien, wie es nach mancher wunderbaren Anpassung den Anschein hatte, sondern doch nur ein bestimmter Schematismus von Möglichkeiten, der zwar einige Kombinationen zuläßt, im großen und ganzen aber nur eng beschränkt ist. Es ist dies zugleich wieder ein Memento, daß sich die lebendige Erscheinung doch nicht völlig in Anpassungen auflösen läßt, sondern einen gewissen unzerlösbaren Kern besitzt, der als das Ewige hinter allem vergänglichen Schein thront, wenn er auch stets mit neuen Masken zugedeckt ist. Und an solchen ist bei den Wasserpflanzen wahrlich kein Mangel. Manchmal hat es ja den Anschein, als ob sie vollständig zur „Anpassung" geworden wären. Je einfacher das Gewächs, desto mehr Anpassungsfähigkeit scheint es zu haben. So sehen wir die Fadenalgen, die Wasserfäden noch mehr dem losen Spiel der Wellen angepasst als die Seegräser. Sie kitten sich an einem Ende fest an einen Stein oder Balken und wachsen von da aus meterlang, eine Zelle an die andere gereiht, wie eine Perlenschnur, im besten Fall als verzweigtes, aber unendlich schmiegsames Sträuchlein. In rasch fließenden Bergbächen ist das sogar die einzige Daseinsform, die sich die Pflanze dort gestatten kann. Wenn sich ein Wasserstern hineinwagt, fo zieht er sich maßlos in die Länge und dehnt seine Blättlein aus. An der rasch fließenden Quelle bilden die Fontinalis-Quellmoose lang wallende Bärte; auch die Diatomeen bilden Fäden, da sie sich zu Tausenden in lange Schleimfäden einlagern; im eiskalten Tobel tauchen unerwartet Meeresalgen auf, die im Süßwasser nur an dieser Stelle einen Zufluchtsort finden. Schwarzgrüne, rotbraune, blaugrüne Tange, ganz reizende Geschöpfe, die die Mühe lohnen, sie aus so einem Gebirgsbächlein herauszufischen, auf einem Blatt Papier ausbreiten und trocknen zu lassen. Sie geben dann die wundervollsten Tapetenmuster und Ornamente, auf die unsere Phantasie gewiß nicht verfallen wäre. Sie alle find wallende Mähnen en miniature, ein Büschel feinster Haare, dahinflutend, als ob sie die Flechten von Melusinens holder Jungfrauenschar wären. Damit haben wir die hauptsächlichsten aller einhelmpchen Wasserpflanzeir an uns vorbeiziehen lassen imd vielleicht auch einigermaßen Verständnis dafür erlangt, warum sie gerade jo sein müssen, wie sie sind. Kreuzrätsel. JndieFelderuebeustebeuder Figur sind die Buchstaben a a aabbbddeeeeeeee eeggg-hhllllmnno opprrrrr rrrtt derart einzutragen, daß die wagrechteir und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes ergeben: 1. Insel in der Nordsee. 2. Naturwissenschaftliches Beobachtungswerkzeug. 3. Stadt in Brandenburg. | J r Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Gesuch, Besuch. Redaktion: Ernst Heß. — Notationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätZ-Buch- und Steindruckerei, St Lange, Gießen.