Areitag den 17. War ym 15 ISST SB B ■R W MW WWW! 18m HB MM beit Umschlag ablöste und das Buch öffnete. Da stand vorne auf bet ersten. Seite über bene Titel eine Widmung an sie. „Seiner geliebten Schwester im Geist, welche die ersten Ge- banken teilte, bie dieses Werk im Entstehen formten, welche manchen toten Stein dazu beseelte, sei das Buch gewidmet in Ehrfurcht und Dankbarkeit." Sie neigte ihr Haupt tief über bas Blatt, bie Tränen iwltteit sich nicht hemmen lassen, sie verdunkelten ihren Blick, O ja, sie erinnerte sich. Lange ehe sie ahnte, dast er Sylvia liebte^ trug sein Geist sich schon mit dieser Arbeit. Er sprach ihr davon, und sie begeisterte sich voll dafür. Sie hatte der Entwicklung seines Planes gelauscht mit ungeteiltem Interesse, hatte das erste Werden mit erlebt — gegeben hatte sie ihm nichts dazu, — wie konnte er sie so ehren — aber glücklich, unermeßlich glücklich war sie damals gewesen, als — seine Schwester im Geist! Sie erhob das tranenumftorte Auge zu ihm und reichte ihm die Hand. , „ ,, „Billatte!" es kam nichts weiter über ihre Lippen, er sah mit seltsamen, ihm selbst unklaren Gefühlen auf sie herab. So schön war sie früher nicht gewesen — sie tvar dieselbe! und doch eine andere. Es war so peinlich still int Zimmer, nur die Uhr tickte laut, Erna w-ars den Kopf zurück, ihr war zum Ersticken Heist. Da wurde plötzlich die Tür, welche vom Korridor in daS Wohnzimmer führte, ungestüm aufgerissen, und ein etwa vorjähriger blonder Knabe stürmte herein. Er hielt einen Straust wundervoller Rosen in den Händen, hob ihn jubelnd empor und eilte in Ernas Arme, die sich ihm entgegen breiteten. „Erna! Erna! Der Papa ist auch brausten." Erna fing den wilden Knaben auf und rettete bie herrlichen Rosen bei der rücksichtslosen Umarmung. Ihr Antlitz glühte purpurn, eä1 glänzte etwas Feuchtes unter ihrer Wimper, sie herzte und küßte das liebliche Kind. „Walter! Walter! Mein Wildfang! Woher kommst du denn Ijcitt?" Billatte stand mit einem unbeschreiblichen Gesichtsausdruck daneben, sein Herz schlug plötzlich so unruhig, dast er sich selber nicht begriff. - , r ,r . Und jetzt stand da im Rahmen dec Tur em hochgetvachscner Manu in der Unijorm eines' Obersts, mit einem schönen männlichen Gesicht und dunklem Bollbart. Unter der wettergebräunten Stirn leuchteten ein Paar stolzer, gebietender Augen. Eine imponierende Erscheinung, der kein Mädchen abhold sein konnte. Er trat auf Erna zu und begrüßte sie mit einer gewissen vertraulichen Courtoisie. , , t „Der Junge liest mir keine Ruhe," sagte er lachend, „wir stören Sie natürlich heute. Dürfen wir ein Stündchen bleiben? Erna wandte sich zu Billatte, der im Hintergrund gebltebeit tvar, um ihn vorzustellen, und jetzt erst schien der Offizier rhit zu gewahren. ™ ™ „Herr Professor Billatte — Freiherr von Ständig, Oberst und Kommandeur des . . .-Regiments." Die Herren verbeugten sich. Die Augen des Obersts ruhten mit freundlichem, gewinnendem Ausdruck auf dem jungen Professor^ Irrlicht nach. Roman von Alexander R ö m e r. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Nach RoM — Erna wandte sich ab, denn ihr trat eine helle Flamme ins Gesicht — Roderich hatte geschrieben, dast er Sylvia in Rom getroffen habe. Wußte Billatte daS? Lockte sie ihil noch? Unsinn — ihre Gedanken verwirrten sich schier, wie sollte er es' wissen, — und wenn er es wüßte — sie zu sehen ging er ja nicht — was ihn hinführte, lag ja offiziell am Tage. Aber eS mochte peinlith für ihn werden, ihm die reine Freude, welche er über diesen auszeichnenden Auftrag empfand, wieder verbittern, wenn er es erfuhr. — Ihre Gedanken irrten sofort wieder um sein Leben, um sein Wohl, um sein Glück, — sofort, nachdem sie ihn einmal wiedersah, und sie hatte sich eingeredet, er sei ihr nichts mehr. Wenn der Vater fiti> nur nicht verredete, — aber nein, er tvar klug in diesem Falle — er erwähnte Sylvia nicht. Nur davon, daß er Roderich in Rom treffen würde, sprachen sie. Wie die Züge des Bakers sich belebten, als er von feinem Sohne sprach und Billatte bat, ihn ja gleich aufzusuchen. Ernas Herz tvar schwer, zentnerschwer. Sie stand Vor einer wichtigen Entscheidung, sie hatte nun seit einem halben Jahr eine neue Zukunft vor sich aufsteigen sehen, sich an den fremden Gedanken gewöhnt, mit ihrem Verstände überlegt — sie konnte keine Storung, keine Gemütsbewegungen neuer Art gebrauchen. Der Kommerzienrat war in sein Zimmer gegangen, um not- tvendige Geschäftskorrespondenzen zu erledigen, nachdem er vorher peremptorisch angeordnet, des Professors Sachen aus dem Hotel zu holen. „Sie sind selbstverständlich für ein Mar Tage erst unser Gast, ehe Sie über die Alpen gehen," hatte er erklärt; „wir erwarten morgen einige tverte Freunde zu Tisch, die Sie kennen lernen müssen. Sie kamen gerade zu rechter 3e.it." Den letzten Satz hatte der alte Herr mit eigenartiger Betonung und einem gewissen Schmunzeln um den breiten Mund gesprochen; Billatte aber beobachtete es' nicht, nur Erna zuckte unter den Worten zusammen. Billatte ivollte erst ablehnen, fürchtete daun aber wohl den alten, lieben Herrn zu verletzen und sagte zu — Erna.war im Zweifel, ob gern oder ungern. Tie Mama war auch eben abgerufen worden in Toiletten- stngelegeuheiten — Erna und Billatte waren allein. Er trat auf sie zu und zog mit einer schüchternen, verlegenen Miene, die ihn jünger und kindlich liebenswürdig erscheinen liest, eilt Buch in solidem, künstlerisch ausgestattetem Einband aus der Tasche. „Fräulein Ema! Das erste Exemplar meines Werkes „Vergleichende Geschichtsphilosophie", das eben die Presse verlassen hat. Ich möchte es Ihnen überreichen. Erinnern Sie sich noch an die Stunde, als —" Seine Stimme versagte, et mußte sich abwenden. Sie sank in einen Stuhl, es schwamm vor ihren Augen • jttttb; sie konnte es nicht wehren, daß ihre Hände zitterten, als sie r— 286 „Ich horte tont Herrn Kommerzienrat öfter Ihren Namen flennen; es freut mich, Ihre Bekanntschaft zu machen." Villatte war ganz gegen seine Gewohnheit steif. Ihm war vorhin beim Eintritt in dieses Haus, das er nun seit drei Jahren nicht gesehen, so wunderbar heimatlich und wohl ge- tocfen; Ernas Nähe hatte wieder diesen Frieden bringend«'. Einfluß geübt, nun beklemmte ihm dieser Fremde die Brust. Eine innere Stimme sagte ihm untrüglich, daß derselbe Erna nahe stand, sich ihr noch naher zu verbinden hoffte. Und sie — hatte wohl bereits gewählt. Ihre Bewillkommnung des Sinbre1 und des Vaters schieueir ihm keinen Zweifel darüber zu lassen. Die Partie Uta ja auch eine höchst angenehme, ja glänzende für Erna. Der Name des Freiherrn war ihm nicht fremd, die StaudigS waren ein altes Adelsgeschlecht, der Ruf des Mannes und Offiziers war tadeflos, er galt als tüchtig, als nobler Kavalier, als gütiger Vorgesetzter. Er mochte ein angehender Vierziger sein, machte aber den Eindruck eines in seiner Blüte und Vollkraft stehenden Mannes. Was war da also auszusetzen — und warum krampfte ihm denn ein Schmerz die Brust zusammen? Hatte er nicht ton jeher das höchste Glück für Erna erwünscht und erhofft? Er, der mit stillen Schmerzen so Vertraute, verstand sich heute selber nicht. Der kleine Walter war in die Nebenstube gelaufen, dort war eine Spielecke für ihn eingerichtet — er wurde hier schon als zur Familie gehörig betrachtet. Der Kommerzienrat hatte bauen lassen int vergangenen Sommer, an die Front des Hailses war ein Wintergarten angefügt, und iveuu alle Türen geöffnet wurden, gab es einen imposanten, feenhaften Anblick: der mit hohen Palmen und exotischem Blumenflor gefüllte Raum spiegelte sich am andern Ende der langen Zimmerflucht wider in den großen Spiegelwänden, die dort angebracht waren. Der Oberst redete jetzt mit Erna über das Arrangement des mvrgettden Festes, und sie öffnete die Tür zum Pflanzenhaus, das durch ein kleines, luxuriös eingerichtetes Kabinett mit dem Wohnzimmer verbunden war. Sie unterrichtete indes Villatte von diesen neuen Einrichtungen und zeigte ihm das Entstandene. So schritten die drei durch die Reihe der Gemächer bis in den Speisesaal am untern Ende, wo Erna und der Freiherr über Plätze der Gaste berieten. Wie fremd erschien Villatte dies alles. Er hörte zerstreut, waS die beibeit sprachen, deren Ton sich aber in durchaus formellen Grenzen hielt. „Ha, ha! Mas sehe ich da — ei, ei! Welch angenehme Ueberraschung!" Cs war die Stimme des Kommerzienrats, welche hinter ihnen ertönte. Er schüttelte dem Freiherrn die Hände und entwickelte — nach Villattes allerdings in dieser Stunde etwas getrübter Meinung — zu viel verbindliche Geflissenheit bei Bewillkommnung des hochverehrten Hausfreundes. Seine schlaffen, fo merklich gealterten Züge verklärten sich förmlich. Daun, als Erna und der Oberst voranschritten und er mit Villatte, dem er umständlich und mit sichtlicher Befriedigung ebenfalls ton seinen baulichen Verschönerungen sprach, langsamer nach- fvlgte, gab er ihm zugleich die nötigen Kommentare zu dem neuen, ihm unbekannten Freund der Familie. Der Oberst war «st seit ungefähr einem Jahr als Kommandeur seines Regiments nach Dresden versetzt, hatte von früher her geschäftliche Beziehungen zu ihm gehabt, sein Haus gleich äufgesucht und sich dann allmählich immer wärmer und vertraulicher zu seiner Familie gestellt. „Ein charmanter Manu, ein vortrefflicher Mann," sagte der alte Herr schmunzelnd, „er ist in erster Ehe wenig glücklich gewesen, er hatte eine kränkliche, launenhafte Frau, eine geborene Gräfin Wrieden — sie hat ihm feilt Haus nicht freundlich gemacht." „In erster Ehe?" wiederholte Villatte, „ist der Herr Oberst denn zum zweiteumal verheiratet?" „I bewahre — sagte ich in erster Ehe — nun, er ist ein Manu in den besten Jahren und verheiratet sich natürlich nächstens wieder. Hat, wie ich glaube, schon gewählt — unter uns gesagt, Professor —• unter uns." Villatte verging der Mut zu weiteren Fragen. Vielleicht Ware der alte, redselige Herr in seinen Ergießungen noch Wetter gegangen. Warum hatte er eingewilligt, hier im Hause zu wohnen, was sollte er hier unter den Menschen, denen er freiiw geworden war, und die ihn doch nicht kalt ließen. Das flwrgende Fest, deut er beiwohnen sollte, stand ihm wie eine Folterqual tor.. Erna saß auf niedrigem Sessel im Wotzngemäch', und hielt den kleinen Walter, der sich an sie schmiegte und sie mit endlosen Fragen bestürmte, im Arm. Die Tür zum blauen Kabinett und Wintergarten war offen geblieben, die hohe Gestalt des Freiherrn stand mit dem Rücken gegen denselben neben Erna,: es war ein hübsches, anmutiges Bild. Erna hatte eine so ruhige, geduldige Art, sich mit des Küaben Ungestüm abzn- finden und dabei doch ihre Unterhaltung mit dem Freiherrn fortzusetzen. Dieser trat jetzt mit liebenswürdiger Wärme auf Villatte äu.: „Fräulein Walldorf unterrichtet mich eßen des näheren über Ihr Verhältnis zn diesem Hanfe, und wie wert Sie seit langen Jahren demselben sind," sagte er. „Und Sie gehen! nach Rom jetzt, mit einem Auftrag, der Ihnen viel Genuß schaffen wird." Villatte zwang sich zur Erwiderung des freundlichen Citt- gegenkommeuS im gleichen Geist, aber es wurde ihm schwer., Sein Blick irrte nach Erna hinüber, sie wandte sich ab und sah peinlich verwirrt aus, ja, eine ängstliche Blässe lagerte jetzt auf ihren Zügen. Es war wohl alles klar und ihn dünkte es doch rätselhaft. Ter Oberst redete über RoM, er war selbst dort gewesen! und erwies sich als ein in gelehrten Fächern, die seinem Be- rufskreis fern lagen, merkwürdig wohlunterrichteter Mann. Villatte gewann allmählich fein natürliches Wesen wieder, und die Unterhaltung ward allgemein und lebhaft. Dann verabschiedete sich der Freiherr, dessen Zeit abgelaufen war, es wurde auch Schlafenszeit für den Kleinen. Er wurde nach und nach stiller und lehnte schlaftrunken auf Ernas Schoß. Sie hüllte ihn jetzt mit mütterlicher Sorgfalt in Schals und trug ihn in ihren Armen bis in beit Flnr, wo der Oberst ihn ihr abnahm und seinen harrenden Wagen bestieg. Villatte war allein int Zimmer geblieben, während die übrigen, auch die Kommerzienrätin, Vater und Kind hinausge- leiteten, (Fortsetzung folgt.). Mngßrosen! Novellette von O. Elster. „Wänn kommst du aber wieder, Herzallerliebster mein? —" „Wenn'S schneiet rote Rosen Und regnet kühlen Wein.---—A- Das' alte Volkslied ging dem jungen Heinz Ebert durch den Sinn, als er durch den blühenden Frühlingswald dahinschritt und um ihn die Heckenrosen blühten und über ihm in den Zweigen die Finken und Drosseln ihr keckes, fröhliches Lied hinausschmetterten in die von Sonnengold erfüllte Stift. Tie Welt stand wieder einmal in Blüte und der heiligÄ Geist des Werdens und Wachsens war über Wald und Feld ausgegosseu, denn Pfingsten stand vor der Tür und die Natur schmückte sich .mit dem schönsten bräutlichen Kranz, um den Frühlingsbräutigam zu empfangen. Heinz Ebert brach eine Handvoll von roten Rosen, die am Wege blühten und lachte schelmisch-fröhlich in sich hinein., Im Winter, da die Eisblumen an den Fenstern blühen, vor mehr denn zwei Jahren hatte er Abschied genommen, und auf die ängstliche Frage der kleinen Elfte, seines sechzehnjährigen! Cousincheus, nach seiner Rückkehr übermütig lachend erwidert: „Wenn's schneiet, rote Rosen Und regnet kühlen Wein..." Schmollend hatte sich Elsie abgewandt und mit zuckenden Lippen geantwortet: „Nun denn — also auf Nimmerwiedersehen . . ." Aber so meinte es Heinz nun gerade nicht, denn er kehrte stets gern' in dem freundlichen Gutshause seines Onkels ein, wenn die Universitätsferien ihm freie Zeit ließen, und plauderte gar zu gern mit dem lieblicheit Kinde Kleitt-Elsie, mit der er schon als Knabe gespielt und durch Wald und Feld gelaufen war. Als Jüngling aber labte er sich an des Onkels kühletst Wein und freute sich herzinnig des lieblich erblühenden! Röschens, im schattigen Garten des Gutes, der kleinen Elsie. Aber damals, als er zuletzt im Gutshause einkehrte, konnte er wirklich nicht sagen, wann er zurückkommen würde; seine Studien auf der technischen Hochschule waren beendet, und er stand im Begriff, als Ingenieur in die weite Welt zn gehen. Eine große Maschinenfabrik hatte ihn engagiert und mit mehreren anderen Beamten ging er nach Mexiko und Südamerika, um dort Fabriken und Eisenbahnen zu bauen. Wer konnte da wissen, wann unb; ob er von dort zurückkehren werde, und da war ihm der übermütige Reim eingefallen: „Wenn's schneiet rote Rosen Und regnet kühlen Wein. . ." Doch das traurige Gesichtchen Kleiu-Elsie's tat ihm> leid; er wollte ihr um alles in der Welt nicht !vey tun und versuchte. — 287 — sie durch einige erklärende M>rre zu versöhnen, doch da warf Elsie trotzig das' Köpfchen zurück und gab ihm die Antwort: „Brauchst ja überhaupt nicht wieder zu kommen, ich hab' dich nicht nötig . . Es tvar Gesellschaft im Hause, uiehrere Gutsbesitzer aus der Umgegend- mit ihren Sühnen und Töchtern; zu ihnen flüchtete sich Elsie und wurde namentlich freudig begrüßt von dem langen Jobst von Almstadt, dem rotblonden Gutsbesitzerssohn, mit den: sich Heinz schon auf der Schule geprügelt hatte, weil er nun einmal dieses breite, stolze Gebühren -des reichen Gutsbesitzers- sohn, der hochmütig auf ihn, den armen Psarrerssohn, herabblickte, nicht leiden konnte. Und als Elsie dann mit dem langen Jobst im Tanze herumwirbelte und so tat, als ob Heinz gar nicht in der Welt sei, da faßte auch ihn der Trotz und er gab sich weiter keine Mühe, Elsie zu versöhnen, sondern setzte sich 'mit mehreren Anderen zu des Onkels kühlem Mein. So schieden sie, ohne daß sie sich wieder gut getvorden waren. Und nun waren mehr als drei Jahre vergangen und Heinz kehrte heim als fertiger Mann, dessen Antlitz die Sonne der Tropen gebräunt, dessen Körper die Strapazen der Reisen durch Wüsten und Steppen, durch endlose Prärien imb himmelanragende Felsen berge gestählt hatten — ein fertiger Mann, der sich sein Haus selbst bauen konnte und nicht mehr den unverschämt stolzen Blick des langen Gutsbesitzersfohn zu scheuen brauchte. Als er jetzt durch den blühenden Wald schritt, da dachte er an jenen Winterabend, und als er die Rosen blühen sah, da siel ihm der übermütige Vers wieder ein und er mußte lachen über sich selbst und das traurige schmollende Gesichtchen Elsic's. Doch mit einem Male ward's ihm gar ernsthaft zu Mut. All die Zeit über, auf den Prärien des wilden Westens, üt den Anden Mexikos, auf den schäumenden Wogen des Weltmeeres hatte er nicht daran gedacht, daß er und Elsie im Zorn voneinander geschieden, da tvar sie ihm nur als kleine liebliche Fee erschienen, als das Traumbild seiner Jugend, das ihm das Glück seiner Mannesjahre bringen sollte, trenn er heimgekehrt sein würde. Und jetzt fiel es ihm schwer aufs Herz, daß sie unversöhnt auseinander gegangen. Es war ja nur eine Kinderei, was sie getrennt, aber mit der Zeit Vermag auch solch ein kindischer Scherz neue tiefe Wirkung' ausübeir, und drei lange Jahre waren dahingeschwunden, da sie sich nicht gesehen, da sie nichts voneinander gehört. Was konnte in dieser Zeit nicht alles geschehen sein? Ter lange Jobst fiel ihm wieder ein, der sich schon da- tnals für die kleine Elsie so sehr interessiert hatte — es wird Heinz siedend heiß zu Sinn und rasch eilte er vorwärts. Ta lag das Dörfchen tnt Kranz seiner blühenden Obstq gärten vor ihm und dort am Ende der stattliche Gutshos seines Onkels, d^s Vaters Elsie's. Würde er alles so tviedersinden, wie er es Verlassen? Sein Herz klopfte, als er die Dorfstraße entlang dem Gutshof zuschritt; aber heftig erschrak er, als ein eleganter Kutschiev- tvagen, mit zwei edlen Pferden bespannt, au ihm vorbei rasselte und in den Gutshof seines Onkels einbog. In dem Lenker des Wagens hatte er .den langen Jobst von Almstadt wieder erkannt. Er zögerte weiter zu gehen und fragte ein an der Tür ihres Häuschens stehendes Mütterchen: „War das nicht der junge Herr von Almstadt, der da vorüber fuhr?" „Ei freilich," sagte die alte Bäuerin, verschmitzt lachend. „Ter kommt jetzt oft hierher zu unserem Herrn Ober- amtmanii, und man sagt, daß zu Pfingsten Verlobung im .Amtshause gefeiert werden soll." Mißmutig ging Heinz weiter. Morgen war ja Pfingsten und alle Häuser trugen schon den grünen Pfingstschmuck. Aber Heinz freuten die grünen Maibäume nicht mehr und auch nicht mehr die fröhlichen Gesichter der Menschen, die die Häuser schmückten. Als er daun den Wagen des langen Jobst 'vor der Haustür des alten Herrenhauses, in dem Elsie wohnte, halten sah und bemerkte, wie sein Onkel und der lange Jobst sich die Hände schüttelten und dann zusammen in das Haus traten, da hätte er alle Lust verloren, ebenfalls einzutreten, und er schlug einen Seitenpfad ein, der, wie er sich entsann, zu dem Garten hinter dem Gutshanse führte. Was er da eigentlich wollte, wußte er selbst nicht; aber er konnte unmöglich die Verwandten in Gegenwart des langen Jobst begrüßen, und so wollte er im Garten warten, bis Jobst fortgefahren war. Aber wenn dieser überhaupt nicht fortfuhr? Wenn er als Bräutigam Elsie's den ganzen Abend dablieb und das Pfingstfest obendrein? — Dann wollte er nur flüchtig „Grüß Gott" sagen und seinen Wanderstab weitersetzen. Nachdenklich gestimmt ging er aus die dichte Laube aus Flieder und Goldregen zu, in dem er früher so oft mit Klein- Elsie gesessen. Der Goldregen und Flieder standen in schönster Blüte und verbreiteten einen süßen Dust xingsiiml Ta sah Heinz, wie sich etwas in der Laube regte? Ern helles Kleid schimmerte durch die Büsche.. Sollte sich das Brautpaar diesen versteckten Platz zum Kosen ausgesucht haben? — Ta wollte Heinz nicht stören; aber wissen wollte er doch, woran er war, und er schlich sich hinter die Laube, um durch die Blätter in das Innere derselben zu spähen. Fast wäre ihnr ein Ausruf der Ueberraschung entschlüpft! Elsie saß allein da. Sie hatte die Arme auf den Tisch gelegt, das Gesichtchen darein verborgen und an den zuckenden Bewegungen ihrer Schulterm sah man, daß sie weinte. Weshalb weinte sie? Sollte sie mit der Verlobung nicht einverstanden sein? — Wie eine glückliche Braut sah sie nicht aus. — Heinz erbebte das Herz. Vielleicht war er doch noch nicht zu spät gekommen. Jetzt blickte Elsie auf ... . wie schön war sie in den Jahren geworden! Nicht mehr als liebliches Kind, sondern als voll- erblühte Jungstau saß sie vor ihm! — Sie faltete die Hände in den Schoß 'und blickte mit tränew schweren Augen sinnend in die Ferne. Ein Seufzer entfloh ihren Lippen. „Er kehrt ja doch nicht zurück," flüsterte sie. „Es schneiet keine roten Rosen, es regnet nicht kühler Wein" . . . setzte sie mit einem trüben Lächeln hinzu. (Schluß folgt.) Ist Trunksucht heilbar? Für zahlreiche einzelne, die an dieser Krankheit leiden, wie für Familien, die ein solches Glied in sich schließen, für Behörden, Gemeinden und Kassen ist diese Frage von. leider nur zu großer praktischer Bedeutung. Auf Grund der Erfahrungen der Trinkerheilanstalten kann sie im großen ganzen mit ja beantwortet werden. . Als Beweis können u. a. die Resultate gelten, welche bte größte deutsche Triukerheilstätte, Waldstieben bei Fürstenwalde, im Jahre 1905 zu verzeichnen hatte. Vom Berliner Bezirksverein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke gegründet und utiter- halten, beherbergt sie zurzeit durchschnittlich 150 Kranke. Von der 106 im Jahre 1905 ordnungsmäßig Entlassenen — die Verstorbenen, in andere Anstalten (Irrenanstalten) Ueberwiesenen oder Entwichenen sind hierbei in Abzug gebracht — konnten 31 als geheilt, 30 als gebessert, 45 mußten als ungeheilt bezeichnet werden. Am besten war der Erfolg bei denen, die auf eigene Kosten verpflegt wurden: Von 52 waren 20 (b. i. nahezu 40 Proz.) geheilt, 14 gebessert; bei 18, b. i. nur etwa ein Drittel, war der Aufenthalt wirkungslos. Doch auch bei den 54 auf öffentliche Kosten Untergebrachten durften 11 als geheilt, 16 als gebessert angesehen werden; die Behandlung war also nur bei der Hälfte wirkungslos. Indessen darf auch bei letzterer Hälfte ein Umstand nicht übersehen werden: auch in den Fällen, welche für Erzielung eines Tanererfolges wenig günstig liegen, hat die Unterbringung in einer Heilanstalt jedenfalls den Vorteil, baß bte Pfleglinge wenigstens für die Zeit ihres dortigen Aufenthalts vor der Ausübung ihres dämonischen Drangs bewahrt bleiben und gesundheitlich gefördert werden. Nicht zu unterlaßen tst habet auch der Gesichtspunkt, daß die oft schwer heimgesuchten Angehörigen des Kranken der beftänbigen Sorge und Aufregung durch denselben während dieser Zeit enthoben sind. Immerhin wäre im Interesse der Unglücklichen selbst, wie in dem ihrer bedauernswerten Familien und der Allgemeinheit dringend zu wünschen, daß die Behandlung noch mehr Erfolg zeitigte. Letzteres wäre auch der Fall, toeuu nicht schwerwiegende Hinderuifse dem entgegenstünden. Einmal ist ein gewisses Maß von Krankheitseiusicht und der gute Wille, vou dem krankhaften Trieb frei zu werden, int ganzen eine unerläßliche Vorbedingung des Erfolgs. Hieran fehlt es aber ost. Sodann ist die Tauer des Aufenthalts oft viel zu kurz. Unter einem halben Jahr sollte überhaupt nientanb daran denken, die Heilstätte zu verlassen, da erfahrungsgemäß das Gelingeit einer Kur von weniger als 6 Monaten sehr zweifelhaft ist. Ja, es sollte angeftrebt werden, die Dauer auf ein volles Jahr anszudehnen, dann tst man uil- bebiugt besserer Ergebnisse sicher. Statt dessen verlassen die Patienten die Anstalt oft schon nach einigen Monaten, teils durch äußere Umstände veranlaßt, teils weil sie sich für geheut halten oder sich den Einschränkungen des_ Anstaltslebens nicht länger fügen wollen. Hierbei werden sie nicht selten durch ihre Angehörigen unterftüßt, welche nur zu häufig bte Einsichtslosigkeit der Kranken teilen, wenn nicht übertreffen. Als weitere Ursache fällt ins Gewicht, baß die Krankenkassen unb bte Behörden lecher zn leicht den Vorstellungen der vou ihnen untergebrachten Pfleglinge uachgeben unb in ©ntlaffungen einwilligen, die ungerechtfertigt von diesen angeftrebt werden. Zwangsweise zurückhalten kann man freilich die Betreffenden nicht; aber, es würde sich dringend empfehlen, den erforderlichen Druck auf sie auszunben. Ein gutes Mittel wäre es z. B., wenn den Kaffenkranken oder Arinen- kranken eröffnet würde, es werde ihneit teglicher Anspruch auf Unterstützung für die Zukunft versagt werden, wenn sie nicht die Kurzeit, die der behandelnde Arzt für erforderlich erachtet, em- bielten oder gar durch ihr Benehmen die Ausweisung aus der Heilstätte selbst veranlaßten. Ein derartiger Regreß, wie ihii 8 47 des Juvalidenversicherimgsgesetzes bei Rentenempfängern zum Ausdruck bringt, würde zweifellos von guter Wirkung sein, unb zwar nicht nur für den Kranken, für den bei längerem Verbleiben 288 größere Aussicht auf Genesung bestände, sondern auch für die Krankenkasse oder Behörde, die doch gewiß ihr Geld nicht unnötig den Launen eines krankhaft affizierten Mannes opfern tvill. Es ist ja sehr wohl begreiflich, wenn aus den Resultaten, die unter obigen Umständen erzielt werden, sich ungünstige Urteile über den Wert der Heilstättenbehandlung für trunksüchtige Personen herausbilden, begreiflich — aber bedauerlich, um so bedauerlicher, als dadurch die maßgebenden Stellen abgehalten Werben, in Kuren für Unterstützungsbedürftige einzuwilligen. Gerne werden auch die Erfolge der Lungenheilstätten zum Vergleich herangezogen. Wenn hierbei fast immer das Urteil zu Gunsten jener gegen die Trinkerheilstätten ausfällt, so hat dies in zwei Momenten seinen Grund: einmal werden die Kranken in die Lungenheilstätten vielfach im ersten Stadium der Erkrankung verbracht; zweitens verbleiben die in Lungenheilstätten Verbrachten darin so lange, als es der leitende Arzt für erforderlich hält. Sobald solche Grundsätze bei Trunksüchtigen angeweirdet würden, ist sicher, daß die Erfolge noch beträchtlich bessere fein würden. Vermischtes. — ließet' die Kulturarbeit der Missionare in Kamerun, eine Arbeit, die nur bescheiden neben der eigen tlidjeu Missionsarbeit hergeht, urteilt die „West Afrikan Mail", eine große englische Kolonialzeitimg, in einem sonst durchaus nicht freundlich gehaltenen Artikel über die Zukunft Kameruns in folgender Weise: „Der Missionar hat eine große Macht in Kamerun. Er lehrt die Eingeborenen, tote sie ihr Land bebauen und ivas sie pflanzen sollen; er unterweist sie in den Elementen des Handels. Jedes Jahr zeigt ein beträchtliches Wachstum derer, die das Christentum airgenommen haben. Neue Schulen und Kircherr werben errichtet, große Handels- faktoreien angelegt, neue Missionare kommen an, bie bald imstande sind, sich mit einer Behaglichkeit zu umgeben, voir der sie sich in Deutschland nichts hätteir träumen lassen. Sie gründen neue Missionsstationen in entlegenen Bezirken und wiffeit die Eingeborenen so schnell zu kultivieren, daß die Zukunft Kameruns deutlich mit der missionarischen Arbeit verbunden ist. Alles, ivas der Missionar tut, wird von den Eingeborenen nachgeahmt. Sie bauen sich Häuser, Tische, Stühle, Betten mit vier Pfosten, schmücken ihre Stuben mit Decken, ihre Wände mit Bildern, und strömen zu tauseirdeir in die Kirche in netter europäischer Kleidung oder auch in Uniformen der Regimenter von Halb-Europa. Wer, der einst Karneriiit gesehen hat, hätte gedacht, das der sanfte deutsche Missionar bestimmt wäre, Tansende dieser schwarzen Kerle zu lenken, deren Herzen so Wild sind Wie ihre Berge nnd Wälder?" Wenn ein Mann, der yffenbar die Miffionsarbeit ihrem tiefsten Wesen nach nicht versteht und nur irach dem Augenschein urteilt, ben Kulturwert der Missionsarbeit so hoch anschlägt, so ist das sicher ein Beweis, Wie Wenig der Vorwurf zutrifft, die Missionare lehrten nur unpraktische und der europäischen Kultur schädliche Theorieii. * Das Geburtsregister als Ehehindernis. Sankt Bureankratius ist unzweifelhaft eines der erfinderischsteir Talente dieser Welt. Immer wieder erdenkt er neue Schliche und Listen, um den geplagten Menschen das Leben schwer zu machen. Ein neues, sehr liebliches Stückchen tion ihm wirb jetzt aus Paris berichtet: In La Hahe-Malherbe, entern Orte in der Nähe von Evreux im Departement Eure hatte sich ein Jüngling mit einem Mädchen verlobt, und die Hochzeit sollte vor sich gehen. Alles schien in schönster Ordnung, das Aufgebot war erlassen, die Feier in der Ktrche bestellt und auch der Hochzeitsschmaus vorbereitet. Aber als nun dieser Tage die standesamtliche Trauung vorgenommen Werben sollte imb bet Maire zu diesem Zwecke die Personalien des jungen Paares in seinen Büchern durchsah, ergab es sich, daß bie junge Braut bei ihrer Gebtnrt versehentlich — als Knabe unb nicht als Mädchen eingetragen Worben war. Obwohl bet Irrtum klar auf bet Hand lag, konnte er bvch nicht ohne weiteres gutgemacht werben, sonbern es mußte ein ganzer bureaukratischer Apparat in Szene gesetzt werben. Alles Bitten und Protestieren von feiten ber armen Verlobten unb ihrer Elter» half nichts. Solange das Mädchen irn Stanbesamtsregister als Junge verzeichnet staub. War unb blieb es eben für die hohe Behörde ein Junge und konnte demgemäß nicht mit einer anderen Person männlichen Geschlechts kopuliert werden. Und so mußten bie kirchliche Feier und das Hochzeitsessen auf unbestimmte Zeit abbestellt und verschoben Werden. — Also g eschehen im aufgeklärten Europa im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts. 1 * Als Geburtstag des Kegels Piels Wird in einem Fachblatte einer der letzten Sonntage vor Ostern bezeichnet. Die alte Chronik von Paderborn erzählt, daß alljährlich an einem der Sonntage vor Ostern, meistens am Sonntag Lütare, die Domherren im Klosterhof einen Pflock auffteltten und nach diesem mit Kugeln Warfen. Auch in Hildesheirn und Halberstadt war diese Abart unseres heutigen Kegelspiels bei den Domherren üblich. Hier ist auch schon die Rede von einem hölzernen Kegel, unb bieicr Kegel hieß ber „Heibe". Er stellte bas Götzenbilb dar, das im Frühling gestürzt Werden soll. Von den Klöstern, wo das Kegelspiel bald allgemeinen Eingang gefunden hatte, verbreitete sich das nette Spiel in die Welt hinaus. Noch heute hat jedes Kloster eine Kegelbahn. Im Mansfeldischeir beginnt noch jetzt, sobald es nur irgend die Witterungsverhältnisse erlauben, am Sonntag vor Ostern die Kegelsaison int Freien auf der Platzbahn, die dort noch zu Hause ist. Diese Bahn bildet das Bindegeld zwischen dem Kegeln als eine Art gottesdienstlicher Hebung wie das „Heiden- Werfen" des Mittelalters, und dem modernen Kegelsport auf der befestigten Langbahn aus Holz oder Asphalt. In Sachsen kegelt man noch heute anders als in Norddentschland; man schiebt so lange nach den Kegeln, ohne neu anfzustellen, bis alle neun hin sind. Bäder, Touristik und Reife». ** Karte mit Erläuterung! der farbig bezeichn neten To u r i st en w ege int Odenwald, Bergstraße, Main - und Neckart al. Verlag,: Papierhaus Mert in Darmstadt, Pr. 1.80 Mk. Der Odenwaldklub, der in diesem Jahre sein 25jähriges Jubiläum feiern kann, hat aus diesem Anlaß eine Neuaussgabe (die zehnte) seiner Markierungskarte veranstaltet, die für alle, die beut südlichen Gebirge unserer Heimat einen Bestich abstatten wollen, ein fast ttnentbehrliches Hilfsmittel ist. Die Karte enthält eine vollständige, genaue und zuverlässige Darstellung der bezeichneten Wege im Odenwald, die GebirgSbezeichuung im iveiteften Sinn genommen. Sie erschließt sämtliche irgendwie besuchenswerte Punkte, die innerhalb des von den Städten Darmstadt, Bensheim, Weinheim, Heidelbergs Mesloch, Waibstadt, Wimpfen, Mosbach, Buchen, Wertheim, Miltenberg, Obernburg, Groß-Umstadt und Reinheint um-- schlossettett Gebietes, das außerordentlich viele Naturschön- heiteit bietet. Das gesamte Gebiet wirb von 24 Haupt- und 61 Nebenlinien durchzogen, die aus farbigen Zeichen bestehet! und in dem der Karte beigegebenen Text näher erläutert und beschrieben werden. Die gesamte Markierung ist in diesem Frühjahr ergänzt und zum großen Teil völlig neu hergestellt worden. Pflügen Säen. Straff am Lenkscit das Zweigespann — Niebel noch wallt durch die Schlünde — Fröhlich schreitet der Ackersmann Durch die betauten Gründe. Sieh, wie kräitig den Pflug er lenkt Durch das Erdreich, das volle, Tief in den Grund sich das Elsen senkt, Scholle hebt sich um Schotte. Hinter ihm, durch den feuchten Grund, Ob's ihm ein Mahl bereitet, Groß unb Klein durcheinander bunt, Naschhaft Krähenvolk schreitet. Flammend die Sonne am HimmelssaltM Hebt sich empor, es rauchen Rings die Berge, ©trauet) und Baum In goldige Flut sich tauchen. Hoch im Raunt, wo die Wolke geht, Mit tausend Sängern im Blinde Jubelt die Lerche ihr Tailkgebet, Früh in der Morgenstunde. Und in das frisch gepflügte Land Sprechend: „In Gottes Namen!" Streut der Sämann mit voller Hand, Bedächtig schreitend den Samen. Laß ihl> keimen, o Herr der Welt, Daß die Saat ihm gelinge, Gib, daß der Acker, nun wohl bestellt, Brot ben Hungernden bringe. Eugen Virmond. Rätsel. Das Gold, das rein und lauter strahlt, Wird mit drei Zeichen nur benannt; Doch wenn in slüss'gem Golde matt Die Abendsonne Meer und Land, Wenn sie des Tages Sauf beschließt, Wo Erd' und Himmel sich begrenzen Und uns ihr letzter Strahl noch grüßt, Siehst du drei Zeichen doppelt glänzen. W. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Charade in voriger Nummer r Fischbein. Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch« und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.