Ireitag den 16. August w 1907 — Ar. 120 IffiSSRsQäs oWOi ©«aÄäW K MM U lä Lqpj M Steuermann Worringer. Novelle von Luise Schulze-Brück. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 2. Pfingstvorabend war da. Und damit Binger Kirchweih, „die Kerb". In den Häusern scheuerten und fegte« die Frauen mit doppeltem Eisler, Mer die Straße trugen die Kinder vorsichtig große Bleche mit Küchen zum oder vom Bäcker. Es duftete' überall danach. Am Rheinuser war's doppelt lebendig. Tie Pfingst- touristen spazierten hin und her, verhandelten nm Rhein mit bett Schiffern, die sie nach Rüdesheim oder Aßmanns'hansen bringen sollten. In den Wirtsgarten saß fröhliches, zechendes Volk, und hochzeiisreisende Pärchen lehnten eng aneinander, rv- mantisch-sentimental den Rhein anschwärmend. Und halb Bingen war nm Ufer. Tie Mütter hatten ihre Not mit den Kindern, die sich um das Karussell und die Buden drängten, die am Marktplatz zur Kirchweih aufgebaut wurden. Sie waren nicht sort- zubringen, starrten offenen Mundes all die Höflichkeit an und suchten einen Blick in das Innere der Wohnwagen zu erhaschen, die da ausgefahren waren, und vor denen das fahrende Volk eifria an der Arbeit war Greta Worringer stand mit ihrem Jungen vor dem Karussell. — „Morge fahre wir Reitschul, immer rum, immer rum," ev- Mlte sie dem Kleinen. „Un hunnert Lichter sin an, un Musi? geht, un Mamma sitzt mit dir im Kütschche." Der Junge patschte in die Händchen. „Babba nach?" Ihr Gesicht wurde finster. „Wees net." Sie faßte das Kind unsanft am Arm und zog es fort. Trüben am Ufer stand ihr Mann in einem Kreis von Fremden. Sie wollten eine Fahrt machen den Rhein hinab nach Mira Rheinstein und wieder zurück. „Zerück! Nee, das gibt's net! Durch Binger Loch 'n Rhein euuff mit zehe Persone! Des geht net!" — „Aber das hab ich mir gerade so romantisch gedacht," sagte enttäuscht die Dame. „Im Mondschein den Rboin im Kaün zu schweben — ." „'s geht net", unterbrach Steuermann Worringer unsanft die Schwärmerin. ,Durchs Binger Loch, do schwebt sich's net enuff. To is der Strom viel zu stark, do misse mer schon gehörig arbeite, for de leere Rache enuff ze bringe. Und des is aach nix für Dame. Sie dhate kreische und zuni Nachen enaus- hippe wolle, wann se in de Strom käme. Un wann nach noch grad ä Schiff käm, ünd 's gab icii paar gcherige Welle, do wär's fertig. — Nee, Madamche, gehe Se dernach zu Fuß 'n Rhein enuff, des is aach romantisch, oder fahre Se mit der Bahn." Die Dame sah ihn empört an. Dann wmrdte sie sich an einen jungen, schlanken Menschen in Schifferkleidung, der ein roteS Halstuch nachlässig um den Hals geschlungen hatte. „Ach," sagte sie schmelzend, „könnte man denn gar keine Rheinfahrt im Mondschein machen! mit dem Kahn ? Ich hab Mir dass so herrlich gedacht." —■ Steuermann Worringer sah finster auf bett anderen. Der warf ihm einen triumphierenden Blick zu: „Freilich kenne Sie das, Freilein", nickte er und lachte sie lustig an^ „To gehe mer L Stick am Rhein enuff bis gege Rüdesheim, und do setze Sie sich in 'n Rache, un Mer fahre Sie Weitz uff 'n Rhein enaus und « Stick enuff an der Au, und do kenne mer uns dernach ennunner treiwe losse bis Binge, un wann Sie wolle, do kenne sie an der Au ausstzeige un ä bißche erümpromeniere^ Um acht Uhr geht der Mond uff, und do is es arg fcheen, und Sie sehe Rüdesheim und die Germania und Binge un 'n ganze Rochusberg. Und des is aach ganz ungefährlich, do sin kä Welle, und 's Wasser is so glatt wie Ä Spiegel/' „Was sür eine Au denn, was ist das?" „No, die Insel do drüwwe." Er wies nach einem kleinen,, baumbewachsenen Inselchen, das im Strom schwamm. „Ach ja! Auf eine Insel! Ach, wie poetisch! Ja, dass Machen 'wir." — Tie Damen waren begeistert. — „Und der hübsche Schiffer soll uns fahren," flüsterte eine sehr laut — „nicht der andere, der große, vor dem ftirchte ich mich." Die beiden Schiffer hörten es. Steuermanit Worringer drehte sich kurz Um. — Aber der andere sagte rasch: „Toderzu misse mer zwei Leit haw'we, Herrschafte! — Und zwei düchtige. —• Der Worringer un ich schaffe das, gell Worringer?" „Sorg für dich selwer, Hefsemer," sagte der kurz und rasch. „Kimmer dich net um Annerleits Sach. :— Ich brauch dich net, wann ich ä Fahrt hawwe will." Jetzt legte sich einer der Herren ins Mittel. „Natürlich nehmen wir die beiden Leute. — Aber dann los, sonst wird's zu spät." i Mit finsterem Blick ging Worringer den Fremden voran. Es tourmte ihn, daß er mit dem — gerade mit dem eine Fahrt machen sollte. Aber der Hefsemer sollte auch iticht denken, daß er ihm ausweiche. Daß er Angst habe, der Greta toegem — Er sah sie drüben am User stehen, den Jungen an der Hand. — Mit schwerem Schritt ging er hinüber zu ihr: »3$ hawwe ü Fahrt nach Rüdesem," sagte er rauh. „Geh hääm mit 'M Kind, brauchscht dich net do erumzetreiwe. 's ischt ohnehin ball Schlafenszeit für de Bub." „Morge fahre mer Reitschul, Babba," plapperte das Kmd. „Reitschul?" Sein Gesicht wurde blaurot. „Morge muß Babba mit 'm Schiff fahre." ,, „Ra, ich mit Mamma! Im Kütschche odder uff'm Gaulche. — Und Mamma aach!" Tie Frau sah verstohlen in ihres Mannes Gesicht. 'S'er lachte auf. — „Uff'm Gaul ivill se fahre, bei Mamma! To gefiert se nufs! — Schad, daß se net mit kurze Röck uff'm Gaul reibe kann, wie die Weiwer vun de Seildänzer! Des wär 's Richtige for se." Das Kind klatschte in die Hände. — „Un ich nach! Ich aach Gaula, Babba." . Er stieß den Junge» unfreundlich, von sich. == >,»scher dM — 478 — hääm, allomarsch mit 'm Bub. — 'S fehlt grab noch, baß dä nach 'n Kvpp voll Mause kriegt, wie sei Mudder! Sttotoer ich werd se em ausdreitve." Tie Memden waren vorangegangcn. Er schaute ihnen feindselig nach. „To gehe se, die Erumtreiwer! — Die Weiwer wolle lieber mit 'm Hessemer fahre als mit mir. — Der wciäß ze schwätze und 'n die Köpp ze verdrehe und mit de Aage zu blanker::. So ä Windbeitel ä verfluchter. Awwer des macht die Weiwer verrickt, die narrige! To klewe fe wie Mucke uff'n Sirup! — Tv guck der'n an, dei Hessemer, tvie er scharmunziert nird de Kirr macht! Sv ä Scherzejager!" — Er sah seine Frau scharf und lauernd an. — Tann drehte er sich kurz nm und ging stapfend, wiegend, weit aushvlend den anderen nach. — Tie Mau sah ihm eine Weile lang nach. Zwischen ihrer: Brauen erschienen zwei tiefe Falten, und das junge, weiche Gesicht wurde hart. Sie nahm das Kind an die Hand und ging schwer und miide nach Haus. Steuermann Worringer holte die Memden ein. Tie Damen schwatzten lustig mit dem hübschen Schisser, der seine Mütze kokett aufs linke Ohr rückte. — Sie ließen sich auch durch die finsteren Blicke Worringers nicht beirren. — Am Nheinufer aufwärts ging's eine Weile. — Weiter oben schaukelten zwei Nachen leise auf dem grünlichen Wasser. „Mer nemme dei Rache, Worringer," sagte der Hessemer. „Mei großer is doch noch zu klään, mei annerer, der is zun: Rebariere fort." Der große, flache Kahn wurde ans Land gezogen. — Unter Kicher:: und Anfkreischen stiegen die Tomen ein, langsam und bedächtig die Herren. — „Schaukele dürfe Se nett," sagte Worringer kurz, „'s hot jo kää Gefahr, awwer wenn Se usf emol Angscht kriege und uff- springe und uff die ääne Seit stjerze, do kennt's doch bässiern, daß der Rache umkippt, und Se falle all ins Wasser." „Ach was," sagte der andere lustig, „'s is net schlimm! Ter Rhe: is so still wie ä Spiegel, un wann Se aach ä bische Tnmmhääte mache, des schabt nix! — Ror net uffspringe, un vor Schrecke seltner ins Wasser Hippe. Und do gucke Se jetzt emol, wie scheen die Sonn' rintergeht! Extra for Sie bestellt. Und driwwe üwwer'm Rheingau kimmt schon dä Mond enuff." Mit starken Ruderschlägen flog jetzt der Kahn in den offenen Strom hinaus.—Tis Sonne stand tief, schon fast am Scheitel der Waldbertze, und übergoß die weite Fläche mit rotgoldenem Schein. — Tie Häuser Rüdesheims spiegelten in ihren Fenstern das Wendlicht wider, die Germania stand im Goldschimmer, weiter draußen strahlten die Türme einer Kirche rot — und ein funkelnder Strahl schoß von einem Fenster des Schlosses Johannisberg wie ein Scheinwerfer. Am diesseitigen Ufer leuchtete die Rochuskirche von dem waldigen Berg — über den Hausern von Bingen stieg weißer, kräuselnder Rauch aus den Schornsteinen. Und nun begannen die Glocken zu läuten, tief und voll von der altersschwarzen Kirche Bingens, ein Helles Geläut vom Berg fiel ein, und wie ein Echo kam's von Rüdes- heim herüber. Tie Memden saßen ganz still. Sie schauten und horchten. Der Kahn zog langsam rheinaustvärts und näherte sich der kleinen Insel, die mit ihren früHlingsgrünen Bannten und Weidenbüschen wie ein« Insel der Seligen in dem goldenen, roten Strom schwamm. — Ein leiser Tust lag darüber, ein Dämmerungsnebel. — Knirschend stieß der Kahn auf den Sand auf. — Run wurden sie alle lebendig. — Mit entzückten Ausrufen drängten sie zum Aussteigen. — Finster sah Worringer zu, wie der andere galant und geschmeidig die Damen heraushrb, die dem ganz mit kurzem, blumigen Gras bewachsenen Inselchen zustrebten. — Wie spielerische Kinder zerstreuten sie sich jauchzend, während die Glocken voll und klar weiterläuteten, die Sonne langsam sank und der Mond blaß und groß hinter Johannisberg herauskam. — Tie beiden Schiffer blieben allein im Boot. Zerstreut schnitzte der jüngere mit dem Messer an einen: Weidenzweig, während der andere sinster ans den Rhein starrte, cmf dem der rote Sonnenglanz jetzt erlosch. Grnngrau gluckste das Wasser in kleinen Wellchen an die Kahnwände. Eine Weile saßen sie ganz still. — dann hob der Aeltere den Kopf und sah den jüngeren starr au. — Ter wurde rot unter dem Blick. „Hessemer", sagte er finster, „'s gut, daß mer hier emol Älään sind. — Das Volk do driwwe", er wies verächtlich mit dem Daumen nach der Insel, „des kommt so ball net Widder. — Und to will ich der was sage — was kää Mensch ze höre braucht.— Hessemer, loß de's net eifalle, noch ein äünzigmal dem Gretck schee zu dhue! Laß der's net erfülle, mit 'r zu scharmuzierq und sie unzufriede ze mache un ihr Flanse in'n Köpp ze setze. — Tes Geschwätz und Gedhu im Hof, des Hot jo jetzt uffgehert" — er lachte böse — „dafor sind ä paar Stään und eppesf Speis*) genug! — Awwer wann ich dich erwisch — erwisch, daß de un: se erumstreichst wie ä Kvter, daß du hinner er brüt bist, do hüt dich! Hüt dei gesunde Knoche und loß der dei Lewe lieb sein, ’n: Worringer sei Maa, die is kä Brocke for so änn« wie du." Er hob ein wenig die eiserne Faust auf und schüttelte sie drohend. Tann saß er unbeweglich, zusammengesunkcn, aber den anderen starr anfehend. *) Mörtel. (Fortsetzung folgt.) Aer MorddeKtfchr Lloyöampfer „Kronprinzessin Cecilie". Die stattliche Reihe stolzer Tage, die in der Geschichte des Norddeutschen Lloyd verzeichnet sind, hat am 6. August d. I. eine Bereicherung gefunden. An diesem Tage ist der jüngste Ozeanriese des Lloyds, der vom Stettiner Vulkan erbaute Schnelldampfer „Kronprinzessin Cecilie" in den Dienst gestellt und der Lloyd dadurch in die Lage versetzt worden, nunmehr mit vier der größten und elegantesten Schnelldampfer den Verkehr zwischen Bremen und Newyork zu unterhalten. Ich bin recht häufig auf dem Meere in die weite Welt hinausgefahren. Dabei habe ich stets den Tag vor der M- reise in Bremen zugebracht. Ich kenne keine andere Stadt, in deren Straßenleben so wenig davon zu verspüren ist, daß sie eine mächtige Handelsstadt ist und deren kom- merzielle Verbindungen' den ganzen Erdkreis einschließ en, wie Bremen. Viel hat damit gewiß der Umstand zu tun, daß Bremens Hafenleben sich nicht in Bremen selbst abspielt, sondern in erheblicher Entfernung, in Bremerhaven, während in Bremen die Handelsgeschäfte hinter den Türen? der Kontore besorgt und erledigt werden und nür an den' Börsen während weniger Stunden am Tage vor eine beschränkte Oeffentlichkeit treten. Im Straßenleben Bremens macht sich kein Hasten und Jagen bemerkbar, man sieht nichts von jener Nervosität, die in anderen großen Handelsstädten die Männer des Großhandels und der Banken aufreibt, alles scheint so wunderbar abgemessen und würdevoll. Und doch wird auch an den Bremer Börsen — und es gibt deren mehrere — spekuliert, und, wie man sagt, gar nicht einmal zu knapp. Es liegt entschieden etwas Hochvornehmes in dem stilvollen Gebaren dieser Handelsherren, denen man es ansieht, daß sie etwas sind, etwas wissen und etwas bedeuten. Das Wort „Mein Vater, der Herr Senator", das zrvei erfolgreiche' Berliner Lustspieldichter geprägt haben und einem ihrer jungen Helden in den Mund legen, paßt wie angegossen auf die Bremer Kaufherren alten Schlages. Ein jeder von ihnen trägt sich mit der Würde und dem Selbstbewußtsein eines Senators, und die Söhne werden es, wenn sie einmal an die Stelle der Alten getreten sind, gewiß nicht anders machen. Ungleich den zugänglicheren Hamburgern, halten die Bremer fest zueinander, sie suchen in ihrem Partikularismus andere deutsche Stammesbrüder nicht auf, schließen sich vielmehr gegen sie ab und beschränken sich, wenn möglich, auf den Umgang unter sich und miteinander. So wenig man im allgemeinen Bremen die Stellung anmerkt, die es als Handelsstadt und Hafenort einnimmt, so tritt diese Eigenschaft doch in einer Erscheinung zutage, die sich auch den Augen des flüchtigsten Beobachters nicht entziehen kann. Ich spreche von den zahlreichen Männern, Frauen und Kindern, denen man es ansieht, daß sie ihrem Vaterlands auf immer den Rücken wenden, um sich über dem Meere eine neue Heimat zu begründen. Daß der Entschluß, es zu tun, nicht leicht gefaßt wird, kann man der: meisten dieser Leute wohl ansehen, haben sie doch fast alle ihre letzten Groschen auf eine Karte, auf oie Schrffskarte, gesetzt. Man sieht es vielerr von ihnen förmlich an, ivelche Furcht in ihnen lebt, aus unersprießlichen Verhältnissen neuen Enttäuschungen entgegenzugehen. Die „Kronprinzessin' Cecilie" freilich hat bei ihrer Ausreise nicht viele Ausiwanderer an Bord genommen, aber einige hundert werden es doch sein. 479 — Im Aussehen gleicht die „Kronprinzessin Cecilie" ihren Schwesterschiffen, dem „Kaiser Wilhelm dem Großen", dem „Kronprinzen Wilhelm" und dem „Kaiser Wilhelrn II." und doch weist die „Kronprinzessin Cecilie" nicht nur in den Abmessungen des Schiffskörpers und in Bezug auf die Leistungsfähigkeit der Maschinen, sondern auch in seiner inneren Einrichtung und dem an Bord eingeführten Betrieb bemerkenswerte Abweichungen von den Schwesterschifsen auf. Die „Kronprinzessin Cecilie" ist um nicht weniger als 10 Meter länger als der „große Kaiser", die Lloydleute der Kürze wegen den „Kaiser Wilhelm den Großen" zu nennen pflegen, die Tonnenzahl ist um 5000, die Wasserdrängung um 7000 Tonnen und die Maschinenstärke um 18 000 Pferdekräfte gesteigert. Tie Maschinen dieses Dampfers bestehen aus zwei sechszylindrischen Vierfach-Expansionsmaschinen, deren Gesamtleistung etwa 43 000 indizierte Pferdekräfte beträgt, und die dem Schiffe eine Geschwindigkeit von 23y4 bis 24 Knoten geben iverden. Um die durch das Arbeiten dieser mächtigen Maschinen erzeugten, den Passagieren höchst lästigen Vibrationen zu verhindern, ist der Dampfer nach dem Schlickschen System ausbalanciert, wodurch die Erschütterungen, welche die Passagiere in Wohn- und Schlafräumen enrpsinden, auf ein Minimum reduziert sind. Dem Rollen und Stampfen des Schiffes arbeiten. Schlingerkiele entgegen. Ein schwimmendes, sich mit einer Geschwindigkeit von 24 Knoten fortbewegendes Hotel vornehmsten Ranges zählt viele, die darin toohüen. So bietet die „Kronprinzessin Cecilie" 742 Passagieren erster Klasse in 297 Kammern, 327 zweiter Klasse in 109 Kammern und 740 dritter Klasse ein gastliches Unterkommen, wozu noch eine Besatzung von 665 Mann kommt. Außer dem Kapitän und 24 Offizieren, einschließlich Aerzte, Zahlmeister, Apotheker und Postbeamte besteht die Mannschaft aus 61 Maschinisten, Elektrotechnikern, 231 Heizern und Kvhlenziehern, 229 Stewards und Stewardessen, 33 Köchen, Bäckern, Schlächtern, Konditoren, Barbieren, Friseuren, Buchhändlern, Gepäckmeistern, Marconibeamten, 33 Auswafchern, 59 Handwerkern, Matrosen und Lampenwärtern. Die Besatzung käme also an Kopfzahl einem kriegsstarken Bataillon ungefähr gleich. Tie innere Ausstattung der „Kronprinzessin Cecilie" ist glänzend und auch geschmackvoll. Zum ersten Male hat sich der Norddeutsche Lloyd entschlossen, der modernen Kunst- und Geschmacksrichtungen Spielraum zu gewähren. Die mit der künstlerischen Ausstattung betrauten Künstler durften im allgemeinen schalten und walten, wie sie wollten. Einen großen "Anteil an der Ausführung der inneren Ausstattung hat Prof. Bruno Paul genommen. Von den Gesellschaftsräumen nimmt dev 650 Quadratmeter große Speisesaal in der Mitte des Schiffes den bet weitem größten Platz ein, denn hier vereinigt sich die Schifss- gesellschaft dreimal am Sage. In blendendem Weiß prangt dieser mit Ornamenten reich versehene Raum. Er erstreckt sich unter einer von 16 freistehenden Säulen getragenen Kuppel durch mehrere Stockwerke und wird von einem Glasdach bedeckt, das den Lichtschacht unter dem Gesellschaftssalon von dessen oberem Teile trennt. Hinter den Säulen wird die Balustrade des zweiten Stockiverks sichtbar, die sich in den Ecken kugelartig vorwölbt. Die geschnitzte untere Balustrade hat in den Mitten der vier Seiten je zwei liegende Figuren, welche die in Bronze gegossenen Reliefs des kronprinzlichen Paares und deren Wappen ballen. Gemälde zieren die Wände des Saales, es sind Landschaftsbilder, Darstellungen aus den Gärten der italienischen Re- naissanceschlösser. Im Stil der italienischen Renaissance ist auch die Decke des Speisesaales geschmückt, während den Boden ein teppichartiger Belag aus Gummifliesen bedeckt. Der Speisesaal enthält 512 Sitzplätze und weist manche bemerkenswerte Neuheit auf. ©o haben im Speisesaale der „Kronprinzessin Cecilie" größere rechteckige Tische nur an den Längswänden Verwendung gefunden, während in der Mitte 70 kleine runde Tische stehen, an denen zwei, fünf und sieben Personen Platz nehmen können, was sehr viel für sich hat, denn die Passagiere, die früher für die ganze Reise bei allen Mahlzeiten an dieselben Plätze gebunden waren und sich mitunter vielleicht andere Nachbarn gewünscht hätten, können sich auf der „Kronprinzessin Cecilie" nach Belieben zu dieser oder jener Mahlzeit zu einem kleinen Kreise vereinen, was gewiß zur Annehmlichkeit der Reise beitragen und ihren Teilnehmern manche frohe Stunde verschaffen wird. Auch das Table d'hote-Syftem ist als überwundener Standpunkt auf diesem' modernsten Dampfer ad acta gelegt worden. Nicht mehr werden die Reisendenz durch Fanfaren daran erinnert werden, daß die Stunde gekommen ist, wo sie essen müssen. Auf der „Kronprinzessin Cecilie" ist den Passagieren in dieser Beziehung in weitem Umfange das Selbstbestimmungsrecht eingeräumt, für die Dinerzeit sind mehrere Stunden vorgesehen. Man kann sich dann mit seinen Freunden für eine bestimmte Stunde Verabredmr, und trifft sich dann in kleinem Kreise Beim Mahle, heute mit diesem oder dieser, morgen mit jenem oder jener, ganz tote in einer Großstadt, und toec einmal das Verlangen hat, allein zu essen, der braucht sich auch keinen Zwang aufzulegen. Er untersteht keinem, Wohl häufig beengend empfundenen lästigen Zwange. Man kann, sich nach Belieben an eine feste Speisenfolge halten, oder aber auch an der Hand der Speisekarte sich nach eigenem Geschmack das Menu zusammenstellen. Auch für die übrigen Mahlzeiten gelten diese Anordnungen. Dabei wird von den Passagieren für die nach der Karte bestellten Mahlzeiten besondere Bezahlung nicht verlangt. Aus dem hinteren Teil des Speisesaals führt eine Treppe in die oberen Regionen, zunächst in das Treppenhaus, dessen vornehmster Schmuck ein Oelgemälde bildet, welches das schöne Schweriner Schloß in vorzüglicher Wiedergabe zeigt. Auf dieser Treppe gelangt man auf einen Vorplatz und von dort durch einen Gang nach dem Rauchsaloir, dem Tuskulum der Herrenwelt, dte sich beim Skat und anderes harmlosen Spielen vergnügt und im Duft einer würzigen Havanna schwelgt, aber auch durchaus nichts dagegen einzu- wenderi hat, wenn einmal liebenswürdige Damen in dieses Heiligtum dringen, vorausgesetzt, daß besagte Damen die Gemütlichkeit nicht dadurch stören, daß sie gehorsame Gatten zwingen, eine Partie zu unterbrechen, um aus dem Wasser hervorhüpfende Delphine in ihren Sprüngen zu bewundern. Ter hochgewölbte Rauchsalon der „Kronprinzessin Cectlie" ist auch modern gehalten, reich durchgeführt und von einem domartigen Aufbau gekrönt. Dieser kleinere Teil des Rauchsalons wird von dem Hauptteil durch Säulen abgetrennt. Turch Kunstverglasung abgetöntes Tageslicht wird dem Rauchsalon zu diesem Aufbau zugeführt. Während das Holzwerk des Tomes gelbe und rote, Hölzer mit schwarzen Einlagen aufweist, prangt der größte Teil des Salons in blendeird weißer Farbe. Zum Bezug der Sofas und Sessel ist das abgetönte grünblaue Leder verwendet worden. Auch an Bilderschmuck fehlt es dem Rauchsalon nicht, und in der Auswahl dieses Schmuckes ist man einem alten Lloydbrauche treu geblieben, demzufolge in den Rauchsalons Bilder aus Seestädten mit Vorliebe als Wandzier benutzt werden. In diesem Fall hat man es verstanden, damit eine finnige Huldigung für die kronprinzeßliche Patin des schönen Schiffes zu verbinden, indem man zu diesen Bildern ausschließlich mecklenburgische Motive benutzt hat und zwar vor allein aus den mecklenburgischen- Seestädten Rostcm, Wismar, Doberan usw. Die pompösen Luxuskabinen sind in verschiedenartigen Stilarten ausgeführt, wie man sich bei der Einrichtung der „Kronprinzessin Cecilie" überhaupt befleißigt hat, Bei Einrichtung der Jnnenräume durch Anwendung verschiedener Stilarten Abwechslung herbeizuführen. So gesellt sich zu der italienischen Renaissance des Speisesaales und zu devi Stil Ludwig XVI. im Kunstsalon der Empirestil des Gesellschafts- und des Lesezimmers, während die beiden Wiener Cafes wiederum in der Art des Zeitalters des XVI. Ludwig ausgeführt sind. Diese Verschiedenartigkeit der Ausstattung der einzeliren Räume trägt nur dazu Bet, den Gesamteindruck um so anregender zu gestalten. q- Die „Kronpriuzessin Cecilie" ist am 13. d. M. mittags um 1 Uhr bei Fire Island (Newyork) angekommen, trotzdem sie erst Dienstag abend 9 Uhr Cherbourg verlien. toie durchschnittliche Geschwindigkeit des Schiffes betrug 22 Knoten. Tiefes Ergebnis darf, da es sich um die erste Reise handelt, auf der die Maschinen erst in allen Teilen ein- gefahren werden müssen, als sehr günstig bezeichiiet werden. Schiff und Maschinen haben sich während der Reise in jeder Weise vorzüglich bewährt. Tie Einrichtungen des Dampfers fanden allgemeine Anerkennung; das neu eingeführte Tischsystem hatte einen großeil Erfolg. Während die „Kronprinzessin Cecilie" von hier abdampste und durch die Schleuse fuhr, spielte sich, nur von wenigen Zu- 480 schauern bemerkt, folgender kleiner Vorfall ab. Es drängte sich plötzlich ein in den mittleren Jahren stehender Herr dicht an das Ufer heran und rief einem mit seiner Frau an der Schanzkleidung des Schiffes stehenden älteren Passagier erster Kajüte zu: „Fred, Fred, dein Bruder Wilhelm möchte dich noch eiw Mal nach laugen Jahren sehen, ehe es zu spät ist." — Man sah es dem Manne an, daß er einst andere Tage gesehen haben mochte. — Der auf dem Schiffe Stehende sah ihn eine Sekunde fest imd starr an, u nd während ihm Tränen des Schmerzes und der Freude in den Bart rieselten, griff er hastig in seine Brusttasche, entnahm ihr ein starkgefülltes Portefeuille, riß eine Hand voll Banknoten heraus, dann aus dem Portemonnaie noch eine Hand voll Goldstücke hinzutuend, wickelte er alles in ein seidenes farbiges Halstuch, knotete es mehrfach zusammen, warf es dem am Lande Stehenden, der förmlich in Tränen schwamm, zu und .rief: „Mein Bruder, mein Bruder, ach, daß ich dich nicht früher gesehen habe! Dreißig Jahre, dreißig Jahre! Schreibe Mir sofort Washington, postlagernd." Dan» übermannte ihn der Schmerz und er wandte sich ab. — Nicht zwei Minuten hatte der ganze Vorgang gedauert.... Hochzeitskleider im Tierreich. Mancherlei Mittel hat Mmutter Natur den liebebedürftigen Tiermännchen verliehen, sich das Herz ihrer Angebeteten m erobern und etwaige Rivalen aus dem Felde zu schlagen. Die ungezählten Heerscharen nuferer gefiederten Sänger lehrt sie süße Liebeslieder, den ritterlichen Auerhahn und seine Vettern, Hasel- nnd Birkhahn, begeistert sie zu eigentümlichen Tänzen und Balzrufen: den wehrhaften Hirsch und andere Kämpen des Waldes ruft sie ziem grimmen Zweikampf, bei dem die Weibchen Kampfrichter und Kampfpreis zugleich sind. Andere Tiere legen gar zur Liebeszeit ein hochzeitlich Gewand an, nm damit den Weibchen begehrenswert zu erscheinen und ihre Werbung zu unterstützen. Diese Hochzeitskleider — so lautet der Fachausdruck für diese eigenartige Erscheinung — sind in verschiedenen Tierklassen vertreten, doch scheiden selbstverständlich die Tiere; aus, deren Haupffinn nicht im Auge liegt. Verfolgen wir die Stufenleiter der Systematik von unten an, so treffen wir zuerst bei den _ zu Unrecht als kaltblütig und stumpfsinnig verschrieenen Fischen auf Hochzeitskleider, und zwar fallen hier vor allem zwei deutsche Vertreter dieser Tierklasse ins Auge, die schon ihrer merkwürdigen Brutpflege halber Beachtung verdienen. Der eine ist der Bitterling (Rodens amarus), ein fingerlanges Fischchen, das in feiner Verbreitung an die der Maler- .Muschel gebunden ist, da das Weibchen mittels einer Legeröhre seine Eier in die Kiemenspalte dieses Weichtieres ablegt und sie dann der Pflege der unfreiwilligen Amme überläßt. Während der Laichzeit erstrahlt das sonst einfach silbergraue Männchen in allen Regenbogenfarben: di: Flossen nehmen feuerrote Farben und tiefschwarze Säume an, und das Gesicht ist mit weißen, schimmernden Wärzchen dicht übersät. Ter andere, unser streitbarer, wenn auch winziger Stichling (Gastrosteus aculeutus), durch feine kunstvollen Nestbauten bekannt, steht an Farbenpracht zur Paarungszeit dem Bitterling nicht nach und weiß fein herrlich dunkelgrünes itnb brennendrotes Ehrenkleid durch allerlei Schwimm- Bünfte ordentlich zur Geltung zu bringen. Unter den Amphibien sind alle unsere Molche zur Laichzeit mit einem mehr oder minder entwickelten Rückenkamm ausgestattet. Auch ihre Körperfärbung ist dann durch mehrfache Häutung lebhafter geworden, insbesondere bei dem schönsten deutschen Molch, dem Algenmolch (Triton ignens). Tie Häutung verschafft auch den Kriechtieren, Namentlich den Eidechsen, ein farbenprächtiges Hochzeitsgewand. Am stärfften ausgeprägt sind aber die Hochzeitskleider bei der verliebtesten Tierklasse, beit Vögeln, entwickelt. Tie mannigfachen Veränderungen, die ihr Federkleid erfährt, habeir verschiedene Entstehungsursachen. Die häufigste ist die Mauser, bei der das gewöhnliche Gefieder durch ein prächtigeres oft von jenem grundverschiedenes ersetzt wird. Da .aber die Feder fein totes Gebilde ist, sondern in fortwährender Verbindung mit den Blutbahnen des Vogels steht, ist es auch möglich, daß z. B. der Zuckervogel (Arbelonhina eyanea) ohne Federwechsel sein grasgrünes Kleid in ein türkisblaues verwandelt. Auch Struckturverändernngen im Federbau spiel eil bei den Ho chzeitskleidern der Vögel eine große Molle; sie geben dem Gefieder der Kolibris, der Stares der Fasanen den herrlichen Metallschimmer. Unser Haussperling -endlich erhält im Frühjahr seinen schöllen schwarzen Kehlfleck Nur dadurch, daß er die grauen Federspitzen abstößt bezw. abbröckelt. Bei einigen Vögeln enttvickeln sich einzelne Gefieder- partieen zur Paarungszeit besonders stark. Die Paradies- und Dvminikanerwitwen bekommen lange Schweife, der Haubensteiß- sich eine Kapuze und der Kampfläufer einen dichten Brustroller, der ihm bei den Kämpfen, die er mit Artgenossen zu bestehen hat, treffliche Dienste leistet. Bei manchell Vögeln besteht der Hochzeitsschmuck auch in elastischen, mehr oder weniger auffallenden Hautauswüchsen, so beim Truthahn in einem ©dfua* belzapfen, der sich beim Balztanze aufrichtet. Das Satyrhuhn (Tragopon sathra) bläst bei der Werbung feinen himmelblauen. mit blutroter Zeichnung geschmückten Kehlsack auf, während sich ans seiner Stirne zwei türkisblaue Hörner emporrichten, die sonst schlaff herabhängen. Auffallend schwach sind die Hochzeitskleider bei den Säugetieren entwickelt, doch lassen sie auch in ihrem Aeußern zur Paarungszeit manche Veränderungen beobachten, wie die Geweihbildung bei verschiedenen Paarhufern und ähnliche Zierate. Die Entstehung der Hochzeitskleider beruht jedenfalls auf geschlechtlicher Zuchtwahl, denn da auch die Tierweibchen am liebsten einen schmucken Mann nehmen, kommen die mit auffallendem Schmuck versehenen Männchen am leichtesten zur Fortpflanzung und können so ihr Hochzeitsgewand vererben. VsNM?fchtes. * Das Alter der Speisekarte. Auf einem im Jahre 1489 zu Regensburg abgehaltenen Reichstage — so berichtet eine alte Chronik —■ erregte es Aufsehen, daß beim Schmauß borm Herzog Heinrich von Braunschweig aus der. Tafel „ein langer gebet liegen that, den er oftmals besähe". Schließlich fragte Graf Haug v. Montfort den Herzog, was er denn so eifrig lese. „Also ließ ihn der Herzog den zedel lesen. Darin hatte ihm der kuchenmeister alle efen und trachten in der Ordnung ausgezeichnet und kund sich demnach der Herzog mit finen efen danach richten und seinen apetitom teuf die besten trachten sparen." Der Gebrauch der Speisekarten ist mithin schon über 400 Jahre alt — Die welsche Sippschaft. Ter Rekrut muß erst lernen, ob die Drehung eines Geschosses Redaktion, Reaktion oder Rotation heißt. Der angehende Wagenkuppler und der Heizer werden oder wurden wenigstens bis vor kurzem verwirrt gemacht durch eine Instruktion über die Manipulation der Wagen- kuppelung und deren 5 Kombinationen, durch Tampf-Reeeiver, Wasser-Bassin oder -Reservoir, Lust-Rezipient nnb, bergt. Aus einem Exhaustor (Suftcrncuerer) macht der Volkswitz „Ex saust er", ans Semaphor (Warnungszeichen.) „Seh der vor", aus Compound „Kapaun". Und so legte, wie kürzlich im „HeimdalU erzählt wurde, ein Pfarrer einem Beichtsohne zur Buße zwei Litaneien auf, und der bußfertige Sohn legte sich gehorsam zwei Liter neuen zu. Ein Bauer redete von seiner Milchparade und meinte Maysahrts Milchkuhl-Apparat. Wie mag sich der gute Mann die Wörter Spektrum, Analyse, Heres, Pessimist, ästhetisch mundrecht gemacht haben? Ein Bergführer redete von der Wege-Station, und meinte die Vegetation, ein Kellner von der Wiener Greth und meinte Vinaigrette. Im Jahrbuche des Verlages Braun zu Leipzig redet ein Handwerker von Sublatern- Beamten und meint Subältern-Beamten. Im Jahrbuche des Verlages Lang zn Tauberbischofsheim redet eine, Dorskellnerm von marinirten (aitimirten) Gästen und von massiven (passiven) Mitgliedern des Vereins. Der Straßburger Dichter Karl Hackcn- schmidt sagt: „Und du, o deutscher Besen, Kehr' flink und rein das Haus, Kehr' mir die welsche Sippschaft Zum deutschen Haus hinaus!" Musik. u-’ Ein modernes 'Programm bringt uns düs' ich Verlage von Ullstein u. Co., Berlin, zum Preise von 50 Pfg. erschienene Heft M. 11 der „Musik für Alle". Den Reigen der abwechslungsreichen Nummer eröffnet ein Vertreter der nordischen Tonkunst, Jean Sibelius, mit einer Donschöpfung „Melisande pus' der Begleitmusik zu Maeterlinks Drama „Pelleas nstd Melisande". Es ist eine eigenartige Musik, in der sich die rauhe schroffe Natur der Finnländer und die Seele der nachdenklichen Menschen spiegelt. Sibelius ist seinem großen Landsmann Grieg würdig pn die Seite zu stellen. Von Sibelius zu Giordano, dem heiß- Mütioen Italiener. Tie vorliegende Tarantella ist ein un- gemein rassiges Tanzstück, das uns von neuem die Vorzüge dieses bedeutenden Komponisten dokumentiert. Eine angenehme Abwechslung bieten die beiden folgenden Lieder. Ein liebliches Schlummerlied von Heckel nnb, eine einschmeichelnde Romanze im Walzertakt von Marguerite Symiane. Ein weiteres nationales Tongebiet betreten wir in dem Ländler von Karl Weis. Es ist eine urwüchsige tschechische Musik, die uns in dem iwarfantertl Tanz geboten wird. Franz Abt ist uns vertrant als Schöpser so vieler populärer Volkslieder; auch das in diesem Hefte zuiN Abdruck gelangte „Mein Kind" zählt zu seinen besten Emge- bungen. Neben Norwegen finden wir auch Schweden. Ein kleines Klavierstück von Metier, „Schwedisch" betitelt, ist^ trotz Leichtigkeit ungemein charakteristisch, während das folgende Schel- menstücklein des bekannten Komponisten Alfred Mello etwas höhere Anforderungen an den Spieler stellt. Mit der echt wienerischen Mazurka „Wurs-Bouauet" von Ziehrer wird das reichhaltige Heft beschlossen. Erwähnt sei iwch der interessante hübsch illustrierte Eingangsartikel „Von großen Sängern und Sanges- lehrern". > 1 MedMiow: P, Witstcko. — Rotationsdruck itnb Verlag der B rü hl'scheu Universitäts-Buch- und Stemdruckerei, R. Lange, Greßen,