W ISO? — 3ir, 41 UMW «» UW 2»lru M M Wem Wanne. Eine Novelle von Eduard Engel. Nachdruck verboten. Der letzte Tag int März war angebrochen, Gott sei Dank! Der letzte Tag, an dem die greuliche Person ihren Dienst als Wirtschafterin bei mir versah. Lene Weilen hieß sie. Ein linder, weicher Name, gleitet wie Oel über die Zunge, ganz nnd gar aus flüssigen Lippen- und Zungenlauten zusammengesetzt. „Liquida" nennen wir dergleichen in der Philologie, und diese unglückseligen Liquida waren es vornehmlich gewesen, die mich vor einem halben Jahre dazu bestimmt - hatten, die Person zu mieten, als meine jüngste Schwester ihrem Pastor-Liebsten nach Thüringen an den eigenen Herd folgte. Ich hätte mich sollen warnen lassen! Sie hatte bis dahin nur als „Stütze Her Hausfrau" gedient und wollte es nun, da sie. Berlinisch gesprochen, „hoch in den Neununddrcißig" stand, als Wirtschafterin bei einem älteren Herrn versuchen. Ich hätte mich nicht zum Versuch hergeben sollen. Sie war grundhäßlich, und wahrscheinlich hatte die ein Stockwerk unter mir wohnende Fran Konsistorialrätin mir deshalb zugeredet. Eine langweilige, ganz ordinäre Häßlichkeit, von der inan kaum zu sagen wüßte, worin sie eigentlich besteht, über die man sich nicht einmal rechtschaffen ärgern kann. Sah ich sie zufällig beim Wen an, was ich aber nach Möglichkeit vermied, so schmeckte mir alles flau. Also Lene Weilen hieß sie und war dennoch so unverschämt und kratzbürstig, als sei ihr Name aus lauter Zisch- und Kehllauten zusammengesetzt. Ich war machtlos gegen sie, nnd ich litt unsäglich, als Mensch wie als Philologe. Als Philologe vielleicht am meisten. An demselben zweiten Oktober, an dem sie in meine Küche eingezogen war, hatte ich an der Prcisschrift der Akademie zu arbeiten begonnen. Eine wundervolle Ausgabe, als hätte ich sie mir selber nach meines wissenschaftlichen Herzens geheimsten Gelüsten gestellt: „Ueber den Zusammenhang zwischen Denken und Sprechen". Seit einem Menschenalter, jedenfalls seit meiner Professorschaft an der Berliner Universität, hatte ich neben allen Sanskrit, Prakrit und anderen orientalischen Studien immer auf dieses eine Ziel losgearbeitet. Welch einen Schatz von Lesefrüchten aus allen Literaturen hatte ich in den Schubfächern meines Schreibtisches aufgespeichert! Welche Beobachtungen an mir und meinen Kollegen, Freunden und Bekannten! Selbst die Frau Konsistorialrätin im dritten Stock hatte herhalten müssen. Es konnte mir gar nicht fehlen: in wenigen Monaten mußte das Preiswerk vollendet sein. Auf die paar tausend Mark des Preises kam es mir ja nicht an, dafür war gesorgt; aber int Wettkampf mit den Gleichstrebenden die erschöpfendste Antwort zu finden auf die so wichtige Frage: ob ohne Sprache ein Denken möglich sei? — eine natürlich mit „unmöglich!" zu beantwortende Frage — das sollte mich iticht reizen? Es konnte mir, wie gesagt, nicht fehlen. Aber es fehlte mir, und sehr. Die Lene war daran schuld; nach wenigen Tagen war mir das klar geworden. Ihre Häßlichkeit hätte ich ihr verziehen, die mußte sie mit sich abmachen. Auch ihrer spitzigen Unverschämtheit konnte ich durch Schweigen die ärgsten Spitzen abstumpfen. Aber nun ihre unmenschliche Dummheit! Mit der ging es merkwürdig ähnlich wie mit ihrer Häßlichkeit: man wußte nicht recht, worin sie eigentlich bestand, oder vielmehr worin sie nicht bestand. Mir kaut cs vor. als gebe es zwischen Denken und Sprechen dieses Geschöpfes keinerlei Zusammenhang, und da sie doch nicht gerade idiotisch zu nennen war, so geriet ich in die peinlichsten Zweifel an meiner wissenschaftlichen Ueberzcugung. Wie sollte ich da mit Eifer an meiner Preisarbeit schaffen? Das Erstaunlichste aber an ihr war ihre Phantasie. Sie konnte mir keinen Brief bringen, ohne mir unverschämterweise ihre Vermutungen über den Absender mitzuteilen; Vermutungen oft so ungeheuerlicher Art, daß mir schwindelte. Dazu kam, daß sie in meinen Papieren auf dem Schreibtisch kramte und nach Belieben über meine Bibliothek verfügte, so oft ich den Rücken kehrte. Ich hatte ihr das aufs strengste einmal, zweimal, zehnmal verboten. Beim elften Mal sagte ich ihr, sie sollte am 31. März sich packen. Sie nahm die Kündigung ruhig hin, besserte sich aber nichit. Ich setzte dann mehrer Mal eine Anzeige in die „Vossische Zeitung", es kamen auch täglich mehr Bewerberinnen um die Stelle, als mir lieb und meiner Preisarbeit förderlich war; aber aus übertriebener Vorsicht wartete ich und wartete so lange, bis das Ende des März dicht vor der Tür stand nnd die Bewerberinnen spärlicher wurden und schließlich ausblieben. So war denn der 31. März da und noch hatte Lena Weiler keine Nachfolgerin. Sie triumphierte. Wahrscheinlich dachte sie, ich würde sie nun int letzten Augenblick zum Bleiben auffordern ; denn an diesem ihrem letzten Morgen in meinem Hause war sie von unheimlicher Freudigkeit und schwatzte auch merklich weniger dummes Zeug als seit Monaten. Sie Ivußte nicht, daß ich fest entschlossen war, sie keinen Tag länger zu behalten. Im schlimmsten Fall ging ich für ein paar Wochen ins Pastorhaus nach Thüringen; -Osterferien hatte die Universität schon seit einer Woche, und die Bibliothek konnte ich entbehren; mein Material zu der Preisarbeit war vollständig beisammen. Erst nur die entsetzliche Person mir aus den Augen! Ein bitterkalter Tag, jener 31. März. Ein trockener, eisiger Ostwiud, Berlins grausamste Winterplage, peitschte die Pots- damcrstraße entlang, an deren südwestlichem Ende, gegenüber dem Botanischen Garten, ich wohnte. Anßer den zur Stadt trippelnden Kindern mit blauroten Nasen und Ohren kaum ein Mensch unten zu sehen um biefc achte Stunde. Selbst die Pferdebahnwagen von und nach Schöneberg fast leer, ihre Verdecke ausgestorben. Beinahe jammerte mich sogar die Lene, wenn ich pachte, heute müsse sie in diesen grimmigen Frostwind hinaus. Sie hatte mein Arbeitszimmer so ganz besonders inbrünstig heute geheizt, so rücksichtsvoll verständig wie nie zuvor in diesem langen Winter, in dem ich sie nie dazu hatte bringen können, sich nach dem Thermometer draußen am Fenster zu richten. Irgend ein System befolgte sie bei ihrer Heizung, aber welches? — das hatte ich in den sechs Monaten nicht herausbekommen. Am Morgen des 31. März hatte die achte Beilage der Sonn- tagnummer der Vossischen Zeitung noch tinmal meine Anzeige gebracht. Bis zum Spätnachmittag wollte ich mich gedulden; sobald dann Seite das Haus verlassen hatte, wollte ich zum Anhalter Bahnhof fahren und abreisen. Gegen neun Uhr morgens meldete sich ein Mädchen — sehr jung und hübsch. Nahm ich dergleichen in mein Haus, so war es mit meinem Verkehr, in wohlanständigen Familien zu Ende; dafür hätte die Kon« sistorialrätin schon gesorgt. Ich sagte dem Mädchen also, sie sei mir zu jung und zu hübsch, worauf sie rot vor Vergnügen sich empfahl. Ich war ungefähr bis zur sechsten Beilage der Tante Voß 182 'gediehen, als es wieder an der Korridortür klingelte, ganz leise und schüchtern, und Lene erschien: „Eine Wirtschafterin!" Sie sagte das in einem Ton, der verraten sollte, wie wenig sie sich vor dieser Bewerberin stirchtete. Und sie hatte recht: was da auf der Schwelle zwischen Vorzinuner und Arbeitszimmer erschien, war ein richtiger Koboldstreich der Natur. Ein Mädchen oder Frau von ganz unerkennbarem Alter. Sie konnte ebensogut zwanzig wie vierzig Jahre alt sein. Sie war so lächerlich häßlich, daß man durch die Häßlichkeit kaum bis auf den eigentlichen Menschen hindurchsah. Klein, schief in den Schultern, und so mager, denn ihre dünnen Fähnchen hingen ihr am Leibe wie einer Malerpuppe. Dazu ihre Haltung, so sklavisch verprügelt, als wollte sie in sich selbst hineiukriechen. Eine kleine, abgeplattete Nase saß ihr wie um Erbarmen flehend zwischen zwei furchtbar pockennarbigen Wangen. Die so malerischje Berliner Wendung: „Mit'm Jesichte uff'n Rohrstuhl jesessen", reichte nicht zu, um dieses Gesicht zu schildern. Aber bei aller verhungerten Dürftigkeit war sie sauber gekleidet; nur so entsetzlich dünn: mich fröstelte, als ich sie ansah. Ich wollte sie sogleich wegschicken, aber ich fand dieser Jammergestalt gegenüber nicht das richtige Wort. Auch sie stand eine kleine Weile auf der Schwelle und sagte nichts. Die Arrne hielt sie unter einen! dünnen schwarzen Umschlagetuch. Und dann mit einer ängstlichen Stimme in merkwürdig gutem Deutsch mit reiner Aussprache: „Herr -Professor, ich habe Ihre Anzeige in der heutigen Mvrgenzeitung gelesen und — und bin nun hier". Ja, hier war sie nun, aber was sollte ich mit dieser Vogelscheuche? So häßlich verlangte selbst die Rätin sie nicht. Ich sah sie mir noch einmal ordentlich an. Sie hielt meinen Blick bescheiden aus und erwiderte ihn mit einem so' flehentlickMn Augenaufschlag, daß es mich ganz weich überlief. Sie hatte braune Augen, groß, wie die eines jungen Rehs; nur lagen sie ihr unheimlich tief in dem verhungerten bleichen Pockennarbengesicht. Daß sie kleine weiße Zähne hatte, wußte ich, seit sie die .ersten paar Worte gesprochen. .Wie heißen Sie denn?" - „Cäcilie Wirzbinska, aus Jnowrazlaw, Herr Professor." Cäcilie Wirzbinska; auch das noch! Aber ich wollte mich diesmal nicht durch die vielen Zischlaute täuschen lassen, wie früher durch die Liquidä. Mußte ich sie fortschicken, so sollte .eS mit gutem Grunde geschehen. „Geben Sie mir Ihr Buch." „Ach, gnädiger Herr Professor, ich habe noch ckein Buch; ich habe noch nie gedient. Ich habe zuletzt in einer Schürzen- fabrik gearbeitet." „Und da wollen Sie nun auf einmal einen Posten als Wirtschafterin annehmen?" „Ach ja, gnädigster Herr Professor. Ich habe bis vor einem Jahr bei meinem Bruder auf der Sägemühte die Wirtschaft ge- ftihrt, für ihn und zwei Leute. Ich verstehe gewiß alles." Und wieder der große, Mitleid erflehende Blick. „Warum sind Sie denn nach Berlin in eine Fabrik gegangen?" — Sie schwieg und senkte die Augen. „Und warum haben Sie nicht wenigstens ein Papier, wenn auch nur eins von Ihrem Bruder?" -Wieder keine Antwort. „Ja, wenn Sie nicht reden wollen, dann können Sie eben- sogut gleich gehen!" und ich wies sie ärgerlich nach dem Vorzimmer. „Ach, gnädigster Herr, gnädigster Herr, behalten Sie mich doch! Ich verstehe ganz gewiß alles, was so einzelne Herren brauchen; mein Bruder war zwei Jahre Witwer, und ich habe ihm sogar die Magd erspart. Seit Wochen lause ich umher nach einer Stelle und finde nichts. Und es ist! so bitterlich kalt draußen, gnädigster Herr Professor. Und niemand will mich, weil ■— weil —“ Natürlich will dich niemand mit dem Gesicht, dachte ich. Wer laut sagte ich zu ihr: „Wenn Sie wir aber nicht einmal meine einfachen Fragen beantworten, wie soll ich mich dazu entschließen, eine mir unbekannte, durch niemand empfohlene Person in mein Haus zu nehmen?" Cäcilie Wirzbinska öffnete die bleichen Lippen, sprach iabest kein Wort. Jedoch nahm etwas anderes jetzt für sie das Wort: unter dem schwarzen Umschlagetuch hervor schrie es mit einmal aus, daß ich pvr Schreck in die Höhe spriang. Dann wieder und wieder -— und dann hörte es überhaupt nicht mehr! lauf: ein ausdauernd festgehaltener, immer zur rechten Zeit erneuter Schrei.-.— Dies war selbst meiner Lammesgeduld zu toll. Hatte diese Magers Vogelscheuche sich ein schreiendes Kind mitgebracht, jedenfalls ihr! eigen Kind, und damit wollte sie sich vermieten! „Was haben Sie denn da?" und ich ging zornig auf sie zu. Sie sank in die Knie und wimmerte: „Äch das ist mein Männe, gütigster Herr, mein armer, süßer Männe".' „Und Sie wagen es ■—" , „Wohin sollte ich mit ihm? Niemand will mich haben mit dem Knaben. Auf der Straße erfriert er mir, und — Nahrung habe ich nicht mehr für ihn. Behalten Sie mich, um Gotteswillen, gnädigster Herr, um Christi Barmherzigkeit, gnädigster Herr Prv- sessor! Er ist ein so! dfttiges Kind, Sie sollen ihn nie zu hören, nie zu sehen bekommen. Er schreit sonst nie, wirklich nie!" Ter Balg schrie lauter dls ferne Mutter sprach. Sie versuchte, ihn zur Ruhe zu schmeicheln, zu wiegen, -aber vergebens. „Ach du lieber Gott, du lieber Gott, er hat heute noch nichts! zu trinken bekommen, da ist er hungrig, der arme süße Männe. Bloß ein Stückchen Milchzucker hatte ich noch für ihn. Ich will ja keinen Pfennig Lohn haben, bloß einen Winkel, wo ich mit dem Kinde bleiben kann, und nur so viel zu essen, daß ich ihn nähren kann." „Ist das Ihr Junge? Sind Sie denn verheiratet?" „Sehen Sie, gnädigster Herr," — sie war aufgestianden und sprach jetzt ruhiger, während die Tränen ihr Über die Wangen strömten — „mein Bruder hatte für seine Sagemühle einen Bnchi-. Halter, einen so guten, ordentlichen Menschen, und ich ... . und dann verlobten wir uns, mein Bruder war einverstanden, und! es tat ihm bloß leid, daß ich ihm nicht mehr sollte die Wirtschaft führen können. Aber dann sagte er, er wolle später zu uns ziehen, wenn wir ihn haben wollten, und natürlich wollten wir ihn haben, und alles War besprochen, und — dann bekam Karl, das wftr mein Bräutigam, die Pocken, und gleich darauf! bekam ich sie auch, und als ich wieder gesund geworden, da wast Karl schon begraben." Sie schluchzte laut. „Und dann — so! ein halbes Jahr darauf jagte mich mein Bruder aus dem Hanse, .und .... ein paar Wochen später, hier in Berlin, kam meint "armer kleiner Männe." (Fortsetzung folgt.) Einige Lehren ans KurspuMus Geschichte des russisch-japanischen Krieges. Von einem alten preußischen Offizier. (Aus der „Frkf. Ztg.") Nach den Auszügen zu urteilen, welche aus dem Buche des Generals Kurvpatkin über die Niederlage der russischen Armee veröffentlicht worden sind, erkennt Kuropatkin in der Kriegs- begeisterung der Japaner einerseits und in der Jntereneloftg- keit der Russen am Kriege eine der Hauptursachen der ^Niederlage. Die russische Armee, sagt er, habe nicht verstanden, um was es sich in dem großen Kriege handele. Das konnte sie nicht verstehen, weil die russische Armee, trotz der fast unglaublichen Ueberschätzung durch deutsche Militärs, eme ungebildete sklavische Armee war. Diesen wahren Grund der Niederlage hat Kuropatkin offenbar immer noch nicht ganz erkannt, und wir können dies auch kaum von einem Russen erwarten, wenn noch bei Beginn des .Krieges deutsche Sachverständige gerade ut diesen sklavischen Verhältnissen eine Hauptstärke der Russen erkennen zu müssen glaubten. Als ich aus den Boxerwirren zurückkehrte, hatte ich Gelegenheft, mit einer Anzahl kluger deutscher Offiziere über die russische Armee zu sprechen, und sand diese Herren zu meinem maßto| en Erstaunen der Bewunderung voll für das russische Heer, und noch in seinem soeben erschienenen Werke über die gelbe Gefahr spricht General der Infanterie v. Lignitz es offen aus, daß man vor dem Kriege das russische Heer für das beste gehalten habe. Der General kann in der Tat verallgemeinernd diese Ansicht als damals allenthalben gültige hinstellen, jedenfalls soweit die große Mehrzahl der deutschen Offiziere in Betracht kam. In Ä'er von mir erwähnten, Diskussion nützte es mir nichts, daß ich darauf hinwies, daß die Russen immer noch an dem veralteten Salvenfeuer der Infanterie festhielten, von dem Caprivi vor Jahren behauptet hatte, daß es mir ein Zeichen mangelhafter Ausbildung sei. Es half nichts,, daß ich mich auf die Aeußerung eines russischen Offiziers berief, der ausdrücklich zugab, daß die Salven beibehalten würden, weil man bei Schützenfeuer die Leute unbedingt aus der Hand verlieren werde Daß dieses Geständnis der Einräumung herrschender Jndisziplin gleichkomme, fuurbe glattweg bestritten. Disziplin! Keine Armee der Welt könne sich einer derartigen Disziplin rühmen wie die russische. Hatten nicht einige der Herren Gelegenheit gehabt, mit eigenen Augen zu sehen, wie em betrunkener russischer Hauptmann vor versammelter Mannschaft einem Unteroffizier die Rangabzeichen abriß und ihm hinter die Ohren schlug, nur um zu zeigen, daß er sich mit seinen Untergebenen alles erlauben könne? Das war noch Disziplm! Bei rms müsse jeder mit Glacehandschuhen angefaßt werden. Meme Erwiderung, daß man es dahin bringen müsse, daß uberhaupr nicht Mehr „angefaßt" zu werden brauche, trug mir eine Antwort ein, die gleichzeitig wahrs-cheinlich ein Hieb auf 'das von mir vertretene Blatt sein sollte; sie lautete:. „Ja, so demt ihr Demokraten!" — Ich quittierte mit einem ruhigen: „Sehr richtig bemerkt". Ein einziger der anwesenden Ofsiziere nahm wahrend der Unterhaltung nicht gegen mich Partei. Er schwieg Mw kam nachher zu mir, um mir zu sagen, daß er meme Ansichten vollständig teile. Ich fragte ihn nicht, weshalb er muh nicht bei dem Gespräch unterstützte. Ich! weiß aus eigener Erfahrung, was es für einen aktiven Offizier heißt, ist den Verdacht zu kommen ein „Neuerer" zu sein. Wenn ich diese Unterhaltung hier erwähne, so geschieht dies, um darauf aufmerksam zu Wachem daß die Klagen Kuropatkins auch! für unsere Armee außerordentlich lehrreich find. Die russische, so wohldisziplirnerte Armee versagte vollständig. Diese tapferen Soldaten, die sich unter weniger ernsten Verhältnissen ruhig prügeln ließen mid dadurch erneu > merkwürdigen Beweis für ihren unbeugsamen Gehorsam UeferteM liefen im Gefecht aus den Schützenlinien weg, „unter, dem Vom wände, Verwundete zurückzubringen, od« mich ohne, jedm x>ot* wand . Dieser Zusammenbruch ver Knutendrsziplin ist die Kugr — 163 — tigste Lehre, die wir aus Kuropatkins Klagen ziehen können. An den Tatsachen ändert das tapfere Verhalten einiger russischer Truppenteile ebensowenig, wie die Kritik der Japaner durch Kuro- patkin durch das vereinzelte Vorkommen des Versagens japanischer Landwehrleute vor Port Arthur beeinflußt werden kann. Die Geschichte bietet hinlängliche Beweise für ucierwarteten Kampfes- mut, oder besser gesagt Kampfeswut, sklavischer Bataillone einerseits und für die Panik wohldisziplinierter Truppenteile andererseits. Ausnahmen beweisen auch hier nur die Regel. Nun liegt es mir natürlich ferne, behaupten zu wollen, daß die deutschen Mittel zur Erziehung der Disziplin den russischen auch nur annähernd gleichkämen; aber ich halte selbst das Bedauern, nicht über dieselben Mittel verfügen zu dürfen, für höchst gefährlich und hoffe, daß die Mißerfolge der russischen Disziplin diesen Junkergeist im deutschen Heere stark beeinträchtigen werden. Daß er ganz schwinden sollte, kann man kaum hoffen; aber er kann übersehen und mit Verachtung gestraft iverden, sobald die Mehrzahl der Offiziere seine Gefahren erkannt hat. Nicht minder lehrreich als das Verhalten der russischen Mannschaften ist das Verhalten der russischen Offiziere, und zwar besonders der höheren Offiziere. Wer die russischen Offiziere kennt, der wird wissen, daß es unter ihnen hochgebildete Leute gibt, von denen man nicht behaupten kann,'daß der Tatar zum Vorschein komme, wenn man den äußeren Firniß abkratze. Aber der russische Durchschnittsoffizier gehört nicht zu diesen gebildeten Leuten, und dieser Durchschnittsoffizier befindet sich auch in den hohen Kommandostellen. Selbst eine reformierte russische Armee wird unter dieser Tatsache noch lange zu leiden haben. Es ist nun, eine merkwürdige Erscheinung, daß gerade die Offiziere, die ihren Untergebenen gegenüber die größte Rücksichtslosigkeit zeigen und sklavischen Gehorsam verlangen, ihrerseits nicht gehorchen gelernt haben. Durch das ganze Werk Kuropatkins ,zieht sich die Klage über diese Jndisziplin. Kaum eiic einziger der Armeekorpskonrmandeure entgeht dem Vorwurfe, Befehle des Oberkommandos einfach nicht befolgt zu haben. Wie in Tientsin und Peking während der Boxerwirren kaum eine Abendversammlung russischer Offiziere stattfinden konnte, ohne daß erstaunliche Ausschreitungen jüngerer Offiziere gegen ältere vorgekommen wären, so ist, wenn Kuropatkin nicht zu schwarz schildert, kaum ein Gefecht vorgekommen, ohne daß direkte Gehorsamsverweigerungen zu verzeichnen gewesen wären. „Be- soffene Geschichten" nannte man es 'im Boxerkriege und ging lächelnd über diese merkwürdige Erscheinung hinweg; was war aber im ernsten russisch-japanischen Kriege daraus geworden? .Es wird gewiß vom Offizier verlangt, daß er eigene Initiative besitzt, aber die russische Armee hat bewiesen, wie gefährlich es ist, wenn eine Verwechslung zwischen eigener Initiative und Ungehorsam platzgreift. Man beschränkte sich! im russischen Heere ntcht mehr darauf, die maßgebenden Befehle des Oberkommmrdos soweit zu modifizieren, wie die dem Oberkommando vielleicht unbekannten Details dies erfordern können und stets erfordern werden, sondern man hielt nicht einmal an den gegebenen Haupt- direttiven fest. Man ließ sich nichts Vorschireiben, dünkte sich Mger als jeder Vorgesetzte und nannte dies verhängnisvolle Verhalten wahrscheinlich stolz „Initiative". Bon dieser gefährlichen Initiative ist in unserer deutschen Armee weniger zu fürchten. Jeder deutsche Durchschnittsoffizier dürfte Intelligenz und Bildung genug besitzen, um die Grenzen zu erkennen, innerhalb deren eine Betätigung seiner Initiative gestattet ist, während dem Durchschnittsrussen offenbar die Fähigkeit abging, sich klar zu machen, was das Hauptziel des Oberfeldherrn war. — Es hat gewiß auch bei/uns nicht an Leuten gefehlt, die sich über die streng vorgeschriebene Grenze bewegen zu können oder zu müssen glaubten. Wir erinnern an den General Friedrichs des Großen, der ungehorsam war und erklärte, daß er nach dem Kampf dafür fernen Kopf zur Verfügung stelle, oder an den General, dem man trotz seiner angesehenen Persönlichkeit das unnötige Blutvergießen bei Beginn des deutsch-französischen Krieges nicht straflos durchgehen ließ, obgleich er siegreich war. Diese Männer waren erstens keine Bsiderlings oder Kaulbars und sie gingen keineswegs immer straffrei aus. Die Lehre, die das Verhalten der russischen Generale bietet, ttf die,, daß die Initiative gefährlich ist, wenn dem Offizierkorps prcht dre Befähigung gegeben ist, den Grundgedanken der Opera- ttonen klar zu verstehen, und wenn die Offiziere sich gegenseitig iMe Stellungen neiden, statt dem Feinde gegenüber an gemeinsamem Sttange zu ziehen. Herrschen derartige Verhältnisse, so ist der Oberkommandrerende besser daran, der über blind gehorchende, maschinenmäßig verfahrende Offiziere verfügt, als derjenige, der ein in Dünkelhaftigkeit groß gewordenes und dabei von dem Rechte der Jnittative überzeugtes Offizierkorps unter sich hat. Noch etwas anderes lehrt allerdings Kuropatkins unglückliche Stellung seinen kommandierenden Generälen gegenüber. Nach Sandepu drohte der im Stich gelassene Oberbefehlshaber einmal mit einem Kriegsgericht- Er drohte aber nur und hat damit den Beweis geliefert, daß der Bureaukrat — ein solcher war Kuropatkin, der frühere Kriegsminister — schlecht geeignet ist, mit den rauheren Elementen der Feldosfiziere fertig zu werden. Weshalb statuierte er nicht ein Exempel, statt sich weiter aus der Nase tanzen zn lassen? Wäre „Papa Linjewitsch" der Ober- komüiandierende gewesen, so würde die Uudisziplsir der höheren Offiziere , bald ein Ende mit Schrecken gefunden haben. Die russische Armee wäre dann vielleicht um einige <3e» neräle ärmer geworden, sie hätte vielleicht auch einige intelligente Köpfe eingebüßt, aber sie würde in der Hand des greisen Haudegens eine Waffe gebildet haben, die wenigstens dorthin traf, wohin sie schlagen sollte, und die fest in der Hand des Führers lag. — Das mißverstandene Gefühl, zur Initiative berechtigt zu sein, hat zusammen mit der Unentschlossenheit des Oberkommandierenden den Unbotmäßigen gegenüber nicht anders, wirken können, als es wirkte. Der Sieg der Japaner war nicht' nur der Sieg der höheren über die geringere Intelligenz, er war auch, wie aus der Schilderung Kuropatkins deutlich zu ersehen ist, der Sieg der festgefügten, tadellos in allen Teilen! ineinander eingreifenden Maschine gegenüber dem klapperigen Gestell. Rußland wird erst dann wieder über eine festgefügte, brauchbare Armee verfügen, wenn es seinen Ofstziercn ein höheres. Pflichtgefühl eingeimpft hat. Das lehren die Klagen Kuropat- kins. — Fahnen, Berufung aus eine ruhmreiche Geschichte und Hurras sind nicht die Triebfedern einer zum Siege berufenen Armee. Der wahre Siegeszauber sitzt im Innern des tzerzyrs des Volkes. - Kundert Jahre KssSeleuchtnugo Nachdruck verboten. Es ist uns Kindern des modernen Lebens oft gar nicht mehr möglich, uns vorzustellen, wie die Menschen dereinst ohne alle die „unentbehrlichen" Hülssmittel der Beletuh- tungstechnik fertig geworden sind, und doch find int gegenwärtigen Jahre 1907 erst gerade 100 Jahre vergangen!, seitdem zum erstenmal in einer Stabt Gaslaternen auf der Strasse brannten und ein Licht verbreiteten, das unser von Bogenlampen und Glühstrümpfen verwöhntes Auge zwar heute sehr lieblos als eine „schauderhaft traurige Beleuchtung" bezeichnen würde, das aber dereinst gegenüber den alten Oellampen und Talgkerzen wie ein feenhaftes Wunder, wie eine Offenbarung wirkte. Kein anderer unter den vielen späteren Fortschritten in der Beleuchtung wurde so gewaltig, so nachdrücklich empfunden wie der Uebergang von der Oellampe zur Gaslaterne. London darf sich rühmen, die erste Stadt gewesen zu sein, die vor nunmehr gerade 100 Jahren das Wunder der öffentlichen Gasbeleuchtung verwirklichte. Aber einer unserer Landsleute war es, dessen Köpf die Idee zu diesem! kolossalen, damals phantastisch scheinenden Fortschritt entsprang, ein Deutscher, Namens Albert Winzer aus Znaim in Mähren, der seinen Namen in England allerdings in! Winsor umwandelte. Zwar hatte schott 1786 Lord Tun- donald und 1792 der Schotte Murdoch brennbares Gas künstlich hergestellt und im Laboratorium zur Lichterzeugung verwendet, zwar waren vereinzelte Gebäude in Amerika schfm seit 1801 (durch Henfrey), in England seit 1803 (durch Murdoch) systematisch mit Gasbeleuchtung versehen worden, aber erst Winsor alias Winzer faßte 1804 den fruchtbaren Gedanken, solch künstlich erzeugtes Gas für den Zweck der Straßenbeleuchtung zu verwenden. Er liess sich in England die von ihm erdachte Methode durch ein Patent schützen, sand aber zunächst gar keiit Verständnis für feine kühne Neuerung. Walter Scott erklärte den Erfinder, der die Straßen Londons mit „Rauch" erleuchten wollte, einfach für „verrückt"; andere berühmte und gelehrte Briten, ein Fachmann tote Humphry Davy voran, behandelten Winsors Idee nicht viel besser, und doch drang diese ziemlich schnell durch, denn schon am 28. Januar 1807, also vor 100 Jahren, leuchtete die eine Seite des Pall Mall, der Straßenteil zwischen dem St.-James-Palast und der Cockspur-Street, zum erstenmal int „Glanz" der neuen, zunächst itött) reichlich primitiven Gaslaternen. Das staunende Publikum begrüßte die fabelhafte Neuerung mit Jubel, und schon 1816 war die Gasbeleuchtung in ganz London verbreitet. Der ungeheure technische Fortschritt wurde, hauptsächlich durch die neugegründete „Imperial Continental Gas Association", rasch auch auf den europäischen Kontinent übertragen. Schon 1815 wurde die Gasbeleuchtung auch in Paris eingeführt, nachdem bereits 1811 ein Teil der Stadt Freiberg i. S. durch Prof. Lam-padius damit beschenkt worden toar. Int übrigen Deutschland dauerte es freilich noch längere Zeit, bis die Bestrebungen der englischen Gesellschaft festen Fuß faßten und die neue Erfindung sich einbürgerte. Als erste deutsche Stadt (nach Freiberg) erhielt 1825 Hannover Gasbeleuchtung: im nächsten Jahr folgte Berlin nach. Hier erstrahlten die „Linden" am 19. 164 Redaktion: Ernst Heß. — Rolalionsdruck und Verlag der B r ü h l'jchen Universitäts-Buch- und Etetnbruckerei, R, Lange, Wietze«. -a hingeben, das; cs allntähliH gelingen wird, jede devarUge Mn- derung mit Hülfe der Röntgenstrahlen zur Wahrnehmung zu bringen. Wenn die Röntgenstrahlen für die Diagnose immer größere Bedeutung erlangen, so wächst auch das Gebiet ihrer Verwendung zu Heizwecken. Neuerdings ist man dazu gelangt, Gesäßerweiterung, Muttermale, den Hautschwlamm mit Röntgenstrahlen und den Haarausfall, die sogenannte Sllopecie, mit ultravioletten; Licht erfolgreich zu behandeln. Leider ist es aber noch- nicht recht gelungen, die Stärke der zn Heilzwecken verwandten Röntgenstrahlen messend zu bestimmen. Auch eine Reihe anderer Fragen steht noch offen, so weiß man z. B. noch nicht, welches der Einfluß der Röntgenstrahlen auf die Bildung von Giften und Gegengiften ist, oder in welcher Weise elektrische Ströme zur Absorbierung von Medikamenten durch die Haut beitragen. Leider hat die Gesundheit mancher Forscher durch das Arbeiten mit Röntgenstrahlen gelitten. Diese traurigen Erfahrungen werdenaber einer jiingeren Generation zu Gute -kommen. Ter dritte Kongreß Lier Deutschen Röntgcngefellschaft wird am 1. April 1907 in Berlin abgehalten werden und vom 13. bis 16. Oktober 1907 wird in Rom der zweite Internationale Kongreß für physikalische Therapie stattfinden. September 1826 zum erstenmal in dem ungewohnten Licht — bei dieser Gelegenheit fei daran erinnert, daß „Unter den Linden" auch Berlins erste elektrische Straßenbeleuch- tuua zu sehen war (30. August 1888). 1828 eroberte das Gaslicht sich Frankfurt a. M. und Dresden, 1833 Wien, 1838 Leipzig usw. Als was für eine gewaltige Verbesserung das Gaslicht damals empfunden wurde, beweist der Umstand, daß man in Dresden mit der Inbetriebnahme der neuen Beleuchtung bis zu dem festlichen Tage wartete, an dem der erhoffte Thronerbe geboren wurde, der spätere König Albert von Sacbsen (23. April 1828). Andererseits begegnete aber der große Fortschritt hier und da auch einem Unverstand und einer Feindseligkeit, die uns unbegreiflich dünken müssen. Nur mit einem mitleidigen Lächeln kann man heut die Ausführungen lesen, mit denen am 28. März 1819 ein Unbekannter in der „Köln. Ztg." gegen das Gaslicht loswetterte. Man glaubt zunächst einen Faschingsscherz oder einen Ulk-Artikel zum 1. April vor sich zu haben, wenn man die durchaus ernst gemeinten Gründe liest, mit denen damals das leider ungenannt gebliebene Genie gegen, die Einführung der Gasbeleuchtung auf den Straßen Front machte. Nach dem „Prometheus" waren es sieben Gründe, die er geltend machte: 1. ein theologischer, da das Gaslicht den Weltplan Hofmeistern wolle, der doch die Finsternis der Nacht in der Weltenorduung vorgesehen habe; 2. ein juristischer, da die Gasbeleuchtung aus öffentlichen Mitteln bestritten werde, sodaß zu den Kosten auch solche Leute beiträgen müßten, die gar kein Interesse an der Beleuchtung hätten; 3. ein medizinischer, da die Ausdünstungen des Gases schaden müßten und die Verlockung zum längeren Verweilen auf den Straßen eine Vermehrung der Erkältungen zur Folge haben würde; 4. ein moralischer, da das Grauen vor der Finsternis schwinden müsse, das den Schwachen von mancher Sünde abhalte, und da Trunksucht und Unzucht gefördert werden würden; 5. ein polizeilicher, da die Pferde scheu und die Diebe kühn gemacht werden würden; 6. ein volkswirtschaftlicher, da alljährlich große Summen für die Beleuchtung ins Ausland gehen würden; 7. ein volkstümlicher, da die Wirkung von festlichen Illuminationen an nationalen Feiertagen durch die tägliche „Quasi-Illumination" geschädigt werden müsse! Daß das Gaslicht sich trotz aller jener fürchterlichen Prophezeiungen durchsetzen konnte, ist gewiß ein trauriges Zeichen für die Sündhaftigkeit und Vergnügungssucht der Welt. Was aber würde der brave Artikelschreiber der „Köln. Ztg." wohl für entsetzte Mienen machen, wenn er einmal heut durch die nächtlichen Straßen der Städte wandelte und feststellen müßte, daß die sündhaft Helle Gasbeleuchtung von vor 80, 90 Jähren in den Augen der heutigen Generation schon gar nicht mehr als richtige Beleuchtung mitzählt. Dr. R. Hennig. Die Röntgenbehandlung hat iin letzte» Jahre trotz mancher Enttäuschungen, die nicht erspart blieben, int Ganzen einen Fortschritt zu verzeichnen. In erster Linie ist nach Angabe der Archive für Röntgenstrahlen (London) die Verwendung der Röntgenstrahlen zu diagnostischen Zwecken ausgestaltet worden. Die Expositionszeit Hat bei der Aufnahme von Röntgenphotographien noch erheblich verkürzt werden können, so daß die Aufnahme des Schattenbildes tief liegender Organe nunmehr als eine momentane bezeichnet werden kann. Das ist von hoher Bedeutung, weil das Bild bei einer längeren Expositionszeit durch die Atmungsbewegungen verwischt wird. Auf Grund der neuesten Versuche hegt man die berechtigte .Hoffnung, daß cs bald gelingen werde, frühe Anzeichen der Gicht, des Rheumatismus und rheumatischer Gelenkentzündung mittels der Röntgenstrahlen festzustellen. Tie Einspritzung von Sauerstoff in die Gelenke und neuerdings auch in die Blase, hat dazu beigetragen, eine größere Differenzierung des Schattenbildes der inneren Organe herbeizuführen. Auch die Untersuchung der Niere ist durch! Einführung dieser Methode gefördert worden. Eine der neuesten Errungenschaften der Radivswpie ist dis Untersuchung des Magens während seiner Verdauungstätigkeit. Wenn eine derartige Untersuchung vorgenommen wird, muß der zugeführten Nahrung Wismut beigemengt werden, um sie durchsichtig zu machen. Diese neue Methode hat zur Feststellung einer Reihe von Funktionsstörungen des Magens geführt: auch konnte »mit bei Anfällen von Epilepsie, Neurasthenie und Migräne eine zeitweise Erweiterung des Magens beobachten. Wahrscheinlich ist jede Erkrankung eines Gewebes von Aenderungen seiner Durchsichtigkeit begleitet, und man kann sich der Hoffnung Für die Küche. Kochrezepte itnb kurze Winke zur Bereitung von Speisen für D a r m - u n d M a g e n I e i b e n b e, nach Kußmauls Methobe erprobt unb angewenbet an bem unter Leitung bes Professors Fleiner stehenben TrakontssenhauA in Heidelberg. 5. Auflage. 50 Psg. Das Buchtern enthält einfache, in jebetn Haushalt leicht zu berettenbe Rezepte, bte sich bei Magenkranken bewährt haben. Es sollte in jebem Hause sein. Scherz-Arithmogriph. Hoch zu Roß als schneid'ge Krieger Hab' ich 1—6 erschaut. Schlimme Gäste! Mir ward treulos 3 4 6 3, meine Braut. Sie verriet mich, die geschworen: Ueberall, wohin es sei, Wolle sie mir ireudig folgen, Selbst bis zur 2 5 4 3. Und ich kaufte, mich äu töten 3 2 3 1 4 mir ein, 3 2 2 1 war's mit mir bald, Da fiel mir was Bess'res ein: „Nein, nun grade nicht!" jo rief ich. Fahr dahin 3 4 6 3 — 5 2 2 3 werd' ich nehmen — Du bist mir 4 1 2 21 Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Bach, Dach. VerMZsctzLes. * Die weibliche Nase. Seit längerer Zeit bereits will man die Beobachtung gemacht haben daß die Frauen nicht den seinen und ausgeprägten Geruchssinn auswcisen wie bte Männer. Dtet: Beobachtung ist von Männern der deutschen Wissenschaft ats rtchtig hingestellt und bewiesen worden. Nun hat auch ein französischer Arzt dasselbe Experiment mit demselben Erfolge cmgesteltt. Dem Franzosen war die Inferiorität der weiblichen Nase beim Wem« aufgefallen. Eine ganze Anzahl von Frauen vermochte meist, durch den Geruch einen Unterschied zum Beßptel zwt,chen Bordeaux- und Burgunder-Wein heranszufinden. Um em bestimmtes und greifbares Resultat zu erzielen, machte der Arzt nun eingehende Versuche, aber mit Wasser, jedenfalls der Btlsigkett halber. In eine Quantität Wasser, die ebensoviel Liter Inhalt aufwus, wider betreffende Mann, mit bem das Experiment vorgenommen wurde, schwer war, wurde Zitronensäure getröpfelt. Wahrend,tu allen Fällen der Mann das Vorkommen von Zttrone tm Wager durch die Nase allein konstatierte, vermochte die Frau brcfeni Bestandteil der Flüssigkeit weder zu riechen noch zu schmecken. Erst nachdem die Wassermenge ‘auf den fünften Teck reduziert war, gelang es auch der Frau auzugeben, welche Essenz das Wasier enthtelt. — Bei der landwirtschaftlichen Generalversammlung. Präsident: „Meine Herren! Uni etc Viehzucht tst in der ganzen Welt als mustergültig bekannt! Unsere Pferdezucht steht auf einer Höhe, die unerreicht ist! Unser Rmdvuelpchlag ist der vorzüglichste todt und breit und die Schwemewtrtschaft m unserem Lande wird von keinem anderen übertroffen! (Ft.