v Samstag de« 16 < Aebrnar $ t 4 S U K WM a K Mmschenseöen, die lüasn. . Rowan von H. E h r Hardt, Verfasserin von „Mittellose Mädchen" Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Er hängt mit seinen Blicken an ihr, als müsse er jede Einzelheit dieser bildschönen, lebensvollen Gestalt in sich auf- ' saugen," als ob sein entfliehendes Leben sich Kraft holen müsse von ihr, die seiner ersten Jugend Glück und Wonne gewesen. Sie sind allein im Zimmer. „Hanna!" stammelt er, „Ihrer Güte übergebe ich das liebste, was ich hier zurücklasse, meine arme Mutter und Marga — ich weiß, Sie toerdeu sich ihrer annehmen. Weiß Gott, das Sterben wird mir leichter, weil ich Sie als Freundin der beiden geliebten Menschen weiß. Ihnen wird's gelingen, sie zu trösten. Und ich danke Ihnen jetzt, Hanna, für das, was Sie mir waren." Er schwieg erschöpft. Hanna ist lvie gelähmt. Sie fühlt nur eins. Der Manu vor. ihr ist ein Sterbender. Er stirbt von der Hand ihres Geliebten und in dem festen Glauben an ihre Reinheit und Güte.. Eine drückende Scham wälzt sich auf ihre Seele. Sie kann nicht sprechen; ihr Mund ist trocken, wie ausgedorrt, die Zunge klebt ihr am Gaumen. Sie starrt wie gebannt auf beit Sterbenden. In ihrem Kopfe kreisen die Gedanken und scheinen sich hinter ihrer weißen, Haren Stirn zu einem dichten Knäuel zu verstricken. Bis endlich ein eisiges Grauen sich allmählich aus dem wirren Knäuel losringt und ihr vom Kopfe aus lähmend zum Herzen kriecht. Eine große, schreckliche, fiebernde Angst überkommt sie. um den Geliebten. Der Sterbende ist vergessen, die jäh hervorbrechenden Kränen gelten einem anderen. Sie preßt das seidene Taschentuch an die Augen. Der Sterbende sieht ihre Bewegung. Auf seinem fahlen verfallenden Antlitz liegt der purpurne Abendsonnenschein Wie ein Abglanz seines tiefen inneren Glücks. Marga würde geborgen sein bei dieser warmherzigen Freundin. Er hat nicht mehr die Kraft zu sprechen. Rote, wallende Schleier, aus Hannas Goldhaar gewoben, senken sich auf seine Augen nieder. Sein Bewußtsein beginnt sich zu verwischen—laugst vergessene Bilder gleiten an ihm vorüber, Menschen, an die er nie mehr gedacht, tauchen vor ihm auf, Melodien aus der Kinderzeit klingen in seinen Ohren. Er hat ein friedliches Lächeln auf den Lippen, ein Lächeln, das scharf wie tue die große Gemütstiefe seines Charakters verrat. Es klopfte leise an die Tür. Der junge Arzt trat über die Schwelle. „Sie verzeihen die Störung, gnädige Frau, aber Ober- teutnant Schmieder muß jeden Augenblick mit dem Geistlichen eintreffen," Hanna hatte sich erhoben. Sie sah so blaß ans wie der Sehwerverwundete, über dessen Stirn sie. sich nun neigte. Er fühlte den Abschiedskusj nicht — die Pforten des Jenseits hatten sich ihm bereits geöffnet und wiesen seinem inneren Blick unermeßliche- lichte Fernen. Doktor Werner begleitete die junge Frau zur Tür hinaus und legte im Flnr draußen den kostbaren Pelzmantel um ihre Schultern. Sie wehrte entschieden seine weitere Begleitung ab, wie gehetzt floh sie die wenigen Stufen des Parterre hinab. Vor der Tür wartete der Kutscher mit dem kleinen Coups, das ihr persönlich zu ihren Besorgungsfahrten gehörte. Der unentbehrliche Franz stand daneben. Die Straße lag öde in der frühen Dämmerung des frostigen Winterabends. Aus einem Rachbarhause klagten die abgerissenen Klänge einer Violine und formten sich zu der schwermütigen Melodie von Posecks Lieblingslied: „Ich kam vom Walde hernieder". Hanna biß die Lippen zusammen, mit wankenden Knien schleppte sie sich vorwärts. „lieber die Promenade nach Hause!" befahl sie rauh. Wie ihr graute vor der Rückkehr in ihr einsames Zimmer. Noch eine halbe Stunde fahren mußte sie wenigstens. Franz, dessen hübsches Gesicht eine seltsame Befangenheit verriet, öffnete mit geübtem Griff den Wagenschlag. Er klappte hinter ihr zu. In das Geräusch mischte sich ein Aufschrei ans Hannas Munde. In dem engen, dunklen Coups, vor dessen Fenstern sie vorher eigenhändig die blauseidenen Vorhänge zugezogen hatte, befand sich eine zweite Person. „Hanna, mein geliebtes, mein süßes Weib!" flüsterte eine wohlbekannte, bebende, zärtliche Stimme, „ich habe auf dich ge- wartet, wer weiß, kann ich dich noch einmal sehen — ich darf eigentlich nicht ausgehen — bin in Zivil." Fiebernd, aufgeregt, zitternd klammerte sie sich an ihn. „Geliebter, ach, Geliebter, welches Wagnis!" stöhnte sie und die Angst schnürte ihr die Kehle zu, „jede Unvorsichtigkeit kann uns ins Verderben stürzen, lind wenn ich denke, du solltest einmal so daliegen, lute der dort oben —•" Sie konnte nicht weiter, ihre Zähne klappten im Schüttelfrost aufeinander. Er küßte sie wild, leidenschaftlich, wie er sie im glühendsten Liebesrausch nicht geküßt. Dann zog er sie noch dichter zu sich auf seine. Knie, „Hanna, Hanna", flüsterte er rauh, „was sind wir für ein paar elende Menschen. Ich weiß, daß Poseck stirbt, bei Gott, ich hab's nicht gewollt. Ich sage mir noch heute, daß es eine schreiende Ungerechtigkeit ist, daß ich es fein mußte, der mit meinem Leben zu sühnen hätte, daß ich mich so schwer an keinem Manne und a uch an dir versündigt habe. Ich sehne mich förmlich nach einer gerechten Vergeltung, nach einem Verrat, der mir die Last von den Schultern nähme, nach dem Tode, der mich völlig frei machen würde." Ein Aufschlnchzen entrang sich ihrer Brust. „Du sollst leben, leben für mich, mein Geliebter." Sie brach in haltloses Weinen au?. „Was gilt mir Walter Poseck? Mag er sterben. Warum hat er dich so schmählich beleidigt? Was hattest du ihm getan? Nichts! Und er war doch so häßlich zu dir Sik wußte in ihrer Erregung kaum mehr, was sie an seinem Halse ^stammelte und Joachim faßte ihre herzlosen Worte über 102 — Kus dsn Letzten Tagen ein r Monarchie. Wie König Karl X. von Frankreich die Krone verlor. ven Sterbenden nur als Ausfluß ihrer leidenschaftlichen Liebe für ihn auf. Eine dumpfe Resignation packte ihn. „Ich mutz zu ihr halten, ich habe kein Recht, sie jetzt zu verlassen, da ich sehe, wie sehr sie mich liebt!" dachte er, den Zwiespalt seines Empfindens mit schneidendem Weh verspürend. Er mutzte abwarten, ob die lange Trennungszeit, die ihnen durch seine Festungsstrafe für das Duell bevorstand, ihre Gefühle abschwächen würde und er dann den Mut finden durfte, mit raschem Schnitt das Band dieser sündigen Liebe zu zer- schneiden. Für's Erste trat nun der Abschiedsschmerz m fein Recht. Ihm schien's, ol§ ginge sein Leben in Stücke mit dein letzten Kuh, den er auf die geliebten, sehnsüchtig an seinem Mnnde hängenden Frauenlippen drückte. Dann suchte Hannas Rechte bett kleinen Gummiball und der Kutscher brachte auf das gegebene Zeichen hin die feurigen Rappen augenblicklich zum Stehett. Der junge Offizier schwang sich aus dem Wagen und entfernte sich rasch im Dunkel der Promenadenanlagen. Die Dämmerung war so schttell gesunken, wie sie an Wintertagen sinkt, sobald die Sonne untergegangen ist. Noch brannten nur vereinzelt die Straßenlaternen. In dem schlanken, dunkel gekleideten Zivilisten, der ge- senkteit Hauptes, den weichen Filzhut tief iu die Stirm gedrückt, durch die schlecht beleuchteten Anlagen schritt, erkannte keiner der ihm begegnendeit Passanten, den Freiherrn voit Tressenberg, um dessen Person sich doch heut, neben der seines sterbenden Gegners, das Hauptinteresse aller Bewohner der Stadt drehte. platz. Dort hielt soeben auf schweitzbedecktem, zitterndem Pferde ihr Bruder Dietrich. Mit einem Satz schwang er sich aus dem Sattel und übergab, lebhaft sprechend und gestikulierend, das völlig erschöpfte Pferd einem wohl vom Diener rasch herbeigerufenen Reitknecht. lFortiekung folgt.) VII Marga von Tressenberg stand anr Fenster des Lotzwitzer Wohnzimmers und amüsierte sich über ein Völkchen Spatzen, dem sie fachen ein paar Semmelkrumen vout ttachmittäglichen Kafsee- tisch auf den gefrorenem Borplatz gestreut hatte. Der Freier saß, von der Gickst geplagt, in einem tiefen Lehnstuhl am anbei en Fettster und schalt nörgelnd über die Unvernunft der Tochter, das Diebsgesindel, welches seinen besten Weizen nicht respektierte, noch durch den Winterizu füttern. „Das ist nun wirklich nicht der Rede wert, Georg Werner!" meinte die Freifrau, in einem Korbe mit Wollknäueln eine bestimmte Farbe suchend, „ob sie die paar Krumen bekommen oder nicht, im Sommer sind sie doch gleich zahlreich an Ort und Stelle." „Na, natürlich, du mußt doch immer widersprechen, sooald ich was sage!" entgegnete der Alte giftig. Marga hätte sich am liebsteit die Ohren zugehalten. Ste vertrug diese ewigen Nörgeleien schlechter denn je, seit ihr Herz von so zarten inneren Gefühlen beseelt war. Jeder Mißklang, der von außen in die zuversichtliche friedliche Stille ihres Inneren drang, schmerzte sie wie eine Entweihung des Allerheiligsten. Sie lebte in einer Art Tranmzustcmd. Alle unangenehmen Gedanken wehrte sie von sich ab, sie wollte ganz uttgestört ihrem träumerischen, sützen, heimlichen Glücke leben. Hannas Brief hatte seine Wirkung verfehlt; zwar hatte der giftige Pfeil darin ihre Seele gestreift, aber dauernd verletzt hatte er sie nicht. Walter stand ihr so hoch, datz an feilt Tun teilt Tadel und kein Zweifel heranreichte. Er würde schon triftige Gründe haben, daß er mit seiner Werbung so lange zögerte. Der Freifrau war das stille verträumte Wesen der Tochter, ihr zärtlich glücklicher Gesickstsausdruck nicht entgangen. Sie triumphierte. Da Margai niemals beunruhigt ober schuldbewußt aussah, vermutete sie sehr richtig, daß der Mann ihrer Liebe, denn daß sie liebte, lag klar zutage, der Zustimmung ihrer Ellern sicher sei. Daher war sie jetzt öfter versöhnlicher gestimmt gegen die Tochter, die ihr doch ewig fremd bleiben würde, ihr nie die Tiefen ihres Empsindens erschloß. „Hat der Postbote keine Briefe gebracht?" fragte sie jetzt Wit ihrer lauten, harten Stimme, Joachim könnte auch wieder mal schreiben. Hast auch du keine Nachricht aus St., Marga?" Das blonde Mädchen wandte ihr langsam das Gesicht zu. Unbeherrschbares Rot flutete über ihre Wangeii. „Rein, Mutier! Hanna schrieb sehr lange nicht und wer *) Karotine, Prinzessin beider Sizilien, 1798—-1870, vermählt 1816 mit Ferdinand, Herzog von Berry, zweitem Sohne Karls X„ 1778—1820. „ . ■ .... **) Ludwig, Herzog von Augoulome, 1775—1864 ältest« Sohn des Königs Karl X.vermahlt kinderlos feit 1 99 mit seiner Cousine Maria Therese, Tochter Ludwigs XVI. und der Maria Antoinette. sollte mir sonst von dort schreiben?" „Briese sind überhaupt seit Tagen nicht gekommen", mischte der Freiherr sich ein, „wenn du nicht etwa diese vermaledeiten Preiskataloge und Rellamesachs als solche rechnest. , Was sehnst du dich nach Briesen? Mir ist viel wohler, wenn ich so wenig « wie möglich von meinen Herren Söhnen damit belästigt werde. | Na an!" er führ so heftig in seinem Stuhl empor, daß er laut j stöhnend vor Schmerz zurücksank, „was ist denn das?" s ' Mch Maigas Blicke wandten sich erschrocken aus den Bor- | Es gibt Geschichtsforscher, die sich mit Vorliebe bei der Frage aufhalteii, welchen Gang die Dinge wohl genommen hätten, wenn dieses oder jenes Ereignis nicht eingetrossen wäre, wenn dieser ober jener Mann statt seines Entschlusses einen anderen gefaßt hätte. Ohne die Nützlichkeit der historischen Kritik an sich zu leugnen, darf doch die Unfruchtbarkeit solcher Art ihrer Anwendung be- bauptct werden. Man kann einen französischen Schriftsteller, den Vicomte de Reiset, nicht ganz von dem Vorwurfe sreisprechen, dieser Schule anzugehören. Er hat jetzt ein fleißiges und umsang- reickes Buch über die Herzogin von Berry*) veröffentlicht, — die 'ehrgeizige und tapfere Mutter des Grafen von Chambord, die Frau, die sich beim Zulammenbruche des Thrones der Bourbonen im Jahre 1830, nach dem berühmten AuZspruche euteS Zeitgenossen, «cks der einzige Mann in der königlichen Familie erwies. Und er versucht bei der Schilderung dufts Zusammenbruches, den Belveis dafür zu erbringen, daß Karl X. von ti-rmit» reich seine Krone nicht verloren hätte, wenn er mehr Energie und Kühnheit gezeigt hätte. Mau erkennt vielleicht den Zusammenhang der Ereignisse, die stetige Fortentwicklung der Schicksale der Völker richtiger, tuen» man einzelnen Zufälligkeiten Nicht mehr als eine scheinbare Bedeutung zuerkennt. Trotzdem ist gerade das Kapitel des Werkes des Vicomte de Reiset am interessantesten, in dem er schildert, wie völlig ahnungslos König Karl X. durch den von ihm selbst herauf- beschworenen Sturm überrascht wurde, der seinen Thron sori- fegte. Familicupapiere setzen de Reiset hier in die Lage, mancyen bisher noch nicht bekannten Zug seiner Darstellung einzufugen. Es iuaren, wie der Leser weiß, die berüchtigten Ordonnanz-est des Ministeriums Polianac, über die das nach der Sßertreibung Napoleons wieder a'ufgerichtete bourbonische Königshaus zum zweiten Male siel, aber oieje Ordonnanzen waren schließlich dorn nur der Tropfen, der das Gefäß zum Ucberlaufen brachte Langst war die Erbitterung gegen das Königtum in ständigem Wachsen; sie war so mächtig, daß sogar die Nachricht von der Eroberung von Algier, als sie am 9. Juli 1830 eintraf und im Opernh mse wahrend der Vorstellung bekannt gegeben wurde, mit eisiger Gleichgültigkeit ausgenommen ward. Am 26. Juli morgens standen die Ordonnanzen im offiziellen „Moniteur". Sie verkündeten Aoauderuug des Wahlgesetzes, Aiifhebuug der Verfassung, Unterdrüaung der Preßfreiheit und Auslösung der Kammer. Der m Samt-Cloud residierende König dachte so wenig an gefährliche Folgen dieses Schrittes, daß er sich,- wie gewöhnlich, aus die Jagd nach Rambouillet begab, und nicht einmal den militärischen Besehls- hab.er von Paris, den Marschall Marmont, Herzog von Ragum, von der Veröffentlichung vorher hatte in Kenntnis setzen Ulfen. Die erste Wirkung trat dadurch zu Tage, dag o>.e Rente an der Mittagsbörse um vier Franken siel. Als der König es nach seiner Rückkebr erfuhr, äußerte er zuversichtlich: „Die Rente wird schon wieder'steigen!" Die Nacht verlief noch ohne Sprung m der Hauptstadt, .aber der nächste Tag brachte bedrohliche Anzeichen des beginnenden Aufstandes, und schm am 28. xsuh mußte der Marschill Marmont tiach Saint-Cloud meloeu, daß es die Revolution sei, die sich vorbereite. . In den Straßen von Paris entstanden Barrikaden In der glühenden Hitze des Hochsommers nahm der Kamps zwischen dem Volke und den Truppen bach einen inörderisckMi Charakter an, — in der Rue de Rivoli warf man den Soldaten durch bte Fenster die Klaviere und Schränke aus den Wohnungen heraus auf die Köpfe. Der Donner der Geschütze, das Knattern der Gewehr: I imb das Geläut der Sturmglocken drang bis nach Samt-Cloud. Aber wenn sich der Lärm mit dem Sinken der Nacyt gelegt hatte, dann setzte sich der König so unbekümmert rote immer zum Whist an den Spieltisch vor beit offenen Fenstern der Terrasse, wahr mb sein Sohn, der Dauphin**), sich m einer Ecke . Salons zum gewohnten Schachspiele nicht minder friedlich mederlieR Und nachdem er sich hatte dazu bestimmen lassen, dem verhaßten Ministerium Polignac den Laufpaß zu geben und die Ordonnanzen zurückzuzieheit, glaubte der König, jede Gefahr beseitigt. Doch in der Nacht vom 30. Juli gelangte plötzlich die Nachricht nach Saint-Cloud, die Anführer wären zu einem UeberjaU auf das Schloß unterwegs. Der König, der sich, nach beeu beten Whistpartie, bereits seelenruhig zu Bett begeben hatte, mußte 103 tte c i w it t 1 r r n IC it >- ) t $ r i) 3 ib £ ü. !lt M er tii er iti ie Ci .W Charakters uitb der Hinterlist, die schon damals alten Lösen Weibern eigen war, in weiblicher Gestalt versinnbildlicht. Vom Weibe erschienen den Germanen zwei Züge unzertrennlich, ja ihm als unveränderlich und ewig eingepflanzt die Liebe und die Mutterschaft. Diese Auffassung findet sich auch bei andern Völkern, bei den Orientalen, den Griechen, den Slaven, den Finnen, aber die Stellungnahme zu diesen Wesenseigentümlichkeiten des Weibes ist nicht bei allen diesen Völkern die gleiche. Die sich darauf beziehenden Mythen der Germanen sind so rein, wie das Denken der Urheber selbst war. Der um seiner Natürlichkeit willen großartig schöne Gedanke, daß die Erde im Lenze mit ihren zahllosen Keimen und Sprossen, mit all ihren Frühlingskindern eine große, gewaltige Mutter ist, hat in der germanischen Mythologie seine volle Ausbildung erlangt. Aber neben dieser, die Fortpflanzung betonenden Anschauung findet auch der Liebesgenuß in der germanischen Mythologie seinen Ausdruck. Fast in allen mythischen weiblichen Wesen lebt die Sehnsucht nach dem Manne. So suchen die Elbinnen die jungen Männer durch ihren Blick zu betören und zu verführen. Dem mythischen Sinn der Germanen schien das Weib so, wie es ist, nicht etwa im schwülen Glanz sinnlicher Schönheit wie bei den Orientalen. Die Kennzeichen weiblicher Schönheit sind ihnen goldene Haare und weiße Haut — die Merkmale der germanischen Rasse. Schönheit und Häßlichkeit sind stets mit den entsprechenden moralischen Eigenschaften verbunden. Wenn auch die dichterische Verherrlichung des Weibes durch die Skalden sich über die in allgemeinen Zügen gehaltenen Schilderungen, der im Volksglauben lebenden elbischen und dämonischen Wesen erhob, so liebte es die germanische Poesie doch nicht, die weibliche Schönheit im einzelnen auszumalen. Zu der künstlerischen Idee der äußeren Umkleidung des weiblichen Körpers drang sie nicht vor. Die Elbinnen werden gewöhnlich mit weißen Schleiern bekleidet geschildert. Das Waldweib trägt ein schmutziges Moosgewand, die Kampfsrauen Schwauenhemden. Die Skalden wissen von der verderblichen Rolle, die der Schmuck bei den Göttinnen gespielt hat, zu berichten. Der uralte weibliche Trieb,. den Leib durch äußere Mittel zu verschönern, war ihnen wohlbekannt. Die Göttinnen verschmähten es nicht, durch Verlust ihrer Tugend Schmuck zu gewinnen. Die stärkste Abweichung des germanischen Empfindens von dem anderer Völker zeigt sich aber darin, was ihm die Mutterschaft bedeutet. Bei jenen, abgesehen von den Griechen, ist es die Liebe zwischen Mann und Weib, die vom poetischen Denken gestaltet wird; die Germanen aber haben auch eine Poesie der Mutter und der Hausfrau. Was die Menschenfrauen tun, das tun auch die Geister. Die Elbinnen trocknen Wäsche, backen Kuchen, schöpfen Wasser. Die Zwergsrauen leihen Kessel aus und bringen sie mit Zins zurück. Frau Holle schüttelt das Bett auf, daß die Daunen fliegen. Das Mütterlicht-Schützende tritt ain eigentümlichsten in der Auffassung derTodesgottheit hervor. Der Tod bedeutet den Germanen einen Eingang in den Schoß und die Arme der Mutter. Auch die Beherrscherin des allgemeinen TotenveichS wurde weiblich gedacht. Schließlich erschien den Gernranen selbst das Schicksal das über Göttern und Menschen waltete, in der Gestalt des Weibes. Das Geheimnis, das das Weib, die Mutter umwob, wurde als Eigenschaft in das Weib hineingelegt und daraus ihre Gabe, in die Zukunft zu scharren, abgeleitet. Das Geheimnisvolle und Rätselhafte, das die Germanen am Weibe verehrten, das sanden sie im Schicksal. Das Schicksal lenkt aber auch und leitet — auch von dieser schützenden Eigenschaft her wurde der Germane an Werberart erinnert. Wie für das Kind die Mutter das Schicksal ist, so ist für den Mann das Schicksal die Mutter. In deü bedeutungsvollsten der weiblichen Künste, nämlich im Spinnen, ist das Menschengeschick, ja das Weltgeschick verbildlicht. Das Weibliche irr der germamscherr Mythologie. : Da das Frauenideal in einer Wandlung be-- tzriffen ist, das Althergebrachte sich aufzulösen droht and neue ungeahnte Formen sich gestalten, erscheint ein Blick auf die längst versunkene Welt volkstümlichen Schaffens, das Ur fv r üng I ttfje Regungen der Volksseele widerspiegelt, nicht vH ne Bedeutung für das Verständnis dafür, wie ein Volk die Eigenart des Weibes zu erfassen vermag und aus Gegebenem mib Gewünschtem das Ideal des 1 Weibes schafft. In einem Aufsatz der Zeitschrift für den deutschen Unterricht hat Dr. Zügen ein Bild entworfen von der Rolle, die das Werb tn der Mythologie der alten Germanen spielt. <®ie des Gegensatzes zwischen Mann und Weib fit den Germanen frühzeitig zu Bewußtsein gekommen. Der Trieb der Geschlechtsscheidung offenbart sich schon bei der Vermenschlichung der Natur. Ein großer Teil der mythischen Naturerscheinungen werden zugleich männlich und weiblich vorgestellt; es gibt Götter und Göttinnen, Riesen und Riesenweiber, Elbe und Elbinnen u. s. f. Dennoch gibt es auch Gebiete, die von den Germanen mit Vorliebe einem der Geschlechter zugewiesen worden sind. Was sich mit weiblichen Kräften zu' äußern pflegte, das stellten sie sich auch unter Weibergestalt vor, z. B. die sprossende, keimende Erde und die Wolke, die Hüterin des keimenden Lebens. Auch der Wirbelwind wird, > wahrscheinlich wegen seines spontanen Bremer-Licht imd Magnetit-Lampe». (Nachdruck verboten.) Jahrzehntelang wurden zu Bogenlampen stets nur einfache Kvhlenstifte verwendet. Alle möglichen Verbesserungen wurden an den Lampen erfunden und erprobt, nur die Kühlen selbst, von denen es schon immer 2 Arten gab, blieben genau so wie früher. Diese zwei verschiedenen Arten sind die sogenannten Honwgenkohlen, die, wie ihr Name ja sagt, in allen ihren Teilen ganz gleich sind, und außerdem die sog. Dochtkohlen. Der Krater nämlich, der sich beim Durchgehen des elektrischen Stromes an der positiven Kvhle bildet, ist bekanntlich der hellste Teil der ganzen Lampe und auf seine richtige Lage kommt es daher vornehmlich an An Honwgenkohlen ist er nun aber häufig recht unregelmäßig gestaltet, rückt auch wohl mal etwas nach einer Seite, so daß sich die Beleuchtungsstärke auf der andern Seite plötzlich stark verringert. Man bringt deshalb in der Mitte der Kohlen einen Docht aus etwas flüchtigerer Masse an, die schneller als die Umgebung abbrennt, so daß der Krater immer in der Mitte bleibt. Eine Mischung aus pulverisierter Retortenkohle mit Ruß wird zusammen mit Steinkohlenteer unter hohem hydraulischen Druck ge- prcf und ausgeglüht. Diese Wtasse bildet den Kern der Dochk- kohlM geweckt werden, und er erteilte nun den Befehl zum Aufbruch Die Sonne war noch nicht aufgegangen, als der Zug der Flüchtlinge sich u nter der Bedeckung der getreuen Gardes-du-Corps auf den Weg machte, zunächst nach dem großen Trianon in Versailles. Der alte 73jährige Monarch verlor auch jetzt keinen Augenblick seine Fassung. Als er seiner Schwiegertochter, der Herzogin von Berry ansichtig wurde, die sich in eine phantasiereiche Männer- kleidung geworfen hatte, mit einem Federhute auf dem Kopse und Pistolen im Gürtel, klopfte er ihr lächelnd auf die Schulter und gab ihr den Rat, „diese Trttcyt einer Walter Scott'schen Heldin schleunigst abzulegen". Von Versailles aus wurde Rambouillet erreicht. Hier empfing Karl X. die Abgesandten des Herzogs von Orleans, der die Regentschaft übernommen hatte, nachdem des Königs Absetzung erklärt worden war, und hier entschloß er sich, zu Gunsten seines kleinen Enkels, des Grasen von Chambord, abzudanken. Jeden Gedanken an Widerstand gab er nun auf, obwohl, wie de Reiset behauptet, die Zahl der treugebliebenen Truppen völlig äusreichend war, um die Empörer mit Leichtigkeit zu Paaren zu treiben; an einer anderen Stelle meldet de Reiset freilich selbst, daß die Truppen schon haufenweise desertierten. So wurde auch Rambouillet verlassen; es ging der Küste zu. Das erste Nachtquartier war das Schloß Maintenon, dessen Besitzer, der Herzog und die Herzogin von Noailles, den fliehenden Herrscher ehrfurchtsvoll vor dem Tore empfingen, als er zu Werd nahte. Er schlief hier in dem Zimmer, das einst seinen großen Ahnherrn Ludwig XIV. ausgenommen hatte, die Herzogin von Angouleme in dem Ranme, den Madame de Maintenon betvvhnt hatte. Von Maintenon ans entließ der König die Garde truppen, die ihm gefolgt waren, bis auf vier Kompagnien Gardes-du-Corps; die begleiteten ihn bis ans Meer. Seltsam genug sah der riesenhaft lange Zug aus, der sich in sengender Glut auf staubiger Landstraße langsam fortwälzte. Die Anzahl der Personen betrug gegen siebenhundert; sechzig Wagen allein waren mit Kostbarkeiten, mit Silberzeug und Schmuck beladen. Dabei hatte man in der Hast vergessen, sich mit barem Geld« genügend zu chersehen, und mußte die Ausgaben teilweise durch Verkauf des Silbergeschirrs decken. So kam man von einem Ort zum andern und langte endlich am Nachmittage des 16. August, also nach länger als zwei Wochen, am Kriegshasen von Cherbourg an, in dem sich der letzte Akt dieser Königstragödie abspielen sollte. Zwei amerikanische Schisse lagen bereit, die — eine merkwürdige Fügung — dem Exkönig goseph Bonaparte gehört haben sollen, der sich ja in den Vereinigten taaten niedergelassen hatte. Die Gardes-du-Corps marschierten Mit der Front nach dem Meere auf und der Zug hielt. An der schwerfälligen, goldbeladenen Karosse des Königs wurde der Tritt herabgelassen und Karl X. stieg mit seinem kleinen Enkel heraus, der für ihn und die Semigen fortab als der wahre Herrscher Frankreichs galt. Hinter ihm schritten der Dauphin und die Dauphine, diese in schwarz gekleidet und mit vom Weinen geröteten Augen, sowie die Herzogin von Berry in einer Art von Reitkleid mit breitrandigem Männerhute und ihrem geliebten kleinen Schoßhund „Foliche" unter dem Arm. . . . Die Stunde des Abschieds von der Heimat, von den Freunden ist gekommen. Alle lassen ihren Tränen freien Lauf, nur der König hält die seinigen zurück. Sein Antlitz ist so gelassen wie sonst und er spricht denen, die ihn weinend umr z..c, Worte des Trostes zu. Dann wird die Schiffbrücke zurückgezogen, die Segel entfalten sich und langsam ziehen die Schiffe aus dem Hafen hinaus. Tiefes Schweigen herrscht unter den Zurückgebliebenen, Nachschauenden. Nur ein kurzes Kvmmandowort ertönt: es gilt den Gardes-du- Corps, die, kerzengerade ausgerichtet, zum letzten Male mit den Mässen ihren König, grüßen und bewegungslos so verharren, dis das Schiff, das ihn davonträgt, ihren Augen entschwunden ist..... ........ Dr. A. v. Wilke. 104 «edaltion- Ernst v-b.- Rotationsdruck unh Verlas der Brübl'tchen UnwersitätS-Buck. »»» St-tndruckeret. R. Lange.